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Das Magazin zum Kongress

Die Kunst des Wandels KLIMAWANDEL, NOTWENDIGE CO2-ZIELE UND -REDUKTION, ENERGIEEINSPARUNG UND EFFIZIENZ CRADLE TO CRADLE©, NACHHALTIGE LEBENSSTILE, NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG, NACHHALTIGES WOHNEN UND BAUEN PREMIERE: DAS ERSTE ENERGIE-AUTARKE MEHRFAMILIENHAUS SYMPOSIUM BE THE CHANGE – WELT IM WANDEL

PREIS: 15 CHF / 12 EURO

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THEMA

Die Kunst des Wandels

Leitthema des TMA-Kongresses 2014 Der Mensch ist mittlerweile der stärkste Treiber geoökologischer Prozesse. Damit wir die Belastbarkeitsgrenzen von Planet und Gesellschaften nicht vollends sprengen, ist es ratsam, wenn wir unsere Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensweise grundlegend verändern. Leider wissen wir aber nicht oder nur selten wie. Dabei sind wichtige Stossrichtungen für den epochalen Wandel längst skizziert und harren der Umsetzung. Der Wandel der Gesellschaft muss in den Köpfen der Menschen beginnen, bevor er technisch und mit wirtschaftlichem Erfolg umgesetzt werden kann. Der Kongress soll hierfür wiederum Beispiele, Ideen, Impulse und bereits bestehende Best Practices zeigen. Für Unternehmen, Politiker, Bürger, die nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein möchten.

„Wir freuen uns sehr, dass die Tage der Nachhaltigkeit nun auch in der Schweiz stattfinden und hoffen auch hier auf starke Impulse und Vernetzungen zu den Nachhaltigkeits-Herausforderungen mit Unternehmen, Gemeinden, Politikern, Bürgern und NGOs. Der Dank gilt an alle Partner und Unterstützer. Wir freuen uns auf spannende Begegnungen.“ Evelyn Oberleiter, Terra Institute.

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Seite 6 Inhaltsverzeichnis

ÜBERSICHT

VORSTELLUNG INITIATOREN »Seite 14

Terra Institute

»Seite 16

Umwelt Arena

»Seite 6

THEMATISCHE VERTIEFUNG

»Seite 7

Cradle to Cradle®-Design für Qualität und Sicherheit von Produkten und Prozessen

Einführung

Grusswort von Pascale Bruderer Wyss

EINFÜHRUNG »Seite 8

Warum Nachhaltigkeit heute so wichtig ist sowohl für Unternehmen als auch für die Bürger und die Gesellschaft von Ralf Nacke und Günther Reifer

KEYNOTE DONNERSTAG »Seite 10

Klimaschutz ist Risikomanagement von Thomas Vellacott

»Seite 18

von Michael Braungart

»Seite 20

Die Kunst des Wandels von Jürg Minsch

NACHHALTIGE LEBENSSTILE »Seite 22

Was sind nachhaltige Lebensstile? Wie kann ich nachhaltig leben?

»Seite 24

Die 2000 Watt Gesellschaft – von der Vision in die Realität. Eine Standortbestimmung von Thomas Blindenbacher

»Seite 25

Nachhaltige Kleidung – umwelt- und menschenfreundliche Mode? von Simona Matt

»Seite 26

»Seite 12

Energieverbrauch reduzieren – ein Plädoyer für den Mut zum Handeln. von Daniela Bomatter

»Seite 13

Schweizer Klima & Energiestrategie aus Sicht der Wirtschaft - warum sich eine Vorreiterrolle lohnt. von Nick Beglinger

Impressum »Seite 66 Sponsoren »Seite 53–56 Wissenschaftlicher Partner »Seite 57

Nachhaltige Mobilität in der Zukunft: Trends und Herausforderungen von Merja Hoppe

»Seite 27

Potentiale zur CO2-Reduktion im Pkw-Bereich und Nachhaltigkeitsstrategien der Automobilindustrie von Marko Gernuks

»Seite 28

Nachhaltige Ernährung: mit „ONE-TO-WE“ den CO2 Ausstoss senken von Kornell Otto

»Seite 30

Best practice für regionale Lebensmittel in Südtirol Interview mit Ulli Wallnöfer


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

»Seite 33

Nachhaltiges Wohnen und Bauen

Was bedeutet und erfordert nachhaltige Unternehmensführung?

»Seite 45 »Seite 46

Das energie-autarke Haus – heute schon Realität? von Roger Balmer und Roland Zwingli

»Seite 48

Das erste energie-autarke Mehrfamilienhaus – Konzeption und Architektur von René Schmid

»Seite 49

Photovoltaik 2.0 – Photovoltaikanlage und Batteriespeicher

»Seite 34

Bedeutung von Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen und Wege zu nachhaltiger Personalführung und -Entwicklung von Vivian Dittmar

von Noah Heynen

»Seite 50

Energie-Ring Küssnacht – umweltfreundliche und sichere Energieversorgung von Hans Schäfer

»Seite 36

»Seite 51

Die Kunst der nachhaltigen Unternehmensverantwortung – eine Skizze

Holz – ein nachwachsender und CO2-speichernder Werkstoff für zukunftsorientiertes und nachhaltiges Bauen

von Mathias Schüz

von Silvia Furlan

»Seite 37

Bewertungskriterien und Studienergebnisse zur Nachhaltigkeit führender Schweizer und europäischer Unternehmen von Ralf Nacke

»Seite 39

Spass an der Nachhaltigkeit! von Patrick Kofler

»Seite 40

CO2 -Kompensation – Klimaschutzprojekte für Unternehmen Interview mit René Estermann

SEMINARE »Seite 58

Energieeinsparungs-Potentiale und Einsatz erneuerbarer Energien in Unternehmen von Wolfgang Lechner und Patricia Lechner-Focke

»Seite 59

Nachhaltige Führung und OE-Prozesse über Dialog-Kultur von Evelyn Oberleiter

»Seite 60

Was macht Unternehmen mit einer Wertekultur erfolgreich? von Lars Steinberg

»Seite 61

Emotionale und soziale Kompetenz kann man lernen! von Vivian Dittmar

»Seite 42

IKEA Nachhaltigkeitsstrategie 2020 – People & Planet Positive von Lorenz Isler

»Seite 62

Zukunftsfähige Nachhaltigkeitsberichte und -prozesse von Günther Reifer

SYMPOSIUM »Seite 65

Be The Change – Welt im Wandel von Christian Trebo

»Seite 63

Nachhaltiges Gesundheits-Management in Unternehmen! von Marcel Fischer


ÜBERSICHT

Einführung Wir freuen uns über Ihr Interesse an diesem Magazin und wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen. Der Kongress "think more about – Tage der Nachhaltigkeit" findet 2014 zum ersten Mal in der Schweiz statt: Vom 16.-18. Oktober werden internationale Persönlichkeiten zum Jahresthema „Die Kunst des Wandels“ referieren und Erfahrungsschätze für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft mit uns teilen.

2. Den Kongresstag mit den Auftakt- und Abschluss-Keynotes „Cradle to Cradle“ und „Die Kunst des Wandels“ sowie 23 Referaten mit Dialogrunden zu den drei Schwerpunktthemen: • Nachhaltige Lebensstile, • Nachhaltige Unternehmensführung und • Nachhaltiges Bauen und Wohnen – Das erste energieautarke Mehrfamilienhaus; 3. Ausgezeichnete Referenten, welche in ihren Themenstellungen sehr erfahren sind, neue Impulse geben und mit Best Practice Beispielen konkret aufzeigen, was wirklich machbar ist; 4. Die Vertiefung von 6 ausgesuchten Nachhaltigkeits-Themen am Seminartag 5. Das Symposium „Be The Change – Welt im Wandel“ (informierende und aufrüttelnde Filme gemischt mit Arbeitsrunden der Teilnehmer) 6. Kontaktmöglichkeit und Erfahrungsaustausch mit den Referenten und den anderen Teilnehmern 7. Besuch der 45 interaktiven Ausstellungen in der Umwelt Arena, des Indoor Parcours für E-Mobile u.v.m.

VISION: Fixer Termin zum Thema Nachhaltigkeit mit internationalem Anspruch, umsetzungsorientiert und innovativ. Treffpunkt für Unternehmer, Führungskräfte und „Jedermann/frau“. MISSION: Menschen informieren, wachrütteln und zum Handeln animieren. ZIELGRUPPE: Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter aus Unternehmen, Behörden, Fachleute & Experten sowie Interessierte für das Thema Nachhaltiges Wirtschaften und Ethik sowie nachhaltiges Bauen und Wohnen.

Über 30 ReferentInnen, u.a. der Cradle to Cradle Experte Michael Braungart, der Geschäftsführer WWF Schweiz Thomas Vellacott, die Geschäftsführerin EnergieSchweiz Daniela Bomatter, der Präsident des Schweizer Wirtschaftsverbandes swisscleantech Nick Beglinger, der CEO von myclimate René Esterman, die Impulsgeberin und Expertin für Soziale Kompetenzen Vivian Dittmar, die Professoren für Nachhaltige Entwicklung und Wirtschaft Jürg Minsch und Mathias Schüz, u.v.m., informieren in Form von Keynotes und Kurzimpulsen über den Wandel in Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft und ermutigen zu nachhaltigem Handeln.

KONGRESSIDEE: sie basiert auf dem erfolgreichen Konzept der Terra Institute. Unternehmen werden authentische Nachhaltigkeits-Ansätze mit ihren jeweiligen Vorteilen und konkreten Umsetzungsmöglichkeiten (Best Practice) aufgezeigt. Seit 4 Jahren führt Terra Institute diesen 2,5 tägigen Wirtschaftskongress bereits in Brixen (Südtirol) durch und konnte im Mai 2014 über 700 Teilnehmer dafür begeistern (www.thinkmoreabout.com).

„think more about“ wurde auch als Fortbildungsveranstaltung für Führungskräfte und Mitarbeiter konzipiert. Teilnehmer erhalten durch diesen Kongress und seine Gestaltung die Möglichkeit, gezielt Wissen und Praxiserfahrung über das Themenspektrum „Nachhaltigkeit und Ethik in Unternehmen und was dieses erfordert“ aufzunehmen sowie wertvolle Anregungen, wie dieses facettenreiche Themenspektrum in der eigenen Organisation weiter entwickelt und verankert werden kann.

VERANSTALTUNGSORT: die Umwelt Arena in Spreitenbach (AG) www.umweltarena.ch VERANSTALTER dieser „Tage der Nachhaltigkeit“ sind die Umwelt Arena und Terra Institute. Wissenschaftlich begleitet werden sie von der ZHAW – Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Unser ganz besonderer Dank gilt den Sponsoren für ihren finanziellen und inhaltlichen Beitrag zur Ermöglichung dieses TMA-Kongresses und dieses Magazins sowie der ZHAW – Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften mit dem INUR Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen für die wissenschaftliche Begleitung.

Was den Teilnehmer an diesem Nachhaltigkeitskongress vom 16.–18. Oktober 2014 erwartet und was wir in diesem Magazin dem interessierten Leser inhaltlich aufbereitet zu bieten haben: 1. Einführung in das Themenspektrum Nachhaltigkeit und drei interessante Vorträge am Auftaktabend zu Klimawandel, CO2-Reduktion und Energieeinsparung;

Günther Reifer

Ralf Nacke

Terra Institute

Walter Schmid

Terra Institute

Jörg Sigrist

Umwelt Arena

www.terra-institute.eu

Umwelt Arena

www.umweltarena.ch 6


ÜBERSICHT

Grusswort von Pascale Bruderer Wyss

Nachhaltigkeit ist ein grosses Wort. Fassbar wird es erst, wenn wir es an konkreten Beispielen veranschaulichen und mit Leben füllen. Genau diesen Anspruch verfolgt „think more about“ mit den Tagen der Nachhaltigkeit, die 2014 zum ersten Mal in der Schweiz stattfinden. Dabei wird eine Brücke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik sowie der breiten Bevölkerung geschlagen und aufgezeigt, was alltäglich gelebte Nachhaltigkeit bedeutet. Genau dieses Miteinander motiviert, umzudenken und gemeinsam die Chancen der Zukunft zu packen. Der Schlüssel dafür liegt nicht im Aufruf zum Verzicht, sondern in der Kunst des Wandels.

Pascale Bruderer Wyss, Aargauer Ständerätin und Präsidentin von Cleantech Aargau

Seminar- & Symposium-Tag

Kongress-Auftakt

Donnerstag 16.10. (ab 17.45 Uhr)

Samstag 18.10. (ab 9.00 Uhr)

Begrüssung und Einführung durch die Initiatoren 3 Keynote Sessions

6 Parallelseminare Vertiefung ausgesuchter Nachhaltigkeitsthemen

Podiumsdiskussion mit Integration des Publikums Apéro und Get-together

Symposium “Be The Change – Welt im Wandel“ www.be-the-change.de Abschluss mit Ausblick

Kongress-Tag

Freitag 17.10. (ab 8.45 Uhr) Auftakt Keynote: Cradle to Cradle Moderierte Dialogrunden mit 20 ReferentInnen

Lebensstile

Unternehmens- Das energie-autarke führung Haus

Kurzimpuls: Die Kunst des Wandels Abschluss mit Ausblick

Goldsponsor

Unser Engagement: unsere Zukunft.

Silbersponsoren

Bronzesponsor

Medienpartner

Kooperationspartner Südtirol

Cateringpartner


EINFÜRUNG

Warum Nachhaltigkeit heute so wichtig ist sowohl für Unternehmen als auch für die Bürger und die Gesellschaft von Ralf Nacke und Günther Reifer, Terra Institute Der Begriff Nachhaltigkeit wird heute in vielen Zusammenhängen genutzt und oft verwässert. Geben wir eine Definition zu Nachhaltigkeit, verweisen wir gerne auf: • „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen heutiger Generationen Rechnung trägt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen.“ Brundtland Bericht „Our Common Future“, UN Kommission für Umwelt und Entwicklung, 1987 • „Nachhaltige Entwicklung heisst, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“ Deutscher Rat für Nachhaltige Entwicklung, 2001

zukünftige Lebensstile werden wir den nachkommenden Generationen hinterlassen? Experten sehen das Nachhaltigkeits-Gleichgewicht mit den drei Säulen „Ökologie“, „Soziales“ und „Ökonomie“ stark gestört. Ökonomie und Wirtschaft sind überbetont und bekommen in den privaten Lebensbereichen einen immer grösseren Einfluss. Mit dem jährlichen Kongress „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ und den Beiträgen in diesem Magazin soll über das Themenspektrum „Nachhaltigkeit und Ethik“ aufgeklärt und die Bereitschaft zu notwendigen und möglichen Lösungen und Massnahmen geschärft werden. Mit neuen Denkmodellen aus der Green und Blue-Economy, aber auch weitergehenden Ansätzen und kritischen Situationsanalysen sowie authentischen Erfahrungsberichten bekommt der Teilnehmer und Leser nicht nur Wissen vermittelt, sondern kann für sich auch mitnehmen, was er selbst und/oder seine Firma konkret zur Verbesserung der Situation für nachhaltiges Leben und Unternehmertum beitragen können.

