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Kontaktlinsen bei Astigmatismus & Presbyopie Einleitung Obwohl sich dieser Artikel auf die Informationen stützt, die nach Abschnitt 4 der neuen ABDO (Association of British Dispensing Opticians) Prüfungsordnung verlangt werden, sollte dieser Text auch für jeden Kontaktlinsenanpasser nützlich sein, der allgemein mit der Abgabe von Kontaktlinsen zu tun hat. Die Prüfung ist eine 30minütige mündliche Prüfung, bei der vom Prüfungskandidaten verlangt wird, das Design und die Funktion von formstabilen und weichen Kontaktlinsen zur Korrektur von Astigmatismus und Presbyopie zum therapeutischen und prothetischen Gebrauch zu erörtern. Therapeutische und prothetische Kontaktlinsen werden hier jedoch nicht besprochen werden, da diese Thematik über den Rahmen dieser Abhandlung hinausgeht. Formstabile bei Astigmatismus Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die bei der Anpassung an das astigmatische Auge in Betracht gezogen werden können: •

Sphärische Linsen

Sphärisch kompensiert

Rückflächen – peripher - torische Linsen

Torisch Optische /Sphärisch Peripherische

Rückenflächen - torische Linsen

Bi-torische

Torische Linsen

Sphärische formstabile Linsen mit einer der Hornhaut angepassten Rückfläche können ungefähr neun Zehntel der Hornhautastigmatismen korrigieren und außer, wenn es ein Problem bei der Anpassung gibt, bringen sie ein zufriedenstellendes Ergebnis bei bis zu 0.4mm Unterschied der Hauptmeridiane (2.00 Dioptrien des Hornhautzylinders). Geringfügige Linseninstabilität kann dadurch, dass die Linse etwas steiler angepasst wird, beseitigt werden. Eine Technik, die viel bei mäßigem Vorkommen des Hornhautastigmatismus beim Anpassen benutzt wurde und jetzt im Großen und Ganzen nicht mehr angewandt wird, war die, eine sphärische Linse ungefähr ein Drittel

Abbildung 1.


des K-Unterschieds steiler als das flachste K einzusetzen. Das bedeutete immer ein Kompromiss von ausgesprochener Unbeweglichkeit entlang des flacheren Hornhautmeridians und einer Linsenverdrehung bei hohen DK Materialien (Abbildung 1). Wenn man Linsen braucht, die speziell dazu geschaffen sind, um Astigmatismus zu korrigieren, dann lohnt es sich, zu beachten, dass es zwei grundsätzliche Anwendungsbereiche für torische Linsen gibt, die natürlich in einer Linse miteinander kombiniert werden können: •

Ungünstiges Sitzverhalten bei der Anpassung von sphärischen Linsen

Schlechtes optisches Ergebnis durch eine sphärische Linse

In bezug darauf, die Passform zu verbessern, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten: •

Gesamtdurchmesser reduzieren

Asphärische Linsen

Rückflächen – peripher – torische Linsen

Rückflächen – torische Linsen

Das Ausmaß des Hornhautastigmatismus steigt beständig in Richtung Hornhautperipherie an. Bei geringfügigem Hornhautastigmatismus kann die Anpassung häufig dadurch verbessert werden, dass man eine sphärische Linse mit einem kleinen Durchmesser benutzt, da die Linse hauptsächlich auf einem Bereich der Hornhaut liegt, der geringfügig verkrümmt ist. Rückenflächen- asphärische Linsen können die Anpassung an eine verkrümmte Hornhaut durch die asphärische Rückfläche der Linse, die sich natürlicher mit der der asphärischen Hornhaut ausrichtet, verbessern. Linsen mit einem sphärischen optischen Rückflächenbereich und einer torischen Peripherie, die bisweilen auch torische Flanke genannt wird, werden bei mäßiger Hornhautverkrümmung benutzt, wenn die beiden, zuvor beschriebenen Möglichkeiten eine unakzeptable peripherische Anpassung im steileren Meridian aufweisen und so eine übermäßige Abhebung an den Rändern verursachen. Die torische Peripherie schafft eine fast gleich ausgerichtete Anpassung entlang beider Haupthornhautmeridiane und bietet dadurch eine erhöhte Stabilität und einen besseren Tragekomfort. Anzeichen für torisch peripherische Linsen: •

