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Slack Das Überflieger-Tool in der Nahaufnahme

Blockchain

DIGITAL REVOLUTION

Die endlose Kette der disruptiven Möglichkeiten

Wie Seriengründerin Paula Schwarz die Gesellschaft mit Daten aus den Angeln heben möchte

9€

Nur noch kurz die Welt retten


46–53 Paula Schwarz Nur noch kurz die Welt retten Daten als Grundlage einer gerechteren Gesellschaft? Paula Schwarz spricht über ihr neues Projekt, das World Datanomic Forum, und verrät, warum wir eine neue Motivationswelle brauchen, um das System zu verändern.

32–43 Slack

74–87 Rucksäcke

Frontalangriff auf Microsoft und Co.

In bester Begleitung

E-Mail war gestern, heute wird geslackt, was das Zeug hält. Was ist das Geheimnis des Kommunikationstools, das den Großen das Fürchten lehrt?

Wenn ein Meeting das nächste jagt, braucht man souveräne Begleiter. Gemeinsam mit zehn Gründern hat Berlin Valley Rucksäcke für lange Tage im Großstadtdschungel ausgewählt.


56–72 Blockchain Handshake anonymous Keine neue Technologie hat die Vorstellungskraft im vergangenen Jahr mehr gefesselt als die Blockchain-Technologie. Doch was verbirgt sich hinter den Smart Contracts? Und wohin geht die Reise?

Cover: Johannes Räbel; Fotos: Johannes Räbel, Slack, Klaus Vyhlanek, Philipp Primus, Peshkova/iStockz

INHALT

106–112 Matthias Horx Das Wesen der Zukunft ist die Ungleichzeitigkeit Im Gespräch mit Zukunftsforscher Matthias Horx über die Ängste und Hoffnungen der modernen Gesellschaft.

Editorial 9 Contributors 10 Moments 12–18 Technologie-Revoluzzer Gadgets 20–24 Alles eine Frage der Technik Early Stage 26–30 Branding: Ein Guide für junge Startups Interview 91–94 Valentin Stalf von N26: Die Bank von morgen B2B–Praxis-Tipps 96 Fünf Sales-Tipps von Sven Hock und Jens Hutzschenreuter Sales-Tools 98 Sales-Systeme im Überblick Interview 100–105 Michael Amtmann: „Die langfristige Denke unterscheidet uns“ Startup Calendar 114–117 Ein Wegweiser für die Startup-Community Tech–Events 118–123 Startup–Events 2018 Interview 128–131 Jens Spahn: „Angst ist kein guter Ratgeber“ Reisebericht 132–136 Lawrence Leuschner: Surfing la Panamericana Coworking International 138–141 Andere Länder, andere Sitten? Worldwide work Bali Fitness/Food 144–146 Fit, fitter, Büro-Hengst? Tipps und Food fürs Healthy Office Medien 149–151 Interessante Neuerscheinungen Startup-Ökosysteme 156–159 Vom Hidden Ecosystem zum Champion Studie 160–161 CB Insights Impressum 162


EDITORIAL

UNTERWEGS IN DIE ZUKUNFT Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns sehr über das positive Echo auf unseren Relaunch. Wir haben das Gefühl, unserem Ziel ein großes Stück näher gekommen zu sein. In diesem Flow machen wir direkt weiter. Die neue Ausgabe strotzt nur so vor spannenden Themen rund um die digitale Revolution. Vieles dreht sich dabei um Daten. Allen voran unser Cover-Star Paula Schwarz, die nach mehreren NGO-Projekten mit Datanomics nun den ganz großen Wurf plant und mit Daten die Welt verbessern möchte. Und auch bei unserem Schwerpunkt-Thema Blockchain dreht sich alles um Daten und Datenmarktplätze. Wir trafen zwei der Slack-Gründer zum Interview – Grund genug, dem Überflieger-Startup eine umfangreiche Strecke zu widmen. Auch die Interviews mit Michael Amtmann von Müller Medien und Matthias Horx vom Zukunftsinstitut freuen uns sehr. Für Müller Medien ist

es das erste Mal, dass sie Einblicke in Ihre Digitalstrategie gewähren, während Zukunftsforscher Horx zu einem Rundumschlag zwischen Gesellschaftskritik und Trendinterpretationen ausholt. Nicht zuletzt gab sich Staatsekretär Jens Spahn (CDU) die Ehre, um mit uns über die Herausforderungen der Digitalisierung zu sprechen. Gekrönt wird die Ausgabe von unserem ersten Fashion-­ Shooting: Berliner Gründerinnen und Gründer stellen coole Laptoptaschen und Rucksäcke vor. Die Erkenntnis dabei: Viele Startup-Gründer würden auch als Models eine gute Figur machen. Kurzum: Es ist eine der besten Berlin-Valley-Ausgaben aller Zeiten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Euer/Ihr Jan Thomas

Vielen Dank! OHNE DIE UNTERSTÜTZUNG UNSERER SPONSOREN WÄRE DIESES MAGAZIN NICHT REALISIERBAR. DAFÜR GANZ HERZLICHEN DANK AN:

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Contributors Ein großer Dank gilt den folgenden Gastautoren, die uns bei der Erstellung von Berlin Valley 27 unterstützt haben:

Mit seinem Fintech-Startup Hufsy hat er 2017 den Sprung in den deutschen Markt geschafft und bringt seither intelligente Geschäftskonten für Startups, Kleinunternehmen und Freelancer an den Mann und die Frau. Auf Seite 94 erfährst du, welche Herausforderungen im Fintech-Geschäft auf dich warten.

SVEN HOCK

Mit seiner Erfahrung als Gründer von Innovation Partners und als ehemaliger CEO des B2B-Marktplatzes Service Partner One macht ihm in Sachen Sales niemand etwas vor. Worauf du achten musst, um im Sales durchzustarten, erfährst du auf Seite 96.

JENS HUTZSCHENREUTER

Was anderen eine Hürde ist, bringt er zur Perfektion. Der Aufbau von B2B-Sales in Organisationen in Deutschland, den USA und Kanada gehört für Unternehmer und Angel Investor Hutzschenreuter zum Tagesgeschäft. Seine Tipps findest du auf Seite 96.

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PAVEL ROMANENKO

Er ist Blockchain-Enthusiast und führt Unternehmer auf den NKF Journeys in die Welten neuer Technologien ein. Auf der Discover Blockchain Journey hat er Unternehmen und Startups der Szene zusammengebracht. Mehr dazu findest du auf Seite 72.

Fotos: Sven Hock, Jens Hutzschenreuter, Jolocom, Stadt Zug, Tobias Kruse, 99designs, Florian Stein, Hufsy

RAFAL LIPINSKI


CONTRIBUTORS

EVA MISSLING

Sie ist General Manager bei 99designs und leitet die Internationalisierung des Marktplatzes für Designdienstleistungen. Seit der Akquisition ihrer Gründung 12designer im Jahr 2012 hat sie den europäischen Standort aufgebaut. Junge Gründer können von ihr lernen. Denn mit Branding kennt sich Eva aus. Ihre Ratschläge findest du auf Seite 28.

DOLFI MÜLLER

Er ist Stadtpräsident der Stadt Zug und hält die Fäden des Crypto Valley in den Händen. Seit 2007 im Amt hat Dolfi Müller die Entwicklungen der Stadt hautnah miterlebt. Was Zug zum Crypto Valley macht, kannst du auf Seite 66 nachlesen.

MARKUS ALBERS

Wie man sich der Always-on-Mentalität entzieht und der digitalen Erschöpfung den Rücken kehrt, weiß Markus Albers genau. In seinem Beitrag auf Seite 42 kannst du nachlesen, warum Tools wie Slack die Produktivität in Unternehmen nicht nur positiv beeinflussen.

JOACHIM LOHKAMP

Als Schatzmeister im Vorstand des Blockchain Bundesverbands und Gründer sowie CEO des Startups Jolocom weiß er genau, was auf dem Blockchain-Markt gerade passiert. Was Deutschland tun muss, um den Anschluss an die Technologie nicht zu verlieren, verrät Joachim Lohkamp auf Seite 61.

UND SONST NOCH? Unser weiterer Dank für ihre Mitarbeit und Unterstützung im Rahmen dieser Ausgabe gilt: Ivo Scherkamp von Zalon, Samuel Wurster von Journeyman, Jonas Leve von 7Mind, Amber Riedl von Makerist, Sophie Chung von Qunomedical, Stefan Nietert von Viomedo, Janina Mütze von Civey, Anna-Lena Lewerenz von Belbo, Moritz Kreppel vom Urban Sports Club sowie Therese Köhler von Heycater, CB Insights, Gant, Montblanc.

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MOMENTS

Loomo: Segway, Roboter, Freund

Spannende Momente, revolutionäre Technologien und visionäre Menschen: Das sind deine Momente der letzten Monate. Von Lotta Träger und Laura Bährs

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Foto: Segway Robotics

Loomo heißt die neue Multifunktionslösung von Segway Robotics, die unseren Alltag revolutionieren soll. Im Januar auf der CES vorgestellt, dient der kleine Roboter nicht nur als Fortbewegungsmittel. Sobald das Ziel erreicht und der Fahrer vom Segway abgestiegen ist, fungiert der Roboter als Alltagshelfer und trägt beispielsweise während er dir folgt Einkäufe. Die Technologie soll künftig auch abseits des Privaten eingesetzt werden. Als Loomo Go kommt der kleine Helfer beispielsweise als Lieferant zum Einsatz. segwayrobotics.com


MOMENTS

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MOMENTS

Dass man sich Eink채ufe nach Hause bringen lassen kann, ist nichts Neues. Mit dem Robomart hat das kalifornische Startup vom Dispatch-Gr체nder Ali Ahmed jetzt einen autonom fahrenden Supermarkt auf R채dern entwickelt, der zum Kunden kommt. Der Prototyp wurde auf der diesj채hrigen CES vorgestellt.

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Fotos: Robomart, Inc.

Der mobile Supermarkt


MOMENTS

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MOMENTS

Fusion: Spark Networks und Affinitas

Fotos: Spark Networks SE

Glockenläuten an der New York Stock Exchange: Spark Networks SE gab im November 2017 bekannt, dass die Fusion mit Affinitas aus Berlin (unter anderem Edarling und Elitesingles) im Rahmen einer Aktientausch-Transaktion erfolgreich abgeschlossen wurde. Spark Networks ist seit 2006 an der Börse, für Affinitas ist es das Börsendebüt. In dieser Kombination entsteht eine der weltweit führenden Online-Dating-Plattformen mit rund 250 Mitarbeitern und Büros in Berlin, New York und Utah.

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Asap ist mir zu vage. Meine Bank muss schnell und unkompliziert sein.

HVB Tech Unsere Experten begleiten Sie bei der erfolgreichen Entwicklung Ihres globalen und digitalen Business.

hvb.de/tech


MOMENTS

Zuma Mission

Foto: SpaceX

Das von Elon Musk gegründete Unternehmen SpaceX hielt mit seiner ersten Mission des Jahres die Welt in Atem. Mit einer geheimen Fracht der US Regierung an Bord startete am 8. Januar die sogenannte Zuma Mission ins All – genauer in den niedrigen Erdorbit. Laut SpaceX ist das nur der erste von bis zu dreißig Starts, die dieses Jahr stattfinden sollen. spacex.com

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INNOVATIONSFELD IMMOBILIE Union Investment und GTEC starten zweite Runde des internationalen PropTech Innovation Award Erfolgreiche Innovationen basieren auf gut funktionierenden Netzwerken. Mit dem PropTech Innovation Award hat sich auf internationaler Ebene ein neues Netzwerk herausgebildet, das jungen Tech-Unternehmen den Zugang zu den Innovationspotentialen der Immobilienbranche ermöglicht. Mit konkreten Anknüpfungsmöglichkeiten an etablierte Geschäftsmodelle und sich entwickelnde digitale Ökosysteme. Initiatoren des internationalen PropTech Innovation Award sind die weltweit operierende Immobilienfondsgesellschaft Union Investment und das German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) mit Sitz in Berlin und Frankfurt. Gemeinsam mit dem neuen Partner, dem globalen Branchenverband RICS, laden Union Investment und GTEC jetzt zur zweiten Runde ihrer internationalen Tech Competition zum Thema Immobilie ein. Das Konzept des Wettbewerbes ist klar ausgerichtet: Der PropTech Innovation Award 2018 zeichnet die weltweit besten digitalen Lösungen und Konzepte für die Immobilienwelt von morgen aus. Verliehen wird der mit insgesamt 40.000 Euro dotierte Preis am 16. Mai 2018 in Berlin. „Der erste Durchlauf mit über 200 Bewerbungen aus 46 Ländern hat gezeigt: Die Wertschöpfungskette der Immobilie lässt ein bemerkenswert breites Spektrum an neuen Geschäftsmodellen zu. Mit dem Wettbewerb wollen wir auch abbilden, wo neben Feldern wie Smart Analytics, Virtual Reality oder Datenplattformen auch gänzlich neue Innovationsfelder entstehen“, sagt Jörn Stobbe, Geschäftsführer der Union Investment Real Estate GmbH. „Wir bei GTEC freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Union Investment und unseren neuen Partnern beim zweiten PropTech Innovation Award. Der Wettbewerb identifiziert bahnbrechende Proptech-Lösungen weltweit und wir erwarten viele neue Impulse 2018“, sagt Benjamin Rohé, Managing Director bei GTEC. Neue Wege geht der Wettbewerb auch selbst, zum Beispiel bei der Vernetzung innerhalb der Immobilienbranche.

MEHR ALS EIN AWARD – KOOPERATIONEN GEWÜNSCHT

Jörn Stobbe von Union Investment sieht im Immobilienbereich großes Potential für Beteiligungen an Startups.

kann, erläutert Jörn Stobbe wie folgt: „Mit einigen Finalisten des letztjährigen Wettbewerbes haben wir Kooperationen geschlossen oder bereiten Prototypen zur Unterstützung unserer Wertschöpfungskette vor. Beteiligungen wie an Architrave sind eine weitere zentrale Säule unserer Digitalisierungsstrategie. Hier sehen wir noch großes Potential.“ Mit der Teilnahme am PropTech Innovation Award 2018 eröffnet sich somit ein direkter Zugang zum Netzwerk und zum Know-how dreier starker Partner – Union Investment, GTEC und RICS. „Wir werden wie schon beim ersten Durchlauf mit allen Teilnehmern Kontakt aufnehmen und dort, wo dies gewünscht ist, Feedbackgespräche führen. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sich das Netzwerk Schritt für Schritt erweitert“, sagt Jörn Stobbe.

Neben der Kooperation mit RICS gewinnt der Wettbewerb auch durch die Zusammenarbeit mit der Startup Competition der Immobilienmesse MIPIM weiter an internationaler Reichweite. Der Hauptpreisträger des PropTech Innovation Award erhält einen festen Startplatz bei einer der Vorausscheidungen der MIPIM Startup Competition und damit die zusätzliche Chance, sein Konzept 2019 auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes vor internationalem Fachpublikum zu präsentieren. „Mit der Digitalisierung fallen letztlich die Grenzen in der Immobilienwirtschaft. Innovative Konzepte bahnen sich global ihren Weg. Und dort, wo digitale Innovatoren an neue Systeme aus Daten, Kapital und Know-how anknüpfen können, entstehen wieder neue Innovationen. Wir freuen uns daher sehr darauf, unser Netzwerk durch den PropTech Innovation Award 2018 um neue innovative Partner zu erweitern“, sagt Jörn Stobbe. Was dies konkret bedeuten

Informationen zum PropTech Innovation Award 2018 und Zugang zur Bewerbungsplattform: gtec.center/proptech2018 Bewerbungsfrist: 15. März 2018 Vorregistrierung zum Event am 16. Mai in Berlin unter: fabian.hellbusch@union-investment.de


GADGETS

Alles eine Frage der Technik Ein Leben ohne Gadgets – kaum vorstellbar. Wir zeigen die begehrtesten Fundstücke der Redaktion. Zusammengestellt von Christoph Strobel und Justus Zenker

Datenbaum Das japanische Wort Mui beschreibt einen Zustand der Inaktivität und Ruhe. Die Firma Nissha verkörpert diese Haltung in einem Stück Holz, das auf den ersten Blick nicht mehr als eine schlichte Wanddekoration darstellt. Mit einem Touch jedoch verwandelt sich das 36 mal fünf Zentimeter große Brett in eine Smart-Home-Zentrale mit Lautsprecher und Mikrofon, sodass der Nutzer Sprachnachrichten erstellen kann. Die eingebauten Leuchtpunkte zeigen unter anderem das Wetter oder Kurznachrichten an. Ab Juni soll Mui über Kickstarter erhältlich sein. Preis: circa 900 bis 1200 US-Dollar. mui.jp

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Geht mit der Zeit Die Misfit Command kombiniert Hightech mit dem Look einer klassischen Armbanduhr. Analoge Zeiger geben Aufschluss über Uhrzeit und das tägliche Fitnessziel. Die Verbindung zum Smartphone verraten lediglich unauffällige Symbole, die simultan zur Vibration der Hybrid-Smartwatch leuchten. Misfit verspricht Wasserdichtigkeit bis 50 Meter und eine Batterielaufzeit von bis zu einem Jahr. Ein Aufladen ist nicht erforderlich. Preis: circa 150 Euro. misfit.com


Fit am Kopf

Silicon Bottle Plastik bleibt Plastik, auch wenn man es mehrmals verwendet. Besseren Geschmack und mehr Nachhaltigkeit versprechen die Macher der schadstofffreien Doli-Bottle aus Glas. Die Flasche fasst rund 550 Milliliter und ist auch für warmen Tee oder Kaffee geeignet. Für Schutz und eine persönliche Note sorgt die Hülle aus recyclefähigem Silikon. Die Überzieher gibt es in Minzgrün, Rosa, Hell­ blau, Grau und mit tropischem Muster. Preis: circa 30 Euro. doli-bottles.com

Fotos: Misfit, Mui Lab/Nissha, Vue, Doli Bottles

Normalerweise tragen wir Fitnesstracker am Handgelenk oder am Arm. Vue verlagert die gesamte Technik an den Kopf in eine Brille, darunter Sensoren zur Messung der körperlichen Aktivität sowie Bluetooth für die Verbindung zum Smartphone. Der Clue: Die Audioübertragung funktioniert über Knochenschall, die Ohren bleiben frei. Tasten zur Steuerung gibt es nicht, dafür berührungsempfindliche Flächen. Der nach etwa zwei Stunden voll aufgeladene Akku hält zwei bis drei Tage. Vue ist wahlweise als normale Brille oder als Sonnenbrille erhältlich. Preis: circa 230 Dollar. enjoyvue.com

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GADGETS

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Ziemlich beste Gefühle

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Teuer, kompliziert und abstrakt: Die Entwicklung der Virtual und Augmented Reality steht immer noch am Anfang. Nur langsam finden Hersteller einen Zugang zu der Technologie und entwickeln Ideen, die den Nutzern das immersive Erlebnis überzeugend näherbringen. Ein Beispiel ist 3drudder, ein Controller für die Füße (Abb. 1, 139 Euro, 3drudder.com). Über die Drehscheibe lassen sich verschiedene Bewegungen im virtuellen Raum ausführen, während die Hände für andere Steuer­geräte frei bleiben. Je nach Anwendung kann man sich in alle Richtungen einer Ebene oder auch frei nach oben oder unten bewegen. Haptx (Abb. 3, noch kein Preis bekannt, haptx.com) nimmt dagegen Abschied vom Joystick und versucht als Sensor-Handschuh die virtuelle Umgebung greifbar zu machen. Die im Handschuh integrierten Widerstände machen Gegenstände oder ein Klavierspiel spürbar. Dritte Baustelle sind die VR-Brillen selbst. Der Nachteil: Aufgrund der benötigten Rechenleistung ist eine Kabelverbindung zu einem leistungsfähigen Rechner unverzichtbar. HTC will dieses Manko mit der Vive Focus (Abb. 2 und 4, 600 bis 650 US-Dollar, vive.com) ändern. Die Hardware basiert auf Smartphone-­ Technologie und kann mit aktuellen High-end-Brillen nicht mithalten. Aber es ist möglicherweise der entscheidende Schritt, um Neugierige und Gelegenheitsspieler dauerhaft in den Bann virtueller Welten zu ziehen.

KlamottenKiste Um Sakkos, Hemden und andere empfindliche Kleidung nicht nach nur kurzer Verwendung in die Reinigung geben zu müssen, hat LG eine Art Auffrischer für daheim oder das Büro entwickelt. Im Styler befinden sich Kleiderbügel für Oberteile sowie eine Bügelpresse für Hosen. Zunächst entfernt Dampf schonend Gerüche, Keime und Bakterien. Durch Rütteln wird der Stoff geglättet. Abschließend trocknet der Styler die Wäsche zur erneuten Verwendung. Preis: ab 2.000 Euro. lg.com

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Fotos: LG, 3drudder, Haptx, Htc

Virtuelle Realität wartet auf den Durchbruch. Diese drei Innovationen könnten dem Hype auf die Sprünge helfen.


GADGETS

WIR MACHEN STARTUP-IDEEN GROSS. Wir glauben an das Außergewöhnliche. Wir wissen, dass in Deutschland kreative und innovative Ideen entstehen. Und wir sind überzeugt, dass viele davon eine Chance verdienen. QVC NEXT ist die Plattform genau dafür. Wir entdecken Gründer. Wir inspirieren Startups und wir lassen uns inspirieren. Wir machen gute Ideen groß. Und erfolgreich. Dafür machen wir Gründer und ihre Arbeit sichtbar. Und erreichbar. Indem wir sie mit unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserer Infrastruktur unterstützen. Das ist unser Versprechen an den deutschen Gründergeist. Das ist QVC NEXT.

Hier geht‘s weiter: www.qvcnext.de

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GADGETS

Folgt aufs Wort 170-Grad-Kamera, Laser-Radar und Tracking-Algorithmen: Diese Eigenschaften machen den CX-1 zu einem selbstfahrenden Koffer. Der Trolley folgt dem Träger des zugehörigen Armbands nicht nur automatisch, sondern weicht auch Hindernissen aus und reagiert auf Gesten. Außerdem inklusive: ein Diebstahl-Alarm und ein USB-Anschluss zum Laden von Smartphones. Den Marktstart soll ab März eine Crowdfunding-Kampagne ermöglichen. Preis: circa 300 bis 400 Dollar. forwardx.com

Ganz nach Geschmack

Fotos: Forwardx, Goat Story, Philips

Ein paar gehäufte Löffel Kaffeepulver in den Filter, heißes Wasser darüber, fertig. Filterkaffee ist simpel und wieder beliebt. Der Gina Coffee Maker mit Bluetooth-Technik macht das Küchenexperiment zum smarten Erlebnis. Eine integrierte Waage misst Kaffee- und Wassermenge, während die App das Ventil auf die optimale Durchflussgeschwindigkeit einstellt. Über die Gina-Community lassen sich Kaffeerezepte mit anderen teilen. Preis: circa 230 US-Dollar. goat-story.com

Tiefenwirksam Statt Schlafzeit und -phasen nur zu tracken, will P ­ hilips mit einem Stirnband gezielt Einfluss auf die Schlafqualität nehmen – besser gesagt: auf die Tiefschlafphase. Bestimmte Tonfrequenzen und -lautstärken von unterschiedlicher Dauer sollen die für die Erholung wichtigste Schlafphase verlängern. Das Prinzip konnte Philips bereits erfolgreich im Rahmen einer klinischen Studie testen. Der Hightech-Schlummertrunk ist ab Frühjahr erhältlich. Preis: circa 400 US-Dollar. usa.philips.com

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„Die potentiellen Marktführer von morgen“ Mit EYnovation™ unterstützt EY Deutschland ab Februar 2018 junge Entrepreneure. Im Oktober 2013 wagte sich Roel Lakmaker mit seinem Softwareunternehmen CTcue auf den hart umkämpften Gesundheitsmarkt in den Niederlanden. Seine Geschäftsidee: Mithilfe modernster Technologie und künstlicher Intelligenz will er es Ärzten ermöglichen, Patientenakten in Krankenhäusern effizient zu durchsuchen. Eine Geschäftsidee mit einem enormen Potential: Heute wird seine Software in zahlreichen Kliniken in Belgien und den Niederlanden genutzt. Leicht sei der Weg jedoch nicht gewesen, gibt Lakmaker heute rückblickend zu. Deshalb bewarb er sich 2015 mit seinem Unternehmen beim Start-up-Programm EYnovation™ von EY in den Niederlanden, um sich Unterstützung bei Experten zu holen. Heute, drei Jahre später, sind unsere Kollegen für Roel Lakmaker mehr als nur Experten. Sie seien „wertvolle Sparringspartner“, die aufgrund der engen Zusammenarbeit ganz genau wüssten, was junge Unternehmen brauchen, um voranzukommen. Erfolgsgeschichten wie die des niederländischen Softwareunternehmens möchten wir mit EYnovation™ nun auch im deutschsprachigen Raum verstärkt vorantreiben. Als Teil der Start-up-Initiative richtet sich das Programm in Deutschland an ambitionierte junge Entrepreneure, die nach einer erfolgreichen Bewerbung bis zu drei Jahre lang zu besonderen Konditionen von uns betreut werden. Darüber hinaus bieten wir den Teilnehmern des Programms Zugang zum internationalen EY-Netzwerk und zu Events, um sich mit Unternehmen, Investoren und anderen Start-ups austauschen und gegenseitig voneinander lernen zu können. Der Startschuss für das Programm fällt am 1. Februar 2018. Interessierte Start-ups können sich auf unserer Website start-up-initiative.ey.com/eynovation bewerben.

START-UP-FÖRDERUNG LIEGT IN DER DNA VON EY Aber warum tun wir das? Warum liegt uns bei EY die Unterstützung von jungen Unternehmern so am Herzen? Weil wir das schon immer getan haben – nicht nur in Deutschland. Mit Entrepreneuren zu arbeiten, liegt in der DNA von EY – und zwar weltweit. Wir haben in den USA bereits mit der größten Suchmaschine der Welt zusammengearbeitet, als sie nur sechs Mitarbeiter hatte. Der heute größte Retailer der Welt hat mit unserem Team zusammengearbeitet, als es lediglich einen Businessplan gab. Auch in Deutschland arbeiten wir mit den heute erfolgreichsten Start-ups seit Beginn zusammen und führen damit hierzulande eine Tradition fort, die uns seit vielen Jahrzehnten zum wichtigsten Partner des deutschen Mittelstandes gemacht hat. Denn wir wissen: Die Start-ups von heute und deren Gründer sind die Marktführer von morgen. Und auf diesem Weg möchten wir sie gerne begleiten. Mit EYnovation™, einem Import von unseren Kollegen aus den Niederlanden, haben wir nun ein Programm in unserem Portfolio, das sich besonders an ambitionierte, innovative und sich schnell entwickelnde Unternehmen richtet. Unser Ziel ist es, sie auf dem Weg zur Marktführerschaft zu begleiten, indem wir ihnen die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Servicequalität und den gleichen Zugang zu unserem internationalen Netzwerk bieten wie den aktuellen Marktführern.

Peter Lennartz, Leiter der Start-up-Initiative GSA

Doch wie sieht nach einer erfolgreichen Bewerbung die Zusammenarbeit mit uns im Alltag aus? Jedem Start-up wird ein Mentor an die Seite gestellt, der ihm über die gesamte Laufzeit des Programms zur Verfügung steht. Er dient als Koordinator im EY-Universum und stellt den Kontakt zu unseren Kollegen der verschiedenen Fachdisziplinen her. Und weil wir wissen, dass jedes junge Unternehmen andere Bedürfnisse hat, bieten wir jedem Teilnehmer neben dem EYnovation™ Beratungspaket weitere, frei wählbare Zusatzleistungen an – dem Unternehmen perfekt auf den Leib geschnitten. In der Beratung werden den Teilnehmern junge, motivierte Kollegen zur Seite gestellt, die dafür brennen, mit innovativen Unternehmern zu arbeiten und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Als Ansprechpartner stehen sie den Kunden nicht nur bei den großen, wegweisenden Entscheidungen zur Seite, sondern auch wenn es um alltägliche Fragen geht oder wenn sie sich eine zweite Meinung bei Unternehmensentscheidungen einholen wollen – die bei jungen Unternehmen regelmäßig auf der Tagesordnung stehen. Gemeinsam wollen wir die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen und Lösungen für die drängendsten Fragen junger Entrepreneure finden: Wie steht es um meine Strategie und welche strategischen Entscheidungen muss ich im nächsten Jahr treffen? Wie kann ich effektiv meine Unternehmensdaten nutzen – und vor allem schützen? Wie kann es uns gelingen, international erfolgreich zu sein? Und vielleicht irgendwann sogar: Wie bereite ich mein Unternehmen auf einen Börsengang vor? Auf diese und viele weitere Fragen Antworten zu finden, dabei helfen unsere Kollegen den Teilnehmern, damit diese nachhaltig erfolgreich sein können. Im Bestfall werden wir nicht nur für die nächsten drei Jahre deren Sparringspartner, sondern weit darüber hinaus.


Marke sei das, was andere über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist, sagt Jeff Bezos. Wir erklären, worauf es beim Branding ankommt.

Einfach unverwechselbar Als Gründer will man mit seinem Startup gesehen, verstanden und im Idealfall geliebt werden. Branding bedeutet, sich mit dem richtigen Aufbau und der Etablierung der eigenen Marke im Gedächtnis der potenziellen Kunden festzusetzen. Jeder Gründer möchte sich mit seinem Produkt von der Masse der Konkurrenz abheben. Dafür muss er die Spielregeln der Markenführung verstehen. Dass Apple zu den größten Unternehmen weltweit gehört, hat vor allem mit einer ausgezeichneten Branding-Strategie zu tun. Der Konzern hat es verstanden, mit einem starken Markenkern unmissverständlich für

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schlichtes Design, Qualität und innovative Produkte zu stehen. Der Gründer Steve Jobs kam 1976 eher zufällig auf das einprägsame Logo, als er an einer Apfelfarm vorbeifuhr. Der Name Apple sollte lebendig und nicht einschüchternd klingen. Ein weiterer Vorteil: Er stand im Telefonbuch weit vorne. Wenn wir schon groß denken: Auch Coca-Cola steht für einzigartiges Brand-Management. Die Marke mit dem unverkennbaren rot-weißen Logo und einer Werbung, die mit der Zeit geht, vermittelt seit ihrer Gründung vor mehr als 130 Jahren bestimmte Emotionen: Auf dem gan-

Fotos: Clem Onojeghuo/unsplash, Matthias Barth/Startworks.de

Von Lena Kappei


STARTUP-BASICS zen Globus verbinden die Menschen mit der Marke neben verlässlicher Qualität auch ein Freiheitsgefühl, Spaß und Leichtigkeit.

Identität: Wer bin ich eigentlich? „Wer sich auf dem Markt dauerhaft etablieren möchte, muss zunächst das Vertrauen der Kunden gewinnen und diese langfristig an sich binden. Dafür ist eine starke Marke unabdingbar“, sagt Matthias Riedl, CGO und Mitgründer der Mediaagentur DCMN, zu Berlin Valley. „Der Markenaufbau sollte daher von Anfang an einen hohen Stellenwert haben und Teil einer ganzheitlichen Strategie sein, bei der Marke und Performance nicht mit einem Entweder-oder-Ansatz gegeneinander abgewogen werden.“ Eine starke Marke mit großem Wiedererkennungswert führe zu einer besseren Performance, was wiederum die Markenwahrnehmung stärkt. „Wir haben es hier also mit einer klassischen Win-Win-Situation zu tun. Bereits bei der Erstellung des Businessplans sollten Gründer deshalb klar die Positionierung ihrer Marke im Kopf haben und ihre Wachstumsstrategie darauf aufbauen.“ Wie wichtig die Präsenz der Marke ist, zeigt auch eine Faustregel, die der Fastbill-Gründer Christian Häfner auf letsseewhatworks.com erwähnt: „Eine Person wird erst dann zum zahlenden Kunden, wenn sie mindestens sieben Mal mit einer Marke in Berührung gekommen ist.“ Klingt nachvollziehbar, schließlich erlebt der Kunde eine Marke auf mehreren Ebenen, sei es durch einen besonderen Namen oder eine bestimmte Symbolik, und behält sie so im besten Fall in Erinnerung. Tanja Lenke, Business Consultant und Gründerin von She-preneur, hebt drei essentielle Punkte hervor. Für die Corporate Identity stellt sich der Gründer unter anderem die Fragen: Wer bin ich? Was zeichnet mich aus? Wohin will ich mit meiner Marke? „Durch die Beantwortung dieser Fragen kannst du deine Positionierung optimieren und eine Kommunikationsstrategie entwickeln, die zu dir, deinem Business und deiner Zielgruppe passt“, schreibt Lenke auf she-preneur.de.

Design: Markenstory vor Schönheit Sobald die inhaltliche Identität steht, wird die visuelle wichtig – Corporate Design genannt. Unser Gehirn reagiert stark auf Farben und Formen, deshalb ist neben der emotionalen Botschaft auch das Design des Markenlogos, der Slogan und die gesamte Bildsprache maßgeblich für die Einprägsamkeit beim Kunden. Das Corporate Design einer Marke umfasst also alle Bereiche, die die Wahrnehmung beim Kunden stärken. Dazu gehören unter anderem die Website, Visitenkarten, Flyer, Produktverpackungen, Anzeigen sowie Fahrzeug-

Markenimage Ziel: Einzigartigkeit

Markenverhalten Ziel: Erlebbarkeit

Markenkern

Vision

Werte

Der Markenkern: Matthias Barth von Startworks beschreibt ihn als Fixstern, nach dem ein Unternehmen seine Marke ausrichten und unternehmerische Entscheidungen treffen kann.

Lebensstil Markenangebot Ziel: Relevanz

Markenbotschaft Ziel: Glaubhaftigkeit

beschriftungen und auch die Einrichtung des Unternehmens. „Das Corporate Design ist gut, wenn es die visuelle Umsetzung der Markenstory ist, und nicht einfach nur hübsch“, erklärt Balázs Tarsoly, CEO und CCO von Opera­tion Butterfly. „Gutes Corporate Design ist konsistent, wirkungsvoll, differenzierend, smart, bringt die Botschaft rüber und ist dabei so wenig Design wie möglich.“ Ein guter Name sei einzigartig, aber nicht zwingend simpel. „Heute kann ein Name auch kompliziert sein, wenn er für etwas Unkompliziertes steht.“ Es gibt aber auch No-Gos, die es im Corporate Design zu vermeiden gilt. Sobald das Logo-Design mehrere Interpretationen zulässt, die nicht sinnvoll zusammenpassen, ist das CD nicht perfekt durchdacht. Der Kunde sollte nicht überlegen müssen, wie das Logo nun gemeint ist. Auch Anzüglichkeiten sind selten eine gute Idee für gelungene Entwürfe. Man will als Startup-Gründer schließlich positiv im Gespräch bleiben, nicht als Unternehmen mit zweideutiger, irritierender Bildsprache.

Markenkern: Nach dem Fixstern greifen Nicht nur das Kreieren der Marke selbst, sondern auch der Aufbau eines starken, unverkennbaren Markenkerns ist für gutes Branding unverzichtbar. Der Designer und Startworks-Blogger Matthias Barth hat dies grafisch verdeutlicht: „Der Markenkern ist wie ein Fixstern, nach dem ein Unternehmen seine Marke ausrichten und unternehmerische Entscheidungen treffen kann“, so Barth zu Berlin Valley. Im Zentrum steht die Gründervision,

Reduktion: Das Kupferstich-Logo löste 1977 die abgebissene Apfelsilhouette von Rob Janoff ab. Die Schrift war erst Motter Tektura, dann Garamond. Seit 1998 sieht man das Logo nur noch einfarbig, farblos oder passend zu einem Motto oder Umgebungsdesign.

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STARTUP-BASICS

Markenvision: Konsistent bleiben Gutes Branding vermittelt auch Vertrauen. Es nimmt Entscheidungen ab. Eine gleichbleibend hohe Qualität des Produktes soll Kunden für das Unternehmen gewinnen und dauerhaft halten. „Auch wenn es um das Produkt geht, muss es eine emotionale Erzählung geben. Andernfalls sind Sie nur ein weiteres Markenunternehmen mit einem intelligenten Produkt, aber keiner echten Markenvision“, schreibt Jasmine Bina, Brand-Strategin und CEO bei Concept Bureau, auf medium.com. Verstehe ich als Verbraucher direkt die Aussage und kann ich mich mit dem Produkt identifizieren? Super. Ein Beispiel ist die US-amerikanische Kosmetikmarke Milk Makeup: Mit einer sterilen Aufmachung und sehr individuellen Models hebt sie sich von vielen gewöhnlichen Make­ up-Marken stark hervor. Es muss gar nicht komplex sein: Gutes Branding ist oft „einfaches“ Branding. Die Öko-Limo für Erwachsene, Bionade, schaffte es um die Jahrtausendwende rasant zum

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„Corporate Design ist Kommunikation“ 99designs-Managerin Eva Missling erklärt, wie man Störungen vermeidet In welchen Schritten gelange ich zum perfekten Corporate Design (CD)? 1. Definiere deinen Markenkern! Dazu gehören deine Mission, deine Markenwerte sowie die Persönlichkeit deiner Marke. Welche Zielgruppe willst du ansprechen und wo positionierst du dich auf dem Markt? Was grenzt dich von anderen deiner Branche ab? Welchen Namen hat dein Unternehmen? 2. Suche Inspiration! Welche Logos und Designstile gefallen dir? Was macht die Konkurrenz? 3. Starte mit dem Logo! Finde einen professionellen Designer und übermittle ihm alle Informationen zu deiner Marke. Dieser übersetzt die Informationen dann in Designelemente und fertige Entwürfe. Permanentes Feedback ist wichtig, um den Designprozess zu optimieren. 4. Teste! Es empfiehlt sich im Anschluss, die Wirkung ausgewählter Designs im Freundesoder Kollegenkreis zu testen. So geht man sicher, dass die übermittelte Botschaft und die durch das Design hervorgerufenen Emotionen der Marke entsprechen. 5. Erweitere das CD um weitere Designs wie Webdesign, Verpackungsdesign oder andere. Wann weiß ich als Gründer, dass ich mit meiner CD-Idee richtig liege? Achte darauf, dass das Design in seinen Elementen möglichst einfach und passgenau auf verschiedene Marketing­ maßnahmen übertragbar ist. Ob du wirklich richtig liegst, zeigt sich letztlich an der Beliebtheit der Marke und dem Image, welches sie hat. Das CD ist Kommunikation mit den Kunden und diese sollte störungsfrei verlaufen. Welche Fehler muss ich als Gründer beim CD unbedingt vermeiden? Nur, weil Blau meine Lieblingsfarbe ist, heißt das noch lange nicht, dass sich diese Farbe auch für mein CD eignet. In erster Linie muss das Design dem Markenkern gerecht werden. Daneben sind viele CDs äußerst branchengebunden.

Hier ist es wichtig, die goldene Mitte zu treffen zwischen Einzigartigkeit und Branchenzugehörigkeit. Kein Schuster möchte das tausendste Logo mit Schuh und Schnürsenkel haben, aber dennoch soll sein Logo seine Profession repräsentieren. Und zu guter Letzt gehört zu einem ausgezeichneten Design ein professioneller Designer. Welche Art von CD gefällt dir? Wirklich Spaß machen momentan Craft-Beer-Brands (Beispiel Abb. unten), deren Designs den jungen Unternehmergeist und die Freude am Brauen verspielt, aber stilsicher widerspiegeln. Gibt es einen aktuellen Trend im CD? Trends gibt es immer wieder. Allerdings sollte man gerade beim CD für die eigene Marke nicht blind Trends nachgehen. Wer sich dennoch ganz einfach von schönen Ideen und Designs inspirieren lassen will: Die Trends für 2018 zeigen auf responsive Logos, architektonische und geometrische Stile, verspielte, spaßige Designs, typografische Experimente oder Layering und Muster.

Foto: Dalibass

die in ihrer Umsetzung einen Mehrwert für die Kunden, die Branche oder gar die Gesellschaft geben soll. „Es sollte sich um eine Idee handeln, die ein höheres Ideal verfolgt als nur Geschäfte zu machen“, sagt Barth. „Und natürlich sollten die Gründer auch wirklich daran glauben, um andere dafür begeistern zu können und Gleichgesinnte zu finden – sowohl Kunden als auch Mitarbeiter.“ Wie wird die Leitidee nun umgesetzt? Dabei helfen die äußeren beiden Schichten des Markenkerns: „Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Werte hinter der Idee stehen. Denn eine Idee kann sich ganz unterschiedlich manifestieren“, erklärt Barth. „Tesla zum Beispiel möchte die Zukunft der Mobilität einläuten und setzt dabei auf zukunftsweisende Technologien, aber auch Fahrspaß und einen gewissen Luxus. Ein anderes Gründerteam könnte aber auch in Verzicht, Sharing Economy und Alternativen zum Auto die Zukunft der Mobilität sehen.“ Über die Werte-Ebene wird schon deutlicher, wie die Gründervision umgesetzt werden soll. Werte können jedoch sehr vieldeutig sein. Deshalb dreht sich in der dritten Ebene des Markenkerns alles um den Lebensstil, für den sie stehen: „Hier geht es darum, kurz zu beschreiben, wie sich die Vision des Start­ ups und die dazugehörigen Werte im Alltag des Kunden auswirken. Was verändert sich für ihn? Wie sieht sich der Kunde selbst und wie möchte er gesehen werden? Um das Bild zu vervollständigen, sollten hier auch Partner, Mitarbeiter, Lieferanten und das soziale Umfeld unter diesen Aspekten betrachtet werden“, sagt der Experte. Damit entsteht ein klares Bild von der Unternehmensidentität.


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STARTUP-BASICS

Budgets: Zeit ist Geld „Der Markenaufbau ist in erster Linie eine Frage der Zeit, die man sich nimmt, um den Markt zu eruieren, die Erwartungen der Kunden zu verstehen und seine eigene Positionierung und den eigenen Mehrwert klar zu verstehen und zu kommunizieren“, sagt Matthias Riedl. Wichtig sei vor allen Dingen, dass man sich diese Fragen gleich von Anfang an stellt und direkt mit einer klaren Kommunikationsstrategie an den Markt geht. „Dies spart langfristig viel Zeit und Geld, um anfängliche Versäumnisse nachträglich zu korrigieren“, sagt der Experte.

