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jedesmalanders 8. Ausgabe, 1.2021


KUNST UND MUSIK — (KUNST)MUSIK Generalmusikdirektor Joseph Trafton im Gespräch mit Konzertdramaturg Fabian Bell über die Bedingungen eines Museums­konzerts. Sie hatten gerade die erste Probe im Jahr 2021. Wie fühlt es sich an, nach einer Pause wieder mit dem Orchester zu musizieren? Der Lockdown im November und Dezember und der damit verbundene Ausfall unserer Konzerte waren notwendig. Uns fehlte in dieser Zeit aber extrem das Erlebnis von Live-Musik und das Miteinander, und es ist jetzt großartig, einfach wieder (für digitale Angebote) zusammen wirken zu können – natürlich mit Abstand. Die Musiker*­ innen des Philharmonischen Orchesters Hagen sind äußerst begabt, und man merkte bei der Probe, wie schnell sie wieder aufeinander gehört und gemeinsam gespielt haben. Normalerweise finden die Sinfoniekonzerte in der Stadthalle statt. Für ein Stream-Konzert begab man sich nun ins Museum. Welchen Reiz hat dieser Aufführungsort für ein Konzert? Wir leben in einer Zeit, in der unsere Kreativität ganz besonders gefragt ist. Es gilt, neue Perspektiven zu finden und neue Gewohnheiten zu schaffen. Hagen hat einmalige Orte wie z.B. das Osthaus Museum mit seiner Jugendstil-Architektur und einer ganz speziellen Atmosphäre. Wir hatten bereits Ende Mai 2020 im Emil Schumacher Museum eine tolle Erfahrung mit der

Darbietung von Kammermusik im Zusammenhang mit den dort hängenden Gemälden. Darauf aufbauend haben wir jetzt die Wirkung verschiedener Orchesterbesetzungen in unterschiedlichen Räumen des Osthaus Museums erforscht und festgestellt: In einen Raum passt ein Haydn-­ Orchester mit Streichern und fünf Bläsern, in einen anderen ein reines Streichorchester, in einem weiteren Ambiente ein Blechbläser-Ensemble mit Schlagzeug usw. Nach welchen Kriterien haben Sie die Werke für dieses außergewöhnliche Konzert ausgewählt? Aufgrund der Abstandsregeln kann kein großes Orchester in den einzelnen Räumen untergebracht werden. Also wurden Stücke für bis zu 20 Musiker*innen gesucht. Einige künstlerische Impulse dazu kamen aus der aktuellen Ausstellung, die sich der hyperrealistischen Kunst widmet. Da steht u.a. der Mensch in seinen Gedanken und mit seinem Gefühlsausdruck im Vordergrund, vertreten z.B. durch die Skulptur Ordinary Man, die in der Haupthalle zu sehen ist. Sein zielstrebiger, nach oben gerichteter Blick führte zu der Auswahl der Haydn-Sinfonie mit dem Titel Der Philosoph. Weitere Inspirationen lieferten Architektur und Design. Finden Sie Gemeinsamkeiten zwischen den Exponaten der Ausstellung und den gespielten Stücken?

Was reizt Sie an Werken wie Michael Daughertys Sinatra Shag, in denen ja der Kontrast von Hochkultur und Unterhaltung ein Stück weit aufgelöst wird? Da kommen wir zurück zum Hyperrealismus, der ja aus der Pop-Art-Bewegung der 60er Jahre hervorging. Skulpturen wie Andy Warhol und Chiquita Banana sind in der Ausstellung zu sehen, und ein gewisser skurriler Humor verbindet deren Zeitgeist mit Sinatra Shag. Nach zum Nachdenken anregenden Kompositionen wie Der Philosoph und Charles Ives’ The Unanswered Question sowie Salvatore Sciarrinos La Perfidia wollte ich das Programm mit einem zeitgenössischen Stück beenden, das uns auch zum Lächeln bringt.

