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66 portimão global ocean race

rund bornholm Text Bendix Hügelmann © Foto Pepe Hartmann

Text Bendix Hügelmann

Boris Herrmann und Felix Oehme sind wieder zu Hause. Deutschlands neue Shootingstars der Segelszene kehrten am Mittwoch (15. Juli) nach neun Monaten Weltumseglung erstmals wieder in die Heimat zurück. Und Hamburg zeigte sich zum Empfang der Hochseeyacht BELUGA RACER und ihrer Crew von seiner besten Seite. Staatsrat Dr. Manfred Jäger, Segelvereinsvorstände, Honoratioren, Familienangehörige und Freunde sowie mehrere Hundert Fans machten der Mannschaft, die die Regatta Portimão Global Ocean Race gewonnen hat, beim Anlegen im Sandtorhafen ihre Aufwartung. Als das Feuerlöschboot BRANDDIREKTOR KRÜGER auf der Elbe den Befehl „Wasser marsch!“ gab und seine Fontänen in weiten Bögen über die Elbe sprühte, segelte die BELUGA RACER auf den letzten Metern einer langen Reise. Rund 30.000 Seemeilen haben Herrmann und Oehme auf ihr gelebt und gelitten, gefiebert und gefeiert. Start und Ziel der neunmonatigen Hochseeregatta lag in Portugal und dazwischen alle Ozeane dieser Erde. Das Kap der Guten Hoffnung rundeten die 28-jährigen Norddeutschen schon als Gesamtführende, das legendäre Kap Hoorn, den Mount Everest der Seefahrer, meisterten sie ebenso wie zermürbende Flauten und schwere Stürme. Da wirkte es fast gnädig, als Rasmus in Höhe Hamburgs Schokoladenseite bei Oevelgönne eine leichte Brise bereithielt, in der die BELUGA RACER noch einmal ihr volles Segelkleid zeigte. Der Autopilot steuerte, und die Besatzung stand Arm in Arm auf dem Großbaum, in der anderen Hand eine Leuchtfackel zur Begrüßung der Mitreisenden. Die Großfamilien hatten eine Hafenbarkasse gechartert, die der Rennyacht mit zahlreichen Motorbooten elbabwärts entgegengefahren war. Der Kurs führte sie vorbei am Fischmarkt und den Landungsbrücken mit der grünen RICKMER RICKMERS und dem ehemaligen Bananenfrachter CAP SAN DIEGO im Hintergrund. Als die Brücke zum neuen Sandtorhafen geöffnet wurde, waren viele den Freudentränen nahe. Neun Fernsehkameras und ungezählte Fotoapparate richteten sich

auf das Deck der zwölf Meter langen BELUGA RACER, als es den Müttern Heide Härtel-Herrmann und Birgit Stamp-Oehme vorbehalten war, ihre stolzen Söhne als Erste willkommen zu heißen und ganz fest in die Arme zu schließen. Staatsrat Jäger von der Hamburger Behörde für Medien, Sport und Kultur zeichnete die Sieger mit einem Lorbeerbusch – anstelle eines Lorbeerkranzes – aus und wünschte in der kommenden Zeit ein wenig Muße für einen Becher Kaffee aus einer gebrandeten Tasse der Olympia- und Sportstadt Hamburg. Martin Muth, Projektleiter der Bootsausstellung hanseboot, die im Oktober ihren Messehafen erstmals an gleicher Stelle öffnen wird und bei der Organisation des ComingHome-Events half, hielt zwei große Blumensträuße und Glaskaraffen in Form von Segelbooten mit Sherry parat. Daraufhin versprach Co-Skipper Felix Oehme spontan: „Wenn Boris im Herbst schon wieder nach Mexiko segelt, werde ich ihn persönlich auf der hanseboot live über Skypevideo interviewen.“ Auch die Mitgliedsvereine der beiden, für Boris Herrmann der Kieler Yacht-Club mit seinem Vorsitzenden Henning Winter sowie für Felix Oehme der Lübecker Yacht-Club mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Udo Ott, und Gero Brugmann als zweiter Vorsitzender des Norddeutschen Regatta Vereins, der extra drei Begleitboote für den Empfang organisiert hatte, zeigten Flagge. „Versuche, deinen Traum zu verwirklichen!“ Diese Maxime stand am Anfang von zwei Segelkarrieren, die wie ein Zufall und doch eine Notwendigkeit zueinandergefunden haben. „Wir waren einst Gegner auf dem Wasser, das Leistungsniveau auf Augenhöhe“, erinnerten Herrmann und Oehme an den Ausgangspunkt ihres Abenteuers, das sie zu den ersten deutschen Hochseeseglern überhaupt gemacht hat, die zu zweit eine Regatta für nur 40 Fuß lange Schiffe rund um den Globus gewannen. Sie harmonierten wie ein Schweizer Uhrwerk. Streit an Bord? Fehlanzeige. Zurück in Hamburg ließen sich die sympathischen, von der Meeressonne gebrannten Kerle mit Schampus duschen und immer wieder innig herzen. Der Glückwunschparcours schien nicht abreißen zu wollen, als es Zeit war, nach vorn zu blicken. Noch ein paar Tage tourt die BELUGA RACER, übrigens eine Serienyacht vom Typ Akilaria Class 40, mit Boris Herrmann und Felix Oehme durch Deutschland; am Donnerstagabend wird sie in der Kieler Innenförde beim KYC erwartet und zum Wochenende auf der 120. Travemünder Woche. Danach trennen sich die Wege eines eingeschweißten Duos, das für die Tausende virtuellen Regattabegleiter im Internet schon unzertrennlich schien. Felix Oehme wird bei „Airbus“ Doktorand im Maschinenbau und Boris Herrmann setzt wieder die Segel: „Dank meines Sponsors, der Bremer Projekt- und Schwergutreederei Beluga Shipping, und seines geschäftsführenden Gesellschafters Niels Stolberg kann ich mit einer anderen, noch schnelleren Class-40-Yacht, die wieder BELUGA RACER heißen wird, am Rolex Fastnet Race teilnehmen und bereite mich danach auf die Solidaire du Chocolat von Frankreich nach Mexiko vor.“ INFO WWW.BELUGA-RACER.COM