Hornhautastigmatismus = Gesamtastigmatismus

Hornhautastigmatismus < 3.50


Schlechte Linsenzentrierung

Ausgesprochenes Abheben entlang des steilen Meridians

Kosten

Wenn die Torizität der Hornhaut ungefähr 0,5mm bis 0,6mm übersteigt, kann es notwendig sein, eine Linse mit einer der Hornhaut voll angepassten torischen Rückenfläche in Betracht zu ziehen. Das heißt also, eine Linse, bei der sowohl der optische, als auch der periphere Bereich eine torische Form hat. Wegen der Unterschiede im Brechungsindex zwischen dem Linsenmaterial und der Tränenflüssigkeit, werden diese Linsen immer ein gewisses Ausmaß an Astigmatismus induzieren. Darüber braucht sich der Kontaktlinsenanpasser jedoch keine Gedanken zu machen, da die Hersteller automatisch einen Ausgleich auf der Vorderfläche der Linse schaffen, so dass eine Auswirkung auf die Optik ausgeschlossen wird. Diese Linsen könnten als kompensierte bitorische Linsen beschrieben werden. Neben den zwei Designs, die im vorangegangenen Abschnitt besprochen wurden, gibt es noch mehrere Linsen, die als rückenflächentorische Linsen bezeichnet werden können. •

Rückenflächen-torische

Bi- torisch kompensiert

Bi- torisch parallel

Bi- torisch gekreuzt

Bi- torische

Parallel bitorische Linsen sind solche, bei denen die Vorder- und Rückflächentorizität parallel zueinander angeordnet sind, aber der Vorderflächenzylinder nicht nur den verursachten Astigmatismus kompensiert, sondern auch jegliche erforderliche Reststärke korrigiert. Solche Linsen zeigen oft ein Fluor - Bild, ähnlich dem einer gut angepassten sphärischen Linse (Abbildung 2). Abbildung 2.

Eine bi-torisch gekreuzte Linse ist eine, wo die Hauptmeridiane auf der Vorderfläche der Linse gegenüber denen auf der Rückenfläche abgeschrägt sind. Das ist dann notwendig, wenn die Achsen


der Hornhautverkrümmung gegenüber denen des Gesamtastigmatismus schief gekreuzt sind. Es ist von Nutzen, wenn man solch eine Linse bestellt, den Hersteller zu bitten, zwei Markierungen entlang der Horizontalen einzugravieren, damit Ausrichtung und Stabilisierung besser überprüft werden können. Manchmal werden diese Linsen auch bi- torische Linsen genannt, aber diese Terminologie beschreibt die wahre Beschaffenheit dieser Linse nicht richtig. Restastigmatismus Dies kann auf verschiedene Art und Weise definiert werden und sollte nicht mit dem zuvor definierten induzierten Astigmatismus verwechselt werden. •

Unterschied zwischen Hornhaut- und Gesamtastigmatismus

Was an Astigmatismus übrig bleibt, wenn der Hornhautastigmatismus ausgeglichen ist.

Torische Linsen Bisweilen wird der Kontaktlinsenanpasser mit einem Klienten konfrontiert, der einen leichten bis hohen Gesamtastigmatismus hat, jedoch nahezu keinen auf der Hornhaut. Zur Korrektur des Restastigmatismus muss eine harte Linse mit einer sphärischen Rückfläche benutzt werden, um sich der Topographie der Hornhaut anzupassen, die Korrektur des Astigmatismus findet über die Vorderfläche der Linse statt. Das führt zu Komplikationen mit der Rotationsstabilität, da dieses Linsendesign für eine stabile Sehschärfe an der Rotation gehindert werden muss. Zwei Methoden werden hier benutzt: Prismenballast und / oder Stützkante. Der Prismenballast kann sich von 1 bis 3 cm/m erstrecken und hängt zu einem gewissen Grade von der verschriebenen Brechung der Linse ab, für gewöhnlich ist ein Prisma von 1,5 cm/m integriert. Die Prismenbasis soll wegen des Zusammenspiels des Oberlides mit dem immer dicker werdenden Prismenprofil auf sechs Uhr auf der Vorderfläche der Linse liegen. Für eine Stützkante wird der untere Bereich der Linse abgeschnitten, manchmal jedoch sowohl vom oberen als auch vom unteren Rand. Oft ist eine einzige untere Stützkante mit einer Prismenbasis ‚unten‘ von 1 cm/m kombiniert, obwohl die Stützkante an sich bereits ausreichen kann, um eine Linse von unerwünschter Rotation abzuhalten. Weiche Linsen für Astigmatismus Die Vorteile, die weichen torischen Linsen zugeschrieben werden, sind die Folgenden: •

