Page 1

Branchen Bulletin

FIlm pro duk tions land Finn land

Finnisch-deutsche Koproduktionen: Big Game Iron Sky 2: The Coming Race The Fencer The Girl King Local Heroes und Nachwuchsregisseure Finnish Film Affair Finnische Filmreihe auf der Frankfurter Buchmesse


Eine Filmnation mit Koproduktions-Tradition Dank ihrer gewachsenen Infrastruktur blüht die Filmindustrie in Finnland immer weiter auf

Fotos: Finnish Film Foundation

tion, welche die finnische Filmindustrie jährlich mit mehr als 23 Mio. Euro unterstützt.

Die Finnish Film Foundation in Helsinki

akquiriert worden ist. Unkonventionelle Independent-Produktionen wie Iron Sky, Dokumentarfilme wie Love and Engineering, aber auch 3D-Animationsfilme à la Niko sind in Deutschland und vielen anderen Ländern erfolgreich ins Kino gebracht worden. Realisiert werden können die finnischen Produktionen dank der Unterstützung der Finnish Film Founda-

Festivals / Feature Films Jaana Puskala, Head of Feature Film Promotion jaana.puskala@ses.fi

In dem kleinen Filmland sind die Filmemacher auf Koproduktionen angewiesen, um größere Projekte zu realisieren. „Finnland und Deutschland haben eine langjährige Koproduktions-Geschichte“, konstatiert Petri Rossi, Leiter für Produktions- und EntPetri Rossi wicklungsförderung bei der Finnish Film Foundation, „doch seit einigen Jahren resultieren aus dieser Zusammenarbeit wirklich internationale Filme.“ Neben Big Game gehören dazu große, universelle Kinodramen wie The Fencer von Klaus Härö oder Mika Kaurismäkis Herzensprojekt The Girl King über die Frau, die nicht Königin sein wollte. Für Furore sorgen wird international Iron Sky 2: The Coming Race, wofür der finnische Filmemacher Timo Vuorensola ein eigenes Universum kreiert. Während finnische Dokumentarfilme über eine gewachsene KoproduktionsTradition verfügen, ist die Herstellung von Animationsfilmen in Finnland erst

Festivals / Short and Documentary Films Otto Suuronen, Head of Short and Documentary Film Promotion otto.suuronen@ses.fi

im letzten Jahrzehnt richtig aufgeblüht. Dank der Förderung ist die finnische Filmindustrie erheblich gewachsen, was nicht nur die heimische Produktion gestärkt hat. „Wir verfügen über professionelle Teams und eine exzellente Infrastruktur.“ Davon profitieren auch ausländische (Ko-)Produktionen, die in Finnland eine Vielzahl attraktiver Locations vorfinden und beim Dreh maßgeblich von den Film Commissions unterstützt werden. Zudem besitzt Finnland viele „Local Heroes“ wie den Kameramann Peter Flinckenberg, der selbst Low-BudgetProduktionen einen brillanten Look verleiht oder viel versprechende Filmemacherinnen wie Selma Vilhunen, die mit präziser Bildsprache die Gefühle ihrer Protagonisten vermittelt. „Finnische Filme sind oftmals von dunklem Humor und wortkargen Charakteren gekennzeichnet“, erklärt Petri Rossi, „aber es gibt genauso viele verschiedene Arten ‚finnischer Filme‘ wie Filmemacher in Finnland.“ Birgit Heidsiek n

www.ses.fi/en

International Information Kati Nuora kati.nuora@ses.fi www.ses.fi/en

catalogue.ses.fi

2

Foto: thakala / fotolia.com

F

innische Filme stoßen international zunehmend auf Interesse. Das gilt nicht nur für große Koproduktionen wie das Actionabenteuer Big Game von Jalmari Helander, das auf dem Internationalen Film Festival in Toronto für die US-Kinoauswertung


Locations im Land der Seen und Wälder

www.filmfinland.fi/locations

Die Film Commissions in Finnland sind bei Film- und Fernsehproduktionen ein starker Partner Es ist das Land der Mitternachtssonne und langer Polarnächte in sich weit erstreckenden Landschaften, die im Winter unter einer Schneedecke liegen. 1.000 km Ostseeküste, einsame Inseln und 188.000 Binnenseen bieten vielfältige Wassermotive. Und es gibt Metropolen wie die Hauptstadt Helsinki, Turku an der Südwestküste mit dem großen vorgelagerten Inselarchipel oder Joensuu im Osten, das umgeben von Wäldern nahe zur russischen Grenze liegt.

Turku Castle: Hauptmotiv für The Girl King

W

er sich in Finnland bewegt, dessen Fläche sich zu gut einem Drittel nördlich des Polarkreises erstreckt, muss vor allem Entfernungen zurücklegen. Als der Kieler Tatort Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) in der Folge Tango für Borowski (2011) eine Dienstreise nach Finnland unternimmt, um dort einen jungen Deutschen zu vernehmen, schickt ihn der finnische Kollege aus Helsinki nach Nordkarelien in den kleinen Ort Ilomantsi – mit der lakonischen Bemerkung „500 km von hier Richtung Osten nach Joensuu und dann nach rechts“. „In Ilomantsi und Umgebung haben wir nahezu komplett gedreht“, berichtet die Produzentin Kerstin Ramcke von der Nordfilm GmbH, einer Tochter der Studio Hamburg Produktion. „Der Ort liegt mitten im Nichts, 20 km entfernt von der russischen Grenze in einem waldreichen Gebiet, wo wenig Menschenseelen anzutreffen sind.“ Ilomantsi, das als Standort für die Holzindustrie angelegt worden ist, hat heute nur noch wenig Einwohner. Ramcke hat perfekte Bedingungen für das Filmteam vorgefunden, das in einem schönen Kurhotel am See untergebracht war. „Die Produktion wurde von allen Seiten stark unterstützt. Die Menschen sind sehr offen und entgegen kommend“. Die überwiegend finnische Crew hat der örtliche Service-Produzent Klaus Heydemann zusammengestellt. „Ein hoch professionelles Team“, lobt Ramcke. Der Dreh wurde von der Finnish Film Foundation sowie der regionalen Förderung in Nordkarelien unterstützt.

Fotos: West Finnland Film Commission

Die alte Hafen- und Universitätsstadt Turku an der Südwestküste gilt mit ihrer professionellen Infrastruktur neben Helsinki heute als eine der Hochburgen für Filmschaffende wie Teija Raninen, Leiterin der West Finland Film Commission (WFFC), betont. In Turku hat Mika Kaurismäki mit internationaler Crew nahezu komplett den Spielfilm The Girl King über die schwedische Königin Kristina gedreht. Als Hauptmotiv fungierte die Burg von Turku. Weitere Schauplätze waren die Kathedrale, das Handwerksmuseum und die Universität mit botanischem Garten.

Brücken oder Fähren erreichbar. In Turku spielen auch die „Vares“-Krimis des lokalen Autors Reijo Mäki. Mehrere Bücher sind seit 2004 bereits verfilmt worden. Im Sommer 2014 ist der am Bodensee lebende Regisseur Hannu Salonen in seine fin-

Die West Finland Film Commission hat sich um das Scouting der Drehorte, sämtliche Drehgenehmigungen sowie die Organisation der Sets gekümmert. Die historischen Kostüme wurden von lokalen Schneidern und Seidenstickern angefertigt und weitere tausend Kostüme aus europäischen Fundi vor Ort umgeändert. Ein Mitarbeiter der Film Commission war im Produktionsteam fest integriert. Der deutsche Koproduzent Rainer Kölmel (Starhaus Film) ist von der dort geleisteten Unterstützung mit den vielen Hilfeleistungen und Beistellungen für die Ausstattung des Films schwer beeindruckt. Trotz seiner historischen Gebäude ist Turku eine moderne Stadt. Die Schärengruppe vor Turkus Küste ist eines der größten Archipele der Welt. Die größten der über 20.000 Inseln sind über

Regisseur Hannu Salonen

Die Kinoreihe Vares wurde in und um Turku gedreht

nische Heimat gefahren, um in Turku und in der Umgebung den Film Vares Sheriff in Szene zu setzen. Die West Finland Film Commission ist Teil eines Netzwerks von fünf Film Commissions in Finnland, die eng mit den anderen skandinavischen Film Commissions kooperieren. Auf der Berlinale hat Raninen diverse Anfragen deutscher Produzenten erhalten, die in der Gegend von Turku drehen wollen. Wer mit seinem Team die Einsamkeit in den Wäldern des Ostens sucht, ist in Ilomantsi richtig. Von Helsinki fährt man 500 km ostwärts nach Joensuu und dann rechts.  Bernd Jetschin n

