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34 volvo ocean race

Text Bendix Hügelmann © Fotos Rick Tomlinson/Volvo Ocean Race

Am 17. Mai fiel in Boston der Startschuss für die letzte große Ozeanetappe des Volvo Ocean Race. Bei dickem Nebel führte TELEFONICA BLUE die sieben Boote starke Flotte hinaus auf den Nordatlantik. Kurs: Galway/Irland. Bereits nach wenigen Tagen im Rennen forderte der Nordatlantik seinen ersten Tribut. An Bord von Pumas IL MOSTRO hielt das Lee-Ruderblatt seinen Belastungen nicht mehr stand und zerbarst unter dem Druck der Steuerkräfte bei 20 Knoten Downhillsurfen. Für PUMA hieß dies: Segel runter, beidrehen, reparieren. Bereits am 24. Mai gegen drei Uhr in der Nacht überquerte Torben Grael auf ERICSSON 4 zum vierten Mal als Sieger die Ziellinie. Schon 85 Minuten später reihten sich Ken Read und Team auf PUMA ein, nach der enttäuschenden Etappe von Rio nach Boston sicher ein wichtiger Moment für die Crew des fliegenden Turnschuhs. Nur weitere zwölf Minuten später konnten Ian Walker und seine chinesisch-irische Crew ihr Glück kaum in Worte fassen. Auf dem Weg in den Heimathafen der GREEN DRAGON mit einer bis dato überragenden Leistung als drittes Team einzulaufen, sorgte trotz der frühen Morgenstunde für begeisterte Jubelrufe im Hafen und ausgelassene Stimmung bis in die späten Morgenstunden. Auf Platz vier, fünf, sechs und sieben folgten innerhalb kürzester Abstände TELEFONICA BLUE, DELTA LLOYD, TELEFONICA BLACK und ERICSSON 3. Die achte Etappe des Volvo Ocean Race führte die Yachten von Galway durch den englischen Kanal und die Nordsee vorbei an Skagen bis nach Marstrand. Auf dem Weg durch die Irische See sorgten viel Wind und Welle von achtern für ein schnelles Vorankommen der Flotte – GREEN DRAGON scheinbar beflügelt durch den Heimaturlaub

vorne weg. Starke Böen und anspruchsvoller Seegang sorgten für spektakuläre Szenen in der aufgewühlten Irischen See. ERICSSON 4 zerstörte in einer Patenthalse eines der beiden Steuerräder, Torben Grael griff flux zur Notpinne und steuerte den 70-Fuß-CantingKieler erstmal per Hand weiter. Auch PUMA zerlegte es einige Male, jedoch glücklicherweise ohne ernsthafte Schäden. Überraschend zu dem Zeitpunkt jedoch das Leaderboard: TELEFONICA BLACK in knapper Führung vor GREEN DRAGON und ERICSSON 3. ERICSSON 4 und PUMA hingegen fand man in jenem Moment auf den Plätzen sechs und sieben. Nach der Sprintwertung vor Rotterdam übernahm ERICSSON 4 überraschend die Spitze des Feldes und konnte nach einem spannenden Finish im Skagerrak den Heimathafen Marstrand siegreich anlaufen. Die segelbegeisterten Schweden sorgten nicht nur für einen gebührenden Empfang der Yachten, sondern begleiteten die Flotte auch nach dem Start in die neunte, innerschwedische Etappe von Marstrand nach Stockholm lang genug, um live und hautnah mitzuerleben, wie TELEFONICA BLUE mit groben 15 Knoten Boatspeed auf einen kartierten

Stein fuhr. Rumms. Erste Bergungsversuche schlugen fehl und es bedurfte schließlich mehrerer Anläufe mit einem PS-starken Lotsenboot, um den Karbonrenner vom Stein runterzuzerren. Als die Shore-Crew von TELEFONICA BLUE mit den gröbsten Reparaturen begann, war soeben eines der spannendsten Duelle im bisherigen VOR zu Ende gegangen. ERICSSON 3 und PUMA hatten sich bis zum Schluss kurz vor Stockholm nichts geschenkt. So war es eine verpatzte Wende (die Genua verhakte sich in der Radarschüssel am Mast), die ERICSSON 3 den Sieg kostete. Ken Read freute sich, Magnus Olsson nahm’s überraschend gelassen sportlich. Auf PUMA war die Freude über den ersten Etappensieg bei der diesjährigen Auflage des Volvo Ocean Race sehr groß. Ein sichtlich gerührter Ken Read merkte in einem Interview an, dass es für ihn und sein Team scheinbar eben nur auf die harte Tour gut läuft und er überaus stolz ist, mit so einem starken Team segeln zu dürfen. Die letzte Etappe von Stockholm nach St. Petersburg hätte noch ein Mal für Spannung im Duell PUMA – TELEFONICA BLUE sorgen können. Nachdem Bouwe Bekking TELEFONICA BLUE jedoch

auf die Rocks gelegt hatte, gingen Ken Read und seine Truppe in klassischer Verteidigungsposition gegenüber TELEFONICA BLUE ins Rennen und mussten sich nur um diesen einen Gegner Gedanken machen. ERICSSON 4 war bereits nach der Etappe von Marstrand nach Stockholm der Sieg nicht mehr zu nehmen. TELEFONICA BLACK gab hingegen auf dem Schlussspurt noch mal Gas und siegte überraschend auf der letzten Etappe. Mit dem Zieleinlauf in St. Petersburg ging das Volvo Ocean Race 2008/2009 zu Ende, nachdem es die Segelwelt über neun Monate mit spektakulären Bildern und Geschichten entzückt hatte. TELEFONICA BLUE erhielt bei der Siegerehrung verdient den Pokal für den Gesamtsieg, PUMA beendete das Rennen auf Rang zwei und TELEFONICA BLUE demnach auf Platz drei. Die in Andenken an den bei der letzten Auflage tödlich verunglückten Niederländer gestiftete Hans Horrevoets Rookie Trophy für den besten Nachwuchssegler wurde dem deutschen Michi Müller, der auf PUMA teilnahm, vergeben. Herzlichen Glückwunsch! Was nach dem Volvo Ocean Race bleibt, ist zum einen die Vorfreude auf die kommende Ausgabe. Zum anderen jedoch lässt die plötzliche Ruhe auch Raum für Fragen. Wo liegt die Zukunft einer Hochseeregatta, die ohne beachtliches Sponsorenengagement nicht möglich ist? Das Volvo Ocean Race hat beeindruckend verdeutlicht hat, dass Segeln eine Attraktion darstellt. Segeln möchte gesehen werden und bei keiner Auflage bisher war dies so gut möglich wie bei der diesjährigen. Für die Süchtigen unter uns: Love it – or leave it! INFO WWW.VOLVOOCEANRACE.TV.

© Foto Dave Kneale/Volvo Ocean Race

Sailing Journal 04/2009  

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