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Ausgabe 4/2013

mindstylemagazine Themenschwerpunkt

Alles, was in unserem Leben geschieht, hat bedeutung

w w w. t r i p m a g a z i n . d e

SPURENder ERinnerung

Os Gêmeos Privat

Das knallbunte Universum der Street-Artists

Goldene ZEITen

Star-Reporterin Beate Wedekind über den Glamour der 80er-Jahre

Verlorenes Paradies

Im Taylor Camp wurden Hippie­ träume wahr

Alles an BORD

Dramatische Flussfahrt auf dem Kongo

4,80 Euro

Österreich 5,50 Euro Schweiz 10 SFR Benelux 5,50 Euro Italien/Spanien/Portugal (cont.) 6,50 Euro

klug mutig stark


Porsche empfiehlt

und

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Es gibt drei Möglichkeiten, das Leben zu genießen. Heute. Hier. Und jetzt. Der neue Macan. Porsche intensiv. Das Leben schmeckt am besten, wenn es intensiv ist. Deswegen haben wir gebaut, was wir immer bauen: einen Sportwagen. 5 Türen. 5 Sitze. Allrad. Mit leistungsstarken Motoren und Technologien, die wir auf der Rennstrecke erproben. Für hohe Agilität und Dynamik. In jedem Augenblick.

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) innerorts 11,8–6,7 · außerorts 7,8–5,7 · kombiniert 9,2–6,1; CO2-Emissionen 216–159 g/km


editorial

Spiegel unseres Seins E

s wird gesagt, man solle den Augenblick auskosten, im Hier und Jetzt leben. Die einzige Macht sei das gegenwärtige Denken. Das ist im Grundsatz richtig. Dennoch sei uns bewusst: Die Vergangenheit ist der Schlüssel zu dem, was das Leben aus uns gemacht hat – sie ist die mit Erfahrungen gefüllte Schatzkiste unseres Seins. Diese TRIP-Ausgabe will sich auf einen Dialog mit Erinnerungen einlassen – Erinnerungen, die unwiederbringlich sind und deshalb kostbar. Aus diesen Erinnerungen können wir lernen, ein Bezugssystem herstellen, das aktuelle Aufgeregtheiten ins richtige Verhältnis setzt zu wirklich entscheidenden Begebenheiten und Begegnungen. Es ist der Versuch, mit Texten und Fotos wie in einen Spiegel zu blicken: Welche Assoziationen lösen die Themen aus? Schaffen sie einen Bezug zu unserer eigenen Vergangenheit? Je älter wir werden, desto stärker wird das Bedürfnis, unser Leben zu rekapitulieren. Wenn etwa die Journalistin Beate Wedekind berichtet, wie sie als Gesellschaftsreporterin in den 80er-Jahren an mondänen Orten die damals Reichen und Schönen traf, schärften sich durch diese Begegnungen ihre Sinne für das allzu Menschliche, aber auch für eine Zeit der Freiheit und gesellschaftlichen Unbeschwertheit, die aus heu-

tiger Sicht in dieser Form verloren scheint. Das gilt auch für die Fotos von John Wehrheim aus dem Taylor Camp, in dem auf Hawaii eine Gruppe amerikanischer Hippies für ein paar Jahre ihre Vision eines druckbefreiten paradiesischen Lebens Wirklichkeit werden ließen. Manchmal kann ein Bild, ein Geruch, ein Ort oder irgendein anderes Detail eine Lawine von Empfindungen auslösen. Robert Weber geht es so. Vor einem Jahr verlor er seine geliebte Frau, die Fotografin Barbara Maurer. In dieser Ausgabe nimmt er noch einmal Abschied – die Fotos von ihren Kraftorten, majestätische Alpenlandschaften, symbolisieren auf perfekte Weise die unvergängliche Schönheit der Schöpfung.

Thomas Garms, Editor 3


INHALT Themenschwerpunkt

Erinnerungen

56 verlorenes paradies

Wenn irgendwo Hippieträume wahr wurden, dann hier: In den 70er-Jahren bildete das Taylor Camp auf Hawaii ein einzigartiges Beispiel für das Ideal eines freien, selbstbestimmten Lebens. Der Fotograf und Autor John Wehrheim erinnert sich.

06 zwei in einem

36 steile these

68 eine zeitreise

Die brasilianischen Grafittistars Otavio und Gustavo Pandolfo wirken wie die gleiche Person in zwei verschiedenen Körpern.

Die schönsten Blondinen der Welt stammen angeblich aus Schweden. Das 26 Jahre alte TRIP Girl Jessica Olsson zeigt, warum.

Beate Wedekind über ihre Erfahrungen mit Prominenten und den Sommer vor 30 Jahren an der Côte d' Azur.

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fotos inhaltsseite // John Wehrheim, Daniel Klajmic, Barbara Maurer, wwwedekind, Corinne Meylan, Anselmo Venansi

Momente, die unser Leben verändern und für immer prägen


titelfoto // Daniel Klajmic künstler // Otavio und Gustavo Pandolfo

titelfoto // Anthony Huus Model // Jessica Olsson

Augenblicke, die im Gedächtnis bleiben: Storys AUS Amerika, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Kongo, Österreich, der Schweiz und Sylt

16 Parade > 16 News und Tipps Technik, Gimmicks, Lifestyle > 18 Unterwegs Gardasee und Unterwasserhochzeit > 20 Gear Plattenspieler und Bike-Bausatz > 21 Barkeeper Neues aus der Welt der Spirituosen > 22 Ladys Lustei und Voodoozauber > 24 Genuss Like a Gentleman > 26 Gitarren in 3-D-Lasertechnik > 28 Spielkram Kunstvolle Autospirale > 30 Ausstattung Mode mit Ecken und Kanten > 32 Sechsmalacht Was sagt ihr denn dazu? > 34 Umfrage Sind Tränen uncool? 46 AUFBrUCH INS ALL

Fantasievolle Plattencover aus der Welt von Raumfahrern und Science-Fiction.

64 sportsfreunde

Ob Janis Joplin, Steve McQueen oder Ralph Lauren: Alle lieb(t)en ihren Porsche. Sechs ganz besondere Exemplare, die Geschichte schrieben.

82 lebendiges graffiti

In dem Buch „Holy Shriiimp – The Bible Vol. 1“ übernimmt ausnahmsweise weibliche Haut die Rolle der Häuserwand.

94 zwischen raserei und stille

Heruntergehen vom Gas und beten: Die neue Autobahnkirche Wilnsdorf ist dafür der perfekte Ort.

98 SONNENMäDCHEN

Das Model Mariana Goldfarb hat bald Premiere im Fernsehen. Hier zeigt sich die braun gebrannte Schönheit schon mal am Strand von Rio de Janeiro.

108 innere werte 50 grünes klassenzimmer

Fünf Freunde fuhren auf ihren Stand-upPaddle-Boards durch die Flusslandschaft des Amazonas mit einer Botschaft für die Ureinwohner.

Das Hotel Budersand auf Sylt überrascht mit einer perfekte Symbiose aus Stille, Stil und Erhabenheit.

114 drunter und drüber

Manchmal steht die Welt Kopf. Dann sind bequeme, strapazierfähige Outfits wichtig.

120 wintersport-special

Lässige Outfits und perfekte Ausrüstung für Piste, Backcountry oder Park and Pipe.

126 Kolumnen > 126 Frau und Mann Roger Köppel über den Quotenwahn. > 128 Vier Mann für einen Zementsack Mike Ziegler über deutsche Weicheier. > 130 Was treiben Sie, Herr Nachbar? Thorsten Timm über schwer kontrollierbare Neugier. 76 innige verbindung

86 alles an bord

Barbara Maurer verstarb unter tragischen Umständen während der Arbeit an ihrem Buch „Kraftort Alpen“. Wir gedenken der Künstlerin.

Mord, Hochzeitsnächte und Kaiser­schnitte gehören zu einer Flussfahrt auf dem Kongo.

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Standards > 48 www.tripmagazin.de > 129 Herstellernachweis > 129 Impressum


ZWEI IN EINEM Text Millios Kaiser Fotos Daniel Klajmic

Otavio und Gustavo Pandolfo wirken wie die gleiche Person in zwei verschiedenen KĂśrpern. Sogar ihre Zeichnungen sind gleich. Das war schon so, bevor sie Os GĂŞmeos wurden und die 6


Die schwarzen Seiten

Welt mit ihrer Kunst eroberten. Alles, was sie machen, ist für sie eine spirituelle Angelegenheit: „Seit wir fünf Jahre alt waren, wussten wir, dass unsere Mission auf der Erde das Zeichnen ist.“ 7


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Die schwarzen Seiten

Auf der Straße werden Otavio und Gustavo Pandolfo als Superstars gefeiert. Allerdings nicht von allen. Einmal hätten die Behörden von São Paulo fast ein großes Wandgemälde der Zwillinge entfernen lassen, das sich über 700 Quadratmeter an der ständig verstopften Stadtautobahn „23. Mai“ erstreckt. Arbeiter begannen, das Kunstwerk zu überpinseln – angeblich „aus Versehen“. Dabei ist die Qualität des Megagemäldes, das in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstand, wirklich beeindruckend. Wer hier im Stau steht, kann auf Traumreise gehen und sich an fantastischen Wesen erfreuen, an gelben Gestalten mit dünnen Gliedmaßen oder an einem sitzenden Mann, der sein eigenes Gesicht von sich gestreckt in den Händen hält. Trotz der vielfältigen internationalen Aktivitäten verbringt das Duo dennoch viel Zeit in São Paulo. Genauer gesagt in Cambuci, einem Stadtteil mit alten Häusern und Schuppen, wo Otavio und Gustavo besser bekannt sind als Tico und Teco. Dort befindet sich das Atelier des Duos, nur wenige Meter von dem Haus entfernt, wo sie vor 39 Jahren geboren wurden. Großgezogen wurden sie von der Hausfrau Margari-

1 | Holzkisten vom Markt dienten den Zwillingen in der Kindheit als Spielzeug. 2 | Zum dritten Geburtstag gab es eine Art Kucheninstallation.

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Schule. Manchmal sahen wir eine Wand und wollten sie bemalen, aber wenn dort jemand wohnte, haben wir gelernt, das zu respektieren.

da Kanciukaitis und dem Chemiker Walter Pandolfo. Das Interview mit TRIP dauerte fast fünf Stunden und während dieser Zeit ließen die Brüder Pandolfo Stift und Pinsel nicht los. Ihr seid in Cambuci aufgewachsen. Welche Erinnerungen habt ihr an diese Zeit? Otavio: Cambuci war immer ein Wohnviertel, auch während der industriellen Zeit. Spätnachmittags konnte man die Frauen vor der Haustür beobachten. Hier traf jeder jeden, um auf der Straße ein Schwätzchen zu halten. Es gab auch viele Grafiker hier. Gustavo: Die Straße war unser wichtigstes Spielzeug. Wir lebten draußen. Wir haben alles auf der Straße gelernt. Es war unsere

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Und in der wirk­ l­i­chen Schule, wie erging es euch dort? Otavio: Wir waren durchgehend auf staatlichen Schulen. Man muss sagen, dass diese alle sehr 2 gut waren. Es gab so­ gar eine Französisch-Klasse! Und wir sangen jeden Tag die Nationalhymne. Gustavo: Bemerkenswerterweise stammen auch andere Street-Art-Künstler wie Speto, Nina Pandolfo oder Onesto aus dieser Gegend. Jeder zeichnete die ganze Zeit. Im Auftrag unseres Lehrers machten wir auf der Straße Fotos von unseren Graffitis, der diese dann benotete. Die Bahnlinie führte direkt an der Schule vorbei. Es war cool: Wir sahen durch das Fenster Züge vorbeifahren, die wir am Tag zuvor bemalt hatten. Wart ihr gute Schüler? Otavio: Na ja. Wir zeichneten die ganze Zeit und lernten nur, wenn wir lernen mussten. Wir mussten deshalb auch ein paar Schuljahre wieder-

Fotos // arquivo pessoal

elbhäutige Wesen, flie­­ gende Fische, möblier­ te Köpfe: Seit 1987 erschaffen Os Gêmeos, „Die Zwillinge“, ein buntes, fantastisches Uni­versum. Ihre surrealen Meisterwerke fin­ det man überall in São Paulo, aber auch international hinterlassen sie mit Auftragsarbeiten ihre Spuren. Sie gestalteten die Fassade der Tate Modern in London oder das Haus von Johnny Depp in Los Angeles, entwarfen Schals für Louis Vuitton und Schuhe für Nike.


holen. Einmal hat einer von uns die Klasse freiwillig wiederholt, nur damit wir zusammenbleiben konnten. Gustavo: So ist es! Als es einen Malwettbewerb in der Schule gab, haben sie uns in verschiedene Räume gesteckt. Der Preis war ein Flugticket nach Brasilia. Es war verrückt. Wir befanden uns in getrennten Räumen und doch haben wir genau dasselbe gemalt. Ich konnte nicht sehen, was mein Bruder zeichnete, aber ich tat genau das Gleiche. Wir haben schon immer zusammengearbeitet. Schon im Bauch unserer Mutter! Immer haben wir alles geteilt. Erklären können wir das nicht, es ist für uns einfach ganz selbstverständlich. Anders würden wir uns auch gar nicht wohl fühlen. Wir machen jede Arbeit zusammen – one World, one Voice! Eure Zeichnungen waren immer ähnlich? Otavio: Dasselbe eben. Seid ihr der Typ Zwil­ linge, die fest aneinander kleben? Otavio: Selbst wenn wir weit weg sind voneinander, sind wir uns nah. Wir wissen, was der andere fühlt, ohne zu fragen.

„Wir reden nicht viel miteinander. Wir wissen immer, was der andere fühlt.“

Hattet ihr jemals Streit miteinander? Otavio: Nee. Wir reden nicht viel miteinander, eigentlich. Wir verstehen uns, auch ohne Worte. Wart ihr schon mal länger voneinander getrennt? Gustavo: Nie. Wir sind uns stets nah, auch in der Ferne. Wir wissen immer, was der andere fühlt. Gibt es jemanden in der Familie, der auch zeichnet? Otavio: Der Onkel unserer Mutter, Nicanor Ferracciu, der konnte richtig gut malen. Meine Mutter nahm Unterricht bei ihm. Arnaldo, unser älterer Bruder, erfand Spielzeuge. Er zeichnete sie. Arnaldo war derjenige, der uns die

wichtigen Dinge des Lebens beigebracht hat. Gustavo: Eigentlich wissen wir nicht wirklich, warum wir zeichnen. Ich denke, es hat einen spirituellen Ursprung, etwas Rätselhaftes, was uns schon vor der Geburt prägte. Hinweise unserer Eltern versuchen wir, wie Puzzleteile miteinander zu verbinden, um uns einen Reim darauf zu machen. Aber so richtig schlau geworden sind wir daraus noch nicht.

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3 | Die Zwillinge singen Rap bei einer Mottoparty. 4 | Hip-Hop-Performance in einer Metrostation mit der Sampa Crew und Rooney (1988).


Die schwarzen Seiten

Hat die Jugendzeit eure aktuelle Arbeit beeinflusst? Otavio: Mann, die 80er-Jahre waren eine Zeit voller interessanter Details. Die Kleidung, das Fernsehen, in allem steckten enorm viele Botschaften. Diese riesige Menge an Botschaften hat uns stark beeinflusst. In unseren Arbeiten gibt es immer eine Menge von Details. Wir wollen sehr viele Dinge sagen und versuchen dann, alles in der jeweiligen Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Wie kam das Graffiti in euer Leben? Gustavo: Als wir die Hip-Hop-Kultur kennenlernten, 1985. Nur wenige Menschen wissen das, aber Hip-Hop war sehr stark in Cambuci. Dort gab es beispielsweise die Gruppe Fantastic Break. Das waren die ersten Jungs, die wir gesehen haben, die Graffiti und Breakdance machten. Davor war es cool, so wie Michael Jackson zu tanzen. Dann kam die Welle mit dem Robotertanz, dann Breakdance. Wir trainierten ohne Pause. 6

Fotos // arquivo pessoal

Wieso spirituell? Otavio: Wir waren Frühgeburten, kamen bereits nach sieben Monaten zur Welt. Unsere Mutter erfuhr erst während der Geburt, dass sie Zwillinge bekommt. Es war ein medizinischer Pro­ blemfall. Der Arzt sagte, wir würden sterben. Dann sagte meine Mutter: Falls sie sterben müssen, dann lass es in meinen Armen sein, in meinem Haus. Gustavo: Als wir fünf Jahre alt waren, prophezeite sie schon, dass unsere Mission das Zeichnen sei.

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„Während der Schulzeit zeichneten wir unablässig. Wir waren gut und wurden oft Wir machten für eingeladen, um auf irgendwel- den Lehrer Fotos chen Feiern zu tanzen. Dann von unseren fingen wir an zu Graffitis und er rappen. Otavio: In dieser Zeit bewertete sie.“ kamen die Filme „Beat Street“ und „Breakin“ ins Kino, die aus diesem Universum erzählten, über das sprachen, was in New York und anderen Zentren der Welt los war. Wir haben uns beide Filme angeschaut. Mann, das war regelrecht eine Injektion von Informationen. Wir erlebten die Kleidung, den Sound, alles. Wir sind ausgeflippt. Wir wollten uns so kleiden wie die Jungs in den Filmen: Nike-Schuhe, Puma tragen ... Hattet ihr denn das Geld dafür? Otavio: Ach, woher. Aber unsere Großmutter war eine Schneiderin. Wir kauften den passenden Stoff und baten sie, für uns einen Pul-

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lover zu machen, zum Beispiel. Oder wir machten Deals mit Menschen, die im Ausland waren. Gustavo: Wir haben sogar das Nike-­ Symbol an die Snea­­­­ kers genäht!

Wann habt ihr das erste Mal gesprayt? Otavio: Nachdem wir sahen, wie ein paar Jungs aus dem Bezirk rumsprayten. Wir baten unsere Mutter, uns eine Dose zu kaufen. Unser Leben veränderte sich damit fundamental. Wir sprayten unser Schlafzimmer, danach den Garten, dann das Dach, dann das Dach vom Nachbarn. Wir hatten den Ansporn, die Technik zu beherrschen, bevor wir in den Straßen sprayten. Eure Mutter war offenbar ziemlich aufgeschlossen. Halbwüchsigen Jungs ein paar Spraydosen zu schenken, war da-


mals sicherlich nicht an der Tagesordnung ... Otavio: Graffiti war eine neue Sache, wurde noch nicht in Verbindung gebracht mit Vandalismus, so wie heute. Ich erinnere mich, dass wir stundenlang mit der Bahn fuhren, nur um irgendwo ein Graffiti zu sehen. Als wir es dann sahen, machten wir ein Foto und bewunderten die Abbildung tagelang.

5 | Im Jahr 1991 zusammen mit Binho Speto, Vitche und Tinho, heute alle bekannte Street-Artists. 6 | Selbstporträt aus dem Jahr 2007. 7 | Die Zwillinge vor einem Wandgemälde in Coney Island, New York (2005). 8 | Die Künstler bereiten in der Galerie Fortes Vilaça eine Ausstellung vor (2006).

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Andere Zeiten ... Gustavo: Das kann man wohl sagen. Wir gingen in die Stadtbibliothek und stöberten in Buch- und Zeitschriftenarchiven, nur um irgendwo ein Graffiti zu finden, das oft nur im Hintergrund des Fotos zu sehen war. Wenn jemand ein Magazin ergatterte, in dem über Graffiti berichtet wurde, haben wir das monatelang verschlungen und jedes Detail analysiert. Erinnert ihr euch an das erste Graffiti, das ihr im öffentlichen Raum angefertigt habt? Otavio: Ich glaube, wir schrieben das Wort Crime und daneben sprayten wir die Figur eines Jungen. Das war drei Jahre, nachdem wir unsere erste Sprühdose in die Hände bekommen hatten, wahrscheinlich 1986, 1987. Wart ihr oft im Bahnhof São Bento, dem Geburtsort des Hip-Hop in São Paulo? Otavio: Verdammt, das war unbeschreiblich cool dort! Ein magischer Ort. Schon von Weitem konnte man die Musik hören. Das Herz raste, als wir uns nährten. Unsere Eltern brachten uns jedes Wochenende dahin. Wir waren erst 14 Jahre alt, inmitten von 20-Jährigen. Gustavo: Es war eine parallele Welt. Dort liefen die Dinge anders. Es hatte viel mit Respekt zu tun und damit, ebenfalls respektiert zu werden. Und wir waren Alemãozinhos (kleine Deutsche) inmitten einer Menge von großen, starken, schwarzen Jungs. Aber wir zogen uns ihrem Stil entsprechend an und hatten genügend Breakdance-Schritte drauf. Wir wurden gut aufgenommen. Thaíde, der Rapper und spätere TV-Moderator, war der erste Typ, den wir dort kennenlernten. Otavio:

So fing das mit dem Sprayen an, sonntags auf der Straße. Das war sehr wichtig für die brasilianische Graffitiszene. Bis heute ist Sonntag der Graffititag. Und die Polizei schritt nicht ein? Gustavo: Doch, doch. Repression total, wir hatten damals ja noch eine Diktatur in Brasilien. Jeder hatte Angst vor der Polizei. Wir mussten immer Ausweispapiere bei uns tragen, wenn nicht, nahmen sie uns mit zum Polizeirevier. Heute ist das anders. Die Polizei kommt näher und wenn du keinen Quatsch machst, fordern sie dich auf, den Streifenwagen zu bemalen (lacht). Ihr lebtet also im Grunde von Rap, Graffiti und Breakdance ... Otavio: Nein, nicht nur. Wir arbeiten, seitdem wir 14 Jahre alt sind. Zuerst in einer Karosseriewerkstatt, wo wir hervorragend an Farbe rankamen. Dann in einer Fabrik, in einer Videothek ... Wir waren sogar als Motorradkuriere für eine Bank tätig. Aber wir hatten keine wirkliche beruf-

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liche Perspektive vor Augen, das war klar. Irgendwann kam die Zeit, als wir diese Gelegenheitsjobs einfach nicht mehr machen wollten. Wir wollten versuchen, nur noch von der Kunst zu leben. Damit begann die vielleicht prägendste Zeit unseres Lebens. Wir waren ziemlich viel im Haus unserer Mutter – Malerei nonstop etwa drei Jahre lang. Wir lernten, Airbrush, Aquarell, Ölfarbe zu verwenden ... Wir folgten unserem Stil. Das war das Leben, das wir leben wollten.


Können andere Personen Zutritt zu Tritrez haben? Gustavo: Jeder hat seine eigene Tritrez. Aber viele haben Angst, sie zu berühren. Es ist eine tiefe, ja unheimliche Welt. Wir haben bis heute Angst. Es ist schwer, sich fallen zu lassen. Es fordert einen körperlich und geistig ...

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9 | Die Zwillinge als Gast auf auf dem Burning Man Festival (2009). 10 | Auf einer Reise nach Moskau (2011).