Das Markenzeichen Vares Die packenden Kultkrimis mit dem coolen Privatdetektiv Jussi Vares sind von dem finnischen Autor Reijo Mäki fest in Turku verortet. Genau dort an Ort und Stelle dreht die finnische Produktionsfirma Solar Films seit mehreren Jahren die spannende Kino-Reihe mit Antti Reini in der Titelrolle. Für den jüngsten Film Vares Sheriff hat Hannu Salonen das Buch geschrieben und die Regie übernommen. „Für den Dreh in Turku haben wir immense lokale Kräfte mobilisieren können“, berichtet der finnische Filmemacher. „Leute und lokale Firmen waren äußerst motiviert und fanden es toll, dabei zu sein.“

3

In Vares Sheriff soll der Detektiv einen Doppelmord mit rituellem Charakter aufdecken. Bei seinen Ermittlungen stösst er auf einem vom Sheriff angeführten kriminellen Herrenclub, der ihn anheuert. Damit geht Vares einen Pakt mit dem Teufel ein. Er muss eine moralische Entscheidung treffen und die Schwelle zur Grauzone zwischen Recht und Unrecht haarscharf überschreiten, um Gerechtigkeit walten zu lassen. In Finnland bringt Nordisk Film Vares Sheriff im Januar 2015 in die Kinos. www.solarfilms.com


Ein Actionabenteuer mit Herz

Der finnische Regisseur Jalmari Helander präsentiert mit Big Game ein Kino-Epos im internationalen Format

Mit dem starbesetzten Actionabenteuer Big Game zeigt der Rare Exports-Regisseur Jalmari Helander, wie großes Kino aus Finnland aussieht. Finanziert wurde der bislang teuerste finnische Film aller Zeiten als internationale Koproduktion zwischen Finnland, Deutschland und Großbritannien. Die Dreharbeiten zu diesem klassischen Buddy-Movie, das auf dem Internationalen Film Festival in Toronto seine Weltpremiere feierte, erfolgten in den Bavaria Studios. Das Drehbuch zu Big Game hat Jalmari Helander zusammen mit dem finnischen Produzenten Petri Jokiranta entwickelt, die in Helsinki gemeinsam die Produktionsfirma Subzero Film Entertainment betreiben. Zu der Geschichte inspiriert haben sie Filme und Vorhaben aus ihrer Kindheit. „Das hat zu dieser merkwürdigen Mischung aus Finnland, Amerika, Cliffhanger, Rambo und Indiana Jones geführt“, erklärt Jalmari Helander. Insofern steht Big Game in der Tradition amerikanischer Actionfilme. „Ich liebe Action“, betont der Regisseur „In diesem Film gibt es sehr gute Action, denn wir haben unsere Version eines amerikanischen Actionfilms gedreht; mit weniger Gewalt und mehr Herz.“ In Big Game wird ein 13-jähriger Junge zur Männlichkeitsprüfung mit Pfeil und Bogen in die Wildnis geschickt und soll mit einer Jagdtrophäe zurückkehren. Zur selben Zeit bringen Terroristen die Air Force One-Maschine des US-Präsidenten zum Absturz, der mit seiner Rettungskapsel mitten im Wald landet. „Big Game basiert auf der Idee, dass ein ganz normaler Junge den Präsidenten der Vereinigten Staaten trifft“, erläutert der Filmemacher.

„Der Unterschied zwischen diesen beiden Figuren soll so groß wie möglich sein.“ Der Junge im Wald begegnet dem Präsidenten, der von Samuel L. Jackson gespielt wird. „Das war auch für Onni (Tommila) etwas ganz Besonderes, denn er hätte sich niemals vorstellen können, Samuel zu treffen. Jetzt spielt er zusammen mit ihm. Die reale Situation gleicht sehr der im Film, was nicht besser hätte sein können.“

fährlich gewesen wäre.“ Auch die Szenen, die in der Air Force One und dem Pentagon spielen, wurden in den Bavaria Studios realisiert. „Das Set Design war sehr aufwändig“, bestätigt Petri Jokiranta „Wir haben sogar das komplette Boeing-Flugzeug mit der Präsidenten-Suite und den Schleudersitzen nachgebaut.“

Drehort Bayern

Das Gesamtbudget für dieses aufwändige Action-Abenteuer, das in finnischdeutsch-britischer Koproduktion entstanden ist, beläuft sich auf 8,5 Millionen Euro. Petri Jokiranta, der mit der Subzero Film Entertainment als majoritärer Produzent für Big Game verantwortlich zeichnet, ist dabei mit 750.000 Euro von der Finnish Film Foundation unterstützt worden. Weitere Gelder stammen vom YLE, dem Nordisk Film & TV Fund sowie dem Visionplus Fund. Auf deutscher Seite ist Jens Meurer mit der Berliner Produktionsfirma Egoli Tossell Film an dieser internationalen Koproduktion beteiligt, die vom FFF Bayern und DFFF gefördert worden ist. Big Game hat als erste Produktion von dem Anfang 2013 initiierten Sonder-

Die Filmaufnahmen zu diesem BuddyMovie erfolgten überwiegend in Bayern sowie zum Teil in Finnland. Als Drehorte dienten die Zugspitze, ein See sowie der Wald auf dem Bavaria-Studiogelände. Auch der Absturz der Präsidenten-Maschine wurde dort aufgenommen. Um die Schauspieler im Wasser zu filmen und Teile der nachgebauten Boeing 747 zu fluten, wurden zwei Wasserbecken im Filmstudio errichtet „Wir haben die Kamera soviel wie möglich bewegt und die deutsche Berglandschaft als einen imposanten Schauplatz in der Geschichte eingesetzt, denn der Film soll groß und episch aussehen.“ Hinter der Kamera stand Mika Orasmaa, auf dessen Konto die beiden finnischen Exportschlager Rare Exports und Iron Sky gehen. „Unser Ansatz war, so viel wie möglich real zu drehen, denn das ist meistens die beste Lösung“, betont der Regisseur. „Natürlich gibt es in diesem Film auch einige Einstellungen, in denen wir mit CGI arbeiten mussten, weil ein Realdreh nicht möglich oder zu ge-

Onni Tommila als „Oskari“ und Samuel L. Jackson als US-Präsident Fotos: Subzero Film Entertainment

4

Big Budget für Big Game


www.altitudefilment.com/ film/sales/16/big-game

Der junge Hauptdarsteller Onni Tommila …

Bange Blicke in der Kommandozentrale des Weißen Hauses

programm zur Förderung von internationalen Koproduktionen profitiert und eine Million Euro aus diesem neuen Geldtopf erhalten. „Für mich gehört zum Filmstandort Deutschland, dass wir hier internationale Produktionen drehen, bei denen die Europäer nicht als Handlanger fungieren, sondern in echten Koproduktionen jeden kreativen Schritt erarbeiten”, betont Meurer. „Wir schlagen Hollywood mit seinen eigenen Mitteln, denn wir verkaufen diesen Film mit Samuel L. Jackson auch an die Amerikaner.“

Europäischer Film mit US-Stars Auf dieses Projekt aufmerksam geworden ist der deutsche Produzent durch Will Clarke von der Londoner Produktions- und Vertriebsfirma Altitude Film Entertainment, die durch erste Vorverkäufe an Ascot Elite für Deutschland und die Schweiz sowie Entertainment One für Großbritannien weitere Mittel generiert hat, während sich Nordisk Film die skandinavischen Rechte bereits von Subzero Film Entertainment sichern konnte. Darüber hinaus sind die amerikanische Comerica Bank sowie einige US-Darsteller am Film beteiligt. Neben Samuel L. Jackson als US-Präsidenten wurde eine ganze Reihe amerikanischer Schauspieler für die Produktion engagiert wie die Desperate Housewives-Darstellerin Felicity Huffman als CIA-Leiterin, Victor Garber als US-Vizepräsident, Ted Levine als „General Underwood” sowie Ray Stevenson. Komplettiert wird die Besetzung durch den britischen Schauspieler Jim Broadbent als Stabschef im Pentagon sowie den deutschen Darsteller Mehmet Kurtulus.