Kultgetränk. Ihre klare Botschaft und damaliges Alleinstellungsmerkmal: natürliche Zutaten, Originalität, Nachhaltigkeit, Machertum. Auch das Berliner Start­ up Mister Spex hat mit seiner simplen Idee, Brillen online zu verkaufen, einen Wahnsinnserfolg eingefahren und ist für die langjährigen Marktführer ernstzunehmende Konkurrenz geworden. Das Unternehmen hat es zudem verstanden, die Markenvision nicht nur geschickt nach außen zu tragen, sondern sie auch im Team zu leben. Nicht umsonst wurden die Konferenzräume nach den konkurrierenden Optikern Fielmann und Apollo benannt.

Flexibilität: An Morgen denken Branding sollte keinen Trends nachjagen, aber flexibel sein und sich immer an neue Gegebenheiten anpassen. Schließlich will jedes Startup langfristig mit der Zeit gehen. Die Profis machen es vor: Die Marke Lego ist die Nummer eins, wenn es um Bausteine geht. Gleichzeitig wurde die heutige Lego-Welt mit Neuerungen wie Mode, Freizeitparks und Kinofilmen zeitgemäß erweitert.

Markenexperte Matthias Barth

Auch punktuelle Unterstützung von außen kann bei der Markenpositionierung helfen. Denn gerade kleinere Startups hätten oft noch keinen Brand-Spezialisten in ihrem Team. „Externe Dienstleister können auf einer Ad-hoc-Basis in diese Überlegungen einbezogen werden, ohne dass zwangsläufig langfristige Engagements eingegangen werden müssen.“ Matthias Barth gibt noch einen besonderen Rat: Nicht in übermäßigen Perfektionismus verfallen. „Deine Idee muss sich erst bewähren. Wenn du dazu mehrere Schleifen drehen musst, sollte dir nicht gleich die Puste ausgehen“, sagt der Blogger. „Markenbildung ist ein endloser Prozess – nichts, was über Nacht abgeschlossen ist.“ ▪

Marken-Bildung

„How To Start Smart“ – Der Münchner Designer und Markenentwickler Matthias Barth erklärt in seinem Ratgeber für Gründer alle wichtigen Schritte von der Idee bis zum Markteintritt. Preis: 115,43 Euro (digital). how-to-start-smart.de

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„Meine Marke. Was Unternehmen authentisch, unverwechselbar und langfristig erfolgreich macht“ – Hermann H. Wala erklärt anschaulich, was erfolgreiche Unternehmen in Sachen Branding richtig machen. Erschienen bei Redline, Preis: 24,99 Euro. m-vg.de

„11 Irrtümer über Marken. So gelingen Markenaufbau und Markenführung“ – Uwe Munzinger zeigt anhand von Beispielen, was Marken heute und morgen stark macht. Erschienen bei Springer Gabler, Preis: 39,99 Euro. springer.com

Fotos: wilndr

Mehr als Logo: Corporate Design sind Visitenkarten, Flyer, Verpackungen und mehr

„Markenbildung ist ein endloser Prozess – nichts, was über Nacht abgeschlossen ist”


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Frontalangriff auf Microsoft und Co.

Wie das Kommunikationstool Slack den GroĂ&#x;en der Branche das FĂźrchten lehrt.

Von Jan Thomas

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SLACK

Der Markt der Tech-Giganten ist in Bewegung. Jeder kennt die GAFA-Gang (Google, Amazon, Facebook, Apple). Einige zählen auch IBM und Microsoft zu diesem Kreis. Für andere hat Uber das Potenzial, in den Kreis aufzuschließen. Zu den heiß gehandelten Zukunftswetten gehört auch das Kommunikationstool Slack. Entstanden im Jahr 2009, zunächst als interne Chat-Konsole der Entwickler des Computerspiels Glitch, hat Slack die Techwelt im Sturm erobert, gehört zu den am schnellsten wachsenden Apps aller Zeiten und schickt sich an, die liebgewonnene E-Mail in Rente zu schicken. „Wir wollen das Tool sein, das ein Mitarbeiter am Morgen als erstes öffnet. In vielen Unternehmen sind wir das bereits“, gab Mitgründer Cal Henderson im Interview mit Berlin Valley (Seite 36) das Selbstverständnis des Tools zu Protokoll. Slack auf die Kommunikationsfunktionalität zu reduzieren, wäre falsch und würde den Erfolg des Unternehmens auch nicht hinreichend erklären. Denn neben seiner Funktion als Business-Messenger ist Slack vor allem eine Schnittstellen-Plattform. Ein Ort, an dem zahlreiche externe Tools über APIs angedockt werden können. Egal ob Google Drive, Dropbox, Trello, Github oder Zendesk – sie alle können kinderleicht in Slack integriert werden. In einer an Apps und Plattformen überfluteten Welt hat Slack damit den Nerv der Nutzer getroffen, denn dank dieser Integrationen muss der Nutzer nicht mehr von Software zu Software springen, um nach Nachrichten, Tasks oder Updates zu schauen. Bei Slack läuft alles zusammen.

Foto: Slack

Das Investoren-Who-is-who Oft erkennt man in der Launchphase bereits, ob ein Unternehmen erfolgreich wird. Der Launch von Slack übertraf alle Erwartungen. Nach 24 Stunden wies Slack 8.000 registrierte Nutzer auf. Ein Jahr später verzeichneten es bereits 520.000 aktive Nutzer. Heute hat das Unternehmen weltweit sechs Millionen aktive Nutzer und wächst weiterhin mit mehr als 100 Prozent pro Jahr. Deutschland ist dabei der EU-weit zweitgrößte Markt für Slack und der fünftgrößte weltweit. Vor kurzem gab Slack bekannt, dass der Jahresumsatz erstmals die 200-Millionen-Dollar-Marke übersprungen habe. Beeindruckend ist auch die Riege der Investoren: mit Kleiner Perkins, Andreessen Horowitz, Spark Capital, Index Ventures, Accel, Comcast und vielen anderen eine Art Who-is-who der Investorenszene. In der letzten Finanzierungsrunde (Series G, 250 Millionen US-Dollar) im September 2017 reihten sich auch die Softbank und Global Founders Capital der Samwer-Brüder in die Investoren­liste ein. Insgesamt hat Slack in zehn Runden knapp 800 Millionen US-Dollar an Risikokapital aufgenommen und ist nach dieser Finanzierungsrunde mit 5,1 Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen besorgte sich frisches Kapital, obwohl man das Geld aus den vergangenen beiden Finanzierungsrunden noch nicht einmal angefasst habe, erklärte Slack-Gründer Stewart Butterfield im Interview mit der Financial Times. Man wollte vielmehr die japanische Softbank als strategischen Investor mit an Bord holen. Softbank ist unter anderem in Wework und Uber investiert.

Ob im Büro oder unterwegs, mit Slack behältst du die Arbeit im Blick.

Der Slack-Fonds Slack unterstützt mittlerweile andere visionäre Start­ ups bei der Entwicklung von Produkten für Teamarbeit. Dazu wurde ein eigener Investmentfonds gegründet, der gemeinsam mit den VCs Accel, Index Ventures, KPCB, Social Capital, Andreessen Horowitz und Spark Capital initiiert wurde. Zu den finanzierten Tools gehören unter anderem Datafox, Polly, Statsbot oder Growbot. Sie wurden allesamt für einen produktiveren Arbeitsplatz gebaut und sind Teil der Slack-App-Welt, die es erlaubt, Slack zum Zentrum der Arbeitswelt zu machen.

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SLACK

Wachsender Erfolg

6.000.000 5.000.000 4.000.000

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Februar 2015

Juni 2015

Dezember 2015

Bezahlte Accounts

Unruhe macht sich breit Natürlich hat der rasante Erfolg des Tools Slack die großen Tech­ unternehmen alarmiert. Betrachtet man die Märkte, die Slack ins Visier nehmen könnte, dürfte insbesondere bei Microsoft eine gewisse Panik ausbrechen. Der Softwarekonzern aus Redmond galt Jahrzehntelang als Inbegriff der digitalen Büroausstattung. In Zeiten vor dem Aufstieg von Apple und Google besaßen sie mit Windows und Office sogar de facto Monopole im jeweiligen Segment. Im letzten Geschäftsjahr hat Microsoft rund 90 Milliarden US-Dollar umgesetzt, wovon der Löwenanteil weiterhin aus dem B2B-Geschäft stammt. Durch Zukäufe wie Skype, Yammer oder zuletzt Linkedin versucht Microsoft, diese Position zu festigen. Insbesondere Skype und Yammer sehen sich nun der direkten Konkurrenz von Slack ausgesetzt. Doch Yammer konnte sich trotz kompetitiver Vorteile noch nicht richtig durchsetzen. Das eigentliche Ziel von Slack dürfte aber eher ein anderes Produkt von Microsoft sein: Outlook – damit nähme das Tool das Herz des Softwaregiganten ins Visier. Diese Gefahr scheint man auch bei Microsoft ähnlich zu sehen. Medienberichten zufolge wollte Microsoft-Vorstandsmitglied Qi Lu Slack Anfang 2016 für acht Milliarden Dollar übernehmen, wurde aber von Microsoft CEO Satya Nadella und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bill Gates gestoppt. Stattdessen hat man 2016 die Gruppenchat-Software Teams auf den Markt gebracht, wodurch ein direkter Slack-Konkurrent geschaffen wurde. „Microsoft muss man definitiv respektieren“, hatte Slack-Gründer Stewart Butterfield auf der DLD 2017 in Berlin verlautbaren lassen. Gegenüber der Financial Times allerdings zeigte sich der visionäre Unternehmer aber unbeeindruckt von seinen großen Wettbewerbern: Slack habe mindestens ein Jahr, bevor Microsoft wirklich konkurrenzfähig sei. Aber natürlich wisse er, dass der Softwarekonzern über ausreichende Mittel verfüge, um den Slack-Konkurrenten Teams noch stärker voranzutreiben.

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Mai 2016

Oktober 2016

Januar 2017

September 2017

Tägliche aktive Nutzer

Wenn man sich in der Startup-Welt umschaut, so ist Slack inzwischen zum Inbegriff eines dynamischen Mindsets geworden. Mehr noch: Es scheint eine Art Statement zu sein. Ein unumgängliches Betriebssystem für schnelle, agile Digitalunternehmen. Alleine in Berlin verzeichnet das Unternehmen 86.000 aktive Nutzer täglich. So zum Beispiel beim Berliner Food-Startup Hellofresh, wo man Slack nicht nur für die interne Kommunikation nutzt, sondern das Team auch über die Erwähnungen in Sozialen Medien benachrichtigt. „Unsere Leute waren sehr schnell von Slack überzeugt, denn die App ist einfach produktiver und man kann sofort mit einem Team über viele Kilometer oder sogar Ozeane hinweg effizient interagieren und kommunizieren“, erklärt der Hellofresh-CTO Nuno Simaria auf der Website von Slack.

Harte Arbeit und ein einzigartiges Design Doch was ist das Erfolgsrezept von Slack? Was sind die Gründe für die rasante Marktdurchdringung? Stewart Butterf­ield sieht dafür mehrere Gründe als ausschlaggebend: „Vor allem waren harte Arbeit, unglaublich gutes

Im Interview mit Berlin Valley verriet Stewart Butterfield, wie Slack es geschafft hat, den Markt zu erobern.

Foto/Grafiken: Slack

August 2014


SLACK Timing, perfekte Marktbedingungen und ein unverwechselbares Produktdesign für den Erfolg verantwortlich.“ Aber tatsächlich könnte sich auch die größte Herausforderung der Gründer zum größten Vorteil entwickelt haben. Denn den Gründern war früh klar, dass Slack nicht ins typische Schema passt, mit dem Startups so gerne pitchen. Slack war kein Ebay für X oder Uber für Y. Es war auch nicht einfach ein Disruptor für E-Mails. Slack war neu und einzigartig. Und genau deshalb war es stark erklärungsbedürftig. Und auch der Markt für Slack existierte noch nicht. „Sell the innovation, not the product“ hat Stewart Butterfield noch zwei Wochen vor dem offiziellen Launch in einem internen Memo an sein Entwicklerteam verkündet. Diese Strategie ging auf. Neben dem richtigen Marketing sind aber weitere Faktoren ursächlich für den Erfolg. Da wäre zum einen der Gründer Stewart Butterfield (44), ein Ausnahmetalent mit Vision, Erfahrung und Durchhaltevermögen. Er hat einen Master in Philosophie der Universität Campbridge und in seiner Karriere bereits zahlreiche Projekte gestartet, viele davon waren wenig erfolgreich – bis er die Foto-Community Flickr gründete, die er 2005 für mehr als 20 Millionen US-Dollar an Yahoo verkaufte. Ein Jahr später wurde

„Das Wichtigste ist, dass du die Erwartungen übertriffst“ Stewart Butterfield

er vom Time Magazine bereits zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gezählt. Neben dem Unternehmer Butterfield dürfte ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Slack darin liegen, dass die Gründer ihr Unternehmen aus einem persönlichen Bedarf heraus aufgebaut haben. Der Ursprung der Erfolgsgeschichte Slack geht nämlich auf das von Butterfield gegründete Unternehmen Tiny Speck zurück, das ein Online-Spiel namens Glitch entwickelte. Die Entwickler stießen auf die Problematik, dass kein Kommunikationstool den Anforderungen an Teamarbeit gerecht wurde. Es gab zwar viele vereinzelte Spezial-­ Tools, aber keine Plattform, die alle relevanten Dienste und Features vereinte und die Zusammenarbeit vereinfachte. Also entschied man sich, eine eigene Lösung – die zunächst nur zur internen Nutzung gedacht war – weiterzuentwickeln. Schnell reifte die Erkenntnis, dass mit dem intern genutzten Tool ein Produkt entstanden war, das auch andere nutzen würden. Das markiert für Butterfield den Anfang der Erfolgsgeschichte. Durch diesen Umstand entwickelte das Team von Anfang an ein sehr konkretes Produktverständnis. „Andere Startups müssen oft auf das Feedback und die Beschwerden ihrer Kunden warten, um die Stärken und Schwächen ihrer Software zu verstehen. Wir hingegen waren von Tag eins an unsere aktivsten Nutzer“, erklärt Cal Henderson. Aber auch Fokus und eine gewisse Gelassenheit sind wichtig: „Üblicherweise gibt es eine Handvoll Dinge, die erfolgreiche Produkte außerordentlich gut machen, dann ist es okay, wenn alles ande-

8,8

Mio

Apps installiert Stand: September 2017

re nicht so gut ist“, resümiert Butterfield. „Aber das Wichtigste ist – und hier sehen wir die Schwelle zum Erfolg –, dass du die Erwartungen übertriffst und Einsatz zeigst, damit die Menschen dich weiterempfehlen.“ Es ist schwer zu prognostizieren, wohin sich der Markt von Slack, Teams & Co. entwickelt. Butterfield gibt sich überzeugt: „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird jeder in der Welt Slack oder ein ähnliches Tool nutzen.“ Schaut man sich die Kundenliste an, könnte seine Vorhersage zutreffen. Zu den Referenzkunden von Slack gehören Größen wie IBM, Oracle oder die Harvard University. Die Unternehmenswebseite von Slack ist reich an Case Studies, in denen begeisterte Nutzer berichten, wie sehr sie das Tool lieben und wie viel einfacher die Arbeitsprozesse durch die Implementierung geworden sind. Es scheint, Slack hat vieles richtig gemacht. Die Vorzeichen stehen also bestens, dass Slack sich dauerhaft etabliert, weiter wächst und in nicht allzu ferner Zukunft zu den großen Tech-Giganten im Silicon Valley aufschließt. Falls nicht vorher jemand mit einem Angebot um die Ecke kommt, zu dem weder Butterfield noch seine Investoren Nein sagen können. Man munkelt, Jeff Bezos habe bereits Interesse signalisiert.

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SLACK

„Wir stehen noch ganz am Anfang“

Das Gespräch führte Jan Thomas.

Slack ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Worauf führst du den Erfolg zurück? Wir hatten keinen Masterplan oder eine herausragende Idee, es war vielmehr eine Frage des Timings. Es war die Phase, als Consumer Messaging einen neuen Boom erfahren hat. Im Privaten wurden Messenger wie Whatsapp oder Facebook immer relevanter. Heute erscheint es lächerlich, seinen Freunden eine E-Mail zu schicken, um ein Treffen zu arrangieren. Parallel dazu haben sich unterschiedliche Business-Software-Tools immer weiter etabliert. Dank unzähliger SaaS-Lösungen und der rasanten Mobile-Entwicklung konnte man beobachten, dass Nut-

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zer heute eher hunderte unterschiedlicher Tool-Anbieter verwenden anstatt einen einzigen Service-Provider. Was fehlte, war ein Ort, an dem all diese Tools zusammengeführt werden. Es war uns am Anfang gar nicht klar, aber Kommunikation ist ein Thema, innerhalb dessen es Sinn macht, diese ganzen Tools zusammenzuführen. Streng genommen existierte der Markt, den ihr adressiert habt, nicht. Ist das eine Voraussetzung für großen Erfolg? Das ist keine einfache Frage. Natürlich gab es einen Markt für Kommunikation am Arbeitsplatz, es hat nur niemand an ein Tool wie Slack gedacht, das eine eigene Kategorie darstellt. Eine neue Kategorie zu etablieren ist nicht einfach, da Menschen immer dazu tendieren, Neues mit Bestehendem zu vergleichen. Wenn man der erste einer Kategorie ist, fehlt der Kontext. Heute ist das einfacher, da Unternehmen wie Microsoft Produkte in derselben Kategorie bauen. Welche Wachstumsfaktoren waren ausschlaggebend für euren Erfolg? Mundpropaganda bleibt sehr relevant für uns. Solange wir eine Erfahrung bieten, die Nutzer mögen, teilen sie diese mit anderen Menschen. Das ist ein starker Trei-

Fotos: Slack

Slack-CTO Cal Henderson über die Erfolgskriterien des Tools und die Relevanz der User-Experience.


SLACK ber. Wenn dir in einem großen Unternehmen gesagt wird, dass du ein bestimmtes Tool nutzen sollst, fühlt sich das anders an, als wenn du dich selbst zur Nutzung entscheidest. Entsprechend schwieriger ist es, empfohlen zu werden. Unsere ersten Anwendergruppen waren Entwicklerteams, was nicht überrascht, denn in diesem Kontext ist Slack entstanden. Unser zweiter großer Wachstumsmarkt war in der Medienbranche und deren Newsrooms, also kleine Teams, die hoch kollaborativ arbeiten und daher ein inhärentes Interesse an Slack hatten. In traditionellen Branchen, in denen neue Technologien langsamer angenommen werden, verläuft unsere Akzeptanz langsamer. Was sind eure wichtigsten Learnings bei der Entwicklung? Wir haben immer die User-Experience in den Fokus gerückt. Bei Slack hatten wir den großen Vorteil, dass wir selbst die ersten Nutzer waren. Mit Business-Software ist es meistens schwierig, da man nicht konstant nachvollziehen kann, was der Kunde wirklich braucht. Oft wird Unternehmenssoftware nicht für die eigentlichen Nutzer entwickelt, sondern vor allem, um es dem CIO zu verkaufen. Wir hatten das Tool für uns selbst gebaut. So konnten wir konstant verstehen, was der User braucht. Die Kon-

„Wir hatten keinen Masterplan oder eine herausragende Idee“ zentration darauf, was das Tool für den Endnutzer leisten muss, war sicherlich entscheidend. Man muss verstehen, was Menschen erreichen wollen und ob Slack ihnen dabei hilft oder ob es ihnen vielleicht im Weg steht. Welchen Tipp kannst du anderen Gründern geben, die auch schnell wachsen wollen? Gibt es irgendein Geheimnis? Wenn man nicht etwas entwickelt, das jeden Tag benutzt wird, hat man automatisch einen Nachteil. Unabhängig davon muss man immer daran denken, dass die Nutzer vor allem ihre Arbeit erledigen wollen. Die Early Adopters interessieren sich vielleicht noch dafür, was man baut. Aber alle weiteren – sie hatten vielleicht einen schlechten Tag, haben sich mit ihrem Chef gestritten oder eine Deadline, die ihnen im Nacken sitzt – wollen einfach nur ihre Arbeit erledigen. Es hilft, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Menschen die Software nicht bestaunen sollen, sondern vor allem einen Job erledigen müssen. Außerdem ist es eine Frage der Einstellung. Bei Slack haben wir die gesunde Einstellung, dass unsere Software per se nichts taugt. Man muss sich darüber klar sein, dass es immer noch viel zu tun und verbessern gibt.

Ziel nicht aus den Augen verlieren. Die Gefahr, sich selbstgefällig zurücklehnen, ist theoretisch gegeben. Wir stehen ja noch ganz am Anfang einer neuen Kategorie von Software. Daher wissen wir auch nicht, wie es für Unternehmen sein wird, Slack so zu nutzen, wie sie es heute mit E-Mails machen. Zu verstehen, wie die Menschen diese Tools nutzen wollen und wie wir es schaffen können, dass sie Slack sinnvoll finden, ist eine große Herausforderung. Wir stehen vor einer riesigen Chance. Gleichzeitig gibt es viele Wege, auf denen man es vermasseln könnte. Im Fokus unserer Arbeit muss daher die User-Experience stehen. Wir stehen über unterschiedliche Kanäle mit unseren Nutzern in Kontakt, um zu erfahren, wie sie Slack und andere Tools nutzen. Wie arbeiten sie im Marketing oder Sales? Wie integrieren sie diese Tools in Slack? So wollen wir sicherstellen, dass ihre relevanten Arbeitstools durch Slack ein bisschen besser funktionieren. Wie wird sich eurer Meinung nach die Kommunikation in Unternehmen ändern und welche Rolle wird Slack dabei spielen? Ein Großteil der Unternehmen mit Wissensarbeitern wird in den nächsten fünf Jahren eine Channel-basierte Kommunikation einführen. Das wird unabhängig von Slack passieren. Die Frage ist, ob wir mit Slack das Standardtool etablieren können. Das bestmögliche Produkt zu bauen, bleibt also die größte Herausforderung. Eine andere Herausforderung für uns ist die Veränderung der Kundengröße – von kleinen zu großen Teams. In kleinen Teams wird Software organisch implementiert. Wird die Software als nützlich empfunden, etabliert sie sich dauerhaft. In größeren Unternehmen funktioniert das anders, vor allem in regulierten Industrien mit hohen Sicherheitsstandards und Compliance. Wir sehen immer größere Kunden mit immer komplexeren Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Nehmen wir beispielsweise IBM. Slack an IBM zu verkaufen, gestaltete sich anders als bei einem Startup mit zehn Personen. Sie haben unterschiedliche Anforderungen an den Sales-Prozess und auch die Implementierung verhält sich anders. Trotzdem gehen wir auch hier nicht zum CIO und präsentieren ihm die Software, sondern IBM reagiert auf Mitarbeiter, die Slack nutzen und von sich aus zum CIO gehen. Bei der Implementierung im Unternehmen helfen wir dann.

Mehr als 800 Personen arbeiten mittlerweile für Slack.

Ihr seid also nicht zufrieden mit eurem Produkt? Man könnte fast sagen, dass wir uns ein bisschen dafür schämen, wie dürftig die Software ist im Vergleich dazu, wie viel besser sie sein könnte. Dabei dürfen wir das

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Wie helfen euch neue Technologien wie AI dabei, Slack noch attraktiver für eure Nutzer zu machen? Die Vorstellung, dass AI alles verändern wird, gibt es schon lange. Die Vision von Robotern, die uns töten und unsere Jobs übernehmen, wird so wohl nicht eintreten. Stattdessen sehen wir aber, dass maschinellem Lernen eine wichtige Rolle zukommen wird – auch bei uns. Sofern eine auf Channels basierte Kommunikationsstruktur in der Arbeitswelt Realität werden sollte, werden hier unheimlich viele Informationen gespeichert: Wie arbeitet das Unternehmen? Wer trifft Entscheidungen? Von wem und woher kommen Informationen? Wissensarbeiter verbringen viel Zeit damit, Antworten auf Fragen zu finden

Die Slack-Kultur: Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Fähigkeiten

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oder die Person ausfindig zu machen, die die Antwort kennt. Das ist verschwendete Zeit, bei der ein Computer helfen könnte. Es handelt sich dabei also um Informationen, die bereits existieren, da jemand darüber geschrieben hat. Im besten Fall wäre die Antwort parat, ohne dass mit jemanden darüber gesprochen werden müsste. Im zweitbesten Fall würde die Person genannt, die eine Antwort weiß. So wird eine Zeitersparnis für die Mitarbeiter geschaffen. Persönlicher wird es, wenn wir analysieren, wie eine Person mit Slack interagiert, welchen Personen sie antwortet, bei welchen Nachrichten sie Threads startet, was sie anklickt, über welche Themen sie spricht und welche Kanäle sie nutzt. Sollte diese Person beispielswei-

Fotos: Slack

Ein Erfolgsgeheimnis von Slack: Diversität von Anfang an. Das Startup fördert zudem die Beseitigung von Gehaltsunterschieden bei Männern und Frauen.


SLACK se für ein paar Tage nicht arbeiten, würden wir ihr auf Grundlage des Nutzerverhaltens bei ihrer Rückkehr vorschlagen, in welcher Reihenfolge sie ihre Channels lesen soll. Was ist mit anderen Trends sowie Technologien wie Blockchain und was ist euer Ziel? Wie die meisten Trends ist Blockchain in aller Munde. Ich denke, es wird einige Zeit brauchen, um herauszufinden, wo die Implementierung Sinn macht. Trotzdem müssen wir verstehen, was die aktuellen Trends sind und wohin sie sich möglicherweise entwickeln. Der wichtigste Trend für uns bleibt aber die Ausbreitung von Software und dass Menschen immer mehr Tools nutzen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen und sicherstellen, dass wir bei Slack die richtige Oberfläche anbieten, um sie zu integrieren. Die meisten Unternehmen nutzen bereits feste Services für Voice oder Video-Calls. Sie werden nicht zu uns wechseln, nur weil wir das auch anbieten. Deshalb müssen wir das Tool sein, das diese bestehenden Services einfach integriert. Slack ist für viele Menschen bereits heute das erste Tool, das sie am Morgen einschalten. Natürlich wünschen wir uns, dass das noch mehr Menschen machen.

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Tool-Universum Im Zentrum deiner Arbeitswelt: Schnittstelle Slack Zendesk Giphy

Durch die Integration von Zendesk erhältst du eine Nachricht, sobald ein Support-Ticket eingeht oder ein bestehendes bearbeitet wird.

Simple Poll

Mit dem Befehl „/giphy” und einem beliebigen Zusatz erscheint passend zu deiner Aussage ein zufällig ausgewähltes GIF. /giphy fantastisch!

Einfach den Befehl „/pol“ + Frage und Antworten in Slack eingeben und zum Beispiel abstimmen, was es als nächstes Mittagessen gibt. Bon Appétit!

Google Drive

Trello

Du willst innerhalb von Slack Dokumente teilen, verwalten oder Updates erhalten? Dann integriere die Google-­Drive-App in Slack.

Für alle Trello-Nutzer: einfach „/trello help“ in Slack eingeben und in Trello einloggen, um künftig deine Projekte auf Slack zu managen!

Birthdaybot Mal wieder einen Geburtstag vergessen? Bleibe mit dem Birthdaybot up to date, wenn der Geburtstag eines Kollegen bevorsteht!

Arc Skype In deinem Tool-Set darf Skype nicht fehlen? Mit dem Befehl „/Skype“ Unterhaltungen einfach auf die Voice-/Video-Call-Ebene heben.

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Mit der App Arc erhältst du deine Google Analytics Summary automatisch. Arc bereitet die Ergebnisse als Zusammenfassung für dich auf.

@must-read Mit @must-read erscheinen als relevant markierte Nachrichten in einer Übersicht. Tracke zudem, wer die Infos gelesen hat und wer nicht!


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Tomatobot Mailchimp

Growthbot

Du willst deine Subscriber und Kampagnen im Blick behalten? Ganz einfach Mailchimp integrieren und kein Update mehr verpassen.

Growthbot verknüpft zum Beispiel Hubspot-Marketing oder Google Analytics und liefert Daten an Slack. So hast du alle wichtigen Zahlen im Blick.

Tomatobot hilft dir, Pausen einzuhalten. App installieren, „/startwork“ eingeben und nach 25 Minuten hast du „Zeit für eine Auszeit“.

Kollaboration der Tools

I Done This Die Integration für schnelle Projekt-Updates: „What’d you get done today?“ beantworten, Zusammenfassung lesen und kommentieren.

IFTTT Mit der Wenn-DannFormel „If this then that“ schaffst du die Schnittstelle zu deinen Lieblings-Apps und kannst Prozesse automatisieren.

Baremetrics Baremetrics bietet Metriken und Analysen für Braintree, Stripe, Chargify und Recurly. Mit der App behältst du alle Parameter im Blick.

Joinme Joinme kannst du einfach integrieren und damit Video- und Audiokon­ ferenzen abhalten oder den Bildschirm teilen.

E-Mail Erstelle eine spezielle E-Mail-Adresse, auf die Nachrichten weitergeleitet werden und bündele sie in einem Channel.

Durch die Schaffung von Schnittstellen zu Tools wie Zendesk oder Mailchimp schafft es Slack, zum Mittelpunkt des Arbeitsalltags zu werden. Ob Sales, Customer Care oder Analyse von Daten – alle relevanten Prozesse laufen in Slack zusammen. Weitere Apps findest du unter slack.com/apps.

Lunch Train Triff dich mit deinen Kollegen zum Mittagessen! Einfach „/lunchtrain“ und Plan eingeben, abschicken und „Passagiere“ einsammeln.

Apiai Nichts passendes für deinen Arbeitsalltag dabei? Mit Apiai kannst du deinen eigenen Bot kreieren und ganz einfach auf Slack integrieren.

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Warum einschalten auch mal abschalten heißt Markus Albers – Autor des Buches „Digitale Erschöpfung“ – über seine Erfahrungen mit dem Arbeitstool Slack.

Gemeinsame Kommunikationsbasis Wenig überraschend folgt darum seit einiger Zeit in einigen fortschrittlichen Unternehmen die Phase der Ernüchterung, ziehen erste Early Adopter ein bestenfalls durchwachsenes Zwischenfazit. Unter der Überschrift „We’re Taking a Break from Slack“ (Wir machen Pause von Slack) schrieb zum Beispiel die Motherboard-Redaktion der Medienmarke Vice von ihren Erfahrungen. Zunächst setzte sie Slack ein, damit sich Team-Mitglieder an einem – digitalen – Ort unterhalten konnten. Der Großteil der Mitarbeiter arbeitete in New York, aber es gab auch einen Redakteur in Toronto, einen in London, zwei Schreiber in San Francisco, einen in Oregon. Das Video-Team saß im selben Gebäude in New York, aber ein Stockwerk tiefer, und viele regelmäßige Mitarbeiter schrieben ihre Beiträge sowieso im Homeoffice. Für so ein verteiltes – man kann auch sagen: virtuelles – Team eine gemeinsame Kommunikationsbasis zu schaffen ist eine Herausforderung, vor der übrigens auch viele große Unternehmen stehen, bei denen eine Abteilung auch über mehrere Kontinente und Zeitzonen verteilt sein kann.

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Die drei Probleme Slack hat dieses Problem elegant gelöst, und die Journalisten beschreiben, dass das digitale Werkzeug für sie schnell „unverzichtbar“ wurde. Gleichzeitig stellten sie fest, dass seine Nutzung immer mehr Zeit in Anspruch nahm: „Wir diskutieren 30 Minuten über eine Story, die uns alle zu interessieren schien, aber dann setzt sich niemand mehr hin und schreibt tatsächlich einen Beitrag für die Website.“ Die Slack-Diskussion ersetzte den eigentlichen Arbeitsvorgang. Das zweite Problem war Ablenkung. Slack – und vergleichbare Plattformen ebenso – befindet sich in einer Grauzone zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation. Die schriftliche Form erlaubt, nur ab und zu hineinzuschauen – weil aber häufig dringende und wichtige Entscheidungen über das Tool geführt werden, haben alle das Gefühl, doch ständig mitlesen und reagieren zu müssen. Diese Beobachtung teilt der UX-Designer Samuel Hulick in einem viel gelesenen Essay mit dem sprechenden Titel „Slack, I’m Breaking Up with You“ (Slack, ich mache Schluss mit dir), in dem er die Software wie eine Geliebte anspricht, von der er enttäuscht ist: „Ich dachte, du würdest mir Erleichterung vom ständigen Strom von E-Mails, Alerts und Nachrichten verschaffen, die ich jeden Tag bekomme. Ich muss leider sagen, dass das Gegenteil der Fall war – das komplette Gegenteil!“ Mit Tools wie Slack verstärkt sich die verhängnisvolle Always-on-Kultur selbst: Je mehr Menschen am Gespräch teilnehmen, desto mehr Konversation entsteht. Je mehr Konversation entsteht, desto mehr wird von allen erwartet, teilzunehmen. Dazu kommt: Jene Kollegen, die gerade am wenigsten zu tun haben, können die meiste Zeit auf Plattformen wie Slack verbringen und so die Diskussion dominieren, während jene, die tatsächlich beschäftigt sind, genau dafür bestraft werden.

Foto: Tobias Kruse

Slack ist ein Symbol für die bessere Welt des neuen Arbeitens geworden, und folglich ein Liebling der Investoren: Das Unternehmen strebt eine Bewertung von vier Milliarden Dollar an. Firmen wie Airbnb, Ebay, CNN und Samsung, aber auch die Harvard University nutzen Slack und erhoffen sich mehr Transparenz, ein besseres Teilen von Wissen, mehr spontane Kollaboration und weniger kommunikative Silos. Das sind alles richtige Ziele und Tools wie Slack sind ein gutes Mittel. Aber sie haben einen Preis. Viele Studien belegen, mehr Kommunikation führt nicht automatisch zu besseren Arbeitsergebnissen – im Gegenteil. Slack ist das beste Beispiel für ein fundamentales theoretisches Missverständnis („Kollaboration ist ein Wert an sich und muss gefördert werden“), das sich in neuen technischen Werkzeugen manifestiert („Wir benutzen jetzt alle neben den existierenden Kommunikationskanälen auch noch diese schicke neue Kollaborationsplattform“) und damit Arbeitswirklichkeit schafft („Wir sind ständig auf allen möglichen Kanälen erreichbar, und wer da nicht mitspielt, ist altmodisch“).

„Mit Tools wie Slack verstärkt sich die verhängnisvolle Always-on-Kultur“


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ie ein Meeting ohne Agenda Und zuletzt: Weil Plattformen wie Slack die Kommunikation rund um einzelne Projekte oder Teams organisieren, hat man plötzlich nicht mehr einen Nachrichtenstrom, den man überwachen muss, sondern viele. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. In meinem Unternehmen führten wir vor einiger Zeit eine andere, aber vergleichbare Technologie namens Projectplace ein. Danach schrieben alle weniger E-Mails. Aber weil man in der Regel an mehreren Projekten beteiligt ist – ich als Chef quasi an allen –, gab es plötzlich Dutzende von Gesprächen, denen man folgen sollte. Die dadurch komplett fragmentierte Aufmerksamkeit machte mich – offen gesagt – stupide. Ich hatte plötzlich so viel mehr Details im Kopf, so viel mehr Bälle gleichzeitig in der Luft, dass ich auch in der vorgeblichen Freizeit nur noch mit leerem Blick vor mich hin murmelnd wie ferngesteuert anwesend war und die simpelsten Alltagsdinge vergaß: die Sonnencreme für die Kinder, den Autoschlüssel. Meine Lebensgefährtin schaute sich das eine Weile an, um dann zu explodieren: „So vergesslich kann doch niemand sein! Muss ich dich zum Arzt schicken? Interessierst du dich wirklich so wenig für uns, dass du nur noch an die Arbeit denkst?“

Zu all dem konnte ich wenig sagen, außer: „Schuld ist ein neues Produktivitäts-Tool in der Firma, Schatz, und zwar ausgerechnet eines, das eigentlich alles besser machen sollte.“ Der kluge amerikanische Unternehmer Jason Fried beschreibt den Effekt neuer Werkzeuge wie Slack in einem Blogbeitrag auf seiner Firmenwebsite ironisch als „ein tagesfüllendes Meeting mit unbekannten Teilnehmern und ohne Agenda“. Hulick hat dann tatsächlich aufgehört, Slack zu benutzen – zumindest für einige Tage, wie er sagt. Er fand es „bemerkenswert schwer, sich aus den neuen sozialen Verbindungen zu entwirren“. Aber eben auch „unglaublich hilfreich in Sachen Produktivität“. In deutschen Unternehmen ist der genau umgekehrte Trend zu beobachten: Dort dreht sich die Diskussion derzeit darum, welches neue Kollaborations-Tool die IT-Abteilung nun anschaffen soll, um endlich auch so modern zu kommunizieren und agil zu arbeiten wie diese Start­ ups. Und weil im ordentlichen Deutschland solche Entscheidungen lange dauern, dann aber noch viel länger halten, ist es keine Übertreibung zu warnen: Vorsicht vor den Geistern, die ihr ruft. ▪

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„Armut könnte ganz einfach bekämpft werden“ Daten sind das neue Öl. Anders als große Tech-Unternehmen entdeckt die junge Unternehmerin Paula Schwarz in ihnen aber vor allem eine Chance zur Verbesserung der Gesellschaft. Kann das gelingen? Das Gespräch führte Jan Thomas.

Paula, du hast mit 27 schon sehr viel erreicht, wie bist du zum Social Entrepreneurship gekommen? Ich bin halb Griechin und halb Deutsche und komme aus einer wohlhabenden Familie mit stark religiösem, griechisch-orthodoxem Einschlag. Es gab ein klares Rollenverständnis und einen vorgezeichneten Weg für mich als Frau. Das war schwierig für mich und ich habe früh lernen müssen, mich durchzusetzen. Fragen zu stellen war ebenso wenig erwünscht wie eine eigene Meinung. Als kreativer Kopf habe ich nicht verstanden, warum ich nicht logisch denken soll oder so leben darf, wie ich möchte. Daraus entwickelte sich eine Rastlosigkeit und Rebellenhaltung. Mit achtzehn bin ich nach New York gegan-

Foto: Johannes F. Räbel

„Mich nerven diese Schiedsrichter­ typen, die nie etwas machen“ gen und habe gekellnert. Für meine Eltern war das eine Katastrophe, weswegen ich aufhören musste. Ich bin in New York geblieben und habe ein Praktikum bei Human Rights Watch gemacht. Im Rahmen dieses Praktikums bin ich für fünf Monate nach Indien gegangen. Anschließend war ich im arabischen Raum und kam schließlich für mein Politikstudium nach Berlin. Meine Uni war sehr links orientiert, auf eine schöne Art. Ich musste aber feststellen, dass die Studenten zwar sehr laut und emotional miteinander argumentierten, dann aber nie in Aktion ge-

treten sind. Mich nerven diese Schiedsrichtertypen, die sich immer alles angucken, aber nie etwas machen. Während des Studiums habe ich eine Ausbildung zur EU-Fördermittelberaterin gemacht und später für die EU-Fundraising Association gearbeitet. Woher kam dann die Motivation, Projekte zu entwickeln, die einen Charity bzw. NGO Charakter haben? Mit 20 habe ich mein erstes Startup gegründet. Das lief leider nicht gut, weil ich viele der angefallenen Aufgaben outgesourced hatte und dabei hintergangen wurde. Das wichtigste Learning für mich war, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Mit 24 bin ich mit dem Venture Bus nach Afrika gegangen. Zurück in Europa, habe ich das Konzept in einem eigenen Projekt – dem Startup Boat – adaptiert. Ich wollte Menschen nach Griechenland bringen, um gemeinsam an sozialen Problemstellungen zu arbeiten. Zu dieser Zeit setzte auch die Flüchtlingskrise ein. So kam es, dass ich begonnen habe, Hilfsplattformen aufzubauen. Zuerst eine Informationsplattform für Geflüchtete und dann einen Lieferservice für humanitäre Güter wie Windeln oder Holz. Aus dem zweiten Projekt ist nach drei Wochen eine NGO geworden. Durch die Arbeit in den Camps habe ich viel über Logistik, Container und Militär gelernt. Es war erfüllend, den Leuten Hoffnung zu schenken, denn du siehst dort so viel Leid und spürst eine unglaubliche Ohnmacht. Es war eine intrinsische Motivation, die mich bei diesen Projekten angetrieben hat. Es ist wichtig, sich zu fragen, wofür man da ist. Jetzt hast du ein neues Projekt. Wie kam es dazu und welche Rolle spielen Daten dabei? Der eigentliche Ursprung des Datanomic Gedankens entstammt der Lektüre des Homo Deus von Yuval Noah Harari. Er argumentiert, dass man eine Religion der Daten als Maxime des menschlichen Glücks brauche.

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TITELSTORY Das bezeichnet er als Dataism. Diesen Gedanken finde ich falsch. Aus dieser Überzeugung ist die Idee zu Datanomics entstanden, was man am ehesten als eine neue Form der Wirtschaft bezeichnen könnte. Viele Dinge, die man heute kaufen kann beziehungsweise die produziert werden, sind sehr schlecht für uns. Das kann durch Daten belegt und geändert werden. Zurzeit wird Profit mit Menschen gemacht und nicht für die Menschen, obwohl es auch anders ginge. Das World Datanomic Forum, das den Datanomics Ansatz verfolgt, nutzt Daten, um die richtigen Fragen zu stellen und ermutigt Investoren dazu, vor allem gerechter zu investieren. Im Ansatz geht es darum, dass sich Investoren langfristig nicht mehr auf ihren Geldern ausruhen können, während die Welt wegen der von ihnen geförderten Produkte zugrunde geht. Das sind keine guten Investments und das ist den Investoren auch bewusst. Es gibt beispielsweise eindeutige Korrelationen zwischen Kriegen und dem steigenden Profit von Stahlkonzernen. Mithilfe der richtigen Anwendung von Daten könnten wir in einer besseren Welt leben. Dabei setzt das World Datanomic Forum auf next-level Leadership und zeigt die Probleme und Chancen für Profit sowie die Synergien durch Daten konkret auf.

jekten dabei unterstützen, sich digital weiterzuentwickeln. Hier haben wir beispielsweise das Bol Behörden Online Systemhaus für uns gewonnen, das auf E-Governance spezialisiert ist. Zudem unterstützen wir Städte bei der effektiven Erhebung von Daten. Gemeinsam mit unseren Investoren will ich letztendlich zeigen, dass man auch dann monetär erfolgreich sein kann, wenn gerechtere Entscheidungen getroffen werden, die auf die Zukunft der Welt setzen. Dafür muss sich der Markt als Ganzes ändern. Daten können hier ein hervorragender Problemlöser sein. Nehmen wir das Weltwirtschaftsforum, wo ich bis vor kurzem Mitglied war. Es gibt zahlreiche Themen, die dort nicht zur Sprache kommen, weil sie nicht zum Image passen oder dem Profit nicht förderlich sind. Dabei könnten dringende Probleme wie Armut oder Umweltverschmutzung ganz einfach bekämpft werden. Diese Zustände und ihre Lösungen sind so unfassbar evident, dass es eigentlich unentschuldbar ist, sich nicht darum zu kümmern. Deshalb habe ich dem Weltwirtschaftsforum den Rücken gekehrt. Ich lebe nach dem Motto „Don’t listen to reply. Listen to understand“. Im Weltwirtschaftsforum und bei gängigen Investorenkreisen hat mir das gefehlt. Man redet nicht über den Kern der Dinge, sondern immer um ihn herum.

