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 mindstyle  magazine  

vintage Über die Sehnsucht nach dem, was Klar, Wahr und Vollkommen erscheint

Flash Tattoo

Meisterhafte Motive von Ed Hardy & Co.

Priscilla Navarro

Das TRIP Girl aus São Paulo als coole Mutter

Raus aus dem Knast

Wie es sich anfühlt, endlich wieder frei zu sein

Traumauto Ausgabe 16 4,80 EURO

Österreich 5,50 Euro Schweiz 10 SFR Benelux 5,50 Euro Italien/Spanien/Portugal (cont.) 6,50 Euro

Der Ford Mustang Shelby GT 500 alias Eleanor klug mutig stark


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editorial

Das Schöne und Gute O

b es die grasenden Kühe auf einer Alp sind, der Geruch des gebohnerten Lino­ leums im Treppenhaus unserer Großmutter oder das Gefühl, endlich eine Gitarre in Händen zu halten, deren Sound Musikgeschichte ge­ schrieben hat – manche Wahrnehmungen kata­ pultieren uns zurück in vergangene Zeiten und wärmen uns mit einem Gefühl tief empfundener Geborgenheit. Eine wirklich heile Welt hat es sicherlich nie gegeben. Dennoch existieren für die meisten von uns besondere Versatzstücke, die Markierungen dessen hinterlassen, was uns einmal bewegt hat. Je schneller sich die Konsumwelt dreht, desto mehr brauchen wir Haltegriffe, wollen wir wissen, wer wir wirklich sind. Der Gitarrist Gregor Hilden, den wir in dieser Ausgabe vorstellen, hat seine musikalische Hei­ mat im Blues gefunden. Doch Blues klingt nur dann wie guter Blues, wenn der Sound jene Tiefe und Wärme besitzt, wie sie nur einer Gitarre entströmen kann, die Tausende von Stunden gespielt worden ist – jede Lust und jedes Weinen wurde in dem Instrument gewissermaßen als Zei­ chen des wechselhaften Lebens eingraviert. Die Fotos, die mit einer alten analogen Kamera auf­ genommen wurden, besitzen gelegentlich mehr Persönlichkeit als das ultrascharfe, durch ein au­ tomatisches Bildbearbeitungsprogramm gejagte Digitalfoto. Gar nicht zu reden von schönen alten

Autos, die seit Jahrzehnten nicht mehr vom Band laufen und die Patina einer anderen Ära transportieren. Längst ist alles komplett techno­ logisiert und viele Dinge scheinen keine Seele mehr zu haben. Als Gegengewicht zu den futu­ ristischen Auswüchsen der Zeit entstehen neue Erkennungsmerkmale und subkulturelle Codes. Heute ist es nahezu selbstverständlich, Leder­ jacken im Vintage-Look oder als Sneaker einen Adidas Spezial oder Puma Roma zu tragen. Be­ stimmte „alte“ Kleidungstücke sind inzwischen fester Bestandteil der Lifestyle-Kultur. Den Spieß dreht der New Yorker Künstler Kent Rogowski mit seinen Teddybären um: Er verwandelt die Stoffgefährten von der gefäl­ ligen Massenware zum schrulligen Unikat. Damit ironisiert er auf faszinierende Weise unsere Prägungen. Im Kinderbettchen war das Kuscheltier oft wichtiger Trost. Als Kleinkind haben wir den Teddy derart malträtiert, dass durch aufgeplatzte Nähte die Strohfüllung quoll und er sich gerade durch diese Ge­ brauchsspuren zum nostalgischen Einzelstück entwickelte. Bei Rogowski bahnen sich die kleinen Persönlichkeiten in all ihrer Hässlich­ keit den Weg ins Herz des Betrachters. Damit zeigt sich, wie das Unperfekte, Gebrauchte zum anrührenden Schatz wird – selbst wenn man dabei nachgeholfen hat.

Thomas Garms, Editor 3


INHALT Themenschwerpunkt

Vintage Über die Sehnsucht nach dem, was klar, wahr und vollkommen erscheint.

Wer Muscle Cars liebt, kennt auch den Ford Mustang Shelby GT500 alias Eleanor aus dem Film „Nur noch 60 Sekunden”. Der Deutsche Phillip Rueger baut das Auto erfolgreich nach.

fotos inhaltsseite // Phillip M. Rueger, Manfred Pollert, DAni L., Dirk Wagener & Kilian Kimmeskamp, Caio Palazzo, 3XN, Sonja Lacher

70 GROSSES KINO

06 DER TON MACHT DIE MUSIK

34 FRÖHLICHES WIEDERSEHEN

44 Himmlische RUTSCHPARTIE

Gregor Hilden ist ein begnadeter Bluesgitarrist und weiß, was auf dem Sammlermarkt gespielt wird.

Priscilla Navarro lässt sich trotz Veränderungen in ihrem Leben noch immer gern hüllenlos fotografieren.

Skifahren und Wassersport am gleichen Tag – in Chile kein Problem.

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titelfoto//DAni L. Model//Priscilla Navarro

Nostalgie ist völlig Okay. Sie wärmt unser Herz: Storys aus Brasilien, Chile, Dänemark, Deutschland, Litauen und der Schweiz 14 Parade > 14 News und Tipps Technik, Gimmicks, Lifestyle > 16 Gadgets Technik, die begeistert > 17 Gewinnspiel Es boomt > 18 Spielkram Umgestülpte Plüschbären > 20 A ­ usstattung SportswearStyles für den Alltag > 22 Ladys Barbie mit Durchschnittsmaßen und Männer im Bioladen > 22 Adäquat/Inadäquat > 23 Sechsmalacht Was sagt ihr denn dazu? > 24 Unterwegs Entspannen auf den Malediven, Heiraten in Meran und Biken in Südtirol > 26 Fahrbericht Der neue BMW X6 > 28 Umfrage Worauf bist du besonders stolz? > 30 Street Art Paste-ups > 32 Aus der Region Upcycling, Recycling und heimatverbundenes Design 42 WEGWEISENDE AUFNAHMEN Straßenszenen und sich schlängelnde Pfade sind ein beliebtes Motiv der Covergestaltung.

56 GEKONNTE VORLAGE Flash-Motive sind aus der Geschichte der Nadelkunst nicht wegzudenken. Wir zeigen die schönsten Meisterwerke.

66 Gentlemen's Night Smoking, Whiskey-Sour, Steak und Zigarren: Es gibt gute Gründe, warum Männer gern mal unter sich bleiben.

86 ENTSCHLEUNIGUNG Das litauische Klosterhotel Monte Pacis bietet einen Rückzug aus der Routine.

92 KLARE LINIE Roland Heiler, Chief Design Officer der Porsche Design Group, im Gespräch mit TRIP.

94 INTENSIVE BETRACHTUNG Die Brasilianerin Rafaela Rocha sieht ihren Körper als Werkzeug, um die Kunst zu erforschen.

102 LEIDENSCHAFT ROTWEIN Der Sylter Sommelier Nils Lackner trifft auf dem Weingut Hanewald-Schwerdt auf herausragende Tropfen.

106 IRGENDWO IM NIRGENDWO

60 BACK HOME

Der brasilianische Schriftsteller und Exknacki Luiz Mendes begleitet gemeinsam mit TRIP eine Verbrecherin auf deren Weg in die Freiheit.

Der Land Rover Discovery Sport trotzt Schnee, Eis und Sturmböen.

108 Die Götter lieben Mich Erich von Däniken ist 80 Jahre alt geworden. Geburtstags­interview mit dem umstrittenen Präastronautiker.

114 Fluss in Not Modeshooting an São Paulos wichtigstem Trinkwasser-Reservoire.

122 Wem die Stunde schlägt Die Neuheiten von der Baselword überzeugen durch maskulinen Charme und Innovation.

126 Kolumnen

76 LEHRMEISTER NATUR

80 GENÜGSAMe Ikonen

Dänische Architekten zeigen, wie das Schulgebäude der Zukunft aussehen kann.

Die Kuh verkörpert Heimatgefühle pur. Die Schweizerin Sonja Lacher hat das Herdentier mit der Kamera begleitet.

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> 126 Tender is the Night Tagebucheintrag der Fotografin Autumn Sonnichsen > 128 Festgefroren Thorsten Timm über Sehnsucht > 130 Das Kleingedruckte Mike Ziegler über AGB, Beipackzettel und den Overkill Standards > 41 www.tripmagazin.de > 129 Herstellernachweis > 129 Impressum


Die schwarzen Seiten

Der Ton macht die Musik

Vintage-Gitarren stehen

derzeit hoch im Kurs.

Gregor Hilden ist nicht nur ein begnadeter Bluesgitarrist, sondern weiSS auch, was auf dem Sammlermarkt gespielt wird.

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Mit Empathie und souveränem Können kitzelt er aus dem Instrument die schönsten Töne heraus, spielt es genauso, dass die maximale Bandbreite an klanglichen Einsatzmöglichkeiten herausge­ arbeitet wird. Im Hintergrund läuft zu­ luesgitarre zu spielen, ist in diesen Zeiten nicht meist ein einfacher, bluesiger Backing unbedingt himmelschreiend populär. Doch auch Track ohne Solistenstimmen, über den Nischen haben ihre Helden. Zu diesen gehört seit er dann improvisiert. Manchmal sind etlichen Jahren Gregor Hilden aus Münster, Westfalen. Wer es auch nur einfache Loops, die er vor Vintage-Gitarren liebt, sich am Klang strahlkräftiger Marken dem Start selbst aufzeichnet. Unbestrit­ wie Gibson oder Fender berauschen will, die aus der golde­ ten groß ist die Palette seiner handwerk­ nen Ära der Instrumentenherstellung stammen, der wird ir­ lichen Kabinettstückchen. Mal nutzt er gendwann fündig auf YouTube, wo Gregor Hilden einen viel den Vibratorhebel des Instruments, um besuchten Kanal unterhält. Wöchentlich stellt der 1963 gebo­ fließende Tonhöhenübergänge bis hin rene Künstler neue Clips ein, superprofessionell aufgenom­ zum Terzabstand oder extreme Tremoli men, und sämtlichen Gitarren, die er dort vorführt, wird er auf zu erzeugen, mal absolviert er artisti­ adäquate Weise gerecht. Egal, ob er eine 1959er-Gibson-Les- sche Lagenwechsel, verknotet MelodiePaul, eine Epiphone Lucille B.B. King Signature, eine Fender und Rhythmuslinien und trumpft mit ­Stratocaster oder eine Gibson ES-335 Walnut, Baujahr 1972, überraschenden Klangfarbenänderun­ gen auf. Dazu dient ihm der Kippschal­ spielt – es ist immer eine Freude, ihm zuzuhören. ter, mit dem er zwischen den einzelnen Tonabnehmern wechselt, und so dem Instrument gläserne Flageolett-Töne oder kurz darauf verzerr­ te Rückkopplungseffekte entlockt.

von thomas garms 6


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Fotos // Manfred Pollert / Privat


All diese Aufnahmen entstehen in seinem Wohn­ zimmer, das so aussieht wie jedes andere deut­ sche Wohnzimmer, mit einem beigen Ledersofa, CD-Stapeln und ein paar hübschen Lithografien an der Wand. Mit einem nicht ganz unwichtigen Unterschied: Neben der Couch steht ein Gitarren­ verstärker und davor hält ein Teddybär ein Mikrofon auf dem Bauch. Überall in Griffweite des ausführenden Künstlers Natürlich gibt es einen guten Grund für diese Leidenschaft. Denn lehnen und stehen irgendwelche Schät­ neben Plattenaufnahmen und Konzerten ist der Handel mit Gi­ ze der amerikanischen Gitarrenbau­ tarren inzwischen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für kunst herum. Der Meister selbst sitzt ihn. „Im Durchschnitt gehen inzwischen drei Instrumente täglich auf einem modernen Büro-Drehstuhl raus, andere kommen rein.“ Mehrere Hundert Instrumente hat und spielt wie der Teufel, was auch er in seinem Lager. Meistens sind es gebrauchte Gitarren, aber immer er in die Hände kriegt. Bei der auch Neuware. Potenzielle Käufer können in den Videos einen Ausführung wird er von einem professi­ schönen Vorgeschmack von den Möglichkeiten der angebotenen onellen Kameramann gefilmt, der auch Instrumente bekommen, vorausgesetzt man hat genügend Horn­ den Schnitt macht. Zweimal wöchent­ haut auf den Fingerkuppen und beherrscht die Zupferei. lich treffen sich die beiden für jeweils zwei bis drei Stunden zu Sessions, die Gregor Hilden als 12-Jähriger mit seiner ersten Gitarre, die er von mit Rücksicht auf die lärmempfindlichen Nach­ seinen Eltern bekommen hat. barn in Zimmerlautstärke aufgenommen werden. Seit 2007 produziert er diese Clips. „Für mich ist YouTube ein ganz wichtiges Medium“, sagt Gregor Hilden. „Ich gehöre wahrscheinlich zu den ersten Gitarristen in Deutschland, die diesen Kanal syste­ matisch bespielten.“

Oben links: Hilden zusammen ­ mit der „Bluesnight Band“. Oben rechts: Mit 20 – und PeterGreen-T-Shirt. Oben Mitte: Erste Auftritte im Jovel, Münster.

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Die schwarzen Seiten

Der Meister selbst sitzt auf einem modernen Büro-Drehstuhl und spielt wie der Teufel, was auch immer er in die Hände kriegt.

Sein erstes Instrument bekam Hilden als Zwölfjähriger von sei­ nen Eltern zu Weihnachten geschenkt. Es war eine klassische Konzertgitarre mit Nylonsaiten. „Ich habe dann begonnen, Gi­ tarrenunterricht zu nehmen“, erzählt er. „Aber viel Freude hat mir das ehrlich gesagt nicht gemacht. Ich musste diese typi­ sche Kindermusik üben und durfte nicht die Musik spielen, die ich aus dem Radio kannte. Nach ein paar Monaten habe ich das geschmissen, die Gitarre nicht mehr angefasst.“ Ein paar Jahre später kam das Erweckungserlebnis. „Mit 16 habe ich endlich Schon lange sind ausgesuchte Gitar­ eine E-Gitarre bekommen, einen Telecaster-Nachbau aus Japan ren als Liebhaberstück und Geldan­ samt Verstärker. Seitdem ließ mich das nicht mehr los.“ lage gefragt. Was früher „alt“ war, ist heute „Vintage“ und verspricht neben Noten oder gar Online-Tutorials gab es damals noch nicht. Wie dem Besitzerstolz und Genuss beim viele andere junge Gitarristen setzte sich Hilden vor den Plat­ Spielen auch attraktive Renditen. „Die tenspieler. „Ich habe einfach versucht, das nachzuspielen, was schönen alten Gibson- und Fender-­ ich gehört habe“, erinnert er sich. Oft waren es Stücke von sei­ Gitarren steigen kontinuierlich im nen Vorbildern wie Mike Bloomfield oder Peter Green. „Mit der Wert“, sagt Hilden im Brustton der Zeit gelang mir das immer besser und ich habe dann Anschluss Überzeugung. Tatsächlich wurde bei­ gefunden an Freunde, die ebenfalls Musik gemacht haben. Es spielsweise eine Gibson Les Paul aus waren diese typischen Schülerbands: Bass, Gitarre, Schlagzeug, dem Jahr 1960 im April 2009 vom New Keyboard – wir haben Blues gespielt und eigene Stücke.“ Yorker Auktionshaus Christie's für 182.500 Dollar versteigert. Diese wechselte einst für weniger als 300 Dollar den Besitzer. Eine Les Paul aus dem Baujahr 1959, von denen lediglich 1.800 Stück hergestellt wurden, ist heute sogar zwischen 200.000 und 300.000 Dollar wert. „Aber es müssen gar nicht diese Raritäten sein“, sagt Hilden. „Auch Gitarren aus den 80er-Jahren bekommen irgend­ wann einen Charme.“ Die meisten Käufer sind Sammler und Liebhaber, die sich einen Jugend­ traum erfüllen möchten. Sie wollen besitzen, was einst ihre Idole auf der Bühne spielten, und sind bereit, dafür hohe Preise zu bezahlen.

„Mit 16 habe ich endlich eine E-Gitarre bekommen, einen Telecaster-Nachbau aus Japan samt Verstärker. Seitdem lieSS mich das nicht mehr los.“

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Links: Mit Richie Arndt 2014. Rechts: Hilden spielt die favorisierte Gibson Les Paul Gold Top.

„Was man da hörte, war auf eine Art nicht sonderlich virtuos, aber es hatte eine unglaubliche Kraft“, sagt Hilden. „Die weißen Gitarristen haben diese Spiel­ technik später weiterentwickelt, mehr Virtuosität hineingebracht“, so sein Fazit. Gregor Hilden ging seinen eigenen speziellen Weg. Mit zu­ Wie viele Musiker seiner Generation hat auch Hilden mit nehmendem Alter entdeckte er auch den weißen Blueskünstlern angefangen, die mit einem ge­ die eher jazzigen Klänge und Spieltech­ wissen kunsthandwerklichen Anstrich und einer auf Effekt niken für sich: „Anfang zwanzig entwi­ bedachten Übervirtuosität das ursprüngliche Drei-Akkorde- ckelte ich mehr Reife, mehr Schulung in Schema des schwarzen Blues in ein von Schweiß und Stra­ Hinblick auf Gehör und musikalisches ßendreck gesäubertes Abziehbild verwandelten. Aber es Verständnis“, sagt er. dauerte nicht lang, bis Hilden auf diesen Umwegen auch zu den Originalen vorstieß, wie etwa die US-amerikanischen Ob er schon damals Berufsmusiker wer­ Bluesgitarristen Muddy Waters, B.B. King oder Albert den wollte? „Eigentlich ja“, sagt er. „Aber ­Collins. Prägend war für Hilden das Album „Live at the Regal“, gleichzeitig überlegte ich, welches Stu­ der Mitschnitt des legendären Konzerts von B.B. King, das dium wohl besonders geeignet wäre, im November 1964 in einem Nachtclub und Veranstaltungs­ um nebenbei noch viel Musik machen ort im Chicagoer Stadtteil Southside stattfand. zu können.“ Er lacht: „Schließlich habe ich mich für Sozialpädagogik einge­ schrieben, aber nie in diesem Beruf gearbeitet. Stattdessen verdiente ich mein Geld als Orches­ tergitarrist an Musicalbühnen und spielte ‘Jesus „Aber gleichzeitig überlegte ich, Christ Superstar’ und solche Sachen.“

welches Studium wohl besonders geeignet wäre, um nebenbei noch viel Musik machen zu können.“

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Die schwarzen Seiten

Für die Musik, die er eigentlich spielen wollte, wurde der Neue Krug in Münster zur wichtigen Bühne. „In diesem Club fanden jeden Sonntag Blues-Sessions statt, aus denen sich oft weitere Engagements ergaben.“

Unten links: „The Vineyard Sessions” ­ mit Timo Gross und Richie Arndt, 2009. ­ Rechts: Auf der Bühne mit der ­US-Sängerin Harriet Lewis.

Gleichzeitig hat Hilden noch andere Dinge ange­ packt. So arbeitete er von 1994 bis 2005 als Redak­ teur für das Fachmagazin „AKUSTIK Gitarre”, das zweimonatlich mit ausführlichen Tests neuer Gitarrenmodelle, Akustikverstär­ ker, Effektgeräte, Studioequipment und Der Rest ist Geschichte. Heute lebt Hilden gut von der Kom­ anderem Zubehör aufwartet. Hilden bination aus Musikmachen und Gitarrenhandel. „Gitarren testete und interviewte für das Blatt zu kaufen und verkaufen ist für mich kein notwendiges Übel, über zehn Jahre lang Stars der Gi­ sondern eigentlich ein Traumjob.“ So ist er sich auch nicht tarrenszene und aufstrebende junge zu schade, die angekauften Gitarren vor dem Weiterverkauf Künstler. „Finanzielle Sicherheit war vernünftig einzustellen. „Wenn es sein muss, wird die Gitar­ mir immer wichtig“, bekennt er. „Damit re auch überarbeitet“, sagt er. „Bundstäbchen werden erneu­ ich nicht irgendwelche Tanzmusikjobs ert, die Elekronik, alles, was nicht mehr richtig funktioniert.“ annehmen musste, habe ich auch nor­ Externe Instrumentenbauer und Techniker helfen ihm dabei. male Jobs gemacht.“ Wenn Hilden eine neue Gitarre in die Hände bekommt, spielt die Dynamik des Instruments für ihn eine Hauptrolle. Für Heute macht Hilden genau das, was er ihn muss die Gitarre in der Lage sein, auf den Anschlag ent­ schon immer tun wollte: Gitarre spielen sprechend zu reagieren. „Eine gute Gitarre kann bei starkem und Instrumente ausprobieren. „Schon Anschlag einen entsprechend kräftigen Ton erklingen lassen, immer habe ich irgendwelche Gitarren während eine schlechte Gitarre in einem solchen Fall einfach gekauft, diese eine Zeitlang gespielt abregelt, wie ein Kompressionseffekt“, erklärt er. und dann wieder verkauft“, erzählt er. „Doch irgendwann kam das Finanzamt und sagte, das sei kein Ausprobieren, sondern eine gewerbliche Tätigkeit, was ich da mache.“ Hilden gründete eine Website, die sich mit der Zeit zu einer stark frequen­ tierten Anlaufstelle für Gitarristen entwickelte.

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Die schwarzen Seiten

„Eine gute Gitarre kann bei starkem Anschlag einen entsprechend kräftigen Ton erklingen lassen.“

An den Wochenenden ist Hilden meist auf Konzerten. Über eine Agentur kom­ men die Buchungen rein. „Mit oder ohne Bläser, das kann man wählen“, sagt er. Das Programm wird je nach Publikum und Wunsch des Veranstalters zusam­ mengestellt, der größte Teil ist eigenes Material. Immer wieder stehen auch Tourneen auf dem Programm. Aber we­ gen seines Handels möchte Gregor Hilden verständlicherweise nicht zu ­ lange unterwegs sein.

Abgenutzt ist sein Repertoire noch lange nicht. Der musika­ lische Bogen, der zwischen Blues, Funk, Jazz, souligem Pop und R&B gespannt ist, bietet immer wieder neue Facetten, wie das brandneue Instrumental-Album „In Phase“ zeigt. Es beein­ druckt durch satte, soulige Gitarrenklänge – produziert auf er­ lesenem Vintage-Equipment. Die Stückliste, auf der sämtliche gespielte Gitarren von einer 68er-Gibson-Les-Paul, verschie­ denen Gibson-Halbresonanz des Modelltyps ES-335 über eine 56er-Fender-Telecaster, eine 63er-Stratocaster bis hin zu einer Gretsch Chet Atkins 6120, Baujahr 2007, aufgeführt sind, liegt mit Zuordnung zu den jeweiligen Songs bei. Wer bis dahin noch keinen Appetit auf eine Vintage-Gitarre entwickelt hat, bekommt ihn spätestens jetzt. Wetten? www.gregorhilden.de

Zwölf CDs hat Hilden bis heute unter eigenem Namen gemacht, und wie es sich für einen guten, fleißigen Musiker gehört, hat er auch schon bei anderen Produktionen mitgewirkt. Der legendäre Saxophonist Big Jay Neeley ist genauso darun­ ter wie der Sänger, Songwriter und Gitarrist Tom ­Principato oder die Soul-Sängerin Harriet Lewis.

Oben: Hilden bei Aufnahmen im Tonstudio mit einer akustischen Gitarre.

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Brummender Schädel Jean Michel Jarre, Pionier der elektronischen Musik, ist ins Multimedia-Geschäft eingestiegen. Seine stylischen Totenschädel zeigen, wie sich genialer Klang mit ausgefallenem Design noch besser zelebrieren lässt. Das kleine Tonwunder AreoSkull Nano kann einfach an Tasche oder Hosenschlaufe gehängt werden und liefert mit seinen sieben Zentimetern einen unvergleichlich klaren Sound bei bis zu acht Stunden Einsatz im Batteriebetrieb. Dank Bluetooth-Technik kann er mit nahezu jedem Smartphone verbunden werden. Um 89 Euro. www.jarre.com

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aufbau arbeiten

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Drinks für drauSSen

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Farbwunder Ob Zitronengelb, Ziegelsteinrot oder Veilchenblau: Inspiriert durch das PipettenTool von Photoshop erkennt der Sensor am Ende des Scribble Pen jede beliebige Farbe: Einfach an einen Gegenstand halten und der Wunderstift mischt wie ein Außerdem lasFarbdrucker die jeweilige Nuance, mit der sen sich einmal gescannte Farben sofort gezeichnet werden kann. ­­ via Bluetooth auf Handy, Tablet oder Computer übertragen. Die Tinte reicht für eine knapp acht Kilometer lange Linie. Der Vorbestellungspreis liegt derzeit bei rund ­130 Euro. www.getscribblepen.com

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Teddys Inside-out Text Alexandra Dinter Bilder Kent Rogowski

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Innereien zu zeigen, löst selten heimelige Gefühle aus. Wahrscheinlicher sind Unbehagen, Berührungsängste und latenter Grusel.


