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PRAKTISCHE BILDUNG

KULTURTECHNIKEN

5000 JAHRE LESEN – EINE TECHNIK MIT ZUKUNFT

OHNE LESEN GEHT GAR NICHTS

V

or etwa 5000 Jahren begannen die Menschen im Vorderen Orient zu schreiben und zu lesen. Damals eine hohe Kunst einiger weniger Spezialisten, heute ein Muss für jeden und zentraler Bestandteil unserer Bildung. Denn trotz heftigen Lamentos, dass das Internet die Lesekultur zerstöre, ist die Kulturtechnik des Lesens wichtiger denn je. Und ihre Bedeutung steigt weiter!

Kulturgut Lesen Die ältesten Schriftzeugnisse stammen aus dem Vorderen Orient und sind rund 5000 Jahre alt. Es sind Aufzeichnungen in Keilschrift, die Auskunft geben über Lagerbestand, Lieferungen und Bestellungen. Anfertigen und lesen konnte diese Tontäfelchen nur eine Handvoll Verwaltungsbeamte und Schreiber. Doch bald traten Lesen und Schreiben ihren Siegeszug um die Welt an. Schon im Altertum

plus Lesen schult fürs Leben Lesen bedeutet nicht nur, dass wir in fremde literarische Welten eintauchen oder neues Wissen der unterschiedlichsten Gebiete erwerben, die Lektüre anspruchsvoller Texte – seien es Romane, Sachbücher oder wissenschaftliche Arbeiten – schult nicht zuletzt unsere Sprachkompetenz. Wer Goethe, Chandler oder Hawking liest, wer sich für gute Sachtexte oder qualitätvolle journalistische Artikel interessiert, verbessert seine intellektuelle Aufnahme- wie Ausdrucksfähigkeit und schärft sein sprachliches Werkzeug. Sprache bildet aber auch die unabdingbare Voraussetzung für unser Denken, die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unseres Denkens. Nur wer diese Grenzen erweitert und das entsprechende sprachliche Instrumentarium erwirbt, ist auch in der Lage, komplexe Sachverhalte zu erfassen, eigene geistige Wege zu gehen und anspruchsvoll zu kommunizieren. Sprachförderung ist Denkund Kommunikationsförderung und gerade Lesen leistet hier einen ganz entscheidenden Beitrag – Lesen macht schlau und lebenstüchtig!

gehörte es für die gebildeten Schichten zur Selbstverständlichkeit, lesen und schreiben zu können. Für die Mehrzahl der Menschen spielte dies jedoch weiterhin keine Rolle. Mit der Erfindung der Druckkunst durch Gutenberg wurde Lesen zum Massenphänomen, das die Neuzeit prägte. Aber erst seit rund 100 Jahren kann ein großer Teil der Bevölkerung Westeuropas lesen und schreiben. Wissen und Bildung wurden demokratisiert und für jeden zugänglich. Und deshalb ist Lesen auch zu den wichtigsten Kulturtechniken zu zählen.

Lesen eröffnet neue Welten Doch was ist Lesen überhaupt? Laut der PISA-Studie versteht man darunter die Fähigkeit, »geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen«. Das sind dürre Worte für eine Fähigkeit, die uns nicht nur ermöglicht, Informationen jeder Art unabhängig von Zeit und Ort auszutauschen. Lesen bietet auch die Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen, sich mit interessanten Personen und Schicksalen zu beschäftigen. Lesen beflügelt auch die Fantasie und lässt Personen, Städte

Der Brockhaus Bildung21  

Wissen für das 21. Jahrhundert, Leseprobe

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