Wie wird sich deine Arbeit mit Daten gestalten? Was setzt du dem Gedanken des Dataism entgegen? Ein Aspekt ist, dass wir Städte in ersten Pilotpro-

Kannst du das Ziel des World Datanomic Forums etwas konkretisieren? Investoren und Firmen dazu bewegen, im eigenen

„Man redet nicht über den Kern der Dinge, sondern immer um ihn herum“

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Das World Datanomic Forum Auf dem Weg zu einer gerechteren Welt durch Daten.

Interesse gerechter zu investieren und zu handeln. Nehmen wir beispielsweise das politische System eines Staates. Oft waren es die herrschenden Klassen, die viel Geld hatten. Parallel sind die Menschen, die nicht dazu gehörten, teilweise auf der Straße gestorben. Das ist natürlich unmenschlich. Doch bevor sich solche Systeme zu sozialen Systemen verändern konnten, gab es immer einen Anstoß durch eine Idee oder eine Motivation. Und deshalb

Foto: Johannes F. Räbel

„Das wichtigste Learning war, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen“ brauchen wir auch heute eine neue Motivationswelle. Welche Business Idee steckt hinter dem Konzept und wo steht ihr bei der Umsetzung? Vorneweg: Ich bin nicht der CEO. Karsten Simons, wird eine leitende Funktion einnehmen. Er ist der Regional Manager Corporate Affairs Europe, CIS, Russia and Israel bei Cisco. Das Datanomic System Engineering, wie wir den Bau von Prototypen bezeichnen, soll Firmen und Städten beim Umbau, der Evaluation und der Erhe-

Ziel des World Datanomic Forums ist es, gemeinsam mit seinen Mitgliedern, die Welt anhand von Daten positiv zu verändern. Dabei sollen neuartige, zukunftsweisende Geschäftsmodelle entstehen sowie neue Erkenntnisse für wegweisende Innovationen in allen Bereichen wie Umwelt, Bildung, Ernährung, Gesundheitswesen, Verwaltung & Management und der industriellen Fertigung gewonnen werden. Das World Datanomic Forum richtet sich an Unternehmer, Investoren, Existenzgründer, Ministerien und politische Institutionen, supranationale Entscheidungsgremien und multinational operierende Firmen. Die Partner und Mitglieder des Forums werden durch eine Art Datenbank, die sogenannte „digitale ‘Auster’“, vernetzt. Gemeinsam soll eine wegweisende intelligente Datenplattform entwickelt werden, um Daten aus den unterschiedlichsten Datenquellen der Mitglieder, Partner und Kunden (Stichwort: Internet der Dinge, von öffentliche Statistikdaten sowie von Mitgliedern aus der Forschung und der Privatwirtschaft) miteinander zu verbinden und anonymisiert in Form von Auswertungen, Simulationen von Trends und zukünftigen Entwicklungsmustern für Arbeiten an der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Neben der digitalen Vernetzung sind zahlreiche Events (unter anderem auf dem Schloss Neuschwanstein), regionale Foren sowie Datathons, also kurzzeitige, partizipative Events, geplant. Neben diesen Aktivitäten ist ein Company Builder in Vorbereitung, in dessen Rahmen validierte Geschäftsmodelle gemeinsam mit einem Netzwerk an Co-Investoren ausgebaut werden sollen. Dieser Company Builder wird neben dem World Datanomic Forum Design auch von Design Thinkern des Hasso-Plattner-Instituts begleitet und soll neue Wege für modernes Management, basierend auf fundierten Datenanaylsen, eröffnen. Das World Datanomic Forum wurde 2017 von Paula Schwarz und Karsten Simons (Cisco Systems) initiiert.

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An wen richtet sich Datanomics? An jeden. Man könnte genauso gut fragen, an wen sich die Wirtschaft richtet. Wir sind alle ein Teil davon, aber zur Zeit macht jeder was er will. Unternehmertum soll und muss aber auch immer dem Gemeinwohl dienen. Wir arbeiten mit Investoren, die mit dem etablierten System nicht einverstanden sind und die uns eine Chance geben wollen, die Potenziale unserer Prognosen zu beweisen. Außerdem spielen Universitäten eine Rolle, um die Arbeit an dem Datanomics-Prinzip zu vertiefen und um es für Studenten verständlich zu machen. Ich lektoriere beispielsweise in Kürze an der Uni Mannheim zu Datanomics. Ein überzeugendes Argument ist dabei die Erkenntnis, dass Geld alleine nichts bringt. Das holt die

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Menschen ab. Ich habe es mit vielen Investoren zu tun, die regelmäßig hohe Summen in soziale Projekte investieren. Über diese Projekte wird dann wohlwollend auf einer Gala gesprochen. Fertig. Letztendlich fütterst du ein kaputtes System. Das Geld für die sozialen Projekte wird oft durch schlimme Firmen erwirtschaftet. Man bewegt sich innerhalb eines intransparenten Systems. Sobald du aber datenbasiert begreiflich machen kannst, wie das gesamte System durch deine persönlichen Entscheidungen verbessert werden könnte, hast du etwas erreicht.

„Du fütterst ein kaputtes System“ Es gibt das Forum erst seit 2 Monaten. Wie habt ihr es geschafft, so schnell zu wachsen? Einerseits sind die Projekte, die wir bereits umsetzen, schon recht profitabel. Andererseits haben unsere ersten Unternehmungen auch unsere Botschaft und Haltung weitergetragen. Ich habe das Prinzip des World Datanomic Forums in der Meditation entwickelt, als ich mich nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise für zwei Monate zurückgezogen hatte. Das Projekt hat dadurch eine innere Ruhe gewonnen, auch wenn es manchmal heiß hergeht. Außerdem haben dank Transparenz sowie

Foto: Johannes F. Räbel

bung von Daten helfen. Wir arbeiten dazu mit drei großen Deutschen Städten zusammen. Smart Cities sind hierbei ein großes Thema. Estland hat 60 Prozent seiner Staatsausgaben dank Digitalisierungseffekten eingespart. So gesehen helfen wir verschiedenen Akteuren dabei, Strukturen neu zu denken oder gerechter aufzubauen, um den Eintritt in ein neues Zeitalter der Wirtschaft einzuleiten. Unsere Rolle kann man sich vereinfacht als eine Art Beratungsleistung vorstellen. In der Anfangsphase werden wir dabei von einer genossenschaftlich organisierten Bank finanziell unterstützt. Aber wir machen auch schon eigene Umsätze, indem wir als Community durch den datengetriebenen Fonds Trinnacle auf die richtigen Trends setzen. Das erste World Datanomic Forum wird dann aller Vo­raussicht nach in einem Schloss in Bayern stattfinden. Das wird sicherlich aufregend, da wir auch dort sehr spannende Partner mittels Datenanalyse miteinander in Kontakt bringen werden.


TITELSTORY ehrlicher Kommunikation wirklich gute Leute zueinander gefunden. Hat man ein Argument, dann kann man es einbringen und wird eingeladen es auch zu belegen. Dabei gehen wir offen und einfach vor und haben keine „Besserwisser Attitüde“. Um Märkte zu verstehen, da muss man kein Sakko tragen. Crypto und Datenfonds kann man auch mit Sneakers, Cap und Jogginghose machen, wenn man will.

„Wir brauchen eine neue Motivationswelle“ Was planst du für 2018 und was muss am Ende des Jahres passiert sein, damit es ein gutes Jahr war? Um den Markt zu verändern, muss man ihn verstehen. Der beste Beweis dafür sind unsere Ergebnisse und Prognosen, die auf Grundlage von Daten geschaffen werden. Durch Daten lernen wir, zu verstehen. In Zukunft wollen wir inspirierte Menschen beraten und Führungs-

kräfte finden, die sich selber nicht zu ernst nehmen, neugierig sind und dazulernen wollen. Dabei haben wir große finanzielle Ziele für die nächsten Jahre. Wenn man den Markt ändern will, muss man aber zunächst die Regeln beherrschen. Durch Prototyping und die Einladung zu Co-Investments bieten wir unserer Community die Chance, hier mitzugehen. Die Meetings des World Datanomic Forums sind dabei im Sinne der Verbindung von „Bewusstsein und Daten“ organisiert. Der Mensch soll Mensch bleiben. Oder vielmehr wieder mehr Mensch werden. Meditation und die Förderung ehrlicher Emotionen sind für die Community und mich sehr wichtig. Emotionale Intelligenz, Kommunikation und gewaltfreie Konfliktlösung sind nur ein paar der Schlagworte, auf die wir setzen. Am Ende ist emotionale Ehrlichkeit auch eine Information. Der Empfänger muss lernen, mit ihr umzugehen und sie produktiv zu nutzen. Viele Führungskräfte müssen aber noch lernen, ihr Wissen zu teilen und Menschen zu befähigen. Durch Intransparenz hält man vielleicht kurzfristig an der Macht fest, aber es macht keinen Sinn, alles lenken zu wollen, wenn man stattdessen gemeinsam mit anderen gesunde Entscheidungen treffen kann. Man sollte sich darauf konzentrieren, ein schönes Leben zu haben und seinen Leidenschaften nachzugehen. Das geht schon heute und es ist gut für die Welt. Das wird auch unsere Botschaft für 2018 bleiben. Daher rufen wir zu einer besseren Zukunft mit mehr Profit, Glück und Gemeinwohl für alle auf. ▪

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1 | Impulsvortrag von Paula bei der Bundeszentrale für politische Bildung ein Jahr nach Angela Merkels „Wir schaffen das!“ 2 | Paula zeigt Profil – heute nicht mehr als Model, sondern mit ihren sozialen Projekten. 3 | Ankunft der Containerklinik mit Übersetzungsservice in 70 Sprachen auf der Insel Samos (powered by Cisco, MLOVE und Startup Boat)

4 | Auf visionären Events wie dem Gamechanger formte Paula Synergien mit Stars wie Forest Whitaker (Star Wars) 5 | Beim Burning Man schaltet die Unternehmerin ab 6 | Paula mittendrin bei einem Workshop über Extreme Prototyping im Ted Format an der Akademie der Deutschen Bahn 7 | Mit dem Startup Boat fing alles an: hier beim ersten Startup Boat Trip

8 | Das erste Startup Boat Event auf den Philippinen in Kooperation mit dem Impact Hub in Manila 9 | Unterwegs als Teil der „Burners without Borders“ Community, dem humanitären Arm von Burning Man 10 | Technologie ist ihr Steckenpferd: Präsentation von Prototypen in München 11 | Paula beim World Economic Forum

Foto: Paula Schwarz, Alina Rudya

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Im Forum der Halle 17 erleben Besucher Unternehmenspräsentationen, Fachvorträge und Diskussionsrunden.

„Alles, was Startups inhaltlich weiterbringt“ Die HANNOVER MESSE wird zum Pflichttermin für Start­ups. Bernhard Spitzenberg, Project Director, über die vielfältigen Möglichkeiten, die die Plattform Young Tech Enterprises den Startups und etablierten Unternehmen bietet.

Was erwartet Startups auf der HANNOVER MESSE? Mit dem Startup-Programm Young Tech Enterprises bauen wir die Brücke zwischen New und Old Economy. Wir erleichtern Start­ups somit den Zugang zu etablierten Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, großen Industriekonzernen und Investoren, die traditionell die Messe besuchen. Wir sehen Young Tech Enterprises nicht unbedingt als klassische Investorenplattform, sondern eher – ganz im ursprünglichen Sinne einer Messe – als eine tolle Möglichkeit, sich vor der internationalen Industrie zu präsentieren, ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Welche Unterstützung liefert ihr jungen Unternehmen? Wir unterstützen Startups bei den Messevorbereitungen und bieten ihnen einen kompletten Stand, der nur noch bezogen werden muss. Wir sorgen für eine professionelle Präsentation, damit sie als Aussteller einer großen Industriemesse wahrgenommen werden und auf Augenhöhe mit den internationalen Corporates agieren. Neben der Messebeteiligung holen wir bekannte Formate aus dem Startup-Umfeld in die Halle 17, dazu zählen etwa täglich zwei Pitch-Sessions. Darüber hinaus organi-


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Fotos: Deutsche Messe AG

sieren wir das Forum mit einem vielfältigen Programm aus Unternehmenspräsentationen, Fachvorträgen und Diskussionsrunden – kurz: alles, was Startups inhaltlich weiterbringt. Wie ist die Resonanz der Teilnehmer? Young Tech Enterprises findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Die Resonanz aus dem Startup-Umfeld war von Beginn an sehr positiv. Die Idee, auf einer so großen Messe Kontakte zu großen Industriefirmen zu finden, ist offensichtlich sehr attraktiv. Im letzten und vorletzten Jahr waren deshalb mehr als 100 Startups vertreten. Mit der gleichen Zahl rechnen wir auch in diesem Jahr. Zusätzlich sind Startups aber auch in anderen Hallen als Einzelaussteller, über Verbände und Länder vertreten. Die bunte Mischung und vielfältigen Teilnahmemöglichkeiten zeigen, dass es interessant ist, sich zu präsentieren. Die vielen Anmeldungen für unsere Pitch-Sessions belegen das. Auch von unserem Partner, dem Bundesverband Deutsche Startups, hören wir, dass die Gruppe der Startups aus dem Technologieumfeld nicht nur wächst, sondern auch zunehmend Events wie große Technologie-Messen im Fokus hat. Wenn dann mit einer Plattform wie Young Tech Enterprises eine kostengünstige Möglichkeit zur Teilnahme gegeben wird, ist das aus Sicht der Startups sehr zu begrüßen. Welche Event-Highlights für Startups gab es in den vergangenen Jahren? Ein spezielles Event kann ich schwer nennen, da gerade die Mischung aus vielen unterschiedlichen Veranstaltungen und Themen den Erfolg der HANNOVER MESSE generell und von Young Tech Enterprises im Speziellen ausmacht. Kreativ war zum Beispiel im vergangenen Jahr ein Event des niederländischen Start­ up-Netzwerks StartupDelta, die einen Accelerator-Wettbewerb bei uns abgeschlossen haben. Das Pitching-Event wurde in einem Boxring präsentiert, in dem zwei Startups gegeneinander angetreten sind. Für uns persönlich zählen alle Rückmeldungen von Startups und Corporates, denn das bedeutet, dass die Angebote ankommen. Auf welche Events können sich Startups in diesem Jahr besonders freuen? Wir als HANNOVER MESSE versuchen eher horizontal zu denken und möglichst viele Themen abzudecken. Highlights werden da-

Besonderer Pitch: Bei Young Tech Enterprises 2017 trafen Startups im Boxring aufeinander.

Die HANNOVER MESSE unterstützt Startups im Rahmen der Young Tech Enterprises mit Messevorbereitungen und einem bezugsfertigen Messestand.

durch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Spannend für viele Teilnehmer dürfte unser Forum zum Thema Industrie 4.0 sein. Da sprechen und diskutieren namhafte und für die Zielgruppe interessante Leute. Das gleiche gilt für das Forum Energie. Was das Thema Netzwerken betrifft, da fällt mir spontan die Night of Inno­vations am Montagabend ein. Startups treffen dort auf Spin-offs von Universitäts- und Forschungsinstituten. Gleichzeitig sind auf dem Event auch Leute unterwegs, die für Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten. Ich würde einfach empfehlen, einen Blick in unser Programm zu werfen und nach Themen zu schauen, die mich als Startup direkt ansprechen. Da kommen vermutlich eher fünf bis sechs spannende Programmpunkte zusammen statt einem bestimmten Highlight. Stemmt ihr die Young Tech Enterprises allein oder habt ihr Partner? Wir haben zwei große Partner für die Organisation und Umsetzung. Da ist zum einen der Bundesverband Deutsche Startups, der uns neben seinem Netzwerk auch seine Expertise zur Seite stellt, damit das Event inhaltlich und organisatorisch für Start­ ups passt. Unser zweiter Partner ist die Kommunikationsagentur factum PR aus München, die sich auf die Unterstützung von Startups zum Beispiel bei der Pressearbeit spezialisiert hat. Mit diesem Team haben wir viel konzeptionell zusammengearbeitet, beispielsweise bei der Organisation unseres Forums. Wie wird sich die Young Tech Enterprises entwickeln? Aufgrund der jährlich steigenden Nachfrage – von den Startups selbst sowie von Investoren, Förderungsnetzwerken, Inkubatoren und größeren Ausstellern – erweitern wir das Programm. So wird es beispielsweise im nächsten Jahr zwei zusätzliche Ausstellungsflächen in den Bereichen Energie und Logistik geben. Mit diesen Ergänzungen bauen wir eine Brücke zur CeMAT, die im kommenden Jahr als Weltleitmesse für Intralogistik und Supply Chain Management parallel zur HANNOVER MESSE veranstaltet wird, sowie zur HANNOVER MESSE-Fachmesse Energy.

HANNOVER MESSE 2018: 23.–27. April Die HANNOVER MESSE erweitert ihr Startup-Programm Young Tech Enterprises. Der Hauptstand ist in der Halle 17. Zusätzliche Ausstellungsflächen wird es in den Bereichen Energie und Logistik geben. Die Anmeldung für die Young Tech Enterprises läuft. Eine Registrierung ist unter hannovermesse.de/de/yte möglich.


Foto: Peshkova/iStock

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HANDSHAKE ANONYMOUS Wie die Blockchain die Wirtschaft transformiert: dezentral, transparent, autonom Von Nils Lennard Behrens

Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft sind auf der Suche nach Instrumenten, um Effizienzsteigerungen zu fördern und Kosten zu minimieren. Kaum eine Technologie fesselt unsere Vorstellungskraft dabei mehr, als die Blockchain. Die Unternehmensberatung Gartner hat die Blockchain im Jahr 2017 erstmals in ihre populäre Trendstudie “Gartner Hype Cycle” aufgenommen. Die Technologie ist auf dem Sprung zum Massenphänomen, obwohl vielen das ihre disruptive Energie noch schwer fällt. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Die Blockchain-Technologie ist stark vereinfacht ein dezentral geführtes Verzeichnis. Tausende Kopien liegen auf Computern weltweit. Aufgabe dieses Verzeichnisses ist es, Transaktionen zu validieren. Die geläufigsten Transaktionen sind derzeit das Senden und Empfangen von Geldbeträgen: Dabei speichert die Blockchain alle relevanten Daten wie Höhe, Auftraggeber oder Empfänger und sendet diese zur Validierung an die Computer, die ihrerseits Kopien der Datenbank besitzen. Dort wird geprüft, ob die Transaktion den Kriterien der Kopien entspricht und auf ihnen aufbaut. Es ist, als würden hunderte Zeugen bei einer Geldübergabe die Einhaltung aller Bedingungen bestätigen. Anschließend erfolgt die automatische Autorisierung. Für all diese Schritte benötigt die Blockchain weder

Banken noch zentral geführte Unternehmen. Jede neue Transaktion ergänzt die Einträge der Datenbank, die anschließend unveränderbar sind. Die disruptive Kraft auf Mittelsmänner wie Bänker, Notare oder Zollbeamte kann man nur erahnen. Dazu Dr. Nils Urbach, Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Bayreuth: „Durch die Blockchain werden in vielen Fällen Intermediäre überflüssig, denn die Blockchain automatisiert ganze Geschäftslogiken.”

„Blockchain fordert uns auf, Geschäftsprozesse neu zu denken“ Jenseits des Bankings Aufgrund ihrer Architektur kann die Blockchain Vertrauen technisch herstellen, wo dies bisher unmöglich war. Plötzlich können Akteure miteinander ins Geschäft kommen, die einander nicht kennen. Völlig anonym. Doch die

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Auswirkungen greifen noch tiefer: Mit der Blockchain kann erstmalig Besitz digital nachvollzogen werden. Konnte man Dateien bislang unendlich oft duplizieren, gibt es im System der Blockchain nur noch einen Besitzer. Die Blockchain erlaubt es, den Besitz von Bildern, Content oder mp3-Dateien zu validieren, wodurch sich auch Raubkopien identifizieren lassen. Das Berliner Blockchain-Startup Ascribe beschäftigt sich mit der Verifizierung von digitaler Kunst und fügt ihnen einen “Fingerabdruck” hinzu, der sie individualisiert. Masha McConaghy, CCO des Unternehmens, verdeutlicht die Relevanz der Blockchain am Beispiel der luxuriösen Fabergé-Eier der Romanovs, die einen Wert von bis zu zehn Millionen Euro haben: „Bis zur Oktoberrevolution 1917 befanden sich diese Kunstwerke im Besitz der russischen Zarenfamilie und wurden anschließend von Kommunisten ins Ausland verkauft”. Acht Exemplare blieben verschwunden. „Erst im Jahr 2012 wurde eines auf einem Trödelmarkt wiederentdeckt. Experten konnten die Echtheit bestätigten”. Ascribe nutzt die Blockchain-Technologie, um digitale Kunst zu bestätigen, Originale zu kennzeichnen oder Lizenzen zu erteilen. So wird der Besitz transparent. Am Beispiel der Fabergé-Eier wäre dieses Vorgehen gleichzusetzen mit tadelloser Buchführung über Besitzer, Rechtmäßigkeit des Besitzes, oder gar Standort und Wert – als hätte jemand 100 Jahre darüber gewacht.

Ein Ticket für die Zukunft Auch Konzerttickets sind mit Problemen behaftet, deren Lösung wir in der Blockchain finden können. Ob Verlust, Diebstahl oder Schwarzmarkt, sie können den Besitzer wechseln, ganz gleich ob sie auf Papier gedruckt sind oder digital vorliegen. Auch der Wert bemisst sich nicht ausschließlich durch den Vorverkaufspreis, sondern anhand von Marktpreisen. Ein Ticket für ein Konzert der Rolling Stones kann auf dem Schwarzmarkt auch mal 5.000 Euro kosten. Dank „Smart Contracts”, also Computerprotokollen, die Vereinbarungen zwischen Parteien abbilden und auf ihre Einhaltung überprüfen, werden Transaktionsbedingungen definiert. So können Konzertveranstalter verhindern, dass überhöhte Preise auf dem Schwarzmarkt gefordert werden oder im Falle des Verlustes einer Karte für Ersatz sorgen, denn aus dem anonymen Serienprodukt wird dank Blockchain ein Unikat, dessen Eigentumsrechte transparent sind. Für ein Konzert der deutschen Elektro-Pioniere Kraftwerk in Moskau gab es bereits Tickets auf Blockchain-Basis. Erstmals in der Geschichte des Konzert-Geschäfts wurden sie für eine solche Großveranstaltung auf diese Weise angeboten.

Verlorener Schatz: das goldene Fabergé-Ei der Romanovs

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Blockchain verbindet Auch vor der Flugbranche macht die Blockchain keinen Halt: Seit

Fotos: Shutterstock: Wartner

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einiger Zeit wird die Technologie von dem Startup InsureETH genutzt, um die komplexen Prozesse bei der Erstattung und Umbuchungen bei Flugausfällen oder -verspätungen einfach und transparent zu gestalten. Haben Fluggäste bei dem Anbieter eine Versicherung abgeschlossen und einen Anspruch auf Entschädigung, wird diese automatisch ausgezahlt. Die Firma nutzt von der Blockchain verifizierte Flugdaten, um festzustellen, ob ein Versicherungsfall eingetreten ist. Auch die Lufthansa experimentiert mit der Blockchain. Man kooperiert unter Anderem mit dem Schweizer Startup Winding Tree, das an einem dezentralisierten B2B-Marktplatzsystem zur Reorganisation des Reisevertriebs arbeitet. Winding Tree ermöglicht Reisebuchungen, die nicht wie bisher durch zentrale Plattformen gehostet werden. Die Kunden des Services können auf Basis der Blockchain direkt auf die Angebote von Reisedienstleistern zugreifen, wodurch die sonst üblichen Kosten der Zwischenhändler entfallen. Startups profitieren von der Dezentralisierung des Reisemarkts, denn verringerte Eintrittsbarrieren und erhöhte Sichtbarkeit am Markt ermöglichen es jungen Unternehmen, mit den Großen in Konkurrenz zu treten. Das Ziel der Kooperation ist es jedoch nicht, etablierte Unternehmen abzulösen. Stattdessen möchte Maksim Izmaylov, CEO von Winding Tree, etablierte Unternehmen für die Blockchain begeistern. „Nicht nur Startups profitieren von der Zusammenarbeit in der Blockchain”, weiss auch Joachim Lohkamp, Schatzmeister des Vorstands des Blockchain Bundesverbands. „Vor allem Corporates werden in die Lage versetzt, mit innovativen Partnern neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Die Blockchain bildet mit ihrem eigenen Vertrauensmechanismus das Rückgrat für diese Entwicklung.”

„Wir sprechen vom Wandel zum Internet der Werte“ Im Zentrum des Handels Auch der Handel steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Bereits im Juni 2016 starteten IBM und Maersk, der weltweit führende Anbieter von Containerlogistik, eine Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer Blockchain-Technologien. Inzwischen wurde eine gemeinsame Digitalisierungsplattform für den globalen Handel gestartet. Dabei erhöhen Blockchain-basierte Versandinformationen die Sichtbarkeit in der Lieferkette, Frachtund Zollpapiere werden digitalisiert und sicher über Organisationsgrenzen hinweg eingereicht. Smart Contracts stellen sicher, dass alle erforderlichen Unterlagen vorhanden sind. Dadurch lassen sich Genehmigungen beschleunigen und Fehlerquoten minimieren. „Unser Joint Venture mit Maersk bedeutet, dass wir die Einführung dieser aufregenden Technologie mit den Millionen von Organisationen beschleunigen können, die eine entscheidende

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BLOCKCHAIN Rolle in einem der komplexesten und wichtigsten Netzwerke der Welt, der globalen Lieferkette, spielen.“, erläutert Bridget van Kralingen, Senior Vice President von IBM Global Industriy Platforms beim Launch des Projekts. Seit Markteintritt haben Institutionen wie DuPont, Tetra Pak, die Zollverwaltung der Niederlande und sogar der US-amerikanische Grenzschutz interesse an dem Projekt bekundet. Doch wo wird die Blockchain-Technologie für den Nutzer sichtbar? „Man kann Blockchain mit der TCP/IP-Technologie des Internets vergleichen”, beschreibt Urbach. „Bei der Mehrzahl der Anwendungsfälle wird sie als Infrastruktur-Technologie im Hintergrund eingesetzt, die der Nutzer nicht sieht. Und dennoch haben sich durch das Internet sehr mächtige Anwendungsfälle entwickelt”, resümiert Joachim Lohkamp. Er ist überzeugt, dass wir mit der Blockchain Einschränkungen ökonomischer und sozialer Interaktion über die Grenzen einzelner Plattformen hinweg überwinden können und Identitäten, Zugangsrechte und Transaktionen künftig über dezentrale Datenbanken der Blockchain abgebildet werden können. Es werden sich ganze Ökosysteme von Diensten auftun, die vorher nicht existieren konnten. Ihr Potenzial sei immens: hohe Sicherheitsstandards, minimale Kosten und kein Bedarf an IT-Abteilungen oder Rechenzentren. „Mit ihren Smart Contracts kann die

Blockchain-Technologie sogar eine Grundlage für dezentralisierte, autonome Organisationen bilden. Vielleicht sogar für Organisationen ohne Management und Mitarbeiter – vollständig durch Codes gesteuert”, philosophiert Mark van Rijmenam, Autor des Buches `Think Bigger: Developing a Successful Big Data Strategy for Your Business´. Mut zur Innovation Aktuell steckt die Blockchain-Technologie natürlich noch in den Kinderschuhen. Sie fordert uns auf, Geschäftsprozesse neu zu denken und auszugestalten. „Dabei geht es weniger um eine Dämonisierung bestehender Systeme, sondern vielmehr darum, die Grenzen und Schwächen dieser Systeme zu kennen und die Möglichkeiten von Blockchain für neue Geschäftsmodelle zu nutzen, um ein besseres Web 3 zu bauen”, weiss Joachim Lohkamp. Wie stark der revolutionäre Charakter der Blockchain ist, bleibt abzuwarten. Klar ist bereits heute, dass sie enorme Potenziale in sich trägt und die globale Wirtschaft effizienter und transparenter gestalten kann. Es erfordert jedoch Zeit, eine Bereitschaft zur Akzeptanz zu entwickeln, damit die Revolution Blockchain auch wirklich im Alltag der Menschen und Unternehmen ankommt und dort erfolgreich funktionieren kann. ▪

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EVOLUTION DES INTERNETS Ein Kommentar von Joachim Lohkamp

Der Blockchain Bundesverband ist überzeugt, dass Blockchain und ähnliche, auf Kryptografie basierende dezentrale Technologien die grundlegenden infrastrukturellen Innovationen darstellen, um eine digitale Ökonomie auf demokratischen Strukturen in Deutschland Wirklichkeit werden zu lassen. Blockchains werden die treibende Kraft hinter dem nächsten Evolutionsschritt des Internets sein, dem sogenannten dezentralisierten Netz oder auch dem Internet der Verträge und Transaktionen. Da die Blockchain Vertrauen zwischen zwei unbekannten Teilnehmern ermöglicht, birgt sie das enorme wirtschaftliche Potenzial jegliche Geschäftsmodelle zu verändern, die auf Dienste von Intermediären angewiesen sind, um Vertrauen zwischen Vertragspartnern zu gewährleisten. Diese neue Transparenz hat das Potenzial ein vollkommen neues Bewusstsein für Daten zu schaffen, da nachvollziehbar wird, wer zu welchem Zweck Daten verändert. Nachdem Deutschland in den vergangenen Jahren viele wichtige technologische Innovationen zu spät erkannt hat und zum Beispiel kein globaler Player der Plattformökonomie aus Deutschland kommt, sieht es bei Blockchain Startups aus Deutschland zurzeit sehr vielversprechend aus. Mit seiner großen Blockchain Community hat Deutschland das Potenzial, eine weltweite Führungsrolle im Aufbau neuer Geschäftsmodelle einzunehmen. Um diese Potenziale zu heben, muss vor allem Rechtssicher-

Fotos: Jolocom

Blockchain Bundesverband Erst im Juni 2017 gegründet, geht der Blockchain Bundesverband eine Thematik an, die in den kommenden Jahren entscheidend für die deutsche Ökonomie sein könnte: die Blockchain Technologie. In einem ersten Positionspapier wurden die drängendsten Fragen an die Politik formuliert. Im Vorstand des Verbands finden sich neben dem Schatzmeister Joachim Lohkamp Präsident Florian Glatz und Generalsekretärin Dr. Friederike Ernst. bundesblock.de

JOACHIM LOHKAMP Er ist der Schatzmeister des Blockchain Bundesverband. Mit Wissen um die Technologie und Blick auf die Vision des Verbands verdeutlicht er Akteuren aus Politik und Wirtschaft den Wert der Technologie, um eine Brücke in die Zukunft zu schlagen. bundesblock.de

heit geschaffen werden. Bei einer Technologie, die Verträge und Transaktionen ermöglicht, ist Rechtssicherheit die wichtigste Voraussetzung für Erfolg. Wenn es Deutschland gelingt, unter anderem rechtlich belastbare elektronische Identitäten und Schnittstellen zu öffentlichen Datenbanken zu ermöglichen, dann können diese Innovationspotenziale realisiert werden. Die Politik kann durch gezielte Maßnahmen in der nächsten Legislaturperiode Zeichen setzen, die die internationale Anziehungskraft des Innovationsstandorts Deutschland entscheidend erhöhen. Deutschland ist weltweit führend in der Verwaltung, der Wahrung der Privatsphäre, ist eine treibende Kraft in der Standardisierung und hat mit dem BGB einen regelrechten Exportschlager geschaffen. Die Möglichkeiten der Blockchain sind eng verbunden mit dem, was Deutschland als Marke international repräsentiert, Rechtssicherheit in Deutschland wäre aus diesem Grund ein absoluter Standortvorteil.

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DOMINIK SCHIENER

Dominik Schiener ist Co-Founder von IOTA. die M2M-Bezahlung fĂźr Services mit Micropayments im Internet of Things entwickelt hat.

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Fotos: Philipp Primus

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OWN YOUR DATA! Im Gespräch mit Dominik Schiener über den Wert unserer Daten und kommende Möglichkeiten, mit ihnen zu handeln.

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Das Gespräch führte Nils Lennard Behrens

Dominik, erzähle mal von IOTA: Was genau macht ihr und welche Probleme löst IOTA? Das Ziel von IOTA ist die Schaffung einer Machine Economy. Wir haben das Unternehmen im Jahr 2015 entwickelt, weil wir realisiert haben, dass die Blockchain-Technologie mit fundamentalen Problemen wie Minern oder Transaktionskosten kämpft. Dazu wollten wir einen Gegenentwurf auf den Markt bringen. Beim Aufbau des Unternehmens stellten wir fest, dass es im Internet der Dinge eine Lösung braucht, um die Abwicklung von Transaktionen zwischen Maschinen zu ermöglichen. Also geht euer Anspruch über die Schaffung einer Blockchain hinaus? Der Unterschied zwischen IOTA und der Blockchain-Technologie ist, dass die Blockchain eine eindimensionale Kette ist – Block after Block after Block, alles von Computern bestätigt. Deren einziges Ziel ist es, Kryptowährungen zu schürfen. Jeder, der hingegen in unserem Netzwerk eine Transaktion ausführt, nimmt am Validierungsprozess teil und bestätigt zwei Transaktionen in der Historie. Die Netzwerkteilnehmer sind so aktiv an der Konsolidierung und der Sicherheit des Systems beteiligt. Was bedeutet das für den Anwender? Wir gewährleisten Datenintegrität, ohne dass der Anwender Transaktionskosten bezahlt. Das funktioniert, da an unserem System keine Miner beteiligt sind, die entschädigt werden. Durch diesen Verzicht ist IOTA ein gutes Protokoll für Micropayments, das ist ein technologischer Vorteil. Was ist der Zusammenhang zwischen Micropayments und Transaktionskosten? Micropayments sind Zahlverfahren geringer Summen, die vor allem beim Kauf von digitalen Gütern wie Datensät-

zen anfallen. Diese Cent-Beträge sind unrentabel für Unternehmen, weil die Transaktionskosten oft höher sind, als der geforderte Betrag selbst. Welche Art von Daten macht IOTA handelbar? Ziel ist es, Daten zu handeln, die Unternehmen oder Konsumenten als wertvoll einschätzen. Das können einerseits Rohdaten sein, die direkt von einem Sensor einer Maschine kommen und noch nicht ausgewertet wurden, andererseits auch ausgewertete Daten oder Informationen. IOTA verfolgt einen agnostischen Ansatz, der Datenintegrität gewährleistet und Micropayments ermöglicht. Die Ausgestaltung des Handels überlassen wir Käufern und Verkäufern. Wie sieht der Datenhandel in Zukunft aus? Erstmals in der Geschichte der Menschheit sind wir in der Lage, ein Micropayment pro Datenpaket zu verlangen. Wir stellen uns vor, dass jede Maschine künftig in der Lage ist, gesammelte Daten an andere Maschinen, Personen oder Institutionen zu verkaufen. Wie das auf einem Datenmarktplatz funktionieren wird, ist geknüpft an die Möglichkeiten, die sich mit der Entwicklung von Machine Learning und künstlicher Intelligenz ergeben. Ihre Algorithmen müssen spezifizieren, welche Datensätze sie kaufen möchten. Diese werden dann auf dem Datenmarktplatz angekauft und aufgearbeitet.

„Datenbezogene Tätigkeiten in Unternehmen werden immer wichtiger“ Kannst du ein Beispiel dafür geben? Nehmen wir an, nach einem Unfall möchten die Fahrzeuge in der Umgebung wissen, wo sie langfahren sollen. Diesen Unfall kann man an den Datenmarktplatz anbinden, andere Fahrzeuge bezahlen für diese Information und können die Stelle umfahren. Eines dieser Fahrzeuge möchte nun parken, doch Parkplätze in der Stadt sind rar. Anhand von Sensoren können Fahrzeuge passende

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BLOCKCHAIN Flächen scannen oder beim Verlassen des Parkplatz melden, dass die Fläche frei ist. Diese Daten werden am Marktplatz angeboten. Ein anderes Auto erwirbt sie und kann dort parken. Mit effizientem Datenfluss können wir unsere Umwelt besser gestalten. Derzeit arbeiten wir mit dem International Transportation Innovation Center (ITIC) an einem Projekt zum Test der Anpassung von Fahrzeugen an unbekannte Umgebungen, denn autonome Fahrzeuge sollen überall fahren können. Die Kooperation mit ITIC ermöglicht es, Sensoren in autonomen Fahrzeugen zu installieren, die Daten in Großstädten der ganzen Welt sammeln und an andere autonome Fahrzeuge verkaufen. Das stellt sicher, dass sich die Fahrzeuge an verschiedene Terrains und Umgebungen, egal ob Berlin oder Shanghai, anpassen können. Also können die Maschinen dann ohne manuellen Eingriff miteinander handeln? Ziel ist es, Interaktionen zwischen Maschinen zu automatisieren. Doch wir müssen uns auf die Richtigkeit der gehandelten Daten verlassen können. Unser Ansatz verbindet die Automatisierung des Internet der Dinge mit dem „vertrauenslosen Vertrauen” hinter dem Blockchain-Ansatz. Daraus entsteht Machine Independance, von der ganze IT-Environments, Unternehmen oder sogar Städte profitieren können. Wie können Unternehmen am Datenmarktplatz teilnehmen? Derzeit gibt es noch kein marktreifes Produkt. Gemeinsam mit 40 Unternehmen, unter anderem aus den Bereichen Mobilität, Energie, Supply Chain und Healthcare, fokussieren uns darauf, den Datenmarktplatz aus Business-Perspektive zu betrachten, um passende Anwendungsfälle zu identifizieren. Technische Probleme sehe ich noch in der Skalierbarkeit des Marktplatzes oder auch in der langfristigen Speiche-

rung von Daten. Andererseits stellt uns auch die europäische Datenschutz-Grundverordnung vor die Frage, wie wir personenbezogene Daten in unserem System verarbeiten können. Eine Marktreife planen wir für den Datenmarktplatz deshalb erst Ende 2018. Hast du bereits einen Eindruck davon, wer die Käufer auf diesem Marktplatz sind? Es sind Unternehmen, die Daten kaufen, um eigene Business-Modelle und Applikationen zu verbessern. Meiner Meinung nach wird ein Datenmarktplatz hauptsächlich B2B sein. Data is the new oil, soviel haben die Unternehmen bereits verstanden. Wird es irgendwann die Möglichkeit für Konsumenten geben, sich am Datenmarktplatz zu beteiligen? Ja, absolut. Unser Ziel ist es, den Konsumenten zum Prosumenten zu stilisieren. Das bedeutet, dass er neue Geschäftsmodelle aktiv mitgestalten und Geld verdienen kann, indem er die Daten seiner persönlichen Sensoren

„Herauszufinden, welche Daten man verkaufen will, ist sicherlich Prozent der Arbeit“ aus Mobiltelefon, Smartwatch oder eben dem Auto zur Verfügung stellt. Doch wie können wir sicherstellen, dass die Daten, die der Konsument verkauft, auch valide sind? Das Problem der Datenqualität ist groß und kann derzeit nur durch manuelle Kontrollen gelöst werden. Künftig bedarf es aber Machine-Learning-Algorithmen, die konkret schauen, wo Abweichungen von erwarteten Werten bestehen. Wir müssen die Konzepte zunächst entwickeln und herausfinden, wie man sie skalieren kann, damit die Technologie massenkompatibel wird.

Datenspezialisten sind derzeit noch nicht in jedem Unternehmen vertreten. Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie in den Datenmarktplatz einsteigen wollen? Datenbezogene Tätigkeiten in Unternehmen werden immer wichtiger. Da gilt es, rechtliche und interne Richtlinien und Bestimmungen zu berücksichtigen. Diese Mit-

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Fotos: Philipp Primus

Haben wir ein gesundes Verständnis davon, was unsere Daten wert sind? Die kurze Antwort lautet Nein. Die meisten Leute wissen nicht, dass Facebook jedes Jahr ein- bis zweitausend Euro mit den Daten eines Nutzers verdient. Der Gegenwert ist jedoch für die meisten Personen attraktiv. Wie ich bereits sagte, auch in Fahrzeugen oder Smart Homes werden ständig Daten gesammelt. Doch nicht nur Privatpersonen sind davon betroffen, auch Unternehmen verstehen den Wert der Daten noch nicht. Ich bin sicher, dass 99 Prozent der Daten, die wir sammeln könnten, nicht verarbeitet werden. Selbst, wenn sie die eigene Industrie verbessern.


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arbeiter können im Unternehmen herausfinden, welche Daten gesammelt werden und wie man sie am Datenmarktplatz anbieten kann, denn das Potenzial ist branchenübergreifend immens. Künftig wird es sicherlich Agenturen geben, die sich auf Daten fokussieren und Unternehmen dabei unterstützen, diese aufzubereiten und zu verkaufen. Herauszufinden, welche Daten man verkaufen will, ist sicherlich 80 Prozent der Arbeit. Es muss die Frage nach der Validität der Daten geklärt werden, dazu braucht es Technik und Rechtssicherheit. Erst wenn man aktiv am Datenmarktplatz teilnimmt, müssen auch Marktwerte gefunden werden. Und wie sollten Unternehmen bei der Preisfindung vorgehen? Die Suche nach dem richtigen Preis für Daten ist schwierig. Doch der beste Weg ist Trial and Error. Ständig werden Daten gekauft und verkauft, meistens jedoch in größeren Paketen. Durch die Informationen, die man auch von diesem existierenden Markt erhält, kann man Preise für die eigenen Data Sets ableiten. Warum habt ihr eine Stiftung gegründet und wo steht ihr in eurer Entwicklung? Im Moment haben wir über 40 Mitarbeiter. Das Ziel ist, bis Ende 2018 mehr als 150 Leute an Bord zu haben. Unsere Stiftung verfügt über 500 Millionen Euro und wir haben viele Anfragen von Unternehmen. Wir möchten bis Ende 2018 eine Organisation mit Offices weltweit aufgebaut haben. Daher hat der Aufbau unserer internen Struktur Priorität. Wir arbeiten daran, die IOTA-Vision reifen zu lassen, speziell das globale Netzwerk.

er grat d Rü c k ls a g n h s Ta t sic IOTA ie. Da rsteh TA ve enökonom ionen mit O I : g kt un aschin ransa hreib äte Besc onomen M er Lage, T it Ger m a t d d , in au n t e is echn . dger abzur ln können glo, le-Le hren e ü d he b n c e Ivan uf ha Nullg v rgey f Abr e Popo u S i a , e ø n u Date nsteb d Dr. Serg ø S vid n er: Da chiener, a Gründ ik S in m 15 Do ro hr: 20 en Eu ngsja u d n illiard ü M 0 Gr 6 4 . : r : ca beite erung Mitar talisi i p a k t Mark rg iota.o eet .io d by h e r e pow

DATENMARKTPLATZ für smarte Fahrzeuge Nach einem Unfall meldet ein Fahrzeug den Standort des Vorfalls. Andere Fahrzeuge in der näheren Umgebung bezahlen den Informationsgeber und können die Unfallstelle umfahren.

