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kieler woche

Text Denis Grau © Foto Christian Beek www.segel-bilder.de

Im nacholympischen Jahr sind die deutschen Segler zur Kieler Woche bestens in Form. Ganz cool mit einem zweiten Platz im Finale fuhren die Flensburger 49er-Akteure Lennart Briesenick-Pudenz/Morten Massmann zu ihrem bisher größten Erfolg. Gar ganz ohne Makel war die Serie von Surferin Moana Delle (Kiel), die in allen sechs Rennen ihr Brett als Erste über die Linie steuerte. Und gegen die Routine des Paralympics-Siegers von 2000, Heiko Kröger (Kiel), war die Konkurrenz in der 2.4 mR machtlos. Die drei Siege bescherten den deutschen Seglern einen grandiosen Abschluss der olympischen Regatten im 127. Jahr der Kieler Woche. Mit drei Siegen in elf Disziplinen setzten sie sich an die Spitze der Nationenwertung, sorgten damit für ein gelungenes Debüt beim ersten Sailing World Cup vor Kiel. Jeweils zwei Siege verbuchten die USA und Polen. Allem Erwartungsdruck zum Trotz segelten die deutschen 49er im doppelt gewerteten Medalrace auf Platz zwei, verteidigten damit die am Vortag erkämpfte Führung. „Wir haben auf niemanden groß geschielt, sind einfach unser Rennen gefahren“, verriet Steuermann Briesenick-Pudenz das Erfolgsrezept. Sein Vorschoter gestand allerdings, „zu Beginn ganz schön nervös“ gewesen zu sein. „Als wir gemerkt haben, dass die Grundgeschwindigkeit stimmt, sind wir ruhiger geworden. Nach dem Zieldurchgang war das schon ein gutes Gefühl. Es gab auch gleich einen Schluck Sekt“, so Massmann. Im vergangenen Herbst noch ohne Boot und klare Olympia-Kampagne können Briesenick-Pudenz/Massmann nun zuversichtlich in Richtung 2012 blicken. Mit Top-Ten-Platzierungen bei den Weltcups auf Mallorca und in Hyères und der Krönung nun vor Schilksee sind sie in der Weltspitze angekommen. Der Kurs in Richtung Weymouth scheint eingeschlagen, die Zielsetzung für dieses Jahr wollen die Flensburger aber nicht nach oben korrigie-

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ren. „Bei der WM auf dem Gardasee wollen wir unter die Top 16, um die B-KaderKriterien zu erfüllen. Davon weichen wir nicht ab“, so der 21-jährige Steuermann. Erschöpft, aber glücklich passierte Moana Delle die Ziellinie. Der sechste Sieg im sechsten Rennen war eine Demonstration ihrer Überlegenheit in diesem Feld. Als die 20-Jährige bereits ihren ersten Kieler-Woche-Erfolg feiern durfte, hatte die gesamte Konkurrenz noch zwei Rundungstonnen vor sich. Die ehemalige Schülerin des Kieler Sportinternats gab sich aber bescheiden: „Ich hätte nicht erwartet, dass es so gut läuft. Es waren zwar viele Top-Surferinnen wegen der Terminüberschneidung mit der Europameisterschaft nicht dabei. Aber einige Olympiateilnehmerinnen waren schon am Start.“ Den starken Auftritt vor Kiel führt sie vor allem auf das intensive Training in den vergangenen Jahren zurück. „Der Umzug ins Internat war die richtige Entscheidung. Jetzt ernte ich die Früchte für die harte Arbeit.“ Mit ihrer makellosen Bilanz gewann Moana Delle ebenso wie der Brite Paul Goodison im Laser den Roosevelt-Pokal für die punktbesten Kieler-Woche-Sieger über alle Klassen. Nur vermeintliche Routine ist ein Sieg auf dem Heimatrevier für Heiko Kröger. Zum vierten Mal gewann er in der 2.4 mR. „Aber jeder Sieg ist anders und jeder Sieg ist schön“, so der Behinderten-Segler, der in der dieses Mal offen ausgeschriebenen Mini-Zwölfer-Klasse siegte. Grundstein für den Erfolg war Krögers Konstanz. „Alle anderen haben auch mal einen schlechten Tag erwischt.“ Starke Ergebnisse für den Deutschen Seglerverband (DSV) verbuchten zudem Toni Wilhelm als Zweiter bei den Surfern, die fünftplatzierten Starboot-Segler Alexander Schlonski/Frithjof Kleen (Rostock), die 470er-Frauen Wibke Wriggers/Geeske Genrich (Hannover) auf Platz fünf und ihre Klassenkollegen Jan-Jasper Wagner/Lennart Scheufler (Berlin) als Sechste bei den Männern. Angesichts dieser deutschen Bilanz fiel das Fazit der designierten Sportdirektorin des DSV, Nadine Stegenwalner, sehr zufrieden aus: „Das ist ein schöner Start in die Olympiade. Aber bis 2012 gibt es noch viel zu tun. In Weymouth wollen wir besser abschneiden als in Qingdao.“ Die sonst so erfolgsverwöhnten Briten mussten sich vor Kiel mit dem Laser-Erfolg von Olympiasieger Paul Goodison begnügen. Die Konkurrenz der Laser-radial-Frauen gewann Paige Railey, die damit neben dem Starboot-Erfolg von Mark Mendelblatt den zweiten amerikanischen Sieg einfuhr. Für australisches Gold sorgte Katie Spithill mit ihrer Damen-Matchrace-Crew, Lorbeeren für die Niederlande fuhr Lisa Westerhof im 470er ein, während Europameister Semi Fantela (Kroatien) bei den 470er-Männern dominierte. Den polnischen Doppelsieg machten Surfer Przemyslaw Miarczynski und Finn-Segler Rafal Szukiel perfekt.

Sailing Journal 04/2009  

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