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EDITORIAL

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

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s gibt Ereignisse, bei denen Sprache versagt. Die unermesslichen Ausmaße der Überflutungen in Pakistan gehören dazu. Täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen aus den Katastrophengebieten dieses Landes. Doch die Zahlen bleiben merkwürdig abstrakt. 20 Millionen Menschen sind betroffen, doch was bedeutet diese Zahl wirklich? Sie übersteigt das menschliche Vorstellungsvermögen um ein Vielfaches. Pakistan braucht, so sagt uns der Botschafter des Landes, S.E. Shahid Kamal, dringend unsere ilfe. Denn an nichts erinnert man sich mehr, als an die Hilfe von Freunden in der Not. Zunächst eine Selbstverständlichkeit, doch sie droht unter der Last alltäglicher Katastrophenbilder aus aller Welt zu verblassen. Dies wäre jedoch fatal, würde man dann vor allem radikalislamischen Kräften in die Hand spielen.

Wenn wir das letzte Heft und auch dieses der Kaukasusregion gewidmet haben, dann lag dies unter anderem daran, dass wir hier ein erhöhtes Konfliktpotential beobachtet haben, offene und vergessene Konflikte, die das Wachstum dieser Region behindern. In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf Georgien, einem europäischen Staat, der den Weg in die EU und die Nato sucht. Wir beleuchten auch in dieser Ausgabe das Thema von mehreren Seiten, denn bekanntlich gibt es nicht nur eine Sicht der Dinge. Das Diplomatische Magazin will ein möglichst breites Spektrum abbilden und zur Debatte beitragen. Diese offen angelegte Diskussion möchten wir auch mit Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, pflegen. Deshalb nutzen Sie unsere Seiten „Leserreaktionen“, um Ihre Standpunkte zu den von uns vorgestellten Themen darzulegen.

Dear Readers

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here are certain events which simply leave you speechless. The sheer enormity of the flooding in Pakistan is one of them. New and ever more shocking news reports from this disaster-struck country reach us on a daily basis, but the figures remain nevertheless somehow abstract. 20 million people are affected, yet what does this number really mean? It greatly exceeds our human perception. Pakistan is in urgent need of our aid we have been told by its Ambassador, H.E. Shahid Kamel. After all nothing forms a more lasting memory than the help of a friend when in need. At first one might think this a matter of course, but it would appear to almost evaporate against the backdrop of the stream of images from the catastrophe. This would however be fatal and would above all play into the hands of the radicals. The fact that we dedicated the previous issue as we have this one to the region of the Caucasus is not least because we have observed an increasing potential for conflict which is threatening growth in that part of the world. In this issue we take a look at Georgia, a European country seeking to join the EU and NATO. We once again shed some light on this subject from a number of different perspectives aiming to enhance the debate. It is our declared wish also to enter into this open ended discourse with you, our readers. For this reason use our “Reader’s Reactions” pages to put forward your views on the subjects we cover. Thank you for your ongoing trust and I look forward to hearing from you.

Bleiben Sie uns weiterhin treu. Darüber freut sich Ihre / Yours

Dr. Irene Ernst Herausgeberin und Verlegerin / Editor and Publisher

Achtung!

Diplomatisches Magazin demnächst mit neuer Adresse.

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CONTENT

„Georgien ist ein Land im Aufbruch“ Interview mit der Botschafterin von Georgien I.E. Gabriela von Habsburg

“Georgia is a European bridge between Orient and Occident” Interview with Georgia’s Ambassador, H.E. Gabriela von Habsburg

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„Wir müssen die Katastrophe nach der Katastrophe verhindern“

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“Why it‘s vital to prevent the catastrophe after the catastrophe”

Gute Exportchancen der deutschen Medizintechnik Good export prospects for German medical engineering

Elbflorenz

Dresden: Lebenslust und Kunstgenuss

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EDITORIAL 03 Dr. Irene Ernst, Herausgeberin und Verlegerin Dr. Irene Ernst, editor and publisher

INTERVIEW 08 „Georgien ist ein Land im Aufbruch“ – Interview mit der Botschafterin von Georgien I.E. Gabriela von Habsburg “Georgia is a European bridge between Orient and Occident” – Interview with the ambassador of Georgia H.E. Gabriela von Habsburg

BUSINESS 20 Die Deutsche Wirtschaftsvereinigung Georgien – Wirtschaftsinformationen „Georgien Kompakt“ 36 Kompetenz auch international - Interview mit VBI-Präsident Dr. Volker Cornelius Competenz at home and abroad – Interview with VBI-Präsident Dr. Volker Cornelius 40 Spectaris – Gute Exportchancen der deutschen Medizintechnik Good export prospects for German medical engineering

30 Der Europäische Auswärtige Dienst – Kein großer Wurf mehr aber mit langfristigem Potential The European External Action Service – No longer the panacea but with long-term potential 32

Ihr Kontakt zur Politik – Der richtige Ansprechpartner Your contact to politics – The right approach

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Institute for Cultural Diplomacy – Nation branding in the globalized world

42 Katrin Sold und Carsten Främke - Deutsch-Französische Beziehungen. Ein besonderes Verhältnis in der Krise? Katrin Sold and Carsten Främke – German – French relations. A spezial relationship in crisis?

COLUMNS 35

Joachim Weidemann für Euractiv – Die europäische Räuberleiter

62 Willkommen in Berlin

EVENTS 64 Japan 65 Jamaika

LIFESTYLE

66 Luxemburg 67 Bolivien

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Cultural Behaviour in Georgien

68 Indonesien

22 Georgien in Berlin

69 Côte d’Ivoire

44 Elbflorenz – Dresden: Lebenslust und Kunstgenuss

70 Peru

54 Palazzo mit neuem Programm im Spiegelpalast

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Marokko

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Vermischtes

Kultur im September

58 Hinter dem Steuer eines Mythos – Deutschland entdecken 50 Motorradostalgie am Alex Motorbike “Ostalgia“ on Alexanderplatz

INTERNATIONAL RELATIONS 21

EU will Georgien helfen – Ein Unruheherd am Kaukasus EU to help Georgia – A trouble spot in the Caucasus region

74 Konsularplatz Hamburg

POSTINGS 76 Neue Botschafter in Berlin – New ambassadors in Berlin 79 Nationalfeiertage – National Holidays 80 Konsularplätze – Consular News

24 Ungelöste Konflikte im Kaukasus – Interview mit Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik Unresolved conflicts in the Caucasus with Interview mit Uwe Halbach 27

Die Flut in Pakistan – “Wir müssen die Katastrophe nach der Katastrophe verhindern “Why it‘s vital to prevent the catastrophe after the catastrophe”

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COLUMNS

Leser-Reaktionen Zu Aserbaidschan Die Frankfurter Neue Presse schrieb

Angst vor neuem Krieg im Kaukasus „... Von Erfolgen der OSZEVermittler kann kaum die Rede sein. Niemals konnte die Kriegsgefahr gebannt werden.

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ie Zunahme bewaffneter Konflikte in den Grenzgebieten wird nicht nur von den USA und Russland, sondern auch von der EU mit größter Sorge verfolgt. Alijews Drohgebärden lassen den Schluss zu, dass er und seine Regierung der Verhandlungen überdrüssig sind und eine Entscheidung erzwingen wollen. Die Verhandlungsofferten von armenischer Seite weist Baku brüsk zurück. Der armenische Außenminister Nalbandjan hatte vorgeschlagen, alle anderen bilateralen Probleme (Flüchtlinge, Grenzverlauf) erst einmal auszuklammern und über den Status von Berg-Karabach zu verhandeln.

Kommt es bald zur großen Explosion? Die Haltung der Vermittler wirkt seltsam passiv. Weder Moskau noch Washington scheinen auf den schlimmsten aller Fälle vorbereitet zu sein. Unzufriedenheit herrscht natürlich auch in Berg-Karabach selber. Die dortige Regierung verlangt, in die Verhandlungen direkt einbezogen zu werden. Das würde die Situation nicht vereinfachen, denn die Vermittler wollen den Ölstaat Aserbaidschan nicht beleidigen und auch Armenien nicht verprellen. Solange verhandelt wird und nichts wirklich Bedrohliches geschieht, scheinen die Großmächte zufrieden zu sein …“

Ihre Meinung ist uns wichtig: Haben Sie Anregungen oder wollen Sie Kritik üben zu Themen, die Sie im Diplomatischen Magazin gelesen haben? Dann schreiben Sie uns an redaktion@diplomatisches-magazin.de

Die türkische Zeitung Hurriyet berichtet in ihrer online-Ausgabe über die Verlängerung eines Stationierungsabkommens zwischen Russland und Armenien:

Russian base in Armenia to stay through 2044 “Russia secured a long-term foothold in the energy-rich and unstable Caucasus region last week by signing a deal with Armenia that allows a Russian military base to operate until 2044 in exchange for a promise of new weaponry and fresh security guarantees.

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he 24-year extension will allow the base‘s fighter jets and thousands of troops to operate outside former Soviet territory, lifting a previous restriction. The agreement could raise tensions between Armenia and neighboring Azerbaijan, who have clashed over Nagorno-Karabakh.

„The protocol doesn‘t just allow the Russian military base to stay in Armenia for a longer period, it also extends the sphere of its geo-

graphic and strategic responsibility,“ Armenian President Serge Sarkisian said after talks with Russian President Dmitry Medvedev. The deal is part of Moscow‘s efforts to strengthen its clout in exSoviet nations, which have worried many of its neighbors. Russia fought a brief August 2008 war with Georgia, which borders Armenia to the north, and tensions have remained high. „Russia wants to underline its role as the key player in the region,“ said Sergei Minasian, a Yerevan-based political expert. Russia‘s clout on former Soviet turf, which Russian leaders have declared a privileged zone of interests, has remained limited, however. Moscow has run into fierce economic and political disputes with its one-time closest ally, Belarus. Russian and Belarusian leaders have traded barbs and blamed one another for an increasing strain in relations.

Gern nehmen wir Ihre Anregungen und Meinungen auf, denn der Kontakt mit Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, ist uns wichtig.

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Russia also has talked much about raising its influence in Central Asia and has grown increasingly jealous of the U.S. presence there, but it did nothing when the government of Kyrgyzstan asked Moscow to send troops to help put down deadly ethnic violence in June. After their talks, the Russian and Armenian presidents were joined by other leaders from a Moscowled security alliance of seven exSoviet nations. Medvedev said the Kyrgyzstan unrest showed that the Collective Security Treaty Organization needed to be able to respond more quickly and effectively in crisis situations. He said the treater organization leaders agreed to form a plan by the end of the year, and he recommended studying the experience of other organizations such as NATO, the EU and United Nations. ....

Russian already provides a security guarantee to Armenia under the CSTO, and it was not clear how the new guarantee would be different. Russia‘s base in Armenia has about 5,000 troops along with MiG-29 fighter jets and S-300 air defense missiles, according to Russian and Armenian reports citing official sources. Medvedev said the base is intended to „support peace and stability in the southern Caucasus and the entire Caucasus region.“ Nagorno-Karabakh has been under the control of ethnic Armenian forces since a six-year conflict ended with a 1994 truce....

Russia has maintained close ties with Armenia since the Soviet collapse, providing economic assistance to the landlocked nation, whose economy has been crippled by blockades by Azerbaijan and Turkey over the Nagorno-Karabakh issue. ...

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INTERVIEW

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„Georgien ist ein Land im Aufbruch“ Interview mit der Botschafterin von Georgien, I.E.Gabriela von Habsburg

In unserem kleinen Schwerpunkt mit Kaukasusländern steht diesmal Georgien im Fokus. Die Lage des Landes nach dem russisch-georgischen Krieg ist nicht einfach für das kleine Land. Über Beitrittsperspektiven zur Nato und zur Europäischen Union, über den Konflikt mit Russland, aber auch über wirtschaftliche Perspektiven und Kunst sprachen wir mit der Botschafterin von Georgien, I.E. Gabriela von Habsburg.

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INTERVIEW

Georgia‘s Coat of arms

“Georgia is a European bridge between Orient and Occident” This time Georgia is the focus of our insight into the Caucasus counties. This small country’s situation following the Russian-Georgian conflict is far from easy. We spoke to Georgia’s Ambassador, H.E. Gabriela von Habsburg about the prospects for joining NATO and the European Union, the conflict with Russia as well as economic perspectives and art. Text: Frank Tetzel Fotos: Mohamed El-Sauaf Your Excellency, what is in fact the correct way to address you, Your Majesty or Your Excellency? Laughing, you are referring to my ancestry. No, Excellency or Madam Ambassador is quite all right.

Nevertheless it seems unusual that an artist should become Georgia’s ambassador. Do you have a special relationship with the country?

„Georgien ist die europäische Brücke zwischen Orient und Okzident.“

Exzellenz: Wie redet man Sie richtig an, als „Kaiserliche Hoheit“ oder als „Exzellenz“? Lacht, Sie spielen auf meine Herkunft an. Nein, Exzellenz oder Frau Botschafterin ist in Ordnung.

Dennoch scheint es ungewöhnlich, dass eine Bildende Künstlerin Botschafterin von Georgien wird. Gibt es für Sie eine besondere Beziehung zu diesem Land? Georgien ist ein Teil meines Herzens und meines Lebens geworden, seitdem ich 1999 das erste Mal dort gewesen bin. Einmal davon abgesehen, dass Georgien landschaftlich atemberaubend ist, sind es vor allem die Menschen, die kulturelle Vielfalt, der Optimismus trotz aller Schwierigkeiten, die es mir angetan haben. Georgien ist die Wiege Europas und dennoch ein Land im Aufbruch. Die Menschen sind voller Stolz auf Geleistetes und beseelt von einem Drang nach Freiheit und Demokratie. Die vielen Gespräche mit einfachen Menschen ebenso wie mit politisch Engagierten,

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Georgia has become a part of my heart and my life since I first visited the country in 1999. Apart from the fact that Georgia has a breathtaking landscape, it is above all the people, the cultural diversity, and the abundant optimism in spite all of the difficulties there which I love. Georgia is the cradle of Europe and yet also a country in the grip of change. The people are full of pride for what has been achieved and have a drive for freedom and democracy. The many conversations I have had with simple people as well as with the politically engaged, with entrepreneurs and with students have all impressed me deeply. They all deserve that we support them as best we can.

There is however a world of difference between supporting a country and being appointed its ambassador... …since 2001 I have worked as a professor at the State Academy of Art in Tbilisi. The high motivation exhibited by my students during the Rose Revolution in 2003 deeply impressed me. All those who experienced just how the this still young independent country suffered from the scars left by this domestic conflict, only to then find itself led into a state of paralysis, shock and pseudodemocracy, must be on the side of those out on the streets peacefully but determinedly fighting for a radical new beginning. One project which I carried out with my students at the time could symbolise this. Georgia is, in one thing at least, an immensely wealthy country, that is in rock. It has more than fifty types of stone within its borders. In one monument, the Rose Monument, we incorporated stones from every corner of Georgia. Every stone had a sponsor, whether it be an individual, a company or a governor. It was a joint effort carried out with immeasurable enthusiasm, so typical of that time. It was for the inauguration of this piece of work that President Saakash-

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Flag of Republic of Georgia

mit Unternehmern und Studenten, haben mich sehr schnell tief beeindruckt. Sie alle haben es verdient, dass man sie nach Kräften unterstützt.“

Zwischen Unterstützung eines Landes und seiner Menschen und der Ernennung zur Botschafterin liegt aber noch eine weite Wegstrecke.... …seit 2001 habe ich in Tbilisi an der Staatlichen Kunstakademie als Professorin gearbeitet. Tief beeindruckt hat mich das Engagement meiner Studenten in der Rosenrevolution von 2003. Wer miterlebt hat, wie das noch junge, unabhängige Land zuerst an den Narben schwerer, innenpolitischer Auseinandersetzungen litt, um dann in einen Zustand der Lähmung, Intransparenz und Scheindemokratie geführt zu werden, der musste auf der Seite derer stehen, die jetzt auf die Straße gingen und friedlich, aber mit aller Entschlossenheit, für einen radikalen Neuanfang kämpften. Ein Projekt, das ich mit meinen Studenten damals verwirklicht habe, mag symbolisch dafür stehen: Georgien ist ein

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im Wortsinne „Stein reiches“ Land: Es verfügt über mehr als fünfzig Gesteinsarten. Für ein Denkmal, das Rosendenkmal, haben wir aus allen Gegenden Georgiens Steine verarbeitet und so das gesamte Land mit einbezogen. Jeder Stein hatte einen Sponsor. Es waren Einzelpersonen, Firmen und Gouverneure. Es war ein Gemeinschaftswerk, getragen von einem beispiellosen Enthusiasmus, wie er zugleich typisch war für diese Zeit. Präsident Saakaschwili hat mir als Anerkennung auch für dieses Werk zur Einweihung spontan die Staatsbürgerschaft Georgiens verliehen. Das war zugleich der Anfang vieler Begegnungen und intensiver Gespräche mit dem Präsidenten selbst, mit Ministern, denen man mich vorstellte, mit Parlamentariern der Regierungspartei ebenso wie der Opposition. Ich wäre gewiss nicht selbst auf die Idee gekommen, aktiv in die Politik einzusteigen. Aber ich war längst nicht mehr nur als Künstlerin oder als Kunstprofessorin in Georgien. Ich fühlte mich mit Leidenschaft den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Reformen verbunden, die der Präsident in seiner Amtszeit angestoßen und zu einem Großteil schon umgesetzt hat.

willi spontaneously granted me Georgian citizenship. This was the beginning of a great many meetings and intensive talks with the President himself, ministers to whom I was introduced, members of parliament of both the ruling party and the opposition. I would most certainly never have had the idea of entering active politics myself, but I was no longer just an artist and professor in Georgia. I felt passionately bound up with the political, economic and social reforms, which the President had begun and indeed to a great extent accomplished during his term in office. He then asked me last year if I would take up the post of ambassador to Germany; I felt very honoured.

Relations between Georgia and Germany are traditionally good… In 1918 Georgia once again became independent following the break up of the Tzarist Russian Epire. The young state was however not able to withstand an invasion by the Red Army and collapsed in 1921. Already back then Germany, not entirely without self-interest, gave us considerable support, and two days after our declaration of independence on 28th May, 1918 recognised Georgia and established diplomatic relations. Since our independence from the Russian –Soviet imperium in 1991 the German government has been supporting us in a number of fields. The German political establishment has never left in any doubt that it sees Georgia both as a part of Europe and as a vital factor in the continuing stability of the Caucasus. This could well be one reason why Germany does not only understand Georgia’s objective of becoming a member of the European Union, but also supports its membership of NATO.

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INTERVIEW

Capital (and largest city): Tbilisi Official language(s): Georgian Ethnic groups: 83.8% Georgian, 6.0% Azeri, 5.2% Armenian, 1.5% Russian, 3.5% other

Which can be seen ambiguously as the German Chancellor has not actually named a date… The Chancellor has not fixed a date. She has however said that Georgia’s criteria for membership are unquestioned and that the door for membership talks remains open. Everyone in Georgia is aware of the fact that we still have a long way to go in respect of NATO as well as the EU. Nobody on the other hand would argue that we have not already come a great distance and have done our homework very well.

In the EU? Most Europeans place Georgia somewhere in Asia... The ambassador rushes to the map and draws a line from the Urals southwards. You see just how far west the Urals are? Georgia is at the heart of Europe. Culturally Georgia is without question the cradle of Europe. Georgia has a deep rooted Christian tradition, apart from the fact that the oldest European was found here, 1.8 million years old. Think about the “Golden Fleece” which originates from Georgia and is the symbol of sustainability. And think about the fact too that Georgia is the country in which Christianity has been the state religion since the 4th century, that is since the year 327. There remains no doubt that European Christianity was nurtured in Georgia.

Before we come to the subject of security and your country’s relations with Russia, let us take a look at economic relations between Germany and Georgia, and where there are possibilities for German companies to become active there. Im letzten Jahr hat er mich dann gefragt, ob ich nicht Botschafterin in Deutschland werden will. Ich fühlte mich sehr geehrt.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien sind traditionsgemäß gut.... Nach dem Zusammenbruch des zaristischen russischen Imperiums hat Georgien 1918 die Unabhängigkeit wiedererlangt. Der junge Staat jedoch war nicht in der Lage, einer Invasion der Roten Armee Widerstand zu leisten und brach Anfang 1921 zusammen. Schon damals, wenn auch aus nicht ganz uneigennützigen Gründen, hat uns Deutschland sehr unterstützt und zwei Tage nach unserer Unabhängigkeitserklärung, am 28. Mai 1918, anerkannt und diplomatische Beziehungen mit Georgien aufgenommen. Auch seit der Unabhängigkeit unseres Landes vom russisch-sowjetischen Imperium im Jahr 1991 unterstützte uns die deutsche Bundesregierung en-

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gagiert und in vielen Bereichen. Die deutsche Politik hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie Georgien als einen Teil von Europa sieht und auch als wichtigen Faktor für eine dauerhafte Stabilität im Kaukasus. Das mag ein Grund dafür sein, dass Deutschland nicht nur das Ziel Georgiens nachvollziehen kann, Mitglied in der EU zu werden, sondern auch eine Mitgliedschaft Georgiens in der Nato unterstützt…

Was man durchaus zweischneidig sehen kann, da die Bundeskanzlerin kein Datum genannt hat... Die Bundeskanzlerin hat sich auf kein Datum festgelegt; sie hat aber gesagt, dass Georgiens Perspektive für einen Beitritt unstrittig sei und die Tür für diesbezügliche Gespräche offen bleibe. Jeder in Georgien ist sich darüber bewusst, dass noch ein Weg vor uns liegt – sowohl bezüglich der NATO, als auch bezüglich der EU. Niemand aber wird bestreiten, dass wir bereits ein großes Stück dieses Weges zurück gelegt ha-

We were making excellent progress until war broke out in August 2008. Georgia is a key country between Asia and Europe and as such offers fantastic investment opportunities. The reforms which have been implemented since 2003 are already bringing rewards, and the Georgian economy is experiencing strong growth despite the global economic crisis. The corruption which had previously brought the country to the edge of ruin has been largely eradicated, and structural reforms and a liberalization of the economy, now free from state intervention, along with the tax laws provide for an exceptionally good investment climate. In addition there have also been far reaching reforms in social, cultural and, not to be forgotten, judicial areas. It is of course true that Georgia has reason to be thankful for the diverse financial support it has received, especially from the EU, but it has also, thanks to its own efforts, been able to put its state finances on a firm footing. Tax revenues in Georgia doubled between March 2004 and October 2005. Nowadays Georgia’s economic and investment climate is viewed by a number of recognised international institutions very positively. In 2005 Georgia occupied first place among the GUS states in the “Economic Reforms Category” of the World Bank’s annual report. And then in 2007 the World Bank once again expressly praised Georgia for its economic and political reforms. There can hardly be a more neutral and critical institution. Georgia is Europe’s bridge between the Orient and the Occident, between the North and the South. This fact has already become of great interest, especially to export orientated German businesses, and this is sure to play an even stronger role in the future.


ben und unsere Hausaufgaben mit großem Erfolg erledigen.

In die EU? Die meisten Europäer verorten Georgien eher in Mittelasien.... (Die Botschafterin eilt zur Karte und zieht eine Linie vom Ural in den Süden.) Sehen Sie, wie weit westlich des Urals wir liegen? Georgien ist europäisches Kernland. Kulturell ist Georgien unbestritten sogar die Wiege Europas. Georgien hat eine urchristliche Tradition, ganz davon abgesehen, dass bei uns der älteste Europäer gefunden wurde, 1,8 Millionen Jahre alt. Denken Sie an das aus Georgien stammende „Goldene Vlies“, das Symbol der Nachhaltigkeit. Denken Sie außerdem daran, dass Georgien das Land ist, in dem das Christentum bereits seit dem 4. Jahrhundert, seit dem Jahr 327 Staatsreligion ist. Es besteht kein Zweifel: Die Wiege der Christianisierung Europas liegt in Georgien.

Bevor wir auf das Thema Sicherheit und die Beziehungen Ihres Landes zu Russland kommen, lassen Sie uns ein wenig über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Georgien eingehen. Wie ist die Lage der Wirtschaft in Georgien und wo gibt es Ansätze für deutsche Unternehmen, in Ihrem Land tätig zu werden?

und Asien als Investitionsstandort an. Die seit 2003 umgesetzten Reformen bringen bereits sehr gute Ergebnisse. Die georgische Wirtschaft wächst stark trotz der Weltwirtschaftskrise. Die Korruption, die das Land in den Jahren zuvor an den Rand des Ruins gebracht hatte, ist weitgehend ausgerottet. Strukturelle Reformen und eine konsequente Liberalisierung der Wirtschaft, die heute frei von staatlichem Einfluss funktioniert, verbunden mit einer mehrstufigen Steuerreform, haben ausgesprochen gute Bedingungen für Investitionen in Georgien geschaffen. Hinzu kommen sehr weit gehende Reformen im sozialen, kulturellen und, nicht zu vergessen, im juristischen Bereich. Gewiss hat Georgien viel den verschiedenen, finanziellen Förderungen insbesondere von Seiten der EU zu danken. Aber auch durch Eigenbeiträge ist es gelungen, die Staatsfinanzen auf eine solide Grundlage zu stellen: Die Steuereinnahmen Georgiens haben sich zwischen März 2004 und Oktober 2005 verdoppelt.

There are already a number of German firms with an operation in Georgia, and I am extremely optimistic that there will soon be a great many more. The German government is also providing us with very welcome support in this field.

What are Georgia’s most important export goods today? First of all our superb wines, but also many agricultural products. A further and ever increasingly important economic factor is tourism. Thanks to new concepts and attractive offers we hope to continue to expand in this area. Regardless of the war nearly every famous international hotel chain is represented in our country, and I myself do as much as I can to ensure that flight connections between Germany and Georgia are improved and increased. Only through more and cheaper flights can we be sure to increase tourism. And believe me, whoever was in Georgia once loves it and can’t wait to get back there again.

“There remains no doubt that Georgia is a European State.”

Bis zum Ausbruch des Krieges im August 2008 waren wir auf einem sehr guten Weg. Georgien bietet sich als wichtiges Schlüsselland zwischen Europa

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INTERVIEW

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Government: Unitary semi-presidential republic President: Mikheil Saakashvili Prime Minister: Nikoloz Gilauri Independence from the Soviet Union Declared: April 9, 1991 Area (Total): 69,700 km2 (120th)

Heute wird das Wirtschafts- und Investitionsklima in Georgien von mehreren renommierten internationalen Institutionen als sehr positiv bewertet. 2005 belegte Georgien in der Kategorie „Wirtschafstreformen“ im Jahresbericht der Weltbank den ersten Platz unter den GUS-Staaten und den zweiten Platz weltweit. 2007 lobte die Weltbank die wirtschaftspolitischen Reformen erneut ausdrücklich. Eine neutralere und kritischere Institution zur Beantwortung Ihrer berechtigten Frage kann es kaum geben. Georgien ist die europäische Brücke zwischen Orient und Okzident, zwischen Norden und Süden. Diese Tatsache ist bereits von großem Interesse insbesondere auch für die auf Export ausgerichtete, deutsche Wirtschaft; und sie wird es in der nahen Zukunft noch mehr werden. Es sind bereits etliche deutsche Firmen mit einem Standort in Georgien vertreten, und ich bin sehr zuversichtlich, dass es sehr bald noch viele mehr sein werden. Auch in dieser Hinsicht unterstützt uns die Bundesregierung in einem erfreulichen Maß.

Was sind heute die größten Exportartikel Georgiens?

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Lassen Sie uns auf die Sicherheitslage zu sprechen kommen. Diese ist nach dem russisch-georgischen Krieg nicht einfach...

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Zunächst natürlich unser wunderbarer Wein, aber auch viele andere landwirtschaftliche Produkte. Ein weiterer, immer bedeutenderer Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Mit neuen Konzepten und attraktiven Angeboten wollen wir diesen Bereich wieder aufbauen und sind bereits auf gutem Weg: Ungeachtet des Krieges von 2008, sind heute fast alle namhaften internationalen Hotelketten im Land vertreten, ich selbst setze mich intensiv dafür ein, dass die Flugverbindungen zwischen Deutschland und Georgien verbessert und ausgebaut werden. Nur durch mehr und preiswertere Flüge wird es uns gelingen, den Tourismus anzukurbeln. Und glauben sie mir: Wer einmal in Georgien war, der schwärmt davon und möchte sofort wieder hin!

Wenn ein Fünftel der Fläche eines StaaLet’s talk now a little about the security situtes besetzt ist, ist das keine einfache ation. This remains in the wake of the RussianSituation. Umso weniger, wenn in den Georgian war anything but easy... besetzten Gebieten und wegen der BeWhen a fifth of your country’s area is occupied it is never an setzung dieser Gebiete nicht nur das easy situation. Even more so if, not only in these occupied termenschliche Leid groß ist, sondern dieritories and owing to the occupation itself human suffering is se Gebiete auch noch dafür missbraucht so great, but also if these regions are misused to station Ruswerden, um russische Raketen zu stasian missiles, a development, by the way, which not only we tionieren. Ein Vorgang, den im Übrigen view with great anxiety. The EU has also expressed its worry nicht nur wir mit größter Sorge sehen. concerning the stationing of S-300 anti-air missiles in the zone Auch die EU hat sich besorgt geäußert occupied by Russian troops. The stationing of these missiles is über die Stationierung von Luftabwehrin complete defiance of the ceasefire raketen des Systems S-300 in der von russischen Trup„Die Stationierung agreement that was reached two years ago and also signed by Russia. This pen besetzten Zone Abchasien in Georgien. Die von Raketen steht im is obviously a great worry to us and requires a good portion of optimism Stationierung der Raketen Gegensatz zum and patience if you think about just steht in Gegensatz zu dem WaffenstillstandsabkomWaffenstillstands- how determined the Russians are to stop the talks in Geneva which have men, das vor zwei Jahren abkommen.“ been organised and have been taking geschlossen und von Russplace since 2008 under the umbrella land mitunterzeichnet wurof the UN, the EU and the OECD. The twelve rounds of talks de. Natürlich bedrückt uns das sehr have therefore seen no concrete results. und es braucht schon eine gehörige Portion Optimismus und Geduld, wenn man sich zudem vor Augen führt, mit What are the perspectives? welcher Entschlossenheit Russland GeWe are prepared for a path of small steps. Georgia wants and spräche in Genf blockiert, die unter der will give those people in the occupied territories a perspecSchirmherrschaft von UNO, EU und der tive. It is Georgian sovereign territory and they are our people. Organisation für Sicherheit und ZusamWe are offering the young people there the opportunity to do menarbeit in Europa (OSZE) seit Oktovocational training or study in Tbilisi. None of them has to go ber 2008 organisiert und moderiert to Moscow to learn or study. Apart from that we also offer all werden. Auch die 12. Gesprächsrunde those living in the occupied territories free medical treatment. brachte keine konkreten Ergebnisse. The strategy we have drawn up together with the German government is called “Change through Convergence” and should Was sind die Perspektiven? lay the ground for future re-unification. That is why we do not talk about borders but rather lines of demarcation. Wir sind darauf vorbereitet, dass es ein Weg der kleinen Schritte werden wird. Georgien möchte und wird den MenARAL SEA schen in den besetzten Gebieten eine U Z B E K I S TA N Perspektive bieten. Es ist georgisches Staatsgebiet, und es sind unsere Mitbürger. Den jungen Menschen dort RU S S I A bieten wir beispielsweise interessanIA N SE T U R K M E N I S TA N te Ausbildungs- und Studienangebote Tbilisi GEORGIA in Tbilisi. Keiner von Ihnen muss nach AZERBAIJAN BLACK SEA Moskau, um zu lernen oder zu studieARMENIA ren. Außerdem bieten wir allen Menschen, die in den besetzten Gebieten IRAN TURKEY leben, eine gute, kostenlose medizinische Versorgung an. „Wandel durch Annäherung“ hieß die Strategie, mit der I R AQ SYRIA die Bundesrepublik Deutschland die Grundlage für die spätere WiederverKUWAIT einigung gelegt hat. Trotz vieler UnterPe rsia schiede der beiden politischen Situan Gulf tionen ist das ein Begriff, den wir uns zu eigen gemacht haben.Deshalb sprechen wir auch nicht von Grenzen, sonRED SEA dern von Demarkationslinien.