Orchester im Jahre 1982

Die Hagener Stadt­ halle — Konzertsaal und Impfzentrum

Joan Tower stammt aus New Rochelle und zählt zu den namhaftesten US-amerikanischen Komponistinnen der Gegenwart. Ihre Stücke werden von den führenden Orchestern nicht nur der USA aufgeführt. Die Reihe der Fanfares for the Uncommon Woman – der Titel spielt bewusst auf Aaron Coplands Fanfare for the Common Man an – begann sie 1986 als Auftragswerk des Houston Symphony Orchestra zu scheiben; für das Sinfonieorchester Baltimores komponierte sie 2016 die bislang letzte der Fanfaren.

Von Rouven Lotz

Joseph Haydns 1764 entstandene Sinfonie Nr. 22 ist unter dem Beinamen Der Philosoph bekannt geworden. Dieser Titel bezieht sich auf den langsamen Kopfsatz, der nach Ansicht einiger Haydn-Kenner dessen tonmalerische Umsetzung des Gesprächs „zwischen Gott und einem leichtsinnigen Sünder“ darstellen soll.

Der amerikanische Komponist Charles Ives zählt zu den erstaunlichsten Persönlichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts. Obwohl er in Yale Komposition studiert hatte, wirkte er nach einer Tätigkeit als Kirchenmusiker als selbständiger Versicherungsagent mit eigener Firma und schuf seine musikalischen Werke in der Freizeit. Die berühmteste seiner Kreationen ist wohl das kurze Orchesterstück The Unanswered Question, in dem ­die Solo-Trompete, so der Komponist, die immer­ gleiche Frage nach der menschlichen Existenz stellt. Ob man diese Intentionen nun mitvoll­ ziehen mag, bleibt dem Hörer selbst überlassen. Fraglos jedoch ist die Wirkung der Musik, die auch Filmemacher dazu bewog, dieses Stück zur Begleitung spezifischer Szenen auszuwählen.

Manches im Jugendstil empfinde ich als rund, geschmeidig und sinnlich, obwohl auch asymme­ trische Linien dabei sind. Auch bei Schrekers Musik aus dieser Zeit, wie z.B. beim Intermezzo, lassen sich diese Charakteristika auffinden.

Man weiß ja nicht, was der Künstler bei der Arbeit an seinen Werken gefühlt hat oder was genau seine Botschaft sein sollte, trotzdem versuchen wir, eine Symbiose zwischen den Skulpturen im Raum und der Musik zu schaffen.

Zu den Werken des Stream-Konzerts aus dem Osthaus Museum

Das Intermezzo von Franz Schreker aus dem Jahre 1901 entstammt der Entstehungszeit des Osthaus Museums. Man hat den Komponisten des Öfteren mit dem Jugendstil in Verbindung gebracht, einer damaligen Strömung v.a. in der Malerei. In der Tat besitzt Schrekers luxurierender Orchesterklang eine Nähe zu den berühmtesten Gemälden Gustav Klimts, und auch die bildhafte Qualität seiner Musik mag als Anknüpfungspunkt an dessen Kunst verstanden werden. Diese Wirkung ist kaum zufällig, denn der Komponist feierte seine größten Erfolge im Musiktheater, schrieb also auch immer im Hinblick auf (Bühnen-)Bilder.

Mit dem Intermezzo von Franz Schreker steht ein Werk auf dem Programm, das in der Ent­ stehungszeit des Osthaus Museums komponiert wurde. Finden Sie Parallelen zwischen Architektur und Musik?

Die starke bildhafte Wirkung von Musik beschäftigt auch Salvatore Sciarrino, der zu den bekanntesten Vertretern der italienischen zeitgenössischen Musik zählt. In seiner 2002 entstandenen Oper Macbeth möchte er keine fortlaufende Handlung erzählen, denn vielmehr geht es ihm um die musikalische Ausdeutung der verschiedenen Protagonisten, deren Stimmungen und Gefühls­ lagen die Charaktere der Musik prägen. Der Verzicht auf den dramatischen Gestus ermöglicht die Entstehung musikalischer Stimmungsbilder. Beispielhaft dafür ist das Intermezzo La Perfidia, das in der Oper auf die Todesnachricht der Lady Macbeth folgt. Hier erinnert die Methode Sciarrinos an die eines Malers, in dessen Bildern die momentanen Eindrücke innerer oder äußerer Natur festgehalten sind. Dass auch Architektur auf Komponisten anregend wirken kann, beweist der 1954 geborene US-Amerikaner Michael Daugherty, der sich von dem architekturtheoretischen Werk Learning From Las Vegas zu einer Reihe von Kompositionen über diese Stadt inspirieren ließ. In diesen unternimmt er die Aufhebung des Gegensatzes von Kunst- und Unterhaltungsmusik. Zu diesen Stücken gehört auch Sinatra Shag, 1998 entstanden und in seinem Titel an den Sänger gemahnend, der wie