Unternehmen als Produzenten und Dienstleister, Bürger als Konsumenten, Politik und Gesellschaft sind gefordert, sich mit dem Themenspektrum „Nachhaltiges Wirtschaften und Ethik – was bedeutet das für uns?“ auseinander zu setzen. Umfragen zeigen, dass z.B. die Herausforderungen Klimaschutz und ökologischer Fussabdruck von vielen Menschen noch deutlich unterschätzt oder verdrängt werden. Dabei liegt der ökologische Fussabdruck der Schweiz heute bereits bei 2,8 Welten, d.h. wir überbeanspruchen mit unserer Lebensweise die vorhandenen Ressourcen um den Faktor 180%. Dass dieses Verhalten langfristig nicht tragbar ist, leuchtet jedem sofort ein – oder? Zudem drängen die Wirtschaft und vor allem neue Technologien in immer mehr Lebensbereiche vor und stellen uns vor enorme Herausforderungen. Welche Welt mit welchen Ressourcen und welchen Optionen für

Die Initiatoren wollen mit dem TMA-Kongress-Format die drei unterschiedlichen Strömungen in der Nachhaltigkeits-Debatte über „Dialog“ und Offenheit für Kooperation zusammen führen: 1. Vertreter der Old Economy, welche die ökologischen und sozialen Herausforderungen bislang nicht oder nur halbherzig und die sich daraus ergebende Verantwortung der Wirtschaft für notwendige umfassende Massnahmen nicht oder nicht umfassend annehmen wollen bzw. noch negieren. 8


SOZ IALE

S (z)

Soziales, Human Capital, Gemeinschaft, Empowerment, Beziehungs-Management,Dialog, soziales Engagement, …

stark sozial

vorwiegend sozial sozialökologischsozialökologischökonomisch vorwiegend ökologisch BIODIVERSITÄT

vorwiegend ökonomisch ÖKOEFFIZIENZ

heute stark ökonomisch

) IE (y

NOM ÖKO

Umwelt/Natur, Ökologischer Fussabdruck, Raubbau, Biodiversität,Internalisierung der Umweltkosten, Klimawandel, …

sozialökonomisch

ÖKOLOGIE (x)

Ökonomie, Wirtschaft, Investitionen, Arbeitsplätze, Kapital, Fortschritt, Globalisierung, Kontrolle, Einfluss, Rentabilität, …

Quelle Nachhaltigkeitsdreieck: wikimedia.org/wikipedia

2. Vertreter der Green und Blue Economy, welche in der Nachhaltigkeitsdebatte und den für notwendig erkannten Massnahmen überwiegend auf neue Technologien setzen. 3. Vertreter der Postwachstums- und der Gemeinwohlökonomie sowie anderer alternativer Nachhaltigkeits-Bewegungen, welche einen deutlich stärkeren Fokus auf die zwei Säulen bzw. die zwei Eckpunkte des Nachhaltigkeitsdreiecks Ökologie (Umwelt/Natur) und Soziales mit einschränkenden Rahmenbedingungen der jeweiligen Staaten bzw. Gesellschaften für die Ökonomie/Wirtschaft (speziell zur Internalisierung bislang nicht berücksichtigter externalisierter Kosten) fordern. Der Einstieg in die Nachhaltigkeits-Herausforderungen erfolgt zunächst über die nachstehenden 3 Keynotes zu den Themen „Klimaschutz ist Risikomanagement“, „Energieverbrauch reduzieren“ und „Notwendige Reduktion des Ausstosses mit Darstellung der Schweizer Klima- und Energiestrategie aus der Sicht der Wirtschaft“.

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Postwachstums- und Gemeinwohl-Ökonomie sowie andere alternative Nachhaltigkeits-Bewegungen

Vertreter der Green und Blue-Economy

Vertreter der klassischen Wirtschaft (Old Economy)

Klima- und Umweltschutzmassnahmen sind gut – aber: • Die westlichen Wirtschaften müssen schrumpfen (Suffizienz, Subsistenz, Regionalität, Umverteilung Arbeit, …) und mit gutem Beispiel vorangehen • Das aktuelle Wirtschaftssystem ist grundlegend zu reformieren (Internalisierung der verursachten Kosten) • Viele unterschiedliche Ansätze mit eingreifenden Massnahmen

• Technologie-Anstrengungen zur signifikanten Reduktion der CO2-Emissionen • Glaube an neue Umwelt- und Recycling-Techniken (inkl. neuer Wachstums- und Beschäftigungseffekte) • Halbherzige Apelle/Vorgaben an die Konsumenten und Produzenten zur Senkung des ökologischen Fussabdrucks • Der Handlungsdruck zum Klimaschutz wird unterschätzt

• Negierung des Klimawandels bis „es tut ja noch nicht weh“ • Glaube an unbeschränkte Ressourcen und weiteres Wachstum • Tolerierung der negativen Auswüchse des Neoliberalismus und der Globalisierung • Gegenseitige Schuldzuweisungen • Defizit: Bewusstsein für die Notwendigkeit der Nachhaltigkeits-Herausforderungen.


KEYNOTE DONNERSTAG

Klimaschutz ist Risikomanagement von Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz „The debate is over, we know the science.” Bald zehn Jahre ist es her, seit der damalige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger mit diesem Satz mehr Klimaschutz gefordert hat. Was ist seither passiert? Wir haben mehr Gewissheit und weniger Zeit, wie der fünfte grosse Bericht des Uno-Klimarats IPCC eben gezeigt hat. Die Wissenschaft ist sich inzwischen so gut wie sicher („extremly likely“), dass der Mensch Hauptursache der Klimaerwärmung ist. Ob Achtziger-, Neunziger oder Nullerjahre: Jede der drei letzten Dekaden war jeweils deutlich wärmer als alle zuvor seit Messbeginn. Behauptungen, wonach der Erwärmungstrend in den letzten Jahren zum Erliegen gekommen sei, stellen sich als falsch heraus, sobald man die Wärmeabsorption der Ozeane mitberücksichtigt.

investiert, geht angesichts strenger werdenden Klimaschutzgesetzgebung ein beträchtliches finanzielles Risiko ein. 2. Werden Kunden meine Produkte morgen noch nachfragen? Klimaschutz und Energiewende verändern Kundenbedürfnisse und verschieben die Nachfrage hin zu effizienten, umweltschonenden Produkten. So erstaunt es nicht, dass Tesla Marktanteile gewinnt, während GM die Produktion des Hummers aufgrund kollabierender Nachfrage einstellte. 3. Können meine Kunden meine Produkte morgen noch kaufen? Auswirkungen des Klimawandels können zu vermehrten Unterbrüchen von Wertschöpfungsketten führen IKEA beispielsweise hatte 9 Mio. Dollar Umsatzeinbusse, weil Geschäfte wegen dem Wirbelsturm Sandy geschlossen bleiben mussten – und begründet u.a. mit solchen Risiken ihr Engagement für den Klimaschutz.

Was der neue IPCC Bericht sehr deutlich macht, sind die Unterschiede zwischen einer Welt mit 1.5 bis 2 Grad Erwärmung und einer mit „business as usual“, das zu 4 bis 6 Grad Erwärmung führt: Bei 1.5 bis 2 Grad Erwärmung verlangsamen etwa die für die Artenvielfalt wichtigen Korallen ihr Wachstum stark, mit „business as usual“ sterben sie und die Ozeane versauern wortwörtlich. Eine leichte Erwärmung dürfte die Getreideernten global leicht zurückgehen lassen, eine ungebremste Erwärmung könnte sie fast halbieren – und dafür die Zerstörungskraft von Hurrikanen um die Hälfte erhöhen.

Um das Risiko für Wirtschaft, Mensch und Natur zu minimieren, müssen wir aus der Nutzung fossiler Energien aussteigen. Das Projekt nimmt Fahrt auf: Bereits in 19 Ländern ist Solarstrom laut Deutscher Bank für Hausbesitzer inzwischen so günstig wie Strom vom Netz oder günstiger. Dänemark versorgt sich zeitweise bereits vollständig mit Windstrom, der offiziell günstigsten Energiequelle. Und US-Präsident Obama verlangt seit kurzem, fossile Reserven müssten im Boden bleiben. Eine bessere Welt ist zu kompliziert? Wir sagen es mit George Bernard Shaw: „People who say it cannot be done should not interrupt those who are doing it.”

Sicher, es gibt offene Fragen, beispielsweise, warum Extremereignisse global bereits stärker zugenommen haben als erwartet. Sicher ist aber: Der Klimawandel bringt kaum abschätzbare Risiken, und diese wachsen mit jedem Zehntelgrad zusätzlicher Erwärmung. «The climate system is an angry beast and we are poking it with sticks.» So hat es der amerikanische Erdwissenschafter Wallace Broecker gesagt. Klimaschutz ist darum Risikomanagement.

Thomas Vellacott ist seit Mai 2012 Geschäftsführer des WWF Schweiz. Er war im Private Banking der City Bank in London, Genf und Zürich und von 1998-2001 als Projektleiter bei McKinsey in Zürich tätig. Seit 2001 ist er beim WWF Schweiz, zunächst als Leiter Corporate Relations und ab 2003 als Mitglied der Geschäftsleitung für die Konzeption und Umsetzung der nationalen und internationalen Umweltschutzarbeit des WWF. Thomas Vellacott ist seit seinem 8. Lebensjahr Mitglied des WWF.

Risikomanagement ist eine Kernaufgabe jeder Unternehmensführung. Den Klimawandel dabei auszublenden, wäre fahrlässig. Auf drei Ebenen betrifft er jedes Unternehmen: 1. Ist mein Geschäft morgen noch rentabel? Im Lichte des Klimawandels passen Staaten ihre gesetzlichen Rahmenbedingungen an. Die Zahl der Länder mit Klimagesetzen hat sich in den letzten Jahren vervielfacht; zwei Drittel aller Emissionen weltweit werden heute von Klimagesetzgebungen erfasst. Höhere, alle Kosten widerspiegelnde Energiepreise und eine CO2-Abgabe fordern längst nicht nur der WWF, sondern auch der Internationale Währungsfonds oder Wirtschaftsgrössen wie Paul Polman (Unilever) oder Michael Bloomberg (Bloomberg). Wer heute in eine neue Ölheizung oder in Aktien von Ölfirmen

KEYNOTE SESSION DO.16.10. 18.30 UHR

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KEYNOTE DONNERSTAG

Energieverbrauch reduzieren – ein Plädoyer für den Mut zum Handeln. von Daniela Bomatter, Geschäftsführerin EnergieSchweiz Im Haushalt wird in der Schweiz knapp 30 Prozent der gesamten Energie verbraucht, ein Drittel davon, das sind 10% des Gesamtenergieverbrauchs, lässt sich durch effizienten Umgang mit Energie sparen. Die meisten Geräte im Haushalt werden nur wenige Stunden pro Tag genutzt, den Rest verbringen sie im Standby und verbrauchen dabei kumuliert oft mehr Strom als durch die aktive Nutzung. Eine ganz neue Publikation (more data less energy) der IEA (international Energy Agency), hat sich intensiv mit der Standby – Thematik von IT-Infrastruktur auseinandergesetzt. Daraus ein interessantes Beispiel: Der weltweite Strombedarf von Spielkonsolen wird bis 2015 auf mehr als 45 TWh beziffert, per 2020 auf 70 TWh, davon 80% ! nur um Netzwerk-Konnektivität zu erhalten, also nicht um zu spielen. Das entspricht ungefähr dem Energieverbrauch der ganzen Schweiz Mitte der 60er Jahre oder einem Drittel des heutigen Energieendverbrauchs der Schweiz. Hier braucht es einerseits technische und regulatorische Lösungen, die den Standby-Konsum minimieren, andererseits aber auch unser aller Handeln durch die Nutzung von Stromschienen und das konsequente Kaufen von energieeffizienten und standby-optimierten Geräten. Dies gilt für uns als Privatpersonen, aber in noch viel höherem Masse auch für Unternehmen.

es noch nicht oder nicht konsequent. Zwischen Können und Wollen scheint ein fast unüberwindbarer Graben zu sein. Was braucht es also, damit energiebewusstes Handeln zur Normalität wird? Wie verändert sich das Verhalten einer ganzen Gesellschaft? Was muss geschehen, damit energiebewusstes Handeln so normal wird, wie es heute normal ist, dass in Restaurants nicht mehr geraucht wird? Manche sagen, wir werden nur bewusster mit Energie umgehen, wenn die Energie so teuer ist, dass wir sparen „müssen“. Andere rufen nach gesetzlichen Vorschriften und Regulationen. Ich selbst glaube, dass wir es in der Hand haben, uns selbstbestimmt und verantwortungsvoll für einen nachhaltigeren Umgang mit Energie zu entscheiden. Dies ist ein Plädoyer für das „Tun“. Es ist ein Plädoyer dafür, unsere eigene Trägheit zu überwinden und konsequent energieeffizient zu handeln, anstatt nur energieeffizient zu denken. Ich freue mich darauf, in einer Welt zu leben, wo Energie- und Ressourcen effizientes Handeln zum guten Ton gehört.

Aber es geht nicht nur um Strom, zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs im Haushalt werden fürs Heizen eingesetzt. Wer effizient heizt, spart nicht nur Energie, sondern auch Geld: und zwar so viel, dass er jedes sechste Jahr gratis heizen kann. Ähnlich gross ist das Einsparpotential bei der Mobilität: Carsharing, öffentlicher Verkehr und Fahrrad statt Privatauto, effiziente Fahrzeuge, effizientes Fahrverhalten, das sind die Schlüsselbegriffe für einen reduzierten Energiekonsum für unser Mobilitätsverhalten.

KEYNOTE SESSION DO.16.10. 19.15 UHR

Daniela Bomatter ist seit 2013 Geschäftsführerin von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamtes für Energie, das innovative Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz begleitet und finanziert. Zuvor war sie für 5 Jahre CEO von Mobility International. In Ihrer Freizeit engagiert sich Frau Bomatter als COO für eine NPO, die unter anderem das „evolve Magazin für Bewusstsein und Kultur“ herausgibt.

