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MINDSTYLE MAGAZINE

W W W. T R I P M A G A Z I N . D E

BORN TO BE WILD OFT STECKT DAS GRÖSSTE ABENTEUER IN UNS SELBST. DESHALB SOLLTEN WIR AUCH MAL DIE KOMFORTZONE VERLASSEN.

VIEL ZU ENTDECKEN

Eine Packrafting-Tour auf den Gewässern rund um New York

WENN KINDER TÖTEN

Das Leben der jungen Auftragskiller in Südamerika Ausgabe 19 4,80 EURO

Österreich 5,50 Euro Schweiz 10 SFR Benelux 5,50 Euro Italien/Spanien/Portugal (cont.) 6,50 Euro

GESTOCHEN SCHARF Ein Ex-Rapper setzt tätowierte Schönheiten in Szene

KLUG MUTIG STARK


Allrad . g a t l l A t t a st

r gie für meh lo o n h c e . T it quattro von quattro m lt 7 e Q W i r d e u d A en in Der neue . Willkomm ik m a n y D d n Präzision u ro biniert 193–144. audi.de/quatt en in g/km: kom -Emission igkeit vom ert 8,3–5,5; CO2 ni bi m ko : reiten in Abhäng km nb 0 an 10 l/ Sp i in be h uc en ra ission Kraftstoffverb hen und CO2-Em aftstoffverbräuc Kr n de zu n be Anga . ifen-/Rädersatz verwendeten Re


editorial

VORSTOSSEN ZUM KERN W

ild sein, frei sein, der Gedanke daran ist meist positiv belegt. Fast automatisch denkt man an Ungebundenheit und Abenteuer, an Entscheidungsfreiheit, an ein Leben im Hier und Jetzt, ohne gedankenschweren Ballast. Je größer die Einschränkungen werden, je mehr man das Gefühl hat, am Gängelband gesellschaftlicher Normen geführt zu werden, desto mehr steigt das Bedürfnis, auszubrechen. Mal wirklich seine Meinung sagen, das tun, was man schon immer tun wollte, und nicht beständig mit der Schere im Kopf dem Diktat der Vernunft folgen zu müssen, steckt als Sehnsucht in uns allen. Die Schönheit wilder Natur zu erleben, sich austoben zu dürfen, jede Faser unseres Körpers zu spüren, Zeit haben für Erlebnisse, die nicht minutiös vorausgeplant sind und dadurch sowohl der Spontanität als auch der Überraschung Raum geben, in der Liebe loslassen, vorzustoßen zu unserem Kern unverstellter Leidenschaft – all das sind Vorstellungen, die dem Leben erst Würze geben. Kein Wunder, dass der sogenannte „Abenteuerurlaub“ immer wieder als Kontrast zur alltäglichen Pflichterfüllung erstrebenswert scheint. Wild sein muss aber nicht unbedingt heißen, über die Stränge zu schlagen. Wild sein heißt vor allen Dingen, sich in einem Moment großer Klarheit mitreißen zu lassen in eine Situation, die uns zeigt, welches Wunder wir wirklich sind und welche Wunder die Welt an uns vollbringen kann.

Der Surfer John Severson erinnert sich an einen aberwitzigen Tag, als er sich in Makaha auf Oahu auf eine fast acht Meter hohe Welle schwang und plötzlich von herabstürzendem Wasser zehn Meter tief auf den Meeresboden mitgerissen wurde: Als ihn die Welle dort festhielt, habe er sein ganzes Leben durchdacht, ihm Adieu gesagt, erkannt, dass er für sein großes Abenteuer jetzt wohl mit dem Leben zu bezahlen habe, aber das sei ihm in diesem Moment wie ein fairer Tausch vorgekommen. Jede Form der Selbststilisierung war in diesem Augenblick hinfällig. Wie durch ein Wunder schaffte es Severson wieder nach oben, seine Zeit war noch nicht gekommen. So weit muss niemand gehen. Wildes Glück erst als Adrenalinjunkie zu fühlen, muss nicht sein. Aber was sicher sein sollte: Hier und da die Komfortzone verlassen. Der Maler Martin Gremse, den wir in dieser Ausgabe vorstellen, erprobt das in seiner „wilden“ Kunst, obwohl er als Arzt sicheres und gutes Geld verdienen könnte. Die Abenteurer Miriam Schönrock und Thomas Butzmann erfüllten sich den „wilden“ Sehnsuchtsmoment bei einer ungewöhnlichen Packrafting-Tour auf den Gewässern rund um New York. Natürlich darf die negative Seite des „Wildseins“ nicht unerwähnt bleiben. Erschütternd das Foto-Essay von Javier Arcenillas über die Kinderkiller Südamerikas. Das Wilde zeigt hier seine zynische, zutiefst erbarmungslose und verachtenswerte Seite. Die Geschichte demonstriert, wie Menschen zur Bestie werden, wenn die Wildheit völlig Bahn bricht, jeglichen anderen Wert überlagert, ob aus Not, Dummheit oder schierer Habgier.

THOMAS GARMS, EDITOR 4


A L E X A N D ER - B R E T Z- S T R A S S E 2 · D - 5 5 4 57 G EN S I N G EN · T EL . 0 6727- 895 - 0 · CU LT S O FA @ B R E T Z.D E | FL AGS H I P S : S T I LW ER K B ER L I N | H O H E S T R.1 D O RT M U N D STILWER K DÜ S S EL DO R F | S CHÄFERGAS S E 33 FR AN K FU RT | STI LW ER K FI S CH MAR K T HAM B U RG | HOH EN STAU FEN R I N G 62 KÖL N | R EU DN IT ZER STR. 1 L EI PZI G Q 3 , 5 M A N N H EI M | H O H EN ZO L L ER N 10 0 M Ü N CH EN | H AL L PL AT Z 37 N Ü R N B ER G | KÖ N I GS T R AS S E 26 S T U T TGA RT | S T I LW ER K W I EN | C LO U D7. B R E T Z .CO M


INHALT THEMENSCHWERPUNKT

BORNTOBEWILD OFT STECKT DAS GRÖSSTE ABENTEUER IN UNS SELBST. DESHALB SOLLTEN WIR AUCH MAL DIE KOMFORTZONE VERLASSEN.

Inmitten eines Alltags von beklemmender Angst und Gewalt dokumentiert Javier Arcenillas das Leben junger Auftragskiller in Südamerika.

08 SILBER ALS MALMITTEL

32 SMS FÜR DIE LIEBE

56 KOLOSSALE FREUDEN

Wissenschaftler und Künstler: Martin Gremse im Porträt.

Das TRIP Girl Scheila Santos verschickt gern mal heiße Kurznachrichten an ihren Freund.

Das Hotel The Chedi im Schweizer Alpenort Andermatt zeigt, wie Luxus heute geht.

FOTOS INHALTSSEITE // MARTIN GREMSE, JAVIER ARCENILLAS, DAVID PEIXOTO, THOMAS BUTZMANN, LOOM DESIGN, EVGENY FAGUNDES

44 WENN KINDER TÖTEN

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TITELFOTO // JAVIER ARCENILLAS

TITELFOTO // ROGER SCHÜEBER

STORYS AUS BRASILIEN, DEUTSCHLAND, SKANDINAVIEN, SÜDAMERIKA, NEW YORK, DER SCHWEIZ UND VON DEN WELTMEEREN

16 PARADE > 16 News und Tipps Technik, Gimmicks, Lifestyle > 18 Food Essen, das begeistert > 20 Spielkram Versteinerte Ikonen > 22 Ladys Signalfarbe Rot und Beischlafquittung > 23 Barkeeper Wissenswertes aus der Welt der Spirituosen > 24 Austattung Klamotten in der Farbe Ochsenblut > 26 Gewinnspiel Lumix DMC-GX8A > 27 Sechsmalacht Was sagt ihr denn dazu? > 27 Adäquat/Inadäquat > 28 Umfrage Mit welchem Drink startest du deinen Partyabend? > 30 Weihnachtsverlosung Zum Fest nur das Beste

40 MONOCHROM, NICHT MONOTON Rein physikalisch betrachtet haben Farben und Klänge nur wenig miteinander zu tun. Und dennoch gibt es Analogien.

68 AUS LIEBE ZUM DETAIL Der Schweizer Ex-Rapper Roger Schüeber setzt als Fotograf tätowierte Schönheiten in Szene.

80 ALLES FLIESST! Die interessantesten Uhren der Saison mit Sammelpotenzial.

92 UNTER CANVAS Eine Weltreise inspirierte Julian Nocke zur Gründung einer Manufaktur für Zeltanhänger.

98 LIEBE IM ZEITALTER DES INTERNETS 86 KAMPF UM DEN FISCH

Die brasilianische Umweltaktivistin Bianca Figueiredo beteiligte sich mehr als hundert Tage an der Verfolgung von Piratenfischern.

Hat das Onlinedating unseren Umgang mit persönlichen Daten verändert?

104 WARM, WOLLIG, WUNDERBAR Merinowolle kühlt bei Hitze und isoliert bei Kälte. Das ist gut für alles, was man beim Sport direkt auf der Haut trägt.

126 KOLUMNEN > 110 Fürchtet euch nicht Thorsten Timm über das Weihnachtsfest > 112 Köstliche Augenweide Tagebucheintrag der Fotografin Autumn Sonnichsen > 114 Die Quadratur des Kreises Peter Zizka über Räder als das Maß aller Dinge

STANDARDS

62 AMERIKA, WIR KOMMEN

76 BRUTAL GUT

Surfen in Queens und Paddeln auf dem Bronx River – eine Abenteuertour der besonderen Art.

Warum eine Villa mit Meerblick auf die Felsen bauen? Man könnte sie auch in den Stein hineinsprengen.

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> 42 Web > 111 Herstellernachweis > 111 Impressum


STATT ALS ARZT ZU ARBEITEN, PRODUZIERT MARTIN GREMSE AUS GOSLAR LIEBER ABSTRAKTE KUNST – UND DAS ZIEMLICH ERFOLGREICH. 8


DIE SCHWARZEN SEITEN

olgt man dem Hirnforscher Gerald Hüther, dürften aus neurobiologischer Sicht die drei sogenannten salutogenetischen Grundregeln entscheidend für kreative Prozesse sein, ja mithin für das gesamte Leben. Erstens müsse man etwas von einer Sache verstehen, bevor man sich für etwas begeistern oder ganz einer Sache hingeben könne. Zweitens müsse man das Gefühl haben, dass man etwas gestalten kann. Und drittens müsse das Ganze einen Sinn ergeben. Wirkliche Hingabe, davon ist Hüther überzeugt, könne erst dann entstehen, wenn alle drei Faktoren zusammenkommen. Entwickelt wurden diese Regeln übrigens von Aaron Antonovsky. Sie sollen uns nicht nur helfen, gesund zu bleiben, sondern auch dazu beitragen, unsere Talente und Begabungen zu entwickeln.

Für Martin Gremse, um den es hier eigentlich geht, scheint die Balance der salutogenetischen Grundregeln zum unausgesprochenen Leitfaden geworden zu sein. Als studierter Neurobiologe, Surfer, Globetrotter und Künstler achtet Gremse intuitiv darauf, dass seine kognitiven und körperlichen Fähigkeiten stets in Balance bleiben. Seit seinem 13. Lebensjahr sucht er immer wieder neue Herausforderungen, will sich erproben, seine Sinne schärfen an den vielfältigen Facetten des Lebens. Downhill, Snowboarden und der perfekten Welle hinterherjagen, ist die eine Seite. Einen Prozess zu entwickeln, bei dem er keramische Farben und Silber als Gestaltungsmittel für seine Bilder zusammenbringen kann, ist das andere. Und dann wäre noch sein smartes Wesen, die Neugier auf andere Menschen, die Lust am Gespräch und am wissenschaftlichen, philosophischen, sinnlichen Diskurs. Nicht zu vergessen natürlich die Hummeln im Hintern, die ihn immer wieder hinaustreiben in die Welt, in die Berge, an die Strände Südamerikas, in die Megacitys, nach Israel. Wo auch immer er hinfährt, was auch immer er macht, die Erlebnisse und Eindrücke sind kostbarer Rohstoff, der irgendwann sein Echo findet in seinen Bildern.

TEXT THOMAS GARMS

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DIE SCHWARZEN SEITEN

Oben: Mit Kindern an einem Strand von Tansania. Unten: In Afrika dienen Gremse Kokosschalen zum Mischen der Farben.

„Seit dieser Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema der Spiegelung und der Verzerrung beim Betrachten von Kunst sowie beim Betrachten der Welt als solche“, sagt Gremse. Seine aktuellen Werke, die zuletzt in einer Einzelausstellung in Hamburg auf über 1.000 Quadratmeter zu sehen waren und aktuell in München in der Galerie Halverscheid gezeigt werden, stammen alle aus dem Jahr 2015 und lassen sich als konsequente Weiterentwicklung seiner bisherigen Kunst verstehen. „Martin Gremses abstrakte Bilder entstehen in einem komplexen Prozess der Überlagerung und Freilegung von Silber und Farbschichten aus Öl, Acryl und Lack“, erläutert Galerist Halverscheid. „Sie lassen den Betrachter in ihrer außergewöhnlichen Materialität und kraftvollen Perspektivkraft kaum mehr los.“ Die wild und spontan erscheinenden Bilder des Malers sind Ergebnis eines komplexen Erstellungsprozesses, zu dessen Kennzeichen chemische Reaktionen und mehrfache Wiederholungen gehören, etwa von Schichtüberlagerungen von Silber und des Auftragens verschiedener Farbmedien. Die spiegelnde Silberschicht gibt die darunter liegende Farbschichten nur partiell frei und bezieht das verzerrte Spiegelbild der Welt des Betrachters in die Werke des Künstlers ein. Der Betrachter, dem es gelingt, die Säure-, Farb- und Silberschichten nicht nur visuell, sonMartin Gremses Wurzeln liegen in der deutschen Provinz, dern auch gedanklich zu durchdringen, im Harz. 1983 in Bad Harzburg geboren und dann in der findet sich an einem Ort wieder, an Kaiserringstadt Goslar aufgewachsen, befindet sich dort noch dem Materialität und Selbstreflexion immer sein Atelier in einer alten Fabrik, auch wenn Gremse als Ausgangspunkt für großartige mittlerweile, wie viele aufstrebende Künstler, eine Wohnung Kunst verstanden wird. in Berlin hat und zudem auch an einem Klinikum in Bern tätig ist. Dort bekleidet er eine Stelle als Neurobiologe als wirtschaftliches Standbein. Eigentlich war ihm aufgrund seiner hervorragenden Examensnoten eine medizinische Laufbahn vorgezeichnet, doch die künstlerische Arbeit hat ihn nie losgelassen. Schon 1997, Gremse war gerade 15 Jahre alt, ging es los. Damals erlernte er im Atelier von Hans Joachim Schulpius verschiedene künstlerische Techniken wie Siebdruck mit keramischen, Acryl- und PVC-Farben, analoge Fotografie und Filmentwicklung sowie Aktzeichnen. Parallel dazu begann er sich autodidaktisch auszubilden.

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DIE WILD UND SPONTAN ERSCHEINENDEN WERKE SIND VOLLER KOMPLEXITÄT.

Oben: Mit dem Skizzenbuch im Oman. Unten: One Pilot Jacket-Silver.

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DIE SCHWARZEN SEITEN

Diese Sichtweise ist für Gremse Programm. Für ihn entsteht Kunst nicht nur im Moment der Erschaffung, sondern auch während der Betrachtung des Kunstwerks. „Wenn bei dessen Betrachtung ein Filter, wie beispielsweise ein Vorurteil oder eine Meinung, die unvoreingenommene Betrachtung verhindert, verändert sich auch das Kunstwerk beziehungsweise dessen Wirkung“, Spiegelbild des Betrachters in die Kunstwerke mit erklärt Gremse. „Diese werein.“ Die unter den Silberschichten aufgrund eines tende Betrachtung stelle ich chemischen Prozesses sichtbar gemachten Stellen in meinen aktuellen Arbeiten würden sich gewissermaßen „wehren“ gegen die symbolisch mit dem SilberIntegration des Betrachters, schlössen die Wahrüberzug über den Gemälden nehmung von dessen Selbst aus und fordern die dar und beziehe somit das Konzentration auf den Hintergrund. „Gleichzeitig rege ich den Betrachter an, unvoreingenommen und wertfrei zu ergründen, was unter der restlichen Silberschicht verborgen ist, so wie ein Wissenschaftler ergebnisfrei die Welt erforscht“, sagt er. „Meine Werke fordern die Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Rolle als voreingenommenen Betrachter. Gleichzeitig soll der Betrachtende angeregt werden, sich mit anderen Rezipienten über die bei dieser Auseinandersetzung gemachten Erfahrungen auszutauschen.“

Malen am Strand von Tansania. Unten: Gremse hat seine Rolleiflex immer dabei.

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Martin Gremse mit attraktiver Begleitung auf einer Vernissage.

MARTIN GREMSE IST MALER, ABENTEURER UND FORSCHER IN EINER PERSON.

Wenn man ein kreativer Mensch ist, dann braucht man ein Medium. Diese Erkenntnis in Verbindung mit den eingangs beschriebenen salutogenetischen Grundregeln sind der Nährboden, auf dem Gremse als Maler, Lebensphilosoph und Wissenschaftler immer wieder über sich selbst hinauswächst und sich Stück für Stück das Rüstzeug zulegt, um mit seinen Werken an die Spitze der deutschen Gegenwartskunst vorzudringen. Sein Talent, aber auch sein Fleiß helfen ihm dabei. Es ist Gremses tiefes Bedürfnis, jeden Tag mit einem wirklichen, grundehrlichen Material zu experimentieren, zügig durchzuarbeiten und den Gestaltungsprozess So schafft die durch wiederholte, multimaterielle selbst als lustvolle Bereicherung zu erleben. Gleichzeitig Überlagerungen geprägte Arbeitsweise Werke, funktioniert sein Wesen wie ein trockener Schwamm, der welche die Schnittstelle von Naturwissenschaft sich immer wieder vollsaugt mit Begegnungen und Einund Kunst verhandeln. Die Dialektik zwischen drücken aus der ganzen Welt. „Die Übermalen und erneutem Freilegen äußert sich sozialen Verhältnisse und kulturellen in der erkennbaren Schichtung der Bilder und Hintergründe in anderen Ländern verleiht den zweidimensionalen Oberflächen eine „Die unter der Silberschicht auf mich und meine Arbeiten wirken ungeheure Plastizität. Die nähere Betrachtung verteilten Positionen der zu lassen fasziniert mich sehr“, geeröffnet vielschichtige Einsichten ins Bildinnere. steht er. „Zahlreiche Reisen in Asien, sichtbar werdenden Gemälde erzählen von der ewig Afrika und Lateinamerika, während wiederkehrenden Notwendigkeit zu überdecken, denen ich vorwiegend zusammen verdecken, aufzugeben“, erklärt Martin Gremse. mit lokalen Künstlern gearbeitete Die grelle Farbigkeit der tieferliegenden Schichten habe, haben meine Wahrnehmung und abstrakte schwarze Konturen markieren die der Umwelt und damit meine künstlerische Arbeit stark beeinflusst.“ Präsenz von Gremses frühen künstlerischen Ausdrücken im Graffiti der 90er-Jahre. Unter großen, abstrakten Farbflächen erscheinen hier auf subtile Weise Strukturen, die in ihrer nicht einzuordnenden Figürlichkeit und kontrastierender Farbgebung mit dem Vordergrund brechen.