Fährt ein Fahrzeug in einen Stau oder eine Baustelle, werden die Informationen zu Wartezeiten gespeichert. Andere Fahrzeuge in der näheren Umgebung bezahlen den Informationsgeber am Datenmarktplatz und können die Unfallstelle umfahren.

Ein Fahrzeug verlässt einen Parkplatz und bietet eine Information zu der Freifläche am Datenmarktplatz an. Andere Fahrzeuge auf Parkplatzsuche können für diese Information bezahlen und den Parkplatz bei Bedarf reservieren.

Ein Fahrzeug fährt zum Tanken eine Tankstelle an. Die Bezahlung für das Benzin erfolgt automatisch und wird zwischen Zapfsäule und Fahrzeug verrechnet, ohne dass der Fahrer eingreift.

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STADT-PIONIERE: CRYPTO VALLEY ZUG Zug in der Schweiz, wo Bitcoin Zahlungsmittel ist und Einwohner eine Blockchain-basierte ID erhalten. Ein Lagebericht von Dolfi Müller, Stadtpräsident von Zug

Crypto Valley Zug als Blockchain-Metropole In Zug haben sich in den letzten Jahren vermehrt Unternehmen niedergelassen, die auf kryptografische Anwendungen spezialisiert sind.

DOLFI MÜLLER

Seit 2007 ist Dolfi Müller der Stadtpräsident in Zug. Den Wandel zum Crypto Valley seiner Heimatstadt hat er in seiner Funktion hautnah miterlebt. Nach seiner Ansicht schließen sich disruptive Technologien und Tradition nicht aus. stadtzug.sp-zug.ch

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In Anlehnung an diese Entwicklung gaben Pioniere der Zuger Fintech-Szene Zug den Namen „Crypto Valley“. Den Anfang des Fintech-Booms bildeten die Ansiedlungen der Firmen Bitcoin Suisse, Ethereum und Monetas im Jahr 2013. Mittlerweile haben sich weitere Unternehmen mit internationaler Ausstrahlung wie Consensys, Lykke, Xapo und Wisekey in Zug niedergelassen. Um das Zuger Fintech-Cluster erfolgreich zu entwickeln, braucht es gut vernetzte Experten aus den verschiedensten Fachrichtungen, eine zukunftsorientierte Ausbildung und Forschung sowie wenig regulatorische Hürden. All dies bietet das Crypto Valley. Es ist ein erstklassiges Beispiel der Cluster-Dynamik am Standort Zug: Hier treffen innovative Startups auf etablierte Großunternehmen und Bildungsinstitute wie das IFZ und das Departement für Informatik der Hochschule Luzern. Aktuell haben sich allein im Jahr 2017 rund 200 Unternehmen neu im Kanton Zug und mehrheitlich in der Stadt Zug angesiedelt, die sich mit der Blockchain-Technologie beschäftigen.

Crypto Valley reicht bis ins Stadthaus Die Stadt Zug geht die digitale Transformation selbst aktiv an. Im Rahmen der „Stadtidee Zug“, einem Leitbild für Politik, Wirtschaft und Bevölkerung, befasst sich der Stadtrat seit 2015 intensiv mit verschiedenen Zukunftsfragen. Einen Themenbereich der Stadtidee bildet die Auseinandersetzung mit der Blockchain-Technologie. Diese hat nach Ansicht des Stadtrates auch für die Öffentliche Hand eine zunehmende Bedeutung, weshalb sie beschlossen, per 1. Juli 2016 Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Sämtliche kostenpflichtige Dienstleistungen der Einwohnerkontrolle bis zu einem Gegenwert von 200 Franken können seither am Schalter im Stadthaus mit Bitcoin bezahlt werden. Monatlich werden im Schnitt rund zwei Transaktionen durchgeführt. Die Bitcoins werden unmittelbar nach der

Fotos: Zug Tourismus, Stadt Zug

Trotz seiner vergleichsweise bescheidenen Größe hat sich in Zug eine ansehnliche Anzahl internationaler Firmen angesiedelt. Die Stadt verfügt zudem über einen überdurchschnittlich hohen Wohlstand. Vor allem Fintech-Unternehmen profitieren von der Nähe zu und dem Zugriff auf globale Märkte und den Finanzplatz Zürich, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz, die Privatsphäre sowie das dezentrale politische System. Gerade letzteres hat für Firmen, die mit der dezentral konzipierten Blockchain-Technologie arbeiten, einen hohen, nicht nur symbolischen Wert.


BLOCKCHAIN Ein Grundsatz der städtischen Digitalisierungsstrategie lautet: „Wir wollen Pioniere sein. Small and smart. Der konsequente Einsatz von digitalen Mitteln soll dies unterstreichen.“

Transaktion in Schweizer Franken umgewandelt, die Gefahr von Kursverlusten wird dadurch minimiert. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv, weshalb der Stadtrat das zunächst befristete Projekt auf unbestimmte Zeit verlängert hat. Der Entscheid führte weltweit zu einem unglaublichen Medieninteresse, das bis heute anhält. Die Stadt Zug konnte damit ein Zeichen gegenüber dem Fintech-Cluster in Zug setzen und zum Ausdruck bringen, dass die Unternehmen hier willkommen sind.

Digital ID on Blockchain

Zug ist eine erfolgreiche, globale Kleinstadt, zwischen Zürich und Luzern gelegen, mit rund 30.000 Einwohnern aus 127 Nationen. Rund 7.000 Firmen mit über 40.000 Arbeitsplätzen sind dort ansässig.

Seit dem 15. November 2017 bietet Zug allen Einwohnern die Möglichkeit, eine digitale Identität zu bekommen. Diese basiert auf einer App, die persönliche Informationen mithilfe der Blockchain sichert und mit einer Crypto-Adresse verknüpft. Die Einwohner registrieren ihre Identität dabei eigenständig über eine App. Anschliessend wird sie bei der Einwohnerkontrolle der Stadt Zug vor Ort beglaubigt. Heute liegt persönliche digitale Information ausschließlich bei großen Suchmaschinen und sozialen Netzwerken, die daraus Profit schlagen. Der Stadtrat von Zug ist überzeugt, dass eine selbstverwaltete, sichere und beglaubigte Identität für das Funktionieren einer immer digitaleren Gesellschaft unabdingbar ist. Das Prüfen und Beglaubigen der digitalen Identität sollte jedoch eine hoheitliche Aufgabe bleiben und nicht an private Organisationen abgegeben werden. In den nächsten Monaten sollen einfache neue Anwendungen der digitalen Identität auf Blockchain-Basis für Dienstleistungen der Stadtverwaltung entwickelt werden. Alle Abteilungen der Stadtverwaltung prüfen zurzeit mögliche Anwendungen.

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ENERGIEWENDE 2.0 Wuppertal macht es vor In der Silvesternacht eröffneten die Wuppertaler Stadtwerke als erster kommunaler Energieversorger einen Blockchain-basierten Handelsplatz für Ökostrom. Die Innovation muss sich jetzt beweisen, denn sie greift in eine technisch hochentwickelte, technisch fortgeschrittene Infrastruktur ein. Regulatorien und Institutionen setzen den Rahmen. Aber wie integriert sich eine Hochtechnologie mit ihren disruptiven Vorteilen in den komplexen Energiemarkt? Wie gestalten sich Geschäftsmodelle? Im Gegensatz zu reinen Finanztransaktionen mittels Kryptowährungen muss Energie real produziert und über die physische Netzstruktur geliefert werden. Blockchain kann in weitgehend autonomen Inselnetzen zum Peer-to-Peer-Handel eingesetzt werden wie einzelnen Gewerbegebieten oder neuen Stadtquartieren. Aber wie bewährt sie sich in einem kompetitiven Marktumfeld? Ist der Hype, von dem Blockchain-Anwendungen im Energiesektor derzeit getragen werden, gerechtfertigt oder

nur eine Blase? Welche Geschäftsmodelle bieten nachhaltigen Mehrwert? Die Entwicklung dezentraler Transaktionstechnologien schreitet zügig voran. Bald könnten komplexere Dienstleistungen und Verträge automatisch über die Blockchain oder ähnliche Protokolle abgewickelt werden. Die Wuppertaler Stadtwerke bewiesen Mut und die Machbarkeit einer Blockchain-Anwendung für die Energiewende 2.0. Christoph Burger, Jens Weinmann, ESMT Berlin

Blockchain an Licht aus? Workshop an der ESMT Berlin Use Cases aus dem Energiesektor

16. März 2018 www.t1p.de/vsbi

Die ESMT Berlin bietet zusammen mit InnoEnergy, Europas führendem Unternehmen für Innovation im Energiesektor, einen Workshop inklusive eines vorbereitenden MOOC an, um den konkreten Praxisfragen der Blockchain-Anwendungen nachzugehen. innoenergy.com | esmt.org

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NEW KIDS ON THE BLOCK Blockchain-Startups: ihr Markt, ihr Tech, ihr Block. Wenn Dinge Dinge tun

Click and shop on the block Der next Step im online Shopping: Wysker ist eine high speed window shopping experience, die Konsumenten für ihre Daten belohnt. Die App ist ein radikal neuer Ansatz für discovery shopping mit hauseigenem Token zur User Incentivisation. URL: wysker.com Gründer: Tobias Haag, Ann-Lauriene Haag und Kai Jaeger Mitarbeiter: 10

„Empowering the Economy of Things“ – Weeve ermöglichen die Ökonomie der Dinge durch die Kombination von IoT Geräten und Smart Contracts. Daten werden automatisch,einfach und sicher über die Weeve Hardware an ein anderes Objekt transferiert. Mit ihrer Hardware bilden sie die sichere Schnittstelle zwischen Objekten. URL: weeve.network Gründer: Harald Zapp, Prof. Dr. Sebastian Gajek Mitarbeiter: 9

Dein 1-Klick-Micropayment Durch Satoshipay können Kryptowährungen und traditionelle Währungen auch in Kleinstbeträgen zum Kauf von digitalem Content genutzt werden – und das in Sekundenschnelle unter dem selbsternannten Motto: „Monetise where nobody has monetised before“. Das System kann dabei ganz einfach als Wordpress-Plugin eingebunden werden. URL: satoshipay.io Gründer: Meinhard Benn, Alexander Wilke Mitarbeiter: 10

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Geistiges Eigentum auf der Chain Mit der Digitalisierung wurde auch das Thema des geistigen Eigentums auf eine neue Ebene gehoben. Bernstein stellt sich dem Missbrauch von geistigem Eigentum im digitalen Raum entgegen. Sie sichern es auf der Blockchain und schützen notariell beglaubigte Informationen durch einen kryptographischen Layer. URL: bernstein.io Gründer: Marco Barulli, Paul Reboh Mitarbeiter: 3


ARTIKEL/VERGLEICH

Klang der Zukunft: Dapp, Dapp, Dapp Mit ihrer Blockchain Application Plattform schafft Lisk ein Netzwerk und Token als Basis für eine Infrastruktur von dezentralisierten Applikationen (sog. Dapps). Sie ermöglicht es Entwicklern, Apps in JavaScript zu entwickeln, indem sie ihre eigene Side-Chain ins Lisk-Netzwerk einbauen. Auf ihrem Relaunch Event am 20. Februar stellt Lisk u. a. ein neues Frontend-Design, Dashboard und eine neue Wallet vor. URL: lisk.io Gründer: Max Kordek, Oliver Beddows Mitarbeiter: 30

Identität für Daten-Dealer Der Herr der Dinge

Fotos: Wysker, Satoshipay, Bernstein, Riddleandcode, Lisk, Neufund

Riddle & Code entwickelt Blockchain- und Kryptografie-basierte Endto-End-Lösungen. Aus dieser Kombination erstellen sie manipulationssichere digitale Identitäten – Digital Twins – für vernetzte, physische Objekte. Das ermöglicht autonome und sichere Interaktion gemäß den Grundlagen der aufkommenden Machine-to-Machine Ökonomie. URL: riddleandcode.com Gründer: Thomas Fürstner, Alexander Koppel Mitarbeiter: 10

Du willst noch mehr über die Blockchain wissen? Unter via.nkf.media/bc-guide findest du die relevantesten Informationen rund um die Technologie!

Jolocom bilden die Basis für deine digitale Identität. Mithilfe ihres Produktes kannst du künftig darüber bestimmen, wer welche Informationen von dir erhält und wie lange er diese speichern darf. Sag auf Wiedersehen zu unzähligen Accounts und Passwörtern und hallo zu voller Datenkontrolle. URL: jolocom.com Gründer: Joachim Lohkamp Mitarbeiter: 7

Blockchain-Erkenntnisse Zehn Minuten für zwölf Millionen US-Dollar brauchte das Startup Gnosis bei ihrem ICO im letzten Jahr. Ihre Plattform ermöglicht es Unternehmen, eigene Prognosemärkte auf dem Ethereum Protokoll zu erstellen. Ob Wetter, Wahlergebnis oder Börsenkurs, Gnosis sorgt für den Prediction Market von morgen. URL: gnosis.pm Gründer: Martin Köppelmann, Stefan George, Dr. Friederike Ernst Mitarbeiter: 35

Dein Kryptovest Neufund schafft die Brücke zwischen Kryptowährungen, der Blockchain-Technologie und Investments in Startups. Durch die Plattform erhalten auch Startups Zugang zum Krypto-Markt, die nicht mit der Blockchain-Technologie arbeiten. URL: neufund.org Gründer: Zoe Adamovicz, Marcin Rudolf Mitarbeiter: 11.

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CAT CONTENT 2.0 Gamification in der Etherium-Blockchain: Hype oder Hoffnungsträger? Von Nils Lennard Behrens

Flauschig, niedlich und verschmust: Katzen sind seit jeher die Lieblinge der Internet-Community. Mit CryptoKitties erreicht dieses Online-Phänomen nun auch die Etherium-Blockchain und entwickelte sich dort in kürzester Zeit zum größten Hype. Das im Oktober 2017 gestartete Browsergame soll Internetnutzer mit der Blockchain in Kontakt bringen und spielerisch in die Welt zwischen Hashes und Smart Contracts einführen. Sinn des Spiels ist es, einzigartige digitale Katzen zu kreuzen und deren Nachwuchs gewinnbringend zu verkaufen. Knapp 500.000 Katzen wurden bereits geboren. Doch glaubt man den Entwicklern, könnten bis zu vier Milliarden einzigartige CryptoKitties entstehen. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint: Auch mit

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den populären Charakter-Games Pokemon Go oder Tamagotchis haben die digitalen Katzen wenig gemein, denn bei CryptoKitties geht es vor allem um den Handel: Katzen kaufen, züchten und verkaufen, und zwar bevor der Marktwert sinkt. Das Spielprinzip dahinter ist einfach: Alle 15 Minuten generiert die Blockchain automatisch ein neues Kätzchen der Generation Null. Diese werden meistbietend versteigert und können anschließend gehandelt und gezüchtet werden. Um zwei Kätzchen zu paaren, muss der Spieler eine Gebühr zahlen. Die Codes hinter den beiden Elterntieren werden kombiniert und ein ein neues Kätzchen entsteht. So verrückt das alles klingt: Das Spielkonzept im 90er Jahre Design kommt bei den Blockchain-Anwendern hervorragend an. Bis Mitte Januar wurden bereits rund 15 Millionen Euro mit der Anwendung umgesetzt - ein Erfolg, der selbst die Erfinder der CryptoKitties überrascht: Im Interview mit dem Vice-Magazin sagte Arthur Camara, Software-Entwickler der CryptoKitties: „Wir hatten zwar große Ziele,


BLOCKCHAIN doch wir hätten nie gedacht, dass wir sie so schnell erreichen. Wir dachten, dass CryptoKitties innerhalb von sechs Monaten sehr beliebt werden könnte, wir konnten nicht ahnen, dass es nur eine Woche dauern würde. Das ist gleichzeitig toll und verrückt.”

Die Features der digitalen Katzen

Wer sich auf das Züchten einlassen möchte, sollte ein Grundverständnis der Blockchain-Technologie mitbringen. Viele Fragen, wie beispielsweise Kostentransparenz, Wahrscheinlichkeit des Zuchterfolges oder die schwankenden Etherkurse bleiben für Einsteiger unbeantwortet. Auch sei vor Kosten und Wertverlusten gewarnt: Für das Gas gibt es noch keine Kostengrenze und der Preis der angebotenen Katzen kann aufgrund der Volatilität des Ether-Kurses schon morgen überholt sein, wodurch der Züchter auf seinen initialen Transaktionskosten, sitzen bleibt, die ihm auch berechnet werden, wenn die Transaktion nicht zustande kommt

Fotos: Cryptokitties.co

Drei Faktoren machen die Katzen einzigartig: Ihre Gene, die cattributes, vererben die Eltern an die Nachkommen. Dazu gehören zum Beispiel smaragdgrüne Augen oder himbeerfarbenes Fell. Gelegentlich entstehen dabei auch seltene Eigenschaften, die den Wert des Nachwuchses zusätzlich steigern. Die Grenzen der Blockchain Die Generation verrät, wie weit ein Kätzchen in der Mack Flavelle, Teamleiter bei Axiom Zen, beAhnenlinie von der Genesis, der Mutter aller richtet über die Auswirkungen des Spiels CryptoKitties, entfernt ist. Deren direkte auf die Blockchain: „Ich weiß nicht, Nachfolger gelten als besonders zuchtob alle 4 Milliarden Katzen im Lefreudig und entwickeln gelegentbenszyklus von CryptoKitties tatlich besonders rare cattributes. Die Zum Einstieg in den Katzenhandel sächlich entdeckt werden. WahrCooldown-Zeiten, die zwischen eibenötigt man die Kryptowährung scheinlich würde es aufgrund der ner Minute und einer Woche liegen Ether und die digitale Brieftasche Masse an Transaktionen das Ethekönnen, verraten, wie häufig das (Wallet) MetaMask. Das Chromereum Netzwerk sprengen”. Einen Kätzchen Nachwuchs zeugt. Die Add-On interagiert mit zahlreiVorgeschmack auf die Risiken der Cooldown-Zeiten nehmen nach jechen dezentralisierten Apps in der Überlastung haben Spieler im Katder Paarung zu. Ethereum-Blockchain. zenuniversum bereits erhalten, Gamble vs. Gamification als im Dezember 2017 zeitweilig Der Kick des Spiels kommt einerseits zwanzig Prozent aller Transaktiodurch den glücksspielähnlichen Handelsnen der Etherium-Blockchain von den prozess und andererseits durch die HerausforKryptoKitties ausgingen und zu einer außerderung, die richtigen Katzen zu züchten. Hier muss gewöhnlichen Belastung des gesamten Netzwerks die richtige Balance zwischen dem Zeugen des Nach- führten: Fast 48 Stunden verstopften knapp 30.000 Kätzwuchses und dem Verkauf der Katzen vor dem Hinter- chen-Transaktionen die Blockchain. grund der stets abnehmenden Paarungsbereitschaft Ob man die CryptoKitties als digitales Sammelbild begefunden werden. Die dezentrale Datenbank der Etheri- trachtet oder als Schneeballsystem zur Abzocke von Unum-Blockchain kalkuliert die cattributes und dokumen- wissenden verteufelt: Ihr Ziel, der Blockchain Aufmerktiert Vorgänge auf dem Katzenmarktplatz. Kauf, Verkauf samkeit zu verschaffen, haben die CryptoKitties auf jeden oder Paarung von Katzen im Spiel verursachen dabei Fall erfüllt. Es bleibt zu hoffen, dass wir in naher Zukunft Transaktionskosten, sogenanntes Gas, das die Rechen- weitere Blockchain-Anwendungen finden, die der breiten leistungen des Netzwerks im Gegenwert Ether vergütet. Masse an Internetnutzern zugänglich werden. AnderenAxiomzen, das Entwicklerstudio hinter den Cryptokit- falls können wir die Massentauglichkeit der Blockchain ties, verdient an jeder Transaktion übrigens 3,75 Prozent vielleicht eines Tages auf ein paar digitale Katzen zurückProvision. führen – und das wäre schon irgendwie verrückt.

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AUF DEM WEG ZUM WEB 3.0

Die NKF Journey „Innovation hautnah erleben“, darum geht es bei den NKF Journeys. Am 16. und 17. November 2017 haben insgesamt 12 Teilnehmer aus Industrie und Szene an zwei Tagen in sieben Sessions den Einstieg in das Feld Blockchain gewagt.

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Kaum ein anderes Tech-Thema erweckt so viel Resonanz und wirft so viele Fragen in der Corporate Welt auf wie die Blockchain. In Berlin und weltweit entstehen derzeit spannende Ökosysteme mit jungen Startups, die sich global einen Namen machen. Die Erwartungen an die NKF Journey waren in Anbetracht von Unternehmen wie IOTA, Jolocom, BigchainDB, SatoshiPay und Weeve also groß. Die NKF Journey „Discover Blockchain“ traf mit spannenden Stationen bei fachkundigen Experten den Nerv der Zeit und bot einen spannenden Diskurs für alle Teilnehmer. In der Präsentation des Startups Weeve hieß es: „Kühe fressen Gras, Maschinen fressen Daten“. Die Botschaft für die Corporate Welt: Künstliche Intelligenz und smarte Datenbanken haben einen unstillbaren Hunger nach Daten. Mit Blockchain wird dafür eine autonome Infrastruktur geschaffen, in der Daten dezentral getauscht werden. Für etablierte Unternehmen birgt diese Entwicklung nicht nur Risiken, sondern auch neue Marktplätze, auf denen Daten zum wertvollsten Gut werden. Nur eine von vielen Erkenntnissen, die während der Journey die Teilnehmer zu einem Umdenken anregten. Die Blockchain Journey, das waren zwei außerordentliche Tage, mit bleibenden Impulsen und viel Denkstoff. Diese Impulse müssen aufgegriffen und in die Unternehmen getragen werden, denn das Thema ist für alle etablierten Unternehmen kritisch und muss auf vielen Ebenen systematisch implementiert werden. Deswegen bauen wir 2018 einen umfassenden Zugang zum Thema auf. Mit dem NKF Blockchain Circle 2018 eröffnen Sie Ihrem Unternehmen den Zugang zu den wichtigsten Blockchain Entwicklungen und erhalten einen tiefen Einblick in die Blockchain Szene.

Fotos: Philipp Primus

NKF Media zeigt Blockchain in der Nahaufnahme. Ein Reisebericht von Pavel Romanenko über die exklusive Tour durch die Berliner Blockchain-Szene

Das NKF-Blockchain Programm 2018: Mit dem NKF Blockchain Circle bekommt Ihr Unternehmen Zugang zu mehr als 100 Blockchain Startups. Sie erhalten exklusiven Zugang zu einem regelmäßigen Blockchain Newsletter, Konferenzen und Blockchain Journeys. Auch 2018 werden in kleinen Gruppen Blockchain Startups kennengelernt und anhand interaktiver Workshops wird das Thema ergründet. nkf.media/blockchain


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Neue Dimension: Auf der CEBIT 2017 konnten Besucher unter anderem die Mixed-Reality-Lösung der Münchener Firma Viscopic testen.

POWER FÜR GRÜNDER Unter dem Motto „Ready – steady – go“ bringt die CEBITPlattform scale11 junge Gründer auf die Erfolgsspur Die neue CEBIT setzt auf Business, Leads und neue Ideen – das ideale Umfeld für junge, aufstrebende Unternehmen, die neue Geschäftspartner suchen und sich dem internationalen Markt präsentieren möchten. Treffpunkt ist s­ cale11. Der Ausstellungsbereich für Startups, Kapitalgeber und etablierte Unternehmen präsentiert sich in Hannover vom 11. bis zum 15. Juni unter dem Motto „Ready – steady – go“ in Halle 27 innerhalb der Plattform d!tec. Wichtigster Partner der Deutschen Messe bei der Ausgestaltung von scale11 ist der Bundesverband Deutsche Startups, der zudem auf der Expert Stage zahlreiche Informations- und Diskussionsveranstaltungen organisiert. Spannend dürften vor allem die themenspezifischen Panel sein mit Vertretern von Startups, aus der Politik sowie Investoren und Influencern. Erstmals wird es in diesem Jahr eine messetägliche TV-Sendung geben, die am frühen Nachmittag etwa eine Stunde lang über Newcomer sowie Themen und Hintergründe rund um die Startup-Szene berichtet. Verbreitet wird die Sendung live über die Kanäle der Medienpartner des Startup-Verbandes.

KÄMPFEN, SCHEITERN, WEITERMACHEN Wortgewaltig geht’s beim Founders Fight Clubs zu. Dort können sich mutige Gründer auf offener Bühne mit anderen jungen Unternehmern im „verbalen Kampf“ um die Anerkennung der Experten-Jury messen. Weitere Programmpunkte des Founders Fight Clubs sind unter anderem Themen- und Expertenpanels sowie Pitches auf der Startup Stage. Teilnehmen können alle Startups, die auf der CEBIT 2018 bei scale11 ausstellen. Dass Misserfolge zum Leben dazu gehören und man viel daraus lernen kann, beweisen die Vorträge der mittlerweile international bekannten Formats FuckUp Nights. In maximal 15-minütigen Präsentations-Slots am CEBIT-Mittwoch, 13. Juni, erzählen Startups ihre jeweilige Geschichte des Scheitern und geben wertvolle Tipps für die Zukunft.

NUR MIT VIP-TICKET: INVESTORS CLUB Ein spezieller Bereich innerhalb von scale11 steht all den Unternehmen und potenziellen Investoren zur Verfügung, die sich in exklusiver, ruhiger Atmosphäre mit von ihnen ausgewählten Startups treffen und vertrauliche Gespräche

führen möchten. Wer sich als Unternehmen daran beteiligen möchte, kann die Club-Tickets ab Februar 2018 für 300 Euro über die CEBIT-Website erwerben.

SCALE11: „DIE GESAMTE SICHTBARKEIT FÜR START-UPS“ Das Konzept von scale11, die Gespräche mit etablierten Unternehmen, die Möglichkeiten, Investoren zu finden und der Austausch mit Gleichgesinnten kommen gut an. „Es ist eine großartige Gelegenheit, B2B-Entscheidungsträger zu treffen und unsere Dienstleistungen im Bereich der Unternehmensinnovation vorzustellen“, sagt zum Beispiel Philippe Thiltges, Mitgründer und Managing Partner von WhatAVenture aus Wien. „scale11 bietet mit seinem interaktiven Event-Space eine ausgezeichnete Plattform für den Austausch mit Firmen, die an innovativen Lösungsansätzen interessiert sind“, sagt Corinna Bode von Valsight aus Berlin. Und Katharina Blum, Geschäftsführerin von lead­ tributor aus München, ergänzt: „scale11 gibt uns nicht nur die gesamte Sichtbarkeit, die wir als Start-up benötigen, sondern wir freuen uns auch darauf, mit Kollegen und Gleichgesinnten zusammenzukommen und Meinungen und Ideen auszutauschen.“

Die CEBIT 2018 inszeniert digitale Transformation neu – aber bei einem bleibt es: Es geht um Business und Leads, Leads, Leads! Die CEBIT 2018 startet am Montag, 11. Juni, mit einem Konferenz- und Medientag, die Ausstellung beginnt am Dienstag, 12. Juni. Die Messehallen sind von Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, der d!campus bis 23 Uhr. Der CEBIT-Freitag geht von 10 bis 17 Uhr. cebit.de


Vielseitig ist nicht nur der Rucksack von Anna-Lena Lewerenz. Ihr Startup Belbo entwickelt Management-Software, die Online-Kalender mit Dienstplänen und Kassensystemen verbindet. Ihr Lifepack von Solgaard ist ein perfekter Begleiter. Eine 3-in-1-Solar-Powerbank mit Bluetooth-Lautsprecher, ein integriertes Schloss und ausreichend Platz fßr den Laptop sind immer mit dabei.

Anna-Lena wurde ausgestattet von Zalon.

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Foto: Philipp Primus

solgaard.com um 160 Euro


LIFESTYLE

In bester Begleitung Rucksäcke: leicht, stylisch, funktional. Gemeinsam mit zehn Gründern hat Berlin Valley die besten Rucksäcke für lange Tage im Großstadtdschungel selektiert. Zusammengestellt von Laura Bährs, Lotta Träger, Coline Simoncelli und Nils Lennard Behrens

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LIFESTYLE

Feel good vibes hat Amber Riedl, die Grßnderin der Online-Handarbeitsschule Makerist – ebenso wie ihr Begleiter: Der Hajo Backpack von Ucon Acrobatics besteht aus wasserabweisendem Papier und hat einen Roll-Top Verschluss. Dank der versteckten Eingriffstaschen sind alle Arbeitsmaterialien schnell zur Hand und trotzdem gut verstaut.

Amber wurde ausgestattet von Zalon und Montblanc.

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Foto: Philipp Primus

ucon-acrobatics.com um 90 Euro


LIFESTYLE

Ein Lebensretter ist nicht nur der Rucksack von Stefan Nietert. Sein Startup Viomedo bietet einfachen Zugang zu klinischen Studien. Stefans Airpaq besteht aus Sicherheitsgurten und Airbags. Die individuelle Kombination ist ein Unikat. Der Rucksack verfügt über ein Roll-Top mit Magneten, ein Gurtschloss und eine geheime Reißverschluss-Tasche. Der Innenraum hat wasserabweisendes Futter sowie ein gepolstertes 15” Laptop- und Tabletfach. airpaq.de um 145 Euro

Stefan wurde ausgestattet von Zalon.

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LIFESTYLE Businessproof ist der Begleiter von Therese Köhler. Ihr Catering-Startup Heycater organisiert für Unternehmen und Events die leckersten Mahlzeiten. Mit dem Alpha Backpack von Salzen ist sie auf lange Arbeitstage vorbereitet. Er ist wasserabweisend, hat ein Kabelfach sowie eine herausnehmbare Dokumentenhülle, ein Geheimfach mit Schnellzugriff für das Portemonnaie sowie einen seitlichen Zugriff zum 15” Laptopfach.

Therese wurde ausgestattet von Zalon und Montblanc.

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Foto: Philipp Primus

salzen.com um 375 Euro


Hugh Jackman und der neue TimeWalker Chronograph Der neue TimeWalker Chronograph ist inspiriert von der Performance der historischen Zeitmesser von Minerva, der heutigen Montblanc Manufaktur in Villeret, und den glorreichen Zeiten des Rennsports. montblanc.com/timewalker Crafted for New Heights.

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LIFESTYLE

Unter Strom ist nicht nur Samuel Wurster. Sein Startup Journeyman ermÜglicht es Gesellen und Meistern aus Handwerksberufen, die Welt zu erkunden. Die Solarzellen seines sakku-Rucksacks generieren Energie zum Laden mobiler Endgeräte. Das schweizer Design besteht aus wasserabweisenden Canvas-Stoff, Roll-Top mit magnetischem Verschluss und hat drei innenliegende Einschubtaschen.

Samuel wurde ausgestattet von Zalon.

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Foto: Philipp Primus

sakku.ch um 380 Euro


LIFESTYLE

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LIFESTYLE

fitzandhuxley.com um 130 Euro

Sophie wurde ausgestattet von Zalon.

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Fotos: Philipp Primus

Urbane Klassiker trägt Sophie Chung. Ihr Startup Qunomedical ermöglicht mit Erfahrung im Gesundheitswesen Zugang zu Ärzten und Kliniken mit höchstem Standard. Ihr Unisex-Rucksack Equinox von Fitz&Huxley verfügt über ein Laptop-Fach und zwei geräumige Taschen im Inneren. Das Material besteht aus Canvas-Stoff mit Lotuseffekt und Glattleder. Damit liegt sie in jeder Großstadt voll im Trend.


RUCKSÄCKE FÜR LIFESTYLE GRÜNDER

Ein Design-Klassiker ist der Rucksack von Ivo Scherkamp. Der Zalon-Gründer macht mit seinem Unternehmen die Outfitsuche zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sein Pinqponq-Rucksack Cubic ist 100 Prozent vegan und geht mit jedem Outfit. Er verfügt über monochromes Design, ein gepolstertes 15“Laptop- und Tabletfach, ein Hauptfach mit Zwei-Wege-Reißverschluss, wasserabweisendes Material sowie ein Kabelfach. Das hat Stil! pinqponq.com um 120 Euro

Ivo wurde ausgestattet von Zalon.

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LIFESTYLE Sportlich-funktional ist der Rucksack von Urban Sports Club-Gründer Moritz Kreppel. Sein Startup bietet Fitness-Junkies deutschlandweit Fitness, Wellness und Teamsport in einer Mitgliedschaft. Sein Sandqvist-Rucksack ist strapazierfähig und bietet massig Stauraum für Sport-Equipment: 21 Liter und ein Laptop-Fach für 15” Laptops. Zieh- und Reißverschlusstaschen und ein abnehmbarer Schlüsselband geben dem Rucksack Struktur. Auf geht´s!

Moritz wurde ausgestattet von Zalon und Gant.

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Fotos: Philipp Primus

sandqvist.net um 190 Euro


LIFESTYLE

Nautische Gelassenheit strahlt der Rucksack des 7mindGründers Jonas Leve aus. Die App seines Startups hilft durch kurze Meditationssessions fokussierter in den Tag zu starten und unter­wegs kurz abzuschal­ten. Der Rucksack von Kapten and Sons überzeugt mit seinem klaren und schlichten Design und universalen Funktionen. Mit einer Oberfläche aus veganem Leder, die sogar Wasser trotzt und einer gepolsterten Laptoptasche ist er der ideale Begleiter für Alltag und Office. kapten-son.com um 90 Euro Jonas wurde ausgestattet von Zalon.

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Ein Einzelstück ist der Rucksack von Janina Mütze. Ihr Startup Civey ermöglicht repräsentative Internet-Umfragen zu Themen aus Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft. Die Ergebnisse sind frei zugänglich, nachvollziehbar und vor allem echt. Echt ist auch das Material ihres Feuerwear-Rucksacks: hergestellt aus Feuerwehrschläuchen, die schon viel erlebt haben. Durch die Spuren seiner Erlebnisse ist jeder Rucksack ein Unikat mit flexiblem Stauraum, komfortabler Polsterung und markantem Design. feuerwear.de um 170 Euro

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Foto: Philipp Primus

LIFESTYLE


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Einen Styling-Termin bei Stylistin Ruth gibt es auf zln.do./ruth_f

STYLE IN A BOX Die Onlinestilberatung Zalon bietet unter zalon.de kostenlose Beratung und Personal Shopping durch Mode-Experten. Im Interview gibt Stylistin Ruth Einblicke in die Trends 2018 und verrät, was ihren Job besonders macht. Was sind die Styling-Trends 2018? Transparenz, Asymmetrie, Allover Jeanslooks, aber auch Klassiker wie Hosenanzug und Trenchcoat erleben ein Revival. Trendfarben 2018 sind Gelb oder Violett in allen Schattierungen, warmes Rosé, Grün und Blautöne untereinander kombiniert oder als Akzent zu Marine, Grau oder Beige. Warum sollte ich mich für eine Stilberatung entscheiden? Weil es auf jeden Fall neue Impulse für den eigenen Stil gibt. Das Tolle bei einer Zalon.de Stilberatung ist, dass komplette Outfits mit vielen Kombinationsmöglichkeiten zusammengestellt werden – und das auch noch kostenlos! Was ist dein Erfolgsmoment in der Zusammenarbeit mit Kunden? Ich freue mich immer über positives Feedback. Besonders schön finde ich, wenn Kunden mir schreiben, dass ich etwas für sie gefunden habe, das sie sich selbst niemals ausgesucht hätten und nun genau dieses Teil das neue Lieblingsstück ist. Wie funktioniert das Styling bei Zalon? Das ist wirklich ganz einfach. Man bucht einen Termin beim Stylisten, übermittelt seine Wünsche entweder durch das Ausfüllen eines detaillierten Fragebogens oder in einem persönlichen Telefongespräch. Danach stellt der Stylist eine Outfit-Box zusammen. Ein paar Tage später erhält man eine liebevoll gepackte Box mit tollen Outfits und kann in Ruhe zu Hause an- und ausprobieren.

Janina wurde ausgestattet von Zalon.

Was macht einen guten Stylisten aus? Fachwissen über Mode, Passformen, Schnitte, Materialien sind wichtige Voraussetzungen. Das Wichtigste ist aber ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, um dem Kunden eine Box zusammenzustellen, die modern und trendy ist, aber seinem Stil und seiner Persönlichkeit entspricht.


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DIE KLEIDUNG DER ZUKUNFT Hightech-Fashion als IT-Piece

Das Motto „Cool bleiben“ steht bei der innovativen Tech Prep™ Hemdenkollektion von GANT im wahrsten Sinne des Wortes im Fokus. GANT schafft es, den typisch zeitlosen Look für den stressigen Büroalltag im typischen Preppy-Kleidungsstil innovativ aufzupeppen. Das Geheimnis hinter den Tech Prep™ Hemden ist eine hoch funktionale Polyester-Mikrofaser, die Körperflüssigkeiten auch bei Extremsituationen vom Körper weg und zur Stoffoberfläche hin transportiert, wo sie verdunsten kann.

ATMUNGSAKTIV BEI 37,5 GRAD Die Technologie hinter dieser Eigenschaft besteht in einer speziellen Behandlung des verwendeten Baumwollgewebes, sodass diese Schweiß oder andere Flüssigkeiten nicht aufnehmen und absorbieren. Durch diese innovative Technik trocknen die Stoffe viel schneller als unbehandelte Materialien und verhindern somit lästige Schweißränder. Die besondere Struktur der Hemdenfaser macht alle Shirts atmungsaktiv und hält die Körpertem-

peratur konstant auf angenehmen 37,5 Grad – also die ideale Temperatur, um auch bei Höchstleistung cool zu bleiben. Mit intelligenten Qualitäten und Materialien sorgt GANT für eine Revolution im Preppy-Bereich. So hat die Premium- und Lifestyle-Marke sich die Bezeichnung Tech Prep™, welche sich im Übrigen aus dem Zusammenspiel von „technisch“ und „preppy“ zusammensetzt, weltweit schützen lassen. GANT ist als Premium-Lifestyle-Marke, die an der amerikanischen Ostküste 1949 geboren worden ist und in Europa groß wurde, mittlerweile weltweit bekannt. Das Fundament der Marke liegt auf Innovationen und Qualität: Ursprünglich standen Shirts für Universitätsstudenten der Ostküste im Mittelpunkt. Besonders an den bekannten Ivy-League-Universitäten, wo der Sport eine zentrale Rolle spielte, trug man Jacken mit natürlichem Schulterfall sowie die GANT-typischen Button-down-Shirts. Heute setzt GANT auf Understatement statt Protz und knöpft nahtlos am früheren Erfolg an. Die Button-downs im InnovationenDesign wurden zum Symbol der Marke GANT. So finden sich auch in der aktuellen Tech Prep™ Kollektion die Button-down-Kragen wieder. Getreu dem GANT Credo „never stop learning“ bieten die smarten Hightech-Fashion-Pieces die perfekte Lösung zur Bewältigung der alltäglichen Situationen.

Fotos: GANT

Zum nächsten Meeting ins Büro hetzen, noch schnell den Flieger bekommen, nach dem Büro zum abendlichen Geschäftsessen oder schnell noch ein paar Freunde treffen – und das Ganze nächste Woche wieder. Als moderner und ehrgeiziger Mensch kommt man im Alltag sehr oft in unangenehme Situationen. Wir sind ständig on the road und unser gesamtes Leben bewegt sich nonstop weiter.


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1 | Tech Prep™ – Deine Haut bleibt trocken. Du bleibst cool. 2 | Business oder casual? – Die Tech Prep™ Shirts können vielseitig kombiniert werden. 3 | Selbst abends in der Bar: immer noch genauso frisch wie am Morgen


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FINTECH

TAhL-SFtartups N26. S N I LENT s Fintec ing and

VAeit 2013 CEO dteer of Accounbtei Rocket

as ist s tation ie im Berte M tudie te zuvor S ow Der s h ank s c . e ma hen B c c s loitte n t e a u Fin r De bei D e e d c , t n e a Intern porate Fin Cor h ic e r

Foto: N26 GmbH

k n a B n e e i D morg n o v

N26-CEO Valentin Stalf im Interview 체ber User-Experience im Bankensektor und die Entwicklung zu Europas f체hrender Mobile Bank. Das Gespr채ch f체hrte Nadine Meya.

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V FINTECH

or fünf Jahren gründeten Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf das Fintech-Startup N26 mit großer Vision „Building a Bank the world loves to use“. Die vernetzte Zielgruppe der 18- bis 40-Jährigen ist anspruchsvoll, doch das Konzept scheint aufzugehen: 500.000 Kunden in 17 europäischen Ländern – Tendenz stark steigend. Valentin, ihr habt in drei Jahren einen sicheren Arbeitsplatz für 350 Mitarbeiter geschaffen. Was bedeutet diese Entwicklung für dich? Mein Commitment galt von Beginn an zu 100 Prozent dem Unternehmen. Die Management-Aufgabe verändert sich natürlich. Wenn man zu zweit startet, managt man sich selbst, dann 20 bis 50 Mitarbeiter. Man kennt die Leute persönlich und benötigt keine große Struktur. Doch dann folgt der Punkt mit 100 bis 300 Mitarbeitern. Strukturen und das Führungsteam werden wesentlich. Nur wenn man es schafft, die richtigen Persönlichkeiten um sich aufzubauen, kann man schnelles Wachstum managen. Als Gründungsteam haben wir heute einen stärker visionären Auftrag. Jede Handlung hat symbolischen Charakter. Am Ende baut unser Team die Company, wir helfen nur und stellen die richtigen Mitarbeiter ein. Auch eure Produktpalette ist gewachsen. Anfang Januar habt ihr die N26 Metal Card auf den Markt gebracht. Was verbirgt sich dahinter? Wir sind vor drei Jahren mit dem minimalsten Produkt, das man als Finanzdienstleister bauen kann, ge-

Das lichtdurchflutete N26-Büro liegt in der Klosterstraße in Berlin.