Der junge Hauptdarsteller Onni Tommila hat bereits in Rare Exports und anderen Filmen von Jalmari Helander mitgespielt. „Der Regisseur ist sein Onkel und sein Vater verkörpert auch im Film seinen Vater”, verrät Meurer. „Insofern ist dieser Film ein finnisches Familienunternehmen.”  Birgit Heidsiek n

… mit Regisseur Jalmari Helander

Local Heroes – Kameramänner

Mika Orasmaa

W

ilde Verfolgungsjagden in finsteren Wäldern mit einer Steadycam einzufangen, gehört zu den Vorlieben des finnischen Kameramannes Mika Orasmaa. In dem finnischen Erfolgsfilm Rare Exports als auch in Jalmari Helanders neuem Werk Big Game wird der Stil und Look durch die bewegte Kamera und den Einsatz kräftiger Farben geprägt. Bei der Lichtsetzung, der Farbdramaturgie, der Ausstattung, aber auch dem Einsatz von anamorphotischen Linsen dienten Action-Abenteuer wie Indiana Jones oder E. T. – Der Außerirdische als Vorbild. „Ich bin ein Fan der Abenteuerfilme der 80er Jahre, mit denen ich aufgewachsen bin“, erklärt der Kameramann, der beim Dreh von Rare Exports auf 35mm-Filmmaterial gesetzt hat. Erstaunliche, große Kinobilder hat er auch für die Sci-Fi-Komödie Iron Sky von Timo Vuorensola kreiert, der ihn für das Sequel Iron Sky 2: The Coming Race wieder engagiert. Nach einem im Studio Babelsberg gedrehten Kurzfilm für die Crowdfunding-Kampagne werden bereits die ersten Storyboards entwickelt. „Wir planen, im nächsten Jahr zu drehen.“ Bis dahin ist Mika Orasmaa noch voll beschäftigt. Nach dem Action-Abenteuerfilm Adventure in Greece von Taavi Vartia, den er im Sommer auf der griechischen Insel Kos gedreht hat, folgt die TV-Serie Replacements von dem Nymphs-Regisseur Miikko Oikkonen. „Jedes Projekt und jede Geschichte erfordern einen eigenen Look. Ich liebe die Vielseitigkeit, um neue Dinge auszuprobieren und zu lernen. Doch das Action-Kino der 80er-Jahre, an das wir in Big Game angeknüpft haben, liegt mir am meisten am Herzen.“ www.fscfinland.fi

5


Eine moralische Entscheidung I Mit The Fencer präsentiert der renommierte finnische Filmemacher Klaus Härö ein fesselndes Drama mit einem universellen thematischen Kern

Das mitreißende Drehbuch zu The Fencer von der finnischen Autorin Anna Heinämaa begeisterte die Produzenten auf Anhieb. „Das ist der beste erste Entwurf eines Skripts, den ich jemals gelesen habe“, schwärmt der finnische Produzent Kaarle Aho, der gemeinsam mit Kai Nordberg in Helsinki die finnische Produktionsfirma Making Movies betreibt. Für das Kindertage in Estland Anfang der 50er Jahre

Dunkle Schatten der Vergangenheit

Eine Reise ohne Rückkehr? Die estischen Hauptdarsteller Märt Avandi und Ursula Ratasepp

fesselnde Drama über einen jungen Sportlehrer, der in Estland ein neues Leben anfängt, dort aber wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird, erhielten sie von der Finnish Film Foundation die Höchstfördersumme für Spielfilmproduktionen von 800.000 Euro. Auch der finnische TV-Sender YLE, der Filmverleih Nordisk Film und der Medienfonds der evangelischen Kirche in Finnland unterstützen den Film. Als Koproduktionspartner in Estland gewann das Team Ivo Felt von Allfilm, mit dem sie bereits 2011 den Spielfilm Rat King von Petri Kotwica produziert haben. Nach der Lektüre des Skripts ist der deutsche Produzent Jörg Bundschuh mit seiner Münchener Kick Film sofort in dieses ambitionierte Projekt eingestiegen. Wie der estländische Partner bringt auch er dank der Gelder vom FilmFernsehFonds Bayern und vom DFFF weitere Fördermittel in diese finnisch-estländisch-deutsche Koproduktion ein, an der sich zudem die Sender BR und ARTE beteiligen.

menschliches Drama über einen Mann, der gezwungen ist, eine moralisch essentielle Entscheidung zu treffen, ohne dabei seine eigenen Interessen zu berücksichtigen. Jörg Bundschuh geht sogar noch einen Schritt weiter. Für ihn handelt The Fencer von „den Dingen, die wirklich im Leben zählen“. Den deutschen Produzenten fasziniert die vitale Aufbruchsstimmung in Estland, die sich seit der Unabhängigkeit in dem Land ausbreitet. „The Fencer, dessen Geschichte, auf wahren Begebenheiten basiert, besitzt einen universellen thematischen Kern und erzählt

The Fencer erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der Anfang der 50er Jahre von der Sportuniversität Leningrad verwiesen worden ist. Auf der Flucht vor der Geheimpolizei taucht er in dem kleinen estländischen Badeort Haapsalu auf und nimmt an der dortigen Schule eine Stellung als Lehrer an. Im Sportunterricht begeistert er seine Schüler für das Fechten, das er ihnen gegen den Willen des Schuldirektors vermittelt. Als sein Fechtclub zum sowjetischen Schulsportwettbewerb nach Leningrad eingeladen wird, steht er vor einem echten Zielkonflikt: Als verantwortungsbewusster Lehrer will er seine Schüler zu diesem Turnier begleiten, was jedoch mit dem Risiko verbunden ist, dass er aufgrund seiner Vergangenheit in Leningrad verhaftet wird. „Die düstere Ära des Sowjet-Stalinismus liefert nur den historischen Hintergrund der Geschichte“, erläutert der finnische Produzent Kaarle Aho. In dem Stoff der finnischen Drehbuchautorin Anna Heinämaa sieht er in erster Linie ein

www.mamo.fi

6

Fechtkurse in der Schule

Fotos: Tuomo Manninen / Making Movies

n seinem neuen Kinodrama The Fencer schildert der preisgekrönte Regisseur Klaus Härö, der schon dreimal von Finnland ins Oscar-Rennen geschickt worden ist, eine packende Geschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert. Die finnische Produktionsfirma Making Movies realisiert dieses Projekt in internationaler Koproduktion mit Allfilm in Estland und der Münchner Kick Film.


Local Heroes – Kameramänner

Tuomo Hutri

Produzent Kaarle Aho

gleichzeitig viel über Estland“, berichtet Bundschuh.

Estland im 50er-Jahre-Look „Durch die enge freundschaftliche Beziehung, die Finnland und Estland miteinander verbindet, ist es für uns sehr attraktiv, dort zu produzieren“, unterstreicht der finnische Produzent Kaarle Aho. „Da unsere Sprachen verwandt sind, können wir uns gut untereinander verständigen.“ Während der Sowjet-Ära fungierte das finnische Fernsehen für die Esten als das Tor zum Westen, da sie in Estland die TV-Programme empfangen konnten. Für The Fencer wurden die Drehorte in Estland mit Hilfe von diversen Dekorationen wieder in die 50er Jahre zurückversetzt. Der überwiegende Teil der Schulszenen und Außenaufnahmen erfolgte in dem Badekurort Haapsalu, der noch einen alten Stadtkern besitzt. Da die Schule während des Drehs renoviert wurde, musste das Team für einige Einstellungen in die finnische Stadt Pärnu ausweichen, wo ein ähnliches Schulgebäude als Motiv diente. Die Schluss-Sequenz in Leningrad entstand in einem alten Theater in der Hauptstadt Talinn, dessen Look der Architektur in Leningrad entspricht. Die Hauptrollen in diesem Spielfilmdrama hat der Regisseur Klaus Härö mit den estländischen Schauspielern Mart Avandi, Ursula Ratasepp und Hendrik Toompere besetzt. Für Bundschuh gehört Härö zu den herausragenden Regisseuren in Europa. „Er lässt den Schauspielern viel Zeit und den Raum, den sie für ihr Spiel benötigen und hat nebenbei die technische Infrastruktur voll im Griff“, betont Bundschuh.„Dadurch entsteht eine Qualität, die selten ist.“

Auf das Konto des preisgekrönten Kameramannes gehen über ein Dutzend Kinofilme wie der finnische Oscar-Vorschlag Letters to Father Jaakob von Klaus Härö, The Forbidden Fruit von Dome Karukoski oder The Visitor von dem Nachwuchstalent J-P Valkeapää, der ihm zwei Preise für die beste Kamera eingebracht hat. Auch bei diversen Dokus wie der finnisch-deutsch-israelischen Koproduktion In the Dark Room von Nadav Schirman oder Canned Dreams von Katja Gauriloff stand Tuomo Hutri hinter der Kamera. „Ich mag die Kombination aus Spiel-, Dokumentarfilmen und Werbespots, weil sich diese stark voneinander unterscheiden.“ Nach dem Dreh von Klaus Härös Kinodramas The Fencer in Estland nimmt der viel beschäftigte Kameramann mit Joonas Berghäll die Doku Mothers’ Wish auf und bereitet bereits John Websters Little Yellow Boots vor.