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DIE SCHWARZEN SEITEN

FÜR DEN KUNSTMARKT BIETET MARTIN GREMSE DIE PERFEKTE PROJEKTIONSFLÄCHE. Smarter Gastgeber: der Künstler während einer Ansprache vor Ausstellungsbesuchern

es darauf ankommt. Der unverstellte Blick auf das Leben zeichnet ihn aus. Das vermeintlich impulsive, wie entfesselt wirkende Chaos seiner Werke trifft auf die ordnende Zugkraft einer ausgefeilten Technik, was viele seiner Bilder wirken lässt Zu den Erfahrungen zählte nicht nur eine Pilgerfahrt auf dem wie lange, gewagte Drops beim Surfen mit weit hinten aufgesetztem Fuß. Camino de Santiago, sondern auch ein Freiwilliges Soziales www.martingremse.com Jahr (unter anderem in einer Favela) in Brasilien zwischen 2004 und 2005. Auf seinen Reisen hat Gremse immer Material zum Arbeiten dabei, und es kam vor, dass er einfach mal am Strand ein Stück Leinwand ausbreitete und seine frisch gewonnenen Eindrücke mit seiner inneren Verfasstheit rangeln ließ. Für den immer wieder nach besonderen Persönlichkeiten gierenden Kunstmarkt ist Martin Gremse natürlich die ideale Projektionsfläche. Er hat eine kosmopolitische Attitüde, sieht gut aus, verströmt das notwendige Quäntchen an Abenteuertum, weiß aber auch geschliffene Manieren einzusetzen, wenn

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Martin Gremse legt im Atelier eine Verschnaufspause ein.


HOT WHEEL Dieses Indoor-Bike aus Italien kombiniert Funktionalität und Ästhetik in einem unverwechselbaren Design. Der Einsatz von hochwertigen Materialien wie Karbon, Stahl und Glasfasern machen das Ciclotte zu einem LuxusWork-out- und Wohnaccessoire, wodurch es sich in verschiedene Raumkonzepte integrieren lässt. Ein echter Hingucker ist es vor allem in der limitierten Lamborghini-Edition. Ab 7.680 Euro. www.storeciclotte.com

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SINATRASOUND Gramovox, eine Vintage-Design-Schmiede aus Chicago, hat mit diesem Bluetooth-Lautsprecher ein stilvolles Produkt geschaffen, das moderne Technologie mit dem Charme des Vergangenen vereint. Ein echter Clou fürs Wohnzimmer: die Sinatra-Sonderedition. Um 500 USDollar. www.gramovox.com

ANTRIEBSSTÄRKE

Mit dem Longboard zur Arbeit und dabei noch nicht mal ins Schwitzen geraten: Die motorisierten Bambusboards von Boosted machen nicht nur richtig was her unter den Füßen, sondern bringen auch jede Menge Spaß. Dank einfachem Handling und einer Reichweite von fünf bis acht Meilen pro Akkuladung sind sie ein prima Begleiter durch die City. Ab 999 US-Dollar. www.boostedboards.com


TASTENHELD

Nicht nur am Auto vermisst der Nostalgiker die gute alte Mechanik! Auch beim Tippen darf es ruhig ein wenig mehr „haptisches Feedback” geben. Mit dem QWERKYWRITER, einer Schreibmaschinentastaur für Smartphone und Co., bringt man den Steampunk-Trend ins heimische Apartment oder trumpft im Büro stilvoll auf. Das Gadget gibts erst mal nur als US-Version, mit ein paar Handgriffen ist es jedoch ganz fix auch im europäischen Schriftverkehr zu gebrauchen. Um 350 US-Dollar. www.qwerkywriter.com

BALLJUNGE Dank dem Kicker von FAHRER wird der Transport von Bällen auf dem Fahrrad nun zum Kinderspiel. Die recycelten Werbebanner oder Lkw-Planen lassen sich einfach mit einem Klettverschluss am Oberrohr oder unter der Sattelstütze befestigen. Um 20 Euro. www.fahrer-berlin.de

BLITZLICHTGEWITTER Polaroidkameras stehen hoch im Kurs. Eine funktionierende Vintage-Kamera zu finden, ist jedoch gar nicht mehr so einfach. Und hat man eine gefunden, stutzt so mancher bei den Preisen für die Filme.

Die „instax mini 90 Neo Classic“-Kamera von FUJIFILM bietet eine handliche Lösung, um Momente festzuhalten und Sofort-Schnappschüsse zu teilen. Um 129 Euro. www.fujifilm.eu

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WoodBee ist das neue, WABENWUNDER originelle Holzlager von Harrie Leenders. Wie sein großer „Bruder“ WoodStocker ist er ein schönes und dekoratives Holzlager, das Feuerholz für eine gute Verbrennung trocknet. Durch seine sechseckige Wabenform ist es beliebig stapelbar und fügt sich bestens in jede Gartenarchitektur. Für 355 Euro pro Modul erhältlich. www.leenders.nl


FOOD

Nussknacker Das Öffnen einer Kokosnuss stellt oft eine Herausforderung dar. Dieser kann sich nun jeder mit dem Kokosnussöffner von Vacu Vin gut gewappnet stellen. Das simple Design, die wertige Verarbeitung und die einfache Anwendung machen es kinderleicht. Um 8 Euro. www.vacuvin.com

GESICHTSWURST Das nachhaltige Konzept von Meine kleine Farm gibt jedem Produkt ein Gesicht: und zwar das vom Schwein. So wird dem Konsumenten genau gezeigt, welches Tier von welchem Bauernhof in der jeweiligen Ware verarbeitet ist. Humorvolles Konzept für mehr „BeWurstSein“. Der Anspruch: artgerechte und faire Tierhaltung fördern, Existenz der örtlichen Metzger und Kleinbauern sichern sowie bewusster und wertschätzender Fleisch genießen. www.meinekleinefarm.org

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KRÄUTERAUTOMAT Wie durch Magie sprießen die Pflanzen mit dem Smart Herb Garden von Click and Grow im Handumdrehen aus dem Boden. Einfach Wasser einfüllen und Stecker einstecken. Mit der NASA-inspirierten Technik lassen sich verschiedene Kräuter, Gemüsesorten oder Blumen ganz ohne Schadstoffe auch in der dunkelsten Stadtwohnung anpflanzen. Um 60 Euro. www.clickandgrow.com

KOKOS STATT COKA Kokosnusswasser ist das neue In-Getränk. Zu Recht, hat der Inhalt der grünen Kokosnuss doch weit mehr zu bieten, als einfach nur Durstlöscher zu sein. Gepriesen werden der niedrige Säuregehalt, der den Magen nicht belastet, sowie die Vielzahl an Spurenelementen, Mineralien und Anti-Oxidanzien, die als Zellkur, Nervennahrung und Stoffwechselantrieb fungieren sollen. www.indi-coco.de


FOSSILES

HIGH END TEXT ALEXANDRA DINTER BILDER CHRISTOPHER LOCKE

EINST WAREN SIE DAS NONPLUSULTRA DER UNTERHALTUNGSELEKTRONIK. DANN KAM EINE NEUE GENERATION UND LÖSTE SIE AB. VON KONSUMKRITIK UND EINEM GORGONISCHEN SCHAFFENSAKT.

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SPIELKRAM

S

chon zu Schulzeiten beschäftigte sich Christopher Locke, Schöpfer der „Modern Fossils“, lieber mit Kreativarbeiten als mit dem Unterrichtsgeschehen. Sein Berufswunsch damals: Künstler. Heute lehrt der USAmerikaner selbst. In der restlichen Zeit beschäftigt er sich mit seinen gestalterischen Arbeiten, die er als größtenteils „Figurative Industrial” bezeichnet. Nicht selten verschwimmen dabei Grenzen zwischen Mensch und Maschine, Altem

und Neuem, Wissenschaft und Kunst. Mit der Skulpturenreihe zeichnet er ein ganz eigenes Bild von der Entstehung der Arten: „Es sind moderne Fossilien. Sie entstanden aus realer archaischer Technologie, die dereinst als innovativ galt“, sagt er. Die meisten dieser Beispiele seien in den USA entdeckt worden, obwohl sich die verschiedenen Arten auf der ganzen Welt finden ließen. Locke findet es schade, aber die meisten dieser Fundstücke hatten nur ein sehr kurzes Leben. Üblicherweise werde eine verkürzte Lebensdauer aggressiven Raubtieren oder beschleunigter

Evolution zugeschrieben, aber das sei nicht unbedingt wahr. „Es wurde vor Kurzem bekannt, dass der wahre Grund für den Untergang außer Kontrolle geratener Konsum und Verschwendung am oberen Ende der Nahrungskette ist“, merkt der Amerikaner spöttisch an. Wie auch immer: Der Anblick eines „Dominaludus nintendicus“ oder „Asportatio acroamatis“, besser bekannt als Controller und Kassette, erfreut in den meisten Fällen unser großes Nostalgiker-Herz. www.heartlessmachine.com

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LADYS

FARBEFFEKT

Teamfähigkeit

WAS MAN ALS GESCHWISTERKIND LERNT

Konfliktfähigkeit Toleranz Rücksicht Das man schnell alle Süßigkeiten anleckt, damit sie kein anderer wegisst

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BETT- „Wie war ich?“ Die Antwort liefert HUPFERL die „Beischlafquittung“ von

Axel Hüpfer. Hier kann der Gastgeber dem Besuch ein dezentes Feedback geben und nebenbei kommunizieren, ob eine Wiederholung des nächtlichen Abenteuers wünschenswert ist. Romantisch? Sicher nicht, aber vielleicht witzig? Um 7 Euro. www.axel-huepfer.de

Quelle // www.graphitti-blog.de

Foto // Lichtkreis/photocase.de

Eine Studie des Psychologen erregen Eifersucht. Männer, die Andrew Elliot von der University rote Kleidung tragen, werden als of Rochester ergab, dass Männer stärker, mächtiger und erfolgreiFrauen attraktiver finden, wenn cher eingeschätzt. In einer weiteren diese rote Kleidung tragen. Studie konnte Elliot zeigen, dass Eine Erklärung sei, dass Rot dieser Effekt gern genutzt wird: als Zeichen sexueller Erregung Frauen, die auf Datingplattformen wahrgenommen werde. Bei ihren im Internet nach kurzen Affären Geschlechtsgenossen hingegen suchen, sind auf ihren Profilbildern können Frauen in Rot nicht punk- überdurchschnittlich häufig rot gekleidet. ten: Sie gelten als untreu und


BARKEEPER

JACK DANIEL's

WISSENSWERTES AUS DER WELT DER SPIRITUOSEN

SHAKE IT, TRY IT – LOVE IT

Aromatisch, natürlich und vollmundig – das sind die Merkmale, die man mit Jack Daniel’s Tennessee Honey verbindet. Die Süße des Honigs und den rauchigen Charakter des Jack Daniel’s Old Nr. 7 sollten auf eine ganz neue Art in Szene gesetzt werden und so wurden unter dem Motto „Shake it, try it – love it!“ deutschlandweit Barkeeper aufgefordert, ihre Shaker rotieren zu lassen und mit unterschiedlichsten Zutaten und der geschmacklichen Vielfalt des Tennessee Honey zu spielen.

Herausgekommen sind zwölf außergewöhnliche Kreationen mit Thymian und Salbei über Wassermelone und Apfelkompott hin zu einer fantastischen Tennessee-HoneyKaffeelikör-Symbiose, die an Tiramisu erinnert. Unverwechselbare Geschmackserlebnisse, die sicher auch dem alten Jack gefallen hätten. Wir stellen unsere drei Favoriten vor:

D's Cozy Bee Passend zur Winterzeit kann man den weihnachtlichen „D’s Cozy Bee“ direkt unter dem Weihnachtsbaum ausprobieren. Den Drink zusammenzustellen ist gar nicht schwer: 3 cl Jack Daniel’s Tennessee Honey und 3 cl Kafeelikör mit Eis in ein Martiniglas geben. 5 cl Sahne und 4 cl Birnensaft mit Eis in einen Shaker geben und schütteln, bis die Sahne schaumig ist. Diese Mischung langsam in das Martiniglas abseihen, sodass eine Schichtung entsteht. Als Garnitur zwei gemahlene Kaffeebohnen darüber geben. Fertig.

Lynchburg Honey Smash Im kalten Winter bietet dieses köstliche Rezept die nötige Vitaminzufuhr: Drei Zweige Zitronenmelisse mit Eis im Longdrinkglas anrichten. 5 cl Jack Daniel’s Tennessee Honey, 2 cl Ahornsirup und 4 cl frischen Orangensaft in das Glas geben und kräftig umrühren. Mit Ginger Ale auffüllen und ein weiteres Mal behutsam umrühren. Eine Orangenspirale ist die perfekte Deko.

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Jack's Honey Apple Der Deutschen liebstes Obst ist der Apfel! Diese klassische Kreation lässt sich wie folgt zusammenstellen: 5 cl Jack Daniel’s Tennessee Honey, 1,5 cl Zimtsirup, 2 cl Zitronensaft und einen Barlöffel Apfelkompott in einen Shaker geben, kräftig schütteln und den Cocktail in einem Tumbler auf Eis servieren. Mit einer Apfelscheibe und einer Zimtstange garnieren.

Gewinnspiel Die zwölf neuen Kreationen ohne Weiteres selbst mixen! Gemeinsam mit Jack Daniel’s verlost TRIP drei Cocktail-Starter-Kits. Darin enthalten ist das limitierte Rezeptbuch mit den Tennessee-Honey-Drinks, eine Flasche Jack Daniel's Tennessee Honey, zwei Tumbler, zwei Longdrinkgläser und ein Mixset bestehend aus Shaker, Jigger, Barsieb und Barlöffel. Gewinnspielfrage: In welchem Ort wird der weltbekannte Jack Daniel’s produziert? Um teilzunehmen, einfach die Lösung per E-Mail an info@t-o-v.de senden. Einsendeschluss ist der 16. Februar 2016. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahme ab 18 Jahren. Teilnahmebedingungen unter www.jackhoney.de www.terraoceanisverlag.de/kontakt-impressum www.massvoll-geniessen.de


KLARES SIGNAL VON FELICIA SIEGLE-BAUMGARTNER

BEI DEN FARBEN ZÄHLEN IN DIESEM WINTER OXBLOOD UND ANDERE DUNKLE ROTTÖNE ZU DEN KLAREN FAVORITEN FÜR KLEIDUNG & ACCESSOIRES

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TIGER OF SWEDEN circa 100 Euro über Wormland

SOUVE BAG COMPANY circa 180 Euro

CAMP DAVID circa 90 Euro

CARHARTT circa 20 Euro über Wormland


AUSSTATTUNG

Foto // Stoyan/photocase.de

MALOJA circa 300 Euro

CARHARTT circa 90 Euro 端ber Wormland

PIERRE BALMAIN circa 550 Euro 端ber Wormland

STETSON circa 169 Euro

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MOLESKIN circa 14 Euro

AMOUR LUX circa 70 Euro


GEWINNSPIEL

Die LUMIX DMC-GX8A Wert von 1.999 Euro auf der von Panasonic im boot in Düsseldorf gewinnen! TEILNAHME AM GEWINNSPIEL NUR AM STAND MÖGLICH!

TRIP geht immer neue Wege, so auch in diesem Jahr auf der Messe boot in Düsseldorf. Gemeinsam mit Panasonic, einem der führenden Hersteller im Kamerabereich, konzentriert sich das Lifestylemagazin vor allem auf das Thema Fotografie. „Mit gebündelter Kompetenz an einem Stand die Leser von unseren Produkten zu überzeugen, das geht nirgendwo besser als in der Water Pixel World auf der boot in Düsseldorf!“, so die eindeutige Meinung der Verantwortlichen.

Stiftung Warentest beurteilte die Kombination aus Kamera und dem Zoomobjektiv LUMIX G X Vario 2,8/12-35 Millimeter mit der Bestnote 1,5. Eine Bestleistung, denn diese fantastische Beurteilung wurde seit elf Jahren erstmalig wieder vergeben. Wir gratulieren an dieser Stelle! 20-Megapixel-Micro-FourThirds-Sensor, extrem kurze Verschlusszeit und sehr guter elektronischer Sucher: Die Kamera garantiert dir brillante Bilder in bester Qualität. Über weitere Features wie beispielsweise die umfangreiche 4K-Videofunktionen- oder der innovative Dual-Bildstabilisator in Kamera und Objektiv hat das Gerät die höchste Punktzahl erreichen können. Die neueste Panasonic LUMIX DMC-GX8A an unserem Partnerstand ausprobieren und mit etwas Glück den Testsieger unter den Kameras gewinnen!

Ein ganz heißer Tipp für alle rofessionellen und Hobbyfotografen unter uns: Erstmalig bieten wir verschiedene Workshops an, in denen nicht nur das neueste Kameraequipment von Panasonic vorgestellt wird, sondern gleichzeitig auch hilfreiche Tipps für die Sport-und Outdoorfotografie. Wer also im kommenden Urlaub seine Freunde mit scharfen Shots beglücken will, kommt um einen Besuch an unserem Stand nicht herum. Zusätzlich hat man an diesem Stand die Möglichkeit, die brandneue LUMIX DMC-GX8A zu gewinnen.

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HALLE 4, STAND A10


SECHSMALACHT

WAS SAGT IHR DENN DAZU?

MEIN LIEBSTER ZEITVERTREIB IN DER KALTEN ES D DER SINN TE SS RÖ G JAHRES– IE D LEBENS IST ZEIT IST ... ANGST EINER FÜR MICH ... FRAU?

SIMON EKBÜHL Student

il vo Das TRIP-Urte

n

= Respekt! bis

= Pfff

ARNO NEIFERT Unternehmer

Nicht mehr fickbar zu sein

Zu wenige Schuhe zu haben

Die Kontrolle zu verlieren

MARC HOLLENBACH Windsurfer

Ein kleiner Penis

Mehr Sport, mehr Fitness

Stricken.

Arbeit.

Spinnen

DANIEL NUSIM Lehrer

Snowboarden.

us das Beste dara zu machen.

n gesund zu bleibe und viel Geld zu verdienen.

Fernsehen.

r ein gemütliche Filmabend mit Freunden.

leben und lernen lassen.

fröhlich zu sein.

Windsurfen.

Niemandem – Orden werden überschätzt!

Fleißiger für die Uni zu lernen

Mehr Ausgeglichenheit und Geduld

mehr Sport

Hektik

Mir selbst

Mehr Schlaf

Montgomery Burns (Simpsons).

Meinem Geschäftspartner ld für seine Gedu

Unruhe

Kälte .David Beckham

Meiner Mutter

Meiner Mama

Wärme und Besinnlichkeit

Ein ätzendes Gefühl

schnell für sein Leben Verantwortung zu übernehmen.

Tony Montana (Scarface).

Blofeld James Bond).

seinen Körper und Geist rechtzeitig fit zu machen. sich stetig weiterzubilden.

der Joker (Batman).

Sauron (Herr der Ringe).

Der Joker (Batman).

gepflegt vor die Tür zu gehen.

zu lernen sich und anderen zu vergeben.

er selbst zu sein.

27 Foto // suze/photocase.de

DAVID SCHAIDING Sportler

Untreue des Mannes

, Weniger Wein ein Feierabendr Zigarre eh m rre ga wein mit Zi am Kamin.

in neugierig zu se . und zu bleiben

Gemütlichkeit

EIN JUNGER IM MANN SOLLTEMEIN LEBEN BESON LIEBLINGSDERS DARAUF FILMBÖSE ACHTEN, ... WICHT IST ...

Foto // Wikipedia/NASA

S TIM REIHMER Chemiker

MEIN VORSATZ FÜR DAS NEUE JAHR?