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INTERVIEW

Wie viele Georgier leben eigentlich in Deutschland? Wir schätzen, dass etwa 20.000 bis 25.000 georgische Staatsbürger oder Menschen mit georgischen Wurzeln in Deutschland leben. Deutschland ist insbesondere auch bei den jungen Menschen sehr geschätzt. Es gibt eine große Zahl georgischer Studenten in Deutschland.

Botschaft Georgiens in Berlin Botschafterin: I.E. Gabriela Habsburg Rauchstr. 11, 10787 Berlin Tel.: +49 (0) 30 48 49 070 Fax: +49 (0) 30 48 49 07 20 E-Mail: berlin.emb@mfa.gov.ge Konsularabteilung der Georgischen Botschaft Rauchstr. 11, 10787 Berlin Tel.: +49 (0) 30 48 49 07 19 Fax: +49 (0) 30 48 49 07 20 E-Mail: berlin.konsulat@mfa.gov.ge

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Population (2010 estimate): 4,636,400 (Statistics Georgia) (118nd) GDP (PPP) (2010 estimate): Total $21.426 billion GDP (nominal) (2010 estimate): Total $10.896 billion Currency: Lari (GEL)

Auch kulturell hinterlässt Georgien einen starken Eindruck in Deutschland.... Ja, das kann man sagen. Schon zum zweiten Mal in Folge stellt Georgien den Sieger beim Festival des mittelund osteuropäischen Films in Wiesbaden. Ausgezeichnet wurde „Auf der Straße“ von Lewan Koguaschwili, der die Goldene Lilie erhält. Der georgische Film ist ebenso häufig in Berlinale-Programmen vertreten. Im Herbst kann man sich auf Konzerte der Sängerin Katie Melua, die 1984 in Batumi geboren wurde, freuen. Der erst 27-jährige georgische Komponist Archil Giorgobiani gewann soeben den ersten Preis bei den „Young Euro Classics“, unter Anderen spielt unser Fußballer Mate Ghvinianidze beim TSV 1860 München … - Das ist doch eine stolze Liste. Aber, ich verspreche Ihnen: Sie wird noch viel länger werden, und das wird immer auch eine Bereicherung für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger sein. Text: Frank Tetzel, Fotos: Mohamed El-Sauaf

How many Georgians currently live in Germany? We estimate around 20,000 to 25,000 Georgian citizens or people with Georgian roots. Germany is very highly regarded, particularly among the younger generation, and there are a large number of Georgian students in Germany.

Georgia has also made a strong cultural impression on Germany...

“The stationing of missiles is a complete defiance of the casefire agreement.”

Yes, that is true. Georgia was the winner at the Festival of Central and Eastern European Film in Wiesbaden for the second time in a row. The film “On the Street” by Lewan Koguaschwili was awarded the Golden Lily. Georgian films are also just as well represented in the programme of the Berlinale.

We can all look forward to concerts this autumn by the singer, Katie Melua, who was born in 1984 in Batumi. The twentyseven year old Georgian composer, Archil Giorgobiani has just won first prize at the “Young Euro Classics”, and among others our footballer, Mate Ghvinianidze plays for TSV 1860 Munich. That is a pretty impressive list. But I can assure you it is going to get even longer, and that is going to be enriching for both Germany and its citizens.

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Time zone: UTC (UTC+4), Summer (DST) not observed Drives on the: right Internet TLD: .ge Calling code: 995

Honorarkonsulat Georgiens in der Bundesrepublik Deutschland Amtsbezirk/ Konsularbezirk: Bayern und Baden-Württemberg Leiter: Honorarkonsul Nikolaus Joseph Hipp Ottostraße 1 80333 München Tel.: 089 – 51 70 29 84 Fax: 089 – 54 88 76 95 E-Mail: georgischer-honorarkonsul@claus.hipp.de Öffnungszeiten: Mo – Fr, 9.00 – 12.00 Uhr

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Georgien z. Zt. Sheratin Metechi Palace Hotel Telawi Str. 20 0103 Tiflis Tel.: +995 32 44 73 00 Fax: +995 32 44 73 64 Visastelle und Konsularabteilung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Georgien David Agmaschenebeli Prospekt 166 0112 Tiflis Tel.: +995 32 43 53 99 Fax: + 995 32 91 16 51 Bilaterale Beziehungen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Postfach 12 03 22 53045 Bonn KfW Office Georgia Director: Carsten Kilian Team: Nino Shanidze, Levan Tsitskishvili George Chkuaseli, Michael Andres KfW Office Tbilisi 4 Elene Akhvlediani agmarti 0103 Tbilisi, Georgia Tel.: +995 32 20 12 15 E-Mail: kfw.tbilisi@kfw.de Gesellschaft für technische< Zusammenarbeit (GTZ) GTZ-Büro Tbilissi Büroleiter: Herr Martin Homola E-Mail: martin.homola@gtz.de Standort: GTZ-Regionalbüro Südkaukasus 4 Elene Akhvlediani Agmarti 0103 Tbilisi, Georgia Tel.: +995 32 20 18 00 Fax: +995 32 20 18 01

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Goethe-Institut Georgien Sandukeli 16 0108 Tbilissi, Georgien Tel: +995 32 93 89 45 Fax: +995 32 93 45 68 E-Mail: info@tbilissi.goethe.org

Georgische Orthodoxe Kirche in Deutschland (München) e.V. Gartenstraße 5 80809 München Tel.: 0176 – 24 04 07 16 E-Mail: info@ge-orthkirche-muenchen.de

Friedrich-Ebert-Stiftung Regional Office for the South Caucasus Friedrich-Ebert-Stiftung Representative Office in Georgia Appt. 7, Nino Ramishvili Street 4 0179 Tbilisi Tel: +995 32 25 07 28 Fax: +995 32 22 67 27 E-mail: stiftung@fesgeo.org.ge

Saarländisch-Georgische Freundschaft, Jugend und Kultur e.V. Dresdener Str. 2 66606 St. Wendel Tel.: 06851 – 70 036 E-Mail: evaotto@aol.com

Deutsch-Georgische Gesellschaften

Deutsch-Georgische Gesellschaft im Saarland e.V. Weinbergweg 26, 66119 Saarbrücken Tel.: 0681 – 56 587 Fax: 0681 – 58 48 398 E-Mail: gisela.heil@t-online.de

Georgischer Verein in Deutschland e.V. Römerhofweg 51c 85748 Garching b. München Tel.: 0173 – 58 49 058 Fax: 03212 – 11 87 650 E-Mail: info@satvistomo.de

Deutsch-Georgisches Zentrum für Internationale Beziehungen e.V. Erlenkamp 7 45886 Gelsenkirchen Tel.: 0209 – 21 948 E-Mail: info@dgz-gelsenkirchen.de

Brandenburgisch-Georgische Gesellschaft e.V. Schulstraße 8b 14482 Potsdam-Babelsberg Tel.: 0331 – 27 00 240 Fax: 0331 – 27 08 690 E-Mail: georgia@woxnet.de

Freunde der Freien Waldorfschule Tbilisi e.V. Am Nebelrock 5 35094 Lahntal Tel.: 06420 – 12 92 E-Mail: wp-abulafia@gmx.de

Deutsch-Georgische Gesellschaft Bielefeld e.V. An der Bleiche 27 a 33813 Oerlinghausen Tel.: 0171 – 52 47 017 Fax: 05202 – 71 724 E-Mail: info@dgg-bielefeld.de Georgisches Kulturforum e.V. Mühlgasse 8-12 60486 Frankfurt am Main Tel.: 069 – 71 67 07 75 E-Mail: geoforum2005@yahoo.de Deutsch-Kaukasische Gesellschaft Lile e.V. Max-Brauer-Alle 68 22765 Hamburg Tel./Fax: 040 – 38 92 222 Mobil: 0171 – 85 13 635 E-Mail: info@lile.de

Berliner Georgische Gesellschaft e.V. Berliner Str. 25 15831 Mahlow Tel.: 03379 – 39 352 Fax: 03379 – 39 355 E-Mail: Brischra@aol.com INKO Georgisches Kulturzentrum e.V. Postfach 3632 90018 Nürnberg Tel.: 0911 – 41 80 087 E-Mail: ekadars@yahoo.de Förderverein Taunus-Tiflis e.V. Frau Renate Wacker In den Lindengärten 3a 61352 Bad Homburg Tel.: 06172 – 44 756 E-Mail: rw@taunus-tiflis.de

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LIFESTYLE

Cultural Behaviour in Georgien Georgien liegt an den wichtigen Landrouten zwischen Asien und Europa. Zahlreiche Völker haben auf die Kultur und damit auf Sitten und Bräuche in dem kleinen Kaukasusstaat Einfluss gehabt. Nach wie vor ist die Familie ein wichtiger Eckpfeiler im georgischen Alltag und in vielen leben noch drei Generationen unter einem Dach.

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G

eorgia lies on the important trade routes between Asia and Europe. Therefore a great many different peoples have influenced the culture as well as the customs and rituals of this small Caucasus state. The family has always been a major cornerstone of Georgia’s everyday life and it is not uncommon to find three generations living under one roof. One unusual phenomenon for many foreign visitors is the Georgian Supra (or Georgian Feast) the significance of which goes way beyond a normal meal. It is especially important for business people to understand the workings of this tradition in order to avoid dropping a cultural brick in one place or another. The Georgian Supra is subject to strict rules. Initially the toastmaster or Tamada is selected. He does not necessarily need to be the host. In most cases he is the senior or most distinguished guest at the table. Above all the order of courses follows a strict protocol. The cold starters are already on the table when the guests arrive. Tomatoes, cucumbers and other green or pickled vegetables, Suluguni cheese, round cheese breads

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E

in ungewöhnliches Phänomen für ausländische Besucher ist das georgische Gastmahl, dessen Bedeutung weit tiefer geht als eine gewöhnliche Mahlzeit. Gerade für Geschäftsleute ist es wichtig zu wissen, wie diese Tradition funktioniert, denn das Wissen darum hilft das eine oder andere kulturelle Fettnäpfchen zu vermeiden.

Isabella Frfr. v. Massenbach

Ein georgisches Gastmahl ist strengen Regeln unterworfen. Zunächst wird der Tischführer, der Tamada, gewählt. Dies muss nicht unbedingt der Gastgeber sein, meist handelt es sich um den ältesten oder angesehensten Gast in der Runde. Vor allem die Speisenfolge ist genau festgelegt. Schon wenn die Gäste eintreten ist der Tisch mit kalten Vorspeisen gedeckt. Tomaten, Gurken und anderes grünes und sauer eingelegtes Gemüse, Sulguni-Käse, Käsefladen mit Pfefferminzquark gefüllt, geräucherter oder gekochter Stör, gekochte Bachforellen, Kaviar, mit Walnüssen gefüllte Auberginen, ein Brei aus Spinat oder grünen Bohnen mit Walnüssen, hin und wieder Schinken oder gepökelte Zunge, gefüllte Blinis, aber immer Kartoffelsalat mit Erbsen und Mayonnaise, Spanferkel, Truthahnstückchen in einer Walnusssauce - und selbstverständlich jede Menge georgisches Fladenbrot sind Bestandteil des Vorspeisenrituals.

www.isa-von-massenbach.de

Beim zweiten Gang wird warmes Maisbrot oder ein Maisbrei gereicht, in dem Sulguni-Käse verarbeitet wird, meistens wird auch Chatschapuri, warme Fladenbrote mit Käsefüllung serviert. Zu den

Studio: Kurfürstendamm 69 2nd floor Adenauerplatz 10707 Berlin Tel.: +49 (0) 30-364 169 37 Mobil: +49 (0) 177-360 08 36

contact

traditionellen Gerichten, die während einer Tamada gereicht werden können, gehören auch Bratkartoffeln mit Atschika, einer scharf-würzigen Tomatensauce, verschiedene Fleischragouts und natürlich das weltberühmte Schaschlik vom Rind, Schwein, Lamm oder sogar vom Stör. Zum Stör-Schaschlik gehört eine sämige Sauce aus eingekochten Granatäpfeln. Chinkali, kunstvoll gefaltete Nudeltaschen mit Hackfleischfüllung, gehören ebenfalls dazu. Übrigens wird in Georgien viel mit dem Fingern gegessen, etwa Schaschlik oder Fisch. Meist benutzt man Brot als Besteckersatz. Als Desserts serviert man Obst und Kuchen, dazu Kaffee oder Tee, Konfitüren und Marmeladen. Für jedes georgische Gastmahl sind die Trinksprüche wichtig. Sie sind zahlreich und werden je nach Anlass auf die Gäste, Freunde, Kolleginnen, Familienmitglieder, Verwandte, auf das Vaterland gehalten. Wein zu trinken ohne einen Toast auszubringen, wäre in Georgien undenkbar. Übrigens, wenn es um die Bezahlung geht, dann sollte man die präsentierte Rechnung nicht teilen. Das gehört in Georgien nicht zum guten Ton. In der Regel bezahlen die Männer. Vor allem die Einladungen zu georgischen Gastmahlen sind Ehrensache. Wobei man eines nicht vergessen sollte: Der Begriff Dienstleistungsgesellschaft ist in Georgien nicht sehr ausgeprägt. Man denkt überwiegend in Netzwerken rund um die Familie, Verwandte und Bekannte und webt hier seine Verbindungen. Deshalb kann die Einladung zu einem Gastmahl durchaus nicht nur reine Ehrensache sein, sondern auch Hoffnung auf die Lösung eines Problems. Doch wo lassen sich solche Dinge besser besprechen als beim Essen?

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stuffed with peppermint curd cheese, smoked or boiled sturgeon, poached river trout, caviar, walnut-stuffed aubergines, puree of spinach or string beans with walnuts, sometimes bacon or cured tongue, stuffed blinis and so on ... but always potato salad with peas and mayonnaise, suckling pig, pieces of turkey in a walnut sauce and naturally lots of Georgian round bread are all part of the ritual of starters. The second course consists of hot corn bread or corn porridge containing Suluguni cheese. Often Khachapuri is served, a hot bread dish with cheese filling. The traditional dishes also served during the feast also include fried potatoes with Adjika, a hot spicy tomato sauce, various meat ragouts and, not to forget, the well-known shashlik of beef, pork, lamb or even sturgeon. The sturgeon shashlik coming with a creamy sauce of preserved pomegranates. And Khinkali, artfully assembled dumplings with mincemeat filling are also served. By the way, a lot of things are eaten with the fingers, such as shashlik or fish, and often bread is used in place of knife and fork. Fruit and cake are served as dessert which comes with coffee or tea, jam and marmelade. For every Georgian Supra toasts are important. They are numerous and are proposed, depending on the occasion, to the guests, friends, colleagues, family members, relatives, the homeland ... In Georgia it would be unthinkable to drink wine without a toast. And when it comes to paying, the bill presented should not be divided because it is not the done thing in Georgia. Usually men pick up the bill. Above all the invitations to Georgian Supras are an honour. But you should not forget that the term ‘service ‘ is far less common in Georgian society. Thinking is mainly focused on contacts surrounding the family, relatives and friends between which networks are created. Therefore an invitation to a feast may not only be an honour but also present an opportunity to resolve a problem. Could there possibly be a better place to solve things than at a meal?

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BUSINESS

Wirtschaftsinformationen zu Georgien:

D

ie aktuelle Situation des georgischen Gesundheitssektors, Registrierungsformalitäten bei der Unternehmensgründung sowie Vergabeverfahren, Zuständigkeiten, der Weg zur Förderung und Antragsrichtlinien innerhalb des Programms ENPI sind Gegenstand der vier bis acht Seiten um-fassenden Studien. Das georgische Gesundheitssystem befindet sich in einer Phase der Modernisierung.

Gesundheitssektor in Georgien Die georgische Regierung hat in den letzten Jahren mit Hilfe einer Reihe von Programmen damit begonnen, den Krankenhaussektor zu privatisieren. Der Gesundheitszustand der georgischen Bevölkerung hat sich über die Jahre leicht verbessert, doch weiterhin sorgen eine steigende AIDSAnsteckungsrate und eine hohe Raucherquote für Probleme. Auf der Angebotsseite des Gesundheitswesen zeichnete sich in den Jahren 2003 bis 2008 ein negativer Trend ab. Die Zahl der Krankenhäuser fiel von 248 auf 244 und die der Krankenhausbetten von 18.200 auf 14.100. Im Jahr 2007 kamen damit auf 100.000 Personen 375 Betten. Ein Wert mit dem Georgien hinter beispielsweise Armenien, Aserbaidschan und der GUS liegt. Trotz dieser vermeintlich niedrigen Ausstattung mit Betten betrug die Auslastung im gleichen Jahr nur geschätzte 40%. Grund dafür könnte ein erschwerter Zugang der Bevölkerung zu Krankenhäusern sein. Unzureichende finanzielle Mittel sind die Hauptursache für die nicht Inan-spruch-

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nahme von medizinischer Versorgung in Georgien. Dementsprechend ergaben Untersuchun-gen, dass etwa 14% von Individuen nicht in der Lage waren, die verschriebenen Medikamente zu erwerben und zwei Drittel von den 16% der Personen, die einen empfohlenen Krankenhausaufenthalt ablehnten, taten dies aus finanziellen Gründen.

Georgien und Wein Georgien wird als eine der Ursprungsregionen des Weinanbaus bezeichnet, da die Traditionen des Weinanbaus und der Verarbeitung mehrere Jahrtausende zurückverfolgt werden können. Nach dem Verlust Russlands als größter Abnehmer infolge eines Einfuhrembargos zeigen sich derzeit wieder positive Entwicklungen. In den Jahren 2004 bis 2008 konnte der gesamte Export um 116% gesteigert werden. Der Export in westliche Länder steigt. Der Export von deutschem Wein nach Georgien ist dagegen von geringer Bedeutung. Gute Export-Möglichkeiten nach Georgien bestehen vielmehr innerhalb technischer Bereiche. So sind Abfüllanlagen in Deutschland zwar vergleichsweise teurer als in anderen Anbieterländern, jedoch haben die deutschen Anlagenbauer in Georgien aufgrund der hohen Qualität und der guten Serviceleistungen nach Kaufabschluss immer noch einen ausgezeichneten Ruf. Generell zeichnet sich Georgien durch ein sehr liberales und progressives Zollsystem aus. Seit Juli 2005 ist Georgien Teil des Generalized System of Preferences (GSP+) der EU und

Die Deutsche Wirtschaftsvereinigung Georgien (DWVG) präsentiert drei neue Kurzstudien innerhalb der hauseigenen Reihe „Georgien Kompakt“. In den neu erschienenen Berichten werden die Bereiche Gesundheitssektor, Unternehmensgründung sowie das Europäische Nachbarschaftsprogramm ENPI thematisiert. seit dem Jahr 2000 Mitglied der World Trade Organisation. Um die Produzenten im Inland zu stärken und den Export von georgischem Wein zu stärken und zu erleichtern, sind beim Export weder Zollsätze, Mehrwertsteuer noch Verbrauchssteuer zu entrichten. Darüber hinaus stellt die DWVG auf ihrer Webseite einen Branchenbericht zum Thema Bauwirtschaft in Georgien kostenlos zum Download zur Verfügung. Der Bericht stellt unter anderem wichtige Bauprojekte in Georgien vor und gibt eine Übersicht zu Marktentwicklung und Branchenstruktur. Neu erschienen bei der DWVG ist darüber hinaus: “Georgien Kompakt: Betriebskosten”. Die 15-seitige Studie gibt einen aktuellen Überblick über Lohnkosten, Transport- und Telekommunikationskosten, sowie über aktuelle Preise der örtlichen Strom-, Gas-, und Wasseranbieter in den Städten Tbilisi, Poti, Batumi und Kutaisi. Die Publikation ist für eine Schutzgebühr von 10 EUR bei der DWVG erhältlich: info@dwvg.ge. Die Deutsche Wirtschaftsvereinigung Georgien (DWVG) ist eine Mitgliederorganisation aus Unternehmen, die in den bilateralen

deutsch-georgischen Wirtschaftsbeziehungen aktiv sind. Die DWVG wurde 2007 gegründet und hat derzeit 35 Mitglieder aus verschiedensten Bereichen der georgischen und deutschen Wirtschaft. Die DWVG ist ein eingetragener Verein und somit eine nicht kommerzielle juristische Person. Die Deutsche Botschaft Tbilisi ist beratend im Beirat der DWVG tätig. Des weiteren gehören die Unternehmen ProCredit Bank, Caparol, Hipp und Lufthansa dem Beirat der DWVG an. Vorsitzender der DWVG ist der deutsche Unternehmer Claus Hipp. Ziel der DWVG ist es, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Georgien zu fördern und die Interessen der deutschen Wirtschaft in Georgien zu vertreten. Die DWVG ist darüber hinaus vor allem Dienstleister und unterstützt deutsche Unternehmen aktiv beim Eintritt in den georgischen Markt.

Deutsche Wirtschaftsvereinigung Georgien (DWVG) Frau Uta Beyer Geschäftsführerin 28, Mtskheta Str. 0179 Tbilisi Tel.: +995 32 205767 E:-mail uta.beyer(at)dwvg.de

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www.european-circle.de

EU will Georgien helfen Ein Unruheherd am Kaukasus

Georgien liegt südlich des Kaukasus am Schwarzen Meer. Die Regierung des früheren Sowjetstaates mit Sitz in Tiflis ist stark daran interessiert, sich der Europäischen Union anzunähern. Vor allem, weil kürzlich die alten Konflikte mit Russland erneut aufgebrochen sind.

EU to help Georgia

A trouble spot in the Caucasus region Georgia is situated south of the Caucasus Mountains on the Black Sea. The government of the former Soviet state in Tbilisi has a strong interest in closer ties with the European Union especially in view of the old conflicts with Russia that have recently again broken out.

A

ngelpunkt des Konfliktes sind die beiden autonomen Gebiete Südossetien und Abchasien. Sie sind seit dem Krieg zwischen Georgien und Russland vor zwei Jahren völlig außer Kontrolle der Regierung in Tiflis geraten. Dort sollen inzwischen die Russen Boden-Luft-Raketen stationiert haben. Und Flüchtlinge aus der Region haben mit Demonstrationen vor der US-Botschaft in Tiflis gegen Übergriffe der georgischen Polizei und der Behörden geklagt. Den Menschen aus diesen als „abtrünnig bezeichneten“ Regionen wird nicht getraut; sie werden offenbar als Unruhestifter angesehen und entsprechend isoliert.

Zur Stabilisierung des Landes waren sich die beiden Außenminister Westerwelle und Waschadse bei ihrem jüngs-

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ten Treffen in Berlin also einig, das EUProjekt der „Östlichen Partnerschaft“ zu intensivieren. Hauptziel ist, die 27 EU-Mitgliedstaaten und die sechs Hauptstaaten der Kaukasus-Region politisch wie wirtschaftlich einander anzunähern. Diese „Östliche Partnerschaft“ war am 7. Mai 2009 bei einem Gipfeltreffen in Prag begründet worden. Die Außenminister treffen sich jährlich, die Staats- und Regierungschefs alle zwei Jahre. Auf dem Gründungsgipfel vor zwei Jahren hatten auf Einladung der EU die Ukraine, die Republik Moldau, Weißrussland, Aserbaidschan, Armenien – und Georgien teilgenommen. Diese Länder profitieren bereits von dieser „Östlichen Partnerschaft“ der EU: Bis zum Jahr 2013 sollen etwa 600 Millionen Euro Aufbau und Investitionshilfe in die Kaukasusregion fließen. KS

The crucial point of the conflict is the two autonomous regions of South Ossetia and Abkhazia, both of which have been completely outside the Georgian government’s control since the war between Georgia and Russia two years ago. Russians are alleged to have deployed air-to-ground missiles in the meantime, and refugees from the region demonstrated in front of the US Embassy in Tbilisi to protest against assaults by the Georgian police and authorities. The people from these „breakaway“ regions are not trusted, obviously regarded as troublemakers and therefore have become isolated. In order to stabilize the country the two foreign ministers, Westerwelle and Vashadze therefore agreed at their recent meeting in Berlin to intensify the EU’s „Eastern Partnership“ project. The main goal of which is to bring the 27 EU member states and the six main states of the Caucasus region closer together both politically and economically. The „Eastern Partnership“ was founded at a summit meeting in Prague on 7th May, 2009“. The foreign ministers meet annually, and the heads of state and government come together every two years. At the EU’s invitation the Ukraine, the Republic of Moldova, Belarus, Azerbaijan, Armenia together with Georgia took part in the foundation summit two years ago. These countries are benefiting already from the Eastern Partnership. By 2013 as much as 600 million euros will have been earmarked as development and investment aid for the Caucasus region. KS

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Thea Kvas tiani,

LIFESTYLE

Andreas Ster nfeldt

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Unterwegs zwisch

en Kaukas

Lektüre empfohlen:

„Gesichter“ heißt eine der bekanntesten Schöpfungen des georgischen Malers Zasa Tuschmalischvili, ein Titel, der trifft und sein Gesamtwerk charakterisiert.

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n warmen Farben und raffinierten Maltechniken verschmelzen ikonographische Elemente der christlich- religiösen Malerei mit kubistischen oder surrealistischen Formen“, erklärt Galeristin Annilie Hillmer voller Begeisterung und führt durch die farbenfrohe Dauerausstellung in der Galerie Georgia. Mal hoffnungsvoll, mal melancholisch, mal zornig schauen die Gesichter von den Wänden und erzählen von den Träumen, Sehnsüchten und Ängsten des Künstlers in den Farben Georgiens. Zasa kam vor 16 Jahren nach Berlin und hätte seine Bilder wohl wie in Georgien am liebsten verschenkt, hätte ihn nicht seine engagierte Promoterin Hillmer angeregt, seine Bilder zu sammeln und zu verkaufen und in Berlin eine zweite Heimat zu finden. bb

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Trescher

Verlag

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Unterwegs zwischen Kaukasus sus und Schwarzem Meer

Der Blick Georgiens

us und Sch

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Georgien

Nähere Infos unter: Tel.: 030 - 88 55 12 55 www.georgiaberlingalerie.de

Vadim Spo lanski,

Die Botschafterin Georgiens schwärmte im Interview mit dem Diplomatischen Magazin von der Vielfältigkeit Georgien,s. In der Tat bietet das kleine Land am Südrand des Kaukasus, ein Fülle von Sehenswürdigkeiten, grandiosen Landschaften zwischen Gebirge und Meer sowie eine legendär gastfreundliche Bevölkerung.

I

n den letzten Jahren bemüht sich das Land um den Ausbau und die Verbesserung der touristischen Infrastruktur. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist: Eine Reise zu den Kunst- und Kulturschätzen Georgiens verspricht unvergessliche Erlebnisse. Aber auch Naturfreunde und Wandertouristen werden in den zahlreichen Naturparks auf ihre Kosten kommen.

Der soeben in 5., überarbeiteter und erweiterter Auflage erschienene Reiseführer ›Georgien‹ aus dem Berliner Trescher Verlag berücksichtigt aktuelle Ereignisse und Entwicklungen und richtet neben der Beschreibung von Sehenswürdigkeiten besonderes Augenmerk auf die Geschichte des Landes, das zu den ältesten christlichen Ländern der Welt gehört. Deshalb ist das Bändchen nicht nur ale Reiseführer hilfreich, sondern auch als wichtige Informationsquelle über Land und Leute, Wirtschaft, Politik bis hin zu aktuellen Ereignissen des Landes. Alle Regionen von der Kolchischen Tiefebene über Swanetien bis nach Kartli und Kachetien sowie die Hauptstadt Tbilissi werden ausführlich vorgestellt.Die Autoren halten viele aktuelle praktische Tips parat und geben eigene Erfahrungen weiter, die vor allem für Individualtouristen unverzichtbar sind. Ein Sprachführer sowie zahlreiche Übersichtskarten und Stadtpläne helfen bei der Orientierung. Frank Tetzel

Broschiert: 387 Seiten Verlag: Trescher Verlag; Auflage: 5., aktualisieerte und erweiterte Auflage. (Mai 2010) Preis: 18:95 €

Georgia Berlin Galerie Hillmer + Partner Bleibtreustr. 17 10623 Berlin

Georgien in Berlin

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Kurzurlaub im Kaukasus Ofenwarmes Chatschapuri (Käsebrot), heiße Chinkali, kunstvoll gefaltete und mit Hackfleisch gefüllte Nudeltaschen und georgischer Landwein – im Genazvale wartet nicht nur ein Geschmackserlebnis, sondern ein Kurzurlaub in die Kaukasusregion.

H

ier isst das Auge in ganz traditioneller Weise mit. An den am Schwarzen Meer typischen Tafeln kommen die Speisen in Tongefäßen, die besonders den üppigen Vorspeisen wie der Chartscho, einer Kalbsfleischsuppe mit Reis und Kräutern, einen ganz besonderen Charme verleihen. Neulinge in der Tradition der georgischen Tafel werden vom Tischführer „Tamada“ eingeführt und haben dann erfahrungsgemäß genug Stoff für Diskussionen über Geschichte, Philosophie, Politik oder auch das nächste Urlaubsziel. bb

„Kunst beginnt, wo man anfängt, Purzelbäume zu schlagen“ Giwi Margwelaschwili ist Schriftsteller, Philosoph und Ontextologe (jemand, für den die Welt nur aus Text besteht), aber vor allem ist er eines: Künstler.

Nähere Infos unter: Tel.: 030 - 45 08 60 26 www.genazvale.de Restaurant Genazvale – Georgische Spezialitäten Windscheidstraße 14 10627 Berlin

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A

ls Künstler wird man nicht geboren“, erklärt der heute 83-jährige Sohn georgischer Emigranten, „Kunst ist ein Produkt, das entsteht, wenn das Leben überschwappt.“ Über seine eigene Geschichte hat Margwelaschwili nie ein Buch geschrieben, obwohl es sehr viel Stoff geboten hätte. 1946 wurde er in Berlin durch den sowjetischen Geheimdienst in den Ostsektor entführt und schließlich in das KZ Sachsenhausen deportiert. Von hier wurde er dann weiter nach Georgien verschleppt, wo er bis zu seiner Rückkehr nach Berlin 1989 „unfreiwillig“ lebte, aber dennoch ein sehr gutes Verhältnis zum Land seiner Väter aufbaute. „Ich liebe Georgien, aber jeder Mensch hat nur eine Heimat, und um diese über die Sprache zu bewahren, wurde ich Schriftsteller“, sagt er rückblickend. Daher sind seine Figuren und Handlungen stets surrealistisch, stehen im Konjunktiv. Sie gehen neue Wege und nähren sich von den Möglichkeiten, die er selbst nicht wahrnehmen konnte. bb

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INTERNATIONAL RELATIONS

Ungelöste Konflikte im Kaukasus Raketen in Abchasien, Konflikte in Georgien, Ossetien und Bergkarabach. Am Übergang von Asien nach Europa brodelt eine Reihe von Konflikten, die die Entwicklung dieser Region hemmen. Das Diplomatische Magazin sprach mit dem KaukasusSpezialisten Uwe Halbach über die handelnden Akteure, die Rolle

Interview mit der EU und der NATO in dieser Region. Mit dem Wissenschaftler Kaukasus-Spezialist von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sprach der Uwe Halbach Chefredakteur des Diplomatischen Magazins, Frank Tetzel. Herr Halbach, spricht man mit den Georgiern, dann hört man immer, der Schlüssel für die Lösung des Konfliktes in Ossetien und Abchasien liege in Moskau.... ...da macht man es sich ein wenig zu einfach. Der Schlüssel liegt eher auf beiden Seiten. Auf beiden Seiten herrschen Feindbilder vor – Georgien sieht Russland als Besatzungsmacht auf einem Teil seines Staatsterritoriums, Russland sieht Georgien als unberechenbaren Nachbarn, solange Präsident Saakaschwili dort an der Macht ist. Zunächst sollte eine verbale Abrüstung stattfinden. Immerhin ergab eine neuerliche Umfrage in Georgien, dass sich eine Mehrheit der Bewohner dort ein entspannteres Verhältnis zu Russland wünscht. Doch lassen Sie mich ein wenig zurückgehen, um Ihnen zu erläutern, wo einige der Wurzeln dieser kaukasischen Konflikte liegen. Eine der wichtigsten liegt in den Hinterlassenschaften der sowjetischen Ära. Die Sowjetunion war als ein Vielvölkerstaat organisiert, der mit verschiedenen nationalen Gebietskörperschafen, mit 15 Unionsrepubliken, 20 autonomen Republiken und 16 autonomen Gebieten den Anschein einer Föderation erweckte, obwohl die wichtigsten Entscheidungen in Moskau

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getroffen wurden. Dieses Modell suggerierte „ethnische Territorialhoheit“ in den nichtrussischen Peripherien der Sowjetunion. Angesichts der Auflösung der Sowjetunion erkannte die internationale Gemeinschaft 1991 zwar die Unabhängigkeit der Unionsrepubliken an, nicht aber die der nachgeordneten autonomen Gebietskörperschaften. Georgien war von diesem Konstrukt besonders betroffen. Rund ein Viertel seines Territoriums, mehr als in jedem anderen nichtrussischen Gliedstaat, entfiel auf solche Autonomien, auf die autonomen Republiken Abchasien und Adscharien und das Südossetische autonome Gebiet. Insofern war es für Georgien von Anfang an nach der Unabhängigkeit schwer, seine territoriale Integrität zu bewahren. Denn nach Unabhängigkeit strebende Nationalbewegungen kamen damals nicht nur in den Unionsrepubliken auf, sondern auch in einigen der ihnen untergeordneten autonomen Regionen.