kaum ein zweiter Künstler für Las Vegas steht. Mit seinen swingenden Rhythmen und der farbigen Instrumentation möchte Daugherty auf die Musik jener Jahre aufmerksam machen, in denen Frank und Nancy Sinatra zu den großen Stars der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zählten. Joan Tower: Fanfare for the Uncommon Woman Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 22 – Der Philosoph Franz Schreker: Intermezzo (aus der Romantischen Suite) Charles Ives: The Unanswered Question Salvatore Sciarrino: La Perfidia (Intermezzo aus der Oper Macbeth) Michael Daugherty: Sinatra Shag Philharmonisches Orchester Hagen Leitung: Joseph Trafton

Wann dieses Konzert als Stream zu erleben ist, wird auf der Webseite des Theaters Hagen (www.theaterhagen.de) sowie in der Presse bekannt gegeben.

Manche Dinge weiß man erst dann zu schätzen, wenn sie einem genommen werden. Dies zeigt sich gerade auch am Beispiel der 1981 fertiggestellten Hagener Stadthalle. Das Bauwerk hätte einen Platz in der Kampagne „Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde“ verdient, die im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 im Ruhrgebiet durchgeführt wurde und sich jedoch auf Bauten der 60er- und 70er-Jahre konzentrierte. In Hagen ersetzt das 1978 entworfene Gebäude die historische Stadthalle aus dem Jahr 1914 (Fertigstellung 1922) und steht unweit des alten Standortes, wo der Vorgängerbau infolge des Zweiten Weltkriegs 30 Jahre zuvor abgerissen wurde, mit einem ungleich spektakulären Ausblick über das Tal des Stadtzentrums – wenn es um Äußerlichkeiten gehen würde. Doch die neue Stadthalle, die inzwischen – nach Jahren ihres Bestehens gemessen – bereits älter ist als ihre Vorgängerin, bietet mit ihren weitläufigen Foyers, einem großzügigen teilbaren Saal, zusätzlichen Räumen und einem Restaurant heute eine ungleich größere Flexibilität, wie ihre aktuelle Nutzung als Impfzentrum zeigt. Mit dem Eröffnungskonzert am 9. September 1981 fand nach den provisorischen Lösungen der Nachkriegsjahre endlich auch die Konzertreihe des Philharmonischen Orchesters wieder eine adäquate neue Heimat. Zuvor konnten philharmonische Konzerte über drei Jahrzehnte nur noch in reduzierter Besetzung aufgeführt werden. Mit der Einweihung der Stadthalle konnte nun endlich wieder das gesamte sinfonische Repertoire in entsprechender Besetzungsgröße auf die – in ihrer Grundfläche flexibel erweiterbare – Bühne gebracht werden. So finden heute auch große spätromantische Sinfonien problemlos und im wörtlichen Sinne ihren Platz. Ein unerwartetes Baukonzept Das aus Hagen und Meschede zusammengekommene Architekten-Team Sigrun Dechêne und Hartwig Brettschneider (Hagen) sowie Dierk Stellies und Eckhart Gerber (Meschede) konnte die Ausschreibung für das Gebäude aufgrund seines überraschenden und die Konkurrenz überragenden Konzeptes für sich entscheiden. 