Energiesparen im täglichen Leben ist wirklich einfach: LED einschrauben, Geräte nicht im Standby lassen, vernünftig lüften, Geräte der höchsten Effizienzklasse kaufen, duschen statt baden. Die Mehrzahl dieser Massnahmen liegen in unser aller Hände. Kein Warten auf neue Technologie, keine grossen monetären oder technischen Hindernisse, keine Nachteile in Kauf zu nehmen. Und trotzdem tun wir 12


KEYNOTE DONNERSTAG

Schweizer Klima & Energiestrategie aus Sicht der Wirtschaft - warum sich eine Vorreiterrolle lohnt. von Nick Beglinger, Präsident Swisscleantech

Im September 2014 wurde die Schweiz vom Weltwirtschaftsforum zum 6. Mal zum wettbewerbsfähigsten Land der Welt ernannt. Kaum ein Land bietet so gute Voraussetzungen für die Wirtschaft, um sich als Cleantech-Vorreiter global zu positionieren1. Die Schweiz ist aber auch ein Hochpreisland mit kleinem Heimmarkt. Um im internationalen

Wettbewerb kurz- und langfristig zu bestehen, muss sich die Schweizer Wirtschaft von der globalen Konkurrenz durch Innovation abheben. Und Innovation braucht Visionen. Seit 2009 arbeitet swisscleantech als Wirtschaftsverband, der sich für eine nachhaltige Marktwirtschaft einsetzt, daran, die Schweiz als Hub und globalen Vermittler für nachhaltige Entwicklung zu profilieren. Die Schweiz, für die swisscleantech sich einsetzt, ist eine Schweiz, die allen Bewohnerinnen eine hohe Lebensqualität bietet. Sie ist wettbewerbsstark und zukunftsfähig, weil sie innovativ, tolerant und weltoffen ist. Wirtschaft und Gesellschaft respektieren die natürlichen Grenzen und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Weg zu dieser Vision ist ein Wachstum, das weder die natürlichen, noch die menschlichen Ressourcen übernutzt. Denn eine ernsthafte Stärken-Schwächen-Analyse zeigt: Würden heute alle Menschen so leben wie die Bewohner der Schweiz, bräuchte es 2,8 Planeten Erde. Ein zu hoher Preis für das Wachstum von morgen.

Die Zielgruppen des Kongresses «Die Kunst des Wandels» zeigen es auf: Diese Ansicht teilen immer mehr Menschen, von jung bis alt. swisscleantech ist die Stimme jener Unternehmen, die Nachhaltigkeit weniger als Herausforderung, sondern als Chance verstehen. In der Klima und Energiepolitik zeigt sich aktuell wie sich die Spreu vom Weizen trennt. Denn die Energiewende ist nicht nur technisch machbar und langfristig gewinnbringend, sie birgt vor allem enorme First-Mover-Vorteile. Wenn es gelingt, unsere Energiepolitik auf die Bereiche Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auszurichten und diese optimal aufeinander abzustimmen, wird mehr Wertschöpfung vom Ausland ins Inland verlagert. Schlanke und transparente Rahmenbedingungen stärken den Heimmarkt und steigern zudem die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in den schnell wachsenden internationalen Cleantech-Exportmärkten. Beim Klima steht die Ampel auf gelb: Im April 2014 stiegen die CO2-Werte auf 400 ppm. Eine solche CO2-Konzentration wurde zuletzt vor über 800.000 Jahren auf der Erde gemessen. Um die globale Erwärmung bis 2050 bei durchschnittlich 2 Grad zu halten, müssen die Treibhausgas- und insbesondere die CO2-Emissionen global drastisch gesenkt werden. swisscleantech hat deshalb mit der Klimakampagne «We Tell you – Klima schützen lohnt sich» die Erhöhung des CO2-Reduktionsziels auf minus 40% bis 2020 gefordert. Der Bundesrat sah im Mai leider trotzdem noch keinen Handlungsbedarf für eine Erhöhung und bleibt beim Minimalziel von 20% Reduktion bis 2020. Das entspricht in keiner Weise einer Vorreiterrolle. Dies zeigt einmal mehr, dass gewisse Kreise

1. Cleantech ist ein Qualitätsmerkmal für nachhaltiges Wirtschaften. Cleantech sind nicht einzelne Industrien oder Branchen, sondern alle Prozesse, in denen höhere Ressourceneffizienz angestrebt wird, ein geringerer Bedarf an natürlicher Fläche, weniger Ausstoss von Schadstoffen und die Reduktion negativer Umwelteinflüsse. 2. Der Wirtschaftsverband swisscleantech (http://www.swisscleantech.ch) steht für eine nachhaltige und liberale Wirtschaftspolitik. Er ist die Schweizer und Liechtensteiner Stimme der grünen Wirtschaft und bündelt die Kräfte jener Unternehmen und Verbänden die der nachhaltigen Entwicklung auf internationaler Ebene Wert einräumen und eine Cleantech Vorreiterstrategie aktiv unterstützen. Nebst politischer Meinungsvertretung bietet swisscleantech Mitgliederdienstleistungen an (Datenbank, Newsservice, Veranstaltungen, Fokusgruppen) und unterstützt Referenzprojekte im In- und Ausland. swisscleantech vertritt rund 300 direkte Firmenmitglieder und über 20 Branchenverbände.

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zwar davon profitieren wollen, Vorreiter zu sein, aber nicht weitsichtig genug sind, den Vorsprung auch für die Zukunft zu sichern. Der Wirtschaft hat der Bundesrat damit einen Bärendienst erwiesen: Ökonomen wie Lord Nicholas Stern zeigen, dass es kosteneffizienter ist, frühzeitig in kohlenstoffarme Technologien und in eine Umstellung der Energiesysteme zu investieren, als die Kosten der Klimarisiken in Kauf zu nehmen. Diese Sichtweise wird sich längerfristig weltweit durchsetzen. Eine ambitionierte Schweizer Klimapolitik bietet deshalb für die Wirtschaft Chancen: Sie kann die Entwicklung von Lösungen anstossen, die weltweit bereits heute und noch vermehrt in Zukunft nachgefragt sein werden. Im November 2014 entscheidet der Bundesrat darüber, welche Klimaziele er auf der UNO Klimakonferenz im Dezember in Lima und 2015 in Paris verkünden wird. Das Reduktionsziel ab 2030 wird nun umso höher angesetzt werden müssen. Denn für Klima- wie für die Energiepolitik gilt: Je ambitionierter die Ziele, desto grösser die First-Mover-Advantages einer Wirtschaft und eines Standorts, der den Kurs halten kann – auf 2 Grad. swisscleantech setzt sich spezifisch und konsequent dafür ein, dass jetzt nicht noch einmal eine Chance verpasst wird. Nick Beglinger ist Gründer und Geschäftsführer der Zürcher Stiftung FFGS sowie Präsident des Wirtschaftsverbandes swisscleantech. Er sammelte Berufserfahrung bei McKinsey, Boston Consulting und der ING-Bank sowie in der Planung und Gestaltung komplexer Immobilien- und Infrastrukturprojekte in Asien und Middle East. Seit Mitte 2008 widmet er sich vornehmlich dem Thema, wie die Schweiz als Vorreiterin im Bereich der Grünen Wirtschaft profitieren und dabei auch einen Beitrag an die nachhaltige Entwicklung auf globaler Ebene leisten kann.

KEYNOTE SESSION DO.16.10. 20.10 UHR


VORSTELLUNG INITIATOREN

Kompetenzzentrum für Innovation und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Gesellschaft

Terra Institute ist ein europaweit agierendes Kompetenzzentrum für Innovation und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Gesellschaft. Wir sind spezialisiert auf die systemische Organisationsentwicklung und Neuausrichtung von Unternehmen, die Definition von nachhaltigen Unternehmensstrategien, das Design und die Umsetzung von Marketing- und Verkaufskonzepten, die Ausbildung von Mitarbeitern in Nachhaltigkeitskompetenzen, die Implementierung dialogischer Kommunikation sowie auf die fachliche wie prozessuale Begleitung des Innovationsmanagements. Unser Team besteht aktuell aus rund 30 interdisziplinären BeraterInnen aus acht verschiedenen Nationen. Entstanden ist das Terra Institut aus dem Impuls heraus, sinnvolle und nachhaltige Projekte für die Welt zu unterstützen, die aktuellen Krisen als Chance zu betrachten und damit Unternehmern neue Möglichkeiten der unternehmerischen Ausrichtung zu bieten. Wir sehen Unternehmen nicht allein als Mitverursacher der vorherrschenden Wirtschafts-, Ökologie- und Sozialprobleme, sondern als massgeblichen, starken Treiber von guten Lösungen. Dementsprechend entwickeln und begleiten wir Leuchtturmunternehmen, die nicht nur für sich, sondern auch für die gesamte Wertschöpfungskette und für die Region Verantwortung übernehmen und positiv gestaltend hier eine

Die „Terra-Blume“ als systemische Verknüpfung von sieben wesentlichen Unternehmensbereichen für eine nachhaltige Ausrichtung 14


VORSTELLUNG INITIATOREN

attraktive Vorbildwirkung ausstrahlen. Ihr unternehmerisches Tun gibt den Mitarbeitern und Kunden Antworten auf die Sinnfrage und sie beeinflussen ihr Branchen- und Regionalitäts-Umfeld durch eine neue Kultur des Dialogs und der Kooperation. Die Übersetzung dieser Ideen in „gute“ Produkte welche der Kreislauflogik entsprechen, liegt uns dabei besonders am Herzen.

Die „Terra-Blume“ eignet sich auch gut als Standort-Check, um überblicksmässig zu verstehen, wie weit das Unternehmen in den einzelnen Bereichen bezüglich vorherrschender Nachhaltigkeitsparameter bereits entwickelt ist und in welchen Bereichen prioritär entsprechender Handlungsbedarf bestünde. Dieser Status Quo Check ist häufig der Einstieg in eine langfristige Unternehmensentwicklung oder auch die Basis für eine erste Neuausrichtung im Unternehmen.

Um unserer Mission nachzukommen, sinnvolle und nachhaltige Projekte für die Welt zu unterstützen, haben wir in den letzten Jahren gemeinsam mit Kunden und wissenschaftlichen Partnern ein ganzheitliches Unternehmensmodell, die „Terra-Blume“ entwickelt und evaluiert. Dieses bildet alle wesentlichen Bereiche eines Unternehmens ab, ist untereinander systemisch verknüpft und bietet im Sinne einer möglichst verantwortungsvollen Zukunftsgestaltung Leitlinien und konkrete Handlungsvorschläge für Unternehmen an.

Um die Breite der Nachhaltigkeitsthemen gut und langfristig in den Unternehmen zu verankern, hat sich innerhalb des Institutes in den letzten Jahren eine eigenen Trainings- und Ausbildungsschiene, die Terra Academy, entwickelt. Prozessbegleitend arbeiten wir in der Academy mit neuen Lernmodellen, damit Mitarbeiter erfahrungsorientiert und aktiv Nachhaltigkeit konkret in ihren Unternehmensalltag integrieren lernen.

Wir haben gelernt, wie dieses breite Spektrum rund um das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen implementiert werden kann und begleiten unsere Kunden unter anderem • im Prozess der Integration des Themas „Nachhaltigkeit“ im gesamten Unternehmen von einer neuen systemischen Mission bis hin zur Sichtbarmachung in kunden-, medien- und gesellschaftswirksamen Veranstaltungen und der begleitenden internen und externen Kommunikation (Nachhaltigkeitsberichte und –prozesse inkludierend aller wichtigen Leitlinien wie GRI, ISO 26000, u.a.m., GreenEvents, Standortentwicklung) • in der Entwicklung von „guten“ Produkten im Sinne eines konsequenten Kreislaufdenkens oder unter Anwendung von Cradle to Cradle® bzw. Eco-Design Prinzipien • in wichtigen Organisationsentwicklungs-Prozessen (z.B. mit gruppendynamischen und interaktiven Workshop- und Konferenz-Techniken) in Richtung Partizipation oder Kreiskultur • in der Transformation einer Diskussions- hin zu einer lernenden Dialog-Kultur, die sich in einer lernenden Organisation widerspiegelt • im Check der gesamten Wertschöpfungskette unter dem Kontext der Nachhaltigkeitsstrategie und der damit verbundenen Nachhaltigkeits-Kommunikation von „Ethische Kundenbeziehungen“, über die Identifizierung verschiedenschichtiger Kundenbedürfnisse hin zu Marketing 3.0 • in Ihren Projekten zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks und zur Senkung der Energiekosten • in der Darstellung und Positionierung bzw. der Übersetzung ihrer authentischen Nachhaltigkeitsbestrebungen in die Marke und in die Integration in den Verkaufsprozess • in der Auswahl ihrer Lieferanten unter der Nachhaltigkeitsperspektive • in der Weiterentwicklung zu einer auf gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen sowie Eigenverantwortlichkeit basierenden Unternehmenskultur

TERRA MISSION UND VISION Unseren Auftrag sehen wir darin, Menschen und Systeme an das Netz des Lebendigen zurück zu verbinden und eine neue Geschichte über die Rolle der Wirtschaft zu schreiben und zu verbreiten. Wir wollen eine Systemveränderung über die Nachhaltigkeitsaspekte vorantreiben und Unternehmen darin befähigen, Teil der Lösung zu sein und nicht mehr Teil des Problems. Wir betrachten soziale und ökologische Verantwortung sowie persönliche Sinnstiftung als die Erfolgs-faktoren des 21. Jahrhunderts, die nachhaltige Entwicklung bedingen und potenzieren. Unser Men-schenbild basiert auf der Sichtweise, dass wir alle eins sind. Die Produkte und Dienstleistungen, die wir anbieten, sind Handlungsanleitungen für Nachhaltigkeit. Hierfür wurden wir 2012 auch von der UN als RCE - Center für Sustainable Development – akkreditiert.