Spielkram

W

as für den Blick auf versehrte Körper von Lebewesen gilt, setzt sich fort in der Konfrontation mit den verborgenen Teilen von Plüschbären – eindrucksvoll bewiesen mit den Bildern des New Yorker Künstlers Kent Rogowski. Verstörend niedlich und anrührend verwundbar präsentieren sich seine umgestülpten „Bears“ der Kamera. Die Porträts wirken gleichzeitig vertraut und fremd. Neugier und Mitleid verbünden sich, wenn man die Helden der Kindheit so deformiert erblickt. Das Fotoprojekt

offenbart ihre Gemachtheit brutal ehrlich. Und bewirkt dabei eine erstaunliche Transformation: Formgebende Nähte werden zu fransenden Narben und große Knopfaugen zu pupillengleichen Fixpunkten der Physiognomie. Es ist die Verwandlung von der gefälligen Massenware zum schrulligen Unikat, die den kleinen Persönlichkeiten in all ihrer Hässlichkeit den Weg ins Herz des Betrachters bahnt. Die Fotoreihe ist als Buch oder in limitierten Sonderdrucken erhältlich. www.kentrogowski.com

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Foto // Corinna Dumat/pixelio.de

Tunnelzug, Sweat, Jogginghosen und Trikots sind typische Erkennungszeichen von Sportswear. Diese Styles halten einmal mehr auch Einzug in die Konfektionsmode.

Unter gutem Einfluss

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von Felicia Siegle-Baumgartner

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Barbone  circa 200 Euro

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Ladys

Gesunde Rundungen

Die kultige Modepuppe Barbie ist die Vorzeigeblondine schlechthin und, das Vorbild der superschlanken Mannequins noch übertrumpfend, als Mensch natürlich nicht lebensfähig. Nun soll brünette Konkurrenz für ein gesünderes Körper­ gefühl bei ihren Spielgefährtinnen sorgen: Lammily kommt mit den Durchschnittsmaßen einer 19-jährigen Amerikanerin daher, ist sportlich-biegsam, nur dezent geschminkt und auf Wunsch sogar sommersprossig, tätowiert, kurzsichtig und grasbefleckt oder hat Akne, Narben und Cellulite. Preis: ab 25 Dollar. www.lammily.com

Sind die Produkte fair gehandelt? Sind die Preise okay?

Ob die Verkäuferin unter den Achseln rasiert ist?

Ist die Avocado auf den Punkt oder schon drüber? Schmeckt die Schokolade so gut, wie sie teuer ist? Ist der Kaffe frisch geröstet oder uralt?

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Foto // Hauninho / photocase.de

Helmut Priester

Pfarrer i.R., Edenkoben www.essigparre.de

Sebastian Hundertmark



Finanzberater, Münster www.sparkasse-muensterland-ost.de

Sebastian Bär

Pressesprecher Zoo, Hannover www.zoo-hannover.de

Hans Tod

Friedhofsgärtner, Bremen www.hans-tod.de

Adäquate Namen

Klaus-Dieter Rauber

Polizeihauptkommissar, Mainz www.polizei.rlp.de

Gerhard Biermann

Weinhändler, Tiefenbach www.weinhandlung-biermann.de

Jens Dunkel

Glas-und Bauelemente, Biederitz www.dunkel-bauelemente.de

Reinhard Platt

Gründer der Autowerkstatt Platt, Langenselbold www.reifen-langenselbold.de

Inadäquate Namen

Was wäre ein angemessener Name für einen Zahnarzt? Wie sollte der Chef einer Fleischerei auf keinen Fall heißen? Kennen Sie jemanden mit einem denkwürdigen Namen, dann schreiben Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff „adäquater/inadäquater Name“ an redaktion@trip.de.

quelle www.graphitti-blog.de

Was Frauen im Bioladen interessiert

Was Männer im Bioladen interessiert


sechsmalacht

was sagt ihr denn dazu?

Sommer oder Winter?  Patrick   Wiencek  r Handballspiele beim THW Kiel

= Respekt! bis

= Pfff

 Raphael   Buch  Geschäfts­ führer ­Unitours GmbH

Natürlich Som in r ße au mer, den Bergen.

Zu Hause bei der Familie.

nutze ich selten, wenn doch, bin ich fürchterlich aufgeregt.

nutze ich deutlich Sommer w. lieber als den Pk (Winter kann der Regel in Ist im er man das hi : -) sogar pünktlich Norden ja auch nicht nennen :-))

 Bryce   Williams  Hostelbesitzer auf Bali, Surfer

il von Das TRIP-Urte

ist nervig.

Winter

 Henning   Puls  Gastronom

Die Deutsche Bahn ...

Der schönste Ort auf Erden?

 Rainer Uhl  Surfrider foundation, Umweltaktivist

 Andreas   Marlie  Veranstalter, WHOOP! WHOOP! on tour

Auf jeden Fall Sommer

gibt es auf Bali nicht.

Gehört erfunden: Klont mir eine Pille diesen gegen ... ! en h sc Men Michael Schumacher

Sonntags mit meiner Familie im Bett.

Rovinj (Istrien/ Kroatien)

Indonesischer Archipel

Meine Topmitarbeiter

schlecht drauf sein.

e schlechte Laun und Arroganz

Lucien Favre (damit er endlich seine Karriere als Mah ler in Frankreic starten kann …) Yvon Chouinard

Alzheimer und Demenz

Deine beste Alt, aber immer Angewohn- noch gut ... so ... ist heit? ! er g Neunzi Tamagotchi

Zu pünktlich sein

Boygroups

Ein Arschgeweih

Coco Pops von Krebs. Zu viele Kellogg's zum rMenschen ste g! Frühstück ben viel zu jun

Zuverlässigkeit

zu Fuß.

sich nicht so zu fühlen.

Großes Herz

Ständig versuchen, andere Menschen glücklich zu machen

2007er Rioja Gran Reserva, bei mir im Wein regal lagernd

Surfboards aus den 70und 80ern. Handgemachte Kunstwerke aus einer Zeit, in der die Menschen riunwissend expe mentierten.

Mein alter W123 Trotz größtem hin oder (MB). Vergaser, al viv Re h t r Ungemac Armut. Beug er ab , r Zylinder, Anlasse he rst ro Ho ret n t f Ei zu einer Menge No ist behalte ich Die Aussicht au ch e no nk es da all in Ge .... n ch ter ho es sc ers auch Hrub Ja, bin ich e (meistens) und Elend vor. den nächsten Stünde der finden unter der neon. Ob Klamott seinen besten mit gefahren. schwierigen trip. d in bs lau ter Ur r ch ke di loc rg e nb r rd Be Motorhaube. Un Su de wü er lei en od er hr ab e Ja di ht ac M Situation Entweder ein schön. s hr itlo se vor der eigenen ze d V un HS aß m n Sp de wenig Ruhe und de großes weißes Haustür, würde zu Gesicht ist als ökologisch Überblick. Kann erfeld oder gut wd Po er ich noch mal e t stehen. Od äußerst sinnvoll same aber auch leich er ein ab r , de en leg ... er an üb zu opti- Kevin Keag Alternative viel en ... it rv m ne nd ra er. St m m so: So ach, da gäbe es teuer. maler Welle. so einige. ICH! :-) Ich kann feiern l. Fragebögen ho ko r Al de : ne us oh m Egois Nicht nötig: „Sei Sicher auch boden für Ein Strand mit s selbst! Nähr au du r r nu me ich im e nn ke ten r besser bei zwölf eis Ba m t, e ul di -P DJ Auch ich Es sei denn, du Fernsehen. d m un de en Jahren als e tig nö ein m un und kann meine kannst BATMAN Ich denke, das Bespaßer im t gemachOP! lbs se HO ) „W he im i sc se eli (se sein. Dann reicht auch. iden und “Nachtleben ... P! Le O e ten es HO th W !“ yn Photos mer BATMAN . de e. ein lem m ob ge Pr e ier nn Fe nur bei So Daneben eine betreiben. er m Eishalle. Selbstm So so Al g lin redend. üh und Fr gerne im Wechsel.

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Kunststudiums in Madrid kennengelernt und zusammen ihre Auswärts des Leidenschaft für Reisen, gutes Essen und kreatives Arbeiten entdeckt. essen BRUNCHCITY ist das erste gemeinsame Projekt der heute 28-jährigen Spanierinnen. Die Freundinnen Bea Crespo und Andrea G. Portoles haben sich während

Die auf ihrem Blog präsentierte Fotoreihe zeigt die lecker-leichte Kombination zweier Talente: Die filigranen Städteansichten stammen aus der Feder der Illustratorin Bea, Fotografin Andrea hat diese dann zusammen mit den typischen Spezialitäten der Stadt in Szene gesetzt. Wenn man die beiden nach ihren Lieblingsorten fragt, entscheidet sich Bea nach etwas Überlegung für Berlin, wo sie eine Zeit lang gelebt und bei jeder Rückkehr den Geschmack des ersten Tages neu auf der Zunge hat, während Andrea für London stimmt, den Cupcakes zuliebe ... www.brunchcity.wordpress.com

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Unterwegs

Blaue Farben

Im Luxusresort JA Manafaru auf den Malediven leuchtet der Indische Ozean besonders intensiv. Die 47 Wasservillen wurden komplett überarbeitet und reflektieren das Farbspiel der Wellen in vielen Details der Einrichtung. Die Kombination aus Natur- und Blautönen lässt jede Menge Licht und Raum zu, sie verleiht den

Villen Großzügigkeit und verbindet das Interior Design mit der Umgebung. Feinschmecker können zwischen sieben Restaurants wählen, die unterschiedlichste Gaumenfreuden bieten, darunter auch ein Menü von Starkoch Richard Cross. www.jaresortshotels.com

Ja, ich will dich! Heiraten soll Freude machen, nicht in Stress ausarten. Das Kunsthotel ­ImperialArt in Meran bietet deswegen einen umfassenden Service. Von der Location über Fotograf, Dekoration und Brautstrauß bis hin zum DJ für die Feier bleibt kein Detail unberücksichtigt. Je nach Vorlieben kann der Bund der Ehe in der landesfürstlichen Burg, traditionell in der Meraner Dorfkirche oder auf dem Schloss Rametz eingegangen werden.

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Für die Anfahrt stehen ein OldtimerRoadster oder die Pferdekutsche zur Wahl. Zugleich bietet das im Herzen der Kulturstadt gelegene Boutiquehotel die passende Unterkunft für die Hochzeitsgesellschaft. Während Familie und Freunde in elf individuell eingerichteten Zimmern nächtigen, verbringt das Brautpaar die Hochzeitsnacht in der Penthouse Suite Paradise. Bei Buchung des gesamten Hotels ist die Übernachtung in der Penthouse Suite ein Geschenk an die Honeymooner. www.kunsthotel.it

Urlaub à la Giro d‘Italia Im Hotel La Perla in Corvara in Südtirol fühlen sich Gäste wie wahre R ­ adprofis. Auf Pinarello-F8-Rennrädern und mit einem erfahrenen Guide, eigenem Mechaniker und Betreuer im Begleitfahrzeug erleben sie tägliche Traumtouren durch die Dolomiten. Die Region ist ein Paradies für Bike-Enthusiasten.

Von Corvara aus führen die Wege auf Gipfelziele und über berühmte Pässe. Der eigene Soigneur kümmert sich um die Verpflegung. Nach der Tour gibt es eine spezielle Massage und der Techniker übernimmt die Pflege des Rads. www.hotel-laperla.it


Exklusives finden Sie überall – Außergewöhnliches nur bei uns.

Erleben Sie jetzt die einzigartige Lage am Meer:

ab € 140,00 pro Person im Doppelzimmer (Saison C) Im Zimmerpreis enthalten: Begrüßungsgetränk zur Anreise, Langschläferfrühstück bis 12:00 Uhr, Privatbar auf dem Zimmer, Nutzung des Spa.budersand, 20% Ermäßigung auf die Greenfee des GC Budersand, Tageszeitung „Die Welt“, kostenfreie Nutzung des Internet (W-LAN). Weitere Informationen finden Sie auch unter www.budersand.de

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fahrbericht

HeiSSblütiger Ritt

von simon schumacher

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Der neue BMW X6 M ist ein bullengleiches Kraftpaket. Auf einer Rennstrecke in Texas zeigt er, was in ihm steckt.

Eine eindrucksvolle Erscheinung. Wer den neuen X6 M im Rückspiegel entdeckt, sollte schleunigst das Feld räumen.


E

Eine Formel-1-Strecke im Nirgendwo als Arena und ein SUV, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat, als Reittier. Passt nicht zusammen? Aber sicher! Die etwas andere Probe­ fahrt beginnt für mich zunächst mit einer langen Anreise. Die Teststrecke liegt bei Austin in Texas, USA, wo der neue BMW X6 M präsentiert wird.

Außen hart, innen ganz weich: das etwas andere Rennwagen-Cockpit

Das Fahrassistenzprogramm, die sogenannte Dynamic Stability Control, erlaubt, zwischen drei Modi zu wählen: DSC on, MDM (M Dynamic Mode) und DSC off. Während DSC on durch Bremsein­ griffe Unter- und Übersteuern gezielt entgegenwirkt, Im vergangenen Jahr folgte der Modellwechsel. Nun be­ erlaubt MDM mehr Radschlupf und ermöglicht kommt der stärkste Benziner weitere 125 PS Mehrleistung ambitionierten Fahrern damit leichtes Driften. dazu. Wer viel hat, kann viel zeigen. So verwundert es kaum, dass sich der Wagen vor allem in den USA, China sowie in In der zweiten Runde folgt der Wechsel von DSC on auf MDM – aus dem Funkgerät folgt die Erklärung: Russland großer Beliebtheit erfreut. „Beim Überschreiten eines definierten Grenzwertes Im Inneren ganz friedlich: Das Cockpit strahlt Ruhe und greifen die Fahrhilfen auch in diesem Modus un­ terstützend ein.“ Klingt beruhigend. Das optionale Ordnung aus, es sind nur feinste Materialien verarbeitet. Ich Head-up-Display zeigt den idealen Schaltpunkt an. streichle über das Armaturenbrett wie ein texanischer Cow­ boy wohl seinem Bullen den Hals tätscheln würde, ehe der wil­ Ich habe, BMW-typisch, mehr Freude denn Angst de Ritt beginnt. Es riecht nach Leder und in den Sportsitzen beim Fahren, obgleich wohl jeder nach so einem Ritt sitzt man felsenfest. Dann wird der Startknopf gedrückt und schweißnass, dafür maximal befriedigt aussteigt. der V8-Biturbo brüllt auf. Die Bremse getreten, gebe ich an­ nähernd Vollgas. Die aus dem Rennsport adaptierte Launch Control regelt so die ideale Anfahrdrehzahl. Die rote Ampel schaltet auf Grün und nach dem Lösen der Bremse beschleu­ nigt der Wagen mit größtmöglichem Vortrieb. Ungezügelt. Mein Höllenritt beginnt. Unser Autor fühlt sich Rennstreckentauglich sind SUVs eher selten. Anders der X6 M: Kraftstrotzend steht er da, gleicht einem wachsamen Bullen. Selbst bei ausgeschaltetem Motor wird man das Gefühl nicht los, er könnte einen gleich auf die Hörner nehmen.

Über Funk erklärt DTM-Fahrer Marco Witmann die Brems­ punkte und teilt weitere wichtige Informationen mit. Für ihn scheint dies ein Kinderspiel zu sein. Mir steht der Schweiß auf der Stirn. Der Zwei-Tonnen-Koloss zieht munter seine Bahnen über den Asphalt. Damit auf der regennassen Fahrbahn keine Unglü­ cke geschehen, bleiben vorerst die diversen Assistenzsysteme eingeschaltet. Ein Ausbrechen oder Driften ist so nicht möglich.

sichtlich wohl nach der rasanten Fahrt.

Fazit: BMW zeigt mit dem X6 M, dass es sehr wohl möglich ist, einen Zwei-Tonnen-SUV in einen Renn­ wagen zu verwandeln. Bleibt nur zu hoffen, dass der Bayer auch den Auslauf bekommt, den er verdient. Fakten: BMW X6 M Preis: ab 117.700 Euro Leistung: 423 kW (575 PS) Verbrauch: Kombiniert in l/100 km 11,1 www.bmw.de

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Worauf bist du besonders stolz? Sören Martius 26, Internet-Unternehmer, Hamburg Besonders stolz bin ich darauf, dass ich mich im Leben nie in einer Entscheidung habe beeinflussen lassen. Das Leben ist eine Welle von Entscheidungen. Ich hab nicht immer die richtigen getroffen, aber aus jeder gelernt und bereue deswegen nichts.

Shamana-Rose Seeger 19, Model, Seattle Mein größter Stolz ist meine Familie. Wir sind immer für einander da! Egal was los ist oder wie weit die Entfernungen zwischen uns sind, ich bekomme jederzeit Unterstützung, Hilfe und viel Liebe, besonders in schweren Zeiten. Ich bin so dankbar, diese Menschen meine Familie nennen zu dürfen!

Ann-Kathrin Erler 24, Freelancerin, München Ich bin stolz auf meinen Bruder. Ich denke, das muss ich kurz erklären, denn eigentlich kann man ja gar nicht stolz darauf sein, einen Bruder zu HABEN. Ich besitze ihn nicht. Und dennoch bin ich stolz auf ihn. Weil er Sohn und Bruder ist. Vor allem aber ist er Kind. Ich bin stolz, wenn ich sehe, was er mit seinen kleinen Händen schafft. Erstaunt war ich, als ich ihn zum ersten Mal habe schreiben sehen. Stolz ist per Definition die Hochachtung seiner selbst. In dem Fall habe ich Hochachtung vor meinem Bruder, der – obwohl noch so jung – so viel weiß und kann. Dass er lieben kann. Dass da noch so viel ist, das noch unvoreingenommen ist, unbedarft, gütig und kindlich. Ich bin stolz auf ihn, weil er es schafft, mir noch so viel beizubringen.

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Daniel Specht 27, Student, Darmstadt Ich würde es „Kriegermentalität“ nennen: Jedes Mal, wenn ich der Angst Auge in Auge gegenüberstehe und ich weder weiche noch mich ablenke. Das nenne ich Stärke, das macht mich stolz.


Umfrage

Viktor Bobinski 25, Bauunternehmer, Berlin Es gibt so einige Punkte, auf die ich stolz bin. Vor allem, dass ich immer das gemacht habe, worauf ich Lust hatte. Sei es im Beruf oder im privaten Leben. Ohne zu gucken, was andere Leute davon halten. Sei es meine Ausbildung zum Metallbauer oder dann doch die Umschulung zum Tischler oder meine Selbständigkeit, die seit zwei Jahren nebenbei sehr erfolgreich läuft. Dazu kommt, dass ich mein Herz am rechten Fleck trage und jedem Menschen mit Respekt gegenübertrete. Der letzte Punkt ist, dass ich stolz auf meine Stadt bin, dass ich mein Leben hier verbringen kann.

Nic Shanker 32, selbständiger Barkeeper, Düsseldorf Ich bin darauf stolz, dass ich in meinem Leben immer das tun kann, wonach mir ist. Ich habe auf meine innere Stimme gehört, vor allem bei der Berufsauswahl. Ich bin froh, dass ich damals mein BWL-Studium nach fünf Jahren abgebrochen habe, obwohl Eltern, Freunde etc. der Meinung waren, „Sicherheit“ gehe vor. Seit 2005 bin ich Inhaber einer Cocktail-Cateringfirma. Und kann stolz auf namenhafte Referenzen sein. Darüber hinaus bin ich seit 2008 offizieller Cocktailberater für „Volle Kanne“, die Frühstücksfernsehshow. Ich kann mit Stolz behaupten, eine Berufung gefunden zu haben, die mich komplett erfüllt.

Katinka Petersen 20, Studentin, Zürich Auf meine schöne Heimat. Nach meinem Umzug im Sommer 2014 in die Nähe von Zürich habe ich das Meer und den Wind, der mir zu Hause in Kiel 24/7 durch die Haare fliegt, erst zu schätzen und lieben gelernt. Sagen zu können, ich komme vom Meer, wo andere Urlaub machen, ist einfach wunderbar. Home is where the waves are!

29  Mike Thelen-Loß 23, Model und Student, Flensburg Mit einigen Steinen im Weg arbeitete ich mich vom Hauptschulabschluss bis zum Studium hoch. Ich setzte mir Schritt für Schritt kleine Ziele und motivierte mich immer wieder aufs Neue. Zwischendurch absolvierte ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker und besuchte danach eine Technikerschule. Ich bin stolz auf meinen bisherigen Lebensweg, der für mich nicht immer einfach war.


text ina krug fotos 1zwo3

Die Zutaten: brave Kindheitsidole wie Schneewittchen gemixt mit modernem Lebensstil und Straßenjargon

Der Bonner Künstler 1zwo3 hat sich auf Paste-ups spezialisiert. Seine Papierarbeiten

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sind mittlerweile begehrte Sammlerobjekte.


street art

Mit humorvollen Interpre­ tationen wie Safe Sex (Mitte links) werden triste Wänden oder Stromkästen verziert.

Mit einem Wisch ist alles weg – und alles dran. Unter dem Motto könnten Paste-ups stehen. Hinter dem Namen verbirgt sich das Underground-Tapezieren von Fassaden. Kunst auf Papier. Ohne Spraydose. Wie ein Plakat mit Kleister an die Wand, den Hydrant, Stromkasten oder Mülleimer geklebt. Da es meist leicht zu entfernen ist, werden Pasteups oft zur Kunst zum Mitnehmen. Quasi to go. Durch die Witterung sind sie eh nicht lange haltbar.

Ein Paste-up, ein Rucksack, ein Eimer Kleister, Pinsel und weniger als eine Minute Zeit – mehr braucht auch der Künstler 1zwo3 für seine Werke nicht. Mittlerweile. Zu seinem „dilettantischen Beginn“, wie er es nennt, war das anders. Als einmalige Aktion wollte er die ganze Stadt in einer Nacht mit lebensgroßen Tierbildern pflastern. Zebras, Tiger, Elefanten – alles, was es in unseren Breitengraden nicht gibt. Angefertigt waren knapp 50 Motive­, geklebt werden sollten mindestens 30. Am Ende der ersten Nacht wurden es dann aber lediglich vier Bilder. Nach einigen Anläufen entwickelte sich schließlich eine Dynamik in der Bildherstellung. „Alles begann sich zu verselbstständigen“, erklärt der Künstler.

2010 hat er damit begonnen, auf Papier zu malen und die Werke anschließend auf Flächen zu kleben. Unter dem Pseudonym 1zwo3 hat er es sogar von der Straße ins Museum geschafft. Wer hinter dem Künstlernamen steckt, möchte er allerdings für sich behalten. Gesetzliche Grauzone. Obwohl er darauf achtet, dass kein Privatbesitz beschädigt wird. Bis heute sind so über 550 Einzelmotive entstanden – alle mit einem Edding in Handarbeit auf Tapete gefertigt, ausgeschnitten und ins Stadtbild montiert. Abgesehen von Tiermotiven benutzt er vermehrt bekannte Motive aus Film und Fernsehen. Neben stilisiertem Superman, übergewichtigem Spiderman oder sexy Schlumpfinchen, die ein Lächeln in den grauen Stadtalltag zaubern, greift er aber auch ernste Themen wie zum Beispiel soziopolitische Begebenheiten auf und übersetzt diese in seine eigene, ganz persönliche Ausdrucksform. Für den guten Zweck versteigert der Bonner Künstler mehrmals im Jahr seine Bilder. Die Einnahmen kommen einer ortsansässigen Institution zugute, welche sich der Förderung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen widmet. www.1zwo3.tumblr.com

31  Ein übergewichtiger Winnie, SpongeBob als Pulp-FictionGangster – aus Edding-Strichen wird Kunst im urbanen Raum.


Aus der Region

Gut betucht

Das Hamburger Label 360° steht für Nachhaltigkeit und maritimes Flair: Aus gebrauchten Segeln werden hier im Upcyclingverfahren handgearbeitete Taschen hergestellt. Das Ergebnis sind trendig-robuste Begleiter für jede Gelegenheit: Es findet sich neben der Umhängetasche Barkasse unter anderem das Sportmodell Container sowie die Handgepäcktasche Tanker für die nächste Flugreise. Den voluminösen Schlepper XL gibt es ab 99 Euro. www.taschen-aus-segeltuch.de

Vom Recyclingfieber Beim Label madeinosnabrueck wird alles in gepackt

Handarbeit im eigenen Atelier hergestellt. So entstehen Unikate wie beispielsweise die ­Tapeart-Bilder (ab 40 Euro) aus alten Kassetten­oder die Hookboards ­(ab 90 Euro),

einst angeschrammte Skateboarddecks und nun Garderobe, Schlüs­sel­ board, Lampe und Kunstwerk in einem. www.dawanda.com/shop/madeinosnabrueck

Von ganzem Herzen

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Schicht im Schacht

Kernig und rau geht es unter Tage zu, entsprechend präsentieren sich auch die Accessoires der Reihe Flöz. Die Arbeiten des Düsseldorfer ­Designers Moritz Wenz setzen auf eine klare und robuste Formsprache und die Verbundenheit zum regionalen Umfeld. Hier: die Bergbau­ kultur des Ruhrgebiets. So entstehen qualitative Produkte mit Seele. Die Tasche Mittlerer Kumpel gibt es für 398 Euro. www.moritz-wenz.de

Der Stuhl Trix aus der Holz- und Designmanufaktur Schmidinger-Möbelbau ist eine Neu­ interpretation des klassischen Brettstuhls, wie er seit Jahrhunderten im Alpenraum Verwendung findet. Die Designerin ­Sabine Bischof kombiniert die herzförmige Rückenlehne samt Griffloch mit einer flexiblen Sitzschale und Lackierungen in vier Trendfarben. Stückpreis: 312 Euro. www.schmidinger-moebelbau.at


trip girl

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Tattoos sind eine grosse Leidenschaft der Brasilianerin.

Fröhliches Wiedersehen

Text Camila Eiroa Fotos Dani L.

Priscilla Navarro lässt sich noch immer gern hüllenlos fotografieren. Auch wenn sich ein paar einschneidende Dinge in ihrem Leben geändert haben.