Wir machten oft nächtelang durch und hörten Musik von Led Zeppelin und Pink Floyd, tranken Wein und malten bei Kerzenschein. Gustavo: Es war wie eine Meditation. Warum Kerzenlicht? Otavio: Wir hielten alles von uns fern, was die Konzentration stören konnte. Wenn bei uns zu Hause Besuch war, haben wir die Leute nicht mal begrüßt. Wir gingen nur runter, um zu essen, manchmal nicht einmal das. Wir schrieben eine Menge in dieser Zeit, eine Art Tagebuch. Wir machten Notizen über unsere Zeichnungen, um unsere Bestimmung zu finden. Bis sich ein Fenster öffnete und wir alles glasklar vor Augen sahen. Das klingt wie eine Art göttliche Offenbarung. Gustavo: Es war so. Jeden Tag sahen wir ein wenig mehr von dieser Welt. Es spulte sich alles wie ein Film vor unseren Augen ab. Eine spirituelle Sache. An einem Tag entschieden wir, wie die Nase unserer Charaktere aussehen soll, am nächsten Tag legten wir das Aussehen der Beine fest.

Warum sind die Wesen, die dort leben, gelb? Otavio: São Paulo ist sehr grau. Wir konnten und wollten die Stadt nicht auf diese Weise sehen. Das Gelbe kam aus dieser Zeit, in der wir uns im Haus unserer Mutter abgeschottet hatten. Uns gefiel vor allem die Stimmung am späten Nachmittag, wenn sich der Himmel orange färbte. Das Gelb ist ein Versuch, das Licht, das durch das Fenster kam, darzustellen. Gustavo: Wir zerlegten die Farben Orange, Gelb und Rot, das ist auch Teil unserer Arbeit. Die Umrandung unseres Designs ist nicht schwarz, sie ist dunkelrot und schwarz. Irgendwie scheint Tritrez ein anderer Begriff für Inspiration zu sein, vielleicht sogar für Gott. Glaubt ihr an Gott? Gustavo: Wir glauben an unser Universum. Wir glauben an Gott. Aber wir folgen keiner Religion.

Wann habt ihr angefangen, mit eurer Arbeit Geld zu verdienen? Otavio: Wir malten die Eingangsfront von Skateläden, machten Illustrationen für ein Magazin. Aber es war ein Knochenjob. Jede Arbeit, die wir anfertigten, war ein Grund zur Freude; unsere Mutter schaute sich alles persönlich an und war stolz darauf, es zu sehen. Gustavo: Unsere Arbeit wurde eigentlich erst wirklich ernst genommen und anerkannt, als ein amerikanischer Graffitikünstler, Barry McGee, nach São Paulo kam. Er sah ein Graffiti von uns auf der Straße, mochte es und rief uns an! Es war unser erster Kontakt mit einem Graffitikünstler aus dem Ausland. Wir sind ausgeflippt. Otavio: Es war so, dass Barry einem Freund, der ein namhaftes Graffitimagazin 10

Diese Welt nennt ihr Tritrez. Was bedeutet dieser Begriff? Gustavo: Wir begannen, uns recht intensiv mit unserem Leben und unseren Prägungen auseinanderzusetzen. Vieles hatte mit der Ziffernfolge 3.32 tun. Mehr vermag ich leider nicht zu sagen, da es eine ziemlich intime Sache ist. Die Wurzel für das, was wir tun, ist recht komplex. Für uns ist es super, dass wir dieses Universum entdeckt haben. Wir haben beschlossen, es mit anderen Menschen zu teilen.

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Fotos // arquivo pessoal

Die schwarzen Seiten


„Anfangs hatten alle Angst vor der Polizei. Heute ist das anders. Die Polizei nähert sich und wenn du keinen Quatsch machst, fordert sie dich auf, ihren Streifenwagen zu bemalen.“

verlegte, über die brasilianische Street Art erzählte. Dieser Typ kam nach São Paulo, um darüber zu schreiben. Dann kam ein anderer deutscher Künstler, Loomit. Er lud uns ein, in München auszustellen. Das war 1999 oder so. Von da an öffneten sich für euch die Türen der internationalen Galerien? Otavio: Im Jahr 2000 hatten wir eine weitere Ausstellung in San Francisco. Dann eine in New York. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 machten wir viele Ausstellungen und Projekte außerhalb Brasiliens. Gustavo: Erstaunlich dabei ist, dass wir am Anfang sehr viel Wert darauf legten, unsere Arbeit exakt so umzusetzen, wie wir es aus Brasilien gewohnt waren. Wir nahmen unsere Farben ins Flugzeug mit (lacht). Niemand verstand, wie wir unsere Sprays verwendeten, weil diese sehr wässrig waren. Für uns machte es durchaus Sinn: Es war billiger und trocknete schneller.

War es enttäuschend, dass der Erfolg erst außerhalb Brasiliens kam? Otavio: Nein, wir dachten: Wenn man uns hier nicht sieht, sieht man uns eben nicht. Wir fokussierten uns mit der Arbeit auf die Märkte, die sich für uns geöffnet hatten. Bis uns eines Tages Marcia Fortes anrief, der geschäftsführende Gesellschafter der Galerie Fortes Vilaça. Er wollte die erste Ausstellung in Brasilien mit uns machen.

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Trennt ihr zwischen den Arbeiten, die ihr auf den Straßen und in Galerien macht? Otavio: Vollständig. Street-Graffiti ist illegal, man malt dort, ohne jemanden zu fragen. 12

11 | Zu Besuch bei dem russischen Clown Slava Polmin, der viele Nummern für den Cirque du Soleil kreiert hat. 12 | Mit Roger Waters während der Pink- Floyd-Tour in Los Angeles. 13 | Das aufgeblasene Schwein diente als Talisman für die Show.

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Die schwarzen Seiten

Die Welt der zeitgenössischen Kunst ist etwas anderes. Man kann diese beiden Dinge nicht miteinander vermischen. Gustavo: Sowohl hier wie auch dort nutzen wir zwar ähnliche Techniken, aber das, was wir für Galerien tun, nennen wir nicht Graffiti. Wie steht die zeitgenössische Kunst zu den Künstlern von der Straße? Gustavo: Keine Ahnung, ob in der zeitgenössischen Kunst Vorurteile gegen Street Art bestehen. Grundsätzlich sehe ich immer mehr Künstler, die ihren Ursprung auf den Straßen haben und in die Galerien einziehen. Eure Ausstellungen ziehen die unterschiedlichsten Menschen an. Wie kommt das? Otavio: Vielleicht liegt es daran, dass unsere Technik sehr einfach ist. Man braucht keine Erklärung. Es gibt aber auch viel Inhalt. Wenn wir wollten, könnten wir ein Buch schreiben über jedes unserer Werke. Aber das ist nicht nötig. Wir wollen die Fantasie anregen, von Kindern, von alten Menschen, von allen. Wir wollen, dass der Betrachter das Bild zunächst fühlt, bevor er seine Aussage versteht. Gustavo: Es ist verrückt. Unsere Ausstellungen öffneten uns Türen, die wir nie für möglich gehalten hatten. Die Ausstellungen ziehen eine große Anzahl von Menschen an, und das macht uns stark. Diese Menge an Menschen ist in der zeitgenössischen Kunst eigentlich nicht üblich. Für irgendeinen jungen Kerl, der gerade auf der Straße zu malen beginnt, sind wir der beste Beweis, dass es einen Markt für ihn gibt. Lasst uns über São Paulo sprechen. Wie seht ihr die Stadt heute? Gustavo: Eines der coolsten Dinge ist, dass es in São Paulo keinen Strand gibt. Man lernt, auf anderen Wellen zu surfen. Otavio: Ey Mann, ich glaube, São Paulo hat sich zu seinem Nach-

teil entwickelt. Die Stadt ist gefährlicher als je zuvor. Die Politiker sind korrupt, krasser und stehlen mehr. Diese Protestbewegungen im ganzen Land machen euch nicht optimistischer? Otavio: Wer einmal bei einer dieser Demonstrationen mitgemacht hat, spürt ihre Stärke und die Bedeutung für die Menschen. Wir sind es leid, alles einfach so hinnehmen zu müssen. Wir wurden getäuscht und ausgeschlossen von Entscheidungen, die eine zentrale Bedeutung haben für die brasilianische Gesellschaft. Deshalb ist die Sache so weit gekommen. Die Preiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr waren nur der Auslöser. Sollte diese Veränderung in São Paulo starten, in der größten brasilianischen Metropole? Gustavo: Ich denke schon. Die Stadt ist unerträglich geworden und etwas Neues muss entstehen. Überall Chaos. Übrigens auch darum haben wir uns entschieden zu malen: Das öffnet ein Fenster raus aus diesem Chaos.

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„Eines der coolsten Dinge ist, dass es in São Paulo keinen Strand gibt. Man lernt, auf anderen Wellen zu surfen.“ 14

Ihr lebt in einem ständigen Kräftemessen mit der Stadtverwaltung, die eure Graffitis von den Wänden entfernen lässt, sobald diese fertig sind. Gustavo: Ey Mann, es ist sinnlos, darüber zu reden. Wir haben schon so oft versucht, mit den Politikern zu reden, aber es will einfach nicht funktionieren. Wir werden weiterhin malen. Wir werden nicht aufhören, das zu sagen, was wir sagen wollen. Allerdings ist es mir unverständlich, warum die Politiker derart viel Energie in die Bekämpfung von Graffitis stecken, während es genügend andere Probleme gibt, um die sie sich kümmern sollten.

Gesamtkoordination Adriana Verani Fashion-Produktion Anabelle Custodio Make-up Christian Mourelhe Fotoassistenz Cal Vasques und Luciana Izuka Danke an Dudalina, Brechó Minha Avó Tinha, Brechó Itinerante und an Os Gêmeos

14 | Die beiden Künstler in ihrem Atelier in Cambuci. 15 | Eine Botschaft für die Stadtverwaltung von São Paulo. 16 | Dieses Foto entstand speziell für TRIP.


Fotos // arquivo pessoal

Wie steht ihr zu Drogen? Nutzt ihr welche? Gustavo: Wir lieben es, zu schlafen und zu träumen. Unsere Arbeit ist von den Träumen geprägt, die wir haben. Wenn es uns nicht gut geht, wir keine Kontrolle über uns haben, gibt es keine Träume. Deshalb kommen Drogen für uns nicht infrage. Welche Pläne habt ihr für die Zukunft? Gustavo: Wir wollen noch viel experimentieren. Wer weiß, vielleicht sogar mal Kleidung entwerfen. Wir haben schon viel in diese Richtung entwickelt ... Bei genauerer Betrachtung sieht man, dass unsere Charaktere immer ein anderes Outfit anhaben. Nie wiederholen wir einen Look. Auf gewisse Weise sind wir also auch Modedesigner. Otavio: Unser Universum ist so real, dass es zu einem Film, Musical, Theaterstück oder auch zu Musik werden kann. Unsere einzige Sorge ist, es nicht gut genug zu machen. Wir sind sehr launisch und perfektionistisch. Wir versuchen, das Beste zu geben, was wir können.

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Urwüchsiger Charakter

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Hier findet die Ausrüstung für eine ganze Weltreise Platz. Oder auch nur fürs Wochenende. Der Amarok mit einem Einstiegspreis ab 28.049,– €* und optionalem Hardtop. Bei einem Campingausflug darf einer nicht fehlen: der Amarok. Mit seinem optionalen Allradantrieb 4MOTION und dem hochwertigen Interieur bringt er Sie mühelos ans Ziel. Auf Wunsch gibt es den Amarok mit einer Anhängekupplung, die Anhängelasten von bis zu 3.200 kg ziehen kann – selbst bei Steigungen von bis zu 12 %. Zusätzlich bietet seine optionale Laderaumabdeckung geschützten Stauraum für Ihre Ausrüstung. Dank optionaler BlueMotion Technology mit einem durchschnittlichen Verbrauch ab 7,0 l/100 km** ist er außerdem besonders wirtschaftlich. Beginnen Sie noch heute Ihr Abenteuer – mit einer Probefahrt bei Ihrem Volkswagen Nutzfahrzeuge Händler. www.volkswagen-amarok.de

*Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers für einen Amarok DoubleCab, 2,0-l-TDI-Motor mit 103 kW, zuzüglich Überführungs- und Zulassungskosten, inklusive Mehrwertsteuer. **Amarok, 2,0-lTDI-Motor mit 103 kW, BlueMotion Technology und 4MOTION. Abbildung zeigt Sonderausstattung gegen Mehrpreis.


gear

Gut geschützt Der in Zusammenarbeit mit AGV und Diesel entwickelte MowieJet-Helm ist nicht nur stylish, sondern auch besonders angenehm zu tragen. So besteht die Innenausstattung des Helms aus besonders weichem italienischen Stoff und Leder, ist zudem antibakteriell und verfügt über einen abnehmbaren Kinnschutz. In fünf Farben und den Größen XS bis XL. Um 124 Euro. www.diesel.com

Rundlich Machs dir selbst Dänische Designer haben ein Fahrrad erfunden, das als Bausatz nach Hause kommt. Die Lieferung mit zwei massiven Holzrahmen und Rädern besteht insgesamt aus weniger als 50 Teilen, die sich auch von ungeübten Bastlern ruckzuck zusammenfügen lassen. Das Sandwich-bike gibt es ab 799 Euro. www.sandwichbikes.com

// 20 // Fast schon eine Rarität – der USB-Plattenspieler mit Kassettendeck ist klein und kompakt und lässt sich durch seinen Batteriebetrieb prima überall mit hinnehmen. Man kann endlich wieder alte Vinylschätze und Kassetten genießen. Auch zum Digitalisieren bietet dieses Gerät eine wunderbare Funktion. Mit der integrierten Software lassen sich Aufnahmen übrigens im Handumdrehen auf digitale Formate konver­tieren. Ion Duo Deck. Um 70 Euro. www.ionaudio.de

Nur telefonieren ist ja heute langweilig. Für den besonderen Touch sorgt das Eclipse von AEG. Minimalistisch ergänzen sich die Basis und das Mobilteil zu einer ellipsenförmigen Einheit. Zur technischen Ausstattung gehören ein kristallklares, hintergrundbeleuchtetes LCD-Display, eine beleuchtete Tastatur und ein Klang, der sogar bei der Freisprechfunktion überzeugt. Das Telefonbuch speichert 200 Einträge. Eclipse gibt es in Grün, Orange, Blau und Rot und im Holzdesign. Ab 119,99 Euro.


Jack Daniel’s Sinatra Select

barkeeper wissenswertes aus der welt der spirituosen

I

n der letzten Ausgabe haben wir den Jack Daniel’s Gentleman Jack vorgestellt. Nun präsentieren wir die Freundschaft zweier echter Legenden – zwei Wahrzeichen Amerikas vereint: Jack Daniel’s Sinatra Select.

Als „Nektar der Götter“ bezeichnete Frank Sinatra oft seinen Lieblingswhiskey. Dabei passt der Whiskey aus Tennessee zu ihm wie die Fliege zum Smoking. Regelmäßig prostete der legendäre Entertainer seinem Publikum von den Bühnen der Welt mit einem Glas Jack Daniel’s in der Hand zu, und das von den 1950erJahren bis in die 1990er. Im Jahre 2015 wäre sein 100. Geburtstag gewesen. Es ist kein Geheimnis, dass Sinatra einer der größten und treuesten Fans von Jack Daniel’s war.

Herstellung Die von Master Distiller Jeff Arnett handverlesenen „Sinatra-Fässer“, die bei der Herstellung dieses Produkts verwendet werden, sind außergewöhnlich. Der Clou liegt in den Einkerbungen auf der Innenseite der gerösteten Fässer. Diese Rillen lassen den Whiskey stärker mit dem Holz arbeiten, was ihm intensive Eichenfass- und Gewürznoten und einen überaus feinen Abgang mit Vanillearomen verleiht. Der feine, aber kräftige Charakter des Whiskeys soll den ebenso feinen und kräftigen Charakter des Sängers widerspiegeln. Der edle Tropfen mit einem Alkoholgehalt von 45 Volumen­ prozent wird in eine besonders hochwertig gestaltete Ein-Liter-Flasche abgefüllt. Durch seinen zeitlosen Charakter, das intensive Aroma und seinen milden Geschmack ist dieser Premium-Whiskey schon jetzt zum Klassiker bestimmt! Wir genießen und sagen Prost!

Der Premium-Whiskey von Jack Daniel’s zu Ehren von „O’l Blue Eyes“ wird sich zu einem Prunkstück in jeder Bar entwickeln und lädt zum Genießen mit Freunden ein.

Frank Sinatra liebte Jack Daniel‘s Whiskey. Nun gibt es zu Ehren des Entertainers den Sinatra Select.

www.jackdaniels.de www.massvoll-geniessen.de

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Trinktipp

Wie Sinatra selbst stilecht pur oder auf Eis genießen: Zwei Fingerbreit in einen Tumbler, mit drei oder vier Eiswürfeln und einem Spritzer Wasser.


ladys

Lustei

Was wir beim ersten Schnee machen

Der neueste Trend bei Sexspielzeugen ist die Stimulation mit Reizstrom, auch E-Stim genannt. Das Egg-cellent Egon bietet eine prickelnde Möglichkeit, den Orgasmus noch intensiver zu erleben. Es ermöglicht eine tiefe vaginale Penetration, die bei jeder noch so kleinen Bewegung stimuliert. Dabei sind sein Gewicht und seine Ausmaße so kompakt, dass es auch dann sicheren Halt in der Vagina hat, wenn die Trägerin sich bewegt und herumläuft. www.mystim.com

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quelle www.graphitti-blog.de

Schneeballschlacht Skifahren Winterwanderung Über andere Autofahrer beschweren Auf Facebook posten

Wollen Frauen Proleten?

Frauen erzählen zwar immer, dass sie sensible, intelligente Softies mögen. Am Ende treiben sie es aber doch lieber mit den Machos. Dies belegt eine Studie des Bundesfamilienministeriums. Die Vorstellung davon, was männlich ist, sei noch genau wie vor 50 Jahren. Ein echter Kerl müsse stark sein, dominant und leistungsbewusst. Frauen sehen sich als das Ziel, die Beute und den Mann als Jäger. Sie finden es unmännlich, wenn er Kuschelrock hört, ein Seitenschläferkissen benutzt oder Sandalen trägt. Ein sexy Mann, so sagen die Forscher, müsse stark wirken, vertrauenswürdig und selbstbewusst – selbst wenn er Jogginghosen trägt und ein Retrotelefon benutzt.

Voodoo-

Power

Frauen können ziemlich gefährlich werden. Vor allem, wenn sie an verborgene Kräfte glauben und Unterstützung suchen bei einer Voomate-Puppe. Die handgefertigten Mini-String-Dolls gibt es für nahezu alle Lebenslagen. Count Dracula etwa verleiht Macht im Gespräch – mit bissigem Wortwitz. Horror-Frank wiederum befreit von Albträumen und leitet diese an unliebsame Personen weiter. Und Man on the Moon macht stark dafür, Neuland zu entdecken und hoch gesteckte Ziele zu erreichen. Nahezu 100 Varianten sind bereits erhältlich. www.voomates.de


DER NEUE RANGE ROVER SPORT

VON 0 AUF GRENZENLOSE BEGEISTERUNG. Als dynamischster Land Rover aller Zeiten bietet der neue Range Rover Sport ein einzigartiges Fahrerlebnis. Ob auf oder abseits der Straße: Erleben Sie Fahren auf völlig neuem Niveau. landrover.de

Verbrauchs- und Emissionswerte Range Rover Sport: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7 – 6,7, innerorts 18,3 – 8,3, kombiniert 12,8 – 7,3; CO2-Emission 298 – 194 g/km, CO2-Effizienzklasse: G, F, C. Alle Angaben wurden nach dem Messverfahren RL 80/1268/EWG ermittelt. Bitte fahren Sie verantwortungsbewusst: on- wie offroad.

QR-Code scannen und Film ansehen.


genuss

Absteigen Die kleinen Geheimnisse des Alltags haben es ihm angetan: Jetzt hat TRIPKolumnist Thorsten Timm in Eigenregie ein wunderbares Hörbuch mit Hotelgeschichten produziert. Mal ironisch, mal poetisch, aber immer sprachlich raffiniert, drehen sich die von Klavierklängen untermalten Geschichten in den einfachen Etablissements um ganz elementare Bedürfnisse der Reisenden: die Suche nach Schutz und Geborgenheit im Kampf gegen Einsamkeit und Anonymität mit der Hoffnung auf ein Stück temporäre Heimat. Direkt bestellbar für 12,99 Euro über Thorstens Webseite. www.thorstentimm.de

Du möchtest eine Flasche Jack Daniel's Sinatra Select?

I

n der Rubrik „Barkeeper“ haben wir dir den Jack Daniel’s Sinatra Select vorgestellt. Nun hast du die Möglichkeit, eine Flasche des Whiskeys zu Ehren des großen Entertainers zu gewinnen!

Hierzu einfach folgende Frage richtig beantworten: Wie trank Frank Sinatra seinen Jack Daniel’s am liebsten? a) Stilecht pur. b) Mit Schirmchen. Mail uns die richtige Antwort an info@t-o-v.de. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2014. Die Teilnahme ist ab 18 Jahren möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Dr. med. vet. Anette Huhn Tierärztin, Köln www.tierarztpraxis-huhn.de

Frank Speck

Schlachterbetrieb, Gadebusch www.schlachtbetrieb.de

Dr. med. dent. Vera Krone Zahnärztin, Duisburg www.praxis-lutherplatz.de

foto // misterQM/photocase.com

Ulrich Sorgenfrei

Rechtsanwalt & Steuerberater, Frankfurt am Main www.ra-sorgenfrei.de

Foto // C_L/photocase.com

www.massvoll-geniessen.de

Manuela Pfotenhauer

Nagelstudio, Bad Berka www.manuelapfotenhauer.jimdo.com

Frank Schaden

Autohaus, Landkern www.autohaus-schaden.de

KIPP & SOHN KG

Riesenradbetreiber, Bonn www.schausteller-kipp.de

Dr. med. Cornelia Schiele Augenärztin, Hamburg www.augenaerztin-schiele.de

Adäquate Namen Inadäquate Namen Was wäre ein angemessener Name für einen Zahnarzt? Wie sollte der Chef einer Fleischerei auf keinen Fall heißen? Kennst du jemanden mit einem denkwürdigen Namen, dann schreib bitte eine Mail mit dem Betreff „adäquater/inadäquater Name“ an redaktion@trip.de.


Gitarren

Ohmy GODD von antonia nuding

Diese abgefahrenen Gitarren von ODD Guitars werden mittels einer speziellen 3-D-Lasertechnik hergestellt. Ihr Erfinder heißt Olaf Diegel, ein Industriedesigner aus Auckland in Neuseeland, der hauptberuflich als Professor für Mechatronik an der Massey-Universität in Auckland tätig ist. Die von ihm genutzte „Selective Laser Sintering“-Technik (SLS) gibt dem Kunden die Möglichkeit, eine auf höchst persönliche Gestaltungswünsche abgestimmte Custommade-Gitarre zu bekommen. Das ist nicht mal teurer, als würde man sich eine Markenklampfe kaufen, da es sich bei dem Instrument um einen 3-D-Print handelt. Auch das Zubehör wie Saiten, Brücken etc. lässt sich auf Wunsch personalisieren. Während der Anfertigung der eigenen Traumgitarre hält Olaf Diegel seine Kunden mit Fotos regelmäßig über den Fortgang der Produktion auf dem Laufenden. Gitarren, designt mit Herzblut! Ab circa 2.300 Euro.

