Page 1

und

Alles an Bord. Außer Nonsens.

T R I P 4 . Q u arta l 2 0 1 4 // N R . 1 5 // M y s t e r y // D i e ti e f s t e n Wa h r h e it e n s ind imm e r e in fa c h 

Porsche empfiehlt

w w w. t r i p m a g a z i n . d e

 mindstyle  magazine  

Black Tattoo

mystery

Grosse Meister zeigen ihre schönsten Arbeiten

Zum Glück schenkt uns das Leben noch jede Menge Geheimnisse

Der neue 911 Carrera GTS.

Surfen

GTS. Das heißt: jede Menge Purismus – aber ohne Verzicht. 3 Buchstaben, die hohe

Der riskante Kampf mit den Wellen vor Island

Performance von der Rennstrecke mit hoher Sportlichkeit im Alltag vereinen. Mit mehr Leistung, satter Straßenlage, einem geschärften Design. Das ist alles, was zählt. Alles andere? Ist Nebensache. www.porsche.de/911CarreraGTS www.tripmaga z in . d e

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) innerorts 13,7–12,2 · außerorts 7,5–6,7 · kombiniert 9,5–8,7; CO2-Emissionen 223–202 g/km

Pink Pussy

Das weibliche Geschlechtsteil als Kunstobjekt Ausgabe 15 4,80 EURO

Österreich 5,50 Euro Schweiz 10 SFR Benelux 5,50 Euro Italien/Spanien/Portugal (cont.) 6,50 Euro

klug mutig stark


DISCOVERY

FÜR ALLE ANDEREN GIBT ES DAS INTERNET 51° 7‘ 22.8“ S 73° 6‘ 57.6“ W, Torres del Paine, Chile

landrover.de

Verbrauchs- und Emissionswerte: Kraftstoffverbrauch (l/100 km) innerorts 14,4–8,6, außerorts 9,9–7,3, kombiniert 11,5–7,8; CO2-Emission 269–207 g/km, CO2-Effizienzklassen D, B. Messverfahren RL 80/1268/EWG.


Jobnummer 2LRVN-N4001 Umfang 1 Seite

editorial

Anlageformat 100% Endformat 208 x 275 mm Anschnitt 3 mm Farbigkeit 4-fbg. cmyk MG Denise Schum Nat. AZ Disco Torres Del Paine Trip

DER BLICK INS INNERE U

m ins Reich der Mysterien zu reisen, müssen wir unseren analytischen Verstand bremsen und uns entschieden auf eine andere Bewusstseinsebene begeben. Nicht alles, was es gibt, ist rational erklärbar. Besondere Erfah­ rungen können wir nur machen, wenn wir die Schutzzone der Rationalität verlassen und uns auf eine Welt zubewegen, wo wir eine leichtere Luft atmen, die Luft des Spirituellen. Das kann uns fordern, ja bisweilen überfordern, aber es öffnet auch neue Horizonte. Denn unser Geist ist nicht nur Verstand, sondern er sehnt sich nach Grenzerfahrungen, will eintauchen in die Geheim­ nisse des Seins, die in keinem Lehrbuch erfasst sind oder verborgen liegen hinter den Schleiern von Tabus. Damit entsteht Reibungsfläche, an der wir wachsen und die unsere Sinne schult.

Einer der Beiträge in diesem Heft beschäftigt sich mit dem Thema Vagina. Zu keiner Zeit in der Geschichte konnte so unverborgen und direkt das weibliche Geschlechtsteil betrachtet werden wie heute. Die Pornografie wirft in mikroskopischer Präzision tiefe gynäkologische Blicke zwischen die Beine der Frau und trotzdem bleibt uns die Erklärung versagt, warum wir uns trotz des kalku­ lierten Tabubruchs keinen Reim darauf machen können, was uns an ihren höchst unterschiedlich ausgeprägten Hautfalten so fasziniert. Nicht jede Einsicht ist gleichzeitig auch eine Erhellung.

Kein Wunder also, dass eine Vielzahl von zeit­ genössischen Künstlerinnen und Künstlern sich diesem Thema stellt – die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihnen in jedem Fall sicher, wie Ina Krug in ihrem Beitrag zeigt. Die Botschaft: Nach außen bleibt unsere Seele zugeknöpft, nach innen fühlen wir uns indessen peinlich berührt und ertappt, ganz so, als hielte man uns den Spiegel vor in dem oft vergeblichen Kampf, das eigentlich Menschliche in uns zu entdecken. Im tiefsten Grund unseres Seins wissen wir, dass uns morali­ sche Leitplanken, Bedenkenträgerei und Verbote immer mehr zu gleichgeschalteten, vernunft­ gesteuerten Wesen machen. Offenbar kommt es nicht mehr auf Ecken und Kanten an, sondern nur noch auf das politisch korrekte Funktionieren. Häufig bleibt dann neben dem Sport die eigene Haut die einzige freie Verfügungsfläche, auf der wir dem Wunsch nach Autonomie ungefährdet Ausdruck verleihen. So ist es kein Zufall, dass alle in dieser Ausgabe fotografierten Mädchen über ihre Piercings und Tattoos die Welt des Unter­ schieds und das Bedürfnis nach tieferen, mysti­ schen Ebenen markieren. Ernsthaftigkeit und an­ gepasste Spießigkeit müssen nicht zwangsläufig miteinander einhergehen. Ganz im Gegenteil: Es sind die rätselhaften Botschaften, die das Leben spannend machen. Bei dem einen ist es das aus schwarzer Tinte gestochene Tribal, beim anderen der Vollbart. Und manchmal beides zugleich.

THOMAS GARMS, EDITOR 3


INHALT

THEMENSCHWERPUNKT

MYSTERY ZUM GLÜCK SCHENKT UNS DAS LEBEN NOCH JEDE MENGE GEHEIMNISSE

Ganz Hollywood strömt zu Andy Funk und seiner Frau Kristi. In ihrem Pink Lotus Breast Center ließen sich auch Angelina Jolie und Sheryl Crow behandeln.

FOTOS INHALTSSEITE // TOMAS MUSCIONICO, MANUELA D'ALMEIDA, PHILIPP LICHTERBECK, CHEM CHEM, MARISA KAKOULAS, FELIX GÄNSICKE & LUCAS GÜNTHER,

06 DIE WUNDERHEILER VON BEVERLY HILLS

40 FREIER GEIST, FREIER KÖRPER 52 UNTER BESCHUSS

110 AFRIKAS HERRLICHE SEELE

TRIP Girl Stephanie Meneghetti ist nicht schüchtern, für sie ist Nacktheit das Natürlichste der Welt.

Die Chem Chem Safari Lodge in Tansania ist zugleich luxuriöser Ruhepool und ein Tor zur Wildnis Afrikas.

Um sich gegen die Terrorherrschaft der mexikanischen Drogenkartelle zu wehren, greifen immer mehr Bürger zu den Waffen.

4


TITELFOTO // EVA ZOCHER / BLACK TATTOO ART II

TITELFOTO // MANUELA D'ALMEIDA MODEL // STEPHANIE MENEGHETTI

MYSTERIEN UND MENSCHLICHEN GEHEIMNISSEN AUF DER SPUR: STORYS AUS AMERIKA, BRASILIEN, DEUTSCHLAND, ISLAND, MEXIKO, DER SCHWEIZ UND TANSANIA

16 PARADE > 16 News und Tipps Technik, Gimmicks, Lifestyle > 18 Unterwegs Zur Wiege der Winterferien und mit Kunst auf den TV-Schirmen > 20 Ladys Von geheimen Botschaften und gegen geheime Zutaten > 22 Food Bento Box Art > 24 Leuchten Lichterregen und helle Tütchen> 26 Akustik Der gute Ton > 28 Barkeeper Neues aus der Welt der Spirituosen > 30 Art Weckruf > 32 Mobil Der britische Alleskönner > 32 Adäquat/Inadäquat Namhafte Leute > 33 Sechsmalacht Was sagt ihr denn dazu? > 34 Ausstattung Winterdienst > 36 Gear Nützliches für den Alltag > 37 Technik Ausprobiert >38 Umfrage Was ist für dich eine echte Versuchung ?

50 GEFLÜGELTE ERHABENHEIT Schön und erschreckend: Engel dienten den Musikern schon immer als beliebtes Covermotiv.

64 PINK PUSSY Immer noch ein Mysterium: von der Vagina in der ­Geschichte der Kunst.

76 FOTOGRAFIE Kein Tingel, kein Tangel: Sara Fischer, FotografieStudentin in Berlin, weiß, was sie will.

82 ZEITMESSER Perfektion im Auge des Sturms. Uhren als Hightech-Präzisionswerkzeug.

96 STRATEGISCHER WENDEPUNKT 70 BLACK TATTOO Marisa Kakoulas präsentiert mit „Black Tattoo Art II: Modern Expressions of the Tribal“ die zweite Inkarnation dessen, was man als die „Bibel der Blackwork-Tattoos” bezeichnet.

Von Fahrvergnügen und Kindheitsträumen: mit dem Porsche Macan abseits der Piste.

102 IM ROTEN BEREICH Catharina Bellini hat das Modelleben satt und besinnt sich lieber auf die wichtigen Dinge des Lebens.

118 IMMER IN BEWEGUNG Lässiger Chic mit Gokart-Feeling: mit dem MINI-5-Türer auf einem Roadtrip durch Hamburgs City.

126 KOLUMNEN > 126 Das Leben im Moment Ina Krug über das glücklichste Volk > 128 Es werde Licht Mike Ziegler über die allgemeine Gleichmacherei > 130 Ein Bild von mir Thorsten Timm über seinen Selbstversuch 60 TEGEL ERFINDET SICH NEU

88 HEADACHE

Was geschieht mit Berlin-Tegel, wenn der Flughafenbetrieb eingestellt wird?

Die Binsurfen-Crew beim Filmdreh im Land der Gletscher und Feen.

5

STANDARDS > 129 Herstellernachweis > 129 Impressum


DIE WUNDERHEILER VON BEVERLY HILLS

TEXT JÜRGEN SCHÖNSTEIN FOTOS TOMAS MUSCIONICO

TRIATHLET, SURFER UND INVESTOR MIT VISIONEN: GANZ HOLLYWOOD STRÖMT ZU ANDY FUNK UND SEINER FRAU KRISTI. IN IHREM PINK LOTUS BREAST CENTER LIESSEN SICH AUCH ANGELINA JOLIE UND SHERYL CROW ERFOLGREICH BEHANDELN. JETZT WOLLEN DIE FUNKS NACH DEUTSCHLAND.

6


DIE SCHWARZEN SEITEN

„Guten Morgen, kommen Sie rein“, ruft er durch die offene Tür und stellt dann auch gleich den Portier vor, der um sieben in der Früh noch etwas verschla­ fen aus der Wäsche guckt: „Das ist der Basti.“ Funks fünfjähriger Sohn Sebastian, dessen Drillingsbrü­ der Ethan und Justin noch schlafen: Denn sie müs­ sen Kraft sammeln, um ihre Eltern auch am Spät­ ndy Funk, der Deutsch-Kalifornier, in dessen nachmittag noch in Bewegung zu halten. Klinik sich Sheryl Crow behandeln und Angelina Jolie ihre Brüste abnehmen ließ, Die Funks leben in Pacific Palisades, einem Stadtteil gehört zu diesen gebräunt-athletischen Er­ von Los Angeles, gleich am Meer und westlich von folgstypen, denen man gewöhnlicherweise nicht Santa Monica. Nach viel Geld sieht das über 60 Jah­ sofort um den Hals fallen will, weil sie einem so re alte Haus nicht aus. Der Marktwert liegt bei rund sympathisch wären. Wenn Funk, der Kraftmensch, drei Millionen Dollar. Aber so viel kosten alle Häu­ sein heißes Erfolgslächeln aufsetzt, dann will man ser hier, und zwar mindestens. Der Lebensstil an fast in Deckung springen: Es ist so hart und glatt, diesem Ort ist gehobener Mittelstand: 270 Quadrat­ dass man diese Alton-Lane-Maßanzüge damit bü­ meter Wohnfläche, gleich vorn in der zweigeschos­ geln könnte, die man an der Wall Street neuerdings sigen Eingangshalle ein Billardtisch, in einer Ni­ so gern trägt. Aber Funk ist einer von den Netten, sche zwei E-Gitarren, darunter eine Gibson Les Paul, dann Wohnküche, Spielzimmer und über dem Ka­ weder Angeber noch Poseur. min ein Flachbildschirm, auf dem Familienbilder im Dauerbetrieb wechseln, begleitet von iTunes-Musik. Hinterm Haus ein Schwimmbecken in Nierenform und ein sechs mal neun Meter großes Stück Rasen.

A

7


Konzentrierte Arbeit im OP: Andy Funks Frau Kristi greift zum Skalpell.

In der Einfahrt parkt Funks Mercedes SLK, er hat gut und gerne seine zehn Jahre auf dem Kühler, zeigt Schrammen und Kratzer und bekommt offen­ bar selten Auslauf, so staubig wie der Lack ist. Die kleine Großraumlimousine daneben verrät auf dem Nummernschild: Hier leben „5 Funks“.

DER MARKTWERT LIEGT BEI RUND DREI MILLIONEN DOLLAR. ABER SO VIEL KOSTEN ALLE HÄUSER HIER, UND ZWAR MINDESTENS.

Der heute 37-jährige Andreas Funk kam als junger Bursche nach Kalifornien. Mit seiner Harley im Frachtraum flog er nach Amerika und fuhr die Route 66 in acht Wochen von Chicago bis an ihr Ende, nach L.A., und als er die Piers Der Filius indes wollte mit dem Familienbetrieb wenig zu tun von Santa Monica sah und den Strand, haben. Dies sei ihm schon mit zwölf klar gewesen: „Ich sah, da wusste er: „Hier bin ich zu Hause.“ wie unglücklich mein Vater war, den mein Großvater gezwun­ gen hatte, ins Geschäft einzusteigen.“ Die Eltern hatten viele Funk ist in München geboren, aber in Pläne mit ihrem Ältesten. Aber das schmeckte ihm nicht, sein Hamburg-Blankenese aufgewachsen: Bruder ist nun Bannerträger der Tradition. Spross einer Unternehmerfamilie, die seit 135 Jahren Versicherungen verma­ Es ist nicht ohne Ironie, dass sich Andy nun an einem Punkt kelt und heute 1.000 Leute in sieben in seinem Leben befindet, wo er – als Gründer und Direktor Ländern beschäftigt. Die Funk-Gruppe, des Pink Lotus Breast Center in Beverly Hills – wieder mit Ver­ sagt man, sei der größte private Versi­ sicherungen zu tun hat: mit Krankenversicherungen. Obwohl cherungsvermittler in Europa. die Spezialklinik für Brustkrebs-Vorsorge und -Behandlung in der Stadt des Glanzes und der Glänzer liegt, ist sie keine Boutique-Praxis für Prominente: 9.500 der rund 10.000

8


DIE SCHWARZEN SEITEN

Patientinnen im Jahr kommen auf Krankenschein. Selbst Hollywoodstars sind krankenver­sichert – so­ fern sie einer Gewerkschaft angehören. Ärzte aus ganz Los Angeles überweisen ihre Patientinnen Andy war also in den USA gelandet und geblieben, mittlerweile zu den Funks nach Beverly Hills. in jenen Aufbruchsjahren der sogenannten Neuen Wirtschaft: Er gründete die Technikfirma Microdyne, Die Geschichte seines Aufstiegs erzählt Andy Funk die sich auf Netz-Animationen spezialisierte – aber gern und gern auch ausführlicher. Sie handelt davon, Geld verdienen ließ sich damit zunächst nicht. „Als wie einer den Wohlstand der Familie zwar genoss, Unternehmer muss man darauf vorbereitet sein, auf ihm aber auch zu entkommen versuchte: Die Firma die Schnauze zu fallen – und wieder aufzustehen.“ Er des Vaters war in seinen Augen vollendet und fertig. lebte auf Kredit (den er dem Familiennamen und der Was gab es für ihn denn noch zu tun? Nein, er wollte Dresdner Bank verdankte) und stand irgendwann mit fast 250.000 Dollar in der Kreide, die Bank etwas Neues, etwas aus eigener Kraft aufbauen. wollte ihr Geld zurück, und Funk stieg zwei Jah­ re lang auf Tütensuppen und Fleischklopse um: „Drei Dollar am Tag fürs Essen – mehr konnte ich mir nicht leisten.“ 21 war er damals und nach eigenem Ermessen, zumindest was seinen Geschäftssinn anging, noch ziemlich „dumm“. Microdyne kam dann zwar in Fahrt, aber Funk blieb unzufrieden: „Ich begann, mich zu langweilen, wollte lieber noch mehr Unternehmen gründen. Ich habs nicht genossen, CEO zu sein, ich hatte einfach zu viel Energie, um sie nur auf ein einziges Unternehmen zu konzen­ trieren. Also entschloss ich mich, meh­ rere aufzubauen.“ Ihm dämmerte, „dass ich ins Geschäft mit Wagniskapital ein­ steigen musste“.

Oben: Andy Funk analysiert die Daten eine Patientin. Unten: Kristi im OP und ihr Besteck

9


Triathlet Andy Funk kommt zurück vom Training. Seine Söhne erfrischen ihn mit ihren Spritzpistolen.

DIE ELTERN HATTEN VIELE PLÄNE MIT IHREM ÄLTESTEN. ABER DAS SCHMECKTE IHM NICHT, SEIN BRUDER IST NUN BANNERTRÄGER DER TRADITION.

In der Folge hob er Daily F1 aus der Taufe, eine Nachrichtenseite für Formel-1-Fans, und Helping.org, ein Spendenportal, das er 1999 an AOL verkaufte: „Helping.org machte mir klar, dass es möglich war, Geld zu verdienen und gleichzeitig Gutes zu tun.“ Im Jahr 2000, kurz nachdem die erste Spekulati­ onsblase mit Internetfirmen zerknallt war, grün­ dete er, 24 Jahre alt, Funk Ventures, einen Grün­ dungsveranstalter für Risikokapital, der vor allem, so lauteten sein Wille und Mehr als das Abitur kann Funk nicht vorweisen: „Ein Studi­ Entschluss, Sozial- und Umwelt­­pro­ um hätte mich nur Zeit gekostet.“ Er surfte, bildete sich zu jekte entwickeln sollte. Daily F1 und einem der weltbesten Triathleten seiner Altersklasse aus, ver­ Microdyne hatte er unterdes zum Ver­ tiefte sich in die Fachliteratur und stellte fest: „Der beste Weg, kauf gebracht, alle Schulden getilgt und um zu lernen, wie man investiert, ist: zu investieren. Wagnis­ ein gewisses Vermögen gemacht. kapitalismus kann man nicht lehren. In diesem Geschäft geht es ebenso sehr um Beziehungen wie um Geld.“ Er sagt von sich, dass er über „ein Gespür verfügt für Bedürfnisse und die Begabung, Märkte zu lesen“: „Ich weiß, welches Produkt relevant sein wird und wann.“ Die wichtigsten Worte im Funk-­Vokabular sind „sozial“, „umweltbewusst“ und „Verant­ wortung“. Dass sich mit diesem Anspruch auch Geschäfte machen lassen, ist seine magische Formel: „Ich sehe so vie­ le Leute, die ihr Leben lang daran arbeiten, reich zu werden,

10


DIE SCHWARZEN SEITEN

egal wie – und am Ende spenden sie alles für gute Zwecke, um sich ihr Gewissen zurückzukaufen. Ich habe nie verstanden, warum sie nicht gleich versu­ chen, Gutes für sich selbst und für andere zu tun. Das eine schließt das andere ja nicht aus.“ Er legte sein Geld in über 20 Medizin- und Umwelt­ schutzfirmen an, sprach auf Konferenzen, schrieb über „Investing Today for a Better Tomorrow“ und rückte 2007 als jüngstes Mitglied ins Direktorium des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles ein – wo er einer grünäugigen Ärztin der Extraklas­ se begegnete: der Chirurgin Kristi Prado.

Dass die Verbindung der attraktiven Brustchirur­ gin mit dem blendend aussehenden Ironman nicht zur Gründung einer auf Brustvergrößerungen spe­ zialisierten Privatklinik führte, die in Beverly Hills mit der gleichen Selbstverständlichkeit aufgesucht werden wie anderswo Zahnarztpraxen, erklärt Kristi Sieben Jahre älter als Andy, leitete sie die Abtei­ Funk unter zustimmendem Nicken ihres Gatten lung für Brustbehandlungen. Aber ihr gefielen die so: „Wir sind beide sehr gläubige Christen, und wir Zustände im männerbeherrschten Großklinikum glauben, dass wir einen höheren Auftrag haben. nicht mehr, das Patientinnen – statt diese zu betreu­ Und der ist, so viel Gutes wie möglich zu tun – und en – zu Behandlungsobjekten degradierte. nichts, um die Eitelkeit der schon extrem Eitlen zu steigern.“ Das Holzkreuz im Wohnzimmer der Nun, Andy und Kristi verliebten sich, heirateten Funks und die drei Votivkerzen für die Drillinge auf am 22. Februar 2007 in Puerto Vallarta, Mexiko, und dem Kaminsims erfüllen nicht nur zierende Zwecke. fassten den Entschluss, gemeinsam eine Klinik zu gründen, mit drei Millionen Dollar aus der eigenen Eine Schönheitsklinik brächte mehr Geld ein, sagt Tasche: das Pink Lotus Breast Center. Im März 2009 Kristi, und sie müssten auch nicht sechs Monate oder ein Jahr lang auf die Zahlung der Krankenver­ feierten sie Eröffnung. sicherungen warten. „Doch das würde uns nichts be­ deuten und das befriedigende Gefühl am Ende jedes Tages, dass wir so vielen Frauen durch eine schwere Zeit geholfen haben, gäbe es für uns dann auch nicht.“ Die Garage der Funks: Andy baut den Kinderanhänger für den Familienausflug auf.