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trip girl

Die 24-jährige Mutter genießt Fotoshootings sichtlich.

Mutter zu sein, hat meine " Einstellung zum Leben und meine Sicht der Dinge stark verändert. "

Stammlesern wird es gleich aufgefallen sein: Es ist nicht das erste Mal, dass sich Priscilla Navarro auf den Seiten von TRIP zeigt. Bereits im Frühjahr 2013 posierte sie gemein­ sam mit fünf anderen Frauen aus der ­Medienszene von São Paulo. Zu dieser Zeit war sie 22 Jahre alt. Sie arbeitete als Empfangsdame in einer Werbe­ agentur und räumte unbekümmert ein, dass sie sich gern fotografieren ließe. Seitdem haben sich ein paar wesentli­ che Dinge geändert, außer die Freude an Nacktheit und (noch mehr) Tattoos.

Priscilla begann als Model zu arbeiten und sie wurde Mutter. Heute, im Alter von 24, hat sie eine süße Tochter (ein Jahr alt) und absolvierte inzwischen einen Haufen Fotojobs. Das aktuelle Shooting entstand in ihrem Haus in São Paulo, wo sie seit fünf Jahren lebt. Durch die Mutterschaft, so sagt sie, sei sie sehr gereift. „Mutter zu sein, hat meine Einstellung zum Leben und meine Sicht der Dinge stark verändert. Vorher war ich ziemlich wild und näch­ telang unterwegs“, lacht sie. „Als mein Baby kam, bin ich schlagartig erwach­ sener geworden.“ Das Verhältnis zu ih­ rem Körper habe sich verändert, erklärt Priscilla. Sie habe sich selbst nach der Geburt sehr viel besser kennengelernt und sei heute wacher und sensibler, was körperliche Signale betrifft.

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„Dank der guten Gene ist meine Figur nach der Schwangerschaft schnell wieder wie vorher gewesen“, sagt sie. „Außer an der Hüfte, die breiter gewor­ den ist. Und mein größerer Hintern. Aber ich liebe es. Meine Beziehung zu meinem Körper hat sich verändert, ich fing an, dessen natürliche Reaktionen zu respektieren, auch wenn es mir manchmal nicht wirklich passte. Nach der Geburt lernte ich mich viel besser kennen. Ich genoss die Fotoshootings. Auch bei diesem hier bin ich quasi ein neuer Mensch. Ich fühle mich sehr wohl mit dem Nacktsein. Ich habe mich nie geschämt, zu Hause bin ich immer nackt.“


trip girl

Pricilla posiert mit einer Retro-Kamera in ihrem Haus in Sao Paulo

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trip girl

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trip girl

Ein verf端h足re足 risches Spiel mit den Reizen

Dank der guten Gene " ist meine Figur nach der Schwangerschaft schnell wieder wie vorher gewesen."

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www.tripmagazin.de wenn man nicht genug bekommen kann

foto // David Peixoto

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TRIP Girl Karin Santos: Ihre blauen Augen und der dunkle Teint bilden eine verführerische Mischung.

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Reportagen

Auf www.tripmagazin.de gibt es weitere Reportagen und Fotostrecken aus den Bereichen Adventure, Design, Street Art, Fotografie und Reisen.


W Aufnahmen eg eisende

text Alexandra Dinter

Eines der bekanntesten ­Plattencover aller Zeiten zeigt eine Straßenszene: vier ­Pilzköpfe und ein Zebrastreifen. Am 8. August 1969 um 10 Uhr morgens von Iain MacMillan im Londoner Stadtteil St. John’s Wood aufge­ nommen, wurde das Motiv Vorla­ ge für unzählige Kopien, Gags und Hommagen. Das Bild der Straßenflucht inspirierte in der Geschichte des Musikbusiness jedoch weit mehr große Namen der verschiedensten Genres. Die Bandbreite der Darstellungsfor­ men und die Fülle der transportierten Emotionen sind so zahlreich wie die Straßen dieser Welt und die Landschaften, durch die sie führen. Man findet nostalgisch-wilde Wege durch mannigfaltige Natur, melancholisch-dunkle Alleen in nebulösen Traumwelten, aber auch urbane Szenerien wie grelle Promenaden oder schäbige Gassen. Zum Teil sind es auch ausgetretene Pfade. Klischeehaft präsentieren sich leere „Roads to Nowhere“ und düstere „Highways to Hell“ neben artifiziellen Kulissen künstlerischer Selbstdarstel­ lung. Gern mit Klampfe in der Hand oder in Rückenansicht, den Blick zum Horizont gerichtet. Doch egal ob präsentierter Heim-, Um- oder Irrweg, dem Betrachter stellt sich unweigerlich die Frage: Wohin soll das führen? Ob gewunden oder straight, asphaltierte Realität oder Traumwandlerpfad, die Straße führt Künstler und Zuhörer symbolisch an den eigenen Horizont – und darüber hinaus.

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JUKEBOX

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Himmlische Rutschpartie

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abenteuer

Skifahren und Wassersport am gleichen Tag? In Chile ist das kein Problem.

Text Dirk Wagener Fotos Dirk Wagener und Kilian Kimmeskamp 45


abenteuer

n Purpurlicht leuchten uns die Anden durchs Boeing-Bullauge entgegen. Das Land der Kon­ traste, zwischen Eis und Wüste – es hält scheinbar, was es verspricht. Nur nicht die durchgängig schneeweiße Bedeckung der Gipfel, die wir erhofft hatten. Kurz vor der Landung in Santiago de Chile, am 22. August um acht Uhr morgens, warten nur vereinzelte, zusammen­ hanglose Schneefelder auf Wir wechseln zu Plan B und statten der chile­ uns. Schon der Start des nischen Hafenstadt Valparaiso, der Nordküste, vierwöchigen Ski- und dem Meer und der Wüste einen Besuch ab. Roadtrips mitten im deut­ schen Sommer beginnt so Lagerfeuer, Grillexzesse, Strandübernachtung, für unsere Drei-Mann-Crew Sternenfotografie in der Wüste, Schotterpisten anders als gedacht. im Outback, lange Nächte in der Millionen­ metropole Santiago – eigentlich war alles dabei, was einen gelungenen Reiseauftakt ausmacht. Nur die Ski-Bags im Kofferraum irritieren und gemahnen an das eigentliche Vorhaben: Berge, Skifahren und exotische Wintererlebnisse.

Der Skitrip beginnt mit Lagerfeuer, Grillexzessen und Wüste.

Um das endlich zu ändern, machen wir uns auf den Weg nach Patagonien. Frei nach dem Motto „Vulkane gehen immer“. Von Santiago de Chile 850 Kilometer Richtung Süden ins Städtchen Villarrica. Der Lohn für die Mühe: Der am Hori­ zont thronende gleichnamige Vulkan zeigt seinen verschneiten weißen Kegel. Rauch steigt zur Be­ grüßung auf. Mystisch und majestätisch. Endlich wieder ein Gipfelziel. Und Glück. Denn die Wetter­ vorhersage spielt mit. Überziehen am Morgen unseres Aufstiegstages noch eine undurchsich­ tige Wolkendecke und dicke Nebelschwaden die umliegenden Täler, ist mit zunehmenden Höhen­ metern, die unser 4x4-SUV auf der Schotterpiste

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Vorbereitung auf das nächste Abenteuer des Roadtrips

bis hin zu den ersten Schneefeldern hochkraxelt, nicht nur unsere Müdigkeit, sondern auch das Zwielicht schlagartig weggefegt. Letzte Wolken­ fetzen werden nach und nach von der aufsteigen­ den Sonne vertrieben, als wir die Felle auf unsere Ski montieren und losstapfen. Freier Blick auf glitzernd weißen Schnee und eisige Gletscherfel­ der. Das Timing passt. Unterbrochen von etlichen Fotostopps kämpfen wir uns in etwa fünf Stunden hinauf bis zum Kraterrand des 2.840 Meter hohen Villarrica. Bei der anschließenden Abfahrt werden

wir mit einem einmaligen Wolkenszenario be­ lohnt. Nahezu der komplette Pazifik scheint sich in ein Wolkenmeer verwandelt zu haben, rauscht in Zeitlupe auf den Vulkan zu, zieht wie ein riesi­ ger Teppich rechts und links um ihn herum und steigt dabei nicht höher als die Schneegrenze, auf etwa 1.400 Meter. Während wir unsere Turns in die firnig-harte Schneeoberfläche ziehen, taucht die untergehende Sonne den Horizont in faszinieren­ de Purpur- und Orangetöne, die unserem europäi­ schen Auge völlig unbekannt sind.

Das Land der Kontraste, zwischen Eis und Wüste – es hält scheinbar, was es verspricht. 47

Übernachten unterm atemberaubenden Sternenhimmel


Der Helikopter als Transfervehikel zum Powder in den Hochlagen

Das Ergebnis von bereits zwei Wochen Aufenthalt in Chile: Einmal rauf auf den aktiven VillarricaVulkan und einmal runter. Ein bisschen mehr Ausbeute wäre schon wünschenswert. So fassen wir einen neuen Plan. Schon von Deutschland aus hatten wir Kontakt zur Heli-Base der Puma-Lodge in den einsamen Weiten der Anden östlich von Rancagua hergestellt. Der Weg dorthin gestaltet sich als Abenteuer für sich. Nicht enden wollende Kilometer auf Schotterpisten, am Ende noch ein veritabler Offroad-Track mit Felsblöcken, Fluss­ querungen und tiefen Spurrillen. Doch hat man die letzten Serpentinen erklommen, tauchen ein Heli-Hangar und eine stylische Lodge in Holzbau­ weise auf, die man hier in dieser Abgeschieden­ heit am allerwenigsten erwartet hätte. Und wieder hat sich die Mühe gelohnt.

Ein Helikopter garantiert Höhe – und damit Powder. Obwohl wir das Hiken normalerweise den Roto­ ren vorziehen, ist das für uns die letzte Chance, die traurige Schneesituation hinter uns zu lassen, in Höhen bis über 4.000 Meter vorzudringen, um fluffigen Anden-Schnee unter die Planken zu bekommen. Als wir die Preise für die exklusi­ ven Heli-Dienste und die luxuriöse Unterkunft erfahren, die Ernüchterung: Spätestens nach zwei Flugtagen wäre unser komplettes Restbudget für die Reise im wahrsten Sinne des Wortes verflogen. Auf unseren Lösungsvorschlag, im Heli-Hangar in Schlafsäcken zu übernachten, lässt sich der freundliche Lodge-Manager zwar nicht ein, aber er macht uns einen echten Dumpingpreis für drei Übernachtungen in seinem Nobelschuppen. Auch Heli-Chef und Chefbergführer Pancho rechnet mit spitzem Bleistift und überrascht uns mit dem Vorschlag, dass wir sozusagen unsere eigenen

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abenteuer

Anden-Playgrounds bekämen. Nicht der letzte glänzende Vorschlag von ihm, wie sich später herausstellen wird. Der Hubschrauber fliegt uns frühmorgens in extrem hoch gelegene Bowls, aus denen er uns erst am späten Nachmittag wieder abholt. Dort können wir diverse Routen aufsteigen und ganz unterschiedliche Runs abfahren. Am Ende dieser beeindruckenden Tage in irrer Höhe und absoluter Einsamkeit haben wir nicht nur die umliegenden Powderhänge zerpflügt, sondern auch eine Menge Geld gespart – schließlich war der Helikopter nicht unsere permanente Steighil­ fe, sondern nur das Transfervehikel in ansonsten unerreichbare Hochlagen. Mehr ging nicht in diesem dürren südamerikanischen Winter.

Absolute Einsamkeit am Hang

Auf die Idee, dass H2O nicht nur im Aggregats­ zustand Schnee interessant sein kann, sondern dass Chile auch in puncto Wassersport extreme Herausforderungen zu bieten hat, bringt uns dann wieder Heli-Chef Pancho. Nur wo genau sollte man hinreisen und wie sollte man bei einer 4.000 Kilo­ meter langen Küstenlinie auf Anhieb den besten Surfspot ansteuern? Das Gute liegt in diesem weiten Land mal wieder verdammt nah. Exakt im Westen von Rancagua, gerade mal 150 Kilometer entfernt, befindet sich einer der interessantesten Windsurfund Kitespots Südamerikas: Martanzas, zu deutsch „das Gemetzel“. Was genau es mit diesem Namen auf sich hat, sehen wir, als wir am nächsten Tag nach gerade mal zwei Stunden Autofahrt bei strahlendem Sonnenschein auf die gleichnamige Bucht blicken.

Ein Helikopter garantiert Höhe – und damit Powder.

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abenteuer

Unser Skiabenteuer in der anderen Hemisphäre endet im Meer.

Traumhafte Landschaft – aber kein Schnee

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abenteuer

Windstärke sechs fegt über den Pazifik und gigan­ tische Wellen krachen auf die umliegenden Felsen und den abgeschiedenen Strand. Genau dort steht das Surazo-Hotel, gebaut auf Holzpfeilern. Bäume, die durch die Terrassen wachsen, ein Restaurant mit Rundum-Verglasung, eine atemberaubende Speisekarte und eine unberührte Sicht auf den Ozean prägen das Bild. Zufällig sind die einzigen drei Windsurfer, die draußen auf dem brodelnden Pazifik ihre Klasse unter Beweis stellen, der Hotel­ chef, der Koch und der Surfschulbetreiber. Bingo. Einige Stunden später haben wir eingecheckt, Kite- und Windsurfmaterial organisiert und sitzen bei Rotwein, Pulpo-Salat und gegrilltem Fisch am Lärchenholztisch des absolut außergewöhnlichen Strandhotels. Was für ein Geschenk: Auch die Passat­winde und Pazifik-Wellen lassen uns hier an den darauffolgenden Strandtagen nicht im Stich.

Unser Skiabenteuer in der anderen Hemisphäre endet im Meer. Nie hätten wir vor Reisebeginn geglaubt, dass es irgendwo auf der Welt möglich ist, an ein und demselben Tag Ski zu fahren und Wellen zu bezwingen. In Chile wird dieser außer­ gewöhnliche Mix Realität. Zurück in Deutschland wissen wir schon gar nicht mehr, woher der feine, dunkle Lavasand stammt, der aus unseren Reise­ taschen und Rucksäcken rieselt. Vom VillarricaVulkan oder vom Pazifikstrand?

Windstärke sechs fegt über den Pazifik und gigantische Wellen krachen auf die umliegenden Felsen. 52


Skigebiete in Chile Im Norden des Landes – auf der Höhe von Santiago – haben nicht nur die Anden ihre höchs­ ten Ausmaße, sondern auch die Skige­biete Chiles. Am nördlichsten liegt Portillo (www.skiportillo.com) mit dem gleichnamigen Hotel direkt am Passo­ ­Libertadores. Man schwebt und schwingt zwi­ schen 2.512 und 3.310 Meter Höhe. Nur 50 Kilo­ meter von Santiago entfernt sind die international als konkurrenzfähig geltenden Skistationen von La Parva (www.laparva.cl),­Valle Nevado (www.vallenevado.com) und El Colorado (www.elcolorado.cl). Jene liegen direkt nebenei­ nander und ein umfangreiches Netz von Sesselund Schleppliften bringt Schneefreaks in atem­ beraubende Höhen von bis zu 3.700 Metern. Ein guter Ort zum Wohnen ist das auf 2.400 Meter gelegene, gemütliche Örtchen Farellones (www.farelloneschile.cl).

An ein und demselben Tag ski zu fahren und Wellen zu bezwingen: In Chile wird dieser auSSergewöhnliche Mix Realität.

Die Skigebiete Chiles liegen an Vulkanen und deren Hängen.

Eine ganz andere Art von Bergen präsentiert sich 400 Kilometer weiter südlich, im Vulkan-Skigebiet von Termas de Chillán (www.termaschillan.cl). Auf bis zu 2.400 Meter gehts dort mit urigen Doppelsesseln hinauf. Alle weiteren Skigebiete Chiles liegen ebenfalls an Vulkanen und deren Hängen. Meist handelt es sich dabei nur um ein

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oder zwei kleine Lifte. Wer Felle im Rucksack und Touren­bindungen auf seinen Skiern hat, kann dort völliges Neuland entdecken. Diese Vulkane sind befahrbar: Antillanca bei Termas de Puyehue, Antuco­bei Los Angeles, Corralco bei Malalcahuello,­Las Araucarias bei Cherquenco, Osorno bei Puerto Varas und Villarrica bei Pucón.


abenteuer

surfspots in Chile Eine über 4.000 Kilometer lange Küste hat etliche traumhafte Spots zu bieten. Nordchiles Surfmekkas­sind Iquique und Arica mit anspruchs­ vollen Tubes, konstantem Wellengang und perfek­ ten Reefbreaks. Im mittleren Teil Chiles – etwa 200 Kilometer südlich von Santiago –­liegt die inoffizi­ elle Surfhauptstadt Pichilemu. Wellenreiter trotzen dem eisigen Gewässer des Humboldtstroms das ganze Jahr über. Die besten Monate für Wind und Welle sind November und Dezember.

Eine über 4.000 Kilometer lange Küste hat etliche traumhafte Spots zu bieten.

Nur einige Kilometer nördlich von Pichilemu liegt der Secret Spot Martanzas – ein winziges Dörfchen mit optimalen Bedingungen für Windsurfer, Kiter und Wellenreiter. An diesen Küstenabschnitten gibt es Hunderte von Buchten, die Surfsportlern die Kinnlade herunterklappen lassen. Man muss sie nur entdecken und über schottrige Pisten oder direkt über den Strand erreichen.

Optimale Bedingungen für Windsurfer, Kiter und Wellenreiter

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Spezial-Tipps

Wer das nötige Kleingeld besitzt oder eine Bank überfallen hat, sollte sich unbedingt einen oder mehrere Heli-Ski-Tage in der superexklusiven Puma-Lodge in der total abgelegenen Andenre­ gion 80 Kilometer östlich von Rancagua gönnen. Dorthin gelangt man nur per Allradfahrzeug mit hohem Radstand und guter Offroadtauglichkeit. Das Terrain zum Skifahren dort ist atemberau­ bend. Was hier möglich ist, wenn richtig Schnee liegt, mag man sich gar nicht vorstellen. Das Heli-Skiing wird organisiert und begleitet vom europaerfahrenen und sympathischen Chefberg­ führer Francisco Medina – genannt Pancho ... www.pumalodge.cl

Egal ob Pro-Windsurfer oder Wellenreiter auf Hochzeitsreise, der Surfspot Martanzas ist ein echter Geheimtipp, genau wie das Surazo-Hotel. Direkt am Strand, komplett in Holzbauweise, be­ schattet von knorrigen Bäumen, mit geschmack­ voll gestalteten Zimmern und einem Restaurant, in dem der Koch selbst ein Topwindsurfer ist. Wer vor hohen Wellen und knackigen Windstärken nicht zurückschreckt, sollte hier aufs Wasser ge­ hen. Surfmaterial leihen kann man bei „He-Man“, der die Surazo Surf School leitet und auch sein hochmotorisiertes Zodiac-Boot durch die Wellen peitscht, falls doch mal jemand mit der Strömung abhanden kommt. www.surazo.cl

Verwöhnungsprogramm im Surazo-Hotel

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body art

Gekonnte Vorlage

von Thomas Garms

Mit zwei Tattoo-Flash-Büchern der Superlative setzt die Edition Reuss, bekannt für schwergewichtige Sammlerstücke, erneut Standards.

ür Tattoofans gilt er als Legende: Don Ed Hardy, der 2002 das Modelabel Ed Hardy gründete, wel­ ches 2004 von Christian Audigier lizenziert wurde. Hardy war der Erste, der Tattoomotive als ebenso zentrales wie auffälliges Gestaltungselement von Mode nutzte. Der Künstler, in Südkalifornien auf­ gewachsen, absolvierte eine Tätowierausbildung bei Phil Sparrow und studierte gleichzeitig ab 1967 Drucktechnik am San Francisco Art Institute. Ab 1973 perfektionierte er sein Können in Japan unter

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den Fittichen des Tätowiermeisters Horihide,­bis er 1974 nach San Francisco zurückkehrte und dort ein eigenes Tattoostudio gründete. Das Wiedersehen mit Hardys Entwürfen gehört zu den Höhepunkten des neuen Bands „Tattoo Masters Flash Collection – Part I“. Dort ist auch ein ausführliches Interview mit der Tätowierer­ legende zu lesen. Es bringt viele unbekannte De­ tails aus seinem Leben ans Licht. Hardy schildert


unter anderem, wie er als Halbwüchsiger FlashVorlagen im Schaufenster von Bert Grimms Laden bestaunte, und eine klare Vorstellung davon ge­ wann, was eineTätowierung ist und was sie leisten kann – ihre Kraft, ihre Magie, ihren Affekt. Für das Buch hat Hardy nicht nur eigene FlashSheets aus seinem persönlichen Archiv zur Verfügung gestellt. Er hat auch Raritäten aus den Frühzeiten der Tätowierung beigesteuert, unter

Der kalifornische Tattookünstler und Modevisionär Ed Hardy besitzt eine Sammlung von kostbaren Flash-Sheets.

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anderem Flash von „Sailor“ Jerry Collins, Owen Jensen, Joe Lieber und „Pop“ Eddy sowie Bert Grimm, die zu den berühmtesten Tätowierern des frühen 20. Jahrhunderts gehören.


schen Tätowierkunst: „Flash-Vorlagen – das heißt Zeichnungen auf Papier, dazu gedacht, nachgezogen und als Tätowierung auf die Haut transferiert zu werden – hängen in Schaufenstern und Warteräumen, um Laufkundschaft anzulocken und zu inspirieren, sobald sie durch die Tür getreten sind.“ Bis heute seien Vorlagen die Grundlage für das Geschäft jedes Tätowierers, so Lodder. Der an der Universität von Essex lehrende Wissenschaftler schildert, wie sich daraus ein Standard-Repertoire verbreitet hat, das eine Zeit lang auf typische Moti­ ve wie Herzen, Anker und Pin-up-Girls beschränkt blieb und damit zunächst das Vorurteil nährte, das solcherlei Symbole im Grunde das waren, was Tä­ towierungen ausmache. Lodders Vermutung: Sogar heute, in Zeiten kundenspezifischer Tätowierung, würden naive Neukunden von Tattoostudios häufig vermuten, dass die Auswahl auf das begrenzt sei, was beim örtlichen Tätowierer an der Wand des Warteraums hängt. Oben links: Flash von Miguel Morales. Mitte: Sailor" Jerry Collins. " Unten: Frank Chavez.

Beide Flash-Bände wurden im opulenten Pano­ ramaformat 28 mal 46 Zentimeter gestaltet und bieten eine Kollektion von stilprägenden FlashKunstwerken im Großformat. Die Illustrationen und Zeichnungen wurden speziell für dieses Buch­ projekt angefertigt, meisterhaft ausgeführt von zeitgenössischen Tattookünstlern, die weltweit zu den Besten ihres Fachs gehören. Jeder Künstler präsentiert seinen eigenen Stil. Damit gehört das neue zweibändige Werk weltweit zu den besten und aufwendigsten Flash-Büchern, die jemals verlegt wurden. Ein kluger Text von Matt Lodder führt den Leser in die Geschichte und Entwick­ lung des Tattoo-Flash ein. So berichtet der Autor davon, wie Flash-Vorlagen zum integralen Bestandteil des Tattoo-Business in Amerika und Westeuropa geworden sind, als man diese durch moderne Reproduktionstechni­ ken massenhaft vervielfältigen konnte. Für Lodder liegen hier die wahren Wurzeln der zeitgenössi­

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body art

Links: Ben Corday. Mitte: Die beiden Bände Tattoo Master Flash Collection Part I und II.

Der andere Band, „Tattoo Masters Flash ­ ollection – Part II“, startet mit einem Interview C mit dem Tätowierer und Ausnahmekünstler Filip Leu. Der gesamte „Leu Family“-Clan war betei­ ligt und hat tolle Flash-Kunstwerke beigesteuert. Ein weiteres spannendes Interview mit Piotr Wojciechowski, der unter anderem das „Polish Tattoo Museum“ leitet, bietet detailreiche Infor­ mationen aus der osteuropäischen Tattoowelt. Als besonderes Highlight hat er für das Buch beeindruckende historische Flash-Sheets aus den Anfängen der Tätowierung zur Verfügung gestellt. Namen wie „Sailor“ Jerry Collins, Ray Emms, Milton Zeis, Ted Hamilton und Leonard St. Clair klingen wie Musik – aus vergangenen Zeiten – in den Ohren von Tattoofans.

Beide Bände, gedruckt auf besonders hochwer­ tigem, starkem Kunstdruckpapier, weisen eine edle, stabile Spiralbindung aus Metall auf und kosten jeweils 128 Euro. Jeder, der tätowiert ist oder der tiefer einsteigen möchte in die faszinie­ rende Welt des Hautschmucks, wird von diesen Büchern begeistert sein. www.edition-reuss.de

Flash des Ausnahme-­ künstlers Filip Leu aus dem Leu Family"-Clan. "

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back home

Text Luiz Alberto Mendes Fotos Caio Palazzo

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gesellschaft

Wie es fühlt sich an, wenn man nach der Haft endlich nach Hause zurückkehren kann? Der brasilianische Schriftsteller und ExKnacki Luiz Mendes begleitet eine Verbrecherin auf dem Weg in die Freiheit.

Eine Mitarbeiterin des Frauengefängnisses Butantan öffnet für Graciana den Weg in die Freiheit.