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www.odd.org.nz


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spielkram

Farbiger Fuhrpark Ein Künstler präsentiert ein intensives Farberlebnis auf ungewöhnliche Weise: mit Miniaturautos. Text Dorothee Gödeke

E

s gibt kaum jemanden, der sich nicht an sein altes Lieblingsspielzeugauto aus der Kindheit erinnert oder an die Nachmittage, an denen der eigene kleine Fuhrpark wie auf einer Rennstrecke durch das Zimmer raste. Der britische Künstler David T. Waller hat dies etwas weiter getrieben. Schließlich hat er für seine Installation Toy Atlas Rainbow be-

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eindruckende 2.500 Spielzeugautos zu einem Kreis angeordnet und nach den Farben des Regenbogens sortiert. So banal das im ersten Moment klingt, umso eindrucksvoller das Endergebnis. Dank der kräftigen und geschickt ineinander übergehenden Farbtöne wirkt die drei Meter messende Spirale äußerst lebendig. Anstatt auf einheitliche Modelle zurückzugreifen, schaffen insbesondere

Abstufungen wie dunkle Fenster oder weiß leuchtende Autodächer das gewisse Etwas. Ob Waller damit zeigen möchte, dass Schattierungen und Differenzen am Ende ein stärkeres Gesamtbild schaffen als Uniformität und Perfektionismus? Letztendlich bleibt das aber sekundär, denn die Anordnung ist so oder so ein hypnotisierender Augenschmaus, nicht nur für Kinder. www.davidtwaller.com


It´s not wrong to be true.

shop online mustang-jeans.com


Mit Ecken und Kanten

Foto // Ishikaren/photocase.com

LEDER, DUNKLE FARBEN, KASTIGE SCHNITTE – MIT DIESEN ELEMENTEN BRINGST DU DEIN WINTEROUTFIT AUF DEN MARKANTEN TRENDPUNKT.

EDWIN

circa 580 Euro

GANT BY MICHAEL BASTIAN FLY LONDON

circa 170 Euro

// 30 // REPLAY Laserblast Collection circa 220 Euro

circa 650 Euro

von Felicia Baumgartner

Come to the dark side


ausstattung

PROTEST

circa 60 Euro

ANTONY MORATO

circa 160 Euro

WE ARE REPLAY

circa 950 Euro

 RED WING 

circa 290 Euro

REPLAY Laserblast Collection circa 160 Euro

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ANTONY MORATO circa 40 Euro

EDWIN

circa 160 Euro


sechsmalacht

was sagt ihr denn dazu?

Würdest du für einen Partner st Nenasollte Was wir dein Leben er v ie n man ... ? u d verändern gessen? karl frier Moderator aus Berlin

Meinen Auftritt mit Jürgen Drews auf dem Schützenfest in Bad Münder.

George marksson Musiker aus Stuttgart

Die Beerdigung meines geliebten Bullis (VW-Bus).

Die ist schon so durch, dass da r gar nichts meh hilft.

ht Gerade gemac und sehr glücklich mit diesem Schritt!

Was ist Nena?

clemens schmidt Vertriebsleiter aus Köln

jasper Dau Einzelhändler aus München

Mein letztes Mal!

Sex on the Beachtoilette!

Ich werde nie vergessen, wie langsam das Internet damals war ... Meinen ersten Burnout mit meinem Mofa.

... leichtere e Klar! Wenn es beziehungsweis e tig denn die Rich beruhigende ist! Drogen geben.

Vielleicht – mein e Lebensstil sollt ohnehin überdacht werden!

ll! Ja, in jedem Fa

Ausgeschnitten J

hast du camping irgendein findest besonderes du . . . t? n tale

Ich kann ziemLeide an lich lange und er retrograd oft eine Mütze Amnesie, wenn tragen. Und das Erlebnis zu mit den Ohren r. wa h sc ati traum wackeln kann ich auch..

al mit en ... manchm Den persönlich hig e ru us m ha liu Zu Va ein M Autowunsch ns hö n. sc lle e ste di und vielleicht. te Insel der Welt – SYLT.

Daniel wild Model aus Leipzig

il von Das TRIP-Urte

= Respekt! bis

= Pfff

yannick schmidt Berater für Windenergie aus Hamburg

rt Das Leben ände g. Ta en jed sich Daher nächste ja, Frage, bitte. Na e vielleicht würd r ich meine Frisu verändern.

Der origi- , nellste Ort an dem du sex hattest?

Motorhaube f eines Autos au einer Raststätte.

... nie wieder im TV zeigen!

r... einfach weite n. se las n he ac m

... würde ich Brille: Der der Welt mein . . . ganz okay, nOberlehrerinne t ch ni unbeschreibich nn we Style ist schon aftm Lu liches Karma er auf ein scharf! vorenthalten. tratze in einem Zelt schlafen muss.

Leider noch . nicht entdeckt

e In der Umkleid war schon ziem lich cool.

Warum reden alle ständig drüber?

Am Fußende meines alten Bettes.

... saucool – ich bin freiheits­ verliebt!

Nur den absoluten Willen, die Weltherrschaft an mich zu reißen ...

Ich komme ... immer zu früh tnk pü er üb bin lich!

Ich kann verdammt gut aussehen!

Nö!

wenn du Brille oder unsichtbar tk konta wärst . . . linsen?

Linsen: definitv r. alltagstaugliche

Augen lasern! ... geil! Ich habe Selbst gemacht wahrscheinlich und würde es mehr Tage im tun! immer wieder er qu il ob Wohnm pa durch Euro verbracht als so manch anderer.

... würde ich versuchen, schnell an Geld zu kommen, und die Aktion wahrscheinlich . nackt ausführen

n ... würde ich de ntaktlinsen, Ko it m , g eit Ta eih en Fr nz ... spitze! ist zu ga n meine Brille kleinen Späßen Alkohol, Grille tzt. ra rk ze andere Leute und nackte n! he ärgern. sc Men Brille für den n... ätzend – ich Style – Kontaktli h brauche einfac Sport. n de r fü n se s ein vernünftige Bett!

Da will ich t lieber gar nich ndrüber nachde ken ...

... würde ich relat u- Brille: Der tiv viel Zeit nack t ... mit netten Le in Intellekt ersche . fen em lau m ein ru d he un n ten Außenstehende Grill durchaus r. he hö . hm sehr angene

oachim Sperl ist studierter Grafikdesigner und lebt derzeit in Hamburg. Den Ursprung für seine Illustrationen sieht er bereits in seiner Kindheit: Der Arbeitsscanner des Vaters offenbarte ihm die Welt der Digitalisierung. Doch erst in den letzten drei Jahren hat der 29-Jährige zu einem eigenen Stil gefunden. Wenn er sich dafür nicht gerade von der Sprache der zu illustrierenden Artikel leiten lässt, findet er in Satire oder im Humor des österreichischen Kabarettisten Josef Hader seine Inspiration. Motive wie Vergangenheit oder Ästhetik fließen daneben ebenso in seine energiegeladenen und vielschichtigen Collagen ein. Immer darauf bedacht, die dafür nötige Sammlung an Material zu erweitern, bringt er vom Trödelmarkt nicht selten sogar kistenweise alte Fotografien mit zurück.

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r ... wäre ich liebe r. wieder sichtba


Fashion for Footballers

D

ie Stars um Messi, Neymar und Iniesta hängen ihre Stutzen an den Nagel und tauschen sie gegen stylishe Fashionteile. Zumindest dann, wenn sie nicht für den FC Barcelona auf dem Platz stehen. Das Premium-Denim-Label Replay stattet die katalanischen Kicker und das gesamte Betreuerteam die kommenden vier Jahre lang mit den exklusiven, offiziellen Outfits, einer Smart-Casual-Kollektion und Schuhen abseits des Rasens von Camp Nou aus. Diese Partnerschaft öffnet Replay die Tür zur Welt der Maßschneiderei. Jeanswear verschmilzt mit der konsolidierten, formellen Tradition: In der exklusiv für Barça-Spieler kreierten Kollek­tion verwandelt sich Denim in ein edles Gewebe, aus dem maßgeschneiderte, modische Kleidungsstücke angefertigt werden. Sowohl bei den beiden formellen Outfits in Indigoblau, die die Spieler und das Team des FC Barcelona zu offiziellen Veranstaltungen tragen werden, als auch bei der Smart-Casual-Kollektion bleibt Replay seinen Wurzeln treu: Aus der Kombination von hochwertigen Materialien und exklusiven Waschungen entsteht ein sportlich-eleganter Look mit einer ganz eigenen Identität. Dabei darf die FC-Barcelona-Brosche auf der Brust nie fehlen.

fashion meets sports

Highlight der Casual-Kollektion sind die Replay-Jeans Denim Zero° mit Regular Fit und vier Knöpfen, die mit der innovativen Eiskristallbehandlung aufgehellt werden. Diese umweltfreundliche Technologie ermöglicht eine signifikante Energieeinsparung und senkt den Wasserverbrauch um 90 Prozent. Jede Jeans ist hinten am Gurtbund durch ein Lederetikett mit dem

FC-Barcelona-Abzeichen und die offiziellen Barça-Farben, Dunkelblau und Karminrot, über der Vordertasche gekennzeichnet. Auch die Schuhe – selbstverständlich Replay Footwear – wurden eigens für die Mannschaft kreiert: für die offiziellen Anlässe ein Oxford-Modell aus aufgehelltem Kalbsleder, schwarz gebürstet. Zum Smart-Casual-Look ein Brogue-Modell mit einer Kombination aus gegerbtem

Cesc Fàbregas, Gerard Piqué, Neymar da Silva Santos Júnior, Dani Alves und Andrés Iniesta in der ReplayKollektion Denim Zero°. Erhältlich auf www.replay.it/fcbarcelona

Kalbsleder und Wildleder in Brauntönen. Genau wie das Denim werden die Schuhe einer Stone-Waschung in der Waschmaschine unterzogen. Hierdurch bekommen sowohl der Oberschuh als auch die Sohle ihre besondere VintageOptik. Beide Modelle werden aus hochwertigen Materialien handwerklich in Portugal gefertigt; besondere Kennzeichen sind eine Niete und drei handgestickte Steppstiche auf dem Oberschuh, FC-Barcelona- und Replay-Logo auf der Innensohle und unter der Sohle. Auf der ganzen Welt dürfen sich die Fans des FC Barcelona auf eine Capsule Collection für den Winter 2013/14 freuen: Die Replay-Jeans Denim Zero° und das offizielle Jeanshemd sind jetzt in den Replay Stores, in den Corners und Shop-in-Shops, im Wholesale und über die Internetseite www.replay.it/fcbarcelona erhältlich.

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umfrage

02

09

n e n ä r ? T d n si COOL UN nn du , wa issen eweint w l l i w lg TRIP etzte Ma rum. l a das nd w u t s ha

// 34 // 01 Paul Ruhaltinger 31, Event­ organisator, Wien Einerseits gibt es im Positiven nichts Schöneres als echte, tief empfundene Gefühle, die einen zum Weinen veranlassen. Auch in tragischen Situationen helfen Tränen, Gefühle auszudrücken, ohne sich erklären zu müssen. Andererseits: Berechnend Tränen rauszuquetschen, nur um bestimmte Reaktionen beim Gegenüber zu erreichen, geht gar nicht. Ich bin im Moment nahe am Wasser gebaut bei romantischen oder tragischen Vater/Tochter-Filmszenen. Natürlich weil ich selbst eine kleine Toch­­ ter habe, die ich über alles liebe. Außer­ dem – wer will schon von sich behaupten, als Erwachsener noch nie geweint zu haben. 02 Ines Gianmoena 20, Studentin, Wien Uncool? Tränen zeugen von Stärke und Kraft, diese zu zeigen, ist mutig. Außerdem haben Tränen meist eine befreiende Wirkung. Es ist oft eine Last, die von einem abfällt, wenn man erst mal richtig losheult. Den Grund, sich wegen Tränen schämen zu müssen, muss mir erst einmal jemand nennen können. Dass ich das letzte Mal geweint habe, war gestern. Manchmal ist es nur ein Lied, welches mir schöne Stunden und Erinnerungen mit einem ganz besonderen Menschen ins Gedächtnis ruft.

03 Vale Hackl 37, Selbstständiger im Holzhandwerk, Wien Als ich das erste Mal meinen Sohn im 3-D-Screening im Bauch meiner Freundin sehen durfte, fiel mir das Schlucken schwer und ich bekam feuchte Augen. Ein Erlebnis, das einen zwei Meter großen Mann ganz klein machte! 04 Eefje van de Ven 25, Blackroll BENELUX, Amsterdam Tränen sind cool! Manchmal sagen Tränen viel mehr aus als Worte und sie heilen. Isak Dinesen sagte mal: „The cure for anything is salt water, sweat, tears or the sea.“ Ich finde, er hat recht. Das letzte Mal hab ich beim Autofahren geweint. Jemandem aus meiner engsten Familie geht es schlecht und ich habe mir vorgestellt, welche Schmerzen sie ertragen muss. Es war befreiend und gab mir ein bisschen Frieden, den Schmerz wortwörtlich rauszulassen. Menschen sollten keine Angst haben, Tränen über ihre Wangen rollen zu lassen. 05 Hanna Poschinger 26, Studentin, Wien Tränen sind nicht uncool, zu weinen ist manchmal wirklich wichtig. So wie bei mir letzte Woche. Da habe ich mir um meine Zukunft Sorgen gemacht und hatte einen kurzen paranoiden Anfall ausgewachsener Existenzangst. Aber vielleicht war es auch einfach nur Sonntag, November, nichts im Kühlschrank, ich war allein zu Hause, Casper war aufgedreht und die Stadt hat mich die Tiefen spüren lassen. Ich mag das. Nach dem Weinen ging es dann gleich wieder besser, ganze ohne Schokolade, Alkohol, stimmungsaufhellende Drogen oder sonstige Dinge, die einem die Herbstdepression vertreiben.

10

06 Sjors Koopmans 28, Rapper, Teneriffa Echte Männer weinen nicht – außer vielleicht, wenn sie sich hart mit einem Hammer auf den Finger hauen. Das ist mir letzte Woche passiert, als ich in meiner Garage mein Tonstudio aufgebaut habe. Auch das war nur eine Träne, kein Wasserfall und schon gar kein Schluchzen oder so. 07 Meo Di Scotanzo 2, Kindergruppe Troublemaker, wohin mich die Eltern mitnehmen Das letzte Mal hab ich geweint, als ich mit meinem Roller gestürzt bin. Im Skatepark war noch alles in Ordnung, aber dann zu Hause in unserem Haus hat in der letzten Linkskurve beim Küchenblock die Traktion versagt. 08 Vivian Grothauzen 25, Grund­ schullehrerin, Amsterdam Das letzte Mal, als ich weinte, kam alles zur gleichen Zeit zusammen. Stress in der Arbeit und Sehnsucht nach meinem Freund, der im Ausland lebt, waren eine gute Grundlage für Tränen. So richtig los ging es, als am selben Tag meine Nichte wegen ernster gesundheitlicher Probleme in Vietnam ins Krankenhaus eingeliefert wurde. All mein angesammelter Frust und alles Leid kamen dann auf einmal raus. Das war wirklich erleichternd!


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09 Manuel May 25, Student, Salz­ burg Das letzte Mal, dass ich weinte, war wohl, als mein Opa gestorben ist und ich mich an all die guten Zeiten und Dinge, die ich mit ihm unternommen habe, erinnerte. Es war ein sehr komisches Gefühl, darüber nachzudenken, dass man diesen Menschen nie wiedersieht, mit ihm sprechen oder lachen kann. Auf keinen Fall sind Tränen uncool. Viel uncooler ist es, sich zu verstellen und vorzugeben, jemand zu sein, der man nicht ist, weil man sich so viele Gedanken darüber macht, was andere von einem denken. Tränen können nicht uncool sein, weil sie meistens kommen, wenn man vor lauter Lachen nicht mehr kann!

10 Maria Grafenauer 60, pensio­ nierte Grundschullehrerin, Graz Tränen der Trauer beziehungsweise des Unglücks sind niemals uncool, sondern immer befreiend und erleichternd. Und Glückstränen? Sie symbolisieren meinem Gegenüber eine intensive Zuneigung. Dies sind für mich unvergessliche Momente. Das letzte Mal habe ich bei der Verabschiedung von meinen Kindern und Enkelkindern geweint.

03

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befragt hat manuel grafenauer


Trip Girl

steile these Text Millos Kaiser Fotos Anthony Huus

Die schรถnsten Blondinen der Welt stammen angeblich aus Schweden. Mit dem 26 Jahre alten TRIP Girl Jessica Olsson zeigen wir, dass die Behauptung stimmt.

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Trip Girl

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Trip Girl

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hr norwegischer Freund Anthony Huus war der entscheidende Grund, warum Jessica ihrer skandinavischen Heimat den Rücken kehrte, um sich an der Nordküste von São Paulo niederzulassen, an der Praia Preta, dem schwarzen Strand. Dort gibt es weder Internet noch Telefon. Für Jessica kein Problem, denn sie widmet ihre Zeit vorzugsweise der Liebe und dem Surfen.

Das Paar hat sich ein gemütliches Häuschen gemietet, umgeben von Bäumen, nur wenige Meter vom Strand entfernt. Was sie den ganzen Tag tun? „Wir leben!“, sagt sie. Die Antwort klingt scheinbar einfach, ist aber voller Bedeutung. „Wir beobachten die Natur, wir sehen Filme, hören Musik, surfen ...“ Die beiden machen auch Fotos wie diese hier, aufgenommen von Anthony. „Ich bin eigentlich ziemlich schüchtern, aber für meinen Freund zu posieren, war einfach. Ich habe mir keine besondere Mühe gegeben, irgendwie sexy zu erscheinen. Ich bin, wie ich bin.“

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Das Paar lernte sich in Norwegen kennen, wo Antony einen Snowboardkurs belegt hatte. Jessica arbeitete während der Wintersaison im selben Resort als Instruktorin. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Ich hatte keine Pläne für die Zeit nach der Skisaison“, erzählt Jessica. „Plötzlich rief Anthony aus Brasilien an, lud mich zu sich ein.“ Erst habe sie nicht gewusst, was sie tun soll, aber dann buchte sie einen Flug. „Ich fragte mich: Wow, was mache ich mit meinem Leben? Ich kenne diesen Kerl kaum! Aber, Gott sei Dank, es hat alles geklappt.“

In Brasilien wurde der Schnee durch Sand und Meer ersetzt und das Snowboarden durch Surfen. „Ich surfe jeden Tag“, sagt Jessica. Körperliche Bewegung sei ihr extrem wichtig. In Schweden spielte sie Basketball und Hockey. Außerdem fuhr sie regelmäßig Motocross. Seitdem sie in Brasilien ist, modelt sie hin und wieder. Damit deckt sie ihre Kosten. „Warum auch nicht, oder?“ Jessica weiß, was sie zu bieten hat. „Aber ich denke nicht viel darüber nach, lasse mich gern treiben. Ich lebe seit sechs Jahren auf diese Weise und ich bin sehr glücklich damit.“ Wer wäre das nicht?

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Trip Girl

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„Ich habe mir keine besondere Mühe gegeben, irgendwie sexy zu erscheinen. Ich bin, wie ich bin.”

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Ab sofort online erhältlich bei:

„JETZT MIT Wi-Fi / WLAN STREAMING!“

www.comtech.de

Die neue BeastVision HD Wi-Fi Edition kann jetzt per WLAN ferngesteuert werden und Video-/Audiosignale kabellos und in Echtzeit auf Smartphones und Tablets übertragen. Das Wi-Fi / WLAN Modul hat eine Reichweite von bis zu 40 Metern und eine kostenlose App für Android und iOS steht zum Download bereit. Erstklassige Videoqualität, sowie ein riesiger Lieferumfang sind auch weiterhin mit an Bord, so beinhalten alle Editionen neben dem Wi-Fi Modul ein Farbdisplay, einen zweiten internen Ersatzakku und eine Fernbedienung*. Weitere Infos unter: www.BeastVision.de * Basic Edition nur mit Farbdisplay und Wi-Fi Modul

Inkl. Sonderzubehör im Wert von:

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• Aufnahmen in Full HD 1080p mit 110° bis 170° Winkel • Ultra Sharp Glaslinse & Bildsensor der neuesten Generation • Slow Motion-Aufnahmen in 1080i/60FPS, WVGA/120FPS uvm. • Aufsteckbarers WiFi-/ WLAN-Pack & TFT Farbdisplay inklusive • Mit eingebautem G-Sensor & 2x internen Akkus zum austauschen • Staubgeschütztes & wasserdichtes Schutzgehäuse • Befestigungsmöglichkeiten für Helm, Kopf oder auch am Sportequipment wie z.B. am Board, Stangen & Masten.

erhältlich ab 269€ (UVP)

„ÜBER 40 VERSCHIEDENE ZUBEHÖRARTIKEL“ Für die BeastVision HD ist ein umfangreiches Sortiment an Zubehörteilen erhältlich. Über 40 verschiedene Befestigungsmöglichkeiten der Kamera − zu Land, zu Wasser und in der Luft.

SchraubHalterungen

Surfbrett Halterung


JUKEBOX

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Aufbruch ins All text Dorothee Gödeke

Mal in winzigen Raketen, mal mit hochentwickelten Raumschiffen – furchtlos stürzen sich die Astronauten dieser Albencover in die kalte Leere des Himmels und überstehen auch die ungewöhnlichsten Szenarien.

„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200“ … Aber nein, zwar ist auf diesen Motiven die Überwindung der letzten und größten Hürde der Menschheit bereits vollbracht. Doch war dies für die meisten Künstler doch noch genauso sehr Zukunfts­musik wie für die Macher jener Science-Fiction-Serie um das Raumschiff Enterprise. Denn die Vision einer bemannten Mondlandung stachelte in den 60ern und darüber hinaus nicht nur das Wettrennen zwischen West und Ost an, sondern war ebenso Inspirations­quelle zahlreicher Covergestaltungen jener Musik­ generation. Wenn auch mittlerweile klar ist, dass die Eroberung des Weltraums doch noch ein bisschen auf sich warten lässt, bleibt die Faszination bis heute bestehen. Mal düster, mal bunt, mal abstrakte Zeichnung oder atemberaubende Teleskopbilder. Wie selbstverständlich bereisen wir die Weiten der Galaxie, während an anderer Stelle – wie bei Geodesium – die Geburt neuer Sterne dokumentiert wird. Doch eins verbindet sie alle: Angesichts der schieren Unendlichkeit, in die die Pioniere dieser Tonträger eintauchen, wirken die eigenen Ängste und Probleme erfrischend bedeutungslos.

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www.tripmagazin.de

wenn du nicht genug bekommen kannst

foto // privat

PURE AFFAIRS

Hakisans Artbox

foto // Di Mare

TV TRIP

foto // Mühle-Glashütte Uhr

Making-of-Videos von den Shootings mit den TRIP Girls sowie Filme aus den Bereichen Surfen, Sport und Mode.

Was im Busch

Kaum etwas ist schwieriger, als sich auf immer neue Weise in Szene zu setzen. Die Wiener Künstlerin Flora P., bekannt geworden durch ihre erotischen Selbst­porträts, beherrscht diese Kunst. Kürzlich überraschte sie uns mit fesselnden Momentaufnahmen aus Indien, jetzt mit einer großartigen Ausstellung in Hamburg.