VISION & MISSION STRATEGY & FINANCING

Terra Academ y - Bildungsan gebot für nach Wirtschaften haltiges finden Sie au f unserer Hom epage

SITE & LOGISTICS PRODUCT DEVELOPMENT & SUPPLIES

CONTROLLING & INTEGRATED REPORTING

MARKETING & DISTRIBUTION

www.terra-institute.eu Terra Institute Schweiz, Huobstrasse 25, CH-6333 Hünenberg See, T +41 41 78 30 275 Head-Office: Terra Institute GmbH, Säbenertorgasse 2/2, I-39042 Brixen, T +39 0472 97 04 84

ORGANIZATIONAL & EMPLOYEE DEVELOPMENT

Beispiel für den Status Quo Check eines Unternehmens an Hand der „Terra Blume“

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VORSTELLUNG INITIATOREN

nen die Umwelt Arena besucht. Über 100 Partner – darunter die vier Hauptpartner Zürcher Kantonalbank, Coop, Energie 360° AG und ABB Schweiz – informieren auf 4 Etagen und in 45 Ausstellungen zu Themen der Nachhaltigkeit in den Bereichen ‚Natur und Leben‘, ‚Energie und Mobilität‘, ‚Bauen und Modernisieren‘ sowie ‚Erneuerbare Energien‘. Wechselausstellungen zu verschiedensten Themen ergänzen die permanenten Ausstellungen und bilden zusätzliche Highlights und Schwerpunkte. Wirtschaftskongresse wie „think more about - Tage der Nachhaltigkeit“ oder der nationale Energyday 14, mit dem die Umwelt Arena eine Goldpartnerschaft pflegt und welcher am 25. Oktober 2014 unter dem Motto „Wenig Energie, volle Wirkung“, stattfinden wird, sind für Fachleute immer wieder Highlights in der Umwelt Arena.

Die Umwelt Arena Spreitenbach ist ein Ort, der Nachhaltigkeit und Innovation in den Mittelpunkt stellt. Auf anschauliche Art wird in spannend inszenierten Ausstellungen gezeigt, wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit einfach im Alltag umgesetzt werden können. Laien und Fachleute, aber auch Familien und Schüler, erfahren – alters- und interessensgerecht aufbereitet - viel Neues und Spannendes über Energieeffizienz im Alltag sowie die aktuellen Trends und Innovationen der Umwelttechnik. Glaubwürdige Informationen zu energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen sind eine wichtige Orientierungshilfe; und exakt hier setzt die Umwelt Arena an. Jeder Besucher erfährt, wie gleichzeitig die Umwelt und das eigene Portemonnaie geschont werden können. Seit Eröffnung im August 2012 haben bereits 200‘000 Perso16


VORSTELLUNG INITIATOREN

Mittlerweile haben auch Eventveranstalter die Umwelt Arena als Bühne und perfekten Austragungsort für Firmenanlässe, Seminare, Messen, Kongresse, Konzerte und Entertainment entdeckt. Insgesamt stehen 7 Seminarräume für 20 – 350 Personen sowie eine Arena, welche bis zu 4‘000 Personen Platz bietet, zur Verfügung. Rahmenprogramme wie Testfahrten auf dem Indoor Parcours (mit Zwei- oder Vierradfahrzeuge wie Tret-Kart, E-Bikes, Segways, bis hin zu den neuesten Elektroautos BMWi3, Nissan Leaf, Renault Twizy, VW e-up) oder spannende Führungen durch die Ausstellungen machen jeden Anlass zum nachhaltigen Erlebnis. Die Umwelt Arena bietet eine neuartige Kommunikationsplattform, die gezielt Angebot und Nachfrage ressourcenschonender Produkte, Dienstleistungen und Projekte zusammenführt. Die breite Themenpalette untermauert, dass alle Ausstellungspartner in ihrer Branche den Benchmark setzen und als nachhaltig führende Unternehmen wahrgenommen werden. Regelmässig stattfindende Netzwerkveranstaltungen finden grossen Anklang und bieten Gelegenheit für den individuellen und branchenbezogenen Gedankenaustausch mit wichtigen Exponenten der Energieszene.

Interessierte Unternehmen, Verbände und Organisationen, welche sich als Aussteller, Projektpartner oder Sponsoringpartner engagieren möchten, melden sich bei Jörg Sigrist, Geschäftsführer Umwelt Arena Spreitenbach, +41 418 13 00, www.umweltarena.ch Öffnungszeiten: Ausstellung: DO/FR von 10 bis 18 Uhr und SA/SO von 10 bis 17 Uhr. Events/Führungen DI– SO nach Vereinbarung. Abweichende Öffnungszeiten und detaillierte Daten Indoor Parcours siehe Website. 17


THEMATISCHE VERTIEFUNG

Cradle to Cradle®-Design für Qualität und Sicherheit von Produkten und Prozessen von Michael Braungart, Leuphana Universität Lüneburg, Universität Twente und Erasmus Universität Rotterdam Die Idee hinter Cradle to Cradle®-Design Cradle to Cradle®-Design ermöglicht kreislauffähige Produkte, die wirtschaftlich erfolgreich, förderlich für die Umwelt und gesund für den Verbraucher sind. Ihr innovatives Design geht über Form und Funktionalität hinaus: Cradle to Cradle®-Produkte werden mit besonderem Augenmerk auf ihre Inhaltsstoffe entwickelt und bieten damit eine neue Dimension von Produktqualität

und Sicherheit. Dadurch sind sie herkömmlichen Produkten wirtschaftlich, ökologisch und sozial überlegen. Es gibt zwei Kategorien von Cradle to Cradle®-Produkten: sie können entweder als Verbrauchsgüter in biologischen Kreisläufen geführt werden, oder lassen sich als Gebrauchsgüter in technischen Kreisläufen wiederverwerten. Verbrauchsgüter sind Naturfasern, Kosmetikprodukte, Waschmittel und ähnliches. Sie

sind so konzipiert, dass sie in einem biologischen Kreislauf immer wieder verwendet werden können. Sie werden zu biologischen Nährstoffen zersetzt und fördern biologische Systeme, zum Beispiel das Wachstum von Pflanzen. Aus den nachwachsenden Rohstoffen können dann neue Produkte hergestellt werden. Gebrauchsgüter wie Fernsehgeräte, Autos, synthetische Fasern etc. können nach Erfül-

PRODUKTION

PFLANZEN

PRODUKT

BIOLOGISCHER KREISLAUF FÜR VERBRAUCHSGÜTER

BIOLOGISCHE NÄHRSTOFFE

PRODUKTION/MONTAGE

TECHNISCHE NÄHRSTOFFE

TECHNISCHER KREISLAUF FÜR VERBRAUCHSGÜTER

PRODUKTE

NUTZUNG RÜCKGABE DEMONTAGE

BIOLOGISCHE ZERSETZUNG 18

BENUTZUNG


THEMATISCHE VERTIEFUNG

lung ihrer Funktion zu sogenannten technischen Nährstoffen zerlegt werden. Diese ermöglichen die Produktion neuer Gebrauchsgüter. Dem Benutzer wird letztendlich nur die entsprechende Dienstleistung, z.B. der Fernsehempfang, zur Verfügung gestellt. Die Materialien bleiben Eigentum des Herstellers, der sie über Rücknahme- und Recyclingsysteme weiter im technischen Kreislauf behält. Cradle to Cradle®-Design macht den heutigen Abfallbegriff überflüssig: alle Gegenstände, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, können als Nährstoffe für biologische oder technische Kreisläufe dienen. Dieses Designkonzept soll den Weg zu einem neuen Wirtschaftssystem bereiten, in dem Produkte und Prozesse nicht reglementiert werden müssen, um die Umwelt weniger zu schädigen. Im Gegenteil, mit ihrer positiven Wirkung auf Mensch und Umwelt sollen Cradle to Cradle®-Produkte sogar einen möglichst grossen „ökologischen Fussabdruck“ hinterlassen.

Cradle to Cradle®-Design ermöglicht eine Industriegesellschaft, die ihre Produktionsverfahren nach dem Modell der Natur gestaltet. Sie kennt keinen Abfall, Verzicht oder Einschränkungen, sondern setzt einfach die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ein. Die Natur arbeitet ständig nach diesem Prinzip: blühende Bäume im Frühling sind scheinbar verschwenderisch, denn nur aus wenigen Blüten werden neue Bäume entstehen. Doch alle Blüten, die nicht der Vermehrung dienen, fallen zu Boden und werden zu Nährstoffen für andere Organismen – eine geradezu nützliche Verschwendung.

AUFTAKT KEYNOTE FR.17.10. 8.40 UHR

Die Umsetzung von Cradle to Cradle®-Design Cradle to Cradle®-Design beschränkt sich nicht nur auf das Produkt selbst, sondern betrachtet die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Verbleib des Produkts. Dabei werden alle Input-Materialien analysiert und Empfehlungen hinsichtlich biologischer oder technischer Kreislauffähigkeit erarbeitet. Durch Kommunikation mit allen Akteuren entlang der Warenkette können die Herstellungsprozesse wirtschaftlich optimiert werden. Am Ende steht die Qualität und Sicherheit des Produkts. Die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH unterstützt Firmen darin, diese Vorteile mit Marketingaussagen dem Endkunden zu vermitteln. Die Anwendung von Cradle to Cradle®-Design bietet auch für das Management im Unternehmen grosse Vorteile. Das Konzept macht Risiko-, Einkaufs- und Prozessmanagement transparenter, optimiert Umwelt- und „Abfall“-kosten, und ermöglicht auch, soziale Aspekte entlang der Produktionskette einschätzbarer zu machen. Cradle to Cradle®-Design verbessert dadurch die Wirtschaftlichkeit im gesamten Wertschöpfungszyklus.

Prof. Dr. Michael Braungart ist Gründer von EPEA, ein internationales Umweltforschungs- und Beratungsinstitut (HH). Er lehrt seit 1994 an der Leuphana Universität Lüneburg und hat dort die Professur Cradle to Cradle® & Öko-Effektivität inne. Zudem hält er die Lehrstühle für Cradle to Cradle® Innovation & Qualität an der Rotterdam School of Management (RSM) und für Cradle to Cradle® Design an der Universität Twente in Enschede. Zusammen mit William McDonough verfasste er das Buch „Einfach intelligent produzieren“ (Originaltitel „Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“). Darauf aufbauend erschien 2008 „Die nächste industrielle Revolution: Die Cradle-to-Cradle-Community“.

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THEMATISCHE VERTIEFUNG

Die Kunst des Wandels von Jürg Minsch, ZHAW Karl Polanyi’s Grosse Erzählung Es gibt gute Augenblicke, um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschehen in eine starke Erzählung zu fassen. Karl Polanyi gelang dies. In seinem 1944 erschienenen Buch «The Great Transformation» beschreibt er die erste Industriellen Revolution. Mindestens fünf sich gegenseitig verstärkende Entwicklungen waren für die damalige wirtschaftliche Entfesselung zentral: Der wissenschaftliche Fortschritt brachte bis anhin ungeahnte technische Fähigkeiten. Eine entstehende Unternehmerschaft sah Verwertungschancen und nutzte sie, koordiniert durch eine sich entwickelnde Marktwirtschaft und zunehmend zivilisiert durch den sich formierenden demokratischen Rechtsstaat. Faszinierend und inspirierend an Polanyi’s Ansatz ist, dass er ökologische, soziale, ökonomische und politisch-gesellschaftliche Entwicklungen in ihrem Zusammenwirken betrachtet. Erst so ist überhaupt zu verstehen, wie die Industrielle Revolution möglich wurde. Es wird deutlich, dass es sich dabei bei weitem nicht nur um eine technisch-industrielle Revolution handelte, sondern ebenso sehr um eine gesellschaftlich-intellektuelle Revolution. Kurz: neben der neuen Technik und dem Willen, diese zu nutzen, war die Entwicklung der Marktwirtschaft und der rechtstaatlichen Demokratie genau so wichtig. Auch hier waren Kreativität und Gestaltungswillen absolut notwendig.

Umwelt für Emissionen und Abfälle. Weit offene Wachstumsperspektiven für praktisch alle Branchen und ebenso offene Ausbaupotentiale für staatliche Leistungen und die Sozialwerke. Die Weltlage war überblickbar, wenn auch nicht ungefährlich. «Wohlstand und Frieden durch Wachstum» war das Motto. Diese Variante unseres Wohlstandsmodells ist überholt. Die Annahmen haben sich grundlegend geändert: Die Ressourcenbasis ist in jeder Hinsicht unsicher. Die Grenzen der Aufnahmekapazitäten der natürlichen Umwelt sind Realität. Wachstum ist nicht länger die pauschal gültige Zauberformel für Wohlstand und Frieden, es muss sich qualifizieren und legitimieren: Was soll wachsen? Zu welchem Zweck? Zu wessen Lasten? Wenn man genau hinschaut, erkennt man aber auch: Eine neue Erzählung hat bereits begonnen. Eine neue Erzählung: Die Globale Grosse Transformation ... Die Welt ist im Umbruch – ganz unabhängig von der ökologischen Frage. Neue globale Players – neben China insbesondere Indien, Brasilien und Südafrika – haben sich erfolgreich als ökonomische und geopolitische Kraftzentren etabliert. Hier wohnt der neue globale Mittelstand und entwirft die künftigen Konsummuster und Lebensstile. Zur Illustration und Inspiration vier Zahlen: Im Jahr 2000 lebte rund 70% der globalen Mittelklasse in den USA, Europa und Japan. 2050 werden es noch etwa 17% sein. Im Jahr 2000 lebte 10% der globalen Mittelklasse in China und Indien, 2050 können es gut 60% sein. Ausserdem sind die neuen Player längst auf dem Weg in die Hochtechnologie. Der Wettkampf um die Technologieführerschaft wird nicht mehr allein in der nördlichen Hemisphäre entschieden. Kein Zweifel: Die gewohnten globalen Kräftehierarchien – wirtschaft-

Der Erzählung zweiter und letzter Teil Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestätigte dies eindrücklich. Europa und die industrialisierte Welt erlebten eine Renaissance dieser Revolution - auf der Grundlage folgender «Übungsannahmen»: Gesicherte Ressourcenbasis, sowohl was Energie und Rohstoffe angeht. Scheinbar unerschöpfliche Aufnahmekapazitäten der natürlichen 20


© JPS Fotolia.com

THEMATISCHE VERTIEFUNG

lich, politisch, wissenschaftlich – ordnen sich neu. Die «Halbwertszeit» von Geschäftsmodellen verkürzt sich dramatisch. Wie schaffen wir Frieden und Wohlstand, Lebensqualität heute? Für mich ist klar: Wir stecken mitten in einer neuen, diesmal Globalen Grossen Transformation. Fast alles ist in Bewegung, vieles ist möglich. Eine historische Chance auch für eine Nachhaltige Entwicklung.