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startet: Girokonto mit Karte. Seit unserem Launch 2015 haben wir einige Milliarden Euro in Transaktionsvolumen abgewickelt. Mit N26 Black, unserem Premium-Konto, bieten wir neben dem klassischen Banking Features wie Auslandsreise-Versicherung oder weltweit kostenlose Bargeldabhebungen. Mehr als 15 Prozent unserer Kunden nutzen dieses Angebot. Der logische nächste Schritt war der Ausbau: N26 Metal – die erste Metallkern-Karte in Europa, mit der man kontaktlos bezahlen kann. Das Besondere für uns ist, dass wir um die Karte herum eine Community für digitale Kunden aufbauen. Den ersten Schritt sind wir durch unsere globale Partnerschaft mit Wework gegangen. Unsere Metal-Kunden können damit weltweit Meetingräume buchen oder in den Wework-Offices arbeiten, egal ob in Berlin oder London. Wir bauen ein Partnerprogramm für den digitalen Kunden mit den weltweit besten Unternehmen. Es wird daher nicht bei der Kooperation mit Wework bleiben. Es werden einige selektierte Partner pro Stadt beziehungsweise Land sein. Zudem wird es globale Partner geben. In den nächsten Wochen werden weitere Partner bekanntgegeben.

„Traditionelle Banken bieten keine innovativen Produkte“ Also versteht sich N26 nicht als Bank, sondern als Community? N26 ist nicht nur eine Bank, wir sind ein Bekenntnis zu einem digitalen Leben und transparentem und einfachen Banking. Traditionelle Bankangebote haben es bis heute nicht geschafft, Problemlöser für Kunden zu sein. Wir haben den Anspruch, unsere Kunden zu verstehen. Jemand, der eine Familie gründet, hat andere Bedürfnisse als jemand, der gerade ein Haus kauft. Im Vordergrund stehen dabei nicht die Produkte, sondern das individuelle Erlebnis. Unsere Vision lautet: „Building a Bank the


FINTECH

Mit der Metal Card geht N26 den Schritt zur Netzwerkbank.

world loves to use“. Heute lieben die wenigsten Kunden die eigene Bank.

Foto: N26 GmbH

Was unterscheidet euer Vorgehen von dem der Mitbewerber? Wir haben eine einzigartige Technologie, ein eigenes System, auf dem wir unser Unternehmen aufgebaut haben und sind voll reguliert. Das gibt uns Geschwindigkeit und Flexibilität im sonst eher langsamen Bankensegment. Retail-Banken werden uns nicht überholen. Außerdem haben wir sehr zufriedene Kunden, die lange bei uns bleiben und das Produkt gerne verwenden. Traditionelle Banken kämpfen mit der Transformation ihrer Produkte in ein digitales Zeitalter. Die Kunden kommen zu uns, weil wir eine digitale User-Experience anbieten, die sie schätzen. Zudem sind wir günstiger als die Mitbewerber, da wir neue Technologien nutzen und auf ein Filialnetz verzichten. Das führt zu einer anderen Kostenstruktur als bei einer Retail-Bank. Die Kostenvorteile geben wir an unsere Kunden weiter. Wir glauben daran, dass die Bank der Zukunft ihren Kunden immer die besten Produkte anbieten sollte, und bieten daher nicht nur unsere eigenen Produkte an, sondern haben uns entschieden, die besten Anbieter in unsere App zu integrieren. In der Bankenbranche gibt es einen starken Hang zum Unbundling: Es gibt viele Unternehmen und Startups, die einzigartige Produkte in gewissen Nischen anbieten – zum Beispiel nur Kredite oder Anlageprodukte oder Produkte für internationale Überweisungen. 80 Prozent der Kunden wollen ihre Finanzen einfach erledigen – möglichst mit zwei Klicks – und nicht stundenlang im Internet vergleichen. Wir kuratieren daher die besten Angebote vor und bieten sie unseren Kunden in der App an. Mit Weltsparen, Auxmoney und Clark haben wir schon einige der besten Fintechs in den Bereichen Sparen, Kredit und Versicherungen an der Seite. So stellen wir sicher, dass wir in jeder Dimension einer Retailbank immer die besten Produkte anbieten können, bessere Sparzinsen, attraktive Wechselkurse oder bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Habt ihr keine Ambitionen, diese Produkte aus eigener Feder anzubieten? Wir schauen uns jeden Bereich an. Wenn wir denken, wir können ein eigenes Produkt in den Wettbewerb schicken, dann machen wir das auch. Unsere Produkte müssen dann aber auch selbstständig im Markt gegen andere Produkte bestehen, der Kunde hat die Wahl.

Wie geht ihr bei der Menge an Kooperationen mit Datensicherheit in der User-Experience um? Als voll regulierte Bank erhalten wir von unseren Kunden Vertrauen. Ihre Daten sind bei uns sicher. Ziel muss es sein, nicht auf jeder Plattform seine Daten einzugeben. Sie liegen verschlüsselt bei N26 und werden im Einzelfall verifiziert. Bankensysteme sind oftmals statisch. Dabei wird die User-Experience mittlerweile stark durch intelligente Systeme getrieben. Bei einer regulären Bank benötigst du deine TAN-Liste und Zugangsdaten. Es ist immer der gleiche Prozess. Wir erstellen für unsere Kunden ein Profil mit Risiko-Scoring. Wenn ich meinem Bruder zehn Euro überweise, ist das eine reguläre Transaktion. Wenn ich um Mitternacht 30.000 Euro nach Hongkong überweise, muss die Bank die Plausibilität der Transaktion hinterfragen. Da gibt es verschiedene Faktoren, anhand derer wir ein Scoring erstellen und basierend darauf zukünftig die Sicherheitsstufen anpassen. So vereinen wir Sicherheit und ausgezeichnete Experience. Welchen Einfluss haben intelligente Systeme auf den Kundenservice? 50 bis 60 Prozent der Anfragen im Customer-Service sind ähnlich. Unsere Kunden werden zum Beispiel aktiv, wenn sie die Karte verloren haben oder ungewöhnliche

N26

ank bile B e mo t s r r e s h nu intec ist Europa o kann in r he: F t ansfe r t Branc bung: N26 z. Ein Kon ld e G . i n n MS. hre nklize net werde ail oder S Besc ollba ff M V ö r E it m ber en e hal Minut nderem ü n Tayent a a c ht ia r il e t im t un Max erfolg ntin Stalf, le a V er: , 13 tures Gründ gsjahr: 20 300 r Ven , n la ls u a a d V r , n s h s re Grü r: me s Venture Ventu oards beite on lpine iz a t -B r d n o M i ta r e e H R res, agem S-Dollar oren: u n t t s a n e e M v In ndoen U bird V s Zala 55 Million Early er de ls d a e li r eh Mitg he: m onshö i t i t s Inve om n26.c o heet .i ed by r e w po

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FINTECH Transaktionen auf dem Konto feststellen. Mit Chatbots kann man die Hälfte aller Anfragen beantworten. Man hat dann mehr Zeit für komplexe Anfragen und dennoch die Kosten im Griff. Wo seht ihr euch langfristig am Markt? Zurück zum Netzwerk-Gedanken: Unser Ziel ist es, eine paneuropäische Bank aufzubauen. Wir sind in 17 Ländern und es macht Sinn, mit einer Banklizenz all diese Länder zu bedienen. Der App Store ist global. Auch für die Marke ist es gut, wenn man globaler ist. Wir möchten mittelfristig fünf bis zehn Millionen Kunden in Europa gewinnen. Doch zunächst müssen wir unsere bestehenden Kunden weiterhin zufriedenstellen, damit sie das Produkt langfristig verwenden. Die Erweiterung unseres Angebots mit Premium-Features und Lifestyle-Aspekten ist sinnvoll: Der Kunde schätzt es, seine Dienstleistungen aus einer Hand zu erhalten. Zudem ist es unser Anspruch, die Komplexität der App zu reduzieren. Wir arbeiten an einem Projekt zur Gestaltung einer optimierten Benutzeroberfläche. Darüber hinaus differenzieren wir die Produkte noch weiter. Heute kann der Kunde bei uns Festgelder anlegen, wir wollen aber auch kurzfristige Anlagemöglichkeiten auf den Markt bringen. Ein Projekt, das sogar über die europäischen Grenzen hinausgeht, planen wir derzeit in New York: Wir werden nächstes Jahr ein Produkt auf den amerikanischen Markt bringen, getrennt von unserem europäischen Geschäft.
 Worin unterscheidet sich das Produkt in den USA? In den Staaten können wir unsere eigene Banklizenz nicht nutzen. Wir müssen dort mit einer anderen Bank kooperieren, die uns eine Regulatorik im Hintergrund stellt. Auch das Kartengeschäft funktioniert dort anders. Die Gebühren für Kartentransaktionen sind deutlich höher als in Europa, das hat Auswirkungen auf unsere Reward Earnings. Verdient man zwei oder drei Prozent Gebühren je Transaktion, kann man das in Benefits für den Kunden stecken. Das heißt, wir machen dort eine Kreditkarte mit einem größeren Reward-Programm. Wie wird sich der Bankenmarkt in den kommenden Jahren verändern? Der deutsche Bankenmarkt spezialisiert sich. Eine Bank kann hohe Zinsen bezahlen, eine andere ist gut im Immobiliengeschäft aufgestellt. Es wird schwieriger, eine Generalbank zu erhalten, die auf veralteter Infrastruktur basiert. Die Technologie-Basis verursacht hohe Kosten und die Mitarbeiter haben wahrscheinlich Schwierigkeiten bei der digitalen Transformation. Das ist normal, da sich das Nutzerverhalten komplett geändert hat. Die Mitarbeiter sind für die Filiale ausgebildet, müssten heute eigentlich Apps programmieren. Als Konsequenz wurden Filialen geschlossen und Mitarbeiter entlassen. Die Frage ist, ob das radikal genug ist. Formulieren wir es aus Kundensicht: Die Filialbank hat Probleme, die sie als Unternehmen lösen muss und wenig Zeit für Neues. Was hindert mich daran, zu einer Bank zu wechseln, die diese Probleme nicht hat? Wir rechnen daher in den nächsten Jahren mit Marktanteilsverschiebungen im Retail Banking, das sehen wir als eine der am stärksten wachsenden Banken in Europa schon heute. Irgendwoher kommen diese Kunden, meist von traditionellen Banken. ▪

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H C E F I N TE G E L N R TEIGER L E I S P R EINS FÜ

Fintechs haben es sich zur Aufgabe gemacht, Geldgeschäfte einfacher zu gestalten. Der Erfolg der Geschäftsmodelle hängt dabei nicht nur von der Geschäftsidee ab: Markteintrittsbarrieren und rechtliche Fragen fordern das Know-how der Gründer. Einige Herausforderungen, auf die Fintech-Gründer vorbereitet sein sollten, erläutert Rafal Lipinski, Gründer des dänischen Start­ups Hufsy, das intelligente Geschäftskonten anbietet.

Geduldig sein Es dauert lange, bis Fintechs den Betrieb aufnehmen können. Wer eine Banklizenz braucht, kann sich in Deutschland auf einen Prozess von rund einem Jahr einstellen. Dabei gilt es, unter anderem Geldeinlagen nachzuweisen und die fachliche Kompetenz der Geschäftsführung zu belegen. Ideen müssen mit Partnerbanken oder Aufsichtsbehörden besprochen werden. Es braucht starke Nerven, ein durchdachtes Projektmanagement sowie eine offene Kommunikation, um Frustration vorzubeugen. Eine eigene Lizenz muss aber nicht sein: Auch eine Kooperation mit einer Partnerbank, die über diese Qualifikation verfügt, ist möglich.

Internationale Spielregeln beachten Eine Herausforderung bei der Gründung eines Fintechs sind international geltende Richtlinien und Gesetze. Ihre Einhaltung ist nach der Finanzkrise in den Fokus von Medien und Konsumenten gerückt. Hinzu kommt, dass innerhalb der EU zwar gleiche Gesetze gelten, diese aber durch länderspezifisches Recht wie das deutsche Kleinanlegerschutzgesetz ergänzt werden. Nationale Regularien können den Vertrieb und Verkauf von Finanzinstrumenten verbieten oder beschränken, sofern es Bedenken hinsichtlich des Anlegerschutzes gibt. Daher ist das Know-how von juristischen Experten wichtig.

Sicherheit geht vor Sicherheit und Schutz vor Cyberkriminalität sind für Fintechs ein Muss. Lipinski empfiehlt: „Sparen Sie nicht an Experten, die sich mit Sicherheitsvorkehrungen und Programmierungen für Sicherheitsstandards auskennen. Angriffsfläche im Code muss vermieden werden, da sich eine Cyber-Attacke fatal auf das Geschäftsmodell auswirken kann.“

Kenne deinen Markt Es ist wichtig, die Mentalität der Akteure am Markt zu kennen. In Deutschland ist Bargeld noch immer die erste Wahl im Alltag. Deutsche sind sparsam und bedacht auf ihre Finanzen. In Skandinavien hingegen funktioniert der Alltag nahezu bargeldlos. Forschungsinstitute und Unternehmensberatungen veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Studien und Whitepaper zu relevanten Branchen. Auch Marktanalysen helfen, um die jeweiligen Zielgruppen kennenzulernen, Marktpotenziale zu durchleuchten und sich ein Bild von den Wettbewerbern zu machen. Protokoll: Nils Lennard Behrens


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Medienpartner

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B2B – PRAXIS-TIPPS

„Zeichnet die Customer Journey an eine Wand!” Sales gelingt mit Struktur. Fünf Tipps von Sven Hock und Jens Hutzschenreuter

Lange Entscheidungswege, aufwendige Verhandlungen, tiefe Fachfragen: Im B2B-Vertrieb gelten anscheinend andere Gesetze als im Verkauf an Privatkunden. Dabei ist es gerade im Umgang mit Geschäftskunden besonders wichtig, tragfähige persönliche Beziehungen aufzubauen.

1. Verkauft ihr Features oder die Lösung eines Problems? Leider treffen wir im B2B-Umfeld viel zu oft auf Verkäufer, die zwar jede Menge Features aufzählen, aber überhaupt nicht auf deren Kundennutzen eingehen. Das liegt in der Natur der Sache: Wenn sich Fachleute über ein Thema unterhalten, geht es schnell um Detailfragen. Dann hilft es, einen Schritt zurückzutreten und abzuklopfen, was der Kunde davon eigentlich wirklich braucht. Lernt eure Kunden richtig gut kennen, lasst sie von ihren Problemen erzählen, stellt viele Fragen! Erst dann könnt ihr die richtigen Argumente bringen, die für ihre Herausforderungen relevant sind. Jeder Mitarbeiter sollte die drei wichtigsten Kundennutzen der Firma klar pitchen können – nicht nur die Kollegen im Vertrieb.

Im B2B-Sales sind in der Regel mindestens sieben Touchpoints bis zum erfolgreichen Abschluss nötig. Deswegen müssen alle Kontaktpunkte dokumentiert und die Leads kontinuierlich mit relevanten Informationen gefüttert werden. Ein vernünftiges CRM-System und seine konsequente Nutzung sind die Basis des Sales-Erfolgs. Wer kein CRM nutzt, läuft Gefahr, unprofessionell zu wirken. Denn eine lückenhafte Kontakthistorie führt zu unnötigen Fehlern: Kaum etwas hinterlässt einen schlechteren Eindruck als eine wiederholte Ansprache derselben Kunden durch unterschiedliche Mitarbeiter. Unsere Empfehlung für kleine Organisationen: Startet mit Bitrix oder Fresh­ sales, für bis zu zehn Sales-Leute eignet sich Pipedrive, für größere Teams ist nach wie vor Sales­force.com die beste Lösung. Getreu dem Motto „Nur was im CRM steht, ist passiert” muss das CRM der Single Point of Truth sein! Lasst das Marketing-Team für einige Tage aktiv Sales machen, damit es die Kundenbedürfnisse versteht. Nur dann gelingt eine kundenorientierte Kommunikation.

3. Habt ihr auch im Blick, was nach dem Vertragsabschluss passiert? Viele B2B-Firmen denken die Reise ihrer Kunden nicht zu Ende. Das ist fatal. Denn die eigentliche Arbeit am Kunden beginnt erst nach der Akquise durch ein dedizier-

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Fotos: Jonathan Velasquez/unsplash, Jens Hutzschenreuter, Sven Hock

2. Arbeiten Marketing und Vertrieb Hand in Hand?


B2B – PRAXIS-TIPPS

5. Weiß jeder, was von ihm erwartet wird? Damit das Sales-Team happy ist und bleibt, müssen sich alle über ihre Ziele klar sein. Es hat sich bewährt, nach einem ausführlichen Onboarding-Plan zu verfahren. Zusätzlich wichtig ist eine klar kommunizierte Erwartungshaltung in den ersten sechs Monaten. Nach der Einar­beitungsphase sind On-the-job-Trainings wichtige Führungsinstrumente. Es kommt darauf an, sie regelmäßig im Alltag umzusetzen und ein bis zwei Aspekte gezielt zu schulen. Auch das Offboarding muss nach einem geregelten Prozess verlaufen: Verlässt ein Mitarbeiter das Unternehmen Performance-bedingt, darf dies keine Überraschung für alle Beteiligten sein! Entwickelt daher Performance-Improvement-Pläne (PIP) mit euren Mitarbeitern und kontrolliert sie über mehrere Monate hinweg.

Fazit

JENS HUTZSCHENREUTER

ist Unternehmer und Angel Investor. Mit der Digital Business Group unterstützt er Organisationen in Deutschland, den USA und Kanada beim Aufbau von B2B-Sales. Er war Mitgründer von Citydeal/ Groupon.

Geht auf eure Kunden ein, nicht nur bei der Akquise. Lernt, ihren Bedarf verstehen, macht sie zu Fans und euren Botschaftern. Mit einem CRM bringt ihr Struktur in eure Prozesse, mit mehrstufigen Test-Methoden findet ihr die besten Talente, durch klare Kommunikation und regelmäßige Trainings könnt ihr sie fördern und bei euch halten. Prozesse und Verantwortlichkeiten müssen für alle nachvollziehbar sein. Nur mit Struktur und Methode habt ihr eine Chance, in der Welt des B2B-Vertriebs zu bestehen. ▪

tes Team, das regelmäßig den Kundenkontakt hält und die Leistungserbringung checkt. Dadurch entdecken sie Cross- und Up-sell-Potenzial und bauen Kunden nachhaltig aus. Nur wer seine Kunden zu Fans macht, erhält die im B2B-Bereich so wichtigen Weiterempfehlungen. Oft entscheidet professionelles Referral-Management über den langfristigen Erfolg im Geschäftskundensegment. Zeichnet die Customer Journey an eine Wand im Office und entwickelt sie über verschiedene Abteilungen hinweg weiter – von der Akquise bis zum Zahlungsmanagement sollte alles aus einem Guss erscheinen.

4. Wie standardisiert ist euer Recruiting-Prozess? Auf dem Weg zum Rockstar-Sales-Team stehen zwei steile Hürden: Erstens sind gute Vertriebsmitarbeiter in etwa so schwer zu finden wie gute Entwickler. Zweitens können Vertriebler sich im Bewerbungsgespräch häufig besser selbst verkaufen als später die Produkte des Unternehmens. Deshalb investieren erfolgreiche Vertriebsleiter viel Zeit in einen ausgefeilten Recruiting-Prozess. Nur wenn auch auf der Personalseite die Pipeline mit neuen Kandidaten gut gefüllt ist, wird es ein Sales Director wagen, sich von schwachen Mitarbeitern zu trennen. Es ist enorm wichtig, neue Kandidaten im Vertrieb vor der Anstellung ausgiebig zu testen. Klassische Bewerbungsgespräche reichen dafür nicht. Nutzt stattdessen mehrstufige, strukturierte Interview-Formate wie die Topgrading-Methode und vereinbart Probearbeitstage. Geht mit den Kandidaten standardisiert Fragen und Rollenspiele durch. Stellt sicher, dass ihr alle wichtigen Eigenschaften abklopft, nicht zuletzt die Coachingfähigkeit!

SVEN HOCK

ist Gründer von Innovation Partners, Partner für B2B-Sales-, Marketing- und Innovation-Management. Vorher war er Mitgründer und CEO des B2B-Marktplatzes Service Partner One.

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SALES-TOOLS

Vier Sales-Systeme im Überblick Suchst du noch oder weißt du schon? Vier CRM-Systeme in der Kurzübersicht. Zusammengestellt von Christian Fuchs

Pipedrive

Freshsales

Bitrix24

Telefon und E-Mail, Tracking des Benutzerverhaltens, Lead-Bewertung und noch mehr, das ist Freshsales. Es ist ein gutes Tool für den Einstieg und kleine Teams für die 360-Grad-Sicht auf den Kunden. In der kleinsten Ausbaustufe ist das Tool kostenlos (bis zu zehn Nutzer). Die kleinste Profivariante kostet 19 US-Dollar pro Nutzer pro Monat. freshsales.de

Bitrix24 bietet für kleine Teams umfangreiche Funktionen, mit der sich die Organisation im Team einfacher gestalten lässt. Funktionen wie Kontaktverwaltung, Social-Intranet, Aufgaben, Chat, Video und mehr. Bitrix24 eignet sich gut für kleine Teams und zum Einstieg. Besonderheit: bis zu zwölf Nutzer kostenlos, ansonsten zwischen 39 und 199 Euro pro Monat. bitrix24.de

Salesforce Salesforce ist die weltweit führende CRM-Plattform und wird in großen Unternehmen eingesetzt. Die Plattform zählt zu den umfangreichsten auf dem Markt. Es gibt zahlreiche Speziallösungen wie die Service Cloud und die Marketing Cloud. Die Sales Cloud bietet neben Standardfunktionen eine KI namens Einstein und gibt Empfehlungen zum Vorgehen im Sales-Prozess. Die kleinste Version Sales Cloud Lightning Essentials kostet monatlich 25 Euro pro Nutzer bei jährlicher Abrechnung. salesforce.de

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Fotos: fad1986/thinkstock, Bitrix24, Freshsales, Pipedrive, Salesforce

Pipedrive gibt einen strukturierten Überblick der Verkaufs-Pipeline und der Deals im Sales-Team. Verknüpft mit E-Mail können Gespräche nachvollzogen und zur richtigen Zeit aufgegriffen werden. Zusätzlich bietet Pipe­drive kleinen Teams Kalender- und Management- sowie Reportund Prognose-Funktionen. Preislich beginnt das Tool bei 15 Euro pro Nutzer pro Monat. pipedrive.de


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Softwareunterstützung im Vertrieb Copy-and-paste ade mit snapADDY Eine der positiven Seiten der Digitalisierung ist, dass es quasi nichts gibt, wofür es kein Tool gibt – oder bald geben wird: ob Messaging-Software, um die interne Kommunikation in Unternehmen zu erleichtern, Tools zum Management von Communities oder die Cloud, die es uns ermöglicht, überall zu jeder Zeit zu arbeiten. Viele nervige Tätigkeiten werden dank kleiner Helfer deutlich vereinfacht. Eine dieser Tätigkeiten ist die Pflege von Kontaktdaten und den endlosen Listen, in denen sie gesammelt werden. Typischerweise endlose Copy-­ and-paste-Arien. Doch damit könnte Schluss sein, zumindest im Rahmen der Kontaktpflege: Goodbye Copy-and-paste, welcome snapADDY.

„GRAB“ DIR DEINE KONTAKTE – ARBEITEN MIT SNAPADDY Der snapADDY Grabber erleichtert die Pflege von Kontakten, indem er sie automatisch erfasst. Ob E-Mail-Signatur, Visitenkarte, Website, Google Maps oder Business-Netzwerke wie LinkedIn oder XING, Kontaktdaten werden einfach „gegrabt“. Der Prozess ist denkbar einfach: Die relevanten Informationen werden markiert und über das snapADDY Icon im Browser, die Tastenkombination CTRL+C+C oder das Kontextmenü über Rechtsklick kopiert. snapADDY fügt dann alle Elemente, vom Namen bis zu den Kontaktdaten, in die entsprechenden Felder des Tools ein und ordnet dabei nahezu fehlerfrei die einzelnen Daten zu. Das lästige endlose Copy-and-paste oder ewiges Abtippen gehören somit der Vergangenheit an. Dank zahlreicher APIs werden die Daten dann sauber vom Tool in ein CRM übergeben oder können im System gesammelt und als Excel-Datei exportiert werden. Ein weiteres Highlight: Neben der automatisierten Zuordnung von den Daten zum passenden Feld (Name, Nachname, Straße etc.) hilft der Grabber auch, bereits bestehende Kontakte zu updaten. Dazu muss derzeit allerdings eines der folgenden CRM-Systeme genutzt werden: Pipedrive, Salesforce, Close.io oder Microsoft Dynamics CRM. Mindestens genauso hilfreich ist die Integration in XING und LinkedIn, der Impressums-Crawler, die Firmendatensuche über Google Maps, eine Visitenkartenscanner-App und E-Mail-Tracking für Outlook. Mit seinen Funktionalitäten positioniert sich snapADDY geschickt zwischen anderen Applikationen wie beispielsweise Email-Hunter und FullContact.

Foto: snapADDY

Das Management-Team von snapADDY (v. l.): Roland Hötzl (CFO), Sebastian Metzger (CTO) und Jochen Seelig (CEO)

UNTERSCHIEDLICHE PAKETE – AUCH FÜR STARTUPS Wie viel snapADDY kostet, hängt von der Zahl der Nutzer ab. Für Startups, die nur einen Nutzer anmelden wollen, gibt es mit 19 Euro im Monat das Basic-Angebot. Bei drei Mitarbeitern sind es 39 Euro im Monat. Will man das Tool unternehmensweit nutzen, greifen der Pro-Tarif (zehn Nutzer) oder der Premium-­ Tarif (25 Nutzer). Dafür werden 99 beziehungsweise 199 Euro im Monat fällig. Darüber hinaus gibt es auch Enterprise-Versionen, bei denen der Preis erfragt werden muss.

ZURÜCK ZUM KERN: TOOL ODER NICHT TOOL? Ganz klar: Tool. Ob als Startup oder etabliertes Unternehmen, die Pflege von Kontaktdaten frisst Zeit und damit zwangsläufig Geld. Wer viel Arbeit für die Pflege der Daten verwendet, sollte das Tool zumindest mal ins Auge fassen. Dann wird aus der stupiden Zeit der Kontaktdatenpflege wieder Zeit, sich mit den eigentlichen Kontakten auseinanderzusetzen. Und darum geht es ja schließlich.

snapADDY GmbH Die snapADDY GmbH ist ein SaaS-Startup, das im Jahr 2015 gegründet wurde. Das junge Würzburger Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, eine Software zu entwickeln, welche die Arbeit mit Leads enorm erleichtert und verbessert. Der Grabber und der VisitReport helfen Vertriebs- und Marketingmitarbeitern im Innen- und Außendienst. snapaddy.com


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Foto: Johannes F. Räbel

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INTERVIEW

Die langfristige Denke unterscheidet uns

Als Telefonbuch-Verlag gestartet, hat Müller Medien ein beachtliches Digitalportfolio aufgebaut. New Business Geschäftsführer Michael Amtmann zur Investment-Strategie. Das Gespräch führte Jan Thomas.

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annst du uns die Struktur von Müller Medien erläutern? Müller Medien ist keine juristische Einheit, sondern eine mittelständische Unternehmensfamilie, die sich zu einhundert Prozent im Besitz der Familie Oschmann befindet. Der Urgroßvater der heutigen Geschäftsführer hat die Firma vor fast 70 Jahren im Alter von 65 Jahren bei sich im Wohnzimmer gegründet. Heute ist die Unternehmensfamilie in verschiedenen Branchen unternehmerisch tätig.

Digitale Seiten: Das Branchenverzeichnis wurde 2010 von Waldemar Zeiler und Lukasz Gadowski in Berlin gegründet. Seit März 2017 gehören sie zu Müller Medien, um KMU ein Umfeld zur Kundengewinnung zu bieten. digitaleseiten.de

Und was ist deine Rolle? Ich bin 2004 über ein Trainee-Programm ins Unternehmen gekommen und dann schnell in den damals noch jungen Online-Bereich eingestiegen. Heute bin ich Geschäftsführer von elf Unternehmen und nehme die Interessen der Gesellschafter wahr. In drei Firmen habe ich auch operative Aufgaben, insbesondere beim Marktplatz-Mittelstand, der vor kurzem auch die Digitalen Seiten erworben hat. Wo seht ihr eure Kernkompetenzen? Das Verzeichnisgeschäft ist natürlich sehr vertriebslastig. Eine unserer Kernkompetenzen ist es, vor Ort beim Kunden zu beraten, also quasi die Weiterführung des etablierten Geschäfts, das kleineren Unternehmen dabei hilft, mehr zu verkaufen. Ihr operiert insgesamt recht verschlossen. Wie viele Beteiligungen habt ihr und in welcher Größenordnung investiert ihr? Wir wollen nicht die Unternehmensfamilie in den Mittelpunkt stellen, sondern

dass die einzelnen Unternehmen mit ihren Führungskräften und den zahlreichen Mitunternehmern erfolgreich sind. Im New-Business-Bereich haben wir etwas mehr als 40 direkte Beteiligungen. Dadurch, dass wir oft frühphasig investieren, liegt das typische Investmentvolumen um eine Million Euro. Im Later-Stage-Bereich oder wenn wir in reifere Märkte investieren möchten, kann das im Einzelfall höher ausfallen, wie wir dies auch in den anderen Geschäftsbereichen öfter realisiert haben. Leider klappt das nicht immer, so erhielt Gunther Oschmann trotz eines tollen Angebots für Myhammer nicht den Zuschlag der Altaktionäre. Gibt es eine Investmentthese? Eigentlich sind zwei Dinge wichtig: Einerseits die Zielgruppe der kleinen Unternehmen, also Anwälte, Steuerberater, Ärzte, Hotels, Restaurants und Freiberufler. Das liegt an unserer Historie im Verzeichnisbereich. Außerdem haben wir uns sehr stark bei Online-Buchungsdiensten verschiedener Services engagiert. Anwalt.de war eines der ersten Verticals, an denen wir uns beteiligt haben. Heute sind wir Mehrheitsgesellschafter und die Plattform ist Category Leader bei der „Suche und Vermittlung von Anwaltsdienstleistungen im Internet“. Ebenso Arzttermine, wo wir auch sehr früh europäischer Marktführer waren und inzwischen auch der Mehrheitsgesellschafter sind. Parallel zu Arzttermine hatten wir auch in Doxter investiert, wobei wir diese Beteiligung inzwischen verkauft haben. Andere Beispiele sind zum Beispiel Taxi.de, resmio, speisekarte oder auch Blauarbeit. Wir interessieren uns auch zuneh-

Anwalt.de: wurde 2004 von Stefan Morschheuser, Deniz Aytekin und Steven Feurer gegründet. Es vermittelt zwischen Rechtsratsuchenden und Anwälten. Inzwischen gehört es zur Müller Medien AG. anwalt.de

Arzttermine: 2011 gegründet, hat Müller Medien die Plattform 2016 übernommen. Es waren unter anderen die Business Angels Heiko Hubertz und Pascal Zuta investiert. arzttermine.de

Blauarbeit: Bauarbeit wurde 2004 von Ramin Ziai und John Minah gegründet. Der digitale Marktplatz für Handwerksarbeiten und Dienstleister gehört seit 2017 zum Müller Medien-Ableger Portal United. blauarbeit.de

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INTERVIEW

Bei entspannter Atmosphäre in Shan‘s Bistro am Gendarmenmarkt in Berlin erlaubte Amtmann Einblicke in die beeindruckend spannende Geschichte der Müller Medien.

Billomat: Gegründet von Simon Stücher und Thomas Weigel, ging die Buchhaltungsseite 2007 online. 2008 investierte Online New Business, ein Tochterunternehmen des Telefonbuchverlags Hans Müller. billomat.com

News.de: Die Website news.de betreibt ein weites Spektrum an Informationsangeboten und Anzeigenblättern. Nach der Insolvenz im Februar 2017 wurde die Firma von Müller Medien übernommen. news.de

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mend für Unternehmen, die unserem Kundenklientel des kleineren Mittelstands nicht nur per Werbung mehr verkaufen helfen, sondern auch das unternehmerische Leben erleichtern: Beispiele hierfür sind Ebuero oder Billomat. Seht ihr euch als Exitkanal für Unternehmen oder – wie im Fall von Doxter – eher als Zwischenstation? Wir verstehen uns als Partner der Führungskräfte und verfolgen gerne auch eine langfristige Strategie. Daher können wir beides: Growthfinanzierung, Exit an Dritte oder uns oder gemeinsam eine gute Dividende erzielen und weiter am Unternehmen arbeiten. Doxter wurde von Doctena gekauft, die dem Unternehmen eine europäische Perspektive in diesem Markt geboten haben. Eine ähnliche Entscheidung haben wir mit den Gründern von Salonmeister getroffen, als ein Angebot von treatwell vorlag. Unser Vorteil ist, dass wir keiner internen Vorgabe unterliegen, sondern case-by-case mit unseren Partnern die Alternativen diskutieren und entscheiden können. Waren Arzttermine und Doxter nicht Konkurrenten? Teilweise. Für uns ist das Thema „Arzt buchen“ allerdings sehr wichtig und der Markt war insgesamt noch in einer sehr frühen Phase. Da wir die beiden Unternehmen in der Betreuung und dem Controlling strickt getrennt haben, können unsere Mitgesellschafter sicher sein, dass sich hier keine Interessenskollisionen ergeben. In vielen Fällen vermitteln wir den Kontakt direkt zwischen den jeweiligen Unternehmen und unserer Erfahrung nach ergeben sich häufig in sich bildenden Märkten unterschiedliche Positionierungen. Mit wem würdet ihr euch vergleichen? Eigentlich sind durch unsere Struktur und unsere Herkunft vor allem das gemeinsame Unternehmen und der Austausch zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern unsere Kernaufgaben. Insofern ist es schwer sich hier zu vergleichen. Sicher ist es auch ein Vorteil für uns je nach Situation entscheiden zu können, wie hoch

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die Beteiligung der Unternehmensfamilie ausfallen sollte – so sind wir nicht abhängig davon, alles zu konsolidieren und somit zum Beispiel unbedingt über 50 Prozent der Anteile halten zu müssen. Wie weit geht ihr mit? Auch hier können wir individuell entscheiden. Wir könnten dauerhaft an Bord bleiben. Es ist aber in manchen Fällen ebenso sinnvoll, einen Exit in einer Finanzierungsstufe zu verfolgen. Unser Ziel ist es, dass Unternehmen den Break-Even erreichen können und irgendwann Cashflow-positiv sind. Wenn jemand nur etwas aufbaut, um es schnellstmöglich zu verkaufen, sind wir nicht der richtige Partner. Mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell beurteilt man die Alternativen in jeder Phase des Branchenzyklus entspannter. Ihr habt News.de von Unister gekauft. Seid ihr also auch opportunitätsgetrieben motiviert? Ganz klar ja. Wir können uns schnell in die Situation der Führungskräfte und des Unternehmens reindenken und durch die Familie schnell handeln. Wie passt das zu euch? Wenn man sich eure Investmentthese ansieht, trifft es nicht ganz den Kern. Ja, das ist richtig. Aber es gibt noch eine Sparte, die ich noch nicht erwähnt habe und das ist der Bereich „Print-Media“. Wir haben, größtenteils in Bayern, Anzeigenblätter, die gedruckt erscheinen. Streng genommen also Transportmedien, um Werbesendungen über den Briefkasten zu verteilen. Bei kostenlosen Zeitungen gehören wir in Bayern zu den größeren Anbietern. Zu diesem Segment gehört auch das Unternehmen Offerista, bei dem wir als größerer Gesellschafter sehr gern mit einem tollen Team zusammenarbeiten. Es fokussiert sich auf digitale Prospektverteilung. Also das Bonial-Konzept? Genau. Die sind auch ähnlich früh gestartet. Bonial gehört ja zu Axel Springer. Durch die Fusion von Markt-

Foto: Johannes F. Räbel

Ebuero: Ebuero wurde 2000 von Holger Johnson mit Sitz in Berlin gegründet. Der Dienstleister übernimmt das telefonische Sekretariat von Unternehmen und sorgt so für einen 24 Stunden Service. ebuero.de


INTERVIEW FACTORY jagd, bei denen wir Beteiligungen haben, mit der Barcode-Scanning-App Barcoo, einer anderen Berliner Beteiligung, kam der Durchbruch in der Kombination von Reichweite, Verkauf und Marke. Das kombinierte Unternehmen heißt Offerista Group und ist eigentlich ein idealer Fit. Marktjagd hatte die Kunden, aber es fehlte an Reichweite. Barcoo hingegen hatte eine sehr große Reichweite, aber noch kein stabiles Geschäftsmodell. Durch die Zusammenführung können beide ihr Potenzial entfalten und das Team weiter ausbauen. Und eure Rolle in so einem Prozess? Habt ihr diese Fusion initiiert? Wenn wir identifizieren, dass einem Unternehmen ein Baustein fehlt, den ein anderes Unternehmen beisteuern könnte, dann regen wir auf jeden Fall ein Gespräch zwischen den Führungskräften an. Natürlich sind die Gründer die Experten der Geschäftsmodelle. Sie kennen sich in ihrer Branche am besten aus und haben in diesem Fall die jeweiligen Schwächen ihrer Modelle bereits verortet. Hinzu kommt, dass bei Marktjagd Teile des ursprünglichen Gründerteams ausgeschieden sind, weswegen wir aktiv geholfen haben, ein Management mit Gründungserfahrung zu suchen. Es kommt ja immer wieder vor, dass ein Unternehmen der Startup-Phase entwachsen ist und sich etwas Neuem zuwenden möchte. Ihr seid auch schon lange bei billiger.de beteiligt. Wie hat es sich unter euch entwickelt? Billiger.de ist der zweitgrößte deutsche Preisvergleich hinter idealo. Sie entwickeln sich sehr stabil, haben ein tolles Team und eine Reihe sehr interessanter Ideen, wie man sich trotz einer nicht immer ganz einfachen Behandlung durch einen großen Spieler toll entwickelt. Mit Marktjagd und billiger.de habt ihr also direkte Konkurrenten zu Springer-Beteiligungen. Seid ihr ein Konkurrent von Axel Springer, vielleicht ohne es zu wissen? Ich glaube, hier sind zwei völlig unterschiedliche Ligen angesprochen. Auf welche Transaktionen seid ihr denn am stolzesten? Welche Unternehmen haben sich am besten entwickelt? Hier würden wir einen Fehler machen einen unserer Partner besonders hervorzuheben, jeder in unserer Branche weiß, wie schnell sich Rahmenbedingungen, Geschäftsmodelle und andere Einflussfaktoren ändern können. So sind die Stars von heute eventuell schnell unter Druck und umgekehrt können Unternehmen an einem Pivotpunkt sehr schnell an Profitabilität gewinnen. Wir haben den Vorteil, dass wir schon viel gesehen und erlebt haben und in jeder Phase ein guter Partner sein können. Gibt es Unternehmen, wo ihr rückblickend Kritik an euch selbst üben würdet? Wo ihr danebengegriffen habt oder wo eure Rolle nicht richtig definiert war? Oh, da gäbe es sehr viel zu erzählen und wir berufen uns da auch gerne darauf, dass wir als Familienunternehmen nicht alles veröffentlichen müssen. Wir versuchen diese Fälle aufzuarbeiten, damit wir Platz haben, neue Fehlschläge zu ertragen.

Und wie ist es bei Dialo? Hier ist der Traffic stark rückläufig. Ist das so ein Fall, wo ihr Pech hattet? Das ist ein ganz gutes Beispiel: Dialo war ursprünglich als Bewertungsportal konzipiert, ähnlich wie Yelp. Aber es ist uns nicht gelungen, es erfolgreich zu etablieren. Vielleicht, weil unsere Kernkompetenz damals stärker im B2B lag und wir den Nutzer vernachlässigt haben. Dialo hingegen ist ein klassischer B2C-Ansatz, wo man eine Community aufbauen und pflegen muss. Das ist aber auch in Ordnung, denn wir haben dadurch Know-how gewonnen, das in anderem Kontext sehr wertvoll für uns ist.

Offerista: Offerista ist ein Anbieter für standortbasiertes Marketing, enstanden aus dem Zusammenschluss von Marktjagd und Barcoo. Geschäftsführer sind Benjamin Thym, Tobias Bräuer und Jan Großmann. offerista.com

„Eine unserer Kernkompetenzen ist es, vor Ort beim Kunden zu beraten“ Ihr hattet auch die inzwischen eingestellte Reservierungsplattform Gourmeo übernommen. Zählt das auch zu den Fehlschlägen? Gourmeo war bereits vor der Übernahme eingestellt. Wir haben nur ein paar Assets übernommen, die uns interessiert haben und die Marke klingt ja nicht schlecht. Allerdings haben wir eine Einführung hinten angestellt; Wir sind parallel in Resmio investiert, einem Tische-buchen-Dienst aus Berlin. Und wir waren früh beim europäischen Marktführer Bookatable beteiligt, weil wir das Thema „Restaurants“ sehr früh gesehen haben. Da gab es dann aber einen Exit an die Michelin-Gruppe. Also braucht man für die ideale Wertschöpfungskette sowohl ein Verzeichnis als auch ein Buchungssystem? Unserer Erfahrung nach ist es wichtig, mehrere Geschäftsmodelle anzutesten: Wir kommen aus sehr stabilen etabliert wiederkehrenden Geschäftsbeziehungen, die wir nun durch transaktionalere Elemente erweitern können. Das Thema „Buchung“ ist eine Ausprägung der Transaktion, muss sich aber erst noch bei den KMU etablieren und befindet sich im Wachstum. Im Ärztesegment ist das aus verschiedensten Gründen nicht ganz so trivial wie in anderen Branchen wie beispielsweise Restaurants. Aber man sieht an vielen Beispielen, dass eine eigene Reichweite, eine gute Markenbekanntheit oder ein organisches Suchmaschinen-Ranking hilfreich ist, um so eine Ergänzung zum Modell aufbauen zu können. Eine gute Brücke zu Digitale Seiten, die ihr im April 2017 erworben habt. Da dürfte die Herausforderung ähnlich sein. Bei Verticals muss man in den jeweiligen Branchen über eine relevante Reichweite verfügen. Man muss die branchenspezifischen Nutzerbedürfnisse sehr genau adressieren können. Das funktioniert in rein generischen Verzeichnissen mit SEO Fokus immer weniger. Neue Technologien und Nutzerbedürfnisse sorgen dafür, dass

Billiger.de: 2004 gegründet, übernahm 2007 eine Tochtergesellschaft der Pro7Sat.1 SE, die zuvor kooperierten. Jetzt sind ca. 90 Prozent bei einer Verlagsgruppe von Verzeichnisverlagen. billiger.de

Dialo: Dialo hilft bei der Kontaktaufnahme von Kunden und Unternehmen. Gegründet wurde Dialo im Jahr 2006 von Daniel Grözinger und Sven Schmidt. Seit 2007 gehört Dialo zum Portfolio der Müller Medien. dialo.de

Gourmeo: 2011 von Christian Wiens und Tobias Böcker unter dem Dach von Springstar gegründet, fusionierte das Portal später mit Tablespots. Die Tablebooking-App aus Heidelberg wurde 2013 an Müller Medien verkauft.