11


Glückliche Familie: Andy und Kristi Funk mt ihren Söhnen Justin, Ethan und Sebastian

FALLS SICH EIN KREBSVERDACHT Das Pink Lotus Breast Center, untergebracht in BESTÄTIGT, DANN BRAUCHT DIE einem sechsstöckigen, rundum verglasten Ärzte­ haus am South Spalding Drive, verbindet Vor­ PATIENTIN NICHT WOCHEN AUF sorge und Chirurgie miteinander: Dies erspart DIE OPERATION ZU WARTEN. den Patientinnen nicht nur viel Lauferei, sie kön­ nen auch ein enges Verhältnis zu dem Team aufbauen, das sie (von der Diagno­ se bis zur Wundversorgung) behandelt. Pink Lotus beschäftigt nur Chirurginnen (derzeit vier), Kristi Funks Spezialdisziplin ist die minimalinvasive Operation: „Normalerweise vergehen zwischen ei­ Sie entfernt Kleintumore vorzugsweise über einen Schnitt in ner Mammografie, die einen Schatten der Achselhöhle, damit die Behandlungsspuren so unsichtbar zeigt, und der klaren Diagnose bis zu wie möglich sind. Die brusterhaltenden Eingriffe dauern zwar zweieinhalb angstvolle Monate. Bei uns bis zu viermal so lang wie der Weg über den unmittelbaren dauert das höchstens vier Tage“, sagt Einschnitt und werden von den Kassen nicht besser honoriert, Andy Funk. Und falls sich ein Krebsver­ seien aber alle Mühen wert: Ihre Patientinnen würden weni­ dacht bestätigt, dann braucht die Patien­ ger traumatisiert. tin nicht Wochen auf die Operation zu warten: „Wir sind in der Lage, sie von ei­ Für unversicherte Frauen hat das Ehepaar die Pink Lotus nem Tag auf den anderen einzuplanen.“ Petals („Blütenblätter“) gegründet, eine Stiftung, die notfalls auch die Behandlungskosten übernimmt – und zwar nicht nur jene, die am Pink Lotus Center selbst anfallen. „Wir wollen Menschen helfen, die Beistand in schweren Zeiten suchen.“ Rechts: Das Macbook immer dabei – Klinikbetreiber Andy Funk mit seiner Geschäftsführerin Lori-Beth Sewell

12


DIE SCHWARZEN SEITEN

WÄHREND KRISTI UND IHR TEAM SIE

Ihre berühmtesten Patientinnen waren die an Krebs IM UNTERGESCHOSS OPERIERTEN, erkrankte Rocksängerin Sheryl Crow und Angelina SAß ANDY ZWEI STOCKWERKE Jolie. Die Schauspielerin hatte erfahren müssen, dass sie Trägerin des BRCA1-Gens ist, das die Wahrschein­ DARÜBER MIT JOLIES MANN BRAD lichkeit einer Tumorbildung, insbesondere für Brust­ PITT IN DER TEEKÜCHE. krebs, beträchtlich erhöht: In ihrem Fall lag das Risi­ ko einer Erkrankung bei 87 Prozent. Jolie hatte die vorsorgliche Entfernung ihrer Brüste mit anschlie­ Geschäftsfreunde, darunter wohl auch der deutsche ßender Rekonstruktion beschlossen – eine Operation, Goldman-Sachs-General und frühere Herzchirurg die in drei Phasen fast ein Vierteljahr lang dauerte Alexander Dibelius, haben ihm dazu geraten. „In­ und am 27. April 2013 beendet wurde. Bei der Behand­ nerhalb von drei Wochen hatte ich mindestens zehn lung des Weltstars mussten einige Zugeständnisse Indikatoren ermittelt, die für eine Expansion nach gemacht werden. Die Klinikbesuche von Angelina Deutschland sprechen.“ Mit Krankenversicherun­ Jolie fanden aus Gründen der Diskretion nur in den gen habe er Erfahrung, und in Deutschland sei die­ Abend- und Nachtstunden statt, die Operationen im ses Geschäft sogar besser planbar, weil die Gebüh­ Morgengrauen. „Angelina war entspannt, zuversicht­ rensätze nicht verhandelbar seien wie in den USA. lich, informiert und sich ihrer Situation bewusst“, sagt Funk. „Sie erwies sich im­ Pink Lotus ist „mein Vermächtnis“, sagt Funk. Seine unterneh­ mer als jemand, der genau weiß, worauf merische Energie wolle er vor allem der Klinik widmen. Das Ge­ schäft mit Risikokapital bereite ihm zwar Freude, gewiss, und er sich einlässt, und so beängstigend so erfolgreich sei es auch, aber es läuft nun doch eher nebenher. eine Situation für jede Frau auch sein kann – sie hat dies mit äußerster Professi­ onalität und Eleganz bewältigt.“ Während Seit der Finanzkrise 2008 habe er von einst 20 Anlagen nur Kristi und ihr Team sie im Untergeschoss noch sechs im Angebot, die ihm, wie er hofft, „eine Menge operierten, saß Andy zwei Stockwerke Geld“ einbringen werden: zum Beispiel einen Versender für darüber mit Jolies Mann Brad Pitt in der wiederverwendbare Umzugskartons oder Prolacta, eine Firma, Teeküche. „Auch Männer brauchen in die Muttermilch-Präparate anbietet. Natürlich wolle er weiter solchen Situationen Beistand“, sagt Andy. investieren, das bringe ihm Spaß, aber wie gesagt nur noch in Sie tranken viel Kaffee, blieben manch­ vier oder seinetwegen auch fünf Firmen, und zwar ausnahms­ mal bis in den Nachmittag oben. Essen los mit eigenem Zaster: „Ich genieße die Unabhängigkeit.“ ließen sie sich anliefern. Er bekomme etwa 50 Geschäftspläne im Monat zu­ Der Rummel, den die Operation auslöste, bescher­ geschickt: „Ich hatte die Möglichkeit, bei Facebook te Pink Lotus noch mehr Zulauf: Vor allem wegen und anderen Technikfirmen zu investieren, deren Angelina Jolie selbst, die am 14. Mai vergangenen Anfragen über meinen Schreibtisch kamen und die Jahres einen Beitrag für die New York Times ver­ ein Vermögen verdient haben. Aber ich konzentrie­ fasst hatte, in dem sie über die Gründe berichtete, re mich ausschließlich auf Ideen, die Leben entwe­ die sie zu der Operation bewogen hatten. Zu den der retten oder zumindest besser machen können.“ Funks kommen seither viele Frauen, die sich auf das BRCA1-Gen untersuchen lassen wollen. Von der Idee, sein Angebot auf andere Krebserkrankungen auszuweiten, hält Funk nichts: Die Klinik sei bereits heute sehr gut ausgelastet. Aber er will fünf zusätz­ liche Diagnosezentren in L.A. einrichten und sein Geschäft auf andere US-Großstädte ausdehnen. Er wäre ein schlechter Geschäftsmann, wenn er dies nicht täte. Auch Deutschland hat er im Visier: „Das wird kommen, dazu bin ich fest entschlossen.“

13


DIE SCHWARZEN SEITEN

VIER TAGE HÖCHSTENS DAUERT ES IM PINK LOTUS BREAST CENTER VON DER MAMMOGRAFIE BIS ZUR DIAGNOSE. SCHON AM FOLGETAG KANN KRISTI FUNK, WENN NÖTIG, ZUM SKALPELL GREIFEN.

Einen Schreibtisch braucht er nicht. Das Tages­ geschäft plant er mit seiner „rechten Hand“, der Pink-Lotus-Geschäftsführerin Lori-Beth Sewell: Sie kommt um halb acht in der Früh zu Andy Funk nach Pacific Palisades, also in einer halben Stunde, setzt sich dann mit ihm an den Küchentisch und geht den Tag mit ihm durch. Kristi ist um diese Zeit meist schon in der Klinik, 20 Autominuten entfernt. Funks Büro ist ein MacBook Air und ein tragbarer, nimmermüder Datenüberträger. Auf der Dauerlauf, Schwimmen, Bike: Fahrt in die Klinik, die er täglich für ein oder zwei Triathlet Andy Funk absolviert täglich ein strammes Training. Stunden besucht, erledigt er, was zu tun ist. Statt des SLK, der weiter in der Einfahrt ver­ staubt, nutzt er den Rufdienst Uber, den Egal – Funk ist gern daheim, und wenn es Wichtiges oder Un­ er mit seiner iPhone-App bestellt. wichtiges zu bereden gibt, dann setzt er sich oft dazu in die Seine Garage braucht er nicht fürs Hollywoodschaukel im Garten, während die Söhne auf dem Auto – dazu ist das Wetter zu gut –, son­ Rasen bolzen: „Ich erinnere mich“, sagt er und schaut sich dern für Zeugs und Kram: Surfbretter, in seinem Kleingarten um, „dass mein Vater nie vor neun Fahrräder, Zubehör, Sachen für den oder zehn Uhr abends zu Hause war. Und dass unser Haus in Strand, Trainingsgeräte. Funk rennt täg­ Blankenese jedem in der Nachbarschaft verriet, dass wir die lich zehn Meilen, fährt 50 weitere mit Reichsten waren.“ dem Fahrrad. In der Triathlon-Weltrang­ liste liegt er auf Platz 18. Die Kinder sind ausgeschlafen und in Form. Nachher, am spä­ ten Nachmittag, schwingen sich die Funkes auf ihre Räder, packen die drei Söhne in zwei Anhänger und fahren hinunter zum Strand bis Santa Monica und am Venice Beach vorbei und immer am Meer entlang bis zum Flughafen LAX und dann wieder zurück. Das sind 27 Meilen bis dahin, wo Andy Funk seine Heimat fand, als er mit 19 Jahren nach Kalifornien kam. © Bilanz Deutschland Wirtschaftsmagazin GmbH. BILANZ Deutschland liegt jeden ersten Freitag im Monat der WELT und WELT Kompakt bei.

14


AB IN DIE ZUKUNFT … Fans der Filmreihe um den DeLorean, Marty McFly und Doc Brown wurden auch nach Jahrzehnten nicht müde, die Entwicklung des futuristischen Skateboards zu fordern. Nun hat jemand dieser Forderung etwas entgegenzusetzen: das Hendo-Board! Damit es schwebefähig ist, benötigt es einen nicht magnetischen Metalluntergrund. Vier Motoren am Boden bilden spezielle Magnetfelder, die das Board abheben lassen. So weit der Plan der Ingenieure. Das Kickstarter-Ziel ist bereits weit überschritten. Der Preis für eine Vorbestellung liegt derzeit bei 10.000 Dollar. www.hendohover.com

AUF HOCHTOUREN Dieser Design-Glastisch Tour des Designers Gae Aulenti stammt aus dem Hause Fontana Arte und wurde aus einer geschliffenen Glasplatte sowie vier Rädern mit Vollgummiummantelung gefertigt. Ein toller Ersatz für jeden langweiligen Couchtisch und ein Muss für Fahrradfans. Preis um 4.400 Euro. www.fontanaarte.com

16 

NACH HAUSE TELEFONIEREN Das Cat S50 wurde speziell für Extremsituationen entwickelt. Das Outdoor-Mobiltelefon samt 8MPKamera ist absolut wasser-, staub- und kratzfest und kann auch mit nassen Fingern bedient werden. Dank des hauseigenen Cat sondern kann gezielt auf die wichtigsten Phones App Stores muss 1.000 Apps für Freizeit und Arbeit zugreifen. man nicht lange im Erhältlich in verschiedenen Farben, zum App-Dschungel wühlen, Beispiel Förstergrün und Schiefergrau. Um 479 Euro. www.catphones.com


URBAN PONG Der neue Urban Pong von Kettler im Scratch-Look zeigt, wie ein WettkampfTischtennistisch heute aussehen kann. Der Scratch-Effekt macht jede der streng limitierten Platten zum Unikat, ohne den Ballabsprung zu beeinflussen. Auch das Stahlrohruntergestell mit 50-MillimeterQuadratrohr ist im angesagten Raw-Look mit Schlägerfach, Ballhalterung, fest installierter Netzgarnitur, gummierten Doppelrollen und dank der Pulver-Versiegelung besonders stabil und langlebig. Um 999 Euro. www.kettler.net

17 

Charmanter Soundzwerg CARTE ROYAL À la carte heißt dieser Tisch oder das Regal im Spielkarten-Design. Das aus robuster Holzfaser hegestellte Produkt lässt sich stapeln und ist dank Verschraubungen an jedem Teilstück sehr stabil. Erhältlich in Rot, Blau und Schwarz für 180 Euro. www.seletti.it

STIL-IKONE

Magnat hat gemeinsam mit der italienischen Designschmiede Pininfarina eine neue Kopfhörerserie der High-End-Klasse entwickelt. Erstes Ergebnis dieser Partnerschaft ist das Flaggschiff Magnat LZR 980, ein Premium-Kopfhörer für Musikliebhaber mit höchsten Ansprüchen. Ergonomische Perfektion verbindet sich mit innovativen Technologien zu einem optisch formvollendeten Over-Ear-Kopfhörer. Um 299 Euro. www.magnat-lzr.com

Das View Quest Retro Mini ist ein Vintage-Radio mit moderner Funktionalität. Es verfügt über DAB/DAB+/FM-Radioempfang, Bluetooth, Alarmfunktion, eine USB-Ladefunktion (für externe Geräte) und ein 2.4-Zoll-Display. Es ist in vielen Farben und Designs ab 79 Euro erhältlich. www.viewquest.co.uk


UNTERWEGS

WIEGE DER WINTERFERIEN Zum Jubiläum bietet das Kulm Hotel St. Moritz Übernachtungen im Originalzimmer von Hotelpionier Johannes Badrutt an. Bereits 1864 hatte dieser Gäste zum Überwintern ins Engadin gelockt. Im Rahmen des Arrangements genießen die Gäste im historischen Ambiente ein Gourmetmenü, ausgewählteWeine sowie eine private Kutschenfahrt. www.kulm.com

MALLORCA IM WINTER

Milde Temperaturen, tolle Restaurants und viele kulturelle Highlights machen Mallorca zu einem perfekten Wochenendziel in der Nebensaison. Das Vier-Sterne-Design-Hotel Cort im Herzen der Altstadt von Palma bietet ein ebenso stilvolle wie gemütliche Atmosphäre: Die 14 Suiten und zwei Doppelzimmer wurden alle individuell gestaltet, einige haben Kamine und Wendeltreppen. Ein Höhe­punkt ist die Island-­ Suite mit eigener Dachterrasse, wo man im Whirlpool mit Blick auf die Altstadt relaxen kann. www.hotelcort.com

HANSEATISCH 18 

Wo früher Kaufleute aus aller Welt handelten, eröffnete das „AMERON Hotel Speicherstadt“. Das Design prägen Holz, Glas, Granit sowie zeitgenössische Elemente. Reizvollster Kontrast: Das am Stil der 50er- und 60er-Jahre orientierte Einrichtungskonzept und Exponate aus dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg. www.hotel-speicherstadt.de

VIDEOKUNST IM HOTELZIMMER

Im Verlauf seiner langen Geschichte im Herzen Beiruts legte das legendäre Hotel Phoenicia stets Wert darauf, Gäste mit Kulturerlebnissen von Weltrang zu verwöhnen. Jetzt kann man in jedem Zimmer Werke aus einer der weltgrößten Videokunst-Kollektionen sehen, kuratiert von Rebecca Russo. www.phoenicabeirut.com


Heute ein Werk vollendet.

www.koenig.de

Heute ein Kรถnig.


LADYS

ZauberTinte

DRINKTESTER QUELLE WWW.GRAPHITTI-BLOG.DE

Wahrscheinlichkeit in %

100

WIE OFT SICH PAARE KÜSSEN

FOTO // SHUTTERSTOCK/MELPOMENE

Vorspiel mal anders: Mit dem Intimate Hide-and-Seek Kit kann man mittels des „magischen Stifts“ verruchte Botschaften auf dem eigenen oder auch fremden Körpern hinterlassen. Diese werden erst mithilfe der Schwarzlicht­ lampe sichtbar. Fluoreszenz fürs Schlafzimmer gibts ab 29 Euro plus Versand. www.yesforlov.com

Vier junge Studenten der North Carolina State University wollen Frauen das (Party)-Leben erleichtern und sind dabei, einen Nagellack zu entwickeln, der unauffällig ermitteln kann, ob Drogen oder Betäubungsmittel in den Drink gemischt worden sind. Idee: Einfach kurz den Finger ins Glas stippen. Wenn sich der Nagellack verfärbt, dann das Getränk sowie den, der es ausgegeben hat, unbedingt meiden. Mehr zum Projekt unter www.undercovercolors.com

0

SÜSSER PFIRSICH

20 

Zwei amerikanische Forscher planen, die Bakterien im weiblichen Schritt so zu verändern, dass sie nach reifen Früchten riechen. Das probiotische Mittel „Sweet Peach“ soll den genetischen Code von Mikroorganismen verändern und vor allem Pilzinfektionen und andere Erkrankungen an den Genitalien verhindern. Der Duft sei lediglich ein angenehmer Nebeneffekt.

FOTO // TIM RECKMANN_PIXELIO.DE

Auf ihren Facebook -Fotos Im wahren Leben


S H O P T H E C O L L E C T I O N A T G A N T. C O M

P H OTO G R A P H E D AT YA L E

Cross Campus


FOOD

22 

Geschmackvolles Arrangement VON ALEXANDRA DINTER FOTOS ANNA THE RED

ie Japaner sind Meister der kleinen Häppchen und haben auch für die Lunchbox ein Händchen entwickelt. Im Land der aufgehenden Sonne kennt man schon seit Jahrhunderten die Sitte des Take-away-Mahls: Ganz unterschiedliche Speisen – süß und herzhaft – werden platzsparend und nach strengem Regle­ ment in einem Kästchen angerichtet und eingepackt. Bento Box Art heißt der Trend, der sich daraus entwickelte. Hier-


Ob Calvin und Hobbes, Joshi oder Meta Knight, lecker sind sie alle.

bei erblühen die Proviantkisten zu kunstvollen Landschaftsgemälden und imposanten Arrangements. Ob Kultfiguren aus Reis und Seetang, zu Blumen und Tieren geschnitztes Obst und Gemüse oder in liebevoller Schönschrift angerichtete Grüße aus Lebensmittelfarbe, Sojasoße oder Salatdressing, den gestalterischen Möglichkeiten ist allenfalls im Können der Künstler eine Grenze gesetzt. Appetitliche Beispiele für außergewöhnliche Lunchpakete präsentiert die New Yorkerin Anna The Red auf ihrer Homepage. Die essbaren Videospiel-Hommagen sollten ursprünglich ihrem Freund eine Freude bereiten – und ziehen jetzt international Kreise. www.annathered.com

23 


LEUCHTEN

LICHTERREGEN

Oki Sato aus dem Hause Nendo interpretiert mit dem Design der Axor ShowerLamp das Konzept der klassischen Wohnbereiche neu. War die Vision des gebürtigen Kanadiers zuerst nur ein stylisches Augenzwinkern im Rahmen des Projekts Axor WaterDream, ist die leuchtende Brause nun im Handel erhältlich. www.hansgrohe.de

AUSGESCHÜTTET Ob in Weiß oder Rot, die Liquid Lamp des Designers Kouichi Okamoto aus dem Hause Kyouei Design ist ein liebenswerter Hingucker: Der im Sturz gebannte Farbeimer erinnert an den Comiccharme der Pop Art. www.kyouei-ltd.co.jp

GRAS DRÜBER Der Hängeleuchtenschirm Shade setzt einen frischen Akzent im Wohnbereich. Damit die Frische bleibt, wurde der Grasbewuchs getrocknet, grün lackiert und ist so ohne Pflege jahrelang haltbar. Das begrünte Licht gibt es in den Größen M, L, XL und Jumbo, es kostet zwischen 390 und 1.450 Euro. www.grassland.eu

24 

BRAUEREIBEDARF Einzelstücke in Steampunk-Optik: Das urige Licht bringt eine Mischung aus Brauerei­charme und Markennostalgie ins heimische Wohnzimmer. Ob es die Spirit of Kentucky oder die Brewmaster sein darf, ist, wie die Auswahl des Drinks, reine Geschmacksache. www.pearedcreation.com

HELLES TÜTCHEN

Ein Licht in dunklen Zeiten: LuminAID wurde designt, um Menschen in Kata­ strophengebieten schnell und einfach zu helfen. Sechs bis sieben Stunden Sonneneinstrahlung bringen das LED-Solarlicht

circa fünfzehn Stunden zum Scheinen. Es ist zudem langlebig, sehr leicht und gering im Packmaß. Aufgepustet bricht es das Licht wie eine Laterne und kann sogar schwimmen. www.luminaid.com


ÜBER

DISTRIBUTED BY: GROFA® GMBH · WWW.GROFA.COM

mehr unter grofa.com/gopro

GoPro_Raus_052014_LA1.indd 2

14.10.14 11:55


DER GUTE TON

V 26 

orbei die Zeiten, als man sich vor einem Regal mit den verschiedenen CDs oder gar Vinylplatten wiederfand, auf der Suche nach dem passenden Track. Es folgten unterschiedliche Lösungen, der MP3-Player war der Anfang vom Ende der CD, mittlerweile nutzen viele eine Cloud, in der die Daten gespeichert werden, oder man besitzt gar keine Musik mehr, sondern streamt sie lediglich. Das Angebot ist riesengroß, die Bedienung kinderleicht und von entspannter Lounge-Musik zum Essen hin zu einer spontanen Hausparty bedarf es nur eines Klicks. So weit zum „Streaming“, aber was bedeutet „Multiroom“?

IMMER MEHR HERSTELLER GEHEN DIESEM TREND NUN NACH UND BRINGEN KABELLOSE MULTIROOMSYSTEME FÜR DEN MUSIKGENUSS IM GANZEN HAUS AUF DEN MARKT.

Multiroom-Streaming: Eine Technologie nimmt mehr und mehr Einzug in unsere heimischen vier Wände.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese Boxen nicht von herkömmlichen – doch funktionieren sie ohne einen Verstärker oder weitere Kabel.

Multiroom bedeutet: Nicht nur ein Gerät spielt die Lieblingsmusik ab, sondern je nach Aufstellungsort alle Player gleichzeitig, die sich im Netzwerk befinden. Das hat charmante Vorteile: Die Musik wird über WLAN geteilt, womit das Kabelwirrwarr bis auf eine Geräteleitung zur Stromversorgung ein Ende hat. So können die Boxen, sofern das Endgerät mit dem WLAN verbunden ist, direkt angesteuert werden. Ob dies nun ein Laptop, Tablet oder Smartphone ist, spielt dabei keine Rolle. Auch Musik-Streaming-Dienste oder Internetradiostationen reichen Audiosignale an die Multiroom-Systeme weiter. Jeder Nutzer hat so die Fernbedienung selbst in der Hand. Eine große Stereoanlage ist dabei überflüssig, da die Systeme autark funktionieren.

Musik ist grenzenlos – warum sollte sie also an Zimmerwänden scheitern? Vom smarten Stimmungsmacher in der Küche bis zu audiophilen Standlautsprechern für das Wohnzimmer gibt es für jeden Raum und jede Hörsituation genau das richtige System. Und schon ist man überall in einer grandiosen Klang­ qualität von Musik umgeben – drahtlos, nahtlos, grenzenlos! Eine weitere Besonderheit: Die Netzwerkboxen können, je nach Hersteller, beliebig erweitert werden. So kann man in jedem Raum eine Box installieren und diese dann entweder mit den anderen Boxen koppeln oder anders anspielen. Was noch vor gar nicht allzu langer Zeit nach Hightech klang, ist nun kinderleichte Realität. Der Nutzer muss seine Anlage im Wohnsimmer nun nicht mehr aufdrehen, wenn er im anliegenden Garten am Grill steht, sondern stellt dort einfach eine Komponente des Multiroom-Systems auf. Die Steuerung und auch Einrichtung erfolgt einfach mit einer Smartphone- oder Tablet-App, ein PC oder Mac wird nicht mehr zwingend benötigt. Das ist komfortabel und macht Spaß. Immer mehr Hersteller gehen diesem Trend nun nach und bringen kabellose Multiroom-Systeme für den Musikgenuss im ganzen Haus auf den Markt. Nicht kleckern, sondern klotzen:


AKUSTIK

TIPP DER REDAK TION Der Raumfeld Stereo L ist ein sofort spielfertiger High-End-Streaming-Standlautsprecher. Diese Freiheitsstatuen der Musik repräsentieren die Stereoanlage 2.0, das Zukunftsmodell einer neuen Streaming-Generation, die den Spaß an guter Musik grenzenlos erweitert. Der integrierte 400-Watt-­Verstärker ist perfekt auf das hoch­wertige Drei-WegeSystem abgestimmt.

Raumfeld Stereo L – der audiophile Freigeist aus Berlin Die verlustfreie Audioübertragung über WLAN, auch bei hochauflösenden Audiodateien, macht diese neuen Referenzen absolut autark. Bühnen jeder Größe bilden die Stereo L präzise ab und wachsen damit weit über sich selbst und ihre Abmessungen hinaus: ein Kabel für die Steckdose, ein Kabel für den zweiten Lautsprecher und ein Netztwerkkabel, welches nur für die Installation und danach nicht mehr gebraucht wird. Dafür verschwinden die gefühlten hundert Kabel der alten Anlage. Endlich sieht das Wohnzimmer nicht mehr aus wie ein Schaltkasten der Telekom. Dazu die einfache Bedienbarkeit über das Smartphone. Einfach Klasse. Für 1.499,99 Euro erhältlich unter www.raumfeld.com

Vorteil der Multiroom-Streaming-Technologie: Das System kann mit beliebig vielen Boxen erweitert werden und die Räume können einzeln angesteuert werden.

27 

Auch die kleinen Boxen haben es in sich!


THE ORDER OF GENTLEMEN

BARKEEPER

WAS NACH EINEM FILMTITEL KLINGEN MAG, IST IN WIRKLICHKEIT EIN RATGEBER MIT TIPPS, TRICKS UND EXKLUSIVEN INHALTEN FÜR DEN MANN VON WELT.

as macht einen modernen Gentleman aus? Er ist auffällig, dabei nicht protzig, extrovertiert, aber nicht dominant. Er steht für einen stilvollen Auftritt und Souveränität. Ein eindrucksvoller Mann also, der den modernen Lifestyle schätzt und viel Wert auf die Darstellung seiner Persönlichkeit legt.

Die Mitgliedschaft berechtigt nicht nur dazu, an exklusiven Gewinnspielen teilzunehmen, sondern bietet überdies noch viele weitere ansprechende Vorzüge für den modernen Gentleman.

Ebenfalls exklusiv ist der Herstellungs­pro­zess für Gentleman Jack: Anders als Old No. 7 wird Gentleman Jack nicht einmal, sondern Den passenden Drink bietet Jack Daniel’s gleich zweimal durch Kohle aus dem Holz mit Gentleman Jack bereits. Nun folgt des Zuckerahorns gefiltert. Dank des zweifamit www.gentlemanjack.de eine eigene Online-Plattform mit Artikeln zu vielfältigen chen „Charcoal Mellowing“ und der Lagerung in Fässern aus amerikanischer Weißeiche Themen, wie zum Beispiel angemessene erhält der Whiskey seine einzigartigen Kleidung, geschickte Gesprächsführung und unverwechselbaren Eigenschaften: und natürlich Whiskey. sanft und geschmackvoll, mit einem reifen Charakter – einfach gentlemanlike. Wie kann man der exklusiven „Order of Gentlemen“ beitreten? Entweder durch den individuellen Zugangscode beim Kauf einer Flasche Gentleman Jack oder durch die Teilnahme beim Quiz.