Ein potentieller Oscar-Kandidat Der in Finnland geborene Regisseur Klaus Härö, der zur dortigen schwedischen Minderheit gehört, erwies sich sowohl für die Autorin als auch die Produzenten als Wunschlösung. Mit seinen vier Spielfilmen hat Klaus Härö international bereits für Furore gesorgt. Drei seiner Filme wurden von Finnland für den Auslands-Oscar vorgeschlagen und sein 50er Jahre-Drama Elina – Als ob es mich nicht gäbe gewann 2003 bei der Berlinale den Gläsernen Bären des Kinderfilmfestivals sowie den Ingmar Bergmann-Preis in Schweden. „Wir haben sofort an Klaus Härö gedacht, als wir das Drehbuch gelesen haben“, sagt Aho, der ihm schon das Skript geschickt hatte, als ihn die Autorin Anna Heinämaa als Regisseur vorschlug.

„The Fencer wird großes Kino für ein internationales Publikum“, versichert der Koproduktions-erfahrene deutsche Produzent Jörg Bundschuh, der von der guten Zusammenarbeit mit den Partnern in Finnland und Estland begeistert ist. In Deutschland, wo auch die komplette Postproduktion des Films erfolgt, wird The Fencer von Zorro Film ins Kino gebracht.  Bernd Jetschin n

Regisseur Klaus Härö

7

www.fscfinland.fi

Koproduzent Jörg Bundschuh

„Mein Ansatz sieht vor, jedem Film einen individuellen Look und eine ganz bestimmte Stimmung zu verleihen. Ich lasse mir vom Regisseur erklären, wie seine Vorstellungen aussehen, um sie auf die beste Weise umzusetzen“, sagt der finnische Kameramann Tuomo Hutri. „Es ist mir wichtig, die hoch gesetzten professionellen Standards einzuhalten, aber zugleich bleibe ich offen dafür, neue Dinge und Techniken auszuprobieren.“


N

ach dem internationalen Erfolg von Iron Sky setzt der finnische Filmemacher Timo Vuorensola seine skurrile Science-Fiction-Saga mit einem Sequel fort. Iron Sky 2: The Coming Race soll ab März 2015 komplett in einem Studio in Berlin-Brandenburg gedreht werden. Realisiert wird dieses ambitionierte Filmvorhaben in finnisch-deutscher Koproduktion von Iron Sky Universe und der deutschen 27 Films Production.

om

The C

Foto: Mika Orasmaa

Foto: Tatjana Jakunato Udo Kier als Mondführer Wolfgang Kortfleisch

einer vorzeitlichen Rasse von Supermenschen gehütet, die für die Vernichtung der Menschheit verantwortlich sind und über eine Armee aus Dinosauriern verfügen.“

gleich für das Projekt. Beim ersten Teil waren 30.000 Fans an der Herstellung beteiligt. „Damit haben wir ein größeres Marketing-Team als alle Hollywoodstudios zusammen“, unterstreicht Kaukomaa, der die Hälfte des Budgets durch Crowdfunding finanzieren will. Die andere Hälfte des Etats soll sich aus Fördermitteln und Presales speisen. Ein wichtiger Partner ist für das Iron SkyTeam die Finnish Film Foundation, die bereits den ersten Teil unterstützt hat und mit der Höchstfördersumme in das Sequel einsteigen will.

Einen ersten Ausblick auf dieses abenteuerliche Action-Adventure gibt ein fünfminütiger Kurzfilm, der ab Ende Oktober weltweit im Netz zu sehen sein wird. „Unser Promotion-Film bildet den Auftakt einer groß angelegten Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung des Films“, berichtet der finnische Produzent Tero Kaukomaa. Bereits bei der Produktion des ersten Teils ist es dem Team gelungen, eine Million Euro im

Die Filmaufnahmen sollen ab März 2015 in Berlin-Brandenburg beginnen. Auch die Postproduktion findet komplett in Deutschland statt. Das auf visuelle Effekte spezialisierte Unternehmen Pixomondo wird in Stuttgart und Frankfurt die Dinosaurier zum Leben erwecken, ein weiterer Teil der Bild- und Ton-Postproduktion soll in Hessen erfolgen. „Die ersten Sequenzen werden wir 2015 in Cannes unseren potentiellen Partnern und Fans zeigen“, berichtet

Bei Iron Sky wurde dank diesem Ansatz viel Zeit und Geld gespart. „Der Film hat acht Mio. Euro gekostet, sieht aber nach 20 oder 30 Mio. Euro aus“, betont Vuorensola. „Normalerweise sind Filmproduktionen geschlossene Gesellschaften. Bei uns können die Fans direkt mitwirken.“ Da sie dies begeistert nach außen tragen, werben sie zu-

Wieder mit dabei Julia Dietze

Kollektives Filmemachen

wird

Dreh in Deutschland Als deutscher Produzent mit von der Partie ist Oliver Damian, der mit seiner

8

rk

le Ma

loba eine g

Stephanie Paul als US-Präsidentin

e

pagn

kam eting

unterstreicht Damian. „Iron Sky 2: The Coming Race wird noch komplexer, da wir den kompletten Film vor Green-Screen im Studio drehen.“ Vor die Kamera treten dabei wieder Udo Kier, Julia Dietze und Stephanie Paul sowie eine ganze Reihe neuer Darsteller.

ace ing R

t

dehn m u

rs

seit Jahren praktizieren.“ Das Prinzip beim Crowdsourcing ist, dass das Publikum seine Ideen in einen Film einbringen kann. „Das funktioniert allerdings nicht wie eine demokratische Wahl, sondern definitiv wie eine Diktatur“, grinst der Regisseur, „denn am Ende entscheide ich, ob die Vorschläge umgesetzt werden.“

„Das wird in vielerlei Hinsicht ein verrückter Film“, verrät Timo Vuorensola, der zusammen mit US-Autor Dalan Musson bereits das Skript entwickelt hat. Nachdem am Ende von Iron Sky die ganze Welt ist durch einen nuklearen Krieg zerstört worden ist, befinden sich die einzigen Überlebenden auf dem Mond, der auch zu zerfallen droht. „Es gibt nur einen einzigen Weg, das Überleben der Menschheit zu sichern“, erklärt der finnische Autor und Regisseur. „Diese kleine Gruppe von Menschen muss in das Innere der Erde vordringen und den heiligen Gral finden. Dieser wird von

Foto: Tatjana Jakunato

: Sky 2 n o r I ion

t

uk oprod che K

uts ch-de

nis

ie fin

Für d

27 Films Production bereits am ersten Sci-Fi-Abenteuer beteiligt war. „Die Hessen Invest Film hat damals als einzige deutsche Förderung an das Projekt geglaubt und uns gerettet“,

Unive y Sk n o

r I s a

D

Netz einzusammeln. Doch den fantasievollen Finnen geht es beim Crowdfunding um viel mehr als nur ums Geld. „Wir binden unsere Fans in den kreativen Prozess mit ein, wenn wir beispielsweise ein Raumschiff entwerfen oder Statisten brauchen“, erläutert Vuorensola. „Das ist kollektives Filmemachen, das wir schon

Produzent

Regisseur


ts

iert e kre

t Tero Kaukomaa

der deutsche Produzent. Das Vermarktungskonzept wird der internationalen Branche bereits im Herbst auf dem AFM präsentiert. „Iron Sky 2: The Coming Race ist der erste europäische Independentfilm, der wie ein Hollywoodfilm ausgewertet werden soll“, berichtet Kaukomaa. Für das Frühjahr 2016 wird ein international einheitlicher Kinostarttermin anvisiert, der entsprechend mit den Verleihern abgestimmt werden muss. „Es wird ein weltweites Kinofenster geben. Vier Monate später folgt der globale Start auf VoD und Video, damit der Film überall legal verfügbar ist.“

Das Iron Sky-Universum

Doch das Iron Sky-Universum dehnt sich noch weiter aus. Das Sci-Fi-Epos ist als Trilogie angelegt, die bis auf den Mars führen soll. Parallel dazu laufen erste Verhandlungen mit Sendern über eine TV-Serie, für die Vuorensola ein eigenes Konzept entwickelt hat. Hinzu kommen Games, Online- und Brettspiele sowie zahlreiche Merchandising-Produkte, die über Modelle und Bücher bis hin zu einem Iron Sky-Flipper reichen. Zunächst konzentriert sich der Regisseur jedoch auf Iron Sky 2: The Coming Race. „Dieser Film wird die größte Herausforderung meines Lebens. Er wird sehr

Foto: Samuli Torssonen

s u a er t wei h c i

Regisseur Timo Vuorensola und Götz Otto

komplex“, versichert Vuorensola „Ich setze alles daran, einen besonderen Film zu machen.“ Birgit Heidsiek n

Abbildung: Iron Sky Universe

Timo Vuorensola

9

www.ironsky.net


Foto: Anette Varjonen

M

it seinem neuen Spielfilm The Girl King über die schwedische Königin Kristina hat Mika Kaurismäki sein Herzensprojekt realisiert. Die Dreharbeiten zu diesem historischen Kinofilm, der mit Unterstützung der Finnish Film Foundation entstanden ist, erfolgten im finnischen Turku. Neben Mika Kaurismäkis Produktionsfirma Marianna Films sind Triptych Media und Galafilm in Kanada, die deutsche Starhaus Filmproduktion sowie Anagram Produktion in Schweden an dieser internationalen Koproduktion beteiligt.