Angenehmer - komfortabler

Leichter anzupassen

Größere Stabilität

Keine 3 und 9 Uhr Stippung


Korrektur von Hornhaut- & Restastigmatismus

Austausch-Option

Oberflächentorizität ist bei weichen Linsen nicht so kritisch wie bei Formstabilen. Weiche Linsen sind dazu geschaffen, die optischen Auswirkungen des Gesamtastigmatismus zu korrigieren, unabhängig davon, ob es sich um einen Hornhaut - oder einen inneren Astigmatismus handelt. Diese torischen Linsen sind sowohl als Rückflächen torische Linsen als auch als Vorderflächen torische Linsen verfügbar. Vorderflächen torische Linsen sind durch die sphärischen Rückfläche wie sphärische Linsen anzupassen und sind in der Theorie besser geeignet bei einer sphärischen Hornhaut bzw. bei schwachen bis mäßigen Hornhautverkrümmungen. Rückenflächen torische Linsen bieten bessere Stabilität bei höherem, schrägen Hornhautastigmatismus und sind weniger bei sphärischer Hornhaut geeignet. Viele patentierte Techniken, die unten aufgezeigt sind, sind entwickelt worden, um die rotationsbezogene Instabilität bei weichen torischen Linsen zu verhindern:

Prismenballast mit / ohne Stützkante

Dünne Bereiche (dynamische Stabilisierung)

Dünne Bereiche + Prismenballast

Profilzonen

Vorder- oder Rückflächentorizität

Doppelte Vorderperipherietorizität

Das Konzept des Prismenballastes und der Stützkante ist schon in bezug auf harte Linsen besprochen worden und braucht somit nicht weiter erklärt zu werden, da das Konzept für beide Linsenarten im Prinzip die gleiche ist. Unabhängig vom Design, das verwendet wird, um eine Linsenrotation zu verhindern, ist das Zusammenspiel des Oberlids mit einem zunehmend dicker werdenden Linsenprofil - Welches sich die meisten weichen torischen Linsen zu Nutze machen. Um dies zu illustrieren, wird ein Beispiel dieser Methode gezeigt (Abbildung 3). Dünne Bereiche oder dynamische Stabilisierung ist eine Technik, die nur für weiche Linsen benutzt wird.


Zunehmende Dicke

Oberer dünner Bereich

(Prisma mit Basis unten)

Zunehmende Dicke

Unterer dünner Bereich

(Prisma mit Basis oben)

Abbildung 3.

Bereiche oben und unten auf der Linse sind dickenreduziert oder werden von der Peripherie aus zum Zentrum hin immer dicker. Wenn sich das Oberlid schließt und über die Linsenoberfläche gleitet, bewirkt das einen beständig steigenden Druck. So lange, wie dieser Druck gleichmäßig entlang der Horizontalen verteilt ist, wird die Linse daran gehindert, von der Achse wegzurotieren und bleibt in einer stabilen Position. Dünne Zonen und Prismen werden oft kombiniert, um die rotationsbezogene Stabilität zu verbessern und werden bei vielen der heute gängigen weichen torischen Monatslinsen angewandt. Diese Vorgehensweise verbessert nicht nur die Sehschärfe, sondern auch den allgemeinen Tragekomfort, wegen des viel dünneren und gleichmäßigeren Oberflächenprofils. Diese Linsen verfügen in der Regel über eine torische Rückfläche, was theoretisch dazu führt, dass sich die gerade Linsenausrichtung verstärkt, da die zwei Hauptschnitte der Linse sich in direkter Apposition zu denen der Hornhautoberfläche befinden. Das Prisma wird durch das Verschieben der zweiten peripheren Kurvung nach oben hin verlagert, so dass es sich nicht von Rand zu Rand quer über die gesamte Vorderfläche zieht. Das bedeutet im Allgemeinen, dass es eine geringfügige Auswirkung durch das Prisma Basis unten ergibt, messbar in der optischen Zone, der Träger aber bei einseitiger Anwendung mit einer sphärischen Linse im Gegenauge keine Unterschiede bei der Sehschärfe wahrnimmt (Abbildung 4).