28 

www.massvoll-geniessen.de


DURAND

VOM ERSTEN BIS ZUM MILLIONSTEN SCHRITT. Mit einer kompressionsresistenten Zwischensohle, einem integrierten Fersenkissen und einer technischen Gummilaufsohle ist der KEEN Durand Mid Waterproof bereit f端r die Langstrecke. Hergestellt in den USA in der KEEN-Fabrik in Portland, Oregon.


WECKRUF Ein Schweizer Künstler-Duo durchforstet Müllcontainer nach Lebensmitteln und präsentiert die Funde in 2.000 Einweckgläsern.

TEXT DOROTHEE GÖDEKE FOTOS RAST-BECK

30 

Die Installation von Adrian Rast und Valentin Beck erinnert ein wenig an das großmütterliche Kellerregal. Auf der Messe für Gegenwartskunst in Zürich stellten sie die Gläser fein geordnet nebeneinander aus.


ART

Links: Die Vielfalt des Gefundenen erforderte reichlich Flexibilität. Rechts: Das Pressen Hunderter Orangen war nur ein Schritt auf dem Weg zur fertigen Konfitüre.

In langwieriger Arbeit haben die beiden unseren „Abfall“ zu schmackhaften und haltbaren Lebensmitteln aufgewertet. Um davon ausgehend ein Gespräch mit den Messe­besuchern einzuleiten (unten rechts).

I

n ihrer Arbeit „Ein’Mach’Ende“ wollten Valentin Beck und Adrian Rast ausloten, wie Engagement und Kunst zusammenpassen können. Und wie man Wege zu mehr Eigen-Engagement finden kann. Dazu sammelten sie zunächst überschüssiges Essen aus Supermarkt-Abfällen. All die vielen, hübschen Gläser wurden nebeneinander So einfach dies war, umso langwieriger gestaltete sich die Aufbereitung. in einem aus Palettenholz geschnittene Regal drapiert Hier orientierten sich beide daran, und appetitlich beleuchtet. Damit nicht genug, denn wie früher von der Ernte übrig geTeil des Projektes war auch, darüber mit den Besuchern bliebene Erträge zwecks Haltbarkeit ein Gespräch zu beginnen. „Uns gefiel, dass das Kunstwerk einen Rahmen bildete. Und die Kunst im Dialog eingekocht wurden. Von OrangenVanille-Konfitüre bis zu eingemachtem innerhalb dieses Rahmens stattfinden konnte“, erklären die beiden und berichten von vielfältigen Themen. Spargel, vom Kürbis-Chutney zum Wertorientierte Fragen zur Wegwerfproblematik und Birnenkompott: Das vielfältige Ergebnis ihrer Mühen präsentierten sie als darauf bezogene Handlungsspielräume traten auf. Oder Installation auf der internationalen auch, nach welchen Kriterien bestimmte Fähigkeiten Messe für Gegenwartskunst in Zürich. heute bewertet werden. Daran anknüpfend konnten die Besucher sogar selbst entscheiden, wie viel sie bei Interesse für die Gläser zahlen.

31 


MOBIL

BRITISCHER ALLESKÖNNER

Im hochmodernen Werk in Halewood bei Liverpool hat das erste Exemplar des neuen Land Rover Discovery Sport die Produktionsbänder verlassen. Ab 28. Februar 2015 ist der kompakte Premium-SUV dann auch hierzulande erhältlich. Der neue Land Rover Discovery Sport tritt in der Klasse der Premium-Kompakt-SUVs mit dem Anspruch an, den Kunden ein Höchstmaß an Vielseitigkeit und Leistungs­ fähigkeit zu bieten. Die Abmessungen entsprechen herkömmlichen fünfsitzigen Premium-SUVs, das Raumangebot und die Flexibilität jedoch einer 5+2-Sitzplatzkonfiguration. Kombiniert mit einem hohen Leistungsvermögen auf jedem Untergrund, das für Land Rover markenprägend ist, entsteht so ein neues Benchmark-Modell seiner Klasse. Die Premiere des Discovery Sport ist ein wichtiger Bestandteil der großen Produktoffensive von Jaguar Land Rover:

Innerhalb von fünf Jahren wird das Gemeinschaftsunternehmen nicht weniger als 50 Neuheiten oder wesentliche Modellüberarbei­ tungen präsentieren. Den neuen Disco­very Sport gibt es mit 6-Gang-Schaltung oder komfortabler 9-Gang-Automatik und 150 beziehungsweise 190 Diesel-PS, alternativ als 240 PS starken Benziner, welcher lediglich auf eine 9-stufige Automatik setzt. Zu haben ist der hochwertige SUV ab 32.250 Euro. www.landrover.de

Macht außen wie innen eine sehr gute Figur, klare Linien und ein gut durchdachtes Design.

Optiker, Köln www.augenduebler.de

Horst-Peter Gärtner

Inhaber eines Blumenladens, Leipzig www.blumenhaus-gaertner.de

Wolfgang Wolf

Ehemaliger Trainer des VfL Wolfsburg www.vfl-wolfsburg.de

FOTO // VICUSCHKA _ PHOTOCASE.DE

Karlheinz Augendübler

FOTO // VICUSCHKA _ PHOTOCASE.DE

32 

Mario Mehl

Dr. Marianne Blind Augenärzte, Erkelenz www.med.de

Simone Kindervater

Hebamme, Weimar www.hebammenpraxis-kindervater.de

Edi Handlos

Massagetechniker, Zwiesel www.physiotherapie-handlos.de

Dr. Grabmann

Konditormeister, Markneukirchen www.cafe-seifert.de

Chirurg, München www.praxisbogenhausen.de

Adäquate Namen

Inadäquate Namen

Was wäre ein angemessener Name für einen Zahnarzt? Wie sollte der Chef einer Fleischerei auf keinen Fall heißen? Kennst du jemanden mit einem denkwürdigen Namen, dann schreib bitte eine Mail mit dem Betreff „adäquater/inadäquater Name“ an redaktion@trip.de.


SECHSMALACHT

WAS SAGT IHR DENN DAZU?

BLIND ODER IR STUMM – AUF WANN WAR D AL M TE WELCHEN TZ DAS LE ER SINNE KOSTÜMETWAS PEINEHEIM- DEINNTEST DU G AS H D IC , A ST N FE EKÖ TL WAS TR EN G LICH? ES EIN NIS EIN KOMME ... AM EHESTEN MAN ... GEN ECHTE LANGEN ? N VERZICHTE MÄNNER LEBENS ... ICH FÜRCHTE In der Schule HANDKÜSSE MICH VOR ... DRUNTER? hey jetzt kom' mich mal. beim Abschreinn ... ka ls die hero turte zu er auf

CHRISTIAN LEY Trainer, Coach, Autor, Dozent, Weltrekordler

TOBIAS BLICK Marketing Manager

sind old school.

= Pfff = Respekt! bis

. Nur Boardshorts

onichts! Aber gr sind der Vorbe ha t ek sp Re ßen reiter der Bussi r der Kraft vo ich t, itä Bussi Mental der Natur. aber mit viel il!! St r meh

MAX STOLZENBURG Inhaber von Stolzenberg Security JÖRG ENGELKE DJ & Member der Discofamily Hamburg

il von Das TRIP-Urte

Dunkelheit.

r sind nicht meh zeitgemäß.

Erste Szene aus der Pate. lKuss des Siege rings bei Don Corleone!

MICKEY ESKIMO Windsurfer, Künstler und Inhaber der Marke ,,Eskyflavor" SEAN ORDONEZ Shaper und Ex r profiwindsurfe

kommen aus Wien.

. dem Finanzamt

r Niemandem, nu fan er eu St die dung is böse.

allem.

40% Training, 40% gutes Essen, 20% Regeneration.

Boardshorts, unter der Boardshorts dann natürlich nichts!! . Armani-Shorts

Boxer ohne Comicprint!

gar nichts.

t. nichts. . Ich fürchte Furch sind romantisch

ben erwischt werden. Heute kann ich über mich sehr gut selber lachen.

Eh Sprechen. Die meisten Menschen können eh nicht richtig zuhören. Es gibt so viel Schönes zu sehen!

Glück und ab und zu einen ehrlichen Schnaps.

d öffnet Türen un sStumm, das kü nd Ha ilt rte ve Reden überlasse ehe vorne). (si se , en au ich den Fr n das Gucken de rn ne än M

Viel Sport, wenig Stress

Alkohol konserviert!

Stumm

Stumm. Nichts sagen und nicken reicht in den meisten Fällen aus.

Stumm. kenne ich ... Kann ht nic r de lei r nu es anwenden :)

Stumm.

Wellen und Kaffee.

gibt Vollgas.

auf jeden Fall.

Am Morgen danach …

nicht vorbei.

r en wie bei de …weiß mit klein ext (n Be La Li zu Gesten Frauen 20.-21.02.2015) beeindrucken. immer einen Tag als Superman

l­ Die DFB Nationa mannschaft ­bei der EM 2000

n Beim hektische HalloweenKostümkauf bei Toys R Us. Verheddert und zwischen die Kids gestürzt. (Wäre am liebsten liegen geblieben!)

.... ich. gar nicht machts so wie

hat eine liebe, starke Frau hinter sich.

. als James Bond

Vor nicht allzu langer Zeit :)

Als ich das r letzte Mal aus de kalten Dusche gestiegen bin ;)

h

Flickenteppic

ini net Marco Battagl Seinen Stil bezeich aus n sio Fu e ein – SSIC“ als „ARTPOPCLA en. Mit dem enten des Populär em El d un te, nn kö el Michael bezeichnen Stencil oder Erzeng klassische Kunst als als sa an Li m a s on wa , M m e di de hen, sei es efügter Formen des Gegensätzlic in rufen: Statt festg tse ss wu Be s in Zusammenfügen straktem s Relative e Einflüsse im ab mbol, möchte er da der Künstler sein mit Superman-Sy nn we ch n Strömungen Au lle l. ne de anenter Wan n den konzeptio vo n nu h t. sic er fasziniert ihn perm st sieht, läs rell digitale Kuns oder Surrealismus e, Video oder gene afi gr to Fo i, re ale Expressionismus gehören M inen Werkzeugen inspirieren. Zu se 01 i0 in gl m/mbatta www.saatchiart.co

33 


FOTO// BARTS

AUSSTATTUNG

Winter Dienst VON FELICIA SIEGLE-BAUMGARTNER

WAS GIBT ES IM WINTER SCHÖNERES ALS EIN SPAZIERGANG AN DER KLAREN, KÜHLEN LUFT. MIT DIESEN KLEIDUNGS­STÜCKEN SIND SIE WUNDERBAR MOLLIG EINGEPACKT.

34 

 STRELLSON   A.S.98 

circa 50 Euro

  circa 270 Euro

 BARTS 

circa 25 Euro

 GANT BY MICHAEL BASTIAN  circa 300 Euro


STRELLSON SPORTSWEAR  circa 350 Euro

 BARTS 

circa 30 Euro

 ARMED ANGELS   circa 130 Euro

 PEAK PERFORMANCE    GANT  

circa 180 Euro

  JOOP!  

circa 500 Euro

circa 170 Euro

 REPLAY ONE   circa 350 Euro

 GANT BY MICHAEL BASTIAN  circa 140 Euro

 DOLOMITE  circa 600 Euro

  STRELLSON  circa 200 Euro

35 


GEAR

EINFACH FESTGEHALTEN Wer kennt es nicht: Da will man ein Foto machen und kann aber seinen Fotoapparat oder das Smartphone nicht richtig platzieren, da das Gerät wegrutscht oder umfällt. Der BallPod und der Adapter SmartFix schaffen Abhilfe: Einfach aufgesteckt und schon kann losgeknipst werden. Das knetbare Stativ kostet 29 Euro und hilft beim Shooting auf jedem Untergrund. www.ballpod.com

GRÜNER VERBINDUNGSlustige MANN Dieser Zeitgenosse ist kein

GUT GESCHÜTZT Neuester Gag auf dem Audiomarkt: Die Winterhandschuhe Touch Gloves, mit denen man auch bei Frost das Smartphone mit warmen Händen benutzen kann, sowie die Music Cap für Musikgenuss und Schutz vor kalten Ohren. Ab 12,95 Euro. www.cellularline.com

36 

BASTELFREUDEN Mit diesem Bausatz kann man sich seine eigene Computerspielkonsole zusammenlöten. Das Mignon Game Kit funktioniert auf Basis einer Anzeige mit 35 LED-Punkten sowie einem Mikrocontroller und erinnert an die ersten portablen Games. Auch die Auswahl der Spiele bietet Nostalgie-Feeling pur. Bauanleitungen und Tutorials stehen als Downloads zur Verfügung. Um 65 Euro. www.mignongamekit.com

einfacher USB-Stick: Er kann Bild- und Musik­dateien an allen Android-Geräten abrufen, als Adapter benutzt werden oder das mobile Endgerät mit einer Maus oder einer Tastatur verbinden. Der Preis des kleinen Helfers liegt bei fünf Euro. www.pny.eu


AUSPROBIERT DIE NEUE LIFESTYLECAM

TECHNIK

RE BY HTC Neu auf dem Markt: Mit der RE by HTC ist ab sofort eine bemerkenswerte kleine Kamera erhältlich. Der tägliche Begleiter ist ohne technische Hürden bedienbar und durch sein ungewöhnliches Design sensationell handlich.

A

sthma-Inhalator, Röhrchen, Periskop – die ersten Assoziationen zur „RE camera“ sind vielfältig. Es ist ein revolutionärer Blickfang, mit dem HTC da ins Kompaktkamerageschäft einsteigt. Das knapp zehn Zentimeter lange Gehäuse liegt dank des zylindrischen Designs ergonomisch und stabil in der Hand. Bereits beim Zugreifen sorgt ein integrierter Berührungssensor dafür, dass sie blitzschnell einsatzbereit ist. Ein-/ Aus-Taste? Überflüssig. Auch sonst tritt die RE dezent und reduziert auf, wiegt gerade einmal 65,5 Gramm. Die aktivierte Kamera lässt sich über lediglich zwei Knöpfe steuern. Ein kurzes Drücken des silbernen Buttons an der Rückseite des Gehäuses nimmt hörbar ein Bild auf. Drückt man länger, startet mit einem Signalton die Videoaufnahme. Ein zweiter Button liegt auf der Innenseite des Gehäuses. Mit dem Zeigefinger lässt sich darüber bequem die Zeitlupen- oder Zeitrafferaufzeichnung starten.

Die Einsatzbereiche der RE sind vielfältig. Unterwegs mit Freunden ist sie bei jeder vorstellbaren Alltagssituation ein Garant für gelungene Bilder. Ob bei Konzerten und Festivals, unterwegs in der Stadt oder in gemütlicher Runde: Durch die einhändige Verwendung und die kompakte Größe entstehen beeindruckende Erinnerungen in Form von 16-Megapixel-Aufnahmen sowie FullHD-Bewegtbildern inklusive Tonaufnahmen über das HD-Mikrofon. Auch Wassersportfans kommen mit der Life­stylecam RE voll auf ihre Kosten. Ihre wasserdichte Bauweise ermöglicht beim Kiten, Surfen oder Paddeln spektakuläre Aufnahmen. Das 146-Grad-Weitwinkelobjektiv fängt auch all das ein, was am Rand geschieht, die Blendenöffnung von f=2.8 sorgt selbst an grauen Tagen für genügend Lichtstärke. Eine IPX7-Zertifizierung ermöglicht für bis zu 30 Minuten, bei einer maximalen Tiefe von einem Meter, Schutz vor eindringen­ dem Wasser.

Ob auf dem Mountainbike, beim Wandern, Skifahren oder Snowboarden: Auch an Land ist die RE der perfekte Begleiter. Durch ein vielseitiges optionales Zubehör lässt sie sich an Lenker, Rucksack oder Jacke befestigen. Gerade hier sind die Zeitlupenaufnahmen ein bemerkenswertes Feature, die Aufnahmequalität entspricht dabei 720p. Weiterverarbeiten lässt sich das aufgenommene Material jeweils bequem per Bluetooth und über die RE-App, erhältlich für iOS und Android, auf dem Handy. RE ist ab sofort in den Farben Koralle (Rot), Weiß, Blau und Grün erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers: 199 Euro.

37 

INFO www.recamera.com Fazit: Die RE by HTC überzeugt beim Ausprobieren mit einer überraschend guten­Handlichkeit, simpler Bedienung und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Und auch das Resultat kann sich sehen lassen. Der 1/2,3-Zoll große CMOS-Sensor sorgt für hochauflösende Bild- und Video­ aufnahmen, die auch bei einer Weiterver­ arbeitung alle Optionen offenlassen.


Was ist für dich eine echte Versuchung? BEFRAGT HABEN INA KRUG, ALEXANDRA DINTER UND PATRYCJA SOKOLOWSKI

 Henriette Quantz  28, Kindercastbetreuerin im Musical, Hamburg Meine schlimmste Versuchung ist Helene Fischers „Atemlos“. Ich kann den Song nicht ausstehen! Doch niemand ist davor sicher und dann erwische ich mich doch beim Mitsingen.

 Benjamin Held  25, Rettungsschwimmer, Sylt Ich stehe am Strand und die Wellen sind riesig. Die Vernunft sagt: „Lass das bloß sein, das könnte böse enden!" Dann jedoch die Vernunft auszublenden, reinzuspringen und richtig zu scoren ist für mich persönlich unbezahlbar und einige Risiken wert.  Christian Müller  26, Student, Kiel Eine von Hunderten Versuchungen ist die erste jeden Tages: Ausschlafen anstatt zur Uni zu gehen.  Patrick Dernehl  30, Kundenberater, München Der Versuch, etwas zu tun, das man eigentlich versuchen möchte, nicht zu tun.

38 

 Franziskus Kiefer  28, Doktorand, Reading, Großbritannien Müllmann werden! Wer braucht schon einen blöden Doktortitel? Wie einfach könnte das Leben doch sein. Klar definierte Arbeit und Arbeitszeiten sowie ein schönes Feierabendbier sind verlockend. Aber dann sag ich mir: Scheiß drauf, work hard and play hard. Müllmann kann ich immer noch werden.


UMFRAGE

 Christian Prigge  29, Kundenberater, Raisdorf Eine Versuchung ist für mich die Prüfung einer Verlockung nicht nachzugeben. Es kann bedeuten, dem leckeren Eisbecher oder der teuren Uhr zu widerstehen. Möglicherweise auch die Gelegenheit, jemanden zur Hingabe zu bewegen, welcher sie sich bisher sträubte. Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht! (Oscar Wilde)  Fabian Meyer-Kutta  39, Inhaber der Firma „The Boarder Line – Custom Company“, Hamburg Vor fünf Jahren habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und bin seitdem Kiteboard-Shaper. Für meine Kunden „das ultimative Kiteboard“ Sachen Individualität, Einzigarin hundertprozentigkeit und Fahrverhalten keine tiger Handarbeit Wünsche offen lässt, das ist meine zu shapen, das in echte Versuchung. Es sind die vermeintlich kleinen Dinge in unserem Sport, die über Spaß und Erfolg beziehungsweise Frust und Misserfolg entscheiden.

 Lisa Leuchten  23, Werkstudentin, Berlin Eine echte Versuchung ist für mich Schokolade, die brauche jeden Tag für mein persönliches Glücksgefühl. Außerdem machen mich schöne Männerunterarme schwach ;-)

 Vanessa Reder  24, Miss Schleswig-Holstein 2012, Flensburg In Versuchung führt mich ein Glas Wein, gute Musik oder Tanz. Ich tanze für mein Leben gern. Es beeindruckt mich, wenn andere Menschen ihrer Leidenschaft Ausdruck verleihen und das wiederum führt mich in vielerlei Hinsicht in Versuchung. Versuchung ist das Gegenteil zur Vernunft. Ein Gleichgewicht ist wichtig und dank meiner Impulsivität und meiner Neugierde wird mein Leben niemals langweilig.

39 


TRIP GIRL

40


TEXT CAMILA EIROA FOTOS MANUELA D'ALMEIDA

FREIER GEIST, FREIER KÖRPER

STEPHANIE MENEGHETTI IST SEIT JEHER AN NACKTHEIT GEWÖHNT UND EIN GROSSER FAN DER FKK-KULTUR.

41

Die junge Schönheit liebt es die Sonne und den Wind auf der nackten Haut zu spüren.


Gespielte Sch端chternheit vor der Kamera

42


TRIP GIRL

K

örperliche Unbefangenheit war ihr quasi in die Wiege gelegt. Schon in jungen Jahren begleitete die 23-jährige Schönheit aus Porto Alegre ihre Eltern an den Nacktbadestrand. „Für mich ist das Sonnenbaden ohne Bikini ein Ausdruck von Freiheit“, lacht sie. Besonders liebe sie es, textilfrei schwimmen zu gehen. „Man fühlt sich frei wie ein Fisch“, sagt Stephanie. „Wenn ich aus dem Wasser steige und das Licht, die Sonne und den Wind direkt auf der Haut spüre, ist das ein wunderschönes Gefühl. Was will ich da mit einer nassen Klamotte?“ Insofern war es für sie auch keine große Sache, für TRIP vor der Kamera zu posieren. „Es ist ein reizvolles Spiel, sich einerseits zeigen zu wollen und gleichzeitig mit schüchternen Gesten seine weiblichen Reize zu verstecken.“

43

Stephanie, die zurzeit in Rio de Janeiro lebt, wird in Kürze ihre Ausbildung zur Werbefachfrau ab­ schließen. „Ich freue mich schon auf den Eintritt ins Berufsleben“, sagt sie. „Es gehört für mich zu dem Gefühl von Freiheit, mein eigenes Geld zu verdienen.“ Sie hofft sehr, dass der Beruf nichts an ihrem freien Geist und ihrer Einstellung zum Leben ändern wird. „Jeder Mensch sollte die Chance haben, sich zu entwickeln und sich nicht zu sehr irgendwelchen Normen anpassen zu müssen“, lautet ihre Überzeugung. Ihre Piercings und Tattoos sind ein Ausdruck dessen. Genauso wie das Biken. „Als ich mein Auto abschaffte und anfing, mit dem Fahrrad zu fahren, nahm ich meine Umgebung mit anderen Augen wahr und mein Körper veränderte sich, passte sich an. Ich wurde ein glücklicherer Mensch und war weniger gestresst“, sagt sie.


TRIP GIRL Kรถrperliche Unbefangenheit wurde der wilden Schรถnen in die Wiege gelegt.

44


45


Genussvolles Spiel mir den weiblichen Reizen

„Jeder Mensch sollte die Chance haben, sich zu entwickeln und sich nicht zu sehr irgendwelchen Normen anpassen zu müssen.“

46


TRIP GIRL

Das Fahrradfahren trainiert ihren Kรถrper.

47


Mit ihren Piercings und Tattoos schwimmt sie bewusst gegen die Norm.

48


TRIP GIRL

49


JUKEBOX

GEFLÜGELTE ERHABENHEIT TEXT DOROTHEE GÖDEKE

So schön sie sind, so beängstigend wirkt ihre Überlegenheit. Doch auch in ihrer kitschigen Verweltlichung dienen Engel den Musikern als beliebtes Motiv.

Sie sind fast wie wir Menschen. Aber eben nur fast. Die grundlegenden Unterschie­ de sitzen nicht bloß an den Schulter­ blättern; auch wenn ihre Schwingen sie überhaupt erst als solche zu erkennen geben – und daher auf keinem der Cover fehlen. Gemeißelte Körper mit emotionslosen Minen, wie Galneryus oder Be‘lakor sie präsentieren, lassen die Kluft schon deutlicher aufreißen. Solch einem Bild haftet etwas unbarmherzig Perfektes an. Etwas, wonach wir vielleicht unser Leben lang streben, das wir aber in der Form nie erreichen können. Schließlich sind wir keine Engel: Wir sind frei. Wir machen Fehler und wir leiden – bisweilen gerade wegen dieser Selbsterkenntnis. Womöglich ist das einer der Gründe, warum Künstler wie Black Sabbath oder Van Halen das klassische Bild durch den Kakao ziehen? Noch dazu überwiegen überraschender­ weise die gefallenen Himmelsboten. Vielleicht macht das Schei­ tern sie menschlicher. Oder sagt etwas über uns selbst aus. Vielleicht ist diese bedrohliche Vorstellung aber auch einfach der musikalischen Verortung geschuldet.

50


51


Maschinenpistolen gehören zum Alltag. Mitglieder der Bürgerwehr in Nueva Italia vor einem gepanzerten Wagen.

Unter Beschuss

TEXT & FOTOS PHILIPP LICHTERBECK

UM SICH GEGEN DIE TERRORHERRSCHAFT DER DROGENKARTELLE ZU WEHREN, GREIFEN IMMER MEHR BÜRGER IM MEXIKANISCHEN TEILSTAAT MICHOACÁN SELBST ZU DEN WAFFEN.