Haben die Georgier nicht versucht, diese Gebiete auf ihre Seite zu ziehen? Die georgische Nationalbewegung hat es unter ihrem damaligen Führer Swiad Gamsachurdia versäumt, die ethnischen Minderheiten und nationalen Autonomien des Landes für das Projekt des unabhängigen Georgien zu gewin-

Unresolved conflicts in the Caucasus Missiles in Abkhazia, conflicts in Georgia, Ossetia and Nagorno-Karabakh. A number of conflicts are brewing at the junction between Asia and Europe that inhibit development in this region. Diplomatisches Magazin spoke with the Caucasus expert, Uwe Halbach about the parties involved, and the roles of the EU and NATO in this region. The editor-in-chief of Diplomatisches Magazin, Frank Tetzel spoke with the scientist from the German Institute for International and Security Affairs (SWP). Mr. Halbach, when talking to Georgians you can often hear that the key to resolving the conflicts in Ossetia and Abkhazia lies with Moscow… ...that is a bit too simple. The solution rather rests with both sides. There are stereotypical images on both parts, with Georgia seeing Russia as an occupying power on its territory, while Russia considers Georgia a volatile neighbour as long as President Saakashvili is in power. A first step should be scaling down of verbal attacks. All the more because a recent survey in Georgia showed that the majority of the people would support more relaxed relations with Russia. But let me go back in time a little to explain where these Caucasian conflicts are rooted. One of the main sources is the legacy of the Soviet era. The Soviet Union was organized as a multi-ethnic state purporting to be a federation with its different national territorial authorities, 15 union republics, 20 autonomous republics and 16 autonomous regions, although all the most important decisions were taken in Moscow. This model proposed “ethnic territorial sovereignty” of the non-Russian peripheries of the So-

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viet Union. With the disintegration of the Soviet Union the international community recognized the independence of the union republics in 1991, but not that of the sub-autonomous territorial authorities. Georgia was affected by this construct in a particular way. About one fourth of its territory, more than in any other non-Russian member state, fell on such autonomies, the autonomous republics of Abkhazia and Adjara and the South Ossetian autonomous region. For this reason it has been difficult for Georgia from the very beginning after independence to maintain its territorial integrity, as in the wake of independence national movements sprang up not only in the union republics but also in subordinate autonomous regions.

Didn’t the Georgians try to get these regions on their side? nen, sondern hat diese eher mit Slogans wie „Georgien den Georgiern“ verprellt. Zwischen ihr und den nationalen Bewegungen in den Autonomien entstanden Konflikte, die 1991 in Südossetien und 1992 in Abchasien mit militärischer Gewalt ausgetragen wurden. Beide Male marschierten paramilitärische Verbände aus Georgien in die umstrittenen Gebiete ein. Andererseits wurden die separatistischen Bewegungen aus Russland und dem Nordkaukasus unterstützt. Zwischen 1992 und 1994 wurden die militärischen Konflikte durch Waffenstillstandsabkommen beendet, die vor allem von Russland vermittelt wurden. Friedenstruppen mit starken russischen Verbänden bezogen Stellung in Abchasien und Südossetien. Mit der Verschlechterung der russisch-georgischen Beziehungen und mit wachsender Unterstützung der Sezessionsregierungen durch Russland sahen die Georgier darin eher eine externe Schutztruppe für die Separatisten. Russland vollzog seit 2002 mit der massenweisen Ausgabe von russischen Pässen in Abchasien und Südossetien aus Sicht der Georgier eine „schleichende Annexion“ dieser Gebiete. Nach dem Fünftagekrieg 2008 und der diplomatischen Anerkennung durch Moskau erscheinen beide Gebiete heute als russische Protektorate und Militärbasen. Von realer Eigenstaatlichkeit kann besonders für Südossetien mit seinen heute vielleicht noch 30.000 Einwohnern und minimalen Wirtschaftsressourcen nicht die Rede sein.

Und die EU lieferte mit der Anerkennung des Kosovo dann die Blaupause für Russland?

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Nun, Russland hat sich die Anerkennung des Kosovo trotz deutlicher Ablehnung dieses Vorgehens zu eigen gemacht und vor allem für seine Politik gegenüber Georgien benutzt. Es hat die „Kosovo-Präzedenzformel“ vor allem auf Abchasien und Südossetien bezogen, weniger auf die anderen ungelösten Regionalkonflikte. Nach der diplomatischen Anerkennung der beiden Entitäten am 26.8.2008 hat es dann allerdings betont, dass dies keine Präzedenzwirkung auf andere Konflikte wie den um Karabach habe. Man hat wohl gemerkt, mit welchem Feuer man da gespielt hat. Und überdies hat Russland für sein Vorgehen keinerlei Applaus bekommen, nicht einmal von seinen engsten Verbündeten innerhalb der GUS. In seiner eigenen kaukasischen Peripherie, in den Teilrepubliken des Nordkaukasus, geht alles drunter und drüber. Das Russland, das sich nun für die Unabhängigkeit und Sicherheit seiner beiden Protektorate im Südkaukasus verbürgt, kann auf seinem eigenen Staatsgebiet im Nordkaukasus kaum ein Minimum an Stabilität gewährleisten. Im russisch-georgischen Fünftage-Krieg wurde Russland nicht vorrangig dafür kritisiert, dass es militärisch auf die georgische Offensive auf die südossetische Stadt Zchinwali reagierte. In dem FactFinding Bericht der EU zu den Kriegsursachen wird festgestellt, dass der größere Waffengang von dieser georgischen Offensive ausgelöst wurde. Es wird aber auch festgestellt, dass Russland an dem längeren „countdown to war“ beteiligt war und dass es seine Operation „Erzwingung des Friedens“ in Südossetien

The Georgian national movement under its then leader, Zviad Gamsakhurdia failed to win over the ethnic minorities and national autonomies of the country for the project of an independent Georgia, but instead alienated them with slogans such as “Georgia for the Georgians”. Conflicts arose between it and the national movements in the autonomous regions which resulted military force being deployed in South Ossetia in 1991 and in Abkhazia in 1992. On both occassions paramilitary units from Georgia invaded the disputed regions. On the other hand, the separatist movements were supported by Russia and the North Caucasus. Between 1992 and 1994 the military conflicts were ended with ceasefire agreements for the main part brokered by Russia. Peacekeeping forces consisting of strong Russian units were stationed in Abkhazia and South Ossetia. With the deterioration of Russian-Georgian relations and the growing support for the secession governments by Russia, the Georgians began to regard it as more of an external protection force for the separatists. When Russia started issuing Russian passports en masse in Abkhazia and South Ossetia in 2002 the Georgians viewed this as a “creeping annexation” of these regions. After the Five-Day War in 2008 and diplomatic recognition by Moscow both regions appear today as Russian protectorates and military bases. There can be no talk of any real sovereignty, especially considering the fact that South Ossetia has a population of some 30,000 and very limited economic resources.

...and the EU delivered the blueprint for Russia with its recognition of Kosovo? Well, Russia has adopted the recognition of Kosovo, despite its initial clear rejection of this approach, and now uses this model for its policy towards Georgia. It has applied the “Kosovo precedence formula” primarily to Abkhazia and South Ossetia, although less so to the other unresolved regional conflicts. After the diplomatic recognition of the two entities on August 26, 2008 it emphasized, however, that it was not setting a precedent for other conflicts such as the one in Nagorno-Karabakh. They had obviously realized what fire they were playing with. And besides, Russia was by no means applauded for its actions, not even by its closest allies within the CIS. At its own Caucasian periphery in the autonomous republics of the North Caucasus everything went haywire.

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zu einem Vorgehen zur Bestrafung und Teilung Georgiens erweitert hat. Dieses Motiv, Georgien zu bestrafen, war vor allem aus der prononcierten Westpolitik der georgischen Regierung erwachsen, aus ihrer Bemühung um Emanzipation von russischer Machtpolitik im Südkaukasus durch Integration Georgiens in euro-atlantische Strukturen.

Das heißt: letztendlich liegt doch der Schlüssel des Problems in Moskau? Russland ist wohl der wichtigste externe Akteur gegenüber den Regionalkonflikten im postsowjetischen Raum. In die Sezessionskonflikte Georgiens war es direkt involviert, im Falle des Karabach-Konflikts ist seine Rolle schon neutraler. Für andere externe Akteure besteht hier ein Problem: Auf dem Feld ungelöster Regionalkonflikte im GUS-Raum geht nichts ohne und schon gar nichts in Konfrontation gegen Russland, aber bislang auch kaum etwas in Kooperation mit Russland. Das umschreibt besonders die komplexe Lage im Kaukasus, wo Russland weniger ein externer Akteur als eine historische

Regionalmacht ist und in den es mit seinem eigenen Staatsterritorium hineinragt. Und das ist nicht zuletzt eine Herausforderung für die Europäische Union, die in der Georgienkrise 2008 im Südkaukasus stärker Stellung bezogen hat als zuvor: mit der Vermittlung von Waffenstillstand, der Entsendung einer zivilen Beobachtungsmission zur Sicherung dieses Waffenstillstands und der Einsetzung einer Fact-Finding-Mission zu den Kriegsursachen. Wie soll man zum Beispiel darauf reagieren, dass Russland durch den Ausbau seiner Militärpräsenz in Abchasien und Südossetien die von Präsident Sarkozy vermittelten Waffenstillstandsvereinbarungen verletzt? Sowohl im benachbarten Bergkarabach-Konflikt, als auch in Abchasien und in Südossetien liegt ein Schlüssel in Moskau. Aber nicht ausschließlich. Ein anderer Schlüssel liegt bei den unmittelbaren Konfliktparteien, und die haben sich in all den Jahren nach den südkaukasischen Sezessionskriegen von 1991 bis 1994 äußerst schwer damit getan, ihre Haltung zu verändern und Kompromisse einzugehen.

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The Russia that is now guaranteeing the independence and security of its two protectorates in the South Caucasus is hardly capable of maintaining a minimum of stability in its own territory in the North Caucasus. In the Russian-Georgian Five-Day War Russia was not strongly criticized for its military response to the Georgian offensive against the South Ossetian town of Tskhinvali. The EU fact-finding report on the causes of the war states that the larger engagement was caused by the Georgian offensive. It is also stated that Russia was involved in the longer “countdown to war” and that it expanded its operation “enforcement of peace” in South Ossetia to become a campaign of punishment and aimed for the division of Georgia. The motive to punish Georgia primarily arose from the Georgian government’s declared policy towards the West and for its efforts to emancipate from Russian power politics in the South Caucasus through the integration of Georgia into Euro-Atlantic structures.

But at the end of the day this means that the key of the problem lies in Moscow: Russia is certainly the most important external player when it comes to the regional conflicts in the post-Soviet area. It was directly involved in the secession conflicts of Georgia. In the case of the Karabakh conflict its role is a more neutral one. There is however a problem for other external players. In the field of unresolved regional conflicts in the CIS nothing happens without, and especially not against, Russia. Nevertheless hardly anything has so far been achieved in co-operation with Russia. This describes in particular the complex situation in the Caucasus where Russia is not so much an external player but a historic regional power with its own territory protruding into it. And this is not least a challenge for the European Union, which took a stand more than once in the past in the Georgian crisis of the South Caucasus in 2008, by mediating the ceasefire, sending civil observers to monitor it and appointing a fact-finding mission on the causes of war. How should one respond, for example, to Russia’s violating through the expansion of its military presence in Abkhazia and South Ossetia of the ceasefire agreements mediated by President Sarkozy? Both for the neighbouring Nagorno-Karabakh conflict and in Abkhazia and South Ossetia the key lies in Moscow; but not exclusively. Another key lies in the hands of the direct parties of the conflict, and in all that years after the South Caucasian secession wars from 1991 to 1994 they have found it difficult to change their attitude and make compromises.

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„Wir müssen die Katastrophe nach der Katastrophe verhindern“ 2

0 Millionen Menschen wurden durch die Wassermassen vertrieben, 160.000 Quadratkilometer, das heißt ein Fünftel Pakistans steht unter Wasser. Umgerechnet bedeutet dies eine Fläche, die der Größe Österreichs, der Schweiz und Belgiens zusammengenommen entspricht. Eine Million Häuser sind beschädigt oder zerstört, 5.500 Schulen und 1.300 Gesundheitszentren sind von den Wassermassen hinweggerissen worden, Ernten vernichtet und der Infrastruktur Pakistans ist großer Schaden zugefügt worden.

„Ich werde niemals die Zerstörungen und das Leid, das ich heute gesehen habe, vergessen. In der Vergangenheit habe ich viele Naturkatastrophen in aller Welt gesehen, aber nichts, was damit vergleichbar wäre,“ sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon anlässlich seines Besuchs in Pakistan. Im Süden Pakistans müssen immer noch (immer) mehr Menschen vor den Wassermassen fliehen und bisher stehen nicht genug Hilfsgüter zur Verfügung. Vor allem in den Provinzen Punjab, Sindh und Belutschistan müsste die Verteilung von Trinkwasser, Nah-

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rung und Medikamenten verstärkt werden. „Das ganze Ausmaß der Not lässt sich noch immer nicht vollständig ermessen“, sagte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland Christian Schneider. „Wir müssen jetzt alles daran setzen, eine zweite Katastrophe durch den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.“ Schätzungsweise mehr als acht Millionen Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen der Überschwemmungen, 3,5 Millionen von ihnen sind dringend auf Hilfe zum Überleben angewiesen. S.E. Shaid Kamal, der Botschafter Pakistans in Deutschland, weist im Gespräch mit dem Diplomatischen Magazin darauf hin, wie wichtig die internationale Solidarität für sein Land jetzt sei. „Das ist der Moment, um der schlimmsten humanitären Krise mit internationaler Solidarität entgegenzutreten.“ Die Ausmaße der Schäden und Zerstörungen seien zu groß, als dass Pakistan dies mit eigenen Ressourcen selbst schaffen könnte. „Die Zeit ist gekommen, den Menschen, die von der schlimmsten Naturkatastrophe, die die Region je heimgesucht hat, zu helfen.“

Täglich erreichen uns neue Bilder aus Pakistan. Die Wassermassen des Indus‘ haben eine Katastrophe biblischen Ausmaßes angerichtet, die in Worte zu fassen schwer ist. Der Indus hat derzeit einen Wasserstand, der bislang in den 110 Jahren, in dem sein Wasserstand aufgezeichnet wurde, niemals erreicht wurde.

“Why it‘s vital to prevent the catastrophe after the catastrophe” Every day there are new pictures of Pakistan on our screens. The waters of the Indus have caused a catastrophe of biblical proportions, which is difficult to put into words. The river‘s waters have now reached a height as yet unseen in the 110 years in which its levels have been recorded.

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0 million people have been driven out of their homes by the torrent of water, and 160,000 sq. km, i.e. a fifth of Pakistan, lies under water, an area corresponding to the size of Austria, Switzerland and Belgium together. A million houses have been damaged or destroyed, 5,500 schools and 1,300 health centres have been swept away by the floods, crops have been ruined and a great deal of damage has been inflicted on Pakistan‘s infrastructure.

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„I will never forget the destruction and suffering I have seen today. In the past I have seen many such natural catastrophes throughout the world, but nothing compares to this,“ said UN General Secretary, Ban Ki-Moon, during his visit to Pakistan. In the south of Pakistan ever more people are having to flee from the floodwaters and to date there is still not enough aid available. The distribution of drinking water, food and medicine must be increased, above all in the provinces of Punjab, Sind and Baluchistan. „The total extent of the emergency still cannot be measured completely,“ said the head of UNICEF Germany, Christian Schneider. „We have to do everything we can to avoid a second catastrophe caused by the outbreak of epidemics.“ It is estimated that more than eight million children and young people are suffering from the consequences of the floods, with 3.5 million of them urgently needing help in order to survive.

Satellitenbilder der Nasa zeigen die Entwicklung der Flutkatastrophe innerhalb von einer Woche. © Nasa

Was der Botschafter nicht sagt, die finanzielle Hilfe und die Spendenbereitschaft der internationalen Gemeinschaft ist im Verhältnis zu den Ausmaßen dieses Desasters gering, wenn sie auch in den letzten Tagen deutlich angestiegen ist. Im Westen werden unterschiedliche Gründe für die zurückhaltende Spendenbereitschaft verantwortlich gemacht. "Es wird unterstellt, da sitzt alles voller Taliban und Terroristen und die Korruption ist groß. Pakistan ist eine Atommacht, und da sind die Spender wohl etwas zurückhaltender", sagte etwa CARE-Geschäftsführer Anton Markmiller in einem NDR-Interview. In der Tat waren radikalislamische Gruppierungen in einigen Gebieten als erste zur Stelle, als es darum ging, den Betroffenen zu helfen. Zudem hatten die Taliban die pakistanische Regierung aufgefordert, keine Hilfe der US-Regierung anzunehmen, anderenfalls würde man die Katastrophenhelfer angreifen. »Es wäre unmenschlich, uns und unsere Arbeit anzugreifen und damit den Millionen Men-

schen zu schaden, deren Leben wir zu retten versuchen«, sagte UNO-Sprecher Maurizio Giuliano in Islamabad. Doch die US-amerikanischen Truppen und die pakistanische Armee arbeiten in der Fluthilfe gut zusammen. Diese Kooperation erzeugt gute Bilder, die auch die USA dringend brauchen, denn die US-Militärs haben den Kampf gegen Terror und Taliban inzwischen auch nach Pakistan getragen (haben). Dort sind durch US Dronenangriffe auch zahlreiche unschuldige Menschen gestorben. Diese schwierige Situation im Land trägt sicherlich dazu bei, dass in Europa und anderen Teilen der Welt die Spendenbereitschaft geringer ist als anderswo. DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke indes sieht alles viel pragmatischer. In Deutschland sei Urlaubszeit gewesen. Zudem sei die Berichterstattung über die Fluten nicht so dramatisch gewesen wie bei anderen Katastrophen. "Die Spendenbereitschaft hängt entscheidend davon ab, was für Nachrichten, aber auch was für Bilder transportiert werden."

H.E. Shaid Kamal, Pakistan‘s ambassador to Germany, pointed out in a meeting with Diplomatisches Magazin just how important international solidarity now is for his country. „This is the moment to face up to the worst humanitarian crisis with international solidarity.“ The extent of the damage and destruction is so great that Pakistan cannot cope with only its own resources. „The time has arrived to help the people who have been afflicted by the worst natural catastrophe ever to hit the region.“ What the ambassador did not say was that the financial aid and the readiness of the international community to donate, in relation to the extent of this disaster, have been limited, even though they have increased considerably over recent days. In the West various reasons have been given for the restrained readiness to give. „It is alleged that Pakistan is full of the Taliban and terrorists and there is a great deal of corruption. Pakistan is a nuclear power and the donors are thus somewhat more restrained,“ said the head of CARE, Anton Markmiller, in an interview with the German TV station NDR. In fact, it is the case that in some areas radical Islamist groups were the first to help those affected. However, the Taliban asked the Pakistani government not to accept aid from the US government as they would otherwise attack the aid workers. „It would be inhuman to attack us and our work and thus hurt millions, whose lives we are trying to save,“ said UNO Spokesman Maurizio Giuliano in Islamabad. Nevertheless, US troops and the Pakistani army are working well together in providing flood aid. This cooperation is supplying a good image, which the USA so urgently needs, as the US military has carried the fight against terrorism and the Taliban to Pakistan as well. Numerous innocent people have been killed there as well by attacks by US drones. This difficult situation in the country has certainly contributed to the readiness to donate in Europe and other parts of the world being less than elsewhere. DZI (German Centre for Social Affairs) head, Burkhard Wilke nevertheless sees everything more pragmatically. It is holiday time in Germany. In addition, the reports of the floods are not as dramatic as in other catastrophes. „The readiness to donate depends decisively not only on what news but also on what pictures are conveyed.“ The Pakistani ambassador underpinned again how important aid is for Pakistan. The support of the world community is now

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Wie wichtig die Hilfe für Pakistan ist, untermauerte der Pakistanische Botschafter noch einmal eindringlich. Die Unterstützung der Weltgemeinschaft sei gerade jetzt wichtig, um den Pakistanis zu zeigen, sie sind nicht allein. „Einen Menschen, der in der Situation äußerster Not hilft, wird man nicht vergessen.“ Der Botschafter verwies darauf, dass sein Land stets ein wichtiger Partner in der internationalen Politik war. Bei UNMissionen sind die Pakistanis die zweitgrößten Truppensteller. Er erinnerte daran, dass Pakistan in vorderster Front im Kampf gegen den internationalen Terrorismus stünde. „Dreißig Jahre Krieg in Afghanistan an einer über 2400 Kilometer langen Grenze haben Pakistan enorme An-

strengungen gekostet. Selbst heute, angesichts unserer Katastrophe, verlassen den Hafen von Karachi täglich 500 Container mit Material für die NATOTruppen, die in Afghanistan stationiert sind. Das sind in den letzten fünf Jahren rund eine Million Trailer und Fahrzeuge beladen mit Treibstoff, die sich auf den 1.100 Kilometer langen Weg nach Kandahar machten und machen. Rund siebzig Prozent des Nachschubs für die in Afghanistan stationierten Nato-Truppen laufen durch unser Land.“ Rund 5 Milliarden US-Dollar hätte Pakistan diese Hilfe bislang gekostet. „Das wichtigste ist jedoch“, so der Botschafter,“ dass es uns gelingt, die Katastrophe nach der Katastrophe zu verhindern.“ Frank Tetzel

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of particular importance in order to demonstrate to Pakistan that it is not alone. „One will not forget a person who helps in a situation of extreme need.“ The ambassador pointed out that his country had always been an important partner in international politics. Pakistan is the second largest provider of soldiers to UN missions. He reflected that Pakistan stood in the front line in the fight against international terrorism. „Thirty years of war in Afghanistan on a 2,400 kilometre border has cost Pakistan enormous effort. Even today, when faced with our catastrophe, 500 containers leave the harbour of Karachi with material for the NATO troops stationed in Afghanistan. In the last five years, that is about a million trailers and vehicles laden with fuel, which have made and continue to make the 1,100 kilometre journey to Kandahar. About seventy per cent of the supplies for NATO troops stationed in Afghanistan flow through our country.“ This help has cost Pakistan about 5 million US dollars so far. The most important thing, however,“ said the ambassador, „is that we succeed in preventing the catastrophe after the catastrophe.“ Frank Tetzel


INTERNATIONAL RELATIONS

Der Europäische Auswärtige Dienst:

Kein großer Wurf mehr, aber mit langfristigem Potenzial Nun ist es soweit: Wenige Tage, bevor im August die Brüsseler Sommerpause begann, haben die 27 EU-Außenminister den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) auf den Weg gebracht. Von Dr. Cornelius Adebahr

N Dr. Cornelius Adebahr is an independent policy advisor on European and global issues. Since early 2006 he has been working for the Research Institute of the German Council on Foreign Relations [Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP)]. He is also visiting lecturer at the Willy Brandt School of Public Policy in Erfurt and a member of the Team Europe, a network of experts at the European Commission. Recently he published an analysis of EEAS: Strategie statt Bürokratie: Die Rolle der EU-Sonderbeauftragten im Europäischen Auswärtigen Dienst, [Strategy Rather than Bureaucracy: The Role of the EU Special Representatives in the EEAS] DGAPanalyse kompakt, July 2010 N° 5. In a comprehensive study he has dealt with the EU special representatives paving the way for the EEAS, Learning and Change in European Foreign Policy: The Case of the EU Special Representatives, Baden-Baden 2009. Contact: adebahr@dgap.org.

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ach zähem Ringen zwischen Parlament, Kommission und Mitgliedstaaten kann nun die Außenbeauftragte, Catherine Ashton, mit dem Aufbau des Dienstes beginnen. Zum 1. Dezember, ein Jahr nach Inkrafttreten des Lissabonner Vertrages, soll der EAD seine Arbeit aufnehmen.

Ein gemeinsamer „Europäischer Außenminister“ mit einem ihm unterstellten Auswärtigen Dienst, der Europa weltweit vertritt – diese vor Jahren geborene Idee wird nun Wirklichkeit. In einer sich wandelnden Welt mit neuen, aufstrebenden Mächten braucht die EU diese eine Stimme dringender denn je. Doch ist unter den Mitgliedstaaten der anfängliche Enthusiasmus längst einer nüchternen Interessenabwägung gewichen. Zusammen mit der Kommission und dem Parlament, deren Zustimmung sie für den Gründungbeschluss benötigten, haben sie sich ein erbittertes Kompetenzgerangel geliefert. Fast schien es, als riefen sie den Dienst nur unwillig ins Leben. Am Ende haben sie alle zur Schwächung des EAD noch vor seiner Gründung beigetragen. Die Mitgliedstaaten wählten mit Lady Ashton eine zuvor unbekannte und außenpolitisch unerfahrene Person ohne eigene Hausmacht. Die Kommis-

The European External Action Service: no longer the panacea but with long-term potential At last and with just a few days to go before Brussels entered its summer break 27 foreign ministers finally got the European External Action Service (EEAS) off the ground.

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fter a tug-of-war for competences between the Parliament, Commission and the member states Catherine Ashton, High Representative for Foreign Affairs, is now in a position to get the service up and running. The EEAS will more than likely be operational by 1st December, a year after the Treaty of Lisbon came into force. The idea of one common “European foreign minister” with responsibility for the foreign service which represents Europe globally is now at last becoming a reality. In a changing world with new emerging powers the EU needs more than ever to speak with one voice. But among the member states the initial enthusiasm has long given way to a more sober weighing up of interests. They fought fiercely over competences with the Commission and the Parliament whose approval they needed to establish the service. It almost seemed as if the they were actually reluctant to create the service at all. In the end this had the effect of weakening the EEAS even before it was established. In the person of Lady Ashton the member states appointed someone previously unknown and inexperienced in foreign policy and without a personal power base. The Commission did everything to make sure that the key financial sectors of foreign policy were either not included in the service’s portfolio (European Neighbourhood Policy) or remained dependent upon it through parallel structures (development policy). The Parliament on the other hand would have liked to have prevented the service from becoming an independent institution in order to keep it under its own budgetary scrutiny.

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Die Bibliothek der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik bietet umfangreiche Literatur zu außenpolitischen Themen, Online- Recherche und Beratung.

Anlaufstelle für Außenpolitik Sie suchen einen aktuellen Aufsatz oder Artikel zur Außenpolitik? Sie wollen schnell wissen, welche Fachbücher es zu einem Land, einer Region oder internationalen Beziehungen gibt? Dann sind Sie bei der Bibliothek der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) genau richtig. Die “Bibliothek und Dokumentationsstelle“ (Bidok) befindet sich im Haus der DGAP in der Rauchstraße 17/18 in Berlin. Sie verfügt über 80.000 Bücher, 260 aktuelle Zeitschriften, u.a. zu den Bereichen Sicherheitspolitik, deutsche Außenpolitik, Globalisierung, Länderkunde und Europa. Außerdem gibt es zahlreiche Aufsätze von Afrika bis Zentralasien, darunter auch die Analysen der DGAP-Experten z.B. zu China, Russland, Mittel- und Osteuropa, EU, USA, Nahost und Zentralasien mit Sofortkontakt. Für Gäste, die sich für historische Themen interessieren, gibt es darüber hinaus Bücher seit 1945 und ein Pressearchiv für den Zeitraum 1945-1967. Egal, ob Sie nur mal in den aktuellen Zeitschriften blättern oder unsere Bücher für intensive Recherchen nutzen wollen, die Bi-

bliothek steht allen Interessierten ohne Anmeldung kostenlos offen. Da die BiDok eine Präsenzbibliothek ist, sind die Bücher jederzeit verfügbar. Kopierer, PCArbeitsplätze und Internetanschlüsse stehen bereit. Der besondere Service: Schon vor dem Besuch können Sie sich schnell online auf die Suche machen, was die BiDok zu welchem Thema bietet. Denn der Katalog unserer Bibliothek-Datenbank listet nicht nur Bücher auf, sondern auch einzelne Buchaufsätze, Zeitschriftenaufsätze und Material aus dem Internet. Daher finden Sie dort mehr Literatur als in anderen Bibliotheken. Beispiel: Zum Stichwort „Transatlantische Beziehungen“ zeigt der Katalog der BiDok 1.800 Nachweise – mehr als in allen anderen Bibliotheken in Berlin. Auf Wunsch übernehmen die Mitarbeiter auch gerne für Sie Literaturrecherchen zu Ihrem Thema, Anruf genügt. Zudem können Sie auf Nachfrage einen kostenlosen Newsletter abonnieren, der Sie wöchentlich über Neuzugänge in allen Themenbereichen informiert. In der DGAP-Bibliothek bekommt jeder Besucher oder Anrufer eine individuelle, ausführliche

sion hat dafür gesorgt, dass finanzstarke Politikbereiche der Außenpolitik entweder gar nicht in das Portfolio des Dienstes fallen (die Europäische Nachbarschaftspolitik) oder über parallele Strukturen weiter von ihr abhängig sind (die Entwicklungspolitik). Das Parlament wiederum hätte am liebsten den Dienst als eigenständige Institution verhindert, um ihn unter seiner budgetären Kontrolle zu behalten.

Brüssel abhängig, wo wiederum die Mitgliedsländer ihr Mitspracherecht einfordern. Wenn aber an der EU-Vertretung in Peking genauso wie in der EAD-Zentrale in Brüssel deutsche Diplomaten an der Seite von französischen Kommissionsbeamten und polnischen Ratsmitarbeitern gemeinsam Dienst tun, dürfte zumindest ein neuer Gemeinschaftssinn entstehen, der auch die Hauptstädte wieder europäischer denken lässt.

Statt als schlagkräftiges Prestigeprojekt zu starten, wird der EAD sein Veränderungspotenzial demnach erst mittelfristig entwickeln können. Nehmen wir ein Land wie China: Bislang war die EU in Peking – wie in gut 120 anderen Hauptstädten der Welt – allein durch die Kommission vertreten, die sich primär um Wirtschafts- und Entwicklungsfragen kümmerte. Außen- und sicherheitspolitische Belange haben die Mitgliedstaaten, sprich die halbjährlich rotierende Präsidentschaft wahrgenommen. Zwar fallen diese beiden Aufgaben nun dem neuen EU-Botschafter zu, doch verschaff t ihm das nicht gleich Macht. Zum einen werden seine nationalen Kollegen vor Ort eifersüchtig über den Einfluss des jeweiligen Mitgliedstaates wachen. Zum anderen ist er von Weisungen aus

Deutschland sollte nun, da der EAD kurz vor der Arbeitsaufnahme steht, zu seiner ursprünglichen Unterstützung für die „Stimme Europas“ zurückkehren. An erster Stelle steht eine Debatte über die strategische Ausrichtung des EAD, seine politischen Ziele sowie die zur Umsetzung benötigten Instrumente. Denn die fand aufgrund der institutionellen Reibereien bislang nicht statt. Daneben sollte die Bundesregierung qualifizierte deutsche Persönlichkeiten für den Dienst vorschlagen. Denn gutes Personal verschaff t Einfluss und Respekt, gerade in einer im Aufbau befindlichen Organisation. Je mehr Deutschland in die gemeinsame Interessenvertretung der Europäer auf der Weltbühne investiert, desto besser kann es dabei seine eigenen Vorstellungen unterbringen.