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G

raciana ist frei. Endlich. Es ist nicht das erste Mal, dass die 53-jährige Frau aus São Paulo aus dem Strafvollzug entlas­ sen wird, aber sie hofft, dass es diesmal das letzte Mal sein wird. Seit 13.30 Uhr stehe ich mit dem Fotografen Caio Palazzo und der TRIP-Redakteurin Natacha Cortez vor dem Frauengefängnis von Butantan in São Paulo. Unsere Aufgabe: Wir sollen einen Menschen, der aus dem Ge­ fängnis kommt, auf dem Weg in seine zurückgewonnene Freiheit begleiten. Einen Menschen, der sein Leben neu beginnen möchte. Fünf Frauen sind an diesem Tag aus dem Gefängnis entlas­ sen worden. Eine davon war Graciana.

Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet. Immer wieder schauen wir auf die Uhr, misstrauisch beäugt von den Passanten. Nach drei Stunden Wartezeit öffnet sich endlich das Tor. Eine kräftige Frau stürmt heraus, geht an uns vorbei. Das Gesicht zeigt Aufregung. Dann plötzlich bleibt sie stehen, scheint sich an irgendetwas zu erinnern und schaut sich um.

Ich blicke zu ihr herüber. Unangeneh­ me Erinnerungen werden wach. Vor zehn Jahren war ich in der gleichen Situation, wurde ausgespuckt nach draußen, nach etwas mehr als 30 Jah­ ren Haft. Damals kam auch ein Team von TRIP und holte mich ab, um mich nach Hause zu begleiten. Graciana setzt sich zwischen uns auf die Rückbank des Autos. Ich überle­ ge, was sie in diesem Moment wohl fühlt, und weiß, dass es unmöglich ist, dies in Worte zu fassen. Ich will etwas sagen, aber mir bleiben die Worte im Hals stecken. Wir starten den Wagen und wollen Graciana nach Hause brin­ gen, nach Pirituba, nördlich von São Paulo: Streiflicht eines Lebens, dessen einzige Kontinuität aus dem Wechsel zwischen Prozessen, Freiheitsstrafen und neuen Anfängen besteht.

Ungenaue Wahrheit Graciana ist in São Paulo geboren, so wie ich. Sie sagt, dass sie die Tochter eines italienischen Einwanderers sei, Ergebnis der Liebschaft mit einer Der 22- Jährige sei ihr ganzer Prostituierten aus Stolz, südamerikanischer dem Landesinne­ Champion in der Kampf- ren São Paulos. Der sportart Muay Thai. Geschichte nach, die sie uns zunächst aufzutischen versucht, sei sie verhaf­ tet worden wegen des Verdachts auf Laden­diebstahl. Unschuldig natürlich.

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In Wahrheit sei es ihr Begleiter gewe­ sen, der ein paar Turnschuhe gestoh­ len und diese dann in ihre Handtasche verfrachtet habe. Man habe erst einmal kurzen Prozess mit ihr gemacht, aber schließlich habe man sie freigespro­ chen. Danach lief es angeblich ein paar Monate ganz normal. Sie bekam einen Job bei der Stadtreinigung und fegte die Bürgersteige der Altstadt. Zwei Söhne habe sie, der eine 22, der andere zwölf. Der Jüngste sei der Grund für sie zu leben, er gebe ihr die Kraft weiterzumachen. Der 22-Jährige sei ihr ganzer Stolz, südamerikani­ scher Champion in der Kampfsportart Muay Thai. Der jüngere Sohn stecke zurzeit in einem Heim. Sein Stiefvater habe irgendwo geklaut, der Junge war dabei gewesen und sei kurzerhand mit verhaftet worden. Den Stiefvater habe man schließlich freigelassen, aber den Jungen, aufgrund der Abwesenheit der Mutter, ins Heim verfrachtet. „Meine Ausweispapiere waren verschwunden“, behauptet Graciana. Dann, an einem Tag Ende Mai, habe sie ganz ord­ nungsgemäß neue Papiere beantragen wollen. „Ich dachte, wenn ich arbeite und neue Dokumente habe, wäre es möglich, mein Kind aus dem Heim zu holen.“ Aber es kam alles anders: Ein neuer Haftbefehl lag gegen sie vor.


Links: Autor Luiz Mendes interviewt die Heimkehrerin auf der Rückbank des Autos. Mitte: Auf Gracianas Fingern prangen Tattoos. Rechts: Mendes und Graciana beim Meldeamt

Angeblich, so sagt sie, hatte sie keine Ahnung, warum. Es sei zu einem Disput mit der Polizei gekommen, ohne Erfolg freilich. Schließlich habe man ihr eröffnet, dass die Staats­ anwaltschaft Berufung eingelegt hatte, weshalb sie zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt werden könne. Jetzt habe sie angeblich sechs Monate Haft hinter sich. Sie sei aus dem Gefängnis entlassen worden, um die restlichen zehn Monate draußen auf Bewährung wegen guter Führung zu verbringen. Mich beschleicht recht schnell das Gefühl, dass irgendetwas faul ist an dieser ganzen Geschichte, die sie uns im Auto auftischt. Vor allem die Be­ hauptung ihrer Unschuld. Mein Blick fällt auf ihre geschundenen Hände, übersäht mit alten Tattoos. Wer so lange im Knast war wie ich, weiß, was wirklich los ist. Die in ihre Haut gra­ vierten Codes sind eine spezielle Form der Gefängnissprache. Details ver­ raten immer Unwahrheiten, man muss nur ein guter Beobachter sein. Ich lege meine Karten offen und sage, dass ich selbst fast mein ganzes Leben im Ge­ fängnis zugebracht habe und wir nicht gekommen sind, um sie zu schädigen, sondern einfach nur die Wahrheit wissen wollen. Graciana zögert einen Moment. Aber dann entspannt sie sich, und rückt endlich damit raus, was wirklich Sache ist.

gesellschaft

Wir reden über ihre Kinder. Gracianas Augen bekommen einen feuchten Glanz. Wie schön es jetzt wäre, ihre Stimmen zu hören. Die Telefonnum­ mer eines der Kinder sei in ihrer Tasche gewesen, sagt sie. Die Tasche befinde sich noch bei der Melde­ be­hörde, wo sie seinerzeit verhaftet wurde. Kurzerhand beschließen wir, erst einmal dorthin zu fahren, um nach der Handtasche zu fragen.

Ihr Leben sei bisher die völlige Katas­ trophe gewesen, Diebstahl und Dro­ gen seit 15 Jahren, als sie ihren ersten Mann heiratete. Einen Drogenhändler, Auf dem Weg dorthin kommen wir nur sagt sie. Sie sei damals fast immer im im Schneckentempo voran. Überall Rausch gewesen, habe alle erdenkli­ Stau. Ein paar Mal fragen wir Graciana, chen Arten von Drogen konsumiert ob sie irgendetwas essen oder trinken und wurde mehrmals verhaftet – mehr wolle. „Einfach Cola, bitte“, sagt sie. als 40 Strafverfahren wurden insge­ „Das ist meine einzige Sucht heute.“ samt gegen sie eröffnet. Immer wieder Bei der Meldebehörde reagiert das landete sie hinter Gittern. Die höchste Personal freundlich und schon nach Strafe waren sieben Jahre wegen Dieb­ kurzer Zeit erhält Graciana ihre Hand­ tasche zurück – samt dem Mobiltele­ stahls und Dealerei. fon, auf dem die Telefonnummer ihres Dieses Mal, so beteuert sie, sei sie Sohnes gespeichert ist. Weil wir schon wirklich unschuldig gewesen. Ihr da sind, beantragt Graciana gleich Partner wurde ebenfalls verurteilt. auch noch eine neue Identitätskarte. Da er ein Ersttäter war, kam er mit Gemeinschaftsarbeiten davon, aber sie Die Zivilpolizistin, mit der wir auf der Behörde zu tun haben, ist die gleiche, habe wegen Rückfall die Strafe absit­ zen müssen. Im Gefängnis trifft man die damals für Gracianas Festnah­ me verantwortlich war. Etwa zehn auf viele Schicksale dieser Art. Man begegnet Menschen, die ihr ganzes Le­ Prozent der Menschen, die auf dieser ben lang das Gesetz gebrochen haben, Behörde für soziale Außenseiter Do­ und plötzlich müssen sie sich auch für kumente beantragen, hätten Schwie­ Verbrechen verantworten, die sie nicht rigkeiten mit dem Gesetz, sagt sie. begangen haben. Gracianas Stimme klingt bitter, wäh­ rend sie von ihrem Partner erzählt, der sie in der ganzen langen Zeit weder besucht habe noch irgendeine Nach­ richt von ihren Kindern übermittelte. Sechs lange Monate habe sie keine Ah­ nung gehabt, was in der Zwischenzeit passiert sei, bis jetzt wisse sie nicht, was sie zu Hause erwarten würde an diesem Tag der Freilassung.

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Graciana versucht als Erstes, ihren älteren Sohn anzurufen.


gesellschaft

Da ein Haftbefehl vorlag, sei es ihre Auf­ gabe gewesen, Graciana in Haft zu neh­ men und sie an die Gefangenen­division Deic zu übergeben. Die meisten Fälle hier stünden im Zusammenhang mit der Nichtzahlung von Kindergeld. Der Akku des Handys ist leer. Wir tau­ schen die Chips, und ich lasse Graciana mit meinem Handy telefonieren, doch niemand geht ran. Wir beschließen: Ab zu ihr nach Hause. Auf dem Weg schildert Graciana weitere Episoden ihres Lebens. Es gibt keine Chronolo­ gie, was sie sagt, klingt chaotisch. Sie spricht über vier Neugeborene, die sie angeblich verloren habe, redet von Raub, Drogen, Gefängnis, Leid und den unzähligen vergeblichen Neuan­ fängen. Wir passieren die berüchtigte Crack-Hochburg Cracolândia. Sie kennt fast jeden dort. Jetzt, nach dem Knast, was hat sie vor? Der nächste Schritt wäre, die neu beantragte ID-Karte abzuholen. Dann würde sie ihren alten Job wieder aufnehmen und zu dem Heim gehen, wo ihr jüngster Sohn ist, um ihn dort abzuholen und nach Hause zu bringen. Und der ältere Sohn? Soweit sie wisse, lebe der in Santos im Haus von Freun­ den, habe sein eigenes Leben und zum Glück auch Arbeit.

Ich blicke Graciana an. Ihr fehlen ver­ schiedene Vorderzähne; das Gesicht ist rundlich, aufgedunsen; die Augen voller Leid. Obwohl sie mit zwei Taschen voller Kleidung und Habse­ ligkeiten unterwegs ist, trägt sie die typische Gefängniskleidung: Jeans und ein schlichtes weißes T-Shirt. In den letzten sechs Monaten Knast wurde sie von niemandem besucht. Das Fernsehen und der Hof für den Freigang waren ihr einziges Fenster nach draußen. Inzwischen haben wir ihr Vertrauen, sie spricht in dem typischen Gefäng­ nisslang, benutzt Codes, die ich für das Team übersetzen muss. Sie zeigt mir ihre Narben an den Handgelenken, Spuren eines Selbstmordversuchs. Dann prahlt sie mit ihren Missetaten, gibt vor, eine höchst raffinierte und kluge Diebin gewesen zu sein. Der jun­ gen TRIP-Reporterin fallen einige Wi­ dersprüche in ihren Erzählungen auf und deshalb fragt sie nach bestimmten Zeitfenstern. Vieles, was Graciana sagt, passt terminlich nicht zusammen. In diesem Moment wird mir klar, dass sie uns davon zu überzeugen versucht, welch wichtige Person sie in der Welt der kleinen Gauner gewesen sei. Ich erkenne das typische Verhaltensmus­ ter von Gefangenen, die sich in der Haft vor den anderen aufplustern mit dem Ziel, Respekt und Eindruck zu schinden, in der Hackordnung ein klein wenig aufzusteigen. Obwohl sie jetzt frei ist, besitzt sie noch immer die Seele eines Gefangenen. „Das ist die Hölle“, sagt sie.

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Es wird schwer für sie werden, jetzt endlich das Elend hinter sich zu lassen, wirklich einen anständigen Job zu fin­ den, wegen ihrer Vergangenheit, den Tattoos, die nicht zu verstecken sind, und wegen des zahnlosen Munds. Mitleid überkommt mich. Ich denke daran, wie klein ihre Chancen sind. Wir haben keine Ahnung, ob ihre Geschichte wahr ist, ob sie wirklich als Straßenfegerin gearbeitet hat. Es gibt nur Indizien: Wer im brasiliani­ schen Rechtssystem draußen bleiben will aus dem Gefängnis, der muss die von den Behördern zugewiesene Arbeit annehmen und registriert sein. Graciana ist auf Bewährung, hat bei der Entlassung eine Karte bekommen, die sie monatlich von Bewährungshelfern abstempeln und unterschreiben lassen muss. Zu den Auflagen gehört, einer geregelten Arbeit nachzugehen, da ihr sonst die Unterstützung entzogen wird. Zehn Monate Strafzeit muss sie auf diese Weise noch hinter sich bringen, bevor sie wirklich frei ist. Nur mit ausreichend Energie und positiver Unterstützung sieht man da ein Licht am Ende des Tunnels. Back Home Schließlich erreichen wir ihr Wohn­ viertel, durchqueren eine Reihe schmutziger und enger Gassen mit baufälligen Häusern. Es dauert lang, bis wir endlich vor der Haustür ste­ hen. Auf dem Weg wird sie von Nach­ barn erkannt, die lächelnd grüßen. Sie war wohl beliebt gewesen an diesem Ort. Ihr Neffe begrüßt sie mit Umar­ mungen und nennt sie Mutter.

Graciana freut sich über neue Papiere und ihre Tasche, die in Gewahrsam genommen war.


Endlich zurück: Graciana auf dem Sofa ihres Wohnzimmers. Unten: Der Weg zu ihrem Haus

Der Junge ist sichtlich betrunken, eine graue, dünne Erscheinung, die sich bewegt wie ein Roboter. Wir be­ treten ihre Behausung und ein großer Hund knurrt uns an – sie sagt, dass er nicht beißen würde. Ich behalte ihn trotzdem wachsam im Auge. Auf Graciana gewartet hat hier nie­ mand. Ein Mann mit einem riesigen Bauch steigt aus dem Bett und kommt uns mit einem feindseligen Blick entgegen. Angeblich sei er gerade von der Arbeit gekommen und habe sich hingelegt, um sich auszuruhen. Es handelt sich um Gracianas Partner, der, wie sie sagte, die gestohlenen Sneakers in ihre Handtasche gelegt habe. Graciana wird wütend. Schreiend geht sie auf den Kerl zu, der ganze Kummer bricht aus ihr heraus. Er sei schuld daran, dass sie sechs Monate lang ihren Sohn nicht gesehen habe. Die Stimmung ist explosiv. Wir verlassen den Raum, weil wir ein Handgemenge befürchten. Ich bitte Graciana darum, die Dinge in Ruhe aufzuklären, wenn wir weg sind. Die Wohnung füllt sich. Freunde und Bekannte kommen, bringen Hochprozentiges mit, wollen Gracianas Rückkehr feiern. Alle reden durcheinander.

Es wird langsam dunkel. Zeit für den Rückzug. Die Verabschiedung ist herzlich, Graciana umarmt uns und überschüttet uns mit Küssen. Auf dem Rückweg diskutieren wir über diesen seltsamen Tag. Wir haben einen Men­ schen erlebt, der voller Fehler steckt, Defekte, Tugenden, Ängste, Hoffnun­ gen – und leidenschaftlich starken Muttergefühlen. Wahrscheinlich ist die Sehnsucht nach ihrem Kind der einzig feste Boden, das Quäntchen Hoffnung, das sie antreibt, ihr emotionale Sicher­ heit gibt. Die biografische Verankerung in einer ungerechten Welt. Glück oder Pech wechseln sich im Leben ab. Mal mehr, mal weniger. So kommt es vor allem darauf an, Ja zum Leben sagen zu können. Besonders

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gilt das für den, der ganz tief gefallen ist. Ich weiß es aus eigener Erfahrung: Das Gefängnis hinter sich zu lassen, heißt, wieder ein autonomer Mensch zu werden: ein Freiheitswesen, mit einer neuen Chance auf Respekt und der Möglichkeit, für sich und andere Ver­ antwortung zu übernehmen. Wir hoffen, dass Graciana diese Chance erkennt und nutzen kann. Gott beschütze sie.


Glanz und Substanz

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TAFELFREUDEN

Männer müssen auch mal unter sich sein. Und so fand in Hamburg die erste Gentlemen‘s Night statt, ganz ohne Frauen versteht sich.

M

änner sind Jäger und Sammler, das ist bekannt. Ständig sind sie auf der Suche nach etwas Neuem, Genuss oder Statussymbolen – und in den meisten Fällen auch nach Frauen. Zuweilen kann so ein Abend, bei dem Mann pirschend um die Häuser zieht, anstrengend werden. Wahre Liebe, so sagt man, gibt es jedoch ohnehin nur unter Männern. Warum also nicht einen Abend ganz ohne Frauen verbringen? Ehrliche Gesprä­ che, schmutzige Gedanken und spannende Geschichten.

Männer unter sich: Dabei dürfen der Whiskey und eine genussvoll gerauchte Zigarre nicht fehlen.

leckere Prime Beef, das er in seinem Restaurant für gewöhnlich Die Idee stammt vom Hamburger Gastronom Brian Bojsen auf die Teller zaubert. Sein neues­ ter Coup: Männer mit dem Gebot und so veranstaltete er am 24. Januar 2015 in Kooperation „Black Tie“ mal wieder salonfähig mit Jack Daniel’s erstmalig die Gentlemen’s Night. Normaler­ weise lautet das Motto des Hauses: „Hummer, Champagner zu machen und daran zu erinnern, und Flip‑Flops“, welches der sympathische Gastgeber auch das zu den alten Bräuchen echter konsequent durchzieht. Der Mann, der schon eine Karriere als Gentlemen das Smoking- und Profisurfer und Fotograf hingelegt hat, steckt so voller Ideen, Fliegetragen ebenso dazuge­ hört wie das Zigarrenrauchen, dass man ihn schon dafür mögen muss und nicht nur für das Whiskey­trinken und eine gepfleg­ te Konversation. Geladen waren Freunde und Bekannte aus verschiedensten Bereichen, nämlich Reeder, Anwälte und Wirtschafts- sowie Kiezgrößen bis hin zu mehr oder weniger prominenten Vertretern aus der Welt des Sports. In der schnelllebigen Wegwerfgesellschaft, in der jeder alles will, und zwar sofort, ist die Etikette im Nachtleben immer wieder von grausigen Fauxpas überlagert. Und so sollte jetzt mal Gelegenheit sein, bei Brian zum Gegenentwurf auszuholen.

Text simon schumacher fotos brian bojsen 67


TAFELFREUDEN

Wahre Liebe, so sagt man, gibt es jedoch ohnehin nur unter Männern. Warum also nicht einen Abend ganz ohne Frauen verbringen? Und so verbrachten die Herren einen unvergesslichen Abend unter sich. Mit Whiskey Sour als Aperitif ging es los, ehe der erste Gang serviert wurde. Zubereitet wurden die Speisen im JosperOfen, den Brian für seine Restaurantküche extra aus Spanien her­ beigeschafft hatte, um den Geschmacksknospen mit besonders rauchigen Grillaromen besondere Erlebnisse zu verschaffen. „Ein wahrer Gentleman ist jemand, der nichts dem Zufall überlässt. Es reicht nicht, dass man sich tadellos kleidet und dass alles makellos gepflegt ist. Die ganze Erscheinung muss vollkommen sein. […] Alle diese Fragen muss ein Gentleman sich stellen, sobald er mit dem Frühstück fertig ist.“ – Nick Yapp

Von Hummer über Tatar bis hin zum Rinderfilet, an Köstlich­ keiten mangelte es gewiss nicht. Auf das Essen abgestimmt servierte Sommelier Nils Lackner die Weine und verlor zu jedem Einzelnen das eine oder andere Wort.

Gesellige Atmosphäre, die zum stilvollen Dinieren einlädt: Zu Hummer, Tatar und Rinderfilet wurde jeweils der passende Drink gereicht.

Ungewöhnlich mag in der heutigen Zeit das ausgelassene Rauchen zwischen den Gängen gewesen sein. Selbstver­ ständlich wurde keiner der erlesenen Gäste vor die Tür gebeten, sondern es wurde zum Bourbon aus dem Hause Jack Daniel’s zunächst die passende Zigarre vorgestellt, dann bestimmungsgemäß präpariert und schließlich mit Bedacht geraucht. Selbst der eine oder andere eingefleischte Nicht­ raucher wurde angesichts dieser Genüsse seinen Prinzipien mal vorübergehend untreu.

Dass die stetige Wiederholung von Wein, Whiskey und Zigarre mit der Zeit für eine ausgelassene Stimmung sorgte, versteht sich von selbst. Allerdings ist aus gleichem Grunde die Erinnerung an die letzten Stunden nur schwerlich zu rekonstruieren. Wann die nächste Gentlemen’s Night im Brian’s in der Hamburger Milch­ straße stattfindet, erfährt man unter www.brians-steak-lobster.com

Alte Bräuche neu belebt: Stilvoll und gediegen präsentieren sich die Herren mit den passenden Accessoires.

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www.entrance-to-heaven.com


auto

GroSSes

Kino von Thomas Garms

Wer Muscle Cars liebt, kennt den Ford Mustang Shelby GT500 alias Eleanor aus dem Film „Nur noch 60 Sekunden“. Ein Deutscher baut diese PSstarke Lady erfolgreich nach.

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oole Wagen waren für actiongeladene Hollywoodsteifen schon immer ein einprägsames Requisit. Und wenn das jeweilige Fahrzeug dann noch zu den Männerträumen gehört, wie der Ford Mustang Shelby, dann bietet es sich an, aus dieser Begeisterung sogar ein Geschäft zu machen. Wie das geht, zeigt uns Phillip Rueger aus Viersen am Niederrhein.

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fotos // Phillip M. Rueger

Kraftpaket und optisch eine Augenweide: Der Mustang GT500 Eleanor mit V-8-Triebwerk bringt bis zu 750 Pferdestärken auf die StraĂ&#x;e.


auto

Kein Schnickschnack: Das Cockpit ist funktional und maskulin, auf Fahrspaß ausgerichtet.

Der Autonarr hatte sein Erweckungserlebnis, nachdem er den Action-Blockbuster „Nur noch 60 Sekunden“ mit Nicolas Cage und Angelina Jolie aus dem Jahr 2000 gesehen hatte. In diesem Film spielte die eigentliche Hauptrolle ein leistungs­ mäßig und optisch getunter Shelby Mustang GT500 von 1967. Charakteristisch für den umgebauten 1967er-Mustang waren die mittig angebrachten Scheinwerfer, die ausgestellten Rad­ häuser sowie eine angepasste Motorhaube und Heckklappe. Für das Design hatte damals der Doch erlangte dieser Wagen so viel Aufmerksam­ Produzent Steve Stanford den bekannten Fahr­ keit, dass das Muscle Car in Kleinserie unter der zeugtuner Chip Foose beauftragt. Es sind dann Bezeichnung Shelby GT500E von einer Firma na­ zwölf Exemplare für die Dreharbeiten hergestellt mens Unique Performance nachproduziert wurde. worden, wobei nur wenige wirklich fahrtüch­ Mit der richtigen Nase für Trends sicherte sich tig gewesen sind. Die meisten dienten nur als Rueger die Lizenz für den Nachbau in Deutsch­ Attrappen und gingen bei den Stunts zu Bruch. land. Seitdem rennen Autonarren dem CustomCar-Spezialisten die Bude ein. Jeder Nachbau des Mustang GT500 Eleanor wird in Ruegers Werkstatt in Handarbeit gefertigt. Mindestens elf Monate braucht es, bis ein Fahrzeug fertig ist. Doch bevor die extravagante Lady die Halle ver­ lassen darf, muss der Käufer zwischen 150.000 und 200.000 Euro auf den Tresen blättern.

US Muscle Cars in bester Gesellschaft: Der Fuhrpark des Custom-Car-Spezialisten Rueger weckt Männerträume.

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Testfahrt auf dem Runway eines Militärflughafens: Die Beschleunigungswerte sorgen für reichlich Adrenalin.

Basierend auf einem 67er- oder 68er-Mustang-Fastback, ver­ bauen Ruegers Mechaniker modernste Technik. Das Herz der heutigen Eleanor besteht aus Aluminium, fast sieben Liter in acht v-förmig angeordneten Kammern. Die Triebwerke ver­ fügen über eine digitale Einspritzung. Je nach Kundenwusch steigt die Leistung dank Kompressoraufladung von 550 PS auf bis 750 PS. Das sorge für immense Kraftreserven und eine beindruckende Beschleunigung. „Wenn man will, kann man die Fahrzeuge ziemlich hart rannehmen“, lacht Rueger. „Doch in der Regel machen die Kun­ „Natürlich werden auf Wunsch auch die legendären den das nicht.“ Die Autos werden eher für das Nitroanlagen installiert“, sagt Rueger. „Die bringen genussvolle Schönwetter-Cruisen aus der Gara­ oben drauf noch mal 150 PS, a­ ber ­die sind ­­ ­­nicht­­­­­ ge geholt. „Wir haben keinen Kunden, der mehr per ­­se scharf geschaltet, sondern haben mehr sym­ als 1.000 Kilometer im Jahr damit fährt.“ Es gehe bolischen Charakter.“ Dieses in Actionfilmen wie „The Fast and the Furious“ mit hammerharten Be­ mehr um das Lebensgefühl. schleunigungsorgien dargestellte Feature sei im wirklichen Leben nur für zwei, drei Sekunden ausge­ legt und prinzipiell recht gefährlich in der Technik.

Ein Besitzer am Zürichsee Fährt seinen GT500 Eleanor überhaupt nicht. Er hat Ihn vielmehr auf einer Drehbühne in seiner privaten Sammlergarage ausgestellt.