Projektleiter war Eckhart Gerber, der die Partner für die Idee gewann, sich gemeinsam um das attraktive Bauprojekt zu bewerben. Statt wie in der Wettbewerbsausschreibung vorgesehen, an den hinteren Rand der Felsenlandschaft eines aufgelassenen Kalksteinbruchs, empfahlen die jungen Architekt*innen die Positionierung des Baukörpers an dessen äußerem Rand. Das landschaftsräum­ liche Oval des Steinbruchs konnte dadurch nicht nur für eine Nutzung als Felsengarten gewonnen werden, sondern das Bauwerk wurde gerade durch die Weiterführung der markanten Topografie eben jenes Steinbruchs zu einer städtebaulichen Landmarke in Sichtbeziehung zum Stadtzentrum. Die an einen Kristall erinnernde Schauseite der Glashaut, offene Stahlprofile und Sichtbeton korrespondieren mit der durch den Landschaftsplaner Georg Penker, Neuss, gestalteten Felsenlandschaft. Vier Jahrzehnte später hat sich das Gesamtkonzept als besonderer Glücksfall für die Hagener Fauna längst bestätigt. Kunst am Bau Da das Gebäude der Stadthalle ein öffentlicher Bauauftrag war, sollte es von Anfang an auch mit Werken bildender Künstler ausgestattet werden. Der damalige Stadtbaurat Herbert Böhme und sein Verhandlungspartner Gerber verabredeten sich auf die Berufung zweier Künstler. Die Wahl fiel auf den Bildhauer Jürgen Weber (1928–2007) aus Braunschweig und den Maler Emil Schumacher (1912–1999) aus Hagen. Integral für das architektonische Konzept war es, Innen- und Außenraum zueinander in Bezug zu setzen. Davon beeinflusst war auch die Auswahl der künstlerischen Ausstattung des Gebäudes. Für den Außenraum schlug Gerber den Bildhauer vor. Sein Entwurf einer Bronzeplastik mit überlebensgroßen figürlichen Elementen mit dem Titel Windsbräute (Höhe: ­ 4,6 Meter) wurde schließlich 1984 nach zähen Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Künstler erworben und in eine Brunnenanlage integriert, die aus der Pflasterung des Vorplatzes und den am Ort während der Vorbereitungen des Bauplatzes gewonnenen Kalkfelsen errichtet wurde. Wie bereits für die Landschaftsplanung war auch für den Brunnen eine Lösung favorisiert worden, die einen deutlichen Kontrast zu den geometrischen Baukörpern bildet. Für den Innenraum waren allegorische Majolika-Putti

(Großherzogliche Majolika Manufaktur Karlsruhe) aus der historischen Stadthalle des frühen 20. Jahr­­hunderts, der Zeit des sogenannten Hagener Impulses, vorgesehen. Außerdem wurde an prominenter Stelle im unteren Foyer ein Probe­ mosaik mit dem Titel Die Lautenspielerin (138,5 × 128,5 cm) aufgehängt, welches der Künstler Johan Thorn Prikker 1914 auf Vermittlung von Karl Ernst Osthaus zur Dekoration des Kammermusiksaales im Vorgängerbau geschaffen hatte. Diese Kunstwerke stellen bis heute eine wichtige symbolische Verbindung mit der historischen Stadthalle dar. Deren bauplastisches Fassadenprogramm durch die expressionistischen Bildhauer Milly Steger und Will Lammert wurde bei ihrem Abriss 1954 unwiederbringlich zerstört. Darüber hinaus sollte als Höhepunkt der Ausstattung des Innenraumes mit Kunstwerken ein großformatiges Gemälde von Emil Schumacher erworben werden. Der aus Hagen stammende Maler zählte bereits seit den 1950er-Jahren zu den international wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen Kunst aus Deutschland. Dass es später nicht zum Erwerb für die Stadthalle kam, ist misslich, aber ein anderes Thema und heute durch den Lauf der Geschichte auch erledigt. Das damals vorgesehene Gemälde Midun (1975, Öl auf Holz, 197 x 200 cm) ist als Hauptwerk aus jener Schaffensphase inzwischen Teil der Sammlung des Emil Schumacher Museums, dessen Eröffnung 2009 in der Stadthalle gefeiert wurde, wie auch der 100. Geburtstag des Malers 2012. Bei diesen Veranstaltungen schloss sich der Kreis, denn Mitglieder des Orchesters wie des gesamten Theaters begleiteten seither immer wieder die großen Anlässe des Museums, das nicht zuletzt auch zum regelmäßigen Spielort für die Kammermusikreihe des Philharmonischen Orchesters Hagen im Kunstquartier wurde.