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und vor allem freundliche Beratung, wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Übrigens: Die Bibliothek gibt es schon seit 1955. Sie ist eine der ältesten und bedeutendsten öffentlich zugänglichen Spezialbibliotheken zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik und wird vom Auswärtigen Amt institutionell gefördert. Die Bibliothek, das Forschungsinstitut und die Redaktion der Zeitschrift „Internationale Politik“ sind unter einem Dach vereint und machen die DGAP zu einem internationalen Kompetenz-Zentrum für Außenpolitik in Berlin. Julia Leuther Bibliothek der DGAP Rauchstraße 17/18, 10787 Berlin (Bezirk Tiergarten) Öffnungszeiten: Mo. & Do. 9:30-16:30; Di.& Mi. 9:30-20:00 Freitag 9:30-15:00 Telefon: 030- 25 42 31-21 www.dgap.org/bibliothek

Rather than kicking off a powerful prestigious project the EEAS will be able to unfold its potential for change in the medium term only. Taking a country like China for example, the EU has up to now been represented in Beijing, as in 120 other capitals, by the Commission only which deals primarily with economic and developmental issues. Foreign and security policy issues have been dealt with by the member states through the rotating six monthly presidencies. Although this policy field now falls under the remit of the new EU ambassador, this in itself does not make the post particularly powerful. On the one hand his or her national colleagues present there will keep a jealous eye on the influence of member states concerned, and on the other hand he or she remains dependant on directions from Brussels where the member states demand in turn their right to exert influence. But if at the EU’s representation in Beijing, as at the EEAS headquarters in Brussels, German diplomats work side by side with French Commission officials and Polish Council employees, a new esprit de corps may very well develop that could promote a more pro-European way of thinking across Europe’s capitals. Now that the EEAS is close to becoming operational Germany should once again return to its original position in support of the “voice of Europe”. First and foremost the strategic orientation of the EEAS, its political aims and the tools needed for implementation should be put up for debate. It has not yet taken place owing to internal institutional quarrels. In addition the German government should appoint qualified German individuals to the service as good personnel gain influence and respect especially during the process of establishing an organization. The more Germany invests in the joint representation of interests of the Europeans on the world stage the better it will be able to implement its own concepts and ideas. by Dr Cornelius Adebahr

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Ihr Kontakt zur Politik – Der richtige Ansprechpartner In den kommenden Ausgaben des Diplomatischen Magazins geben wir Ihnen einen Einblick in den politischen Betrieb der Bundesrepublik. Unser Autor, Roman Fürtig, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten und kennt deshalb den politischen Betrieb ganz genau. Hier gibt er wertvolle Tipps, wie man mit seinen Anliegen durch das Dickicht der Instanzen durchdringen kann. In der ersten Folge geht es um die Abgeordneten, die MdBs, die Mitglieder des Bundestages. 1. Mitglieder des Deutschen Bundestages Alles ganz einfach? Der deutsche Bundestag erscheint zunächst als ein Buch mit sieben Siegeln, bei näherer Betrachtung werden scheinbar klare Strukturen erkennbar. Da gibt es das Präsidium, es gibt Ausschüsse (zum Beispiel den Auswärtiger

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Ausschuss, Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die für ein Themenfeld zuständig sind. Zudem gibt es für jeden Staat eine zuständige Parlamentariergruppe (deutsch – mexikanische, deutsch – südosteuropäische) in dem sich die Abgeordneten, die sich für einen Staat oder eine Region interessieren, zusammengeschlossen haben.

Der Autor: Roman Fürtig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Klimke.

Your contact to politics – The right approach In the next few editions Diplomatisches Magazin will give you an insight into the business of politics in Germany. Our author, Roman Fürtig, is research assistant for a member of German Bundestag and therefore knows the in and outs of this business very well. He gives valuable tips how to work your way through the system. The first series is dealing with the deputies, the Members of Bundestag, MdBs.

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Insofern scheint die richtige Ansprache von Abgeordneten ganz leicht. Hat man ein außenpolitisches Anliegen, so wende man sich an den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses sowie an den Vorsitzenden der Parlamentariergruppe. Das ist zunächst nicht falsch. Es ist aber trotzdem sinnvoll, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls andere Akteure vorzuziehen.

Die Zuständigkeit der Abgeordneten innerhalb ihrer Fraktion a) stellvertretende Fraktionsvorsitzende Es ist hilfreich, die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten der Abgeordneten zu kennen. Dabei bilden Zuständigkeiten in Parlamentsinstitutionen nur einen Teil der Verhältnisse ab, fast noch wichtiger sind die Funktionen innerhalb einer Bundestagsfraktion. Es ist sicher jedem Diplomaten oder Interessenvertreter bewusst, wie wichtig der Fraktionsvorsitzende einer großen (Regierungs-)Fraktion ist. Weniger bekannt ist, dass es stellvertretende Fraktionsvorsitzende gibt, die zugeordnete Themenbereiche haben. Es gibt also – um bei der größten Fraktion zu bleiben – bei der CDU z. B. einen stellvertre-

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tenden Fraktionsvorsitzenden, der für Außen-, Verteidigungs- und Europapolitik zuständig ist, ein weiterer ist für Entwicklungspolitik und Umwelt zuständig. Ähnlich sieht es bei der sozialdemokratischen Fraktion aus. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden sind bei allen wichtigen Entscheidungen einer Fraktion eingebunden und haben – zumal bei den Regierungsfraktionen, also den Parteien, die die Regierung stellen – enge Kontakte in die Ministerien. Allerdings ist ihre Funktion eher globaler Natur und vor allem bei Grundsatzfragen oder Konflikten wichtig. Trotzdem kann sich ein persönlicher Kontakt – gerade perspektivisch – als sehr hilfreich erweisen.

1. Members of German Bundestag As simple as that? The German Bundestag initially appears as a book of seven seals but clear structures become visible at a second glance. There is the Presidium and there are committees (e.g. Foreign Affairs, Economic Cooperation and Development) responsible for specialized areas of policy. In addition there is a responsible group of parliamentarians for every state (German-Mexican, German-Southeast European) in which the deputies interested in a state or region team up. Insofar correct addressing of deputies seems to be quite easy. If you have a foreign policy request you turn to the chairperson of the Foreign Affairs committee and the chairperson of the group of parliamentarians. This is not wrong at first thought. But it makes sense to take a closer look and prefer other actors where appropriate.

b) Fachsprecher / Arbeitsgruppen-, Arbeitskreisvorsitzende Ebenso interessant als Ansprechpartner sind die Fachsprecher bzw. Vorsitzenden von Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen. Der Vorsitzende etwa der Arbeitsgruppe Entwicklungspolitik vertritt diesen Bereich für die Fraktion nach außen, das heißt er legt in den meisten Fällen die Haltung der Fraktion zu diesem Themenkomplex fest. Auch hier gibt es eine enge Vernetzung sowohl in Richtung Fraktionsspitze als auch – bei Regierungsfraktionen – in die Ministerien. Zudem vertritt der Arbeitsgruppenvorsitzende, bzw. sein Stellvertreter, der sogenannte Obmann, die Fraktion in der Obleuterunde, in der alle wichtigen Themen, die im jeweiligen Ausschuss anliegen, besprochen und die politischen Aktivitäten geplant werden. Auch der Ausschussvorsitzende gehört diesem Gremium an, letztlich hat der Arbeitsgruppenvorsitzende hier aber mehr Einfluss. Gerade bei den Regierungsfraktionen besitzt er viel reale Macht, während der Ausschussvorsitzende eher Repräsentant und Moderator ist. Daran ändert auch seine protokollarisch höhere Position nichts.

a) Deputy leaders It helps to know the competences and responsibilities of the MP. Competences in parliamentary institutions reflect only one part of the relations. Almost more important are the functions within a parliamentary group of Bundestag. Every diplomat or lobbyist is certainly aware of the importance of the leader of a major (ruling) parliamentary group. Less well-known is the existence of deputy leaders dealing with specific policy-related topics. Sticking to the largest parliamentary group there is, for example, a deputy leader of the Christina Democratic Union (CDU) who is in charge of foreign affairs, defense and affairs of the European Union, another one is responsible for development and environment. It is a similar picture with the Social Democratic Party (SPD). The deputy leaders are involved in all major decision-taking and have – especially when it comes to the ruling parties – close contacts to the ministries. There function, however, is rather of a global nature and important when it comes to basic issues or conflicts. Nevertheless, a personal contact may turn out very helpful in the long run

c) Berichterstatter Auf der Ebene der „einfachen“ Abgeordneten kommt den Berichterstattern eine besondere Rolle zu. Sie sind für ein bestimmtes Thema innerhalb der Fraktion zuständig, der Name „Berichterstatter“ kommt daher, weil sie dem Ausschuss, wenn das Thema auf der Tagesordnung steht, „Bericht erstatten“.

The MP’s competence within their parliamentary group

b) Subject area speakers/ Working group/Study commission chairpersons Equally interesting as contacts are the subject area speakers and chairpersons of study commission and working groups. The chairperson of the Development Policy working group, for example, represents this area externally for the parliamentary group, i.e. he/she determines in most cases the parliamentary group’s attitude towards these issues. Here, too, the networking both with the leaders of the parliamentary group and – with ruling parliamentary groups – to the ministries is very closemeshed. In addition the chairperson of the working group and his/her deputy, the coordinator [or Obmann in German], represent the parliamentary group in the round of coordinators where all important issues on the agenda of the individual committees are discussed and the political activities planned. The chairperson of the committee is also member of this panel but the chairman of the working group is more influential in the end. Especially in the parliamentary groups of the ruling parties he has a lot of real power whereas the chairperson of the committee has rather a representative and mediation function.

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INTERNATIONAL RELATIONS

Even the higher rank on protocol level does not make any difference. c) Rapporteur On the „ordinary“ MP level the rapporteurs take a special role. They are in charge for a specific topic within their parliamentary party. The term „rapporteur“ is used because they „report“ to the committee when the topic is on the agenda. There are rapporteurs for all subject areas falling in a committee’s competence. A case in point is the tourism committee with a rapporteur for bike tourism, business trips, air traffic etc. Berichterstatter gibt es grundsätzlich für alle Themenbereiche, die ein Ausschuss zu vertreten hat. So gibt es im Tourismusausschuss einen Berichterstatter für Fahrradtourismus, für Geschäftsreisen, für Flugverkehr usw. Interessant ist, dass es im Auswärtigen Ausschuss und im Entwicklungsausschuss auch Berichterstatter für einzelne Staaten gibt. Der Berichterstatter kennt sich in der Regel mit den Aspekten „seines“ Themas innerhalb seiner Fraktion am besten aus, er ist Experte, weil er alle relevanten Informationen für seine Themen aufnehmen muss. Als Experte genießt er innerhalb seiner Fraktion einen Vertrauensvorschuss und definiert somit die Fraktionshaltung für sein Thema, wenn es nicht um Grundsatzfragen geht oder der Fachsprecher bzw. die Fraktionsführung eine andere Haltung einnimmt – das kommt jedoch eher selten vor. Insofern ist der zuständige Berichterstatter meist die erste Wahl als Ansprechpartner für einen Diplomaten oder Interessenvertreter. Er hat das größte Interesse, zu einem Thema informiert zu werden und verfügt über das größte Fachwissen dazu.

Wie finde ich den zuständigen Abgeordneten? Die erste Anlaufstelle ist die Internetseite des Bundestages. Hier findet man die Ausschüsse mit ihren Mitgliedern aufgeführt, die Fachsprecher der einzelnen Fraktionen sind dabei markiert. Über die angegebene Telefonnummer des Ausschusssekretariats lassen sich die Kontaktdaten zu den einzelnen Fraktionen, in der Regel den Fraktionsreferenten für die einzelnen Arbeitsgruppen herstellen. Bei diesen Fraktionsreferenten laufen Fach- und Fraktionsarbeit zusammen. Über sie

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lassen sich auch Termine mit den Arbeitsgruppenvorsitzenden/Sprechern koordinieren, aber auch zuständige Berichterstatter und stellvertretende Fraktionsvorsitzende erfragen. Viele dieser Informationen erhält man auch direkt auf den Internetseiten der jeweiligen Fraktionen z. B. www. cducsu.de oder www.spdfraktion.de. Zu beachten ist außerdem, dass viele Themen von mehreren Ausschüssen behandelt werden. Ein Beispiel: Jugendaustausch betriff t den Auswärtigen Ausschuss, den Jugend- und Familienausschuss, den Bildungsausschuss und ggf. auch den Sozialausschuss, wenn es um benachteiligte Jugendliche geht, zudem eventuell auch den Tourismusausschuss. In einem solchen Fall ist ein Ausschuss „federführend“ zuständig, die anderen sind „mitberatend“ beteiligt. Es lohnt sich jedoch, Vertreter aus allen beteiligten Ausschüssen anzusprechen, weil dann die Chance besteht, dass ein zuständiger Abgeordneter das Thema aufnimmt und zu seiner Sache macht. Denn Eines darf bei diesen Fragen nicht vergessen werden: Der beste Ansprechpartner ist nicht nur zuständig und kompetent, er muss auch engagiert und lösungsorientiert sein.

Das „Diplomatische Magazin“ wünscht Ihnen viel Erfolg beim Kontakteknüpfen für Fortgeschrittene. In der nächsten Ausgabe erläutern wir, warum ein enger Kontakt zu den Mitarbeitern so wichtig ist und welche Mitarbeiter im Deutschen Bundestag für Diplomaten und Interessenvertreter relevant sind.

It is interestin that the Foreign Affairs and the Development Committee have rapporteurs for individual states. He/she is usually at home in „his/her“ subject within the parliamentary group and is expert because all relevant information concerning the subject are collected by him/her. As an expert the rapporteur has a credit of trust within the parliamentary group and thus defines the attitude of the group regarding the subject unless it concerns basic issues or the subject area speaker or the leader of the parliamentary group takes a different stance - a rare occasion, however. Insofar the rapporteur is usually the first choice for a diplomat or lobbyist to approach. He/she has the greatest interest in getting informed on a subject and has in-depth knowledge in this respect.

How to find the competent MP? The first point of contact is the website of Bundestag where the committees and the members are listed. The subject area speakers of the individual parliamentary groups are marked. Through the telephone number of the committee office the contact to the individual parliamentary groups, usually the parliamentary group advisor for the individual working groups, can be established. Subject-specific and parliamentary group work converges with these advisors. They are the right contact to make appointments with chairpersons/speakers of working groups but also make inquiries regarding competent rapporteurs and deputy leaders of parliamentary groups. A lot of this information is also available on the website of the relevant parliamentary group, e.g. www.cducsu.de or www. spdfraktion.de. It is also necessary to know that a lot of subjects are dealt with by several committees. For example: Youth exchanges concern the Foreign Affairs committee, the Family Affairs and Youth committee, the Education committee and, in where applicable, the Social Affairs committee when it comes to disadvantaged young people, and also the Tourism committee. In such case one committee takes the lead and the others „contribute“. Nevertheless it is worthwhile approaching representatives from all committees involved because it increases the chance of one MP taking up the topic and making it his/ her cause. Because one thing should be kept in mind: The best contact is not only responsible and has competence he/she must also be committed and solution-oriented. „Diplomatisches Magazin“ wishes you much success in contact making for advanced learners. In our next edition we explain why close contacts to the staff is so essential and who at Deutscher Bundestag is important for diplomats and lobbyists. The author: Roman Fürtig Research Assistant of MP Jürgen Klimke, CDU.

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COLUMNS

Die europäische Räuberleiter Mehr europäische Zusammenarbeit, das ist die richtige

Finan z- un d Fiska lunio n

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s ist ein Déja-vu: Nachdem Finanzspekulanten 1992 das britische Pfund angriffen und das Europäische Währungssystem fast gesprengt hatten, rückte die EU enger zusammen: Sie gebar die Währungsunion und den Euro. Nun galt der Angriff – massiver als damals – europäischen Staatsanleihen, und die EU muss daraus ebenfalls mehr Konsequenzen ziehen, als nur einen Rettungsschirm aufzuspannen: Wir brauchen nach der Wirtschafts- und Währungsunion auch die Fiskal- und Finanzunion. „Fiskal-“ wegen Griechenland, „Finanz-“, damit sich ein Fall wie jener der Lehman Brothers & Co nicht mehr wiederholt.

Wenn in der EU gleiches Recht für alle gelten würde, hätte jeder der weiteren bedrohten Staaten ebenfalls Anspruch auf Rettung. Begünstigt dies und die damit verbundenen immensen Kosten nicht gerade die Schaffung einer „Fiskalunion“ innerhalb der Eurozone: Die EU-Regierungen können diese als „opt-in“Variante schaffen – ähnlich der Eurozone in der EU. Das bedeutet zwar ein „Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten“ – aber dieses Gefälle haben wir bereits, wie die Ausschläge der Credit-Default-Swaps gezeigt haben.

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Antwort auf Wirtschaftskrise und den Fall Griechenund Währungsunion muss nun land. Nach WirtschaftsWirt die d ie Finanz- und Fiskalunion folgen.

Der Handel mit Swaps muss reguliert werden Viele fordern nun ein Verbot der Credit-Default-Swaps und anderer Derivate, die Marktverzerrungen entlarven. Das wäre falsch: Wir dürfen den Dreck nicht unter den Teppich kehren. Wir sollten uns auch nicht zu sehr über die aufregen, die diesen Dreck aufgewirbelt haben – er war halt da. Und wir sind darüber gestolpert. Die Swaps sind so schlecht nicht: Sie signalisieren die Ausfallwahrscheinlichkeit des Referenzschuldners und die Quote der Schuldner-Befriedigung (Konkursquote). Sie gibt an, welchen Anteil am Wert der Anleihen die Gläubiger bei Ausfall des Schuldners noch wiederholen können. Das ist ein gnadenloses Urteil – ohne politische Weichspülerei. Was es also zu tun gilt: Der Handel dieser Swaps sollte börsenreguliert werden, die Händler einer Zulassung bedürfen. Nachvollziehbar wäre auch, wenn die EU-Staaten ihrerseits Derivate je nach deren Risiken und Hebelwirkungen bewerten – und diesen Wert in Steuern ausdrücken: je höher das Risiko eines Derivats, desto höher die darauf erhobene Transaktionssteuer. Nur ist dies in globalen Märkten kaum umzusetzen. Es bräuchte zumindest den Konsens der 20 größten Industriestaaten. Das Gerede von Transaktionssteuern bleibt freilich nur Zukunfts-

musik, solang die EU nicht einmal die Erhebung einer einheitlichen Steuer erprobt hat. Die Anteile der EU an der nationalen Mehrwertsteuer können da nicht helfen. Folglich braucht die EU zunächst eine Steuerart, die EU-weit erhoben werden kann – und womöglich positive Nebenwirkungen zeitigt. Wie wäre es also mit einer EU-Energiesteuer? Deutschland könnte mit seiner Ökosteuer Vorbild sein.

Euroländer, vereinigt euch Die Fiskalunion – deren Notwendigkeit keiner mehr guten Gewissens bestreiten kann, der für den Euro ist – lässt sich freilich leicht verhindern: Am besten, wenn man sie als großen Wurf konzipiert – entweder alle oder keiner. Aber das Prinzip des Alles-auf-einmal ist der EU fremd: Das Prinzip der EU war stets das einer graduellen Veränderung. Gerade einige der Gründerstaaten der EU – Frankreich, Deutschland und Luxemburg – könnten den Anfang machen. Die Finanzunion – sie entsteht, wenn die neuen Regulierungspakete der EU für Systemrisiken, Banken, Versicherungen und Kapitalmärkte wirklich ernst und durchgreifend angegangen werden. Notfalls auch ohne die Briten – die ja auch den Euro gemieden haben, obwohl ihre Krise seine Geburt beschleunigt hatte. Vielleicht sehnen sie sich bald nach einem sicheren Hafen. Joachim Weidemann | Herausgeber EurActiv.de

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E-Mail: j.weidemann@euractiv.de

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BUSINESS

Kompetenz auch international Der Verband beratender Ingenieure VBI gilt als die führende Berufsorganisation unabhängiger beratender und planender Ingenieure sowie der Ingenieurunternehmen in Deutschland. Deutsche Technik und deutsches Ingenieurwissen ist untrennbar mit dem Begriff „Made in Germany“ verbunden. Das Diplomatische Magazin sprach mit dem Präsidenten des VBI - Dr. Volker Cornelius - über die Leistungsstärke und Kraft deutscher Ingenieure, über die Globalisierung und vor allem über die Stärke der Beratenden Ingenieure. Herr Dr. Cornelius, Ingenieure ordnet man landläufig großen Unternehmen zu, also Kraftwerksunternehmen, den großen Bauunternehmen und so weiter, die allesamt riesige Staudämme, Windkraftanlagen und mehr errichten. Was unterscheidet Ihre Mitglieder vom landläufigen Bild der Ingenieure? Zunächst einmal sind unsere Mitglieder überwiegend im planenden Bereich, nicht so sehr im ausführenden Bereich tätig. Wir bieten vor allem komplexe Gesamtplanungen an, die zunehmend weltweit Bedeutung gewinnen. Gleichwohl lösen unsere Ingenieure auch Detailprobleme, die den Auftraggebern zu schaffen machen.

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Competence at home and abroad The German Association of Consulting Engineers - VBI [Verband Beratender Ingenieure] is the leading professional association for consulting and planning engineers and engineering firms in Germany. German technology and engineering are inseparably linked with the term „Made in Germany“. Diplomatisches Magazin spoke with VBI President, Dr. Volker Cornelius on the high performance and quality of German engineers, globalization and above all, the particular strengths of consulting engineers. Dr. Cornelius, engineers are commonly associated with larger companies, such as energy providers, major construction firms and so on, all of whom are involved in the construction of huge dams, wind farms and the like. How do your members differ from the usual image people have of engineers? First of all I must say that our members are predominantly engaged in planning and not so much in execution. We provide primarily overall planning services which are currently gaining increased importance on a global scale. But our engineers also solve intricate problems which are often headaches for the clients.

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Inwiefern lohnt es sich, ein Ingenieurunternehmen in der Planung einzusetzen und nicht beispielsweise einen Generalunternehmer, der eine Leistung von A bis Z erbringt? Ganz einfach: Wir arbeiten als Treuhänder für unsere Auftraggeber. Gerade in komplexen Großaufträgen gibt es viele unbekannte Variablen. Ein Planungsbüro schaff t Transparenz und ermöglicht es dem Auftraggeber, die wichtigen und richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir sind so etwas wie der unparteiische Dritte und sind vor allem am besten technischen Ergebnis interessiert. Das bedeutet, dass wir unabhängig sind von Hersteller- oder Lieferanteninteresse. Der Nutzen steht im Vordergrund.

Ist die Einschaltung eines Planungsbüros nicht teuer? Wenn Sie sich mittlere und größere Projekte der öffentlichen Hand ansehen, dann sieht man, dass viele Projekte sowohl vom Zeitplan als auch von den Kosten her häufig aus dem Ruder laufen. Dies vor allem dann, wenn man sie von einem Generalunternehmer, der schlüsselfertige Lösungen anbietet, überträgt. Ich will jetzt nicht sagen, dass dies grundsätzlich so ist, aber die Kostenexplosionen sind ja durchaus bekannt, die Elbphilharmonie in Hamburg ist da nur ein Beispiel. Beratende Ingenieure haben die Aufgabe, alle Anforderungen an ein Bauwerk oder ein Projekt zu berücksichtigen und die entsprechenden technischen Lösungen zu erarbeiten. Viele technische oder finanzielle Unbekannte können aufgrund der Kompetenz und Erfahrung im Vorfeld eliminiert werden. Das hilf in der Gesamtsumme Kosten sparen, wirtschaftllicher und effizienter zu sein.

Wo liegt das Hauptaufgabenfeld von Beratenden Ingenieuren? Eines unserer Hauptaufgabenfelder liegt nach wie vor im Bereich des Bauens. Vor allem das energetische Bauen und intelligente Lösungen sind hier zunehmend gefragt. Der Kampf um die Energieressourcen tobt ja schon

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eine Weile und so gilt es technisch anspruchsvolle und energetisch optimale Gebäude zu entwickeln und zu planen. Der weltweite Bedarf ist vorhanden.

Das bedeutet, dass der Fokus Ihrer Mitgliedsunternehmen nicht nur in Deutschland liegt? Nein keineswegs. Wir wollen und brauchen die Internationalisierung. Unsere Mitgliedsstruktur reicht zwar vom „Ein- Mann -Planer“ oder Gutachter bis zu Großbüros, aber Internationalität wird in einer globalisierten Welt immer wichtiger für uns, zumal wir über Lösungen verfügen, die weltweit einmalig sind. Ich sprach schon unsere Kompetenz im Bereich der Energieeffizienz oder im Baubereich an. Viele unserer Mitgliedsunternehmen sind zumindest europaweit tätig. Allerdings will ich das eine oder andere Problem nicht verschweigen. Wir sind, im Gegensatz zu vielen ausländischen Unternehmen unserer Branche, eher mittelständisch organisiert, zudem können unsere international agierenden Mitbewerber häufig auf Fördermöglichkeiten zurückgreifen, die deutschen Beratern in dieser Form nicht zur Verfügung stehen. Frank Tetzel

The VBI

When does it make sense to employ an engineering firm for planning and design rather than a general contractor who is in a position to provide the complete package of services ? The answer is very simple: we act as trustees for our clients. It is the large-scale contract which entails a multitude of variables. A planning and design office creates transparency and allows the client to take the correct key decisions. We are a kind of unbiased third party and our main interest lies in the best engineering result possible. That means we are independent of manufacturers’ and suppliers’ interests. Priority is given to the resulting benefits.

Isn’t expensive to involve a design office? When you look at medium-sized and larger public sector projects, you will see that many a project gets out of hand in terms of schedule and costs. This is often the case when such a project is awarded to a general contractor providing turn-key solutions. I don’t mean that it is always the case but the issue of skyrocketing costs is well documented. Take the example of the Elbphilharmonie in Hamburg. Consulting engineers have the responsibility to consider all requirements for a structure or project and work out appropriate engineering solutions. A lot of engineering or financial variables can be eliminated in advance thanks to their competence and experience. It helps to save costs and be more economical and efficient in the end.

Where are consulting engineers’ major fields of activity? Now as before construction has been one of our main fields. There is increasing demand for energy efficiency and smart solutions in building. The struggle for energy resources has been going on for quite a while, and it is therefore essential to plan and design technologically advanced energy-efficient buildings for which there exists worldwide demand.

has about 3,000 member firms with a total staff between 40,000 and 50,000. Total turnover of the sector is estimated to be about 30bn euros. The consulting sector for engineering services covers about 60,000 consulting engineers and some 250,000 people. A recent survey has shown that about 36 per cent of its turnover is generated abroad. Contact: VBI-Bundesgeschäftsstelle Budapester Strasse 31 10787 Berlin Tel.: +49/(0)30/26062-0 Fax: +49/(0)30/26062-100

infobox

www.vbi.de

Does it mean your members are not only focused on Germany? No, not at all. We want and need internationalization. Although our members range from one-man-offices or experts through to large planning firms, working internationally is becoming more and more important for us in this globalized world, especially as we can offer solutions that are unique in the world. I have mentioned already our expertise in energy efficiency and construction. A lot of our members are active in Europe and beyond. I do not want however to play down any problems whatever they may be. Unlike many foreign organizations in our field we are organized on a rather medium-sized scale and our globally acting competitors are often able draw upon subsidies not available to German consultants.

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BUSINESS

Gute Exportchancen der deutschen Medizintechnik Gute Exportchancen sieht das Vorstandsmitglied von SPECTARIS, Ulrich Krauss, bei der deutschen Medizintechnik. SPECTARIS ist der Industrieverband in Deutschland, der überwiegend Unternehmen der optischen, medizinischen und mechatronischen Technologien vertritt.

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ie Hightech-Produkte, die die Mitgliedsunternehmen des Industrieverbandes SPECTARIS herstellen, sind in nahezu allen Bereichen des Lebens zu Hause. Über das Thema Medizintechnik sprach das Diplomatische Magazin mit SPECTARIS-Vorstandsmitglied Ulrich Krauss, Sprecher des Vorstands für die Bereiche Vertrieb, Service, Personal und Qualitätsmanagement der Carl Zeiss Meditec AG und Jürgen-Heiko Borwieck, Geschäftsführer der Dräger Medical Deutschland GmbH.

Ulrich Krauss, SPECTARIS-Vorstandsmitglied

Herr Krauss, Herr Borwieck: Wenn wir über Innovation im Bereich der Medizintechnik sprechen - können Sie uns Beispiele für diese Innovationen nennen? Und können Sie uns sagen, wie hoch der Exportanteil am Gesamtmarkt liegt? Krauss: Nun zunächst einmal haben unsere Unternehmen durchweg einen hohen Anteil von F+E am Gesamtumsatz zu verzeichnen. Der liegt ungefähr bei neun Prozent des Umsatzes. Das bringt für die Unternehmen natürlich einen gewissen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern mit. Innovationsstärke hat den deutschen Mittelstand und natürlich die Medizintechnikunternehmen seit jeher ausgezeichnet. Nun, ich kann nicht für jedes einzelne Unternehmen sprechen, doch der Ex-

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Good export prospects for German medical engineering

Good prospects for exports in German medical engineering are seen by the board member of Spectaris, Kraus. Spectaris is the German industrial association representing the medium-sized companies involved in optical, medical and mechatronic sectors of engineering.

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he high-tech products made by members of the Spectaris business association are to be found in almost all areas of life. Medical engineering was the topic Diplomatisches Magazin chose to talked about with Spectaris Board Member, Ulrich Kraus, Board Spokesman of Carl Zeiss Meditec responsible for Sales, Service, Personnel and Quality Management, and Jürgen- Heiko Borwieck, Managing Director of Dräger Medical Deutschland GmbH.

Mr. Krauss, Mr. Borwieck:When we speak about innovation in medical engineering could you give us some examples? And what share of the total market falls on exports? Krauss: To begin with, all our members have a high share of their sales in R+D, amounting to about nine per cent in total. This gives a certain competitive edge for these companies compared with other suppliers. Innovative strength has always been a characteristic of German medium-sized businesses including medical engineering companies. Well, I cannot speak for each individual enterprise but the export share is high and for most of our members it is far beyond 50 per cent. With Carl Zeiss Meditec it in fact accounts for over 80 per cent. Borwieck: The sales from exports of most medical engineering companies are high. We have a share of over 80 % for example. The Dräger company is number one in the market when it comes to respiratory equipment and life-sustaining systems. Quite a number of German companies enjoy such position and a similar high level of exports.

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Jürgen-Heiko Borwieck, Geschäftsführer der Dräger Medical Deutschland GmbH.

portanteil ist hoch und liegt bei den meisten unserer Mitgliedsunternehmen über 60 Prozent. Bei Carl Zeiss Meditec macht er weit über 80 Prozent aus. Borwieck: Der Exportumsatz der meisten Unternehmen in der Medizintechnik ist groß. Unser Unternehmen hat beispielsweise einen Anteil von 80 Prozent. Dräger ist mit seinem Produkten im Bereich Narkose und Beatmung Weltmarktführer. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen in Deutschland im Medizinbereich, die dies auch sind und ähnlich hohe Exportanteile haben. Als Qualitäts- und Markführer produzieren wir sowohl für das Premium- als auch für das Standardsegment. Wir applizieren technische innovative Lösungen auf die jeweiligen Bedürfnisse und Anforderungen der Märkte. Das macht einen Teil unserer Innovationskraft aus.