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INTERVIEW

Wie seht ihr die internationale Konkurrenz? Prozesse auf Zahlungsebene sind beispielsweise in ausländischer Hand. Und wahrscheinlich gibt es auch in den Verzeichnisbereichen starke internationale Player? Wir alle leben in den vor allem durch US-amerikanisch geprägten Ökosystemen von Search, Appstores, Social, Instant Messaging etc. Ein Verzeichnis ist ein Thema der lokalen Suche und sieht in jedem dieser Rahmen unterschiedlich aus, weswegen man seinen Platz individuell definieren muss. Die lokale Verbundenheit mit unserem „Vor-Ort-Service” sehen wir in unseren Märkten weiterhin als Stärke und Vorteil. Betrachtet man die Erfolge unserer Kunden in den einzelnen Produkten, dann schneiden Gelbe Seiten, Das Örtliche und Das Telefonbuch in vielen Leistungswerten besser ab als die großen US Systeme. Unsere Erfahrungen mit den großen Tech-Unternehmen geben wir sehr gerne an unsere KMU Kunden weiter, sodass diese ordentlich digital vertreten sind und mehr verkaufen können. Zurück zu Digitale Seiten. Das Unternehmen dürfte hervorragend zu euch passen. Quasi eine Multiplizierung der Vertikalisierung. Genau. Wir haben mit anwalt.de die Erfahrungen gemacht, dass man sehr stark in die einzelnen Verticals und Branchen reingehen muss. Digitale Seiten haben wir uns schon länger angeschaut, haben aber auch gesehen, dass es im Handwerksbereich schwieriger ist als in anderen Branchen. Ende 2016 haben wir die Verhandlungen aufgenommen und sind dort auf offene Ohren gestoßen. Geht ihr immer proaktiv auf Unternehmen zu? Natürlich kommen auch viele Unternehmen auf uns zu. Aber die Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, sich auch außerhalb konkreter Deals als Mensch kennenzulernen. Die besten Deals und Opportunitäten kommen in der Regel aus dem Netzwerk. Oder dadurch, dass man Marktthesen entwickelt und proaktiv wird. So hatten wir das beispielsweise auch bei Billomat gemacht, einer Buchhaltungssoftware für kleine Unternehmen. Hier sind wir sehr früh eingestiegen, eigentlich pre-Seed, nachdem wir über das Projekt gelesen hatten. Aus unserer Sicht ist das Thema „Buchhaltung“ für alle kleinen Unternehmen wichtig, weswegen wir unsere Beteiligung sukzessive ausgebaut und schließlich die Anteile von den Gründern übernommen haben. Es fällt auf, dass ihr eigentlich nie die Transaktionsvolumen oder Kennzahlen kommuniziert. Wie kommt das? Bei den Digitalen Seiten haben wir uns gegenseitig dazu verpflichtet, dass wir nichts verlauten lassen. Ich kann so viel sagen, dass Digitale Seiten 20 Branchen-Verticals mit circa einer Millionen Besuchern im Monat betreibt. Mit dachdecker.com, elektriker.net und

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gartenbau.org sind einige für die jeweiligen Branchen sehr relevante Plattformen dabei, die teilweise in ihrer Branche marktführend sind. Wir generieren auf den Seiten mehrere tausend Leads pro Monat. Ansonsten verbringen wir lieber Zeit damit, mit unseren Partnern Ideen und Geschäftsmodelle zu diskutieren oder Kunden zu besuchen – als an der Außenkommunikation unserer Entwicklung zu feilen. Wahrscheinlich war Digitale Seiten noch nicht profitabel. Sie stammen aus dem Kader von Team Europe, die ihren Fokus bereits vor längerer Zeit auf Delivery Hero gelegt haben. War es also ein Firesale? Nein, es war mit Sicherheit kein Firesale. Aber das Thema hat sich anders entwickelt als ein klassischer VC-Case. Es ist kein Hockeystick-Thema, wo man schnell hohe Wachstumsraten hinbekommt. Man muss mühsam jeden Handwerker akquirieren. Dafür braucht es die not-

„Wir verstehen uns als Partner der Führungskräfte und verfolgen eine langfristige Strategie“ wendige Erfahrung. Die bringen wir mit. Wir kennen die Märkte und haben die Geduld, so etwas langfristig zu entwickeln. Außerdem haben wir mit dem klassischen Verzeichnisgeschäft auch ein passendes Asset. Wenn man einem Handwerker, der gerade eine Anzeige in den Gelben Seiten gebucht hat, nun noch eine Digitalpräsenz auf dachdecker.com verkaufen möchte, dann muss man ihm die Welt nicht neu erklären. Digitale Seiten ist also noch defizitär? Wenn man es richtig aufzieht, müsste es doch eine Gelddruckmaschine sein? Waren das Managementfehler? Das sagt sich einfach – wenn wir uns die KMU oder SaaS Geschäftsmodelle ansehen, ist Geduld neben der Strategie eine wichtige Erfolgskomponente – es dauert einfach ein wenig länger und uns steht es nicht zu, hier über diese Gesellschaft zu urteilen. Wenn die Gründer nicht den Mut bewiesen hätten, die Gesellschaft zu gründen, würde vielen KMU eine wichtige Plattform zur Kundenpflege und Neukundenakquise fehlen. Ihr besitzt mit Blauarbeit ein weiteres Handwerks­ portal. Baut ihr da eine interne Konkurrenz auf? Das wäre der falsche Schluss. Wir sehen unterschiedliche Ansätze zur Bedienung zweier unterschiedlicher Zielgruppen. Im Gegensatz zu Dackdecker.com setzt Blauarbeit nicht nur auf Innungsbetriebe und Meisterbetriebe, sondern ist bereits ein fortgeschrittener Plattformservice. Für viele Aufgaben ist nicht unbedingt der Meisterbrief hilfreich. Diese Anbieter findet man auf Blau-

Foto: Johannes F. Räbel

Prozessketten aufgesplittet werden, wobei immer mehr Prozesse in Richtung Software und mobile Services oder Plattformen abwandern. Viele Lösungen sind branchenindividuell. Und so muss man für diese einzelnen Branchen Portale oder Marken herausbilden, die bessere Suchkriterien haben oder mehr Möglichkeiten der Interaktion bieten.


INTERVIEW Das ist einerseits getrieben durch die unternehmerische Neugier. Wir haben an neuen Technologien und Modellen ein besonderes Interesse. Zum anderen passiert gerade im Messaging-Bereich viel und dabei dreht es sich oft um Serviceleistungen. Hier liegen Chancen der Prozesseffizienz und Verbesserung in der Kundenkommunikation für alle unsere Kunden. Vielleicht entwickelt sich daraus ein weiterer spannender Kanal für unsere KMU.

Geschäftsführer mit digitaler Vision: Michael Amtmann.

arbeit, wo sich verschiedene Betriebe um einen eingestellten Auftrag bewerben und in der Regel der beste Preis gewinnt. Mit den digitalen Verzeichnissen schaffen wir hingegen die Möglichkeit, eine Reihe an Handwerksbetrieben aus der eigenen Region zu kontaktieren, die sich durch eine andere Qualitätsebene wie zum Beispiel eine große Tradition, einen Meisterbrief oder als Innungsbetrieb auszeichnen. Durch eure Aktivitäten seid ihr im Leadgenerierungssegment sehr erfahren. Kannst du uns Einblicke geben, wie wertvoll ein Nutzer bzw. Traffic ist? Und wie bewertet ihr einzelne Märkte? Wir schauen uns an, wie stark Traffic und Marke sind. Wie hoch sind die wiederkehrenden Nutzer und wie resultiert der Traffic in Conversions? Wichtig ist auch, wie viele Leads generiert werden und wie sich diese verteilen. Leads in Städten können zum Beispiel in manchen Branchen mehr wert sein als auf dem Land. Zudem schauen wir uns die Sichtbarkeit der organischen Rankings an. Ist sie rückläufig oder nur auf den Verkauf getrimmt worden oder ist sie organisch gewachsen? Die Zukunft bepreisen wir kaum. Es wäre uns gegenüber nicht fair, wenn wir das, was wir an Impact oder Know-how mitbringen, in eine Akquisition mit reinrechnen würden. Ihr investiert vermehrt in Innovationsthemen, zum Beispiel in einen Robotext-Service (AX Semantics) und in einen Chatbot-Service (Whatsbroadcast). Weshalb?

Gehört Crowd Guru auch in diese Riege? Hier sind wir zwar der größte Anteilseigner, aber es ist keine Mehrheitsbeteiligung. Crowd Guru fokussiert sich auf das „Trainieren von AI-Systemen“. Jeder spricht im Moment von künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzwerken sowie Deep Learning, aber viele von diesen Applikationen müssen erst mal auf den speziellen Anwendungszweck trainiert werden. Selbst die schlauesten Systeme funktionieren nicht aus dem Stand, sondern müssen trainiert werden. Crowd Guru trainiert diese Algorithmen auf entsprechende Anwendungsfälle. Das ist neben der erfolgreichen Bearbeitung von verteilten Tätigkeiten ein interessanter Bereich. Vielleicht kannst du abschließend noch kurz ein paar Sätze zu Nürnberg als Standort sagen? Um Nürnberg gibt es natürlich viel weniger Hype als um Berlin. Aber interessanterweise baut die bekannte Direktbank ING-Diba in Hannover Arbeitsplätze im Bereich „Verwaltung“ ab und baut sie stattdessen am Standort Nürnberg auf. Denn Nürnberg ist ein sehr starker IT-Standort und bietet bessere Zukunftsperspektiven. Das hängt sicher auch mit der DATEV zusammen, die dort sitzt. Aber es gab und gibt auch viele erfolgreiche Online-Unternehmen, die aus Nürnberg kommen. Beispielsweise hotel.de, Immowelt oder Anwalt.de. Und es gab schon immer eine sehr starke IT-Szene im „Linux-Umfeld“, speziell SUSE Linux. Der Wettbewerb um Arbeitskräfte ist zwar überall eine große Herausforderung, aber er ist in Berlin wahrscheinlich deutlich härter als in Nürnberg. Außerdem müssen wir noch am Thema Fussball Bundesliga arbeiten.

AX Semantics: Die Software des Unternehmens AEXEA von Saim Alkan wurde 2001 gegründet. 2014 wurde sie zu einer Online-Plattform. 2016 erfolgte dann ein 7-stelliges Investment, auch durch Müller Medien. ax-semantics.com

Whatsbroadcast: Das Tool Whatsbroadcast wurde 2015 gegründet und sitzt in München sowie Augsburg. 2017 erhielten sie ein Investment in Höhe von 5 Milliarden Euro auch von Müller Medien. whatsbroadcast.com

Crowd Guru: Die Plattform Crowd Guru wurde 2008 in Berlin gegründet und 2015 von Müller Medien gefördert. Weitere Investoren sind die IBB Beteiligungsgesellschaft und die Richmond View Ventures. crowdguru.de

MÜLLER MEDIEN

Zum Unternehmen gehören die fünf Geschäftsbereiche Directories, Broadcast, Print Media, Book und New Business mit mehr als 60 regionalen Fernseh- und Rundfunkanbietern in Deutschland und Österreich. Außerdem Telefonbuch-, Zeitungs- und Kinderbuchverlage. Müller Medien beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter. Es gibt Standorte auf der ganzen Welt in Europa, Asien und Amerika.

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INTERVIEW

ORnaXlist (Zeit, Menrdi-e H S A dwe Jour HI MATTer Laufbahn earlszur JahrtausInenstitutionen

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INTERVIEW

„Das Wesen der Zukunft ist die Ungleichzeitigkeit“ Zukunftsforscher Matthias Horx über die Ängste und Hoffnungen der modernen Gesellschaft

Foto: Klaus Vyhnalek

Das Gespräch führte Jan Thomas.

Sie haben für 2018 die beiden Schwerpunktthemen Hoffnung und Resonanz definiert. Können Sie kurz erklären, was es damit auf sich hat? Zukunft wird ganz oft durch technologische Trends beschrieben und modelliert. Das Zukunftsinstitut versucht hingegen, auch die Subtöne in Gesellschaft, Kultur und Denken abzubilden. Neben der Digitalisierung ist unser großes Thema eigentlich die gesellschaftliche Angst, also die Hysterisierung des Gesellschaftlichen und die extremen Übertreibungen, die sich auch im Medialen zeigen. Und das hat auch wiederum mit Digitalisierung zu tun. Man könnte die Diagnose treffen, dass wir in einem Zeitalter der Überresonanz oder der noch nicht erlernten Resonanz leben. Das Internet verbindet ja alles mit allem, aber dadurch entsteht auch jede Menge Unsinn. Durch dieses Hochschaukeln entstehen Extreme, wie die Wahl von Trump oder der Brexit oder eben der Populismus als politisches Phänomen. Resonanz ist dabei eine Art Grundbeschreibung von Welt und Wandel. Resonanz hat ja einerseits diese anthropologische Konstante, dass wir Resonanzwesen sind. Menschen wollen immer gesehen, gehört und gewertschätzt werden, was auch ein Grund für den Populismus ist. Denn viele Menschen fühlen sich nicht gewürdigt und werden deshalb sehr zornig. Man könnte sagen, wir leben momentan in Resonanzkatastrophen, nämlich dem gegenseitigen Hochschaukeln von Befürchtung und Ängsten; mit der Hoffnung als Gegenelement. Es gibt erstaunlich viele Länder und Regionen, die besondere Fortschritte gemacht haben, von denen man nicht in den Medien liest. Oder es gibt eine neue Ethik der Gelassenheit, der vielleicht größten unterschwelligen geistigen Bewegung unserer Zeit, nämlich der Achtsamkeitsbewegung. Mit diesen weichen Phänomenen setzen wir uns auseinander und verfolgen eine Art holistische Zukunftsforschung, die auch das Geistige, das Mentale und ein Stück weit auch das Philosophische einbezieht. Unser Zukunftsbegriff ist oft zu eng, weil er sich nur auf Technik bezieht. Und Technik hat dann doch immer auch die Tendenz zu scheitern. Welche Zwangsläufigkeiten oder Megatrends bestimmen die Zukunft? Zukunftsforscher sind eine Art Modellbauer. Wir versuchen zu verstehen, wie Wandel überhaupt stattfindet. Hierzu gibt es zahlreiche Meinungen – von reiner Zufall bis hin zu alles vorbestimmt. Die Wahrheit liegt in einer

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INTERVIEW

Wie erkennt man, was in Zukunft relevant oder weniger relevant werden könnte? Letzten Endes führen wir eine Simulation durch, indem wir versuchen, ein System zu begreifen. Da spielen Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Big Data große Rollen. Es geht aber nicht um eine zahlengenaue Voraussage der Statistik, sondern um ein Verständnis, in welchen große Zyklen etwas in der Gesellschaft schwingt oder wann Sättigungen entstehen oder Systeme an sich selbst scheitern. Die digitale Transformation und die industrielle ähnelt sich stark. Auch damals sind zunächst gigantische Imperien und Monopole entstanden, die dann wieder zerfallen sind. Dabei ist es zu unglaublichen Zerschlagungen von Gesellschaft gekommen. Vor 100 Jahren, als die Fabriken entstanden sind und Menschen begonnen haben, dort zu arbeiten, gab es eine Zeit der Übermobilisierung. Und auch das Digitale erzeugt solche Phänomene. Menschen strömen in die Städte, wodurch neue Problemstellungen entstehen. Also muss man sich über den nächsten Schritt Gedanken machen. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass nach jeder Stadtflucht wieder eine Landflucht und nach jeder Landflucht eine Stadtflucht kommt. In unserem aktuellen Zukunftsreport erzählen wir die Geschichte der progressiven Provinz. Wir sehen, dass es in Deutschland durchaus Kleinstädte, mitt-

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lere Städte und Regionen gibt, die eben nicht ausbluten, weil die Menschen fliehen, sondern die sehr stark prosperieren. Gibt es in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung nicht eher den globalen Bürger? In der Tat gibt es eine global digitale, hoch vernetzte Klasse, die hypermobil geworden ist und im Prinzip in allen Städten leben könnte. Aber wie erklären Sie mir dann bitte Pegida in Sachsen? Das sind auch vernetzte Menschen. Die Technik alleine ist es also nicht. In je-

„Das Internet verbindet alles mit allem, aber dadurch entsteht auch jede Menge Unsinn“ der Auflösung von Zugehörigkeit entsteht auch immer das Bedürfnis nach einem neuen Wir – bis hin zur fanatischen Suche. Schauen Sie sich mal eine russische Gesellschaft an, oder die vielen Nationalismen, die derzeit wieder kommen oder die Orientierung an der Religion. Daran zeigt sich, dass es auch anthropologische Konstanten gibt, die man einfach nicht wegdigitalisieren kann. Und wenn sich dann eine tribale Kultur im Internet gründet mit den ganzen Fake News und Lügengebilden, ist das nichts anderes als Kollektivbildung. Sie kriegen gewissermaßen den guten alten Menschen nicht aus dem System heraus. Es wird immer angenommen, dass Technik oder ein System alles neu macht. Dem ist gar nicht so. Es macht nämlich einerseits neu, andererseits kehrt es als dann neue Form zurück. Das nennen wir die Rekursion. Eine unserer Grundthesen ist, dass sich Zukunft rekursiv entwickelt, in Schleifensystemen. Und das ist ein Denkmuster der Komplexität, mit dem wir auf die Welt schauen. Eine Pegida in Sachsen hat also nichts damit zu tun, dass Sachsen in der Entwicklung möglicherweise ein paar Jahre zurückhängt? Die Frage ist, welche Entwicklung man als absolut setzt. Das ist nicht so einfach, denn wir erleben eine Durchmischung von Alt und Neu. Und Sachsen ist dann theoretisch überall, denn es gibt immer irgendwo Peripherie und Zentrum. Und es gibt immer Menschen, die von bestimmten Entwicklungen profitieren, während andere einen Nachteil davon haben. Das wird auch so bleiben. Das Wesen der Zukunft ist die Ungleichzeitigkeit. Wir haben ja heute noch mindestens einhundert tribale Gesellschaften auf der Erde, die noch nahezu so leben wie unsere Vorfahren vor 100.000 Jahren. Und das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Dann wird es vielleicht andere Tribes geben, digitale Tribes. William Gibson hat das in seinem berühmten Werk Neuromancer schön beschrieben, wie archaische Verhältnisse immer wieder entstehen.

Foto: Zukunftsinstitut GmbH

Kombination und in der Erkenntnis von Komplexitätsprozessen. Und diese formen sich aus der Dialektik von Trend und Gegentrend. Die Globalisierung war der große Megatrend der letzten 30 Jahre, seit das Outsourcing in den 1980er-Jahren begonnen hat und der Finanzkapitalismus sich dann in den Nullerjahren durch die Finanzkrise selbst in die Luft geschossen hat. Heute kehrt sich Globalisierung um in einen neuen Nationalismus. Die Frage wird sein, was dabei herauskommt. Wir sehen, dass der Outsourcing-Industrialismus, also die Jagd nach immer billigeren Löhnen, jetzt vorbei ist. Stattdessen gibt es jetzt eine multipolare Welt, in der viel mehr Reibungsflächen entstehen als in der alten bipolaren, wo es nur Westen und Dritte Welt gab. Dabei spielt der Aufstieg Chinas eine große Rolle, aber auch die ganzen neuen Utopismen eines Golf Futurismus, wie man das vielleicht nennen kann, also die arabischen Länder. Ebenso die Frage, wie sich ein neues Europa konstituiert, das sich auch jenseits der Natio­nalstaaten orientieren dürfte. Wir sehen zurzeit ein Europa der Regionen, bei dem die Städte eine immer größere politische Macht erlangen. Man hat das auch bei den Eskapaden von Herrn Trump gesehen, der quasi die ganze Nation in eine nationalistische Richtung bringen will, während die ganzen Bürgermeister dann trotzdem ihre Städte CO2-frei bekommen wollen. Das ist typische Glokalisierung. Die Macht geht auf die lokale Ebene über. Parallel steuert der Urhype des Digitalen auf einen Zenit zu. Während Phänomene wie Bitcoin zwar für die Verabsolutierung des Digitalen stehen, zeichnet sich hier eine Brechung ab. Es gibt so etwas wie einen digitalen Überdruss in der Gesellschaft. Die großen Plattformen bekommen Schwierigkeiten – einerseits durch Regulation, andererseits durch tiefe Abneigung. Wenn wir uns beispielsweise Facebook anschauen, wie das Narzissmus prägt oder Lüge und Blasenwelten erzeugt, dann realisisert man, dass auch solche Systeme an ihre Grenzen kommen.


INTERVIEW

Matthias Horx bei einem seiner zahlreichen Vorträge

Welche Rolle schreiben Sie den Riesenfirmen der Zukunft zu, die ja eigentlich ein Layer beherrschen, das uns alle tangiert? Die werden in den nächsten Jahren in gewaltige Krisen hineinschlittern und sich mit Sicherheit von innen her wieder zerspalten. Solche großen Konglomerate können sie in Wirklichkeit gar nicht mehr steuern. Die unterliegen ab einem gewissen Punkt chaotischen Gesetzen. Und auf

„Es gibt so etwas wie einen digitalen Überdruss in der Gesellschaft“ der einen Seite gibt es eine Tendenz zur Regulation und zeitgleich bemerkt man auch, dass sie innerlich stottern. Nehmen Sie beispielsweise Uber: Das ist eine Firma, die einige systemische Grundregeln nicht beachtet hat. Es ist kein Zufall, dass sie im erotisch sexuellen eine übergriffige Kultur in ihren Führungskreisen hatten. Dieser scheinbare Zufall hat natürlich etwas mit der Struktur dieses Unternehmens zu tun. Das ist ein parasitärer Digitalismus, der dort herrscht. Dieses neue Geschäftsmodell ist einfach nicht human, weswegen es immer wieder innere Aufstände gibt. Irgendwann wird sich dann das bessere und faire-

re Uber gründen oder Uber wird sich selbst wenden und verbessern. Dasselbe erleben wir jetzt mit Facebook, die plötzlich spüren, dass sie sich aus den Hassfragen nicht heraushalten können und plötzlich in Berlin 1500 Hassmoderatoren einstellen. Und Amazon wird irgendwann Kartellklagen bekommen. Diese ganzen Dinge befinden sich im Prozess. Doch wahrscheinlich werden die großen, richtigen monopolistischen Strukturen zunächst mal in China entstehen, denn dort ist das noch viel monolithischer. Die werden irgendwann von ihren inneren Widersprüchen zerrissen, genau wie die Eisenbahngesellschaften 1870. Und die Zentrifugalkräfte werden dafür sorgen, dass sie andere Konfigurationen annehmen werden. Steht das nicht im Konflikt zum Prinzip des Staates – dass beispielsweise Google mächtiger werden könnte als ein Staat? Es erscheint linear logisch. Die Konzerne werden immer mächtiger, während die Staaten immer schwächer werden. Das erzählt sich jeder gegenseitig auf jeder Digitalkonferenz. Es ist aber einfach nur ‚Digital Bullshit‘. Staaten sollte man nicht einfach vorschnell totschreiben. Die Menschen werden sich wieder um den Staat scharen, wenn sie das Gefühl bekommen, betrogen worden zu sein. Und das kann schnell passieren. Wie sehen Sie die Rolle der Medien vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Angst durch mediale Übertreibung? Vor welchen Herausforderung stehen wir? Viele Entwicklungen müssten moderiert werden, doch man hat das Gefühl, dass Medien diesen Entwicklungen gar nicht mehr Herr werden.

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INTERVIEW

Matthias Horx gilt als einer der wichtigsten Trendforscher Deutschlands.

„Digital Diet ist in Amerika ein Riesenthema“ immer perverseren Formen von Aufmerksamkeitserregung. Die Medien sind keine Reflektoren mehr, sondern Erregungsmaschinen, die zuspitzen, sich zunehmend selbst erregen und sensationieren. Weil sie an die zentrale Ressource ran müssen. Ich bin ja selber Journalist, deshalb weiß ich: Je mehr man zuspitzt und je mehr Blut versprochen wird, desto mehr wird geklickt oder wahrgenommen. Und das sprengt das mediale Wahrnehmungssystem in die Luft, denn es wird immer verrückter. Wenn man heute Fernsehen guckt, hat man das Gefühl, man ist im Irrenhaus. Es ist unvorstellbar, welche Trivialisierung stattfindet. Aber die finden natürlich ihre Kunden, wodurch die Gesellschaft in den Wahrnehmungsformen auseinandergerissen wird. Und das führt zu Schichtenkonflikten und zu Populismus. Aber andererseits führt es auch dazu, dass ein immer größerer Anteil der Bevölke-

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rung von diesen medialen Überforderungen einfach abschaltet. Das ist der Kern der Achtsamkeitsbewegung. Ich kenne praktisch niemanden, der nicht versucht, seinen Medienkonsum radikal zu verändern, auch den digitalen. ‚Digital Diet‘ ist in Amerika ein Riesenthema. Der Terrorismus des Smartphones wird inzwischen nicht mehr nur von einer Minderheit diskutiert. Viele Menschen verzweifeln, weil Smartphones permanente Distraktion, Klebrigkeiten und Zumutungen erzeugen. Die gebildeten Schichten verlassen das Fernsehen und zunehmend auch die sozialen Medien. Die Medien zerstören sich gewissermaßen selbst. Menschen sind lernfähig, wenn sie lernen müssen. Und weil sie diesen Wahn aus dem Kopf herauskriegen möchten, der uns dieses hypermediale Zeitalter, diese Überresonanz, beschert. Die mediale Skepsis wird in den nächsten Jahren zu Offlinebewegungen und Reanalogisierung führen. Sorgt die Medienüberflutung nicht für eine Art Dämmerzustand bei den Menschen? Müsste daher die Resonanzkompetenz nicht Aufgabe der Bildung sein? Welche Rolle kommt der Bildung bei der Gestaltung einer gesunden Zukunft zu? Der Bildungssektor ist spannend, weil er sich ja der Steigerungsvermutung der Digitalität verweigert hat. Wir sprechen unentwegt davon, dass man die Schulen digitalisieren soll, während jeder spürt, dass dies Blödsinn ist ist. Lernen ist ein seelischer Akt zwischen Menschen. Etwas, das mit Berührung und Gefühl zu tun hat. Selbst Sebastian Thrun, einer der großen Gründer der Lerndigitalisierung, hat inzwischen zugegeben, dass seine Produkte nicht funktionieren. Microlearning und Weiterbildungen funktionieren digital, aber sobald es komplex wird, schalten Menschen bei diesen Kurse ab. Deshalb läuft es auf eine Kombination hinaus, wo wir digitale Medien nutzen, ihnen aber nicht verfallen.

Fotos: Zukunftsinstitut GmbH

Ja. Und das liegt an einer ganz simplen Tatsache. Es geht nämlich immer um Knappheit. Die gesamte Menschheitsgeschichte und Ökonomiegeschichte ist ja eine Geschichte der Knappheit. Und um die entsprechenden Rohstoffe entstehen die Knappheitskonflikte. In meiner Jugend war noch das Öl als zentrale kommende Knappheit antizipiert. Heute herrscht hingegen ein Mangel an menschlicher Aufmerksamkeit. Und dadurch, dass die medialen Kanäle dermaßen explodiert sind, kommt es zu


INTERVIEW Es scheint relativ viele Konflikte zu geben, die tendenziell unlösbar wirken. Ist der Mensch überhaupt in der Lage, den ganzen Herausforderungen der Zukunft zu begegnen? Das ist eben der Kern der Achtsamkeitsbewegung. Man fängt an, darüber nachzudenken, ob man seinem Gefühl immer trauen sollte beziehungsweise was Gefühle eigentlich sind. Der erste Affekt entsteht ja immer aus verschiedenen Zufällen, Konstitutionen, Erregungen. Aber der Affekt hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Und dass das, was Menschen irgendwie über die Zukunft zu

„Die Herausforderung ist, dass wir wach bleiben“ meinen glauben, letztlich innere Konstruktionen sind. Wir konstruieren unsere Wirklichkeit, indem wir unsere Gefühle mit Wirklichkeit oder Zukunft verwechseln. Die Zukunft wird so, wie sie immer war: widersprüchlich und interessant. Leider glauben ängstliche Menschen, die viele Medien genießen, immer, dass es schlechter wird. Das ist natürlich Blödsinn, denn der Welt generell geht es ja immer besser, auch wenn es ein langsamer und schwieriger Prozess ist. Trotzdem bemerkt man viel Unvernunft. Warum werden viele gewichtige Probleme nicht gesehen und im besten Fall auch gelöst? Das ist das große Missverständnis: Man kann keine Probleme lösen. Man kann nur Lösungen finden. Mit den Problemen ist es wie mit den Trolls. In dem Moment, in dem man sie beachtet, werden sie immer größer. Dinge lösen sich, indem sie entweder katastrophisch

zusammenbrechen, oder eben durch Adaption und Anpassung. Die Menschheit ist schon immer durch ihre Geschichte gestolpert und hat neue Herausforderungen angenommen. Der zentrale Punkt hinter der Frage ist die ewige anthropologische Frage, ob der Mensch eine Daseinsberechtigung hat? Und da kommen wir sofort in die transzendente Fragestellung und zurück in die Religion. Die Zukunft wird sein. Punkt! Und sie wird keine Dystopie sein, denn das ist keine Zukunft, sondern sie wird immer ein Stolpern und ein Krisenereignis sein. Krisen sind Teile der Korrekturen, die notwendig sind. Die Bankenkrise war notwendig, weil das System Bank in einen Amok gelaufen ist. In eine systemische Unmöglichkeit. Das konnte man voraussagen. Und ist es die Aufgabe von Menschen, sich auf Krisen vorzubereiten? Nein. Auf Krisen kann man sich nicht vorbereiten. Sie können ihren Horizont erweitern und weniger panisch reagieren, aber Krisen sind meistens das Überraschende, sonst wären es keine Krisen. Dabei ist die vernetzte Gesellschaft ja auch eine Art Vorhersagemaschine. Wir konstruieren in den gedanklichen Konstrukten des Internets und des medialen Raums unentwegt neue Krisen. Zum Teil stellen wir sie sogar dadurch her, dass wir sie antizipieren. Wenn man ernsthafte Zukunftsforschung betreiben will, muss man verstehen, dass wir unsere Zukunft selbst erschaffen. Das ist der Konstruktivismus. Das kennt man auch aus dem privaten Bereich, die sogenannte Self-fulfilling prophecy. Wenn man daran glaubt, dass es nicht funktionieren wird, dann wird man auch dafür sorgen, dass es nicht funktioniert. Deshalb ist Hoffnung ein wichtiges Element der Selbstdisziplinierung, damit Dinge überhaupt gelingen können. Und es gelingen unglaublich viele Dinge auf dieser Welt, was nur leider kein Mensch wahrnimmt. Wie wichtig sind Daten bei der Problemlösung und der Vorhersage von möglichen Krisen?

Zukunftsreport 2018 Gibt es so etwas wie ein Schlüsselwort unserer Epoche, ein Codewort, das uns die Phänomene der Gegenwart erschließen kann? Ja: Resonanz. Heute leben wir in einer Resonanzkrise: Vernetzt mit allem und jedem, fühlen wir uns dennoch immer weniger wahrgenommen. Neue Tugenden für das hypervernetzte Zeitalter können uns helfen, unsere innere Integrität zurückzugewinnen. Im Zukunftsreport 2018 verrät, mit welchen Strategien der Resonanz Sie den Hysterien unserer Zeit entgegentreten und sich für die Zukunft wappnen. Preis: 133,75 Euro, onlineshop.zukunftsinstitut.de

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INTERVIEW Sie waren immer wichtig, aber man darf sie auch nicht überschätzen. Wir erleben immer mehr Systeme, die gerade dadurch erstarren, dass sie eine Überfülle von Daten haben. Diese Systeme werden in der Wahrnehmung vollkommen unflexibel. Ein System, das alle Daten über sich selbst besitzt, wird in die Krise geraten, denn es entstehen keine Freiräume, in denen Systeme oszillieren und lebendig bleiben. Deshalb ist die künstliche Intelligenz eine der großen Illusionen unserer Zeit. Die künstlichen Intelligenzsysteme sind im Grunde genommen künstliche Dummheitssysteme. Je mehr man sie aufrüstet, desto weniger werden sie Auskunft geben. Man kann sämtliche Daten aller Patienten in Deutschland erheben und weiß am Ende trotzdem nicht, wie man sie gesünder kriegt. Es gibt derzeit zunehmende Diskussionen über das bedingungslose Grundeinkommen, weil man davon ausgeht, dass Arbeit als Kapital aufgrund der Digitalisierung eine untergeordnete Rolle spielen wird. Wird sich der Mensch tagsüber anders beschäftigen müssen? Das ist eines der typischen Fehlmodelle, die deshalb so faszinierend sind, weil sie einerseits Angst machen und weil man mit ihnen andererseits bestimmte Interessen durchsetzen kann. Es ist ein ökonomistisches Modell, das weder Hand noch Fuß hat. In der Studie von Carl Benedikt Frey und Michael Osborne aus dem Jahr 2013 steht, dass 50 Prozent aller Jobs bis 2030 vernichtet werden. Das ist die zentrale Studie, die in den Medien immer wieder zitiert wird. Journalisten schreiben ja immer alles voneinander ab. Wenn man sich die Liste der Jobs anschaut, braucht es keinen Analysten, um zu sehen, was das für ein Unsinn ist. Zum Beispiel gehen sie bei Schauspielern davon aus, dass die Virtualisierung die Schauspieler ersetzt, weil sie so teuer sind. Ich wette das Gegenteil. Ja, je mehr virtuelle Figuren es gibt, desto mehr will man das

„Das, was Menschen über die Zukunft zu meinen glauben, sind letztlich innere Konstruktionen“ Original. Oder die neunzigprozentige Ausrottung der Barkeeper bis 2030, weil Roboter bessere Cocktails schütteln können. Daran erkennt man, welche Verheerungen ökonomistisches Denken im Kopf auslöst. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Wir werden immer mehr Jobs haben, in immer höherkomplexeren Bereichen. Und es werden immer mehr Berufe entstehen. Alleine in den letzten zehn Jahren sind in Deutschland 800 bis 900 neue Berufsbilder entstanden bis hin zum Hassmoderator. Die Anzahl der Yogalehrer hat sich verfünfzehnfacht. Es entstehen immer neue Bedürfnisse. Und gerade in den Ländern, in de-

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nen die Automatisierung am höchsten ist, beispielsweise Japan, Kanada, Deutschland, haben wir die geringste Arbeitslosigkeit. Aber in Talkshows werden sie nur die Gegenthese wahrnehmen. Der Grund ist einfach: Sie müssen den Leuten Angst machen, sonst kann die Talkshow nicht stattfinden. Und an diesem Beispiel kann man erkennen, wie sich lineare Modelle in einer angstvollen Mediengesellschaft immer weiter fortpflanzen. Sie sprechen jetzt nicht nur von komplexeren Jobs, sondern auch von den trivialen Jobs wie Taxifahrer, Kassierer? Triviale Jobs sterben immer aus. Das war auch in der Vergangenheit so. Wir haben heute auch nicht mehr vier Millionen Menschen in der Montan- und Stahlindustrie.

„Die künstliche Intelligenz ist eine der großen Illusion unserer Zeit“ Technologie schafft dauernd alte, monotone Berufe ab. Das ist ein völlig normaler, logischer Prozess. In den 50-, 60-Jahren lag Erwerbsarbeit ungefähr bei der Hälfte von heute. Wir denken immer, dass wir damals das Land der Vollbeschäftigung waren. Pustekuchen. Die Frauen haben nicht gearbeitet, es gab eine Menge Arbeitslose und Kriegsveteranen und so weiter. Erwerbsarbeit war immer selten. Sie wird eigentlich nur komplexer und vielfältiger. Da Medien als Orientierungspunkt nicht mehr funktionieren, wohin soll jemand heutzutage blicken, wenn er die Angst bekämpfen und Hoffnung schöpfen möchte? Es geht letztlich um Angstkompetenz. Angst ist ein ganz wesentliches menschliches Gefühl, das jedoch in einer Überresonanzgesellschaft leider fehlgesteuert wird. Angst ist dazu da, dass wir wach werden, reagieren und entweder flüchten oder kämpfen. Ohne Angst wären wir alle tot. Es geht darum, den Blick von den Verkrampfungen abzuwenden, die uns von außen eingegeben oder von unseren inneren Depressionen diktiert werden. Dazu muss man den Blick öffnen. Man kann durch Berlins Straßen gehen und nur Müll und Verfall sehen oder man kann sagen: ‚Wow, was für eine Vielfalt von Menschen. Welche wunderbaren neue Projekte.‘ Natürlich ist lebendiges Leben nicht friktionslos, aber will man in einer friktionslosen Welt leben? Dann kann man auch in einer Computersimulation leben. Die Herausforderung ist, dass wir wach bleiben und dass es immer wieder Ecken und Kanten gibt. Dasselbe gilt weltweit. Man muss verstehen, wie Menschen miteinander kooperieren und dass unendlich viel funktioniert. Wie sich ganze Kontinente aus der Armut herausarbeiten. Das ist doch großartig. Wir sehen immer nur das, was nicht gelingt. Aber das ist nur deshalb sichtbar, weil so viel gelingt. ▪


Foto: Christian Fuchs

INTERVIEW

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INTERVIEW

Der A Wegweiser für die europäische Startup Community

ntonio, was ist der Startup Calendar? Der Startup Calendar ist eine englischsprachige Plattform für Startup- und TechEvents in Deutschland und Europa. Er wurde Ende 2014 gelauncht, als kleines Spin-off unserer Magazine Berlin Valley und The Hundert. Wer nutzt den Startup Calendar? Der Kalender ist ein Tool für Startup-Interessierte, Entrepreneure, aber auch Investoren. Er gibt einen guten Überblick, was in der Szene in Europa passiert, wo die Leute hingehen sollten. Er dient als Wegweiser. Aus diesem Grund ist die Plattform englischsprachig: Sie soll für alle verständlich sein. Wir wollen die Website für die europäische Community sein und Events vorstellen, die nah und einfach erreichbar sind. Das ist auch der Grund, warum Events wie Techcrunch Disrupt San Fransisco oder das SWSX bei uns nicht zu finden sind. Aber die europäischen Tochter-Events dieser großen Konferenzen listen wir natürlich auch.

Antonio Maiocchi spricht über den Relaunch des Startup Calendars und darüber, was gute Events ausmacht. Das Gespräch führte Daniela Rattunde.

Es gibt viele Plattformen dieser Art. Was unterscheidet den Startup Calendar von ihnen? Der Startup Calendar ist eine kuratierte Sammlung von Veranstaltungen. Jedes Event kann sich eintragen und wird dann von uns geprüft, ob es für unsere Zielgruppe interessant ist. Andere Plattformen haben vielleicht zehnmal so viele Events, sind aber weniger zielgerichtet. Die Events in unserem Startup Calendar passen zu unserer Community. Wie viele Events sind es im Monat? Je nach Monat gibt es etwa 150 bis 300 Events, die es in den Kalender schaffen. Einreichungen haben wir aber weitaus mehr. Wie behältst du bei den ganzen Bewerbungen von Events den Überblick? Zunächst schaue ich mir alle Events an, die sich bei uns beworben haben, um zu sehen, ob sie unsere Kriterien erfüllen. Um den Überblick zu behalten, nutze ich eine Reihe von Projektmanagement-Tools wie Asana oder Pipedrive. Hast du eine Checkliste zur Bewertung der Events? Eine Checkliste gibt es nicht. Ich bewerte die Events nach zwei, drei Top-Kriterien. Und natürlich weiß ich auch, was unsere Community spannend findet. Es muss für die Technologie-Szene relevant sein, also für Startups, Investoren und Corporates. Und natürlich gibt es zahlreiche Themengebiete wie Industrie 4.0, Internet of Things und Blockchain. Du sprachst von zwei bis drei Top-Kriterien. Welche sind das? Neben der Relevanz für unsere Community geht es vor allem um das Kriterium Innovation. Daneben gibt es noch eine Kategorie für Social Startups.

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FACTORY INTERVIEW

Nichts mehr verpassen: Der Startup Calendar listet die wichtigsten Events der Szene.

Also ist die Größe des Events unerheblich? Auf jeden Fall. Das ist einer der Punkte, die mir an unserem Startup Calendar gefallen. Die Events reichen von kleinen Meetups mit fünf Teilnehmern bis zu den Online Marketing Rockstars und Bits & Pretzels dieser Welt mit bis zu 60.000 Teilnehmern. Das alles ist relevant für unsere Community, für Leute, die andere Leute treffen und etwas lernen wollen. Das macht für mich ein gutes

Immer zwischen 150 und 300 Events pro Monat Event aus, egal ob klein oder groß, und das ist auch die Philosophie hinter dem Startup Calendar. Kann man damit Geld verdienen? Der Eintrag im Kalender ist kostenlos. Ja, der Eintrag ist kostenlos. Daher verdienen wir damit momentan noch kein Geld. Der aktuelle Relaunch soll uns ein paar Optionen geben, das zu ändern. Wir können über

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den Startup Calendar noch keine Tickets verkaufen. Es ist wirklich eine gemeinnützige Plattform, in die sich Events eintragen können ohne den Gedanken: Was wird mich das kosten? Natürlich können Veranstalter im Rahmen der anderen NKF-Projekte Sponsored Posts, Anzeigen und Banner schalten, die dann auch kostenpflichtig sind. Im Start­ up Calendar zu erscheinen, mit Backlink und allem Drum und Dran, ist aber kostenlos. An welche bezahlten Features denkt ihr aktuell? Ein Angebot wie Featured-Events oder Top-Events wäre dann eine Option für Anbieter, die etwas Budget dafür haben. Mehr wollen wir noch nicht verraten. Wie groß ist die Community, die ich mit dem Startup Calendar erreiche? Wir haben in der Vergangenheit so gut wie keine Ressourcen für Online-Marketing gehabt. Der Startup Calendar läuft stabil, aber ohne großes Wachstum. Wir gehen davon aus, dass sich das mit dem Relaunch ändert. Bislang erreicht unser wöchentlicher Newsletter mehr als 3.000 Empfänger. Und auch die Integration von Berlin Valley und Venture Daily bringt eine gute Sichtbarkeit. Was sind eure Ziele für 2018, vielleicht auch 2019? Der Relaunch bringt eine bessere Trennung zwischen den Städten und wird klarer zeigen, wo die Events stattfinden. Beispielsweise mit kurzen Städte-Beschreibungen inklusive Hotspots für Startup-Events. Zusätzlich wird es mehr Blogbeiträge geben und wir werden den Newsletter überarbeiten.