Brennender Mann

Jedes Jahr ziehen Tausende von Menschen ins amerikanische Nirgendwo, um dort Kunstprojekte auszustellen und diese mitunter abschließend im Feuer auch zu zerstören. Sie feiern die Selbstentfaltung und machen sich klar, dass alles irgendwann der Vergangenheit angehört.

Georgias FashionBlog Coole neue Produkte, die uns besonders beeindrucken. foto // Phillip Keel

foto // JIM URQUHART

foto // Flora P.

abgefeiert zu House und Clubsounds. Die Acts präsentieren ohne Ende Haut, gelegent­lich Es sind die wahrscheinlich geilsten Partys in provokant, doch immer stilvoll. Wer zeigeNRW. Wenn Fotograf Michael Küttner ruft, freudig ist, hat Spaß: Küttner streift immer kommen sie alle: gut gekleidete Typen und mal wieder mit der Kamera herum und hält heiße Mädchen. Alle drei Monate wird ex­zessiv bevorzugt das fest, was besonders erotisch ist.

foto // Michael Küttner

foto // Swatch

Das Beste aus der Welt der subversiven Kultur.

Show it

Sinnlich, sexy, selbstbewusst: Die Strände dieser Welt sind voll von aufregenden Frauen. Die Fotografen von TRIP sind das ganze Jahr unterwegs, um die schönsten Frauen im Bikini vor die Kamera zu bekommen.

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Fotokunst Aktuelle Ausstellungstipps für alle, die Foto­ grafie lieben.


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Grünes

Klassenzimmer

Text André Bianchi & luiz felipe moura FOTOS Anselmo Venansi

IHR AUFTRAG: MIT DEM STANDUP-PADDLE-BOARD ZU DEN UREIN­ WOHNERN DES AMAZONASBECKENS VORZUSTOSSEN, UM IHNEN EINEN VERANTWORTUNGSVOLLEN UMGANG MIT IHREM ÖKOLOGISCHEN ERBE BEIZUBRINGEN. AM ENDE WAREN SIE ES, DIE NOCH ETWAS LERNEN KONNTEN – ÜBER DAS LEBEN.

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arlos Burle gehört zu den größten Big-Wave-Surfern der Welt, Alessandro Matero ist ein bekannter Kanut und SUP-Sportler. Geraldo da Rocha Azevedo wiederum verdient sein Geld im Bereich Sportmarketing. Er holte auch den Publizisten Andrew Bianchi mit ins Team, einen der Autoren dieses Artikels. Der andere Verfasser, Luiz Felipe Moura, kümmert sich als Chef der Naturschutzorganisation AMA Brasil um den systematischen Austausch mit den Bewohnern des Regenwaldes am Amazonas. 2

Eine ganz bestimmte Leidenschaft brachte die fünf unterschiedlichen Männer zusammen: Stand Up Paddling. Gemeinsam hatten sie nur ein Ziel vor Augen: dorthin vordringen, wo noch keiner zuvor gepaddelt war. Schnell einigte man sich auf den Amazonas, denn: „Wir wollten in Kontakt mit den Gemeinden treten, die sonst völlig isoliert sind, ohne Zugang zu TV oder Internet, nichts. Wir waren hinter einer Lebenserfahrung her“, erklärt Burle die Mission. Die Expeditionstruppe, die auf den Namen Soul Fighters getauft wurde, startete in Alter do Chão – dank seines kristallklaren Wassers auch als brasilianische Karibik bekannt. In einer hellen Vollmondnacht gingen die fünf an Bord der „Cuicuera“. Begleitet wurden sie von drei jungen einheimischen Studenten, welche die Expedition für „Faceduc“ dokumentieren 3

wollten (das erste soziale Bildungsnetzwerk Brasiliens, das darum bemüht ist, auch den Bewohnern der Wälder digitale Inhalte zugänglich zu machen). Auch der Fotograf und Videofilmer Anselmo Venansi schloss sich dem Treck an. Nach zwölf Stunden erreichte die Gruppe mit Ara­piuns die erste Station, um hier mit dem späteren Guide zusammenzutreffen. Er sollte die Männer sicher durch das Gebiet navigieren und außerdem den Zugang zu den örtlichen Gemeinden erleichtern. Bereits im ersten Dorf wartete eine Überraschung: Jeder dort war ein erfahrener Ruderer, schon von klein auf. „Die Kinder griffen sich unsere Boards und paddelten davon, als seien sie damit geboren worden“, erzählt Gerard. „Auf der einen Seite waren wir, die Bewohner einer Megametropole, auf der anderen Seite Menschen, die mindestens zwei Tage von der nächsten Stadt entfernt leben, und dennoch verband uns gleich eine gemeinsame Leidenschaft: das Kanufahren“, so Burle. „Mit der richtigen Ausrüstung und dem nötigen Wissen könnten alle ziemlich schnell sportliche Erfolge vorweisen. Einweisungen sind nicht einmal nötig, sie beherrschen das SUP bereits und kennen die richtige Haltung.“

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1 | Stammesmitglieder begrüßen die Besucher. 2 | Carlos Burle, Alessandro Matero, Luiz Felipe Moura und André Bianchi auf dem Rio Arapiuns. 3 | Zwei Jungs üben sich im Paddeln. 4 | Typische Behausung mit Dorfkindern. 5 & 6 | Unterwegs auf dem Rio Arapiuns.


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Geraldo, der als Geschäftsmann das Paddeln als Ausgleich zu seinem Businessalltag betreibt, war die ersten fünf Tage fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Er übte eine ungeheure Faszination auf die Dorfkinder aus und war bei ihnen sehr beliebt. Der Grund: Zum ersten Mal in ihrem Leben sahen sie einen Mann ohne Haare auf dem Kopf. „Ich war etwas überrascht, denn die Kinder waren intelligent und gesund, besaßen sogar perfekte Zähne. Dafür ist wohl die proteinhaltige Ernährung verantwortlich“, mutmaßt er. „Es gab nur Fisch.“ Jeder hatte das Gefühl, dass die Uhren hier anders ticken. „Wir sind in großen Städten zu Hause, umgeben von Problemen, die wir selbst geschaffen haben. Sie hingegen leben im Wald.“ Weder Auto noch Internet – und kein Strom. Alessandro bringt es auf den Punkt: „Sie haben nichts. Aber sie haben

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alles. Sie sind glücklich.“ Sie besuchten auch die einfachen Unterkünfte und waren erstaunt. Auch wenn der Boden zumeist nur aus Erde bestand, herrschte sogar in der Küche vorbildliche Sauberkeit. Die typischen Leiden der Wohlstandsgesellschaft, wie Herzerkrankungen, Krebs oder psychische Probleme sind hier unbekannt. Mit Begriffen wie Stress oder Depression konnte niemand von den Amazonasbewohnern etwas anfangen. Was sie hingegen fürchteten, waren Schlangen. Jährlich müssen etwa 400 Schlangenbisse im öffentlichen Krankenhaus von Santarém behandelt werden. Pro Tag paddelte die Gruppe zwischen acht und neun Stunden. Insgesamt legte sie in Igapó, einem überschwemmten Waldgebiet Amazoniens, 300 Kilometer zurück. Mal suchten die Reisenden dabei die Nähe der Bäume und paddelten dicht am Ufer entlang, mal glitten sie in der Mitte des Flussbetts voran.


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7 | Carlos Burle beim Big-WaveSurfen. 8 | Die Freunde ruhen sich auf Hängematten aus. 7 8

Die Umgebung wirkte wie ein riesiger Garten, der mit Orchideen, Bromelien und Lilien bewachsen war. Noch dazu tauchten immer wieder Botos (die Delfine Amazoniens) nicht weit neben den Boards auf. In den Nächten zeigte sich ein endloses Sternenmeer. Ansonsten herrschte Stille. Lediglich die unendliche Symphonie des Waldes war eine stete Hintergrundbegleitung. „Das Rudern füllte mich völlig aus. Ich erinnere mich überhaupt nicht daran, Durst oder Müdigkeit verspürt zu haben“, erzählt Burle, der zum Schluss wegen der Hitze an Dehydrierung litt. „Es gab nicht einmal Mücken im Wald, wie man es im Dschungel erwartet hätte.“ Wieder zurück in Alter do Chão, organisierte man zu Ehren der Gruppe eine Begrüßungszeremonie. Gleichzeitig wurde damit aber auch der Beitritt einer einheimischen Indios-Schule zu dem Bildungsnetzwerk Faceduc gefeiert. Ausgestattet mit Tablets, EBooks und Kameras, können die Schüler nun ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Gerard erklärt den tieferen Nutzen dahinter: „Besitzen die Gemeinden genügend Zugang zu Informationen, können sie auch nicht mehr so einfach von Holzfällern ausgebeutet werden.“

Weder Auto noch Internet – und kein Strom. Alessandro bringt es auf den Punkt: „Sie haben nichts. Aber sie haben alles. Sie sind glücklich.” So endete das kleine Abenteuer, doch eine Frage blieb unbeantwortet: Wie sieht die Zukunft jener Zivilisationen aus? Und wie lässt sich der globale Entwicklungstrend weniger aggressiv und bewusster steuern? Die gesammelten Erfahrungen stellten einige der als selbstverständlich empfundenen Überzeugungen in Frage: Ist Zeit wirklich ein rein lineares Konzept oder dreht sich doch vieles im Kreis? „Je weiter wir in unserer Entwicklung voranschreiten, desto stärker blicken wir zurück in die Vergangenheit“, sagt Luiz Felipe Moura „Wir gingen mit der Erwartung an die Expedition, dass wir anderen etwas beibringen. Stattdessen haben wir selbst vieles dazugelernt.“

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9 | Ein Gemeindehaus am Ufer des Rio Maró, das sich zwei Tagesreisen entfernt von der nächsten Siedlung befindet.


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Wenn irgendwo Hippieträume wahr wurden, dann hier: In den 70er-Jahren bildete das Taylor Camp auf Hawaii ein einzigartiges Beispiel für das Ideal eines freien, selbstbestimmten Lebens. Der Fotograf und Autor John Wehrheim erinnert sich.

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Text & Fotos John Wehrheim

in Strand mit weißem Sand und kristallklarem Wasser, umgeben von Regenwald, Wasserfällen, Bächen und Lavahügeln: Wenn sich Menschen ein Paradies erschaffen wollten, würden sie es sicher hier tun, an der Nordküste der Insel Kauai, die von vielen als die schönste des hawaiianischen Archipels angesehen wird. Tatsächlich waren zwischen 1969 und 1977 Umweltschützer, Bürgerrechtler, Kriegsveteranen und Surfer aus Kalifornien, New York und Florida an diesen fernen Ort gezogen, um ihre Träume von einem zwanglosen, unbeschwerten und glücklichen Dasein wahr werden zu lassen. Ein paar Hundert Männer und Frauen errichteten Baumhäuser, bauten Obst und Gemüse an und feierten allerlei Partys – legale wie illegale.

1 | Familienglück am Strand: Howard Hawk mit Partnerin Cherry und Sohn Moses.

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2 | Hollywoodstar Elizabeth Taylor und ihr Bruder Howard machten das Taylor Camp möglich.

„Das Taylor Camp war der Höhepunkt der Hippiefantasie an einem der schönsten Plätze auf dem Planeten“, erinnert sich der amerikanische Fotograf und Autor John Wehrheim, der damals das Leben der Hippiegemeinde im Auftrag einer Umweltorganisation dokumentierte und eine Reihe von Artikeln über das Camp und seine Bewohner verfasste. Seine Fotos entstanden größtenteils im Jahr 1975. 2009 brachte der Fotograf sein Buch „Taylor Camp“ heraus und produzierte zudem einen gleichnamigen Dokumentarfilm unter der Regie von Robert Stein, in dem sich ehemalige Bewohner an das damalige Leben erinnern.


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3 | Baumhaus im Camp. 4 | Teri Green an der Nähmaschine. Ihre Tochter Emma liegt vor ihr in der Wiege.

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Namensgeber für das Taylor Camp war Howard Taylor gewesen, Bruder der Schauspielerin Elizabeth Taylor. Das Gelände, auf dem sich die Hippiegemeinde niederließ, hatte damals ihm gehört. Aus Trotz darüber, dass die Regierung von Kauai vorhatte, sein Land zu enteignen, entschied Howard, die Fläche 13 jungen Menschen zur Verfügung zu stellen. Diese waren zuvor im Gefängnis von Hawaii für 90 Tage inhaftiert gewesen, weil sie an verbotenen Plätzen campiert hatten. Nach ihrer Entlassung hatten sie keine Bleibe. „Mein Vater und meine Mutter nahmen sich zwei Autos und holten die jungen Leute ab. Das war der Beginn vom Taylor Camp“, erinnert sich Tommy Taylor, Howards Sohn. Im ersten Jahr des Camps war Liz Taylor sogar persönlich dort, um es während der Weihnachtszeit zu besuchen. „Sie brachte einen Truthahn zum Abendessen mit. Ihre Söhne, Michael und Chris, waren

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damals noch Jugendliche und machten Ferien mit ihrem Onkel, Cousins und Cousinen. Alle schauten immer mal im Taylor Camp vorbei. Für die Jungen war es wie der Himmel auf Erden“, erzählt Wehrheim in seinem Buch. In einer Zeit voll politischer Unruhen in den USA, dem Aufkommen der Friedensbewegung und dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung, wurde das Taylor Camp für manche zu einer Art Zufluchtsort. „Alle im Taylor Camp waren auf der Flucht vor irgendetwas“, sagt der ehemalige Bewohner Bruce Kramer in John Wehrheims Buch. Die 13 Pioniere des Taylor Camp waren Studenten der Universität von Berkeley in Kalifornien, die an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg teilnahmen. Auf der Flucht vor polizeilichen Repressionen wählten sie Hawaii als Ziel. „Die Situation in Berkeley war damals ziemlich explosiv. Wir entschieden uns, den Ort zu verlassen“, sagt die


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In einer Zeit voll politischer Unruhen in den USA, dem Aufkommen der Friedensbewegung und dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung, wurde das Taylor Camp für manche zu einer Art Zufluchtsort.

Erzieherin Sondra Schaub. Sie war eine der Ersten, die im Camp als Flüchtling ankam. Für andere war der Aufenthalt dort eine Möglichkeit, um die Traumata der Vergangenheit zu überwinden. „Als ich aus Vietnam zurückkehrte, hatte ich viele Albträume“, sagt der Kriegsveteran James Mitchell. „Das Taylor Camp half mir, zur Ruhe zu kommen und wieder zu mir zu finden.“ Für andere war es ein Ort der Rehabilitation. „Ich hätte wegen Alkohol oder Drogen sterben können, war auf der Flucht vor der Polizei von San Diego. Man hatte mich zweimal wegen meiner Kifferei verhaftet. Wäre ich dort geblieben, hätte ich das Sorgerecht für meine Töchter verlieren können“, sagt Suzanne Bollin, die heute als Verkäuferin eines Surfshops auf Hawaii arbeitet. Alle im Camp verspürten damals den Wunsch nach einem gesellschaftlichen Ideal, das der Gegenentwurf sein sollte zur harten kapitalistischen Welt. „Wir suchten nach etwas, das nicht das war, was wir an der Schule und in unseren Familien kennengelernt hatten“, erinnert sich Cherry Hamilton. „Wir waren auf der Suche nach einer Alternative und wir waren glücklich, dass wir diese im Taylor Camp gefunden hatten.“

Im Laufe der Jahre zogen weitere Surfer und Hippies nach Hawaii, angezogen von der Idee eines Lebens in lockerer Gemeinschaft ohne Hierarchie und Regeln, an einem Ort, wo man Marihuana, Haschisch und LSD ohne Angst vor Repressionen frei konsumieren durfte. „Wir wollten unser Bewusstsein und unsere Spiritualität erweitern“, sagt der Künstler David Lacock. „Tagsüber widmeten

sich viele der Campbewohner Aktivitäten wie Beachvolleyball, Yoga oder Meditation.“ Jeder Tag war wie ein neues Abenteuer. „Wir konnten den Tag am Fluss verbringen oder über die hohen Klippen des KalalauTrails wandern“, sagt der pensionierte Kunstlehrer Francine Pearson. Nach Einbruch der Dunkelheit traf man sich mit Freunden zum Essen oder genoss das Zusammensein am Lagerfeuer.

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5 | Ungezwungene Nacktheit: Eine Besucherin genießt die Freiheit im Camp.


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Sich zu ernähren, war verhältnismäßig einfach: Die Bewohner des Taylor Camp konnten fischen und auf einen Garten mit verschiedenen Gemüsen, Salat, Tomaten zurückgreifen. Falls man andere Zutaten benötigte, ließen sich diese auf dem Markt im nächsten Ort erstehen. Neben dem Markt befand sich auch eine Poststelle, von der aus Briefe nach Hause geschickt werden konnten. Einige Campbewohner suchten sich Jobs auf Bauernhöfen in der Umgebung, um etwas Geld zu verdienen. Die Kinder besuchten die örtliche Schule. Im Lager entstanden Gemeinschaftstoiletten und Wasserstellen. Es gab einen sogenannten Free Store für den Austausch jeglicher Art von Waren. Auch für einen Andachtsraum war gesorgt. Hier konnte man seinen jeweiligen Glauben kultivieren – egal ob es sich dabei um tibetischen Buddhismus, das Judentum oder die christliche Religion handelte. Im Taylor Camp gab es zwar keine offiziellen Regeln oder hierarchischen Strukturen, aber sehr wohl eine Aufgabenteilung. „Einige kümmerten

sich um den Müll, andere um das Wassersystem, die Waschräume oder den Volleyballplatz. Jeder tat das, was er am besten konnte“, erzählt David Pearson, ein inzwischen pensionierter Professor für Geschichte. „Falls es Konflikte innerhalb oder außerhalb der Gemeinschaft gab, oblag es den stärksten Männern, für Ordnung zu sorgen.“ So wurde Hawk Hamilton als eine Art Sheriff angesehen und David Pearson übernahm die Rolle des Polizisten. „Andere bildeten die Friedenstruppen im Camp“, erklärt John Wehrheim. „Informell gab es sogar einen Bürgermeister: Rosey Rosenthal. Er war auch verantwortlich für den Volleyballplatz.“ Geschlechtliche Spannungen blieben auch im Taylor Camp nicht aus. Wie überall entstanden auch hier Paarbeziehungen, die mal von längerer, mal von kürzerer Dauer waren. „Weil alle ziemlich jung waren und oft gut aussahen, lag jede Menge sexueller Energie und Spannung in der Luft“, erzählt Teri Green. „Das galt sowohl für die Männer als auch für die Frauen.“ Und David Pearson verrät, dass er seinerzeit im

Taylor Camp seine Frau Francine kennenlernte: „Inzwischen sind wir seit über 35 Jahren zusammen. Sie war das Beste, was mir je passiert ist“, sagt David. Trotz der allgegenwärtigen Nacktheit und Hippieatmosphäre war das Taylor Camp nicht von hemmungslosen sexuellen Experimenten und Partnertausch bestimmt: „Wir hatten zwar recht wenig Klamotten an, waren aber ziemlich brav“, sagt die Maklerin Debi Green. „Es gab Paare und Beziehungen wie in jeder anderen Gemeinschaft, nur mit dem Unterschied, dass sich die Menschen einander weitaus näher waren“, ergänzt Acacia Siouix Morrison. Aus heutiger Perspektive bereuen manche der Ehemaligen, ihre Zeit im Taylor Camp nicht intensiver ausgelebt zu haben. „Ich hätte es mehr nutzen sollen, das wilde Leben. Leider kann man die Uhr nicht mehr zurückdrehen“, murmelt der inzwischen 70-jährige Pearson.

„Es gab Paare und Beziehungen wie in jeder anderen Gemeinschaft, nur mit dem Unterschied, dass sich die Menschen einander weitaus näher waren.“ (Acacia Siouix Morrison)

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6 | Planen und Teppiche: Mehr brauchte es nicht für eine Behausung am Strand. 7 | Hippies beim Kartenspiel.


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„Es war wirklich ein magischer Ort, der bei allen, die dort lebten, für einschneidende Veränderungen gesorgt hat.” (Francine Pearson)

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8 | Pure Idylle: Bewohner treffen sich in der improvisierten Kirche. 9 | John und Marie Calanga schauen in den Himmel. 10 | Die Küste von Hawaii.

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„Diese Leute fragten ständig nach Mitfahrgelegenheiten, campten am Strand. Sie machten sich überall breit“, sagt Eduardo Malapit, Bürgermeister von Kauai 1974 bis 1982. „Ich bekam immer mehr Beschwerden über das Taylor Camp. Die Hippies trugen keine Kleidung und pflanzten überall Marihuana. Sie bauten Häuser ohne Erlaubnis“, fügt er hinzu. Auf dem Gelände sind zahlreiche Kinder aufgewachsen. Die meisten haben bis heute gute Erinnerungen an die Zeit dort, trotz des Realitätsschocks mit der Welt außerhalb. „Zur Schule zu gehen, war schwierig; vor allem für ein Kind aus dem Taylor Camp“, sagt Edler Alpin, der als Dreijähriger mit seinen Eltern in das Camp gekommen war. „Die anderen Kinder wollten nicht mit uns spielen. Meine Eltern konnten mir nicht helfen, ich war mit dieser Situation ganz auf mich allein gestellt.“ Als Erwachsener wurde Alpin ein Ingenieur. Er strebte nach einem ganz anderen Leben als seine Hippieeltern. „Ich rebellierte. Ich wollte ein normales Leben führen, Sicherheit haben, in die Gesellschaft integriert sein.“ Seine ältere Schwester, Minka, starb im Alter von 21 Jahren an Aids.

Im Jahr 1974 war Schluss. Staatliche Stellen ließen das Lager räumen und planieren. Die Fläche sollte künftig als Naturpark genutzt werden. Nach drei Jahren juristischer Scharmützel wurden die letzten Bewohner, die noch vor Ort waren, vertrieben. „Die Polizei und die Behörden von Kauai kamen ins Lager, verhafteten die Leute und brannten ihre Häuser nieder. Es war schrecklich“, erinnert sich Francine Pearson. Heute sind keine Spuren mehr vom Taylor Camp zu sehen. Außer einem Parkplatz ist die gesamte Fläche mit Wald bedeckt. „Meine Fotos legen Zeugnis ab von einem besonderen Moment im Leben der ehemaligen Campbewohner“, sagt John Wehrheim. „Für einige ältere Campbewohner, mit denen ich bis

Die wachsende Anzahl von langhaarigen, bärtigen Hippies erregte die Aufmerksamkeit der Bewohner von Kauai und das Interesse der lokalen Presse. Unter den Einheimischen begann sich Widerstand gegen die Hippies und ihren oft als befremdlich empfundenen Lebensstil zu regen.

heute freundschaftlich verbunden bin, gehört diese Zeit nach eigenem Bekunden zu den besten Tagen ihres Lebens.“ Und Francine sagt: „Es war wirklich ein magischer Ort, der bei allen, die dort lebten, für einschneidende Veränderungen gesorgt hat. Fast täglich habe ich Erinnerungen an Menschen, Landschaften, das Licht und den Geruch von diesem Ort. Es ist etwas, was in mir ist, und ich werde es für immer bei mir tragen.“ Weitere Infos unter www.findingutopia.org www.taylorcampkauai.com

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11 | Textilfrei zu jeder Gelegenheit: Beachvolleyball. 12 | Kleine Mädchen beim spielerischen Schminken. 13 | Debi Green schaut nach den Salatköpfen.