Wenn Sie beschreiben sollten, was die deutsche Medizintechnik von anderen Wettbewerbern unterscheidet, was würden Sie unseren Lesern sagen? Wo liegen der Wettbewerbsvorteil für deutsche Unternehmen und der Nutzen für die Käufer und Anwender? Krauss: Nun, wir entwickeln uns zunehmend zu Systemanbietern mit einer langen Kette, die nicht nur aus dem reinen Produkt besteht, sondern aus einer ganzen Reihe von Dienstleistungen um die Produkte herum. Das heißt, wir haben

unsere Pre- und Aftersales-Bereiche ausgebaut. Regelmäßige Schulungen von Ärzten und Personal gehören inzwischen zu den selbstverständlichen Dienstleistungen unserer Unternehmen. Doch zu einem Systemanbieter gehört mehr, wir bieten für unsere Kunden und Märkte komplexe Lösungsmöglichkeiten. Borwieck: Richtig, wir bieten ineinandergreifende Systeme an. Also keine Insellösungen, sondern beispielsweise ganze Operationsräume bis hin zu kompletten Kliniklösungen inklusive der Ausbildung und Fortbildung des ärztlichen und des Betreuungspersonals. Diese komplexen Problemlösungen kombiniert mit der Beratungskompetenz unserer Mitarbeiter machen die deutsche Medizintechnikindustrie einzigartig und helfen uns, an der Spitze zu bleiben.

Welche Märkte sind für Sie interessant? Krauss: Wir haben ein Augenmerk auf alle Wachstumsmärkte, die BRIC-Staaten, Indien, Russland, Brasilien und China mit ihren Märkten sind für uns ebenso interessant wie die Märkte der Ersten Welt. Borwieck: Natürlich ist der europäische Markt aufgrund des Marktdurchsatzes für viele unserer Unternehmen sehr wichtig. Hohes Wachstum erreichen wir aber auch in den Märkten wie Lateinamerika, Asien, Afrika und dem Mittleren Osten.

To illustrate that better, as quality and market leader we make the S-Class so to say but are equally able of making an AClass. We apply innovative engineering solutions to the needs and requirements of the markets. This is part of our innovative strength.

If you had to describe the distinction between the German medical engineering and its competitors, what would you tell our readers? Where does the competitive edge for German businesses lie and what are the benefits for buyers and users? Krauss: Well, we are becoming more and more system suppliers with a long chain consisting not only of the product proper but various services related to the products. This means, we have expanded our pre-sales and after-sales activities. On going training courses for doctors and personnel on a regular basis have become standard for our companies. But a system supplier goes further. We also offer complex solutions for our customers and their markets. Borwieck: That’s correct, we offer inter-linked systems. Not island solutions but, as an example, entire operating theatres up to entire hospitals including training and advanced training courses for doctors and nurses. Such complex solutions make the German medical engineering sector unique and help us to stay ahead.

Which markets are of interest for you? Krauss: We have turned our attention to all growth markets, the BRIC countries of Brazil, Russia, India and China are as equally interesting for us as are the markets of the First World. Borwieck: Quite naturally the markets of the First World are very important for many of our companies because of the market throughput. But major growth is also being achieved in the new markets in Latin America, Indonesia, Vietnam and the North African Mediterranean countries.

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BUSINESS

Hintergrund:

Background:

Nach zum Teil deutlichen Zuwächsen in den letzten fünf Jahren ging der Gesamtumsatz der deutschen Medizintechnik-Branche in 2009 leicht zurück. Mit rund 18,8 Milliarden Euro lag er um 1,4 Prozent unter dem Wert des Jahres 2008. Das Minus resultierte dabei maßgeblich aus einem Rückgang beim Exportgeschäft um 2,6 Prozent auf einen Wert von 12,2 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz der rund 1.250 deutschen Hersteller konnte leicht zulegen und lag mit knapp 6,6 Milliarden Euro um fast ein Prozent über dem Vorjahresergebnis.

Following marked growth in some areas, over the last five years overall sales of the German medical engineering field decreased slightly in 2009. With about 18.8bn euros it was 1.4 % short of the result in 2008. The drop was mainly due to a decline in exports by 2.6 % to 12.2bn Euro. Domestic sales of the 1,250 or so German producers increased slightly to almost 6.6bn euros, thus exceeding the previous year’s result by about 1 %.

Seit Ende 2009 zeigt sich auch wieder ein deutlicher Aufwärtstrend. Für das laufende Jahr sind die Firmen mehrheitlich optimistisch. Nach einer eigenen Erhebung erwartet der Branchenverband SPECTARIS für 2010 einem Zuwachs von insgesamt sechs Prozent auf rund 20 Milliarden Euro. Die Prognose für das Ausland lautet plus sieben Prozent und wird damit positiver beurteilt als der Inlandsumsatz. Dieser wird nach Einschätzung der Unternehmen um rund fünf Prozent steigen. Die Deutsche Medizintechnik wird sehr stark von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) geprägt. Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern. Unter 500 Mitarbeiter beschäftigen gar 98 Prozent der Unternehmen. Dementsprechend sind zwar mit 31 Prozent die meisten Mitarbeiter in den größten Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigen angestellt, mehr als ein Fünftel (22 Prozent) arbeitet aber in den kleinsten Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Die großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern erzielen insgesamt etwa 60 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. Die kleinsten Betriebe (weniger als 50 Mitarbeiter) erreichen neun Prozent. SPECTARIS, der Verband der Hightech-Industrie, ist Interessenvertreter der Branchen Medizintechnik, Optische Technologien, Analysen-, Bio- und Labortechnik sowie der Augenoptischen Industrie. Die Branchen erzielten im Jahr 2008 einen Gesamtumsatz von rund 43 Milliarden Euro und beschäftigten 243.000 Menschen in 2.704 Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten. Seine rund 400 überwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen unterstützt SPECTARIS sowohl durch aktives Branchenmarketing im In- und Ausland und durch die Vertretung der Interessen gegenüber der Politik, als auch durch diverse Serviceangebote wie Seminare und der Zulieferung von Branchendaten. SPECTARIS vertritt im Fachverband Medizintechnik rund 160 deutsche Unternehmen des Investitionsgüter- und Hilfsmittelsektors, die vor allem Hightech-Produkte produzieren und stark exportorientiert sind.

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There has been a clear upward trend since the end of 2009, and most companies are optimistic for the current year. According to its survey, SPECTARIS expects growth of 6 % to about 20bn euros. For exports they are forecasting a 7 % increase thus giving a more positive outlook than for domestic sales which is expected to grow by about 5 % according to the companies. The German medical engineering industry is dominated by small and medium-sized companies (SME). Almost 70 % work in companies with less than 50 employees, and 98 % of the companies less than 500 staff. Although according to these figures 31 % work for the largest companies with a workforce of over 1,000, more than one fifth (22 %) work for the smallest companies with less than 50 employees. The bigger companies of over 500 employees generate about 60 % of the branch’s total sales, whereas the smallest companies (less than 50 employees) generate 9 %. SPECTARIS, the association of high-tech industry, represents the fields of medical engineering, optical technology, analytical systems, biotechnology and laboratory technology as well as ophthalmic optics. Total sales of these sectors in 2008 were about 43bn euros with a workforce of 243,000 in 2,704 companies of more than 20 employees. SPECTARIS assists its 400 mainly medium-sized members both by active marketing of the sector in Germany and elsewhere, as well as representing its interests on a political level. It however also provides diverse services, such as seminars and supply of branch data. In the field of medical engineering SPECTARIS represents about 160 German businesses in the capital goods and aids and appliances sector, who mainly supply high-tech goods and are strongly export-oriented.

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THE GERMAN HEALTHCARE LOUNGE There is a growing realisation on the world market that high-quality solutions „Made in Germany“ pay for themselves in the long run. The holistic and sustainable perspective of German planners and industries is increasingly proving to be a competitive advantage. The exceptionally high level of training of the German healthcare industries and planners, their flexibility, their traditional approach to pragmatic solutions at the highest technological and economic level, their exciting creativity, and their intention to work in the most mutual way is the guarantee that customers will get a return on their investment. The VBI and SPECTARIS alliance along the value added chain in the field of healthcare will cover „planning, consulting and technical equipment“. The deep know-how in planning as well as engineering consulting combined with state-of-the-art technologies is a benefit for all customers interested in the German healthcare expertise. This evening will bring you information, contacts and an active network concerning the German healthcare industries and planners working as global players. You are cordially invited to share our evening to make it yours for your country.

SAVE THE DATE: 9.9.2010, 18.00 UHR Hessische Landesvertretung In den Ministergärten 5 10117 Berlin Contact: Jennifer Goldenstede (SPECTARIS) Phone: +49 (0) 30 41 40 21 - 27


INTERNATIONAL RELATIONS

The Institute for Cultural Diplomacy is an international, not-for-profit, non-governmental organization that promotes inter-cultural dialogue. Upcoming events include “The Berlin International Human Rights Conference” and “A World Without Walls: Peace Building, Reconciliation and Globalization in an Interdependent World”. For more information please visit www.culturaldiplomacy.org

Nation Branding in the Globalized World Recent years has seen a great deal of discussion on the subject of Nation Branding, and perhaps even more being spent attempting to carry it out. And while the idea of presenting a nation’s ‘best side’ to foreign audiences to attract foreign investment, trade and tourism might sound like a simple enough proposition, the reality is somewhat different.

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rom July 29th to August 1st The Institute for Cultural Diplomacy in Berlin held a four day Congress on “Nation Branding in a Globalized World” to explore Nation Branding, bringing together leading figures in international politics & diplomacy, academia, marketing and advertising, and civil society. The result was a frank and forthright exploration of the theory and practice of Nation Branding, with speakers and participants examining the extent to which a country is able to shape its own brand and the challenge of creating strong nation brands in an increasingly interdependent world. Nation Branding presents a country to the rest of the world as an attractive place to do business with, invest, visit and live. The crucial question however is whether or not it can actually be controlled or through government activity or are other, less controllable factors more important? The Nation Branding challenges faced by each countries are as unique as the countries themselves. Individual histories, cultural exports, and foreign policies all contribute to international reputations. How these factors are transmitted to the wider world will in the end determine the strength and/or weakness of a country’s National Brand. Daniel Florian, from Dimap Communications, a consulting firm on government relations and public diplomacy, noted that for many countries “the media only reports on a very small fraction of what happens there, and as such, their international image is distorted.” ICD The Institute for Cultural Diplomacy e.V. Kurfürstendamm 207-208 10719 Berlin

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The most crucial aspect of Nation Branding is authenticity. Ares Kalandides, President of The Association for Place Branding and Public Diplomacy, noted that a place cannot be falsely branded, particularly when the reality does not sup-

port the brand in the slightest. A nation cannot be branded if there is no truth in the brand created. Large nations already possess an established reputation, which can be both an advantage as well as a constraint. Governments’ foreign policies can directly and quickly affect its international reputation, while more entrenched notions, positive or otherwise, can be extremely difficult to change. Elizabeth Corwin, Cultural Attaché for the US Embassy noted that “America changes all the time. We can’t have a consistent national brand as it would only last for a few years, and then we would have a new United States”. Shifting national perceptions can be particularly so for countries that play a prominent role in world affairs. Small nations face markedly different challenges. Dan Mulhall, the Irish Ambassador to Germany, noted that “whilst for larger countries, their focus maybe “re-branding” and altering their image, smaller states face the challenge of projecting an image at all.” Conversly, small and relatively young countries do not carry as much historical baggage and thus possess the notable advantage of being able to sculpt their National Brand from scratch. While a nation’s brand is built around a country’s reputation and attitudes, distinct images are needed for a brand to stand out. Jamaica’s Ambassador to Germany Joy Wheeler noted that “Culture is a particularly strong medium of Nation Branding, as it is emotionally powerful. Brand Jamaica uses elements composite of and unique to Jamaica, (Blue Mountain coffee, jerk, reggae and sport) to put Jamaica on the map.” The paradox of Nation Branding is that it is at once essential and impossible. Nations must try to attract investment and tourism, but in the end has only a limited amount of influence on the way in which it is perceived abroad.

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Elbflorenz Dresden: Lebenslust und Kunstgenuss

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„Florenz entspricht nicht ganz den Erwartungen, die von exaltierten Reisebeschreibern erregt werden. Man nennt Dresden das deutsche Florenz, ehrt es aber dadurch nicht sehr. Die Lage von Dresden sowohl, als die Stadt selbst, sind ungleich schöner. Der Arno ist ein schmutziger, unansehnlicher Fluss und kann sich mit der majestätischen Elbe gar nicht vergleichen. Die vier Brücken, die darüber führen und beide Teile der Stadt verbinden, sind zwar fest und gut, aber weder so lang, noch so elegant wie die Dresdener. Auch hat Florenz weder so schöne Gebäude, noch so schöne Plätze, wie Dresden und übertrifft dieses nur im Reichtum an allen Arten von Kunstwerken.“ Louis Spohr, 1816

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The Florence of the Elbe Dresden: Flair and Culture

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resden ist unbestritten eine der schönsten Städte, mit denen Deutschland aufwarten kann. Das „Elbflorenz“, wie die Stadt auch genannt wird, liegt nur etwa zwei Stunden Autofahrt von Berlin entfernt und bietet sich für einen Wochenendausflug geradezu an. Und dies nicht nur im Sommer, sondern auch im Herbst oder sogar im Winter, wenn der berühmte und leckersaftige Dresdner Christstollen auf dem Striezelmarkt und in vielen Bäckereien feilgeboten wird.

Für unseren Wochenendausflug hatten wir diesmal einen BMW zur Verfügung, keine klassische Limousine, sondern einen BMW 530 GT in der Dieselvariante. Unter dem Begriff GT Gran Tourismo oder auch Grand Touring verstand man ursprünglich hoch motorisierte Automobile, die komfortabel ausgestattet für Langstreckenrennen geeignet sind. An die Tradition der GT-Fahrzeuge haben nun auch die BMW-Ingenieure angeschlossen, die mit dem 5er GT eine interessante Lücke zwischen der

Limousine und einem SUV schließt. Wenn auch das Heck des 5ers für so manchen Erstnutzer gewöhnungsbedürftig zu sein scheint, wird man die große Heckklappe nach kurzer Zeit zu goutieren wissen. Elektrisch zu öffnen, kann man leicht größere Gegenstände unterbringen. Und durch die Tatsache, dass die Sitze im Fond um zehn Zentimeter nach vorn zu verschieben sind, bekommt man im Heck durchaus Kombiqualitäten geboten. Viele Blicke waren uns sicher, als wir in das Dresdener Stadtzentrum einfuhren, wobei man an dieser Stelle vielleicht erwähnen sollte, dass es zwei davon gibt und man beide besser zu Fuß als mit dem Auto erkunden sollte. Das Stadtzentrum Dresdens nämlich ist durch die Elbe zweigeteilt. Nördlich der Elbe befindet sich die Neustadt, die eigentlich älter ist als die Altstadt, nach einem Stadtbrand aber als Neustadt wieder aufgebaut wurde. Und südlich des Flusses befindet sich die Altstadt. Dresden hat auf beiden Elbseiten historische Stadtkerne, wobei sich die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten auf der altstädtischen Seite befinden.

Altmarkt mit Kreuzkirche Unseren Bummel durch Dresden starten wir am Altmarkt, nicht nur, weil hier zur Weihnachtszeit der Striezelmarkt stattfindet, sondern weil der Platz so alt ist wie Dresden selbst. Der Altmarkt existierte bereits bei der ersten Erwähnung Dresdens im Jahr 1206 und war das Zentrum der Stadt. Dies erklärt sich dadurch, dass sich hier die Handelsrouten in Nord-SüdRichtung, heute noch die Prager Stra-

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”Florence fulfils all my expectations, which were so fueled by all those exultant travel reports. Dresden is known as the German Florence, which however does not honour it to the full. Dresden’s location as well as the city itself are far more beautiful. The Arno is a dirty, unsightly river which pales in comparison with the majesty of the Elbe. The four bridges which cross the river and join together the two halves of the city are solid and strong, but by no means as elegant as those in Dresden. Florence does not have such beautiful buildings either, nor does it have such beautiful squares as Dresden, and only exceeds her in wealth and artworks.” Louis Spohr, 1816

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resden is without a shadow of a doubt one of the most beautiful cities Germany has to offer. The Florence of the Elbe, as the city is known, is only a two hour drive from Berlin and so is perfect for a weekend trip. And not only in summer either, but also in autumn and winter when the famous delicious fruity “Dresdener Christstollen” cake fills the market stalls on Striezelmarkt and the shelves of the city’s bakeries. This time we had a BMW at our disposal for our weekend trip, not a classic limousine but a 530 GT diesel. Originally the term GT or Gran Tourismo, Gran Turismo or Grand Touring meant a motorised vehicle, which was comfortably fitted out for long distance driving. The engineers at BMW have stuck with this tradition and closed an interesting gap between limousine and SUV. Even though the back of the 5 series may take a little getting used to for some first timers, the tailgate of this vehicle soon becomes a very welcome feature to all. It opens electrically at the push of a button and has no problem accommodating bulky objects. The fact that the rear seats can be pulled forward by up to ten centimetres also means that you get the storage capacity of an estate in the boot. We were sure to attract a lot of interested onlookers as we cruised into Dresden’s city centre, although it should perhaps be mentioned at this point that there are indeed two of them, both of which are better explored on foot. Dresden’s centre is of course divided by the river Elbe. To the north there is the Neustadt or New Town which is actually the older part of the city but was rebuilt following a fire. And to the south of the river is the Altstadt or Old Town. Both parts of Dresden have an historic core, but most of the sights are to be found on the Old Town side of the city.

Altmarkt and the Kreuzkirche We began our stroll through Dresden at the Altmarkt, not only because this is where the Striezelmarkt takes place dur-

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ße, mit denen in Ost-West-Richtung kreuzten. Das auffälligste Gebäude am Altmarkt ist die Kreuzkirche, die älteste Kirche in Dresden. 1760 wurde sie in der jetzt zu sehenden barocken Fassung erbaut. In der Kreuzkirche singt jeden Samstag um 18 Uhr (im Winter um 17 Uhr) zur Kreuzvesper der Dresdner Kreuzchor, insofern er nicht gerade auf Tourneen im In- und Ausland unterwegs ist. Der Dresdner Knabenchor kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken und pflegt vor allem die große Dresdner Kirchenmusiktradition des 17. Jahrhunderts. Am nördlichen Rand des Altmarktes liegt der in den sechziger Jahren eröffnete Kulturpalast, ein Festsaal mit 2.400 Plätzen und Heimstatt der Dresdner Philharmonie. Alljährlich finden hier zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen statt Zwischen Altmarkt und Kulturpalast verläuft die Wilsdruffer Straße, die zu den Haupteinkaufsstraßen Dresdens gehörte. Bis zur Zerstörung Dresdens

in den Bombennächten am 13. und 14. Februar 1945 standen hier das Hotel und Restaurant „Goldener Engel“ und die „Löwenapotheke“. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die an der Südseite der Straße stehenden Bürgerhäuser abgerissen und große Warenund Geschäftshäuser gebaut.

Frauenkirche Das Stadtmuseum, das 1770 im Stil des Barock als Tagungsstätte der Sächsischen Landstände errichtet wurde, und das Polizeipräsidium passierend, gelangen wir auf den Neumarkt und die ihn dominierende Frauenkirche. Zwischen 1726 und 1743 nach Entwürfen George Bährs errichtet gilt sie als die bedeutendste protestantische Kirche Deutschlands. Dieser Kirche war keine große Zukunft vorausgesagt, wurde sie ja in unmittelbarer Elbnähe auf sumpfigen Boden errichtet. Dennoch trotzte sie allen Kriegen und so zunächst auch dem Bombenangriff auf Dresden, bis sie ausgebrannt am Folgetag in sich zusammenbrach.

ing the Christmas period, but because the square is as old as Dresden itself. The Altmarkt was already here and formed the centre of the town when Dresden was founded in 1206. This is explained by the fact that here the trade routes running in a north-south direction, today’s Prager Straße, crossed those running east-west. The most outstanding building on the Altmarkt is the Kreuzkirche, the oldest church in Dresden. It was built as it stands currently with its Baroque facade in 1760. Every Saturday at 6 o’clock (5 o’ clock in winter) the church’s choir, the Dresdener Kreuzchor sing here at vespers, that is if they are not on tour somewhere in Germany or abroad. The Dresden Boys’ Choir can look back upon a 500 year tradition and first and foremost upholds Dresden’s great tradition of 17th century church music. On the northern edge of the Altmarkt square lies the Kulturpalast first opened in the sixties. This is a festival hall for up to 2,400 people and home to the Dresden Philharmonic, and every year numerous concerts and events take place here. Between the Altmarkt and the Kulturpalast is Wilsdruffer Straße, one of Dresden’s main shopping streets. Up until the city’s destruction during the bombing raids of the nights of the 13th and 14th February, 1945 this was the location of the hotel and restaurant “Goldener Engel” and the “Löwenapotheke”.

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Baumeister Bähr hat bei dem Entwurf der Kuppel an eine Glocke gedacht. So denn auch der Beiname des eindrucksvollen Gotteshauses: „Steinerne Glocke“. Erst sechzig Jahre nach Kriegsende konnte der jahrelange Wiederaufbau der Kirche ausschließlich durch Spendenbeiträge abgeschlossen werden.

Coselpalais und August der Starke Auch das Coselpalais nebenan wurde mit seiner Barockfassade wiederaufgebaut. Sein Name erinnert an die Geliebte August des Starken. Das Palais selbst geht auf den gemeinsamen Sohn Augusts des Starken und der Gräfin von Cosel, Graf Friedrich August von Cosel, zurück, der das Palais bauen ließ. Dresden ohne August den Starken wäre in seiner jetzigen Form nicht denkbar gewesen. Eine Zeitlang durchaus umstritten, sehen ihn Kulturwissenschaftler inzwischen als „großen Europäer“, Kunstgeschichtler rühmen seine Verdienste um die Architektur und den Aufbau des Museumswesens, Histo-

riker seine Politik der Diplomatie und Wirtschaftsexperten den Aufbau einer Infrastruktur in Sachsen, die noch bis heute fortlebt. Nicht zuletzt die Bewohner und Besucher Dresdens sind beeindruckt von seinem Wirken. Denn erst August machte die Residenzstadt zu dem, was sie heute so attraktiv macht: eine Perle des Barocks, ein Zentrum der Künste und der Musik. Er wirkte an den Plänen zum Wiederaufbau der 1685 abgebrannten Dresdner Neustadt und zum Bau des heute berühmten Zwingers mit. Er forderte und förderte Friedrich Böttger, 1706 das europäische Porzellan zu erfinden und begründete die Meißner Porzellanmanufaktur. Auch Bergbau, Hüttenwesen, Landwirtschaft, Handel und Handwerk erlebten unter August einen großen Aufschwung. Er teilte die kurfürstliche Kunstkammer in sinnvolle Einheiten auf, machte erstmals Teile davon öffentlich und war somit einer der ersten neuzeitlichen Museumsgründer. Mit großem Aufwand bereicherte er diese Sammlungen um zahlreiche und prachtvolle Kunstwerke. Und überall ließ er den Stolz über sein Königtum, er war Kurfürst in Sachsen und König von Polen, in Form von polnischen Adlern und Königskronen zum Ausdruck bringen, so zu sehen im Zwinger und im Grünen Gewölbe. Unzählig die Anekdoten, die über August erzählt werden. Vor allem die Verhältnisse mit seinen Mätressen haben die Phantasie beflügelt. 365 Kinder soll August der Starke in die Welt gesetzt haben - eine preußische Legende, konnte man doch im nördlichen Nachbarland mit Augusts „Lebenslust und Kunstgenuss“ nur wenig anfangen.

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Touristinformation im Kulturpalast Wilsdruffer Straße, gegenüber dem Altmarkt. Öffnungszeiten April - Dezember: Mo. bis Fr.: 10 bis 19 Uhr Sa.: 10 bis 18 Uhr So./Feiertag: 10 bis 15 Uhr Öffnungszeiten Januar - März: Mo. bis Fr.: 10 bis 18 Uhr Sa.: 10 bis 16 Uhr So./Feiertag: 10 bis 14 Uhr

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How to get to By Car Dresden can be reached directly on two motorways: The A 4 approaches the city from the West (Cologne-Eisenach-Chemnitz), and the A 13 from the North (Rostock-Berlin). By train The German railway network links Dresden with all major German and European destinations. Trains to and from Dresden arrive at and depart from the stations the main station “Dresden-Hauptbahnhof” and “Dresden-Neustadt”, the trains frequently stop in both stations. The main station “Dresden-Hauptbahnhof “is located at the southern end of the city centre. The Dresden-Neustadt station, which is situated across the river Elbe, is connected to the city centre by two tram routes. Both stations offer numerous options to change to Dresden’s local public transport: trams, buses and suburban rail services run at regular short intervals.

Das unglückliche Ende der Verbindung zur Gräfin Cosel hat Romanschreiber und Filmemacher inspiriert. Hufeisen soll August zerbrochen haben. Sein kraftvoller Daumenabdruck im Geländer der Brühlschen Terrasse darf bei keiner Stadtführung fehlen – allerdings ist das Geländer erst 10 Jahre nach Augusts Tod angebracht worden ... Immerhin, dank seiner Körperkräfte ging August als „der Starke“ in die Geschichte ein. Als er im August 1733 in Warschau starb, wurde er nur wenige Meter unterhalb der Krönungsstelle im Krakauer Wawel – Dom begraben. Sein Herz allerdings, das immer für Dresden schlug, wurde auf seinen Wunsch hin nach Dresden gebracht und wird in der Gruft der Hofkirche aufbewahrt.

Brühlsche Terrassen Im Prinzip, so könnte man sagen, stolpert man in Dresden von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Die Brühlsche Terrasse, ein Rest der Stadtbefestigung ist der schönste und sehenswerteste Abschnitt des Dresdner Elbufers. Benannt wurden die Terrassen nach dem Grafen Heinrich von Brühl, der als Premierminister unter dem Sohn August des Starken, Friedrich August II., hier sein Domizil hatte. Er galt als einer der reichsten Männer in Sachsen. Ein Rundgang führt in die unterirdischen Kasematten der Terrassen, gleichzeitig bietet sie einen herrlichen Ausblick auf die Kathedrale und die Semperoper sowie über die Elbe hinweg zur Dresdner Neustadt. Elbaufwärts bis zu den Loschwitzer Höhen mit der wohl

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bekanntesten Elbbrücke, dem Blauen Wunder und elbabwärts bis zu den Radebeuler Weinhängen. Auch deshalb wird sie gern als der Balkon Europas bezeichnet. Zu den wichtigsten Gebäuden an der Brühlschen Terrasse zählen das Ständehaus, in dem jetzt das Oberlandesgericht sitzt, die Sekundogenitur als Haus der zweitgeborenen Thronerben, die Kunstakademie, in dem die Hochschule für Bildende Künste ihren Sitz hat und das Albertinum, das frühere Arsenal und heutiger Sitz der Staatlichen Kunstsammlungen.

Zwinger, Semperoper und Schloss An der Auffahrt zur Augustusbrücke gehen Schlossplatz und Theaterplatz ineinander über. An beiden Plätzen findet man die herrschaftlichen Gebäude Dresdens. So wird der Theaterplatz dominiert durch die Semperoper, davor dem Reiterdenkmal König Johanns, links davon dem Zwinger, gegenüber der Schlossanlage und der Hofkirche. Ein in sich geschlossenes Ensemble.

As early as the beginning of the 20th century the town houses on the southside began being demolished to make way for large department stores and business premises.

Frauenkirche Passing the city’s museum, which was build in the Baroque style in 1770 as a meeting place for Saxony’s landed gentry, and the police headquarters we found our way to the Neumarkt dominated by the Frauenkirche. Erected between 1726 and 1743 according to the plans of Georg Bährs, it is considered to be the most important protestant church in Germany. The church was at the time not thought to have much of a future as it was built on marshy ground close to the river Elbe. Nevertheless it survived all wars as it did the bombing raids initially, only burning down the following day and finally collapsing. The architect Bähr had in mind a bell when designing the dome, which explains the building’s sobriquet, “Stone Bell”. It was only sixty years after the end of the war that the church could finally be rebuilt thanks solely to donations.

Coselpalais and August the Strong The Coselpalais too next door with its Baroque facade has been restored. Its name is recalls of August the Strong mistress. The palace itself was actually commissioned by the son of August the Strong and the Countess von Cosel, Count Friedrich August von Cosel. Dresden in its present form without August the Strong is simply unthinkable. Although a controversial figure for some time, he is now viewed by many cultural historians as a “Great European”. Art historians rave about his achievements in the fields of architecture and the expansion of museums, historians praise his diplomatic policies and economists his construction of Saxony’s infrastructure which is still with us today. Finally Dresden’s inhabitants and visitors are also impressed by his works. After all August made the Residenzstadt and the things that make it so attractive today, a pearl of the Baroque period, and a centre of the arts and music. He was instrumental in the planning of the rebuilding of Dresden’s Neustadt in 1685 following a fire which destroyed it, as he was in the building of the famous Zwinger too. He supported Friedrich Böttger who discovered European porcelain in 1706 and founded the Meissen Porcelain Works. Mining, metallurgy, agriculture, trade and the crafts all experienced a surge under August to

Der Dresdner Zwinger, gebaut als Festplatz im Auftrag August des Starken für die Hochzeit seines Sohnes, ist eine einzigartige Barockanlage, gebaut aus sächsischem Sandstein. Das Kronentor auf der gegenüberliegenden Seite der Sempergalerie gilt als eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Dresdens.

He divided the royal arts guild into more easily managed units and opened parts of them to the public for the first time making him the very first museum founder of the new age. He enriched these collection with a great many and important pieces of art. He displayed everywhere his pride for his kingdom in the form of the Polish Eagles and king’s crowns, for he was Grand Duke of Saxony and King of Poland. These symbols are still to be seen today in the Zwinger and Grünen Gewölbe.

Doch zurück zum Theaterplatz, dessen Name sich auf die Semperoper bezieht. Bekannt ist die Semperoper, gebaut von Gottfried Semper, für ihre Fassade, leicht bogenförmig errichtet und

There are numerous anecdotes about August. It is above all his relationships with his mistresses which give flight to many a fantasy. It is said that August the Strong fathered 365 children. This is a Prussian legend as his neighbours to the north had little understanding of his flair and love of art.

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LIFESTYLE

mit einem Portal, das mit einer Quadriga besetzt ist. Die feinsinnige Architektur und besondere Akustik machen die Dresdner Semperoper zu einem der Höhepunkte der Theaterarchitektur des 19. Jahrhunderts, Musikkritiker sagen, dass die Semperoper neben Mailand und Sydney zu den besten Opernhäusern des Erdballes gehöre. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Oper zwischen 1977 und 1985 in originalgetreuer Form wieder aufgebaut und erhielt ihre bildkünstlerische Dekoration und Ornamentik zurück.