Fotos: Christian Fuchs, NKF Media

Diese Veranstaltungen müssen dann aber zwingend das Thema Startups betreffen. Social Meetups für Entrepreneure oder ähnliche Initiativen für Gründer sind auch willkommen.


INTERVIEW

Wirst du das noch alleine leisten können? Muss sich der Prozess beim Kuratieren ändern? Das ist eine gute Frage. Der Startup Calendar bietet aus unserer Sicht ein großes Potenzial und ist vor allem auch für die Nutzer extrem wertvoll. Daher wird wohl noch eine zweite Person zu mir ins Team kommen, die sich aktiv mit der Event-Recherche, mit Blogeinträgen und den Newslettern beschäftigen wird. Wir wollen wissen, wo etwas passiert, und immer einen Schritt voraus sein. Dafür brauchen wir sicher mehr Kapazitäten, denn natürlich be-

Wir richten uns vor allem an die Technologie-Szene deuten mehr Events auch mehr Arbeit. Ich möchte aber, dass der Prozess identisch bleibt und dass wir die Events so gut wie möglich kennenlernen, bevor wir sie veröffentlichen. Dazu gehört auch der persönliche Kontakt zu den Veranstaltern. Wir wollen ja kein Copycat von anderen Plattformen werden. Aber klar, wir wollen das Ganze größer machen, mehr up to date und noch nützlicher und attraktiver für die relevanten Events sein – aber ohne den persönlichen Touch zu verlieren. Was macht für dich persönlich ein gutes Event aus? Es gibt so viele Möglichkeiten, ein gutes Event zu veranstalten. Zunächst mal muss das Thema spannend sein. Auch die Location ist super wichtig – wobei ich nicht ein Event auslassen würde, nur weil die Location nicht optimal ist. Das Format – also was für ein Event es ist: ein Meetup, eine Konferenz oder ein Workshop – ist relevant.

Alles im Blick: Antonio Maiocchi bei der Arbeit

Wichtig ist auch eine gute Beschreibung, damit die Community weiß, was sie dort erwartet. Essen, Trinken und Partys sind sicher auch nicht irrelevant. Aber letztlich geht es immer um die Leute, die man trifft und die Gespräche, die man führt. Genau darum geht es mir beim Startup Calendar. Wir ermöglichen gute Begegnungen zwischen Menschen, die sich oftmals nicht kannten. Und ohne uns vielleicht auch nicht kennenlernen würden. Darin liegt unsere Stärke. Du meinst, das Thema muss spannend sein. Gab es 2017 einen Schwerpunkt bei den Events? 2016/17 standen Internet of Things, Industrie 4.0 und Design Thinking im Mittelpunkt – ein sehr faszinierender Begriff, der in letzter Zeit ein bisschen weggefallen ist. Jetzt, Ende 2017, Anfang 2018, kommt Deep Tech, also Deep Learning, Singularity, Blockchain: ganz klar das heißeste Thema Ende 2017. Für mich persönlich sehr spannend sind Digital Commerce, E-Commerce, die Zukunft des Handels und Elektromobilität. Das sind Themen, die immer mehr auftauchen und die auch von unserer Event-Community nachgefragt werden. Welches Event muss ich 2018 besuchen? Also in Deutschland ganz klar immer noch Events wie Online Marketing Rockstars und Bits & Pretzels – mein Lieblingsevent in Deutschland. Die Success Story ist beeindruckend im Vergleich zu allen anderen Startup-Events in Deutschland. Aber ich möchte eigentlich eher vermitteln, dass es deutschland- und europaweit verschiedene kleinere, oftmals unbekannte Events gibt, die zu besuchen sich auf jeden Fall lohnt. In Berlin gibt es jede Woche eine ganze Menge an Veranstaltungen: im Betahaus, in der Factory Berlin – und auch The Family macht einen ganz hervorragenden Job. The Family ist ein Netzwerk aus Frankreich, das 2016 auch in Deutschland aufgemacht hat. Es veranstaltet kleinere Meetups und Lectures, die wirklich immer sehr spannend sind. Da es schier unmöglich ist, sich alleine eine Übersicht zu verschaffen, empfehle ich einfach jedem Leser, unseren Newsletter zu abonnieren. So bekommt man alle inspirierenden Event-Empfehlungen in die Inbox und stellt sicher, dass man nichts mehr verpasst. Bits & Pretzels ist dein persönlicher Favorit? Ja, für Deutschland ist das auf jeden Fall Bits & Pretzels. Auch bei Online Marketing Rockstars war ich im letzten Jahr: eine rundum gelungene Party. Europaweit gibt es ein paar Ökosysteme mit dazugehörigen Events, die ich mir gerne anschauen möchte. Slush in Helsinki (Finnland) soll wahnsinnig gut sein. Daneben gibt es seit ein paar Jahren viel mehr Events in Estland, Litauen und Lettland, bei denen ich auch gerne mal dabei wäre. ▪

Startup Calendar Gründungsjahr: 2014 Anzahl Events: 150–300 monatlich Zielgruppe: Startups, Investoren, Corporates Fokus: Deutschland und Europa startup-calendar.com

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TECH-EVENTS

Startup-Events 2018 In diesem Jahr gibt es wieder viele spannende Events für Startups und Tech-Begeisterte. Diese zwölf solltet ihr nicht verpassen. Von Christian Fuchs und Daniela Rattunde

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Die Rockstars der Branche Das Festival der Digitalmarketing-Branche ist ein Hybrid wie die Slush – Messe und Konferenz in einem. 2018 werden 40.000 Besucher und jeweils mehr als 300 Aussteller und Speaker erwartet. Tagsüber gibt es Experten-Einblicke und jede Menge Daten und Fakten zu den wichtigsten Entwicklungen im Digitalmarketing, abends ist Clubbing angesagt. omr.com/festival

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Fotos: K.I.T. Group Gmbh/Dennis Wartenberg, NKF Media/Philipp Primus, OMR/Alex Woeckener

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TECH-EVENTS

Der Newcomer unter den Events Die Cube Tech Fair bringt industrienahe Start­ ups mit der Old Economy zusammen. Die Bilanz 2017: 5.000 Teilnehmer, mehr als 250 Deep-Tech-Startups, 100 internationale Referenten. Highlight ist die Cube Chal­lenge – eine Fachjury kürt das innovativste Startup. Preisgeld: eine Million Euro. tech-fair.cube-global.com

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Corporates meet Startups Die dritte Ausgabe des NKF Summits findet nicht in Berlin statt, sondern in Düsseldorf als Abschluss-Event der Düsseldorfer Startup-­Woche. Auch 2018 steht wieder im Fokus, Corporates und Start­ups zusammenzubringen und erfolgreiche Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. nkf-summit.com

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TECH-EVENTS

Zukunftstechnologien und Entrepreneurship Hier geht es um ein Thema: Fortschritt. Das Flagship Event in Österreich verknüpft Startups, Investoren und Führungskräfte. In der 500 Jahre alten Wiener Hofburg richten 2.500 internationale Entrepreneure den Blick in die Zukunft. Auch 2018 haben wieder 500 Early-­StageStartups die Chance, kostenfrei teilzunehmen und Pioneer des Jahres zu werden. pioneers.io

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Das Invitation-Only-Event versammelt die führenden Köpfe der Internet-Branche, um die europäische Digitalwirtschaft voranzubringen. 2017 vereinte die NOAH Berlin so viele Unicorns auf einer Konferenzbühne wie noch kein anderes Event zuvor. Der Fokus 2018 liegt auf dem Zusammentreffen von europäischen Marktführern und ihren digitalen Counterparts aus der Startup-Szene. noah-conference.com

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Fotos: Pioneers Festival/Aron Suveg

Connecting European Champions & Challengers

„Not your average tech event“ – das ist das Selbstverständnis der TNW. Thematisch untergliedert in 18 Tracks – von AI über Marketing und Musik bis hin zu Talents  – ist bei dem zweitägigen Event für jeden Spezialisten etwas dabei. Für 2018 werden 15.000 Teilnehmer erwartet. thenextweb.com/conference


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Fotos: Dan Taylor – dan@heisenbergmedia.com, Fifteen Seconds, LondonTechWeek/KNect365

Inspiration, Wissenstransfer, Networking „Die Zukunft gehört den Neugierigen“ – unter diesem Motto vereint Europas führendes interdisziplinäres Business-Festival 5.000 Visionäre. Auf fünf Bühnen, in acht verschiedenen Content- und sechs Networking-Formaten reflektieren internationale Wortführer aktuelle Trends in Growth, Media, Tech und Talent. fifteenseconds.co

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Where Creativity, Talent & Innovation come together Auf mehr als 300 Events haben Wissenschaftler, kreative Köpfe, Corporates und Startups auch 2018 wieder jede Menge Möglichkeiten, sich zu vernetzen und über die Welt von morgen zu diskutieren. Leaders in Tech, AI und New Work sind dabei nur einige der Themen, die auf die mehr als 50.000 Besucher warten. londontechweek.com

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Mission: Connect, Grow and Inspire Tech Open Air ist Europas erstes und größtes interdisziplinäres Technologie-Festival aus Berlin. TOA knüpft ein Band zwischen Technologie, Musik, Kunst und Wissenschaft und fördert den Austausch und die Zusammenarbeit über die Szene hinaus. Während des viertägigen Events finden neben interaktiven Konferenzen rund um die neuesten Trends der Startup- und Tech-Welt mehr als 200 Satellite-Events in ganz Berlin statt. toa.berlin

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TECH-EVENTS

Das blau-weiße Startup-Festival. O’zapft is! Rund um das Oktoberfest trifft sich die internationale Gründerszene in München. Was 2014 als überschaubares Weißwurstfrühstück des Münchner Startup-Ökosystems begann, ist mittlerweile ein dreitägiges Festival mit 5.000 Teilnehmern und prominenten Sprechern aus der Witschafts-, Startup- und Medienwelt. bitsandpretzels.com

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Weltgrößte Technologie-Konferenz Der Gipfel unter den Tech-Konferenzen. Mit mehr als 60.000 Teilnehmern aus 170 Ländern, 1.200 Sprechern und 2.600 Journalisten versteht sich der Websummit als größte Technologie-Konferenz der Welt. 2017 war AI das große Thema: Wird sie uns zerstören oder retten? websummit.com

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Der Zusammenprall von Festival und Konferenz 2008 gestartet als studentische Bewegung, ist die Slush mittlerweile eines der größten Start­ up-Events in Europa: 17.500 Teilnehmer, 2.300 Startups, 1.100 Investoren. Das Ziel ist das gleiche geblieben: „to help the next generation of great, world-conquering companies forward“. slush.org


Fotos: Chris Marxen, Dan Taylor – dan@dantaylorphotography.com, Dmexco, Kai Kuusisto, Stephen McCarthy:Web Summit via Sportsfile

TECH-EVENTS

Kalender

Weitere spannende Events für Gründer und Startups Startup-Woche Düsseldorf

K5 – Future Retail Conference

13.–20.4.2018 | Düsseldorf 150 Veranstaltungen in einer Stadt. Alles Wichtige für Startups rund um Strategie, Marketing, Finanzen, Recht, Förderung und Investorengewinnung.

3.–4.7.2018 | Berlin | Estrel Das jährliche Klassentreffen der E-Commerce-Branche. Hier trifft sich das Who is Who der digitalen Handelsszene, um die neuesten Trends zu diskutieren.

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2.–4.5.2018 | Berlin | Station Als eines der außergewöhnlichsten Festivals für digitale Kultur nimmt die Repu­ blica die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung in den Blick.

12.–13.9.2018 | Köln | Kölnmesse Die globale Business- und Innovationsplattform der digitalen Wirtschaft. Hier treffen sich Macher, Visonäre, Marketingund Medienprofis.

Catapult Future Festival

Startupcon

Next

14.–16.5.2018 | Oslo Als gemeinnützige Bewegung fokussiert sich das Festival auf Impact Investing und die Auswirkungen von Technologie auf zukünftige Gesellschaften.

18.–19.9.2018 | Köln | Lanxess Arena Deutschlands große Gründerkonferenz bringt Startups und Innovatoren mit Investoren und Entscheidern aus Wirtschaft und Medien in Kontakt.

20.–21.9.2018 | Hamburg | Reeperbahn Das zweitägige Wissensfestival beleuchtet die Komplexität der digitalen Ära und untersucht die Auswirkungen digitaler Trends auf das menschliche Verhalten.

Heureka

Degut

5.6.2018 | Berlin Eines der Urgesteine der Startup-Konferenzen in Deutschland. Das Applica­tionOnly-Event verbindet Stakeholder der digitalen Wirtschaft mit Startups.

12.–13.10.2018 | Berlin | Arena Berlin Auf den 34. Deutschen Gründer- und Unternehmertagen gibt es alles, was Unternehmen für einen guten Start und ein gesundes Wachstum brauchen.

Cebit

Internet World Kongress

11.–15.6.2018 | Hannover | Messe Europas Business-Festival für Innovation und Digitalisierung. Die neue Cebit setzt auf Business, Leads, neue Ideen und junge, aufstrebende Unternehmen.

9.–10.10.2018 | München Der E-Commerce-Kongress. Mit Unterstützung der Redaktion von Internet World Business geht es um die Trends, Strategien und Best Practices der Branche.

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THE BEAUTY OF IMPACT – TRUTH IN TEN: FOOD CRISIS

Edition 3 of 10: tech founders help solving the food crisis. OPEN YOUR EYES FOR HOPE – GIVE YOUR HEART TO INNOVATION: ABOUT THE IMPACT OF BEAUTIFUL BUSINESS. BY THIMO V. SCHMITT-LORD MBE Too often founders focus their entrepreneurial spirit on the idea of delivering a powerful financial performance. Though economic stability is essential in entrepreneurial endeavors, it is not the key to sustainable success or personal fulfillment. In my view, financial targets alone are not enough – in fact I strongly believe in the power of higher purpose. The rising billions in need around the globe are desperately waiting for new solutions for the challenges of mankind – particularly the food crisis hits

hard on them. The good news is: there is hope for the billions in need… coming from an unexpected side – the world of commerce. The history of successful business is full of examples that show how impact oriented businesses bring lasting change by providing strong solutions for the problems of the billions… and, at the same time, lead the way into financially flourishing corporations… I like to call such enterprises “beautiful businesses”, or, in other terms: “if you want to be a billionaire, you better solve a billion people’s problems”. We at the Bayer foundations see our role exactly here: we act as a catalyst for societal progress by supporting purpose driven pioneers with funding, knowledge and power. We partner with those who are up for creating solutions that will make the lives of the billions better, safer and more prosperous. When it comes to the global food crisis, people tend to think first and foremost about the optimization of top-notch agriculture and large-scale farming. In fact, the food crisis has many faces… some of which are widely unknown. For instance, both the global magnitude of food waste and the productivity gap of smallholder farmers have breathtaking potential to help solve the food crisis. Take food waste as an example: a third of all food in the world is wasted. These are 1.3 billion tons of food every year, enough food to feed 3 billion people - or 10 times the population of the USA. This is insane. Or take agriculture: 400 million smallholder farmers belabor about 75% of all farming land on the globe. Nevertheless, many of them suffer from severe poverty just because they lack the adequate tools to increase

Fotos: Bayer Foundations, MyAgro

A Series of 10 publications by the Bayer Foundations about social impact startups who create tech solutions for humanity’s big challenges in public health and the food crisis.


ANZEIGE the productivity of their farms. This is a trap for too many – and largely unnecessary, considering all the tech solutions available today. We need to apply innovations to the real challenges of the billions – giving hope to those suffering from the food crisis.

”We need smarter solutions for the food crisis. Take food waste - every year food for 3 billion people is wasted. This is insane.“

Social start-up MyAgro’s smart re-investment solutions for small holder farmers boost yields by up to 100%.

Thimo V. Schmitt-Lord MBE

Today we take pride in the opportunity to present five of such ROLE MODELS from our current seed-funding and social impact award line-up, showcasing how smart tech answers can help to solve the food crisis – be inspired:

ROLE MODEL 1: MYAGRO – SMART SCALING SCHEME FOR SMALLHOLDER FARMERS Over 400 million smallholder farmers in the world belabor over 75% of the world’s farmland. Basically, these small holder farmers are feeding the world, but the vast majority live in poverty because they lack access to suitable means of capital investment. Only 7% have access to financing through traditional banks or microfinance. Many microfinance institutions are focused largely on the provision of loans, assuming that smallholder farmers are too poor to save. In fact, farmers would like to save, but live so far from banks that their savings payments would be dwarfed by the transport costs and bank fees. myAgro has pioneered an alternative system that matches how farmers already manage their money. Using a prepaid scratch card model — similar to buying prepaid mobile minutes — farmers can pay in advance for fertilizer, seed and training packages by buying a myAgro card at their local village store, depositing their

money into an account by texting the scratch-off code. After a few months of buying the scratch cards and saving little by little, myAgro delivers the fertilizer, seed, and training they’ve paid for in time for planting. Average harvests for myAgro farmers increase from 50% – 100%, and net farming income increases by $150-$300 per farmer.

ROLE MODEL 2: SAFETYNET – SMART LIGHTENING NETS FOR SELECTIVE FISHERY The world is struggling with the issue of overfishing. Largely unknown to many is the fact that unwanted bycatch is the biggest challenge in fishery, with about 90% of all fish being thrown back dead into the sea – this makes for an incredible 27mio tons per year. The UK-based social startup “SafetyNet” has a solution: under the motto “let’s make fishing brighter”, they have designed a novel device that uses light to increase the selectivity of commercial fishing practices, making the industry more sustainable. The biological basis SafetyNet builds on is the fact that each fish species is highly selective to a specific light spectrum – by adapting nets to the specific light spectrum of a target fish species, most other species’ attraction is reduced to a minimum – keeping them from swimming into the net as bycatch.

Thimo V. Schmitt-Lord MBE, head Bayer Foundations, talking about impact innovations at NKF Forum of Berlin Valley


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ROLE MODEL 4: DIPTERA - INSECT-BASED ANIMAL FEED INGREDIENTS

ROLE MODEL 3: FRUITY CYCLE – FOOD SAFETY E-BIKE SOLUTION The soil in farming regions of West Central Africa is among the richest in the world. Countries like Kenya should be the fruity dream heaven on earth. But the reality is different: food security and supply in developing countries are a constant threat for any fresh food supply with >45% of harvest being lost and rotting on the way to the markets, forcing many small farmers to live in poverty. BEN WOKORACH created a smart solution in his pilot

”Agricultural Innovations play a key role in solving the worst problem Humanity has ever faced.“ Marc Buckley, Impact entrepreneur, futurist, sustainable farming expert. Founder & CEO of ANJA - Adaptive Nutrition Joint Achievements

workshop in Uganda: FRUITY CYCLE, an e-bike with a solar powered cooling storage box for fruits and vegetables in the back. With this innovation, farmers can transport their harvest to market places without loss. At the market place, the box can then be unfolded and turned into a sales stand and product counter.

Bayer Foundations @ Berlin Valley The “The Beauty of Impact” publishing series of Bayer Foundations and Berlin Valley is a tribute to the extraordinary work of selected impact pioneers who dedicate their pioneering spirit and tech competencies to solve the challenges of mankind. All projects are Bayer Foundations laureates and potential candidates for the foundation’s “Grants-4-Impact” scale-aid incubator. More info at: BAYER-FOUNDATIONS.COM #SOCIALFICTION

ROLE MODEL 5: UNBIOME – UNLEASH THE POWER OF BIOTECHNOLOGY TO FIGHT MALNUTRITION Today, our food does not contain what we need. One in three people in the world are undernourished or suffer from malnutrition: amounting to an estimated 2 Billion people globally in 2016. They lack vitamins and minerals that are essential for growth and development. In contrast, almost 2 billion people are overweight or obese. These two forms of malnutrition often coexist and play a strong role in addressing chronic micronutrient deficiencies, also known as “hidden hunger”. Unibiome develops Enhanced Probiotic Formulations to improve the nutritional value of fermented food. It provides smart biotech solutions by probiotical upgrading food, e.g. a biotech baker's yeast that produce bread with three times the amount of iron.

Marc Buckley – Impact Entrepreneur – talking about the food crisis and global challenges at H-Farm Farming 4.0 congress in Venice, Italy

Fotos: FRUITY CYCLE, Karsten Eichhorn

Social start-up FruityCycle’s smart eBikes with cooling device keeps harvest of small holder farmers fresh and secure on their way to the local markets

Food loss is a massive issue in the world – a third of all food is wasted. At the same time, 80% of the world’s farmland is used to produce crop for cattle and animal feeding. What a waste of resources. Diptera has a solution: they are feeding food waste to insects to produce insect-based animal feed ingredients. The larvae are raised on locally sourced vegetables and baked goods that are no longer apt for human consumption in accordance to EU laws. Then the larvae are harvested and processed into a protein-rich meal and lipids, which are used in compound animal feed. A novel vertical container solution will open this technology to the rising billions in need of solutions for the food crisis in the developing world.


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Angst ist kein guter Ratgeber Im Gespräch mit Jens Spahn über das Selbstverständnis einer Gesellschaft im digitalen Wandel.

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Fotocredit: max. 60 Zeichen

Das Gespräch führte Jan Thomas.


DIGITALISIERUNG

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ie wird aus Ihrer Sicht die Arbeitswelt der Zukunft aussehen? Ist Ihr Vorstoß zur Abschaffung der Rente mit 63 kein Widerspruch zu einer automatisierten Verwaltung? Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den letzten fünf Jahren zeigt, dass wir einen wahnsinnigen Bedarf an Fachkräften haben, der fortlaufend steigt. Daher bittet uns nicht zuletzt die Startup-Szene um ein Einwanderungsgesetz, das die Zuwanderung von Fachkräften erleichtert. Und gleichzeitig gehen durch die Rente mit 63 besonderes viele dieser Fachkräfte in den Ruhestand. Aus individueller Sicht ist das verständlich, für die Volkswirtschaft jedoch fatal. Wir brauchen diese Menschen, ihre Erfahrung und Fertigkeiten dringender denn je. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass die Digitalisierung insgesamt zu weniger Arbeitsplätzen führen soll. Da wird zu oft sinnlos Panik verbreitet.

Das mag für Experten gelten. Aber gibt es nicht triviale Arbeiten, die in der Zukunft obsolet werden? Wissen Sie, wie viele Unternehmen Arbeitskräfte suchen? Nicht nur Softwareingenieure oder Handwerksmeister sind stark gefragt, sondern auch Arbeitskräfte, die einfach anpacken. Leider haben wir die duale Ausbildung in den letzten Jahren stiefkindlich behandelt. Dabei beneidet uns darum die ganze Welt! Der Mensch fängt doch nicht erst beim Abitur an: Wir brauchen Tischler, Elektriker und viele andere Ausbildungsberufe, der Bedarf wird künftig eher noch steigen.

Foto: Maximilian König

Bei vielen Datenschutzbeauftragten herrscht ein Rollenverständnis aus den 80er-/90er-Jahren Was haben wir von der Entwicklung der Arbeitswelt in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren zu erwarten? Wir müssen uns fragen, ob wir den Wandel als Bedrohung oder als Chance sehen wollen. Unsere Debatte ist leider ausgerichtet auf Risiken und Folgen, also verbunden mit der Frage, welche Arbeitsplätze es noch geben wird. Lasst uns doch den Fokus darauf richten, wie wir den Wandel gestalten, damit möglichst viele Menschen eine Chance erhalten. Natürlich bedeutet automatisiertes Fahren, dass Taxifahrer, LKW-Fahrer oder Kuriere künftig so nicht mehr gebraucht werden. Und ja, nicht aus jedem Taxifahrer wird ein Informatiker, aber es wird andere berufliche Möglichkeiten geben, die wir heute vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben. Deshalb sollten wir jedem die Chance bieten, sich weiterzubilden. Das ist in der Verantwortung der Politik. Voraussetzung dafür bleibt die Bereitschaft des Einzelnen zur Veränderung.

Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Politik insgesamt nicht schnell genug auf diesen Wandel reagiert. Naja, wissen Sie denn, wie Ihr Job in zehn Jahren aussieht? Das gilt selbst für Notare, Ärzte oder auch Lehrer – Berufe, die wir bislang für unangreifbar gehalten haben, weil sie hoch qualifiziert und reguliert sind. Wie gehen wir damit als Gesellschaft um? Da schließe ich ausdrücklich die Gewerkschaften ein. Wollen wir Angst machen oder Lust auf Zukunft fördern? Also muss die Bereitschaft zur Weiterbildung bei den Menschen verankert werden, damit Veränderungen nicht in einigen Jahren als Bedrohung wahrgenommen werden? Die gibt es in vielen Bereichen schon. Aber wir müssen dafür sorgen, dass die Vielzahl von Angeboten durchschaubarer und damit auch besser angenommen wird. Vor allem aber müssen wir ein Grundverständnis im Umgang mit Digitalisierung entwickeln. Jeder muss verstehen können, was mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz um ihn herum passiert. Weiterbildung kann da einiges leisten. Die Lust, sich damit zu beschäftigen, kann allerdings nur bei den Menschen selbst entstehen. Ich bin sicher: Es lohnt sich, sich mit den Veränderungen zu beschäftigen und sich auf sie einzulassen. Müsste man nicht auch fördern, dass Menschen ihre Arbeit hinterfragen und sich früh mit dem zweiten Bildungsweg auseinandersetzen? Auf jeden Fall! Wo gibt es noch einen sicheren Job? Im öffentlichen Dienst ist der Druck natürlich am geringsten. Ist der öffentliche Dienst nicht streng genommen ein Auslaufmodell? Nein. Der öffentliche Dienst ist nicht ersetzbar, aber auch er wird sich verändern. Nehmen Sie die digitale Verwaltung: Dort befinden wir uns gegenwärtig teilweise noch im Faxzeitalter. Wie oft muss man in Deutschland bei verschiedenen Institutionen sein Einkommen erklären, beispielsweise um Bafög zu erhalten? Eigentlich könnte das doch automatisch laufen, in anderen Staaten funktioniert das heute schon reibungslos. Durch diese Veränderung wird es Bereiche geben, in denen Arbeitsplätze wegfallen. Diesen Menschen müssen wir eine Perspektive an anderer Stelle der Verwaltung geben. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen – Bundesministerien oder gar die Bundesregierung sind riesige Organisationseinheiten. Da geht es schnell um zigtausend Menschen und Schicksale. Gerade deshalb müssen wir die Herausforderung annehmen – mutig und nicht verzagt. Aber wir leben in einer Zeit, in der Geschwindigkeit das Spiel bestimmt. Nehmen wir Estland als Beispiel … Estland hat nicht mal zwei Millionen Einwohner, das ist nur bedingt mit Deutschland vergleichbar. Es stimmt, in Estland ist Großes geleistet worden bei der Digitalisierung. Da haben wir mit unserem großen Tanker Bundesrepublik Deutschland Nachholbedarf. Es irritiert, wenn Elon Musk sagt, er wolle 2025 auf dem Mars sein. Zeitgleich brauchen wir für die Digitalisierung einer Umsatzsteuersoftware fünf oder zehn Jahre. Geschwindigkeit ist alles, da bin ich voll bei ihnen. Wir sind bei weitem nicht

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DIGITALISIERUNG

Der Rest der Welt wartet nicht auf uns Sicherheit für die Marktteilnehmer gibt und gleichzeitig Fortschritt ermöglicht.

Wann platzt der Knoten? Muss man Angst bekommen, dass Deutschland in 20 Jahren auf dem Abstellgleis der internationalen Digitalisierung steht? Angst ist kein guter Ratgeber. Schauen Sie sich unseren Mittelstand und unsere Industrieunternehmen an: In Sachen Prozessdigitalisierung macht denen niemand etwas vor. Aber eines stimmt auch: Der Rest der Welt wartet nicht auf uns. Gerade wenn es um künstliche Intelligenz, um den Umgang mit Daten und Big Data geht, müssen wir alle zusammen unsere Einstellung ändern. Mit der bloßen Fokussierung auf Risiken werden wir nicht glücklich in der digitalen Welt.

Die digitale Krankenakte verdeutlicht den Konflikt mit dem Datenschutz. Wie ist das vereinbar? Wir haben große Effizienz- und Erkenntnisverluste im Gesundheitswesen. In der Kommunikation zwischen Krankenhaus und Arzt gehen wichtige Informationen verloren. Big-Data-Auswertungen von Studien aus Krankheitsverläufen sind ein großer Schatz für mehr Gesundheit, den wir bisher noch nicht bergen konnten. Datenschützer haben den schönen Begriff der Datensouveränität geprägt. Ich bin überzeugt, viele Krebspatienten wären bereit, ihre Daten für einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn über Krankheitsbilder anonymisiert zur Verfügung zu stellen. Leider dürfen wir sie das nach aktuellem Datenschutzrecht nicht fragen. Oder nehmen Sie eine Frage zum Thema Verkehr: Möchtest du eine bessere Verkehrssteuerung mit Echtzeitdaten haben und dafür deine anonymisierten Daten zur Verfügung stellen? Ich bin mir ziemlich sicher, ein großer Teil würde Ja sagen. Wir sollten den Bürgern zumindest die Chance geben, gefragt zu werden.

Es müssen elementare Weichen gestellt werden. Agiert die Politik dabei zu langsam? Wir sind jedenfalls noch nicht soweit gekommen, wie wir sollten. Dass wir fünf Jahre brauchen, um offenes WLAN zu ermöglichen, während es in Portugal in jedem Taxi Standard ist, ist ein Symptom des Problems. Andererseits sind wir bei der Regulierung von Themen wie Fintech, E-Health, automatisiertem Fahren und Legaltech mittlerweile auf einem sehr guten Weg. Regulierung ist etwas Gutes, denn sie gibt Rechtssicherheit. Für einen Unternehmer ist es wichtig, Risiko und Chance einschätzen zu können. Das bedarf einer klugen Regulierung, die

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schnell genug – im Verstehen schon, aber wir bekommen die Strukturen nicht schnell genug aufgebaut.

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Datenschutz und andere Standortnachteile bergen das Risiko, dass Unternehmer künftig dorthin gehen, wo die Rahmenbedingungen am besten sind. Kann das im Sinne des Gesetzgebers sein?

Foto: Jan Michalko

Mit dem Blick aufs Wesentliche: Jens Spahn will Fortschritt ermöglichen.


FACTORY DIGITALISIERUNG

Bei vielen Datenschutzbeauftragten herrscht ein Rollenverständnis aus den 80er-/90er-Jahren. Natürlich haben sie einen Auftrag, den sie umsetzen müssen. Es ist ein bisschen wie beim Verbraucherschutz. Durch ein paar Regelungen wird erreicht, dass es bestimmte Angebote gar nicht mehr gibt. Das ist theoretisch der beste Verbraucherschutz, weil man gar nicht zum Verbraucher werden kann. Ich habe den Eindruck, dass manche Datenschützer so ticken. Doch so funktioniert das eben nicht, schon gar nicht in der digitalen, globalen Welt. Ich bin großer Verfechter von liberalen Bürgerrechten. Aber es ist nicht so, dass Entwicklungen nicht stattfinden, nur weil wir sie verhindern. Das geschieht dann in China, den USA oder Israel und wird trotzdem von deutschen Nutzern genutzt – ohne jegliche Kontrolle. Mit 37 Jahren gehören Sie in der Parteienlandschaft zu den Jungen. Ist das nicht verrückt?

wahren. Ein 18-Jähriger blickt nun mal anders auf das Leben als ein 60-Jähriger. Beispielhaft wurde das an der Debatte um Stuttgart 21 deutlich. Manch Älterer hat gesagt: ‚Das ist eine Baustelle, die zehn, 15 Jahre braucht, das Ergebnis erlebe ich ja eh nicht mehr. Also lassen wir es doch gleich ganz.‘ Diese Einstellung gibt es zunehmend in einer älter werdenden Gesellschaft, bewusst oder unbewusst. Zeitgleich unterstelle ich das nicht jedem 70-Jährigen. Vor zehn Jahren bekam ich einen Brief von einem 80-Jährigen, der mir zur Rentendebatte – es ging um die außerplanmäßige Erhöhung der Renten, gegen die ich gestimmt habe – geschrieben hatte: ‚Im Namen meiner Enkelkinder, bleiben Sie bei Ihrer Meinung.‘ Die große Zukunftsfrage Deutschlands wird daher sein: Wie bleiben wir als eines der ältesten Länder der Welt neugierig und innovativ? Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich die Jüngeren zu Wort melden. Dass sie sich nicht abmelden, sondern mitmachen und sich in die gesellschaftlichen Debatten aktiv einmischen.

Ja, aber vielleicht auch problematisch. Kann ein 60-, 70-Jähriger noch Verantwortung für die Zukunft übernehmen? Natürlich geht das, schauen Sie sich Wolfgang Schäuble an. Aber grundsätzlich ist es wohl so, dass die Veränderungsbereitschaft mit dem Alter abnimmt. Das ist auch zutiefst menschlich. Wer eine Familie hat und vielleicht auch Eigentum, der möchte das schützen und be-

Abschließend eine Frage zu Ihrer viel diskutierten Startup-Beteiligung Pareton. Sie sind auf öffentlichen Druck hin ausgestiegen. Wie ist Ihre grund­ sätzliche Meinung: Sollten sich Politiker nicht an Start­ups beteiligen? Natürlich kann Politik sich an Startups beteiligen, man sollte seine Beteiligungsentscheidung nur klug treffen. ▪

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REISEBERICHT

Surfing la Panamericana

Nach 15 Jahren ist der Rebuy-­Mitgründer Lawrence Leuschner mit einem Freund auf der Suche nach der perfekten Welle 26.000 Kilometer durch Süd- und Mittelamerika gereist. Von Laura Bährs und Lotta Träger

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REISEBERICHT

Wie alles begann März 2016 am Strand von Andalusien: Auf einem Surftrip wurde Lawrence klar, dass er für eine längere Zeit weg musste. Es sollte das genaue Gegenteil seiner Rolle bei Rebuy werden, wo er als CEO mehr als 500 Leute managen musste. „Nach der langen und intensiven Zeit war ich so ausgelaugt, dass ich nicht mehr 100 Prozent abrufen konnte. Ich brauchte eine Pause. Für mich ist das Surfen die beste Möglichkeit, die Akkus wieder aufzuladen.“ Die Idee eines Surftrips auf der anderen Erdhälfte ließ ihn nicht mehr los, das Ziel: „Endless Summer“. Um sich guten Gewissens zu verabschieden, galt es, die Abwesenheit bei Rebuy zu organisieren. Das gesamte Team unterstützte seinen Wunsch. Das letzte Boardmeeting fand im November 2016 statt. „Schon mit Betreten des Flugzeugs ging ich auf Reset“, erinnert sich Lawrence an den Moment, als es Anfang Januar 2017 endlich losging.

Die beiden Freunde mit ihren liebsten Wegbegleitern

Erster Halt: Uruguay

No Risk, no fun

In die Planung der Reise flossen nur vier Wochenenden. Er erfüllte sich unter anderem einen Kindheitstraum und kaufte sich einen alten VW-Bus Baujahr 1976, taufte ihn liebevoll Willy und ließ ihn für 1.500 Euro von Hamburg nach Montevideo in Uruguay verschiffen. Florian Wagner, ein alter Freund von Lawrence, entschloss sich, ihn auf der Reise zu begleiten. „Als er von meiner Idee hörte, hat er kurzerhand seinen Job an den Nagel gehängt.“

„Wir hatten Lust auf ein Abenteuer, da gehört ein gewisses Risiko dazu.“ Tatsächlich gab es ein paar kritische Momente. Die beiden Abenteurer wurden bis auf die Unterwäsche ausgeraubt und Willy gab auf 4.500 Metern Höhe im Altiplano von Bolivien den Geist auf. Dazu hatten die Beiden lediglich rudimentäre Sprachkenntnisse. Lawrence denkt noch heute mit einem Lächeln an das Gestikulieren mit den Mechanikern zurück. In Costa Rica wurden Lawrence die großen Wellen zum Verhängnis.

Willy, das Haus auf Rädern Für acht Monate wurde Willy Lawrence’ und Florians neues Zuhause. Neben fehlendem Komfort bot Willy vor allem eins: maximale 80 Kilometer pro Stunde! „Abgesehen von einigen Ziegen, die wir gelegentlich überholten, war der Bus mit durchschnittlich 34 Kilometern pro Stunde das langsamste Fahrzeug auf den Straßen. Du willst nicht mit hundert Sachen durch die schöne Landschaft rasen, sondern alles in dich aufnehmen“, erklärte Lawrence.

Schon mit Betreten des Flugzeugs ging ich auf Reset

Die perfekte Welle Willy brachte die beiden Aussteiger von Surfspot zu Surfspot – einer schöner als der andere. Lawrence’ drei Geheimtipps sind Chicama in Peru, Pavones in Costa Rica und Barra de la Cruz in Mexiko. „Chicama war das absolute Highlight. Wir konnten über 800 Meter weit surfen, alle fünfzehn Sekunden kam eine neue perfekt geformte Welle: eine komplett neue Erfahrung für uns.“

Fotos: Lawrence Leuschner

Going with the flow „Wir planten den nächsten Tag immer aus der Stimmung des jeweiligen Tages heraus. Dadurch wurde jeder Tag besonders. Diese Spontaneität war genau die Art von Freiheit, die wir gesucht hatten“, erklärt Lawrence. Ihr Road­ trip führte sie in den ersten acht Wochen von Uruguay nach Brasilien und weiter nach Argentinien. In Deutschland hatten die beiden 8.000 Kilometer für die Reise veranschlagt, bereits nach acht Wochen hatte Willy jedoch mehr als 10.000 Kilometer auf dem Tacho. Das mag an dem spontanen Abstecher zu den Wasserfällen von Iguacu und Patagonien liegen. Ihre Reise führte sie von Chile, nach Bolivien, Peru und Kolumbien. Als sie Südamerika in Richtung Panama verließen, hatten sie bereits 20.000 Kilo­meter zurückgelegt.

Die Diagnose: eine gebrochene Rippe. Vier bis fünf Wochen sollte er das Surfen aussetzen, hielt es aber nur drei Wochen ohne das Brett aus. Was macht man an so einem Punkt während einer Surf­ reise? Lawrence gab Surfunterricht – umsonst. „Ich habe mir ein Schild gebastelt und gratis Surfstunden angeboten. Die Leute wussten gar nicht, wie sie reagieren sollten.“

Wunderschönes Südamerika Neben dem Surfen genoss Law­ rence die Tierwelt und Landschaft. Er erzählt von grünen Lagunen voller rosafarbener Flamingos, der trockensten Wüste der Welt und dem dichten Dschungel in Corcovada mit der größten Artenvielfalt der Welt. Das mit Abstand schönste für

Lawrence’ Reiseroute durch Südamerika

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REISEBERICHT

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1 | Lawrence am Strand in Oaxaca in Mexico 2 | Willy war nicht der einzige Bus, der Surfer beherbergte. 3 | Tukane leben versteckt in den Baumwipfeln des Regenwaldes. 4 | Der Cotopaxi (Ecuador) ist einer der hÜchsten aktiven Vulkane der Welt. 5 | In La Paloma änderten sie spontan ihre Route und fuhren nach Brasilien.

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Fotos: Lawrence Leuschner

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REISEBERICHT

Law­ rence war die unfassbare Gastfreundschaft. „Jeder wirft dir ein Lächeln zu und die, die es nicht tun, wissen nicht, was sie mit zwei groß gewachsenen Deutschen in einem viel zu kleinen Bus aus den 70er-Jahren tun sollen. Da hilft nur anlächeln und schon hat man das südamerikanische Herz erobert.“ Doch es gab auch sehr nachdenkliche Momente. Ihm wurde vor Augen geführt, dass der

Wir hatten Lust auf ein richtiges Abenteuer und da gehört ein gewisses Risiko natürlich dazu Konsum der westlichen Welt die armen Länder und ihre Ressourcen ausbeutet, insbesondere durch den Abbau des Regenwaldes für die Viehzucht. Die Brände in Chile, die Flutlawinen in Peru oder El Niño in Mexiko hat er mit all ihren Auswirkungen miterlebt. Der Klimawandel sei dort viel präsenter, als wir es uns hier vorstellen können, und bedrohe die Existenz von Millionen von Menschen.

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REISEBERICHT

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Endstation Freiheit Diese Auszeit wurde für ihn alles was er sich erhofft hatte und noch mehr. Sie wurde der Reise seines Lebens und er möchte seine neu gewonnene Freiheit nie wieder missen. Nicht nur seinen guten Freund Florian habe er viel besser kennengelernt, sondern insbesondere sich selbst. „24 Stunden am Tag auf so engem Raum werden einem die eigenen Stärken und Schwächen schnell klar.“ Als Law­rence im August zurückkam, dauerte es nur wenige Wochen, bis er seinen Job als CEO von Rebuy endgültig an den Nagel hing und ins nächste Flugzeug stieg. Zurzeit bereist er mit seiner Freundin Australien und Neuseeland, natürlich wieder mit VW-Bus. Wahrscheinlich liegt er gerade an einem wunderschönen Strand oder surft auf der perfekten Welle. Wohin es morgen gehen wird, weiß er sicher selbst noch nicht. ▪

REISEBERICHT MARCUS BÖRNER

Auch der ehemalige Partner von Lawrence und Mitgründer von Rebuy, Marcus Börner, hat nach seinem Ausstieg bei Rebuy eine große Reise unternommen. Seinen Reisebericht findet ihr in der ersten Ausgabe von Berlin Valley oder auf berlinvalley.com.

6 | Unterwegs in Panama: Keine Straße ist sicher vor Willy. 7 | Gesichtet: Ein seltener Puma in den Wäldern des Cordoba 8 | Rio de Janeiro bietet wunderschöne Strandlandschaften.