WELCHES GEFÜHL HERRSCHT H WEM IC BEIM WORT EN GERN EIN „WEIHORDEN NACHTSEN IH LE VER ZEIT“ VOR? E? WÜRD

ADÄQUAT INADÄQUAT Adäquate Namen BAHNBRECHEND SEIN

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IN DEN ZUG KOTZEN


NELE ALBRECHT

23, STUDENTIN, GÖTTINGEN

GRACE WHITNEY SMETHURST

BIER

22, LONDON/ENGLAND

CHAMPAGNER

MIT WELCHEM DRINK STARTEST DU DEINEN PARTYABEND? GEFRAGT HAT SARAH ZAHORSKY

ANNA-SOPHIE BULDER

25, BARISTA BEI STARBUCKS, LEICESTER/ENGLAND

ROSÉWEIN

JAN GEBERT

30, HANDWERKER, HAMBURG

28

CLUB MATE


UMFRAGE

MARIELENA RUEF

22, STUDENTIN, FREIBURG

SÜSSE WEISSWEINSCHORLE GEORGE IORDANOU

29, SALES DIRECTOR, LIMASSOL/ZYPERN

MICHAEL WEIDE

42, VERANSTALTUNGSKAUFMANN, KIEL

FENCHELTEE MIT HONIG

JÄGERMEISTER

29 MERAL OZAN

22, STUDENTIN, SCHRIFTSTELLERIN UND POETRY SLAMERIN, KEMNITZ

GIN TONIC

LUCREZIA BENCIVENGA

33, WEIN-EXPORT-MANAGERIN, TURIN/ITALIEN

SPUMANTE

JULIEN BUDNIK

27, TISCHLER, KIEL

GIN TONIC GERD KUNZE

52, GESCHÄFTSFÜHRER EINER E-COMMERCE AGENTUR, BRETNIG

WEIN

GIORGI SHVELIDZE

39, SECURITY GUARD, HAMBURG

WHISKY ON THE ROCKS


HIERKOMMTDER WEIHNACHTSMANN

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Der beste Rasierer:

Panasonic ES-LT6N

Es ist vielleicht nicht der teuerste Rasierer auf dem Markt, aber sicherlich einer derjenigen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn dank der neuartigen 3D-ScherkopfTechnologie sind Bewegungen in alle Richtungen möglich. So passt sich der Scherkopf allen möglichen Gesichtskonturen an. In Kombination mit extrem scharfen, feinpolierten 30-Grad-Klingen erwischt man alle Barthaare und erhöht kraftvoll die Schwingungen der Klingen. Sensibler gehen die auf sanfte und hautschonende Art. Dazu trägt Rasierer bei Stellen mit weniger Bartwuchs oder bereits glatt rasierten Partien auch der integrierte Bartdichten-Sensor bei. um. Hier werden die Schwingungen reduziert und die empfindliche Haut wird Dieser erkennt Stellen mit dichtem Haarwuchs geschont. Wer es morgens eilig hat, kann seine Rasur dank der bewährten Nass-/Trocken-Technologie unter der Dusche vornehmen. Preis: 169 Euro. www.panasonic.com

Das beste Navigationsgerät:

BECKER professional.6 LMU

Das BECKER professional.6 LMU ist absolute Spitze – und das sagen nicht nur wir, sondern die Tester von der Stiftung Warentest. Im Februar dieses Jahres nahmen die Damen und Herren sieben Geräte unter die Lupe, nur eines erhielt die Gesamtnote 2,1: das BECKER professional.6 LMU. Dabei wurde dem Gerät besonders die leichteste Handhabung bei gleichzeitig höchster Vielseitigkeit aller Spracheingabe, ein umfangreiches Kartenpaket mit lebenslangen Kandidaten bescheinigt. Ein kontraststarkes Updates sowie die Verkehrsdienste, Zusatzfunktionen und die kapazitives Echtglasdisplay, 15,8 Zentimeter vielseitigen Einstellungsmöglichkeiten trugen des Weiteren dazu Displaydiagonale, eine hervorragende bei, das BECKER professional.6 LMU zum Testsieger zu küren. Preis: 269 Euro. www.mybecker.com

Die beste Smartwatch:

LG G WATCH R

Die LG G WATCH R ist weltweit die erste Smartwatch mit einem vollständig genutzten, runden P-OLED Display, das eine hervorragende Ablesbarkeit auch im Freien garantiert. Oft wird bei den nützlichen Helfern fürs Handgelenk bemängelt, dass es der Akku nicht einmal einen Tag lang schafft, die Uhr am Laufen zu halten. Dank einer Kapazität von 410 Milliamperestunden schafft es der LG-Akku auf allen Android-Smartphones ab Version 4.3. Die G WACH R eine Stand-by-Zeit von 65 Stunden, was rund 36 ist wasser- und staubgeschützt und besitzt einen Pulsmesser, Stunden bei normaler Nutzung entspricht. Das Schrittzähler, Druckmesser und Kompass. Zur Suche im Android-Wear-Betriebssystem ist kompatibel mit Internet und zur Dateneingabe nutzt die Uhr die OK-GoogleSprachsteuerung. Preis: 269 Euro. www.lg.com

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VERLOSUNG Der beste Kopfhörer:

Sennheiser MOMENTUM On-Ear Wireless

Der absolute Premiumkopfhörer auf dem Markt ist der MOMENTUM On-Ear Wireless mit aktiver NoiseGard-Geräuschunterdrückung, einem extrem hohen Tragekomfort und faltbaren Kopfbügeln. Ausgestattet mit High-Performance-Wandlern von Sennheiser liefern sie den einzigartigen MOMENTUM-Sound – detailreich, klar und mit dezenter Bassbetonung. Um die Kopfhörer kabellos mit einem Einfach den MOMENTUM in die Nähe des Endgeräts halten – fertig. Wird Endgerät zu verbinden, verwendet der Kopfhörer darüber hinaus mit einem Bluetooth-apt-X-kompatiblen Sennheiser NFC-Technologie Gerät verbunden, liefert der apt-X codec unverfälschten Premiumsound. schnelles Pairing via Bluetooth. Leistungsstarke Akkus garantieren mit einer Laufzeit von 22 Stunden besonders langen Musikgenuss. Preis: 349 Euro. www.sennheiser.com

Das beste Smartphone:

HTC One A9

Das neue HTC One A9 ist designtechnisch ein echter Hingucker. Der ultraflache Metallrahmen des schicken Gehäuses hält den randlosen, energieeffizienten, 5-Zoll-FullHigh-Definition-Bildschirm mit 1.080 p aus Corning Gorilla Glass. Bilder und Spiele sind sogar bei direktem Sonnenlicht um 40 Prozent farbintensiver als auf einem normalen LCD-Bildschirm. Dank erweiterbarem Bildstabilisator für verwacklungsfreie Fotos ausgestattet, die man mit der SD-Kartenspeicher hat man auch größere RAW-Aufnahme-Funktion und Profimodus optimal bearbeiten kann. Auch Datenmengen permanent verfügbar. der Musikliebhaber wird mit dem HTC One A9 seine Freude haben. Der Die Kamera ist mit einem optischen integrierte DA-Wandler konvertiert 16 Bit Audio in 24 Bit hochauflösenden Sound und sorgt für einen vollen, differenzierten Klang. Dank Dolby Audio Surround und einem ganz neuen und besseren Hochleistungsverstärker erreicht das Smartphone eine Klangqualität, die derzeit seinesgleichen sucht. Preis: 579 Euro. www.htc.com

Die beste Kamera:

Nikon COOLPIX P900

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Nicht nur Stiftung Warentest bestätigt der Nikon COOLPIX P900 im 16-Megapixel-Format in der Ausgabe 09/2015 eine außergewöhnliche Performance – auch der Markt gibt dem Konzept recht, kommt Nikon doch in der Produktion kaum dem Absatz hinterher. Fünf Gründe sind dafür maßgeblich. Erstens: Der sensationelle optische 83-fach-Zoom und eine Brennweite von 24 bis 2.000 Millimeter. Zweitens: Der Dual-DetectBildstabilsator (VR) mit 5,0-LW-Stufenund detailreiche Bilder mit geringem Bildrauschen selbst bei wenig Licht. Effektivität. Teleaufnahmen gelingen Viertens: Mit den internationalen Satellitensystemen GPS, GLONASS und auch aus der Hand, da die Reduzierung QZSS lassen sich beim Fotografieren schnell detaillierte Standortinformationen von Verwacklungsunschärfe durch das abrufen und Reiserouten unglaublich genau nachverfolgen. Fünftens: Dank Objektiv unterstützt wird. Drittens: Der des schnellen Autofokus und einer geringen Auslöseverzögerung werden rückwärtig belichtete CMOS-Bildsensor mit schnelle Sportaufnahmen genauso möglich wie solche bei wechselnden 16 Megapixeln Auflösung sorgt für scharfe Lichtverhältnissen. Auch unserer Meinung nach die derzeit beste große Kompaktkamera mit extrastarkem Zoom. Preis: 619 Euro. www.nikon.de

Die beste Smartkamera:

Panasonic LUMIX CM1

Mit der LUMIX Smart Camera CM1 verbindet Panasonic die herausragende Fotoqualität einer Premium-Kompaktkamera mit Smartphone-Funktionalität. Die Leica-Optik in Kombination mit dem weltweit größten Bildsensor, der je in einem Smartphone verbaut wurde, macht selbst 4K-Videoaufnahmen und Bilder im RAW-Format möglich. Höchste Ansprüche erfüllt auch die Smartphone-Funktionalität mit leistungsfähigem 2,3-GHz-Quad-Core-Prozessor, einem 4,7-Zoll-Full HD-Display und der neuesten Android-Version. Der 1-Zoll-HochempfindlichkeitsMOS-Sensor ermöglicht selbst bei schlechten Megapixeln sind der weiteren Verwendung der Fotos fast keine Lichtbedingungen ausgezeichnete Fotos und Grenzen gesetzt. Abgerundet wird das starke Gesamtpaket durch löst so ein Grundproblem der Smartphonedie hochwertige Verarbeitung und einen edlen Look, der schon von Fotografie. Bei einer Auflösung von 20 Weitem erkennen lässt, dass es sich bei der CM1 um ein Produkt der Premiumklasse handelt. Preis: 899 Euro. www.panasonic.com


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S Ihren schรถnen Kรถrper zeigt Scheila gern. Manchmal sogar per Whatsapp.

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TRIP GIRL

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olgt man der Astrologie, gilt die Skorpion-Frau als verlockend, intuitiv und selbstsicher. Okay. Aber wir müssen nicht die Sterne zu Rate ziehen, um festzustellen, dass auf Scheila Santos genau dies alles zutrifft. Seit eineinhalb Jahren pendelt die brünette Schönzeit zwischen São Paulo und New York. Einen Monat verbringt sie dort und einen Monat hier. Sie studierte Jura und hat seit ihrem dreizehnten Geburtstag immer wieder als Model gearbeitet. Nebenbei beschäftigt sie sich mit Fotografie und Film. Wichtig ist ihr die Abwechslung, vielleicht auch ein Grund, um zwischen Brasilien und den Vereinigten Staaten zu pendeln. „Ich will herausfinden, wie die Modewelt hinter den Kulissen

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funktioniert, und lernen, wie Fashionshows organisiert werden“, sagt Scheila. Die Triebfeder: Mit ihrer Geschäftspartnerin und jüngeren Schwester Carolina führt sie einen Modehandel. Früher haben die beiden Ware gekauft und verkauft, jetzt will Scheila ihre erste Jeanskollektion entwerfen. Diese soll in ein paar Monaten in São Paulo vorgestellt werden.

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Mit dem Tattoo „Gottes Dienerin“ demonstriert Scheila ihren Glauben.


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Scheila zeigt gern Profil: Als Juristin und als Model.

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TRIP GIRL

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Sinnlichkeit pur: Scheila weiรŸ ihre Kรถpersprache gezielt einzusetzen.


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TRIP GIRL

Inzwischen hat sie viele Freunde in New York. Während sie früher sehr viel im Nachtleben unterwegs, geht sie heute lieber in Ruhe einen Wein trinken in einem Restaurant oder in schönen Bars. Dank ihres Aussehens und ihres Charmes findet sie schnell Begleitung. „Ich hatte beschlossen, wirklich allein zu sein, nicht irgendwo fest zu leben. Aber es gibt immer jemanden ...“, sagt sie. Insofern mag sie Fernbeziehungen, kommuniziert vielfach über WhatsApp oder Facetime. „Diese Werkzeuge sind toll, weil du die Person hören und sehen kannst. Die Technologie ist schon etwas Besonderes. Dennoch mag sie es lieber, jemanden von Angesicht zu Scheila, die inzwischen 32 Jahre alt ist, wurde im Bundesstaat Paraná geboren, genauer gesagt in Marechal Angesicht kennenzulernen. Das Spiel der Cândido Rondon, einer Stadt mit 50.000 Einwohnern, in Eroberung. „Was mir am meisten gefällt, ist der Nähe von Foz do Iguaçu. Entsprechend behütet war zu erobern und erobert zu werden. Ich kehre die Kindheit der Brasilianerin. „Ich war ein Bilderbuchdann glücklich nach Hause zurück.“ kind“, lacht sie. „Genau wie es sich Eltern wünschen, und das hat einen großen Einfluss auf mein Leben.“ Noch Eine andere Sache, die Scheila gern mag, ist heute genießt sie es, bei ihrer Familie zu sein, aber schon es, erotische SMS zu verschicken. „Das ist als Teenager drängte es sie nach neuen Erfahrungen. Sie großartig!“, lacht sie. Manchmal sendet sie wollte an die Uni und verdiente sich nebenher das notauf diesem Weg an ihren jeweiligen Freund wendige Geld als Model. Dadurch kam sie viel in der Welt sogar erotische Bilder von sich. „Wenn das herum, hat in England und Italien gelebt. Dort entstand Vertrauen stimmt zwischen dir und deinem auch der Name ihrer kleinen Modefirma, den sie mit ihrer Partner, kann das ziemlich aufregend sein, Schwester kreiert hat: Moscova. „So heißt ein Stadtteil in vor allem, wenn die Person weit weg ist, wie Mailand“, erkärt sie. Scheila ist verrückt nach Kunst und in meinem Fall. Es ist schön, zu sehen, dass besucht in ihrer Freizeit immer wieder die Museen und der Mann an dich denkt, dir heiße Fotos Galerien New Yorks, wie etwa das MoMA oder die Galesendet. Das bringt ein Paar mehr zusammen. Aber es muss viel Intimität geben in rien von Soho, außerdem hat sie Freude an Straßenkünstlern, all den Menschen, die auf den Straßen Jazz spielen einer Beziehung, damit so etwas gut läuft“, oder malen. argumentiert sie.

Nicht nur im Badeanzug macht Scheila eine gute Figur.

Die Serie für TRIP ist übrigens die erste erotische Fotosession von Scheila, obwohl ihr das Ausziehen nicht leicht fiel. „Seit ich 30 geworden bin, habe ich begonnen, mich selbst zu analysieren und zu kritisieren“, lacht Scheila. Fotografie sieht sie als eine Möglichkeit, die Zeit zu anzuhalten. „Ich mag dieses Spiel zwischen allem und nichts zeigen“, sagt sie. Carol, die jüngste Schwester, trägt drei Tattoos. Das hat Scheila ermutigt, sich selbst eine Tätowierung stechen zu lassen, die ihren Glauben widerspiegelt. Das Tattoo „Gottes Dienerin“ hat sie in englischer Sprache verfasst. „Ich bin keine Frau mit schönen Rundungen, habe eine kleine Brust. Die Tätowierung hat mich mehr sexy gemacht, finde ich.“ Dem wollen wir gewiss nicht widersprechen.

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JUKEBOX

Bushido: Carlo Cokxxx Nutten II (2015) Electric Citizen: Electric Citizen (2013) The Dandy Warhols: The Black Album/Come On Feel The Dandy Warhols (2004) Bluesounds: Black (1980) Atomic Rooster: Made in England (1972)

Pearl Jam: Vitalogy (1994) Circle: Taantumus (2001) Zip Code Rapists: 94124 (1995) Kösmonaut: Green (2012) Skankin' Pickle: The Green (1996)

Gastr del Sol: The Harp Factory on Lake Street (1995) Lucifer: Exit (1972) Balthazar: Thin Walls (2015) Neil Young: Living with War (2006) Bon Jovi: Burning Bridges (2015)

MONOCHROM, NICHT MONOTON TEXT ALEXANDRA DINTER

Rein physikalisch betrachtet haben Farben und Klänge nur wenig miteinander zu tun. Und dennoch haben die Menschen seit Jahrhunderten nach Analogien beider Welten gesucht.

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Beans on Toast: Trying to tell the Truth (2011) Circus: Circus (1976) Queens of the Stone Age: Rated X (2000) Reeko w/Architectural: The Blue Album (2013) Toad: Tomorrow Blue (1999)

The Field Mice: Snowball (1989) Ketil Bjørnstad & David Darling: Epigraphs (2000) Boards of Canada: Hi Scores (1996) Axel Dörner/Robin Hayward: Axel Dörner/Robin Hayward (2008) Celer: An Immensity Merely to Save Life (2012)


June of 44: The Anatomy of Sharks (1996) Oceansize: Frames (2007) Red Cross: Red Cross (1980) Bee Gees: Odessa (1969) Christopher Cross: Red Room (2000)

Tocotronic: Das rote Album (2015) Dire Straits: Making Movies (1980) Black Rose: Boys Will Be Boys (1984) Titus Andronicus: Local Business (2012) Glassjaw: Coloring Book (2011)

Das Wort Synästhesie bezeichnet „die Miterregung eines Sinnesorgans bei Reizung eines anderen“ und meint die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung. So können manche Synästhetiker Buchstaben fühlen oder Worte schmecken. Andere können Töne in bunten Farben sehen. Dieses Farbenhören ist jedoch ein relativ seltenes Phänomen und geht des Öfteren mit einem absoluten

Bloody Mary: Bloody Mary (1974) Talking Heads Eric Chenaux: Guitar & Voice (2012) Sunny Day Real Estate: Sunny Day Real Estate (1995) Kill Kenada: The Pink Album (2005)

Boris: Heavy Rocks (2002) Frank Ocean: Channel Orange (2010) Hard-Fi: Once Upon a Time in the West (2007) Detriod Swindle: The Punch Drunk EP (2015) Zebrahead: Zebrahead (1998)

Agalloch:The Grey (2004) Mats Gustafsson/David Grubbs: Apertura (1999) The Hope Blister: Underarms (1999) The BEATLES: The White Album (1968) Bob Dylan: Pat Garrett & Billy the Kid (1973)

Gehör einher. Schon manch einem Küns- trieb die Musiker an, als sie ihr Werk ins tler erschien eine solche Begabung als Licht der jeweiligen Couleur stellten? Das erstrebenswert. Man half daher mit hallu- gesamte Spektrum vor Augen, möchte zinogenen Drogen nach. Ein zweifelman sie mit der Mannschaft der Pequod hafter Aufwand, stellt das menschliche vergleichen: immer auf den Spuren des Gehirn die Verbindung von Farben und „großen Weißen“. Fraglich ist nur, ob sie Klängen naturgemäß doch spielend leidabei wie Ismael nach dem Höheren cht her. Assoziation ist das Zauberwort. streben und auf den Wogen des Marktes Was also erwartet der Zuhörer von einem treiben – oder am Ende das Schicksal des roten Album, einem schwarzen, einem Kapitäns teilen müssen, weil sie doch nur grünen? Oder besser: Welcher Gedanke die Golddublone wollten.

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WEB

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Nola (26) liebt die Natur und das Klettern. In der Wüste von Moab, dort wo die ältesten Gesteine der Erde zu finden sind, traf sie sich mit der Fotografin Autumn Sonnichsen zu einem Shooting. Die ganze Serie auf www.tripmagazin.de

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GESELLSCHAFT

Dieser Sicario war der erste, mit dem der Fotograf Kontakt hatte. Der junge Killer wurde 2013 selbst getรถtet.

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SICARIOS WENN KINDER TOTEN Inmitten eines Alltags voll beklemmender Angst und Gewalt dokumentiert Javier Arcenillas das Leben junger Auftragskiller in Lateinamerika.

FOTOS JAVIER ARCENILLAS TEXT INA KRUG

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M Mit angewinkelten Beinen liegt eine Gestalt auf dem Bürgersteig, halb bedeckt von einem zerknitterten Tuch. Achtlos über den Torso geworfen, nicht groß genug, um die angetrocknete Blutlache zu verdecken, die unter ihr hervorfließt. Ein Schulkind in zu großer Kleidung schreitet vorbei. Absperrband flattert im Hintergrund. Dahinter geht das Leben weiter. „Das Bild zeigt den Mord an einer Frau, die durch Gangmitglieder erpresst wurde. Vermutlich erschossen wegen einer Zahlungsverweigerung“, erklärt Javier Arcenillas. Alltag in Guatemala, Salvador, Honduras oder Mexiko. Festgehalten in Schwarz-Weiß.