Das Taschenbergpalais Wie gesagt, es gibt viel zu sehen in Dresden, sei es die Altstädter Wache oder das Taschenbergpalais. Letzteres ist zweifellos einer der wertvollsten Palaisbauten in Dresden und vereinigt in sich die verschiedenen Entwicklungsstufen der Dresdner Architektur des 18. Jahrhunderts in hoher Qualität des Details und einer vollendeten Gesamtgestaltung. Seinen Namen erhielt das Palais von einer Anhöhe mit dem Namen Taschenberg, an deren südlicher Seite das Palais ursprünglich einmal errichtet wurde. Das Hauptgebäude des Palais entstand zwischen 1705 und 1708. August der Starke ließ es für seine Geliebte Anna Constanzia Reichsgräfin von Cosel errichten. Als Architekten waren die Oberlandbaumeister Beyer und Karcher, aber auch der Schöpfer des Zwingers, Mattheus Daniel Pöppelmann, tätig. Nicht immer währt Freundschaft und Liebe ewig, und so kam es auch bei August dem Starken. Die Gräfin Cosel fiel in Ungnade. Angeblich hat sie sich zuviel in die Geschäfte Augusts eingemischt und hinter seinem Rücken ihr eigenes Süppchen gekocht. Sie wurde auf die Burg Stolpen verbannt und August ließ das Palais zwischen 1718 und 1719 zur Thronfolgerresidenz umgestalten. Nach dem Tod von August wurden – während der Regierung von Friedrich August II – weitere Veränderungen vorgenommen. Er ließ das Haus für seine älteren Söhne einrichten, aber 1746 wurde das Palais wieder zur Thronfolgerresidenz bestimmt. In den folgenden Jahren statteten zahlreiche Künstler und Kunsthandwerker

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das Palais teilweise neu aus. Trotzdem entsprachen die räumlichen Gegebenheiten nicht mehr den Wünschen des Kurprinzen Friedrich Christian und der Kurprinzessin Maria Antonia. Deren Vorstellungen folgend nahm man in den Jahren 1756 bis 1771 eine letzte, wesentliche Erweiterung vor. Nach Entwürfen des Oberlandbaumeisters Julius Heinrich Schwarze wurden diese Umbauten mit der Gestaltung des großen Innenhof und des östlichen Ehrenhofes abgeschlossen. 1763 war das Taschenbergpalais Residenz des nunmehrigen Kurfürsten Friedrich Christian geworden. Nach dessen frühen Tod blieb es weiter der Wohnsitz der Kurfürstenwitwe Maria Antonia. Wie die gesamte Dresdner Innenstadt wurde auch das Taschenbergpalais in der Bombennacht des 13. Februar 1945 völlig zerstört. Es blieben nur Mauerreste stehen, die 48 Jahre lang ein Ruinengrundstück prägten. Im Februar 1993 begannen Investoren mit dem Wiederaufbau des Palais, das zukünftig als Hotel genutzt werden sollte, mit denkmalpflegerischer Akribie. Dabei legten die Bauherren größten Wert darauf, soviel originale Bausubstanz wie nur irgend möglich in den Wiederaufbau einzubringen. Hierzu zählen beispielsweise auch Kellergewölbe aus dem 13. Jahrhundert. Von diesen Gewölben, die noch vor dem Bau des ursprünglichen Palais einmal hier standen, wußte niemand etwas und dementsprechend groß war die Überraschung - für den Investor wie auch für die Denkmalpflegebehörde. Diese Kellergewölbe sind heute ein Teil des Sophienkellers, eine der gastrono-

The unhappy end to his ties with Countess Cosel has inspired many an author and filmmaker. It is said that August could break a horseshoe, and his mighty thumbprint in the iron railings of the Brühl’s terrace is a must on any tour of the city, though it has to be said that they were installed some ten years after August’s death. Nevertheless August went down in history as “the Strong” thanks to his immense physical strength. When August died in 1733 in Warsaw he was buried only a few metres under the coronation site in Krakow’s Wewel Cathedral. His heart however always beat for Dresden, which is why this was brought to the city and is kept in a crypt in the Hofkirche.

Brühl‘s Terrace In principle you could say that you stumble from one historic sight to the next in Dresden. Brühl’s Terrace, remains of the city’s fortifications offers the most spectacular views of Dresden’s banks of the Elbe. The terrace was named after Count Heinrich von Brühl, who as Prime Minister under August the Strong’s son, Friedrich August II resided here. He was considered to be one of Saxony’s richest men. A tour takes you to the terrace’s underground casemates, while at the same time offering you a fantastic view over the cathedral and the Semperoper as well as of the Elbe and the Neustadt. Upriver they stretch to the Loschwitzer Höhen with the most famous of the Elbe’s bridges, Blauen Wunder or Blue Wonder, and downstream to the Radebeul wine slopes. For this reason it is often referred to as “The Balcony of Europe”. Among the most important buildings on Brühl’s Terrace is Ständehaus in which the high court now sits, the Acadamy of Fine Arts which houses the university and the Albertinum, the former arsenal now home to the state’s art collection.

Zwinger, Semper Opera and Palace On the way up to the Augustbrücke the Schlossplatz and Theaterplatz merge in to one. On both of these squares you will find Dresden’s most stately buildings. The Theaterplatz is dominated by the Semperoper, in front of which is the monument of King Johann on horseback, and left of it the Zwinger opposite the palace and the Hofkirche, a unified ensemble. Dresden’s Zwinger, commissioned by August the Strong as a festival ground for his son’s wedding, is the only Baroque piece of architecture to be built out of Saxon sandstone. The corner gate on the opposite side of the Sempergalarie is also one of Dresden’s best loved sights.

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Unsere Empfehlung: Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden Taschenberg 3 01067 Dresden, Germany Tel.: 0351 49 12 606 Fax: 0351 49 12 646 www.kempinski.com/dresden

mischen Einrichtungen des Hauses. Ferner wurden die Reste der barocken Umfassungsmauern erhalten. Bemerkenswert sind die Brunnen in den Ehrenhöfen sowie die Kreuzgewölbe im Erdgeschoß des Haupthauses. Originalgetreu wurden auch die barocken Treppenhäuser wiederhergestellt. Die kulturhistorisch bedeutsamen Grundrissstrukturen wurden wieder aufgenommen und in die Hotelfunktion – wo immer möglich – integriert. Nach weniger als zwei Jahren Bauzeit konnte das Taschenbergpalais 1995 als Hotel Taschenbergpalais Kempinski eröffnet werden und umfasst heute in vier unterirdischen und fünf oberirdischen geschossen 34.000 qm Fläche. 183 Zimmer und 32 Suiten sowie Tagungsräume und hochwertige gastronomische Einrichtungen wurden geschaffen. Mit einer überwiegenden Deckenhöhe von 4,80 Metern und einer durchschnittlichen Zimmergröße von rund 50 Quadratmetern sind sie die großzügigsten in der Stadt. Die modernen Möbel wurden bewusst im Kontrast zum barocken Baukörper gewählt. Rotes Ulmenholz und königsblaue Stoffe setzen Farbakzente. Alle Zimmer verfügen über Klimaanlage, TV, Radio, drei Telefone, Fax- und PC-Anschlüsse, ISDN-Anlage, W-Lan, Schreibtisch, Zimmersafe und Minibar. Die Bäder mit poliertem schwarzen Granit, Badewanne und teilweise getrennter

Dusche, Bidet und separatem WC sind außergewöhnlich großzügig. Von vielen Zimmern bietet sich ein atemberaubender Blick auf das historische Dresden mit Semperoper, Schloss, Theaterplatz und Zwinger. Ein wahres Kleinod ist die 360 Quadratmeter große Kronprinzensuite mit ihren vier Schlafzimmern, zwei Salons und einer imposanten Deckenhöhe von beinahe fünf Metern. Kein Wunder, dass das Hotel immer wieder viel Prominenz anzieht. So übernachtete der amerikanische Präsident Barack Obama während seines Besuches in Deutschland im Juni des vergangenen Jahres hier. Doch auch andere gekrönte und ungekrönte Häupter haben hier schon übernachtet, so etwa Horst Köhler, Wladimir Wladimirowitsch Putin, Jacques Chirac, Helmut Schmidt sowie Gerhard Schröder, die Königin von Dänemark Margrethe II., Beatrix Königin der Niederlande, Fürst Albert II. von Monaco, und auch Udo Jürgens, Günter Grass, Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk, Karl Lagerfeld und Anna Jurjewna Netrebko haben sich ins Gästebuch des Hotels eingetragen.

But back to the Theaterplatz, whose name is not connect to the Semper Opera. The Semperoper built by Gottfried Semper is famous for its facade, slightly bow-shaped with a portal boasting a quadriga. The delicate architecture and particular acoustics make the Semper Opera the pinnacle of 19th century music architecture, and music critics say that, along with Milan and Sydney, it is one of the world’s best opera houses. After being destroyed during the Second World War it was eventually rebuilt in its original form together with its artistic decorations and ornamentations between 1977 and 1985.

The Taschenberg Palace As has already been said, there is a lot to see in Dresden, whether it be the Altstädter Wache or the Taschenbergpalais. The second of the two is without a doubt one of the most valuable palaces in Dresden and unites various degrees of development of Dresden’s 18th century architecture with high quality of detail and perfect overall finish. The palace owes its name to a hill named Taschenburg upon which the palace was originally constructed. The palace’s main building was erected between 1705 and 1708 by August the Strong in honour of his beloved Anna Countess von Cosel. The architects were the master builders Beyer und Karcher, but also the designer of the Zwinger, Mattheus Daniel Pöppelmann had a hand in the work. Love and friendship are not always eternal, and this was the case with August the Strong too. The Countess Cosel fell from grace. She is said to have poked her nose too often into the business affairs of August too much and began to do her own thing behind his back. She was burnt at Burg Stolpen, and August had the palace refurbished as a royal residence between 1718 and 1719. Following August’s death and during the reign of Friedrich August II further changes were made. He had the house fitted out for his eldest son, but the palace returned to being a royal seat again in 1746. Over the following years a great many artists and craftsmen refurbished the palace, but despite this the building did not meet the wishes of Prince Friedrich Christian and Princess Maria Antonia. As a result the last great changes took place in the years between 1756 and 1771. Following plans by Julius Heinrich Schwarze work on the large courtyard was completed. In 1763 the Taschenberg Palace became the residence of Prince Friedrich Christian, and after his early death the home of his widow, Maria Antonia. As was the case with the whole of Dresden’s city centre, the Taschenberg Palace was also completely destroyed by the bombing raid of the night of 13th February. Only the remains of the walls were left standing which remained in ruins for the next forty-five years.

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LIFESTYLE

Selbstverständlich werden Gaumenfreuden im Taschenpergpalais groß geschrieben. Gäste haben die Wahl zwischen neun verschiedenen Restaurants und Bars. Leicht und mediterran präsentiert sich die Küche im Fine-Dining-Restaurant „Intermezzo“ – dem Treffpunkt vieler Feinschmecker. Lässiges Savoir Vivre verströmt das legere „Palais Bistro“ mit seinem unkonventionellen Interieur und der französisch inspirierten Küche. Ein Traum im Sommer ist die Bistro-Terrasse mit Blick auf die Frauenkirche. Klassisches Bar-Ambiente mit schweren Ledersesseln und dunklen Hölzern kann man in der „Karl May Bar“ erleben – dazu auch die wohl umfangreichste Whiskey-Karte der Stadt. Ein absolutes Muss ist ein Besuch im „Café Vestibül“: Zu Füßen der legendären Prachttreppe des Barockbaumeisters Pöppelmann erwartet die Besucher feinste sächsische Patisseriekunst. Perfekt für den schnellen Espresso zwischendurch ist das italienische Café „Solino“ mit seinen authentischen, mediterranen

Snacks. Von der „Apotheke“ aus, die im Stil einer alten Apotheke eingerichtet ist und die vom Sophienkeller mit bewirtschaftet wird, hat man einen sagenhaften Zwingerblick erleben. Bodenständige bayerische Gerichte und frisch gezapfte Biere werden im rustikalen Ambiente des „Paulaner’s“ serviert. Eine Besonderheit ist das Erlebnisrestaurant „Sophienkeller“ im historischen Kellergewölbe. In authentischem Ambiente aus der Zeit August des Starken werden die Gäste bei deftigen Speisen von historisch gekleideten Darstellern wie Reichsgräfin Cosel und allerlei „Künstlervolk“ auf amüsante Art und Weise unterhalten. Bereits im Jahr seiner Eröffnung wurde das Taschenbergpalais zum „Besten Hotel in den neuen Bundesländern“, zum „Besten neuen Hotel in Deutschland“ und als einziges Hotel der neuen Länder unter die TOP 20 der deutschen Hotels gewählt. 1998 wurde es gemäß der „Deutschen Hotelklassifizierung“ der Dehoga als erstes 5-Sterne Hotel in Sachsen und von den Lesern des Feinschmeckers als drittbestes Grandhotel in Deutschland ausgezeichnet eine Auszeichnung, die 1999 und 2000 wiederholt wurde.

Schloss Und dann ist da noch das Schloss, das durch den Georgenbau dominiert ist und aus vielen Flügeln in unterschiedlichen Baustilen besteht. Sehenswert hier der Hausmannturm, von dem man einen guten Blick über Dresden hat, und

In February 1993 investors began with the rebuilding of the palace which was planned as a hotel in the future. The owners do however put great emphasis on maintaining original parts of the building wherever possible. This includes the cellars from the 13th century. No one knew about these, which stood here before the original palace was built, and were a resulting big surprise both for the owner and the authorities upon their excavation. The cellars are today part of the Sophienkeller, one of the building’s restaurants. The remains of the Baroque facade have also been maintained. The fountains in the courtyard and the crossed vaults on the ground floor are particularly noteworthy. The Baroque staircases were also rebuilt true to the original, and the historical and culturally important ground plan has been incorporated wherever possible into the hotel’s structure. After only two years of building work the Taschenberg Palace reopened its doors in 1995 as the Taschenbergpalais Hotel and now cover a total area of 34,000 sq. metres on four underground and five above ground floors with 183 rooms and 32 suites as well as conference facilities and high quality restaurants. With a ceiling height of generally 4.8 meters and an average room size of 50 sq. metres they are the most generous the city has to offer. The modern furniture was deliberately chosen to contrast with the Baroque building. Red elm wood and royal blue fabrics set the tone. All the rooms are equipped with air-conditioning, TV, radio, three telephones, fax, pc connections, ISDN, W-LAN, desk, safe and minibar. The bathrooms are in polished black granite with bath and often separate shower, bidet and separate WC. Many of the rooms afford breathtaking views over historic Dresden, the Semper Opera, Palace, Theaterplatz and Zwinger. Truly spectacular is the Royal Prince Suit with four bedrooms, two living rooms and an impressive ceiling height of nearly five metres. No wonder that the hotel is often a magnate for distinguished people with American President Barack Obama staying here during his visit to Germany in July of last year. But other heads, both with and without crowns, have rested here too including Horst Köhler, Vladimir Vladimirowitsch Putin, Jacques Chirac, Helmut Schmidt as well as Gerhard Schröder, the Queen of Denmark Margrethe II, Beatrix Queen of the Netherlands, Prince Albert II. of Monaco, not to mention Udo Jürgens. Günter Grass, Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk, Karl Lagerfeld and Anna Jurjewna Netrebko have all left their names in the hotel’s guestbook. It goes without saying that gourmet delicacy are also important in the Taschenbergpalais. Guest have the choice between nine different restaurants and bars. The food of the Fine-Dining-Restaurant “Intermezzo“ is light and Mediterranean and is a meeting point for many a gourmet. Savoir vivre is omnipresent in the laid back “Palais Bistro“ with its unconventional interior and French inspired cuisine. The bistro’s terrace is a dream in summer with it views of the Frauenkirche. Classic bar ambiance is to found in the “Karl May Bar” with its leather chairs and dark woods. It also happens to house the city’s largest whisky selection. A visit to “Café Vestibül“ is an absolute must. Saxony’s finest pastries are to be found at the foot of the legendary steps created by the Baroque master builder, Pöppelmann. The Italian cafe “Solino” is the perfect place for a quick Espresso on the go and offers authentic Mediterranean snacks. From the “Apotheke” which is furnished like a pharmacy and run by the Sophienkeller, there is a wonderful view of the Zwinger. “Paulaner’s“ serves fresh beers and wholesome Bavarian food in a rustic atmosphere. Something special on the other hand is the event restaurant, ”Sophienkeller“ in the historic cellar vaults. In this authentic

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atmosphere dating back to the time of August the Strong guests are served hearty meals by historically waiters in period costume proving delightful and amusing. The Taschenbergpalais was even voted ”Best Hotel in the New States“ and “Best New Hotel in Germany” in its first year after opening. It is also the only hotel in the new states to be ranked in the top 20 of Germany’s best hotels. In 1998 it was, according to the “German Hotel Classification“ Dehoga, selected by the readers of the Feinschmecker magazine the third best Grand Hotel in Germany, an award it won again in 1999 and 2000.

Palace

der zum Schloss gehörende Stallhof. Der Stallhof war im späten 16. Jahrhundert Austragungsort für Ritterturniere. Der Lange Gang, die Front des Gebäudes, ist durch seine 22 Säulen bekannt und gehört zu den wichtigsten Renaissancebauwerken in Dresden. Auf der Rückseite befindet sich ein weiteres Wahrzeichen Dresdens, der Fürstenzug. Dieser befindet sich an der Augustusstraße, die den Theaterplatz mit dem Neumarkt verbindet. Im Fürstenzug sind auf rund 24.000 Fliesen auf Meissner Porzellans die Ahnenlinie der Wettiner dargestellt. Unter ihnen finden sich 35 Markgrafen, Fürsten und Könige, begleitet von 58 Künstlern, Wissenschaftlern und Bürgern, die auf den Porzellanfliesen verewigt sind. Der Maler selbst schaut am Ende aus dem Bild „heraus“.

Meissen beliebtes Ausflugsziel Apropos Meissen: Natürlich lohnt sich nicht nur Dresden für einen Wochenendausflug, auch das nahe gelegene Meissen ist einen Besuch wert. Sehenswert in dieser mittelalterlichen Stadt sind die Burg, hier laborierte Böttger an der Entdeckung des Porzellans, sowie die Porzellanmanufaktur. Wir machen auf unserer Rückfahrt nach Berlin hier Station. Der 530 GT von BMW bringt uns in bequemer Fahrt dorthin. Fein verarbeitete Tech-

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nik, sehr gediegen, manchmal mag man fast glauben, man befindet sich in einem Auto der 7er Klasse. Auffallend, man sitzt zwar nicht so hoch wie in einem SUV, jedoch immer noch so, dass man sich gegenüber anderen Limousinen erhöht vorkommt. Vor allem Menschen über 1,85m Körpergröße werden die Luft nach oben, den die Ingenieure bei der Konstruktion des Autos vom Kopf bis zum Wagendach gelassen haben, zu schätzen wissen. Überraschend übrigens, wie agil und leicht der 2-Tonner zu bewegen ist. Die hintere Sitzbank – selten übrigens, dass es zwischen vorderem und hinterem Sitzkomfort fast keinen Unterschied gibt – besteht aus drei Teilen, jedes für sich einzeln verschieb- und in der Lehnenneigung verstellbar. Wenn man auf den Mittelsitz auf der hinteren Rückbank verzichtet, dann hat man hinten sogar fast ein wenig mehr Komfort. Unser 530d ist das Einstiegsmodell für die Baureihe. Mit 180 kW/245 PS und drei Litern Hubraum fährt man mit ihm rund 240 km/h Spitze. Bei unserer Tour verbrauchte er im kombinierten Verkehr zwischen 7,8 und 8,3 Litern auf Hundert Kilometern, was das Auto bei der Motorisierung fast zu einem Sparriesen macht. Etwas stärker motorisiert ist der 535i mit drei Litern Hubraum und 225 kW/306 PS. Spitzenmodell ist der 550i mit acht Zylindermotor, 4,4 Liter Hubraum und 300 kW/407 PS.

And then there is the palace dominated by the Georgenbau and made up of various wings and styles. Sights worth seeing here are the Hausmannturm from which there is again a wonderful view over Dresden, and the palace’s Stallhof. The Stallhof was the location of equestrian events and was built in the late 16th century. Der Lange Gang, the front of the building is famous for its 22 pillars and is one of Dresden’s most important Renaissance buildings. At the rear there is another of Dresden’s famous sights, the “Fürstenzug” on the Auguststraße which connects the Theaterplatz with the Neumarkt. In the Fürstenzug you will find the blood line of the Wettiner depicted on some 24,000 tiles made out of Meissen China. They contain 35 margraves, princes and kings, together with 58 artists, scientists and other citizens. At the end the artist himself looks at you out of the picture.

Meissen: A favourite excursion destination Speaking of Meissen... not only is Dresden is worth a weekend visit, also the nearby Meissen is an attraction. Here in this medieval town you should take a look at the castle where Böttger worked on the discovery of porcelain and the porcelain factory itself. We dropped by on our way back to Berlin. BMW’s 530 GT transported us there in complete comfort. The car’s state of the art engineered technology is very refined and you almost have the feeling you are sitting in a 7 series. You do notice that you are not sitting as high as you would be in a SUV but still fell higher up than other limousines. Above all people taller than 1.85 metres will enjoy the headroom that the designers have incorporated into the vehicle. By the way it is really surprising how agile the car is considering its two tonnes. The rear seat, and it is a rare thing that there is little difference between back and front, is in three sections, each of which is individually adjustable. If you can do without the middle rear seat it becomes even more comfortable. Our 530d is the basic model in the series. With 180 KW/245 BHP and a capacity of three litres it speeds along at around 240 km/h. On our tour its overall consumption was between 7.8 and 8.3 litres for 100 kilometres, which makes a car with this powertrain almost economical. The 535i is more powerful and has a 3 litre capacity and 225KW/306 BHP, but the top model is the 550i with an eight cylinder engine, 4.4 litre capacity and 300KW/407 BHP.

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Palazzo mit neuem Programm im Spiegelpalast Unter dem Titel „Herzensbrecher & Gaumenkitzler“ startet Anfang November in Berlin die neue Spielzeit im Spiegelzelt PALAZZO. Der Erfolg des Gourmet-Theaters PALAZZO ist ungebrochen und auch in diesem Jahr laden der Spitzenkoch Christian Lohse, der einzige zweiSterne-Koch Berlins, und Hans-Peter Wodarz, der Erfinder der einzigartigen Verbindung zwischen Theater, Varieté und Gourmet zu einer neuen Show in den Spiegelpalast nach Berlin ein.

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ALAZZO präsentiert ein spektakuläres Potpourri von erstklassigen Künstlern von Weltrang, die mit einer rasanten wie poetischen Vorstellung voller Magie und akrobatischen Höchstleistungen die Berliner und ihre Gäste verzaubern. „Die Idee ist uralt, schon immer haben Menschen Essen und Unterhaltung miteinander verknüpft,“ erläutert Wodarz dem Diplomatischen Magazin.

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So gehört zu einem großen Fest zumindest Tanz immer dazu,“ meint der Koch, Gastronom und Veranstaltungsmanager. „Früher haben die Menschen manchmal drei, manchmal zehn Tage lang gefeiert. Nichts anderes machen wir – allerdings im kleiner rahmen – auch.“ Wodarz, der zahlreiche Formate im Bereich der Erlebnisgastronomie entwickelt hat, arbeitet auch in der neu-

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Das Menü 2010 von Christian Lohse Die Palazzo Vorspeisen: • Currygemüsemayonnaise mit knusprigem Scampo • Caponata von Auberginen und Basilikum mit geräuchertem Paprika • Moskowiter Rahmsalat von Gurken und Strauchtomaten mit Saiblingskaviar • Halbgeräuchertes Tatar vom St. Patrick Lachs mit Meerrettich und • geliertem Kaiser Wilhelm Apfel • Samtsuppe von Petersilienwurzeln mit gegrilltem Gamba

Der Palazzo Zwischengang: Knusprig gebackenes Onsenei, Stampf von gelben Erbsen mit geräuchertem Knollensellerie und Berliner grün‘ Soß

Der Palazzo Hauptgang: en Show wieder mit Christian Lohse zusammen. Lohse, der im „Fischers Fritz „im Regent in der Berliner Charlottenstraße kocht, hat das Menü kreiert und sorgt für entsprechende Qualität bei den lukullischen Genüssen. Feinste Mixturen aus erstklassigen Ingredienzien und edlen Komponenten sorgen für eine besondere Geschmackssymphonie und ein außergewöhnlich delikates Erleben Phantasievolle Artistik, gefühlvolle Musik und mitreisende Darbietungen wie Stepptanz und Trapezkunst sorgen für ein vielfältiges Programm und verspricht Unterhaltung vom Feinsten. Der Abend wird moderiert vom charmanten Trio „Lovely Bastards“und verspricht eine Varietéunterhaltung vom Feinsten.

Der Spiegelpalast Tiefe: 28 m Durchmesser: 22 m

Confit von der Ente mit Rahmwirsing, Jus von schwarzen Johannisbeeren und feinem Kartoffelpürée

Das Palazzo Dessert: Dulce di Leche von der Tagesmilch mit Stanleypflaumen

Nun das vegetarische Menü: Die Palazzo Vorspeisen: • Curygemüsemayonnaise mit knuspriger Avocado • Caponato von Auberginen und Basilikum mit geräuchertem Paprika • Moskowiter Rahmsalat von Gurken und Strauchtomaten mit Dill und Koriander • Kreolischer Salat von der Süßkartoffel mit Chili-Erdnussvinaigrette • Samtsuppe von Petersilienwurzeln mit Thymiancroûtons

Der Palazzo Zwischengang: Stampf von gelben Erbsen mit geräuchertem Knollensellerie, knusprigen Zucchini und Berliner grün‘ Soß

Der Palazzo Hauptgang: Feines Basilikumrisotto mit Ratatouille und Tomatenpesto

Das Palazzo Dessert: Dulce di Leche von der Tagesmilch mit Stanleypflaumen

Maximale Höhe: 8,50 m Gesamtfläche: 750,20 m2 Sitzplätze: 350

Tickets& Informationen www.palazzo.org PALAZZO-Ticket-Hotline 01805 - 388 883 [Mo-Fr 10-18 Uhr, 0,14€/Min. Mobilfunk max. 0,42€/Min.]

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LIFESTYLE

Kultur im September

2.09.2010 , 20.00 Uhr Premiere:

Yma - zu schön, um wahr zu sein Friedrichstadtpalast Berlin, Friedrichstraße 107, 10117 Berlin

03.09.2010 , 20.00 Uhr Premiere:

Zweifel von John Patrick Shanley; Bühnenfassung und Regie: Folke Braband Vaganten Bühne, Kantstraße 12a, 10623 Berlin

04.09.2010 , 19.30 Uhr

03.09.2010 bis 04.09.2010

11.09.2010 bis 12.09.2010

Pyronale 2010

Tag des offenen Denkmals 2010

Vor der imposanten Kulisse des Olympiastadions mit dem historischen Glockenturm bietet die Pyronale bereits zum 5. Mal Feuerwerkskunst der Weltklasse: Sechs internationale Mannschaften haben sich qualifiziert und wetteifern mit fantasievollen Kreationen und atemberaubenden Effekten um den Titel.

Ungewohnte Einblicke in historische Stätten und Monumente bietet der bundesweite Tag des offenen Denkmals. In Berlin führen Archäologen, Restauratoren und Denkmalpfleger gleich an zwei Tagen durch Museen, Schlösser oder Konzertsäle.

Olympiastadion / Maifeld, Glockenturmstr 14053 Berlin

diverse Orte Programm unter: www.stadtentwicklung. berlin.de/denkmal/denkmaltag

www.pyronale.biz

15.09.2010 bis 26.09.2010

05.09.2010 , 12.00-18.00 Uhr

10. Internationales Literaturfestival Berlin

VDP - Wein & Kunst Berlin Anläßlich des 100. Jubiläums des Verbands Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e.V. laden 200 VDP-Weingüter mit Verkostungen in über 70 Berliner Kunstgalerien zu einer Geburtstagsfeier der besonderen Art. Zwischen 12 und 18 Uhr können Besucher auf eigene Faust oder in Führungen die Vielfalt der Kunst und der Weine gemeinsam erkunden. Galerienhaus, Lindenstr. 35, 10969 Berlin www.vdp.de

Premiere:

Ein Sommernachtstraum nach William Shakespeare

Haus der Kulturen der Welt, John-ForsterDulles-Allee 10, 10557 Berlin, Programm unter www.literaturfestival.com

18.09.2010 , 20.00 Uhr Premiere:

Die Perle Anna von Marc Camoletti. Erleben Sie die Komödiantin Anita Kupsch in einer neuen Paraderolle!; Regie und Bühne: Marcus Ganser. Theater am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206-209, 10719 Berlin

26.09.2010

Deutsches Theater, Schumannstraße 13A, 10117 Berlin

37. real,- Berlin Marathon

04.09.2010 , 20.00 Uhr

Start: Straße des 17. Juni Details und Strecke unter: www.berlin-marathon.com

Premiere:

von 06.09.2010 bis 12.09.2010

Die Sorgen und die Macht

Berlin Music Week / Popkomm

Ein Stück über die Zukunft von gestern nach Peter Hacks Deutsches Theater, Schumannstraße 13 a, 10117 Berlin

03.09.2010 bis 08.09.2010

IFA 2010 Messe für Unterhaltungselektronik, Informations- sowie Kommunikationstechnik Messegelände, Messedamm 22, 14055 Berlin

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Diverse Veranstaltungsorte www.popkomm.de

10.09.2010 bis 11.09.2010

Berlin Festival 2010 Rockkonzerte im alten Hangar des Flughafen Tempelhof sowie unter freiem Himmel, u.a. Peaches, Adam Green, Fever Ray und Caribou.

26.09.2010 , 17.00 Uhr

Tip Mo p des nat s

Premiere:

Die Meistersinger von Nürnberg Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner; Inszenierung: Andreas Homoki; Chöre: Robert Heimann Komische Oper Berlin, Behrenstraße 55-57, 10117 Berlin

Flughafen Tempelhof www.berlinfestival.de

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LIFESTYLE

Hinterm Steuer eines Mythos „De Deut De uttschl uts hlan an nd n neu entdecken“ – unter diesem M tto gi Mo g b es e einee ex xklusive k Reise mit dem Porsche durc du rcch d diie sc schö höns hö nstte ns ten en Landschaften der Republik. Ein kl kleeiine ner Reeiseveranstalter hat diese Idee ausgehecckt und ist in eine Marktlücke g sttoßen ge oß ßen.. Im m Programm r gibt‘s aber nicht nur rasa ra sant ntte To T uren na auf uff schnellen Autobahnstrecken und ku und kurv rven en nreichen Landstraßen entlang gesc sch hich hich htsstr träc äcchttig iger g Orte. Die Gäste schwelgen auch au ch h in luku luku ku ull lllissch c een Genüssen und übernachten in exk klussiive ven H Ho otels. o Unser Autor Franz Isker hat den Fahrspaß begleitet.

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ndlich. An diesem Wochenende erfülle ich mir meinen Traum. Er verfolgt mich seit meiner Kindheit. Aber bisher blieb er leider unerfüllt. Denn ein bestimmter Teil davon war für mich immer ziemlich unerschwinglich: Der ist ganze 4163 Millimeter lang, 1300 Millimeter hoch und lässt sich antreiben von einem Motor mit sechs Zylindern. Es gibt Fans, die bezeichnen ihn schlicht „Neunelfer“. Ich nenne ihn: Porsche 911.

Stilvoll für Genießer Und jetzt wird’s wahr! Ich nehme Teil an einer viertägigen Rheinlandtour, die der Reisespezialist Leono Tours exklusiv für Gruppen von bis zu maximal zehn Personen anbietet. Geschäftsführerin Frauke Krummeich und ihr Mann Jürgen, beide seit jeher begeisterte Porschefahrer und Mitglieder im Porsche Club Rheinland, geben so ihre Liebe zu den rasanten Flitzern an interessierte

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Touristen weiter. Behaupten sie. Aber es funktioniert schon im Werbeflyer. Ich hätte mich auch für die „stilvolle Genießertour“ in den historischen Osten für Erkundungen von Berlin, Leipzig und Dresden entscheiden können. Auf mich und die anderen Teilnehmer warten: Entspannte und attraktive Kurvenstrecken und richtig Gas geben auf geradem Asphalt ohne Tempolimit. Noch Fragen? Wann geht’s endlich los? Jetzt: Der Freitag startet gediegen. Ich treffe zusammen mit den anderen Teilnehmern am Steigenberger Grandhotel Petersberg in Königswinter bei Bonn ein. In diesem 5-Sterne-Luxushotel residierten früher Gäste der Bundesrepublik Deutschland und genossen den phantastischen Blick über das Rheintal bis weit über Bonn hinaus. Mit dabei sind auch John Sweigert und seine Frau Michelle. Die Amerikaner wurden von Leono Tours per Shuttle vom Flughafen

Frankfurt abgeholt. Ein anderes, eher stilles Duo sind Stefan und Ernst Barth aus München. Ein hochgewachsener Vater und sein Sohn. „Hat mir mein Vater zum bestandenen BWL-Studium geschenkt“, sagt Stefan. Es gibt schlimmere Geschenke.