52


L

GESELLSCHAFT Süßigkeiten, Getränkeflaschen und Waffen: Ein aufgeräumter Rücksitz sieht anders aus.

eo Sánchez greift nur zögernd nach dem Mikrofon, senkt den Blick, starrt auf die Spitzen seiner Cowboystiefel. Dann sagt er mit unbewegter Miene: „Die Tempelritter haben meinen Vater und meinen Bruder umgebracht. Ich danke der Bürgerwehr, dass der Terror ein Ende hat und wir unser Land wiederbekommen.“ Die Menge auf dem Dorfplatz von Tancitaro applaudiert. So wie bei jedem der Bauern, die nun einer nach dem anderen vortreten und mit tonlosen Stimmen berichten, was ihnen angetan wurde. In kurzen Reden fassen sie lange Geschichten des Leids zusammen. Sie handeln von Mord, Raub und vor allem von einem furchtbaren Gefühl: Ohnmacht. Einer mit Schnauzer und breitkrempigem Hut erzählt, wie man ihn an einen Baum kettete und 24 Stunden lang misshandelte. Er hatte seine eigene Avocadoplantage betreten, nachdem die Mafia ihn zuvor enteignet hatte. „Ich hoffe, dass unsere Selbstverteidigungskräfte keinen Schritt zurückweichen und eine neue Zeit für Tancitaro angebro­ chen ist“, sagt er. „Viva México!“ Die Menge antwortet: „Viva!“ Tancitaro, ein Dorf mit 5.000 Einwohnern, liegt in den Bergen des westlichen mexikanischen Bundesstaats Michoacán. Es ist umgeben von ausgedehnten Avocadoplantagen, fast jeder hier hat mit Anbau, Ernte und Vermarktung der kostbaren Frucht zu tun, am Ortseingang steht sogar eine Avocado­ skulptur. Doch ein ländliches Idyll ist Tancitaro nie gewesen. Jahrelang wurde die Gemeinde vom Drogenkartell Familia Michoacana beherrscht. Es spezialisierte sich auf die Herstel­ lung synthetischer Drogen und vertrieb das konkurrierende und für seine Brutalität berüchtigte Kartell der Zetas aus Michoacán, was ihm zunächst große Sympathien in der Bevöl­ kerung eintrug. Dann änderte die Familia jedoch ihre Strategie.

Weil der seit 2006 tobende Drogenkrieg dem Kartell die Geschäfte erschwerte, verlegte die Familia sich auf die Erpressung von Schutzgeldern, Raub und Entführungen. Alle mussten Abgaben oder Lösegelder zahlen, vom kleinen Tortillaverkäufer über den Taxi­ fahrer bis hin zum Großbauern. Im Jahr 2011 übernahm schließlich eine Abspaltung der Familia die Macht in vielen Orten Michoacáns: die Caballeros Templarios, die Tempelritter. Sie setzten das alte Geschäftsmodell fort, wobei ihnen die Polizei half und mitverdiente.

53


GESELLSCHAFT

Von Autodefensas beschlagnahmte und umgewidmete Polizeiwagen parken vor einer Kneipe.

In Tancitaro erschienen manchmal Beamte und erklärten eine Plantage samt Maschinen für enteignet. Wer sich wehr­ te, wurde terrorisiert. Bis dann im Februar 2013 die Selbst­ verteidigungskräfte, die Autodefensas de Michoacán, die ersten Orte von den Caballeros Templarios zurückzuerobern begannen. Seitdem sind sie auf dem Vormarsch. Es ist die jüngste Entwicklung im mexikanischen Drogen­ krieg, in dem seit 2006 je nach Schätzung zwischen 70.000 und 120.000 Menschen umgebracht worden sind. Einfache Bürger greifen zu den Waffen, weil sie Die Autodefensas sind es auch, die zu der Zeremonie auf dem einem Staat nicht mehr trauen, der zwar Dorfplatz von Tancitaro geladen haben, bei der 25 Familien mehr Sicherheit verspricht, aber immer ihr Land zurückerhalten. Unter ihnen ist die von Leo Sánchez. mehr Unsicherheit schafft. In Michoacán, „Es war ein Freitag vor vier Jahren“, erinnert sich der 28-Jäh­ wo der Staat sogar zum Komplizen der rige. „Wir sollten 80.000 Pesos Schutzgeld an die Tempelritter Mafia geworden ist, übernehmen die zahlen“, umgerechnet 4.000 Euro. „Wir besaßen damals zwei Autodefensas nun seine Schutzfunktion. Avocadoplantagen mit insgesamt 23 Hektar. Aber wir hatten das Geld einfach nicht.“ Am darauffolgenden Montag kam ein Truck ohne Kennzeichen auf das Grundstück der Familie gerollt. „Drei Männer mit Gewehren stiegen aus“, sagt Leo Sánchez. „Sie nahmen meinen Vater und meinen kleinen Bru­ der mit.“ Nach der Entführung fuhr Leo Sánchez nach Morelia, die 170 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Michoacáns, und bat auf dem dortigen Armeestützpunkt um Hilfe. Das Militär galt lange Zeit als die letzte vertrauenswürdige Institu­ tion in Mexiko. Aber die Soldaten lachten Sánchez aus. „Wir fühlten uns total alleingelassen“, sagt er.

 ALS EIN WAFFENSTARRENDER KONVOI  DER BUNDESPOLIZEI VORBEIFÄHRT,  IGNORIEREN SICH BEIDE SEITEN. 

54


MASKIERTE UND SCHWER BEWAFFNETE  AUTODEFENSAS BEWACHEN ALLE  ZUFAHRTSSTRASSEN ZUM ORT. 

Wer durch Michoacán reist, hört Geschichten wie die von Leo Sánchez dutzendfach. Es ist ein von der Mafia versehrtes Land. Die Behörden sahen jahrelang weg – oder machten mit. Einige Männer, die sich zu Leo Sánchez gesellen, sagen, dass mit den Einnahmen der Mafia die Wahlkämpfe von Politikern bis hin zum Gouverneur finanziert wurden. Einer erzählt, wie sein Nachbar, der sich bei der Polizei über die Tempelritter beschwert hatte, kurz darauf ermordet wurde. Michoacán, einer der schönsten Bundesstaaten Sechs Monate später wurden die verscharrten Leichen Mexikos mit bis zu 4.000 Meter hohen Bergen, seiner Angehörigen gefunden. Sánchez’ Vater war erschos­ fruchtbaren Ebenen, Stränden und einer großen sen worden, den Bruder hatte man erstickt. Daraufhin floh indigenen Bevölkerung, gilt nicht umsonst als Leo Sánchez mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und Wilder Westen Mexikos: schwer zu überschauen, seiner Mutter aus Michoacán. Mittellos zogen sie in ein voller Waffen und Drogen und mit einer langen Ge­ Armenviertel der Millionenstadt Guadalajara, während sich schichte von Gewalt, Korruption und Rechtlosigkeit. die Tempelritter auf der Familienranch breitmachten. Nun, nachdem die Mafia aus Tancitaro vertrieben ist, würde Leo Sánchez gern zurückkehren. „Aber wir wollen erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt und ob die Bürgerwehr sich halten kann.“

55

Autodefensas kontrollieren den Verkehr vor Tancitaronat. Links: Autodefensas in Nueva Italia vor einem Konvoi der mexikanischen Bundespolizei


Autodefensas in Nueva Italia verfolgen die Bericht­ er­stat­tung in der Presse.

Gegen Ende der Zeremonie auf dem Dorfplatz in Tancitaro er­ greift einer der Anführer der Bürgerwehr das Wort. Estanislao Beltrán wird wegen seines Rauschebarts auch „Papa Schlumpf“ gerufen. Doch der nette Spitzname täuscht. Der 55-Jährige führt eine Truppe von schwer bewaffneten Zivilisten an, ihre Zahl wird mittlerweile auf 20.000 geschätzt, Zahl steigend. Das Dorf Tancitaro eroberten die Autodefensas im November, in einigen Häusern sind noch die Einschusslöcher der schwe­ ren Kämpfe zu sehen. Sie vertrieben die Tempelritter und setzten die Ortspolizisten fest. Am Dorfplatz stehen nun die Polizeiwagen, auf denen hinter dem Wort „Polícia“ der Zusatz „Comunitaria“ steht: Bürgerpolizei. Maskierte und schwer be­ waffnete Autodefensas bewachen alle Zufahrtsstraßen zum Ort. Erst vor Kurzem nahm die Truppe dann die 35.000 Einwohner zählende Stadt Nueva Italia ein. Sie ist ein wichtiger Verkehrs­ knotenpunkt, liegt auf dem Weg zwischen Mexiko-Stadt und Lázaro Cárdenas, einem der größten Frachthäfen Lateinamerikas. Auch deswegen reagiert die mexikanische Regierung über­ stürzt. Jahrelang hatte sie untätig dem Konflikt zugeschaut, nun entsandte sie waffenstarrende Einheiten der Bundespolizei und der Armee, um die Autodefensas zu entwaffnen. Doch der Versuch scheiterte. Die Bevölkerung fragte sich, warum ausgerechnet die Bürgerwehr ihre Waffen abgeben sollte, aber nicht die Tempelritter, die immer noch viele Orte beherrschen. Die Menschen stellten sich vor ihre Befreier und bei den Tumulten erschossen Soldaten mehrere Bewoh­ ner, darunter ein elfjähriges Mädchen.

56

Die Gesichter hinter Strickmützen verborgen: Schwer bewaffnete Autodefensas vor Tancitaro


GESELLSCHAFT

 „ICH DANKE DER BÜRGERWEHR, DASS   DER TERROR EIN ENDE HAT UND WIR   UNSER LAND WIEDERBEKOMMEN.”  Mitglieder der mexikanischen Armee auf einer Kontrollfahrt in Michoacán.

„Ohne Waffen würden uns die Tempelritter massakrieren“, rechtfertigt Estanislao Beltrán die Weigerung der Auto­ defensas, ihre Waffen abzugeben. Er werde erst Ruhe geben, wenn alle 113 Gemeinden Michoacáns von den Tempelrittern gereinigt seien. Man sei zwar willens mit der Bundespolizei zusammenzuarbeiten, aber dazu müsse die Regierung erst einen Vertrauensbeweis liefern und die sieben Anführer der Mafia festnehmen. Das Gerücht, dass seine Truppen vom Drogenkartell aus dem benachbarten Bundesstaat Jalisco unterwandert sei, weist Estanislao Beltrán zurück. Tatsäch­ lich gibt es dafür bislang keine Beweise.

Die mexikanische Regierung hat unterdessen, von der Macht des Faktischen eingeholt, eine Kehrtwende vollzogen. Präsi­ dent Enrique Peña Nieto kündigte an, die Autodefensas in die regulären Sicherheitskräfte integrieren zu wollen. Wie das funktionieren soll, ist völlig unklar. Doch wie ist es möglich, dass einfache Zivilisten einen ganzen Staat aufrollen und plötzlich die Lösung für einen komplexen Konflikt zu sein scheinen? Der Impuls zur Gründung der Autodefensas ging von mehreren Viehhaltern aus. In ihren Gemeinden hatten die Tempelritter begonnen, Frauen und Mädchen zu entfüh­ ren und sie zu vergewaltigen. Viele kamen schwanger zurück. Schnell schlossen sich andere Männer der Untergrundbe­ wegung an. Eines Nachts überraschten sie die Tempelritter, deren Gewohnheiten sie gut kannten, töteten zahlreiche von ihnen, nahmen ihnen die Kalaschnikows und AR-15-Gewehre ab, errichteten an allen Einfallstraßen Kontrollpunkte und erklärten die Ortschaften für befreit.

57


Und der Kommandeur einer Barrikade in Nueva Italia spricht schlicht vom „Job“, den man zu machen habe. Und Ein Mitglied der Auto­defensas dass er so schnell wie möglich zu seiner in Nueva Italia mit seinem Familie wolle, die sich versteckt halte, ungewöhnlichen Kopfschmuck solange er im Krieg sei. Bevor Adolfo Rosales zur Kalaschni­ kow griff, war er Tagelöhner, der sich auf den Zitronenfeldern rund um Nueva Italia verdingte. „Wenn ich 100 Pesos am Tag Nun, ein Jahr später, stehen die Autodefensas in der wichti­ verdiente, musste ich 30 Pesos an die Tempelritter zahlen“, gen Regionalhauptstadt Apatzingán. Sie galt als Hauptstadt sagt der 46-Jährige. Manchmal zwangen die Tempelritter der Tempelritter, in welcher der katholische Priester, ein seine Arbeitgeber auch, eine Ernte verrotten zu lassen, damit Kritiker der Mafia, lange Zeit nur mit schusssicherer Weste der Preis der Früchte stieg, die sie anderen Bauern unter vor die Gemeinde trat. Wegen der Einnahme Apatzingáns dem Marktpreis abnahmen. „Dann war ich ohne Arbeit. Zum herrscht auch an einem Kontrollpunkt im nahen Nueva Glück haben wir den Mut gefunden, uns zu wehren.“ Kämp­ ferischer Stolz ist es, den man bei den meisten der Männer Italia große Hektik. Am Straßenrand stehen Barrikaden aus hier findet, ein politisches Sandsäcken, darum herum Die Autodefensas stellen ein riesiges Arsenal an Waffen zur Bewusstsein für ihr Tun tränken dreißig Männer Schau, von Pistolen über Kalaschnikows bis zu schweren vermisst man hingegen. Wolle mit Petroleum und Maschinengewehren. Die Männer sagen, dass sie die Gewehre stecken sie in Blechkanis­ ter. „Nachts zünden wir die den Tempelrittern abgenommen oder von der Bevölkerung Wolle an, um die Straße zu geschenkt bekommen hätten. Doch es ist kein Geheimnis, dass erleuchten“, sagt einer, erst auch verschiedene Unternehmer der Region die Autode­fensas finanziell unterstützen. Erste Stimmen warnen deshalb 18 Jahre alt. Lässig trägt er bereits davor, dass sich in Mexiko das kolumbianischen sein US-Sturmgewehr AR-15 Szenario wiederholen könnte. Dort hatten Großgrundbesitzer um die Schulter. in den 90er-Jahren Privatarmeen aufgestellt, um sich gegen die FARC-Guerilla und das Medellin-Kartell zu schützen. Die Truppen verselbstständigten sich jedoch, verübten zahlrei­ che Gräueltaten an Zivilisten und sind heute die größten Kokainhändler des Landes. Die Anführer der mexikanischen Autodefensas betonen daher bei jeder Gelegenheit, dass man Bei Angriffen dienen die kolumbianische Erfahrung nicht wiederholen wolle. den Bürgerwehren Sandsäcke als Schutz.

 DIE AUTODEFENSAS  STELLEN EIN RIESIGES  ARSENAL AN WAFFEN  ZUR SCHAU. 

58


GESELLSCHAFT

Rosales trägt eine Wollmaske, um nicht erkannt zu werden. Aber viele Männer zeigen ihre Gesichter und haben kein Problem damit, fotografiert zu werden. Als ein waffenstar­ render Konvoi der Bundespolizei vorbeifährt, ignorieren sich beide Seiten. Geschätzte 50.000 Männer sollen in Michoacán inzwischen insgesamt un­ ter Waffen stehen. Aber Eine junge Frau kommt zur Barrikade und händigt Kalaschnikowwie es scheint, vertraut Magazine aus, die Männer stecken sie in ihre Westen. Wenig die Bevölkerung einzig später hält ein Pick-up-Truck. Eine Familie bringt Verpfle­ gung: Tortillas, Reis, geschnittenes Fleisch. Der Mann am der Bürgerwehr. Steuer berichtet, dass sein 23-jähriger Bruder von den Tempelrittern entführt und ermordet wurde, obwohl man Lösegeld gezahlt habe. Er sagt: „Dank der Autodefensas kann man wieder atmen.“ Tatsächlich haben sie in Michoacán in wenigen Wo­ chen geschafft, was der mexi­ kanische Staat in vielen Jahren nicht fertig gebracht hat.

Rache droht überall: Autodefensas in Nueva Italia mit ihren Masken.

Auf Nummer sicher? Die Situation ändert sich indes laufend. Ein kleiner Teil dient Die öffentliche Sicherheit in Mexiko ist eine der größten heute als sogenannte Landpolizei (Fuerza Rural ) mit Lizenz Herausforderungen der Regierung Peña Nieto, denn die der Regierung. Letztere erfüllt jedoch ihr Versprechen nicht, die Bürgerwehren stellen das staatliche Gewaltmonopol in Caballeros Templarios, die vielerorts auf freiem Fuß sind, bezie­ Frage. Sie sind weder gewählt noch abwählbar. Zum eige­ nen Schutz agieren sie häufig vermummt und gehorchen hungsweise noch die Kontrolle haben, festzunehmen. Deswe­ lediglich ihren selbsternannten Anführern. Aus juristi­ gen wollen einige Autodefensas wieder die Waffen erheben, was teilweise auch geschehen ist. Einige Gruppen sind zudem, scher Sicht ist ihr Handeln illegal. Deshalb arbeitet der wie befürchtet, von der Mafia unterwandert worden. Ein Anfüh­ Staat daran, die Bürgerwehren in den offiziellen Sicher­ heitsapparat zu integrieren. rer der Autodefensas wurde Laut Abkommen gelten die vor Monaten wegen Mord­ So müssen die bewaffneten Gruppen den Befehl der Be­ bewaffneten Zivilisten als Teile hörden akzeptieren, ihre Waffen anmelden und dürfen nur vorwürfen festgenommen einer paramilitärischen Einheit. befristet existieren. Im Gegenzug bekommen die Gruppen und wieder freigelassen. „alle notwendigen Mittel für Kommunikation, Operationen und Fortbewegung“ zur Verfügung gestellt.

59


Tegel erfindet sich neu

TEXT DOROTHEE GÖDEKE ANIMATIONEN TEGEL PROJEKT GMBH

WAS GESCHIEHT MIT DEM FLUGHAFEN BERLIN-TEGEL, WENN ER GESCHLOSSEN WIRD? UNTER DEM NAMEN URBAN TECH REPUBLIC WARTET EIN ZUKUNFTSORIENTIERTES WIRTSCHAFTSKONZEPT AUF STARTERLAUBNIS.

60

G


G

VISIONEN

Die Abflughallen Berlin-Tegels sollen ab 2017 zur Brutstätte der Innovationen werden.

te

el

Auch wenn die Flugzeuge verschwin­ den, soll der Flughafencharakter mit seiner Infrastruktur erhalten bleiben. Bloß die Räumlichkeiten sollen dann im Hinblick auf ihre Nutzung ange­ passt werden. Den derzeitigen Termi­ nals A und D, die zusammengenom­ men vage einer Nervenzelle ähneln, egenwärtig wuseln wird dabei eine zentrale Rolle zuge­ dacht: Das noch vergleichsweise junge noch jährlich rund 19 Prinzip der Technologieparks basiert Millionen Reisende auf einem innovativen Kern, meist durch den längst zu eng und schmuddelig junge Start-up-Unternehmen, die zwar gewordenen Stadtflug­ über viele Ideen, aber noch wenig hafen im Nordwesten finanzielle Möglichkeiten verfügen. Berlins. Was bisher Schnittstelle des na­ Bereits etablierte Firmen aus Indus­ tionalen wie internationalen Verkehrs ist, trie oder Gewerbe sollen von diesem soll zu einem Knotenpunkt des Wissens­ Ideenpotenzial profitieren und sich austausches werden. Ziel ist es, TXL zu deshalb hier ansiedeln. Im Gegenzug einer Arbeits- und Begegnungsstätte für bringen sie die Mittel zum direkten Start-ups, universitäre Forschungseinrich­ Entwickeln oder Ausprobieren mit. tungen und Industrieunternehmen zu Solch eine Basis ist auch in Berlin entwickeln. Visionäre Ideen und kreative vorgesehen, für den später erbauten Konzepte sollen auf industrielles Know- Terminal D. Insbesondere den Sektor how sowie aufgeschlossene Investoren der Industrie versucht man so wieder treffen. Allerdings zeigt der Wirbel um verstärkt zurückzubringen. die unklare Situation des neuen Berliner Flughafens auch hier Ausläufer. Denn erst mit Inbetriebnahme des WillyBrandt-Flughafens (BER) vor den Toren der Hauptstadt und der daran gebunde­ nen Schließung Berlin-Tegels kann die Verwirklichung dieser Vision auch ange­ gangen werden. Derzeitige Planungen rechnen mit einem Baustart in 2017.

61

Die 460 Hektar große Fläche zwischen Spandau und Reinickendorf beinhaltete einst die längste Startbahn Europas.


Das eigentliche Zentrum, der markante Sechseck-Terminal A, bleibt aber einer anderen Einrichtung vorbehalten. Peter Strunk, Sprecher der vom Land beauf­ tragten Tegel-Projektgruppe erklärt: „Man braucht in der Mitte einen wis­ senschaftlichen Kern mit anwendbarer Forschung. Und um diesen Kern herum baut man dann Strukturen auf. Diese ermöglichen es, dass sich Industrie ansiedeln kann.“ Zur Ansiedlung sind etwa die umliegen­ den Gebiete der An- und Abflughallen sowie die Hangarflächen vorgesehen. Die kurzen Entfernungen, die der 460 Hektar große Stadtflughafen mit sich bringt, vereinfachen und fördern die Zusammenarbeit der Beschäftigten oder Studierenden vor Ort. Darauf wird Wert gelegt, da die Bereiche Forschen, Entwickeln und Ausprobieren dem Tegel-Projekt als bedeutende Grund­ lagen gelten. Für die Rolle des wissen­ schaftlichen Kerns steht die Berliner Beuth Hochschule für Technik bereits in den Startlöchern. Damit wären wertvolle Impulse schon gegeben. Im nächsten Schritt stünden allein 150.000 Quadrat­ meter zur kurzfristigen Belegung bereit. Bei anderen Bereichen, wie den vorgese­ henen 100.000 Quadratmetern Experi­ mentierfläche, muss dagegen wohl etwas längerfristiger geplant werden. Interes­ senten gebe es einige, Namen dürften allerdings – abgesehen von der Berliner Feuerwehr – noch nicht genannt werden.

Neben Mobilitätskonzepten liegen auch Fragen zu Recycling, Energie oder intelligenter Steuerung im Fokus.

Strunk selbst war bereits an einem ähnlichen Projekt in Berlin-Adlershof beteiligt. Allerdings warnt er: „Jeder Technologiepark hat seine eigene Erfah­ rungsgeschichte. Man erfindet sich in solchen Projekten immer wieder selbst neu.“ Und auch die Urban Tech Repu­ blic verfolgt mit ihrem Schwerpunkt auf urbane Zukunftstechnologien eine Alleinstellungsstrategie. Der Gedan­ ke dahinter sieht in den Städten der Zukunft die infrastrukturellen Heraus­ forderungen immer brisanter werden: 70 Prozent der Menschen bewohnen in 40 Jahren nur noch drei Prozent Land­ fläche, so zumindest die Prognosen. Fragen zur Energieversorgung, Mobi­ lität, Wasserwirtschaft oder Recycling müssen schon jetzt gestellt werden, um den Bedürfnissen nicht unvorbereitet ausgesetzt zu sein. Speziell bei der Elektromobilität will man bei der Urban Tech Republic einen Schwerpunkt setzen und die Konzeption und Integration neuer Mobilitätskon­ zepte erproben. In der „Werkstatt der Elektromobilität“ könnten sich beispiels­ weise Produzenten für E-Ladestationen oder neue Energieerzeugungs-Techno­ logien ansiedeln und den urbanen Raum Berlins als Forschungslabor nutzen.

62

Antriebstechnik und Bauteile für Elektrobeziehungsweise Hybridfahrzeuge, intelligente Verkehrsleitsysteme und City-Logistik könnten dann direkt vor Ort getestet werden. Informationstechnologien und Werk­ stoffe stellen einen weiteren Aspekt der Forschung dar. Ebenso Fragen sozialer Auswirkungen, die mit umfassenden Neuerungen dieser Größenordnung zwangsweise einhergehen. Zwar werden deutsche Städte vom Trend zur MegaMetropole nicht in dem Maße betroffen sein, wie es für Seoul, Kairo oder São Paulo gilt. Das heißt aber keineswegs, dass Hochtechnologie nicht benötigt werde. Die Bundeshauptstadt punktet als Standort vor allem mit einem Netz aus Forschung und Lehre, vielen Unter­ nehmensgründungen oder auch ihrer weltoffenen Kreativität, so die Verant­ wortlichen. Von der einmaligen Situati­ on eines großstadtnahen und zugleich großflächigen Areals mit existierender

800 Unternehmen und 5.000 Studenten sollen der Urban Tech Republic einmal angehören.


VISIONEN

Die Urban Tech Republic steht auch Interessierten offen – zum Staunen oder Flanieren.