Sarah Gadon (links) und Malin Buska

Martina Gedeck als Königinnen-Mutter

Malin Buska und Hippolyte Girardot

„Königin Kristina hat mich schon als betont der Regisseur. 1654 dankte sie Schüler fasziniert“, erklärt der finnische ab, überließ ihrem Cousin Karl Gustav Regisseur und Produzent Mika Kaurismäki, die Krone, konvertierte zum Katholizisder sich schon seit über zehn Jahren mit mus und zog nach Rom, wo sie 1689 dem Stoff über die unkonventionelle starb. Sie ist eine von drei Frauen, die und emanzipierte Schwedenkönig beim Vatikan bestattet sind. schäftigt hat, die im 17. Jahrhundert zugleich als Regentin der Finnen funMika Kaurismäki hat dieses Filmprogierte. Die ungewöhnliche junge Frau jekt gemeinsam mit der kanadiwurde in eine Epoche hinein geboren, in der sich restaurative Kräfte und rational gesinnte Aufklärer unversöhnlich gegenüber standen. Bereits als fünfjähriges Mädchen wurde Kristina 1632 zur Thronfolgerin ernannt und wie ein Junge aufgezogen, um im Alter von 18 Jahren die Regierungsverantwortung zu übernehmen. In diesem Amt bewies sie eine starke Persönlichkeit, mit der sie Mika Kaurismäkis modernes Frauenporträt sich den Konventio- The Girl King über die schwedische Königin Kristina nen widersetzte und mit Traditionen brach. Die junge Reschen Produzentin Anna Stratton entwigentin trug als treibende Kraft dazu ckelt, die den franko-kanadischen Autor bei, den Dreißigjährigen Krieg in EuroMichel Marc Bouchard mit dem Drehpa zu beenden. buch beauftragte. Das Skript zu The Girl King überzeugte Rainer Kölmel Ihre persönliche Interessen galten vor und Wasiliki Bleser, die mit der Münchallem der Kunst, Wissenschaft und Phiner Starhaus Produktion als deutsche losophie. Sie lud sogar den französiPartner in diese internationale Koschen Philosophen René Descartes nach produktion eingestiegen sind. „Mika Kaurismäki ist ein Filmregisseur, der Stockholm ein, um sich von ihm seine Erkenntnistheorie erklären zu lassen. Schon kurz nach ihrer Krönung im Jahr 1650 wollte sie auf den Thron verzichteten. Ein Grund dafür war, dass sie ihren Vetter heiraten sollte. Allein die Vorstellung, von einem Mann abhängig zu sein, stieß bei ihr auf heftige Abneigung.

Die Frau, die keine Königin sein wollte

Zwischen Macht und Leidenschaft

Malin Buska mit Regisseur Mika Kaurismäki

„Das ist ein modernes Thema“, unterstreicht Mika Kaurismäki, der diesen historischen Stoff nicht als konventionellen Kostümfilm erzählt, sondern als psychologisches Drama einer jungen Frau, die in ihren persönlichen Leidenschaften und der Ausübung der Macht einen Zielkonflikt sieht. „Sie wollte selbst über ihr Leben entscheiden und hat aus eigenem Willen auf den Thron verzichtet, um sich nicht auf eine arrangierte Ehe einlassen zu müssen“,

10 Sarah Gadon, Malin Buska

Die starke Königin: Malin Buska Fotos: Starhaus Filmproduktion


überzeugend charismatische Frauenporträts zeichnen kann“, versichert Kölmel, der bereits als deutscher Partner an Mika Kaurismäkis Doku Mama Africa über die afrikanische Sängerin Miriam Makeba beteiligt war. „Ein weiterer wichtiger Anknüpfungspunkt war für uns der Dreißigjährige Krieg, der als europäischer Krieg bis weit in den Süden Deutschland hinein gewirkt hat“, sagt Kölmel. Zudem war Kristinas Mutter Maria Eleonore von

Erfolgsbilanz für finnische Filme

F

innische Filme erfreuen sich sowohl in ihrer Heimat als auch im Ausland zunehmender Beliebtheit. In Finnland behauptet sich der nationale Film mit einem Marktanteil von 23 Prozent. 2013 strömten mehr als 1,8 Mio. Besucher in die Kinos, um sich einen heimischen Film anzuschauen.

Erhebungen der Finnish Film Foundation ist die Anzahl der finnischen Filme auf Festivals in den letzten fünf Jahren um 48 Prozent gestiegen. Allein 2013 wurden über 500 finnische Produktionen weltweit auf Festivals und Events präsentiert, was den Produktionen 48 internationale Preise einbrachte.

Mit insgesamt 7,7 Mio. verkauften Tickets haben die Kinos 2013 das vierte Jahr in Folge die Sieben-Millionen-Besucherschwelle überschritten. Im Schnitt gehen die 5,4 Mio. Einwohner in Finnland 1,4 Mal pro Jahr ins Kino.

Eine ganze Reihe von Titeln wurden von ausländischen Verleihern für die kommerzielle Kinoauswertung akquiriert. Finnische Filme waren 2013 in 20 verschiedenen Ländern rund um den Erdball zu sehen.

Durch die 2013 abgeschlossene Digitalisierung ist die Anzahl der in den Kinos eingesetzten Filme nach oben geschnellt. Zum ersten Mal seit knapp 30 Jahren standen in Finnland 200 neue Filme auf dem Kinoprogramm.

Im Kalenderjahr 2013 wurden in Finnland 26 abendfüllende Kinofilme produziert, darunter zehn internationale Koproduktionen. Realisiert werden konnten diese dank der Unterstützung durch die Finnish Film Foundation, die 2013 Fördermittel in Höhe von 23,7 Mio. Euro vergeben hat.

Aber auch im Ausland gibt es ein wachsendes Interesse am finnischen Kino. Nach den Brandenburg eine Deutsche und konnte mit der deutschen Schauspielerin Martina Gedeck besetzt werden.

Dreh im finnischen Turku Für die Titelrolle in The Girl King hat Mika Kaurismäki die schwedische Nachwuchsschauspielerin Malin Buska engagiert. Als weitere Protagonisten am Hofstaat agieren die deutschen Schauspieler Peter Lohmeyer und Jannis Niewöhner, die kanadische Aktrice Sarah Gadon sowie der schwedische Schauspieler Mikael Nyqvist. Als Schauplatz für den schwedischen Königshof fungiert die Burg im finnischen Turku, die während der Filmaufnahmen für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. „Wir haben im Winter gedreht, weil sich dort in dieser Zeit wenig Touristen aufhalten“, berichtet Kölmel. „Die West Finland Film Commission hat die Produktion unterstützt und dazu beigetragen, dass alles glatt lief.“ Zudem erhielt die Produktion in Finnland Beistellungen für die Ausstattung. Sogar die Kostüme wurden vor Ort geschneidert. „Finnland hatte sich als die beste Lö-

sung herausgestellt“, bilanziert Bleser. Zunächst sollte der Film als majoritär schwedische Koproduktion in Schweden gedreht werden, was jedoch an den Konditionen scheiterte, den Film in schwedischer Sprache zu drehen. Auch Kanada kam für die Produzenten nicht als Drehort in Frage, da sich die Finanzierung nicht schließen ließ. In Finnland hingegen stand die Finnish Film Foundation „dem Projekt sehr offen gegenüber und unterstützte es großzügig“, berichtet Bleser. Weitere Finanzierungspartner von The Girl King sind das finnische Fernsehen mit YLE TV1, der FilmFernsehFonds Bayern, der Bayerische Rundfunk sowie der schwedische Sender SVT.