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mobilität

Deutsche Wertarbeit in Kombination mit italienischem Design: ein Porsche 356 B 1600 Carrera GTL Abarth Coupé, 1961. Der GTWagen wurde bei Abarth in Turin montiert und war 140 Kilo leichter als der Serien-356er.

Sportsfreunde Für Ken Gross war dieser Job wie Weihnachten und Geburtstag zusammen: Das North Carolina Museum of Art hatte den Organisator beauftragt, im Jubiläumsjahr des 911er Meilensteine des Renn- und Sportwagenbaus aus deutsch-österreichischer Fabrikation für eine spektakuläre Show zusammenzustellen. Das ist ihm mehr als gelungen: Das mit ordinärer Wandfarbe zum Flower-Power-Vehikel aufgehübschte 356 C Cabriolet von Rockröhre Janis Jop­ lin ist ebenso zu bestaunen wie das Panamericana Concept Car von 1989, dessen unkonventioneller Überrollbügel sich wie bei einem Motorboot um das komplette Cockpit zog und dessen Formensprache damals einen Ausblick auf künftige Modelle erlaubte. Insgesamt 22 Leihgaben aus aller Welt hat Gross für diese Show im North Carolina Museum zusammengetragen. Die Ausstellung trägt den feinsinnig doppeldeutigen Untertitel „Seducing Speed“. Gezeigt werden seltene Prototypen von privaten Eigentümern wie auch Schätze aus dem Porsche-Museum in Zuffenhausen.

Text naomi stiller

Ob Janis Joplin, Steve McQueen oder Ralph Lauren: Alle lieb(t)en ihren Porsche. Hier sechs ganz besondere Exemplare, die Geschichte schrieben.

„Jedes Kind erkennt diese Linienführung“, sagt Gross, der früher das Petersen Automotive Museum in Los Angeles leitete und heute zu den Topausstellungsorganisatoren der USA zählt. Mit einer fließenden Handbewegung zeichnet er die für einen Porsche typische Silhouette nach. Das ikonografische Design ist für Gross mehr als nur eine chronologische Linie, die mithilfe der ausgestellten Fahrzeuge von 1938 bis 2010 reicht. Für den Automobilexperten zeigt sich das Alleinstellungsmerkmal der Marke nicht nur in der stets wiedererkennbaren Formensprache, sondern auch in der charakteristischen Balance zwischen Alltagstauglichkeit und Rennvermögen. In jedem einzelnen Porsche stecke, so Gross, auch „das geniale Entwicklergen, das jede Generation dieser Familie inspirierte“.

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Insgesamt 22 Leihgaben aus aller Welt WURDEN für diese Show im North Carolina Museum zusammengetragen.

Der US-Modezar Ralph Lauren, der neben Komiker Jerry Seinfeld und Talkshow-Moderator Jay Leno eine der größten Automobilsammlungen der USA besitzt, schickte den straßentauglichen Supersportler Porsche 959 von 1988. Das Revs Institute for Automotive Research entsandte unter anderem den berühmten 550-Prototyp, Don und Diane Meluzio liehen ihren Ur-Elfer, den Prototyp 901 von 1963, aus. Zu den Leihgaben zählt auch der kleine, schwarze 356 Speedster 1600 Super aus der Sammlung von Chad McQueen. Wie sein Vater, der legendäre Filmstar Steve McQueen, ist auch der Sohn bekennender Autonarr.

Der Porsche 356 C Cabriolet von 1965 gehörte einst Janis Joplin († 27). Der Lack ist zwar nicht original, aber originell.

Die Schau wäre nicht möglich gewesen ohne seine ausgezeichneten Kontakte zu internationalen Sammlern und Experten. Der Porsche Typ 64 etwa trat die Reise zum Museumsort Raleigh vom Prototyp-­ Automuseum in Hamburg an. Ursprünglich sollte das von Ferdinand Porsche auf der Basis des VW Käfer für das Berlin-Rom-Rennen im Herbst 1939 entwickelte Auto zeigen, welches Potenzial hier im Wagen für das Volk verborgen war. Der Zweite Weltkrieg stoppte die Vorbereitungen, dafür nimmt der aerodynamische Urvater als ältestes Exponat die Poleposition in der Ausstellung ein.

Auch das Porsche-Museum in Zuffenhausen schickte besondere Exemplare nach North Carolina. Mit dem „Baby“ beispielsweise, einem Typ 935 mit einem auf 1,4 Liter reduzierten Sechszylindermotor, fuhr der Hersteller in den späten 70ern bei der deutschen Rennsportmeisterschaft erstmals auch in der Klasse unter zwei Litern Hubraum sportliche Erfolge ein.

Das Konzeptauto Panamericana war 1989 auf der IAA zu sehen und ging nie in Serie. Die Mischung aus Sportwagen und SUV zeigte aber schon einige Details der künftigen 911er-Baureihe, etwa die liegenden Scheinwerfer.

Selten gesehen: Besondere Sammlerstücke von Porsche-Fans geben der Ausstellung ihren Reiz.

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mobilität

Der 911er schrieb Automobilgeschichte: Ein Prototyp 901 von 1963 aus einer privaten Sammlung.

Für den Automobilexperten zeigt sich das Alleinstellungsmerkmal der Marke nicht nur in der stets wiedererkennbaren Formensprache, sondern auch in der charakteristischen Balance zwischen Alltagstauglichkeit und Rennvermögen.

Ein anderes Highlight ist der Porsche von Janis Joplin. Gerade mal 3.500 US-Dollar zahlte die Sängerin im September 1968 an einen Autohändler in Beverly Hills für das damals drei Jahre alte 356 C Cabriolet. Beim Kauf war der Wagen weiß. Für Janis, die zur rosaroten Brille gern eine Federboa trug, war das indessen nicht extravagant genug. Ihr Roadie Dave Richards bekam den Auftrag, das Auto mit psychedelischen Motiven zu verzieren, samt eines Por­ träts von ihr und der Band. Dieser 356 Speedster von 1958 gehörte Hollywoodlegende Steve McQueen († 50). Die Stuttgarter Sportwagen machten sich auch in Amerika rasch einen Namen.

Kraftprotz für die Straße: Der Porsche Carrera GT (2005) mit 612 PS wurde nur 1.270-mal gebaut. Der Mittelmotor war hinter den Passagieren positioniert.

Die Ausstellung Porsche by Design: Seducing Speed läuft noch bis zum 20. Januar 2014 im North Carolina Museum of Art. Zur thematischen Einstimmung bietet das Museum auf seiner Webseite eine Reihe sehens- und hörenswerter Videos. www.ncartmuseum.org

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GESELLSCHAFT

Eine

Zeit reise

text beate wedekind fotos ARCHIV WWWEDEKIND

Beate Wedekind war Lokalredakteurin in Berlin und Reporterin der oberen Zehntausend. AuSSerdem Chefin von ELLE, Ambiente, Bunte und Gala. In TRIP ERINNERT sie SICH AN DEN SOMMER VOR 30 JAHREN IN SAINT – TROPEZ, MARBELLA UND MONTE CARLO.

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2 | In Fahrt: Beate Wedekind mit Verleger Hubert Burda 1985 in Venedig.

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as für ein Glück, denke ich oft, besonders jetzt, während ich meine Biografie schreibe, dass ich in den 80er-Jahren Reporterin war und mein Chefredakteur bei Bunte Hubert Burda. Damals war einfach alles möglich: Es gab beinahe unbegrenzte Redaktionsbudgets für Recherchen und Reisen, die Crème de la Crème der Gesellschaft war noch gesprächsbereit und eine Homestory zu bekommen, war nicht schwer. Jedenfalls war das so, wenn man ein Blatt wie Bunte im Rücken hatte.

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virtuellen Dorf überhaupt erst möglich machte. Burda redete ständig vom High and Low und erhob in seinem Erfolgsblatt Bunte das Triviale zur Kultur. Ein Teil des Konzepts war meine wöchentliche Gesellschaftskolumne „Mein Rendezvous“. Von 1983 bis 1988 reiste ich Woche für Woche zu den Schauplätzen, an denen die High Society ihren Eitelkeiten und Eigenheiten frönte. Monte Carlo und Marbella, Palm Beach und Palm Springs, Bel Air und Biarritz, St. Moritz und Saint-Tropez, Rio de Janeiro und Jerusalem, Düsseldorf und Dallas, München und Marrakesch, Hongkong und die Hamptons, Paris, London, Mailand, New York ... Eine Weltreise, die erst endete, als ich 1988 Chefredakteurin von ELLE wurde und keine Zeit mehr zum Reisen hatte.

Ich war 31 Jahre alt, von Neugier besessen und immer auf dem Sprung. Er, der Verleger und Visionär, war 43, ungeduldig und anspruchsvoll: Die Welt ist Bunte, hieß sein Slogan und er schickte mich nach draußen, um eine bestimmte Facette der Welt hereinzuholen in sein Blatt, den Lifestyle der Genau genommen war ich aber schon viel früher aufoberen Zehntausend. Fünf spannende Jahre gebrochen: Als ich zu Bunte kam, war ich als Journalang war ich die rasende Reporterin und konn- listin zwar ein Greenhorn, als Frau aber bereits mit te mit meiner wöchentlichen Gesellschaftsko- allen Wassern gewaschen. Aufgewachsen in Duislumne „Mein Rendezvous“ ganz nebenbei den burg in einem bürgerlichen Elternhaus, hatte ich bei Grundstein für mein bis heute intaktes persön- der Deutschen Bank „etwas Vernünftiges“ gelernt, liches Netzwerk legen. Später wurde ich Chef- nach dem frühen Tod meines Vaters jedoch angefanredakteurin unter anderem von ELLE, Ambien- gen, mich außerhalb der Schranken unseres Milieus te, Bunte und Gala, produzierte Glamourevents umzusehen. Zunächst als Flugbegleiterin bei der wie Bambi und die Goldene Kamera. „Mein Condor: Tagsüber flog ich Kegelclubs von DüsselRendezvous“ aber ist meine Schule gewesen dorf nach Mallorca und nachts Gastarbeiter aus Isund bis heute meine Visitenkarte geblieben. tanbul nach DUS. Am Strand von Mombasa verliebte ich mich in einen Flugkapitän und fand durch ihn Hubert Burda hatte schon 1982 eine klare Vi- Gefallen an den angenehmeren Seiten des Lebens. sion von diesem Global Village, das er in seiner Zeitschrift abbilden wollte, lange bevor es den Begriff und lange bevor es das Internet gab, dieses geniale digitale Instrument, das die Distanzen zwischen den Gesellschaften aus den Angeln heben sollte und das die Verdichtung der Welten zu einem

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1 | Medienjunkie Print und Online: BW zeitunglesend 2006 vor dem Berliner In-Restaurant Borchardt.


GESELLSCHAFT

Mit einem wohlhabenden Lebensgefährten, einem Krefelder Unternehmersohn, probte ich ein Jahr lang das süße Nichtstun an der Côte d’Azur. Unser Liebesnest war die Villa Bamako, ein verwunschenes Refugium inmitten eines Palmenhains auf der Halbinsel von Saint-Jean-Cap-Ferrat. Direkt neben dem Grundstück der ehemaligen Villa des britischen Dramatikers Somerset Maugham, der hier 1964 gestorben war, und das nun einem amerikanischen Unternehmerpaar (Gas und Kaufhäuser/Saks Fifth Avenue) gehörte. Elf Jahre später lernte ich die Hausherrin Lynn Wyatt übrigens als Kolumnistin von Bunte in Houston/Texas persönlich kennen.

Ich war von Anfang an, und bin es bis heute geblieben, ein „Bystander“, die Reporterin mit Block und Stift in der Hand, die Schaulustige, mit­ tendrin und doch am Rande. Antibes und zu unserem Einjährigen mietete er die Terrasse des Château de la Chèvre d’Or in Eze Village nur für uns zwei allein. Das war 1973. Ich war 22. Des Mannes, seiner Alkoholexzesse und der Muße überdrüssig, suchte ich das Weite und arbeitete eine Zeit lang bei einer deutschen Regierungsorganisation in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Auf der Schwelle zwischen dem Feudalismus des Kaisers Haile Selassie I. und dem Roten Terror des kommunistischen Diktators General Mengistu entwickelte sich meine angeborene Neugier zu einer Obsession. Da das Stellen von Fragen und das Reden über die Verhältnisse unter den dortigen Umständen nicht opportun war, suchte und fand ich die Antworten im Beobachten und im Aufschreiben für die Briefe an meine Freunde in Deutschland. In Äthiopien bin ich zur Chronistin, ja, zur Journalistin geworden, wenn auch noch nicht von 3 Beruf. Das war 1977, ich war 26.

Sprung zurück: Beim Roulette im Casino von Monte Carlo gewann ich damals so viel, dass ich meinem Krefelder Geliebten ein sehr großes Hermès-Badetuch schenkte, Motiv Löwe auf dem Sprung. Wir tranken Champagner am Pool des Hotel du Cap in 5

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3 | Bunte-Reporterin München 1983: BW mit Andy Warhol und Lord Weidenfeld. 4 | ELLE-Chefredakteurin 1988: BW organisierte Karl Lagerfelds erste Fotoausstellung. 5 | BW mit Wolfgang Joop in der Paris Bar.

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Auf einer Indienreise lernte ich Osama Bin Laden kennen – das ist aber eine andere Geschichte – und landete schließlich 1978 in Berlin, wo ich als Sekretärin bei Professor Helmut Coper in Stellung ging, einem der Gründer der Freien Universität Berlin. Ein faszinierender Mann, in dessen Büro sich die politische Elite Berlins zu Hintergrundgesprächen traf, über die ich nur allzu gern Protokoll führte. Ein Mann, der es besonders gut mit mir meinte, Peter Glotz, damals Wissenschaftssenator von Berlin, brachte mich 1980 dazu, noch einmal umzusatteln. So volontierte ich mit 29 Jahren, ohne Abitur, ohne Studium, aber mit viel Lebenserfahrung bei der Berliner Boulevardzeitung Der Abend und wurde – umgänglich, gut Englisch sprechend, meist fröhlich und stets einsatzbereit – bald auf die Prominenz angesetzt, bekam schon als Volontärin eine tägliche Kolumne, die „Leute“ hieß. Mein Verleger war Hossein Sabet, ein überzeugt unkonventioneller persischer Unternehmer mit globalem Wirkungsradius, Ingenieur, Teppichhändler und Hotelier, der die Traditionszeitung aus Dankbarkeit seiner zweiten Heimat gegenüber (zunächst) vor dem Konkurs gerettet hatte. Sabet wurde mein Mentor. Von ihm, der, tief verwurzelt in der Poesie seines Vaterlandes, auch so etwas wie ein Privatgelehrter war – und ist –, lernte ich, wie man Geschichten erzählt und auch, dass man aus der Distanz besser sieht. Und so war ich von Anfang an und bin es bis heute geblieben, ein „Bystander“, die Reporterin mit Block und Stift in der Hand, die Schaulustige, mittendrin und doch am Rande. Beobachten und beschreiben, das liebte ich und ist auch heute eine Passion.

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Ich interviewte Björn Borg, Eddy Constantine und Al Martino und einmal an einem einzigen Tag gleich drei Künstlerikonen: Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Joseph Beuys, die in der Neuen Nationalgalerie mit der gemeinsamen Ausstellung ihrer Werke aus der Sammlung von Erich Marx gefeiert wurden. Beuys sagte „Wat willste denn von mir, Mädschen“ und interessierte sich mehr für die Farbe meines ausgewaschenen blassroten Hippiemantels und für das Graublau meiner Augen als für meine Fragen. Später kaufte ich bei Hete Hünermann, der Düsseldorfer Galeristin und Schwester von Gabriele Henkel, eine Radierung von ihm, die „Frau mit Hirn, die rennt“ heißt: Es gibt keine bessere Beschreibung für den Zustand, in dem ich lebe. Rauschenberg fand Berlin spannend wie New York, eine ziemlich gewagte Einstellung damals, und Warhol war wortkarg, aber fotografierte mich, wie viele andere Vernissagebesucher. Dieses Foto hätte ich heute gern. Die Warhol-Stiftung beantwortet seit Jahren meine diesbezüglichen Mails nicht, wahrscheinlich behaupten Hunderttausende von Leuten (mit Recht), von ihm fotografiert worden zu sein. Warhol traf ich 1983 wieder, als er in der Eingangshalle des neuen Gebäudes des Burda-Verlags zwei große Leinwände enthüllte und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und ich ihm beim Signieren der Drucke assistierten, die Hubert Burda später verschenkte (einer hängt heute in meiner Berliner Wohnung).

6 | Bodenständig in Äthiopien 2009: BW unterwegs als Buchautorin. 7 | Glamour pur in Hollywood 1985: Oscar-Party mit Filmstar Tom Selleck und seiner späteren zweiten Frau Jillie Mack.


GESELLSCHAFT

Nach weiterer Lehrzeit in der Lokalredaktion von Bild Berlin, wo ich zur Abwechslung (und weil ich gut zu Fuß war) auch für die Straßenschlachten der Hausbesetzer eingeteilt wurde, nur um am nächsten Abend auf dem ADAC-Ball im ICC mit dem Innensenator Heinrich Lummer zu schäkern, war ich also nach Offenburg engagiert worden, als Redakteurin ins Unterhaltungsressort von Bunte (ein Jahr später dann der Umzug nach München).

natürlich, auf ihn warteten, beging ich hinter der Bühne kurz vor seinem Auftritt einen furchtbaren Fauxpas: Als ich ihm toi, toi, toi wünschend über die Schulter spuckte, brachte ich sein wohl frisiertes Haar durcheinander, ein wenig nur, aber er wollte unbedingt zurück in die Maske, um das Haar zu richten, weshalb sein Konzert mit einigen Minuten Verspätung anfing. Seitdem nennt er mich, wann immer wir uns sehen Cabrona, was vornehm ausgedrückt so viel heißt wie: Du Miststück!

10 | Reporterin: BW mit Max Schmeling, 11 | Helmut Kohl, 12 | Charles und Diana, 13 | Angela Merkel, 14 | Jörg Immendorff, 15 | Berthold Beitz, 16 | Manni SaynWittgenstein und Imelda und Ferdinand Marcos, 17 | Sammy Davis Jr., 18 | Loriot, 19 | Barbara Rudnik und Bernd Eichinger, 20 | Raissa Gorbatschowa, 21 | Walter Scheel, 22 | Luciano Pavarotti, 23 | Malcolm Forbes, 24 | Richard von Weizsäcker, 25 | Julio Iglesias, Salah Al-Fayed und Robert Mitchum, 26 | Thomas Gottschalk.

Die Welt von Bunte: Ich In der Kolumne „Mein Rendezvous“ reiste mit Prinz Charles, schrieb ich über die Rituale, die Prinzessin Diana und der Hierarchien, die Orte, den Luxus britischen Medienmeuund die Mode, kurz: den Lifestyle te für drei Wochen nach der oberen Zehntausend. Australien, des Thronfolgerpaares allererste Auslandsreise mit dem frisch geborenen Prinz William. Ich beobachtete, dass die Prinzessin sehr nervös war, so nervös, dass sie sich die Nagelhaut abzupfte, bis es blutete. Es gab aber auch Momente, in die man im Nachhinein die später so selbstbewusste geschiedene Frau hineininterpretieren konnte, zum Beispiel als sie in Alice Springs so behände den Ayers Rock hinaufstieg, dass ihr Mann ihr nicht folgen konnte; ein gefundenes Fressen für die Fotografen. Das Bild ging um die Welt. Ich reiste nach Madrid, um Julio Iglesias wiederzusehen und um über seine Welttournee zu schreiben, drei Jahre nachdem ich mit ihm in Düsseldorf eines meiner allerersten Interviews geführt hatte. Im Stadion Bernabéu, in dem 75.000 Fans, meist weibliche

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Anfang Juli 1983 rief mich Hubert Burda in sein Büro, wo er eine Ausgabe von Madame Figaro auf der Seite der Kolumne „Mes Rendezvous“ aufgeschlagen hatte. Autorin war die Grande Dame der französische Gesellschaft, Hélène de Turckheim. „Beate“, sagte mein Chefredakteur. „Das machen wir jetzt in Bunte.“

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8 | Bunte-Chefin 1992: BW leitet die tägliche Themenkon­ ferenz. 9 | Bambi-Produzentin seit 1985: BW glücklich-müde.

Wir, damit meinte er mich. Und ich sagte „Mais oui“, als wäre dieses sensationelle Angebot das Normalste der Welt, und er setzte zu einer Tour d’Horizon an, exakt elaborierend, über was ich künftig wöchentlich in Bunte schreiben sollte: die Rituale, die Hierarchien, die Orte, den Luxus und die Moden, kurz: den Lifestyle der oberen Zehntausend. Das, was ihr Leben unterschied von dem Leben der Bunte-Leserinnen und -Leser.

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Die aufgeputschte Stimmung der Clique begann hochzu­­ kochen. Man bewarf sich mit Fleischbällchen. 27

Nicht, dass Gianni Agnelli, der Industrielle und Lebemann, fremdging, sollte mich interessieren, sondern welchen Helikopter er steuerte. Educated Gossip nannte er das, was ich später gern als „galanten Klatsch“ übersetzte. Genau hingucken, aber diskret bleiben. Drei Tage später flog ich mit dem Fotografen, Schauspieler und Regisseur Roger Fritz nach Nizza. Roger hatte in den 70er-Jahren mit Luchino Visconti gearbeitet und er war selbst ein Akteur-Voyeur auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Wir mieteten uns einen Alfa Romeo und fuhren weiter nach Saint-Tropez. Am Donnerstag darauf, am 21. Juli 1983, erschien die erste meiner insgesamt 258 wöchentlichen Kolumnen. Acht rot gerahmte Seiten über meine Erlebnisse in Saint-Tropez. Beim Lunch mit Gunter und Mirja Sachs, beim Cocktail in der Villa am Meer bei Eliette von Karajan, über meine Begegnungen mit dem Modeschöpfer Marc Bohan von Dior und der chilenischen Zink-Baronin Patricia Lopez, Insidertipps von Félix Palmari, dem König des Strandlebens (Plage Tahiti). Nur Brigitte Bardot hatten wir leider verpasst. Und George Michael, den wir sehr spät und sehr allein in einer Bar am Hafen trafen, wollte partout inkognito bleiben. Auch eine andere Begebenheit habe ich unterschlagen. Es war Vollmond, der bolivianische Milliardär Serge Vasanoff und seine Frau Nathalie hatten zum Nachtmahl eingeladen. Wir saßen an einer langen Tafel im Park von Putzi von Opels Villa Tour et Voile (Turm und Segel), die die Vasanoffs gemietet hatten; die Hauseigentümerin war wegen eines Drogenvergehens aus Frankreich ausgewiesen worden. Die aufgeputschte Stimmung der Clique begann hochzukochen. Man bewarf sich mit Fleischbällchen. Helmut Berger, der schöne Filmschauspieler, war plötzlich nackt und bemalte sich

mit Spaghettisoße. Als mich, die Neue in der Runde, sein übermütiger Blick traf, ahnte ich Schlimmes und verzog mich gerade noch rechtzeitig ins dunkle Schilf, wo ich mucksmäuschenstill ziemlich lang in der Hocke verharrte, bis sich das berauschte Völkchen ins Haus verzogen hatte. Rasch schlich ich zu dem Alfa und schlief auf der Rückbank ein. Als Roger mich im Morgengrauen fand, lachte er mich aus und gab mir ein Küsschen. Eine Woche später war ich in Marbella an der Costa del Sol, damals fest in der Hand von Prinz Alfonso zu Hohenlohe, der mit seinem Marbella-Club die damals exklusivste Enklave am Mittelmeer geschaffen hatte. Ex-Kaiserin Soraya von Per­ sien kam von ihrer Villa zum Sundowner herüber, die Herzogin von Alba, von spanischem Hoch- 28 adel und unermesslichem Vermögen, war ebenfalls da, um sich ihre Löckchen legen zu lassen. Hohenlohe war ein exzellenter experimenteller Koch und liebte es, seine privaten Gäste mit neu kreierten Speisen zu verwöhnen. Auf seiner Farm hoch in den Bergen von Ronda hatte er auf ökologische Landwirtschaft umgestellt und war zu einem der ersten Biobauern Europas avanciert. Mit Beatrice, der Herzogin von Sevilla, einer geborenen Prinzessin von Hardenberg aus Baden-Baden, und dem spanischen Heldentenor Placido Domingo besuchte ich die erste Corrida meines Lebens. Als der Torero, leider habe ich seinen Namen nicht notiert, Domingo das blutige Ohr des Stiers als Ehr­ erweisung hinauf in die Ehrenloge warf, dieser es sicher fing und die Zuschauer die beiden und den toten Stier mit Standing Ovations feierten, lief mir ein Schauder über den Rücken. Später in der Villa

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27 | Besondere Begegnungen: BW mit Gunter Sachs, den sie 1983 in Saint-­ Tropez kennenlernte. 28 | BW 1980 mit Joseph Beuys bei einer Reportage für die Berliner Zeitung Der Abend.