Orchester im Jahre 2019

Sinfoniekonzert Die Sinfonia Concertante gehört zu den rätselhaftesten Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts, doch ist die Autorschaft dieses Werkes bis heute umstritten. 1778 kam Mozart nach Paris, wo er die Gelegenheit ins Auge fasste, für die bedeutendste Konzertreihe der Stadt eine Musik zu schreiben. Zu einer Aufführung kam es jedoch nicht, und es ist fraglich, ob er die Arbeit an diesem populär gewordenen Stück jemals aufgenommen hat. Auf jeden Fall befinden sich viele Einfälle darin, die das Vorbild Mozarts zumindest nahelegen. Möglich ist auch, dass sich ein Bearbeiter der Fragmente der Pariser Sinfonia annahm, darauf deuten der reizvolle langsame Mittelsatz, aber auch die feinen und geistreichen Variationen des Finales hin. Die Sinfonien Gustav Mahlers gehören heute zu den beliebten Werken der aufgeführten Konzert­ literatur. In seinem reifen Schaffen hat sich der Komponist neben dieser Gattung lediglich dem Lied zugewandt. Als junger Student schuf er aber auch kleinere Werke, darunter ein Klavierquartett, welches die Vorbilder Johannes Brahms und Franz Schubert verrät. Jahrzehnte später erinnerte er sich mit einiger Wehmut an dieses Stück aus dem Jahre 1876, das schon manches vorwegnimmt, was dem Hörer in der frühen Sinfonik Mahlers begegnet. Verblüffend ist die für einen Sechzehnjährigen außergewöhnlich ausgeprägte Erfindungsgabe in den Themen, die Präsentation einer doch schon recht eigenen Klangsprache und die Absage an äußere Konventionen. Franz Schreker ist noch allzu oft ein Unbekannter. Obgleich seine Opern in der Zeit der ausgehenden Doppelmonarchie zu den meistaufgeführten Stücken auf deutschsprachigen Bühnen zählten und bisweilen größere Erfolge feiern konnten, als diejenigen von Richard Strauss, geriet der 1878 geborene Komponist nur allzu schnell in Vergessenheit. Als sich die musikalische Mode nach dem Ersten Weltkrieg wandelte, fand auch der, an den Jugendstil gemahnende Orchesterklang Schrekers nicht mehr zu seinem Publikum. Man suchte nach einem neuen, weniger schwelgerischen Idiom und fand es in der Auseinandersetzung mit Jazz und Tanzmusik. Mit dem Ende der Weimarer Republik wurde Schrekers Lage prekär, denn seine Werke galten den Nationalsozialisten als entartet. Der Verlust seiner Kompositionsprofessur beraubte ihm seiner Verdienstmöglichkeiten; er starb 1934

und seine Musik verstummte für Jahrzehnte. Mit dem Beginn einer Renaissance der Opern verfemter Komponisten fand auch Schreker wieder zu Gehör, und Opern wie Der ferne Klang und Die Gezeichneten kehrten auf die Bühnen zurück. Neben Bühnenwerken komponierte er Orchesterstücke, die bis heute eher selten aufgeführt werden. Das berühmteste unter ihnen ist die 1916 entstandene Kammersymphonie, die anlässlich des Jubiläums der Wiener Akademie zur Uraufführung gelangen sollte. In ihr zeigt sich Schrekers Gespür für die Klangfarben des Orchesters, mit denen er so virtuos umzugehen verstand und durch die der Geist der Donaumonarchie ein letztes Mal aufblühte. Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante KV 297b Gustav Mahler: Klavierquartett a-Moll (Orchesterfassung von Joseph Trafton) Franz Schreker: Kammersymphonie Solisten: Fanny Kloevekorn (Oboe), John Corbett (Klarinette), Friedhelm Grote (Fagott), Lisa Erchinger (Horn) Philharmonisches Orchester Hagen Leitung: Joseph Trafton

Dieses Konzert wird vom WDR aufgenommen und im Rahmen der Reihe Städtekonzerte auf WDR 3 gesendet. Zudem gibt es einen VideoStream. Termine dazu werden sobald wie möglich auf www.theaterhagen.de und in der Presse veröffentlicht.