Infrastruktur ganz zu schweigen. Und so soll der Tech-Park – ähnlich wie gegen­ wärtig der Flughafen – ein weltweiter Knotenpunkt der Innovationen werden. „Lange Jahre war der innovativste Ort unsere Kantine“, erinnert sich Strunk an Adlershof. „Dort haben sie gesessen

und einfach miteinander geredet.“ Diese Erfahrung will das Projekt umsetzen. In einer „Wuselzone“ sollen sich alle Beteiligten unkompliziert austauschen, darüber hinaus aber auch frische Ideen direkt ausprobieren können. Bereits während der ersten Planungen lud man Bürger ein, Fragen oder Bedenken zu

äußern. Nach Abschluss der ersten Umbauten steht der 460 Hektar umfas­ sende Technologiepark dann interes­ sierten Besuchern offen. Mit mehr als 50 Prozent Grünflächen, mindestens 1.000 neuen Wohnungen und einem geplan­ ten Einkaufszentrum hofft man, ihnen vielfältige Anlässe dafür zu bieten.

„Lange Jahre war der innovativste Ort unsere Kantine. Dort haben sie gesessen und einfach miteinander geredet.“

63

Weitere Informationen unter: www.berlintxl.de


KUNST

PINKPUSSY

TEXT INA KRUG

DIE VAGINA IST NICHT NUR FÜR MÄNNER, SONDERN AUCH FÜR DIE MEISTEN FRAUEN EIN MYSTERIUM. WARUM EIGENTLICH?

64


Aus 400 Vaginas machte Jamie McCartney zehn Meter intime Kunst.

E

ine attraktive junge Frau steht nackig und mit breiten Beinen auf zwei Brücken aus Leitern und presst mit Farbe gefüllte Eier aus ihrer Vagina. Mit einem „Platsch“ landen diese auf einer ausge­ breiteten Leinwand und platzen auf. Farbe spritzt, Menschen glotzen. Die Schweizerin Milo Moiré hat ihr Ziel erreicht: Sie sorgt für aufgerissene Augen und runtergeklappte Münder jeglicher Art. Es ist der Tag ihrer Live-Performance „The PlopEgg Painting Performance # 1 – A Birth of a Picture“. Die Künstlerin gebärt hier im wahrsten Sinne des Wor­ tes ein Bild unter den Blicken zahlreicher Zeugen. Ort des Geschehens: die Kunstmesse Art Cologne.

65

„Meine Vagina ist für mich ein selbstverständli­ cher Körperteil“, sagt die Künstlerin. „Sie ist viel mehr als Geburtskanal und sexuelles Lustorgan. Für mich steht die Vagina metaphysisch für ein Muster, das ein großer Teil meiner selbst ist. In meiner Performance korrelieren das Ei und die Vagina in einer einzigartigen Symbolik. Wie hätte ich denn anders die Art Birth umsetzen sollen als mit einem Ei und meiner Vagina?”, fragt Moiré.


FOTO // PETER PALM/UNLIMITEDMUSE

„FÜR MICH STEHT DIE VAGINA METAPHYSISCH FÜR EIN MUSTER, DAS EIN GROSSER TEIL MEINER SELBST IST.“ ( MILO MOIRÉ)

FOTO // PETER PALM/UNLIMITEDMUSE

Milo Moiré schockiert die Welt mit ihrer Nacktperformance.

Klingt erst einmal plausibel – doch die Realität sieht anders aus. Ein Foto mit einer sichtbaren Vagina: unsittlich. Das öffentliche Zur-SchauStellen: Pornografie. Punkt. Erstaunlich, wie schnell sich die vermeintlich lockere Gesell­ schaft zugeknöpft gibt, sobald es um das weibli­ che Geschlechtsteil geht. Beim Penis scheint es da mehr Spielraum zu geben. „Jeder Mensch ist geprägt vom vaginalen Geburtstrauma. Die Va­ gina ist eine Schöpfungsquelle, auch für mensch­ liche Ängste“, sagt Moiré. Deshalb genieren sich Frauen zum Großteil noch immer, wenn sie über das „Untenrum“ sprechen sollen. Das will die Künstlerin ändern. Während die männliche Körpermitte mit zahlreichen Wortschöpfungen gepriesen wird, scheint für das weibliche Pen­ dant die Bezeichnung „Scham“, also die Region, für die Frauen sich schämen, passend.

4

00 unschuldig-weiße Tafeln reihen sich seit 2011 neben- und untereinander im Museum, ergänzen sich zu einem ausladenden Mosaik. 400 Frauen haben sich dafür Jamie McCartney buch­ stäblich geöffnet, als sie ihm gewährten, einen Gipsabdruck ihrer intimsten Körperstelle für sein Werk „Die große Wand der Vaginas“ zu machen. Junge Frauen mit gerade erreichter Volljährigkeit, rüstige Rentnerinnen, Zwillingsschwestern, Mutter und Tochter, gepierct, glatt rasiert oder naturbelas­ sen. Der Künstler hat offensichtlich ein Geheimre­ zept gegen die antrainierte Scham gefunden. Jamie sieht die gigantische Skulptur als Aufklärungsar­ beit. „Das Werk zeigt die enormen Unterschiede im Aussehen der normalen weiblichen Genitalien“, sagt der Künstler. Rund fünf Jahre arbeite McCart­ ney, um etwas zu schaffen, das fernab von jeglichem pornografischen Aspekt wirken soll.

66


KUNST

INTERVIEW MIT JAMIE MCCARTNEY exakte Simulacra der Genitalien, die sie abbilden. Daher präsentieren die Abgüsse genaue Informa­ tionen über die Formen der Genitalien, umgehen allerdings jegliche pornografischen Assoziationen. Mit dem Entfernen dieser Anstößigkeit kann man seine natürliche menschliche Neugier ohne die Scham, die mit der öffentlichen Einsichtnahme von Pornografie verbunden ist, befriedigen. Es ist ein netter Trick. Irgendwie funktioniert es wirklich und die Leute führen am Ende mit völlig Fremden Gesprächen über Vaginas. Es ist wunderbar, die Vernichtung eines Tabus zu beobachten.

Ein viel zitierter Satz ist Ihr „It`s not vulgar, it's vulva“. Was meinen Sie damit? Nun, eigent­ lich ist es nur ein Wortspiel. Ich benutze Humor, um einen ernsthaften Akzent zu setzen und zu zei­ gen, dass die Genitalien nichts Schmutziges sind, was aus dem Blickfeld gehalten werden muss. Sie sind die Organe der Fortpflanzung unserer Spezies und als solche von enormer Bedeutung für das menschliche Leben. Wenn etwas tabu ist, vermei­ det man für gewöhnlich eine gesunde Diskussion über das Thema. Was ist die Intention Ihrer Arbeit? Es ist die menschliche Natur, sich mit anderen zu verglei­ chen. Wenn man nur Pornografie zum Vergleich hat, könnte man eine unrealistische Vorstellung darüber bekommen, was normal ist, und deshalb Komplexe wegen der eigenen Genitalien ent­ wickeln. Unnötige Ängste können Leben und Liebesleben ruinieren. Als ich entdeckte, dass die genital-kosmetische Chirurgie eine enorm wachsende Branche ist, beschloss ich zu handeln. Ich wollte nicht Teil einer Gesellschaft sein, die Frauen ermutigt, Teile ihrer Genitalien wegzu­ schneiden. Ich wollte eine alternative Sicht bieten.

„ALS ICH ENTDECKTE, DASS GENITALKOSMETISCHE CHIRURGIE EINE ENORM WACHSENDE BRANCHE IST, BESCHLOSS ICH ZU HANDELN.“ JAMIE MCCARTNEY Wie haben Sie erreicht, dass Hunderte von Frauen bereit waren, ihr Intimstes darstellen zu lassen? Wie immer im Leben gibt es Menschen, die dem Trend voraus sind, und diejenigen, die ihm hinterher sind. Für einige war das Gießen so normal wie der Besuch eines FKK-Strands. Für andere war es mit großer Angst verbunden. Aber in der kurzen Zeit des Gießprozesses verloren sie diese persönliche Furcht. Und als die Frauen gingen, waren sie komplett verändert durch diese Erfahrung. Es dauerte fünf Jahre, dieses Kunst­ werk zu schaffen. Das erste Jahr war schwierig, weil ich etwas tat, das die Menschen wirklich herausforderte. Nach einer Weile wurde das Ganze mit Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet und es endete im Fernsehen, was die Sache legitimierte. Ich wurde überschwemmt mit Angeboten. An manchen Tagen goss ich mehr als zehn Personen. Es war ganz klar die richtige Zeit für die Vagina, um aus ihrem Versteck zu kommen!

Wie ist das gelungen? Nachdem man 400 andere Menschen gesehen hat, fühlt sich jeder normal. Die Befreiung von der Angst vor Geni­ talien ist die Absicht meiner Arbeit. In meinem Postfach kann ich sehen, dass es wirklich funktio­ niert! Wie viele Kunstwerke verändern wirklich das Leben der Menschen? Bilder von Vaginas werden oft mit Pornografie gleichgesetzt. Ihre Skulptur kann eine Person allerdings ohne Scham studieren. Was ist Ihr Trick? Diese monochromen, reinen, weißen Abgüs­ se erinnern mehr an klassische Skulpturen als an fotografische Bilder von Vaginas. Sie stehen weder im Verhältnis zum Fotorealismus noch sind sie

67


Vagina-Kunst für jedermann: als Handyhülle, Schmuck oder Kayak

KUNST

E

s ist das Jahr 1866: Eine nackte Frau liegt mit gespreizten Beinen da, präsentiert ihre behaarte Vulva. Kopf, Arme und Rest der Glied­ maßen sind nicht mit abgebildet. Nur ein Nippel lugt zaghaft unter einem Tuch hervor. Gustave Courbet malt den „Ursprung der Welt“. Ein Skan­ dal. Dabei ist es kein Bild, das aus einer Laune des Künstlers heraus entstand, sondern eine berühmte Auftragsarbeit für einen türkischen Kunstsamm­ ler. Hinter einem Holzrahmen versteckt. Nur mit einem Schlüssel zu öffnen, damit das Bild vor neu­ gierigen Blicken verborgen blieb. Das Bild wird zum Mythos. Vagina in der Kunst – keine neues Thema, vielmehr ein ständiges Auf und Ab in der Kunstgeschichte. Weibliche Statuen in vollständi­ ger Nacktheit mit markanten Schamlippen: einst gang und gäbe. Die Grenzen zwischen Kunst und Pornografie waren schon immer fließend. In der Kunst der Antike dann, in der man an der nackten Männlichkeit nicht vorbeikommt, ist die Körper­ mitte der Frauen wieder dezent verhüllt mit einem Tuch oder unschuldig verborgen hinter einem Blatt. Oder schlichtweg weggelassen. Wie bei einer Barbiepuppe. Keine Chance für Mann und Frau, der „Sache“ auf den Grund zu gehen. Unschuldig verborgen? im 21. Jahrhundert des­ halb Fehlanzeige. Provozieren. Um jeden Preis. So auch bei Casey Jenkins. Die Performance-Künstle­ rin strickte im vergangenen Jahr 28 Tage lang. Mit Wolle aus ihrer Vagina. Um die Menschen dazu zu bringen, die Furcht und die negativen Assoziatio­ nen, die sie bezüglich der Vulva haben, zu hinter­ fragen. Ob ihr das bei dem während der Menstru­ ationszeit mit Blut getränkten Schal gelungen ist, bleibt indes fraglich. Nichtsdestotrotz rückte die Performance den Intimbereich für einen längeren Zeitraum in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Ein Fotograf hockt wenige Zentimeter vor seinem Fotoobjekt. Licht wird ausgerichtet, die Kamera eingestellt. Klick. Zoom. Ein paar Zentimeter wei­ ter ran: Ein Fotokünstler, vertieft in seine Arbeit. Der Eindruck ändert sich jedoch, wenn man die gesamte Szene betrachtet. Der Fotograf hockt vor den gespreizten Beiden einer Frau. Das Objekt: die Vulva in Nahaufnahme. Auch das ist Kunst im 21. Jahrhundert. Eine Szene, die von Außen­ stehenden wohl zweifellos als Set eines Pornos identifiziert wird. So oder so ähnlich werden wohl Frannie Adams Pussy Porträts entstanden sein. Der Fotograf geht der These nach, dass sich in der Form der Vagina das Aussehen und der Typ einer Frau widerspiegeln, getreu dem sprichwörtlichen Gedanken: wie die Nase des Mannes, so auch sein Johannes. Die direkte Gegenüberstellung von Aufnahmen der Gesichter und der dazugehöri­ gen Vagina, auf je einer ganzen Seite präsentiert, scheinen diese These zu bestätigen. „Ein solcher Reichtum kunstvoll geformter Blüten und so ver­ schieden gestalteter Eingänge ins geheimnisvolle Innere der Frau ist wirklich beeindruckend“, ver­ spricht der Klappentext von Adams Bildband. Auf Hunderten Seiten präsentiert sich so die faszinie­ rende Formvielfalt der Vulva. Unverwechselbare, einzigartige Persönlichkeiten. Mit einem selbstbe­ wussten Lächeln ließen sich die Besitzerinnen fast stolz ablichten. Der freie Blick auf ein Mysterium.

Auf ihrer Website illustriert Megumi Igarashi ihre Projekte.

68


Megumi Igarashi dekoriert Modelle ihrer Vagina. Zum Beispiel als Golfplatz, FKKStrand, Schlachtfeld oder Schneelandschaft.

Eine Protestwelle schwappt dieses Jahr von Japan rüber. Auslöser: nicht die Kunst der Japanerin Megumi Igarashi, Künstlername Rokudenashiko, sondern die Reaktion der Behörden. Festgenom­ men, weggesperrt, Haft. Grund für den Wirbel um die Person ist die Verbreitung von 3D-DruckDaten ihrer Vagina. Zum Selbstnachdrucken. Für jeden, der will. Und zahlt. Das ist keine neue Idee aus der Welt der Erotikspielzeuge. Es ist Kunst. Die Vorgeschichte: Igarashi wurde in der Vergan­ genheit unter anderem damit zur lokalen Bekannt­ heit, weil sie Modelle von ihrer Vagina herstellte und dekorierte. Zum Beispiel „FKK-Strand“, eine Beach-Landschaft auf der sich kleine Figuren in der Spalte räkeln. „Ich dachte, es wär einfach lustig, meine Pussy zu dekorieren“, schreibt die Japanerin auf ihrer Homepage. „Aber ich war sehr überrascht, wie sich die Leute aufregen, wenn sie meine Werke sehen.“ Die Intention auch diesmal wieder Aufklärung. Und die Gleichberechtigung von weiblichen und männlichen Geschlechtstei­ len. „Ich wusste nicht, wie eine Pussy aussehen sollte, und dachte zur gleichen Zeit:

69

„UNNÖTIGE ÄNGSTE KÖNNEN LEBEN UND LIEBESLEBEN RUINIEREN.“ JAMIE MCCARTNEY

Meine ist einfach nicht normal. Pussy war einfach ein Tabu in der japanischen Gesellschaft.“ Der Penis werde hingegen als Teil der Popkultur gese­ hen. Um das zu ändern, startete sie auch ihr letztes Projekt: das Vagina-Kanu. Um die Produktionskos­ ten zu decken, stellte sie ein Crowdfunding-Pro­ jekt auf die Beine und schickte 3D-Druck-Daten ihrer Vagina an Leute, die Geld für ihr Projekt zahlten. Zu viel für die japanischen Behörden. Ob in naher Zukunft ein Vagina-Kanu über den Ozean paddeln wird, bleibt also ungewiss. Gewiss ist: Das Mysterium Vagina wird nicht aus der Kunst wegzudenken sein. Aus dem einfachen Grund: Provokante und polarisierende Bilder bleiben im Kopf. Und der Drang, Geheimnisse zu lüften, scheint bei jedem angeboren.


BODYART

K C A BL TTOO TA

VON THOMAS GARMS

DER VERLAG EDITION REUSS HAT DEN RUF, DIE WELTBESTEN TATTOOBÜCHER ZU PRODUZIEREN. JETZT LIEGT DER NEUE BAND „BLACK TATTOO II“ VOR – EIN MEISTERWERK.

70


71

Eine „Dotwork“-Tätowierung von Delphine Noiztoy als Porträt des Rockidols Jimi Hendrix.


BODYART

Monochrome Kunst: Jacqueline Spoerlé schuf dieses ornamentale Rückentattoo.

Tätowierer sprechen ihre eigene Sprache mit eigenen Regeln und Traditionen. Im Dialog mit dem Menschen, auf dessen Haut sie ihre Kunstwerke hinterlassen, entwickeln sie eine neue Dimension der persönlichen Zustandsbeschreibung. Wer es mit dieser Form des Körperschmucks ernst meint, will etwas mitteilen, seiner Haltung zu sich selbst Ausdruck verleihen, das Auf und Ab des Lebens symbolreich in den Fokus rücken. Bedeutsame Tattoos erzählen immer auch eine Geschichte. Sie sprechen von nicht eingelösten Hoffnun­ gen, von Trauer, aber auch von Wendepunkten, glücklichen Momenten und Erkenntnis. Dass dabei und Varianten des Blackwork, wie man immer auch Begriffe wie Autonomie, in dem hier vorgestellten Buch der New Würde und Wahrheit ins Spiel kom­ men, versteht sich von selbst. Yorker Autorin Marisa Kakoulas sehen kann. „Black Tattoo Art II: Modern Zu den markantesten Stilformen mit Expressions of the Tribal“ ist die zweite einer lange zurückreichenden Histo­ Inkarnation dessen, was man als die rie gehören die sogenannten Black „Bibel der Blackwork-Tattoos” bezeich­ net, und bildet die Fortsetzung des Tattoos. Wie der Name sagt, werden ersten Bandes, einer eindrucksvollen diese vollständig aus rein schwarzer Reise rund um den Globus, welche die Farbe gestochen und verzichten auf wahrscheinlich besten Tattoos prä­ graue Schattierungen. Viele Tribals sentiert, die den Zauber dieser uralten werden traditionell in Schwarz gesto­ chen, es gibt aber weit mehr Motive Kunstform in aufregenden zeitgenössi­ schen Interpretationen auf dem Körper einfangen. In dem 448 Seiten starken, beeindruckenden Band mit mehr als 600 Abbildungen kann der Leser ganz unterschiedliche Richtungen des Blackwork Tattoos erkunden. Schwarze Linien, Punkte, Flächen, ob von Hand gestochen oder mit der Maschine tätowiert, alles ist möglich und erlaubt. Das schier unbegrenzte Spektrum an Kreativität reicht von wunderschönen traditionellen Tribals über sorgfältig ausgeführte Muster und figurative Darstellungen bis hin zu völlig freien, unkonventionellen Tattoodesigns.

Die beeindruckende Vielfalt der Bild­ erwelt in „Black Tattoo Art II“ ergibt sich nicht zuletzt aus der umfangrei­ chen Liste internationaler Künstler: 80 Toptätowierer, von Sankt Petersburg bis São Paulo, von Austin bis Aotea­ roa, von Barcelona bis Brooklyn und darüber hinaus. Allen gemeinsam sind die Kreativität, die Innovation und der Einfallsreichtum, die in ihren Tätowierungen und künstlerischen Arbeiten zum Ausdruck kommen. Das Buch enthält fünf Kapitel mit Einfüh­ rungstexten: Ornamental/Neotribal, Dotwork, Celtic/Nordic, Abstract/Art Brut und Traditional Revival. Insgesamt offenbaren alle präsentierten Tattoo­ werke die unbegrenzten Möglichkeiten einer Kunst, die nur durch Nadeln und schwarze Tinte entsteht.

Links: Mike The Athens besticht durch eine komplexe Zeichensprache. Rechts: Eine markante Arbeit von Xed LeHead.

72


Foto // Aurora Meneghello

Mitte: Idexa Stern. Oben: Phil Cummins vollendet ein neues Meisterwerk.

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Autorin arbeitet eigent­ lich als Rechtsanwältin in New York und schreibt leiden­ schaftlich gern über Tätowierungen. Ihr mit großer Passion geführter Blog needlesandsins.com hat überall auf der Welt treue Follower und ist ein durch fortwährend neue Ein­ träge ergänztes Kompendium der aktuellen Tattookunst. In dem Buch lässt sich nachlesen, wie Marisa die Tätowie­ rung zunächst als eine Ausdrucksform von Rebellion entdeckt hatte, nachdem sie als 17-Jährige eine Under­ ground-Location besuchte. Damals und der Kopf. Ursprünglich stammen waren Tätowierungen in New York Bodysuits aus Japan. Dort werden City noch stark geächtet. Doch die Tattoos traditionell von der Yakuza, Faszination wuchs weiter und weiter. der japanischen Mafia, als Statussym­ 2001 entschloss sie sich dann dazu, bole getragen: ein Bodysuit bedeutet eine großformatige Körpertransfor­ mation vornehmen zu lassen: einen eine wirklich erfolgreiche Karriere. Bodysuit. Damit bezeichnet man eine Marisa steht auf der anderen Seite, Tätowierung, die den ganzen Körper in ihrem Job als Anwältin kämpft sie wie ein Anzug bedeckt, ausgenom­ für Gerechtigkeit. Ihren Bodysuit hat men sind hier allenfalls Hände, Füße sie in Zusammenarbeit mit Daniel DiMattia vom Calypso-Tattoostudio in Belgien entwickelt. Heute sind bei ihr Arme, Rücken, Bauch, Brustkorb, Ober­ schenkel und Füße mit komplexen Black Ink Stylings geschmückt. Marisa besitzt zusätzlich zu ihrem juristischen Abschluss übrigens auch noch einen Master in Journalismus: Sie schreibt regelmäßig Kolumnen für angesehene internationale Tattoomagazine, hält auch Vorträge über „Tattoorecht“ an juristischen Fakultäten, auf Tattoo-­ Conventions und an Kunstinstitutionen.

73


BODYART

Indigene Kunst von Mike The Athens auf einer Glatze. Mitte: Passgenaue Arbeit von Mikel Johnson.

„Black Tattoo Art II“ ist ihr viertes Buch, das von Edition Reuss produziert wurde. „Die Beweggründe, die zu Tätowie­ rungen führen, sind so verschieden wie die Körper, die sie tragen“, sagt die Autorin. „Und der künstlerische Ausdruck für dieses Beweggründe ist unerschöpflich.“ Im Kapitel Orna­ mental/Neotribal finden sich Arbeiten, die den Körper mit Mustern und Motiven so organisch wie möglich aufwerten, wobei sie so wirken, als ob die Menschen mit Kunst auf der Haut geboren wurden. „In diesem Genre“, so die Autorin, „werden Muster unterschiedlicher Kulturen vermischt und häufig mit einer modernen, bisweilen prunkrockigen Ästhetik infundiert.“ Ikonografie bis hin zu abgefahrenen Das Dotwork-Kapitel zeigt heraus­ Konstellationen“, sagt die Autorin. ragende Beispiele von Arbeiten, die Kapitel Celtic/Nordic wurde von Colin den mühsamen Prozess der Punktier­ Dale kuratiert. Er beleuchtet die fantas­ stichtechnik nutzen, um aus wenigen tischen Geschichten über jene Mythen Punkten anspruchsvolle und beein­ und Weisheiten, die sich hinter den druckte Werke zu erschaffen. Auf gezeigten Tätowierungen verbergen Rotations- oder Spulenmaschinen und ihre ursprünglichen Motive aus wird hier weitgehend verzichtet. „Die einer Zeit schöpften, als Götter über die Dichte, Linienführung und Formation Erde wandelten und Menschen ihren der Punkte sind sowohl mathematisch Glauben auf der Haut trugen. als auch künstlerisch konfiguriert. Die eher neue Tattoorichtung Ab­ Die Arbeiten beinhalten geheiligte stract/Art Brut steht für Intensität, Fiebrigkeit und kreative Freiheit, da diese nicht an strikte Formeln und Kon­ ventionen gebunden ist. „Tätowierer, die auf diesem Gebiet arbeiten, kennen die Regeln, wie man ein starkes traditio­ nelles Tattoo anbringt, brachen sie aber dann, um etwas noch Stärkeres, Wilde­ res und Erstaunlicheres zu kreieren“, schreibt Marisa Kakoulas. Der Abschnitt Tradi­tional Revival schließlich wirft einen Blick auf das Werk derjenigen, die die Tätowierung mit überlieferten Techniken, Zeremonien und Ahnengeis­ tern produzieren. Hier thematisiert die Kunst oft Zugehörigkeit und Familie.

74

„Tätowierungen spiegeln Verpflich­ tungen wieder, haben aber auch die Macht, zu verbinden“, erklärt Marisa. Dieser Gedanke ist wichtig, denn er macht deutlich, dass das, was wir an Zeichen und Botschaften auf unserer Haut hinterlassen, uns immer am nächsten ist. Wir können es nicht weg­ wischen, dieses Glaubensbekenntnis, den so vehement markierten Aus­ druck dessen, wer und was wir sind, oder sein wollen oder einmal waren.