Eine Königin im Reitkostüm Das Leben der Freiheits-Ikone Königin Kristina ist schon einmal in den 30er Jahren mit Greta Garbo in Hollywood verfilmt worden. In ihre Fußstapfen tritt nun die junge Newcomerin Malin Buska, die Kaurismäki nach längerer Suche in einer kleinen Nebenrolle in einem schwedischen Film entdeckt hat. „Malin Buska verkörpert für mich die Schönheit und die Aura dieser selbstbewussten Frau. Gleichzeitig besitzt sie noch etwas Kindliches, das sehr gut zu dieser Figur passt“, unterstreicht Kaurismäki. Buska sei schon Monate vor Drehbeginn nach Turku gekommen, um sich intensiv auf ihre Rolle vorzubereiten und Reiten zu lernen. In Deutschland können sich die Kinozuschauer davon ab dem Frühjahr 2015 überzeugen, wo The Girl King von NFP marketing & distribution gestartet wird. Bernd Jetschin n www.yellowaffair.com

11


Finnische Dokus für den Weltmarkt

die Zusammenarbeit von Produzenten beider Länder vereinfacht. Finnland besitzt eine lange und erfolgreiche Dokumentarfilm-Tradition. Ein Garant dafür ist die Förderung der Finnish Film Foundation und der staatliche Sender YLE, der Dokumentarfilme akquiriert und ausstrahlt. Nach Einschätzung von Aho besitzen auch europäische Dokumentarfilme gute Chancen auf dem finnischen Kinomarkt, da dort jedes Jahr bis zu fünf europäische Dokus den Sprung auf die große Leinwand schaffen.

Computer-Nerds auf der Suche nach der Liebe Mit dem bulgarischen Love & Engineering-Regisseur Tonislav Hristov, der seit zehn Jahren in Finnland lebt, hat

Foto: Filmtank Audience

„Dies eröffnet den Filmen einen internationalen Markt. Für den Produzenten bedeutet es manchmal mehr Zeit dafür aufzubringen, sich mit den TV-Redakteuren auseinanderzusetzen, als sich auf die Entwicklung des Stoffes zu konFinnlands DokumentarFilmemacher setzen gerne zentrieren“, sagt Aho. „Es ist nicht auch auf deutsche Partner immer leicht, alle Die Finnish Film Foundation ist die Wünsche der TV-Redakteure unter einen Hut zu bringen.“ erste Anlaufstelle für Dokumentarfilmemacher in Finnland. Doch auch Sowohl in Finnland als auch in Deutschinternationale Koproduktionen und land unterstützen FörderungsinstitutioMärkte werden für dieses Genre imnen wie auch öffentlich-rechtliche Senmer wichtiger. der das Dokumentarfilmschaffen, was „Ein Dokumentarfilmemacher aus einem kleinen Land kommt kaum noch ohne internationale Partner aus“, erklärt der Produzent Kaarle Aho, der mit seiner Firma Making Movies in Helsinki Dokumentar- und Spielfilme produziert. Zu seinen jüngsten Produktionen gehören die Doku Love & Engineering von Tonislav Hristov sowie das neue Spielfilmdrama The Fencer von Klaus Härö. „Dokumentarfilm-Produktionen sind seit den frühen 90er-Jahren weitgehend ein internationales Geschäft“, konstatiert Aho. Das System basiert zudem stark auf Presales an europäische Sender, weil dies vom EU-Programm gefördert wird.

Gibt es einen Algorithmus der Liebe? Aus Love & Engineering

Local Heroes – Kameramänner

Peter Flinckenberg „Bei Spielfilmdrehs gefällt mir die enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur, Produzenten, Szenenbildner, Beleuchter und den Schauspielern“, sagt Peter Flinckenberg. „In der Planungsphase scheint alles möglich zu sein und ich entwickele gerne kreative Lösungen, wenn das Budget nicht ausreicht. Bei einem engen Zeitplan kommt es darauf an, schnelle Entscheidungen zu treffen und z. B. das verfügbare Licht zu nutzen. Dokus dreht er oftmals ohne eine Kamera-Crew. „Ich setze selbst das Licht, kümmere mich um die Kamera und die Schärfe. Während ich drehe, schneide ich den Film praktisch schon in meinem Kopf.“ Von Peter Flinckenbergs reichem Erfahrungsschatz profitiert haben u. a. die internationale Erfolgsdoku Love & Engineering von Tonislav Hristov oder Pixadores von Amir Escandari, der beim Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam 2014 Premiere feiert. Der expressionistische Look des Schwarzweißfilms Concrete Night von Pirjo Honkasalo hat Peter Flinckenberg 2013 den finnischen Filmpreis Jussi für die beste Kamera sowie eine Einladung in den Wettbewerb des renommierten Camerimage Festivals in Polen eingebracht. Concrete Night ist Finnlands Vorschlag für den Auslandsoscar 2015. Auch die Oscar-nominierte Kurzfilmkomödie Do I Have to Take Care of Everything? von Selma Vilhunen trägt seine visuelle Handschrift. Die nächsten Projekte führen ihn nach Asien, wo er einen indischen Spielfilm in Mumbai sowie eine Doku über die Drogenwelt in Kambodscha dreht.

www.flinckenberg.com

12

Aho drei Filme produziert. Bereits der zweite Film Rules of Single Life, der von bulgarischen Immigranten erzählt, die finnische Partnerinnen suchen, beschäftigt sich mit dem Single-Leben. Love & Engineering begleitet vier verzweifelte Nerds um die Dreißig bei ihren Versuchen, die Liebe ihres Lebens zu finden. Dabei helfen soll ihnen ausgerechnet ein weiterer Computerfreak, der schon seit zwei Jahren glücklich verheiratet ist. Der Film erzählt sehr humorvoll von der Suche nach Glück und Liebe in Zeiten der körperlosen Kommunikation. Die Koproduktion von Making Movies, Agitprop und Filmtank und den Sendern ZDF, SVT, YLE, BNT, NRK, VPRO und ARTE ist von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, MEDIA, der Finnish Film Foundation, dem Nordisk Film & TV Fond und dem Bulgarian National Film Center gefördert worden. Der deutsche Produzent Thomas Tielsch von Filmtank hat den Stoff über seine Berliner Kollegen im Entwicklungslabor „Documentary Campus“ entdeckt und


Schwierige Wahrheitsfindung in Notruf

Foto: First Floor Productions

In finnisch-deutscher Koproduktion entstanden ist auch die Langzeit-Doku Emergency Call – A Murder Mystery (Notruf) von Pekka Lehto, für die der finnische Produzenten Pauli Pentti mit seiner First Floor Productions einen deutschen Partner gewonnen hat. Der ehemalige Programmdirektor von ARTE und Produzent Hans Robert Eisenhauer, der in Berlin die Firma Ventana Film betreibt, kennt den finnischen Produzenten schon seit der Gründungsgala des deutschfranzösischen Kulturkanals ARTE im Mai

Ein unaufgeklärter Mordfall steht im Mittelpunkt des Films Notruf

1992, bei der die „Leningrad Cowboys“ auftraten, die Pentii damals gemanagt hat. In die Langzeit-Doku Emergency Call ist Eisenhauer als deutscher Koproduzent eingestiegen und hat ARTE und den SWR ins Boot geholt. Die ARTEBeteiligung der finnisch-deutsch-französischen Koproduktion wurde über das Koproduktionsabkommen von ARTE mit Finnland realisiert. Der Film greift einen mysteriösen Mordfall aus dem Jahr 2006 auf, der die finnische Öffentlichkeit bis heute in Atem

„Ich möchte Filme machen, die ich selbst gerne sehen möchte. Filme, die den Betrachter zum Nachdenken bringen“, erklärt der finnische Autor und Regisseur J-P Valkeapää. Gleich mit seinem Spielfilmdebüt Der Besucher, das in Koproduktion mit Deutschland entstanden ist, gelang ihm eine Punktlandung. Das Drama räumte 2009 beim Film Festival in Göteburg den Hauptpreis ab und wurde sechsfach für den finnischen Filmpreis Jussi nominiert. Sein jüngstes Werk They Have Escaped wurde als Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig sowie auf den Festivals in Toronto und Helsinki präsentiert. Derzeit arbeitet das finnische Talent an seinem nächsten Filmskript.