Beim Getriebe stehen sowohl Handschalter als auch Automa­ tik zur Wahl. Weitere Ausstattungsmerkmale wie Leder, FunkSchließanlage, Audio/DVD-Installation und GPS-Navigation sind auf Kundenwunsch ebenfalls lieferbar. Die Fahrzeuge werden für den deutsch-europäischen Markt komplett mit deutscher H-Zulassung und Pa­ pieren ausgeliefert. Derzeit, verrät Rueger, seien am Zürichsee fahre seinen GT500 Eleanor über­ acht Stück auf europäischen Straßen unterwegs, haupt nicht. Er habe diesen vielmehr auf einer davon zwei Exemplare in der Schweiz und vier Drehbühne in seiner privaten Sammlergarage Stück in Deutschland. Ein Schweizer Besitzer ausgestellt, ganz wie ein kostbares Kunstwerk, was der Wagen in der Tat auch ist. So könnte einer der wenigen stolzen Besitzer vermutlich auf der Stelle 450.000 Euro für seinen Wagen erlösen – weiterver­ kauft hat sein Auto allerdings noch niemand.

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Der Blick auf die Karosserie und unter das Auto zeigt, dass dem Kunden ein Oldtimer als Neuwagen ausgeliefert wird.


auto

Originalteile von alten mustangs sind selbst im ­­­US-Amerikanischen Heimatmarkt nur sehr schwer zu bekommen.

Das hat möglicherweise einen guten Grund. Denn offiziell ­lizensierte Fahrzeuge aus dem Hause Classic Recreations dürfen inzwischen nicht mehr produziert werden. Das Ge­ samtvolumen von 150 Fahrzeugen wurde erreicht. Von die­ sen 150 lizensierten Replikafahrzeugen sind noch drei bei Phillip Rueger gesichert. „Wenn die weg sind“, sagt er, „bau­ en wir die Autos trotzdem weiter, allerdings ohne Embleme oder Typenkennzeichen.“ Amerika über ein breites Netzwerk an Leuten ver­ Wer eine solche Replika von Rueger beziehen fügt, die in jedem Winkel des Landes nach Teilen möchte, muss lange Wartezeiten in Kauf neh­ suchen und diese nach Viersen verschicken. Der men. Neben der Handarbeit des Aufbaues liegt Anspruch: Wenn alles aufbereitet und verarbeitet das zum größten Teil daran, dass Originalteile ist, wird an den Kunden ein Oldtimer als Neuwa­ alter Mustangs selbst im Heimatmarkt nur sehr gen ausgeliefert. schwer zu bekommen sind, obwohl Rueger in Und die Wartung? „Super einfach“, lacht Rueger. „Prinzipiell kann jede Werkstatt, die auf amerika­ nische Wagen spezialisiert ist, das Auto warten.“ In den Repliken seien ganz normale Verschleiß­ teile verbaut. Privat fährt Rueger, der sein Geld ­ursprünglich mit dem Import von Neonreklame­ anlagen gemacht hat, einen Dodge Ram mit einer auf 700 Pferdestärken getunten Maschine.

Sein Hund, ein Golden Retriever, darf dort freilich nicht zu­ steigen. Der muss mit einem stinknormalen Opel Astra vor­ lieb nehmen, den Rueger für schlappe 4.000 Euro gebraucht erstand. Der Opel hat Sitze aus Alcantara-Leder, die das Herr­ chen nicht zu saugen braucht.

Das Triebwerk des Shelby GT500E sorgt für immense Kraftreserven und eine beindruckende Beschleunigung.

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Text Alexandra Dinter Animationen 3XN/GXN

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Fußgängerbrücke ins Grün: Mit seinen bewachsenen Terrassen bildet das Gebäude einen lebendigen Korridor zwischen Stadt und Wald.

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ie traditionelle Schularchitektur ist oft rein funktional gedacht und geplant worden. Daher streng, kalt, linear und in sich geschlossen. Unter den Lehranstalten finden sich bis heute zahlreiche monu­ mental-herrschaftliche Bauten, die denkmalgeschützt den päda­ gogischen Ernst des eingehenden 19. Jahrhunderts konservieren. Oder auch kasernenartige Lernfabriken, die als kastenförmiges Erbe der 1960er- und 70er-Jahre mit dunklen, innen­liegenden Flu­ ren, sonnenverblassten Kunststoffverkleidungen und abgenutz­ ten Linoleumböden dringend zur Sanierung mahnen. Statisch aufgeladene Böden, karge Betonwände, Neonlicht und Frontalun­ terricht gehören zum Glück der Vergangenheit an und Neuent­ würfe bringen Licht und Leben in den Lernalltag.

Das geplante Baugrundstück liegt in einem Industriegebiet. Rundherum erstreckt sich der königliche Nationalstadtpark.

Ein Team des dänischen Büros 3XN erarbeitet 2012 das Projekt Green School Stockholm und setzt damit ein Statement in Sachen grüner (Schul-)Architektur. Das 1986 gegründete Unternehmen (damals Nielsen, Nielsen & Nielsen) mit Hauptsitz in Kopenhagen ist für die Entwicklung neuer Standards für Bildungsstätten bekannt, spätestens seit Bau des Ørestad College. Die Themen Umweltschutz, nachhaltige Architektur und ökologisches Design spielen in der Firmenphilo­ sophie eine derart entscheidende Rolle, dass sich 2007 unter der Für die Erziehung zur Leitung von 3XN-Partner Kasper Guldager Jensen eine inter­ Nachhaltigkeit kramt das ne Abteilung gründet: GXN. Das G steht für Green und zeigt so Team von GXN ganz tief schon im Namen die Spezialisierung auf die Erforschung „grüner“ in der Forschungs­-Trick­kiste. Materialien und Technologien. GXNs visionäres Konzept basiert auf dem erklärten Wunsch, Projekte Die Grundidee der Green School befördert Luftqualität, Indoorzu realisieren, die zu einer Baukultur Farming einen ökologischen Energiehaushalt sowie die Neustruk­ beitragen, die unseren Lebensraum turierung urbaner Räumlichkeiten schlicht und einfach durch die positiv beeinflusst – auf architektoni­ scher wie umwelttechnischer Ebene. Verschmelzung von Natur und Gebäude. Für dieses simple und in der Baugeschichte nicht ganz neue Ideal – man denke nur an die organischen Werke Gaudís, die Baummieter von ­Friedensreich Hundertwasser oder das Hauskonzept Falling Water von Frank Lloyd Wright – kramt das Team ganz tief in der Forschungs-Trick­ Dachbegrünung, sprich die Inkiste und fährt etliche Neuerungen auf, die der Bereich der ökolo­ stallation regenwasserabsorbie­ gischen Architektur zu bieten hat. render Roof­top Gardens, ist dabei nur der offensichtlichste, wenn auch ein grundlegender Gedanke. Auch die Fassade ist Realisationsfläche moderner Energiekonzepte. Es finden sich hier verschiedene Elemente. Neben begrünten Flä­ chen nach dem Konzept der vertikalen Gärten, lebender „Murs Végétaux“, wie sie der Franzose Patrick Blanc in den Metropolen dieser Welt bereits zahlreich realisiert hat, setzt der Entwurf auf in­ telligente Oberflächen, die sich Algenwachstum zunutze machen. Die Technologie der bioreaktiven Fassade prägt nicht nur den optischen Gesamteindruck eines Gebäudes durch ein auffälliges Grün, sondern sorgt mit der Zucht von Mikroalgen für völlig neue Möglichkeiten regenerativer Energiegewinnung: Sonnenlicht und Kohlendioxid werden in Biomasse und Wärme überführt, die sich beispielsweise zur direkten Beheizung nutzen lässt.

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visionen

Im Inneren des Gebäudes sind neben der Installation sogenannter Living Machines – ein System, das Feuchtgebietsvegetation und Bakterienkultu­ ren zur Wasseraufbereitung nutzt – weitere Bepflanzungsspielarten vor­ gesehen: Zum Beispiel hängende Gärten, die Gehwege und Aufenthalts­ räume blühend überspannen. Denkt man an die tristen, meist finsteren Schulflure der Kindheit zurück, erscheint einem diese grüne, lebensbeja­ hende Umgebung tatsächlich wie eins der sieben Weltwunder. Doch findet sich im Konzept der Skandinavier nicht nur künstlich nachgezüchte­ ter Indoor-Farming-Bewuchs, auch die natürliche Umgebung wird berücksichtigt. Das der Planung zugrunde liegende Baugrundstück befindet sich in H ­ jorthagen, einem Industriegebiet von Stockholm. Angrenzend erstreckt sich der ­Kungliga ­Nationalstadsparken, eine royale Parklandschaft und der weltweit erste Nati­ onalstadtpark. Die Idee – einen Nationalpark inmitten einer Großstadt zu ver­ wirklichen – aufgreifend, ist die Green School auch als Brücke entworfen, die es Fußgängern ermöglicht, von der flacher gelegenen, nördlichen Seite gen Süden hinaufzusteigen. Und so aus dem industriell geprägten Stadtareal hinaus in den kleinen Wald zu treten, der direkt an das Gelände anschließt. Zwei ineinandergreifende, gegenläufige Bögen geben dem Gebäude­ entwurf seine Form. So erinnert das Profil nicht nur an eine natürliche, grüne Terrassenlandschaft, die es allen Lebewesen ermöglicht, sich unge­ hindert dem Licht entgegenzustrecken. Es entsteht im Inneren auch ein lichtdurchfluteter Bereich, der – gleich einer von Rippenbögen geschütz­ ten Lunge – eine zirkulierende Frischluft-Atmosphäre schafft. Und Raum für Gemeinschaft und Spontanität. Gleichzeitig werden so privaterer Schultrakt und öffentlich zugänglicher Bogen schonend getrennt.

Für die Erziehung zur Nachhaltigkeit, ein Leben lang.

Denn – und auch das ist eine bemerkenswerte Neuerung – die Green School löst nicht nur in ökologischer und architektonischer Sicht das Konzept überholter Schuleinrich­ tungen ab, es bricht auch mit der altbekannten Gliederung und der klassischen Or­ ganisation von Bildungsstätten. So soll das Gebäude nicht nur multiple Begrünungs­ technologien und College-Räumlichkeiten beheimaten, sondern auch Wohnungen für Studenten sowie Senioren-Appartements auf insgesamt neun Stockwerken. Auch ein Kindergarten ist geplant: Direkt neben einem Birkenwald soll er den Kleinen eine sichere Oase bieten. Der insgesamt 22.800 Quadratmeter große Komplex wird durch ein Gewächshaus­ areal mit einer Fläche von 1.600 Quadratmetern ergänzt. Dieses produktive Treibhaus umfasst drei Etagen und bildet den eigentlichen Fokus des Green-School-Projekts. Das hier und in den Vertical-Farming-Einheiten längs der Gehwegs-Passagen gezo­ gene Gemüse kann so einerseits den hier Lernenden als lebendiges Studienobjekt dienen und andererseits das Interesse von außen wecken. Im öffentlichen Bereich des Gebäudes ist deshalb ein Bio-Supermarkt vorgesehen, in dem das organisch an­ gebaute Gemüse aus den Treibhäusern verkauft werden kann. Das Team unter Stararchitekt Kim Herforth Nielsen folgt mit der Pla­ nung der Green School der gängigen These, dass der Raum selbst den Menschen ein wichtiger Pädagoge ist. Nielsen, 3XN-Gründer und Mit­ herausgeber des Buchs „Mind your Behavior“, vertritt die Ansicht, dass die Umgebung nicht nur ästhetisch erzieht, sondern Architektur Verhaltens­ weisen gänzlich neu erschafft. Im Fall der Green School also ein Leben in Gemeinschaft und Nachhaltigkeit. Zwar wurde das visionäre Projekt bis­ her nicht baulich umgesetzt, doch vermittelt es auf inspirierende Weise: So könnte sie aussehen, die grüne Schule von morgen.

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GXN bricht mit altbekannten Organisationsmustern: Green School vereint Schulräumlichkeiten mit Seniorenwohnungen, Biomarkt und Gewächshaus.


fotografie

Ikonen der Gen端gsamkeit

Text Alexandra Dinter Fotos Sonja Lacher

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Charakterstarkes Herdentier: Die Kuh ist der Inbegriff von Ruhe und Gelassenheit.

Die Kuh ist das eigentliche Nationaltier der Schweiz. Neben Halsbonbons und Bankentum, Uhrwerk und Allzweckmesser verkĂśrpert sie HeimatgefĂźhle pur.

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fotografie

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36 Rassen leben in der Schweiz, eine Auswahl davon hat die Schweizer Fotografin Sonja Lacher porträtiert. Von ausdrucksstarken Schwarz-WeißBildern blicken sie nun dem Betrachter entgegen und präsentieren sich von ihrer sympathischsten und – man muss zugeben ­­ – unbekannten Seite. „Ich wollte zeigen, was das für tolle Tiere sind.“ Als Fotografin sei sie besonders von den Details faszi­ niert, von der Silhouette, den Augen, der Struktur des Fells. Ebenso interessant sei die Interaktion der Tiere, der Familiensinn und der spielerische Umgang miteinander. Tatsächlich finden sich auf den 128 Seiten etliche Nahaufnahmen, die die kör­ eitet Europa auf dem Stier, sitzt die schöne perlichen Eigenheiten ins rechte Licht rücken. Im ­Helvetia mit Sicherheit auf dem Rücken einer Kuh. Fokus liegen mal ledrige Schnauzen, mal schnee­ weiße, starre Wimpern. Sieht man die Reflektionen Die unabhängige Schweiz liegt mitten in der EU, grenzt an fünf Staaten. Auf ihrer Karte verzeichnet auf rauem und glattem Horn sowie der feuchten, fusseligen oder seidigen Haarpracht, entsteht der sie unzählige Täler und Gipfel, darunter 48 Vier­ tausender, und lässt vier offizielle Amtssprachen Wunsch, einfach ins Bild hineingreifen zu kön­ zu. Die nationale Identität und der Zusammenhalt nen. Zudem erblickt man die unterschiedlichsten Charaktere, darunter das verspielte Jungrind, die der Eidgenossen basieren also eher nicht auf einer gemeinsamen Zunge oder Ethnie, sondern geschmückte Schönheitskönigin und den wachsa­ men Bullen mit wuchtigem Nasenpiercing. Andere auf interkulturellen Faktoren wie gemeinsamen ­Werten und Traditionen. In der Schweiz sind Bilder dokumentieren das Verhalten der Tiere. zudem zahlreiche Tiere heimisch. Darunter so Einzelporträts wechseln mit Gruppenbildern und interessante Zeitgenossen wie Wolf, Braunbär, zeigen den Rinderalltag in lebendigen Szenerien, Steinbock, Gämse, Adler und Murmeltier. Doch die zum Schmunzeln anregen: Aufregung beim warum gerade die Kuh zum Nationaltier werden Begatten am See, zufriedene Mimik beim Dösen in sollte, erklärt der Schweizer Konzeptkünstler, der Sonne und neugierige Stupser auf der Weide. Musiker und Bio-Rinderfarmbesitzer Dieter Meier. Scheu und Scham zeigen sie naturgemäß keine, ko­ kettieren jedoch unbewusst mit der Kamera, wenn Er hat das kurze Vorwort zu dem neu erschiene­ nen Bildband „Kuhle Schweizer“ geschrieben, sie mit ihrer Zunge in der Nase bohren, wild mit den Sonja Lacher dem heimatlichen Herdentier den Ohren schlackern, stoisch durch den dichten gewidmet hat. So misst Meier den Tieren in der Pony schielen, beim Wiederkäuen ins eigene Fell Entstehung der unabhängigen Schweizer Kultur sabbern oder dem Betrachter das schlammverkrus­ eine Bedeutung biblischen Ausmaßes zu und titelt tete Hinterteil entgegenstrecken. Ästhetik und Witz gehen Hand in Hand. unumwunden: „Am Anfang war die Kuh“. Rinder­ haltung machte demnach das Überleben in den Alpen erst möglich und verhalf den Schweizern zu ihrer Unabhängigkeit. Rinderzucht ist weltweit von Bedeutung. Doch die Ikone der Schweiz ist kein Rodeobulle wie in Texas, kein Kampfstier wie in Spanien und keine heilige Unantastbarkeit wie bei den Indern, sondern die Milchkuh, das Nutz­ tier par excellence.

Mit Hörnern, bitteschön! Hornlose Rinderrassen sind die Ausnahme, allerdings fällt der Hauptschmuck oftmals beengten Haltungsbedingungen zum Opfer.

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Den Bildern gegenübergestellt sind die wichtigs­ ten Short Facts. Als Randnotizen informieren sie über interessante Daten aus dem Dasein der Tiere. Wer hätte gedacht, dass Kühe in einem Radius von 270 Grad, jedoch nicht frontal sehen können, bis zu 180 Liter Wasser am Tag trinken und sehr, sehr viel mehr Zeit mit Essen als mit Schlafen verbrin­ gen? Und man erfährt: 90 Prozent der Kühe haben keine Hörner mehr! Ein Fakt, den die Tierschüt­ zerin Sonja Lacher bedauert: „Ich finde, eine Kuh braucht unbedingt Hörner.“ Diese würden jedoch aus Platzmangel oft wegrationalisiert. Natürlich mag und fotografiert sie auch die Ungekrönten, die seien allerdings nicht mehr so „original“. Kühe sollten auf der Alm stehen und frisches Gras fres­ sen dürfen. Das sei in der Schweiz zum Glück noch überwiegend möglich. „Leider sind sie zu groß als Haustiere. Ich kann keine im Garten halten.“

Die Milchwirtschaft ist eine der wichtigsten Traditionen der Schweiz.

Die Idee zum Bildband hatte die gebürtige ­Züricherin beim Wandern in den Alpen. Die Digitalkamera hat sie immer dabei. Die Bil­ der macht sie aus dem Stegreif, da man ja nie wissen könne, wo sich die Tiere auf den großen Weiden aufhalten. Planung sei nur im Stall möglich. „Bei der Aufnahme gab es überhaupt keine Probleme“, sagt die begeisterte Künstlerin. „Die sind total neugie­ rig, kommen, schauen was los ist, schlecken auch mal die Linse ab.“ Ihr Geheimtipp für den Umgang mit den geruhsamen Riesen ist Respekt und Wertschätzung: „Wenn man sich ihnen nähert, dann haben sie es ganz gern, wenn man mit ihnen spricht, das beruhigt sie total!“

Kühe sehen in einem Radius von 270 Grad, jedoch nicht frontal.

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fotografie Ausdrucksstarke SchwarzWeiß-Aufnahmen: Der Bildband präsentiert die Tiere auch von ihrer unbekannten Seite.

Der intimste Moment war ebenfalls spontanes Glück: Mit dem Auto in den Bergen unterwegs wird die Fotografin zufällig Beobachterin einer Geburt. „Ich war so aufgeregt!“ Natürlich habe sie sofort zur Kamera gegriffen. „Es war ganz wahnsinnig spannend, wie schnell das Kleine aufgestanden ist. Die Nabelschnur hing noch runter, und es stand da und guckte.“ Der ebenfalls vorbeikommende Bauer konnte die Aufregung nicht teilen. Die Natur sei es gewohnt, dass alles ihren Lauf nimmt. „Ich hab gerufen und gewunken und wollte ihm irgendwie erklären, er solle zu Hilfe eilen. Aber der hat nur gelacht und zurückgewunken. Die brauchen keine menschliche Hilfe. Das ging alles ganz schnell. Das ist unglaublich.“ Der so entstandene Schnellschuss ist ebenfalls im Band zu finden. Genauso wie einige andere Kälbchen, meist aus einiger Entfernung foto­ grafiert. „Wenn ein Jungtier dabei ist, muss man Ab­ stand wahren, denn dann ist die Mutter aggressiv.“ Echte Angriffslust liegt den sonst friedliebenden Grasfressern jedoch fern. „Ich hatte immer nur tolle Momente, nie einen Angstmoment. Es war immer nur schön! Ich fühl mich wohl mit den Kühen.“

Nicht nur, dass Sonja Lacher Zeit ihres Lebens eine tiefe Zuneigung mit den Tieren verbindet, sie sieht sie auch ganz selbstverständlich als Teil ihres Lebensumfelds. In der unmittelbaren Nähe ihres Wohnortes gibt es zahlreiche Bauernhöfe, auch in direkter Nachbarschaft: „Da war ich oft.“ Ihre Impressionen hält sie fest. Für sich und ande­ re. „Ich empfinde das als Heimat.“ Der Index des Bildbands zeigt auf einer Karte die Orte, an denen die Aufnahmen entstanden sind. Die Streuung ist groß, doch das wäre ja auch kein Wunder, lacht sie mit charmantem Akzent, die Schweiz sei ja auch sehr klein. Das Projekt gab zudem noch Anstoß zur Ahnenforschung und zeigt der Autorin die eigenen Wurzeln auf: „ An­ scheinend ist mein Urgroßvater Viehhändler ge­ wesen – im Kanton Schwyz.“ Ihr Werk ist vielleicht nicht zuletzt deshalb den Schweizer Bauern ge­ widmet, die sich dieser genügsamen Wiederkäuer annehmen. Ihr Handwerk wird sowohl in Form der fast schon kitschverdächtigen Kuhglocken als auch in der Dokumentation eines Trachtenum­ zugs präsentiert. Das hat seinen Grund.

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Die Traditionen der Molkerei und Rinderzucht sind für das Alpenland ein derart grund­ legender Tätigkeitsbereich, dass noch bis ins 19. Jahrhundert hinein Personen, die Viehwirtschaft und Sennerei nach Schweizer­ art zu treiben verstanden, im Deutschen die Be­ rufsbezeichnung „Schweizer“ trugen, auch wenn sie gar nicht aus der Alpenregion stammten. In diesem Sinne passt es dann auch sehr gut, wenn der Bildband als Botschafter reinster Swissness ein Stück Schweiz, ein Stückchen Heimat, ins Ausland tragen kann. Für Exilschweizer und Liebhaber. Der Text des zweisprachigen Werkes begünstigt das in jedem Fall. Hier steht dem flaggenroten Deutsch nämlich keine der drei anderen Amtssprachen (Französisch, Italienisch, Rätoromanisch),

sondern die Allerweltssprache Englisch schwarz auf weiß unterstützend zur Seite. Verlegt wird das schmucke Tablebook im AS Verlag, einem Schweizer Sachbuchverlag mit regionalem Pro­ grammschwerpunkt. Der hochwertigen Verarbei­ tung merkt man die Lust am Projekt an. Dieser Bildband ist keine huschelige Modeerscheinung, sondern eine Hommage mit Langlebigkeits­ garantie – typisch schweizerisch eben.

Sonja Lacher Kuhle Schweizer – Swiss Stars | Zweisprachig deutsch/englisch | 128 Seiten, 91 Abb. Duoton, 26 x 21 cm, Hardcover in Schuber | AS Verlag, Zürich | 36,90 Euro | ISBN 978-3-906055-20-6 | www.sonjalacher-photography.ch

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Ent schleu ni gung Einfach mal die Seele baumeln lassen: Im litauischen Klosterhotel Monte Pacis trifft Luxus auf historische Gem채uer.

VON ina krug

Malerisch liegt das Monte Pacis auf der Halbinsel, umgeben von der Lagune Kaunas.

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fluchtpunkte

Der erste Eindruck zählt. Und der ist pompös. Eine knapp hundert Meter lange Lindenallee führt zum Ein­ gangstor. Eine prachtvolle Schneise, beleuchtet von Dutzenden Strahlern. Die Empfangshalle ist in den Schein von Hunderten brennenden Kerzen getaucht, ein flackerndes Meer aus Licht, dicht aneinanderge­ reiht, miteinander verschmelzend, auf den Treppen­ stufen, die nach rechts und links zu dem oberen Stock­ werk für die Besucher abzweigen. Dieses Gästehaus des Gebäudekomplexes wurde mit EU-Mitteln rekon­ struiert, unter der Bedingung, dass es für touristische Zwecke genutzt wird. Hier finden Pilger, Durchreisen­ de und Entspannungshungrige nun auf 13 Zimmern einen Rückzug aus der Routine und die Möglichkeit, körperlich und geistig zur Ruhe zu kommen. Weiß getünchte Wände, Holzbalken, eine durchdringen­ de Atmosphäre der Geborgenheit – die Grundfarben der Außenfassade und der erste Eindruck setzen sich im Inneren fort. Die Zimmer und Appartements sind im barocken Stil dekoriert, wobei die Dekorelemente mi­ nimalistisch und mit Bedacht ausgewählt wurden. Ein puristischer Look. Asketisch und doch luxuriös – im Monte Pacis kein Wider­ ch begleite Sie in ein fernes, nebliges, zärtliches, leises Land. Lassen Sie spruch, sondern Konzept. Die Räume uns die Flügel ausbreiten und über eine Landschaft fliegen, wo uns der verfügen über eine Minibar und ein Duft von Wasserlilien und die modrige Luft der Wälder umgibt. Das ist eigenes Bad mit einer Badewanne oder Litauen“, schrieb Oscar Milosz, französisch-litauischer Lyriker des aus­ einer Dusche. Und wer die Wahl hat, klingenden 19. Jahrhunderts, über sein Land. Zutreffend. Litauen ist von hat die Qual: Die Zimmer sind – je nach sanften Hügeln und von unzähligen mystischen Seen und Flüssen ge­ Kategorie – nach königlichen Gästen, prägt. Opulent anmutend liegt das Monte Pacis an einem ebensolchem Künstlern und Personen benannt, die Wasserlauf auf einer Halbinsel, die von der Lagune Kaunas umgeben ist. hier lebten und arbeiteten. Mitten in der freien Natur, weit weg vom Stadtleben und den Touristenpunkten. Und mitten in einem funktionierenden Kloster. Dem Reiz, einen Blick hinter die Mauern einer meist verschlossenen Welt zu werfen, kann man hier nachgehen. Ohne an Luxus einzubüßen.