Links: Die Autorin von „Black Tattoo“, Marisa Kakoulas, zeigt ihre kunstvoll verzierten Arme.


Foto // Eva Zocher

Reduzierte Zeichensprache: Eine Arbeit von Cy Wilson als Meisterwerk im Bereich Abstract/Art Brut.

Gerade vor diesem Hintergrund ist das Vertrauen in den ausführenden Künstler die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die eintätowierte Hinterlassenschaft wirklich den Kern unseres Wesens spiegelt. „Harmonie und Einklang mit dem Körper sind von größter Bedeutung“, sagt Marisa. Das Buch bietet insofern nicht nur eine Fülle von gestalterischen Anregungen, sondern zeigt die Wichtigkeit der gewählten Stilform und Symbolik, damit das auf der Haut hinterlas­ sene Kunstwerk seine Zeit überdauert.

Black Tattoo Art II Modern Expressions of the Tribal | Von Marisa Kakoulas | Edition Reuss | Großformat 24,5 x 31,5 cm, 448 Seiten | Texte in Englisch und Deutsch | Mehr als 600 Abbildungen und Illustrationen | Hardcover mit Fadenheftung | Preis 98 Euro

75


FOTOGRAFIE

K

ein Tingel, kein Tangel, Sara Fischer weiß, was sie will, und tut es dann meist auch. Die 21-jährige Toch­ ter eines holländischen Vaters und einer deutschen Mutter lässt sich nicht an die Leine legen. Auch wenn sie durch das Abitur gerauscht ist, tat das ihrer Entdeckungs­ lust und ihrem Selbstbewusstsein keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. „Wenn ich was will, dann schaff ich das auch“, sagt sie mit einer warmen Stimme, „auch wenn ich das vorher noch nie gemacht habe.“ In diesem konkreten Fall ging es um ein Praktikum bei dem US-amerikanischen Kultfotografen Spencer Tunick. „Tunick ist vor allem durch seine temporären

76

Installationen mit nackten Menschen bekannt geworden“, erklärt Sara. „Es sind gewissermaßen soziale Plastiken.“ Mexiko, Spanien, Schweiz – egal, wo der Künstler agiert, auf seinen Aufruf hin reißen sich stets Tausende Freiwillige die Kleider vom Leib. „Ich habe mich bei ihm beworben und irgendwann bekam ich die Einladung, mich bei ihm vorzustellen.“ Ein gutes Rüstzeug hierfür war ihre Erfahrung in der Disziplin der Fotodokumen­ tation. „Ich durfte einen Theaterfotografen sieben Wochen lang bei seiner Arbeit begleiten.“


HOCHGEFÜHLE IN BERLIN TEXT THOMAS GARMS FOTOS MARCEL GLASMACHER

DIE IN ANTWERPEN GEBORENE FOTOGRAFIE-STUDENTIN SARA FISCHER ZEIGT SICH VON IHRER ENTSPANNTEN SEITE.

77


Gekocht wird was schmeckt: Sara in ihrer Küche in Berlin.

Mit Spencer Tunick war sie 2013 unter anderem in Chile, wo sie ihm dabei half, in der Hauptstadt Santiago mehr als 4.000 nackte Menschen zu fotografieren – bei gerade mal vier Grad. Diese Zeit hat sie sehr geprägt, und so wundert es nicht, dass sich die zierliche Blondine entschloss, selbst ein Fotografie­ studium an der BTK – Hochschule für Gestaltung in Berlin zu beginnen. Schon als Schülerin auf einer Waldorfschule in Düsseldorf hatte sie immer wieder besondere Momente mit ihrer Kamera festgehalten. Aber genauso gern, wie sie hinter der Kamera agiert, lässt sie sich fotografieren. Mit ihrer unbefangenen, lockeren Art, ihrem schönen, ausdrucksvollen Gesicht und dem grazilen Körper ist sie für jeden Fotografen ein reizvolles Modell.

In Düsseldorf, wo sie vor ihrem Umzug nach Berlin lebte, lernte sie eher zufällig auch Marcel Glasmacher kennen, einen Künstler, der seine sinnlichen Mädchen-Shots am liebsten bei Tageslicht und in der authentischen Atmosphäre privater Wohnungen inszeniert. Später traf man sich in Berlin wieder. „Marcel baut keine Sets, sondern arbeitet mit dem, was da ist“, erzählt Sara. „Er fotografiert sehr schnell und konzen­ triert, gab mir aber die volle Kontrolle.“ Inzwi­ schen hat sie sich schon dreimal von ihm ablich­ ten lassen, das erste Mal angezogen, die beiden späteren Male ausgezogen. So sieht man jetzt auch die Tattoos von Sara. Vier Stück hat sie.

78


FOTOGRAFIE

„WENN ICH WAS WILL, DANN SCHAFF ICH DAS AUCH. AUCH WENN ICH DAS VORHER NOCH NIE GEMACHT HABE."

79


FOTOGRAFIE

„DIE LOTUSBLÜTE STEHT FÜR DIE REINHEIT UND SOLL MIR HELFEN, ALLE SORGEN VON MIR ABZUWASCHEN. UND FATIMAS HAND BESCHÜTZT MICH VOR EIFERSÜCHTIGEN BLICKEN.” Die Deutschbelgierin hat es gern gemütlich, mit vielen Kisssen und hellen Stoffen.

80


Sara steht auf Tattoos und markanten Silberschmuck.

„Die Lotusblüte steht für die Reinheit“, erklärt sie, „und soll mir helfen, alle Sorgen von mir abzuwaschen. Und Fatimas Hand beschützt mich vor eifersüchtigen Blicken.“ An ihrem Handgelenk zeigt sich noch ein kleiner Fisch. Er symbolisiert ihren Nachnamen Fischer. Inzwischen seien Marcel und sie dicke Freunde, sagt Sara. Ihre Unbefangen­ heit und Fröhlichkeit erleichtert es ihr, schnell mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. „Einen festen Freund habe ich derzeit nicht“, verrät die Deutschbelgierin. Berlin

81

sei viel zu aufregend, um sich an die Leine legen zu lassen. Wenn es draußen warm und schön ist, geht sie manchmal noch nach einem Seminar in den Park und macht es sich auf der Wiese bequem oder feiert ein bisschen bei einem der vielen kleinen Konzerte. Fast immer macht sie währenddessen ein, zwei interessante Bekanntschaften, mit denen es lohnt, über Gott und die Welt zu quatschen.


ADVERTORIAL

PERFEKTION IM AUGE DES STURMS

WARUM DIE FÄRÖER RETTUNGSCREW AUF DIE G-SHOCK GPW-1000 SCHWÖRT

VON FLORIAN SPIETH 82


Die Rettungspiloten müssen sich zu hundert Prozent auf ihre Ausrüstung verlassen können.

W

er es als Pilot und Rescuer ins Cockpit einer Bell 412 geschafft hat, hat eines der anspruchsvollsten Flugtrainings hinter sich. Wer dazu noch im Nordatlantik im Einsatz ist, um in Lebensgefahr geratene Menschen zu retten, gehört zu den Besten der Besten. Die Rettungscrew von Atlantic Airways hoch oben auf den Färöer-Inseln nimmt es mit einem Schulterzucken. Ihnen reicht das Privileg, Start­

83

erlaubnis zu bekommen, wenn alle anderen am Boden bleiben müssen. Alles, was sie wollen, ist eine Ausrüstung, die auch bei Orkanböen und in Gewitterfronten zu hundert Prozent zuverlässig bleibt. Sicher ein Grund, warum die Crewmitglieder eine G-SHOCK GPW-1000 am Handgelenk tragen: eine Weltneuheit, die als erste Armbanduhr der Welt Funk- und GPS-Signale empfängt.


ADVERTORIAL

EINE WELTNEUHEIT: EMPFANG VON GPSUND FUNKSIGNALEN. Die Färöer Rettungscrew der Bell 412 hat es nicht so mit kurzlebigen Trends. Wer professionell den Orkan reitet, ist eher an einem dauerhaft starken Auftritt interes­ siert. Deswegen beeindruckte die G-SHOCK GPW-1000 die Piloten direkt auf den ersten Blick. Sie ist sowohl für die Radiosignale der sechs über den Globus verteilten Funktürme erreichbar als auch für das Zeitsignal der 24 GPS-Satelliten im All. Damit zeigt die G-SHOCK GPW-1000 auch

dann die exakte Zeit an, wenn ein Funksignal nicht empfangbar ist. Praktisch für alle, die in mehreren Zeitzonen zu tun haben. Wie zum Beispiel die Rettungscrew, die in den USA trainiert wird, im Norden Europas arbeitet und rund um die Uhr alles gibt. Ob in der Luft oder am Boden: Ein starker Auftritt ist vor allem eine Frage des präzisen Timings. So sind die Männer von Atlantic Airways nicht mehr nur die erste Instanz, wenn es um fliegerisches Können, sondern auch, wenn es um die exakte Uhrzeit geht. Perfektes Timing kann Leben retten: Bei diesem Job ist Präzision gefragt, in jeder Lage.

Manchmal fliegen wir nachts oder an Tagen mit sehr schlechten Sicht­ verhältnissen. Auch mit dem LED-Licht bietet die Uhr eine sehr praktische Funktion. Dadurch wird das Zifferblatt einige Sekunden erleuchtet, sodass sich die Zeit leicht ablesen lässt. Danach schaltet es sich von selbst ab. Das ist sehr praktisch im Cockpit.” Captain Andreas Mouritsen / Atlantic Airways Rescue Crew

84


Die Rettungscrew der Faröer-Inseln muss auch dann in die Luft, wenn die Wetterbedingungen an einen Weltuntergang erinnern.

WENN JEDE SEKUNDE ZÄHLT, SIND DETAILS ENTSCHEIDEND. Die Hybrid-Technologie, die den Empfang von Funk- und GPS-Signalen ermöglicht, ist Hightech auf engstem Raum. Ultrakleine Module treiben die Zeiger der GPW1000 an und lassen so genug Platz für die Hybrid-­ Empfangstechnologie. Die GPS-Antenne ist zwar winzig und sehr sensibel für Signale – aber nicht für Stöße: Immerhin steckt sie in einem robusten Resin-Gehäuse. Maximale Effizienz der Motoren und eine neuartige Anordnung der Solar­zellen stellen die Energieversorgung der Uhr langfristig sicher. Zusätzlich ist in die Uhr eine Weltkarte in einer exakten 500-Meter-­Rasterauflösung integriert. Auf Basis dieser Geo-Information werden Sommer- und Winterzeiten berücksichtigt. Trotzdem wird man nicht „ortbar“. Denn die GPW-1000 sendet keine Signale.

85

In der Praxis bedeutet das, dass mit jedem Überschreiten der Zeitzone durch einen einfachen Knopfdruck die atomgenaue lokale Uhrzeit angezeigt wird und natürlich die für Piloten wichtige UTC-Zeit (Universal Time, Coordinated). Wer will, kann sich zusätzlich eine weitere lokale Uhrzeit in einer anderen Zeitzone anzeigen lassen. Selbstverständlich unter Berücksichtigung der Sommerund Winterzeit. BRILLANZ OHNE ALLÜREN. Jede Rettungscrew auf den Färöern hat jeweils eine ganze Woche Dienst. Gestartet wird immer dann, wenn es tough wird. Und das ist beinahe täglich. Eine GPW-1000 ist genau richtig hier. „Handle with uncare“ könnte ihr Motto sein. Sie ist stoßfest, widersteht Fliehkräften und Vibrationen. Außerdem ist sie bis auf eine Tiefe von 20 Bar Wasserdruck wasserdicht.


ADVERTORIAL

Nerven aus Stahl: Im Cockpit der Bell 412 landen nur die Besten der Besten.

Genau das macht sie unwiderstehlich für Leute, die eine Uhr tragen, um sie zu benutzen – ob im professionellen Einsatz unter extremsten Bedingungen oder auch dort, wo der erste Eindruck zählt. Immerhin schlägt in jeder GPW1000 das Herz einer echten G-SHOCK: Als ein CASIO-Ingenieur 1983 die Vision formulierte, eine „unzerbrechliche Uhr“ zu konstruieren, war das der Beginn der legendären G-SHOCKSerie. Seitdem hat sie sich ständig weiterentwickelt. Mit der GPW-1000 ist aus dem robusten Kraftpaket nun auch ein Hightech-Präzisionswerkzeug geworden. Die Rettungspiloten von Atlantic Airways achten gut auf sich und auf ihr

Material. Was die GPW-1000 angeht, sind sie jedoch bemerkenswert entspannt. So beweist sich die Vision des CASIO-Ingenieurs jetzt auch an einem Ort wie dem Nordatlantik. STIMMIGE VERARBEITUNG, DIE AUCH UNTER DER LUPE ÜBERZEUGT. Wer im Rettungseinsatz in einer Bell 412 knapp über der sturmgepeitschten See sitzt, weiß, dass es hart werden kann. Gut, dass diverse Ausfallmechanismen, eine starke Karosserie und korrosionsbeständige Instrumente vor vielen Eventualitäten schützen. Auch bei einer GPW-1000 ist die Verarbeitung aufs Extrem ausgelegt.

86


ÜBERRAGENDE PRÄZISION AUF EINEN BLICK. Eine limitierte Sonderedition entstand in Zusammenarbeit mit der Royal Air Force. Eine nützliche Händlersuche findet man auf www.gravitymaster.de. Die neue GPW-1000RAF ist in den exakten Grautönen gehalten, die man bei der Royal Air Force so häufig antrifft. Kontrastierende, im Dunkeln leuchtende Zeiger und Indizes setzen Akzente, während sich kräftige Farben wie Signalrot und Blau nur an wenigen Details finden. Abgerundet wird der Look der GPW-1000RAF durch das Logo der Royal Air Force, das sich auf der Schließe der Uhr zeigt.

Erleben Sie die Crew von Atlantic Airways und die GPW-1000 GRAVITYMASTER im Einsatz. Besuchen Sie uns im Internet: www.gravitymaster.de Oder einfach QR-Code scannen!

Aber auch die anderen Modelle der GAVITYMASTER-­ Kollektion müssen sich nicht verstecken, so hat zum Beispiel die GA-1000 eines der wichtigsten Instrumente im Flugverkehr – einen Kompass – an Bord. Dabei fungiert der Sekundenzeiger als Kompassnadel, so bleibt die Orientierung stets gewahrt – auch wenn man nicht im Helicopter sitzt!

87


KOPFSCHMERZ STATT SONNENBRAND

TEXT & FOTOS FELIX GÄNSICKE & LUCAS GÜNTHER AUFGEZEICHNET VON INA KRUG

EIN GEMÜTLICHER SURFAUSFLUG SIEHT ANDERS AUS. HIER ERZÄHLT DIE BINSURFEN-CREW VOM KAMPF MIT DEN ISLÄNDISCHEN WELLEN.

88


Höhle im Schneefeld in den Bergen Islands

"

S

echs Millimeter dickes Neopren füllt sich langsam mit Schweiß. Die Sonne steht hoch am Himmel, es sind schätzungsweise 20 Grad. So stehe ich da, in der einen Hand die Unterwasserkamera, in der anderen die Flossen. Neben mir machen sich Jonas Bronnert, Christian Spicker und unser isländischer Guide fertig. Sie kämpfen mit ähnlichen TemperaturProblemen wie ich. Die Bretter werden vom Dach geschnallt. Es kann losgehen. Das Ziel: kein perfekt brechender Beachbreak, nicht einmal der Ozean. Aus 20 Metern Höhe fällt das eiskalte Gletscherwasser in die Tiefe ... Touris­ten beobachten durch ihre Kameras vom sicheren Ufer, wie einer der schönsten isländischen Wasserfälle mit seiner gesamten Kraft in das Flussbett knallt. Da wollen wir rein!“

89

ABENTEUER

Icecream Headache statt Hottub Sunburn – das norddeutsche Surfer­ team Binsurfen hat mal kein typisches Sommer-Sonne-Strand-Video gedreht. Boardshorts und Hitze wurden für den ersten deutschen Independent-Surffilm gegen dicke Neoprenschichten und Kälte getauscht, auf der Jagd nach noch nie gesurften Spots und menschenleeren Wellen. Der geplante Titel „Headache“, eine Anspielung auf Kopfschmerzen, die von einer zu großen Ladung Speise­eis herrühren, führt unsere Crew ins Land der Gletscher und Feen. Der Blick verliert sich in der Wei­­te der Landschaft, die Gebirgsketten am Horizont trotzen mit scharf­kan­ tiger Urgewalt der Zivilisation, ein Wasserfall nach dem anderen, zahllo­ se menschenleere Wellen.


ABENTEUER

NUN WIRD ES UNRUHIG, DIE WELLEN "KLATSCHTEN MICH IMMER WIEDER GEGEN DIE SCHARFKANTIGEN FELSEN."

Angekommen in einer neuen, frem­ den Welt, in der die Dinge vollkom­ men ineinanderpassen. Die Stille ist ohne Echo, breitet ihre Flügel aus und erlaubt den Sinnen volle Konzentra­ tion auf das Hier und Jetzt sowie das vor einem liegende Abenteuer. Vier junge Männer, lange Haare, voller Tatendrang, ein Haufen Gepäck. Surfboards, gut ein Duzend. Und die falschen Klamotten. Im August hießen noch ganz annehmliche Temperaturen von acht bis zehn Grad im Wasser auf Island das Team willkommen. Doch die knapp südlich des Polarkreises gelegene Insel macht schnell deutlich: Konstant ist anders. In der einen Se­ kunde 18 Grad und Sonnenschein, im nächsten Moment schlägt das Wetter um – steinharter Prasselregen und eiskalter arktischer Wind.

Die größte Vulkaninsel auf Erden zeigt der Binsurfen-Crew neben ihrer Schönheit auch immer wieder die kalte Schulter. Es ist etwas anderes, ob man in Frankreich oder Kalifornien in Shorts surfen geht oder von einer sechs Milli­ meter dicken Neoprenschicht vor dem Gefrierpunkt geschützt wird. Da die Jungs in Deutschland hauptsäch­ lich nur im Herbst, Winter und Frühjahr ordentliche Wellen von Nord- und Ostsee aufgetischt bekommen, wähnen sie sich kälteresistent. Weil sie den eingeschränk­ ten Bewegungsfreiraum, die schnelle Erschöpfung und die gelegentlichen Unterkühlungen so schön finden, wird der neue Film ausschließlich in nordischen Gewässern gefilmt. Island, Schottland, Dänemark, Schweden und die heimische deutsche Küste stehen auf dem Plan. Der Film steckt mitten in den Dreharbeiten.

Bei Jonas verrücktem Trickrepertoire kriegen die anderen Jungs große Augen.

Die Crew genießt eine heiße Quelle bei eisigen Außentemperaturen mitten im Nirgendwo.

90


„‚Listen Guys, this is serious!’, warnt der isländische Guide und appelliert an unseren Verstand. Auf keinen Fall trennen, und immer fern von der Mitte der Fluten bleiben. Crewmitglied Lucas Günther fügt sich seinem Schicksal und gesellt sich zu den asiatischen Kollegen, um die Aktion per Kamera von Land aus festzuhalten. Wir ziehen los. Mindestens ein Dutzend Objektive folgt uns. Aus der Ferne betrachtet sieht der Wasserfall eigentlich ganz gemütlich aus: Ein feiner Nebel bildet einen gigantischen Regenbogen, Möwen lassen sich von den auf- und abfallenden Winden umherwerfen. Wir haben noch keine Ahnung, was für Kräfte uns da erwarten. Während wir uns den Fluten nähern, fange ich an, mich um die HD-Slowmotion-Kamera zu sorgen, in die meine letzten Ersparnisse geflossen sind. Hoffentlich hält das Gehäuse, was es verspricht. Ein letzter Check: Einstellungen, Akku, ISO und Blende – alles passt.

Aufgrund der Höhe entsteht unter dem Fall, dort wo das Wasser aufprallt, ein gigantischer, bis zu fünf Meter tiefer Strudel. Dort hineinzugeraten ist lebensgefährlich. Wir durchqueren den tosenden Wasservorhang, eng an die Wand gepresst, und verschwinden im Dunkel. Die Sicht nimmt schlagartig ab. Der erst leichte Regen verwandelt sich in schmerzhaft prasselnde Nadelstiche. Ich habe Mühe, die Augen offen zu halten. Im hüfthohen Wasser rutsche ich ständig aus, versuche krampfhaft irgendeinen Halt zu finden und den anderen zu folgen. Nach einer Weile erreichen wir eine ruhigere Stelle. Wir sind nun genau hinter dem Katarakt: Im Rücken die Felsen und vor uns eine Wand aus Wasser. Plötzlich dreht sich der Guide um und brüllt Christian irgendetwas ins Ohr. Er sieht alles andere als entspannt

91

aus. Dann ist er weg. Christian signalisiert mir, dass er durch den Lärmpegel nichts verstanden hat. Mit Regel Nummer eins im Kopf beschließen wir, ihm zu folgen. Nun wird es unruhig, die Wellen klatschten mich immer wieder gegen die scharfkantigen Felsen. Nur mit Mühe kann ich die Kamera festhalten. Die Sicht beschränkt sich auf weniger als einen halben Meter und die Panik steht in Christians Gesicht geschrieben. Ich versuche, die aufkommende Unruhe zu unterdrücken. Außer uns beiden sehe ich niemanden. In einem unachtsamen Moment rutsche ich aus, werde von einer großen Welle gepackt und auf der anderen Seite des Wasserfalls wieder ausgespuckt. Kurz darauf kommt Christian auf gleichem Weg. Im Wahn teste ich meine Kamera. Alles voller Wasser. Beim Schlag gegen die Felswand muss das Gehäuse etwas abbekommen haben."


ABENTEUER

Von links nach rechts: Die Jungs haben einige bisher ungesurfte Wellen entdeckt. | Jonas beim Cutback | Ab und an wären die Boards fast vom Dach geflogen. | Jonas verbraucht 20.000 Kalorienl am Tag. | Größere Wellen als erwartet | Unzählige Wasserfälle und Flüsse | Papageientaucher sind die knuffigsten Vögel der Welt. | Wasserglitzern

92


Lucas und Jonas wagen sich nah an den Wasserfall heran. Die Sicherheitsabsperrungen sind den Tourimassen nicht wirklich gewachsen.

Niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde, auf der Insel nahe dem Polarkreis zu surfen. Dass es aber zu einer derarti­ gen Hölle werden könnte, haben sie sich indessen nicht wirklich ausgemalt. Auf Island wechselt die surreale Landschaft ebenso überraschend wie das Wetter. Ne­ ben Fjorden, die so malerisch daliegen wie ein Postkartenmotiv, und bizarren Lavaland­ schaften schießt kochend heißer Dampf aus der Erde empor – kein Wunder, dass Island berühmt ist für mystische Geschichten über Feen. Und für Weltklasse-Surfspots. Gleich hinterm Flughafen in Reykjavik reihen sich die ersten Spots entlang der Küstenstraße aneinander. Vulkanketten und zerklüftete Felswände teilen sich immer wieder und geben den Blick frei auf schwarze Sandstände mit menschenleeren

93

Wellen. Um an die entlegensten Spots zu kommen, ist allerdings ein Auto mit Allrad nicht nur hilfreich, sondern schlicht notwendig. Spitze Steine knallen ohne Unterlass gegen das Blech, Schotterpis­ ten und Schlaglöcher machten die Suche nach den Wellen für die Binsurfen-Crew zu einem Abenteuer. Ein Zustand, der sie mehr als einmal veranlasste, anzuhalten, auszusteigen und die aufs Autodach geschnallten Boards zu richten. Nicht aus­ zumalen, wenn die wertvolle Fracht mitten im Nirgendwo verloren ginge.

AUF ISLAND WECHSELT DIE SURREALE LANDSCHAFT EBENSO ÜBERRASCHEND WIE DAS WETTER.


ABENTEUER

Wo gibts schon so einen Blick?

ÜBER DIE BINSURFEN-CREW

Mit Wetterbericht und Gezeiten als Kompass jagen die vier jungen Männer den Wellen hinterher. Weil es im Sommer kaum dunkel wird, sind Surf-Sessions bis zwei Uhr nachts kein Problem. Allerdings bei Temperaturen knapp über dem Gefrier­ punkt. Auch eine interessante Erfahrung. Schulter- bis doppelt kopfhohe, zum Teil noch nie gesurfte Wellen belohnen sie für die Mühe, ebenso die heißen Quellen, die die steifen Glieder wärmen. Kaum ist die eine Mission zu Ende, beginnt die nächste.