Eine Serie aus Angst, Gewalt und Elend. Szenen mit bewaffneten Jugendlichen, Leichen, deformierten Gesichtern, verkrustetem Blut. Ohne Ästhetisierung. Anders als bei anderen Projekten, bei denen Javier Unschärfe als Stilmittel einsetzt, zeigen diese Bilder in schonungsloser Schärfe alle Details. Schockierend, verstörend und trotz allem ästhetisch. Entstanden sind Porträts. Nicht das Blut steht im Vordergrund, sondern der Mensch. Opfer und Täter. Das Leben am Rand der Gesellschaft ist das Hauptmotiv in den Essays des spanischen Fotografen Javier Arcenillas. Die Missstände mit Bild und Text zu dokumentieren und zu verbreiten, den Personen ein Sprachrohr zu geben, seine Profession. Wie den Unberührbaren, die in Indien zu Millionen auf der Straße zwischen Dreck und Ungeziefer schlafen. Bilder, die vor einigen Ausgaben in der TRIP zu sehen waren. Für seine Projekte „Rednote“ und „Sicarios“ tauchte der mit zahlreichen internationalen Preisen dekorierte Fotograf in die Hölle ein. Versank in der Unterwelt, sprach mit Mördern, fürchtete um sein Leben, sah unermessliches Leid. „In dieser von Gewalt durchtränkten Umgebung habe ich sechs Jahre gearbeitet“, erzählt der Humanist.

Für viele Kinder ist der Anblick von Leichen keine Seltenheit.

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GESELLSCHAFT

„ICH HÖRE NICHT AUF, DIESE GESCHICHTEN ZU ERZÄHLEN, DAMIT ICH SIE IRGENDWANN BESSER VERSTEHEN KANN.“ JAVIER ARCENILLAS

Zu Beginn untersuchte und verfolgte er über Monate die Unfall- und Kriminalitätsberichte, die sogenannten Red Notes, die täglich auf den Schreibtischen der lateinamerikanischen Lokalredaktionen landen. Nachrichten, welche die Angst vor den jungen Gangmitgliedern und Auftragsmördern, den Sicarios, wie giftigen Nebel durch die Straßen kriechen lassen. Verführt von der vermeint-

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lichen Leichtigkeit des Tötens lassen sich die teilweise noch Minderjährigen rekrutieren. Für den Tod eines anderen Menschen kassieren sie Geldbeträge, die zum Teil mit Mühe und Not das Essen für den nächsten Monat finanzieren. Werden Halbstarke bei einem Auftragsmord gefasst, drohen ihnen geringere Strafen. So sind ganze Bezirke fest in der Hand der Jugendbanden.


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GESELLSCHAFT

Schussverletzungen, eine Frau, die über den Tod ihrer ermordeten Schwester weint, ein Sicario, der im Kampf mit der Polizei sein Bein verlor – Gewalt gehört in vielen Bezirken zum Alltag.

EINE SERIE AUS ANGST, GEWALT UND ELEND.

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GESELLSCHAFT

„Ich verstand, dass es wichtig war, mit den professionellen Mördern zu reden, damit sie mir eine andere Sichtweise auf ihre Leben zeigen konnten. Dank meines Mittelmanns gelang es mir, einen von ihnen zu finden und mit ihm zu sprechen. Von diesem Moment an hatte ich Zugang zu den Sicarios. Es war ein schwieriger und langwieriger Prozess.“ Oben: Ein kleines Kind spielt an genau der Stelle, an der es wenige Stunden zuvor eine Schießerei gab. Unten: Ein jugendlicher Killer, bereit seinen mörderischen Auftrag auszuführen.

Arcenillas lernte sie kennen und erfuhr alles über die Ausbildung der jungen Killer, die von ihren Auftraggebern aus den ärmsten Schichten der Gesellschaft herausgefischt werden. Er hörte, wie sie am Anfang ihrer „Karriere“ zur Abhärtung Hunde und andere Haustiere töten mussten und als letzten Schritt auf dem Weg zum professionellen Mörder an der Beerdigung ihres Opfers teilnehmen mussten, um sicherzustellen, dass sie niemand beim Ausüben des Verbrechens beobachtet hat. Und er zog mit ihnen los. Entstanden sind daraus Fotos, von denen

jedes eine ganz eigene Geschichte erzählt, jede abgebildete Person steht für eine bizarre Biografie. Da ist das Bandenmitglied, fast noch ein Kind, das in Guatemala im Kampf mit der Polizei sein Bein verlor. Oder der junge Auftragsmörder mit Skimaske, der die Pistole bedrohlich in die Luft hält, und mit dem alles begann, wie Javier erzählt: „Er war der erste Sicario, mit dem ich reden konnte. Im Jahr 2013 starb er durch die Hände eines rivalisierenden Attentäters.“ Oder er richtete seine Kamera auf den

VERFÜHRT VON DER VERMEINTLICHEN LEICHTIGKEIT DES TÖTENS LASSEN SICH DIE TEILWEISE NOCH MINDERJÄHRIGEN REKRUTIEREN. 50


Oben: In dem Auto saĂ&#x; eine Frau, die von einem angeheuerten Killer getĂśtet wurde. Unten: Die Polizei ist oft machtlos.

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RED NOTES, NACHRICHTEN, WELCHE DIE ANGST VOR DEN SICARIOS, WIE GIFTIGEN NEBEL DURCH DIE STRASSEN KRIECHEN LASSEN.

Viele Bezirke sind fest in der Hand von Jugendbanden.

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GESELLSCHAFT

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GESELLSCHAFT

Mann mit verkrustetem Blut im Gesicht und geschwollenen Lippen und Augen. „Ein paar Schlägertypen einer Bande haben ihn geschlagen, weil er versucht hatte, sie zu täuschen, und aus Rache wurde seine Familie hingerichtet.“ All das ist ein von ewiger Angst durchzogener Alltag, in dem schon der Weg zum Supermarkt lebensbedrohlich werden kann. Ein Krieg, der zu selten Beachtung findet in den Nachrichten in Europa.

öffentliche Aufmerksamkeit auf diese sozialen Brennpunkte zu lenken. „Es bestürzt mich, wenn nichts gegen diese ausufernde Gewalt unternommen wird und es Menschen gibt, die in einem Zustand permanenter Psychosen zurechtkommen müssen und nicht in der Lage sind, ein normales Leben zu führen.“ Mit zahllosen traumatisie-

Einer der Gründe für Javier, die

Der Friedhof ist überfüllt mit Urnen von Enkelkindern, Kollegen, ganzen Familien.

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renden Bildern im Kopf wurde er am Ende seines Projekts vom Fegefeuer wieder ausgespuckt. Und versucht seitdem, das Gesehene zu verarbeiten. Und zu verbreiten. „Ich habe mit Opfern von Schmerz und Entsetzen, Krieg, Krankheit und leidvollen Jahren gearbeitet. Mein Kopf ist erschöpft von der Ohnmacht, kein Heilmittel in Sichtweite zu sehen. Ich höre nicht auf, diese Geschichten zu erzählen, damit ich sie irgendwann besser verstehen kann. Das hilft mir.“


EIN KRIEG, DER ZU SELTEN BEACHTUNG FINDET IN DEN NACHRICHTEN IN EUROPA. 55


KOLOSSALE FREUDEN TEXT THOMAS GARMS

Blick auf die Fassade im Chalet-Stil und den Outdoor-Pool.

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FLUCHTPUNKTE

WER STUDIEREN WILL, WAS MODERNE LUXUSHOTELLERIE IN DEN BERGEN HEUTZUTAGE WIRKLICH HEISST, WIRD IM THE CHEDI IN ANDERMATT FÜNDIG.

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FLUCHTPUNKTE

D Das Örtchen Andermatt ist auf den ersten Blick nicht das, was man sich unter einer typischen Alpenidylle vorstellt. Bei den Schweizer Militärpflichtigen vor allem als Waffenplatz und Ausbildungsort für Gebirgsjäger bekannt, sollte das ganze Hochtal zwischen 1920 und 1946 sogar mal in einen einzigen Stausee verwandelt werden. Richtig internationalen Glamour brachte eigentlich nur eine Filmszene, die an einer Tankstelle bei Andermatt für den James-Bond-Streifen Goldfinger gedreht wurde. Dann aber kam der Investor Samih Sawiris. Seine Vision: Andermatt im Kanton Uri zum größten Luxusresort der Alpen zu verwandeln. Sechs Hotels mit 850 Zimmern, dazu 500 Ferienwohnungen und 25 Villen, alles auf dem Niveau von vier und fünf Sternen. Im Herbst 2009 erfolgte der erste Spatenstich.

Das bereits fertiggestellte Hotel The Chedi ist sozusagen der Kronjuwel dieses ganzen Projektes. Hier kann man studieren, was moderne Luxushotellerie heutzutage wirklich heißt. Kein anderes Haus in der Schweiz bietet derzeit diesen Ausstattungsstandard. Es wurde alles verbaut, was State of the Art ist, Geld spielte offenbar keine Rolle für den ägyptischen Visionär, der 1957 als Sohn eines reichen Bauunternehmers in Kairo geboren wurde. Dort besuchte er die deutsche Schule, in den 70erJahren studierte er in Berlin Wirtschaftsingenieurwesen, bevor er mit zahlreichen touristischen Großprojekten zum Milliardär wurde. Sein Ziel in den Alpen: Andermatt zum besseren St. Moritz zu machen. Nachvollziehbar ist der Gedanke durchaus, denn der 1.444 Meter hoch gelegene Ort hat einen unschlagbaren logistischen Vorteil: Er liegt ganz in der Nähe der Gotthard-Autobahn, nur ein paar Kilometer von jenem Tunnel entfernt, der die Alpennordseite und die Alpensüdseite miteinander verbindet. Von Stuttgart oder München sind Gäste in vier Stunden vor Ort, während die Fahrt von Mailand nur zwei Stunden dauert. Zeitgenossen aus aller Herren Länder, die sich ein Appartement in Andermatt als sicheren Hafen in der Schweiz zulegten oder noch zulegen wollen, kommen also flott ans Ziel.

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Der Architekt sorgte für eine Mischung aus alpiner Tradition, Natur und asiatischen Stilelementen. Das Design des Chedi legte Investor Sawiris in die Hände von Jean-Michel Gathy, dem es gelang, in dem Bau alpinen Chic mit asiatischen Elementen zu verknüpfen. Dabei sorgte der Architekt für eine gelungene Mischung aus Tradition und Natur. Als Inspiration dienten Chalets und Grandhotels vergangener Zeiten, die das Bild der Schweiz prägten. Gebäudekorpus, Dach und Inneneinrichtung sind der Architektur der Region nachempfunden, auch regionale Materialien und Farben finden sich wieder. Seine ganz persönliche Note verlieh der in Kuala Lumpur lebende Architekt dem Hotel durch seine Liebe zu symmetrischen Linien, ausgewogenen Designs und der Mischung von Effektvollem mit Vertrautem. So ziert die Frontseite des Fünf-Sterne-Deluxe-Hotels wie bei einem traditionellen Chalet eine Holzfassade, die Jean-Michel Gathy aber auf raffinierte Weise modern interpretierte.


Das Haus verfügt über sieben Restaurants und Bars sowie ein Spa- und Wellnesscenter. Allein dieser Wellnessbereich breitet sich auf 2.400 Quadratmetern aus und beherbergt mehrere Pools. Neben dem zwölf Meter langen Außenschwimmbecken und dem 35 Meter langen Innenpool gibt es finnische und Biosaunen, ein Sol-Biodampfbad, einen Hydrothermalpool sowie zehn Deluxe-Behandlungskabinen für kosmetische und therapeutische Anwendungen. Das Fitnessstudio trumpft mit neuesten Geräten von Technogym auf und wie sich das in einem solchen Haus gehört, kann man für die sportliche Ertüchtigung auch auf Personal Trainer zurückgreifen oder sich in freier Natur bei Yogasitzungen oder Wanderungen, Mountainbiking oder Skitouren vergnügen.

Das Herzstück des gastronomischen Angebots bildet The Restaurant, wo in vier Atelierküchen asiatische und europäische Gerichte vor den Augen der Gäste zubereitet werden. Einzigartig in den Schweizer Alpen ist das The Japanese by Hide Yamamoto, das Gästen japanische Köstlichkeiten an der Sushi-/ Sashimi- und Tempurabar bietet. The Wine & Cigar Library verfügt nicht nur über einen Blick über den Courtyard, sondern auch über einen begehbaren Humidor und eine Auswahl bester Weine. Einen spektakulären Akzent setzt der Schweizer Luxustempel auch mit dem fünf Meter hohen, verglasten Käseturm mitten im Restaurant, wo eine schier überwältigende Auswahl von Käsesorten angeboten wird.

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Zur Wahl stehen im The Chedi 100 großzügige Zimmer und Suiten, inklusive der 134 Quadratmeter großen Gemsstock Suite und der 330 Quadratmeter großen Furka Suite. Das Interieur vereint dabei fernöstliche Elemente mit gehobenem, alpenländlichen Stil. Böden aus dunklem Holz, weiche Ledersessel und -sofas, Panoramafenster und Kamine holen die Andermatter Berglandschaft in die gemütlichen Räumlichkeiten.

Der Indoor-Pool ist von Teakholz umrandet. In den Zimmern sorgen Hölzer, Leder, Naturstein und edle Textilien für Behaglichkeit.


FLUCHTPUNKTE

Über Kunstwerke und Holzvertäfelungen mit eingelassenen Bronzelampen hinter dem Bett entstehen einzigartige Blickpunkte. Ein weiteres Highlight ist der heimelige Kamin. Dieser wird durch ein in Leder eingeschlagenes iPad gesteuert, das zu jedem Zimmer gehört und über ein entsprechendes Menü auch Vorhänge, Klima und Sound reguliert. Die Bäder sind mit großen Badewannen, beheizten Natursteinböden und separaten Regenduschen ausgestattet. Die Türen zu den geräumigen Badezimmern lassen sich variabel

verschließen, sodass die Gäste den Raum optisch vergrößern oder ihre Privatsphäre im Bad genießen können. Was den Wintersport betrifft, bietet das als schneesicher geltende Andermatt Möglichkeiten für Ski, Langlauf, Curling und Eislaufen. Der Gemsstock ist als Eldorado der Freerider bekannt. Derzeit noch entwickelt wird die Skiarena Andermatt-Sedrun. Die Planung sieht vor, das Skigebiet Andermatt mit dem Skigebiet Sedrun zu verbinden, sodass dann über 120 Pistenkilometer zur Verfügung stehen werden.

Überall bietet die ARchitektur einzigartige Blickpunkte.

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INFO

The Chedi Andermatt Gotthardstrasse 4 6490 Andermatt, Schweiz Telefon +41 41 888 74 88 Doppelzimmer 490 bis 900 Euro www.ghmhotels.com

Die Bäder bieten jeglichen erdenkbaren Komfort (unten). Der Wohnhalle geben offene Feuerstellen Gemütlichkeit.


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ABENTEUER

Da GEWESEN drin

GEWESEN

TEXT MIRIAM SCHÖNROCK FOTOS THOMAS BUTZMANN

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SURFEN IN QUEENS UND PADDELN AUF DEM BRONX RIVER – DEN TIMES SQUARE BESUCHEN KANN SCHLIESSLICH JEDER.


Miriam und Thomas suchen auf dem East River nach dem besten Blick auf die Skyline.

Selbstverständlich habe ich eine Erklärung parat, wenn mich jemand fragt, warum ich diesen riesigen Koffer als Reisegepäck gewählt habe. Neben meinen ordentlich gefalteten Blazern, die für Cocktailabende reserviert sind, gibt es noch ein ganzes Stück Stauraum. Im Vorfeld erhielt ich von meinem Reisepartner Thomas klare Instruktionen: „Reserviere ungefähr einen Platz von 50 mal 20 Zentimetern. Die Paddel kriegen wir schon irgendwie unter.“ Ich folgte seinen Anweisungen. Am Flughafen Berlin-Tegel übergibt mir Thomas das auf ein Minimum zusammengepresste Packraft – einfach gesagt ein Schlauchboot im Handtaschenformat. Und zwischen meinen Ausgehsachen findet sich sogar noch ein Eckchen für das teilbare Paddel. Das Equipment ist erfolgreich verstaut, sodass wir bestens ausgerüstet zu unserem Outdoortrip in und um New York aufbrechen.

Unser Reisemonat liegt noch mitten in der Hurrikansaison. Das beschert nicht allein ein mulmiges Gefühl, sondern sorgt auch für einen ordentlichen Swell. Am Strand von Rockaway läuft gerade eine saubere Welle. Im A-Train, der die New Yorker aus Manhattan und Brookly n an die Atlantikküste bringt, sind Surfboards dieser Tage keine Seltenheit.

„In Manhattan schauen mich die Leu te trotzdem fragend an, die meisten wissen nicht, dass man hier surfen kan n“, sagt der Student Keith Corrado. Er kommt oft hier raus. Der Fokus ist das Surfen – und zwar nur Surfen. „Ich muss keine Freundschaften am Strand schl ießen“, gibt er zu. „Keine Freundscha ften schließen“ klingt wenig freundlich und auch die Vorabrecherche beim Onlineforecast magicseaweed kün digte einen Spot an, der von wüsten Loc als beherrscht wird. Wüst wirken die Surf er nicht, die wir im Boarders, dem Lad en von Steven, treffen. Sein Geschäft ist nicht nur der Verleih von Brettern, sondern auch das Vermieten von Schließ fächern. „Alle, die ihr Zeug hier unte rstellen, nenne ich Locker-Locals“, sagt er Erster Stopp: Queens. Bereits New York lachend und freut sich über den selb st ist von unglaublich viel Wasser umgeben, kreierten Begriff. Ich leih e mir ein NSP aber die Rockaways, die zum Stadtteil und ignoriere, dass Steven die Abk ürQueens gehören, sind schon fast eine rein- zung mit „No Surf Potentia l“ auflöst. rassige Insel. Diese exponierte Lage wurde den Rockaways jedoch zum Verhängnis, als Hurrikan Sandy an der Ostküste tobte.

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ABENTEUER

Temperaturen Die Sonne scheint, die rad-Marke. Der knacken locker die 20-G t, aber nicht Atlantik drückt bestimm Sandstrand von gewaltig an den langen ngbords, ShortQueens. Softboards, Lo en paddeln die boards – auf allen Größ ine erste SesSurfer auf dem Ozean. Me für mich eine sion in New York. Das ist aufgeregt. große Sache. Klar, ich bin m NSP zum ine Ich arbeite mich mit me ren Surfer und Peak vor, grüße die ande lich zurückgewerde wie selbstverständ g an, nein, es grüßt. Es fühlt sich richti Ich paddle eine ist schlicht fantastisch. gt mit der KaWelle an und Thomas fän n Wipe-out ein. mera einen erstklassige e mit einem Mir ist es egal, ich komm d denke: „Daun Lachen aus dem Meer as nördliEtw gewesen, dringewesen.“ , en werden die cher, direkt an den Klipp geschlitzt , die Wellen von den Jungs hrscheinlich es richtig draufhaben. Wa . ist Keith einer von ihnen

WIR WOLLEN DAS ECHTE LEBEN SEHEN ANSTELLE VON GROSSSTADTGLAMOUR.

schwere Passagiermaschinen. Wir bewegen uns geradewegs auf JFK zu, den größten Flughafen von New York. Die Jamaica Bay trennt das internationale Drehkreuz von unserem beschaulichen Domizil, der Marina. Die Lichter der Landebahn, die riesigen Gebäude und die Flieger lassen uns ehrfürchtig in die Surfen im Big Apple: erledigt – fürs Ferne schauen. Hier sind wir weit entfernt Erste. Thomas wird zappelig. Die von Manhattan, weit entfernt vom Times Packrafts sind immer noch auf MiniSquare, der Fifth Avenue und dem Empire malmaß zusammengerollt. Doch die State Building. Unaufgeregt geben wir uns Gelegenheit für eine Jungferntour in der Industrieromantik hin: große BacksteinNew York ist so nah wie nie. Wir sind bauten zur Rechten, ein Schulbus-Friedhof umgezogen – auf eine Art Hausboot, zur Linken. Nichts anderes wollten wir das ebenso minimalistisch ist wie unsehen: das echte Leben anstelle von Großsere kleinen Boote. Doch diese können stadtglamour. Doch als wir einen Bogen nun endlich ihre ganze Größe entfalten. gen Westen schlagen, rückt der Glamour Unser Refugium, das in einer Marina ein Stück näher. Die Skyline von Gotham von Queens liegt, ist der perfekte City flackert schemenhaft im Dunst der Ausgangsort für unser erstes PackraftDunkelheit. Wir schweben auf den sanfAbenteuer. Thomas, Kayakexperte und ten Wogen der Jamaica Bay und unseren Gentleman, ist immer noch zappelig. ganz eigenen Sehnsüchten. Eine alte Deswegen übernimmt er den Aufbau Hütte in Mississippi-Huckleberry-Finnbeider Boote. Es soll schnell gehen. Es Optik zwingt uns zu einer andächtigen dämmert bereits. Mit einem Nylonsack Pause. Wir sind platt, die Eindrücke fängt er Luft ein, die er durch das Ventil entfalten ihre Wirkung. Leider haben ins Packraft drückt. Die Handgriffe sitzen, wir vergessen, Bier einzupacken. Die der Mann kann es einfach. Mühelos heben Packrafts glänzen prallgefüllt im wir die aufblasbaren Kajaks vom Steg ins Mondschein. An diesem Abend fassen Wasser. „Flach ins Boot einsteigen“, rät wir den Entschluss, unsere Tour im er mir und hält meine Hand. Ich klettere Tageslicht neu aufzulegen. hinein und paddle langsam los. Thomas hat mich schnell eingeholt. Vor uns sehen wir riesige Scheinwerfer, über uns donnern

Miriam vor einer Eisenbahnbrücke auf dem Bronx River.