www.yellowaffair.com

J-P Valkeapää

Antti-Heikki Pesonen Seine Attitüde ist genauso frech und unkorrekt wie seine Filme. Nach seinem vielfach preisgekrönten Abschlussfilm So it Goes wird mit Spannung das Spielfilmdebüt des finnischen Autors und Regisseurs erwartet. Schon beim Pitching hat Antti-Heikki Pesonen dafür 2012 den Nordic Talents Prize erhalten. Bei der Entwicklung von Headfirst hat er sich in Workshops von Experten des Ateliers premiers plans d‘Angers beraten lassen. „Mein erster abendfüllender Spielfilm Headfirst ist wirklich gut“, versichert Antti-Heikki Pesonen. In Finnland kommt Headfirst im Dezember 2014 ins Kino . hält, da damit ein Geflecht aus Ermittlungsfehlern, Meinungsmache und Vorverurteilung sowie zwei lange Prozesse verbunden sind. Eine junge Mutter, die damals per Notruf die Polizei alarmiert hat, wurde trotz mangelnder Beweise und einer widersprüchlichen Indizienlage für schuldig befunden, ihren Ehemann ermordet zu haben. Nachdem sie im Berufungsverfahren aufgrund der gleichen Aussagen und Indizien von der Mordanklage frei gesprochen worden ist, sitzt sie nun wegen angeblicher Produzent Pauli Pentti Misshandlung ihrer Kinder im Gefängnis. Pekka Lehto begibt sich mit seiner investigativen Story nicht auf die Suche nach dem wahren Mörder. Sein Film ist vielmehr ein Plädoyer für den jedem Beschuldigten zustehenden Grundsatz der Unschuldsvermutung. „Notruf zeigt das schockierende Drama eines Mordfalles, der wegen zahlloser Ermittlungsfehler und Manipulation von Beweisen im Laufe der Jahre immer verworrener wurde und schließlich in eine Familientragödie mündete, bei der alle Beteiligten gleichermaßen Opfer wurden“, erklärt der finnische Produzent. Durch den langen Zeitraum, über den der Regisseur diesen Fall verfolgte, stieg der Finanzierungsbedarf, den Pentti mit Unterstützung der Partner aus Deutschland und Frankreich bewälti-

13

gen konnte. Die Produzenten planen, den Film auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam zu präsentieren. In Finnland kommt Notruf bereits im Oktober ins Kino.

Selbstmorde sind kein rein individuelles Schicksal ARTE/ZDF ist auch als Partner an Once I Dreamt of Life von Jukka Kärkkäinen und Sini Liimatainen über Suizid-gefährdete Menschen beteiligt, den die finnische Mouka Filmi in Kooperation mit Dagmar Jacobsen von der Berliner Alias Film produziert hat. Anhand eines konkreten Falls, der anhand von Animationsszenen dargestellt wird, setzt sich die Doku mit den vielfältigen Aspekten von Selbstmord-Fällen auseinander. Once I Dreamt of Life fragt nach Motiven, den ersten Alarmzeichen und danach, warum die Gesellschaft häufig zu wenig Sensibilität und Aufmerksamkeit für Suizid-gefährdete Menschen zeigt. Allein in Finnland nehmen sich jeden Tag zwei Menschen das Leben. Once I Dreamt of Life ist mit Unterstützung der Finnish Film Foundation, dem Swedish Film Institute und dem Nordisk Film & TV Fond realisiert worden. Seit seiner Uraufführung auf dem Tampere Film Festival und dem Kinostart im Frühjahr 2014 in Finnland, der von zahlreichen Informationsveranstaltungen begleitet worden ist, hat diese Doku die Diskussion angestoßen.  Bernd Jetschin n

www.helsinkifilmi.fi

war sofort von dem Projekt begeistert. Die Hamburger Produktionsfirma war stark in den kreativen Prozess involviert, da der Schnitt in Hamburg erfolgte. Tielsch, der bereits Anfang 2000 einen Film mit finnischem Partner produziert hat, hebt die gute Zusammenarbeit mit Tonislav Hristov und Kaarle Aho hervor. Der finnische Produzent arbeitet bereits wieder mit Hristov an seinem nächsten Film: Mathematics of Divorce wirft die Fragestelllung auf, inwieweit es vorher berechenbar ist, ob Beziehungen halten oder nicht. Aho setzt dabei auf eine erneute Zusammenarbeit mit Filmtank und entwickelt außerdem den Spielfilm Law of the Land, den er mit Sebastian Weyland und Knut Jäger von der jungen Hamburger Produktionsfirma Heimathafen Film produzieren will.

Finnische Newcomer – Nachwuchsregisseure


it dem 3D-Animationsfilm Niko – Ein Rentier hebt ab hat der finnische Produzent Petteri Pasanen in seinem Animationsstudio Anima Vitae in Helsinki den bislang größten finnischen Exportschlager produziert. Der warmherzige Weihnachtsfilm, der in internationaler Koproduktion mit der Ulysses Filmproduktion in Deutschland, Cinemaker in Finnland, A.Film in Dänemark sowie Tidal Films in Irland entstanden ist, wurde in über hundert Länder verkauft und als bester Animationsfilm für den Europäischen Filmpreis nominiert. „Niko – Ein Rentier hebt ab war der erste 3D-Animationsfilm in Finnland“, betont Petteri Pasanen. „Als wir 2004 mit Entwicklung des Projekts begonnen haben, schwebte uns ein Budget von sechs Mio. vor.“ In Finnland liegt der Durchschnittsetat von Spielfilmen jedoch bei 1,5 Mio Euro. „Wir brauchten Partner, die Fördermittel in die Produktion einbringen.“ Auch bei dem Sequel Niko 2 – Kleines Rentier, großer Held setzte Anima Vitae, das mit seiner Schwesterfirma Anima Boutique zudem über eine Produktionsfirma verfügt, wieder auf die bewährten Partner vom ersten Teil.

Produzenten das Marketing-Netzwerk Finnanimation gegründet, dem inzwischen 40 Film- und Fernsehfirmen angehören. „Das Ziel von Finnanimation ist, finnische Animationsprojekte weltweit zu bewerben sowie Koproduktionen zwischen Finnland und anderen Ländern im Animationsbereich anzukurbeln“, erklärt Liisa Vähäkylä, Geschäftsführerin von Finnanimation. Zu den neuen Projekten, die Anima in der Pipeline hat, gehört das 8,3 Mio. Euro teure Familienabenteuer Hugo – The World’s Worst Comeback, das gemeinsam mit Einstein Film in Dänemark sowie weiteren internationalen Partnern produziert wird. Hugo, der

seit seiner Premiere im dänischen Fernsehen 1990 zum berühmtesten Troll der Welt avanciert ist, hat mit seinen interaktiven Shows über 400 Millionen

Fotos: Anima Vitae / Ulysses Filmproduktion

M

Niko (rechts) und sein kleiner Bruder

Zuschauer in 40 Ländern begeistert. In Deutschland wurde Hugo 1995 bei Kabel 1 lebendig – als erster live virtuell animierter Fernsehstar Deutschlands. Auch die PC- und Konsolenspiele, in denen Hugo stets Hindernisse und Hemmnisse zu überwinden hat, waren ein weltweiter Verkaufsschlager. „Es ist das erste Mal, dass eine animierte Figur ihr Comeback feiert“, betont Petteri Pasanen, der für die Kinofilmauswertung die Lizenzrechte an dieser Kultfigur erworben hat. Im Zuge des neues Charakterdesigns soll Hugo ein frischer Look verpasst werden. „Wir erzählen die wahre Geschichte von Hugo, die 20 Jahre später spielt. Jeder wird ihn wieder erkennen“, versichert der Produzent, „denn er ist immer noch sehr poBirgit Heidsiek n pulär.“ 

Insgesamt umfasst das Team von Anima, zu dem auch das in Malaysia ansässige Studio AnimaPoint gehört, 60 feste Mitarbeiter. Durch das Studio in Kuala Lumpur besitzt Anima zugleich Zugang zum asiatiwww.anima.fi schen Markt mit seinem großen Talentpool. Um in Asien und den USA Fuß zu fassen, hat Petteri Pasanen 2005 gemeinsam mit anderen

Finnische Exportschlager

D

ie Vielfalt des finnischen Films spiegelt sich auch auf dem deutschen Kinomarkt wider. Das amüsante Animationsabenteuer Niko, ein Rentier hebt ab führt mit einer Dreiviertelmillion Besuchern die Hitliste finnisch-deutscher Koproduktionen an, zu denen Kinoerfolge wie die skurrile Science-FictionKomödie Iron Sky von Timo Vuorensola oder Aki Kaurismäkis lakonische Tragikomödie Le Havre gehören. „Zwischen Finnland und Deutschland gibt es ein über Jahre gewachsenes, gegenseitiges Interesse an den Filmen und Fern-

sehproduktionen“, konstatiert Johanna Karppinen, Geschäftsführerin der finnischen Export- und Promotionorganisation FAVEX (Finnish Film & Audiovisual Export). „Deutsche Produzenten sind für die Finnen oft die Wunschpartner bei Koproduktionen. Daraus hervorgegangen sind eine Reihe preisgekrönter Koproduktionen unterschiedlicher Genres – von Science-Fiction bis zu Dramen. Durch kommende Titel wie Big Game, The Girl King und Iron Sky 2 – The Coming Race wird dieses Verhältnis noch intensiviert.“