GESELLSCHAFT

29 | Zweite Heimat Äthiopien: BW hat schon 1976 dort gelebt und gearbeitet und teilt seit vielen Jahren ihre Zeit zwischen Berlin und Addis Abeba.

Casa Al Riadh von König Fahd von Saudi-Arabien, eine Kopie des Weißen Hauses, wohin mich eine Innenarchitektin mitgenommen hatte, wusch ich mir meine Hände unter goldenen Wasserhähnen. Die Seife war eine Habit Rouge. Neben dem Logo von Guerlain war das Emblem des Königshauses geprägt, zwei unter einer Palme gekreuzte Schwerter. Im August war ich von Christine Esswein, Bauunternehmerin aus Karlsruhe und enge Freundin der knapp ein Jahr zuvor mit 52 Jahren tödlich verunglückten Fürstin Grazia Patrizia, zum Rotkreuzball im Sporting Club von Monte Carlo eingeladen. Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. waren die Stars, ihr 90-minütiges grandioses Konzert war eine einzige Hommage an ihre gemeinsame Freundin Grace Kelly, die Fürstin. Am Abend danach gab Prinzessin Ira von Fürstenberg, eine Agnelli-Tochter und Mutter des Musikers, Fotografen und Skirennläufers Hubertus von Hohenlohe, für den pakistanischen Reeder Gokal (der Jahre später in einen Bankenskandal verwickelt war und zu langjähriger Haft verurteilt wurde) einen Cocktail auf der Terrasse des Hotel L’Hermitage, sozusagen die Nachfeier zum Ball. Es kamen Adnan Khashoggi, der saudische Waffenhändler, Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der gerade dabei war, die Fin-de-SiècleVilla La Vigie aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wiederzuerwecken, Gina Lollobrigida, Paloma

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Picasso, Eliette von Karajan und ihre Tochter Arabel, damals 19, heute erfolgreiche Komponistin und Rockmusikerin in Sofia/Bulgarien. Auch Prinzessin Caroline und Prinz Albert guckten vorbei. Sie war nach missglückter erster Ehe mit dem französischen Playboy Philippe Junot nun 26 und verlobt mit dem italienischen Unternehmersohn Stefano Casiraghi. Albert trug am Revers seines dunklen Anzugs das kleine Abzeichen des Großkreuzes des Ritterordens von Saint-Sépulcre von Jerusalem, seines allerersten Ordens, der ihm vom Vatikan zum 25. Geburtstag verliehen worden war. Drei Jahre später sollte er der erste Interviewpartner meines Fernsehdebuts im ZDF werden. An diesem Abend verabredete ich mich auch mit Dodi Al-Fayed, der, erst 28, gerade für seinen Film „Die Stunde des Siegers“ mit sechs Oscars ausgezeichnet worden war. Ich besuchte den Filmproduzenten, dessen Vater das Londoner Kaufhaus Harrods und das Pariser Hotel Ritz besaß, tags darauf auf einen Diabolo Menthe, einen alkoholfreien Cocktail, auf der Segeljacht seiner Familie, einem 1928 in New York erbauten eleganten Schoner. Dodi sollte nur 14 Jahre später an der Seite von Prinzessin Diana in einem Pariser Tunnel tödlich verunglücken. Sie waren am Nachmittag vorher noch auf eben dieser Jacht gewesen und dann mit seiner Gulfstream IV nach Paris abgeflogen und vom Ritz aus in den Tod gerast. Mein Highlight im Monte Carlo des Sommers 1983 aber war das Exklusivinterview, das ich mit Sammy Davis Jr. auf der Terrasse seiner Sarah-BernhardSuite im Hotel de Paris führen konnte. Als ich ihm von meinem ersten Besuch im Casino von Monte Carlo zehn Jahre zuvor erzählte und dass ich im Roulette so viel gewonnen hatte, dass ich meinem damaligen Freund ein Hermès-Badetuch mit dem Motiv Löwe auf dem Sprung schenken konnte, ging er in sein Bad, kam mit einem identischen Badetuch zurück und legte es mir um die Schultern. Es ist mir ein Jahr später in der Wäscherei eines New Yorker Hotels abhandengekommen. An diesem Abend sollte ich Frank Sinatra kennenlernen. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

Beate wedekind Jahrgang 1951, Journalistin, Buchautorin (unter anderem New York Interiors"), Event- und TV-Produzentin (unter anderem Bambi, Goldene " Kamera, Ein Herz für Kinder), hat 2013 als Start-up-Unternehmerin ihre eigene Medien­marke gegründet. TheNewAfrica.info widmet sich der Vernetzung mit der aufstrebenden Mittelschicht Afrikas. Beate Wedekind lebt in Berlin, Addis Abeba/ Äthiopien, auf Ibiza und auf Reisen. Ihre Autobiografie erscheint 2014 bei Piper.

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Innige Verbin dung text Robert Weber fotos Barbara Maurer

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fotografie

Im Dezember 2012 erlitt Barbara Maurer auf ihrer letzten Fotoreise für das Buch „Kraftort Alpen“ einen Herzstillstand, an dessen Folgen sie mit 49 Jahren starb. Hier verneigt sich ihr Mann Robert Weber vor einer besonderen Künstlerin, der TRIP eine wunderschöne Modeproduktion im Premierenheft verdankt.

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Barbara zu beschreiben, ist nicht schwer. Sie besaß eine einzigartige Intuition, mit der sie die Schönheit der Dinge und des Lebens einfangen und damit auch anderen zugänglich machen konnte. Und sie war eine Optimistin voller Herzlichkeit. Nicht nur als Fotografin zog sie alle in ihren Bann. Obwohl stets bescheiden und zurückhaltend, war sie der Fixpunkt des Teams, machte die Ergebnisse der Shootings zu einem Produkt aller. Barbaras Lieblingsfelder waren die Mode- und Reisefotografie – stets mit Menschen im Mittelpunkt. Fotoshootings für Werbe- und Katalogkunden bestimmten ihren Beruf, den sie nie als Pflicht, sondern vielmehr als größtes Geschenk nach vielen Jahren des Suchens und Zweifelns empfand. Auch die Natur und insbesondere das Gebirge hatten es Barbara als Motiv angetan. Die majestätische, wilde Schönheit der Alpen zog die geborene Schlierseeerin immer wieder in ihren Bann, bildete eine künstlerische Herausforderung, ja wurde geradezu zum Leitmotiv für meine Frau.

1 | Die Seiser Alm in Südtirol. 2 | Barbara und Robert am Gipfel des Ätna auf Sizilien. 3 | Auf der „Kleinen Scheidegg“ oberhalb von Grindelwald im Berner Oberland.

Barbara gab mir mit dem Schliersee eine neue Heimat und ich habe es geschafft, dass sie ihre alte Heimat wieder neu entdecken und lieben lernte, indem wir uns dort ein gemeinsames Zuhause schufen. Von dort aus durchstreiften wir Berge und Täler, suchten nach den schönsten Schluchten und Gipfeln. Barbara wollte den Bergen einen ganz besonderen Bildband widmen, der inzwischen unter dem Titel „Kraftort Alpen“ erschienen ist. Die Veröffentlichung dieses Werkes erlebte sie nicht mehr mit. Barbara „Fotografie ist meiner Meinung erlitt am 20. Dezember 2012 auf ihrer letzten Fotonach eine Sache des Instinkts reise für das Buch in Zermatt einen Herzstillstand, und wer seinem Herzen folgt, an dessen Folgen sie im Alter von 49 Jahren starb.

wird meiner Meinung nach den besten Weg finden, um Schönheit einzufangen und zu entdecken!“ Barbara Maurer im Dezember 2012

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Obwohl sie mit ihrer eigentlichen freien künstlerischen Arbeit erst am Anfang stand, hat sie uns mit „Kraftort Alpen“ ihr Meisterwerk hinterlassen. Mir kommt es so vor, als wollte sie uns mit der Kamera das Unantastbare, Ewige der Schöpfung zeigen. Barbaras Alpenfotos sind keine Schnappschüsse, sondern wurden bis in das kleinste Detail durchdacht – ein intensiver Dialog mit dem Licht, den Silhouetten, der räumlichen Tiefe und der spröden mineralischen Schönheit des Gesteins.

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Große Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Vision erfuhr Barbara durch Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Aus einem gemeinsamen Fotoshooting heraus war eine wunderbare Freundschaft entstanden. Die beiden zeigten Barbara auf gemeinsamen Reisen ihre Kraftorte in Garmisch und am Eibsee. Sie waren schnell begeistert von der künstlerischen Umsetzung Barbaras.

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„Ich habe einfach Glück gehabt, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und ich habe es genossen und bin glücklich damit.“

Ob in den Bergen, am Meer oder in der Wüste: Barbara hat sich stets als wahre, polyglott denkende Europäerin gefühlt, die in Afrika die Wurzel all des Seins sah und sich dort ebenso auf innige Weise zu Hause fühlte wie in den Bergen ihrer bayerischen Heimat. Aber auch das urbane Leben von New York mit seiner künstlerischen Vielfalt hat sie geprägt. Diese Dualität und zugleich Komplementarität aus unberührter Natur und der vom Menschen geschaffenen Umgebung begeisterte sie und bestimmte ihr gesamtes Schaffen.

4 | Der Eigergletscher im Berner Oberland. 5 | Schliersee. 6 | Matterhorn. 7 | Der „Bocker“ aus dem Ultental in Südtirol.

Barbara Maurer im Dezember 2012

Ihre letzte Ausstellung „EIS trifft HEISS“, die als kontrastreiches Wechselspiel ihre „Ufereis“-Bilder vom Schliersee mit sinnlichen Aktfotos zusammenbrachte, hätte Barbaras Fähigkeit zur Verbindung unterschiedlichster Welten nicht besser zum Ausdruck bringen können. Für die Vernissage studierte Barbara den Song „Rolling in the Deep“ von Adele ein, sang ihn unablässig mit Kopfhörern im Ohr, um das Lied im Background der befreundeten Band Corky Q mit unserer Nachbarin Andrea vorzutragen. Dass dieses Lied rückblickend zu einer Art Abschiedsbotschaft für mich werden sollte, wurde mir schmerzhaft bewusst während der Tage zwischen Herzstillstand und dem endgültigen Tod in der Klinik von Sion. Eine starke, ihrem Willen und ihren Vorstellungen folgende und zugleich höchst sensible, stets ihren Gefühlen verpflichtete, bisweilen an ihren Fähigkeiten und der Welt zweifelnde Frau und (Lebens-)Künstlerin war für immer gegangen.

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Ich hab’ den Berg bestiegen,   Der Euch noch Sorgen macht,   Doch weinet nicht Ihr Lieben,   Ich hab‘ mein Werk vollbracht.  Gedicht unter dem Porträt ihres Sterbebildes

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Barbara starb exakt sieben Jahre und sieben Monate nach unserem Hochzeitstag am 20.05.2005. Diesen hatten wir bewusst aufgrund der besonderen Konstellation der Zahlen ausgewählt: Tag (20) und Monat (05) zusammengenommen ergeben dabei das Jahr (2005). Genau die gleiche Konstellation ergab sich für ihren Abschiedstag am 20.12.2012, das letztmögliche Datum vor dem 21.01.2101, den sie nach menschlichem Ermessen nicht hätte erleben können, denn dafür hätte sie 137 Jahre alt werden müssen.

Das Buch „Kraftort Alpen“ mit Zitaten und Texten von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther erschien im Verlag terra magica. Alle Bilder des Buchs können in großformatigen, hochwertigen und limitierten FineArt-Prints bestellt werden unter www.kraftort-alpen.de.

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Lebendiges Graffiti Text dorothee gödeke

In dem erst kürzlich erschienenen Buch „Holy Shriiimp – The Bible Vol. 1“ übernimmt ausnahmsweise weibliche Haut die Rolle der Häuserwand.

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artist // Pokras lampas  

body art

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artist // sindik 

body art

as als kleines Projekt Vince Prawns begann, hat nun auch mehr und mehr die professionelle Szene erreicht. Während früher schon die eigene Freundin für den Graffiti-Artist herhalten durfte, gründete er 2005 eine Webseite (www.shriiimp.com), um solche Werke festzuhalten und allgemein zugänglich zu machen. Mittlerweile sind dort mehr als 10.000 Fotos gesammelt, auf denen die weiblichen Körper dem Medium einen eigenen Stempel aufdrücken. Sie eröffnen verschiedenste Gestaltungsmöglichkeiten und kommen mal verspielt, mal sexy daher. Die plastischen Rundungen und die Lebendigkeit der Bildunterlage ermöglichen Motive, die eine ebene Fläche nicht liefern könnte. Und so bleibt kaum ein Stückchen Haut übrig, das nicht schon einmal dieser aufwendigen Verwandlung unterzogen wurde. Auf 100 Bildern erscheint nun eine Zusammenstellung der besten Werke, von Künstlern aus aller Welt – darun­ter auch namhafte Größen der Szene – in streng limitierter Auflage.

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 artist // lost soul 

  artist // ches 

  artist // Pokras lampas  


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Text andreas altmann Fotos Corinne Meylan

bord a l l e s a n

Mord, Hochzeitsnächte und Kaiserschnitte gehören zum Alltag einer Flussfahrt auf dem Kongo. Deutschlands bester Reiseschriftsteller Andreas Altmann verbrachte zwei Wochen a u f d e m b e r ü c h t i g t e n S c h i ff E b e y a “ . H i e r s e i n e E r i n n e r u n g e n . . . ”

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report

A

ber wir sind doch alle Brüder“, schreit er, „hört auf, hört auf damit.“ Im Hintergrund dröhnt die Sirene des Schiffs, letztes Zeichen zur Abfahrt. Der friedliche Mensch hat keine Chance. Die schwarzen Brüder prügeln drauf los: Militärpolizei gegen eine Horde wütender Passagiere, die zu spät kommen. Denn längst ist jede Kabine dreifach überbelegt. Doch das hält keinen auf. Sie rennen im Hagel der Gummiknüppel zum Kai und springen an Bord. Mancher strauchelt, landet mit Wäschesack, Tierkäfig und Proviantkorb im Dreck, bleibt niedergeschlagen liegen. 17.19 Uhr, wir legen ab.

Schwieriger Anfang. Nach zehn Minuten färbt sich der rote Abendhimmel schwarz und ein Sturmregen verhindert jede Sicht. Von den Dächern der Beiboote hetzen die Menschen nach unten, ihr Gepäck und die Matratzen bleiben zurück. Die beiden Suchscheinwerfer fallen aus. Auf der Brücke der „Ebeya“, dem Hauptschiff, ist das Licht ausgefallen. Vier der zwölf Plexiglasfenster lassen sich nicht schließen, eine rasante Zugluft schleudert zwei ausgeleierte Türen auf und zu. Augenblicke später steht der Holzboden unter Wasser. Durch die Wolken jagen ein halbes Dutzend Kugelblitze, wie hell lodernde Zündschnüre fetzen sie über den Fluss. Drei Stunden später hat sich die Welt beruhigt, der Kapitän sucht mit der Taschenlampe seine weggeschwemmten Pantoffeln, wir fahren weiter.

Jahre 1915 und die „Ebeya“ und ihre sechs Barken – durch Eisenseile stramm mit dem Hauptschiff verbunden – gelten als unsinkbar. Kurz vor null Uhr gehen die ersten blinden Passagiere an Bord, etwa 150, herbeigeschafft in schmalen, leisen Pirogen, im Schutze der Dunkelheit. Dann wird es ruhig, nur noch das Keuchen der beiden 1.500 PS starken Schiffsmotoren ist zu hören. Stille. Nacht, ein paar Lichter an den Ufern. Sofort am Morgen setzt es Prügel. Der meist immer gleiche Grund: Überbevölkerung. Gewimmel vor den Duschen, Gewimmel vor den Toiletten.

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1-2 | Ob Gemüse, Cola, Obst oder Tiere: Auf der „Ebeya“ wird alles gehandelt.

Über 1.700 Kilometer liegen vor uns, von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, bis zum fernen Kisangani im Osten des Landes.

Sechs Wochen lang wurde die Abfahrt immer wieder verschoben. Sagenhafte Schlamperei. Und unaufhörliche Ausreden, um den Volkszorn zu beruhigen. Denn das Schiff bedeutet für viele die einzige Möglichkeit, in ihre Dörfer zurückzukehren, bedeutet Arbeit für all jene, die auf ihm Geschäfte machen. Die Fischer, Händler, Bauern, Polizisten, Pfarrer, Soldaten, Schmuggler, Hausfrauen, die Huren. Mehr als 4.000 wollten mit, knapp 3.000 haben es geschafft, für weniger als 1.000 Passagiere gibt es Platz. So ist es heute, so war es immer. Nirgends ein Anlass zur Sorge. Das zerfranste Kartenmaterial auf der Brücke stammt aus dem

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Dazu der Gestank liegen gebliebener Fäkalien, das Plärren eines unzählbaren Kinderreichtums. Dennoch, Gewalt ist eher die Ausnahme. Sie warten geduldig, apathisch. Oder lachen, machen sich lustig, wenn es nur den geringsten Anlass gibt. Wie jetzt: Die verrückte Alte, die an der Klotür lehnt und grinsend an ihrem intimsten Körperteil fummelt, stimmt sie genauso fröhlich wie der Moundele, ich, der Fremde, der gebannt die Szene beobachtet. „Je vous cherche une femme“, ich suche Ihnen eine Frau, sagt ein Knirps trocken neben mir und ein dröhnendes Gelächter entspannt unsere eingepferchten Körper.


report

Ein afrikanischer Werktag beginnt. Haare schneiden, Bärte rasieren, Läuse suchen, Zöpfe flechten, Dame spielen, Rollstühle reparieren, Kleider waschen, Körper seifen, dösen, schauen, reden, unheimlich viel reden. Nach zwei Stunden hat sich das Schiff in einen Viktualienmarkt verwandelt, eine Großmarkthalle, in einen Basar. Die ersten Fischer landen an, verkaufen Aale, Barsche und Welse, lebendig oder geräuchert. Mit dem Gewinn gehen sie sogleich einkaufen. Die gewöhnlichsten Dinge der Welt und dennoch nur hier erhältlich. Nähfaden, Angelhaken, Seife, Büstenhalter, Zahnpasta, Mottenkugeln, Reißnägel, Haarpomade, Schreibhefte, Socken, Bleistifte, Turnschuhe,

Mehr als 4.000 wollten mit, knapp 3 . 0 0 0 h a b e n e s g e s c h a ff t , f ü r w e n i g e r als 1.000 Passagiere gibt es Platz.

passiert. Mord und Totschlag, Liebeserklärungen, Hochzeitsnächte und Kaiserschnitte, Großbrände und Seuchentote, alles schon da gewesen. Jetzt aber, kurz nach 17 Uhr, bricht ein Johlen und Kreischen aus, wahre Veitstänze der Freude über ein erstaunliches Ereignis. Denn auf dem Dach einer der Barken erwartet uns ein märchenhafter Anblick:

ein nacktes Paar, verschlungen in schweißgebadeter Leidenschaft, tatsächlich unerreichbar von jeder Außenwelt. Das Liebesspiel, die Kopulation endet unter Ovationen. Jetzt erst kommen die beiden wieder zu Bewusstsein, hören das Lustgeheul der anderen, spüren plötzlich eine fürchterliche Scham, ziehen sich überstürzt zurück.

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„Cartier“-Uhren, „Lacoste“-Hemden, Babywindeln, Klopapier, falsche Fingernägel, Einwegspritzen, Penizillin, Kopfwehtabletten. Und „Dear Heart“-Tuben, die Paste verspricht ein vollständiges „Weißen“ der Haut. Auf der Verpackung sieht man erfolgreich gebleichte Schwarze. Weiß sein, sagen sie, ist schön, bedeutet Geld, wahnsinnig viel Geld. Ein Kunde jedoch bleibt skeptisch, er hat von Transplantationen reden hören, nachdenklich streicht er über meine Arme: „Gut, gut“, murmelt er zufrieden, „was willst du haben für deine Haut?“ Der Nachmittag bringt einen einsamen Höhepunkt. Alles, was Menschen sich gegenseitig antun können, im Guten, im Bösen, hier ist es schon

Noch drei Tage bis Mbandaka. Jede Nacht jetzt eine Razzia-Suche nach Passagieren ohne Fahrschein. Rollkommandos von 20 Mann schwärmen um zwei Uhr früh durch die Gänge. Am nächsten Morgen sitzen drei Dutzend der armen Teufel auf dem Boden der Kapitänsbrücke. Wachpersonal hält sie in Schach. Flennen und Wimmern, Frauen auf den Knien flehen um Erbarmen, erzählen mit schriller Stimme ihre Geschichte. Notorische Schwarzfahrer werden mit Handschellen am nächsten Wasserrohr befestigt.

Das Ganze ein Schauspiel grandioser Scheinheiligkeit. Mehrere Hundertschaften reisen hier mit, ohne – offiziell – einen halben KongoFranc zu entrichten. Inoffiziell gewiss. Aber eben nicht für ein gültiges Ticket, sondern als Schmiergeld an das Personal, das die Kundschaft unauffällig an Bord schleust. Jeder weiß Bescheid, jeder hält den Mund, jeder hält die Hand auf. Der Kapitän, der Polizeichef, das Militär, der Maschinist. Wer nachts geschnappt wird, hat Pech gehabt. Und keine Freunde. Er wird so lange Handschellen tragen, bis er „nachzahlt“. Wer das nicht schafft, bekommt „Landurlaub in Mbandaka“, sprich sechs Monate Gefängnis.

