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rolex farr 40 worlds Text Denis Grau © Fotos ROLEX/Kurt Arrigo

Vom 24. bis 27. Juni 2009 ermittelte die Farr-40-Klasse vor Porto Cervo/Sardinien ihren Weltmeister. 25 Boote aus zehn Nationen waren angereist, um sich mit der Weltspitze des internationalen Yachtsports zu messen, darunter auch der Deutsche Wolfgang Schäfer mit seiner STRUNTJE LIGHT. Die Farr-40-Klasse ist für ihr hohes Niveau bekannt. Während die sogenannte „Owner Driver Rule“ ambitionierte Eigner bei der Stange hält, finden sich an Bord der von Bruce Farr gezeichneten One-Design-Racer ansonsten nur wirklich gute Leute. Segler aus dem olympischen Bereich, Match-Racer, Offshoresegler, ein buntes Allerlei, das die Klasse interessant macht. Bereits Tag eins der Rolex Farr 40 Worlds sorgte bei Sonnenschein über azurblauem Wasser für spannende Rennen. Der Wind wehte konstant mit 20 Knoten, als sich die Yachten um elf Uhr Ortszeit zum ersten Mal an der Startlinie versammelten. Nach einem sauberen Start ohne Rückrufe konnte die amerikanische BARKING MAD, gesteuert von Eigner Jim Richardson, das

erste Rennen der Serie für sich entscheiden. Die Rennen zwei und drei gewannen die italienische NERONE sowie die aus Australien angereiste Crew der TRANSFUSION. Als am Abend die Dämmerung über Sardinien hereinbricht, führt BARKING MAD knapp vor dem amtierenden Weltmeister MASCALZONE LATINO und der ebenfalls italienischen JOE FLY. Geoff Stagg vom Farr-40-Organisationskomitee fasst den Tag passend zusammen: „Die Punktunterschiede sind sehr gering, viele Boote liegen noch klar in Schlagweite auf den Titel. Ab morgen wird es spannend, wenn die Teams versuchen werden, sich neu zu positionieren.“ Und Stagg behielt recht. Keiner der beiden Starts des zweiten Tages der Rolex Farr 40 Worlds blieb ohne Frühstarter und Rückrufe. Obgleich die Wettfahrtleitung agil an der Zeitstrafe bringenden Flagge Z war, segelten im ersten Rennen zwei und im darauf folgenden Rennen sogar elf Yachten unter dem Schatten der Flagge Z. Diejenigen, die am Start einen kühlen Kopf bewiesen hatten, verlebten demnach einen verhältnismäßig entspannten Tag auf der Bahn. Am Ende des zweiten Tages konnte BARKING MAD ihre Führung halten, JOE FLY verbesserte sich um einen Platz und auf Platz drei konnte Massimo Mezzaroma mit NERONE vorfahren. Am Tag drei der Rolex Farr 40 Worlds hatte der Wind im Vergleich zum Vortag deutlich zugelegt. Gepaart mir einem angenehmen Schwell fanden sich die 25 Yachten in Top-Rennbedingungen wieder. Die sich anbahnende Nervosität innerhalb der

Klasse am vorletzten Renntag war nun schon deutlich spürbar. Die drei gesegelten Tagesrennen brachten drei verschiedene Sieger hervor. Im ersten Rennen fuhr JOE FLY einen Frühstart und konnte das Rennen nur als 19. beenden. NERONE hingegen ersegelte sich einen zweiten Platz und verkleinerte den Abstand zur führenden BARKING MAD auf gerade mal sechs Punkte. NERONE patzte zwar beim dritten Start des Tages, konnte sich jedoch von einem 19. Platz am ersten Luv-Fass bis auf einen achten Rang vorfahren. Einen Tag vor Ende der Weltmeisterschaft stand damit BARKING MAD, die bisher eine konservative und fehlerfreie Serie gefahren hatte, vor der aggressiv segelnden NERONE und einer bereits abgeschlagenen JOE FLY. Zwei Rennen galt es zu diesem Zeitpunkt noch zu segeln, sechs Punkte trennten den Ersten vom Zweiten. Alles konnte passieren. Am finalen Tag der Rolex Farr 40 Worlds bot Porto Cervo noch ein Mal perfekte Segelbedingungen. Wind mit Böen in den guten 20ern, holprige See – Bedingungen, die die erschöpften Crews noch ein Mal fordern würden. NERONE legte einen sauberen Pin-End-Start hin, eroberte die linke Seite und konnte das erste Rennen des Tages gewinnen. Von nun an war klar: BARKING MAD oder NERONE – der Bessere des letzten Rennens würde den Titel mit nach Hause nehmen. „Vor dem Start“, so berichtet BARKIND MAD-Eigner Jim Richardson nach dem Rennen, „drohten Selbstzweifel den Kampfgeist zu schwächen. Ich habe keine Zweifel an der Fähigkeiten meines Teams, aber besondere Situationen erfordern besonderen Einsatz und nach neun von zehn

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Rennen mit nur einem Punkt Vorsprung in die finale Wettfahrt zu starten, ist eine solche Situation. Wir haben uns angeschaut und uns gefragt: Wofür sind wir hier? Nicht um jetzt den Mut zu verlieren!“ NERONE fuhr nach dem Start erneut auf die linke Seite, BARKING MAD hingegen entschied sich gegen das direkte Duell und fuhr ihr eigenes Rennen – mit Erfolg. Als BARKING MAD als Zweite die Luvtonne runden kann, wird deutlich, dass der Linksdreher nicht gekommen zu sein schien. Mit einem zweiten Platz im letzten Rennen sicherte sich BARKING MAD somit den WM-Titel vor Porto Cervo. NERONE blieb auf Platz zwei, JOE FLY auf drei. BARKING MAD-Eigner Jim Richardson: „Wir sind wirklich sehr sehr glücklich. Nach Italien zu kommen und die WM zu gewinnen, hier in Porto Cervo, ist wirklich ein überwältigendes Gefühl für meine Crew und mich. So viele gute Teams sind angetreten, vor allem die Italiener. In der Lage zu sein, in ihren Heimatgewässern zu gewinnen, das macht uns schon Spaß!“ Wolfgang Schäfer mit STRUNTJE LIGHT beendete die Weltmeisterschaft auf Platz 18.

Sailing Journal 04/2009  
Sailing Journal 04/2009  

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