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a musst du schon etwas mehr tun“, lacht Dan und übernimmt wieder. Wenn er die Rennyacht durch die seichten Wellen des Atlantiks vor Falmouth Harbour an der Südküste Antiguas lenkt, sieht es kinderleicht aus. Später im Rennen der Antigua Classic Week muss aber auch Dan, der erfahrene Vollsegler, mit vollem Körpereinsatz am Rad drehen, um die RANGER schnell auf den richtigen Kurs zu bringen. In den Händen der professionellen Crew, die 36 Mann zählt – inklusive John Williams, dem stolzen Eigner – zeigt die Yacht mit der Segelnummer J-5 dann jedoch schnell ihre beeindruckende und überzeugende Regattaperformance. Auf dem letzten Bahnschenkel zur Ziellinie liefert sie sich mit der VELSHEDA (K-7), ebenfalls eine Yacht der J-Klasse, ein Wendenduell, das den Puls von Seglern und Zuschauern gleichermaßen antreibt. Manöver folgt auf Manöver, die Zurufe werden immer lauter, um gegen das Rauschen der mächtigen Segel anzukommen. Die Aktivität an Bord reißt jetzt für keine Sekunde mehr ab, Anspannung und Konzentration sind auf dem Höhepunkt, der Trimm optimal, die Leinen gerade entwirrt und aufgerollt, da klingt es bereits wieder von der Afterguard:„Klar zur Wende.“ Hamish Pepper, der Taktiker, lässt den Gegner dicht am Heck nicht mehr aus den Augen, Dan steuert die J-5 nach Backbord, gleichzeitig wechselt die Mannschaft zügig und organisiert ihre Positionen, die RANGER legt sich auf die Seite, das Deck berührt nahezu die Wasserlinie und Wellen schlagen über die relingfreie Bordkante. Elegant und geschmeidig wie eine Raubkatze schneidet die RANGER durch die Dünung, lässt VELSHEDA keine Chance und hört verdientermaßen den Siegesschuss an der Ziellinie.

Die heutige RANGER, die durch die Karibik und das Mittelmeer segelt, ist die Wiedergeburt der Segellegende RANGER aus dem Jahr 1937. Eine Rennyacht der J-Klasse, die Mitte 1929 ins Leben gerufen wurde und eine knappe Dekade die Einheitsklasse des America´s Cup war. 1929 diskutierte der New York Yacht Club über eine weitere Herausforderung von Sir Thomas Lipton um die „Auld Mug“. Regatten nach Handicap verloren in diesen Tagen an Popularität, der direkte Vergleich Boot gegen Boot dagegen fand immer mehr Anhänger. Während in Europa, überwiegend England, mehr und mehr Boote nach der International Rule (eine Art Box Rule) gebaut wurden, wollte der New York Yacht Club seine selbst entwickelte Universal Rule für den America´s Cup durchsetzen. Die Grundzüge der beiden Regeln waren ähnlich, eine Formel setzte bestimmte Eckdaten wie Segelfläche, Länge der Wasserlinie und Verdrängung fest, innerhalb derer die Designer sich bewegen mussten. Für die Universal Rule des NYYC mussten allerdings auch die Lloyd´s Scantlings (Maßeinheit für Materialstärke) erfüllt sein. Dies sollte sicherstellen, dass jeder Herausforderer des AC den Atlantik sicher überqueren und der Verteidiger keinen Vorteil durch Leichtbauweise in den heimischen Gewässern erzielen konnte. Die Universal Rule fand 1930 zum ersten Mal Anwendung und die danach gebauten, reinen Rennyachten, die J-Klasse, hatten ihre Blütezeit in den 1930er-Jahren. Die Amerikaner bauten zur Verteidigung der Kanne 1930 gleich vier J-Yachten, um alle Eventualitäten abzudecken: die ENTERPRISE, die WHIRLWIND, die WEETAMOE und die YANKEE. Die RAINBOW folgte 1934 und die Krönung war 1937 die RANGER. England baute vier J-Class-Yachten (in chronologischer Reihenfolge): SHAMROCK V, VELSHEDA, ENDEAVOUR und ENDEAVOUR II.

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Sailing Journal 04/2009  

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