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3 | Ein kleineres Frachtschiff zieht auf dem Kongo vorbei. Es ist ebenfalls eine Mischung aus Handelsplatz und Transportmittel.


4 | Mobiler Friseursalon: Frauen beim Zöpfeflechten. 5 | Frachtgut und Lkw auf dem Vorderdeck des Schiffs.

Die Bevölkerungsexplosion nimmt zu. Neben den Menschen und Fischen liegen jetzt die Tiere. Jäger bringen exotische Fracht. Gefesselte Krokodile, kopfschusstote Meerkatzen, scheue Schildkröten, Schimpansenkinder, Gorillababys, halbe Nilpferde, ein Riesenschuppentier, Antilopen, Käfige voller Papageien, getrocknete Fledermäuse, kübelweise fette Larven. Daneben das friedliche Haustier: Hühner, Schweine und Wildschweine, Ziegen und Gänse.

Die Abende auf dem Fluss versöhnen. Der Himmel ein Malkasten roter Farben. Im Westen glänzt ein Regenbogen, weit weg kaum hörbar ein Gewitter, das wie Gold schimmernde Wasser. Am Heck des Schiffs singen die „Frères en Christ“. Ganz professionell, zehn bilden den Chor und dazwischen die heiseren, verkratzten Stimmen der Vorsänger. Das ist die Stunde zwischen Wolf und Hund, die Dämmerung, in der man beide nicht mehr unterscheiden kann. Und wieder – genau jetzt – ist er da, der Zauber, der namenlose Zauber Afrikas. Nach den Brüdern in Christus sind die Moslems an der Reihe. Friedlicher Übergang, friedliche Toleranz. Mit dem Wasser aus der mitgebrachten Feldflasche werden Mund, Hände und Füße gewaschen. Der Teppich liegt Richtung Mekka.

foto // jeff harper

Glücklich die bereits Krepierten, denn die am Leben Gebliebenen erwartet ein barbarisches Schicksal: Das Krokodil landet zwischen zwei Toilettentüren, verhungert dort (um in Scheiben geschnitten im Kühlhaus zu landen, im Bauch der „Ebeya“). Ähnlich elend der Tod der Fische. Noch rollen sie die Augen, atmen gierig durch ihre Kiemen.

Dann spüren sie die Machete des Eigentümers, der seinen Namen in den Bauch ritzt, später kappt er die Flossen, um die Ware platzsparender verpacken zu können. Schildkröten bohrt man ein Loch in den Panzer, zieht eine Schnur durch, fädelt sie auf. Prächtige Einzelstücke baumeln an Türpfosten und Treppengeländern. Ziegen werden so knapp festgezurrt, dass sie stehen müssen. Tag und Nacht. Dafür liegen die Schweine – aufeinander. Ihre wundgebissenen Ohren berichten vom Kampf um Lebensraum. Nach drei Tagen beginnen ihre Leiber zu zittern, das ist der Hunger. Am grausamsten leidet das Schuppentier. Der Draht, den der Besitzer um den rechten Fuß gespannt hat, entzündet das Fleisch, lässt es langsam abfaulen, sodass die Klaue nur noch dank zweier Sehnen am Rumpf hängt. Das Tier gibt keinen Laut von sich, es ist stumm, wie von Sinnen leckt es sich die Wunde.

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Die religiöse Inbrunst ist überwältigend. Morgens um sechs rennt ein Mensch durch die Gänge und schreit: „Wer Jesus Christus liebt, kommt jetzt zum Gottesdienst.“ Ich komme, auch ohne Liebe. In einem der „Restaurants“ haben sie den Altar aufgebaut, ein Kreuz steht da, die offene Bibel liegt aus, Kerzen brennen. Eine Maus huscht verschreckt davon. Gläubige treten nach vorn und erzählen eine Parabel. Einer weiß das Gleichnis von der Katze, die tagsüber schnurrt und nachts das Haus verlässt, um zu rauben. Hinweis auf scheinheilige Christen. Neun erbauliche Geschichten folgen, dann Bibellektüre, dann die Hauptpredigt vom biblischen David, der – wieder schlechtes Beispiel – die Frau seines Hauptmanns begehrt. Dazwischen Halleluja-Schreie, heftiges Stampfen, das brennende Verlangen, sein Herz in den Himmel zu schleudern.

Der Gestank liegen gebliebener Fäkalien, das Plärren eines unzählbaren Kinderreichtums. D e n n o c h , G e w a l t i s t e h e r d i e A u s n a hm e .

Inzwischen dampft eine Menschenschlächterhitze im Raum, mein nasser Handballen verschmiert die Notizen. Nach einer Stunde und 40 Minuten geht der Klingelbeutel um (Spesen für den Pfarrer), eine Schweigeminute folgt, ein Gockel kräht dazwischen, zuletzt geben wir uns beide Hände, jeder jedem, Zeichen von Freundschaft und Frieden. Im Wiegeschritt schwingen wir hinaus. Nach der Messe wird getanzt. Die Gottesliebe hat ein Ende, jetzt kommt die Liebe zum Leben. Der Altar verschwindet, hinter der Theke steht die Anlage. Und nun Vollgas. Viel African Pop, minutenlange Reggaenummern, kaum westliche Musik. Wie unter Starkstrom vibrieren die Leiber, die Gesichter bekommen diesen seltsam abwesenden, leicht idiotischen Ausdruck. Sie fallen in Trance, wie geköpfte Gockel zucken sie über den Boden. „Erscheint der Tanz, verschwindet der Tänzer“, sagen die Sufis. Genau so.

Andere trainieren. Der hiesige Lieblingssportler heißt Mike Tyson. Noch immer. Boxen ist männlich und schön. Jean, der offensichtlich Beste, organisiert das Training. Ganz Profi erteilt er die Anordnungen in Englisch. So üben die Jungs beim „Sparring“ die „Straight Left“, die „Straight Right“ und die „Guard“, die Deckung. Vorher müssen sie durch ein „Warm-up“ mit Gymnastik, Liegestützen und kurzen Sprints. Hinterher kehrt Jean wieder zurück an seinen Stand, verkauft Babywäsche, hat neun Kinder und will einmal, irgendwann einmal, mit seinen Fäusten Geld verdienen. 6

6 | „Schaufenster“ Schiffsdeck: Eine Händlerin breitet ihre Ware aus.

Nach den Boxern kommt der „Cader“ zum Training. Eine zwei Dutzend Mann starke paramilitärische Organisation, die für Ordnung und Disziplin während der Reise sorgen soll. Ihr hehres Ziel ist die „Verteidigung der Revolution“. Eine Realsatire. Dick und Doof auf dem Kongo. Uniform ist Vorschrift. Was sie nicht hindert, in Bermudashorts,

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report

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7 | Ein Militärpolizist im Gespräch mit einem Händler, der ein Krokodil auf das Schiff bringen will. 8 | Kleine Boote sind Zubringer für Handelsware vom Ufer.

Neben den Menschen und Fischen liegen jetzt die Tiere. Jäger bringen exotische Fracht. roten Socken, abgelaufenen Sandalen, T-Shirts („Wyoming University“) und Baseballmützen aufzutreten. Erstes Ziel: die tägliche Zeremonie des Fahnenhissens in den Griff zu bekommen. Es hapert, beim Stechschritt ist der Abstand zu kurz, Beschwerde des Vordermanns über Tritte in den Hintern. Die Kehrtwendung macht auch noch Probleme. Zusammenstöße mit Kopfbeulen sind die Folge. Zudem sitzt der Text noch nicht. „A vos ordres“, zu Befehl, soll einer sagen. Er sagt alles, nur nicht diese drei einfachen Wörter. Bald gibt es kein Halten mehr bei den Zuschauern, Lachtränen des Amüsements. Dass diese windschiefen Heinzelmänner eines Tages für das Land sterben werden, so ihr Gelübde, ist abzusehen. Erschossen vom Feind. Aber auch Erleichterung, denn so viel militärische Unbegabung verspricht Frieden.

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Maître Tierry setzt sich neben mich. Er ist „Zauberheiler“. Sagt er. Heute müsse er mich ansprechen. Er könne nicht länger warten. Er will rückhaltlos offen mit mir sein. Schon als er mich das Schiff betreten sah, war er sich seiner Diagnose sicher. Ich leide, rundheraus, an einem „Dérangement moral“. Das wäre – milde übersetzt – eine „moralische Störung“, ließe sich aber auch als „geistige Zerrüttung“ interpretieren. Der Maître beruhigt mich, widerspricht der Hoffnungslosigkeit, verspricht umgehend Hilfe. Die Intensivkur würde eine Woche dauern, die Kräuter lägen bereits in seiner Kabine. Daraus will er einen Tran präparieren, der mir dann täglich durch Ohren, Mund und Nase in den Kopf geschleust würde. „Um mir das Hirn zu reinigen“, wie er sachlich erklärt. Dazu käme allerdings noch „die geheime Geste“, sie wäre der letzte Garant für die vollständige Reparatur meiner Verstörung. Der Preis wäre „einmalig“ (wie wahr), umgerechnet 1.300 Euro, inklusive Hirnöl, Kopfhautmassage, Zaubersprüche und das Säckchen gestampftes Kräutermehl zur Nachbehandlung. Ich spiele den Schwankenden, bis mich eine Tsetsefliege rettet. Jetzt darf ich davonrennen, den Meister noch schnell um Bedenkzeit bittend.

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report

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foto // jeff harper

9 | Alles im Blick: Steuermann und Wachoffizier auf der Kommandobrücke der „Ebeya“.

Die letzten 30 Kilometer, die letzten sechs Stunden. Alles ist wach, alle wollen zur Erde zurückkehren. Die wunderbare Vorstellung, fünf Schritte tun zu können, ohne dass jemand im Weg liegt, ohne den Körper ununterbrochen und zwangsweise verkleinern zu müssen. Und noch einmal himmlische Schadenfreude. Denn eine Frau fällt in den Fluss und verliert dabei ihr „Liputa“, das bunte Leibtuch. Kein Notfall, keine Gefahr. Sie erreicht eine Piroge, hält sich fest. Und dabei bleibt es. Nun ist sie splitternackt und will nicht mehr heraus. Stürmische Anfeuerungsrufe, doch die Riesenbusige bleibt keusch unter Wasser. Bis Kisangani, der Endstation, hält sie durch, begleitet vom fröhlich-boshaften Lachen der Zuschauer. Kurz vor elf Uhr, nach genau zwei Wochen, kommen wir tatsächlich an. Alle haben es gut. Die schamhafte Mamam findet ein Kleid, die Schweine dürfen endlich sterben, die Händler ruhen zwei Tage aus und die Schiffe werden gewaschen. Dann geht es zurück nach Kinshasa, zurück auf den Fluss. Den sie lieben, den sie verfluchen und ohne den sie nicht leben können.

Der Altar verschwindet, h i n t e r d e r Th e k e s t e h t d i e Anlage. Und nun Vollgas.

Die 14. Nacht, die letzte, bleibe ich auf. Ab ein Uhr wird es ruhig, selbst die jagenden Schmerzensschreie der Schweine verstummen. Ein Mann kriecht von seinem Rollstuhl zu den Toiletten. Vor der Treppe kommt er nicht weiter. Ich hebe ihn hinauf. Er ist leicht, ohne Füße. Mit den Händen zieht er sich auf den kotigen Abtritt. Er lächelt jetzt, will nicht, dass ich ihm helfe. In einem versteckt gelegenen Zwischengeschoss finde ich ein paar meiner Bekannten. Heimliche Passagiere, die es fast geschafft haben. 60 Zentimeter hoch ist ihr Schlupfwinkel. Natürlich wird geraucht. „Pas de Kaya, pas de Sentiments“, lachen sie. Kaya ist ein Codewort für Marihuana: Ohne Gras gibt es keine Gefühle, keine Fröhlichkeit. Zwei von ihnen plagt die Syphilis. Schon bei unserer ersten Begegnung zeigten sie mir ihre von Ausschlag bedeckten Körperteile. Wir rauchen, ich gebe ihnen meine letzten Antibiotika. Sophie kann nicht schlafen. Stets muss sie lachen, wenn sie mich sieht. Zu dünn wäre ich. Sophie ist dick, gewaltig dick. Sie verkauft Plastikgeschirr und kocht gerade, wie meistens. „Kosibana“ würde sie gern mit mir machen, Liebe. Da ich mich immer davonrede, muss ich immer mit ihr essen. So rächt sie sich diesmal, um 2.45 Uhr. Es gibt lebende Raupen, zum Eintunken in heiße Kürbissauce. André Gide fällt mir ein, sein pathetischer Satz gibt Kraft: „Ich will dabei sein, und koste es das Leben.“

Andreas Altmann ist Reiseautor, Reiseschriftsteller und Reisereporter. Er arbeitete als Schauspieler, lebte in einem buddhistischen Zenkloster und unternahm lange Reisen durch Asien, Afrika und Südamerika. Sein neuestes Buch „Dies beschissen schöne Leben – Geschichten eines Da­ vongekommenen“ erschien im März dieses Jahres bei Piper.

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Mario/Crêperie am Meer, Sylt / Foto Brian Bojsen

Adenauer&Co. GmbH / Goethestraße 73 | 40237 Düsseldorf / Tel: +49 | 211/544 189 70 | Geschäftsführer: Andreas Adenauer

www.adenauer.com

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ZWISCHENRASEREI UNDSTILLE

Was für ein Glück: heruntergehen vom Gas und zu sich finden im Gebet. Die neue Autobahnkirche an der Raststätte Wilnsdorf ist dafür der perfekte Ort.

G

leich einer stilisierten Silhouette ragt die Autobahnkirche Siegerland auf der Raststätte Wilnsdorf an der A45 empor. Der Entwurf basiert auf dem bekannten Piktogramm für Gotteshäuser auf Autobahnschildern, das von den Frankfurter Architekten Schneider und Schumacher dreidimensional umgesetzt wurde. Entstanden ist eine Kirche mit zwei Ecktürmen und einem Steg, der die Reisenden von rasendem Autolärm zu Stille und Einkehr geleitet. An einem Ort, wo sonst nur Toiletten, Schnellrestaurants, Tankstellen und Glücksspielhallen warten, verspricht jetzt eine einfache, aber prägnante Architektur seelische Erbauung. Um nicht übersehen zu werden, leuchtet hoch oben von einer Anhöhe mit unmissverständlicher Direktheit eine zu beiden Fahrtrichtungen hin ausgerichtete überdimensionale, strahlend weiße Silhouette den Kraftfahrer an.

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Text Naomi stiller Fotos Helen Schiffer

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visionen

Den Eingang markiert eine Brücke, die wie ein Lichtstrahl aus dem Kirchenbau herausfällt und sich zum Autohof hin verbreitert. Fast scheint es, als wolle sie den Besucher hineinziehen in diesen Ort der Andacht. Sobald man die Tür durchschritten hat, öffnet sich eine andere, spirituelle Welt. Das Innere ist ein filigraner, hölzerner Kuppelraum, der sich zum Altarbereich hin öffnet und der in diffuses Licht getaucht wird, das durch eines der beiden Oberlichter in der Turmspitze fällt. Das zweite Oberlicht sitzt in der nach Osten ausgerichteten Turmspitze. Auf diese Weise bildet der höhlenartige Innenraum der Kirche einen vollkommenen Kontrast zu den benachbarten Zweckbauten, abgeschirmt vom Rauschen der Welt der Autobahn.

1 | Auch die Seele braucht Nahrung: die Autobahnkirche Siegerland am Rand des Truckerparkplatzes.

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2 | Innen wartet ein hölzerner Kuppelraum auf Rastsuchende. 3 | Schriftzug von Peter Zizka.

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visionen

Mit ihrer Autobahnkirche zeigt sich die spielerische Lust von Schneider und Schumacher, sich den komplexen Anforderungen zu stellen, die öffentliche Architektur heute häufig kennzeichnet. Die Gebäude sollen flexibel sein und dennoch ein Wahrzeichen, sie sollen preiswert sein und eine klare, stets wiedererkennbare Form bieten. Ergänzend war der Designer Peter Zizka eingeladen, einen Schriftzug zu gestalten, der einen Vers aus dem Psalm 91 abbildet und neben der Eingangstür prangt: „Er hat seinen Engeln befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.“ Die ausgewählte Schrifttype zitiert ein Fetischobjekt der Deutschen, das Auto. Kursiv gesetzt und durch eine lineare Grundlinienachse verbunden, ist er in ähnlicher An­mutung auch auf den Heckklappen italienischer Sportkarossen zu finden. Die Umsetzung neben der Kirchentür: eine Laserlösung in 3-D aus Edelstahl. „Religiöser Inhalt trifft auf eine in die Typografie implementierte Orientierung an der Grundlinie – den Weg – sowie auf eine Kursivierung – Dynamik – und auf eine konstruierte Ästhetik – das Auto“, so Peter Zizka. Zum Niederknien schön gesagt.

Die äuSSere Form ist abstrakt und signalisiert auf unmittelbar direkte Weise: Ich bin eine Kirche! Die Baukosten wurden durch Spenden finanziert.

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4 | Der Bau besteht aus einem quadratischen Hauptkörper mit zwei Ecktürmen und einer Zugangsbrücke.

Informationen Seit der Eröffnung am 26. Mai 2013 stehen die Türen der Autobahnkirche Siegerland Ruhesuchenden rund um die Uhr offen. Autohof Wilnsdorf, A45 (Ausfahrt 23) Elkersberg, 57234 Wilnsdorf

Mehr über die Autobahnkirche in dem Buch „Autobahnkirche Siegerland“, herausgegeben von Helen Schiffer. Ab 06. Dezember 2013 zu beziehen über schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH Frankfurt oder im Buchhandel für 28 Euro.

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www.reno.de

ES GEHT MIR GLÄNZEND!


Sonnen mädchen

Text Lino Bocchini Fotos Christian Gaul

Das Model Mariana Goldfarb hat bald Premiere im Fernsehen. Hier zeigt sich die braun gebrannte SchĂśnheit schon mal am Strand von Rio de Janeiro.

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erotik

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erotik

M

ariana Goldfarb will die Welt. Und sie will sie jetzt. Die 21-Jährige aus Rio de Janeiro ist am Meer geboren und lebt dort. Als Model wird sie bald eine eigene TV-Sendung bekommen und ist bereit zum Abheben: „Ich will alles so schnell wie möglich.“ „Ich bin sehr faul ... Ich treibe keinen Sport, mache keine Fitness, nichts ... keine Zeit“, sagt Mariana, als wir sie nach dem Rezept für ihren knackigen Körper fragen. Allenfalls, so gesteht sie ein, verzichte sie darauf, abends zu viel zu essen. Und manchmal fährt sie am Sonntag mit dem Fahrrad an der Strandpromenade entlang.

Geboren und aufgewachsen ist Mariana in Barra da Tijuca, einem wohlhabenden Viertel südlich von Rio, das über herrliche Strände und eine riesige Shoppingmall verfügt. Mit ihren 21 Jahren kommt sie locker und ehrlich rüber, typisch für das Alter: „Als ich das Angebot bekam, mich für TRIP fotografieren zu lassen, war ich ziemlich nervös und habe vor Aufregung viel zu viel gegessen“, gesteht sie. „Aber am Ende lief alles glatt!“ Mariana griff zu einem typisch brasilianischen Wundermittel. Sie beruhigte ihre Nerven mit zwei, drei Caipirinhas und zeigte sich dann vor der Kamera von einer ebenso sinnlichen wie lockeren Seite.

Mariana Goldfarb ist seit einem Monat Single. Seither sei alles einfacher, sagt sie. „Ich fühlte mich freier für das Fotoshooting. In einer Beziehung wäre es sicher nicht so gelaufen ...“ Eigentlich studierte sie Jura und wollte ursprünglich Rechtsanwältin werden. Aber es kamen immer mehr lukrative Modelaufträge dazwischen. Jetzt besucht sie die Schauspielerwerkstatt von GLOBO, dem größten TV-Sender Brasiliens. In Kürze soll sie die Moderation einer Sportsendung übernehmen. Dann will sie Eigentlich studierte sie Jura auch bei ihren und wollte ursprünglich Eltern ausziehen, Rechtsanwältin werden. Aber wo sie derzeit noch gemeinsam es kamen immer mehr lukrative mit ihrer jüngeModelaufträge dazwischen. ren Schwester (18) lebt. „Ich will freier sein. Zu Hause bei den Eltern fehlt ein bisschen Privatsphäre“, lacht sie. „Aber ich werde in der Nähe bleiben.“ Ihr größter Traum: ein eigenes Auto. „Als ich 18 war, wollte mir mein Vater einen Wagen schenken, aber das wollte ich nicht, ich wollte es selbst kaufen. Jetzt habe ich das Geld zusammen, aber noch keinen Führerschein", sagt sie und lacht über sich selbst. Mariana ging bislang nicht viel aus. Aber das kann sich als Single ja noch ändern. Statt die Piste unsicher zu machen, hängt sie aber lieber in der Wohnung ihrer besten Freundin ab und trinkt dort ein paar Bier mit Freunden. Besonders am Herzen liegt ihr der Strand: „Ich liebe ihn und denke, er ist sehr wichtig für unser Leben. Jeder Brasilianer liebt ihn. Ich mag alles, was mit dem Meer zu tun hat.“

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Innere Werte Text Thomas Garms Fotos Jana Ebert

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Das Hotel Budersand auf Sylt überrascht mit einem ungewöhnlichen Raumgefüge. Es ist eine perfekte Symbiose aus Stille, Stil und Erhabenheit.

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1 | Aus der Badewanne den Abendhimmel beobachten. 2 | Der Eingangsbereich. 3 | Vegetarische Küche von Sternekoch Jens Rittmeyer.

Durch den lichten, modernen Bau mit vielen reizvollen Blickachsen und edlen Materialien konzentriert sich das Hotel auf das Bedürfnis seiner Gäste nach Klarheit und meditativer Ruhe.