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Fotos: Lawrence Leuschner

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COWORKING INTERNATIONAL

Auf dem Weg der Erleuchtung In unserer Reihe besuchen wir die schรถnsten Coworking Spaces der Welt. Dieses Mal: Dojo Bali Von Nils Lennard Behrens

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COWORKING INTERNATIONAL Das Wort Dōjō bedeutet aus dem Japanischen frei übersetzt Weg der Erleuchtung. Der Name ist Programm: In der Community des Coworking Space Dojo kommen digitale Nomaden zusammen, um sich erleuchten zu lassen. Sie meditieren, surfen und betreiben WorkLife-­ Balance in Perfektion. Die Location hat das schnellste Internet der Insel Bali, eine gemein­ schaftliche Arbeitsumgebung und Einzelbüros, bietet die Erledigung von Assis­tenzdiensten an und organisiert Workshops zwischen Yoga und Blockchain. Der Swimmingpool ist Mittelpunkt der Community. Wer sich erfrischen möchte, schnappt sich einen Mojito an der Bar und macht es sich nach Feierabend gemütlich.

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Fotos: Dojo Bali

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1 | Events im Dojo: von Yoga bis Blockchain 2 | Toller Ausblick beim Arbeiten im Tropenparadies 3 | Einen Platz an der Sonne gibt es für jeden. 4 | Für den Hunger zwischendurch ist gesorgt. 5 | After Work: Chillen am Swimming-Pool 6 | Volle Konzentration im paradiesischen Klima 7 | In der Community hilft jeder jedem.

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COWORKING INTERNATIONAL

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8 | Die Kaffeebar im Tropen-Design 9 | Tolle Community: Im Dojo isst man nie allein. 10 | Lorem Ipsum Lorem Ipsum 11 | Getting shit done: Volle Konzentration bei der Arbeit. 12 | Wall of Fame: Jeder Coworker stellt sich im Dojo mit einem Steckbrief vor. 13 | Arbeiten zwischen Palmen und Bambus

THIS IS CANGGU

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Auf der Insel der Götter, wie Bali aufgrund ihrer vielen Tempelanlagen genannt wird, herrschen das ganze Jahr tropische Temperaturen. Canggu liegt an der Süd-Westküste direkt am indischen Ozean. Der Ort ist die Drehscheibe für digitale Nomaden. Mit dem Roller braucht man eine Stunde nach Kuta zum Feiern, nach Ubud zum Einkaufen oder in den Süden der Insel. Besucher aus aller Welt suchen dort Entspannung. Doch Canggu bietet mehr: Hipster-Cafés und Party-Locations, Networkingund Geschäftsmöglichkeiten sowie eine starke Gemeinschaft von Menschen mit Business-Fokus.

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Beste Gastro-Spots Crate Café oder Nalu Bowls zum Frühstück, Dojo Cafe, Peloton Supershop oder Shady Shack zum Lunch, Labarraca, Moana oder Dandelion zum Dinner Must-see-Locations Echo Beach, Old Man’s Bar, Tanah Lot Tempel oder Bukit Peninsula mit weißen Strände und tollen Surf-Spots. Außerdem ist ein Yoga-Tag in Ubud Pflicht. Übernachtung Echoland Bed And Breakfast, Villa Puri Pura oder das Loft with kitchen

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Drei Fragen an den Gründer Michael Craig

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Fotos: Dojo Bali

Dojo Bali Inhaber: Michael Craig Gründungsjahr: 2015 Adresse: No. 88 Jalan Batu Mejan Canggu, Echo Beach Kuta Utara, Kabupaten Badung Bali, Indonesia 80361 Öffnungszeiten: 24 Stunden/7 Tage Coworker: Bucketlist, Facebook, Google Für: digitale Nomaden, Startups und Entrepreneure oder Menschen im Sabbatical: Developer, Blogger, Ingenieure, Anwälte oder Kreative dojobali.org

Michael, was macht Dojo einzigartig? Die Leute kommen und gehen, wie in einem Bienenstock. Sie tauschen sich aus, lachen und lernen gemeinsam. Dojo ist nur sekundär ein Coworking Space. In erster Linie bedeutet es für uns positive Lebenseinstellung und Gemeinschaft. Die Leute wollen mehr Balance im Leben. Sie erfahren, dass Kreativität durch Freiheit bedingt ist. Die findet man nicht in Büros mit Fake-Blumen und fancy Dekoration. Das kommt von inspirierenden Menschen und einer interessierten Community. Gibt es ein Dojo-Geheimrezept? Ich habe den Raum so gebaut, dass ich selbst hier arbeiten möchte: tropisch entspannt und in freundlicher Umgebung, die Wissen fördert. Wir bieten große Arbeitsplätze in- und outdoor, private Skype-Kabinen und einen Pool zur Entspannung. Unser Café bietet gesunde, leckere Snacks und einen Ort zum Abhängen an. Was macht euren Standort besonders? Dojo liegt im Herzen von Canggu auf Bali, drei Gehminuten vom Strand entfernt. Der Raum ist die perfekte Umgebung zwischen der geschäftigen Stadt mit vielen Restaurants und dem Strand für entspannende Spaziergänge zwischen langen Arbeitstagen. Wem das nicht reicht, der findet in Kuta eine aufregende Stadt, die viele Abenteuer und ein abwechslungsreiches Nachtleben bietet.

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Skyline von Shanghai

COWORKING IN CHINA Shanghais Arbeitswelt im Umbruch

Yanping Attic, ein Coworking Space in einer ehemaligen Fabrik mit Sitz in der Yanping Road im Stadtzentrum Shanghais, weist alle typischen Merkmale einer modernen Bürogemeinschaft auf: Tischreihen, Konferenzzimmer und Gemeinschaftsbereiche im Lounge-Stil. In dieser zweiten Niederlassung von Shanghais erstem Coworking Space, People Squared, begann die Erfolgsgeschichte der Coworking Spaces Shanghais. Das erste Mal, das ich Yanping Attic besuchte, war im Jahr 2013, als Coworking in China noch nicht Schule gemacht hatte. Aus dem traditionellen Arbeitsumfeld eines Finanzdienstleisters kommend, faszinierten mich besonders die flexiblen Bürostrukturen, die erleichterte Kommunikation sowie der Fokus auf den Aufbau einer Commu­ nity. Was mich am meisten begeisterte, waren die Leute, die ich dort traf: leidenschaftliche und hochmotivierte Visionäre, die mit ihrer Arbeit etwas bewegen möchten. Meine Liebe zu Coworking Spaces mit ihren inspirierenden Bedingungen wurde im Laufe der Zeit immer stärker. Natürlich hat unser Unternehmen ein Büro, aber ich möchte nicht jeden Tag die ganze Stadt dorthin durchqueren. In einem Coworking Space bekomme ich nicht nur einen Schreibtisch, sondern auch Anschluss an eine Community, dank der ich die Trends im

Yanping Attic, die zweite Niederlassung von People Squared

Auge behalte und mit der ich Gedanken zu verschiedenen Entwicklungen austauschen kann. COWORKING SPACES: EIN WACHSENDER MARKT Auch wenn der Coworking-Boom in China später als anderswo kam, breitet er sich im großen Stil über das Reich der Mitte aus. Laut einem offiziellen Bericht vom September 2016 gibt es in Shanghai ungefähr 300 Coworking Spaces und Innovationszen­ tren mit einer Belegung von etwa 70 Prozent. Ende 2016 gab es in ganz China mehr als 3.500 Coworking-Space-Betreiber, die

Fotos: pexels.com-Ayala, Dianping, Berlin Partner, Emma Lee

Seit Jahrzehnten steht Rockmusik für Freiheit, Rebellion, Ausgelassenheit und ein Leben im Hier und Jetzt. Für Chinas junge Generation ist Entrepreneurship der neue „Rock ’n’ Roll“, denn es vereint zwei wesentliche Themen: das Herausfordern von Normen und die Suche nach neuen Arbeitsmodellen. Möchte man sich einen Eindruck von dem neuen Unternehmergeist Shanghais verschaffen, sind die Coworking Spaces der Stadt genau der richtige Ort dafür.


ANZEIGE über 100.000 Schreibtische im ganzen Land anbieten, wie das Forschungsinstitut CRIC veröffentlichte. Von der schnell wachsenden Nachfrage nach der Nutzung von Bürogemeinschaften in China profitieren vor allem Projektentwickler, Office Manager, Finanzinvestoren und Mediengruppen. Allein in Shanghai gibt es in dem Feld eine Vielzahl großer Namen, darunter Techcode, TusStar Shanghai, URWork, naked Hub, People Squared, Sandbox, und viele mehr. Neben heimischen Unternehmen haben aber auch ausländische Mitbewerber ihren Blick auf den Markt gerichtet. WeWork, das US-Coworking-Einhorn mit einem Wert von etwa 18 Milliarden Dollar, hat sich mit ersten Standorten in Shanghai und Peking etabliert. DIE GRÜNDE FÜR DEN BOOM Die Verbreitung der Sharing-Mentalität im Verbraucherbereich hat sich auch auf die Nutzung von Büroraum übertragen. Neben dem Teilen von Fahrzeugen und Wohnräumen, deren Pendants sich auch in der westlichen Welt finden, sprengt China die Grenzen des Teilbaren und bindet ständig neue Lebensbereiche ein. In dem Land kann man so ziemlich alles mieten, von Ladestationen über Regenschirme bis hin zu Basketbällen. Die Steigerung der chinesischen Arbeitskraft im neuen Jahrtausend ist eine weitere Triebfeder für den Coworking-Boom. Die neue Art, wie Arbeitsräume gestaltet werden, folgt den Bedürfnissen einer flexiblen und mobilen Zielgruppe. „Millenials orientieren sich tendenziell stärker an Gemeinschaften, insbesondere Online-Communities, und verstehen sich eher als Teil einer Gruppe als eines bestimmten Unternehmens. Es ist ihnen sehr wichtig, dass sie sich mit den Räumlichkeiten und der Umgebung identifizieren“, sagt Claire Stephens, Head of Workplace Strategy von JLL. Ein Teil des Wachstums der Coworking Spaces wird auch von der Regierung unterstützt, um so dem sich verlangsamenden Wachstum traditioneller Industrien gegenzusteuern. DIE COWORKING-WELT IM WANDEL Die Begeisterung über die Coworking-Branche, der boomende Markt und enorme Investitionen haben zu einer übermäßig schnellen Entwicklung des Sektors geführt. Inzwischen steuert die aufstrebende Coworking-Welt Chinas auf einen riesigen Wandel zu. Einige führende Coworking-Anbieter halten den Löwenanteil am Markt. Die gesamte Finanzierung und Aufmerksamkeit konzentriert sich auf ein paar wenige Top-Player wie URWork und WeWork. Die kleineren Mitbewerber tun sich zusammen, um am Markt bestehen zu bleiben. URWork, das den Einhorn-Status trägt, seit es im Januar dieses Jahres eine Series-­ B-Finanzierung von 58 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,02 Milliarden Dollar erhielt, unterzeichnete in diesem Jahr mit dem Wettbewerber New Space eine Vereinbarung für eine strategische Fusion. New Space selbst fusionierte 2015 mit AA Accelerator, wohingegen We+ mit Firmensitz in Shanghai gerade erst mit CoWork fusionierte. DIFFERENZIERUNG MACHT DEN UNTERSCHIED Bei so vielen Mitbewerbern am Markt stellt sich inzwischen für Manager und Betreiber von Bürogemeinschaften die Frage: „Wie bleibt man einzigartig?“ Das aus Shanghai stammende People Squared zum Beispiel bewegt sich mit kreativen Menschen in der Musik-, Content- und Lebensmittelbranche auf eine vertikale Differenzierung zu. „Als wir Raum für Unternehmer und Start­ ups geschaffen haben, sahen wir eine Menge Talent. Coworking und Musik harmonieren gut zusammen, also dachten wir, wa­rum schaffen wir nicht einen speziellen Coworking Space?“, sagte Bob Zheng, Gründer von People Squared.

TusStar, Partner-Coworking-Space der Start Alliance

Naked Hub, das Coworking-Space-Netzwerk mit Sitz in Shanghai, hat seinen Fokus auf die enge Zusammenarbeit mit großen und mittelgroßen Unternehmen gelegt und zieht diese vor allem deswegen an, weil sie sich von neuen Arbeitsmethoden inspirieren lassen möchten. Das aus einem techaffinen Gründungsteam hervorgegangene MyDreamPlus entwickelt einen Arbeitsraum für Technologieliebhaber, in dem alle Abläufe maximal digitalisiert sind: vom Öffnen der Türen über das Drucken bis hin zum Buchen der Konferenzzimmer vom Smartphone aus. Trotz des Hypes um die ganze Coworking-Industrie macht diese nach wie vor nur einen kleinen Anteil am gesamten Büromarkt aus. „Wenn man sich aber den Bürosektor anschaut, macht dies nicht mal ein Prozent des gesamten Marktes traditioneller Büroräume aus.“, erklärt Bill Li, Mitgründer von MyDreamPlus. Es ist zu erwarten, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einiges entwickeln wird.

Emma Lee ist eine in Shanghai lebende Tech-Redakteurin. Sie schreibt über Startups und Tech-Events in China und Asien im Allgemeinen. Unter anderem schreibt sie für technode.com, einer chinesisch- und englischsprachigen Seite für und über die Tech-Startup-Szene Chinas.

Mit der Start Alliance nach China Die Start Alliance hat es sich zur Aufgabe gemacht, globale Aktivitäten für Berliner und internationale Startups zu erleichtern. Zum Beispiel mit Austausch-Programmen, die Berlin Partner jedes Jahr organisiert, um junge Gründer bei der Expansion zu unterstützen. Zu den Partnerstädten gehören New York, Tel Aviv, Paris, London, Wien – und Shanghai. Partner der Start Alliance in Shanghai sind unter anderem die Coworking Spaces und Inkubatoren Techcode, TusStar Shanghai und CHINACCELERATOR sowie INVEST SHANGHAI. Für 2018 ist geplant, das Netzwerk der StartAlliance in China um Peking zu erweitern. Informiert euch über die aktuellen Programme: STARTALLIANCE.BERLIN


FITNESS

T R H A F AB BÜRO IM

Fühlt sich an wie Skigymnastik: Squats. Vorgestellt von FitnessExpertin Seana Forbes bei Freeletics

Wenn du im Büro größtenteils sitzend arbeitest, tust du deinem Körper mit ein wenig Bewegung zwischendurch etwas Gutes. Halte dich beispielsweise nicht zu lange in der gleichen Sitzposition auf und versuche, jede Stunde einmal aufzustehen. Mit Squats kräftigst du nicht nur deine Beine, sondern machst auch ein extra Work-out für die Bauchmuskulatur. So geht’s: Stehe aufrecht, die Füße etwa schulterbreit positioniert. Mit geradem Oberkörper, nach vorne gerichtetem Blick und Gewicht auf den Fersen gehst du dann in die Hocke, ohne dass die Knie über die Zehenspitzen hinausragen. Der Körperschwerpunkt wird dabei weit nach hinten verlagert.

Das Münchner Fitness-Unternehmen wurde 2013 gegründet. Anwender der Freeletics-Apps erhalten individuelle Work-outs, die sie überall ganz ohne Geräte machen können. Freeletics zählt mehr als 20 Millionen Nutzer in mehr als 160 Ländern. freeletics.com/de

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Foto: Freeletics

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Fotos: Kitchen Stories, iStock: natthanim, karandaev, LightFieldStudios, Thinkstock: Qpicimages, Dash_med, mraoraor, Boonchuay1970, mizoula, Fascinadora

ERNÄHRUNG

Volle Möhre Neues Date für Miso mit Kokos und Karotte, arrangiert von Kitchen Stories Zutaten fur 2 Portionen 500 g Karotten 1 Zwiebel 2 Zehen Knoblauch 10 g Ingwer 1 Chilischote 2 EL Kokosol 750 ml Gemusebruhe 2 EL Misopaste 1 Limette (Saft) Kokosmilch zum Servieren Koriander zum Garnieren Salz Pfeffer Kitchen Stories 2014 von Mengting Gao und Verena Hubertz gegründet, bietet Kitchen Stories eine Vielzahl an Rezepten, praktischen Küchentipps und Artikeln rund ums Thema Essen. Kitchen Stories ist eine App und auf mehreren Plattformen verfügbar. kitchenstories.io

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Zubereitung Zu Hause vorbereiten Karotten schälen und in Scheiben schneiden. Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Chili hacken. Kokosöl in einem großen Topf erhitzen und Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Chili auf mittlerer Hitze anbraten. Karotten in den Topf geben und kurz anbraten. Gemüsebrühe hinzugeben und zum Kochen bringen. Hitze reduzieren und circa 20 Minuten köcheln lassen. Suppe vom Herd nehmen und mit einem Stabmixer pürieren. Im Büro genießen Gebt die Misopaste und den Limettensaft hinzu und lasst die Suppe circa zwei Minuten köcheln. Alternativ könnt ihr sie in der Mikrowelle erwärmen. Mit etwas Kokosmilch obenauf anrichten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Koriander garnieren.


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Mit dem Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ prämieren wir 2018 gemeinsam mit unserem Partner „Deutschland – Land der Ideen“ Projekte, die Lebenswelten miteinander verbinden, die querdenken und Bekanntes auf den Prüfstand stellen, die dem Gemeinwohl dienen, ohne die Innovationskraft des Einzelnen zu vernachlässigen. Und die Signalwirkung auch über Deutschland hinaus entfalten können.

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Fotos: tiridifilm/iStock, MG RTL D/Bernd-Michael Maurer, SAT.1/Claudius Pflug, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Marco Verch/Flickr.com (CC BY 2.0)

MEDIEN

Am laufenden Band: 2018 machen Raab, Maschmeyer und die „Löwen“ Gründen zum Dauerthema. Einmalige Alternative: das ZDF

Konkurrenz für Hashtag #DHDL Mit #DDJ und #SUWWDBG kommen neue Shows ins TV Wer gehofft hatte, Gründershows hätten ihren Zenit überschritten, muss 2018 ganz tapfer sein. Zunächst geht „Die Höhle der Löwen“ auf Vox in die fünfte Staffel und setzt auf die zuletzt bewährten Investoren um Georg Kofler, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer. Quoten von mehr als drei Millionen Zuschauern brachten #DHDL bei den 14- bis 49-Jährigen einen Zuschaueranteil von bis zu 20 Prozent. Doch 2018 könnte der Erfolg abebben, nicht zuletzt weil Maschmeyer im Quotenduell gegen sich selbst antritt. Auf Sat.1 wird er „Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?“ moderie­ren. Die ersten Folgen sind bereits im historischen Hörsaal des tieranatomischen Theaters in Berlin abgedreht.

An seiner Seite bewerten Lea Lange, Gründerin des Kunst-Onlineshops Juniqe.de, und Klaus Schieble, Geschäftsführer von Seed + Speed Ventures, die ersten 35 Bewerber. Neben dem Expertenteam bekommen die Gründer Unterstützung und Motivationshilfe von dem Entrepreneur, Coach und Buchautor Matthew Mockridge. Der Sieger von „Start Up!“ erhält ein Investment von einer Million Euro und gründet mit Maschmeyer zusammen eine eigene Firma. Ausstrahlung: Frühjahr 2018. Noch einmal anderthalb Millionen reicher werden die pfiffigen Köpfe, die das „Ding des Jahres“ aus dem Hut zaubern. Bei der von Stefan Raab produzierten Prosieben-Show sind #GNTM-Siegerin Lena Gercke, Moderator und Gründer Joko Winterscheidt sowie Rewe-Einkaufschef Hans-Jürgen Moog die Jury. Die drei Experten testen die vorgestellten Erfindungen und geben ihre Einschätzung ab, bevor alleine das Publikum entscheidet, für welches „Ding“ die Show weitergeht. Raab selbst begleitet die Show nur als ausführender Produzent. Nach der Aufzeichnung der ersten Folge bezeichnet Bild die Show als Mischung aus „Die Höhle der Löwen“ und Castingshows wie „Das Supertalent“. Am 9. Februar beginnt die Ausstrahlung. Weniger Show und etwas mehr Wissenschaft verspricht dagegen die jährliche Verleihung des Deutschen Zukunftspreises. Der Preis wird durch den Bundespräsidenten ausgelobt und ehrt herausragende technische, ingenieur- und naturwissenschaftliche Leistungen. Die Verleihung – meist eher unbemerkt von der Öffentlichkeit – wird im ZDF ausgestrahlt.

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MEDIEN

„Awake“ setzt neue Maßstäbe für VR-Filme startvr.co/project/awake

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SEI KOSTENFREI DABEI!

Podcast für Schlauköpfe microsoft.com/research Microsoft lässt Interessierte an seinen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um Soft- und Hardware teilhaben. Die Forscher des Microsoft Research-Programms plaudern seit Dezember 2017 unter anderem auf iTunes.

Alita: Ein Engel der anderen Art foxmovies.com

Mehr Info: www.cloudfest.com

Ab geht die wilde Uber-Fahrt

Keine Pausbacken, keine Flügel – aber einen Wumms, der auch Bud Spencer beeindruckt hätte. Mit „Alita: Battle Angel“ (gespielt von Rosa Salazar) kommt im Juli 2018 eine Adaption des gefeierten Dystopie-Mangas ins Kino. Regisseur ist Robert Rodriguez.

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Erst Gas gegeben – dann ins Schlingern geraten. So lässt sich die Geschichte des Fahrdienst-Vermittlers Uber beschreiben, dessen Ex-Boss Travis Kalanick nach Sexismus- und Mobbing-Vorwürfen seinen Posten räumen musste. Wir verlosen fünf Exemplare der Biografie von Adam Lashinsky mit einem Vorwort von Kai Diekmann. Schreibt uns eine E-Mail an verlosung@berlinvalley.com (Betreff: Uber). Einsendeschluss: 28. Februar 2018. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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CHE N MI T M A D UN NEN GE W IN

Fotos: StartVR, Microsoft, Twentieth Century Fox Film Corporation, Plassen Verlag

Mit „Awake“ könnte eine Serie zum Erweckungserlebnis für die Filmindustrie werden – und zwar dank revolutionärer Technik des australischen Studios StartVR. Die Geschichte um Harry (gespielt von Holly­woodStar Jake McDorman) und dessen mysteriöse Vergangenheit ist ausschließlich für VR-Brillen konzipiert. Die Bewegungen der Schauspieler wurden von allen Seiten von bis zu 106 Kameras gleichzeitig aufgenommen, die Scans der Protagonisten in computergenerierte Umgebungen versetzt. Ausstrahlung der ersten Folge: erstes Quartal 2018.


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MEDIEN

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Drei Bücher für Gründer und Neudenker zum Mitreden – zusammengestellt von Blinkist „Unangreifbar: Deine Strategie für finanzielle Freiheit“ Tony Robbins | 2017 Du sehnst dich nach finanzieller Freiheit, aber das goldene Händchen für den Umgang mit Geld scheint anderen vorbehalten? In „Unangreifbar“ lernst du direkt anwendbare Tools kennen, die dir dabei helfen, dir nie wieder Gedanken über Geld machen zu müssen.

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„Finde dein Warum: Der praktische Wegweiser zu deiner wahren Bestimmung“ Simon Sinek | 2018 „Finde dein Warum“ – das praxisbezogene Arbeitsbuch zum Bestseller „Frag immer erst: Warum“ – liefert clevere Strategien, um wahre Motivation für den Aufbau deines eigenen Business und Bedeutung in deiner Arbeit zu finden.

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Ray Dalio | 2017 Als einer der erfolgreichsten Unternehmer aller Zeiten teilt Ray Dalio in „Principles“ seine Weisheiten über die Prinzipien des Lebens, die dir in jeder Lebenslage helfen können, die richtige Entscheidung zu fällen – ohne Zweifel.

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Paulo Coelho Der Weg des Bogens Diogenes

160 Seiten, Leinen, Euro (D) 18.– Auch als eBook und Hörbuch www.paulocoelho.info

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Diversicon fördert, vermittelt und coacht qualifizierte Fachkräfte mit Autismus. Wir bringen Autist*innen und Arbeitgeber zusammen und setzen dabei an beiden Seiten an: Zum einen arbeiten wir daran, die Arbeitswelt diverser und inklusiver zu machen, zum anderen bereiten wir in der DiversiconAcade­my unsere Teilnehmenden auf gegenwärtige Situationen am Arbeitsmarkt vor. Wir sind überzeugt davon, dass Menschen, die anders denken, in Teams einen wesentlichen Mehrwert leisten. Mit unserem sozialunternehmerischen Ansatz möchten wir die hohe Arbeitslosigkeit von Menschen mit Autismus verringern und gleichzeitig Arbeitgeber dabei begleiten, Inklusion und Diversity tagtäglich zu leben.

CANDIS automatisiert Buchhaltungsprozesse durch künstliche Intelligenz. Benutzer verknüpfen Bankkonten, Kreditkarten und PayPal-Konten, leiten Dokumente an CANDIS weiter und profitieren ohne umständliches Setup von Echtzeit-Übersichten zu offenen Verbindlichkeiten und fehlenden Belegen. Mit wenigen Klicks können Rechnungen freigegeben und bezahlt werden. Am Ende stehen die Daten zur finalen Buchhaltung zur Verfügung. CANDIS ist offizieller DATEV-Schnittstellenpartner und bedient mehrere tausend klein- und mittelständische Unternehmen sowie deren Steuerberater.

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E-Health im Kassenwesen

Kostenlos Bußgeld los

Jourvie widmet sich seit 2014 dem Thema Essstörungen, wie zum Beispiel Magersucht und Bulimie, und möchte die Therapie für Betroffene vereinfachen. Hierzu hat Jourvie eine gleichnamige App entwickelt, welche als digitales Tool therapiebegleitend wirkt. Zusätzlich zur App Jourvie hat das Team im Jahr 2017 gemeinsam mit der AOK Nordost ihre zweite App Elamie entwickelt. Diese nutzen Eltern und Angehörige unter Beaufsichtigung von Ärzten mit dem Ziel einer verbesserten Früherkennung. Das Kooperationsprojekt wird seit dem 1. Januar 2018 in Berlin pilotiert. Neuartig an diesem Ansatz ist die inhaltliche Zusammenarbeit zwischen einer Kasse und einem Startup, welche über ein reines Erstattungsmodell hinausgeht.

Bußgeldbescheide sind oft falsch oder inhaltlich mangelhaft und somit erfolgreich anfechtbar. Akzeptieren muss daher nicht sein. Betroffene können sich auf www.Geblitzt.de registrieren und ihren Bescheid bei der CODUKA einreichen. Diese überprüft die Vorwürfe für den Kunden kostenfrei durch ihre Partneranwälte. Treffen sind hierbei mit den Anwälten nicht erforderlich, da sämtliche Kommunikation per E-Mail oder Telefon erfolgt. Kommen die Vertragsanwälte zu dem Ergebnis, dass der Bußgeldbescheid ganz oder teilweise anfechtbar ist, wird versucht, die Verfahrenseinstellung zu erwirken. Gelingt diese, muss (teilweise) nicht gezahlt werden. Punkte und Fahrverbot sind gegebenenfalls ebenfalls abgewendet.

Jourvie gemeinnützige UG Friedrichstraße 246 10969 Berlin jourvie.com

CODUKA UG (haftungsbeschränkt) Firlstr. 34–36 12459 Berlin geblitzt.de

Fotos: Felix Strosetzki (Jourvie)

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Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) ist seit 2005 ein starker Motor für erfolgreiche Hightech-Gründer. Mit Know-how, Entrepreneurial-Spirit und Leidenschaft begleitet das erfahrene Team aus Investment-Managern und Startup-Experten die besten Unternehmen auf ihrem Weg von der Gründung bis zum Erfolg. Eines dieser Unternehmen ist figo: Der Lösungsanbieter für alle, die Banking in einen alltagsrelevanten Kontext bringen, ist auf dem Weg, eines der ersten regulierten Fintechs im Rahmen der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 zu werden. Die scheinbar untrennbare Verbindung von Banking und Bank löst sich auf! Das B2B-Unternehmen steht wie kaum ein anderes für die neue offene Bankenwelt. high-tech-gruenderfonds.de

Versicherung digital Die Technologiefirma ELEMENT hat vor kurzem ihre BaFin-Lizenz für Versicherungsprodukte erhalten – als erster volldigitaler Schaden- und Unfallversicherer, in Rekordzeit von nur zehn Monaten. ELEMENT ist insbesondere auf Kooperationspartner ausgerichtet. Der Versicherer fungiert als Plattform für alle, die neue, digitale Versicherungsprodukte anbieten wollen, von Insurtechs über Online-Händler, die zusammen mit ihren Produkten eine Versicherung anbieten wollen, Makler oder auch traditionelle Versicherer, die in kürzester Zeit ein neues Produkt entwickeln wollen. Vorstand Dr. Wolff Graulich: „Durch unsere API können wir unseren Partnern maßgeschneiderte Lösungen bieten, die noch gar nicht existieren.“

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Das Unternehmen BigBoxBerlin ist Deutschlands erster Full-Service-Anbieter im Upcycling von Hochseecontainern. Seit 2015 designt, konstruiert und produziert das Team hochwertige, mobil einsetzbare und nachhaltige Architektur aus gebrauchten Seecontainern in den Bereichen Industrie, Event, Gastronomie, Arbeiten und Wohnen. Neben dem Betreiben eigener Systemlösungen und der sich ständig weiterentwickelnden Serienfertigung von Einund Mehrmodulsystemen begleitet BigBoxBerlin auch individuelle Raum- und Gebäudekonzepte. Hochwertig. Umfangreich. Mit Leidenschaft und Spaß an der Sache. Zu den Kunden zählen unter anderem: Forschungsinstitute, Industrie- und Eventunternehmen sowie Privatpersonen.

StackFuel begegnet der starken Nachfrage nach Datenexperten mit einer innovativen und praxisorientierten Data-Science-Trainingsumgebung. Die berufsbegleitenden Online-Trainings richten sich an Unternehmen, die ihre Mitarbeiter gezielt und nachhaltig in Technologien wie Python weiterbilden wollen. Dazu vereint StackFuel audiovisuelle Lernmaterialien mit einer interaktiven Programmierumgebung zu einem am Markt dringend benötigten digitalen Weiterbildungsangebot. Die Übungsdatensätze werden an die jeweilige Branche und deren Bedürfnisse angepasst – das heißt, die Teilnehmer arbeiten mit Beispielen, die wirklich für ihre tägliche Arbeit relevant sind, wie zum Beispiel Marketing- oder IoT-Daten.

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Fotos: Rawpixel.com (förderbar)

Moderne Event- l Gastronomie- l Arbeits- I Wohnarchitektur

Wir schaffen Freiheit

Insurance as a Service

Förderfinanzierung ist hinten raus superattraktiv. Doch wer viele kleine Schritte auf hochdynamischem Boden geht, hat schlicht keine Ressourcen für den aufwändigen Förderprozess übrig. förderbar nimmt Unternehmern den ganz wesentlichen Teil des Aufwands ab. Wir planen das Projekt, realisieren die Umsetzung durch Fördermittel und begleiten die gesamte Projektlaufzeit. Die Unternehmer können sich so auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und gewinnen Handlungsspielraum und Entscheidungsfreiheit. In mehr als 100 erfolgreichen Projekten konnten wir so über 70 Millionen Euro an Fördermitteln einwerben. Zu unseren Erfolgsbeispielen zählen Lemoncat, 6wunderkinder, Contentful, sofatutor und viele mehr.

Bei Helvetia treffen Tradition und Erfahrung auf Mut und Pioniergeist. Ziel ist es, alle Versicherungsprodukte digital über eine durchgängige, mandantenfähige und skalierbare Plattform zur Verfügung zu stellen. Helvetia setzt dabei auf modulare Technologien, Services und kundenzentrierte Produkte. Über ein integriertes Ecosystem mit zahlreichen Insurance-APIs bedient Helvetia alle Kundensegmente – vom Vermittler, Handel, Hersteller bis hin zum Endkunden. Schnell entwickelt Helvetia individuelle Lösungen und ermöglicht damit Partnern zusätzliche Revenue Streams durch clevere Integration von innovativen Produkten in deren Value Chain. So funktioniert Insurance as a Service!

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Helvetia Berliner Straße 56–58 60311 Frankfurt am Main helvetia.de


STARTUP-ÖKOSYSTEME

Vom „Hidden Ecosystem“ zum Champion Startup-Ökosysteme wie Silicon Valley sind weltbekannt. Eine neue Studie von Enpact lenkt den Blick auf unbekanntere Startup-Regionen, die außerhalb des üblichen Blickfeldes liegen. Von Nadine Meya

Je nach Studie finden sich unterschiedliche Hotspots auf den vordersten Plätzen internationaler Startup-Rankings: Silicon Valley, Tel Aviv, Singapur, London, Helsinki, Stockholm, Paris, Lissabon, Berlin – die Liste der boomenden Regionen ist lang. Eines haben alle Studien gemein: Metropolen in Afrika oder im Nahen Osten finden sich nicht unter den Top Ten. Was kann man also von Ökosystemen in Schwellenländern erwarten? Finden sie zu Recht wenig Beachtung? Um Antworten auf diese Fragen zu liefern, hat die Non-Profit-Organisation Enpact das Projekt Startup Meter initiiert. Enpact wurde im Jahr 2013 mit dem Ziel gegründet, die Beziehungen von Startups aus Europa, Nord­ afrika und dem Nahen Osten zu stärken. In ihrer ersten Studie, die im Dezember 2017 erschien und auf dem Startup Friendliness Index (SFI) basiert, wurden insgesamt sieben Städte der MENA-Region (Middle East und North Africa) und anderen Regionen Afrikas untersucht: Tunis (Tunesien), Rabat (Marokko), Kairo (Ägypten), Accra (Ghana), Nairobi (Kenia), Beirut (Libanon) und Amman (Jordanien). Ziel der Studie ist, Vergleichbarkeit der einzelnen Startup-Ökosysteme zu schaffen und unbekannte Startup-Regionen ins Schein­ werferlicht zu rücken. „Wir wollen besser verstehen, wie die Ökosysteme, die nicht im Fokus der Szene stehen, funktionieren und an welchen Stellschrauben man drehen muss, um sie zu verbessern“, erklärt Jan Lachenmayer, Leiter des Bereichs Startup Meter bei Enpact. Der Startup Friendliness Index bildet die Basis für weitere Untersuchungen. Er dient der Schaffung von Fakten, um Einfluss auf politische Entscheidungsträger auszuüben und

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diese entsprechend zu beraten. Die Lücke in der Forschung, die sich bei der Untersuchung von Ökosystemen selten mit Schwellenländern beschäftigt, soll geschlossen werden. Die Daten stellt Enpact auf der Website startup-­meter.org zur Verfügung. Doch es geht auch ums Geld: Die Evaluierung der Daten soll dabei helfen, Fragen von Geldgebern und Fördermittelnehmern zu klären. „Wir möchten ein wirkungsvolles Werkzeug zur Verbesserung der Bedingungen von Startup-­ Ökosystemen etablieren“, erläutert Lachenmayer.

Städte an der Schwelle Die Auswahl der sieben Städte des Startup Meters wurde auf Grundlage bestehender Programme und Aktivitäten von Enpact in Nord-, Ost- und Westafrika sowie dem Nahen Osten getroffen. Die Städte zeichnen sich durch relativ junge Ökosysteme sowie schnell wachsende Bevölkerungen aus. „Wir sind überzeugt, dass das Start­up Meter für die Städte positive Effekte nach sich ziehen wird, sowohl bei der Analyse als auch bei Empfehlungen“, sagt Lachenmayer. Es sei eine Frage der Zeit, bis die Effekte spürbar sein werden. Die Liste der untersuchten Städte soll wachsen: „Wir planen 2018, rund 30 Städte hinzuzufügen. Unter anderem werden wir zeitnah Singapur, Manila, Jakarta und Bangalore in die Studie einbeziehen“, kündigt Lachenmayer an. Da Enpact in diesem Jahr Delegationsreisen für die Berliner Senatsverwaltung nach China, Singapur, Indonesien und Indien organisieren will, werden sicherlich einige Städte hinzukommen. Aber auch Anfragen aus weiteren afrikanischen Städten liegen vor.

kko Maro 7 , t a b Ra ng Ranki 0 ,3/10 SFI 40


STARTUP-ÖKOSYSTEME

n bano i L , t Beiru nking 4 Ra ,7/100 SFI 45

ien Tunes , s i n Tu ng 1 Ranki 00 /1 SFI 58 ten Ägyp , o r i Ka ng 3 Ranki 0 /10 SFI 46

an, Amm n nie Jorda 2 ng Ranki /100 ,5 SFI 55

na , Gha a r c c A ng 6 Ranki 100 ,9/ SFI 41

ia i, Ken b o r i Na ng 5 Ranki /100 ,5 SFI 43

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STARTUP-ÖKOSYSTEME Doch wie kann man Ökosysteme überhaupt vergleichbar machen? Die Analyse des SFI findet auf Stadt-Ebene anhand vorher definierter Indikatoren statt. „Wir erfassen über 80 Indikatoren, die in sechs Domänen und 14 Subdomänen untergliedert und subsumiert werden“, beschreibt Lachenmayer das Vorgehen. Die sechs Domänen sind Humankapital, Finanzen, Startup-Szene, Infrastruktur, Makro-Kontext sowie der Markt und werden anhand vielzähliger Indikatoren messbar gemacht. Die Daten stammen aus unterschiedlichen Quellen: „Die Indikatoren beziehen wir entweder aus Primärquellen, also durch eigene Datenerhebung via Fragebögen bei Startups, oder über Sekundärquellen, wie zum Beispiel der Weltbank, dem World Economic Forum oder aus vorhandenen Reports“, erläutert Lachenmayer. Es gehe nicht nur darum, die Daten zusammenzutragen, sondern sie auch entsprechend zu interpretieren. So werden beispielsweise Imbalancen beim Errechnen des Index-Wertes abgestraft. „Gemäß dem Ökosystem-Ansatz schneiden Städte besser ab, wenn die Domänen ausgeglichen sind. So wird verhindert, dass punktuelle Stärken in den Domänen die Bewertung nach oben ziehen, und gewährleistet, dass wir der Komplexität der vielen, voneinander abhängigen Elemente gerecht werden“, erklärt Lachenmayer die Vorgehensweise.

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Domänen des SFI

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Domänen des Startup Friendliness Index Humankapital

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Verfügbarkeit von Kapital

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(Banken, VCs, Funding)

Veranstaltungen und Accelerator

Humankapital

Finanzen

Staup-Szene

80 74,2 70

67,8

53,6

53,3 45,7

45,1

47,3

51,7

47,0

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40

40,9

38,5

35,6

32,4

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Rabat, Marokko

Tunis, Tunesien

Nairobi, Kenia

Beirut, Libanon

20,1 Kairo, Ägypten

Amman, Jordanien

Rabat, Marokko

Accra, Ghana

Tunis, Tunesien

Nairobi, Kenia

Beirut, Libanon

21,4 Kairo, Ägypten

Amman, Jordanien

Rabat, Marokko

Accra, Ghana

Tunis, Tunesien

Nairobi, Kenia

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Beirut, Libanon

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20

Amman, Jordanien

30

Accra, Ghana

50

55,6

63,6

59,6

59,5

60


STARTUP-ÖKOSYSTEME

Die „Hidden Ecosystems“ und ihre Potenziale Doch was sind nun die zentralen Erkenntnisse zu den untersuchten Städten? Zum einen wird hervorgehoben, dass die Entscheidung, sich nicht auf Länder, sondern einzelne Städte zu konzentrieren, sinnvoll ist. So konnte beispielsweise aufgezeigt werden, dass die Ökosysteme Tunis und Rabat sich zwar geografisch am nächsten sind, in der Performanz aber am stärksten unterscheiden. Auffällig ist auch, dass es keine klare Korrelation zwischen dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der Performanz insgesamt gibt. So zeigt sich Tunis gegenüber Beirut, das ein wesentlich höheres BIP aufweist, als das ausgewogenere Ökosystem. Auch in den Domänen „Startup-Szene“ sowie „Makro-Kontext“ schneidet Tunis gut ab. Rabat hingegen, letztplatzierte Stadt des SFI, hat in den Segmenten „Startup-Szene“ und „Finanzen“ sehr schlecht abgeschnitten, wodurch die Bewertung insgesamt schlechter ausfällt. In Kairo stechen die Bereiche „Infrastruktur“, „Marktpotenzial“ sowie „Offenheit“ heraus, in Beirut die Domäne „Finanzen“. Accra hingegen scheint die beliebteste Stadt zu sein, wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Um die Frage zu beantworten, welche Stadt am besten für ein Startup geeignet ist, hilft der Blick auf die Detailebene der Indikatoren. Die vorliegenden Daten sollen dabei einen hohen Grad an

Transparenz schaffen. „Unserer Ansicht nach werden dank der neuen Transparenz verstärkt Netzwerke entstehen, in denen Wissenstransfer, Vertrauen, gegenseitiges Lernen von- und miteinander sowie internationaler und interkultureller Austausch großgeschrieben werden. Das Vernetzen internationaler Jungunternehmer ist ein Schlüsselaspekt der gemeinnützigen Arbeit von Enpact und wird mit diesem Forschungsprojekt einen weite-

„Dank der neuen Transparenz werden verstärkt Netzwerke entstehen“ ren wichtigen Mehrwert schaffen“, prognostiziert Lachenmayer. Bleibt abzuwarten, was die Betrachtung der Städte im Index letztlich für die Ökonomie vor Ort bringen wird. Ein besserer Einblick in Startup-Regionen fernab der großen Bühne wird auf jeden Fall geschaffen. ▪

Infrastruktur

Makro-Kontext

Markt

Vorhandensein von Transport und

Themen wie Steuern, Unternehmensregistrierungen,

Möglichkeiten für Unternehmen, etwa internationale

TK-Infrastruktur

Recht und politische Stabilität

Vernetzung oder Markteintrittschance

Infrastruktur

Makro-Kontext

Markt

80 71,6

71,5

70,0 62,3 54,5

50

56,2

54,6

51,4 47,6

49,6

51,1

Accra, Ghana

61,1

59,7

60

72,7

Tunis, Tunesien

70

37,2

37,1

Beirut, Libanon

40

Kairo, Ägypten

54,8

33,0

35,9

35,8

Rabat, Marokko

Nairobi, Kenia

Beirut, Libanon

Kairo, Ägypten

Amman, Jordanien

Rabat, Marokko

Accra, Ghana

Tunis, Tunesien

Nairobi, Kenia

Amman, Jordanien

Rabat, Marokko

Accra, Ghana

Tunis, Tunesien

Nairobi, Kenia

0

Beirut, Libanon

10

19,2 Kairo, Ägypten

20

Amman, Jordanien

30

Bezugsgröße aller Werte: 100; Quelle: SFI 2017 Startup Meter von Enpact

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MARKTDATEN

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‘12 ‘12 ‘11*‘11*

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