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Der Morgen lässt uns bereits schwitzen, aber die Wolken hängen wie ein dichter Teppich am Himmel. Am Tag sehen wir das, was in der Nacht verborgen blieb. Die Flugzeuge ziehen weiter ihre Bahnen über uns, aber die Vögel der Jamaica Bay kreuzen nun auch unseren Weg. Irgendwo zwischen den Rockaways, der Marina und dem JFK befindet sich ein großes Vogelschutzgebiet. Da ist sie: die Natur mitten in der großen Stadt. Es ist diesig, aber wir sehen die Cross Bay Bridge in einer Entfernung, die zu bewältigen ist. Wir kennen die Brücke, schließlich verbindet sie die Rockaways mit dem Rest von New York. Obwohl wir beschlossen haben, den A-Train zu hassen, lieben wir es, wenn die silbernen Wagons über die Schienen donnern. „Drunter durch“ ist das erklärte Ziel.

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Von weitem ahnen wir bereits, das s wir mit ein wenig Strömung rechnen müssen – insbesondere auf dem Rückweg. Zunächst heißt es, sich treiben lassen, nach oben schauen, staunen. Die Züge rattern weiter, doch warte, der Zugführer blickt zu uns hinunter und winkt. Welcome to New York. Auch die übrigen Insassen scheinen uns und unsere Boote immerhin eine s Blickes zu würdigen. Ein bisschen Stolz keim t in uns auf: Kajaks sind hier wohl eher die Selt enheit. Kurze Pause inklusive Lagebesprechung, bevor wir uns auf die Rücktour machen. „Wenn die Strömung zu stark ist, nehmen wir das Boot einfach auf den Rücken und laufen zurück“, meint Thomas. Klar, so einfach ist das eben auch mit den Packrafts. Doch dank Ehrgeiz und immenser Paddelpower müssen wir das Wasser nicht verl assen.

Oben: Miriam unter den Brücken der Bronx. Mitte: Nachwuchssurferin am Beachbreak in Queens.


ABENTEUER

Letzte Ruhestätte für Schulbusse.

hier. Mal wieder. Links von uns die Broo klyn Bridge, rechts die Manhattan Bridge und wir denken einfach nur so „yeah“. Als wir die Packraf ts langsam über die Findlinge Richtung East Rive r rutschen lassen, spüren wir neugierige Blicke in unserem Die Packrafts ziehen genauso oft um wie wir. Sie Rücken – und das Blitzen einer Kam era. Auf dem machen einen kleinen Zwischenstopp bei unserem Wasser sehen wir einen fernöstliche n Mönch, der Freund im East Village, bevor sie sich mit uns in seine Hand am Auslöser hat. Kurz orie ntieren wir Brooklyn häuslich niederlassen. Auch in Brooklyn uns, benennen die Brücken und lass en die Skyline ist das Wasser nicht weit. Mit Rucksack, Paddel und noch einmal auf uns wirken. Da ist sie nun, ganz Wechselklamotten geht es in den L-Train, einmal unmittelbar vor uns. Um uns herum cruisen die umsteigen und ein paar Minuten später springen wir Ausflugsboote des East Rive rs, die Wasserschutzpoan der Manhattan Bridge an die Oberfläche. Wir spa- lizei und wir eben so irge ndwie mittendrin. Wir sind zieren durch Dumbo (Down Under the Manhattan wagemutig, aber nicht waghalsig. Tho mas möchte Bridge Overpass), schlängeln uns durch Touristen den Fluss überqueren, ich kneife. Tho mas ist ein und den Main Street Park. Menschen essen StreetGentleman und waghalsiger, als ich dachte. food und trinken Kaffee, wir legen unsere Boote neben eine Parkbank und lassen Luft ein. Ein Hinweisschild bestätigt, dass Kayaks hier eingesetzt werden dürfen. Dennoch sind wir heute die einzigen Paddler

Links: Familien und Surfer an Rockaway Beach. Rechts: Boards bekommt man bei Steven Stathis.

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Natter durch den flachen, aber schnellen Fluss ein all schlängelt, beobachte ich ihn genau. Bei mir g Ta n ste ch nä Er zieht es am en öm str muss das ebenso gut klappen. Wieder einmal ein g rzi he rm durch. Bei unba er, ckt rrü haben wir Beobachter. Gerade noch sind wir Ve ein wie er der Flut paddelt r Pie n verzückt von der Flora und Fauna des Flusses, de l, Zie n verfehlt dennoch sei s de k uc doch einige Meter weiter präsentiert sich die Dr r De . 15, um fast 400 Meter Auch im Bronx River geraten lyn wir ok Bro Bronx so, wie wir man sie aus hetzerischen e Di . Wassers ist zu mächtig vor die eine oder andere m Linse. zu Die er ass Zeitungsartikeln kennt. Wild und gefährlich. hrw Bridge bietet ihm ein Ke böse Bronx sieht an der 219. d Straße an Str Bärtige und finster dreinblickende Männer iner Verschnaufen an, ein kle ganz lieblich aus. Dort lassen wir eg ckw angeln in dem dunklen Sud, der an dieser Rü n De st. Ra e dahinter ein unsere Packrafts zu Wasser. Der ng, eru mm Stelle scheinbar mehr chemische Zusätze Dä i be on sch startet er dann Bronx River mutet an dieser Stelle t ech elr reg hat, als uns lieb ist. Die Angel wird kurz aus r hie gt flie doch die Sonne eher wie ein beschauliches Bächlein ft mp kä der Hand gelegt, um ein Foto von uns zu aft ckr Pa gen Horizont. Sein an, aber unsere Paddeltour ist nicht rwa sch f machen. Der Ausflug fängt an, ein wenig au cks als schummriger Kle ausschl ießlich gemütl ich. . Extrem eit elh unbehaglich zu werden. Plötzlich verspernk zen Wogen gegen die Du flaches Wasser und umgest s ürzte an Bäume bis ren Schwimmausleger unseren Weg und ich Doch sein Grinsen sehe unterbr echen unsere . Fahrt. bst Wir hieven sel er wir entschließen uns, auszusteigen. Riv Ufer, breiter als der East die Boote an Land – mühelos. Beschwergt, fän ab ihn e lic Po ur rbo Dass die Ha licher ist jedoch der Fußmarsch durch Die Wasserbassins im Central Park r kurz. Nach unterbricht den Spaß nu eine nennenswerte Ansammlung von ht Lic r. ite we dürfen wir nicht befahren. Wir sprechen er rf da einer Ermahnung Präservativen. Wir ekeln uns nur kurz, il. rte Vo einen Officer an und der sagt „No“. n vo r am Boot ist auch hie denn hinter der nächsten Kurve empin Ma m de Gesetzesfürchtig sind wir. Aber Thomas r vo t An der kleinen Buch fängt uns der Bronx Botanic ten al Garden tes sag ge kann bouldern – und das inmitten des an Street Park, einem der und es wird wieder lieblich , . Künstli en che ist ch Indian Summers. tis Fotospots für Skyline-Fe Wasser fälle zwinge e n uns, en erneut an mm Land lko wil landet er wieder an. Als zu gehen. Als wir uns langsam auf den h. Diese Reise wurde unterstützt von dem lic tür na ng zu Motivergän Bronx Zoo zu bewegen, wähnt Thomas die Unternehmen Packraft ing-Store in Leipzig erste Chance, in den Genuss von ein wenig www.packrafting-store. de Wildwasser zu kommen. Als er sich wie eine

ANGELN IN DEM DUNKLEN SUD.

Unten: Thomas auf dem East River. Oben: Hausbootromantik in Queens.

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EROTIK

ROGER SCHÜEBER, EHEMALS EINER

AUS LIEBE ZUM DETAIL

DER BEKANNTESTEN RAPPER AUS DER SCHWEIZ, HAT SEINE LIEBE FÜR DIE FOTOGRAFIE ENTDECKT. BESONDERS GERN SETZT ER TÄTOWIERTE SCHÖNHEITEN IN SZENE.

Eigentlich arbeitet der sympathische Schweizer erst seit zwei Jahren ernsthaft mit der Kamera, hat dabei aber schon eine steile Lernkurve hingelegt. Ehemals Musiker und von Hauptberuf Kommunikationsfachwirt, kam Roger Schüeber über einen Kurs bei dem bekannten People- und Aktfotograf Sacha Leyendecker zu seiner neuen Leidenschaft. „Der Workshop bei Sacha war ein einschneidendes Erlebnis für mich“, sagt Roger, „und dann ging alles eigentlich recht schnell.“ Über seine Facebook-Community kam er immer intensiver in Kontakt mit Frauen, die gern Modell stehen und sich vor allem durch eines auszeichnen: wunderschöne Tattoos. „Ich bin selbst tätowiert“, verrät der 34 Jahre alte Künstler, „und habe dadurch einen starken Bezug zu Body Art.“ Er teilt sich mittlerweile ein Studio mit der Fotografin Janine Küffer in Rapperswil Jona. Häufig fotografieren die beiden sogar die gleichen Modelle. Der Spaßfaktor stünde

bei seiner Arbeit mit der Kamera im Mittelpunkt, verrät Roger. „Jeder ist selbst dafür verantwortlich, dass ihm seine Arbeit gefällt. Darum mein Motto: Wähle jeden Tag deine Einstellung.“ Sein Ziel beim Fotografieren sei es, zusammen mit dem Model und der Visagistin oder dem Visagisten ein Bild zu erstellen, das träumen lässt. „Mit den Bildern sollen Gefühle erweckt werden, die einen fesseln – und ich spreche nicht von ‚50 Shades of Grey‘ “, sagt Roger. „Jedes Shooting sehe ich als ein eigenes Projekt, wo jede Partei gleich viel einbringt und am Ende alle etwas davon haben sollten.“ Er ist felsenfest davon überzeugt, dass ein wirklich schönes Bild nur aus Teamarbeit entsteht. Rogers Motto: „Folge deinem Herzen, folge deiner Passion und deine Wünsche gehen in Erfüllung.“

FOTOS ROGER SCHÜEBER TEXT THOMAS GARMS 68


DANI ELA Daniela, 22 Jahre alt, Verkäuferin Interessen: Sport, gut essen gehen, mit Freunden ausgehen, zu Hause chillen Tattoos: Das erste Tattoo mit 17 Jahren war das Pin-up von Schneewittchen, meinem Lieblingsmärchen. Mittlerweile sind es 13. Die meisten haben keine Bedeutung, außer dem Namen meiner Schwester und einem GemeinschaftsTattoo mit meiner Mum und meiner Schwester.

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Jana, 27 Jahre alt, Gastronomin

JANA CATWING

EROTIK

Interessen: Modeln, mein Hund, Sport und alles, was schön ist Tattoos: Hin und wieder hat ein Tattoo für mich eine Bedeutung, die behalte ich aber meist für mich, da es dann sehr persönliche Dinge sind. Mir gefallen Tattoos einfach, ist mein Ding, mein Sinn für Schönheit, mein Schmuck.

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Interessen: Malen, Lesen, Tattoos Tattoos: Im Grunde haben die meisten eine Bedeutung. Die Wade steht für meine Familie: mit deren Anfangsbuchstaben verewigt in meiner Haut. Der Text auf meinem Arm ist für meinen Großvater. Es handelt sich um sein Lieblingsgedicht. Dieses stand auch auf seiner Todesanzeige. Der Schriftzug auf meinem Dekolleté steht für eine schwere Zeit in meinem Leben, da hat mich dieses Lied immer begleitet. Was es auch heute noch tut.

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LIA WILLOW

Lia, 23 Jahre alt, Industrielackiererin


EVILLA D ARK

EROTIK

Evilla, 34 Jahre alt , Arzthelferin

Interessen: Irgendwie müssen meine Interessen für andere nach grauem Mäuschen riechen. Darunter findet man Dinge wie Zocken (PS4, am liebsten Ego-Shooter oder auch mal GTA) und seit Neustem habe ich das Häkeln sowie Yoga für mich entdeckt. Ansonsten sterbe ich für gutes Essen jeglicher Art. Am liebsten verbringe ich meine Zeit mit meinem Freund, unseren zwei katzigen Fellnasen sowie mit unseren Freunden – ein Feierschwein bin ich so gar nicht und auch noch nie gewesen. Tattoos: Es gibt zwei Tattoos, die eine tiefere Bedeutung haben – da wäre einmal das Porträt meines verstorbenen Opas auf dem rechten Schienbein sowie die auf meinem linken Oberarm, die meinen verstorbenen Großeltern gewidmet sind. Der Rest hat nicht unbedingt eine Bedeutung, sind halt Motive vertreten, die mich seit frühester Kindheit begleiten wie beispielsweise „Star Wars“ oder „Mary Poppins“.


Interessen: Ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und meine Wandlungsfähigkeit vor der Kamera zu zeigen. Tattoos: Die meisten meiner Tattoos haben keine wirkliche Bedeutung, gefallen mir einfach. Natürlich aber sind wichtige Menschen wie meine Kinder, Eltern und Großeltern auf meinem Körper verewigt.

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JACKY VANINK

Jacky, 31 Jahre alt, auf dem Weg zur Selbstständigkeit als Tätowiererin


Kristin, 26 Jahre alt, Assistentin der Geschäftsführung in einem Onlinevertrieb Interessen: Modeling, Fotografin, Visagistin (also alles, was mit Fotografie zu tun hat – sowohl hinter als auch vor der Kamera), gemütliche Abende zu Hause mit meiner Familie (zwei Kinder) Tattoos: 80 Prozent meiner Tattoos beschreiben irgendwie mein Leben oder mich, ein kleiner Teil davon ist jedoch auch entstanden, weil mir das Motiv an sich gefallen hat und mein Tätowierer die Umsetzung einfach perfekt macht.

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KRISTIN BECK

EROTIK

Mehr Infos über Roger Schüeber unter www.snapshooter.ch


Brutalgut TEXT ALEXANDRA DINTER ENTWÜRFE UND VISUALISIERUNGEN LOOM DESIGN UND OPA

THEORETISCH BRÄUCHTE MAN EINE VILLA MIT MEERBLICK NICHT AUF DIE FELSEN BAUEN, SONDERN KÖNNTE SIE AUCH EINFACH HINEINSPRENGEN.

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VISIONEN

Ü

berall Wasser. Draußen und drinnen, oben und unten, an den Wänden und beim Blick in die Ferne. Casa Brutale ist die futuristisch-raue Fantasie einer Villa – mit kleinem Freibad auf dem Dach und Standort direkt an der Küste der Ägäis. Das Panorama auf die scheinbar unendliche Weite der See wird auch im Innenraum durch nichts gestört. Die vollverglaste Vorderseite erlaubt ungehindertes Staunen. Helligkeit fließt dabei tagsüber auch von der Decke, ein bläulich gebrochener Lichtschein. Es scheint, als stünde man am Grund eines riesigen Aquariums. Tatsächlich befindet sich das Wohnzimmer der Traumvilla wortwörtlich unter Wasser, denn die ebenfalls vollverglaste Decke gibt den Blick auf das darüberlegende Poolbecken frei. Wenn Schwimmer hier ihre Bahnen ziehen, werfen sie ihre Schatten auf das Interieur und es sieht aus, als würden sie durch den blauen Himmel schweben.

Brutaler Eingriff in die Landschaft: Für den Bau müsste ein großes Stück aus dem Stein gesprengt werden. In herrlichem Kontrast zur wogenden Schwerelosigkeit des Wassers steht das zweite Element, das den Entwurf dieses eindrucksvollen Bauwerks bestimmt: das Statische, das Raue – Fels und Beton. Die griechischen Designer verfolgen den Plan, das Haus direkt mit der Steilküste zu verschmelzen. Deshalb setzten sie ihr Gebäude nicht auf, sondern direkt in den Fels hinein. Inspiration und Orientierung bot den Visionären dabei die Villa Malaparte, eine Architekturikone, die seit den 1940ern über der Küste von Capri thront, und natürlich das kulturelle Erbe der Region. Die Bauten der Lykier beispielsweise, die man heute noch am Beispiel der Felsgräber von Myra besichtigen kann. Das Unendlichkeitsgefühl auf die Spitze getrieben: Pool und Balkon liefern spektakuläre Eindrücke.

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VISIONEN

Natürlich hat so ein Baugrund direkt an der Kliffkante immer auch etwas Bedrohliches. Nicht nur die Höhe, auch die unmittelbare Nähe zur See ist so kompromisslos direkt, dass es einem schwindeln möchte. Auch zum Gang auf den Balkon gehört schon eine gewisse Abenteuerlust, denn genauso wie der Pool ist er mit einer Infinity-Glasumrandung versehen. So viel Weite (v)erträgt nicht jeder. Die sichtbaren Materialien des provokanten Entwurfs sind von ausgesuchter Unterschiedlichkeit. Kleine Details

aus rötlichen Hölzern und schwarzen Stahlelementen unterstreichen die Komposition aus Glas und Beton. Letzterer dominiert nicht nur die Baukonstruktion, sondern auch die Innenarchitektur von Casa Brutale. Entgegen der exquisiten, ja fast schon exzentrisch zu nennenden Lage ist das Interieur des Domizils auffallend schnörkellos. Kuben, Streben und Wände aus Sichtbeton spiegeln die klaren Strukturen der Fassaden. Abgemildert und belebt wird die kahle Brutalität dieser rauen Oberflächen nur durch das Spiel von Licht und Wellen.

Die Komplettverglasung der Seeseite schafft eine atemberaubende Aussicht.

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50 Treppenstufen – oder alternativ der Aufzug – führen Besucher zur Eingangstür und somit in das Innere der Klippen hinein. Vermutlich lenkt hier der gigantische Ausblick zunächst mal von den restlichen Wohnaccessoires ab, jedoch sollte man den holzverkleideten Betonbänken, dem Tisch und der in die Wand eingelassenen Feuerstelle ebenfalls Beachtung schenken, machen sie das Bauwerk doch erst zu einem Wohnraum. Ebenso die anderen Räumlichkeiten. Das Gästezimmer ist mit einer Glasecke abgetrennt, ein kleiner Gang


Holz, Glas, Stahl und Beton: kein Schnickschnack im Interieur, stattdessen Konzentration auf Grundlegendes.

zum Ausdruck: „Wir lieben es, cooles Zeug, atemberaubende Gebäude und inspirierende Bilder zu erschaffen. Und wir machen das gut, denn das Leben ist zu kurz für Designs, die die Menschen bald vergessen haben.“ www.opaworks.com führt zu Bad, WC und Abstellraum. Die Küche befindet sich unterhalb der Stahltreppe, deren schlanke Stufen den Blick auf die Glasfront zulassen und gleichzeitig sicheres Geleit in die obere Etage versprechen. Hier, leicht nach hinten versetzt, befindet sich das Schlafzimmer. Ob das Unterwasserambiente des Schwimmbeckendaches für die nächtliche Ruhe förderlich ist? Eigentlich egal, hat man sich mit so einer Luxusvilla den eigenen Wohntraum doch bereits erfüllt. Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine Garage. Dafür aber genug Platz für einen angrenzenden Hubschrauberlandeplatz.