Orchester im Jahre 1957

„ICH WERDE DAS SPIELEN IM ORCHESTER VERMISSEN“ Friedhelm Grote geht in den Ruhestand. Zur Verabschiedung sprach Orchesterdirektorin Antje Haury mit dem langjährigen Orchestermitglied Seit wann bist Du Mitglied des Philharmonischen Orchesters Hagen? Seit dem 8. August 1985, also über 35 Jahre. Was sind Deine wichtigsten (musikalischen) Erinnerungen aus dieser Zeit? Gibt es bestimmte Konzerte / Konzertprogramme, an die Du Dich besonders gerne erinnerst? Ja, dazu gehören z.B. Sinfoniekonzerte in voller Besetzung, u.a. Verdis Requiem oder die Sinfonie Nr. 9 von Schostakowitsch, natürlich aus der Sicht eines Solo-Fagottisten. Was ist Deine Lieblingsoper? Schwer zu sagen, auf alle Fälle Mozarts Così fan tutte, Strauss’ Salome, natürlich Verdis Otello und Wagners Tristan und Isolde.

Ist das Fagott ein „gemütliches“ Instrument? Schließlich kennen wir es alle als den ‚Großvater‘ in Prokofjews Peter und der Wolf. Das Fagott kann ein sehr gemütliches Instrument sein. Es gibt aber auch Passagen, da bricht man sich die Finger, gerade wenn es lustig wird, z.B. in der Sinfonie Nr. 4 von Beethoven oder in Rossinis temperamentvollen Opern wie Der Barbier von Sevilla. Wird Dir das Spielen im Orchester fehlen? Oh ja, ich werde das sehr vermissen. Vermissen werde ich aber auch besonders meine Holzbläserkolleg*innen und meine Fagottgruppe. Man ist aufeinander so eingespielt wie ein altes Ehepaar, ahnt schon voraus, was der Kollege will und reagiert entsprechend. Nicht ohne Grund wirst Du als „Elder Statesman“ des Orchesters gehandelt. Du warst viele Jahre als Orchestervorstand und DOV-Delegierter tätig. Was verbirgt sich hinter diesen Aufgaben? Der Orchestervorstand ist das Bindeglied zwischen Musikdirektion und den Kollegen. Auf deren Bedürfnisse und Belange einzugehen und diese zu vertreten, war mir immer sehr wichtig, sodass ich diesen Zusatzjob (als Arbeitnehmervertreter) 25 Jahre lang gerne gemacht habe.

Als Delegierter der Deutschen Orchestervereinigung habe ich von 1989 bis vor wenigen Monaten versucht, die Tarifpolitik im Sinne meiner Kollegen mitzugestalten und die Arbeitsbedingungen auch in schweren Zeiten auf einem guten, sozialverträglichen Niveau zu halten. Was wünschst Du dem Theater Hagen und dem Orchester für die Zukunft? Dem Theater und dem Philharmonischen Orchester wünsche ich noch viele emotionsgefüllte Jahre ohne Corona-Blues, in denen sie sich der Musik- und Theaterkunst verschreiben können,

losgelöst vom Diktat der Politik. Kultur muss ein Artikel des Grundgesetzes werden. Ohne Kunst und Kultur ist das Leben nur vegetativ und eine Stadt lediglich ein Wohn­ container. Was sind Deine künftigen Pläne? Ich werde mich im Verein Ludwig van B., der sich um junge Künstler*innen kümmert und sie unterstützt, stärker engagieren, mich als Mitglied des Rotaryclubs sozialen Projekten widmen und natürlich mein geliebtes Instrument weiterhin mit Hingabe spielen.


MÄRZ 2021

275 Jahre Hagen – Stadtjubiläum startet musikalisch

Falls wir spielen dürfen, dann spielen wir: MO

01

19.30 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

SINFONIEKONZERT

FR

19

Chopin ∙ Bartók Klavier: Roger Muraro Leitung: Joseph Trafton

19.30-21.40 Uhr Großes Haus

Eintritt 19,50-48 € DI

02

19.30 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

SINFONIEKONZERT

03

12.00-13.30 Uhr Lutz

SA

20

WOYZECK

Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner in einer Fassung von Anja Schöne ∙ Ab 14 Jahren

11.00 Uhr Großes Haus

19.30-22.00 Uhr Großes Haus

WOYZECK

Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner in einer Fassung von Anja Schöne ∙ Ab 14 Jahren