Dünne Bereiche oder Schrägkante

Optische Zone

Prisma Basis

Ausrichtungsmarkierungen

Abbildung 4.

Es ist möglich, eine Linse ohne Prisma in der optischen Zone, wie in Abbildung 5 gezeigt, zu schaffen.

Dünne Bereiche oder Schrägkante

Prismafreie optische Zone

Prismazonen

Abbildung 5.


Profilzonen werden bei der Lunelle ES70 Torique UV Rxi verwendet, dabei handelt es sich um zwei Bereiche von zunehmender Dicke in der zentralen Horizontalen in der Peripheriemitte auf beiden Seiten der Vorderfläche. Eine weitere Möglichkeit, die Linse am Verdrehen durch den Lidschlag zu hindern, da das Oberlid gegen diese Bereiche drückt (Abbildung 6).

Bereiche von verstärkter Dicke

Abbildung 6.

Die doppelte Vorderflächentorizität dieses Vorderflächen- torischen Designs ist einzigartig in bezug darauf, eine Vorderfläche zu haben, bei der die Hauptschnitte der optischen Zone nicht mit denen der peripheren Meridiane auf einer Linie liegen. Die peripheren Meridiane sind so platziert, dass die Lider, wenn sie sich schließen, nur mit der dünnsten Stelle der Linse in Kontakt kommen und somit einen guten Tragekomfort und eine beständige kontrollierte Ausrichtung der Hauptmeridiane der optischen Zone gewährleisten.


Eine Auswahl von Ausrichtungsmarkierungen, wie sie bei verschiedenen Linsenmarken zu finden ist. Kontaktlinsen für Presbyopie Im Allgemeinen gibt es verschiedene Möglichkeiten für den Kontaktlinsenanpasser, bei der Korrektion der Presbyopie in seiner Kontaktlinsenpraxis.

Kontaktlinsen mit Fernkorrektur mit Lesebrille

Weiche Bifokal- / Multifokallinsen

Simultan

Alternierend

RGP Bifokal- / Multifokallinsen –

Alternierend

Simultan

Monovision –

Erweitere Monovision

Modifizierte Monovision

Einer der einfachsten Wege, um das Nahsehen eines presbyopischen Kontaktlinsenträgers zu verbessern, ist es, ganz einfach eine Lesebrille anzubieten. Das ist jedoch keine Lösung, von der viele Kontaktlinsenträger begeistert sind, da dies dem Grund widerspricht, aus dem sie Kontaktlinsen tragen. 70% der Kontaktlinsenanpasser sehen Monovision als den ersten Schritt zur Nahkorrektion bei Kontaktlinsen. Für Personen, die bereits Kontaktlinsen tragen, ist es einfach und kosteneffektiv durchzuführen und es bedarf nur einer geringen Veränderung der Linsen, was auch die Behandlungszeit reduziert. Damit die Monovision jedoch erfolgreich ist, ist es von großer Wichtigkeit, dass die Dominanz akkurat ermittelt werden kann. Das Unterdrücken von Unschärfe ist zweifellos die einfachste und akkurateste Methode, indem das Messglas mit der benötigten Addition mit der Hand