Reiner Fahrspaß Nach einem kleinen kulinarischen Willkommensgruß erklärt uns Frauke Krummeich – blond, charmant, streng – nicht nur das Programm, sondern auch die „Spielregeln“ für die kommenden Tage. Alle Teilnehmer sind mit Walkie-Talkies ausgerüstet. Auch eine ausführliche Einweisung in die Fahrzeuge gibt‘s. Jeder soll ein erstes Gefühl bekommen über die Kraft und Energie des Sportwagens. Nach so viel Theorie folgt abends im Luxushotel ein typisches rheinisches Drei-Gänge-Menü mit Blick über das erleuchtete Rheintal.

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Leser des Diplomatischen Magazins können eine Tour bei Leono Tours gewinnen, wenn Sie uns die Frage beantworten, wann der erste Porsche 911 auf den Markt kam. Ihre Antworten senden Sie bitte an: redaktion@diplomatisches-magazin.de

Gewinnspiel

Es ist Samstag und nach dem Frühstück geht es endlich los. Keine Theorie mehr, sondern reiner Fahrspaß. Endlich. Ist zwar nicht mein eigener Porsche, aber ich tu mal so. Ein irres Gefühl, als ich das Gaspedal trete. Vor mir fahren John und Michelle. Hinter mir Vater und Sohn. Wir verlassen Königswinter, es geht direkt auf die A3. Ich gewöhne mich langsam an den Wagen und seine in der Tat sagenhafte Geschwindigkeit. Diese Übung war wichtig, denn bereits nach einigen Kilometern auf der A48 überschreiten wir die magischen 200 Stundenkilometer. Ein irres Gefühl – ich fühle mich wie im Rausch – ohne abzuheben. Es ist unbeschreiblich, die gerade Autobahn in Richtung Rhein zu fahren als würden wir fliegen, während die Wälder an uns vorbeiziehen. So fährt sich’s also in einem der besten deutschen Sportwagen. Bitte mehr davon!

Kulinarische Genüsse Dann werden wir „reingelegt“. So heißt zumindest das Menü in der Alten Mühle Höreth in Kobern-Gondorf. Ein attraktiv restauriertes Gemäuer aus dem 11. Jahrhundert. Die moderne und leichte Küche kommt jedoch offensichtlich aus dem 21. Jahrhundert: Nach einer traditionellen Brunnenkressesuppe gibt es moselländischen Sauerbraten vom argentinischen Angusrind eingelegt in Spätburgunder. Danach warmen Milchrahmstrudel mit Vanilleeis. Das kann nur noch „mein“ Porsche toppen. Wir fahren weiter in Richtung Nürburgring, wo jahrzehntelang Renngeschichte geschrieben wurde. Unser Weg führt uns durch idyllische Täler und gewundene Landstraßen. Unser Scout kennt die besten Wege. Denn wir lassen es um die Kurven richtig krachen. Weiter geht’s ans „Brünnchen“, eines der wohl bekanntesten Streckenabschnitte an der Nordschleife der „Grünen Hölle“. Am Abend sitzen wir noch lange Zeit an der Bar, erfrischen uns mit einem Bier und tauschen unsere Eindrücke aus. „Habt ihr diese romantischen Burgen gesehen”, sagt Michelle. „Und diese gerade Autobahn? Ich bleib in Deutschland.” John kann es immer noch nicht fassen: „Ich hab `nen Ferrari überholt. Mann, hat der dämlich geguckt“. Und meinen Kommentar kann schon keiner mehr hören: „Irre. Das hier ist mein Kindheitstraum.“ Die Barths sind durch

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die Fahrt so euphorisiert, dass Vater wie Sohn gleichzeitig mit der Kellnerin shakern. Wir sind uns alle einig. Es war ein sehr schöner, aber auch anstrengender Tag. Alle sind kaputt - aber glücklich.

Rasante Kurvenfahrten Sonst gefallen mir Sonntage nicht – sie sind langweilig. Aber dieser wird spannend. Eigentlich möchte keiner von uns ein ordentliches Frühstück verdrücken, jeder will zurück ins Traumauto. Aber es mahnt Frauke Krummeich: „Der Tag wird lang.“ Wir verlassen gut gestärkt das Grandhotel Petersberg in Richtung Bergisches Land. Nach einer kurzen Strecke Autobahn, wo wir üben, ob wir das schnelle Fahren über Nacht nicht verlernt haben, biegen wir ins Bergische Land ein. Eine traumhafte Landschaft: Dort nehmen wir malerische gewundene Landstraßen, die zum rasanten Kurvenfahren geradezu verführen. Es geht entlang an der romantischen Sieg und einer wunderschönen Landschaft mit pittoresken Dörfern. Die Kurven verführen zum Gas geben. Gut, dass unser Scout auch ganz genau weiß, wo die Blitzer stehen. Er warnt uns rechtzeitig. Mittags machen wir halt im Westerwald und genießen lokale Spezialitäten. Die Abtei Marienstatt bietet dafür das Beste aus ihrem mehr als 800 Jahre alten Klosterkeller. Auf eines der leckeren selbstgebrauten Biere müssen wir während der Fahrt leider verzichten. Aber das Brauhaus bietet ein ansehnliches Sortiment an Bier-Geschenken. John und Michelle decken sich für die Daheimgebliebenen in den USA ein. Die Barths wollen das bestandene Studium wohl auch noch mit Gebräu feiern. Und auch ich kaufe Mitbringsel ein für meine Freundin in Berlin. Schließlich soll die merken, dass es nicht nur um Schnellfahren geht. Deutsche Kultur kommt auf diesem PS-Trip durch’s Heimatland nicht zu kurz.

das Ende der Rheinland Tour gemeinsam im Restaurant Unterschweinstiege. Aber dort erwartet uns noch eine Überraschung. Ein junger Winzer von der Mosel hat eine Weinprobe vorbereitet. Mit im Gepäck: Das Beste aus seinem Keller. Wir genießen die gemütliche und entspannte Atmosphäre und lassen den Tag noch einmal gemeinsam Revue passieren.

Sucht nach mehr Zum Abschluss überreicht Frauke Krummeich jedem eine Flasche Riesling mit liebevoll gestaltetem Etikett ihres Unternehmens und natürlich das Wichtigste: das kommt bei uns zu Hause an die Wand, mein persönliches „Original Leono German Autobahn“-Zertifikat. Das erhält nur derjenige, der nachweislich mehr als 200 Stundenkilometer auf einer deutschen Autobahn gefahren ist. Unser aufregendes Wochenende neigt sich dem Ende zu. Morgen früh starten die Flieger zurück nach New York, München und Berlin. Wir werden dann mit dem hoteleigenen Shuttlebus zum Flughafenterminal transportiert. Leider nicht mit unseren Sportwagen. Aber allzu großen Abschiedsschmerz gibt’s nicht. Denn John und Michelle haben sich wie ich bereits für die Tour rund um Berlin, Leipzig und Dresden angemeldet. Die Sucht nach Porsche lässt einen eben nicht mehr los.

Danach geht’s weiter durch die hügeligen Straßen des Westerwaldes, bevor wir den letzten Rest der A3 nach Frankfurt wieder die fast 400 PS des Porsches austesten. Ich will ihn eigentlich nicht mehr hergeben. Der gehört jetzt mir. Unsere letzte Nacht werden wir im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt verbringen. Wir feiern

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LIFESTYLE

Hidden Places in Berlin

Motorradostalgie Sie hatte rund 16 Millionen Einwohner, war eines der kleinsten Länder der Erde und litt an einem permanenten Konsumgütermangel – die DDR. Aber sie war das Land Nr. 1 der Motorradfahrer.

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irgendwo auf der Welt gab es mehr Besitzer motorisierter Zweiräder pro tausend Einwohner als hinter dem „Eisernen Vorhang“. Während man auf einen Trabbi nach Anmeldung eine Wartezeit von 13 Jahren hatte, bekam man Moped oder Motorrad vergleichsweise schnell und unkompliziert. Das Prestige-Objekt in der DDR, die „MZ“, verkörperte das Lebensgefühl von

Informationen unter: Erstes Berliner DDR-Motorrad-Museum Rochstraße 14c 10178 Berlin Tel.: 030 – 24 04 57 25 www.erstesberliner-ddrmotorradmuseum.de

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Freiheit, welches auf den gut 100.000 Quadratkilometern möglich war.

Hautnah kann man die „Honecker– Harleys“, wie sie von „Alt-Westbürgern“ auf die Schippe genommen werden, seit September 2008 unter dem S-Bahnbogen am Alexanderplatz besichtigen. Aus Liebe zu alten Motorrädern aus der ehemaligen DDR, die Gründer und Direktor Uwe Kobilke in seiner Jugend selbst gefahren ist, rief er das 1. Berliner DDR Motorrad-Museum ins Leben. Über 120 Motorräder, Roller und Mopeds der Hersteller MZ, Simson und IWL sind auf etwa 1000 Quadratmetern über 2 Etagen ausgestellt. In zwei Jahren hat es Kobilke geschafft, nahezu alle Modelle aus 40 Jahren der Zweiradproduktion zusammenzutragen: Gespanne, Sport- und Rennmaschinen, Sonderfahrzeuge, aber auch Behördenkräder. Ostalgie pur bieten Exponate von IFA/MZ mit denTypen RT, BK, ES, ETS,

Motorbike ‘Ostalgia’ on Alexanderplatz It once had 16 million inhabitants, was one of the smallest countries on earth and suffered from a constant shortage of consumer goods. This was the GDR. But it was number one when it came to motorcycle riders.

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o nation in the world counted more owners of motorcycles per one thousand inhabitants than the country behind the ‘iron curtain’. While one had to wait for for 13 years for a Trabant car, a moped or motorbike could be had comparatively quickly and easily. The prestigious “MZ” embodied the feeling of freedom that was possible accross the 100,000 square kilometres. Since September 2008 you can experience the “Honecker Harleys”, as they were nicknamed by the former “Westerners”, firsthand under the suburban railway arch on Alexanderplatz. Out of love for these old motorbikes from the former GDR which he rode himself in his younger days, the founder and director, Uwe Kobilke founded this first GDR motorbike muse-

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am Alex TS, und ETZ, die Roller von IWL mit den Typen Pitty, Wiesel, Berlin und Troll, aber auch Motorräder, Mopeds und Mockis von Simson/Suhl wie AWO-T, AWOS, SR1 und SR2, die Suhler Vogelserie, Mofa und S50, S51 oder die EMW R 35 aus Eisenach. Viele der Besucher sind ältere Herren, die man bei dem ein oder anderen Modell aufgeregt murmeln hört. Ein Gast erklärt ausgelassen vor einer alten MZ, diese Maschine wäre genau wie seine alte „Emme“, die für damalige Verhältnisse schnell, preisgünstig und vor allem reparaturfreundlich gewesen wäre. Wer mehr Platz wollte, konnte sogar noch einen kleinen Seitenwagen anhängen. Die MZ überzeugte. Daher wurde sie auch im Westen sogar über

den Versandhauskatalog von Neckermann verkauft. Eine absolute Rarität im Museum ist jedoch ein Eskorte-Motorrad der Ära Honecker mit originalem DDR-Emblem an der Verkleidung. Von diesen Maschinen gab es nur 60 Stück, davon wurden 30 nach Ungarn exportiert. Inzwischen existieren von dem Modell nur noch sehr wenige Exemplare. Nur wenige Besucher wissen solche Einzelheiten und werden daher auch mit spannenden filmischen Dokumentationen über die Motorradwerke der DDR auf eine Zeitreise in einen „Zweiradstaat“ geschickt, dessen Bewohner stolz auf ihren Maschinen durch die Gegend „knatterten“.

um in Berlin. Over 120 motorbikes, scooters and mopeds from MZ, Simson and IWL are exhibited on a floor space of about 1,000 m2 spread over two floors. In just two years Kobilke has managed to collect almost all the models from the 40 years of motorcycle history, including motorbike combis, sports bikes and racing bikes, special vehicles along with public authority motorbikes. Pure ‘Ostalgia’ is presented by exhibits from IFA/MZ with RT, BK, ES, ETS, TS, and ETZ models, scooters from IWL with the Pitty, Wiesel, Berlin and Troll models, but also motorbikes, mopeds and “mockicks” from Simson/Suhl, such as AWO-T, AWO-S , SR1 and SR2, the “bird series”, “Mofa” [low-powered motorcycle] and S50, S51 from Suhl or the EMW R 35 from Eisenach. A lot of visitors are elderly men sometimes murmuring excitedly when spotting this or that model. One visitor stated cheerfully in front of an old MZ that this bike was exactly like his old “Emme” which by the standards of the time was fast, reasonably priced and what is more, repair-friendly. Those needing more space could add a small side car, and “... the tank could be repaired with normal glue,” recalled the expert. The MZ was a convincing machine meaning that it was also sold in the West and even through the Neckermann mail order catalogue. A real rarity however in the museum is the escort motorbike from the Honecker era with the original GDR emblem on the trim. Only 60 of these bikes were made of which 30 were sold to Hungary. Meanwhile only very few of this model remain in existence. Only a handful of people know such details and therefore visitors are sent on a journey through time back to a “motorbike state” by means of exciting documentaries on the motorbike factories of the GDR whose inhabitants proudly sped the country’s roads on their iron machines.

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COLUMNS

B erliner D iplomatenclub beim Auswär tigen Amt e. V.

Sächsisch-Böhmische Kaffeetafel mit Porzellan aus Dubí Am 28. Juni 2010 waren Botschaftergattinnen aus Ungarn, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Polen, Norwegen, Kasachstan, Montenegro, Kroatien und Irland sowie Vertreterinnen des Diplomatischen Corps verschiedener Staaten der Einladung zu einer Sächsisch-Böhmischen Kaffeetafel mit Porzellan aus Dubí in die Landesvertretung gefolgt. Dr. Rudolf Jindrák, Botschafter der Tschechischen Republik, dankte in seiner Ansprache für die Idee, den internationalen Gästen auf diese Weise die böhmische Grenzregion und das Porzellan der traditionellen Manufaktur vorzustellen. Seine Exzellenz betonte, dass es zwischen Sachsen und Böhmen seit Jahrhunderten intensive Beziehungen gibt und das Zwiebelmusterdekor des Porzellans aus Dubí von der berühmten Meißner Porzellanmanufaktur übernommen wurde. Andrea Dombois, Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages, begrüßte die 35 geladenen Damen, darunter auch die aus Dresden angereiste tschechische Generalkonsulin Dr. Jarmila Krejčíková sowie die Vertreter der Aktiengesellschaft Český porcelán. Frau Dombois erinnerte an den Besuch der Region Dubí und der Porzellanmanufaktur durch eine Delegation aus Sachsen. Anschließend wurde von ihr und dem Chef der Staatskanzlei, Staatsminister

Ein Nachmittag in Garz Dr. André Schmitz, Staatssekretär für Kultur im Berliner Senat, lud am 13. Juni Förderkreis und Präsidium von „Willkommen in Berlin“ in sein wunderbares Landhaus im Garz ein.

Die Begrüßungsrede des tschechischen Botschafters S.E. Rudolf Jindrak (M.), die Gattin des polnischen Botschafters Grazyna Prawda und die Präsidentin von WIB Jane WilliamsBoock (l.) sowie die tschechische Generalkonsulin in Dresden Dr. Jamila Krejcikova

Zunächst nahmen wir an einer Ballettaufführung des Ensembles „Kinder tanzen für Kinder“ der Deutschen Oper im Rahmen des „Kultursommers Garz“ teil, eine herrliche Szene auf dem Dorfplatz, bei der auch viele Dorfbewohner anwesend waren. Dieses Tanzprojekt ist eine Idee von Choreographin Felicitas Binder, die 1997 mit sechs weiteren Personen den Förderverein gründete.

Dr. Johannes Beermann, die Idee zu dieser Kaffeerunde geboren. Im Anschluss erlebten die Damen eine exklusive Führung durch die Ausstellung „Zauber der Zerbrechlichkeit“ im Ephraim-Palais mit Dr. Ulrich Pietsch, Direktor der Porzellansammlung der staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Sonderausstellung im Jubiläumsjahr 300 Jahre Porzellanmanufaktur Meissen entstand in Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit dem Stadtmuseum Berlin und zeigt europäische Porzellankunst des 18. Jahrhunderts. Die Kaffeetafeln in der Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund werden traditionell in Kooperation mit „Willkommen in Berlin“, dem Diplomatenclub beim Auswärtigen Amt e. V., organisiert.

v. l.: Alexandra von Kunow, Barbara Schmidt, Katharina von Schweinitz, Maria von Bredow, Julia Geier und Mary Ellen von Schacky-Schultz

Zur Krönung dieses Nachmittags wurden wir zu einem festlichen Empfang im Haus Garz eingeladen. Dies gab uns die Möglichkeit, Barockgarten und Herrenhaus, heute Kulturhaus, von Dr. André Schmitz zu besichtigen. Begeistert gingen wir durch die Räume, die nach historischem Vorbild wunderbar restauriert und geschmackvoll mit Antiquitäten dekoriert sind. Einen großes Dankeschön an Dr. André Schmitz für die großzügige Einladung und an Mary Ellen von Schaky-Schultz und Annemarie Ziefer für diesen gelungenen Förderkreisausflug nach Garz! Reges diplomatisches Treiben um den herrlich gedeckten Tisch mit dem Porzellan aus Dubi

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Architectural walks Potsdam and Glienicke On many of our well attended architecural walks which brought us to the Prenzlauer Berg, to the Osthafen, around the Funkturm, to Siemensstadt and from the Hackesche Höfe and Spandauer Vorstadt even to the Museum Island, we came across the most outstanding artistic figure of the 19th Century: Karl Friedrich Schinkel. His building turned Berlin into a cosmopolitan city. Even the skyline of Potsdam is modeled after his design. Willkommen im Hotel Ellington!

Sunday brunch im Hotel Ellington Our final Special Event, before the summer break, was a Sunday Brunch in the beautiful open-air Innenhof of Ellington Hotel Berlin. Six months earlier, each detail was discussed and meticulously planned; even Plan B was programmed, should the weather play havoc. Indeed with June weather, one could never be too certain. On Sunday morning 20th June, the sun came out to greet 120 members and their spouses as they arrived at the Ellington Hotel Berlin. This occasion was also taken to thank some of our activity group leaders, who were leaving Berlin or leaving the active membership, for their hard work throughout the club year. The lively and enjoyable event was kindly supported by Ellington Hotel Berlin, whose Director Ms Tina Palmowski personally spent time with us. In spite of her busy schedule, Dr. Sigrid Streletzki, who is from our own Förderkreis, and is owner of this Hotel, came to greet us with impeccable English, saying she was most pleased to see so many international guests. The Executive Committee takes this opportunity to wish everyone a nice summer, schöne Sommertage, bonnes vacances y felices vacaciones!

That is why we decided to make a trip to Postdam in order to get to know – apart from the famous castles of Glienicke, Babelsberg and Sans Soucis – the homogeneity of architecture and garden which Schinkel was famous for. And so in the sonny month of May a large group of our members met again, headed by Mrs. Vasundhara Vyas, wife of the Indian ambassador. Meeting point of our walk was Castle und Park Glienicke. Looking at the historically renowned Glienicker Bridge reminded us how close the 19th and 20th century are. We walked along the Babelsberg Castle and continued our tour through its enchanted park until we arrived in Potsdam on the other side of Lake Glienicke. There we visited the “Schiffbauergasse” located on the waterfront. During the last years this side with its post-modern buildings Auf den Spuren des 19. Jahrhunderts has become a center for technology and industrial design in Brandenburg. We ended our tour in front of the newly-built Hans-Otto-Theater designed and built by the famous architect Gottfried Böhm. It reminded us of the Sydney Opera House. We had arrived in the 20th Century again. Text: Marianne Hauswedell, Photo: Andrea Bertram

Begegnungsgruppe Spanisch

Gruppenleiterin Sofi a Herzberg präsentiert „Heilung und Akupunktur“, die sie auch selber bei Patienten durchführt.

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Unsere spanische Begegnungsgruppe, in der überwiegend Ehefrauen der Botschafter spanischsprechender Länder vertreten sind, trifft sich einmal im Monat zu einem netten Beisammensein, einem Vortrag oder einem Ausflug und wird von Sofia Herzberg und Rita Schönbeck geleitet. Fröhliche Runden sind das bei den „Latinas“!

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EVENTS

v. l.: Der Botschafter S.E. Dr. Takahiro Shinyo, der stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag MdB Harald Koch, Luise Köhler und der Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler, der Präsident der Europa-Universität Viadrina und Botschafter bei den Vereinten Nationen Dr. Gunter Pleuger und die Gattin des Gastgebers Yuko Shinyo

Japan Zum Gedenken an die Opfer des Abwurfes der Atombombe über Hiroshima veranstaltete die japanische Botschaft am 6. August ein „Konzert für den Frieden“ mit dem Kammerensemble Classic der Deutschen Oper Berlin. In seiner Begrüßungsansprache an die Gäste betonte der japanische Botschafter die Bedeutung Hiroshimas als Mahnung zur Abschaffung der Atomwaffen. Ein weiterer Gastredner war der Präsident der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder Dr. Gunter Pleuger, der die Rolle des Multilateralismus für die Erhaltung von Frieden und Stabilität erörterte. Japans Botschafter S.E. Dr. Takahiro Shinyo

v. l.: Helge Bartholomäus (Fagott), Tatjana Blome (Klavier), der japanische Botschafter S.E. Dr. Takahiro Shinyo, Matthias Höfele (Klarinette)

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v. l.: Die Botschaftsrätin von Jamaika Carol Angella Lee, der Botschafter von Kambodscha S.E. Widhya Chem und Jamaikas Botschafterin I.E. Joy Elfreda Wheeler

Jamaika Jamaika feiert heute Anfang August seinen 48. Nationalfeiertag. Das Motto der Feierlichkeiten in diesem Jahr lautete „I believe in Jamaica.“ Am 6. August 1962 erlangte das Land seine Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren. In den optimistischen Aufbruchjahren entstand ein Zweiparteiensystem und die Wirtschaft wurde mit dem Abbau von Bauxit und der Tourismusindustrie angekurbelt. Die Jamaikanische Botschafterin I.E. Joy Elfreda Wheeler konnte viele Gäste aus dem Diplomatischen Corps empfangen.

v. l.: Die Botschafterin von Georgien I.E. Gabriela Habsburg, die jamaikanische Botschafterin I.E. Joy Elfreda Wheeler und Etta D. Jackson von Arvesta Communications

v. l.: Der Botschafter von Lesotho S.E. Makase Nyaphisi, die Botschafterin von Jamaika I.E. Joy Elfreda Wheeler und der Botschafter von Namibia S.E. Neville Melvin Gertze

v. l.: Der Botschafter von Ghana S.E. Paul King Arvene, der Botschafter der Côte d’Ivoire S.E. Houadja Leon Adom Kacou, der Botschafter von Burkina Faso S.E. Xavier Niodogo und der Botschafter von Togo S.E. Essohanam Comla Paka SEPTEMBER 2010

v. l.: Der Botschafter von Sri Lanka S.E. Tikiribandara Maduwegedera, der Botschafter von Lesotho S.E. Makase Nyaphisi und Yehuda Y. Danziger 65


EVENTS

Die Botschafterin von Luxemburg I.E. Martine Schommer

v. l.: Der Gesandte Luxemburgs Jean Claude Kugener, die Botschafterin von Luxemburg I.E. Martine Schommer, und der belgische Botschafter S.E. Mark J. L. Geleyn

Luxemburg Schon eine Weile her ist der Nationalfeiertag des Großherzogtums Luxemburg. Das kleine Land im Herzen Europas zieht zu den Nationalfeiertagen immer wieder eine ganze Reihe von Exzellenzen an. Nicht zuletzt liegt das an der unpretenziösen Art der luxemburgischen Botschafterin I.E. Martine Schommer. So wurden leckere, deftige luxemburgische Spezialitäten gereicht und viel Musik gemacht.

Luxemburgs Botschafterin I.E. Martine Schommer (l.) und der Bevollmächtigte beim Bund, bei der Europäischen Union und für Auswärtige Angelegenheiten der Freien und Hansestadt Hamburg Carsten-Ludwig Lüdemann

Italiens Botschafter S.E. Michele Valensise (l.) und der Stellvertreter des Protokollchefs im Auswärtigen Amt Karl Wokalek

Der Botschafter von Monaco S.E. Claude Joel Giordan mit seiner Gattin Anne-Marie (l.) und die Botschafterin des Sultanats Oman I.E. Zainab Ali Said Al-Qasmi 66

Die Botschafterin von Luxemburg I.E. Martine Schommer (l.) und Japans Botschafter S.E. Takahiro Shinyo SEPTEMBER 2010


Der Botschafter von Bolivien S.E. Walter Prudencio Magne Veliz (l.) und der chilenische Botschafter S.E. Jorge Eduardo O‘Ryan Schutz

Boliviens Botschafter S.E. Walter Prudencio Magne Veliz (l.) und die Geschäftsträgerin a.i. und Gesandte-Botschaftsrätin von Nicaragua Karla Luzette Beteta Brenes

Bolivien Der Gastgeber (l.) und die Gesandte der Botschaft von Kolumbien Patricia Davila de Navas

Am 6. August gedenkt Bolivien der Unabhängigkeit von Spanien im Jahre 1825. Musik gehört zu einem solchen Festtag immer dazu. Übrigens war es die Freie und Hansestadt Hamburg die als erste Staat den plurinationalen Staat Bolivien im Jahre 1825 anerkannte. Der Botschafter Boliviens, S.E. Walter Prudencio Magne Veliz konnte viele Kollegen begrüßen.

Bolivianische Musik

Jamaikas Botschafterin I.E. Joy Elfreda Wheeler (l.) und der Botschafter von Guatemala S.E. Gabriel Edgardo, Aguilera Peralta SEPTEMBER 2010

Der Botschafter der Republik Östlich des Uruguay S.E. Pelayo Joaquin, Diaz Muguerza (l.) und der Botschafter von Mexiko S.E. Francisco Nicolas Gonzalez Diaz 67


EVENTS

Der Botschafter von Indonesien S.E. Eddy Pratomo mit seiner Gattin Priharyati Pratomo

Gastgeber S.E. Eddy Pratomo

Indonesien Indonesiens Botschafter S.E. Eddy Pratomo (l.) und Indonesiens Verteidigungsattaché Colonel (AF) Fachri Adamy

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Es gibt in Berlin eine ganze Reihe von Nationalfeiertagen, die nicht für das Diplomatische Corps, sondern für die eigene Community begangen werden. Der indonesische Botschafter S.E. Eddy Pratomo und seine begrüßten im Garten der Dahlemer Residenz anlässlich des 65. Unabhängigkeitstages zahlreiche Landsleute. Ein Flaggenapell war ein Teil der Zeromonie.

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Der Botschafter der Republik Côte d‘Ivoire (Elfenbeinküste) S.E. Houadja Leon Adom Kacou mit seiner Gattin D. Germaine Adom Kacou Nee Sampah

Elfenbeinküste Am 7.8.1960 wurde die Elfenbeinküste unabhängig vom Mutterland Frankreich. Den 50 igsten Unabhängigkeitstag nahm die Botschaft zum Anlass in das Atrium der Deutschen Bank in die Charlottenstraße zu laden. Auffällig waren die vielen Gäste, die in bunten Landestrachten erschienen.

Der Gastgeber S.E. Houadja Leon Adom Kacou

Der Botschafter der Republik Côte d‘Ivoire (Elfenbeinküste) S.E. Houadja Leon Adom Kacou mit Jugendlichen aus Côte d’Ivoire

Der Erste Sekretär der Botschaft von Mali Brahima Coulibaly und Evelyn Grosser von der Deutschen Bank

Der Botschafter der Republik Côte d’Ivoire S.E. Houadja Leon Adom Kacou mit dem Honorarkonsul der Republik Côte d’Ivoire Karl Dürbeck SEPTEMBER 2010

Der Botschafter von Togo S.E. Essohanam Comla Paka im angeregten Gespräch 69


EVENTS

Dorita Steffanowski (l.) und Claudia Trinidad

Konsularplatz Bremen

Peruaner in Bremen

Zur Bremer Tradition gehört der Nationalfeiertag Perus (unabhängig seit 28. Juli 1821). Und zum großen „Familientreffen“ mit den deutschen, lateinamerikanischen und spanischen Freunden laden dann der DeutschPeruanische Kulturverein und Honorarkonsul Hans-Joachim Schnitger ein. Mehr als 200 Gäste kamen diesmal. Etwa 800 Einwohnerinnen und Einwohner in Bremen und Umgebung haben peruanische Wurzeln.

Peru Der Nationalfeiertag Perus einerseits und die Ausstellungseröffnung mit der Künstlerin Monica Luza andererseits waren die letzten beiden Highlights die der scheidende Botschafter der Andenrepublik, S.E. Jose Luis Perez-Cerro, begleitete.

Die Künstlerin Monica Luza (l.) und der Botschafter von Peru S. E. Jose Luis Perez Sanchez-Cerro

Die Gesandte-Botschaftsrätin von Costa Rica Elena Meissner Montero (l.) und der Botschafter von Peru S.E. Jose Luis Perez Sanchez-Cerro mit seiner Gattin Sara Luz Gaona de Perez

Dorita Steffanowski, Functionara Consular (frei übersetzt mit Konsulatsassistentin), begrüßte die Gäste für den Honorarkonsul, der sich in Finnland aufhielt. Steffanowski, Deutsch-Ecuadorianerin, führt das Büro Perus. Ihr zur Seite steht zeitweise die Deutsch-Paraguayerin Claudia Trinidad. Die Bremer Studentin der Politischen Wissenschaft absolvierte im Honorarkonsulat Perus ein Praktikum von vier Monaten. Für die gute Stimmung zum Nationalfeiertag sorgten unter anderem die peruanische Kochkunst, das Nationalgetränk Pisco, die Hamburger Tanzgruppe “Fuerza, Corazon y Fuego” (Kraft, Herz und Feuer) sowie die Kieler Musikgruppe “Tiempo Latino”. Tiempo kann man mit Zeit, Tempo oder Wetter übersetzen.

Lateinamerikanisches Feuer durch die Hamburger Tanzgruppe „Fuerza, Corazon y Fuego“ (Kraft, Herz und Feuer) 70

v. l.: Der Gesandte der chilenischen Botschaft Manuel Galdames, der Gesandte der Botschaft von Ecuador Fernando Bucheli, der Botschafter von Peru S.E. Jose Luis Perez Sanchez-Cerro, Gloria Mingues und der Gesandte der Botschaft Peru Gonzalo Zapater SEPTEMBER 2010


Der Staatssekretär des Auswärtiges Amts Dr. Wolf-Ruthart Born (l.) und der Botschafter von Marokko S.E. Mohammed Rachad Bouhlal Der Gastgeber S.E. Mohammed Rachad Bouhlal mit seiner Gattin Fatiha Bennani (l.) und die Botschafterin von Ruanda I.E. Christine Nkulikiyinka

Marokko Der Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt Viktor Elbling (l.) und der Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Prof. Dr. Harald Braun

Das Jubiläum der Thronbesteigung König Mohammed VI. nimmt der Botschafter des Königreichs Marokkos, S.E. Mohammed Rachad Bouhlal zum Anlass in seine Residenz einzuladen. Und zahlreiche Prominenz des Diplomatischen Corps erschien, war es doch die letzte Veranstaltung vor der Sommerpause. Die Residenz übrigens hat einen geschichtsträchtigen Hintergrund. Hier lebte zwischen 1945 und 1945 General Lucius D. Clay , der Initiator der Berliner Luftbrücke.