Will man von aussen einen Blick in die villa werfen, müsste man schon mit dem helikopter vorbeifliegen.

Noch ist die Villa im Fels leider nicht viel mehr als eine Idee. Das Gesamtkunstwerk wurde auf der 2014 gegründeten Plattform OPA (Open Platform for Architecture) veröffentlicht, deren Initiatoren Laertis Antonios Ando Vassiliou und Pantelis Kampouropoulos gleichzeitig auch die treibende Kraft hinter dem Projekt sind. Die Intention ihrer Arbeit bringen die beiden Griechen mit deutlichen Worten

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Alles fließt! FOTOS MARCO KNOPP

HERAKLITS GRUNDGESETZ VOM EWIGEN WANDEL. WEIL WIR SEKUNDE AUF SEKUNDE MESSEN, GLAUBEN WIR ZU WISSEN, WAS SIE IST – DIE ZEIT. UND SIND AUF DER SUCHE NACH ETWAS VON BESTAND.

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ZEIGER

TAG HEUER CONNECTED

Auf den ersten Blick ein echter Chronograf aus Titan mit einem Durchmesser von 46 Millimetern. Auf den zweiten Blick die erste Luxus-Smartwatch der Welt mit Intel Inside und Android Wear. Zur Markteinführung kann man zwischen drei digitalen Zifferblättern wählen, die hinsichtlich des Designs der Carrera-Kollektion von TAG Heuer entsprechen. Mit der TAG-Heuer-App aus dem Google Play Store können dann in Kürze weitere Varianten ausgewählt werden. Audio-Streaming, Bluetooth und Wi-Fi ermöglichen es den Nutzern, das komplette Spektrum an Funktionen auszuschöpfen, das das Betriebssystem Android Wear bietet. Die Smartwatch hat vier Gigabyte Speicherplatz und soll einen vollen Tag Akkulaufzeit haben. Weitere Features sind ein Mikrofon zur Kommunikation via GoogleSprachsteuerung, ein Touchscreen aus Saphirglas und eine Krone bei drei Uhr, die die Steuerelemente beherbergt. 1.350 Euro. www.tagheuer.com

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ZEIGER

OMEGA SEAMASTER AQUA TERRA GOODPLANET

Die Seamaster Aqua Terra 150 M GoodPlanet GMT ist eine Hommage an die erfolgreiche Zusammenarbeit von OMEGA und der GoodPlanet-Stiftung. Einen Teil der Verkaufserlöse dieses Modells spendet OMEGA an ebenjene Stiftung. Das Gehäuse hat einen Durchmesser von 43 Millimeter und ist genauso wie das Armband aus Titan. Angetrieben von dem OMEGA Master Co-Axial Kaliber 8605 hat das Automatikuhrwerk eine Gangreserve von 60 Stunden. Durch das gewölbte, kratzresistente und beidseitig antireflektierende Saphirglas sieht man das weiß lackierte Zifferblatt mit applizierten blauen Indizes und eine 24-StundenSkala auf dem Minutenring. Der zentrale gebläute GMT-Zeiger ermöglicht die Anzeige der Uhrzeiten zweier Zeitzonen. Dank einer Wasserdichtigkeit von 15 Bar ist die Uhr bis zu einer Tiefe von 150 Meter einsetzbar. 8.900 Euro. www. omegawatches.com

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G-SHOCK MRG-G1000

Perfekt für den aktiven Mann: Die neue MRG-G1000 ist dank des extrem robusten, doppelt beschichteten Titangehäuses nahezu unzerstörbar. Das Armband und das Gehäuse sind durch die „Diamand Like Coating“Beschichtung kratzfest und widerstandsfähig. Damit reiht sich auch die neue hochwertige G-SHOCK in die Familientradition ein, die bei Casio mit dem „Triple 10“-Konzept beschrieben wird. Das steht dafür, dass jede G-SHOCK einen Sturz aus zehn Metern Höhe überstehen, zehn Bar Wasserdruck aushalten und mit nur einer einzigen Batterie eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren haben muss. Mit der Hybridtechnologie verwendet die MR-G neben Funk- auch GPS-Signale zur exakten Uhrzeitbestimmung – überall auf der Welt. Entspiegeltes Saphirglas garantiert stets beste Sicht auf Uhrzeit und Daten, vor allem in Verbindung mit der SuperIlluminator-Zifferblattbeleuchtung. 2.600 Euro. www.g-shock.eu

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BALL ENGINEER HYDROCARBON NEDU

Die Engineer Hydrocarbon NEDU ist die erste Taucheruhr der Welt mit in die Krone integriertem Heliumauslassventil. Namensgeber ist die „United States Navy Experimental Diving Unit“, kurz NEDU, eine Einheit der US-amerikanischen Marine, die für die Einführung operativer Richtlinien für Tauchgänge und Dekompression für die USamerikanischen Streitkräfte verantwortlich ist. Jeder einzelne Aspekt dieses Zeitmessers wurde im Hinblick auf seinen Einsatz im Rahmen von professionellen Tauchgängen genauestens durchdacht und konzipiert. Die ergonomischen Konturen der Lünette aus reiner Keramik in verchromtem Schwarz, was sie äußerst widerstandsfähig gegen Korrosion, Kratzer und UV-Strahlen macht, erlauben dank intensiver Leuchtfarbe einfachste Bedienung auch in dunkelstem Nass. Dank der robusten Konstruktion des Gehäuses (17,3 Millimeter Höhe, 42 MillimeterDurchmesser) wird eine Dichtigkeit bis zu einer Tiefe von 600 Metern garantiert. 4.190 Euro. www.ballwatch.com

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ZEIGER

EDOX CHRONOFFSHORE-1 CHRONOGRAPH

Die Geschichte von EDOX geht auf das Jahr 1884 zurück. Da schenkte der talentierte Uhrmacher Christian RuefliFlury seiner Frau eine eigens angefertigte Taschenuhr zu ihrem 25. Geburtstag. Sie überzeugte ihn, sich selbstständig zu machen, und kurze Zeit später gründete er seine Firma EDOX in Biel in der Schweiz. 131 Jahre später ist die hier vorgestellte Uhr die bevorzugte Variante des ProfiPowerbootfahrers Pal Virik Nilsen. Sie hat einen Durchmesser von 45 Millimetern und ist in den Farben Gold und Schwarz sehr stylish gehalten. Die Lünette ist aus Keramik, das Gehäuse 13 Millimeter dick. Eine Wasserdichtigkeit wird bis 500 Metern garantiert. Angetrieben wird die Chronoffshore-1 Chronograph vom EDOX Caliber 102. 1.490 Euro. www.edox.ch

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REPORTAGE

Bianca Figueiredo beteiligte sich mehr als hundert Tage an der dramatischen Verfolgung von Piratenfischern – dabei durchquerte sie drei Ozeane und ließ ihre Hochzeit platzen.

DER KAMPF UM DEN FISCH FOTOS EVGENY MAKAROV TEXT RENAN DISSENHA FAGUNDES

Sieg über die illegalen Fischer: Deren Schiff „Thunder“ geht unter.

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E

Bianca (rechts) mit Kollegen aus der Crew vor den Färöer-Inseln.

Ende Februar an Bord der „Sam Simon“, die unterwegs war im Indischen Ozean, musste die Biologin Bianca Figueiredo eine folgenschwere Entscheidung treffen. Soll sie nach Australien zurückkehren, wo alles auf sie wartet – Bräutigam, Kleid, Einladungen und Hochzeit – oder weiter auf See bleiben, auf der Jagd nach einem illegalen Fischfangschiff namens „Thunder“ entlang der Küste von Afrika? Zwei Monate vorher herrschen fast 40 Grad Celsius, als die „Sam Simon“, eines der beiden Schiffe der Umweltorganisation Sea Shepherd, die Jagd nach illegalen Fischern begonnen hatte, die in internationalen Gewässern

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unterwegs auf Beutezug waren, um gefährdete Riesen-Antarktisdorsche und Schwarze Seehechte zu fangen. Die kämpferischen Meeresschützer, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten geschützter Tiere in den Weltmeeren zu beenden, waren zu dieser Zeit auf dem Weg nach Mauritius, um dort neuen Kraftstoff zu bunkern und an Interpol Beweise gegen Wilderer abzuliefern, verbotene Netze etwa, die die Crew in den eisigen Gewässern der Antarktis gefunden hatten. Die „Bob Barker“, das andere Schiff der Umweltorganisation, jagte die Wilderer bereits seit mehr als zwei Monaten.


REPORTAGE

„Es kam zur Trennung und das war sehr schwierig“, sagte Bianca, als sie vergangenen Monat an Bord der „Bob Barker“ in Bremen Station machte. Man wollte sich dort für eine Kampagne vorbereiten gegen die Jagd auf Wale bei den Färöern-Inseln. „In diesem Moment dachte ich, mein Privatleben ist nicht so wichtig wie das, was ich hier mache.“ Zu dieser Zeit entschied der Kapitän der „Sam Simon“, ein 32-jähriger Inder namens Siddharth Chakravarty, dass sie diese Expedition von jetzt an zusammen mit den Kollegen von der „Bob Barker“ erfolgreich zu einem Ende bringen wollten. Bianca wurde klar, dass genau das durchaus länger dauern könnte. Die „Thunder“, seit 2013 auf der Fahndungsliste der Behörden, hatte Kraftstoff an Bord, um mindestens weitere drei Monate auf See bleiben zu können. Die Entscheidung fiel nicht leicht. Während dieser Zeit mitten im Ozean, Teil eines Teams von anderen Freiwilligen aus der ganzen Welt, hatte die Mission für Bianca immer größere Bedeutung bekommen. Sie bat Kapitän Chakravarty um Erlaubnis, das Satellitentelefon nutzen zu dürfen, und rief ihren Vater in Brasilien an. Thema war ihre Hochzeit, die am 2. Mai stattfinden sollte. Der Vater bestärkte Bianca in ihrer Entscheidung, auf dem Schiff zu bleiben.

DIE FISCHE WERDEN ZU SPERRZEITEN, IN SCHUTZGEBIETEN ODER MIT VERBOTENEN GERÄTEN GEFANGEN.

Ursprünglich war Bianca am 8. Dezember 2014 vom neuseeländischen Wellington aus gestartet, in der Annahme, sechs Wochen später wieder nach Hause zu kommen und dann zu heiraten. Solange sollte die Arbeit auf See dauern. Doch sie konnte damals nicht ahnen, dass dies der längste Einsatz in der Geschichte von Sea Shepherd werden würde. Die Entscheidung, als Schwerpunkt der Mission den Schutz des Schwarzen Seehechts zu wählen, entpuppte sich für die Aktivisten gewissermaßen als Glücksfall mit erfolgreichem Ausgang. Üblicherweise kämpfte Sea Shepherd in der Antarktis gegen den Walfang, der in einigen Ländern noch legal ist.

„Damals waren sechs illegale Schiffe in der Antarktis unterwegs“, berichtet Bianca. „Unsere Idee war, dorthin zu fahren und zu sehen, was wir vorfinden.“ Die junge Aktivistin steckt tief im Thema. Sie weiß, dass die illegale, nicht regulierte und undokumentierte Fischerei (IUU-Fischerei) schon lange ein großes Problem ist. Fische werden mit unerlaubtem Fanggerät, zu Sperrzeiten oder in Schutzgebieten gefangen. Oder es werden Fischarten gefangen, für die der Fischer keine Lizenz hat, oder mehr Fische, als ihm erlaubt ist.

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Weltweit wird der Umsatz aus IUUFischerei auf über zehn Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Insbesondere in den Gewässern von Entwicklungsländern und vor allem in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara grassiert die illegale Fischerei. Hier fehlt es an Mitteln und Ausbildung, um die Fischerei vor der eigenen Küste in ausreichendem Maß zu kontrollieren. Der Verlust durch IUU-Fischerei beläuft dort sich auf bis zu 800 Millionen Euro im Jahr. Die Piratenfischer umgehen internationale Fischereiabkommen, indem sie ihre Fangschiffe in Billligflaggenländern registrieren lassen oder ganz ohne Flagge, Länderkennzeichen und Namenszug fahren. Das Fischen von Schwarzen Seehechten beziehungsweise Tiefsee-Kabeljau hatte erst in den 70er-Jahren begonnen: In der Spitze holten die Schiffe der Piratenfischer mit rund 55 Schiffen jährlich etwa 32.000 Tonnen Schwarzen Seehecht illegal aus dem Ozean. Das war im Jahr 1997.


Die Abmachung zwischen den Schiffen von Sea Shepherd lautete so: Im Falle, dass die Piratenfischer gefunden werden, sollte die „Bob Barker“ diese verfolgen, während die „Sam Simon“ die Aufgabe bekam, die illegalen Gerätschaften als Beweis einzusammeln. Am 17. Dezember, dem Tag, an dem die „Bob Barker“ die „Thunder“ endlich erspäht hatte und die Verfolgung aufnahm, bekam die „Sam Simon“ die Position der Bojen. Als das Schiff dieses Ziel zehn Tage später erreichte, waren die Netze noch da. Das große Bergen begann. „Die Arbeit war extrem mühselig“, erinnert sich Bianca. „Es schneite fast

die ganze Zeit und es gab Treibeis.“ Die Fischernetze seien schwerer als erwartet gewesen und hätten mehrmals das Bergungsgerät beschädigt, das für Lasten von maximal 4,5 Tonnen ausgelegt war. Ursprünglich war die Crew der Hoffnung, dass 24 Stunden ausreichen würden, um mit allem fertig zu werden. „Wir hatten einen verrückten Arbeitsrhythmus. Vier Stunden schlafen, vier Stunden arbeiten“, erzählt Bianca. Doch diese Aufgabe erwies sich komplizierter als erwartet. Um die ersten Fischernetze aus dem Meer zu ziehen, brauchten die Aktivisten volle fünf Tage. Die gesamte Arbeit nahm am Ende vier Wochen in Anspruch. Neben dem Gewicht der Netze, der beständigen Spannung auf den Seilen und dem heftigen Wetter, hatten sich zahlreiche Krebse in den Maschen verfangen und die Mannschaft wollte die Tiere nicht durch die Arbeiten erdrücken. Bianca gehörte zu denen, die für die Befreiung der Königskrabben eingeteilt war.

Die Fische hatten nicht so viel Glück: von 1.080 gefangenen Seehechten war nur noch einer am Leben. Die meisten Tiere befanden sich schon in einem fortgeschrittenen Stadium der Verwesung. Diejenigen, deren Körper noch intakt waren, wurden von Bianca und einer tierärztlichen Kollegin analysiert. Viele waren weiblich. „Sie waren voll mit Eiern und das hat mich am meisten schockiert“, sagt die brasilianische Biologin. Irgendwann, so sagt Bianca, war sie in einer Art Taumel, der sie die Müdigkeit nicht mehr spüren ließ. „Die vier Stunden, die wir frei hatten, nutzen wir zum Essen und für Körperhygiene.“ Für das Schlafen selbst blieben gerade mal zwei Stunden übrig. „Wir holten 72 Kilometer Netz aus dem Meer, mit fast 50 Tonnen Seehecht sowie zahllosen anderen Arten von Fischen und Schalentieren.“

Oben: Der junge indische Kapitän der „Sam Simon“ Siddharth Chakravarty mit einem Kollegen auf seinem Schiff.

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REPORTAGE

Die 31 Jahre alte Bianca studierte Biologie an der Katholischen Universität in ihrer Heimatstadt Campinas und engagierte sich schon früh für den Umweltschutz. So beteiligte sie sich schon während des Studiums an einem Delfinprojekt im Amazonas und half in einem Rehabilitationszentrum für wilde Tiere in Jundiaí mit. „Das habe ich sehr genossen, aber ich dachte immer, ich müsste mich eigentlich noch weiter aus meiner Komfortzone hinausbewegen“, erinnert sie sich. Im Jahr 2006, nachdem sie das College abgeschlossen hatte, zog Bianca nach Ilhabela. Dort knüpfte sie die ersten Kontakte mit Sea Shepherd, vermittelt durch Freunde. 2012 nahm sie den Vorschlag einer Freundin an und zog nach Australien um. Dort besuchte sie die Universität, schloss neue Freundschaften, reiste nach Neuseeland. Und sie traf dort die Sea-Shepherd-Organisation in Byron Bay.

An Deck der „Sam Simon“ beim Bergen der Netze. Unten: Bianca befreit eine Königskrabbe, die sich in den Netzen verfangen hatte.

Als Freiwillige sammelte Bianca Geld und half mit Informationsstände der Organisation aufzubauen. Im Jahr 2013, als die Walkampagne der Organisation einen Höhepunkt erreichte, gab es mehrere Kollisionen zwischen den Schiffen von Sea Shepherd und japanischen Walfängern. Die Boote mussten zur Reparatur zurückkommen und Bianca bewarb sich per E-Mail als Freiwillige für einen Monat Arbeit an Bord. Sie bekam den Job und machte sich auf dem Weg nach Melbourne (1.500 Kilometer entfernt), nur mit einem Rucksack. Bianca heuerte auf der „Sam Simon“ an, dem neuesten Flottenmitglied der Gruppe. Das Schiff hatte man im Jahr 2012 der japanischen Regierung heimlich abgekauft, finanziert von Sam Simon (einer der Schöpfer der Serie „Die Simpsons“), um Walfänger zu stellen. Bianca durfte ihren Aufenthalt immer weiter verlängern. Das Mitmachen bei der Jagd nach der „Thunder“ war damit nur noch einen Schritt entfernt.

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BIANCA ENGAGIERTE SICH SCHON FRÜH IM UMWELTSCHUTZ, UNTER ANDEREM BEI EINEM DELFINPROJEKT IM AMAZONAS.


Blick unter das Deck der „Sam Simon“, eines der Schiffe, mit dem die Umweltorganisation Sea Shepherd gegen den illegalen Fischfang auf den Weltmeeren kämpft.

Zurück zum Februar 2015: Nach dem Bergen der Netze bekam die Crew der „Sam Simon“ Meldung, dass sich drei weitere illegale Schiffe in der Nähe befanden. Recht bald entdeckten sie zwei Trawler: die „Kunlun“ und die „Yongding“. Die „Yongding“ griff an. Sie stellte sich vor der „Sam Simon“ quer. Der Kapitän warnte vor Kollision. Alles ging sehr schnell. Bianca hielt sich an einem Tisch fest. Die Fischpiraten wären fast mit der „Sam Simon“ kollidiert, wichen jedoch in letzter Minute aus. Die Sea-Sheperd-Crew verfolgte die „Kunlun“ für eine Weile, bevor man sich entschied, dass es wichtiger sei, das Schwesterschiff „Bob Barker“ auf der Jagd nach der „Thunder“ zu unterstützen. (Einige Zeit später wurde die „Kunlun“ in Phuket und die „Yongding“ auf den Kapverdischen Inseln gezwungen, im Hafen festzumachen.) Die „Sam Simon“ änderte ihren Kurs also Richtung „Bob Barker“. Inzwischen war das Meer das Wichtigste für Bianca. Nachdem sie Mauritius verlassen hatten, fuhr das Schiff entlang der Ostküste von Afrika zum Kap der Guten Hoffnung und schließlich trafen sich die Schiffe an der Westküste des Kontinents im Atlantischen Ozean. Der Einsatz schien endlos.