04

12.00-13.30 Uhr Lutz

19.30 Uhr Lutz

WOYZECK

Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner in einer Fassung von Anja Schöne ∙ Ab 14 Jahren Schulvorstellung

FR

05

19.30 Uhr Opus

SUBSTANZ 2020/21 – Other Perspectives

URAUFFÜHRUNG

Choreographien von Tänzer*innen des Balletts Hagen Künstlerische Leitung: Marguerite Donlon Eintritt 12 / 6 €

SA

06

19.30 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

Premiere

DER LIEBESTRANK (L’ELISIR D’AMORE)

Komische Oper von Gaetano Donizetti (in italienischer Sprache mit deutschen Übertexten) Eintritt 19,50-48 €

19.30 Uhr Opus

Choreographien von Tänzer*innen des Balletts Hagen Künstlerische Leitung: Marguerite Donlon Eintritt 12 / 6 €

wiederaufnahme SO

07

11.00-11.45 Uhr Lutz

MO

22

10.00 Uhr Lutz

DI

23

10.00 Uhr Lutz

FR

SA

27

10.00-10.45 Uhr Lutz

11.00-11.45 Uhr Lutz

KULTURCAFÉ

11

19.30-22.00 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

IM SPIELPLAN

MÄDCHEN WIE DIE

Eine Coming-out-of-the-Cage Geschichte von Evan Placey. In Zusammenarbeit mit der Theaterakademie Köln ∙ Ab 13 Jahren

Woyzeck

MÄDCHEN WIE DIE

Eine Coming-out-of-the-Cage Geschichte von Evan Placey. In Zusammenarbeit mit der Theaterakademie Köln ∙ Ab 13 Jahren

PARDAUZ

Ein TanzObjektTheaterSpaß von Anja Schöne Ab 3 Jahren

SubsTanz 2020/21 I2

PARDAUZ

Ein TanzObjektTheaterSpaß von Anja Schöne Ab 3 Jahren

OVIDS GESCHICHTEN

Ein experimentell-klassisch-jazziges Musik-­ Theater frei nach Ovids Metamorphosen mit Musik von Bach, Mozart, Britten, Berio, Keith Jarrett u.a.

Monty Python’s Spamalot

Eintritt 14 €

Mit Joseph Trafton und Gästen

SO

ROBERT GRIESS – HAUPTSACHE, ES KNALLT!

28

11.30 Uhr Großes Haus

zum letzten mal

Choreographien von Tänzer*innen des Balletts Hagen Künstlerische Leitung: Marguerite Donlon Eintritt 12 / 6 €

DO

Eine Coming-out-of-the-Cage Geschichte von Evan Placey. In Zusammenarbeit mit der Theaterakademie Köln ∙ Ab 13 Jahren

Eintritt 6 €, Familienkarte 25 € 19.30-21.10 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

Ein Theaterabenteuer von Anja Schöne nach Hans Christian Andersen ∙ Ab 2 Jahren

SUBSTANZ 2020/21 – Other Perspectives

Premiere

Eintritt 6 €, Familienkarte 25 €

Eintritt 13,50-30,50 €

18.00 Uhr Opus

MÄDCHEN WIE DIE

Schulvorstellung

DER FLIEGENDE KOFFER

Eintritt frei (Anmeldung erforderlich) 18.00 Uhr Großes Haus

Ein Musical von Eric Idle und John Du Prez, liebevoll aus dem Film Die Ritter der Kokosnuss zusammengeklaut (deutsche Dialoge und englische Songs mit deutschen Übertexten)

Schulvorstellung

Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 € 15.00 Uhr Theatercafé

MONTY PYTHON’S SPAMALOT

Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 €

26

SUBSTANZ 2020/21 – Other Perspectives

Einführungsveranstaltung zum Ballettabend Casa Azul – Air

Eintritt 19,50-48 €

Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 € DO

WERKSTATT-PROBE

Eintritt frei (Anmeldung erforderlich)

Schulvorstellung 19.30-21.00 Uhr Lutz

Deutsch-Rock-Punk-Pop-Theater-Party mit Musik von Ton Steine Scherben, Fehlfarben, BAP, Nena, Nina Hagen, Rio Reiser, Die Toten Hosen, Ideal, Extrabreit u.a. Eintritt 19,50-48 €