Der Leiter des Referats 701 (Protokoll) im Auswärtigen Amt Thomas Pröpstl mit seiner Gattin Sabine (l.) und der Botschafter von Indien S.E. Sudhir Vyas

Der Botschafter von Marokko S.E. Mohammed Rachad Bouhlal mit seiner Gattin Fatiha Bennani (l.) und der Staatsrat und Bevollmächtigte beim Bund, bei der Europäischen Union und für Auswärtige Angelegenheiten der Freien und Hansestadt Hamburg R. Carsten-Ludwig Lüdemann

Der Verteidigungsattaché von Marokko Mustapha Maati mit seiner Gattin Malika Lamrabet (l.), das Gastgeberpaar (M.) und der Botschafter von China S.E. Hongbo Wu SEPTEMBER 2010

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EVENTS

Viele Besucher bei

Opel

Pakistan

Im Marken-und Kommunikationszentrum „Opel in Berlin“ wurde jetzt Annette Wahr aus Würzburg als 1,5 millionster Gast begrüßt. Uwe Berlinghoff, Direktor Regierungsbeziehungen, und Mark Fölsener, Leiter des Markenzentrums, überreichten Blumen und einen Gutschein für einen Besuch des Friedrichstadtpalasts.

Aufgrund der Flutkatastrophe in Pakistan beging die Botschaft ihren Nationalfeiertag in einem ganz kleinen Rahmen. Auch in der Heimat beging Pakistan den 63. Jahrestag der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft ohne offizielle Feierlichkeiten. Präsident Asif Ali Zardari hatten die Zeremonien für den Nationalfeiertag abgesagt. Zardari besuchte stattdessen Flutopfer in den Provinzen Punjab und Khyber-Pakhtunkhwa. Die Armee spendete die Mittel, die für die Feierlichkeiten vorgesehen waren, Opfern der Katastrophe.

Uruguay Opel freut sich über die wachsende Attraktivität des im Jahr 2002 eröffneten Zentrums an der Friedrichstrasse. „Für uns als deutsche Traditionsmarke ist ein Zentrum hier in der Hauptstadt ein ganz wichtiges Element der Markenpräsentation“ sagt Uwe Berlinghoff. Und Mark Fölsener ergänzt: „Die steigenden Besucherzahlen zeigen, dass das breite Spektrum unseres Angebots, insbesondere bei Events, sehr gut angenommen wird.“ Opel in Berlin präsentiert die aktuellen Fahrzeuge, bietet aber auch wechselnde themenbezogene Ausstellungen aus den Bereichen Tradition, Innovation und Technologie. Auch im kulturellen Bereich ist Opel in Berlin aktiv, beispielsweise als Partner des Friedrichstadtpalasts. Darüber hinaus lädt das Marken- und Kommunikationszentrum auch zu eigenen Veranstaltungsreihen ein, beispielsweise zu einer Latin Night-Eventreihe.

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Der 25.8. ist der Unabhängigkeitstag Uruguays. Der Botschafter lud aus diesem Grund die hier lebende Community aus dem Heimatland zu einem Empfang ein. Dieser wurde mit Musik und einer kleinen Rede begangen, in der der Botschafter auch an das gute Abschneiden der Fußballmannschaft seines Landes erinnerte, die beim Spiel um Platz drei der deutschen Nationalmannschaft mit 2:3 unterlag.

v. r.: Der Botschafter von Uruguay S.E. Pelayo Díaz Muguerza, der Verteidigungsattaché Aldo Luis Felici Recho, die Generalkonsulin María José und die I. Sekretärin Gabriela Civila SEPTEMBER 2010


Schweiz

Mit einem Tag der offenen Tür beging die Botschaft der Schweiz ihren Nationalfeiertag. Die Einladung richtete sich vor allem an Kinder mit ihren Familien. So erhielten die Jüngsten einen „Diplomatenpass“, der sie beim Gang durch die Botschaft begleitete. Anschließend wurden die kleinen und großen Gäste bewirtet, während hoch über dem Gelände der Schweizer Seiltänzer David Dimitri die Kunst des Balancierens auf dem Hochseil der Diplomatie versinnbildlichte. Musikalisch begleiteten das Alphornquartett Hornroh das Schweizer Oktett und die 50 Mitglieder der Swiss Powerbrass-Band die Veranstaltung.

„Kompetenter und verlässlicher Partner“

Ukrainischer Generalkonsul in Mainz verabschiedet / DUG ernennt Novosolov zum Ehrenmitglied Der scheidende Generalkonsul der Ukraine, Oleksandr Novosolov, ist neues Ehrenmitglied der in Mainz ansässigen Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft (DUG). In einer Feierstunde übergab DUG-Präsident Dr. Hansjürgen Doss die Ehrenurkunde an den Diplomaten, der im September seine berufliche Karriere in der ukrainischen Hauptstadt Kiew fortsetzt. Doss, der seit 2009 Honorakonsul der Ukraine mit Sitz in der IHK für Rheinhessen in Mainz ist, würdigte die Verdienste des scheidenden Generalkonsuls: „Er war stets in allen Fragen der Kontaktpflege und Kommunikation zwischen beiden Ländern ein kompetenter sowie verlässlicher Partner. Ohne Konsul Novosolov würde es auch kein Honorakonsulat in Mainz geben.“ Wie gut die Zusammenarbeit funktionierte, zeige auch die Tatsache, dass am 2. September zum nunmehr dritten Mal der ukrainische Nationalfeiertag im Mainzer Hyatt Regency mit einer Feierstunde begangen wird. „Diese Veranstaltung mit vielen diplomatischen Repräsentanten aus den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland ist für Mainz eine Besonderheit und schärft das Image der Landeshauptstadt“, betonte Doss. Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen ist Schwerpunktkammer für die Ukraine und Kroatien und beherbergt auch den Sitz der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund organisiert sie seit Jahren Messeauftritte und Delegationsreisen für rheinland-pfälzische Unternehmer in die Ukraine. „Hier war uns der scheidende Generalkonsul Novosolov stets eine große organisatorische Hilfe“, sagte IHK-Geschäftsführer und DUG-VizePräsident Günter Jertz. Dass das Interesse der Unternehmen an der Ukraine wieder wächst, zeigte laut Jertz der jüngste Wirtschafts-

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tag zu dem einstigen GUS-Staat, an dem sich 45 Firmen über den Markteinstieg in die Ukraine und die Zukunftsbranchen des Landes informiert hätten. Generalkonsul Novosolov, der seit März 2006 das Konsulat geleitet hatte, sprach sich erneut für intensivere Kontakte zwischen der KrimRegion und Rheinland-Pfalz aus. Was eine intensivere Zusammenarbeit angeht, lotete bereits eine Delegation unter Leitung des rheinland-pfälzischen Landtags-Vizepräsidenten Hans-Georg Schnabel bei einem Besuch auf der Krim die Möglichkeiten für gemeinsame Projekte aus. Auch Honorarkonsul Doss sagte zu, weiter für diese Partnerschaft eintreten zu wollen. Zum Ausklang der Feierstunde, an der neben dem DUG-Vorstand auch der ehemalige Minister HansOtto Wilhelm teilgenommen hat, resümmierte Doss: „Die vielfältigen Initiativen und das Eintreten von Generalkonsul Novosolov für die deutsch-ukrainische Freundschaft sind beispielhaft!“

Generalkonsul Oleksandr Novosolov (2.v.l.) wurde von Honorarkonsul Dr. Hansjürgen Doss (l.), IHK-Geschäftsführer Günter Jertz (2.v.r.) und DUG-Vizepräsidenten Horst Ernerth (r.) in einer kleinen Ferierstunde in Mainz verabschiedet.

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EVENTS

Konsularplatz Hamburg Ägyptischer Nationalfeiertag und Kibbehs und Kusheri

Die Generalkonsulin Hala El Ghannam (2.v.l.) erinnerte in ihrer Ansprache an die Verdienste der ägyptischen Hochkultur um die Menschheit.

Eingeladen bei Ägyptern? Es ist allgemein bekannt, dass man viel Hunger mitbringen muss. Die Gastfreundschaft der Ägypter ist sprichwörtlich. Ihr Teller wird erbarmungslos voll gehäuft werden, und wenn sie ihn leeren, erhalten sie sofort die nächste Portion. So auch beim ägyptischen Nationalfeiertag, zu dem Generalkonsulin Hala El Ghannam am 23. Juli in ihre Residenz an der Alster einlud. Es gab Kibbehs (Lammhackbällchen), Kusheri, das ägyptischen Nationalgericht aus Nudeln, Reis und Linsen mit Tomatensauce, typisch süßes Dessert wie Baklava satt. Zudem sorgte das Sommergewitter dafür, dass die Gäste gar nicht anders konnten, als dicht gedrängt unterm Zelt angeregte Gespräche zu führen. Unter ihnen der koptische Pater Anba Damian, Dr. Hani El Nokraschy (Aufsichtsratmitglied der DESERTEC Foundation) und Fathi Abu Toboul (Arab Union of Photographers e.V.).

v. l.: Die Vertreter der EMA e.V. (Euro-Mediterranean Association for Cooperation and Development), Prof. Dr. Nikolas Abou Tara vom Beirat, Hermann J. Zoda aus dem Vorstand und Gründer sowie Initiator Dr. Abdelmajid Layadi und Mahmood Sairally von City Planners and Architects Collaborative

Peru feiert mit Pisco Sour

Der Staatsrat und Bevollmächtigte für Auswärtige Angelegenheiten Carsten Lüdemann (l.) und der Staatsrat der Senatskanzlei Volkmar Schön (r.) erwiesen dem Gastgeber Generalkonsul Luis Santiago Espinosa Oyola die Ehre

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Anlässlich des Nationalfeiertages von Peru am 28. Juli lud Generalkonsul Luis Santiago Espinosa Oyola ins Hotel Intercontinental ein. Natürlich erhielten die Gäste wie in der Heimat üblich, wo jedes Haus die Flagge hisst, auch das Nationalgetränk Pisco Sour. Unter ihnen die Kollegen aus u.a. Argentinien,Bolivien, Costa Rica, Kolumbien, Mexiko, Tschechien, Samoa und USA. Vom Senat kamen trotz Sommerpause Staatsrat Carsten Lüdemann (l.), Bevollmächtigter für Auswärtige Angelegenheiten, und Volkmar Schön (r.), Staatsrat der Senatskanzlei, der als Anthropologe und Archäologe Peru oft bereiste.

v. r.: Sven Herrmann von Fielmann, die Konsulin von Polen Magdalena Erdmann, der Komponist Krysztof Penderecki, Klaus Francke von „Rettet die Nikolaikirche e.V.“ und Andreas Eckeln von der Sponsorengesellschaft Schleswig-Holstein Musik Festival mbH

Baumpflanzung am Mahnmal St. Nikolai Zu Ehren eines polnischen Komponisten Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals, das unter dem Motto „Polen im Puls“ steht und in Gegenwart von Magdalena Erdmann, Konsulin von Polen, erhielt der weltberühmte polnische Komponist Krzystof Penderecki am 14. August ein ungewöhnliches Geschenk: Prof. Dr. Günter Fielmann schenkte ihm eine stattliche Linde, die an der ehemaligen Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg gepflanzt wird. Da seit Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Mahnmal St. Nikolai und dem Generalkonsulat der Republik Polen besteht, wurde der geschichtsträchtige Ort für die Bepflanzung ausgewählt. Das Dokumentationszentrum des Mahnmals zeigt dauerhaft eine Ausstellung des Historischen Museums Warschau, die über die Zerstörung Warschaus im Zweiten Weltkrieg informiert. Krzystof Penderecki ist ein leidenschaftlicher Sammler von einheimischen und exotischen Bäumen. Auf seinem Anwesen in der Nähe von Krakau hat er bereits 1500 Bäume gepflanzt. Pendereckis ungewöhnliches Hobby ist auch eine Hommage an seinen deutschen Urgroßvater, einen Förster, der ihm die Liebe für die Natur vererbt hat. Auch Fielmann pflanzt Bäume, für jeden Mitarbeiter jedes Jahr einen, und engagiert sich im Umweltund Naturschutz.

Indischer Unabhängigkeitstag Premiere zum 63. Unabhängigkeitstag Indiens in Hamburg! Zum ersten Mal haben sich 13 indische und deutsch-indische Vereinigungen zusammengetan, um am 15. August ihren Gästen in der Handelskam-

Text und Fotos: Jutta Höflich

mer ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. In seiner Begrüßungsrede motivierte Generalkonsul Dr. Vinod Kumar die zahlreichen anwesenden Inder die Beziehung zwischen Deutschland und Indien zu vertiefen. Und auch wenn Hamburg Indien etwas spät entdeckt hat, so berichtete Corinna Nienstedt, Geschäftsführerin des Bereichs International der Handelskammer Hamburg, Erfreuliches. So ist Indien mittlerweile auf Platz 12 der Handelspartner der Hansestadt. Dazu beigetragen hat auch die alle zwei Jahre stattfindende India Week. Im November 2011 dreht sich dabei alles um erneuerbare Energien und Umweltschutz. v. l.: Dipanker Sinha-Roy, der Generalkonsul Dr. Vinod Kumar und Prof. Dave vom Organisationskomitee

Karibisches Flair im Vökerkundemuseum Auf Einladung der „Freunde des Museums für Völkerkunde e.V“ setzte Honorarkonsul Howard S. Kroch am 19. August die Konsulatsreihe „Ein Dach für alle Völker“ fort und entführte die Gäste in den aus Trinidad und Tobago bestehenden karibischen Inselstaat. Bekannt als Karnevalshochburg sowie Heimat des Calypso und der Steelpan pries der gebürtige Brite, der Trinidad und Tobago in neun Bundesländern vertritt, das Common Wealth Mitglied als älteste Petrolindustrie der Welt (seit 1876) mit strengen Bankgesetzen und niedriger Arbeitslosigkeit (6,7 %). Im Jahr 1498 von Columbus entdeckt ist der Inselstaat, der aufgrund seiner gesicherten Erdgasvorkommen schon heute der weltweit größte Exporteur von Ammoniak und Methanol ist, dank tropischen Regenwaldes, weißer Sandstrände und traumhafter Golfplätze auch ein Urlaubsparadies. Honorarkonsul Howard Kroch hatte sichtlich Spaß daran, den Gästen viele schöne Dias von bunten Karnevalskostümen zu zeigen.


POSTINGS

Chile

Iraq

The Ambassador of the Republic of Chile H.E. Jorge O´Ryan Schütz

The Ambassador of the Republic Iraq H.E. Hussain Mahmood Fadhlalla Alkhateeb

Personal Details 1958 Born 23th February in Puerto Montt, Chile Civil Status married with three children

Education 1963 – 1975 German school - Instituto Alemán de Puerto Montt; 1981 degree from the Faculty of Law at the Pontificia Universidad Católica de Chile, 1987-1988 Diplomatic College „Andrés Bello” in Chile; 1990-1991 Master’s in European Affairs from the University of the Saarland, Germany; 1997 Master’s in Management and Administration from the Universidad Adolfo Ibañez, Chile

Professional Career 1983–1986 Self-employed; 1987–1997 service in the diplomatic corps/Ministry of Foreign Affairs Chile: 1991–1995 Chilean Consul in Bonn, Germany, 1992 Legal Advisor to the Chilean Ambassador, James Holger Blair in Moscow (Honecker case), 1995–1996 employee of the Administrative Director at the Ministry of Foreign Affairs in Chile; 1995–1996 lectured in international law at the Universidad Católica and the Universidad de Chile; 1997–2007 Managing Director of FLEISCHMANN S.A. and SOUYET S.A.; since 2007 shareholder and Managing Director of KAEFER SOUYET; 2000–2010 Managing Director of various companies; President of the sports club Club Deportivo Universidad Católica de Chile and former President of Cruzados SADP (Sociedad Anónima Deportiva Profesional), Chile.

Languages Spanish, German, English

Personal Details 1953 Born 1st July

Civil Status Married

Education 1970-1974 Bachelor of Science, (B.Sc.) in Chemistry, University of Baghdad; 1975-1977 Master of Science, (M.Sc.) Physical Chemistry, University of Baghdad; 1978-1980 Doctor of Philosophy, (Ph.D.) in Inorganic Chemistry, University of Manchester Institute of Science and Technology (UMIST) in England

Professional Career 1981 – 2008 Researcher: University of Amsterdam at the department of Chemistry; Heriot Watt University, Edinburgh, Scotland; B&A Group, The Hague, the Netherlands; Professor and Member of Staff, department of chemistry, college of Science, Al Fateh University, Tripoli, Libya; Co-founder and chairman of „Union of Iraqi organizations in the Netherlands“ (UVIO) which consists of 20 Dutch NGO‘s; Member of the Advisory Committee to the „Research on Iraqi Refugees in the Netherlands“ for the Dutch Ministry of Justice; Co-founder and board member of the „Irakese Verenigingen Raad“, a platform of 12 Dutch NGO‘s; Member of the contact committee for the Iraqi NOG‘s in the Netherlands; Co-founder and Chairman of the Organization of Human Rights in Iraq (OMRI) in the Netherland; 2009 to date Ambassador, Ministry of Foreign Affairs, Baghdad, Republic of Iraq; Participations: Community activities in integration and participation of the minorities in Europe in their communities; Panel member of several political forums organized by the foreign affairs committee of the Dutch parliament; Speaking at the European parliament in Brussels during meetings concerning Iraq, in 2007 and 2009; Meeting with European officials and politicians to discuss local and international issues, like the Dutch prime minister and ministers of foreign affairs, Interior, defense, Justice, and the Bosnian vice President in May 2009

Languages Arabic, English, Dutch

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Malta

New Zealand

The Ambassador of the Republic of Malta H.E. Karl R Xuereb

The Ambassador of New Zealand H.E. Peter Howard Rider

Personal Details 1960 Born 15th March

Civil Status Married

Education 1978-1981 BA (Hons.) Liverpool John Moores University, UK; 1985/1996 ACA/FCA Institute of Chartered Accountants in England & Wales; 1997-1998 MBA Warwick Business School, University of Warwick, UK

Professional Career 1988 – 1986 Touche Ross & Co, London, United Kingdom Assistant Auditor-Supervising Senior; 1986-1988 Price Waterhouse SaS, Milan, Italy; 1988-1989 SI.CO. (U.K.) Ltd General Manager; 1989-1992 Malta Investment Management Company Ltd Operations Manager/ CFO (reporting to CEO); 1993-1998 Bank of Valletta plc, Assistant General Manager, Head of Strategic Planning; 1994-1998 Centre for European Policy Studies, Malta Chapter, Secretary General; 19961998 Mediterranean Bank Network, Secretary General; 1998-1999 Mid-Med Bank plc (Member of HSBC Group), Milan, Italy, Director, European Business; 2000-2001 Forum Malta Fund Management Ltd, Mediterranean Fund Management Ltd, Managing Director and Chief Executive Officer; 2002-2005 Creditinfo Malta Limited, Managing Director 2004 – 2005/ General Manager 2002 –2004; 2006 to 2010 Ambassador to the People’s Republic of China; Ambassador to the Democratic People’s Republic of Korea; Ambassador to the Republic of Korea; High Commissioner to the Islamic Republic of Pakistan; Ambassador to Japan; 2010 to date Ambassador to the Federal Republic of Germany; Board and Advisory Experience: 1990-1993 Board Director, Malta Export Credit Guarantee Co. Ltd; Bank of Valletta plc: 1997 Chairman, 1994-1998 Deputy Chairman, 1993-1998 Member in the PR & Communications Committee; 1993-1998 Member in the Finance Committee; Board Director: 1992-1998 Valletta Investment Bank Ltd; 1999 Mid-Med Bank (Overseas) Ltd; 1995-2000 Charles A. Micallef Ltd (CAM Group); 20002001 Mediterranean Fund Management Ltd; 2000-2001 Forum Malta Fund Management Ltd; 2004-2005 Creditinfo Malta Ltd

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Personal Details 1951 Born 1st January

Education B.Sc. M.Phil (Philosophy, First Class Honours)

Professional Career 1978-1979 joined Ministry of Foreign Affairs, Junior Policy Officer (Development Assistance Division); 1979-1980 Arabic language training, UK; 1980-1982 Second Secretary Bahrain; 1983-1984 Policy Officer, Middle East & Africa Division; 1984-1985 Seconded to Department of Trade and Industry; 1986-1987 Policy Officer, Disarmament Division; 1988-1989 First Secretary, Riyadh; 19891992 Counsellor, Geneva; 1993-1994 Deputy Head, UN Security Council Unit; 1995-1997 Deputy Permanent Representative, New York; 1998-1999 Director, Audit Review Division; 2000-2002 International Affairs Adviser, Department of Prime Minister & Cabinet; 2003-2006 Ambassador to Thailand, Cambodia, Lao PDR and Myanmar, resident in Bangkok; 2006-2008 Director, Information and Public Affairs Division; 2008-2009 Director, United Nations, Human Rights and Common Wealth Division; 2010 to date New Zealand Ambassador to Germany

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POSTINGS

Russia

Slovakia

The Ambassador of the Russian Federation H.E. Vladimir M. Grinin

The Ambassador of the Republic of Slovakia H.E. Igor Slobodník

Personal Details 1947 Born on 15th November in Moscow Civil Status married with 1 daughter

Personal Details 1962 Born on 23th October Civil Status married with 2 children

Education

Education

1971 graduate of the State Institute for International Relations (MGIMO); 1982 graduate of the Diplomatic Academy of the Ministry of Foreign Affairs of the USSR

1968–1977 primary school in Bratislava; 1977–1981 high school in Bratislava; 1981-1985 Faculty of Philosophy at the Comenius University in Bratislava

Professional Career

Professional Career

1973-1980 employee at the USSR’s embassy in the Federal Republic of Germany; 1982-1986 member of the Soviet delegation during the negotiations between the USSR and the USA on disarmament and arms control in Geneva; 1986-1992 Counsellor, Director-General at the USSR’s embassy in the GDR, from 1990 at the embassy of the USSR / the Russian Federation in the Federal Republic of Germany; 1994-1996 Director of the 4th European Department at the Russian Federation’s Ministry of Foreign Affairs (responsible for, among other things, relations with Germany), member of the ministry’s council; 19962000 Ambassador of the Russian Federation to the Republic of Austria; 2000-2003 Secretary General at the Russian Federation’s Ministry of Foreign Affairs, ), member of the ministry’s council; 20032006 Ambassador of the Russian Federation to the Republic of Finland; 2006-2010 Ambassador of the Russian Federation to the Republic of Poland; since July 2010 Ambassador of the Russian Federation to the Federal Republic of Germany

1985-1986 Editor of ČSTK (Czechoslovakian press agency); 1986– 1987 national service; 1987-1991 Editor of the magazine Výber (Choice); 1991-1992 Editor in Chief of Výber (Choice); 1992 Personal Secretary to the Minister of Foreign Affairs of the ČSFR; 1992-1996 Deputy Head of the Embassy of the SR in Denmark; 1996-1997 Head of the Embassy of the SR in Denmark; 1997-2000 Ambassador of the Republic of Slovakia to Great Britain; 2000-2001 Office of the Chief Negotiator with the EU, the Slovakian Ministry of Foreign Affairs SR; 2001-2003 Political Director at the Slovakian Ministry of Defence; 2003-2008 Permanent Representative of the SR to NATO; 2008 Political Director at the Ministry of Foreign Affairs in the Republic of Slovakia (SR); 2010 Ambassador of the Republic of Slovakia to the Federal Republic of Germany

Languages

Languages Active: English, German, Russian; Passive: Danish, French, Polish

German, English

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POSTINGS

Nationalfeiertage im September: 1. September Libyen

Jahrestag der Revolution 1969

Slowakei Jahrestag der Ratifizierung der Verfassung 1992

Usbekistan

Audi begrüßt die neuen Diplomaten.

Nicaragua Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821

16. September Mexiko

Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821

Papua-Neuguinea

Tag der Unabhängigkeit 1991

2. September

Tag der Unabhängigkeit von Australien 1975

Tag der Unabhängigkeit 1945

18./19. September

Vietnam

Chile

3. September San Marino

Tag der Gründung der Republik

6. September

Fiestas Patrias

19. September

St. Kitts und Nevis

Swasiland

Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien 1983

Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien 1968

21. September

7. September Brasilien

Tag der Unabhängigkeit von Portugal 1822

8. September Andorra

Tag der „Verde de Meritxell“, der Schutzpatronin von Andorra

9. September Nordkorea

Jahrestag der Staatsgründung 1948

Tadschikistan Tag der Unabhängigkeit 1991

15. September Costa Rica

Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821

El Salvador Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821

Guatemala Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821

Honduras Tag der Unabhängigkeit von Spanien 1821 SEPTEMBER 2010

Malta

Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien 1964

Armenien Proklamation der Unabhängigkeit 1991

Belize Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien 1981

22. September Mali

Tag der Unabhängigkeit 1960

23. September Saudi-Arabien

Proklamation des Königreichs Saudi-Arabien 1932

24. September Guinea-Bissau

Proklamation der Unabhängigkeit von Portugal 1973

30. September Botsuana

Tag der Unabhängigkeit von Großbritannien 1966

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POSTINGS

Konsularplätze Änderungen: Irland Die Bundesregierung hat der Honorarkonsulin von Irland in Bergisch-Gladbach (Köln) Brigitte Wagner-Halswick im Wege der Höherstufung am 16. Juli 2010 das geänderte Exequatur als Honorargeneralkonsulin erteilt. Der Konsularbezirk umfasst weiterhin die Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Bundesregierung hat der Höherstufung des Honorarkonsuls von Irland in München sowie der Änderung seines Konsularbezirks zugestimmt und Erich Johann Lejeune am 16. Juli 2010 das geänderte Exequatur als Honorargeneralkonsul erteilt. Der Konsularbezirk umfasst nunmehr die Länder Bayern und Thüringen. Die Bundesregierung hat dem zum Leiter der honorarkonsularischen Vertretung von Irland in Stuttgart ernannten Dr. Wolfgang Häfele am 4. August 2010 das Exequatur als Honorarkonsul erteilt. Der Konsularbezirk umfasst das Land Baden-Württemberg. Die Anschrift der honorarkonsularischen Vertretung lautet: Nordbahnhofstrasse 41 70191 Stuttgart Tel.: 0711 – 45 70 749 Fax: 0711 – 45 60 647 E-Mail: irish.consulate.stuttgart@t-online.de Sprechzeiten: Mo – Fr, 9.30 Uhr – 12.30 Uhr

Italien Die Botschaft der Italienischen Republik hat mit Verbalnote mitgeteilt, dass das italienische Konsulat in Nürnberg nunmehr zum 1. September 2010 geschlossen werden soll. Ab dem 1. September 2010 wird in Nürnberg stattdessen ein Konsularbüro im Sinne von Art. 4 Abs. 5 WÜK eröffnet, das Teil des italienischen Generalkonsulats in München ist (Außenstelle). Die Botschaft der Italienischen Republik hat mitgeteilt, dass das italienische Konsulat in Saarbrücken nunmehr zum 1. September 2010 geschlossen werden soll. Ab dem 1. September 2010 wird in Saarbrücken stattdessen ein Konsularbüro im Sinne von Art. 4 Abs. 5 WÜK eröffnet, das Teil des italienischen Generalkonsulats in Frankfurt ist (Außenstelle).

Niederlande Die Bundesregierung hat dem zum Leiter der honorarkonsularischen Vertretung des Kö-

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nigreichs der Niederlande in Kleve ernannten Freddy B. Heinzel am 4. August 2010 das Exequatur als Honorarkonsul erteilt. Der Konsularbezirk umfasst den Regierungsbezirk Düsseldorf, den Kreis Kleve sowie aus dem Kreis Wesel die Städte Wesel, Xanten und die Gemeinden Alpen, Hamminkeln, Hünxe, Schermbeck und Sonsbeck im Land Nordrhein-Westfalen. Die Anschrift der honorarkonsularischen Vertretung lautet: Siemensstrasse 31 57433 Kleve Tel.: 02821 – 24 006 E-Mail: kleve@nl.consulaat.de

Polen Die Bundesregierung hat dem zum Leiter der honorarkonsularischen Vertretung der Republik Polen in Schwerin ernannten Helmuth Freiherr von Maltzahn am 21. Juli 2010 das Exequatur als Honorarkonsul erteilt. Der Konsularbezirk umfasst das Land MecklenburgVorpommern. Die Anschrift der honorarkonsularischen Vertretung lautet: Lindenstrasse 1 19055 Schwerin Sprechzeiten: Di u. Do, 9.00 – 12.00 Uhr Email: sekretariat@ polnischeshonorarkonsulat-mv.eu

Uganda Die Bundesregierung hat der Erweiterung des Konsularbezirks der honorarkonsularischen Vertretung der Republik Uganda in Hamburg um die Länder Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zugestimmt und Honorarkonsul Prof. Manfred Dietrich am 04. August 2010 das geänderte Exequatur erteilt. Der erweiterte Konsularbezirk umfasst nunmehr die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Deutsche Vertretungen im Ausland: Als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Bundesrepublik Deutschland sind empfangen worden und haben ihr Beglaubigungsschreiben/ Agrément erhalten in/im/in der: • Rüdiger König von der Regierung der Islamischen Republik Afghanistan.

• Carola Müller-Holtkemper von der Regierung der Republik Albanien. • Christof Weil von der Regierung der Republik Belarus. • Dr. Thomas Schäfer von der Regierung von Belize mit Sitz in Guatemala-Stadt. • Annett Günther von der Regierung der Republik Botsuana. • Dr. Peter-Christof Blomeyer von der Regierung der Demokratischen Republik Kongo. • Peter Linder von der Regierung der Republik Ecuador. • Dr. Roland Wegener von der Regierung der Hellenistischen Republik. • Dr. Thomas Schäfer von der Regierung der Republik Guatemala. • Christian Carl Georg Berger von der Regierung der Republik Irak. • Michael Gerdts von der Regierung der Italienischen Republik. • Dr. Wolfgang Moser von der Regierung des Königreichs Kambodscha. • Reinhard Buchholz von der Regierung der Republik Kamerun. • Anne Ruth Herkes von der Regierung des Staates Katar. • Dr. Wolf Daerr von der Regierung der Republik Kuba. • Dr. Klaus Burkhardt von der Regierung der Republik Lettland. • Dr. Bodo Erich Werner Schaff von der Regierung der Republik Liberia. • Dr. Edmund Duckwitz von der Regierung der Vereinigten Mexikanischen Staaten. • Dr. Berthold Johannes von Seiner Exzellenz dem amtierenden Präsidenten der Republik Moldau Mihai Ghimpu. • Gerhard Thiedemann von Seiner Exzellenz dem Vorsitzenden des Präsidiums der Obersten Volksversammlung der Demokratischen Volksrepublik Korea Kim Yong Nam. • Rüdiger Freiherr von Fritsch-Seerhausen von der Regierung der Republik Polen. • Werner Burkart von der Regierung der Republik Slowenien. • Reinhard Silberberg, der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Fürstentum Andorra mit Sitz in Madrid, hat an die Kofürsten von Andorra sein Beglaubigungsschreiben überreicht, an Seine Exzellenz den Bischof von Seu d`Urgell und an Seine Exzellenz den Präsidenten der Französischen Republik.

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POSTINGS

Impressum Herausgeber Dr. Irene Ernst Postfach 421, 10666 Berlin E-Mail: ernst@diplomatischesmagazin.de Verlag Diplomatisches Magazin Verlagsgesellschaft mbH Zimmerstraße 56 10117 Berlin Tel.: 030 - 26 39 30 85 Fax: 030 - 21 86 934 E-Mail: info@diplomatischesmagazin.de Amtsgericht Berlin-Charlottenburg HRB 93249 B Steuer-Nr.: 21/249/60576 USt-IdNr.: DE235874387 Redaktion Frank Tetzel V.i.S.d.P., Beate Baldow (CvD) Regensburger Straße 25, 10777 Berlin Tel.: 030 219 68 433 und 030 6 29 89 384 Fax: 030 21 86 934 E-Mail: redaktion@diplomatisches-magazin.de Grafik / Layout Design Network, Berlin Nick Mandelkow, Regina Altenkirch E-Mail: grafik@diplomatisches-magazin.de

Im nächsten Heft:

Schwerpunkt Tadschikistan

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Im Gespräch mit dem Botschafter S.E. Imomudin Sattorov Social Media verändert die Welt Lifestyle: Hamburg, das Tor zur Welt

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