Zum Abschluss der Seeregatten der Warnemünder Woche wurden am Morgen des 07. Juli 2009 insgesamt 69 seegehende Yachten in neun Startgruppen auf die traditionsreiche Langstreckenregatta Rund Bornholm geschickt. Wie jedes Jahr geisterten diverse Wettertheorien bezüglich der Rundungsrichtung Bornholms bereits auf der Farewell-Party bei Wurst und Bier am Abend vorher durch das Teilnehmerfeld: Die Besonderheit der Rund Borholm Regatta liegt darin, dass exklusive Start- und Ziellinie im alten Strom in Warnemünde nur eine weitere Bahnmarke zu runden ist – die Insel Bornholm selbst. In welcher Richtung diese gerundet wird, steht den Teilnehmern dabei frei. Ob am Morgen des Starts ein letzter Blick auf die Wettertafel geworfen wurde oder die Bordrechner aktuellste Wetterprognosen ein vorerst letztes Mal durchrechneten – es nützte nichts. Mit Wind von achtern ging die Flotte in ein taktisch anspruchsvolles Rennen über eine Distanz von 270 bis 300 Seemeilen, ohne abschätzen zu können, in welcher Richtung Bornholm zu runden sein würde. Schnell zogen die zuletzt gestarteten Yachten der neu ins Leben gerufenen hanseboot Open Offshore IRC-Meisterschaft an den Booten der anderen Startgruppen vorbei. Allen voran die Reichel/Pugh 56 SCHO-KA-KOLA von Uwe Lebens und das Jugendboot des WSC, die UTSIDER, geskippert von Jan Brügge. Der Wind hatte über den Tag abgeflaut, schwül war es geworden, sodass gegen Abend die ersten lokalen Gewitterzellen über Rügen aufzogen. Regenschauer und starke Böen zogen das Feld weiter auseinander, als die Nacht über die Flotte hereinbrach, waren die Yachten untereinander kaum noch in Sichtweite. Gemäß dem letzten Wetterbericht, der für Mittwochnachmittag stark rechtsdrehende Winde im Raum Bornholm vorhergesagt hatte, rundeten die meisten Yachten die Insel von Süden nach Norden und begaben sich auf ein langes Kreuzbein bis vor die Küste von Møn, um nach Möglichkeit mit dem vorhergesagten Dreher auf einem ebenso langen, hohen Bein

bis vor die Warnowmündung und somit ins Ziel zu schlagen. Als die zweite Nacht über die weit verteilte Flotte hereinbrach, hatte der Wind im Mittel auf 25 Knoten zugelegt, Tendenz: zunehmend. In Ergänzung zum mittlerweile frisch wehenden Wind hatte sich eine beachtliche Welle aufgebaut, mit der vor allem die kleineren Yachten im Feld zu kämpfen hatten. Als in der Nacht zum Donnerstag nach 36 Stunden und 51 Minuten Uwe Lebens’ SCHO-KA-KOLA als erste Yacht die Ziellinie überquerte, hatten sich bereits mehrere Teilnehmer aus dem Rennen abgemeldet, um Schutz zu suchen. Schlussendlich erreichten von 69 gestarteten Yachten 40 das Ziel in Warnemünde. Den begehrten hanseboot-Pokal für die schnellste Yacht nach gesegelter Zeit gewann Uwe Lebens mit seiner SCHO-KA-KOLA. In der Klasse hanseboot Open Offshore gewann die ILVITELLO, eine Comet 45 von Christoph Avenarius. Sieger der Klasse Yardstick 1 wurde die Luffe 43 NORDER von Robert Beck und TZIGANE, eine Cayenne International, von Hannes Nissen gewann die Gruppenwertung Yardstick 1b.In der Klasse Yardstick 2 hatte Ulrich Groß mit seiner CB 33 VIVA die Nase vorne. Die KEA, ein Vierteltonner Typ Hiddensee, von Andreas Wenndorf ging als einziger Teilnehmer der Gruppe Yardstick 3+4 ins Ziel und gewann somit diese Wertung. Bei den ORC-Klassen gewann die IMX 40 IMAGINE von Heiko Steinbrückner die Klasse ORC 1, ebenso wie den Kyria Pokal für die schnellste Yacht nach berechneter Zeit. In ORCKlasse 2 siegte die BELLA (Grand Soleil 40c) von Jörn Schlanert. Falk Einecke gewann mit GERONIMO (Vision 32) die Klasse ORC 3+4. Den Wettstreit zwischen den beiden VOR-Yachten konnte die SEB II mit Steuermann Martin Kringel für sich entscheiden.

Sailing Journal 04/2009  

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