abwechselnd vor jedes Auge gehalten wird, während man mit beiden Augen auf ein Objekt in der Ferne schaut. Das Auge, das das größte Ausmaß von Unschärfe bemerkt, ist das dominante Auge. Man muss bedenken, dass Monovision für Stärkenregulierungen von ungefähr bis zu +1,50D funktioniert. Danach gibt es eine fortschreitende Beeinträchtigung des Binokularsehens. Der potentielle Träger muss vorab darauf aufmerksam gemacht werden, dass das stereoskopische Sehen und das Kontrastsehen beeinflusst werden. Echte multifokale oder bifokale Kontaktlinsen, unabhängig davon, ob formstabil oder weich, sind in zwei Arten erhältlich und werden im Allgemeinen entsprechend ihres Funktionsprinzips entweder als simultan- oder alternierend abbildend klassifiziert. Simultane Kontaktlinsen bieten, wie der Name schon sagt, sowohl Nah- wie auch Fernsicht und manchmal auch den Zwischenbereich zur gleichen Zeit. Die Optik der Linse produziert mehrfach überlappende Bilder auf der Netzhaut, das Gehirn wählt das zutreffendste Bild für die Sehentfernung aus. Obwohl diese Methode funktioniert, verursacht sie eine Reduzierung des Kontrastes wegen des Übereinanderliegens der Bilder auf der Netzhaut. Die einfachste Form dieser Linsenart nennt sich ‘bikonzentrisches Design’, bei der ein zentraler Bereich auf Weitsehen ausgerichtet ist, umgeben von einem Bereich für Nahsehen. Diese Sehzonen sind auch umkehrbar. Um genau feststellen zu können, welches Linsendesign beschrieben wird, benutzt man die Begriffe ‘Zentrumsfernsichtig’ und ‚Zentrumsnahsichtig’, um zwischen diesen zwei Arten zu unterscheiden (Abbildung 7).

Zentrum Nähe (ZN) oder Zentrum Ferne (ZF)

Abbildung 7.


Diese Linsen können leicht angepasst werden, da sie keinen Mechanismus brauchen, der die Rotationsstabilität kontrolliert, aber der zentrale Bereich dominiert und sie sind sehr von der Pupillengröße abhängig. Entgegen dem allgemeinen Glauben können Linsen, bei denen sich der Fernteil im Zentrum befindet, einen Leseeffekt nur durch Verschieben oder durch Auf- und Abwärtsbewegung des Blicks erzielen, so dass der Nahsichtbereich der Linse den größten Teil der Pupille abdeckt. Diffraktionslinsen, die sowohl als formstabile wie auch als weiche Linsen hergestellt werden, waren eine fortgeschrittenere Version der oben erwähnten und obwohl diese in den meisten Märkten nicht mehr erhältlich sind, sind sie doch eine Erwähnung wert. Diese Linsen teilten das einfallende Licht mit Hilfe von diffraktiven Phasenplatten, die auf die Rückenfläche der Linsen eingelassen waren, in Fern- und Nahsichtanteile auf. Die Stärkenregulierung wurde durch die Zahl der konzentrischen Ringe, die über der zentralen Zone lagen, festgelegt (Abbildung 8).

Abbildung 8.

Weiche Linsen für Presbyopie Die Acuvue Bifokal wird von Johnson & Johnson als ‚Zentrum Ferne‘ – Linse mit 5 wechselnden konzentrischen Fern- und Nahsichtbereichen innerhalb der 8mm optischen Zone beschrieben. In Wirklichkeit handelt es sich um zwei Nahzonen, die in die Fernzone eingearbeitet sind. Johnson & Johnson zur Folge schafft dies eine Linse, die ‘Pupillenintelligent’ bzw. weniger abhängig von der Pupillengröße ist. Die Linse bietet vier Additionen zwischen +1,00D und +2,50D in 0,50D Stufen. Die Linsen werden im Allgemeinen mit identischen Additionen


bestellt, obwohl viele Kontaktlinsenanpasser dies dahingehend abwandeln, dass sie die Addition vor dem dominanten Auge verringern, um einen multifokalen Effekt zur Unterstützung des Zwischenbereiches zu erreichen. Die Proclear Multifokallinse von CooperVision ist eine Kombination aus verschiedenen optischen Prinzipien, die in der Kontaktlinsenpraxis benutzt werden, um ein funktionierendes multifokales Sehen zu erzielen. Die ‚Balanced Progressive Technology‘ kombiniert sphärische und asphärische Optiken mit unterschiedlichen Zonengrößen, um zwei komplementäre, aber geometrisch entgegengesetzte Linsen zu schaffen (Abbildung 9). Eine Linse ‚D’, bei der sich der Ferne im Zentrum befindet für das dominante