Der Übergang zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft setzt Kreativität und Engagement voraus in den Bereichen Wirtschaft (Produktidee/ -gestaltung, Geschäftsmodelle, Unternehmensform, Eigentum, Design der Marktwirtschaft, Geld- und Finanzordnung, Weltwirtschaftsarchitektur), Technik, auch Architektur und Stadtentwicklung, dann aber auch in der Demokratieentwicklung, in der Politik und der Zivilgesellschaft. Und zwar gleichzeitig und gleichwertig. Soweit meine ersten hinskizzierten Notizen. Weitere und tiefere Gedanken müssen folgen – vor allem aber Taten. Dazu lade ich Sie ein, verehrte Leserin, verehrter Leser.

... und erste Notizen dazu Mir scheint, es ist dies ein guter Augenblick für ein Gedankenexperiment. Man kann sich überlegen, mit Karl Polanyi’s Repertoire im Kopf, die heutige Situation zu beschreiben. Hier erste Notizen: Wissenschaft, Technik und viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind bereit für eine neue starke Erzählung. Es gibt viele interessante, Mut machende und inspirierende Pfadfinderprojekte für eine Nachhaltige Wirtschaft. Und dauernd kommen neue hinzu. Ich meine: hier liegen wir auf Kurs. Aber noch etwas fällt auf: meist fristen sie (noch) ein Dasein in der (Markt)Nische. Schlummernde Potentiale. Fest «Verpuppt» die meisten – erst einzelne schillernde Schmetterlinge, noch keine Schmetterlingswiese!. Damit es eine Schmetterlingswiese wird, damit aus Einzelbeispielen der wirtschaftliche Normalfall werden kann, muss noch einiges dazukommen: eine Marktwirtschaft und eine Politik im Kreativmodus! Hier mangelt es meiner Ansicht nach in der Schweiz dramatisch. Denn aller Innovationsrhetorik und allen „Fördergiesskannen“ zum Trotz herrscht eine ausgesprochen defensive, dem Neuen und Ungewohnten gegenüber abwehrende Grundhaltung. Defensivmodus. Noch ist die Schweiz als Ganzes kein Innovationspark! Kreativmodus heisst: Koalitionen der Willigen schmieden. Das ist die Kunst des Wandels: Nicht auf „Bern“ warten und auch nicht auf „Brüssel“ oder auf sonst wer, sondern das notwendige innovative Milieu selber schaffen! Denn Transformationsprozesse kommen nicht von oben – auch das zeigt Karl Polanyi’s Analyse – sie werden gemacht von kreativen, unternehmungsfreudigen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen.

Literaturhinweis: Karl Polanyi (1978): The Great Transformation. Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt (Originalausgabe 1944: The Great Transformation)

KURZIMPULS

FR.17.10. 17.00 UHR

Dr. Jürg Minsch war Mitglied des Schweizerischen Rats für Nachhaltige Entwicklung und Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität für Bodenkultur Wien BOKU. Heute ist er tätig als unabhängiger Nachhaltigkeitsforscher: «minsch sustainability affairs – Strategien für Demokratie, Marktwirtschaft und Ökologie». Lehraufträge an der ETH Zürich, an der Universität Bern und an der BOKU Wien. Seit April 2014 ist er Dozent und Co-Leiter der Forschungsgruppe «Umweltbildung» am IUNR Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW in Wädenswil.

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Was sind nachhaltige Lebensstile? Wie kann ich nachhaltig leben? Verliere ich dadurch an Lebensqualität? Ernährung: • Fleischkonsum halbieren (gute Qualität) • Regionale Lebensmittel • Fair-Trade- und Bio-Produkte

Was bedeutet nun Nachhaltigkeit im Privatbereich, ohne eine Einschränkung der Lebensqualität vornehmen zu müssen? Grundsätzlich geht es – was den meisten Menschen auch bereits bekannt ist – 1. um die Schonung der Umwelt und Natur (Ökologie) und hier primär darum, den ökologischen Fussabdruck zu senken, 2. um die eigene Lebensweise (ausbalanciert, gesundheitsbewusst, wertschätzender Umgang mit sich selbst und anderen Menschen, …) und 3. um das Engagement für die Familie, die Freunde/Bekannte und das Gemeinwohl.

Mobilität: • Urlaub in der Region (weniger fliegen) • Mehr Öffentliche Verkehrsmittel nutzen • Mit anderen mitfahren (Car-Sharing) • Fahrrad und E-Mobile • Skypen anstatt Geschäftsreisen

Wenn Menschen ihren ökologischen Fussabdruck messen, sind die meisten sehr erstaunt, wie stark Sie die Umwelt wirklich belasten. Auf der WWF-Seite findet sich zum Beispiel ein Footprint-Rechner: www.wwf.ch/de/aktiv/besser_leben/footprint/

Konsum • Weniger Kleidungsstücke (z.B. T-Shirts) – dafür bessere Qualität • Recycling/Rückgabe von Kleidungsstücken • Regionale Herstellung • Prüfen, ob Anschaffung wirklich sinnvoll (ausreichende Nutzung – oder nur „nice to have“) • Sharing von Anschaffungen (Hochdruckreiniger, …) z.B. über Nachbarschaftshilfe

Meist werden bei „Nachhaltige Lebensstile“ 4 Themenbereiche angesprochen: Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum. Die nachstehenden Stickpunkte dienen exemplarisch zur eigenen Überprüfung – ohne abschliessend sein zu wollen.

Wichtig sind auch Gesundheitsprävention und die eigene Lebensweise: • Ausgewogene Ernährung, bewusst essen, • Umgang mit Stress, Rückzugszeiten, Suchtthemen • Ausreichend Bewegung (Ausdauer und Kraft)

Wohnen: • Dämmen (Aussenfassade, Fenster) • Heizen, Solarenergie, Geothermie, • Beleuchtung, Energieverbrauch reduzieren (Haushaltsgeräte) • Verdichtetes Wohnen

Die Auflistung könnte noch weiter ausgebaut werden. Wir freuen uns mit Ihnen auf die spannenden Beiträge der Referenten und den Dialog mit den Teilnehmern zu diesem 1. Themenkomplex „Nachhaltige Lebensstile“.

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Die 2000 Watt Gesellschaft – von der Vision in die Realität. Eine Standortbestimmung von Thomas Blindenbacher, Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft c/o EnergieSchweiz für Gemeinden Die 2000-Watt-Gesellschaft ist eine Vision für eine gemeinschaftliche, gerechte und attraktive Zukunft. Der Fokus liegt dabei auf den beiden Leitindikatoren „Energiebedarf “ und „Treibhausgasemissionen“ - in der festen Überzeugung, dass Ressourcen- und Landknappheit sowie das Klima für uns und die zukünftigen Generationen die grössten Herausforderungen darstellen. Jedem Einwohner stehen in der 2000-Watt-Gesellschaft langfristig die Emissionen von 1 Tonne CO2 pro Jahr, und der Bezug von 2000 Watt Dauerleistung zu (Stufe Primärenergie). Viele Städte und Gemeinden haben sich in den letzten Jahren diesen 2000-Watt-Zielen verpflichtet und sie in ihre energiepolitischen Leitlinien oder sogar ihre Gemeindeordnung integriert. Nun geht es darum, dieses visionäre, übergeordnete Ziel inhaltlich zu konkretisieren und klare, einfach verständliche Anforderungen dafür transparent zu definieren.

12000 10000 8000 6000 4000 2000 0 BANGLADESH

AFRIKA

WELT

SCHWEIZ

WESTEUROPA

USA

Grafik: Watt-Verbrauch pro Person | Schweiz im internationalen Vergleich

7‘000 6‘300 GESAMT 6‘000

5‘800 NICHT ERNEUERBAR ERNEUERBARE ENERGIETRÄGER

5‘000

Grundsätzliche und übergeordnete Ziele für die Schweiz: 3 mal weniger Energieverbrauch und 8 mal weniger CO2-Ausstoss als heute und zwar für alle: • Haushalte, Städte, Gemeinden, Kantone • Gewerbe, Industrie • Gebäude, Mobilität, Wärme, Strom

4‘000 3‘500 GESAMT 3‘000

2000 NICHT ERNEUERBAR

2‘000

2‘500 GESAMT

1‘000 NICHT ERNEUERBARE ENERGIETRÄGER

500 NICHT ERNEUERBAR

0

Frage: «Ist die 2000-Watt-Gesellschaft ohne Komforteinbusse möglich?» Antworten: 1. Ohne Einschränkung der Lebensqualität: ja! Lebensqualität verstanden als Glück, Zufriedenheit, Erfüllung, Wohlbefinden 2. Ohne Einschränkung des Lebensstandard: nein! Lebensstandard verstanden als Anhäufung von materiellen Güter und materiellem Luxus

1950

1960

1975

1990

2005

2020

2035

2050

2075

2100

Grafik: Der Absenkpfad in Richtung 2000 Watt-Gesellschaft

AUFTAKT KEYNOTE FR.17.10. 9.45 UHR

Thomas Blindenbacher hat 2005 sein Studium für Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich abgeschlossen. Er leitet seit 2012 die nationale Fachstelle der 2000-Watt-Gesellschaft im Auftrag des Bundesamtes für Energie und EnergieSchweiz für Gemeinden. Als Bereichsleiter für Nachhaltige Entwicklung ist er seit 2011 Mitglied der Geschäftsleitung und Partner bei der Amstein + Walthert AG in Zürich. 24


NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Nachhaltige Kleidung – umwelt- und menschenfreundliche Mode? von Simona Matt, COOP

Faire Produktion für Mode, die Freude macht Ob beim Essen, bei der Energienutzung oder bei Bekleidung – Nachhaltigkeit ist der neue Massstab. Bei den Kleidern beginnt der bewusste Umgang mit Ressourcen beim Rohstoff und endet längst nicht erst beim Kunden zu Hause. Die vormals kleine Auswahl ist heute einer breiten Palette an trendiger Mode gewichen. Neben bewusstem Konsum, ist bei nachhaltigen Kleidern die gesamte Produktionskette wichtig: Anbau, Verarbeitung, Transport sowie Verpackung. Coop Naturaline für reine Lebensfreude Coop setzt mit Naturaline seit rund 20 Jahren auf eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion von Textilien und beweist, dass sich Lebensfreude und Nachhaltigkeit optimal ergänzen. Die Philosophie von Naturaline lässt sich einfach zusammenfassen: 100 Prozent faire Produktion, 100 Prozent Bio-Baumwolle, 100 Prozent Transparenz in der Lieferkette und 100 Prozent CO2-Neutralität. Dank der langjährigen Partnerschaft mit der Textilhandelsgesellschaft Remei aus Rotkreuz konnte Coop diese faire Bio-Baumwollkette aufbauen. Coop gehört gemeinsam mit Remei weltweit zu den Pionierinnen für fair gehandelte Bio-Baumwolle.

ihre Gesundheit und müssen keine Kredite für teure Agrochemikalien oder gentechnisch manipuliertes Saatgut aufnehmen. 100 Prozent fair Die faire Produktion umfasst sowohl den Anbau der Bio-Baumwolle als auch die Verarbeitung von Textilien. Beim Anbau der Bio-Baumwolle setzt Coop für Naturaline auf den bioRe®-Standard, der den Kleinbauern diesen Mehrwert bietet: • Ausbildung und Beratung im Biolandbau durch Experten in von Coop finanzierten Schulungszentren. • Abnahmegarantie für die Baumwollernte. • Bio-Prämie von 15 Prozent, zusätzlich zum Marktpreis. • Lokale Investitionen und Re-Investitionen der Gewinne vor Ort. 100 Prozent transparent Naturaline steht für eine transparente und durchgehend kontrollierte Produktionskette. Zusätzlich tragen immer mehr Kleidungsstücke von Coop Naturaline auf der Einnähetikette einen Zahlencode mit dem der

Konsument unter www.biore.ch die Route vom Anbau der Bio-Baumwolle über mehrere Produktionsstufen bis hin zum fertigen Produkt verfolgen kann. 100 Prozent CO2-neutral Bei Anbau, Herstellung und Transport wird der CO2-Ausstoss bei Coop Naturaline so gering wie möglich gehalten. Nicht vermeidbarer CO2-Ausstoss wird eingespart indem Coop gemeinsam mit der bioRe®-Stiftung seit 2008 für indische und tansanische Familien 2’500 Biogasanlagen sowie 3’300 effiziente Holzöfen baute. 100 Prozent Lebensfreude Coop Naturaline steht für freudvolle Mode aus reiner Bio-Baumwolle, die fair und umweltfreundlich produziert ist. Naturaline bietet somit Kleider für Frauen, Männer und Kinder, um gut auszusehen und sich gut zu fühlen.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 11.15 UHR

100 Prozent bio Coop lässt Naturaline-Textilien ausschliesslich aus fair gehandelter Bio-Baumwolle herstellen. Diese wird von rund 8’000 Bauern in Indien und Tansania nach dem nachhaltigen bioRe®-Standard angebaut und verarbeitet. Durch den bewussten Verzicht auf chemische Hilfsmittel beim Anbau schützen die Bauern

Simona Matt studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich und Corporate Responsibility and Social Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Seit sieben Jahren betreut sie bei Coop die Nachhaltigkeits-Eigenmarke Naturaline. Naturaline-Textilien werden ausschliesslich aus fair gehandelter Bio-Baumwolle hergestellt, die von Bauern in Indien und Tansania nach dem nachhaltigen bioRe® Standard angebaut und verarbeitet werden.

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Nachhaltige Mobilität in der Zukunft: Trends und Herausforderungen von Merja Hoppe, ZHAW Was bedeutet nachhaltige Mobilität und wie können wir sie erreichen? Die Frage lässt sich besser beantworten, wenn wir zunächst klären, warum wir bis jetzt nicht nachhaltig mobil sind und generell nicht nachhaltig leben. Ein Grund ist, dass viele menschliche Grundmotivationen zu nicht-nachhaltigem Verhalten führen. Dem gilt es entgegen zu steuern – was u.a. bislang nicht gelungen ist, weil „Nachhaltigkeit“ nicht klar definierbar sondern Verhandlungssache zwischen unterschiedlichen Interessen ist. Wir können uns einer nachhaltigen Mobilität allerdings annähern, indem wir uns fragen: I. welche Zukunft wahrscheinlich ist und II. welche Zukunft wir uns eigentlich wünschen. Den Unterschied zwischen der wahrscheinlichen und der gewünschten Zukunft gilt es zu überwinden. Die Dialogrunde will dies diskutieren: Zukunftstrends, Zukunftsvisionen und mögliche Lösungen. Nachhaltigkeit als Begriff kritisch zu hinterfragen gehört ebenso dazu wie ein Zukunftsbild unserer Mobilität zu entwerfen und Wege für den Wandel anzudenken.