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nkommen und sich sofort umfangen fühlen von dem unaufdringlichen Luxus, der binnen kurzer Zeit unsere Seele füllt und für tiefe Entspannung sorgt. Was will man mehr. Das Budersand ist eine Enklave der Besinnung, aber es grenzt nicht aus und schottet nicht ab, sondern lässt das Tageslicht dank des vielen Glases und der perfekt angeordneten Fenster ungehindert bis tief ins Innere des Hauses dringen. Durch den lichten, modernen Bau mit vielen reizvollen Blick2 achsen und edlen Materialien konzentriert sich das Hotel auf das Bedürfnis seiner Gäste nach Klarheit und meditativer Ruhe. Egal ob die Vier über Brücken verbundene Häuser fügen sich behutsam in die raue Sylter Natur ein und halten über Lichthöfe Sonne stahlt oder dunkle Sturmwolken Verbindung zum Foyer, dem Restaurant und dem Spa-Bereich. über den Himmel ziehen – zu jeder Phase des Tages spiegelt die lichte und trotzdem Großzügige Glasflächen lassen den Bau und die Weite der geschützte Architektur die Unmittelbarkeit Umgebung fast grenzenlos ineinandergreifen, wobei silberne Holzflächen und edle Furniere die Ansichten der strahlend der See und die Nähe zur Natur. weißen Fassaden prägen. Von den Außenterrassen fällt der Blick auf die Nordsee und den Himmel, auf Dünen und Hafen. Direkt am Meer am Rand des Hafens von Hörnum stehend, führt das Budersand die Und der Horizont ist dabei immer nah. Natur der kargen, von Dünen geprägten Insellandschaft und ein erlesenes Interieur Fast alle der 79 Zimmer und Suiten haben eigene Balkone zu einem einzigartigen Erlebnis zusamoder großzügige Terrassen mit freier Sicht in alle Himmelsmen. Die Dünenlandschaften aus Gräsern richtungen. Im Auftrag der Eigentümerin und Wella-Erbin reichen bis zu den Balkonen. Begehbare Claudia Ebert entstand unter Regie des Projektentwicklers Holzdecks inmitten inseltypischer Pflanzen und heutigen Direktors Rolf E. Brönnimann ein stylishes wie etwa Strandhafer, Grasnelke und KräJuwel in der ansonsten eher bürgerlich-konventionellen henbeere verbinden Haus und Natur. Mau- Hotellerielandschaft Nordfrieslands. Brönnimann, gebürtiger ern am Hotelvorplatz sind in ihrer Form Schweizer und rastloser Visionär, empfängt uns in der hotelangeschnittenen Dünen nachempfunden. eigenen Bibliothek, ganzer Stolz des Machers. Über 1.200 Bände hat die Literatin Elke Heidenreich in seinem Auftrag ausgesucht. Gäste haben die Wahl zwischen Romanen, Krimis,

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4 | Sylt mit seinem Reizklima ist der perfekte Ort für lange Standspaziergänge.


fluchtpunkte

Sachbüchern und Bildbänden. „Es sollten inspirierende Bücher sein, die man in den Ferien auch an wenigen Tagen lesen kann“, sagt Brönnimann. Er erzählt davon, dass viele Details des Hotels unverkennbar die Handschrift seiner Chefin trügen. „Für Claudia Ebert steckt sehr viel Herzblut in diesem Haus“, sagt er. Sie habe vom Polsterbezug über das Geschirr bis hin zur Spa-Ausstattung überall ihre Handschrift hinterlassen. „Gebaut wurde das Budersand auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne“, erzählt Brönnimann. Damals sei Hörnum alles andere als ein Touristenmagnet auf Sylt gewesen. Die leidenschaftliche Golferin Claudia Ebert habe das Potenzial des baumlosen, 73 Hektar großen Grundstücks schnell erkannt. Nach dem Vorbild der traditionellen Plätze Schottlands ließ sie mithilfe des Landschafts- und Golfplatzarchitekten Rolf Stephan Hansen neben dem Hotel den ersten echten 18-LochLinks-Course in Deutschland erbauen.

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Das Spa mit seinen mehr als 1.000 Quadratmetern bietet einen Pool, verschiedene Saunen, ein Dampfbad, Behandlungsräume, eine Frischluftterrasse sowie einen Ruheraum mit unverstelltem Blick auf das Wasser. Ziel des Konzepts und der angebotenen Behandlungen ist es, die Kraft der Natur zur Vitalisierung und Gesunderhaltung zu nutzen. Zum Behandlungsspektrum gehören Massagen, Kosmetik und Gefäßtraining, aber auch Anleitungen zur Stressbewältigung und Ruhe. Ein künstlerisches Highlight am Pool ist ein gigantisches Wandgemälde der Künstlerin Csilla Kudor, das im fotorealistischen Stil die Atmosphäre eines traditionellen Strandbades nutzt, um unterschiedlichste Charaktere auf amüsante Weise miteinander in Beziehung zu setzen.

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fluchtpunkte

„Beim Budersand ist eine Sache besonders gelungen“, freut sich Brönnimann: „Wir haben das Haus konsequent von innen nach außen gebaut.“ Er meint damit, dass weder Mühen noch Kosten gescheut wurden bei der Innenausstattung. Kleine Details wie die edlen mundgeblasenen Zahnputzgläser aus Venedig gehören ebenso dazu wie erlesene Möbel, besonders schönes Geschirr und die vielfältige Kunst, die Zimmer und Flure verschönert. Auch kulinarisch bleiben keine Wünsche offen. Das von Küchenchef Jens Rittmeyer geleitete und inzwischen mit einem MichelinStern ausgezeichnete Restaurant beweist, dass Norddeutschland und Skandinavien durchaus Anschluss finden können an das internationale Gourmetniveau. „Wir kochen mit den schmackhaftesten Produkten der Saison, die wir in ihrem optimalen Reifegrad liebevoll in einem modernen Gewand präsentieren“, sagt Rittmeyer. „Der direkte Bezug und der enge Kontakt zu unseren Lieferanten ist uns wichtig – denn wir wollen ihnen nicht nur Gerichte mit Geschichten bieten, sondern auch jedes einzelne Produkt im besonderen Maße nachhaltig verarbeiten.“

5 | Hoteldirektor Rolf E. Brönnimann (links) zeigt TRIPChef Thomas Garms die von Elke Heiden­ reich gestaltete Bibliothek.

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Neben trocken gereiften Fleisch- und nicht alltäglichen Fischqualitäten aus dänischen Gewässern arbeitet Rittmeyer besonders gern mit historischen Gemüsesorten. Deren Charme zeigt sich in einem unvergesslichen vegetarischen Abendmenü. Selbstverständlich geht der Chef oft selbst auf die Felder, um sich von der Qualität der verwendeten Produkte zu überzeugen. Und eine Vielzahl an Garten- und Würzkräutern zupft das Team direkt aus von Salzluft umwehten Beeten, die sich in einem der Küche nahen Lichthof des Hotels befinden.

Weitere Informationen Doppelzimmer für 280 Euro pro Tag inklusive Frühstück, Kurtaxe und Zugang zum Spa-Bereich. Free Wi-Fi ist überall vorhanden. 20 Prozent Ermäßigung auf die Greenfee des Hotelclubs Budersand. Anfahrt: Aus Westerland kommend einfach der Vorfahrtstraße nach Keitum folgen. Diese führt am Hafen vorbei direkt auf das Hotel Budersand zu. Anschrift: Am Kai 3, 25997 Hörnum/ Sylt, +49 4651 46070 www.budersand.de

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6 | Winterstimmung am Strand bei Kampen. Sylt ist ein Ganzjahresziel.

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Produktion Adriana Verani und Alex Bezerra // Haare & Make-up Lau Neves // Moderedaktion Bárbara Achoua und Sattomi Maeda // Model Saulo Neto


Gipfel stürmer

von Felicia Baumgartner

Auf die Bretter, fertig, los!

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Foto Sverre Hjornevik/NORRØNA

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Foto Lorenz Holder/NITRO

ausstattung

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BOARD ALL TERRAIN

Foto Lorenz Holder/NITRO

POC

circa 230 Euro

NITRO

circa 300 Euro

NITRO „Phantom“ circa 280 Euro

NITRO „Team TLS“ circa 350 Euro

NITRO

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circa 250 Euro

NITRO „Team Gullwing“ circa 450 Euro

EVOC „mit integriertem Rückenprotektor“ circa 140 Euro

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circa 80 Euro

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K2 „Charger“ circa 750 Euro

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K2 „SpYne 110“ circa 400 Euro

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NORRØNA

circa 450 Euro

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SKI ALL TERRAIN 123

Foto Sverre Hjornevik/Norrøna

NORRØNA


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Foto Frode Sand bech/Norrøna

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circa 490 Euro

BURTON „Rampant“ circa 200 Euro

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circa 200 Euro

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EVOC „mit integriertem Rückenprotektor“

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BURTON „Cartel EST“ circa 260 Euro

BURTON „The white Collection“ circa 570 Euro

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Foto Darcy Bacha/Atomic Austria

circa 330 Euro

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SKI PARK AND PIPE 125 125


Von Roger Köppel*

Frau und Mann Warum es zwischen den Geschlechtern Harmonie weder geben kann noch soll.

Männer müssen Frauen lieben, Frauen müssen Männer zivilisieren. So lautet seit Jahrtausenden ungefähr die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Männer kämpfen offen im Wettbewerb, territorial herausgefordert durch Rivalen, die ihren Platz erobern wollen. Frauen wirken auf Umwegen, verschlungen durch den Einfluss, den sie auf Männer ausüben. Feldherren haben alles stehen und liegen lassen, weil ihnen die Angebetete davonsegelte. Kriege sind entfesselt worden wegen Frauen. Der Mann ist ein simpel gestricktes Tier. Er reagiert auf Primärreize und knurrt und schlägt zurück, wenn man ihn angreift. Frauen beherrschen die Kunst der indirekten Konfliktaustragung. Sie spüren Konstellationen, die sie zu raffinierten Manövern verleiten. Frauen empfinden die Wirklichkeit. Männer analysieren sie nur. Frauen sind wie Königinnen. Sie steigen nicht selbst in den Ring. Sie halten sich zurück. Sie regen an, sie inspirieren, verführen, intrigieren, manchmal treiben sie an; teile und herrsche. Sie geben dem Mann Befehle, manchmal dezent, manchmal weniger. Widerstand wird mit Liebesentzug bestraft. Auf Dauer hält das kein Mann aus. Also gehorcht er. Oder er flieht zu einer anderen Frau, die ihn subtiler beherrscht. Jedes Geschlecht hat seine Vor- und Nachteile. Männer beeindrucken durch das, was sie oder was ihre Vorfahren erreicht haben. Frauen beeindrucken durch das, was sie sind. Schönheit ist ihr Kapital, und die Natur ist nicht gerecht. Keine Kraft ist größer als die Macht der weiblichen Schönheit. Diese Macht prallt mit voller Wucht auf

Kolumne

Zivilisation

den Mann. Der schwach ist. Die Schwäche der Frau: ihre Überempfindlichkeit. Sie nimmt das Leben zu persönlich.

wäre er schon gar nicht in der Lage. Gäbe es die Frauen nicht, es gäbe weder Weltreiche noch kulturelle Meisterwerke.

Schwierig wird es, wenn Frauen frontal das Kommando übernehmen. Die Frau in der Führung weckt stärkere Gegenkräfte als der Mann in gleicher Position. Was man dem Mann als der Funktion angemessenes Imponierverhalten zur Herstellung von Charisma durchgehen lässt, kristallisiert sich bei der Frau zum Vorwurf, sie sei „kalt“, „unmenschlich“, eine „Lady aus Eisen“ oder „aus Eis“. Frauen, die in Politik oder Beruf eine Führungsrolle übernehmen, zahlen einen höheren Preis als Männer. Darum werden Frauen selten Chefs. Es folgt eine unangenehme Wahrheit: Männer, die beruflich Karriere machen, werden sexuell attraktiver. Frauen, die im Beruf aufsteigen, werden sexuell weniger attraktiv. Das schreibt der Philosoph Peter Singer. Er hat recht. Wenn wir das Leben als Urtrieb zur Fortschreibung der DNA betrachten, dann erhalten alle menschlichen Handlungen erst in Bezug auf dieses Ziel ihren Sinn. Der Mann macht nicht Karriere, weil er will, sondern weil er muss, um eine Frau zu finden. Die Frau macht Karriere, weil sie will. Wer muss, strengt sich mehr an.

Zwischen den Geschlechtern kann es nie Übereinstimmung und schon gar keine Harmonie geben. Das Missverständnis ist der Dauerzustand, der das Zusammenleben von Mann und Frau erst interessant und sinnvoll macht. Die Frau ist für den Mann das eigene Rätsel in Gestalt. Sie ist die ihm gestellte Aufgabe, die er niemals löst. Auf dem Weg seines Scheiterns, die Frau zu verstehen, erkennt er immerhin sich selbst. Diesen Prozess fortschreitender Erkenntnis, die nicht an ihr Ende kommt, aber eine Verfeinerung der Sitten bringt, nennen wir Zivilisation.

Die Frauen sind die unbestechliche Jury, vor welcher der Mann das Drama seiner Existenz aufführt. Seine Handlungen und seine Unterlassungen bleiben darauf abgezirkelt, die größtmögliche Zustimmung einer größtmöglichen Zahl von Frauen zu finden. Ohne dieses streng richtende Publikum fiele es dem Mann schwer, am Morgen aufzustehen. Zu kreativen Leistungen

Genauso wenig wie es im christlichen Sinn Erlösung auf Erden geben kann, gibt es harmonische Beziehungen zwischen Mann und Frau. Der Kommunismus war der Versuch, die Menschen in die Herde des Kollektivs zurückzudrängen, um sie vom Kampf der Daseinssicherung zu erlösen. Der Feminismus war das nicht minder ehrgeizige Bestreben, den dialektischen Kampf der Geschlechter durch Nivellierung aufzuheben. Erlösung durch Gleichschaltung auch hier: Aus Mann mach Frau, aus Frau mach Mann. Der Kommunismus war getrieben vom Neid der Besitzlosen gegen die Besitzenden. Der Feminismus ist der Kommunismus der Frauen, die unter der Tatsache ungleich verteilter Schönheit leiden. Beide Experimente verkannten den Menschen und mussten scheitern. Ein kolossales Durcheinander resultierte.

*Roger Köppel (48) ist Verleger und Chefredakteur des Schweizer Wochenmagazins Die Weltwoche. Er ist gegen Frauenquoten und andere diskriminierende Maßnahmen zur Förderung bestimmter Geschlechter.


Illustration // Joachim Sperl // www.hurrayhurray.com

Wer Frauen in männliche Führungspositionen schieben will mit Quoten und Zwang, bleibt einem historisch widerlegten Weltbild verhaftet, das keine Unterschiede akzeptiert. Frauen und Männer aber sind nicht gleich. Sie leben und denken anders, sie handeln unterschiedlich und verfolgen andere Strategien, ihre Ziele zu erreichen oder sich im Leben zu

verwirklichen. Der Versuch, die Differenzen einzuebnen, ist anstrengend, teuer und letztlich sinnlos. Männer und Frauen sind interessant, weil sie so verschieden sind. Der Mensch muss die Entfremdung aushalten, in die ihn die Moderne katapultiert hat. Es gibt keine irdische Erlösung und auch keine Harmonie zwischen den Geschlechtern, aber

es gibt produktive Spannungen, die uns fordernd klüger und lebendiger machen. Frauen sind nicht mehr wert, wenn sie in männlichen Rollen aufgehen. Männer sind keine besseren Menschen, nur weil sie sich am Arbeitsplatz vor allem mit Frauen umgeben. Männer müssen Frauen lieben, Frauen müssen Männer zivilisieren: Nicht der Krieg, das Ringen der Geschlechter ist der Urgrund aller Dinge.

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Von Mike Ziegler*

 Vier Mann für einen Zementsack Deutschland ist zu einer Nation fantasieloser Weicheier verkommen.

Illustration // Joachim Sperl // www.hurrayhurray.com

Können wir eigentlich noch stolz sein? Diese Frage drängt sich mir seit einiger Zeit immer heftiger auf. Wenn ich mir die Gespräche meiner Gäste so anhöre, überfällt mich oft das nackte Grauen. Es wird nur noch gejammert, gemeckert, geklagt. Die Steuer, die Amis, der Druck im Job. Offenbar sind wir ein Volk geworden, das keinerlei Visionen mehr hat, sondern sich nur noch von einem mittels Brückentagen aufgeblähten Urlaub bis zum nächsten hangelt und dort dann in einer unerträglichen Selbstbedienungsmentalität den Rest der Welt zu einem riesigen All-inclusive-Club degradiert. Da sitzen sie an meinem Tresen, die müden Krieger mit ihren Schmerbäuchen, und futtern die Schalen mit den Knabbernüssen in einem Tempo leer, als drohe bald die Hungersnot. Viel zu sagen haben sie nicht. Mal ist die Bundesliga Thema, mal wird über Kollegen gelästert oder es werden Fotos neuer Anschaffungen per Smartphone zum Bestaunen herumgereicht. Dass mal einer mit leuchtenden Augen und mit Stolz in der Stimme davon erzählt, was aus Deutschland noch werden könnte – Fehlanzeige. Offenbar sind wir zu einem Volk der Besitzstandswahrer verkommen. Während Saudis, Inder oder Chinesen ganze Welten neu

Kolumne

Innovationskraft

erschaffen mit riesigen Infrastrukturprojekten, kriegen wir hier nicht mal die Schlaglöcher anständig gestopft. Wir ruhen uns aus auf Goethe und dem Kölner Dom und lassen als wichtigste Herausforderung den Betriebsrat höhenverstellbare Schreibtische für unsere vom weichen Fernsehsessel deformierten Wirbelsäulen fordern. Diese satte Weinerlichkeit macht mir Angst. Wir haben alles – Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Schulspeisungen und eine Bundeskanzlerin, die sämtlichen Versagern mit Staatsknete aus der Patsche hilft. Nur eines haben wir nicht: Mumm in den Knochen. Der Pioniergeist, der unseren Eltern half, in Wirtschaftswunderzeiten mit Fleiß, Zähigkeit und Erfindungsgabe eine ganze Republik aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs zu stampfen, erschöpft sich heute im Grillaufbauen für das Sommerfest der freiwilligen Feuerwehr. Manchmal staune ich, wenn bei Bauarbeiten drei feiste Kerle mit Händen in den Taschen beobachten, wie ein Kollege per Schaufelbagger einen lächerlichen Zementsack lupft. Und klar, heutzutage muss für unsere empfindlichen Ärsche sofort ein Dixieklo aufgestellt werden, falls irgendwo ein Gartenzaun zu lackieren ist. In Dubai ist auf Wüstensand in sechs Jahren Bauzeit mit dem Burj Khalifa das höchste Hochhaus der Welt entstanden, inklusive Aufzügen, die mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde nach oben schießen, ohne dass man Ohrensausen bekommt. Wir kriegen inzwischen nicht mal mehr den Brandschutz am Berliner HauptstadtFlughafen gewuppt. Deutschland, was nur ist aus dir geworden?

* Mike Ziegler ist Gastronom und als solcher ein verlässlicher Seismograf für gesellschaftliche Entwicklungen.

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TRIP erscheint vierteljährlich in der Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Pracimamedia GmbH und wird über ausgewählte Pressefachgeschäfte sowie den Bahnhofsbuchhandel und Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben.

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Übersetzung Georgia Garms

Nuding, Dorothee Gödeke, André Bianchi , Luiz Felipe Moura, John Wehrheim, Naomi Stiller, Beate Wedekind, Robert Weber, Andreas Altmann, Lino Bocchini, Thomas Garms, Roger Köppel, Mike Ziegler, Thorsten Timm

TRIP GERMANY is a publication produced under license from Trip Editora Brasil, the creator and owner of the original Trip brand and of the magazine’s editorial and graphic project since 1986. All rights in the licensed material belong to TRIP EDITORA PROPAGANDA S/A and may not be reproduced, whether in whole or in part, without prior written consent. TRIP BRASIL Editor Paulo Lima, Superintendent Carlos

Lektorat Kirsa Stoltenburg, Vera Kannegießer

Autoren dieser Ausgabe Millios Kaiser, Antonia

Georgia Garms (online@tripmagazin.de) Pracimamedia GmbH, Oberer Ehmschen 77, 25462 Rellingen

Vertrieb Axel Springer Vertriebsservice GmbH Süderstraße 77, 20097 Hamburg, www.as-vertriebsservice.de

Sarli, Editorial Director Fernando Luna, Chief Financial officer Agenor S. dos Santos, Director of Publicity and Circulation Isabel Borba, Director of Special Projects and Marketing Ana Paula Wehba, Creative officer Ciça Pinheiro, PR and Contact Taís Neri (tais@trip.com.br), Rafael Silva (rafael@trip.com.br)

Im Terra Oceanis Verlag erscheinen folgende Titel:

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Von Thorsten Timm*

Was treiben Sie, Herr Nachbar? Ich blicke zu meinem Nachbarn, er ist neu hier, hat das alte Hexenhaus von Frau Gabriel abreißen lassen und was Schickes, Bauhaus-Styliges neu gebaut. Jetzt steht er an der Grundstücksgrenze und wässert die frisch gepflanzte Thujenhecke. Ich winke. Er lächelt verkrampft zurück. Er träumt von dem Tag, an dem die Thujenhecke so üppig, hoch und dicht ist, dass ich nicht mehr zu ihm hinübersehen kann. Ob er dann wohl nackt durch seinen Garten springt, ausgelassen seinen kleinen Nachbarn durch die frische Luft wirbelt? Nein, um Gottes Willen, nichts Sexuelles, einfach aus Freude an seiner Privatsphäre? Ob Frau Merkel eine Thujenhecke hat? Von ihrem Privatleben weiß man nicht so viel, das spräche ja dafür. Und sie ist bestimmt üppig grün und hoch, sodass niemand sehen kann, wie sie nackig durch den Garten springt. Mit Merkels kulturellem Hintergrund ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Im Osten war man ja entspannter, was schiere Körperlichkeit anging. Ich stell mir also weiter vor, wie Frau Merkel nackig durch den Garten springt und Herr Merkel ohne Hosen am Grill steht und Würste vom märkischen Landschwein brutzelt. Schon fein, so eine Privatsphäre. Andererseits erwartet doch die Gesellschaft von mir, dass ich ein bisschen auf meinen Nachbarn achte. Ein ordentlicher Bürger, der sich an die zehn Gebote hält, vielleicht mit Ausnahme des ersten, muss sich davor nicht fürchten. Schließlich wird

Kolumne

Beobachtungsgabe

Illustration // Joachim Sperl // www.hurrayhurray.com

Privatsphäre ist wichtig. Aber als aufrechter Bürger sollten wir die Untaten der anderen schon mitbekommen dürfen.

eine Tat nicht dadurch rechtschaffen oder eben nicht, ob jemand zusieht oder nicht. Wenn er aber anfängt, seine Kinder mit einem Kochlöffel zu schlagen, dann sollte ich das schon mitbekommen, will ich ein aufrechter Bürger sein. Also lege ich mich auf die Lauer und versuche, anhand der Bewegung seiner Schatten, die er auf die zugezogenen Vorhänge wirft, herauszufin-

den, was er gerade treibt. Er ist in der Küche, der Löffel im Topf. Alles unverdächtig. In bester nachbarschaftlicher Ordnung sozusagen. Na ja, und mein Nachbar weiß doch, dass ich ab und zu einen Blick riskiere, und das ist ihm hoffentlich lieber, als irgendeine unpersönliche Staatsmacht übernähme dies. In dem einen oder anderen Fall hab ich ja vielleicht auch Verständnis für einen Ausrutscher, vielleicht beim zehnten Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. So unter Männern? Natürlich nur, wenn mit dem Nächsten der Nachbar auf der anderen Seite gemeint ist.

Bei Frau Merkel bin ich mir jedenfalls sicher, dass sie sich über das Spannungsverhältnis von nachbarschaftlicher Bürgerpflicht zu Höhe und Dichte der Thujenhecke im Klaren ist und vermutlich inzwischen auch am Zaun des Kanzleramts über eine passende Begrünung nachdenkt.

* Thorsten Timm (44) ist sich nicht sicher, welche Angst überwiegt: dass sich niemand für ihn interessieren könnte oder sich bei seinem Nachbarn für schrullige Marotten rechtfertigen zu müssen.

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