Das Gästehaus des Gebäudekomplexes kann für private Feierlichkeiten gebucht werden.

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Heute leben noch 19 Schwestern im Kloster Pažaislis. Auf Wunsch führen sie Neugierige durch die historischen Gemäuer. Die Wände aus rotem und schwarzem Marmor, Stuckarbeiten und Fresken, eine gewaltige Kuppel, strenge Symmetrie – nicht umsonst gilt das Kloster als eines der schönsten Barockbauwer­ ke in Litauen. Der Grundstein 1667 geweiht, 1812 von ­Napoleons Truppen geplündert, im Ersten Weltkrieg als Lazarett umfunkti­ oniert, ist der beeindruckende sechseckige Bau allerdings von Kriegen, Bränden und Zerstörungen gezeichnet. Er trennt heute den privaten Klostertrakt von dem öffentlichen Teil der Anlage, in dem sich auch das Gästehaus befindet.

Eine exklusive Atmosphäre, die trotzdem noch historisch glaubwürdig ist. Elegantes Interieur: goldene Wasserhähne, ein Himmelbett auf einer Empore – wahrlich majestätisch

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fluchtpunkte

Sieben Standardzimmer bieten hier einen ruhigen und wun­ derschönen Blick auf Lindenallee und die Lagune. Trotz des asketischen Stils verfügen sie über alle modernen Geräte, die zur komfortablen und ruhigen Rast der Gäste erforderlich sind. Sie tragen zum Beispiel den Namen des ­Architekten Giovanni Batista Frediani oder des Malers Michelangelo Palloni, der die Kirche mit seinen Fresken schmückte. Die vier Deluxe-­ Zimmer sind hingegen nach den royalen Gästen benannt. Da­ runter Karl XII., König von Schweden, und der französische Kaiser Napoleon Bonaparte. Das Interieur ist elegant, ein Himmelbett auf einer Empore – wahrlich majestätisch. Die beiden Zwei-Zimmer-Appartements, benannt nach Gründer Christopher­Sigismund Pacs und seiner Frau, befinden sich im südlichen und nördlichen Teil des Komplexes. Sie bestehen aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer sowie dem Bad. Auch hier besticht das elegante Interieur durch Eichenholzmö­ bel, dem großen dekorativen Himmelbett im Barockstil, und zusätzlich mit dem Luxus einer Fußbodenheizung – eine exclu­ sive ­Atmosphäre, die trotzdem noch historisch glaubwürdig ist.

Im Restaurant verwöhnen raffinierte Gourmetmenüs und erlesene Weine den Gaumen.

Wem der nur 300 Meter vom Monte Pacis entfernte Strand als Ausflugsziel nicht reicht, kann in direkter Nachbarschaft die Stadt Kaunas besuchen. Dort, wo die beiden größten Flüsse Litauens aufeinandertref­ fen, sind die Burg Kaunas, erbaut 1362, das Rathaus mit schneeweißem Turm und die Kaunasser selbst einen Besuch wert. Etwas weiter entfernt befindet sich der Berg der Kreuze, eine Pilgerstätte und in der ­Sowjetzeit ein Symbol des Widerstands. Heute stehen auf dem Hügel weit über 200.000 Kreuze in allen Größen und aus allen möglichen Materialien, Skulpturen, Gebetstöcke, Bilder und ­Rosenkränze, herbeigetragen von Menschen aus aller Welt, aus Platzmangel teilweise zu einem riesigen Haufen aufgetürmt.

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fluchtpunkte

Das Kloster gilt als eines der schönsten Barockbau­werke in Litauen.

Nach dem Kulturprogramm warten im Monte Pacis im Re­ staurant und Dining Room erlesene Speisen und Getränke auf hungrige Mägen und den feinen Gaumen. Authentizität bis ins kleinste Detail ist auch hier zu finden. Lokale Pro­ dukte, Obst und Gemüse aus dem eigenen Klostergarten und – dieses Vorurteil stimmt – Klosterbier und Weine, die noch von Mönchen produziert werden. Auch das Essen ist alles andere als klösterlich bescheiden: Kulinarisch hat das Restaurant einiges zu bieten. Das À-la-carte-Angebot um­ fasst raffinierte Gourmetmenüs, eine Kombination aus tra­ ditionellen und modernen Gerichten der Region Pažaislis, einem hochkarätigen Sternehotel würdig. Geführt wird das Restaurant von dem jungen und ehrgeizigen Koch ­Ernestas

Viršilas, der seine Erfahrung unter anderem in mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants in London gesammelt hat. Nun kreiert er Gaumen­ freuden für jeden Geschmack. Zartes Rinderfilet an geräuchertem Kartoffelpüree, Lachs in Soja-HonigSauce, mariniert mit japanischem Salat oder Humus mit Saisongemüse. Frisch zubereitet aus hochwer­ tigsten Lebensmitteln. Und mit Rezepten, die von den Schwestern von St. Casimir inspiriert wurden. Auch Bröt­ chen, Kuchen und Brot werden jeden Tag nach den Rezep­ ten der Nonnen hergestellt, ebenso wie die frisch gemachte ­Marmelade aus den Früchten und Beeren des Klostergartens.

Asketisch und doch luxuriös – im Monte Pacis kein Widerspruch, sondern Konzept.

INFO

Die Preise variieren je nach Zimmerkategorie. Das ­Standardzimmer kostet für zwei Personen pro Nacht ab 50 Euro, die Suite ab 85 Euro und ein Appartement ab 200 Euro, jeweils inklusive Frühstück. +3737 45 82 82 | info@montepacis.lt | www.montepacis.lt/en | T. Masiulio-Str. 31 | Kaunas 524236 Litauen Für das Wohl der Gäste ist gesorgt …

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Design

Porsche Design

Von Grund auf klare Linie

Interview Ina Krug

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enn man die Funktion einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form manchmal wie von allein.“ Bis heute bleibt Porsche Design dieser Philoso­ phie des Firmengründers Professor Ferdinand Alexander Porsche treu.

1972 ruft der Gestalter des legen­ dären Sportcoupé Porsche 911, Enkel des VW-Käfer-Konstrukteurs ­Ferdinand Porsche und Sohn von Ferry Porsche, dem Gründer der ­Porsche AG, ein Designbüro ins Leben. Porsche Design ist geboren. Im selben Jahr machte die weltweit erste schwarze Armbanduhr den Anfang des typischen „Iconic Style“ und sorgte für großes Aufsehen. Was für Ferdinand Alexander Porsche schlicht einen funktionalen Hintergrund hatte, traf den Zeitgeist. Die pechschwarze Gestaltung, das Aufgreifen des Aussehens reflektionsfreier Rennwageninstrumente, bei denen bis auf die Ziffern und die Zeiger alles in Mattschwarz gehalten war, eine perfekte Ablesbarkeit der Zeit – funktional, zeitlos und puristisch. Die revolutionäre Uhr wurde innerhalb von wenigen Jahren zum Renner und noch heute verkörpert jedes Produkt von Porsche Design diese drei Kerneigenschaften.

Zenartige Klarheit beim Smartphone P`9983 und in der Fashion-Kollektion Spring/Summer 2015

Es sollen Lebensbegleiter kreiert werden. ­Technische Funtionalität erstklassige Gestaltung, perfekte Handwerkskunst und hochwertigste ­Materialien – das ist für Porsche Design die Grundbedeutung von Luxus. Eines der präg­ nantesten Beispiele dafür ist die sogenannte Exklusivbrille. Sie ist die weltweit erste Sonnen­ brille mit Wechselgläsern und bis heute eines der erfolgreichsten Modelle überhaupt. Damals revolutionär, ist sie heute nicht mehr wegzuden­ ken. Als P’8478 ist sie in unveränderter Form im Handel erhältlich und so geradlinig wie damals. Neben Uhren und Eyewear umfasst das Sorti­ ment heute auch Fashion für Damen und Herren, Reisegepäck, elektronische Produkte sowie eine Duftlinie für Männer. Was alle Artikelgemein­ sam haben: eine unverwechselbare Handschrift und eine von Grund auf klare Linie.

Die neue Reisegepäckserie Roadster 3.0

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Zeitlos: der Chronograh Titanium von 1980

2. Birgt der Name Porsche neben dem Vorteil, dass mit diesem Titel automatisch Luxus und ­Premium verbunden wird, nicht auch die Gefahr, dass Kunden die kostengünstigeren Merchandising-­ Artikel mit den deutlich hochpreisigeren Porsche-­ Design-Produkten gleichsetzen? Der Markenname Porsche ist extrem stark und Teil unserer Geschichte. Vor der Gründung seiner ganz Vier Fragen an Roland Heiler eigenen Marke Porsche Design hat Professor Ferdinand Alexander Porsche für den Sportwagenhersteller seiChief Design Officer (CDO) nes Vaters den legendären 911 geschaffen. Er ist bis der Porsche Design Group: heute eine Designikone. 1972 folgten unter Porsche Design weitere legendäre Produkte, beispielsweise die weltweit erste schwarze Uhr oder 1. Porsche-Design-Produkte sind in Luxusgeschäften auf der die sogenannte Exklusivbrille. Unser ganzen Welt zu finden. Was steht hinter dem „Iconic Style“? Porsche-Design-Gepäck und unsere Unsere zeitlose, funktionelle und puristische Handschrift. Ihre Schreibgeräte sind im Markt etabliert minimalistischen Stilelemente geben unseren Produkten einen und werden von vielen Kunden geschätzt. unverwechselbaren Look. Dahinter steht die Kombination aus Die Welt von Porsche Design ist heute erstklassiger Gestaltung, innovativer Funktionalität, perfekter in jedem Porsche-Design-Store erlebbar. Handwerkskunst und dem Einsatz hochwertigster Materialien. Damit zukünftig noch mehr Kunden die Mit dem Ziel, die Ästhetik und Eleganz moderner Formen und Möglichkeit haben, Porsche Design zu zukunftsgerichteter Technologie zu vereinen. Ob im Fashionbeerfahren, bauen wir unser Vertriebsnetz reich oder bei unseren weiteren Lifestyleprodukten: Mit unserer konsequent aus. Designsprache haben wir eine ganz eigene Kategorie von Luxus 3. Neben Fashion gibt es auch Uhren, definiert. Wir nennen es „engineered luxury“ – und treffen damit Brillen und Handys. Ist ein weiterer seit jeher den Zeitgeist moderner Gestaltung. Ausbau der Kollektion geplant? Wo soll die Reise hingehen? Wir möchten das Sortiment nicht in der Breite, sondern nur in der Tiefe erweitern. Wir haben die Zahl der Lizenzprodukte bereits von 27 auf acht reduziert. Mit der Vertikalisierung für uns wichtiger Kategorien, wie beispielsweise Uhren, Fashion und Damenhandtaschen, haben wir die Weichen für die Zukunft von Porsche Design gestellt – und für unser angestrebtes Ziel, die Marke zur führenden deutschen Luxusmarke auszubauen. 4. Fahren Sie selbst Porsche? Ja, wir kommen in den Genuss, die exklusiven Sportwagen aus Z ­ uffenhausen zu fahren. Den glücklichen Umstand verdanken wir unserer Unternehmenskonstellation, da die Porsche AG seit 2003 Mehrheitseigentümer der Porsche Design Group ist. 35 Prozent der Anteile liegt nach wie vor in den Händen der Familie Porsche.

Der Klassiker, Chronograph I von 1972

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erotik

Intensive Betrachtung Text Camila Eiroa Fotos Gisele Sanfelice

Rafaela Rocha will die Kunst erkunden. In ihrem sexy KĂśrper sieht sie dafĂźr das perfekte Werkzeug.

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Eine sinnliche und in sich selbst ruhende Lebenspoetin

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„Mein Körper ist das Werkzeug, das ich gefunden habe, um die Kunst zu erforschen.“

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Ein verruchter Blick, eine laszive Pose, die sexy Brasilianerin zieht alle in ihren Bann.


erotik

Heute lebt Rafaela in der Großstadt São Paulo und hat mannigfaltige, freund­ schaftliche Kontakte zu Künstlern. Nicht ohne Grund sind diese Fotos im Künstlerhaus Casa Amarela aufgenom­ men worden, in der berühmten Rua da Consolação.

„Von nichts kommt nichts“, könnte das Motto von Rafaela Rocha sein, dem 23 Jahre alten TRIP Girl. Das schöne brü­ nette Mädchen, im kolonialen Küsten­ ort Paraty aufgewachsen, hat viel Ehrgeiz. „Mein Körper ist das Werk­ zeug, das ich gefunden habe, um die Kunst zu erforschen“, sagt sie. Schon in der Kindheit hat die Brasilianerin damit begonnen zu malen. Und später kam auch noch die Theaterbühne als Ausdrucksort dazu. Heute arbeitet Rafaela als Model, zeichnet und macht viel Sport. Schwimmen und Laufen gehören zu ihren Lieblingsdisziplinen.

Sie scheut sich nicht, nach dem We­ sentlichen zu fragen: Woher kommt das Neue, und wie entsteht es? Als Erforscherin des Lebens tastet sie sich in unterschiedliche Lebenssituationen und Gefühlswelten hinein, verharrt nicht an der Oberfläche, sondern hinterfragt mit klarem Blick, was um sie herum vorgeht. „Das können see­ lische Zustände sein“, sagt sie, „aber auch körperliche Sphären in all ihrer Undechiffrierbarkeit und Vieldeutig­ keit. Und so sitzt sie häufig da, ruhig, mit ihrem klaren, aufmerksamen Blick, beobachtet die Menschen, macht sich Gedanken über deren Verhalten, um dorthin vorzustoßen, wo es um das Wesentliche, nämlich um das Innerste des Menschen geht.

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Sie selbst zeigt bei jeder Geste und Pose einen bewussten und gekonnten Umgang mit sich selbst. „Ein Kör­ per kann nicht lügen“, davon ist sie überzeugt. Mit der Leichtigkeit des glück­lichen, in sich selbst ruhenden Lebens­poeten weiß sie, was zu tun ist, damit ihre Sinnlichkeit und das ein­ nehmende Lächeln wie ein Zauber auf den Betrachter wirken: „Nacktheit zeigt die künstlerische Seite der Linien und Kurven sowie die Zartheit, die Frauen haben“, erklärt sie mit verschwöreri­ scher Miene. „Es wird sichtbar, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Nämlich das unglaublichste Wesen auf der Erde. Das Zerbrechen des Paradigmas der modernen Moral.“


erotik

Der Körper als Werkzeug: Mit Schwimmen und Laufen hält Rafaela ihn in Form.

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Die letzte Hülle fällt …


erotik

„Nacktheit zeigt die künstlerische Seite der Linien und Kurven sowie die Zartheit, die Frauen haben.“

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Bestimmung Riesling, Leidenschaft Rotwein

Herausragende Weine zu entdecken, das ist die Leidenschaft des Sylter Sommeliers Nils Lackner. In der Pfalz bei den Cousins Thomas Hanewald und Stephan Schwerdt ist er f端ndig geworden. Text und Fotos nils lackner 102


R Riesling ist die Königin der Reben. Sie ist Lebensgefühl, Kulturgut, Dinnerbe­ gleitung, Partyqueen und Kultwein. Sie kann alles sein, was du willst, solange man ihr gibt, was sie will. Bordeaux ist der Grandseigneur der Weinwelt. Er ist schon so lange dabei und spielt immer noch ganz oben mit. Er verlangt Res­ pekt, Zeit und Geduld, nur dann zeigt er dir mit einer fast arroganten Korpulenz seine wahre Größe.

In Leistadt, einem kleinen verschlafe­ nen Vorort von Bad Dürkheim in der Pfalz, befindet sich ein Weingut, wel­ ches sich mit zwei talentierten jungen Männern an der Spitze aufgemacht hat, etwas Herausragendes zu schaffen. Die Cousins Thomas Hanewald und Stephan Schwerdt folgen dabei ihrer Leidenschaft für große Weine. Dabei liegt das Augenmerk ganz besonders auf zwei Königsdisziplinen: minerali­ sche Rieslinge und kräftige Rotweine im Stil der Bordeauxweine, also auf Basis von Cabernet Sauvignon und Merlot. Und beides machen sie richtig gut. So gut, dass ich mir das Weingut Hanewald-Schwerdt einmal genauer anschauen musste.

genuss

Es ist stürmisch und eiskalt, als ich mich am frühen Samstagmorgen von Sylt aus auf den Weg in die Pfalz ma­ che. Dennoch bemerke ich das Wetter kaum, sondern freue mich auf das vor mir liegende Wochenende. Zum einen wegen der spannungsreichen, geradli­ nigen Weine meiner Gastgeber, an de­ nen es wohl nicht mangeln wird. Zum anderen findet dieses Wochenende die Bad Dürkheimer Weinbergsnacht statt, eine große Weinparty, bei der die städ­ tischen Weinberge in eine gewaltige Lichtershow getaucht werden, inmitten welcher Winzer in kleinen Pavillonzel­ ten ihre Weine vorstellen. Als ich am späten Nachmittag in Bad Dürkheim ankomme, scheint sogar noch die Sonne und Stephan Schwerdt begrüßt mich mit einem strahlen­ den Lächeln und einer Flasche Wein. Stephan ist der Typ Pfälzer, zu dem man sich gern gesellig an den Tisch setzt, sich über Gott und die Welt unterhält, ein Gläschen dazu trinkt und schließlich merkt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Kräftige Hände, kurzes rotblondes Haar und fröhliche Augen. Nach dem Abitur hat er an der Weinuniversität in Geisenheim Internationale Weinwirtschaft studiert. Danach ging es nach Neuseeland, um zu schauen, wie man am Ende der Welt so mit dem Rebensaft umgeht. Seit 2011 ist Stephan wieder zu Hause und kümmert sich um die Vermarktung der Hanewald-Schwerdt'schen Weine. Wir fahren direkt zum Flaggenturm, einem Wahrzeichen etwas außerhalb der Stadt

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mit herrlicher Aussicht. Die letzten Sonnenstrahlen wärmen uns und der mitgebrachte 2013 Ruppertsberger Reiterpfad Riesling passt jetzt perfekt. Saftige Zitrusfruchtnoten und Aromen vom Weinbergpfirsich machen sich in meinem Mund breit, bevor eine kräfti­ ge Mineralik mit präziser Kraft zugreift und zeigt, warum der Reiterpfad eine der bekanntesten Lagen der Region ist. Der Boden ist aus Buntsandstein, der dem Wein eine aromatische Wärme gibt, die sich sehr belebend auf den Trinkfluss auswirkt. Das ist die neue Schule des deutschen Rieslings, hier perfekt umgesetzt. Was für ein toller Einstieg in den Abend. Zwei Stunden später stehen wir mit Gläsern bewaffnet am Fuße eines bunt beleuchteten Weinbergs mitten in Bad Dürkheim. Über unseren Köpfen schießen farbige Laser und Scheinwerfer hin und her und um uns wimmelt es von vinophilem Partyvolk. Die Weinbergs­ nacht ist in vollem Gange, fünf Kilome­ ter Rundweg liegen vor uns. Als Weg­ zehrung hat Stephan eine neue Flasche mitgebracht. „Das ist wie David gegen Goliath“, sagt er beim Einschenken.

Sommelier Nils Lackner (Mitte) bei der Weinprobe mit den Machern der Hanewald-Schwerdt Weine, Thomas Hanewald (links) und Stephan Schwerdt (rechts)


genuss

Die Nacht wird noch lang und fröhlich, denn nachdem im Weinberg die Lichter ausgeschaltet wurden, geht die Party im Stadtkern gerade erst los.

Es gibt noch einen weiteren Wein „Der hier ist von unserer unbekannteren Lage, ein 2013 Leistadter Herrenmorgen neben den Rieslingen, den ich heute Riesling. Der hat es manchmal etwas unbedingt probieren muss: Zweihänder. schwer gegen sein prominentes Ge­ Ein Cuvée aus den Bordeauxtrauben genstück Reiterpfad.“ Dabei muss er Cabernet Sauvignon und Merlot, 18 sich gar nicht hinter seinem bekannten Monate gereift in frischen Barriquefäs­ das Sagen hat. Mit halblangen verstrub­ sern, gefolgt von einigen Monaten Fla­ Bruder verstecken. Der Herrenmorgen schenlagerung. Im Glas dunkelrot, in belten Haaren, einer schwarzen Brille wirkt schlanker und feiner, mit einem der Nase betörend dicht mit Schwarz­ und Dreitagebart hat er etwas von Säurespiel voll frischer Noten wie einem neointellektuellen Künstler. Sein kirschnote und im Mund voll reifer Grapefruit und grüner Apfel. Seine mi­ neralischen Töne wirken stählerner und Keller wirkt penibel sauber und aufge­ Beerenfrucht, Cassis und Röstaromen. räumt mit vielen neuen Stahltanks und Wie alle großen Rotweine braucht er sind messerscharf. Das liegt an dem Holzfässern. „Seit wir 2011 übernom­ Kalkmergel im Boden, der gibt dem einen Moment, um sich zu öffnen, dann men haben, hat sich hier vieles geän­ Wein Kühle und eine elegante Viel­ kommen auch mineralische Boden­ noten und leicht herzhafte Töne zum schichtigkeit. Für mich ist der 2013erdert, auch im Weinberg“, berichtet er Riesling vom Leistadter Herrenmorgen „So haben wir auf Handernte umgestellt Vorschein. Die Jungs vom Weingut Hanewald-Schwerdt haben da eine ech­ der etwas spannungsreichere Wein, und machen unsere Rieslinge in einem te Bombe an den Start gebracht. Und während der Ruppertsberger Reiterpfad trockeneren, internationaleren Stil.“ das wissen sie auch. etwas voller und zugänglicher wirkt. Auch die Premiumlinie Kalkriff ist neu Beide Weine im Portfolio eines jungen bei Hanewald-Schwerdt. „Wir sind stolz „Wir sind sehr engagiert im BarriqueWeingutes in so gut gemachter Quali­ tät zu finden, sagt viel darüber aus, auf Forum, wo der Zweihänder auch gut auf unseren Kalkboden, ihn wollen wir welch hohem Niveau sich der deutsche ankam. Die Fässer kommen alle aus widerspiegeln.“ Der Riesling Kalkriff Riesling bewegt. dem Bordeaux. Und der Name ist ein 2013 kommt aus der Lage Kalkofen, Wortspiel mit meinem Nachnamen und das schmeckt man auch. Kraftvoll, Die Nacht wird noch lang und fröh­ Schwerdt“, verrät Stephan stolz. Der steinig-kühl und mit unglaublich lang lich, denn nachdem im Weinberg die Wein zeigt, dass auch in Deutschland anhaltender Zitrusfrucht trifft er bei Lichter ausgeschaltet wurden, geht die ein Umdenken stattfinden muss. Junge, einem Rieslingtrinker wie mir voll ins Party im Stadtkern gerade erst los. Die gut ausgebildete Winzer produzieren Schwarze. Die Kalknoten sind dabei Pfälzer zeigen mir, dass sie zu Recht sehr präsent und geben ihm eine schö­ in liebevoller Handarbeit Weine von ne Balance zur frischen Frucht. Stolz den Ruf des geselligen Weintrinkers internationaler Größe, egal ob rot oder erzählt mir Stephan, dass das an den und herzlichen Gastgebers haben. Es weiß. Thomas Hanewald und Stephan Weinberg angrenzende Naturschutz­ herrscht eine ausgelassene Stimmung Schwerdt haben schon viel erreicht, und ich verspreche mir selbst, nächstes gebiet Berntal einst ein Süßwasserriff aber dies ist erst der Anfang ihrer Reise. gewesen sei, daher der Name Kalkriff, Jahr wiederzukommen. Es gibt Pläne für eine Sortiments­ verschmälerung, einen Ausbau der den Hanewald-Schwerdt exklusiv Vinothek und natürlich die weiterhin benutzen darf. Am nächsten Morgen sind wir erstaun­ lich frisch und machen uns nach dem konsequente Ausrichtung zur hohen Frühstück auf, das Weingut zu besich­ Rieslingqualität. Man darf gespannt tigen. Dabei lerne ich auch Thomas sein. Es war sicher nicht mein letztes Hanewald kennen, der hier im Keller Mal im Hause Hanewald-Schwerdt.

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2 1 1 | Regelmäßige Kontrolle der jungen Weine hat hohe Priorität im Keller. 2 | Der Zweihänder reift 18 Monate in französischen Barriquefässern. 3 | Der Ortseingang von Leistadt mit seinem Kalksteinmonument 4 | Thomas Hanewald und Stephan Schwerdt vor dem Gründerfass 5 | Der Zweihänder: Aushängeschild der Rotweine im Hause Hanewald-Schwerdt. 6 | Der Einstieg in fünf Kilometer Weinprobe und Lichtermeer 7 | Jede Menge Riesling wartet auf seinen Auftritt.

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Bezug: Alle Weine über www.hanewald-schwerdt.de Riesling 2013 Ruppertsberger Reiterpfad, 9,50 Euro (0,75l) Riesling 2013 Leistadter Herrenmorgen, 9,50 Euro (0,75l) Riesling 2013 Kalkriff trocken, 8 Euro (0,75l) Zweihänder Cabernet/Merlot 2011, 22 Euro (0,75l) Der freiberufliche Sommelier Nils Lackner kann über nils.lackner@gmx.de gebucht werden. 7

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Irgendwo im Nirgendwo

von simon schumacher und Benjamin hellwig

Mit dem neuen Land Rover Discovery Sport durch den isländischen Winter.