Auge und eine Linse ‚N’, bei der sich der Nähe im Zentrum befindet, für das nicht-dominante Auge. D-LINSE: Dominantes Auge

N-LINSE: Nicht-dominantes Auge

Abbildung 9. Sphärische Zentrumszone: 2,3mm

Nahsehen

Sphärische Zentrumszone: 1,7mm

Asphärische Ringzone: 5,0mm

Asphärische Ringzone: 5,0mm

Sphärische Ringzone: 8,5mm

Sphärische Ringzone: 8,5mm

Linsenrand

Linsenrand Fernsehen

Nahsehen

Fernsehen

Man kann sehen, dass diese Linsen multizonal mit einem sphärischen Zentrumsbereich in unterschiedlichen Größen für die zwei Designs sind, 2,3mm für die D-Linse und 1,7mm für die N-Linse. Die zentrale Zone ist von einem asphärischen Ring von 5mm Durchmesser umgeben und dieser wiederum von einem letzten sphärischen Ring umgeben, die Gesamtgröße der optischen Zone ist 8,5mm. Das Prinzip, sowohl eine D-Linse, als auch eine N-Linse zur gleichen Zeit anzupassen, ist nicht neu und hat sich als eine sehr erfolgreiche Formel bei der Versorgung presbyoper Kontaktlinsenträger erwiesen. Das klingt ähnlich wie Monovision, aber weil jede Linse eine echte Multifokallinse für sich selbst ist, bleibt das Binokularsehen erhalten. Vier Additionen erlauben es dem Kontaktlinsenanpasser,


unabhängig voneinander die Fern- und Nahstärke für den Bedarf des individuellen Trägers zu verschreiben und dabei die Kontrolle über den daraus resultierenden visuellen Effekt zu behalten. Augendominanz Eine der wichtigsten Voraussetzungen bei der Anpassung von Simultanlinsen ist es, die Augendominanz festzulegen. Selbst wenn dieses ursprünglich für eine erfolgreiche Anpassung als nicht notwendig angesehen wird, können anschließende visuelle Verbesserungen durch die Stärkeregulierung der Fern- oder Nahkomponente innerhalb des Linsensystems erreicht werden. Ein Unschärfenunterdrückungstest, wie er zuvor beschrieben wurde, ist zum Messen sensorischer Dominanz (Vernebelungstechnik) wesentlich besser geeignet, um Erfolg oder Fehlschlagen mit Simultanlinsen vorherzusagen, weil es ein direktes Messen der Fähigkeit des Patienten ist, ein unscharfes Bild zu unterdrücken. Um sensorische Dominanz mit Hilfe der Vernebelungstechnik zu beurteilen, muss man zuerst gewährleisten, dass die Fernsicht des Patienten völlig korrigiert ist. Dann, wenn ein Objekt in der Entfernung mit beiden Augen gesehen wird, muss man die hinzuzufügende Addition des Patienten erst vor das rechte und dann vor das linke Auge halten. Dann bittet man den Patienten einfach darum, zu sagen, welches Auge die größte Unschärfe wahrnimmt. Das Auge, das den größten Effekt erfahren hat, müsste auf die Weitsicht hin korrigiert werden, aufgrund der Annahme, dass das gegenüberliegende Auge in der Lage war, das unscharfe Bild, das durch die hinzugefügte Sehschärfe erzeugt wurde, zu unterdrücken. Das einfache Messen der Fähigkeit, Unschärfe zu unterdrücken, wird schnell die Personen identifizieren, die nicht in der Lage sind, auch nur das geringfügigst unscharfe Bild, dass durch eine Simultansicht- Multifokallinse geschaffen wird, zu tolerieren. Asphärische Multifokallinsen Asphärische Multifokallinsen haben keine spezifischen Additionen, sondern eine Spanne von Sehstärken von einer vorher festgesetzten Nahstärke bis hin zur Weitsicht, die von der aspärischen Optik der Linsen geschaffen wird. Laut Studienergebnissen gibt es bei einigen asphärischen Multifokallinsen eine geringere Sehleistung, wenn die vorher festgesetzte Nahstärke hoch ist und damit dem System und dem Träger potentiell ein zu großes Plus geboten wird. Sowohl die SofLens Multifocal, als auch die Biomedics 73 UV haben dieses Problem dadurch reduziert, dass sie eine hohe und eine niedrige additive Unterstützung bieten. Die Bausch & Lomb Multifokallinse hat eine Nahstärkenspanne von bis zu +1,50D für die frühe Altersweitsichtigkeit. Eine hohe Nahstärkenspanne von +1,75D bis +2,50D ist für diejenigen, die eine höhere Unterstützung benötigen, erhältlich. Obwohl diese Linsen normalerweise mit der gleichen Leseunterstützung in jeder Linse vertrieben werden, können sie als modifizierte Monovision unter Benutzung der geringen additiven Unterstützung für das