Die Surfkultur in Deutschland entwickelt sich stetig weiter und hat inzwischen eine lebendige Szene von Gleichgesinnten entstehen lassen. So auch die Jungs von Binsurfen, eine Gemeinschaft von jungen und motivierten Leuten, die Spaß am Reisen, Surfen, Fotografieren und der Arbeit mit Holz haben. Das Kernteam besteht aus vier begeisterten Wellenreitern: Phil, Lucas, Dan und Felix. Vor ein paar Jahren hatte mal einer aus der Gruppe seiner Mutter einen Zettel auf den Tisch gelegt: Mami, bin surfen. Daraus ist der Name entstanden.

Zurzeit macht die Binsurfen-Crew die Wellen Schottlands unsicher. Als nächs­ tes stehen für das Headache-Filmprojekt Schweden, Dänemark und die heimischdeutschen Gestaden auf dem Plan. Immer auf der Suche nach der perfekten Welle.

Hinter den Wasserfall ... Total doofe Idee!

94


STRATEGISCHER WENDEPUNKT

VON SIMON SCHUMACHER FOTOS LARS WEHRMANN

MEIN TRAUMAUTO SEIT KINDERTAGEN? EIN PORSCHE 911. NUN SITZE ICH IM NEUEN MACAN. WAS WIRD AUS MEINEM TRAUM? 96


MOTOR

D

ie Errungenschaften in der horizontalen und vertikalen Fort­ Egal wie es kommt: Der Macan bewegung des Menschen sind atemberaubend und fantas­ nimmt so ziemlich alles tisch. Ebenso bahnbrechend sind auch die Entwicklungen in kraftvoll unter die Räder. der automobilen Welt. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man in einem Fahrzeug wie dem Porsche Macan sitzt, kann aber auch bedeuten, dass man sein Angelzeug auf die Ladeflä­ der seinen Besitzer in vielen Lebensbereichen che schmeißen will, um dem Hecht in der Schlei die Stirn zu bieten. nicht allein lässt. Das Auto verleiht zunächst Ganz abgesehen von jenen unzähligen anderen Aufgabenstellungen, einmal physische Mobilität auf sämtlichen die man bequem, zweckmäßig und stilvoll zu erledigen hat, etwa den Wegen, die der moderne Nomade so kreuzt. an einem schmerzhaften Rückenleiden erkrankten Chef zum Bahn­ Das können Situation sein, wo man ein Mäd­ chen zum ersten Mal vor der Haustüre abholt, hof zu bringen oder mit den Kumpels nachts im Wald zu grillen. um zum Zwecke nächtlicher Abenteuer in den Dann kommt noch der Wunsch hinzu, als abgelenkter Autofahrer urbanen Asphaltdschungel einzutauchen, das möglichst lückenlos mit gehorsamen elektronischen Helferlein von seinem Gefährt auf rote Ampeln und die allgegenwärtigen schikanö­ sen Speedlimits aufmerksam gemacht zu werden.

97


Kräftig und allzeit zum Sprung bereit. Dabei aber leichtfüßig und ausdauernd im Gelände.

Der Macan kann all das und ohne große Diskussionen – das sei an dieser Stelle schon mal verraten. Dieser kompakte SUV ist ein feudales Fortbewegungsmittel und ein guter Kumpel mit breiten Schultern zum Anlehnen. Er lässt einen für keinen Moment vergessen, dass hier eine Sportwagenschmiede für Agilität und Kraftre­ serven gesorgt hat, dass ein perfekter Mix von Da ein Auto immer auch ein Stilstatement ist, verleiht die Marke Ästhetik, Haptik und Design bereitsteht, wohin Porsche schon von vornherein mal Autorität. Aber damit hört es nicht auf. Der Macan, deutlich kleiner als sein großer Bruder Cayenne, turnt auch immer die Reise gehen soll. trotz und dank der aufwendigen Antriebs- und Fahrwerkstechnik un­ glaublich behände herum. Kurven nimmt er stramm und der kehlige Sound des Motors zeigt an, woher der Wind weht oder, besser gesagt, die Musik spielt. Geigen singen und Posaunen schmettern, immer wenn man auf das Gaspedal tritt. Unter meinen Beifahrerinnen war die Verzückung groß, sobald sie Zeuginnen jener Spitzenwerte beim Beschleunigen und Bremsen wurden, die der Macan zu bieten hat.

Auch die äußere Erscheinung ist nicht von schlechten Eltern: Flach und breit steht dieses Auto auf der Straße. Eine übergreifende Motorhaube und eine flach abfallende Dachlinie unterstreichen den Gesamteindruck sportlicher Eleganz und kraftvoller Dynamik. Die Motoren, die Antriebs­ systeme und das siebenstufige Porsche-Doppel­ kupplungsgetriebe (PDK) setzen diesen Auftritt auf der Piste und im Gelände in ein reichlich Der Name des Autos stammt von der indonesischen Bezeichnung Glückshormone spendendes Fahrerlebnis um. Fah­ für Tiger. Und genau so versteht der Macan sich auch: Kräftig und rer und Gäste sitzen dabei sportwagentypisch tief. allzeit zum Sprung bereit. Dabei aber leichtfüßig und ausdauernd im Gelände. Die aktuelle Evolutionsstufe des Allradantriebs gilt als eins der leistungsfähigsten Antriebssysteme der Welt – das Porsche Traction Management (PTM). Mit dem Macan bietet Porsche sportli­ che Allradfahrzeuge in einer Bandbreite wie nie zuvor. Ein Auto wie den Macan will man ganz für sich haben und nicht auf vorgegebenen Routen fahren.

98


MOTOR

Ein bisschen Dreck muss sein: Der Macan nach Muskelspielen im matschigen Gelände.

Frei Haus gibt es ein MultifunktionsSportlenkrad mit Schaltpaddles, große Räder, ein leistungsfähiges Audiosystem sowie eine elektrisch betätigte Heck­ klappe. Der Drehzahlmesser ist das bestimmende Element der fünf runden Anzeigenflächen, auf die man durch das Lenkrad schaut. Die Mittelkonsole erin­ nert durch Form und Vielfältigkeit der Bedienknöpfe an die eines Düsenjets. Doch braucht auch ein weniger interessierter Autofreund keine Angst vor ihr haben. Die grafischen Bezeichnungen sind selbsterklärend, sodass das Boardbuch im Hand­ schuhfach liegen bleiben kann. Gegen einen entsprechenden Obolus kann man zusätzlich eine Luft­ federung ordern oder das Porsche Torque Vectoring Plus (PTV Plus), eine variable Verteilung des Antriebsmoments an den Hinterrädern in Verbindung mit einer elektronisch geregelten Hinterachs-Quersperre. Hinzu kommt das dynamische Fernlicht als Bestandteil des Porsche Dynamic Light System Plus (PDLS Plus), das stufenlos die Leuchtweite an den vorausfahrenden und entgegenkommenden Verkehr anpasst. Mein Testfahrzeug, ein Macan S Diesel, präsen­ tiert sich mir in jungfräulichem Weiß. Genau so stelle ich mir auch meine Zukünftige vor. Und ich ahne, dass weder er noch sie lange sauber bleiben wird. Als (Auto-)Liebhaber gehört für mich bei der Erstbesichtigung ausgiebiges Anfassen einfach dazu. Hast du mal beobachtet, wie deine Freundin eine neue Jacke kauft? Genau so: Sie knautscht das Material – ein Griff entscheidet zwischen

Geigen singen und Posaunen schmettern, immer wenn man auf das Gaspedal tritt.

Anerkennung und Ablehnung. Mir geht es bei neuen Autos ähnlich. Und so bleiben meine Hände besonders lange am Heck hängen und streicheln hingebungsvoll an den schmalen Rückleuchten in 3D-Optik entlang. Dieses Design habe ich bei einem Serienfahrzeug noch nicht gesehen. Es ist das Highlight der Heckansicht und macht den Macan zu einem besonderen Auto – wenn man hinter ihm herfährt. Allerdings: Ich bin nicht der Typ, der irgendwem hinterherfährt, son­ dern bewege mich lieber mit breitem Grinsen durch die schlammigmatschigen Wege abseits des Asphalts. Mir gefällt das „Quattro made by Porsche“-Konzept, bei dem der Allrad grundsätzlich eher ein Heck­ antriebler ist und die Vorderräder nur bei Bedarf zugeschaltet werden, sehr gut. Der Macan tritt so deutlich dynamischer auf als andere Fahr­ zeuge dieser Klasse. Ich schalte alle Assistenzsysteme aus – „no risk, no fun“ – und doch treibt es mir den Schweiß auf die Stirn, möchte ich doch nur ungern den Testwagen gegen einen Baum manövrieren. Stattdessen fahre ich mit Vollgas in eine riesige Pfütze, meterhoch spritzt der Matsch – genau das Richtige für einen Großstadtcowboy, den es in die Wildnis zieht, um ein bisschen Spaß zu haben.

99


MOTOR Das Cockpit wirkt aufgeräumt und clean, genauso wie das Werk in Leipzig, wo der Macan entsteht.

Wer es sauberer mag, bleibt auf der Straße. Doch vorher erst einmal in die Wasch­ straße. Ich gebe zu: Die neidischen Blicke der anderen gefallen mir sehr gut. Neid ist die schönste Form der Anerkennung. Blitzeblank macht der Macan auch auf festem Untergrund eine Menge Spaß. Mit einem Hauch von mehr als sechs Sekunden spurtet der Tiger auf 100 Kilometer pro Stunde. 580 Newtonmeter preschen ihn auf offizielle 230 Stunden­kilometer Maximalgeschwindigkeit. Auf meiner Autobahnfahrt zwischen Hamburg und Kiel um zwei Uhr morgens ist sogar noch etwas mehr drin. 244 steht in LED-Schrift am unteren Rand des Drehzahlmes­ sers, was mich noch zufriedener die letzten Kilometer ausgleiten lässt.

Dass der kompakte SUV auf der Basis des Konzern­ bruders Q5 entwickelt wurde, kann man nur erahnen, da zwei Drittel der Teile verändert oder angepasst wurden. Es ist ein bisschen so, als würde man den eher biederen Clark Kent in eine Telefonzelle stecken und heraus kommt Superman. Das Ergebnis ist ge­ nau das, was man von einem Porsche erwartet: Er fühlt sich sportlich an, wie man es gewohnt ist, agil und dynamisch. Die Beliebtheit des neuen Porsche-Modells ist Fluch und Segen zugleich. Denn wer ihn haben will, muss sich in Geduld üben. Jetzt bestellt, dauert es rund sechs Monate, bis der Traum vor der Tür steht. Apropos Traum – wünschen darf man sich ja alles. Ab sofort hätte ich gern beides: einen Macan – und einen 911er.

Es ist ein bisschen so, als würde man den eher biederen Clark Kent in eine Telefonzelle stecken und heraus kommt Superman.

FAKTEN Porsche Macan S Diesel Preis: ab 58.442 Euro Leistung: 190 kW (258 PS) Verbrauch: Kombiniert in l/100 km 6,3 – 6,1

100


N E T O IM R ICH BERE OS PABLO AGE FOT T IL R Y C TEXT

Eine Liebe, die unter die Haut geht: Zwei ihrer Tattoos verbinden die Schรถne mit ihrem Freund.

102

O SABORID


EROTIK

CATHARINA BELLINI TAUSCHTE DEN GLAMOUR EINES MODELLEBENS IN CHINA GEGEN DAS EINFACHE LEBEN IN IHRER HEIMAT IN Sテグ PAULO.

103


EROTIK

er Rotschopf Catha­ rina Bellini wuchs in einem ruhigen Viertel von São Paulo auf. Mit 18 Jahren ließ sie alles sausen, um Model in China zu werden. Schon bald hatte sie sich heillos in der Welt des Glamours und der Partys ver­ loren. Doch dann kehrte sie zurück nach Brasilien und entdeckte die Freude an den einfachen Dingen des Lebens. Taipei City, China 2010. Das bildschöne Model aus São Paulo lädt seine Energie wieder auf, indem es eine riesige Portion mit gebratenem, fettigem Hühnerfleisch verschlingt. Das Essen kommt aus einem Fast-Food-Lokal neben der engen, sticki­ gen Wohnung, wo sie mit anderen Models

lebt. Der Tag war stressig, voll mit Foto­ shootings während des Tages und Partys mit vielen Drinks am Abend. Geboren und aufgewachsen ist sie in einem der traditi­ onsreichsten Gastronomieviertel von São Paulo, in Penha. Sie hat schon immer gut gegessen, nie Probleme mit der Ernährung gehabt, keine Krise mit der Waage. „Ich habe erst gemerkt, dass ich an Gewicht zugelegt habe, als ich meine Jeans nicht mehr schließen konnte. Ich trank zu viel, aß zu viel und nahm fast zehn Kilo zu.“ Das war der erste Warnschuss für Catharina. Ein Jahr verging und sie lebte weiterhin nach dem Motto „work hard, party hard“, fast 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, aber dieses Mal begleitet von einer Agentur, die alles vorgab.

104


105

Glamour und Rampenlicht sind ihr nicht mehr wichtig.


Malerei und Fotografie sind die Leidenschaft der sinnlichen Brasilianerin.

106


EROTIK

„ICH DENKE, ES IST EINE ART GESCHENK, SCHÖN GEBOREN ZU SEIN UND DIE GELEGENHEIT ZU HABEN, ES AUSZULEBEN.“

„Diese Leute sagten mir, ich sei fett und sollte um jeden Preis Gewicht verlieren. Und ich bin 1,62 groß und wog 50 Kilo.“

sondern auch andere Dinge als wichti­ gen Teil meiner Person erkennen: meine Bilder, meine Zeichnungen.“

Der Arbeitsdruck nahm zu, während ihre Lust auf dieses Leben immer weiter nachließ. „Als ich nach Asien zog, konnte ich nicht einmal Englisch sprechen, war überhaupt nicht vernünftig vorbereitet“, erzählt sie. „Ich hatte etwas anderes erwar­ tet, und wenn ich zu Fotoshootings ging, fühlte ich mich nicht wohl mit diesem ganzen Posen. Ich war erschöpft, emoti­ onal unausgeglichen und verpasste den Flug zurück nach Brasilien.“

Vom Modelleben hat sie einige wichtige Lehren mitgenommen. Sie begriff, wie wichtig es ist, das zu schätzen, was sie selbst wollte, dass Menschen bei ihr schätzen: die Persönlichkeit. Sie verachtet diejenigen, die sich ausschließlich um ihre Eitelkeiten kümmern: „Die meisten der Models waren so. Markenkleidung, teure Partys, alles sehr schön, aber innerlich leer.“

Fast zwei Jahre später hat sie ihr Gleich­ gewicht wieder zurückgewonnen. Catha­ rina, jetzt 21, lebt inzwischen wieder in São Paulo, mit ihrer Familie in der Nach­ barschaft. Über ihren Großvater lernte sie ihre Vorliebe für Malerei und Kunst neu kennen. Vom Vater bekam sie eine Gitarre aus den 80er-Jahren geschenkt und entdeckte ihre musikalische Vorliebe für klassische Rock-Bands wie AC/DC, The Doors und Jimi Hendrix wieder. Von der Mutter erbte sie die Schönheit, die sie voller Stolz zeigt. „Ich denke, es ist eine Art Geschenk, schön geboren zu sein und die Gelegenheit zu haben, es auszuleben. Aber wichtiger ist mir, dass die Leute mich nicht nur schön finden,

Catharina kümmert sich nicht mehr länger um Designerklamotten und ein glamourö­ ses Aussehen. Ihr Alltag ist viel einfacher. Sie arbeitet in einem Einkaufszentrum, teilt sich die Wohnung mit ihrem Freund, investiert ihr Geld in Kurse für Malerei und Fotografie und verbringt die Freizeit mit Gitarre spielen. Sie hat den Körper voller Tattoos, zwei davon zu Ehren des Freundes: eine Perle („ein wertvolles und zartes Glanzstück, das vorsichtig behan­ delt werden muss, so wie ich“) und ein wei­ teres von einer Katze, um ihr Wiedersehen zu besiegeln von vor fast einem Jahr. Und so baut Catharina neue Lebensgrundlagen weit weg vom Rampenlicht und dem Hype des Modebusiness, genießt die einfachen Dinge des Lebens. „Diejenigen, die uns wirklich glücklich machen, klar?“

„DIE MEISTEN DER MODELS WAREN SO. MARKENKLEIDUNG, TEURE PARTYS, ALLES SEHR SCHÖN, ABER INNERLICH LEER.“

107


„WORK HARD, PARTY HARD“, FAST 24 STUNDEN AM TAG, SIEBEN TAGE DIE WOCHE.

108


EROTIK

109

Catharina ist stolz auf ihren schรถnen Kรถrper.


FLUCHTPUNKTE

AFRIKAS HERRLICHE SEELE VON GEORGIA GARMS

KAUM EINE REISEFORM WECKT SO VIELE TRÄUME WIE EINE SAFARI. IN TANSANIA IST MIT DER LUXURIÖSEN CHEM CHEM SAFARI LODGE EIN REFUGIUM ENTSTANDEN, DAS GROSSARTIGE TIERERLEBNISSE UND TIEFE RUHE VERSPRICHT.

110


W

er hinaus will zu den Tieren, muss sie erst mal sehen lernen. Das wäre zumindest ein Anfang. Später würde man auch noch ihre Gewohnheiten entdecken und sich die Frage stellen, wie die Welt wohl aussah, als es noch keine Menschen gab: In unendlich freier Wildbahn ziehen die Büffel, Giraffen, Löwen und Elefanten durchs Land, während sich der Himmel wie ein tiefes blaues Meer über der Savan­ ne wölbt. Eine der wichtigsten Lektio­

Naturnah: Die Unterkünfte der Lodge sind eine Mischung aus Haus und Zelt.

nen: In Afrika gehen die Uhren anders. Wer das erwachende Leben sehen will, muss in der Nacht aufstehen und mit den Jeeps in den Sonnenaufgang hinein­fahren, um die vielen von Wär­ me und Schönheit durchfluteten Bilder abspeichern zu dürfen – für die Tage in der Kälte ohne Licht. Fabia Bausch und Nicolas Negre sind inzwischen geübte Instruktoren, um in die Geheimnisse der afrikanischen Tierwelt einzuführen. Gemeinsam mit

111

tansanischen Mitarbeitern bewirt­ schaften die ehemalige Investment­ bankerin aus Meggen und ihr Partner die Chem Chem Safari Lodge in Tansania. Vor zehn Jahren hatte sich Fabia entschlossen, der Finanzwelt den Rücken zu kehren und sich eine sinnerfülltere Aufgabe zu suchen. Auf den Bahamas lernte sie Nicolas Negre kennen, einen französischen Groß­ wildjäger und Fotografen. Dieser war von der Vision beflügelt, in Ostafrika eine Safarilodge zu eröffnen.


FLUCHTPUNKTE

DIE ZELTE SIND ETWA 100 QUADRATMETER GROß UND VERFÜGEN ÜBER EIN GROßES SCHLAFZIMMER, BADEZIMMER EN SUITE UND AUßENDUSCHE.

Zurück in der Schweizer Heimatließ Fabia der Gedanke an diese Idee nicht mehr los. Kurzerhand beschloss sie, Nicolas in Ostafrika zu besuchen, um herauszufinden, ob sie überhaupt in Tansania leben könnte, weit weg vom Pulsschlag der Großstädte und der vertrauten Kultur. Doch die Faszination dieser weiten Landschaft, der Duft, die Flut der Glückshormone, all das machte es der Schweizerin leicht, ihre Entschei­ dung zu treffen. In Tansania, zwischen dem TarangireNationalpark und dem Manyara-See, sicherten sich Fabia und Nicolas über eine Konzession schließlich viertau­ send Hektar Buschland als Standort

Perfekte Symbiose: Natursteine und massive Hölzer prägen die Zelt-Suiten.

112

für ihren Lebenstraum. Umgeben von Bäumen und Palmen warten heute acht auf Stelzen gebaute Zelt-Suiten und ein Haupthaus auf die Gäste. Die Zelte sind etwa 100 Quadratmeter groß und verfügen über ein großes Schlafzimmer, Badezimmer eine suite und Außen­ dusche. Das Design wurde in erdigen Farbtönen gehalten und der Steinboden und die verwendeten natürlichen Mate­ rialien fließen in ein harmonisches, na­ türliches Ganzes. Die Wände sind mit stilvoller Landschafts- und Tierfotogra­ fie aus Tansania dekoriert. Im Außen­ bereich befindet sich zusätzlich noch eine kleine Lounge mit einem Daybed, wo man wunderbar seinen Gedanken nachhängen und entspannen kann.


Mit viel Liebe zum Detail sorgen die Gastgeber für ein einmaliges Afrika-Erlebnis.

Die Zelte stehen jeweils rund achtzig Meter weit voneinander entfernt unter schattenspendenden Bäu­ men und bieten reichlich Privatsphäre. Vom Haupt­ gebäude geht es zuerst über Holzstege und dann über mit großen Kieselsteinen belegte Pfade zu den Unterkünften. Das Haupthaus selbst befindet sich in einem Palmenwäldchen. Vom Eingang führt ein Holzsteg in die Lounge, den Essbereich und in die Bibliothek. Von hier aus öffnet sich die Sicht auf die

113

Ebene vor der Lodge und auf das von Tieren gut besuchte Wasserloch. Die beste Aussicht allerdings bietet eine Art Plattform, die ins Gebäude integriert wurde und von der aus der Lake Manyara und die Silhouette des Great Rift Valley im Dunst der afrikanischen Hitze erahnt werden können. Für die Erholungs­ phasen zwischen den Safaris bietet das Chem Chem auch ein Spa und einen Swimmingpool aus Vulkangestein. Das Schwimmbecken liegt abseits und ist sehr schön, allerdings eben einen kleinen Fußmarsch entfernt.


FLUCHTPUNKTE

114


115

Zahlreiche Giraffen ziehen in freier Wildbahn majest채tisch durchs Land.


FLUCHTPUNKTE

Fressen und gefressen werden. Hyänen zerreißen ein Stück Wild. In nächster Nähe galoppieren Zebras vorbei.

Schon nach kurzer Zeit wird klar, warum Fabia Bausch und Nicolas Negre genau diesen Ort für ihre Safarilodge gewählt haben. Sie liegt in der Savannen­ landschaft, die den Korridor für die jährliche Tierwanderung zwischen dem Tarangire-Nationalpark, dem ManyaraNationalpark und dem SerengetiÖkosystem bildet. Neben Pirschfahrten bietet sich auch die Möglichkeit zu Wanderungen und Ausritten. Die Ostseite des Lake Manyara liegt nur

circa fünf Minuten Fahrt von der Lodge entfernt, der Tarangire-Nationalpark befindet sich auf der anderen Seite der Straße und das Eingangstor ist in einer Viertelstunde erreichbar. Chem Chem (auf Suaheli das Wort für Quelle) vereinigt also beide Welten, den tro­ ckenen und elefantenreichen TarangireNational­park und die Wasserwelt des Lake Manyara. Die Wildtierkonzentra­tion und -vielfalt ist während der Trockenzeit von Juli bis Oktober beeindruckend.

116


Links: Fabia und Nicolas mit Mitarbeitern. Rechts: Ein Gepard in Sichtweite der Lodge.

Löwen, Leoparden, Geparde und sogar die seltenen Karakal-Katzen gehen hier auf Jagd. Auch Büffel sieht man oft, ge­ nauso Giraffen, Impalas, Kudus, Wasser­ böcke, Gazellen, Oryxantilopen und jede Menge Elefanten. Der Lake-ManyaraPark bietet dasselbe in kleinerer Dichte, aber vor dem schönen Hintergrund des Sees. Hier finden sich oft Pelikane und Flamingos ein. Die nächstgelegenen Flughäfen sind der Kilimanjaro Inter­ national Airport (zweieinhalb Stunden) und der Arusha Domestic Airport (eineinhalb Stunden). Es hatte über zwei Jahre gebraucht, bevor Fabia und Nicolas alle Konzessi­ onen und die Finanzierung gesichert hatten. In jedem Stein, jedem Holzbal­ ken, jedem Baum und jedem Möbel­ stück steckt der Wille der Betreiber,

diesen Ort zu einem magischen Erleb­ nis zu machen. Maximale Entschleuni­ gung und die Schärfung der Sinne sind hier Programm. Der nicht ganz selbst­ verständliche Luxus, den man hier weit draußen in der Lodge erlebt, ist die Ba­ sis eines Verwöhnprogramms, das sich vor allem durch die hingebungsvolle Betreuung durch die Gastgeber und das grenzenlose Naturerlebnis entfaltet. Wer seine Geduld schult und sich einlässt auf den ewigen Rhythmus einer archaischen Tierwelt, findet hier zurück in das Empfinden von tiefer Stille und seelischer Ruhe. Die Intimität des Ortes und das Gefühl, weit entfernt von der urbanen Reizüberflutung sein Blickfeld neu fokussieren zu dürfen – all das sorgt schon in wenigen Tagen für nachhaltige Erholung.