GEGENWART SYSTEM VERSTEHEN

TRENDS IDENTIFIZIEREN

WANDEL

ZUKUNFT

WANDEL GESTALTEN

VISION ENTWICKELN

INFRASTRUKTUR WIRTSCHAFT

«ENERGIEWENDE» «NACHHALTIG MOBIL» «ALTERNATIV LEBEN»

POLITIK PLANUNG

MOBILITÄTSVERHALTEN

GESELLSCHAFT

TECHNOLOGIE

ANSATZPUNKTE & PRINZIPIEN FÜR WANDEL

«BUSINESS AS USUAL» «MORE OF THE SAME»

RAUMSTRUKTUR

Dr. Merja Hoppe leitet am Institut für Nachhaltige Entwicklung der ZHAW die angewandte Forschung zum Thema “Nachhaltige Transportsysteme”. Sie studierte Geographie mit Studienrichtung Geoökologie, Meteorologie und Publizistik und promovierte 2006 an der Philipps-Universität Marburg im Bereich Regionalökonomie. Sie war als Senior Economist im Economic Research der Credit Suisse in Zürich tätig. Seit 2010 an der ZHAW, forscht sie zu Mobilität und Transport in Zusammenhang mit räumlichen und

sozio-ökonomischen sowie technologischen Entwicklungen. Ziel ist, Mobilität und Verkehr im Zusammenhang mit Gesellschaft und Wirtschaft zu sehen und nachhaltiger zu gestalten. Nachhaltigkeit wird als ökologisch verträglich, aber auch gesellschaftlich lebbar und wirtschaftlich tragfähig definiert.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 11.15 UHR

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Potentiale zur CO2-Reduktion im Pkw-Bereich und Nachhaltigkeitsstrategien der Automobilindustrie von Marko Gernuks, Volkswagen AG Volkswagen hat sich das Ziel gesetzt, im Jahr 2018 der umweltfreundlichste Automobilhersteller zu sein. Dafür arbeitet das Unternehmen aktuell mit Hochdruck daran, den CO2-Ausstoss seiner Produkte weiter signifikant zu reduzieren. Dies umfasst sowohl Effizienzsteigerungen bei den konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren als auch die Weiterentwicklung der alternativen Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

LIFE CYCLE ENGINEERING ÖKOLOGISCHE VERBESSERUNG ÜBER DEN GESAMTEN LEBENSZYKLUS MINERALISCHE & ENERGETISCHE ROHSTOFFE „VON DER WIEGE ...“

HERSTELLUNG

Gleichzeitig hat sich die Produktion von Volkswagen im Rahmen des Programms Think Blue. Factory. freiwillig das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen in der Fertigung bis 2018 um 25 Prozent zu senken. Life Cycle Engineering vereint die Herstellung, Nutzung und Verwertung der Produkte und zielt auf die ökologische Verbesserung über den gesamten Lebenszyklus. So soll jedes neue Modell von Volkswagen bessere Umwelteigenschaften aufweisen als sein Vorgänger. Den Nachweis führt das Unternehmen über seine Umweltprädikate, die Ökobilanzen nach der ISO Norm 14040 beinhalten: www.umweltpraedikate.de

NUTZUNG

VERWERTUNG

EMISSIONEN IN: BODEN, WASSER & LUFT „... BIS ZUR BAHRE“

KEYNOTE FR.17.10. 14.00 UHR

Dr. Marko Gernuks beschäftigt sich in der Konzernforschung von Volkswagen seit über 10 Jahren in verschiedenen Funktionen mit dem Thema Umweltschutz. Seit 2010 ist er unter anderem verantwortlich für Ökobilanzen / Life Cycle Assessment. Aktuell arbeitet er an der Umsetzung von Life Cycle Engineering, d.h. der ökologische Verbesserung der Produkte über den Umwelt-Steckbrief Golf gesamten Lebenszyklus. Allgemein verbessertes Umweltprofil über den Lebenszyklus gegenüber dem Vorgängermodell für die hier bewerteten Motor-/Getriebe-Varianten durch geringeren Verbrauch und reduzierte Emissionen.

Der Golf Umweltprädikat

• Einsatz von wirkungsgradoptimierten elektrischen

Der Golf Umweltprädikat

und Luftgütesensor, Kraftstoffpumpe, Motorölpumpe)

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• Einsatz rollwiderstandsoptimierter Reifen

• Fahrwerksoptimierungen, z. B. überarbeitete elektrome-

Treibhauseffekt – insgesamt weniger CO2-Emissionen • Diesel1: -13 %

Umwelt-Steckbrief Golf• Benziner : -11 % 2

© Volkswagen AG Konzernforschung Umwelt Produkt Brieffach 011/1774 38436 Wolfsburg

Modulen (bspw. Klimaanlage mit Feuchte-, Sonnen-

chanische Servolenkung sowie Flow-Forming-Stahlräder • ECO-Fahrprofil inkl. Segeln „Freilauf Motor an“ bei © Volkswagen AG Konzernforschung DQ-Getrieben (Mehrausstattung)

Stand September 2012 Artikelnummer: 215.1245.04.01 www.volkswagen.de www.umweltpraedikat.de

Der Golf Umweltprädikat Der Golf Umweltprädikat


Nachhaltige Ernährung: mit „ONE-TO-WE“ den CO2 Ausstoss senken von Kornell Otto, SV Group

Ziel 1: 150 Personalrestaurants und Mensen im Programm «ONE TWO WE» bis 2017 Weniger Flugwaren, weniger Produkte aus fossil beheizten Gewächshäusern, weniger Fleisch, weniger Energieverbrauch, weniger Abfall: Das sind die Kernziele des Programms ONE TWO WE. Es wird seit 2013 mit interessierten Auftraggebern umgesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Hauptpartner WWF Schweiz, der EWZ und der ESU-services GmbH wurden in den vier Umweltfeldern Angebot, Beschaffung, Betrieb und Logistik jeweils Umweltstandards auf wissenschaftlicher Basis definiert. Beim Einstieg ins Programm wird pro Betrieb für jeden Umweltstandard ein Status quo erhoben und bewertet. Es entsteht somit für jedes Restaurant und jede Mensa ein individueller Nachhaltigkeitsplan. In diesem Plan werden die vom Auftraggeber vorgegebenen Leitlinien und Firmenwerte auf Massnahmen in der Gastronomie angewendet.

Beim Klimaschutz hat die Gastronomiebranche bisher wenig zu Lösungen beigetragen, obwohl ein Drittel der persönlichen Umweltbelastung aus der Ernährung stammt. Als Vorreiter lancierte die SV Group 2013 gemeinsam mit dem WWF Schweiz das Programm ONE TWO WE für eine klimafreundliche Personalgastronomie. Gemeinsam mit Lieferanten, Kunden und Gästen möchte die SV Group in der Schweiz den CO2-Fussabdruck verkleinern und so aktiv zum Umweltschutz beitragen. Dafür trat die SV Group in der Schweiz den WWF Climate Savers bei. Die SV Group gehört zu den ersten Gastronomieunternehmungen weltweit, welche sich zu einem klaren CO2 Ziel verpflichten.

HANDLUNGSFELDER VON «ONE TWO ONE» ANTEIL AN DER UMWELTBELASTUNG IM RESTAURANT BESCHAFFUNG Einkauf von Produkten aus der Schweiz – Anteil der Ware aud beheiztem Gewächshäusern verringern – Bio-und FairtradeProdukte fördern

ANGEBOT Ausbau und attraktivere Gestaltung des vegetarischen Angebotes Regional und saisonal kochen

25%

Konkret heisst das: Von Experten zusammengestellte Lösungen werden nach dem Baukastenprinzip ideal für den jeweiligen Betrieb kombiniert. Dabei wurden mit dem WWF Mindeststandards definiert. Das Ziel: 20 % CO2-Reduktion in den teilnehmenden Betrieben, das entspricht 3’000 Tonnen CO2 (2015). Jeder der 14 Umweltstandards wird in drei verschiede Einstufungen unterteilt, die jeweils einen erhöhten Anspruch haben. Compliance ist die Mindestanforderung, gefolgt von Good Practice und dann Best Practice als Zeichen der bestmöglichen Umsetzung. Dabei muss die Stufe Compliance bei allen 14 Kriterien erreicht werden. Beim Umweltstandard "fleischloses Angebot" muss im Betrieb die Stufe Best Practice erreicht werden. Die 14 Umweltstandards haben alle zum Ziel, Treibhausgase zu reduzieren oder Energie zu sparen. Anbei möchten wir die vier Umweltstandards mit dem höchsten Impact erläutern.

50%

20% 5%

BETRIEB Bezug von Ökostrom und Energieeffizienzanpassung bei Beleuchtung, Kühlung, Lüftung und Kochen – Verringern der Speiseabfälle und sparsamer Gebrauch der Spülmachinen

LOGISTIK Reduktion von Produkten, die per Flugzeug transportiert werden

1. Reduktion von Flugwaren: Der Kunde entscheidet, ob er max. 0.1% Flugware, weniger als 0.5% oder weniger als 0.75% (dies sind 30% weniger als der SV Durchschnitt) in seinem Restaurant einsetzt. Die Prozentzahl bezieht sich auf die Summe des Gesamtwarenkorbs, welcher je nach Betrieb, Budget und Kunde unterschiedlich ausfällt. 28


geprüft und analysiert. Es werden nicht nur Infrastruktur, Technik, Zustand und Dimension unter die Lupe genommen, sondern auch das Handling, das Nutzungsverhalten und die Wartung. Weiterhin werden Checklisten erstellt, um ein regelmässiges Controlling von Infrastruktur und Handling sicherzustellen.

FLUGTRANSPORTE MIT HÖCHSTEM CO2-AUSSTOSS PRO KILOMETER UND TONNE FRACHT

11 G CO2-EQ

190 G CO2-EQ

Anzahl Teilnehmende Betriebe am OTW Programm: Status: Februar 2013 5 Betriebe Juni 2013 20 Betriebe September 2013 40 Betriebe April 2014 65 Betriebe

1100 G CO2-EQ

Ziel 2: Steter Ausbau des grünen Warenkorbs in allen Personalrestaurants Umgesetzt: 2012: Verzicht auf Pouletfleisch aus Übersee, Anteil CH-Poulet von 33% auf 60 % im 2013 2013: Vollständiger Verzicht auf Spargeln und Erdbeeren aus Übersee 2013: Verschärfung des Fischeinkaufs; nur noch grün und gelb bewertete Fische gemäss dem WWF Fischratgeber 2013: Lieferantenausbau Europa zur Reduktion Flugwaren (Lamm, Rind) 2014: 100 % Umstellung auf Wiesenmilch (Verzicht auf Kraftfutter und Soja)

2. Reduktion des Fleischanteils: Der bei der Status quo Erhebung festgestellte Wert des momentanen Fleischanteils pro Hauptmahlzeit (SV total 110 Gramm) muss in den nächsten drei Jahren um jeweils mindesten 5 % oder 7% reduziert werden. Nach drei Jahren muss eine Reduktion von 20 % vorliegen. Zu diesem Zweck lanciert SV Group die (interne) Kampagne: „Wissen Sie, wie gut Klimaschutz schmeckt?“ Seit 2012 werden Köche beim renommierten Vegi-Experten Hiltl geschult. Zudem wird die fleischlose Kompetenz mit vielen weiteren Massnahmen gefördert.

In Planung zur Umsetzung: 2014: Ausbau auf fünf Fairtrade Pflicht-Produkte pro Betrieb 2014: Verzicht auf fossil beheizte Tomaten, Gurken, Peperoni aus der Schweiz durch Kooperation mit alternativ beheizten Gewächshäusern 2014: Kooperation mit Geflügelhersteller zur Förderung eines Maximum-Standards in der Schweiz

CO2-VERGLEICH VON MAHLZEITEN 4100 g CO2-EQ

Ziel 3: Foodwaste Fortführung des Programms, welches 2007 lanciert worden ist. Resultat: Reduktion von 72g auf 39g Speiseabfall pro verkaufte Hauptmahlzeit (100.000 Mahlzeiten täglich!)

800 g CO2-EQ VEGIBURGER mit Bratkartoffeln und Coleslaw

RINDSHAMBURGER mit Bratkartoffeln und Coleslaw

DIALOGRUNDE

3. Einsatz des SV Saisonkalenders: Die top 30 Gemüse und Früchte wurden nach Herkunft, Transportart und Anbau auf Umweltbelastungen untersucht und ausgewertet. Das Ergebnis ist eine Beschaffungsmatrix für 12 Monate. Ziel: Klimasünden vermeiden.

FR.17.10. 15.30 UHR

Kornell Otto ist seit Juni 2012 Projektleiter für das Klimaschutzprogramm ONE TWO WE bei der SV Group. Zuvor war er als Director of Food & Beverage bei der Käfer Schweiz AG sowie als Food & Beverage Manager im Hotel Allegro in Bern und im Dolder Grand Hotel in Zürich tätig.