dominante Auge und der höheren additiven Unterstützung für das nicht-dominante Auge angepasst werden. Das kann die Fernsicht-Unschärfe ohne eine Beeinträchtigung des Nahsehens reduzieren. Diese Linsen funktionieren auf der Basis, dass sie eine nach und nach flacher werdende asphärische Oberfläche entweder auf der Vorder- oder auf der Rückfläche haben, um die additive Unterstützung zu herzustellen. Vorderflächendesigns haben das ‚Nah‘-Teil im Zentrum der Linse, während die, die die Asphäre auf der Rückfläche haben, den ‚Fern‘-Teil im Zentrum der Linse haben. Die Mehrzahl der heute erhältlichen weichen asphärischen Multifokallinsen sind Vorderflächendesigns, die das ‚Nah‘-Teil im Zentrum der Linse haben, was sie nahlastig macht. Sie sind blickrichtungsunabhängig und deshalb relativ leicht anzupassen. Sie sind jedoch abhängig von der Pupillengröße, wobei kleine Pupillen die bessere Nahsicht geben. Das Simultandesign setzt das Kontrastsehen herab, die Linsen müssen zentrisch werden, wenn sie ein zufriedenstellendes Sehen sowohl für Ferne, als auch für Nähe bieten sollen. In der Abbildung 10 unten sind drei Beispiele gezeigt. Focus Progressives - Vorderflächig ZN - Ein fortlaufendes Stärkeregulierungsspektrum von bis zu +3,00

Biomedics 73 UV Multifocal - Vorderflächig ZN - Profil 1 bis +1,75 - Profil 2 bis +3,00

SofLens Multifokal - Vorderflächig ZN - Geringes Stärkeregulierungsspektrum von bis zu +1,50 - Hohes Stärkeregulierungsspektrum von bis zu +2,50 Abbildung 10.

RGP Linsen für Presbyopie


Das Prinzip der alternierenden /übertragenden bifokalen Kontaktlinsen (zwei verschiedene Segmente) wird normalerweise eher bei formstabilen Linsen, als wie bei weichen Linsen angewandt. Wenngleich die Triton soft bifocal eine weiche Segmentlinse ist, die nicht leicht zu erhalten ist. Viele verschiedene Formen von alternierenden Bifokallinsen sind bereits erschaffen worden, aber sie basieren alle auf bifokalen Brillengläsern, die einen oberen Teil für das ‚Fern‘-Sehen und einen unteren zum Lesen haben. Sie sind entweder mit verschmolzenen oder separaten Segmenten erhältlich, die entweder in die Vorder- oder Rückfläche der Linse eingearbeitet sind. Die Schwierigkeit in der Kontaktlinsenpraxis ist, dass die Funktionalität der Linsen abhängig von der Verschiebung des Lesesegments nach oben bei nach unten gerichtetem Blick ist, um eine funktionierende Lesesehschärfe zu erreichen. Zusätzlich ist das Verhindern einer Rotationsinstabilität enorm wichtig, wenn das untere Segment nicht von der unteren Position wegschwingen soll.