14

Bereits Iron Sky hat in Deutschland knapp eine halbe Million Zuschauer in die Kinos gelockt. „Der Film ist politisch inkorrekt, ironisch und teilweise gewagt. Ein deutscher Produzent alleine hätte dies so kaum leisten können“, sagt Swetlana Winkel, Geschäftsführerin der Münchener Verleih- und Lizenzfirma polyband. „Vielleicht bedarf es der besonderen Mentalität eines unabhängigen Volkes wie der Finnen, um einen solchen Film zu realisieren. Gerade die Finanzierung über Crowdfunding und das begrenzte Budget haben

www.finnanimation.fi

Ein Comeback für Animationshelden


Selma Vilhunen

„Ich versuche immer, eine präzise Bildsprache zu finden, um ein bestimmtes Phänomen oder Gefühl auszudrücken, wenn ich einen Spiel- oder Dokumentarfilm drehe“, erklärt die finnische Autorin und Regisseurin Selma Vilhunen. „Ich möchte die Möglichkeiten des Kinos ausschöpfen, um den Menschen etwas nahezubringen, von dem sie niemals geglaubt hätten, dass es sie berührt.“ Dieses Konzept geht auf. Ihre preisgekrönte Kurzfilmkomödie Do I Have to Take Care of Everything? brachte ihr 2014 eine Oscar-Nominierung ein. Schon mit ihrer Doku Pony Girls hat sie 2008 auf dem Tampere Film Festival einen der Hauptpreise abgeräumt. Ob sie bei Spielfilmen wie Pietà Regie führt oder Dokumentarfilme wie The Secret Life of a Thousand Girls oder zuletzt Song realisiert; im Mittelpunkt ihrer Geschichten stehen immer die Erlebniswelten junger Heranwachsender. Ihr nächstes Filmvorhaben Stupid Young Heart hat Selma Vilhunen bei der Finnish Film Affair im Projektentwicklungs-Labor präsentiert. mitteln, wie sie ein internationales Publikum erreichen können.“

www.tuffifilms.com

der Finnish Film Affair hat sich die Anzahl der ausländischen Einkäufer binnen zwei Jahren verdoppelt. „Die Auswahl spielt dabei eine wichtige Rolle“, resümiert Sara Norberg. „Die Finnish Film Affair soll ein kleines, produktives Event bleiben, bei dem die Bran-

Nach jedem Event werden die Ergebnisse evaluiert, um genauer planen zu können. „Die Filmbranche in Finnland

Sara Norberg, Leiterin der Finnish Film Affair

Marktvorführung für die Filmeinkäufer

ist relativ klein und es gibt noch weitere Filmmärkte in Göteburg und Haugesund“, erklärt die Festivalchefin. Bei

chenvertreter nicht wie auf den großen Märkten um ihre Plätze kämpfen müssen.“ Birgit Heidsiek n

www.finnishfilmaffair.fi

Bei der dritten Ausgabe der Finnish Film Affair ist ein Projektentwicklungs-Labor mit Filmvorhaben von Nachwuchsregisseuren hinzu gekommen, die von den internationalen Branchenvertretern ein Feedback zur Stoffentwicklung, Koproduktionsförderung, Vermarktung, Packaging und Verkäufen erhalten haben. „Unser Ansatz sieht vor, nicht nur finnische Filme zu vermarkten, sondern den Filmemachern auch zu ver-

Finnische Newcomer – Nachwuchsregisseure

Fotos: Marie Laukkanen / Finnish Film Affair

Eine produktive Plattform für die Branche

M

it der Finnish Film Affair hat das Internationale Helsinki Film Festival 2012 eine neue Branchenplattform initiiert, um finnische Filme ausländischen Verleihern, Fernseheinkäufern, Festivalvertretern, Weltvertrieben und der Presse vorzustellen. Finnische Filmhits wie Iron Sky und Niko 2, aber auch Rare Exports von Jalmari Helander oder Lapland Odyssey von Dome Karukoski haben sich international so gut verkauft, dass es genau der richtige Zeitpunkt war, diese Initiative ins Leben zu rufen”, sagt Sara Norberg, Leiterin des Internationalen Helsinki Film Festivals. Neben bereits fertig gestellten Filmen werden den internationalen Branchenbesuchern während des Internationalen Helsinki Film Festivals schwerpunktmäßig finnische Projekte vorgestellt. „Viele Einkäufer und Redakteure möchten sich gerne an Filmvorhaben beteiligen, wenn sich diese in der Entwicklungs- oder Produktionsphase befinden.“ Aber auch Weltvertriebe und Festivals halten stets nach neuen Talenten und Projekten Ausschau.

Impressum eine enorme Kreativität frei gesetzt, die schon im Vorfeld tausende Menschen begeistert hat.“ International zum Markenzeichen des finnischen Filmschaffens avanciert ist der preisgekrönte Filmemacher Aki Kaurismäki, den Pandora Film 1984 mit Schatten im Paradies für das deutsche Kino entdeckt hat. „Alle seine Filme, inklusive der Frühwerke, wurden von Pandora verliehen“, bestätigt Reinhard Brundig, Geschäftsführer der deutschen Produktions- und Verleihfirma. „Seit die

Budgets von Akis Filmen in astronomische Höhen schießen, waren auch Koproduktionen gefragt. Und naturellement war Pandora dabei.“ Seine jüngste Gesellschaftsstudie Le Havre hat in Deutschland weit mehr als eine Viertelmillion Kinozuschauer begeistert. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ist Aki Kaurismäki eine eigene Filmreihe gewidmet. www.favex.fi

15

Branchen Bulletin Filmproduktionsland Finnland Herausgeberin und Verlag Birgit Heidsiek – Presse und PR Hermann-Behn-Weg 21, 20146 Hamburg info@branchenbulletin.com

www.ses.fi/en in Kooperation mit der Finnish Film Foundation Redaktion / Autoren Birgit Heidsiek, Bernd Jetschin

Gestaltung [take shape] media design, Markus Schaefer Titelfoto Samuel L. Jackson in Big Game, Subzero Film Entertainment

Druck Reset Grafische Medien GmbH, Hamburg


Foto: Marja Leena Hukkanen / Pandora Film

Z

um Auftakt der Frankfurter Buchmesse stellen zwei renommierte Regisseure aus dem Gastland Finnland im Kino des Deutschen Filmmuseums jeweils einen ausgewählten Film vor. Der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki, dem eine umfangreiche Retrospektive mit Werken wie Lichter der Vorstadt, La Vie de Bohème oder Juha gewidmet ist, präsentiert dort persönlich seine preisgekrönte Tragikomödie Le Havre.

Aki Kaurismäki in Le Havre

In seiner Doku Sodankylä Forever: The Century of Cinema zeigt der finnische Filmemacher Peter von Bagh unvergessliche Highlights des legendären Midnight Sun Film Festivals, das er 1986 gemeinsam mit Aki und Mika Kaurismäki gegründet hat. Zusätzlich zu seinen eigenen Arbeiten wie dem Stadtporträt Helsinki Forever hat Peter von Bagh als Filmhistoriker eine Reihe mit finnischen Literaturverfilmungen wie Juha von Nyrki Tapiovaara (1937) oder People in the Summer Night von Valentin Vaala (1948) kuratiert. In dem Buch „Kaurismäki über Kaurismäki“, das zur Buchmesse erscheint, gibt Peter von Bagh Einblicke in das Werk und das Leben von Aki Kaurismäki.

finnland. aapinen. finnland. blue. finnland. cool. fRanKfuRT booK faiR. guesT of honouR 2014.

w w w.booKsfRomfinland.fi

deutsches-filminstitut.de

Kati Outinen, Aki Kaurismäki und Markku Peltola in Der Mann ohne Vergangenheit

w w w.finliT.fi/fili

Aus der Kaurismäki-Retro der Film Le Havre

w w w.finnlandcool.fi

Foto: Pandora Film

Foto: Pandora Film

Finnische Filme auf der Frankfurter Buchmesse

Profile for The Finnish Film Foundation

FILMPRODUKTIONSLAND FINNLAND  

FILMPRODUKTIONSLAND FINNLAND  

Advertisement

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded