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21. 10. – Kein Schlussstrich! 7. 11. 21

Chemnitz – Dortmund – Eisenach – Hamburg – Heilbronn – Jena – Kassel – Köln – München – Nürnberg – Plauen – Rostock – Rudolstadt – Weimar – Zwickau


gefördert durch:

im Rahmen des Programms

Leadpartner

Förderer

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Liebes Publikum, im Herbst 2021 jährt sich die Aufdeckung des NSU zum zehnten Mal, die ersten Morde der rechten Terroristen liegen mittlerweile schon mehr als 20 Jahre zurück. Angesichts der Tatsache, dass man sich in der Bundesrepublik nach der von der 68er-Generation geleisteten Aufklärungsarbeit über Jahrzehnte in der Sicherheit wähnte, dem rechten Spektrum im angemessenen Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen den Boden entzogen zu haben, ist mit der Bilanz der zehn Morde des NSU nicht nur die bittere Erkenntnis verbunden, die Gefahr eines Terrorismus von rechts deutlich unterschätzt zu haben; das Versagen der Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung der sogenannten »Döner-Morde« hat darüber hinaus einen beschämenden institutionellen Rassismus zu Tage gebracht, dem die Angehörigen der Opfer über Jahre hilflos ausgeliefert waren. Als Stadt, die durch den tödlichen Anschlag auf die Polizistin Michèle Kiesewetter und ihren Kollegen Martin Arnold direkt von der Mordserie des NSU betroffen ist, steht Heilbronn daher gemeinsam mit den übrigen betroffenen Städten in besonderer Weise in der Verantwortung, die Erinnerung an die Taten des NSU wachzuhalten, ihren Ursachen und Folgen nachzugehen und dem Andenken der Opfer und den leidvollen Geschichten ihrer Angehörigen den nötigen Platz einzuräumen. Dies umso mehr, als sich im Zuge der mittlerweile elf Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern gezeigt hat, dass über die Hintergründe des NSU und die skandalöse Verstrickung staatlicher Organe in den NSU-Komplex weiterhin vielfach Unklarheit herrscht. Wo könnte nun die Beschäftigung mit einem solch bedeutsamen Aspekt der Stadtgeschichte und -gegenwart besser ihren Ort finden als im Theater, traditionell ein Raum der öffentlichen Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen und Konflikten. Als die Initiatoren des bundesweiten Theaterprojekts »Kein Schlussstrich!« im Herbst 2019 an das Theater Heilbronn herantraten und uns die Beteiligung an dem komplexen Großprojekt vorschlugen, war der Entschluss, diesem Thema zu Beginn der Spielzeit 2021/22 einen besonderen Stellenwert zu geben, schnell gefasst. Das Theater Heilbronn war über die vergangenen anderthalb Jahre als Gründungsmitglied im Trägerverein »Licht ins Dunkel« fest in das Projekt eingebunden und steuert im Zeitraum vom 21. Oktober bis 7. November 2021 ein breites Spektrum künstlerischer wie diskursiver Interventionen zum Gesamtprogramm bei. Dazu gehören Eigenproduktionen wie das Dokumentartheaterstück »Verschlusssache« von dura & kroesinger ebenso wie Gastspiele, die der gemeinsamen Initiative aller beteiligten Partner entspringen. Hinzu kommt ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Inszenierungen und Workshops speziell für junges Publikum, Podiumsdiskussionen, einer Filmreihe in Kooperation mit dem Kinostar Arthaus-Kino Heilbronn und vieles mehr. Besonders freuen wir uns, dass sich uns in dem Anliegen, die Verbrechen des NSU und ihre Folgen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, eine Reihe weiterer Institutionen der Stadt als Partner angeschlossen haben: das Demokratiezentrum und der Stadtkreisjugendring Heilbronn, die Stadtbibliothek, das Literaturhaus, die Volkshochschule, das Kaffeehaus Hagen, die Stabsstelle für Partizipation und Integration, der Turkish Round Table Club und der Türkische Frauenverein. Sie alle beteiligen sich mit eigenen Veranstaltungen an dem zweieinhalb­wöchigen ­Programm. Denn nur mit vereinten Kräften kann sich eine Stadtgesellschaft wirksam gegen das Vergessen stemmen und zunehmender rechter Tendenzen in Politik und Zivilgesellschaft erwehren, die leider auch vor Heilbronn nicht Halt machen. In diesem Sinne laden wir Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns die kontroverse Auseinandersetzung mit diesem brandaktuellen Thema aufzunehmen! Ihr Axel Vornam Ihre Dr. Mirjam Meuser Ihre Sophie Püschel Intendant Geschäftsführende Chefdramaturgin Dramaturgin und Leiterin Schauspiel


KEIN SCHLUSSSTRICH! Ein bundesweites Theaterprojekt mit künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Interventionen zum NSU-Komplex

21. 10. – 7. 11. 21

Chemnitz – Dortmund – Eisenach – Hamburg – Heilbronn – Jena – Kassel – Köln – München – Nürnberg – Plauen – Rostock – Rudolstadt – Weimar – Zwickau

2021 jähren sich die Morde an Abdurrahim Özüdoğru, Habil Kılıç und Süleyman Taşköprü zum 20. Mal, das Öffentlichwerden des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) liegt genau zehn Jahre zurück. Angesichts der jüngsten Anschläge in Halle, Hanau und Kassel aber zeigt sich, dass die Verbrechen des NSU offenbar nur die Spitze eines wiedererstarkten rassistischen, antisemitischen, kurz menschenverachtenden Denkens und Handelns bildeten. Auch zehn Jahre später sind die Hintergründe des NSU-Komplexes weiterhin unklar, seien es die Fragen nach Mitwisser- und Mittäterschaft oder nach den Verstrickungen behördlicher Organe. Daran haben auch die zahlreichen Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern und der fünfjährige Münchner NSU-Prozess nichts geändert. Der mangelnde Aufklärungswille und der latente bis offene Rassismus in Ermittlungsbehörden sowie die Aufdeckung rechtsextremer Netzwerke in Polizei und Bundeswehr bedingen zudem einen massiven Vertrauensverlust in staatliche Institutionen und Sicherheitsbehörden – und hinterlassen das ungute Gefühl, insbesondere als Mensch mit Migrationsgeschichte in Deutschland nicht sicher zu sein. Das bundesweite Theaterprojekt »Kein Schlussstrich!« widmet sich angesichts dieses Befunds anhand von Theateraufführungen und musikalisch-performativen Interventionen im öffentlichen Raum sowie flankiert von einem künstlerisch-diskursiven Rahmenprogramm der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Taten des NSU und ihren Hintergründen. Realisiert wird das Projekt durch einen Zusammenschluss von Theatern und zivilgesellschaftlichen Institutionen in 15 Städten, die unmittelbar vom NSU-Komplex betroffen sind. Ein besonderes Anliegen ist es dabei, die bislang vernachlässigten Perspektiven der Opferfamilien und der migrantischen Communities ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Am Theater Heilbronn etwa kommt das regionale Rechercheprojekt »Verschlusssache« zum Mord an Michèle Kiesewetter in der Regie von dura & kroesinger zur Uraufführung. Den Abschluss des Projektzeitraums bildet ein musikalisch-­ literarischer Abend des Theaters mit dem Württembergischen ­Kammerorchester ­unter dem Titel


»Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell«, der auf assoziativer Ebene zu einer Auseinandersetzung mit institutionellem und strukturellem Rassismus in unserer Gesellschaft anregen und zugleich auf die Möglichkeit seiner Überwindung verweisen will. Als städteübergreifende Klammer werden zudem zwei Koproduktionen gezeigt: das polytopische Oratorium »MANİFEST(O)« des Komponisten Marc Sinan und die von Ayşe Güleç und Fritz Laszlo Weber kuratierte Ausstellung »Offener Prozess« des ASA-FF e.V. Träger des Projekts ist der im September 2020 gegründete Verein »Licht ins Dunkel e. V.«, in dem das Theater Heilbronn Gründungsmitglied ist – unter anderem neben JenaKultur, Kampnagel Hamburg und dem Deutschen Nationaltheater Weimar. Weitere beteiligte Institutionen sind das Theater Chemnitz, der ASA-FF e.V. Chemnitz, das Dietrich-Keuning-Haus Dortmund, das Landestheater Eisenach, das Theaterhaus Jena, das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena, das Staatstheater Kassel, das Schauspiel Köln, die Münchener Kammerspiele und der Real München e. V., das Staatstheater Nürnberg, das Theater Plauen-Zwickau, das Volkstheater Rostock und das Theater Rudolstadt. »Kein Schlussstrich!« wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!«, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Innovationsförderung der Stadt Jena, die Staatskanzlei Thüringen, das Kulturreferat der Stadt München, den Geschäftsbereich Kultur der Stadt Nürnberg, die Behörde für Kultur und Medien Hamburg, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Ernst-Abbe-Stiftung, die GLS Treuhand Dachstiftung für Individuelles Schenken, die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt Kassel, die Impulsregion Erfurt Weimar Jena, die Initiative »The Power of the Arts« der Philip Morris GmbH, die Rudolf Augstein Stiftung, die Carl Zeiss AG, das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, die Amadeu Antonio Stiftung, die Stadt Köln sowie die mitwirkenden Theater und Institutionen als Träger des Projekts.


»VERSCHLUSSSACHE« (UA) Ein regionales Recherche-Projekt zum Mord an Michèle Kiesewetter und den Verbindungen zwischen dem NSU und der rechten Szene in Baden-Württemberg von dura & kroesinger

Premiere: 22.10.2021, 20 Uhr BOXX »HAWAII« (UA) Schauspiel nach dem Roman von Cihan Acar Für die Bühne bearbeitet von Nurkan Erpulat und Andreas Frane

29. & 30.10.2021, 19:30 Uhr Großes Haus

RAHMENPROGRAMM Eröffnung Mit: Bürgermeisterin Agnes Christner und Intendant Axel Vornam 22.10.2021, 19:30 Uhr BOXX Foyer

»OFFENER PROZESS« Ausstellung des ASA-FF e. V. Kuratorisches Konzept: Ayşe Güleç und Fritz Laszlo Weber 22.10. – 07.11. 2021 Großes Haus Foyer Mo bis Fr 10 – 19 Uhr · Sa 10 – 14 Uhr sowie jeweils 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn · Eröffnung der Ausstellung 22.10.2021, ca. 21:30 Uhr

»ANGST VOR DEM FREMDEN« Ein musikalisch-literarischer Abend von Sarah Finkel und Lucas Janson

27. & 31.10.2021, 20 Uhr BOXX

60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei Begrüßung

»MANİFEST(O)« Ein polytopisches Oratorium von Marc Sinan

MANİFEST(O) »GLÜHENDER HASS / YANAN NEFRET« Ritual der Vergeltung Klarinette – Oğuz Büyükberber

mit Roswitha Keicher und Cem Ayvaz 30.10.2021, 15 Uhr BOXX

»Oh Gott, die Türken integrieren sich!« Gastspiel theater ulüm 30.10.2021, 15 & 18 Uhr BOXX

Ausstellungseröffnung 30.10.2021, 17:15 Uhr BOXX Foyer

28.10.2021, 19 Uhr Theresienwiese 19:45 Uhr Götzenturm / 20:20 Uhr Kiliansplatz MANİFEST(O) »GLEISSENDES LICHT / PARLAYAN NUR« Ritual des Erinnerns Piano – Emre Elivar

29.10.2021, 19:00 Uhr Kaiser-Friedrich-Platz MANİFEST(O) »DER ALTAR DER RACHE / İNTİKAM SUNAĞI« Ritual der Reinigung Mit: Mirko Borscht, Jelena Kuljić, Mateja Meded, Volkan T error

31.10.2021, 19 Uhr Rathaus-Innenhof

»Hawaii« (UA) Schauspiel nach dem Roman von Cihan Acar 30.10.2021, 19:30 Uhr Großes Haus im Anschluss »StreitBar«


Podiumsdiskussionen »Der Staat als Sicherheitsrisiko? Rechte Szene und Verfassungsschutz« Mit Hajo Funke, Seda Başay-Yıldız und Thomas Moser Moderation: Christiane Mudra 23.10.2021, 17 Uhr Komödienhaus

»Blut muss fließen – Undercover unter Nazis« Dokumentarfilm von Peter Ohlendorf 04.11.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

»Der Kuaför aus der Keupstraße« Dokumentarfilm von Andreas Maus 05.11.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

»Unterm Radar? Strategien neu­ rechter Bewegungen«

PROGRAMM FÜR JUNGE MENSCHEN

Mit Dirk Laabs, Stefan Reiner und Kurt Möller Moderation: Antonie Rietzschel 24.10.2021, 19 Uhr Komödienhaus

Jeweils mit Nachgespräch und begleitet von einem umfassenden WorkshopProgramm für Schulklassen

»Generalverdacht? Die Betroffen­en­ perspektive auf den NSU-Komplex« Mit Herbert Heuß, Mehmet Gürcan Daimagüler und Sevinç Daş Moderation: Sybille Thelen 01.11.2021, 19 Uhr Foyer Großes Haus

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute Schauspiel ab 12 Jahren von Jens Raschke 26.10., 27.10.2021, 11 Uhr BOXX 4.11.2021, 18:00 Uhr BOXX

Die Zertrennlichen Filmreihe mit Nachgespräch in Kooperation mit dem Kinostar ArthausKino Heilbronn und dem Demokratiezentrum Heilbronn

»6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – Die Morde des NSU« Dokumentarfilm von Sobo Swobodnik 25.10.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

»Wir sind jung. Wir sind stark.« Spielfilm von Burhan Qurbani 26.10.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

»Almanya – Willkommen in Deutschland« Spielfilm von Yasemin Şamdereli 30.10.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

»Kleine Germanen« Doku-Spielfilm von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger 02.11.2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino

Schauspiel ab 10 Jahren von Fabrice Melquiot 28.10., 29.10., 02.11.2021, 11 Uhr BOXX

Ferien | BOXX »DemokratieBOXX« (10 – 14 Jahre) 02. & 03.11.2021, 10 – 14 Uhr BOXX

»AUF DEM KARUSSELL FAHREN ALLE GLEICH SCHNELL« Eine musikalisch-literarische Festwiese Abschlussveranstaltung Benefizveranstaltung zugunsten der Hildegard Lagrenne Stiftung zur Unterstützung bildungsbenachteiligter Sinti und Roma Dotschy Reinhardt & Band, Jazz Sulaiman Masomi, Poetry Slam Ivan Tumanov, Altsaxophon Vasyl Riabitsky, Klarinette Württembergisches Kammerorchester Heilbronn · Big-Band-Besetzung des Landes­ polizei­orchesters Baden-Württemberg

07.11.2021, 19:30 Uhr Großes Haus


VERSCHLUSSSACHE

Ein regionales Recherche-Projekt zum Mord an Michèle Kiesewetter und den Verbindungen zwischen dem NSU und der rechten Szene in Baden-Württemberg · Uraufführung Premiere am 22. Oktober 2021, 20 Uhr BOXX

Am 25. April 2007 wurde auf der Theresienwie- Regine Dura und Hans-­Werner Kroesinger wid­ se in Heilbronn die Polizistin Michèle Kiesewet- men sich in ihrem dokumentarischen Recherter erschossen, ihr Kollege Martin Arnold durch che-Projekt »Ver­schluss­­sache« ganz dem loeinen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. kalen Ereignis des Kiesewetter-Mordes und Was die Täter und den Tathergang angeht, gibt dessen Folgen. Es geht der Frage nach, was es bis heute große Unklarheiten. Kam es schon mit dem Mord und den Reaktionen darauf in in der von der Heilbronner Polizeidirektion ge- der Stadt sichtbar geworden ist – und welche gründeten Sonderkommission »Parkplatz« zu Rückschlüsse sich daraus auf den Zustand ungravierenden Ermittlungspannen, wurde die serer zivilen Gesellschaft ziehen lassen. Aus­Tat nach der Enttarnung des NSU am 4. No- gehend von dem konkreten Ereignis werden vember 2011 durch Indizienfunde vollständig Linien gezogen: Zu seinen Ursachen in der den beiden Mitgliedern der rechten Terrorzelle Vergangenheit und seinen möglichen KonseUwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zugeschrie- quenzen für unsere Zukunft. Dura und Kroesinben. Andere relevante Ermittlungsergebnis- ger entwerfen so ein Stück spezifisch für die se der SOKO »Parkplatz« vor dem November Stadt Heilbronn, um die Verhältnisse unter der 2011, etwa zu weiteren Tatbeteiligten, wurden theatralen Lupe schärfer erkennbar werden zu zugunsten der Präsentation eines öffentlich- ­lassen. keitswirksamen Erfolges offenbar absichtsvoll in den Hintergrund gedrängt. Trotz mehrerer Untersuchungsausschüsse, Weitere Vorstellungen: die sich sowohl im Stuttgar23. Oktober 2021, 20 Uhr BOXX ter Landtag wie im Bundes(im Anschluss Publikumsgespräch mit dem Regieteam) tag mit dem Verbrechen und dem Versagen der staatli­ 25. Oktober 2021, 11 Uhr BOXX chen Ermittlungsorgane befasst haben, bleibt die Tat, die vielen Sachverständigen als Schlüssel zur Aufklärung Regie / Konzept / Text: dura & kroesinger des NSU-Komplexes gilt, weiterhin ein Rätsel. Ausstattung: Sigi Colpe Immer wieder in den Blick geraten ist in der juri­stischen und medialen Auseinandersetzung mit dem Kiesewetter-Mord die Frage nach dem Tatort selbst. Warum gerade Heilbronn? Welchen Bezug gibt es zwischen der politisch unscheinbaren baden-württembergischen In­ dus­ trie- und Weinstadt am Neckar und den rechtsradikalen NSU-Terroristen aus Thüringen? Wie hat die Stadt auf den Mord reagiert? Und welche Spuren hat er dort hinterlassen?

Dramaturgie: Dr. Mirjam Meuser Theaterpädagogik: Natascha Mundt Mit Lucas Janson, Gabriel Kemmether, Zlatko Maltar, Lisa Schwarzer, Sabine Unger, Tobias D. Weber


OFFENER PROZESS Ausstellung des ASA-FF e. V., Eintritt frei

Kuratorisches Konzept: Ayşe Güleç und Fritz Laszlo Weber · Projektleitung: Hannah Zimmermann und Jörg Buschmann · Ausstellungsproduktion: Irène Mélix »Opfer und Überlebende sind die Hauptzeugen des Geschehenen, wir sind keine Statisten.« (İbrahim Arslan, Überlebender des Brandanschlags in Mölln 1992)

Die Ausstellung »Offener Prozess« widmet sich dem NSU-Komplex. Sie beginnt explizit nicht mit den Taten des NSU, sondern mit dem Leben, das existierte und in das diese Taten getreten sind. Ausgehend von den Geschichten der Gast- und Vertragsarbeiter:innen will die Ausstellung auf die Kontinuität der rassistischen und rechtsmotivierten Gewalt in Ost- und Westdeutschland schauen. Dabei werden konkrete Ausformungen wie rechtsterroristische Gewalt, Alltagsrassismus und institutioneller Rassismus in ihren Wechselwirkungen beleuchtet. Mit dem Ansatz eines »lebendigen Erinnerns« rückt die Ausstellung marginalisierte Perspektiven in den Mittelpunkt. Videoarbeiten von Harun Farocki, belit sağ, Želimir Žilnik, Forensic Architecture und anderen widmen sich den Lebensrealitäten von Gastarbeiter:innen, ihrem Alltag in Deutschland, der rechtsterroristischen Gewalt und dem Alltagsrassismus. Aktivistische Initiativen wie die Trauerdemonstration »Kein 10. Opfer« erinnern an diejenigen, die Opfer dieser Gewalt geworden sind. Zugleich sind sie die lauten Stimmen derer, die sich dagegen zur Wehr setzen. Zuhören wird hier als politische Praxis verstanden, Erinnern als Prozess. Die mobile Ausstellung wird während des Projektzeitraums von »Kein Schlussstrich!« parallel an zwölf weiteren Theaterstandorten gezeigt und ist Bestandteil einer Gesamtausstellung, die 2021 in Jena, Berlin, Chemnitz und Brüssel zu sehen ist. Ab 2022 wandert sie vermehrt in Schulen, aber auch in europäische Städte wie Novi Sad in Serbien. Bis sie ab 2025 als Dauerausstellung in Chemnitz im Rahmen der Kulturhauptstadt Station macht. Die Ausstellung in Heilbronn umfasst sieben Videoarbeiten und einen Audiobeitrag. Vier Arbeiten sind über QR-Code abrufbar. Darü-

ber hinaus kann auf die Webausstellung mit allen 20 Beiträgen zugegriffen werden, die in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und in Einfacher Sprache zur Verfügung stehen. Ein Chatbot bietet über die Plattformen Whats­ App und Telegram weiterführende Informationen zu allen Beiträgen der Ausstellung.

Ayşe Güleç ist Pädagogin und forschende Aktivistin an den Schnittstellen zwischen Kunst, Kunstvermittlung, Antirassismus und Migration. Von 2016 bis 2017 arbeitete sie für das Department des künstlerischen Leiters der documenta 14, anschließend leitete sie von 2018 bis 2019 die Kunstvermittlung im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt a. M., derzeit ist sie für die documenta 15 tätig. Fritz Laszlo Weber ist als freier Künstler tätig. Er studierte an der Kunsthochschule Kassel und schloss 2018 sein Meisterschülerstudium an der Hochschule für Künste Bremen ab. 2017 war er am Tribunal »NSU-Komplex auflösen« am Schauspiel Köln sowie der »Society of Friends of Halit« auf der documenta 14 in Kassel beteiligt. Er ist Mitglied im kuratorischen Beirat der Biennale für Freiburg. 22. Oktober bis 7. November 2021 Foyer Großes Haus Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr sowie Sa & So 1 h vor der Vorstellung Ausstellungseröffnung am 22.10.2021, ca. 21:30 Uhr Führungen: Auf Anfrage bieten wir für Gruppen von 4 bis 6 Personen 20-minütige Führungen an. Anfragen an Sophie Püschel unter: pueschel@theater-hn.de


HAWAII

Schauspiel nach dem Roman von Cihan Acar · Uraufführung Für die Bühne bearbeitet von Nurkan Erpulat und Andreas Frane 29. & 30. Oktober 2021, 19:30 Uhr Großes Haus

Es ist heiß in Heilbronn. Die Hundstage im Juli eine spannende, zuspitzende Mischung aus machen aus der Industriestadt am Neckar ei- gesellschaftspolitischer Nahaufnahme, Road­ nen dampfenden, brodelnden Kessel, in dem es trip und Entwicklungsroman, erhielt 2020 den nach Suppe riecht. Von Donnerstagabend bis Literaturpreis der Doppelfeld Stiftung und Sonntagmorgen läuft Kemal Arslan durch die stand auf der Shortlist für den »Aspekte«-LiteStadt, in der er aufgewachsen ist. Und der er raturpreis. Das Theater Heilbronn hat sich die schon einmal den Rücken gekehrt hatte. Der Rechte für die Uraufführung gesichert und mit Traum von der Profifußballkarriere beim türki- Nurkan Erpulat einen mehrfach preisgekrönten schen Erstligisten Gaziantepspor allerdings ist Regisseur verpflichtet, der »Hawaii« als pralle geplatzt. Kemal hatte sich zu einem Autoren- Schauspielfassung auf die Bühne des Großen nen provozieren lassen. Es kam zu einem bö- Hauses bringen wird. sen Unfall mit seinem geliebten Sportwagen – und zu einer schlimmen Fußverletzung. Nun ist er zwischen Allee und Theresienwie30. Oktober 2021 im Anschluss se, Heilbronn-Ost und StreitBar (Publikumsgespräch) Hawaii auf der Suche nach (s)einem Platz im mit Cihan Acar Leben und wohl auch nach sich selbst. Er trifft sich mit einem halb- Regie: Nurkan Erpulat seidenen Jungunternehmer, bei dem ihm sein Musikalische Leitung: Michael Haves Vater einen Job verschaffen will, zockt mit al- Ausstattung: Gitti Scherer ten Kumpels, hat eine Begegnung mit der Dö- Dramaturgie: Andreas Frane ner-Mafia und versucht, seine frühere Freundin Video: Bahadir Hamdemir Sina wiederzuerobern. Währenddessen heizt Theaterpädagogik: Christine Appelbaum sich der Konflikt zwischen der nationalistischen Bürgerwehr HWA (»Heilbronn, wach Mit Doğa Gürer, Burak Hoffmann, Lucas auf«) und der Gang der Kankas (»Blutsbrü- ­Janson, Gabriel Kemmether, Arlen Konietz, der«) auf und mündet in eine Straßenschlacht Lion Leuker, Zlatko Maltar, Lisa Schwarzer, auf der Allee. Kemal erkennt, dass er zwischen Regina Speiseder, Ali Turp · allen Stühlen sitzt und sich den ganzen Zu- Musiker: Boris Celikovic, Ferenc Mehl, Chrisschreibungen der anderen Menschen entzie- toph Beck / Eberhard Hahn hen will. Es muss sich etwas ändern. Er muss sich ändern. Mit seinem ersten Roman »Hawaii« hat der junge Autor Cihan Acar, 1986 geboren, einen Sensationserfolg gelandet und Heilbronn – und sein ehemaliges »Problem«-Viertel – auf der literarischen Landkarte platziert. »Hawaii«,


60. JAHRESTAG DES ANWERBEABKOMMENS ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND DER TÜRKEI 30. & 31. Oktober 2021 Begrüßung durch Roswitha Keicher

»Hawaii« (UA)

(Leiterin der Stabstelle Partizipation und Integration) und Cem Ayvaz (Präsident des Turkish Round Table Clubs)

Schauspiel nach dem Roman von Cihan Acar

30. Oktober 2021, 15 Uhr, BOXX

»Oh Gott, die Türken integrieren sich!« Gastspiel des theater ulüm (türkisches theater ulm/neu ulm) Unterstützt von der Stabsstelle Partizipation und Integration in Zusammenarbeit mit dem Turkish Round Table Club und dem türkischen Frauenverein Heilbronn e. V. 30. Oktober 2021, 15 & 18 Uhr, BOXX Eintritt frei Das neue Stück des theater ulüm in deutscher Sprache betrachtet einerseits die über 60 Jah­re Migrationsgeschichte hinweg veränderten Lebensgewohnheiten der »Deutsch-Türken« und andererseits die »Doppelmoral« sowohl der türkischen Männergesellschaft, als auch die der Politik hinsichtlich des EU-Beitritts der Türkei. Selbst bei solch sensiblen Themen schafft es das theater ulüm sein Publikum zum Lachen zu bringen ... und das nicht zu knapp ... Mit Allan Ahmad, Atilla Cansever, Tuncay Colak, Arda Erdoğan, Aylin Ergün, Rüya Kahraman, Murat Karlıbel, Hatice Onar

Ausstellungspräsentation Eine Veranstaltung des Turkish Round Table Clubs in Kooperation mit der Stabsstelle Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn 30. Oktober 2021, 17:15 Uhr BOXX Foyer

Im Anschluss StreitBar (Publikumsgespräch) mit Cihan Acar u. a. Moderation: Andreas Frane 30. Oktober 2021, 19:30 Uhr Großes Haus

»Almanya – Willkommen in Deutschland« Spielfilm von Yasemin Şamdereli Deutscher Filmpreis in Gold für das beste Drehbuch 2011 im Anschluss Nachgespräch mit Nilgün Taşman · Moderation: Roswitha Keicher 30. Oktober 2021, 19:30 Uhr, Arthaus-Kino »Wer oder was bin ich eigentlich – Deutscher oder Türke?« Diese Frage stellt sich der sechsjährige Cenk Yilmaz, als ihn beim Fußball weder seine türkischen noch seine deutschen Mitschüler in ihre Mannschaften wählen. Um Cenk zu trösten, erzählt ihm seine 22-jährige Cousine Canan die Geschichte ihres Großvaters Hüseyin, der Ende der 60er-Jahre als »Gastarbeiter« nach Deutschland kam und später Frau und Kinder nach »Almanya« nachholte … (Quelle: Katalog 61. Internationale Filmfestspiele Berlin)

»Goldene 60 Jahre Deutschland« Von der Vergangenheit in die Zukunft Ausstellung von Bildern und Artikeln zum Thema Migration · Film und Slideshow · Karikaturen-Ausstellung · Türkische Klassische Musik und Folklore Eine Veranstaltung des Turkish Round Table Clubs, der Stadt Heilbronn und des Flash Magazins 31. Oktober 2021, 16 Uhr Wilhelm-Maybach-Saal (Harmonie)


AUF DEM KARUSSELL FAHREN ALLE GLEICH SCHNELL Eine musikalisch-literarische Festwiese Benefizveranstaltung des Theaters Heilbronn zum Abschluss des bundesweiten Theaterprojekts »KEIN SCHLUSSSTRICH!« 7. November 2021, 19:30 Uhr Großes Haus Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief ein, als die Musik, weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt, als diese. Das Anhören einer großen, vollstimmigen und schönen Musik ist gleichsam ein Bad des Geistes; es spült alles Unreine, alles Kleinliche, alles Schlechte weg, stimmt Jeden hinauf auf die höchste geistige Stufe, die seine arthur schopenhauer Natur zulässt …

Zum Abschluss des bundesweiten Theaterprojekts »Kein Schlussstrich!« laden unter der Schirmherrschaft des Theaters Heilbronn vier sehr unterschiedliche Partner auf der Bühne des Großen Hauses zu einem Rundgang über »eine musikalisch-literarische Festwiese« ein: die Jazzsängerin und Menschenrechtsaktivistin Dotschy Reinhardt mit Band, der Poetry Slammer Sulaiman Masomi, das Württembergische Kammerorchester und die Big-Band-Besetzung des Landespolizeiorchesters BadenWürttemberg. Das künstlerische Projekt, arrangiert und dirigiert von Christian Dominik Dellacher, entsteht zu Ehren der Opfer des NSU – und zum Gedenken an die Wunden, die xenophobe Gewalt und rassistische Ausgrenzung bei den Betroffenen wie in der Gesellschaft hinterlassen. Getragen wird es dabei von dem Gedanken eines lebendigen Miteinanders in gegenseitiger kultureller ­Akzeptanz. Ausgangspunkt des Projekts ist der Festplatz Theresienwiese in all seiner Ambivalenz. Als Tatort des Mordes an der Polizistin Michèle Kiesewetter, der ein schreckliches Behördenversagen nach sich zog, ist die Heilbronner Theresienwiese seit 2007 assoziativ mit der gewaltsamen Abwehr alles Fremden und Andersartigen verbunden. Traditionell aber steht

sie doch eigentlich für einen Ort des gesellschaftlichen Vergnügens, an dem Volksfeste, Jahrmärkte, Rockkonzerte oder Flohmärkte stattfinden, Zirkusse Station machen; einen Ort an dem sich Menschen jeglichen Alters und jedweder gesellschaftlicher und ethnischer Herkunft zum fröhlichen Miteinander treffen, der durch ein Erlebnis der Außeralltäglichkeit eine Verbindung zwischen seinen Besuchern schafft. Frei nach dem Schlager von Jürgen Marcus »Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell« gibt es für einen kurzen Moment keine Unterschiede mehr. Genau dieser symbolischen Wiederaneignung eines utopischen Festlichkeitsgedankens widmet sich die musikalisch-literarische Festwiese im Theater Heilbronn: Puccini und Gershwin treffen auf die Texte von Sulaiman, dem Rapper und Bühnenpoeten, Dvořák auf die jazzigen Klänge von Dotschy Reinhardt. Rimsky-­ Korsakov und Sting, Piazzolla und Milhaud sind ebenfalls mit von der musikalischen Partie. Für einen langen Augenblick findet das vermeintlich Unvereinbare zueinander, wird das unmöglich Scheinende musikalisch und performativ möglich. Benefizveranstaltung zugunsten der Hildegard Lagrenne Stiftung, die sich für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland einsetzt.


Mitwirkende Württembergisches Kammerorchester Heilbronn Big-Band-Besetzung des Landespolizei­ orchesters Baden-Württemberg Musikalische Leitung, Arrangements und Dirigat: Christian Dominik Dellacher Leitung Landespolizeiorchester: Stefan Halder Dramaturgie: Dr. Mirjam Meuser, Dr. Barbara Volkwein, Rainer Neumann

Special Guests Dotschy Reinhardt & Band, Jazz Die Musikerin, Autorin und MenschenrechtsAktivistin Dotschy Reinhardt entstammt der weitverzweigten Familie des legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. Ihre Musik fusioniert traditionellen Jazz, den lebhaften Gipsy-Swing im Stil des Hot Club de France, Bossa-Einflüsse und auch Elemente der populären Singer-Songwriter-Bewegung. Dotschy Reinhardt ist eine deutsche Sinteza, also eine Angehörige des Volkes der Sinti. Heimat sucht Dotschys Familie nicht nur in einem Staat oder in einer Landschaft, sondern auch in der Welt der Musik, in der eigenen Überlieferung, in ihrer Sprache, ihrer reichen Kultur. Sulaiman Masomi, Poetry Slam Der studierte Literaturwissenschaftler und Bühnenpoet arbeitet und lebt irgendwo zwischen Kabul, Köln und Krefeld. Dort wuchs er auf nach der Flucht seiner Familie vor Krieg und Terror in Afghanistan. Er schreibt, seit er 12 Jahre alt ist. Nach ersten E ­ rfolgen bei Poetry Slams hat Sulaiman mittlerweile mehr als 1000 Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum absolviert, war für das Goethe-Institut u. a. in Kairo, Mexiko-­ ­ City, San Francisco, Riga und Jerusalem unter­ wegs. Sulaiman ist überdies Rapper und ­Jury-Mitglied der Berliner Festspiele für das »Treffen der jungen Autoren«.

Ivan Tumanov, Altsaxophon Der Saxophonist wurde 1995 in Lviv, Ukraine geboren und erhielt mit 9 Jahren seinen ersten Saxophonunterricht. 2010–2014 war er Student im »College of Music« in Lviv und vertiefte dort seine Saxophonkenntnisse. 2014–2016 studierte er an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock und erhielt seinen Masterabschluss 2020 bei Prof. Rico Gubler an der Musikhochschule Lübeck. Er besuchte Meisterkurse bei Jean-Denis Michat (Lyon), Daniel Gauthier (Köln), Christian Wirth (Paris), Vincent David (Paris) und Arno Bornkamp (Amsterdam). Seit 2021 ist der Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe Sopran- und Altsaxophonist beim Landespolizeiorchester Baden-Württemberg. Vasyl Riabitsky, Klarinette Der Klarinettist studiert seit 2015 an der staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim bei Prof. Wolfhard Pencz. Er konzertiert regelmäßig mit der Philharmonie Baden-Baden, dem Kurpfälzischen Kammerorchester, der Neuen Philharmonie Frankfurt, den Mannheimer Philharmonikern und weiteren Orchestern. Von 2010–2014 war Riabitsky Solo-Klarinettist des I, Culture­ Orchestra (Polen) und konzertierte in der Berliner Philharmonie, der Royal Festival Hall in London, dem Teatro Real in Madrid. Von 2011 bis 2015 war er Solo-Klari­ nettist des Orchesters des Nationalen Fernsehsenders und Radiosenders der ­Ukraine. In der Spielzeit 2019/2020 wirkte er als Klarinettist in der Sächsischen Bläserphilharmonie Leipzig. Seit Oktober 2020 ist er B- und Es-Klarinettist des Landespolizei­ orchesters Baden-Württemberg.

Diese Veranstaltung wird gefördert von der KulturStiftung der Kreissparkasse Heilbronn


MANİFEST(O) Ein polytopisches Oratorium von Marc Sinan MANİFEST(O) ist ein Auftragswerk im Rahmen von »KEIN SCHLUSSSTRICH! Ein bundesweites Theaterprojekt mit künst­lerischen und zivilgesellschaftlichen Interventionen zum NSU-Komplex«. Eine Produktion der YMUSIC GmbH im Auftrag von JenaKultur / Licht ins Dunkel e.V.

Rituale erzählen das Leben, erzählen den Tod. nannten NSU aufgeführte Einzelperformances Rituale sind Beginn und Abschied und beides in einem abendfüllenden Werk in Jena und zugleich. Rituale durchbrechen das Alltäg- Nürnberg. Aus einzelnen Stimmen entsteht liche, machen Unsichtbares sichtbar, können MANİFEST(O) als grenzüberschreitendes, Gesoziale Ordnungen wiederherstellen, nach schichte und Orte verbindendes Oratorium mit Krisen, nach Katastrophen Wunden heilen und Orchester, Chören und Solist:innen. Negative aufs Neue aufbrechen. Rituale sind Küsse, sind Energien der Verbrechen werden aufgenomBisse. Rituale sind Reinigung, Verwirrung, Pro- men, Grundfragen von Vergeltung und Neuanvokation. Rituale können Klage führen, nach fang diskutiert und in einer ethischen Utopie Rache und Vergeltung rufen, die Liebe besin- verarbeitet. gen, um Vergebung bitten, das Erinnern erinnern, das Vergessen Das Oratorium MANİFEST(O) und sieben Einzelperformances, vergessen machen. DIE ABWESENHEIT GOTTES / TANRI‘NIN YOKLUĞU, In einer Gesell­schaft, BLINDE LIEBE / KÖR AŞK, die sich so rasant DIE ANWESENHEIT DES MENSCHEN / İNSANIN VARLIĞI, wan­delt, die so divers DER ALTAR DER RACHE / İNTİKAM SUNAĞI, ist, wie Menschen es sich nur wünschen GLÜHENDER HASS / YANAN NEFRET, kön­nen, mag / wird es GLEISSENDES LICHT / PARLAYAN NUR, not­wendig sein, neue DER CHOR DER VERGEBUNG / AFFETME KOROSU, Rituale zu erfinden finden dabei stets gleichzeitig an verschiedenen Orten in und sie zu ver­gessen, Deutschland statt und sind digital miteinander verbunden. zu erfinden, zu vergessen... Um unseretwillen. 21 Jahre nach dem Mord an Enver Şimşek, dem ersten in der Mordserie des NSU-Terrors, zehn Jahre nach dem Öffentlichwerden des sogenannten NSU, sind die Hintergründe der Taten und die rechtsradikalen Verstrickungen der Gruppe bis tief in staatliche Strukturen hinein längst nicht aufgearbeitet. Im Gegenteil verfestigen sich Rechtsradikalismus, Verachtung und Fremdenfeindlichkeit zunehmend tiefer in der Gesellschaft. Marc Sinans polytopisches Oratorium MANİ­ FEST(O) (türkisch für »Manifest«) vereint sieben, an Schlüsselorten der Taten des soge-

Komposition und Künstlerische Leitung: Marc Sinan · Libretto und Dramaturgie: Holger Kuhla · Musikalische Leitung: Simon Gaudenz · Solist:innen: Iva Bittová, ­Andreas Fischer, Katia Guedes, Meinrad Kneer, Johanna ­Krödel, Saša Mirkovic, Johanna Vargas Jenaer Philharmonie, Knabenchor der Jenaer Philharmonie und AuditivVokal Dresden


GLÜHENDER HASS / YANAN NEFRET

28. Oktober 2021, 19 Uhr Theresienwiese, 19:45 Uhr Götzenturm, 20:20 Uhr Kiliansplatz Eintritt frei Klarinette – Oğuz Büyükberber

© NurBaute Berlin

Wie kann eine Tat, wie der Mord an Mitbürger:innen, gesühnt werden? Es gibt Schulden, die sind nicht abzahlbar. Aber vielleicht ist gerade das Erinnern die einzig wirkungsvolle Sühne und Vergeltung.

Der blinde Klarinettist Oğuz Büyükberber bewegt sich in Heilbronn, Zwickau und München zu den Tat- und Gedenkorten der Morde des sogenannten NSU. Hier improvisiert er jeweils an einem oder mehreren Orten einen musikalischen Dialog mit den Toten. Genährt von Trauma, Wut und Hass sind diese Konzerte, die Büyükberber spielt, schmerzvolle, hoch energetische, wütende Zwiegespräche mit der Vergangenheit und einem gegenwärtigen Publikum. Begleitet wird der Klarinettist bei all seinen Konzerten von der Stimme eines toten Mädchens, das selbst zum Opfer rassistischen Terrors wurde.

GLEISSENDES LICHT / PARLAYAN NUR Ritual des Erinnerns 29. Oktober 2021, 19 Uhr Kaiser-Friedrich-Platz Eintritt frei Piano – Emre Elivar Viele Opfer von Terrorakten und deren Angehörige warten weltweit wie auch in Deutschland noch immer auf ein klares Zeichen, ein abschließendes Urteil, dass endlich Gerechtigkeit geschieht oder zumindest »versucht« wird. Genozide, Morde, von Staaten, Gruppen oder Einzelpersonen begangen – unsere Geschichte ist voll von Opfern und voll von Menschen, die auf Gerechtigkeit warten. Wann werden diese Menschen sagen dürfen, dass Gerechtigkeit geschehen ist? Wann wird es wieder hell, wann scheint wieder gleißendes Licht?