Chopin ∙ Bartók Klavier: Roger Muraro Leitung: Joseph Trafton Eintritt 19,50-48 €

MI

WENN DIE NACHT AM TIEFSTEN (… IST DER TAG AM NÄCHSTEN)

Für eine Video-Botschaft von Oberbürgermeister Erik O. Schulz gestalteten Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Hagen im Ratssaal den musikalischen Auftakt zum Jubiläumsjahr der ­ Stadt Hagen. Mit der Darbietung stimmungsvoller Musik von Erich Wolfgang Korngold begrüßten 20 Musiker*innen unter der Leitung von General­ musikdirektor Joseph Trafton dieses besondere Jahr. Das Video ist unter www.youtube.com/stadthagen58 abrufbar.

DIE EINSAME INSEL (L’ISOLA DISABITATA) MARILYN FOREVER

KAMMERKONZERT

Ludwig van Beethoven: Streichquartette Nr. 1 und Nr. 16 Violine: Ilzoo Park, Yutaka Shimoda; Viola: Michael Lauxmann; Violoncello: Katrin Geelvink Eintritt 12 / 8 €

18.00-19.40 Uhr Großes Haus 17.40 Uhr Einführung

OVIDS GESCHICHTEN

Ein experimentell-klassisch-jazziges Musik-­ Theater frei nach Ovids Metamorphosen mit Musik von Bach, Mozart, Britten, Berio, Keith Jarrett u.a.

Ovids Geschichten

Eintritt 14 €

Opern-Doppelabend mit Werken von Joseph Haydn und Gavin Bryars (in italienischer / englischer Sprache mit deutschen Übertexten) Eintritt 15-36 €

SO

14

15.00 Uhr Lutz

STADT DER KINDER

Eine multimediale TheaterUtopie von Anja Schöne und Ensemble ∙ Ab 10 Jahren Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 €

18.00-20.30 Uhr Großes Haus

MONTY PYTHON’S SPAMALOT

Ein Musical von Eric Idle und John Du Prez, liebevoll aus dem Film Die Ritter der Kokosnuss zusammengeklaut (deutsche Dialoge und englische Songs mit deutschen Übertexten) Eintritt 19,50-48 €

MO

15 DI

16 DO

18

uraufführung

10.00 Uhr Lutz

Premiere

STADT DER KINDER

Eine multimediale TheaterUtopie von Anja Schöne und Ensemble ∙ Ab 10 Jahren Schulvorstellung

10.00 Uhr Lutz

STADT DER KINDER

Eine multimediale TheaterUtopie von Anja Schöne und Ensemble ∙ Ab 10 Jahren Schulvorstellung

19.30 Uhr Großes Haus 19.10 Uhr Einführung

DER LIEBESTRANK (L’ELISIR D’AMORE)

Komische Oper von Gaetano Donizetti (in italienischer Sprache mit deutschen Übertexten) Eintritt 19,50-48 €

Die

theaterzeitung Mediaberatung Hagen Denis Gramaglia Tel. 02331/917-4146 d.gramaglia@funkemedien.de Alana Schindler (Digital) Tel. 02331/917-4073 Alana.Schindler@funkemedien.de Telefax 0 23 31 / 917 - 41 50

THEATERKASSE Die Theaterkasse ist voraussichtlich bis einschließlich 15. Februar 2021 geschlossen. Über das Kontaktformular auf unserer Webseite www.theaterhagen.de können Sie uns erreichen.

Spielplan unter www.theaterhagen.de Impressum: 8. Ausgabe, 1.2021 Herausgeber: Theater Hagen gGmbH · Elberfelder Straße 65 · 58095 Hagen Tel. 02331 / 207-3210 Intendant: Francis Hüsers Redaktion: Ina Wragge | Gestaltung: Yuliana Falkenberg Texte: Fabian Bell, Friedhelm Grote, Antje Haury, Rouven Lotz, Joseph Trafton Fotos: Archiv, Björn Hickmann, Klaus Lefebvre, Siegersbusch Film, Tobias Roch, Inka Vogel Verlag und Druck: WAZ- Druckzentrum Bathey; Auflage: 54.000

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jedesmalanders - 8. Ausgabe 01.2021  

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