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einer Staub bedeckt die Häuserwände und lässt sie schmutzig aussehen. Er kriecht auf die Wege, die Autos, ja sogar auf Blüten und Blätter. Die elfte der ägyptischen Plagen heißt: Sand. Alles erscheint wie von einem ockerfarbenen Schleier überzogen. Vier Tonnen sind es täglich, die sich auf die Stadt legen. Außer ein paar Straßenfeger scheint das niemanden zu kümmern. Abfall allerorten. Biologisch Verwertbares wird sofort von Ratten, Katzen und Hunden entsorgt, bevor ein Müllwagen kommt. Den Rest holen sich die Zabbalin, die Müllmenschen. Keinen kümmert’s. Scheinbares Chaos regiert den Straßenverkehr. Uralte Peugeots und Fiats, zum Klassiker mutierte Mercedesmodelle und klapprige VW-Busse konkurrieren auf Straßen ohne Markierungen mit Maultier-Karren und Leichtmotorrädern. Auf ihnen seitlich sitzende Sozias, die überdies auch noch ein schlafendes Kind in den Armen tragen. Auf die Busse kann man lange warten, findet man einen, sind sie oft hoffnungslos überfüllt. Egal wie alt das Auto – Hauptsache, die Hupe funktioniert. Fußgänger queren oft nur unter Lebensgefahr die Straßen. Wen kümmert das? Gassen wie die gleich schräg hinter dem World Trade Center, die man als Tourist lieber nicht quert. Ungebremster Bau-

Wildwuchs allerorten. Arme und Ärmste, die um ein Bakschisch bitten. So erleben wir das ruhelose, pulsierende Kairo, die über tausendjährige Stadt aller Städte.

Auf dem bleiernen Nilwasser lag das Hausboot, vertraut wie ein Gesicht, rechts ein leerer Platz, an dem ein Menschenleben lang ein anderes Hausboot gelegen hatte, bevor es eines Tages vom Strom fortgerissen worden war […] Einst soll der Pharaonengott Seth seinen Bruder Osiris durch eine List in einen Marmorsarkophag gelockt haben, diesen alsdann mit einem schweren Deckel verschlossen und in den Nil geworfen haben. Als Isis, die Frau von Osiris und Mutter von Horus, das Verschwinden ihres Mannes bemerkte, begab sie sich mit Horus zusammen auf die Suche. Dabei verlor Horus ein Auge. „Man sagt, dass derjenige, welcher dieses Auge finden würde, geschützt wird vor Neid und bösen Blicken“, erklärt Mahmut. Der 42-Jährige ist Kapitän einer der zahlreichen Feluken von Luxor, einer schnell wachsenden Vierhunderttausend-Einwohner-Stadt an der östlichen Seite des Unterlaufs des Nils. Seit er denken kann, befährt der Nubier den Leben spendenden Nur ein paar Autominuten vom neuen Kreuzfahrt-Pier entfernt: Schöne Aussicht von einer Anhöhe am Ostufer südlich Assuans auf die Insel Elephantine und das am anderen Flussufer stehende Aga Khan-Mausoleum.

Ausgangspunkt von Feluken-Törns: Luxor mit seinem 3.400 Jahre alten Tempel dient auch als Anlegestelle für zahlreiche Kreuzfahrtschiffe.

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Sailing Journal 04/2009  

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