Sturmböen drücken dicke weiße Flocken hori­ zontal übers Relief, immer wieder türmen sich Schneewehen auf. Der Spätwinter Islands zeigt sich von seiner rauen Seite. Die Sichtweite ist minimal. Herausfordernde Bedingungen, um einen Premium-Kompakt-SUV unter die Lupe zu

nehmen. Das neue Pferd im Stall von Land Rover dreht hier auf der Insel im Nordatlantik seine ersten offiziellen Frischluftrunden. Der 5+2-Sitzer wird das Modell Freelander ersetzen und sei­ nen Platz neben großen Tieren der Familie wie Discovery,­Defender und Range Rover einnehmen.

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Nicht unterzukriegen: Der Discovery Sport profitiert bei Schnee und Eis von seinen zahlreichen Features.

Das Raumgefühl ist trotz der mit 4,60 Meter recht kurzen Bauweise beeindruckend. Solide Beinfreiheit für bis zu sieben Insassen – die dritte Sitzreihe ist gegen Aufpreis optional und ebenerdig im Kofferraumboden versenkbar. Dank einer, so Land Rover, um fünf Zentimeter erhöhten „Theaterbestuhlung“, die sich zudem um 16 Zentimeter nach hinten bewegen lässt, ist die Sicht auf das Schauspiel draußen auch von der zweiten Sitzreihe aus hervorragend. Zudem kommt eine Fülle moderner Assistenzsysteme zum Tragen: ein neu entwickelter Notfall-Bremsassistent, ein Toter-Winkel-Warnsystem sowie Park-, Fernlicht- und Spurhalteassistenten. Die Verkehrsschilderkennung gerät allerdings bei diversen verschneiten Hinweistafeln an ihre Grenzen. Der erstmals im SUV-Segment realisierte Fußgänger­airbag an der Basis der Windschutzscheibe setzt beim Thema Sicherheit ein Ausrufezeichen. Auf dem Weg von Reykjavik nach Þingvellir wechseln sich für gewöhnlich grünlich schimmerndes Moos, Grasland­ schaften und schroffe Lavafelder ab. Inzwischen aber ist alles vom Weiß des Winters übertüncht. Auch die Fellfarbe der Islandpferde ist mancherorts nicht zu definieren. Die Zäune der Weiden grenzen hier und da direkt an die Straße. Immer wieder fahren wir an kleineren Herden vorbei, die dicht beieinander stehen und auf beeindruckend stoische Weise der Witterung trotzen. Robuste Eigenschaften also auf und neben der verschneiten Schotterpiste. Im Gelände profitiert der Discovery Sport von seiner Karosserie­geometrie mit 212 Millimeter Bodenfreiheit, von durchdachten Böschungs- und Rampenwinkeln sowie von Terrain Response, der in den Allradversionen integrierten Steuerung aller wichtigen Fahrzeugsysteme. Das Wade Sen­ sing sorgt für sichere Wasserdurchfahrten. Beim Durchqueren von Bächen und Flüssen messen Sensoren in den Außenspie­ geln die Wassertiefe und informieren uns über eine Anzeige im Cockpit. Weitere Features sind ein Head-up-Display und ein Infotainment-System mit Acht-Zoll-Touchscreen.

Land Rover Discovery Sport Zur Markteinführung ist der Dis­ covery Sport in drei VierzylinderMotorenvarianten­erhältlich – alle mit Stopp-Start-Technologie. Der 2-LiterBenziner leistet 240 PS, der 2,2-LiterTurbodiesel ist als TD4 mit 150 PS und als SD4 mit 190 PS erhältlich. Im Laufe des Jahres folgt zudem die sparsamere Variante eD4 mit einem kombinierten Verbrauch von 4,5 Liter auf 100 Kilo­ metern sowie einer CO2-Emission von 119 Gramm pro Kilometer. Den Dieselmotor gibt es als Neun-StufenAutomatik oder als Sechsgang-Schalt­ getriebe, den Benziner ausschließlich mit Automatik. Preis: ab 32.250 Euro Weitere Infos unter www.landrover.de

Fazit: Mit seinen Vorfahren hat der Discovery Sport einzig den Familiennamen „Land Rover“ gemein. Mit britischem Stolz macht er sowohl im rauen als auch im urbanen Umfeld eine gute Figur!

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,,Die Götter ,, lieben mich foto // Seleneos / photocase.de

interview Martin Häusler

Erich von Däniken spürt sein Leben lang außerirdischen Zivilisationen nach – nun ist er 80 geworden. Wann gibt es Endlich einen griffigen Beweis dafür, dass unsere Götter antike Astronauten waren?

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präastronautik 1968 legte der Schweizer den Grundstein für sein Lebenswerk „Erinnerungen an die Zukunft“.

Worauf warten die Außerirdischen denn noch? Warum zeigen sie sich nicht einfach über der Allianz Arena? Ich saß vor vielen Jahren in einer Fernsehsendung mit den Astronomen Allen Hynek und Carl Sagan. Sagan hielt gar nichts von Ufos. Hynek wollte Ufos hingegen nicht ausschließen. Sie sprachen über die gleiche Frage, und Hynek entgegnete seinem zweifelnden Kollegen, der meinte, die Außerirdischen, wenn es sie denn gäbe, hätten ja mal längst diplomatische Beziehungen zu uns aufnehmen können: „Wir nehmen ja auch keine diplomatischen Beziehungen zu Hühnern auf.“ Vielleicht ist genau das das Verhältnis, in dem die Außerirdischen zu uns stehen.

Seit rund 50 Jahren wollen Sie belegen, dass die Evolution der Menschheit und nahezu sämtliche irdischen Kulturen von außerirdischen Sternenreisenden beeinflusst wurden. Bislang sind die Schulbücher nicht umgeschrieben worden. Sind Sie gescheitert, Herr von Däniken? Die Antwort hängt vom Land ab. Wir in Europa sind sturer als andere Länder, als beispielsweise die USA oder südamerikanische Länder. Wir wollen immer vernünftig sein. Niemand will unvernünftig sein.

Die Opposition ist das eine, die Gesellschaft das andere … Wir sind eine träge Gesellschaft. Manches braucht sehr lange. Wenn sich ein Ufo über der Allianz Arena in München zeigen würde, während eines Fußballspiels mit 20 laufenden Kameras, da kannst du nichts mehr machen. So etwas ist bei uns aber nie passiert. In Brasilien gab es bereits eine Massensichtung – ohne Auswirkungen für die Welt.

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Foto // privates archiv

Sind wir auf einer zu niedrigen Evolutionsstufe? Ja. Ich wohne in den Schweizer Bergen. Dort, wo ich zu Hause bin, auf dem Beatenberg oberhalb von Interlaken, gibt es große Ameisenhaufen mit großen schwarzen Waldameisen. Kürzlich stand ich vor so einem Haufen und überlegte, was wohl passieren würde, wenn ich jetzt ganz zärtlich eine Ameise herausnehmen und in ein Glas setzen würde, mit nach Hause nehmen, auf dem Tisch ausschütten, von allen Seiten fotografieren, dann wieder ins Glas setzen und zurück Was meinen Sie mit unvernünftig? Gegen den allgemeinen Konin den Ameisenhaufen geben würde. Das Tier würde vielsens zu verstoßen. Das hält man hier für blöd, damit befasst man sich nicht. Vor drei Jahren kam der amerikanische History Channel leicht ganz aufgeregt herumlaufen und erzählen, es sei von einer außerameisischen Kultur entführt worden. Das arme zu mir. Eigentlich wollten die nur ein Interview. Heraus kam die gigantische Doku-Reihe „Ancient Aliens“. Die Einschaltquoten waren Tier landet vermutlich im Irrenhaus des Ameisenhaufens, da überraschend hoch. Inzwischen gibt es davon hundert Folgen. Aber man dort von keiner außerameisischen Kultur weiß. Aber es ist doch passiert … Sie haben recht: Die Lehrpläne hat man noch nirgendwo an meine Erkenntnisse angeglichen. Das kommt aber früher oder später. Es Warten die Außerirdischen auf einen Bewusstseinsist eine Frage des Zeitgeistes. sprung, durch den wir würdig werden, in den Kreis unserer kosmischen Geschwister aufgenommen zu werden? Oder Warum dauert es so lange mit dem extraterrestriwollen sich die Außerirdischen sicher sein, dass nicht auf sie schen Coming-out? Es gibt eine riesige Opposition. geschossen wird, wenn sie am Himmel erscheinen? Beides vielVon politischer, insbesondere aber religiöser Seite. leicht. Ich vermute, die zeigen sich erst so richtig, wenn wir begriffen Als 1968 mein erstes Buch „Chariots of the Gods?“ in haben, dass es so etwas wie Außerirdische gibt, sodass wir nicht den USA zum Millionenseller wurde, tauchte plötzlich mehr in Panik ausbrechen, nicht mehr Alarm auslösen, keine Panzer ein Anti-Buch in den Läden auf. Es hieß „Crash go the auffahren lassen, keinen Weltraumkrieg starten. Wir sind auf dem ­Chariots“, der Autor war ein gewisser Clifford Wilson, Mond gewesen, wir haben jetzt gerade Sonden im Asteroidengürtel, ein Archäologieprofessor, der den Spinner Däniken und derzeit wird eine Marsmission vorbereitet. Wir werden vermutwiderlegen wollte. Jahre später traf ich Wilson auf einer lich da draußen irgendwem begegnen. Davor haben wir Menschen Veranstaltung in Australien. Ein ganz liebenswerter bislang Schiss. Erst wenn wir keine Angst mehr haben, kommt der Herr war das. Bei einem Glas Wein fragte ich ihn dann, Quantensprung. welche Art Archäologie er denn betreiben würde. Er antwortete: „Ich bin gar kein Archäologe. Ich bin ein Priester.“ Er war von der Kirche vorgeschickt worden.


präastronautik Erich von Däniken besucht die Pyramidenanlagen im mexikanischen Teotihuacán.

Glauben Sie wirklich immer noch, dass die Menschheit in eine Panik geraten würde? Was unsere Gesellschaft angeht, glaube ich nicht dran. Was die muslimische Gesellschaft angeht, schon. Das ist für die eine Katastrophe, wenn nichts mehr stimmt, wenn alles ein Irrtum war. Man verliert den Boden unter den Füßen.

Hinter den Äußerungen des Vatikans und des Dalais steht die Logik, dass auch Außerirdische einen Schöpfer haben müssen, dass wir aus einer Quelle kommen. Wer hat unsere Ahnen erschaffen? Wir leben in einem ewigen, endlosen Universum. Es ist wie ein Kreis, bei dem es keinen Anfang und kein Ende gibt. Man kann die Frage nicht beantworten. Da ist also Platz für einen Gott.

Bei den starken Widerständen auf der Erde und der Zögerlichkeit der Außerirdischen: Haben Sie nie das Bedürfnis gehabt hinzuschmeißen? Nein, nie. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass ich auf dem richtigen Pferd sitze. Das betrifft jetzt nicht alle Einzelheiten. In meinen Büchern Schauen wir nur in den Irak, wo Anhänger des „Islamischen Staats“ gibt es einige Irrtümer, also vermeintliche Indizien, die dabei sind, die Zeugnisse unserer Ahnen zu zertrümmern. Es ist zum ich fehlgedeutet habe, aber die Idee an sich, dass vor Verzweifeln. Sie haben keinerlei Geschichtsverständnis, und diejenigen, Jahrtausenden Außerirdische auf der Erde waren, sie die es haben, die wollen, dass diese Geschichte zerstört wird. Vergandie Menschheit beeinflusst und beeindruckt haben, genheit zählt da nichts. Es zählt nur jetzt, wir, ISIS, wir sind die Größten. dadurch der Götterglaube entstand und die Hoffnung, Sie wollen gar nicht, dass man erinnert wird an frühere Herrlichkeiten. dass sie wiederkommen, das hat sich stark verhärtet Das tut mir tief im Herzen weh. bei mir. Ich kenne inzwischen so viele ähnlich lautende Dokumente aus sehr vielen Religionen, dazu Dinge, Werden damit auch Beweise für die Existenz Außerirdischer vernichdie man mir zuträgt und zuschickt. Es erschlägt mich. tet? Beweise nicht, aber Hinweise werden wohl zerstört, ja. Echte Beweise wären Gegenstände, die Außerirdische hinterlassen haben. Von denen Für Sie ist Ihr Lebenswerk also immer noch ein gibt es vermutlich zwei bis drei. Da kommt man aber nicht dran. Ein Beigroßes stimmiges Puzzle aus vielen Einzelteilen? spiel ist die Bundeslade der Israeliten. In verschiedenen alten Büchern ist Ich bin davon überzeugt, dass wir demnächst einen sie als technische Apparatur beschrieben, die es auf der Erde nicht gibt. Beweis finden werden, einen technischen Beweis. Nur Vor ein paar Monaten ist der Patriarch der orthodoxen Kirche Äthiopiens nützt das nicht viel. Wenn der Zeitgeist nicht reif ist, von Aksum zu einem interreligiösen Treffen nach Rom gereist. Er sagte: wenn die Gesellschaft nicht reif ist, dann werden die „Die Bundeslade, ich habe sie gesehen, sie ist nicht von dieser Welt.“ VielHüter dieses Beweises ihn nicht freigeben, selbst wenn leicht gibt es diese technischen Geräte, und die Religionen bewahren uns alle wissenschaftlichen Tests einwandfrei eine nichtnoch davor, oder sie wissen selbst nicht, was das ist. irdische Herkunft bestätigen. Die Zeit muss reif sein, daran müssen wir arbeiten, und das mache ich. Der Besitz solcher Apparaturen hat sicher auch mit Macht zu tun. Natürlich, der Papst hätte zur BundesMeinen Sie, Sie werden den Tag X miterleben? Sie machen jedenlade keinen Zutritt. Aber ich denke, dass die Hüter falls noch einen ziemlich fitten Eindruck … Ja, und ich rauche und solcher Geräte nicht bösartig sind. Sie wissen es nicht saufe. Die Götter lieben mich. Ich lebe hoffentlich noch, wenn es anders. Sie glauben, dass es ein heiliger Gegenstand passiert. Aber es liegt was in der Luft … ist, der mit ihrem Gott zu tun hat. An eine außerirdische Herkunft denken die nicht. 2008 ließ der Vatikan über den Chef der Vatikanischen Sternwarte verlauten, dass das Auftauchen Außerirdischer nicht dem katholischen Glauben widerspreche. 2013 sagte der Dalai Lama, dass Außerirdische, würden wir ihnen begegnen, mit offenen Armen zu empfangen seien, schließlich seien es unsere Brüder und Schwestern. Soll durch solche Statements der Weg geebnet werden für den Tag X? Es wird auch Zeit! Die katholische Kirche weiß klipp und klar, dass es Außerirdische gibt. Aber weder werden die Kirchen deswegen ihren lieben Gott verlieren noch die Muslime ihren Allah.

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In der Mayametropole Copán: Wer half dem Steinzeitvolk, die gigantischen Tempel zu bauen?


Viele Rechercheziele konnten nur per Kleinflugzeug erreicht werden.

Fotos // privates archiv

Was meinen Sie? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass vor Jahrtausenden Außerirdische dagewesen sind und auf Nimmerwiedersehen spurlos verschwunden sind, ohne Beweise zu hinterlassen. Irgendwo muss etwas sein, was ich eine Zeitkapsel nenne, deren Inhalt uns einwandfrei aufklärt. Wo immer sie ist, eine Zeitkapsel muss so angelegt sein, dass sie nicht kaputtgeht, nicht durch Naturgewalten, nicht durch Termiten, sie muss Jahrtausende überdauern. Sie sind für Ihre Recherchen Hunderttausende Kilometer um Sie meinen … Dass der Offizier keine Ahnung hat, und die Welt geflogen. Gibt es für uns Mitteleuropäer keine Hinweider Soldat erst recht nicht. Das läuft alles nur in den se vor der eigenen Haustür? Ich fürchte nicht. Als die Außerirdiobersten Schichten ab. Von dort aus werden lediglich schen kamen, gab es in Mitteleuropa nichts als Wald. Es war die Anweisungen gegeben, dass das Gebiet, in dem inoffiziausgehende Eiszeit. Hier gab es Jäger und Beerensammler. Da ist ell gesucht wird, unter Kontrolle gebracht werden muss. außer ein paar Felszeichnungen nichts zu finden. Die Hochkulturen auf der Erde entwickelten sich alle rings Was halten Sie denn angesichts dieser vermuteten Geheimhaltungspolitik um den Äquator bis zum 23. Breitengrad. von den Missionen ins All? Die wären doch Teil eines megateuren Schauspiels. Stellen wir uns vor, es gibt eine kleine Gruppe Wissender, und gleichGenau dort, wo viele Religionen ihren Ursprung hazeitig werden Milliarden ausgegeben für astronomische Forschung, um zu ben. Was halten Sie von der Theorie, dass hinter dem bestätigen, dass wir nicht allein sind. Das wäre eine so verdammte Gemeinheit. ja mit menschlicher Logik kaum mehr zu erklärenDas könnte man den eigenen Astronomen nicht mehr beibringen. Die ganze den Nahostkonflikt und dem nicht enden wollenden Arbeit, das ganze Geld wären für die Katz. Blutvergießen in Wahrheit ein kosmischer Konflikt steht? Nicht auszuschließen. Wenn Sie heute in die Glauben Sie, dass nicht mal die Leiter der aktuellen Ceres-Mission eingegroße Pyramide von Gizeh steigen, werden Sie von weiht sind? Die sind nicht eingeweiht. Das sind sicher blitzsaubere und integeunzähligen Videokameras beobachtet, man muss durch re Leute. Und wenn sie auf dem Zwergplaneten Ceres doch etwas Künstliches einen Sicherheitscheck wie im Flughafen, sogar Fotofinden sollten, müssen diese Bilder erst einmal einen Filter passieren – und apparate sind verboten. Warum? Dazu eine Anekdote: dann entscheiden Gremien. Vor einigen Jahren sind in der großen Pyramide – ich weiß ganz genau wo – Löcher mit einem Presslufthammer gebohrt Was ist mit unseren Regierungen, was ist mit Angela worden. So ein gewaltiger Eingriff ist nur in Absprache mit der Merkel? Die ist nicht eingeweiht. Erst wenn es gefährägyptischen Altertumsverwaltung zu machen. Jetzt kenne ich da lich wird oder eine andere Nation etwas herausgibt, jemanden, einen sehr hohen Ägypter, den Namen darf ich wirklich bekommt sie die nötigen Informationen. nicht nennen, was mir eigentlich stinkt. Ich fragte ihn: „Was ist denn da passiert?“ Er sagte: „Wir suchen nach Wenn sich die Außerirdischen schon nicht unzweifelhaft zeigen, bislang zuRäumen.“ – „Was soll denn in den Räumen sein?“ – „Alte mindest, denken Sie denn, dass sie die Menschheit aus Ihrer Deckung heraus Schriften.“ – „Woher kommt die Initiative? – Habt ihr beschützen – immerhin wären wir nach Ihrer Deutung verwandt? Es ist denen Ägypter das ganz allein gemacht?“ – „Nicht ganz.“ – „Mit offenbar egal, ob wir uns hier die Köpfe einschlagen. Aber wenn wir drohen, die wem arbeitet ihr zusammen?“ Und er sagte: „Mit dem Erde kaputtzumachen, werden sie sicher eingreifen. Wie 1967, als im Kalten Krieg Mossad.“ Ausgerechnet die Feinde kooperieren hier! ein unbekanntes Flugobjekt dafür sorgte, dass in den USA und Russland Abschussanlagen für Atomraketen deaktiviert wurden. Nach dem Kalten Krieg kam heraus, dass jeder vom anderen dachte, es sei eine gegnerische Technologie, weshalb man darüber schwieg. Der Aufklärer in diesem Fall ist Captain Robert Salas, der in besagter Nacht auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in M ­ almstrom Dienst schob. Nachdem er in Rente gegangen ist, fasste er den Mut, über den Vorfall zu reden. Wir wissen also: Irgendwer, irgendwas hat damals eingegriffen. Das ist ein Stück weit beruhigend.

Angela Merkel ist nicht eingeweiht. Erst wenn es gefährlich wird, bekommt sie die nötigen Informationen.

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Däniken reist beharrlich um die Welt und präsentiert seine Ergebnisse bei Lesungen.

foto // hankman / photocase.de

Gibt es eigentlich auch den inoffiziellen Däniken, den, der neben seinen öffentlichen Auftritten im Stillen konsultiert wird von Regierungen oder Geheimdiensten, um zu beraten oder sein Wissen preiszugeben? So nicht. Aber ich werde immer wieder eingeladen, Vorträge zu halten unter der Vereinbarung, dass dies nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Ein paar Gruppen darf man nennen: Ich bin kein Freimaurer, aber ich habe in unzähligen internationalen ­Freimaurerlogen geredet. Ich habe auch im kleinen Kreis bei der NASA vor nur 14 Leuten einen Vortrag gehalten. Genauso wie in den obersten Etagen der Schweizer Finanzwirtschaft. Dort Beschreiben Sie den Moment, in dem Sie mit der Außerirdischen-Thematik geöffnet wurden. Sie waren ein Teenager … Ja, ich war 16 und Schüler auf will man wissen, was ich weiß. Ich rede dann zwei Stunden, einem katholischen Jesuiteninternat, dem Collège St-Michel in Fribourg in der es wird nie geklatscht, und hinterher sitzt man dann bei Schweiz. Vor den Sommerferien gab es sogenannte Einkehrtage, da durfte noch einem Glas Wein bei Tisch und redet darüber. nicht mal gesprochen werden. Am Ende sagte der Pater, der einen doppelten Doktortitel trug, zu uns: „Jetzt geht in den Urlaub und lebt so, als könntet ihr von Jemand, der sein Leben mit solcher Vehemenz der einen auf die andere Sekunde sterben. Dann wird eure Seele vor den Thron einer so außergewöhnlichen Mission widmet, muss des Allmächtigen treten, damit ihr beurteilt werdet, und es wird heißen: „Kommt an Reinkarnation glauben, daran, dass man hier zu mir oder weichet von mir!“ In der nächsten Nacht wurde mir klar, dass ich gerade einen Teil eines kosmischen Großauftrags zu erledigen hat … Meine Frau ist der totale Anhänger von Zweifel habe an meiner Religion und viele Dinge, die uns vermittelt wurden, Wiedergeburt. Und ich sage immer: „Elisabeth, ich wün- nicht stimmen können. Würde ich nun tatsächlich sterben, sagt dann der liebe Gott zu mir: „Erich, du hast stur an die katholische Religion geglaubt, komm in sche es mir ja auch, aber was nützt es mir?“ Denn wenn mein Reich!“ Oder sagt er: „Erich, ich habe dir Intelligenz gegeben, und du hast man wiedergeboren wird, weiß man ja nichts. Du weißt ja erst mal gar nichts von dem früheren Leben oder dar- gemerkt, dass dies und jenes nicht stimmt. Wieso bist du nicht aufgestanden? über, was man falsch oder richtig gemacht haben sollte. Wieso hast du nicht für deine Wahrheit gekämpft? Weiche von mir!“ Als junger 16-Jähriger habe ich damals gedacht, was immer der liebe Gott ist, er ist sicher Ich kann nicht bewusst darauf aufbauen. auf der Seite der Wahrheit und der Erkenntnis und nicht auf der Seite der Schafe, die einfach nur dumm sind. Haben Sie die Hoffnung, dass Sie vielleicht nicht auf der Erde sterben, sondern irgendwo anders, dass Sie Sie mussten auch Bibelübersetzungen machen. Dabei abgeholt werden? Oh, das wär schön, das wär ein Traum. wurden Sie mit den Überlieferungen und den Widersprüchen konfrontiert. Wie sah während dieser Zeit Wenn Sie die Kollegen aus dem All ins Ufo bitten würden … Naja, Ihr Gottesbild aus? Der Gott meiner Knabenzeit, das dann würde ich doch erst einmal fragen, ob sie mich denn wieder war etwas unvorstellbar Schönes. Er musste ein paar mizurückbringen würden. Wenn sie Ja sagen, siegt die Neugierde, nimale Eigenschaften haben: Gott macht keine Fehler! dann gehe ich mit. Sagen sie Nein, dann, glaube ich, könnte doch das Beharrungsvermögen siegen. Gott braucht kein Fahrzeug, um von A nach B zu kommen, er ist überall gleichzeitig! Gott steht außerhalb der Zeit, er muss keine Experimente machen und abwarten, wie sie ausgehen. Er weiß das schon vorher! Das ist er schon, mein Gott. Wir aber machten Bibelübersetzungen. Moses 1, Vers 6: „Als aber die Gottessöhne sahen, dass die Töchter der Menschen schön waren, nahmen sie zu Weibern, welche sie wollten“. Ich habe rebelliert! Welche Gottessöhne? Dann wird ebenfalls bei Mose beschrieben, wie Gott mit Glühen und Donnern auf die Erde niederfährt, er vorher aber einen Zaun um den Berg bauen lässt, um das Volk in sicherer Entfernung zu halten. Welcher Gott lässt bitteschön einen Zaun erbauen, bevor er kommt? Hesekiel beschreibt dann all diese himmlischen Fahrzeuge. Das ist doch nicht Gott! Ich wollte einfach wissen, ob andere Völker im Altertum ebenso komische Geschichten haben!

1959 arbeitet er als Steward auf dem Linienschiff „SS Ryndam“, um ferne Länder zu sehen.