4. Energie: Jeder Betrieb, der mit dem Klimaschutzprogramm ONE TWO WE startet, erhält im Geschäftsbereich "Betrieb" eine Energieberatung. Diese wird in allen Betrieben mit einem Experten des EWZ durchgeführt. Dabei werden vor allem die Bereiche StromMix, Beleuchtung, Kühlung, Lüftung, Kochen und Reinigung 29


NACHHALTIGE LEBENSSTILE

Best practice für regionale Lebensmittel in Südtirol Interview mit Ulli Wallnöfer , Pur Südtirol Pur Südtirol beschreibt sich als Genussmarkt – was kann man sich darunter vorstellen? Als Genussmarkt Pur Südtirol, mit insgesamt 3 Märkten in Südtirol, versuchen wir eine ganzheitliche Sicht auf den Lebensmittelhandel und die Gastronomie in Kombination zu legen und wir folgen klar definierten Werten. „Regional, saisonal und nachhaltig“ ist das Motto unseres Modells, das uns und unseren Partnern als Leitfanden dient. Die Regionalität ist bei uns allerdings das Mass aller Dinge; insgesamt bieten wir 1.800 verschiedene Lebensmittel von über 220 Südtiroler Anbietern und davon ca. 180 Bauern an. Das Angebot reicht von verschiedensten Weinen, über Apfelsaft, Rohmilchkäse, Speck- und Wurstwaren, Brot, frisches Obst und Gemüse bis hin zu Fisch und Frischfleisch. In einem Bereich unserer Märkte können unsere Kunden auch essen und trinken, darunter Salate, Käse- oder Speckteller, Müslis, besondere Frühstücke und Strudel. Bei regelmässigen Verkostungen lerne die Kunden Bauern und Produzenten kennen und die Besonderheiten derer Produkte sehen, riechen und schmecken und somit wird jeder einzelne Kunde zum Koproduzenten. Die zentrale Stellung unsere Märkte nehmen somit Lebensmittel ein, die von besonderen Menschen produziert werden und die eine Geschichte erzählen und die man sowohl kaufen, direkt konsumieren oder verkosten kann. Es geht uns also um das bewusste Essen und Trinken in entsprechendem Ambiente: für uns eben „Genussmarkt“ Pur.

zu entwickeln. Gleichzeitig haben Günther und ich kleine Kinder und deren zukünftige Fragen, „was hat denn Eure Generation getan, um hier Abhilfe zu schaffen“ ist ein Motor, der uns laufend hilft unser Projekt weiterzuentwickeln. Was machen Sie anders? Unsere Verkaufslokale sind als moderner Markt konzipiert und haben mit einem üblichen Verkaufslokal wenig gemein. Den Besucher erwartet beim Betreten nicht etwa das übliche Labyrinth an Regalen, vollgepfercht mit Industrieware, sondern ein Flair Mix aus Markt, Schankbetrieb, Kaffeehaus und Weingalerie. Es gilt für uns den Konsumenten wieder für heimische Produkte zu gewinnen, für Produkte aller Art aus der näheren Umgebung und damit schaffen wir den sogenannten „kleinen Kreislauf “ und schaffen maximale regionale Wertschöpfung und vermindern Transit und mit ihm die Schadstoffbelastung. Gleichzeitig bieten wir viele Produkte, vor allem Obst und Gemüse nur saisonal an und somit lernen wir alle wiederum, wann welche Obst- und Gemüsesorten in unseren Breitengraden reif sind. Als aktive Mitglieder der Gemeinwohlökonomie und Verfechter einer etwas „anderen“ Wirtschaft unterscheiden wir uns auch diesbezüglich signifikant vom „mainstream“. Was sind die nächsten Schritte von Pur Südtirol? Erst vor ca. 2 Monaten haben wir unseren 3. Genussmarkt in Bozen eröffnet und dort gibt es sehr viel zu tun, um unsere hoch gesteckten Ziele und unseren Enthusiasmus für Lebensmittel laufend weiter zu geben und zu leben. Gleichzeitig ist permanentes Wachstum nicht unser primäres Ziel und als regionaler Frischmarkt gilt es, gemeinsam mit unseren Partnern, das hochwertige Lebensmittelsortiment weiter auszubauen und die Vielfalt und damit Biodiversität noch zu erhöhen. Im gleichen Zuge sehen wir uns auch als Multiplikatoren und sind bereit, im Zuge von Beratungen möglichen Partnern in anderen Regionen bei Interesse zu helfen, ähnliche Regionalentwicklung im Lebensmittel Bereich zu schaffen und zu etablieren.

Was waren Ihre persönlichen Bewegründe bei der Gründung von Pur Südtirol? Wir kommen ursprünglich aus dem Weinbereich und mein Partner Günther Hölzl und ich haben uns 2009 intensive Gedanken darüber gemacht: in welche Richtung entwickelt sich die Welt? Wie sieht die generelle Lebensmittelproduktion und –Verteilung aus? Welche Stellung hat das Essen und Trinken in unserer globalisierten, hektischen Welt? Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Fragen und die mehr als ernüchternden Antworten, die wir darauf gefunden haben, haben uns und motiviert mit Pur Südtirol zu starten bzw. es weiter

Ulrich Wallnöfer ist Mitbegründer und Initiator von Pur Südtirol, einer Plattform für die Vermarkung und Entwicklung von regionalen, nachhaltigen Lebensmitteln und Produkten. Ausserdem ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der Meraner Weinhaus GmbH. Vorher war er Geschäftsführer der Pedross AG in Latsch, einer internationalen Unternehmensgruppe der Holzindustrie. Seit einigen Jahren arbeitet Ulrich Wallnöfer auch als Referent zu den Themen Verkauf & Marketing.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 15.30 UHR

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NACHHALTIGE LEBENSSTILE

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NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Was bedeutet und erfordert nachhaltige Unternehmensführung?

Wie sieht es mit der Verankerung der ökologischen und sozialen Herausforderungen in der Unternehmensstrategie aus? Wie werden diese Themen in der Organisations-Entwicklung umgesetzt? Wie kann Nachhaltigkeit gemessen und bewertet werden? Ist CO 2-Kompensation wichtig? Wie kommuniziere ich Nachhaltigkeit zu meinen Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten? Warum Nachhaltigkeit? Unternehmen in der Schweiz sind zunehmend gefordert, sich mit den Themenspektrum „Nachhaltiges Wirtschaften und Ethik – was bedeutet das für uns als Firma“ auseinander zu setzen. Studien belegen, dass Unternehmensführer das Thema Nachhaltigkeit inzwischen wirklich ernst nehmen: das Image des Unternehmens und die Glaubwürdigkeit bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten stehen auf dem Spiel. Die meisten Grossunternehmen/Konzerne erstellen heute bereits Nachhaltigkeitsberichte (z.B. im GRI-Format) und/oder haben Umwelt-Management-Systeme (UMS) aufgebaut. Aber auch mittlere und kleinere Unternehmen (> 100 MA) werden zunehmend von ihren Kunden angefragt, wie nachhaltig sie als Zulieferer aufgestellt sind. Viele Unternehmen haben sich zum Ziel gesteckt, den CO2-Fussabdruck ihrer Produkte in den nächsten Jahren zu halbieren. Dabei geht es nicht nur um ihre eigene Produktion bzw. den Dienstleistungsbetrieb, sondern auch um ihre Lieferanten und deren Produktion – viele davon im fernen Ausland. Für die Produkte selbst werden Kreislaufund Wiederverwertungs-Konzepte entwickelt. Intern geht es vielen Unternehmen inzwischen um authentische Kundenorientierung und um einen wertschätzenden Umgang mit der Mitarbeitern. Übermässige Kontrolle

führt zu Demotivation; Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter und neue Denkmodelle sind gefordert angesichts der zunehmenden Komplexität in allen Unternehmensbereichen. Wie können Unternehmen Wege zu mehr Lebendigkeit, Flexibilität und Kreativität für sich erschliessen? Es gilt die Leidenschaften des Unternehmens für die Mitarbeiter neu zu identifizieren und zu entfachen. „Nachhaltigkeit“ ist deshalb heute bereits für viele Unternehmen ein wichtiges Organisations-Entwicklungs-Thema. Entscheidungsträger, Führungskräfte und Mitarbeiter sind gezielt an diese Thematik heranzuführen, Strategien und Massnahmenpläne zu entwickeln und diese sind dann in der eigenen Organisation zur Umsetzung zu bringen. Zunehmende staatliche Rahmenbedingungen in diesem Bereich sowie das erhöhte Interesse der Kunden, der eigenen Mitarbeiter, der Lieferanten und der öffentlichen Meinung an den Nachhaltigkeitsthemen erfordern, dass im eigenen Unternehmen dafür gezielt eine breite Wissensbasis aufgebaut und dass an der Unternehmenskultur mit Zielstellung DIALOG und Wertschätzung gearbeitet wird.


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Bedeutung von Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen und Wege zu nachhaltiger Personalführung und -Entwicklung von Vivian Dittmar, Terra Institute Brixen Nachhaltige Unternehmensführung neu gedacht. Oder: warum CSR Abteilungen nicht die Antwort auf die wirklichen Herausforderungen sind vor denen Unternehmen heute stehen. Nachhaltigkeit. Schon lange ist dieser wunderbare Begriff zum Unwort verkommen, wird ständig gewandelt, neu interpretiert, verbogen und umgedichtet. Heute scheint er alles und nichts zu bedeuten, sein Ursprung aus der Forstwirtschaft scheint vergessen. Dort tauchte der Begriff jedoch erstmals auf und bezeichnete schlicht die Erkenntnis, dass ich auf einen Wald nur dann noch morgen zugreifen kann, wenn ich ihn heute bewusst bewirtschafte. Erst sehr viel später tauchte der Erkenntnis auf, dass dies genauso für alle Ökosysteme der Erde gilt und vermutlich auch für die Sozialsysteme. Als Unternehmen den Begriff entdeckten, verlor er jedoch schon bald seine eindeutig ökologische oder soziale Konnotation und bedeutete vielfach nur noch: von Dauer. So konnte der Begriff “nachhaltiger Erfolg” sowohl für ökologisch verträglichen Erfolg stehen wie für langfristigen Erfolge - im Zweifelsfalle ohne Rücksicht auf Ökosysteme oder ähnliche Belanglosigkeiten. Wovon sprechen wir also, wenn

Dreieck zum Kreis: Systemische Vision – Mission. Eine gemeinsame, systemisch angebundene Vision / Mission schafft Sinn und Zugehörigkeit unter den Mitarbeitern und gibt eine klare Ausrichtung vor.

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NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

es um nachhaltige Unternehmensführung geht? Bedeutet dies, dass es mein Unternehmen morgen auch noch gibt? Oder geht es hier tatsächlich auch um soziale und ökologische Werte. Die Antwort ist einfach und vielleicht zugleich verblüffend: es geht um beides, denn diese scheinbaren Widersprüche entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als zwei Seiten derselben Münze, als einander bedingende Faktoren. Wie kann das sein? Das Rätsel löst sich auf, wenn wir unsere übliche mechanistische Brille ablegen und uns der systemischen Sichtweise öffnen. Mechanistisch gesehen, macht es keinen Sinn, dass Rücksicht auf ökologische oder soziale Faktoren und unternehmerischer Erfolg Hand in Hand gehen sollten, schliesslich verursachen diese Faktoren Kosten, die sich negativ in der Bilanz auswirken, durch die unternehmerischer Erfolg gemeinhin gemessen wird. Systemisch betrachtet zeigt sich jedoch, dass unser Wirtschaftssystem nur eingebettet in die sozialen und ökologischen Systeme funktionieren kann. Es ist wie ein Organ zum Körper. Kollabieren die sozialen oder ökologischen Systeme eines Landes, kollabiert auch seine Wirtschaft. Nachhaltige Unternehmensführung bedeutet daher, ein Unternehmen als lebendiges System zu erkennen und als solches zu führen. In unserem vorherigen Bild gesprochen

sind Mitarbeiter wie Führungskräfte wie die Zellen des Organs das ein Unternehmen im Körper einer Gesellschaft darstellt. Jede Zelle hat wie jedes Organ eine wichtige, ja sogar vitale Funktion in seinem übergeordneten System. Und jeder Systemteil weiss, dass er oder sie nur im Kontext eines gesunden übergeordneten Systems gesunden kann.

„Wir wollen, dass Organisationen anpassungsfähig, flexibel, selbsterneuernd, widerstandsfähig, lernend, intelligent sind – Merkmale, die nur in lebendigen Systemen zu finden sind. Die Spannung unserer Zeit ist es, dass wir Organisationen wollen, die sich wie lebendige Systeme verhalten, dass wir sie jedoch nur als Maschinen zu behandeln wissen.“ Margaret Wheatley, Finding Our Way

Visionäre Unternehmer und Führungskräfte stellen schon heute die Weichen, um ihre Unternehmen und Mitarbeiter aktiv in den Dienst an und die Fürsorge für die übergeordneten Systeme einzubinden. Diese Herausforderung geht weit über die klassischen Massnahmen von CSR Abteilungen hinaus. Es gilt das Thema Zukunftsfähigkeit in jedem Teil des Unternehmens zu verankern und damit eine Basis für eine Zukunft zu 35

legen, in der unsere Enkel nicht nur gesunde Unternehmen, sondern auch eine gesunde Gesellschaft, getragen von lebenserhaltenden Ökosystemen erben werden.

Vivian Dittmar ist Impulsgeberin, Referentin, Seminarleiterin und Gründerin der Be the Change Stiftung für kulturellen Wandel. Ihre Kindheit und Jugend auf drei Kontinenten sensibilisierte sie schon früh für die globalen Herausforderungen unserer Zeit und sind bis heute ihr Antrieb, ganzheitliche Lösungen zu finden und umzusetzen. Sie ist Autorin des Buches „Gefühle, eine Gebrauchsanweisung“ das schon mehreren tausend Menschen zu einem neuen Verständnis von und Umgang mit ihren Gefühlen verholfen hat. Als Unternehmensberaterin begleitet sie Unternehmer und Führungskräfte in Wandlungsprozessen hin zu einer emotional und sozial kompetenten Kultur.

KEYNOTE FR.17.10. 9.45 UHR


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Die Kunst der nachhaltigen Unternehmensverantwortung – eine Skizze von Mathias Schüz, ZHAW Immer wieder werden Unternehmen wegen rücksichtslosem Verhalten angeprangert. Ihre Selbstbereicherungsstrategien und Gier würde dem Gemeinwohl mehr schaden als nützlich zu sein. Aber auch die Unternehmen selbst wurden in den letzten Jahren weltweit Opfer von Wirtschaftskriminalität und unethischem Verhalten. Umfangreiche Studien zeigen, dass Veruntreuungen, Diebstähle und Unterschlagungen, Täuschungen, Lug und Trug, Korruption und Bestechung in unseren Unternehmen alltäglich sind. Hinzu kommen Ausbeutungen, Diskriminierungen, Intrigen und Mobbing am Arbeitsplatz, Produktionen und Produkte auf Kosten der Umwelt und Gesundheit der Verbraucher. Alle diese unternehmerischen Verfehlungen (corporate misconduct) gehen in irgendeiner Form auf Kosten der betroffenen Unternehmen oder der Interessen von Stakeholdern, die sich mit ihren jeweiligen Machtmitteln zur Wehr setzen.

Mit verschärften Kontrollen zur Einhaltung von Gesetzen (legal compliance) kann nur ein geringer Teil der Probleme bewältigt werden, denn ein grosser Teil des Fehlverhaltens ist strafrechtlich nicht relevant. Deshalb wird der Ruf nach einer Unternehmensverantwortung lauter, die nicht nur ökonomische, sondern zugleich auch soziale und ökologische Ziele nachhaltig verfolgt. Wie können Unternehmen die damit verbundenen Zielkonflikte, Probleme, Dilemmata und Risiken austarieren? Der Beitrag von Prof. Dr. Mathias Schüz zeigt anhand seines neu entwickelten Modells, was nachhaltige Verantwortung in Unternehmen bedeuten, wie sie unterschiedlich wahrgenommen und im beruflichen Alltag implementiert werden kann.