Am Morgen des 6. April, um 6.39 Uhr, nach 110 Tagen Verfolgung, meldete die „Thunder“ per Seefunk, dass sie sinken würde. Die Aktivisten waren zunächst fassungslos. Es war heiß, das Wasser war ruhig. Man spekulierte, dass dies vielleicht absichtlich geschah. Seenotrettungsboote mit Besatzungsmitgliedern der „Thunder“ befanden sich im Wasser: 30 Indonesier und zehn Offiziere. Chilenen, Spanier und ein Portugiese. Die „Sam Simon“ war verantwortlich für die Rettung, während die Crew der „Bob Barker“ zur Aufgabe hatte, möglichst viele Beweise zu sammeln. Als die „Thunder“ schließlich unterging, war das eine schockierende Erfahrung für Bianca. Ihr erster Gedanke: Dieses Schiff wird nie wieder Zerstörung verursachen. Dann wurde ihr klar, dass hier ein Koloss voller Öl versinken würde. 20 Mitglieder der „Sam Simon“-Crew mussten 40 Mitglieder der „Thunder“ überwachen. Das Schiff machte sich auf dem Weg zum nächsten Hafen auf der Insel São Tomé und Príncipe, wo es um 1.30 Uhr ankam, nach zehn Stunden Fahrt. Bianca war die Einzige, die Portugiesisch sprach, und sollte die Gespräche mit den Verantwortlichen der Insel führen. Die „Thunder“-Crew ging an Land. Einige der Offiziere wurden festgenommen. „Wir hatten in diesem Moment ein Gefühl großer Befriedigung“, sagt Bianca. Als der Kapitän die Besatzung zusammentrommelte, um über die erfolgreiche Mission zu sprechen, war sie sehr stolz. „Wir waren gerade mal 59 Personen und hatten so viel erreicht. Dieses Gefühl war unglaublich, und zur gleichen Zeit machte es mich demütig.“

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Von São Tomé und Príncipe fuhren die Schiffe schließlich nach Europa, eine Reise, die mehr als drei Wochen Zeit in Anspruch nahm. „Zeit, um zur Ruhe zu kommen und nachzudenken, fast wie ein Katzenjammer“, erinnert sich Bianca. Die Mannschaft sei recht still gewesen und es habe sich ein Gefühl der Leere eingestellt. „Es schien fast so, dass wir ein wenig nutzlos waren“, sagt sie. Ein Teil der Höhen und Tiefen im Leben eines Aktivisten. Und für die Zukunft? Bianca will ihren Universitätsabschluss machen und die gesammelten Erfahrungen vielleicht eines Tages in Brasilien verwenden. Aber jetzt braucht sie erst einmal Urlaub. Danach erwartet sie eine weitere Mission in der Antarktis.


MANUFAKTUR

TEXT BENJAMIN HELLWIG

SEINE FAST ANDERTHALBJÄHRIGE REISE UM DIE WELT INSPIRIERTE JULIAN NOCKE ZUR GRÜNDUNG EINER MANUFAKTUR FÜR ZELTANHÄNGER.

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„Hügeliges Harzvorland, Dorfidylle statt Großstadt, mehr Kühe als Einwohner.“ Julian Nocke verdichtet die Kulisse seiner Kindheit und Jugend auf ein paar Schlagworte. Er lehnt entspannt an einem der riesigen Zuschnitttische seiner Hamburger Manufaktur. Mitarbeiter und Segelmachermeister Ole sitzt an einer der großen Nähmaschinen. Das Auf und Ab der Nadel, bis zu 3.500 Stiche pro Minute, sorgt für die typische Geräuschkulisse der Schwergewebenäherei im Obergeschoss. Gerade entsteht ein OffRoader-TrailDog, eine geländetaugliche Variante des Zeltanhängers.

Es sind die einzigen derartigen Produkte, die vollständig in Deutschland gefertigt werden. „Die Zelte hier vor Ort zu nähen, entspricht unserer Philosophie. Du hast viel mehr Kontrolle über die Qualität, die Risiken sind geringer, du kannst besser planen und wenn einmal etwas nicht läuft, bist du selbst schuld. Du kannst den Fehler beheben und ihn in Zukunft vermeiden“, sagt Julian. Der 41-Jährige ist Gründer und Inhaber von 3DOG camping. In den ersten Jahren wurden die Stoffkomponenten der Zelte in Australien in Auftrag gegeben.

Der Zeltanhänger im Einsatz während einer Island-Reise.

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Jedes Detail ist gut durchdacht und auf Offroad-Bedürfnisse abgestimmt.

Mit dem Aufbau einer eigenen Zeltnäherei für seine Zeltanhänger und Autodachzelte bindet er einen weiteren Fertigungsbereich in seine Hamburger Manufaktur ein. Den Canvasstoff importiert Julian nach wie vor aus Australien. Er greift in einen Restesack, legt einen blauen Fetzen unter die Nadel und tritt kräftig aufs Pedal. „Das macht einfach Spaß! Das Zeug ist genial, es lässt sich toll verarbeiten. Das Rohgewebe ist dichter und formstabiler als reine Baumwolle, sehr UV-beständig und bleibt an der Innenseite trocken. Wir haben hier in Europa nichts Vergleichbares finden können.” Er zieht mit den Fingerspitzen einen Faden von der Kante der robusten Stoffbahn und beschreibt den Fertigungsprozess in der Weberei in Sydney, bei dem feine

Polyesterfilamente mit der Baumwollfaser umsponnen und verzwirnt werden, bevor das Garn zum Canvas verwebt wird. Auch die Veredlung des Zeltstoffs geschieht in Australien. Den fünften Kontinent erlebt Julian als Inspiration für sein heutiges Schaffen in HamburgBahrenfeld. Zuvor jedoch sammelt er sehr viel wertvolle Erfahrung in den unterschiedlichsten Bereichen. In die Schule sei er zwar gern gegangen, aber der Aufbau eines professionellen Tonstudios habe ihm damals näher gelegen. Zwischen den Abiturprüfungen – er darf sie zweimal machen, weil er „noch nicht reif für die Universität” sei – steht er zudem auf der Bühne, wird in der Stage School Hamburg aufgenommen, entscheidet sich aber dennoch gegen

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MANUFAKTUR

die Schauspielschule. Eine befreundete Schauspielerin rät ihm damals: „Wenn du dir nichts anderes vorstellen kannst, ist Schauspieler der schönste Beruf der Welt – sonst lass lieber die Finger davon.” Er verbringt seine Zivildienstzeit auf einem Bauspielplatz, einem offenen Freizeitangebot für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren. „Wir hatten ohne Ende Holz und Werkzeug, eine ganze Stadt wurde da aufgebaut”, erinnert er sich. Parallel zum Zivildienst fährt er Taxi. „Hätte ich mein Abi gehabt, hätte ich mich vielleicht einfach an der Uni eingeschrieben und weiter Menschen durch Hamburg kutschiert”, sagt er beim Rückblick nachdenklich. Stattdessen gibt er Gas, wird freiberuflicher Fotoassistent, Bildbearbeiter und Grafiker. Nach fünf Jahren wechselt er ins digitale Fach und arbeitet als Webseitenentwickler für Lufthansa und Audi.

Als die Internetwirtschaft in Schwierigkeiten gerät, hat er genug von dem Wahnsinn und steigt mit 29 Jahren aus. Er befreit sich von Ballast, packt ein paar Habseligkeiten zusammen und landet wenig später in der Südsee. Nach einiger Zeit geht es weiter über Neuseeland nach Australien – doch das Travellerleben reicht ihm nicht. „Ein Land zu bereisen, ist ein schönes Erlebnis, aber wirklich kennenlernen kannst du es erst, wenn du Alltag erfährst. Und Arbeit ist dafür ideal – ich kann nicht tagelang nur am Strand liegen”, sagt er. Seine Zeit im Ausland füllt er mit einer Mischung aus Reisen und Jobs, arbeitet als Cowboy, hilft beim Bullenkastrieren und Schafescheren. Immer wieder begegnen ihm Zeltanhänger, die im australischen Outback sehr verbreitet sind. Er ist fasziniert, will mehr darüber lernen.

„Ein Land zu bereisen, ist ein schönes Erlebnis, aber wirklich kennenlernen kannst du es erst, wenn du Alltag erfährst. Und Arbeit ist dafür ideal – ich kann nicht tagelang nur am Strand liegen.“ Julian Nocke

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Oben: Bei der Verarbeitung der Planen zählt Handarbeit.


Dort campen können, wo sonst niemand hinkommt: Das ist der Reiz.

In Byron Bay an der Ostküste Australiens stößt er bei der Suche nach geeigneten Firmen auf die Visitenkarte von Ray Grigson. Die Karte besteht aus eben jenem Canvasstoff, den Julian

mögliche Zusammenarbeit. „Der Vertrieb der dortigen Produkte kam nicht infrage, denn die Voraussetzungen in Australien sind komplett anders als in Europa. Klimatisch, ökonomisch, seitens der Mentalität … Die Details „In der Zeit ist auch mal eine dringend sind bei uns sehr benötigte Zeltlieferung bei Karstadt in Leipzig viel wichtiger, augelandet. Und wir hatten hier dafür deren ßerdem bekommst thailändische Blusen auf der Palette.“ du die australischen Anhänger hier gar heute in Hamburg verarbeitet. „Ich nicht zugelassen”, sagt Julian auf den traf Ray und er sagte, wenn du Arbeit Treppenstufen hinunter in die Fertigungshalle. „Zudem wollte ich von Ansuchst und schweißen kannst, kannst fang an Kontrolle über die Produkte du gleich anfangen”, beschreibt er die haben. Ich wollte selbst bestimmen.” erste Begegnung. Das australische Zeltunternehmen begeistert ihn ebenso Zurück in Hamburg spürt er, dass hier wie die Lebenseinstellung, mit der die mehr denn je seine Heimat ist. „Für die Australier das Outback bereisen. Drei Firmengründung war der Ort ideal. Ein Monate arbeitet er als Schweißer, doch gutes Netzwerk, der Hafen, Zulieferer. die Idee für 3DOG camping sei da Dazu die Verbindlichkeit der hanselängst geboren gewesen, meint Julian. atischen Art, miteinander zu arbeiten. Noch vor Ort diskutiert er mit Ray, der Man ist sich treu – nicht zuletzt in zum Freund geworden ist, über eine Geschäftsbeziehungen.” 18 Monate

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schreibt er am „telefonbuchdicken Firmenkonzept”. Im Oktober 2005 schließt er erstmals die Tür zu den ersten 200 Quadratmetern seiner jetzigen Manufaktur auf, durch Zufall gemeinsam mit der Bekannten einer Freundin. „Diese Bekannte ist heute meine Frau. Sie war sozusagen ab dem ersten Moment dabei”, sagt Julian, Vater von drei Kindern, und schmunzelt. „Der Aufbau einer solchen Firma ist eine enorme Belastung für das gesamte Umfeld. Ohne diese tolle Frau an meiner Seite wäre es völlig unmöglich gewesen.” Die ersten Prototypen der Zelte baut er noch im eigenen Garten auf. Jetzt kommt ihm die neue Halle riesig vor. Doch schon bald wird es eng. Die Anhänger stapelt er aus Platznot kurzerhand übereinander. Viele Hürden haben er und sein Team seitdem genommen. „In der Zeit ist auch mal eine dringend benötigte Zeltlieferung bei Karstadt in Leipzig gelandet. Und wir hatten hier dafür deren thailändische Blusen auf der Palette”, erzählt er und lacht.


MANUFAKTUR

In der Fertigung montieren Chrille und Mütze gerade das soeben genähte Zelt samt Gestänge auf den OffRoader. Der Anhänger selbst wird ebenfalls in kompletter Eigenregie hier gefertigt – mit gesamteuropäischer Zulassung als Fahrzeugbauunternehmen. „Aus der Notwendigkeit heraus – wir konnten einfach niemanden finden, der mit unseren geringen Toleranzen arbeiten wollte”, sagt Julian. Er greift spontan in eine Box voller Aluminiumschienen, die den Zeltabschluss am Unterbau fixieren. „Wir lassen zum Beispiel diese Schnittkanten hier vor dem Eloxieren rund fräsen. Das ist teuer, aber überaus sinnvoll, doch leider nicht selbstverständlich. Wenn man Aluminium schneidet, bekommt man messerscharfe Ecken, die dir dein Zelt aufreißen können.” Julians Detailverliebtheit kommt zutage, er ist nun voll in seinem Element. Das Küchenmodul, eine Kocher-Spüle-Kombi, ist optional in die Anhänger integrierbar und ein

weiteres Beispiel seines Engagements: „Wir haben es früher in Süddeutschland fertigen lassen, jetzt machen wir es selbst. So können wir schnell und unbürokratisch Dinge verbessern. Einmal, als wir unsere Küchenmodule noch extern in Auftrag gegeben haben, hat mich eine Kreuzschlitzschraube genervt, ich wollte sie durch eine TorxVariante ersetzen – das war ein riesiger Aufwand. Jetzt setzen wir so etwas einfach selbst um. Und ich freue mich über diese kleinen Dinge.” Manchmal sei diese Liebe zum Detail vielleicht etwas zu viel, an der einen oder anderen Stelle könne man sicher auf kostengünstigere Optionen zurückgreifen, meint er selbstkritisch. „Aber in der Summe führen eben diese Details zur gewünschten Qualität. Ich kann einfach nicht anders”, sagt er. In der Ausstellung nebenan demonstriert der 41-Jährige in Sekundenschnelle den Aufbau des Autodachzeltes

Inspiration im australischen Outback: Julian mit Bett, Brett und Gitarre.

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TopDog. Nicht, ohne dabei etwas aus der Puste zu geraten. Das Stahlgestänge steht, über eine Leiter klettert er hoch in den Schlafbereich auf die integrierte Doppelmatratze. Mit derzeit zwölf Mitarbeitern hat sich die Teamstärke zuletzt verdoppelt. Mehr Verantwortung, aber auch mehr Input für Zukünftiges: „Wir haben einen dicken Katalog voller Ideen. Mit Zeichnungen für Produktinnovationen, und ebenso vielem, zu dem uns Kunden inspirierten. Ob an der Ostsee, in Islands Hochland oder irgendwo sonst – sie leben das, was wir hier tagtäglich umsetzen. Da sind kleine Ideen dabei, aber auch komplett neue Entwicklungen.” „Einige unserer Ideen sind vielleicht eher aus der Kategorie ,Spinnerei‘. Aber ich war schon immer gern offen für alles, was auf mich zukam. Und habe zugepackt, wenn es gut war”, sagt er. Und lässt das Autodachzelt wieder unter der Plane verschwinden. www.3DOGcamping.de


LIEBE

DIE LIEBE IM ZEITALTER DES INTERNETS HAT DAS ONLINEDATING UNSEREN UMGANG MIT PERSÖNLICHEN DATEN VERÄNDERT?

TEXT MILOSZ MATUSCHEK ILLUSTRATIONEN MANUELA EICHNER 98


Das Ohr immer am Smartphone. Apps sind das wichtigste Dating-Tool.

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A

LIEBE

warum sollte man Familie, Freunde und die letzten zwölf Urlaubsorte nicht auch gleich kennenlernen? Schließlich kennt man sich schon zwei Minuten. Dank Radarfunktion ist jeder Smartphonebenutzer zugleich ein Bewegungsprofiler, weiß also, in welchem Umkreis sich die Person tatsächlich befindet (zwei Kilometer entfernt nämlich, statt wie behauptet im Urlaub), zuletzt eingeloggt vor 20 Minuten, jedoch ohne zu schreiben (was das wohl heißt?). Es ist mehr eine Feststellung als eine Frage: Der offene Umgang mit persönls es so richtig los- lichen Daten ist längst Realität – und macht nicht mal mehr ging mit dem On- vor der eigenen Intimsphäre halt. Für kostenlosen Zugang linedating, irgendwann in den Nullerjahren, sah öffnet man das Herz für die Datingfirma und die anderen es auf den Plattformen ungefähr so aus: Nickna- Nutzer. Wer das vor 15 Jahren vorhergesagt hätte, wäre für mes, so weit das Auge reichte, etwa die Hälfte der verrückt erklärt worden. Profile hatte kein Foto und man konnte nur hoffen, dass die Person auf dem Profil aus der eigenen Privatheit war immer begehrt. Für einen Blick in das Innerste Stadt kam und tatsächlich Tina hieß, wie behaup- des Menschen war man stets bereit, großen Aufwand zu treitet, und nicht doch Peter. Pärchen, die sich auf digi- ben. Das Wissen um das Seelenleben war und ist besonders talem Wege fanden, verschwiegen es in der Regel wertvoll. In der Beichte erkaufte sich der Gläubige die Absolution durch Preisgabe persönlichster Geschehnisse an einen oder erfanden analoge Ersatzgründungsmythen. Kirchenapparat: psychologische Erleichterung gegen Infor15 Jahre später sieht es auf Dating-Apps so aus: mation. Unrechtsstaaten von ganz links und ganz rechts Vorname und Alter sind in der Regel echt, das errichteten teure Spitzelsysteme, um an intime Details zu Facebook-Profil, mit dem man sich einloggte, ist gelangen. Der Internetnutzer von heute gibt mit vollen es ja auch. Man sieht fünf Fotos, hochauflösend, Händen Intimstes preis – viele Apps, ob nun WhatsApp teils vom Fotografen, dazu den Link auf das In- oder Tinder, sind kostenlos, aber nicht umsonst. Persönlistagram-Profil mit weiteren 2.345 Bildern, denn che Daten sind zu einer Währung geworden. Früher galt Big Brother als eine unsichtbare Autoritätsinstanz, heute ist daraus ein Geschäftspartner geworden. Die Flut an optimierten Bildern sorgt für eine verzerrte Wirklichkeit.

In Zeiten von Big Data lässt sich aus einem Mix an persönlichen Vorlieben, gepaart mit Bewegungsprofilen, Kreditkartenbewegungen, Likes und Onlinebestellungen ein ziemlich genaues Charakterprofil anlegen. Das Internet sammelt Unmengen Daten, bei jeder digitalen Bewegung hinterlassen wir Spuren. Auf den Servern großer Firmen lagern sozialwissenschaftlich interessante Datensätze. Internetfirmen wissen nicht nur, wie wir glauben zu sein. Sie wissen, wie wir tatsächlich sind. Noch scheint dies irgendwie niemanden zu stören. Warum nur?

FÜR KOSTENLOSEN ZUGANG ÖFFNET MAN DAS HERZ FÜR DIE DATINGFIRMA. 100


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LIEBE

Christian Rudder, der Mitbegründer des großen amerikanischen Datingportals Okcupid konnte der Versuchung nicht widerstehen und wagte den Blick in die Server, lies: in die Seele seiner Millionen User. Die Ergebnisse hat er in dem Buch „Dataclysm – who we are (when we think no one´s looking)“ zusammengefasst. Er weiß beispielsweise, dass 35-jährige Männer laut Profil nach Frauen zwischen 24 und 40 Jahren suchen – jedoch selten Frauen kontaktierten, die über 29 Jahre alt waren. Angaben im Profil und tatsächliche Präferenzen gehen auseinander. Ähnlich ist es mit der Hautfarbe: In den Profilen gibt man sich weltoffen und tolerant; tatsächlich weiß Rudder, dass schwarze Frauen 25 Prozent weniger Nachrichten bekommen.

Zuletzt kam es zu Suizidfällen, als Hacker die Identität von Mitgliedern des Seitensprungportals Ashley Madison öffentlich machten. Das Zwangs-Outing durch eine digitale Sittenpolizei gilt als der kriminelle Sonderfall. Doch ist nicht der alltägliche, inzwischen fast unbemerkte Bezahlvorgang mit persönlichen Daten der eigentliche Diebstahl? Welcher User ist sich tatsächlich darüber im Klaren, was mit seinen Daten passiert? Fast möchte man frei nach Bertolt Brecht fragen: Was ist das Hacken eines Internetunternehmens gegen die Gründung eines Internetunternehmens? Milosz Matuschek ist Autor des Buches „Mannko“, eine Art Trostpflaster für den kulturell so vielfach gescholtenen Mann und laut Untertitel eine „Liebeserklärung an ein Mängelwesen“. Kösel-Verlag, circa 240 Seiten, 17,99 Euro.