© NurBaute Berlin

Ritual der Vergeltung

Der Pianist Emre Elivar setzt mit seiner Performance ein Zeichen und erinnert mit und durch die Komposition von Marc Sinan zugleich an die Schönheit wie die dunklen Abgründe menschlichen Handelns. In sechs Städten spielt Elivar auf einem Konzertflügel in Konzertsälen, an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen. Musikalisch ist das Programm ein Treffen der Gegensätze, eine wahnwitzige Überschreibung von Beethovens 5. Klavierkonzert, gerahmt von Kompositionen Haydns, Beethovens und Mendelssohns.


DER ALTAR DER RACHE / İNTİKAM SUNAĞI Ritual der Reinigung 31. Oktober 2021, 19 Uhr Rathaus Innenhof Eintritt frei Mit Mirko Borscht, Jelena Kuljić, Mateja Meded, Volkan T error

© NurBaute Berlin

Die Unterdrückten, die Angegriffenen, die Missachteten, die Getöteten, die Nicht-Freien, es gibt sie überall. Sie sind verfolgt worden, hatten Angst, sind unsichtbar gemacht, sind bedrängt worden, sind hier und überall geboren, sind viele. Alle, die Bedrohten, die Verfolgten, die Abgedrängten, die Marginalisierten, die Ausgeschlossenen haben ein Recht auf Schutz, auf Gehör und auf Widerstand. Und das ohne Unterschied. Wie verarbeiten Menschen und Gesellschaften im 21. Jahrhundert die Folgen von Verbrechen des Menschen am Menschen? Wie reinigt sich eine Gesellschaft von untilgbarer Schuld und zurückbleibenden negativen Energien?

Mit diesen Fragen setzt sich eine Gruppe von Künstler:innen in acht deutschen Städten, die vom Terror des sogenannten NSU besonders betroffen waren und sind, auseinander. Worte, Gesänge, Musik, Energie sind die Materialien einer rituellen Performance. Und an sieben Orten wird diese Performance sich weiterentwickeln, sich live und auf immer neue Weise mit dem auseinandersetzen, was Künstler:innen und unsere Gesellschaft noch immer zutiefst bewegt: Hass, Verachtung, Rassismus, Nationalismus, Ignoranz.


ANGST VOR DEM FREMDEN Ein musikalisch-literarischer Abend von Sarah Finkel und Lucas Janson 27. & 31. Oktober 2021, 20 Uhr BOXX

Hoyerswerda 1991. Mölln 1992. Solingen 1993. Wir hatten ein Problem. Halle 2019. Hanau 2020. Wir haben ein Problem.

»Hier ist es unordentlich. Die Unordnung macht mir manchmal Angst. Und damit bin ich nicht allein. Doch wir können die Angst überwinden, gemeinsam. Wenn wir Angst haben, brauchen wir keine tradierten Ordnungen, an die wir uns klammern. Wir brauchen uns.« şeyda kurt

Es ist eine unaufgearbeitete Geschichte rechtsextremen Denkens und rechtsmotivierter Gewalt in Ost- und Westdeutschland, die uns bis heute verfolgt. Der Rechtspopulismus rückt merklich in die Mitte der Gesellschaft und mit ihm werPublikumsgespräche im Anschluss den Fremdenhass und Antisean die Vorstellungen mitismus wieder salonfähig. Was können wir gegen ­unsere eigene Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten tun? Sarah Finkel und Lucas Janson begeben sich an diesem Abend gemeinsam mit dem Pianisten Markus Herzer auf eine Forschungsreise ins Ungewisse. In Monologen Mit Sarah Finkel, Lucas Janson, und Liedern fragen sie nach dem Ursprung von Markus Herzer Vorurteilen und Rassismus, loten die Widersprüche der eigenen Identität aus, spielen mit Die Verwendung von Özlem Özgül Dündars dem Perspektivwechsel und geben den Opfern »türken, feuer« erfolgt mit freundlicher Gerechter Gewalt eine Stimme – auf der Suche nehmigung des Rowohlt Theater Verlags. nach einer Utopie.


PROGRAMM FÜR JUNGE MENSCHEN Jeweils mit Nachgespräch und begleitet von einem umfassenden WorkshopProgramm für Schulklassen

Die Zertrennlichen Schauspiel ab 10 Jahren von Fabrice Melquiot 28., 29. Oktober, 2. November 2021, jeweils 11 Uhr BOXX

Sabah und Romain sind beste Freunde, obwohl sie aus unterschiedlichen Welten kommen. Bevor sie sich kennen lernten, waren sie viel allein und träumten sich fort in ihre Fantasiewelten. Jetzt hat Sabah In Romain einen echten Gefährten gefunden, mit dem sie Dinge erleben kann, die nur wahre Seelenverwandte erfahren. Aber Romains Eltern sind Rassisten. Sie hassen die Algerier und wollen nicht, dass ihr Sohn sich mit so einem »Gesindel« abgibt. Auch Sabahs Eltern sind dagegen: »Das ist kein Freund für dich, denn seine Eltern mögen uns nicht.« Aber echte Zuneigung ist stärker als alle Verbote. Bis die Konflikte zwischen den Eltern eines Tages so eskalieren, dass Sabahs Familie nicht bleiben kann und die Kinder auseinandergerissen werden. Elf Jahre vergehen. Romain, der zwischendurch viele andere Mädchen kennengelernt hat, kann seine erste große Liebe nicht vergessen und macht sich auf die Suche nach ihr.

© Thomas Braun

Dauer: 55 Minuten

»Die Zertrennlichen« wurde mit dem Deutschen Kindertheaterpreis 2018 ausgezeichnet.

Regie: Annette Kuß · Ausstattung: Yvonne Marcour · Musik: Julia Klomfaß · Dramaturgie: Sophie Püschel · Theaterpädagogik: Christine Appelbaum Mit Sarah Finkel, Rouven Klischies


Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute Schauspiel ab 12 Jahren von Jens Raschke 26., 27. Oktober 2021, jeweils 11 Uhr 4. November 2021, 18 Uhr BOXX

Vor vielen Jahren gab es einen Zoo auf einem Berg. Um den Zoo herum lebten viele Menschen in gestreiften Anzügen in hässlichen Baracken. Zwischen dem Zoo und den Menschen stand ein summender Zaun mit Stacheldraht und Wachtürmen. Der war aber nicht wegen der Tiere da. Das Nashorn im Zoo war ganz plötzlich gestorben. Papa Pavian meint, dass es sich in Dinge eingemischt habe, die es nichts angingen. Und die hatten etwas damit zu tun, was es auf der anderen Seite des Zaunes sah … Warum raucht der Schornstein, wenn es draußen warm ist? Und weshalb gibt es keine Vögel in der Luft, fragt sich auch der neue Zoobewohner, ein junger Bär. Damit provoziert er Papa Pavian, der rät, nicht zu fragen, was die »Gestiefelten« mit den »Gestreiften« tun, solange es den Tieren im Zoo gut geht. 1938 wurde direkt neben dem Konzentrationslager Buchenwald für die KZ-Aufseher ein Zoo gebaut. Jens Raschke nutzt diesen Fakt, um daraus eine allgemeingültige, kindgerechte Parabel über den Umgang mit Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zu schreiben.

© Thomas Braun

Dauer: 75 Minuten

Regie: Katharina Brankatschk ·Ausstattung: Anja Kreher · Dramaturgie: Annette Kuß · Theaterpädagogik: Natascha Mundt Mit Sarah Finkel, Rouven Klischies, Andreas Schlegel, Nora Rebecca Wolff


WORKSHOP-ANGEBOT FÜR JUGENDLICHE UND SCHULKLASSEN Anlässlich des bundesweiten Theaterprojekts »Kein Schlussstrich!« bieten wir für Schulklassen in der Woche vom 25. bis 29. Oktober 2021 exklusive Workshops in Kooperation mit dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg und der dazugehörigen Fachstelle »kompetent vor Ort. Gegen Rechtsextremismus« an, um Schülerinnen und Schülern eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Themen Diskriminierung und Rassismus zu ermöglichen. Anmeldung bis 11. Oktober 2021 an theaterpaedagogik@theater-hn.de Eine Kooperation mit dem

Workshop »Diss DisRespect!« Vorstellungsbegleitender Workshop zum Thema Diskriminierung & Vorurteile Termine & Zielgruppe: Mo, 25.10.2021 inkl. »Verschlusssache« (ab 15 Jahre) Di, 26.10.2021 inkl. »Was das Nashorn sah …« (ab 12 Jahre) Mi, 27.10.2021 inkl. »Was das Nashorn sah …« (ab 12 Jahre) Do, 28.10.2021 inkl. »Die Zertrennlichen« (ab 10 Jahre)

Workshop: Mehr als Worte – Wie man Hate Speech (Hassrede) erkennen und was man dagegen tun kann! Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahre

Workshops jeweils 9 – 10:30 Uhr, Vorstellungen jeweils 11 Uhr

Termine: Di, 26.10.2021 und Do, 28.10.2021, jeweils 10 – 13 Uhr

Gruppengröße: eine Klasse

Gruppengröße: eine Klasse

Kosten: Kostenlos in Kombination mit der Buchung der 11 Uhr-Vorstellung im Anschluss.

Kosten: Der Workshop ist für die Einrichtung kostenlos buchbar.

Ziel: Sensibilisierung gegenüber Vorurteilen und Diskriminierung Inhalt: Anhand verschiedener Methoden nähern sich die Schülerinnen und Schüler der Entstehung und den Ursachen von Vorurteilen. Im Fokus stehen dabei auch gruppendynamische Prozesse, die Abgrenzung begünstigen. Die Mechanismen von Diskriminierung und Rassismus werden ebenso thematisiert wie die möglichen Folgen für die Opfer.

Ziel: Sensibilisierung und Grundlagenvermittlung zum Thema Hassrede (Hate Speech) Inhalt: Durch die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist Hate Speech in den letzten Jahren ein immer größeres Thema geworden. Der Workshop geht den Fragen nach, was Hate Speech genau ist, woran man Hassrede erkennt und was man dagegen tun kann. Außerdem wird diskutiert, ob Cybermobbing auch eine Form von Hate Speech ist und was Hassrede mit den Betroffenen macht.