Links: Guides in ihrer Tracht. Mitte: Alles bereit für den Cocktail. Rechts: Der Pool der Lodge und ein Schmetterling der Gattung Acraea.

117

INFO

Chem Chem Safaris Tarangire, Tansania Telefon +27 21 876 2153 reservations@chemchemsafari.com www.chemchemsafari.com Die Preise einer Lodge-Suite beginnen ab 790 US-Dollar für zwei Personen.


MODE

Matthias, links, trägt Sakko, Shirt, Hose, Schuhe Pepe Jeans ––––––––––– Peter, rechts, trägt Hemd, Gürtel, Schuhe Pepe Jeans

118


IMMER IN BEWEGUNG IST UNVERWÜNSTLICH UND SIEHT IMMER GUT AUS – DIE NEUE DENIM-MODE

FOTOS BRIAN BOJSEN TEXT & STYLING INA KRUG, SIMON SCHUMACHER Peter, links, trägt Lederjacke, Shirt McGregor Schuhe Pepe Jeans ––––––––––– Matthias, rechts, trägt Jacke, Hose, Schuhe Gaastra

LÄSSIGER CHIC MIT GOKART-FEELING – PERFEKT GESTYLT ERKUNDEN UNSERE MODELS AUF EINEM ROADTRIP MIT DEM NEUEN MINI-5-TÜRER DIE CITY HAMBURGS.

119


Matthias, links, trägt Lederjacke, Hose, Schuhe Replay ––––––––––– Peter, rechts, trägt Hemd, Tasche Replay

120


MODE

Peter, links, trägt Lederjacke, Hose Blue Monkey ––––––––––– Matthias, rechts, trägt Lederjacke, Shirt, Hose Blue Monkey Schuhe Replay

121


MODE

Matthias, links, trägt Fliege, Weste, Hemd, Hose Mustang Schuhe Replay ––––––––––– Peter, rechts, trägt Jacke Mustang

122


Peter, links, trägt Weste Dolomite Schuhe Gant Footwear ––––––––––– Matthias, rechts, trägt Krawatte, Pullover, Hemd, Hose Gant Schuhe Gant Footwear

123


MODE

Absoluter Kult in Hamburg, egal in welcher Liga sie auch spielen: FC St. Pauli.

MA KI NG OF

HARD FACTS Den MINI-5-Türer gibt es bereits ab 18.350 Euro (One, 102 PS). Wir durften bei unserem Shooting den 136 PS starken Cooper, hier in der exklusiven MINI-Yours-Lackierung Lapisluxury Blue, fahren (ab 20.600 Euro).

Vom Szeneviertel in der Schanze geht es in die Speicherstadt, bis an die Elbe, auf den Hamburger Dom und die Baustelle der Elbphilharmonie. Auch das Stadion des FC St. Pauli und Susis Show Bar auf der Reeperbahn lassen sich die Jungs nicht entgehen. Diese Modeproduktion ist entstanden mit der freundlichen Unterstützung von MINI.

Der MINI bietet eine tolle Übersicht im Cockpit. Die Models beim Austüfteln der richtigen Route.

124


HU MMER, C HAMP A GNER " U ND FLIP ‑F LOP S" DE R VE R R U CKTE DANE

BRIAN'S STEAK & LOBSTER | MILCHSTRASSE 25 | 20148 HAMBURG TELEFON 040 57016737 | WWW.BRIANS-STEAK-LOBSTER.COM


VON INA KRUG*

DAS LEBEN IM MOMENT

Illustration // Marco Battaglini // www.saatchiart.com/mbattaglini001

ES GIBT EINEN GUTEN GRUND, WARUM WIR NICHT ZUM GLÜCKLICHSTEN VOLK DER ERDE WERDEN KÖNNEN.

An einem runden Geburtstag rattern die Räder im Kopf unaufhaltsam und vorwurfsvoll: Was habe ich in der Vergangenheit erreicht, was will ich in Zukunft noch erreichen. Wie gern würd ich den Rädern zurufen: Ihr geht mir am Arsch vorbei. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wie die Ironie des Schicksals so spielt, fiel mir genau jetzt ein Buch in die Hände. Mit dem vielsagenden Titel: „Das glücklichste Volk“. Die Deutschen waren wohl kaum gemeint.

KOLUMNE

CARPE DIEM

Unzufrieden mit dem Job, der Politik, dem Körper. Stattdessen ging es um das Volk der Pirahã, unglaublich glücklich, laut Klappen­ text: Indianer im Amazonasgebiet in Brasilien. Offenbar führen diese Ureinwohner ein Leben im Hier und Jetzt. Ohne Zahlen und ohne Zeit. Verlockend. Wenn man keine Gedanken mehr darüber verlieren müsste, wie man Jahr für Jahr die wachsende Anzahl an Kerzen auf dem nun altersgerecht kalorienre­ duzierten Kuchen platziert, wenn man ein Leben ohne Angst vor der Zukunft und ohne Gram vor der Vergangenheit führen würde. Einfach nur das Leben im Moment genießen. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär ... schön, aber uto­ pisch!? Anscheinend nicht. Die Pirahã kennen weder Vergan­ genheit noch Zukunft, geschweige denn runde Geburtstage. Hier ist jeder tatsächlich so alt, wie er sich fühlt. Während unser tägliches Dasein von dem Gedanken an die Zukunft geprägt ist, sei es eine Ra­ tenzahlung, Familienplanung oder nur der Wochenendeinkauf, ist den Pirahã-Indianern nur das unmittel­ bare Leben wichtig. Carpe diem – genieße den Tag. Ein Missionar entdeckte diese CarpeDiem-Kultur und wurde selbst missioniert. Wer kann es ihm verdenken. Es kommt noch besser: Alles, was jetzt nicht wichtig ist, vergessen diese Pirahãs. Gut, das kann ich auf eine Weise auch, besonders wenn es um Autoschlüssel geht, die sich später im Kühlschrank wiederfinden. Aber sich aufschaukelnde Auseinandersetzungen

*INA KRUG arbeitet als Lektorin für TRIP und hatte ihre Taschen für ein Leben am Amazonas fernab von Zeit und Zahl schon gepackt.

à la „und letzte Woche hast du …“ gibt es nicht. Paradiesisch. Und sie glauben nur, was sie sehen. Keine Märchen, keine Lügen. Fantastisch. Und es gibt in ihrer Sprache keine Nebensätze. Lecko mio, das ist doch zu schön, um wahr zu sein. Weil das so faszinierend ist, leben die Pirahã-Indianer inzwischen in einem Reser­ vat. Umringt von interessierten Forschern und wissensbegierigen Professoren. Man hat versuchte, ihnen das Zählen beizubrin­ gen – ohne Erfolg. Man hat jeden von ihnen schon Duzende Male fotografiert – der Zu­ kunftsapparat: für sie uninteressant. Es geht ihnen scheinbar tatsächlich am Arsch vorbei. Sie sind Verweigerer unser Zahlen und Zeit. Und sie scheinen glücklich damit zu sein. Da könnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, dass es der falsche Ansatz ist und es nicht heißen sollte „Wie können die ohne Zahlen und Zeit leben?“, sondern „Wie kön­ nen wir mit Zahlen und Zeit leben?“. Nicht an gestern und morgen denken. Doch wenn dann eine gemütliche Gruppe von Plastiktüten an mir vorbeischwimmt, ist es wohl Zeit, meine rosarote Brille abzusetzen. Es beschleicht mich der Ge­ danke, dass in manchen Fällen vielleicht zu viele Menschen nur im Hier und Jetzt leben und nicht an die Zukunft denken. Da denkt man, man hat den Schlüssel zum Glück gefunden und muss ihn doch wie­ der wegwerfen. Es wär ja auch zu schön gewesen. Ich gönn mir trotzdem einen Scheißegal-Tag im Jahr. Ohne Zahlen, ohne Zeit und ohne Nebensätze – dann hat meine bessere Hälfte auch was davon. Vorzugsweise fällt der dann auf meinen runden Geburtstag.

126


AUSGABEN

4 für 18,-

Euro

Dies und mehr Angebote auf www.tripmagazin.de/abo ❏ Ja, ich abonniere TRIP für vier Ausgaben und … (vier Ausgaben frei Haus zum günstigen Vorzugspreis von 18 Euro in Deutschland, im europäischen Ausland 25 Euro.)

> … spare einen kleinen Haufen Geld. > … zahle kein Porto. > … verpasse ein Jahr lang keine Ausgabe. > … brauche nicht hinaus in den Regen. > … erhalte bequem eine Rechnung. Bitte senden Sie mir die vier Ausgaben von TRIP für zusammen nur 18 Euro. Das Abonnement kann jederzeit gekündigt werden, wenn dem Verlag (Terra Oceanis Verlag, Klausdorfer Weg 167, 24148 Kiel, info@terraoceanisverlag.de) die Kündigung schriftlich vorliegt. Ansonsten verlängert sich das Abonnement bis auf Widerruf automatisch. Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und Zustellungskosten.

Meine Adresse

Lieferadresse (falls abweichend)

❏ Herr

❏ Herr

❏ Frau

• Coupon per Fax an +49 431 9969986 • Coupon im Brief an Terra Oceanis Verlag, Klausdorfer Weg 167, 24148 Kiel • Bestellung per E-Mail: abo@terraoceanisverlag.de • telefonische Bestellung: +49 431 9969977

❏ Frau

Name, Vorname

Name, Vorname

Straße, Nr.

Straße, Nr.

Land, PLZ, Ort

Land, PLZ, Ort

Geburtsdatum

Geburtsdatum

Datum, Unterschrift

Telefon E-Mail-Adresse ❏ JA! Ich bin damit einverstanden, dass TRIP mich künftig per E-Mail über interessante Angebote informiert.

Ich kann meine Bestellung innerhalb von 2 Wochen ohne Begründung in Textform (E-Mail, Brief, Fax) widerrufen. Die Frist beginnt frühestens mit Erhalt dieser Belehrung. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung.

FOTO // *PRINCESSA* // PHOTOCASE.COM

AUF DAS WESENTLICHE FOKUSSIERT!


VON MIKE ZIEGLER*

ES WERDE LICHT DIE KRITIK AN EIN PAAR BELEUCHTETEN GULLYDECKELN ZEIGT, WIE DIE ALLGEMEINE GLEICHMACHEREI UNSERE FREIHEIT FRISST.

dem trostlosen Weg zum Discounter oder zur Altpapier-Sammelstelle. Von den Apparatschiks, die nichts wirklich Entscheidendes für das All­ gemeinwohl tun und dabei völlig ihre Fantasie verloren haben, wird der Individualismus zum Feind erklärt und stattdessen der Egalitarismus als Waffe überkommener sozialistischer Ideen genutzt für die obsessive Gleichschaltung.

So weit, so gut. Oder schlecht. Irgendwelche Menschen, die weder in Wallenhorst leben noch jemals den dortigen Kreisverkehr passie­ ren, geschweige denn einen Ausflug hierhin planen und die 32 Kilometer vom Flughafen

Am Ende sehen alle Orte aus wie geklont. Überall die gleichen Reihenhäuser, das Gewerbegebiet mit Aldi, Lidl und KiK – und im Bushäuschen hängen ein paar rauchende Jugendliche ab. Jeder, der aufmuckt, kriegt auf die Mütze, bis er in der nächstgrö­ ßeren Stadt untertaucht, eine Friseur­ lehre macht, schwarze T-Shirts trägt und sich ein Piercing ins Zahnfleisch stechen lässt.

Illustration // Marco Battaglini // www.saatchiart.com/mbattaglini001

Als die Gemeinde Wallenhorst in Niedersach­ sen kürzlich fünf Gullydeckel eines Kreis­ verkehrs für rund 10.000 Euro mit farbigen LEDs ausstatten ließ, um bei Dunkelheit einen hübschen Lichtakzent zu setzen, war die Entrüstung groß. Sogar der Bund der Steuerzahler jaulte auf und drohte wegen Steuergeldverschwendung mit einem Eintrag ins Schwarzbuch 2015. Aber mal ehrlich: Sind auf­ wendig gepflegte Blumenrabatten hinter den Ortsschildern und mit endlosen Lichtgirlanden behängte Fußgängerzonen nicht ebenfalls überflüssige Ausgaben?

verstießen gegen keine demokratische Regel. Den Beschluss für die Lichtinstallation hat der Gemeinderat mit 34 Stimmen einstimmig gefasst. Die betreffende Straße im Wallenhorster Zentrum wurde in den vergangen zwei Jahren saniert, dabei hat man mit Lichtakzenten gear­ beitet. Und die Beleuchtung in dem Kreisel ist ein weiterer Lichtakzent.

Die Bekämpfung von vermeintli­ chen Ungleichheiten aller Art rückt immer massiver ins Zentrum der Politik. Alles, was aus dem Rahmen fällt, wird abgestraft. Wenn sich aber einzelne Politiker gigantische Denkmäler setzen, wie etwa bei der kostenmäßig völlig aus dem Ruder gelaufenen Elbphilharmonie in Hamburg, dann werden Kritiker ein­ geschworen auf große Visionen nach dem Motto: Was den Australiern mit ihrer Oper in Sydney recht war, sollte den Hanseaten billig sein, schließ­ lich brumme der Fremdenverkehr und ein neues Postkartenmotiv sei da die ideale Weichenstellung für die Zukunft. Wen schere es in zwanzig Jahren, was diese Pracht andere Generationen mal gekostet hat. Derart verklärtes städtebauliches Imponiergeha­ be konnten und wollten sich die Wallenhorster natürlich nicht leisten. Was Tatsache ist: Sie

KOLUMNE

NORMEN

Die andere ideologische Tendenz, der Kommunitarismus, will ebenfalls individuelle Entscheidungen durch die erzwungene Solidarität mit dem Mainstream ersetzen und am liebsten alle so lange um den heißen Brei her­ umreden lassen, bis dieser hoffnungslos verklumpt ist. Im Vordergrund steht nicht mehr das konkrete Bedürfnis der Ortsgemeinschaft, sondern die Verklei­ nerung des menschlichen Fußabdrucks und die Gehorsamkeit jenen gegenüber, die die staatliche Bevormundung in im­ mer mehr Lebensbereichen verankern.

Münster-Osnabrück über die Landstraße bret­ tern, um sich im Gasthof zur Post ein Schwei­ neschnitzel schmecken zu lassen, maßen sich an, darüber zu urteilen, was ein vom Fremden­ verkehr vernachlässigter Ort braucht, damit die Bevölkerung ein bisschen Spaß hat auf

*MIKE ZIEGLER ist Gastronom und ärgert sich darüber, welche Macht die sogenannte Vernunft über uns gewonnen hat.

Wir dürfen keine druckstarken Regenduschen mehr installieren und sollen Solarpanels aufs Dach pappen. Gleichzeitig schreibt der Baumarkt den Wettbewerb um das am aufwendigs­ ten mit leuchtenden Rentierschlitten, Engeln und Nikoläusen dekorierte Eigenheim aus. Als Hauptgewinn gibt es einen lärmenden Laubsauger, der den über Jahrhunderte in der Gartenarbeit bewährten Rechen ersetzen soll und so verdammt modern wirkt – trotz der 2.000-Watt-Gesellschaft.

128


Impressum TRIP erscheint vierteljährlich in der Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG in Kooperation mit der Pracima­ media GmbH und wird über ausgewählte Pressefach­ geschäfte sowie den Bahnhofsbuchhandel und Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben.

AUTOREN DIESER AUSGABE Jürgen Schönstein,

ONLINE COORDINATOR WWW.TRIPMAGAZIN.DE

Alexandra Dinter, Ina Krug, Chico Cerchiaro, Dorothee Gödeke, Philipp Lichterbeck, Florian Spieth, Felix Gänsicke, Lucas Günther, Simon Schumacher, Felipe Maia, Georgia Garms

Georgia Garms (online@tripmagazin.de) Pracimamedia GmbH, Oberer Ehmschen 77, 25462 Rellingen

KONTAKT ZUM VERLAG

FOTOGRAFEN DIESER AUSGABE

Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986 info@terraoceanisverlag.de KONTAKT ZUR REDAKTION

Tomas Muscionico, Anna The Red, Chico Cerchiaro, Philipp Lichterbeck, Manuela D'Almeida, Marisa Kakoulas, Marcel Glasmacher, Felix Gänsicke, Lucas Günther, Lars Wehrmann, Bonfá, Brian Bojsen

Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986 info@tripmagazin.de

ILLUSTRATOR DIESER AUSGABE

Marco Battaglini EDITOR Dr. Thomas Garms (garms@tripmagazin.de)

WEBDESIGN HIGH5 interactive (www.high5.de) Simon Bolz, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt, Telefon: +49 69 13827812 ABONNEMENT & EINZELHEFTBESTELLUNGEN

Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG, Abobetreuung, Klausdorfer Weg 167, 24148 Kiel www.terraoceanisverlag.de Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986 abo@t-o-v.de

TITELFOTOS Manuela D'Almeida // Eva Zocher ART DIRECTOR Jan Weisner (jw@o-graphix.de) VERLAG Terra Oceanis Verlags GmbH & Co. KG

Outline-Graphix.de

Klausdorfer Weg 167, 24148 Kiel www.terraoceanisverlag.de Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 996 9986 info@terraoceanisverlag.de Geschäftsführer: Alexander Lehmann // al@t-o-v.de

REDAKTION Dorothee Gödeke, Tim Jacobsen, Simon

Schumacher, Ina Krug, Antonia Nuding, Patrycja Sokolowski, Karolin Wüstney, Alexandra Dinter (redaktion@tripmagazin.de), Sirapat Sender MODE Felicia Siegle-Baumgartner (fashion@tripmagazin.de)

TRIP GERMANY is a publication produced under license from Trip Editora Brasil, the creator and owner of the original Trip brand and of the magazine’s editorial and graphic project since 1986. All rights in the licensed material belong to TRIP EDITORA PROPAGANDA S/A and may not be reproduced, whether in whole or in part, without prior written consent. TRIP BRASIL Editor Paulo Lima, Superintendent Carlos

SALES & MARKETING Simon Schumacher Telefon: +49 431 9969977, Fax: +49 431 9969986, ss@t-o-v.de

LEKTORAT Alexandra Dinter, Ina Krug ISSN 2190-1171 ÜBERSETZUNG Georgia Garms VERTRIEB IPS Gruppe Carl-Zeiss-Straße 5, 53340 Meckenheim, www.ips-d.de

Sarli, Editorial Director Fernando Luna, Chief Financial officer Agenor S. dos Santos, Director of Publicity and Circulation Isabel Borba, Director of Special Projects and Marketing Ana Paula Wehba, Creative officer Ciça Pinheiro, PR and Contact Taís Neri (tais@trip.com.br), Rafael Silva (rafael@trip.com.br)

Im Terra Oceanis Verlag erscheinen folgende Titel:

HERSTELLERNACHWEIS

ARMED ANGELS

DOLOMITE

PEAK PERFORMANCE

UGG AUSTRALIA

GAASTRA

www.armedangels.de

www.dolomite.it

www.peakperformance.com

www.uggaustralia.de

www.gaastraproshop.com

A.S.98

GANT

REPLAY

PEPE JEANS

BLUE MONKEY

www.as98-shop.de

www.de.gant.com

www.replay.it

www.pepejeans.com

www.bluemonkey-jeans.de

BARTS

JOOP

STRELLSON

MCGREGOR

MUSTANG

www.barts.eu

www.joop.com

www.strellson.com

www.mcgregor.de

www.mustang-jeans.com/de

FEHLT DIR EINE AUSGABE IN DER SAMMLUNG? DANN EINFACH NACH­B ESTELLEN UNTER INFO@TRIPMAGAZIN.DE IST VERGRIFFEN

1/2010

2/2010

3/2010

4/2010

1/2012

4/2013 1/2013

2/2013

3/2013

2/2012

1/2014

3/2012

2/2014

3/2014


VON THORSTEN TIMM*

EIN BILD VON MIR Illustration // Marco Battaglini // www.saatchiart.com/mbattaglini001

MANCHMAL WISSEN WIR SELBST NICHT, WER WIR SIND, UND STÜRZEN DESHALB IN EINE BEWUSSTSEINSKRISE.

Ich blicke in den Spiegel. Nicht nur kurz mal wie sonst immer morgens nach dem Zähne­ putzen – Kontrolle, ob nicht noch Zahnpasta­ reste weiße Sommersprossen bilden – sondern ausgiebig, lang. Ich meine weder besonders eitel noch selbstverliebt zu sein, was ich mit dem ersten Satz schon andeuten wollte. Ich blicke in den Spiegel zum Selbstversuch. Ein Bekannter hat mir von einem Selbsterfahrungs-Workshop erzählt, in dem sich gut hundert Männer selbst im Spiegel betrachtet haben. Länger. Meditativ. Nach einer gewissen Zeit habe der größte Teil angefangen zu weinen. Ich gucke, weine noch nicht, gucke weiter. Meine Augen, ganz schön faltig, das dunkle Brillengestell hilft, das zu kaschieren.

KOLUMNE

BEFINDLICHKEITEN

Die Nase rötlich, das liegt vermutlich am Schnupfen, das wird schon wieder. Das mit einem Bart wird wohl nichts mehr werden, zu viele nackte Löcher. Ich blicke weiter, nichts. Vermutlich fehlt hier in meinem Bad die sonore Stimme, die sagt: „Schau dich an – das, was du da siehst, hast du aus dir gemacht – du bist dafür verantwortlich, niemand sonst!“ So ein Satz ist natürlich der Killer. „Schau dich an …“ beginne ich laut vor mich hin zu sagen, mein Bariton klingt dank der halligen Badakustik sehr angenehm, ja, mit der Stimme bin ich zufrieden, aber die ist gottgegeben, da kann ich wohl nichts für. Noch mal. „Schau dich an – was du da siehst, hast du aus dir gemacht – du bist …“ Der Hund kommt ins

*THORSTEN TIMM (45) versucht sich die ganze Zeit zu erinnern, wie der nette Typ, dem er ein Bier schuldet, eigentlich aussieht.

Bad, guckt, was Herrchen denn da auf dem Badewannenrand macht. Wedelt mit dem Schwanz, legt seine Schnauze auf meinen Oberschenkel. Wie erkläre ich ihm, dass sei­ ne bedingungslose Liebe Balsam für meine Seele ist, aber jetzt gerade hier bei meinem Selbstversuch wenig hilfreich? „Komm, such nen Ball!“ Bis er mit seinem durchgekauten Tennisball wieder auftaucht, habe ich weiter Zeit, in mich zu gehen. Und da schießt mir aus einer völlig anderen Richtung ein Gedanke in den Kopf. Egal wie zufrieden ich mit meinem Spiegelbild bin, sehe ich denn aus wie ICH? Unverwechsel­ bar, individuell? Oder bin ich ein Gesicht der Masse? Eines, das dutzendfach durch jede Fußgängerzone läuft? So ein Gesicht, das sich jeder Straftäter wünscht, ein Gesicht, an das sich niemand erinnern kann. Zwei niederländische Fotografen katalogisieren seit Jahren Menschen. Vor weißem Hinter­ grund fotografiert und zu Tableaus zusam­ mengestellt ähneln sich all die scheinbaren Individualisten. Alle Skater – gleich. Die Rocker auch. Esoterische Studentinnen – wie von einer Sau geferkelt. Die Big-Data-Jungs behaupten das ja schon immer, wenn du erst jenes und dann dieses Buch gekauft hast, wirst du als nächstes dunkle Pumps bestellen, da reichen ganz einfache Filter. Nix mit Individualität. Das treibt mir dann doch Feuchtigkeit in die Augen. Letztens wurde mir in einer Kneipe ein Jugendfreund meiner Frau vorgestellt und während wir so reden, meint er irgendwann un­ vermittelt: „Du bist eigenartig, das ist okay.“ Ich überlegte kurz, ob ich ihm an die Gurgel gehen sollte, aber der Tisch war zu breit und so blieb ich verstimmt sitzen. Grad denk ich, verflucht, ich hätte ihm ein Bier ausgeben sollen!

130


Porsche empfiehlt

und

Alles an Bord. Außer Nonsens. Der neue 911 Carrera GTS. GTS. Das heißt: jede Menge Purismus – aber ohne Verzicht. 3 Buchstaben, die hohe Performance von der Rennstrecke mit hoher Sportlichkeit im Alltag vereinen. Mit mehr Leistung, satter Straßenlage, einem geschärften Design. Das ist alles, was zählt. Alles andere? Ist Nebensache. www.porsche.de/911CarreraGTS

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) innerorts 13,7–12,2 · außerorts 7,5–6,7 · kombiniert 9,5–8,7; CO2-Emissionen 223–202 g/km

TRIP 15  

TRIP 15

TRIP 15  

TRIP 15

Advertisement