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präastronautik

Auf die komischen Geschichten der anderen sind Sie ja dann gestoßen. Haben Sie Ihre Zweifel und Vermutungen damals mit Ihren Eltern geteilt? Mit meinen Eltern nicht. Aber mit Studienkollegen und sogar mit Professoren. Die waren noch nicht einmal dagegen. Mancher Professor hat mich sogar auf weitere Quellen hingewiesen, natürlich hoffend, dass ich mich vom Gegenteil überzeugen lasse. Aber ich wurde eher bestärkt in meiner Sicht.

1954 unternahm der 19-Jährige seine erste Ägyptenreise.

Und wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie von der Karriere eines Hotelfachmanns umschwenkten auf Ihr Lebensthema? Mein Vater war ein sturer Katholik, der jeden Tag den Rosenkranz gebetet hat. Er ist leider gestorben, bevor mein erstes Buch herauskam. Er hätte sich sicher gefreut. Die Mama war Hausfrau, sie ist über 80 geworden und hat stolz alles gelesen von ihrem Sohn. Und sie sagte immer: „Gell, Erich, du verlierst den lieben Gott nicht!“ Und ich sagte: „Mami, ich habe den lieben Gott nie verloren.“ Ich habe ihn auch heute nicht verloren, diesen grandiosen Geist der Schöpfung. Ihre Mutter konnte Ihren Eifer also nachvollziehen? Ja, und ich habe vier Geschwister. Die leben alle noch, die sind alle begeistert. Wir haben eine herrliche Familie, die wirklich funktioniert. Ich selbst bin doppelter Großvater. Wir sind ein Clan. Wir treffen uns mindestens dreimal jährlich. Und auch die Jungen sitzen gern mal mit dem Alten an der Bar und fragen mich und hören mir zu und sagen: „Mensch, Erich, wer das nicht begreift …“

Ich Sprach in den Obersten Etagen der Schweizer Finanzwirtschaft. Dort Will man wissen, was ich weiss. Geklatscht wurde nie.

Das klingt nach einem sehr zufriedenen Erich von Däniken. Ja, das bin ich. Ich hätte zwar gern noch den einen Beweis gefunden. Aber das wird kommen. Und wenn ich den Löffel abgebe, ist das nur der Gong zur nächsten Runde. Es gibt andere Autoren, die dasselbe Feld beackern.

Autor Martin Häusler mit Erich von Däniken in Berlin kurz vor dessen 80. Geburtstag

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Sommerliche Outfits f체r eine Inspektion des TrinkwasserReservats Cantareira. es Wird zeit, dass hier endlich mal einer Aufr채umt.

Fotos pablo saborido Styling david diniz

Mehr Respekt bitte

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Kappe Live Skateboards T-Shirt Live Skateboards Hose Ratier Schuhe Shoestock

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Sergio tr채gt Hemd Guess Hose Volcom Shirt New Era Schuhe Onitsuka Tiger Vanessa tr채gt Kleid RVCA Bluse Billabong

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Hemd LRG Shirt LRG Hose Nautica Schuhe Converse Uhr Swatch

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Hose Coca-Cola Jeans Hemd Fred Perry Jacke Guess Schuhe Converse

Produktion Adriana Verani und Alex Bezerra Haare & Make-up Vicente Lujan (Capa MGT) Modeproduktion/-redaktion Monica Ventura Fotoassistent Carlos Ximenes Model vanessa moreira / way models

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mode

Ein Fluss in Not Hose Billabong

Einer der wichtigsten Wasserspeicher, aus denen die Bewohner der Millionenmetropole São Paulo ihr Trinkwasser beziehen, ist das Reservoir Cantareira. Hier sind die Aufnahmen für dieses Modeshooting entstanden. Als Model fungierte der brasilianische Wassersportler und Kanulehrer Sergio Prieto. Des Öfteren ist er in dieser Landschaft mit seinem Kanu, aber auch mit dem SUP-Board unterwegs. Er weiß, wie wichtig die Niederschläge während der Regenzeit zwischen November und März sind, um die Speicher des gigantischen Systems zu füllen, das 40 Prozent der Haushalte versorgt. „Wenn es nicht genug regnet“, erklärt er, „müssen die Menschen das Wasser drastisch rationieren.“ Gleichzeitig ärgert er sich über die Sorglosigkeit, mit der die Menschen mit diesem so wichtigen Stück Natur umgehen. „Immer wieder findet sich Müll an den Ufern“, entrüstet er sich. „Es fließt immer noch viel zu viel Wasser in von Abwasser verschmutzte Flüsse“, weist er auf die Versäumnisse beim Ausbau der Kanalisation in den letzten 20 Jahren hin. „Es wird höchste Zeit, dass bessere Kläranlagen gebaut werden.“

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Auf das Wesentliche fokussiert!


Stunde schlägt

Männer lieben Uhren mit dreifachem Nutzwert: Sie müssen gut aussehen, funktional sein und Qualität bieten. Diese Neuheiten von der Baselword überzeugen durch maskulinen Charme und Innovation.

Der Star-DJ David Guetta ist neuer Markenbotschafter von TAG Heuer.

 SCHNÖRKELLOS  Das neue Modell von TAG Heuer, der Chronograph

Monaco V4 Phantom beeindruckt durch die Verarbeitung von Karbonfaser, sowohl für das Gehäuse als auch für die sieben Brücken des Uhrwerks. Das Ziffernblatt präsentiert sich in matten, eleganten Farbschattierungen von Dunkelgrau bis Schwarz. Limitierte Auflage, 50 Stück, Preis: 45.000 Euro. www.tagheuer.com

 STYLISCH  Der sportliche Chronorally 1 Chronograph von

Edox ist aus rostbeständigem Stahl gefertigt und glänzt mit schwarzer Lünette und wenigen farbigen Highlights. Dieser Chronograph hat einen Durchmesser von 45 Millimetern und ist bis zu 100 Meter wasserdicht. Hingucker ist das Silikonarmband mit Reifenprofil-Design. Preis: 1.700 Euro. www.edox.ch

 SPORTLICH  Der bis zu 200 Meter wasserdichte DS Eagle Chronograph von Certina fällt durch seinen außergewöhnlichen Rennsport-Charakter und das gebürstete 316L-Stahlgehäuse auf. Rote Druckknöpfe und weiße Elemente auf schwarzem Hintergrund unterstreichen den sportlichen Spirit. Preis: 1.820 Euro. www.certina.ch 122

foto // tag heuer

Wem die


zeiger

 NOSTALGISCH  Das Modell Heritage Driver 1967 von Longines

ist von der Aufmachung einer Taucheruhr aus dem Jahre 1967 inspiriert. Die silbernen Zeiger, umrahmt durch eine bordeauxrote Lünette, mit silbernem Tachymeter auf einem schwarzen Zifferblatt, lässt dieses Uhrenmodell sehr edel wirken. Die Wasserdichte reicht auf 300 Meter Tiefe. Preis: 2.620 Euro. www.longines.de

 MASKULIN  Schon der Name ein Abenteuer! Der Royal KonTiki Chronograph GMT schließt sich dem sportlichen, markanten Design der Vorgänger dieser Reihe an, setzt sich aber durch die farbliche Gestaltung des Zifferblattes mit einem schmalen äußeren Rand in Signalrot ab. Die unverwechselbare Wellen­optik im Zentrum wird beibehalten. Preis: 7.750 Euro. www.eterna.ch   

 LEUCHTEND  Die Ball Engineer Hydrocarbon AeroGMT setzt neue Maßstäbe. Die Fliegeruhr besitzt eine drehbare Lünette mit Mikrogaslichtern, die neben der Standartzeit, eine zweite und sogar eine dritte Zeitzone anzeigen können. Die Leuchtfarbe ist bis zu 100-mal effizienter als in herkömmlichen Fliegeruhren und hält rund 25 Jahre. Preis: 3.200 Euro. www.ballwatch.com

 MINIMALISTISCH  Die M 29 Classic Einzeiger besticht durch seine traditionelle Optik und erinnert an die Ursprünge des Unternehmens: Einzeiger-Messinstrumente, die damals von Gründer Robert Mühle entwickelt wurden. Zurückhaltend im Design, alltagsorientiert in der Darstellung und entspannt in der Wirkung. Preis: 1.500 Euro. www.muehle-glashütte.de   

 ZUVERLÄSSIG  Zum Fünfzigsten alles Gute! Die Marinemaster

Professional 1000m Diver’s ist wie ihre Vorgänger ein Statement in Sachen Sicherheit und Präzision. Die Zeiger und Markierungen sind mit dem Leuchtstoff LumiBrite beschichtet und das Silikonband gewährt eine lange Haltbarkeit. Preis: 3.450 Euro. www.seiko.de

 KLASSISCH  Der Admiral’s Cup Legend Chronograph besticht durch sein klassisch-edles Design. Sportlich und elegant zugleich, so präsentiert der Schweizer Uhrenhersteller Corum sein neustes Produkt. Der Durchmesser des rotgoldenen Gehäuses beträgt 42 Millimeter. Preis: 4.900 Euro. www.corum.ch

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zeiger

 TRADITIONSVERBUNDEN  Die Kollektion 1893, die an das Gründungsjahr von Glashütte erinnert, wird um ein Modell bereichert, das mit seinem Zifferblatt im Stil eines Regulators an eine alte Tradition anknüpft. Das zweischichtige Zifferblatt mit Emaille-Lackierung verleiht der Union Glashütte 1893 Regulator Tiefe. Preis: 2.200 Euro. www.union-glashuette.com

 EXQUISIT  Das Gehäuse der Tradition Automatique Seconde Rétrogarde beeindruckt durch 18 Karat Weißgold und den Durchmesser von 40 Millimetern. Der Sekundenanzeige mit rückspringendem Zeiger verdankt das Modell seinen Namen. Preis: 30.200 Euro. www.brequet.com

 INSPIRIERT  Die Omega Speedmaster „Dark Side

of the Moon“ besitzt ein schwarzes Keramikgehäuse mit Super-LumiNova-Beschichtung, die es ermöglicht, bei verschiedensten Lichtverhältnissen die Zeit abzulesen. Der koaxiale Kaliber 9300 ist der erste mit integrierter Chronographen-Funktion. Preis: 10.100 Euro. www.omegawatches.com

 KOMBINIERT  Die Tissot T-Touch Expert Solar kombiniert, wie

der Name sagt, Touch-Funktionalität und Solarbetrieb – und ist damit die einzige Uhr dieser Art weltweit. Die rund 20 Funktionen wie zum Beispiel Kompass, Barometer und Timer sind über das taktile, entspiegelte Saphirglas zu bedienen. Preis: 895 Euro. www.tissot.ch

 EXKLUSIV  Die neuste Entwicklung von Girard Perregaux

ist eine dreiachsige Tourbillon, deren Titangehäuse aus Weißgold gefertigt wurde. Das Tri-Axial ist auf drei Ebenen konstruiert und optimiert nicht nur die Leistung, sondern bietet gleichzeitig auch ein faszinierendes Schauspiel. Limitiert auf zehn Exemplare. Preis: auf Anfrage. www.girard-perregaux.com

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Tender is the Night Die Fotografin Autumn Sonnichsen ist stets in Bewegung. Exklusiv in TRIP schreibt sie ab sofort Tagebuch. Diesmal führte ihre Fahrt Tausende Kilometer durch ihr Heimatland Amerika.

Hallo Nachbar, seitdem wir uns das letzte Mal sahen, habe ich die Nordhalbkugel der Erde überquert. Ich habe ziemlich hart gearbeitet, recht wenig geschlafen, mich bestmöglich ausgetobt. Ich habe drei Wochen in einem Hotel in der Innenstadt von Los Angeles zugebracht. Es ist seltsam, in jener Stadt, in der ich geboren wurde, in einem Hotel zu

Kolumne

Fernweh

sein. Am ersten Tag posierte meine Freundin Brandalynn für mich. Mit einer Flasche Whisky und der DVD eines Films (sie weiß, wie sie mich kriegt). Dann küsste sie unseren Stuntman und fiel in mein Bett. Nach dem Aufwachen reiste sie direkt nach Shanghai ab und hinterließ eine Jeans, ein Höschen auf dem Boden – und diese Sehnsucht nach der Freundin, die glücklich ist, wenn man sie beim Schlafen fotografiert.

*Autumn Sonnichsen arbeitet als Fotografin. Am liebsten ist sie auf der Suche nach besonderen Perspektiven und schönen Mädchen.


Von Autumn Sonnichsen*

Als Nächstes brach ich auf nach San Francisco, und von dort ging es mit dem Zug weiter nach Seattle. Das sind 22 Stunden an der Küste entlang. Bahnreisen in den Vereinigten Staaten sind verrückt. Es ist eine Art Abenteuer, da Fliegen im Prinzip viel einfacher und billiger ist. Man muss das wirklich wollen. Oder man ist gerade aus dem Gefängnis entkommen und hat nicht die richtigen Dokumente, um das Flugzeug nehmen zu können – von solchen Leuten gibt es eine Menge. Ankunft in Seattle. Da erwartet mich mein Vater, mit dem gleichen Hut und der immer gleichen Jacke mit Silberband, um die Risse zu überdecken. Bald wird er 80 Jahre alt. Es ist sieben Uhr morgens. Wir nehmen die Fähre Richtung Marinebasis, um meine Schwester abzuholen. Sie arbeitet als Leutnant der Marine auf einem U-Boot. Bevor sie für die nächsten drei Monate in dem Metallzylinder unterwegs sein wird zu irgendeinem weit entfernten Punkt auf der Welt, wollen wir noch gemeinsam unsere Mutter besuchen.

So wartet ein Roadtrip auf uns, das heißt, zehn Stunden täglich Kilometer fressen. Mein Heimatland hört nie auf, ein Klassiker zu sein: die Tankstellen mit ihren Coffeeshops, das Pinkeln am Straßenrand, von Zeit zu Zeit ein einsamer Hirsch. Es regnet, und Washington verwandelt sich in Oregon. Und Oregon verwandelt sich in Idaho. Und Idaho in Montana. Ich lese meiner Schwester laut die Krimis unserer Kindheit vor, und die Geschichten von Hemingway, während sie fährt. Die letzten Tage verbringe ich ­­ a­ llein mit meiner Mutter. Sie lebt jetzt in Utah, irgendwo auf dem Berg. Durch Zufall ist eine Freundin aus São Paulo in der Nähe und wir verabreden uns und gehen spazieren. Ein Geheimnis: Unter ihrem Mantel ist sie nackt und mit Gold-Glitter bedeckt. Aber dieses Foto zeige ich ein anderes Mal, wenn ich wieder zu Hause bin, in einem von Bäumen umgebenen Gebäude. Ein Kuss, Autumn Sonnichsen

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Von Thorsten Timm*

Festgefroren

Den ersten Teil des Traums kenne ich schon, ich träum ihn regelmäßig, seit ich 13 oder 14 bin. Ich hatte damals ein Buch gelesen, „Wettlauf zum Pol“ oder so ähnlich. Es handelt von Roald Amundsen und Robert Falcon Scott, die 1912 beide mit ihren Expeditionen als erster Mensch den Südpol erreichen wollten. Amundsen gewinnt, Scott erfriert. Seit der Lektüre träume ich mich in die Antarktis, an den Rand des Schelfeises, in eine Pinguinkolonie und natürlich auf eine Forschungsstation. Letzte Nacht nun stand ich in meinem roten Daunenoverall in einer Baracke am Cape Evans, die Scott als Basislager eingerichtet hatte. Alles ist heute noch so wie vor hundert Jahren, in einem Regal stehen noch original Konservendosen „peas in braine“, Erbsen in Lake. Ausgerechnet­Dosen­ erbsen, denke ich im Traum. Scott war ein Freund der Technik und des Fortschritts. Er hatte die ersten Motorschlitten in die Antarktis geschafft, riesige Monsterma­ schinen, die bei den ersten Testfahrten bald durchs Eis brachen und in der Ross Sea ver­ sanken. Sein Konkurrent Amundsen war klas­ sisch mit Hunden und Skiern unterwegs und hat ihn düpiert: Finger weg vom Fortschritt. Bestätigt fühlen sich die ewig Gestrigen in ihren Ethikkommissionen, nicken, heben ihre Finger und warnen vor der Forschung am Gen

Kolumne

Fortschritt

Fotoprojekt // Bea Crespo und Andrea G. Portoles// www.brunchcity.wordpress.com

Schwester Sehnsucht klingelte gestern mal wieder an der Tür. Wie immer nachts, wenn ich schlafe.

und am Atom. Dabei mag sich so mancher Wissenschaftler hierzulande vorkommen wie ein 15-jähriger Junge, der auf seinem polierten Mofa sitzt, mit zugelassener Auspuffanlage ­und funktionierendem Blinker, während die Kollegen jenseits der Grenzen mit frisierten Mopeds durch die Gegend knattern. Ich stehe immer noch vor der Konservendo­ se und stelle mir die blass-grünen Dinger vor, wie sie in ihrer Brühe treiben. Die waren schon vor hundert Jahren so aromalos wie heute. Fortschritt. Was sind Tiefkühlerbsen für eine Berei­ cherung, frische grüne kleine Schusser, die schmecken, als kämen sie frisch vom Strauch. Ohne Fortschritt müssten Scotts englische Landsmänner immer noch Pudding und Pie essen, Jamie Oliver wäre maximal ein begnadeter Dosenöffner. „Aber der Fortschritt macht an den Erbsen nicht halt!“, höre ich orthodoxe Kreise wettern und Verbote einfordern. Auch Eizellen lassen sich einfrieren. Und seitdem der ein oder andere innovative Großkonzern seinen Mitarbeite­ rinnen anbietet, die Kosten für eine KryoKonservierung zu übernehmen, damit sie während ihrer fruchtbaren Jahre ungestört Karriere machen können und das Kinderkrie­ gen auf jenseits der 40 verschieben, wähnen sie das ­Abendland in Gefahr.

*Thorsten Timm (45) hat im Erste-HilfeKurs gelernt, dass sich Prellungen und Stauchungen hervorragend mit Tiefkühlerbsen behandeln lassen.

Amundsen war als Erster am Pol und als Erster gesund zu Hause, und das ganz ohne Motorschlitten und sonstigen technischen Hokuspokus. Aber er hatte die Wahl und so lasse ich das museale Döschen stehen und hoffe, morgen in einer Wohnung mit Tief­ kühltruhe zu erwachen.

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Impressum

Autoren dieser Ausgabe

Alexandra Dinter, Simon Schumacher, Ina Krug, Camila Eiroa, Nils Lackner, Benjamin Hellwig, Martin Häusler, Thorsten Timm, Autumn Sonnichsen, Luiz Alberto Mendes , Dirk Wagener, Mike Ziegler TRIP erscheint vierteljährlich in der Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Pracima­ media GmbH und wird über ausgewählte Pressefach­ geschäfte sowie den Bahnhofsbuchhandel und Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben.

Fotografen dieser Ausgabe

Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986 info@terraoceanisverlag.de

Phillip M. Rueger, Manfred Pollert, 3XN/GXN, Kent Rogowski, 1ZWO3, Dani L., Dirk Wagener, Killian Kimmeskamp, hauninho/seleneos/hankman/phot­ ocase.de, Caio Palazzo, Brian Bojsen, Sonja Lacher, Corinna Dumat/pixelio.de, Gisele Sanfelice, Nils Lackner, Pablo Saborido, Autumn Sonnichsen, Monte Pacis, David Peixoto

Kontakt zur Redaktion

Illustratoren dieser Ausgabe

Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986 info@tripmagazin.de

Bea Crespo, Andrea G. Portoles

Kontakt zum Verlag

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Georgia Garms (online@tripmagazin.de) Pracimamedia GmbH, Oberer Ehmschen 77, 25462 Rellingen Webdesign HIGH5 interactive (www.high5.de) Simon Bolz, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt, Telefon: +49 69 13827812 ABONNEMENT & EINZELHEFTBESTELLUNGEN

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Titelfoto Dani L. EDITOR Dr. Thomas Garms (garms@tripmagazin.de)

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Sales & Marketing Simon Schumacher Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986, ss@t-o-v.de

TRIP BRASIL Editor Paulo Lima, Superintendent Carlos

Verlag Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG Art Director Jan Weisner (jw@o-graphix.de)

Outline-Graphix.de Redaktion Tim Jacobsen, Simon Schumacher,

Ina Krug, Alexandra Dinter, Patrycja Sokolowski, Karolin Wüstney, Lea Henneke, Josephine Quaas, Johannes Heil (redaktion@tripmagazin.de) Mode Felicia Siegle-Baumgartner

(fashion@tripmagazin.de) ISSN 2190-1171 Lektorat Alexandra Dinter, Ina Krug, Laura Navers Vertrieb IPS Gruppe Carl-Zeiss-Straße 5, 53340 Meckenheim, www.ips-d.de

Übersetzung Georgia Garms

Sarli, Editorial Director Fernando Luna, Chief Financial officer Agenor S. dos Santos, Director of Publicity and Circulation Isabel Borba, Director of Special Projects and Marketing Ana Paula Wehba, Creative officer Ciça Pinheiro, PR and Contact Taís Neri (tais@trip.com.br), Rafael Silva (rafael@trip.com.br)

Herstellernachweis

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Live Skateboards

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von Mike Ziegler*

Das Kleingedruckte Überall werden wir mit Texten bombardiert, die eigentlich nur einen Sinn haben: sich aus Verantwortungen herauszuwinden.

Neulich hat mir meine Krankenversicherung im Zusammenhang einer vom Versicherungs­ obmann genehmigten Tarifanpas­ sung endlos Kleingedrucktes ge­ schickt. Ich habe es nicht gelesen. Um das zu tun, hätte ich drei Tage meine Kneipe schließen müssen. Aber wehe, wenn ich in nächster Zeit irgendeinen Stiftzahn brau­ chen sollte, weil mir ein alkoholi­ sierter Gast die Fresse poliert hat. Dann wird es heißen: „Die Kosten müssen Sie leider selbst tragen, wir hatten Ihnen doch in den neuen Vertragsunterlagen mitgeteilt, dass Folgen von Schlägereien nicht mehr mitversichert sind.“ Fotoprojekt // Bea Crespo und Andrea G. Portoles// www.brunchcity.wordpress.com

Bücher braucht es eigentlich nicht mehr. Die Verbraucherschützer, EU-Kommissare und Juristen hinterlassen uns im Alltag mehr als genug zu lesen. Rechnet man das Kleinge­ druckte auf, das uns beständig serviert wird, könnte man eigentlich nichts anderes mehr tun, als all diesen AGB, Packungsbeschrif­ tungen, Beipackzetteln, Produktkennzeich­ nungen und Zutatenlisten Respekt für diesen beeindruckenden Ausfluss an juristischer

Formulierungskunst entgegenzubringen. Auf der Rasierschaumdose, die ich täglich zur Hand nehme, findet sich eine Textmenge, die ausreichend wäre für einen ganzen Roman. Da der Platz auf der Dose begrenzt ist, wählte man eine derart kleine Schrift, dass ich eine Brief­ markenlupe brauche, um den Inhalt zu entzif­ fern. Wer gerade keine Lupe zur Hand hat, ist selbst schuld, und der Hersteller haftungsmä­ ßig fein raus, nach dem Motto: „Wir haben dir von Anfang an kommuniziert, was wir alles für gefährliches Zeugs in unseren Schaum rühren, also beschwer dich bitte nicht, wenn du Pickel kriegst von dem Diethylphthalat oder den polyzyklischen Moschusverbindungen, die sich im Fettgewebe und in der Muttermilch an­ reichern, angeblich erbgutverändernd wirken und den Östrogenfluss hemmen könnten.“

Kolumne

Lesestoff

*Mike Ziegler ist Gastronom und trägt inzwischen eine Brille, weil er sich die Augen an zu vielen AGB verdorben hat.

Ganz schlimm ist der AGB-Overkill bei Facebook, iTunes & Co. Immer dann, wenn du einen neuen Song oder eine App runter­ laden willst, poppt mit Garantie erst einmal das Fenster mit der Aufforderung, einer Änderung der Nutzungsbedingungen zuzu­ stimmen, auf. Im Zweifel bin ich da gerade mit der Straßenbahn unterwegs, wollte ein­ fach nur Musik hören und mich genau jetzt nicht durch ewig langen Vertragstext scrol­ len. Also drückt man „Akzeptieren“ und ist damit mal wieder unwissentlich irgendeiner fiesen Tracking­geschichte oder der Sam­ melwut von Big Data ausgeliefert. Ganz schlimm verhält es sich bei Lebensmitteln: Angeblich zu unserem Schutz werden wir regelrecht bombardiert mit sogenannten „Verkehrsbezeichnungen“, die die genaue Art sowie die besonderen Eigenschaften eines Produktes verdeutlichen sollen. Fein säuberlich sind die Zutaten absteigend nach ihrem Gewichtsanteil zum Zeitpunkt ihrer Herstellung aufgelistet, zuzüglich der 14 wichtigsten Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können. Eigentlich fehlt nur noch, dass sich die heißblütige dunkelhaarige Schönheit, mit der ich im Bett gelandet bin, auf dem Hintern ebenfalls Kleingedrucktes hat eintätowieren lassen. Verbraucherhin­ weis: „Entstamme einer arabischen Familie mit vielen gewalttätigen Brüdern, nehme grundsätzlich nicht die Pille und habe schon lange darauf gewartet, dass mich ein halbwegs attraktiver solventer Kneipenbe­ sitzer endlich schwängert.“

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DER NEUE DISCOVERY SPORT

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Verbrauchs- und Emissionswerte: Kraftstoffverbrauch (l/100 km) innerorts 10,9–5,4, außerorts 6,8–4,1, kombiniert 8,3–4,5; CO2-Emission 197–119 g/km; CO2-Effizienzklassen C – A+. RL 80/1268/EWG. Abb. zeigt Sonderausstattung.

TRIP 16  

Mindstyle Magazine

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