Workshop: Extrem populär – Über (rechte) Musik und ihre problematischen (extremistischen) Inhalte! Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahre Termine: Mo, 25.10.2021 und Mi, 27.10.2021, jeweils 10 – 13 Uhr Gruppengröße: eine Klasse Kosten: Der Workshop ist für die Einrichtung kostenlos buchbar. Ziel: Sensibilisierung für das Erkennen menschenverachtender Ideologien im Bereich Musik Inhalt: Am Beispiel von ausgewählten Liedtexten sowie dem Erscheinungsbild verschiedener Künstler und Bands wird der Frage nachgegangen, ob und warum die Künstler und ihre Musik problematisch sind oder sein könnten. Gemeinsam wird diskutiert, wo der schmale Grat zwischen Kunstfreiheit und menschenverachtenden Aussagen verläuft und an welchen Merkmalen sich undemokratische Haltungen erkennen lassen.

Plan- und Rollenspiel »Toledo to do« Zielgruppe: Jugendliche ab 15 Jahre Termin: Fr, 29.10.2021, 10 – 14 Uhr Gruppengröße: eine Klasse Kosten: Der Workshop ist für die Einrichtung kostenlos buchbar. Ziel: Stärkung der Handlungs- und Konfliktkompetenz im Umgang mit kultureller, religiöser und weltanschaulicher Vielfalt sowie rassistischer Diskriminierung. Förderung der historischen und kulturellen Bildung Inhalt: Die Teilnehmenden tauchen ins 13. Jahr­hundert in die weltoffene Stadt Toledo ein und nehmen die Rollen ihrer Bewohner an. Dabei erleben sie, wie es in ihrer durch kulturelle und relgiöse Vielfalt geprägten Stadt zu einem Konflikt kommt. Gemeinsam müssen sie aushandeln, wie der Konflikt gelöst und das Vertrauen zwischen den verschiedenen Bewohnern Toledos wieder hergestellt wird.

Ferien|BOXX »DemokratieBOXX« Zielgruppe: Jugendliche von 10 bis 14 Jahren Termine: 02. – 03.11.2021, jeweils 10 – 14 Uhr Kosten: 7 EUR (für Vorstellungsbesuch) Anmeldungen bis Mo, 25.10.2021 an Natascha Mundt unter mundt@theater-hn.de Inhalt: Für interessierte Jugendliche bieten wir zwei erkenntnisreiche Tage zum Thema Demokratiebildung und Antidiskriminierung in der BOXX an. Ihr startet mit einem gemeinsamen Vorstellungsbesuch der Liebesgeschichte »Die Zertrennlichen«, die sich mit den Themen Fremdenfeindlichkeit und dem Zusammenleben verschiedener Kulturen beschäftigt. Anschließend gibt es einen spielpraktischen Workshop. Am zweiten Tag lädt das innovative Demokratiespiel »Quararo –Entscheide mit!« aus Heilbronn zum gemeinsamen Meinungsaustausch über spannende Themen ein, angeleitet von der Bildungsreferentin Tanja El Ghadouini vom RAA Berlin. Dabei erlebt ihr, wie demokratische Entscheidungsprozesse funktionieren und Kompromissfindung gelingen kann.


PODIUMSDISKUSSIONEN Eintritt frei

»DER STAAT ALS SICHERHEITSRISIKO? RECHTE SZENE UND VERFASSUNGSSCHUTZ« 23. Oktober 2021, 17 Uhr Komödienhaus Mit Hajo Funke, Seda Başay-Yıldız und Thomas Moser Moderation: Christiane Mudra Der NSU-Komplex macht in besonderer Weise offenbar, wie tief die Verstrickung staatlicher Sicherheitsorgane in rechtsterroristische Netzwerke geht. Sie reicht von der jahrelangen Finanzierung rechtsextremer VMänner und damit der Strukturen, in denen sie sich bewegten, bis hin zur unerklärlichen Anwesenheit eines V-Mann-Führers bei einem der Morde des NSU. Die Vertuschungsund Geheimhaltungspolitik des Verfassungsschutzes gegenüber der Aufklärung dieser Verstrickung, der bis 2018 bundesweit immerhin elf Untersuchungsausschüsse gewidmet waren, folgt dabei immer wieder einer Logik von Staatsräson und Staatswohl. Aber wird Staatsräson angesichts der Verbrechen des NSU hier nicht selbst zum Sicherheitsrisiko, auch in Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim NSU-Skandal nicht um einen Einzelfall handelt?

Hajo Funke ist emeritierter Professor des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und arbeitet seit Jahrzehnten zu den Themen Autoritarismus und Rechtsextremismus. Seda Başay-Yıldız ist Anwältin und vertrat im Münchner NSU-Prozess die Familie von Enver Şimşek als Nebenklägerin. Seit Sommer 2018 erhielt sie eine Reihe von Morddrohungen, die mit NSU 2.0 unterzeichnet waren. Ihre Meldedaten waren offenbar aus einem Computer des ersten Frankfurter Polizeireviers abgerufen worden. Thomas Moser ist Politikwissenschaftler und freier Journalist. Zu seinen Schwerpunktthemen zählt die Auseinandersetzung mit der Verstrickung staatlicher Sicherheitsorgane in den NSU-Komplex. Christiane Mudra ist Schauspielerin, Autorin und Regisseurin und gründete 2012 das investigative theater, mit dem u. a. von 2015– 2019 eine Trilogie über Kontinuitäten rechtsextremistischer Ideologie und Netzwerke seit der NS-Zeit entstand.


»UNTERM RADAR? STRATEGIEN NEURECHTER BEWEGUNGEN« 24. Oktober 2021, 19 Uhr Komödienhaus Mit Dirk Laabs, Stefan Reiner und Kurt Möller Moderation: Antonie Rietzschel Die rechte Szene hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Gewaltbereite rechte Hooligans in Bomberjacke und Springerstiefeln, wie man sie aus den 1990er-Jahren kennt, sind auf dem Rückzug, stattdessen findet offenbar eine zunehmende Institutionalisierung rechtsradikalen Denkens und Agierens statt. Das legt nicht nur die Aufdeckung rechter Netzwerke bei Polizei und Bundeswehr nahe, die in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht hat. Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise entstanden 2014 in Deutschland mit Pegida und ihren lokalen Ablegern sowie der Identitären Bewegung zwei neue rechtsideologische Organisationen, die seit dem Rechts-Schwenk der AfD auch eine Reihe von personellen Überschneidungen mit der Partei hervorgebracht haben. Die AfD, als die erste erfolgreiche rechtspopulistische Partei nach 1945, scheint als institutionelles Sammelbecken für unterschiedliche Strömungen rechtsradikalen Denkens zu fungieren, und ist maßgeblich daran beteiligt, die Grenzen des Sagbaren immer weiter nach Rechts zu verschieben. Die Frage ist, ob sich hinter diesen Beobachtungen bestimmte Strategien ausmachen lassen, und was von dieser Entwicklung in Zukunft zu erwarten sein wird.

Dirk Laabs ist investigativer Journalist und Filmemacher mit einer jahrelangen Expertise auf dem Gebiet des rechten, islamistischen und internationalen Terrorismus. Nach »Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU« trägt seine neueste Publikation den Titel »Staatsfeinde in Uniform. Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern«. Stefan Reiner ist Gewerkschaftssekretär der IG Metall in der Geschäftsstelle HeilbronnNeckarsulm und Sprecher des Netzwerks gegen Rechts Heilbronn. Kurt Möller ist Erziehungswissenschaftler und seit 1989 Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der Hochschule Esslingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gewalt, Rechtsextremismus, Fremdenund Menschenfeindlichkeit, männliche und politische Sozialisation und Jugendkulturen. Antonie Rietzschel ist freie Journalistin und arbeitet u. a. für die Süddeutsche Zeitung. Sie wuchs in einem kleinen Dorf nahe der Sächsischen Schweiz auf, einer Region, die lange durch Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus geprägt war. Diese Themen bilden heute den Schwerpunkt ihrer mehrfach ausgezeichneten journalistischen Arbeit.


»GENERALVERDACHT? DIE BETROFFENEN-PERSPEKTIVE AUF DEN NSU-KOMPLEX« 1. November 2021, 19 Uhr Foyer Großes Haus Mit Herbert Heuß, Mehmet Gürcan Daimagüler und Sevinç Daş Moderation: Sybille Thelen Seit der Selbstenttarnung des NSU-Trios ist viel über die Täter und das staatliche Versagen im Umgang mit Rechtsterrorismus und bei der Aufarbeitung des NSU-Komplexes gesprochen worden. Immer zu kurz kommt in der öffentlichen Auseinandersetzung allerdings die Perspektive der Opfer und der Hinterbliebenen. Nicht nur, dass sie geliebte Angehörige verloren haben, die plötzlich schmerzhaft aus dem Leben gerissen wurden – auch das Versagen der staatlichen Ermittlungsorgane vor der Aufdeckung des NSU hat tiefe Wunden gerissen und das Vertrauen dieser Menschen in den Staat massiv erschüttert. In allen Mordfällen, die heute dem NSU angelastet werden, außer dem an Michèle Kiesewetter in Heilbronn, wurde zunächst gegen die Opfer selbst und deren Angehörige ermittelt. Aber auch in Heilbronn werfen die Ermittlungspannen bei den Untersuchungen unmittelbar nach der Tat Fragen auf. Unterliegen Migranten bei Ermittlungsbehörden tatsächlich einem Generalverdacht?

Herbert Heuß ist Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. Er hat diverse Publikationen zum Thema NS-Verfolgung, zur Situation von Roma in Südost-Europa sowie zur Antiziganismusforschung veröffentlicht. Mehmet Gürcan Daimagüler ist promovierter Rechtsanwalt, Kolumnist und Buchautor. Im NSU-Verfahren vertrat er die Geschwister von Abdurrahim Özüdoğru, der 2001 ermordet wurde, und die Tochter von İsmail Yaşar, den der NSU 2005 erschossen hatte. Sevinç Daş ist Gastronomin und 2. Vorsitzende des Türkischen Frauenvereins Heilbronn. Darüber hinaus engagiert sie sich im Beirat für Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn. Sybille Thelen ist Journalistin, Autorin, Turkologin und Co-Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Zudem engagiert sie sich als Mitglieddes Kuratoriums des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart.