Presbylite II Bifocal

Fluoroperm ST Bifocal

Tangent Streak

Abbildung 11.

Die Rotationsstabilität wird durch die Verwendung von Stützkanten und / oder Prismenballast erreicht, das Ausmaß aber, wie die Linse verschiebt, hängt von der Spannung des Unterlides ab, welche leider mit zunehmendem Alter dazu neigt, nachzugeben. Einige Beispiele der auf die Designs der verschiedenen alternierenden Linsen angewandten Genialität sind in Abbildung 11 gezeigt. Presbylite II Bifocal Diese Linse wird von Pro Cornea in den Niederlanden hergestellt und hat ein einzigartiges Segmentdesign, bei dem es sich um ein umgedrehtes ‘V’ handelt, das oben einen kleinen asphärischen Bereich hat, um einen gewissen Gleiteffekt der Stärken zu erzielen. Die Linse hat keine Stützkante, sondern hat einen Prismenballast, um die Rotationsstabilität zu kontrollieren. Fluoroperm ST Bifocal Diese Linse wird aus einem DK 60 Material hergestellt, das ein Segment von 6 x 3mm hat, das in den unteren Bereich des Fernteils eingebettet ist. Sie hat eine Stützkante und einen Prismenballast.


Tangent Streak Die Linse ist genauso wie eine bifokale Brille angelegt und verursacht keinen Bildsprung zwischen dem Fern- und dem Nahsegment. Sie hat eine Stützkante und einen Prismenballast. Vorteile: •

Kein Verlust des Kontrastsehens

Kein Bildsprung – besseres Sehen

Ausgezeichnete Fern- und Nahsicht

Korrigiert leichten / mäßigen Astigmatismus

Hohe DK von RGP Materialien

Kann verändert werden

Nachteile: •

Komplexe Anpassung

Blickabhängig

Muss mit Ballast versehen sein, um Rotation zu verhindern

Benötigt ausreichende Spannkraft des Unterlides

Bildsprung am Übergang der Segmente

Tragekomfort

Asphärische RGP Multifokallinsen Die Mehrheit dieser Linsen sind Vorderflächen- asphärische Linsen, was sie nahlastig macht. Die Quasar Plus Multifokallinse vom No7 Laboratory ist ungewöhnlich, da sie eine Rückflächenasphärische Linse ist, die der Ferne ein größeres Maß an Wichtigkeit gibt und, wie es bei jedem Design, bei dem der Fernteil im Zentrum der Linse liegt, der Fall ist, zu einem gewissen Maß verschieben, um durch die sich fortlaufend erhöhende Plus-Sehstärke der Linsenperipherie hindurchzusehen. Vorteile: •

Nicht blickabhängig

Leichter anzupassen als alternierende RGP

Hohe DK von RGP Materialien

Korrigiert leichten / mäßigen Astigmatismus

Nachteile: •

Abhängig von der Pupillengröße

Tragekomfort


BS asphärische Linsen werden steiler angepasst (sich verbiegend)

Benötigen gute Zentrierung

BS brauchen eventuell einige Übertragung

Zusammenfassung Diese Abhandlung hat einen groben Überblick darüber gegeben, was für ein breites und komplexes Feld die Kontaktlinsenpraxis ist. Sie war nicht daraufhin ausgerichtet, das Thema erschöpfend zu behandeln, sondern sollte die allgemeinen Prinzipien und Funktionen der torischen und presbyopischen Linsen, die heutzutage benutzt werden, abdecken. Der Student oder der sich auf diesem Gebiet neu einzuarbeitende Kontaktlinsenanpasser sollte nun ein gutes, in die Praxis umsetzbares Verständnis für die Konzepte haben, aufgrund dessen er das Thema in der Zukunft zuversichtlich angehen kann und worauf er mit weiterem Wissen, Erfahrung und Expertise aufbauen kann.


Kontaktlinsen bei Astigmatismus  

CooperVision, Kontaktlinsen, Astigmatismus

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