ANGABEN IM PROFIL UND TATSÄCHLICHE PRÄFERENZEN LIEGEN OFT STARK AUSEINANDER.

Her mit dem Frischfleisch": " Seitensprungportale boomen.

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TEXT SIMON SCHUMACHER

MERINOWOLLE KÜHLT BEI HITZE UND ISOLIERT BEI KÄLTE – EINE PERFEKTE AUSGANGSLAGE FÜR ALLES, WAS MAN BEIM SPORT DIREKT AUF DER HAUT TRÄGT. UND WENN DIE KLAMOTTE DANN NOCH GUT AUSSIEHT WIE BEI DER MARKE WOOLPOWER, UMSO BESSER. 104


MODE

Merinowolle ist der ideale Wegbegleiter für kalte Tage in der Natur.

, g i l l o w , arm Ww underbar

E

Es ist noch dunkel, als sich Adam Brånby auf den Weg zur Arbeit macht. Der Schnee knirscht unter den Füßen. Schnell setzt er seine Mütze auf und zieht die Handschuhe über. Nun ist er perfekt gerüstet, um trocken und warm in seinem Unternehmen anzukommen. Woolpower sitzt im schwedischen Östersund, 350 Kilometer vom Polarkreis entfernt.

Im Winter sinken hier die Temperaturen bis auf minus 30 Grad. Das ist besonders für die schwedischen Soldaten unangenehm, die den ganzen Tag draußen arbeiten und Wind und Wetter ausgesetzt sind. Daher ist es keine große Überraschung, dass es das schwedische Militär war, mit dem Woolpower sein einzigartiges Wollfrottee entwickelte. Dies ist Grundlage für die warme und zugleich strapazierfähige Kleidung, die Woolpower seit 1972 vertreibt. Die schwedischen Soldaten sind noch immer die größten Kunden, da die Vorzüge der innovativen Merinobekleidung bestens auf ihre Arbeitsbedingungen abgestimmt sind.

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Mit Funktionalität und Nachhaltigkeit als Grundsatz schafft Woolpower seine kuschelig-warme Kleidung aus Merinowolle, einem Rohstoff, an den keine Kunstfaser herankommt, da er auch im feuchten Zustand wärmt und dabei selbstreinigend ist . So begann vor 40 Jahren die Erfolgsgeschichte der Woolpower AB. Bis heute wird ausschließlich in Schweden produziert. 80 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Die meisten davon sind in der Herstellung tätig. Die sorgfältige Fertigung zeichnet die Marke aus. Näherinnen wie Ingrid Jönsson oder Stricker wie Magnus Åderman sind das Herzstück von Woolpower, aus diesem Grund stehen die Namen der Näherinnen auch im Etikett der von ihnen hergestellten Kleidung. Vom ersten Garn bis zum versandfertigen Produkt – alles made in Östersund. Durch die besondere Verarbeitung weist die direkt am Körper getragene Kleidung nur wenige Nähte auf. Hierzu werden Ärmel, Beine und Rumpf auf individuellen Spezialstrickmaschinen mit verschiedenen Durchmessern rundgestrickt. Dies sorgt für eine optimale Passform und Komfort.

Woolpower setzt auf ein Material, das alle Vorurteile gegenüber Wolle – „kratzt, juckt, sieht spießig aus“ – mit Leichtigkeit aushebelt. Die atmungsaktiven, antibakteriellen und geruchsresistenten Merinoprodukte liegen glatt und weich auf der Haut auf und beweisen sich durch ihre urbane Optik und modernen Schnitte als vielseitige Alleskönner, egal ob beim Sport, auf Reisen oder im Büro. Die Funktionswäsche, bestehend aus Shirts, Longsleeves, Shorts, Pants, Onepiece Suits, Socken, Mützen, Sturmhauben und Underwear, schafft mühelos den Spagat zwischen Funktionalität und Streetlook.

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Einfache Rechnung – kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte.


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Spender des edlen Materials – das Merinoschaf.

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MODE

Frostbeulen finden im Sortiment angenehm weiche Thermosocken, die auch beim Ganztageseinsatz im Winterboot ihren Dienst vorbildlich verrichten. Wer abends seine Schuhe aufschnürt, muss sich vor muffigen Gerüchen nicht fürchten. An Outdoorenthusiasten richten sich die Woolpower-Kälteschutzaccessoires die je nach Temperatur und Aktivität kurz oder lang getragen werden können. Und wenn man ins Schwitzen gerät, nimmt die atmungsaktive Merinowolle die entstandene Feuchtigkeit auf und gibt sie nach außen ab. Bei extremer Sonne ist man außerdem durch einen natürlichen UV-Filter geschützt. Für untendrunter gibts die Woolpower Underwear. Vor allem Traveller, die viel per Flugzeug unterwegs sind und denen Klimaanlage und schwankende Temperaturen auf der Reise zu schaffen machen, werden die Woolpower-Teile wegen ihrer temperaturregulierenden und geruchseliminierenden Materialeigenschaften lieben. Durch die hygroskopischen Eigenschaften ist Merino besonders bei feuchtem oder tropischen Wetter angenehm zu tragen, da Merino bis zu 30 Prozent seines Gewichtes an Feuchtigkeit aufsaugen kann, bevor es sich klamm anfühlt. Der Kern aller Styles ist das Material: Die Merinowolle stammt vom Merinoschaf aus Patagonien in Argentinien, das mit seiner Wolle ein nachwachsendes Naturprodukt liefert – 100 Prozent biologisch abbau- und recyclebar. Gefärbt wird in einer Spinnerei in Deutschland. Mit einer Faserstärke von 20 Mikron beim Ullfrotte und 18 Mikron bei der Lite-Bekleidung liegt die von Woolpower verarbeitete Wolle im feinen bis sehr feinen Bereich, wodurch die Kleidung besonders weich auf der Haut aufliegt, elastisch ist, dabei aber immer wieder in ihre Form zurückfindet. www.woolpower.com

Fühlt sich gut an, und wichtiger noch: riecht nicht.

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VON THORSTEN TIMM*

FÜRCHTET EUCH NICHT! IM TRUBEL DER VORBEREITUNGEN FÜR DAS WEIHNACHTSFEST SIND WICHTIGE ENTSCHEIDUNGEN ZU TREFFEN.

Ich habe dem steinernen Löwen auf dem Aschentonnenhäuschen sein rotes Nikolausmützchen aufgesetzt und er hat mir aufmunternd ein „Siehst du, geht doch!“ zugelächelt. Der Wind treibt den Schneeregen horizontal über den Baumarktparkplatz und als wollten sie die große Flurbereinigung rückgängig machen, haben sie hier ein Wäldchen aus Nordmanntannen aufgestellt. Männer mit riesigen Händen in noch größeren Arbeitshandschuhen. Sie schieben abwechselnd Bäumchen in große Metalltrichter, um sie handlich zu verpacken, oder befreien Tannen aus Plastiknetzen, damit Käufer diese begutachten können. Ich kaufe einen kleinen Baum, die Vernunft gebietet, keinen Baum zu kaufen der größer ist als die Zimmerhöhe. Ich wäre gern Mal vier-Meter-Baumunvernünftig, bin ich aber nicht.

Man sollte sich nicht wundern, dass die Verbindung von zwei einflussreichen Gesellschaftsströmungen wie dem Kapitalismus und dem Christentum einen so triumphalen Erfolg hat. Stimmt es eigentlich, dass eine Limonadenfirma den Nikolaus erfunden hat? Aber das Jesuskind, das war schon Gott, oder? Auf dem Weihnachtsmarkt steht eine Bühne, heute spielt der Kindergarten die Weihnachtsgeschichte. Die ist dankbar, die Schüchternen geben die Hirten und die

ohne Talent die Weisen aus dem Morgenland. Wenn der kleine Leon als Joseph und Hannah als Maria an viele Türen klopfen, um eine Herberge zu finden, glaube ich einen Moment eine Interpretation der aktuellen Nachrichtenlage zu sehen. Dann aber wird der Heiland geboren und alles ist wieder gut. Aber wenn Sie dann alle dasitzen, am Vierundzwanzigsten, um den erleuchteten Baum, mit ihren feierlichen Gesichtern, die Schwiegereltern, Frau und Hund, und was sonst von der Familie übrig geblieben ist, dann erinnere ich mich an die vergangene Zeit: Mitte September, als ich im Supermarkt in den ersten Dominostein gebissen habe, weit weg von allen nicht zu erfüllenden Erwartungen. Artist // Martin Gremse

Spätestens am zweiten Advent gebe ich auf. Der Kampf ist verloren, ich gebe mich geschlagen, mitleiderregend winsle ich ein letztes Mal: „Ich will kein Weihnachten!“ Aber das hört jetzt niemand mehr und darauf Rücksicht nehmen tut erst recht keiner.

für die eignen Geschenke. Ich habe keine Ahnung, ich brauche nichts. Vielleicht Socken.

In den Eckkneipen sitzen Männer auf der Flucht vor ihren plätzchenbackenden Frauen, ihr Heim scheint ihnen unwirtlich um diese Jahreszeit, trotzdem ist ihnen das Wort „Asyl“ fremd und trägt den Geschmack von Schmarotzertum. Ich habe keine Zeit, mich zu ihnen zu setzen und für Aufklärung zu sorgen. Es fehlen noch Geschenke, viel schlimmer, Ideen für Geschenke. Und wenn man seine Angehörigen erst soweit dressiert hat, dass sie vorher fragen, was man sich wünscht, braucht man noch zusätzliche Ideen

KOLUMNE

CHRISTKIND

*THORSTEN TIMM (46) scheint nicht besonders belastbar zu sein, denn er hat wirklich Glück mit seiner Familie. Wie übersteht man Familienfeiern, wenn man die „Lieben“ gar nicht mag?

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Impressum

TRIP erscheint vierteljährlich in der Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Pracimamedia GmbH und wird über ausgewählte Pressefachgeschäfte sowie den Bahnhofsbuchhandel und Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben.

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AUTOREN DIESER AUSGABE

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Gabriela Borges, Benjamin Hellwig, Miriam Schönrock, Rena Dissenha Fagundes, Ina Krug, Simon Schumacher, Alexandra Dinter, Milosz Matuschek, Thorsten Timm, Autumn Sonnichsen, Peter Zizka

WEBDESIGN HIGH5 interactive (www.high5.de) Simon Bolz, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt, Telefon: +49 69 13827812 ABONNEMENT & EINZELHEFTBESTELLUNGEN

Dr. Thomas Garms (garms@tripmagazin.de)

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Im Terra Oceanis Verlag erscheinen folgende Titel:

HERSTELLERNACHWEIS

CAMP DAVID

MOLESKIN

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MALOJA

SOUVE BAG COMPANY

WORMLAND

www.campdavid.de

ARMOUR LUX

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stetson.eu/de

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IST VERGRIFFEN

1/2010

2/2010

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1/2013

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3/2013

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2/2012

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VON AUTUMN SONNICHSEN*

KÖSTLICHE AUGENWEIDE MANCHMAL HABE ICH DIE QUAL DER WAHL BEI MEINEN FOTOMOTIVEN. DIESMAL ALLERDINGS WAR DIE ENTSCHEIDUNG SCHNELL GEFALLEN.

Wer mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der gern und häufig kocht. Natürlich bin ich auch jemand, der sich auch mal nach Strich und Faden in einem dieser fantastischen Restaurants von Paris verwöhnen lässt, auch würde ich würde niemals einem gut gefüllten Teller mit Reis und Bohnen in einer brasilianischen Kneipe stehen lassen. Doch meistens ziehe ich es vor, mein Essen selbst zu kochen. Wenn ich jemanden mag, lade ich ihn zum Essen in mein Haus ein. Wenn ich möchte, dass sich dieser jemand für mich auszieht, lade ich ihn erst recht zum Essen in mein Haus ein. Wenn ich mir eine Bohrmaschine ausleihe, werde ich den Besitzer ebenfalls als Dankeschön zum Essen in mein Haus einladen.

KOLUMNE

SOULFOOD

Ich liebe Straßenmärkte, ich habe eine wunderbare Sammlung von Messern und in meiner Freizeit lese ich in der Regel Kochbücher. Das alles bedeutet am Ende, dass, abgesehen von meiner Mutter, niemand für mich kocht. Nie! Neulich reiste ich nach Paris und blieb für ein paar Tage bei meiner neuen Freundin Céline. Mir wurde klar, dass es zu einem der schönsten Dinge im Universum gehört, wenn eine wunderschöne Frau für dich den Kochlöffel schwingt und dabei gleichzeitig einzig und allein ein knappes Höschen trägt. In diesem konkreten Fall bereitete Céline eine Pfanne mit Pilzen zu. Mir begegneten in meinem Leben schon so viele Frauen mit Höschen. Aber noch keine ging, nur mit einem Bademantel und Pantoffeln bekleidet, gekühlten Wein im Laden um die Ecke kaufen.

*AUTUMN SONNICHSEN arbeitet als Fotografin. Sie hat einen Freundeskreis, der sich über die ganze Welt verteilt – und so kommt sie in den Genuss der unterschiedlichsten Genüsse.


VON AUTUMN SONNICHSEN*

Keiner von ihnen gab mir jemals die Flasche Wein zum Öffnen und begann währenddessen, ein Rührei zu braten. Céline ist eine Pariser Köchin, lebt fast am Fuße des Eiffelturms und hat immer den Kühlschrank voll mit Pilzen, Feigen und Kräutern aller Art – ihre Rühreier macht sie mit geriebenem Trüffel. Wenn du eine Frau haben solltest, die für dich nackt kocht, ist das ein so wunderbares Geschenk, dass du es wahrscheinlich für ewig im Kopf behältst. Diese Situation brachte mich so durcheinander, dass ich erst einmal gar wusste, was ich zuerst fotografieren sollte: die Pilze oder diese wunderschöne Frau in ihrem Höschen. Nachdem sie mir einen köstlichen Teller angerichtet hatte, hauchte sie mir einen Kuss auf die Stirn und ging hinaus, um eine Partie Badminton mit ihrem Freund zu spielen. Vielleicht war das besser so.

Aber seit diesem Moment war ich versaut. Ich wollte plötzlich nicht mehr selbst kochen und beschloss, dass ich zu alt dafür bin. Ich wollte verwöhnt werden. Du kannst zu mir nach Hause kommen, mit einer Tüte voller Leckereien vom Wochenmarkt. Ich möchte, dass jemand nur im Unterhöschen für mich kocht und mir eine Weinflasche zum Öffnen gibt. Ich mache sogar den Abwasch, versprochen!

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VON PETER ZIZKA*

DIE QUADRATUR DES KREISES GENERATIONEN VON AUTOBENUTZERN UND DESIGNERN SIND AUF GROSSE UND BREITE RÄDER ALS MASS ALLER DINGE GEPRÄGT. BEI DEN DREHENDEN VIERRÄDERN IST REIBUNG DER FEIND – GANZ ANDERS ALS BEI KUNST UND DESIGN.

Wann das Rad aus der Horizontalen in die Vertikale kippte, weiß ich nicht. Aber schon die nicht lenkbaren und primitiven Vollholzkarren boten eine Möglichkeit zur räumlichen Vernetzung und Entgrenzung, die jedes GigabyteGlasfaserkabel alt aussehen lassen. Ich sehe da förmlich Gehirne monadischer BronzezeitExistenzen, die durch ein größeres Bewegungsumfeld eine Art intrazerebraler Transfusion von Omega-3-Fettsäuren verabreicht bekamen. In

Artist // Martin Gremse

Die Räder müssen sich weiterdrehen – das gilt für das Design wie für jede andere unternehmerische Expertise. Stillstand hat in unseren Zeiten keine Chance. Dieser hyperaktiv rotierende Gestaltungswille ist sicher auch einer der Gründe, warum gerade Design als Paradedisziplin des Turbokapitalismus gelten kann und seinem Genom aus Algorithmus und Gier in kommunikativer und produktgestalterischer Hinsicht Vorschub geleistet hat.

eigentliches Dynamisierungstool zur Welt gebracht: das Rad. Gefäße aus Ton, schneller zu generieren als von Hand zu formen, waren der Nukleus des axial gehaltenen Rades.

Dass Design immer am rastlosen Rad der Zeit dreht, liegt allerdings in der Natur der Sache – Design ist Prozess, Prozess ist Design. Wie ich finde, ist das eine ebenso einfache wie wichtige These, die den oft unterstellten Opportunismus von Gestaltung in einem weicheren Licht erscheinen lässt. Auch wenn es esoterisch klingt: Natur, Mensch und Geist sind die molekulare DNS eines ganzheitlichen Gestaltungsprozesses. Dass der Bildausschnitt, mit dem Kommunikations- oder Produktdesigner auf die Welt blicken, unendlich klein wie groß gezoomt werden kann, wussten schon Ray und Charles Eames. Das haben die zwei mit ihrem genialen Film „Powers of Ten“ visualisiert. Am Ende und Anfang des Zoombereichs steht ganz formal gesehenen ein Kreis – immer getrieben und in Bewegung. Ob Milchstraße oder Elektron, alles dreht und bewegt sich. Wir, die Derivate des Runden, sind nicht umsonst getrieben von einer kreisenden Dynamik. So hat das Bedürfnis nach seriellem Design unser

KOLUMNE

DESIGN

der Folge hält das Raddesign der Zeit niemanden mehr auf. Laufflächen, Speichen, Felge et cetera entwickeln sich entsprechend ihrer Rotationsgeschwindigkeit immer schneller. Es geht darum, den Widerstand zu verringern – anfänglich nicht um die Stromlinie, wohl aber um die Verringerung der Reibung am Boden. Der um sich greifende designdominierte Dynamisierungswille reichte vor 40 Jahren bis in mein Kinderzimmer und fand mit dem Einzug der Hot Wheels seinen Höhepunkt. Im Mattel-Universum trafen sich im Auftrag *PETER ZIZKA, geboren 1961, arbeitet als Designer und Künstler. Schönes und Dekoratives ist für ihn nicht genug. Es geht um eine Ergonomie des Verstehens.

des Spielzeug-Tycoons Elliott Händlers der Raketeningenieur Jack Ryan und der Autodesigner Harry Bradley, um sich der zu langsam drehenden Räder in der Spielkiste anzunehmen. Da lagen bei den meisten Jungs in der Regel die formal schönen Corgi Toys oder Siku-Modelle herum, deren axiale Drehfreudigkeit nach vehementem Anschieben schon nach wenigen Zentimetern ein jähes Ende fand. Die Hot-Wheels-Innovation des Rades im Maßstab 1:64 traf auf eine vorherrschende 1:1-Realität aus Ballonreifen auf Speichenfelgen oder Weißwandreifen mit Radkappen und definierte die Ikonografie der rotierenden Dynamisierung völlig neu. Die neuen Spielzeugräder, die als Achse eine Klaviersaite benutzen, drehten sich schneller als alle anderen, waren enorm breit und faszinierten mit turbinenartigen Chromfelgenaufdrucken. Die Rotation im Kinderzimmer wurde zum faszinierenden Designerlebnis dynamikbegeisterter und reibungsarmer zukünftiger Mitglieder einer mobilen Gesellschaft. Seitdem sind Generationen von Autobenutzern und Designern auf große und breite Räder als Maß aller Dinge geprägt. Eine Art Hot-Wheel-Doktrin ist seitdem fester Bestandteil einer Kaufentscheidung für alles auf vier motorisierten Rädern. 35- bis 60-Jährige überlegen es sich dreimal, ob sie mit schwarzer, raddeckelbewehrter 15-Zoll-Felge oder mit polierter 20-Zoll-plus-Aluminiumversion dem Asphalt die Kilometer abringen. Die materialstrotzende, am besten von Chip Loose gestaltete Felge kann nicht groß genug sein. Dass ungeahnte Radgrößen dabei der Funktionalität und Intelligenz einen kapitalen Lagerschaden bereiten, liegt auf der Straße. 32-Inch-DUB-Floaters-Custom-Wheels sind der ungewollt ironische Abgesang auf den Hot-Wheels-Doppel-D-Traum meiner ökonomisierungsgläubigen Generation.

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TRIP 19  
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