FILMREIHE MIT NACHGESPRÄCH

In Kooperation mit dem Kinostar Arthaus-Kino Heilbronn und dem Demoktratiezentrum Heilbronn Karten ausschließlich im Arthaus-Kino erhältlich »6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage – Die Morde des NSU« Dokumentarfilm von Sobo Swobodnik Dokumentarfilmmusikpreis 2017 25. Oktober 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch mit Chana Dischereit Moderation: Heval Demirdöğen In 6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage, dem Zeitraum in dem der »Nationalsozialistische Untergrund« zehn Morde gegenüber Migranten und einer deutschen Polizistin verübt haben, nähert sich der Regisseur essayistisch in lyrischem Schwarz-weiß dieser unvergleichlichen rechtsextremistischen Mordserie ausschließlich mit Bildern der zehn Tatorte in einer visuellen kardiographischen Vermessung. Die Orte als stumme Zeugen der Anklage, der Reflexion und Erinnerung. Diese Bilder werden ergänzt von einer Textcollage, bestehend aus Zeitungsmeldungen, Ermittlungsprotokollen, Prozessaussagen, den Statements von Hinterbliebenen und Fachleuten – gelesen von Schauspielern des Berliner Ensembles – die wiederum eingebettet werden in eine Musik-Ton-Komposi­tion des Berliner Musikers Elias Gottstein. Die Orte treten in den Dialog mit den Stimmen der Hinterbliebenen, der Ermittlungsbehörden, der Presse und finden ihren Widerhall in einem tonalen und musikalischen Reflexionsraum. »Swobodnik schafft ein beeindruckendes Mahnmal, gewidmet den Opfern und ihren Angehörigen.« (Deutschlandfunk Kultur)

Chana Dischereit ist wissenschaftliche Referentin für die Bereiche Bildung, Presse, Kultur und Wissenschaft beim Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg. Sie studierte an den Universitäten in Heidelberg und Berlin und machte ihrem Masterabschluss in Zukunftsforschung. Seit Jahren engagiert sie sich gegen Rassismus, insbesondere im Zusammenhang mit der Mordserie des NSU.


»Wir sind jung. Wir sind stark.« Spielfilm von Burhan Qurbani Bayerischer Filmpreis für das beste Drehbuch 2016 26. Oktober 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch mit Mai-Phuong Kollath Moderation: N. N. Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992, drei Jahre nach der Wende. Die Tristesse in den verödeten Wohnsiedlungen verstärkt die Frustration der Jugendlichen, die wie die Clique um Stefan, Sohn eines Lokalpolitikers, keine Perspektive haben und hauptsächlich herumhängen. Sie streifen durch die Nacht, grundlose Randale gegen Polizei und Ausländer ist zum Normalzustand geworden. Liebe und Freundschaft sind in diesem System austauschbar. Auch die Vietnamesin Lien lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in der Siedlung, im »Sonnenblumenhaus«, wo noch zahlreiche weitere Familien ehemaliger Vertragsarbeiter aus Vietnam wohnen. Am 24. August 1992 finden die beiden pa­ rallelen Erzählstränge des Films zusammen: Es kommt zu Krawallen vor dem Sonnenblumenhaus, das mit Molotov-Cocktails in Brand gesetzt wird, während eine Menschenmenge tatenlos dabei zusieht, wie Lien mit ihrer Familie um ihr Leben kämpft.

Mai-Phuong Kollath wurde in Hanoi geboren und kam 1981 als Vertragsarbeiterin in die DDR. Sie lebte im Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter in Rostock-Lichtenhagen, als es dort 1992 zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen kam. Seit 1994 engagiert sie sich in Rostock im deutsch-vietnamesischen Verein Dien-Hong und ist als interkulturelle Beraterin und ­Diversity-Trainerin tätig.


»Almanya – Willkommen in Deutschland« Spielfilm von Yasemin Şamdereli Deutscher Filmpreis in Gold für das beste Drehbuch 2011 30. Oktober 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch mit Nilgün Taşman Moderation: Roswitha Keicher »Wer oder was bin ich eigentlich – Deutscher oder Türke?« Diese Frage stellt sich der sechsjährige Cenk Yilmaz, als ihn beim Fußball weder seine türkischen noch seine deutschen Mitschüler in ihre Mannschaften wählen. Um Cenk zu trösten, erzählt ihm seine 22-jährige Cousine Canan die Geschichte ihres Großvaters Hüseyin, der Ende der 60er- Jahre als »Gastarbeiter« nach Deutschland kam und später Frau und Kinder nach »Almanya« nachholte. Längst ist Deutschland zur Heimat der Familie geworden. Doch eines Abends überrumpelt Hüseyin seine Lieben mit der Nachricht, er habe in der Türkei ein Haus gekauft und wolle mit ihnen in die alte Heimat fahren. Widerworte werden nicht geduldet, und so bricht die ganze Familie in die Türkei auf. Es beginnt eine Reise voller Erinnerungen, Streitereien und Versöhnungen – bis der Familienausflug eine unerwartete Wendung nimmt … Quelle: Katalog 61. Internationale Filmfestspiele Berlin

Nilgün Taşman wurde in Instanbul geboren und kam 1968 als Gastarbeiterkind nach Deutschland. Das Aufwachsen in zwei Welten sowie die Auseinandersetzung mit der türkisch-deutschen Doppelidentität sind zentrale Themen ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Neben ihrem sozialen Engagement als interkulturelle »Brückenbauerin« arbeitet sie als Coach für kultursensible Pflege.


»Kleine Germanen« Doku-Spielfilm von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger 2. November 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch im Anschluss Moderation: Andreas Hässler »Kleine Germanen« macht in einer ungewöhnlichen Verbindung aus Dokumentarund Animationsfilm auf ein kaum aufgearbeitetes Problem unserer Gesellschaft aufmerksam, das mit Blick auf die rechten Gewaltausschreitungen der letzten Zeit aktueller denn je ist: Kinder, die in einem demokratiefeindlichen Umfeld aufwachsen und nach dogmatischen Prinzipien rechtsextremer Ideologie erzogen werden. Der Dokumentarfilm blickt aber auch über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil unserer Mittelstandsgesellschaft, der immer stärker von rechtspopulistischen Strömungen geprägt ist – und konfrontiert den Betrachter mit Protagonisten, die ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen. Die Animationsgeschichte zieht sich als »roter Faden« durch den Film und erzählt das tragische Leben der persönlich betroffenen Elsa nach: Als Kind hat sie mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit ausgestrecktem rechten Arm hat sie »Für Führer, Volk und Vaterland!« gerufen und war ganz stolz darauf. Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war und versucht zu verstehen, was diese Erziehung aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat.


»Blut muss fließen – Undercover unter Nazis« Dokumentarfilm von Peter Ohlendorf Alternativer Medienpreis 2012 4. November 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch mit Peter Ohlendorf Moderation: Dr. Mirjam Meuser Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Neonazis toben, die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als der Journalist Thomas Kuban zum ersten Mal ein Neonazi-Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblicke in eine Jugendszene, in die sich kaum ein Außenstehender wagt. Neun Jahre später hat er fünfzig Undercover-Drehs hinter sich, auch jenseits deutscher Grenzen. Ein Lied begegnet ihm immer wieder: »Blut muss fließen knüppelhageldick…«. Hochbrisant und einzigartig ist das Material, das er unter extremem persönlichem Risiko zusammengetragen hat. Es dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden. Gemeinsam mit dem Filmemacher Peter Ohlendorf reist er noch einmal zurück an Orte, an denen er undercover gedreht hat. Im Fokus steht dabei die Frage, die er auch auf der politischen Ebene zu klären versucht: Wie ist es möglich, dass auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden kann? Rund 15 Jahre hat Thomas Kuban in der Neonaziszene recherchiert. Knapp neun Jahre davon hat er mit versteckter Kamera gearbeitet und dabei erschreckende Eindrücke gesammelt, die viel zu lange kaum beachtet worden sind. Veraltet sind seine Aufnahmen bis heute nicht. Ganz im Gegenteil, der Film ist hochaktuell.

Peter Ohlendorf ist Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. In seinen Filmen befasst er sich vor allem mit ökologischen, entwicklungs- und gesellschaftspolitischen Themen, die nicht im Fokus der konventionellen Berichterstattung liegen.


»Der Kuaför aus der Keupstraße« Dokumentarfilm von Andreas Maus 5. November 2021, 19:30 Uhr Arthaus-Kino Nachgespräch mit Özge Pınar Sarp Moderation: N. N. Am 9. Juni 2004 explodiert in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe, 22 Menschen werden dabei verletzt. Die Ermittlungen fokussieren sich schnell auf die Opfer des Anschlags, darunter auch auf den Frisör Özcan Yildirim, vor dessen Geschäft die Bombe explodierte. Über Jahre wird in der Keupstraße observiert, fünf verdeckte Ermittler werden auf die Anwohner und Gewerbetreibenden angesetzt. Für den Frisör ist diese Zeit ein Alptraum: Vom Terroropfer wird er in den Augen der ermittelnden Behörden zum potenziellen Täter mit Verbindungen zur Schutzgeld- oder Drogenmafia. Er wird kriminalisiert und mit ihm eine ganze Straße, eine Community mit Migrationshintergrund. Erst sieben Jahre später werden die Täter ermittelt, die Rechtsterroristen des selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrunds. Der Film ist die Chronik einer Ermittlung, die geprägt war von behördlichen Vorurteilen und Diskriminierung, aber auch von Routine und Ratlosigkeit angesichts der erfolglosen Bemühungen, die Täter zu ermitteln. Quelle: Filmfestival Max Ophüls Preis 2016

Özge Pınar Sarp ist Politikwissenschaftlerin und Aktivistin. Sie berichtete für NSU-Watch u. a. über den Münchner Prozess und ist Mitautorin des Buches »Sie haben gedacht, wir waren das. MigrantInnen über rechten Terror und Rassismus«. Ein Schwerpunktthema ihrer Arbeit sind die Auswirkungen von rassistischer Gewalt im kollektiven Gedächtnis der Betroffenen.

Die Filmreihe mit Nachgespräch ist eine Ko­operation des Theaters Heilbronn mit dem Kinostar Arthaus-Kino Heilbronn und dem Demo­kratiezentrum Heilbronn, getragen vom Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn e. V.

Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben«

im Rahmen des Programms


Programm der Partner Literaturhaus

Stadtbibliothek Heilbronn

Das Drama im Dritten Reich Vortrag von Dr. Kai Köhler Eine Kooperationsveranstaltung mit der Internationalen Peter Weiss Gesellschaft

»Wir sind die Wahrheit« Lesung für Schulklassen mit Andreas Götz

5. November 2021, 19 Uhr Literaturhaus Das Theater im »Dritten Reich« war keine monolithische Einrichtung. Mehrere Akteure mit unterschiedlichen, zum Teil gegensätz­ lichen Vorstellungen versuchten, die Theaterpolitik zu lenken. Im Hauptteil des Vortrags geht es um zwei Autoren, die jeweils für eine der Theaterästhetiken stehen. Curt Langenbeck ist ein Vertreter der neuklassischen Tragödie, wie exemplarisch an seinem Drama »Das Schwert« gezeigt werden soll. Eberhard Wolfgang Möllers »Das Frankenburger Würfelspiel« repräsentiert die Gattung des Thingspiels, eine Massenveranstaltung, die das Verhältnis von »Führer« und »Gefolgschaft« veranschaulicht. Kai Köhler, geboren 1964, literatur- und politikwissenschaftliches Studium in Marburg, dort Promotion über die Germanistik im Dritten Reich. Er war 2002–2007 Gastprofessor an der Nationaluniversität Seoul und lehrte bis 2012 an der Hankuk University of Foreign Studies. Seitdem lebt er als Publizist in Berlin; neben Forschungsbeiträgen und Kurzgeschichten zahlreiche Literatur-, Film-, Musik- und Theaterkritiken. Arbeitsschwerpunkte sind die Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere Peter Hacks (Herausgabe der Tagungsbände der HacksGesellschaft seit 2008, seit 2016 HacksJahrbuch), Literatur und Nationalismus, Musik und Politik sowie Kriegsgeschichte und -theorie.

25. Oktober 2021, 9 Uhr und 11 Uhr Stadtbibliothek im K3 Anmeldung ab Klasse 9 unter bibliothek@heilbronn.de Leahs Bruder liegt im Koma, nachdem er von Unbekannten verprügelt wurde. Die Tat wird Geflüchteten zugeschrieben und von rechten Kreisen vereinnahmt. Als Leah aus anonymer Quelle Videobotschaften ihres Bruders erhält, die zeigen, wie er sich in den letzten Monaten radikalisiert hat, geht sie der Spur auf den Grund. Ein fesselndes Abenteuer, das die ethisch-politischen Fragen, die junge Leser:innen heute beschäftigen, thematisiert: Demokratie, Rechtsruck, Populismus. »Rechtsrock: Business, Ideologie & militante Netzwerke« Vortrag von Timo Büchner 28. Oktober 2021, 19:30 Uhr Stadtbibliothek im K3 Eintritt frei Anmeldung unter bibliothek@heilbronn.de Rechtsrock spielt in der Neonazi-Szene eine zentrale Rolle: Die Musik erzeugt Gemeinschaft und Identität, propagiert Hass und Rechtsterror, finanziert gewaltbereite Kameradschaften und Netzwerke. Ohne Zweifel ist Rechtsrock auch ein Business: Bands, Produzent:innen, Händler:innen und Veranstalter:innen machen beachtliche Profite. Timo Büchner, Politologe und Kenner der Szene, hat 2021 eine kompakte, prägnante und aktuelle, hilfreiche Einführung im Unrast Verlag publiziert.


Volkshochschule Heilbronn Die extreme Rechte in der Region Heilbronn Entwicklungen – Herausforderungen – Gegenstrategien Broschürenvorstellung und Podiumsdiskussion 12. Oktober 2021, 18:30 Uhr Deutschhofkeller Anmeldung unter mobirex@lago-bw.de Der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags kommt in seinem Abschlussbericht zum Ergebnis, dass es in Heilbronn »von 1990 bis 2011 eine durchgehende, überregional gut vernetzte, aktive rechtsextremistische Szene gegeben hat (und weiterhin gibt)«. Wir präsentieren die neue Broschüre »Ein Blick auf die Region Heilbronn. Zwischen extrem rechten Aktivitäten und Engagement für eine menschenrechtsorientierte Demokratie«. Darin nehmen wir Strukturen und Aktivitäten der extrem rechten Szene in der Region Heilbronn unter die Lupe und stellen das vielfältige Gegenengagement vor. Im Anschluss diskutieren wir über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Gegenstrategien. Mit Kerstin Müller, Mirjam Meuser, Alan Götz u. a. Moderation: Andreas Hässler Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Volkshochschule Heilbronn, den Bündnissen »Netzwerk gegen Rechts Heilbronn« und »Heilbronn sagt Nein« und der »Fachstelle mobirex« des Demokratiezentrums Baden-Württemberg organisiert. Maßnahme des Demokratiezentrums Baden-Württemberg. Das Demokratiezentrum wird gefördert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben!«

Stolpersteine erzählen. Auf den Spuren jüdischen Lebens Rundgang mit Günter Spengler 26. Oktober 2021, 15 Uhr Treffpunkt: Kath. Kirche Heilbronn-Sontheim Eintritt frei Auf einem Rundgang berichtet Günter Spengler von dem Leben und Schicksal der Jüdinnen und Juden in Sontheim, von der damaligen jüdischen Gemeinde und ihrer besonderen Bedeutung für das jüdische Leben in Heilbronn. Zur Sprache kommen auch der Künstler Gunter Demnig und die Jugendlichen, denen wir diese Erinnerungszeichen verdanken. Der Rundgang beginnt an der Katholischen Kirche und findet mit kleinen Pausen an verschiedenen Stationen bei jedem Wetter statt. Warum der Antisemitismus uns alle bedroht Lesung und Diskussion mit Dr. Michael Blume In Kooperation mit dem Bündnis »Heilbronn sagt nein« 23. November 2021, 19 Uhr Volkshochschule Heilbronn Eintritt frei Nach jüdischer Überlieferung begründete Sem, Sohn Noahs, die Tradition der »semitischen« Schriftreligion, aus der u. a. das Judentum und Christentum sowie der Islam entstanden. Gegen diese weltverändernde Kraft der Schriftreligionen stemmten sich Gegenmythen, die den Zusammenhalt, die Bildungserfolge sowie den Kinderreichtum von Juden und anderen Semiten als bedrohliche Verschwörungen deuteten. Durch das Aufkommen von Medien wie Buchdruck, Radio, Film, Internet und Social Media entfaltet dieser Antisemitismus eine enorme Gegenbewegung, die imstande ist, die Grundlagen der Zivilisation zu erschüttern.


»Wehret den Anfängen! Nichtstun und immer nur schockiert sein ist tödlich!« Kaffeehausgespräche im Heilbronner »Hagen« Eintritt frei

14. September 2021, 19:30 Uhr

7. Dezember 2021, 19:30 Uhr

Filmvorführung: »Blut muss fließen – Undercover unter Nazis«

Gespräch: Der Mord an Michèle Kiesewetter – wohin führen die Spuren?

Der Film von Kameramann Thomas Kuban und Regisseur Peter Ohlendorf wurde teilweise unter Lebensgefahr gedreht. Er enthält schockierende Einblicke in die rechtsextreme Musikszene, die deutlich aufzeigen, wie ungeniert bei solchen vor hunderten von Teilnehmern Konzerten rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet wird. Peter Ohlendorf wird im Anschluss mit dem Publikum über seine Recherchen diskutieren.

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese ist nach wie vor ungeklärt. In der Veranstaltung sollen der neueste Stand der Ermittlungen sowie die zahlreichen offenen Fragen und Erkenntnisse dazu präsentiert und diskutiert werden. Zu Gast sind der ehemalige Obmann und Leiter der NSU-Untersuchungsausschüsse im Deutschen Bundestag Clemens Binninger und der Journalist Peter Ohlendorf.

12. Oktober 2021, 19:30 Uhr Der blinde Fleck – Rechtsextreme Umtriebe und Gedenkstätten

9. November 2021, 19:30 Uhr Vortrag: NS-Verbrechen verjähren nie Oberstaatsanwalt Thomas Will, der Leiter der Zentralstelle für die Aufklärung von NS-Verbrechen wird aufzeigen, in welchem Spannungsfeld sich die Arbeit dieser Staatsanwaltschaft bewegt – vom Urteil gegen John Demjanuk bis hin zur aktuellen Strafverfolgung von NS-Tätern.

18. Januar 2022, 19:30 Uhr Thema wird noch bekanntgegeben 8. Februar 2022, 19:30 Uhr Vortrag: Nazis raus aus unserer Stadt – aber wohin sollen sie denn gehen? Zu Gast ist Prof. Gottfried Orth, ehemaliger Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der TU Braunschweig und Experte für Konfliktmanagement und gewaltfreie Kommunikation. 8. März 2022, 19:30 Uhr Der Ton ist heftig geworden: Zunahme rechtsextremer Tendenzen in der Landespolitik Zu Gast ist Landtagspräsidentin Muhterem Aras.

Die Diskussionsleitung bei allen Terminen hat Gunter Haug. Für eine engagierte Diskussion ist immer ausreichend Zeit eingeplant.


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1 Theater Heilbronn 2 K3 Komödienhaus, Stadtbibliothek 3 Rathaus 4 Kiliansplatz 5 Arthaus-Kino 6 Volkshochschule Heilbronn 7 Kaiser-Friedrich-Platz 8 Götzenturm 9 Theresienwiese

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60 Jahre Deutsch-Türkisches Anwerbeabkommen.

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JE 3 WAHLGUTSCHEINE FÜR DAS THEATER HEILBRONN* UND DAS KINOSTAR ARTHAUS-KINO HEILBRONN *Die Theatergutscheine gelten für die 2. Preis­ kategorie und sind für Schauspielvorstellungen im Großen Haus und im Komödienhaus einlösbar (Sonderveranstaltungen ausgenommen).

Abopreis: 73,20 € / 45,60 € (erm.)


Aber sie haben uns nur gegeben, was sie wollen. Nicht was wir wollen …

İsmail Yozgat, 13. März 2014, OLG München

Impressum Theater Heilbronn · Berliner Platz 1 · 74072 Heilbronn Intendant: Axel Vornam · Redaktion: Dr. Mirjam Meuser, Sophie Püschel Grafik Design Konzept: Zoff · Layout, Satz: Rebekka Mönch · Foto Titelseite: Burschel Druck: Schweikert Druck · Redaktionsschluss: 24.09.2021 www.theater-heilbronn.de | Spielzeit 2021 / 2022 Änderungen vorbehalten!


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