Abbildung: Modell der nachhaltigen Unternehmensverantwortung, symbolisiert durch eine Uhr mit drei Zeigern, deren Länge die jeweilige Reichweite der Verantwortung innerhalb der ökonomischen, sozialen und ökologischen Dimension repräsentiert. (Mathias Schüz: Grundlagen der ethischen Unternehmensverantwortung. Zürich: vdf-Hochschulverlag der ETH 2013, S. 38.)

DIALOGRUNDE FR.17.10. 11.15 UHR

Prof. Dr. Mathias Schüz lehrt und forscht seit 2006 an der School of Management and Law der ZHAW in Winterthur (Lehrstuhl für Responsible Leadership). Schon in seiner ersten Buchpublikation „Die Einheit des Wirklichen“ (1986) behandelte er den Verantwortungsbegriff. Er hat zahlreiche Publikationen zum Thema Verantwortung und Ethik in der Wirtschaft verfasst. 36


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Bewertungskriterien und Studienergebnisse zur Nachhaltigkeit führender Schweizer und europäischer Unternehmen von Ralf Nacke, Terra Institute Schweiz Umfangreiche Nachhaltigkeitsberichte sind heute bereits viele zu finden. Nahezu alle grossen börsennotierten Unternehmen publizieren solche Berichte – besonders diejenigen, welche im Consumer-Geschäft aktiv sind. Studien belegen, dass Unternehmensführer das Thema Nachhaltigkeit und CSR (Corporate Social Responsibility) inzwischen wirklich ernst nehmen: das Image des Unternehmens und die Glaubwürdigkeit bei Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten steht auf dem Spiel.

Was umfasst nun ein solcher Nachhaltigkeitsbericht? Der Leitfaden für GRI gibt zunächst die Inhalte vor, die Struktur selbst kann jedoch vom Unternehmen gewählt werden und am Ende des Berichts wird dann lediglich dargestellt, welche der GRI-Kriterien behandelt wurden. Die Praxis zeigt oft folgenden Aufbau von Nachhaltigkeitsberichten: 1. Übersicht, warum Nachhaltigkeit für das betreffende Unternehmen wichtig ist 2. Verankerung der Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmensstrategie und in den Management-Systemen. Einige Unternehmen formulieren als Vision/Ziel den CO2 Fussabdruck ihrer Produkte in den nächsten Jahren um bis zu 50% reduzieren zu wollen. 3. Darstellung, was das Unternehmen in den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales (4 gesellschaftliche Themenfelder) im betreffenden Jahr geleistet hat und wo es steht.

Positive Beispiele für gute Nachhaltigkeitsberichte gibt es auch in der Schweiz, z.B. die Detailhändler COOP und Migros, Swisscom, Zürich Versicherung, Swiss Re, IKEA, Geberit, SV Group … um nur einige zu nennen. Die meisten Unternehmen erstellen ihre Nachhaltigkeitsberichte im GRI-Format (Global Reporting Initiative). Dazu haben sie parallel Umwelt-Management-Systeme (UMS) aufgebaut, um die ökologischen Belastungen messen und reduzieren zu können.

MÖGLICHKEITEN DER BERICHTSERSTATTUNG: C- BIS A-KATEGORIE

- Ökonomisch - Ökologisch - Arbeitspraktiken und Menschenwürdige Beschäftigung - Menschenrechte - Gesellschaft - Produktionsverantwortung

PROFIL

LEISTUNGSINDIKATOREN

ERGEBNISSE

- Strategie und Analyse - Berichtsparameter - Steurung, Selbstverpflichtung und engagement - Managementansatz MANAGEMENTANSATZ

KONTEXT

80 LEISTUNGSINDIKATOREN:

1. Strategie und Analyse 2. Organisationsprofil 3. Berichtsparameter 4. Governance, Verpflichtungen und Engagement 5. Managementansatz und Leistungsindikatoren

- Ökonomische - Ökologische - Gesellschaftliche zu 4 Themenfeldern

ZIELGERICHTETER NACHHALTIGKEITSBERICHT

Quelle: Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, Vers. 3.0 37


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

ZÜRICH VERSICHERUNG (B+)

NESTLÉ (C-)

INDUSTRY AVERAGE ZURICH INSURANCE GROUP AG

INDUSTRY AVERAGE NESTLÉ SA ENVIROMENT B+

LABOUR

ENVIROMENT C

LABOUR

LABOUR A-

LABOUR

LABOUR

LABOUR D-

SOCIETY B+

LABOUR

LABOUR

GOVERNANCE B-

SOCIETY CGOVERNANCE A

LABOUR

LABOUR

Quelle für die vorstehenden Grafiken ist der inrate Sustainability Guide 2013, Company and Sector Analysis of the STOXX® Europe 50 Index, Featuring the new Inrate Sustainability Assessment, 2013. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die im Internet zum Download angeboten wird: www.inrate.com/Inrate/ media/Documents/Studies/InrateSustainabilityGuide2013.pdf

4. Einige Unternehmen führen in Übersichten die Ziele und Massnahmen zu diesen 3 Handlungsfeldern auf und zeigen, welche Fortschritte erzielt wurden und wo noch Defizite bestehen. 5. Eine Übersicht meist in Tabellenform, welche der Leistungskriterien des GRI-Leitfadens auf welcher Seite im Bericht behandelt wurde. 6. Das Zertifikat mit der C-A-Anwendungsebene und meist mit dem + für die erfolgte Auditierung.

Im Rahmen dieser Bewertung untersucht inrate das betreffende Unternehmen nach den vier Kriterien Environment, Labour, Society und Governance, bewertet dieses auf einer Skala und vergleicht die Kriterien auch mit dem jeweiligen Industriedurchschnitt. (siehe die Beispiele von Zürich Versicherung und Nestlé). In dem Sustainability Guide werden alle STOXX® Europe 50 Unternehmen werden in diesem Raster dargestellt – inkl. 9 Schweizer Konzernen. Die Unternehmen wird jeweils kurz vorgestellt, es werden die wesentlichen Fragen zur Nachhaltigkeit benannt und die Gründe zur Einstufung ausgeführt. Inrate nimmt in dieser Analyse auch eine ISA©-Rating-Einstufung von 13 Branchen vor (Bandbreite der Nachhaltigkeit der Unternehmen in dieser Branche mit Benennung der wichtigsten Akteure). Unternehmen und andere Ratingagenturen verwenden ihre eigenen Ansätze – wie z.B. IÖW/future Ranking (zuletzt für 2011 in Deutschland durchgeführt). Ein interessanter Bewertungsansatz, der auch für KMU nutzbar und relativ kostengünstig ist, resultiert aus der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz. Hier werden 17 Kriterien aus den Themenfeldern Ökologie und Soziales untersucht und bewertet. Die ökonomische Vergleichbarkeit ist bei den meisten Unternehmen bereits aus den Jahresabschlüssen ersichtlich. Informationen zur Gemeinwohlbilanz sind zu finden unter www.gemeinwohl-oekonomie.org.

Je nachdem, wie umfangreich die Kriterien aus dem GRI-Katalog behandelt werden, erhält das Unternehmen eine C- bis A-Kategorisierung. Für die C-Kategorie muss das Unternehmen über mindestens 10 Leistungsindikatoren berichten; bei B über mindestens 20 und für eine A-Kategorisierung müssen alle 80 Leistungsindikatoren dargestellt werden. D.h. es handelt sich um eine quantitative und nicht um eine qualitative Berichterstattung. Die meisten Unternehmen lassen Ihren Bericht noch auditieren und erhalten damit z.B. eine A+ Einstufung. Angesichts der Komplexität dieser Berichte sind einige Unternehmen dazu übergegangen, keine langen Berichte mehr als Druckfassung zu erstellen, sondern die Themen im Internet abzubilden und in einem Kurzbericht mit Links darzustellen, welche Kriterien behandelt wurden. Aus Gründen der Transparenz ist es positiv zu bewerten, wenn ein Unternehmen über alle Leistungsindikatoren berichtet. Für den Konsumenten und die Stakeholder ist es jedoch schwierig zu beurteilen, wie nachhaltig das Unternehmen in dem jeweiligen Leistungsindikator wirklich ist. Es fehlt eine qualitative Vergleichbarkeit! Wie kann nun eine Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitsberichten erreicht werden? Das gestaltet sich in der Praxis recht schwierig. Recht früh erkannt haben diese Problematik Analysten und Pensionsfonds, die Aktien zu bewerten haben. Ein aussagefähiges Bewertungssystem entwickelt hat z.B. die Ratingagentur inrate in der Schweiz (www. inrate.com). Sie nimmt eine Nachhaltigkeitsbewertung von börsennotierten Unternehmen vor und kategorisiert sie nach dem ISA©-Rating

Dr. Ralf Nacke ist Diplom-Volkswirt und promovierter Volljurist (LMU München). Er war u.a. für Bain & Company als Strategieberater und für AlixPartners als Restrukturierungsberater und Projektleiter tätig. Wesentliche Change- und Transformations-Prozesse begleitet er seit über 27 Jahren als Unternehmensberater und Interimsmanager, wofür er u.a. Workshop- und Grossgruppen-Konferenz-Techniken für schnelle und nachhaltige Veränderungen einsetzt. Ihm sind die Herausforderungen der Unternehmen in den Themenbereichen Ökologie/ Umweltschutz und Organisationsentwicklung gut vertraut.

A (A+ / A / A-) für „Nachhaltig und fördert Übergang zur Nachhaltigkeit“ B (B+ / B / B-) für „Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“ C (C+ / C / C-) für „Nicht nachhaltig aber mit einem kleinen Einfluss“ D (D+ / D / D-) für „Nicht nachhaltig“

DIALOGRUNDE FR.17.10. 11.15 UHR

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NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Spass an der Nachhaltigkeit! von Patrick Kofler, Geschäftsführer helios sustainable communication Nachhaltigkeit ist ein hartes Geschäft. Es macht selten Spass, ist meist kopflastig, die Diskussionen darüber oft ermüdend. Es kostet meistens auch noch Energie und Geld; und was am schlimmsten ist: Menschen müssen sich umstellen, auf neue Konzepte und Verhaltensmuster einstellen, sich verändern. Die meisten Menschen wollen aber keine Veränderung.

Die andere Seite meines Vortrages soll meine Erfahrungen als Mensch zeigen, der mit seiner Firma, mit Frau und drei Kindern, seit dem Jahr 2001 für Nachhaltigkeit aktiv ist und es immer noch mit Spass und Energie tut. Wir müssen als Verfechter des Themas Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel vorangehen und uns selbst als Erstes nachhaltig behandeln. Dazu habe ich Gedanken und Konzepte entwickelt, die ich konsequent in mein Leben einbaue und die ich mit dem Publikum teilen möchte.

Und doch brauchen wir Veränderung, eine langfristige sogar. Eine kulturelle Veränderung, eine Veränderung in unserem Alltagsverhalten und in der Unternehmenskultur im weitesten Sinne des Wortes.

Ich denke, Sie werden Spass daran haben.

Der grösste Motor für Veränderung, das wissen wir im Grunde alle, ist Freude. Nur bleibt der Begriff und die Emotion Freude bei Diskussionen um nachhaltigere Wirtschaftssysteme und Lebensmodelle meist Aussen vor.

Patrick Kofler, seit 2001 im Bereich Kommunikation/Marketing für Nachhaltigkeit tätig, zeigt den Weg vom Inneren des Menschen zur erfolgreichen Marketingkampagne. „Wir kämpfen für einen gesellschaftlichen Wandel. Was brauchen wir als Menschen, um langfristig Spass daran zu haben, motiviert zu sein, die Energie zu haben, um auch andere anzustecken?“ Patrick Kofler, 41, Vater dreier Kinder, passionierter Bergsteiger, stammt aus Brixen/Südtirol, ist Gründer, Teilhaber und Geschäftsführer der helios - sustainable communication.

Mit Freude, Sichtbarkeit, Identifikation und Beteiligung erreichen wir wahrscheinlich mehr als mit hundert Argumenten und Erklärungen. Aber Achtung: Freude müssen auch wir, die wir uns unablässig für eine nachhaltigere Welt einsetzen, verspüren. Wie viele von uns haben sich mit dem Thema die Hörner abgestossen und haben es irgendwann aufgegeben? Das geht auch anders. In meinem Vortrag möchte ich einige unserer Kampagnen zeigen, bei denen wir mit dem Thema Freude im weitesten Sinne erfolgreich Menschen zu einem nachhaltigeren Verhalten überzeugen konnten. Die Beispiele sind aus den Bereichen Energieeffizienz im Bausektor, Öffentlicher Personennahverkehr und Fahrradmobilität.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 15.30 UHR

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NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

CO2-Kompensation – Klimaschutzprojekte für Unternehmen Interview mit René Estermann, CEO myclimate Stiftung Die gemeinnützige Stiftung myclimate ist eine international ausgerichtete Klimaschutzinitiative mit Schweizer Wurzeln. Seit der Gründung im Jahr 2002 hat sich myclimate zu einem weltweit führenden Anbieter in der freiwilligen CO2-Kompensation entwickelt. Lokal ausgerichtete Carbon Management Services und Klimabildungsprogramme ergänzen das Angebot der Stiftung mit Sitz in Zürich. Dem eigenen Profil nach steht myclimate für „Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren“ von CO2-Emissionen.

KOMPENSIERTE CO2-REDUKTIONEN IN 1000 TONNEN/CO2 REDUCTIONS OFFSET, IN 1000 TONNES GENERIERTE CO2-REDUKTIONEN IN 1000 TONNEN/CO2 REDUCTIONS GENERATED, IN 1000 TONNES 858 800 7500 700 650 512

600

Herr Estermann, wie hat sich das Geschäft mit der freiwilligen Kompensation bei myclimate entwickelt? myclimate verzeichnet seit der Gründung ein jährliches starkes Wachstum. 2012 und 2013 waren ganz bedeutende Jahre. Im Stiftungsjahr 2012 haben Unternehmen, Institutionen und Privatleute erstmals mehr als 500‘000 Tonnen CO2 mit uns reduziert. Gleichzeitig haben im gleichen Jahr unsere internationalen Projekte erstmals mehr als eine halbe Millionen Tonnen an Reduktionen „geliefert“. Anfang 2013 wurde eine weitere Marke geknackt: Seit der Gründung der Stiftung wurden mehr als 2 Millionen Tonnen CO2 von Kunden und Partnern kompensiert. Gleichzeitig laufen die Projekte sehr gut, es herrscht sozusagen „Erntezeit“: Unsere rund 80 Klimaschutzprojekte haben sich so erfolgreich entwickelt, dass sie in ihrer Leistung die Nachfrage deutlich überbieten.

550 512 510

500 450 421 423 400 350 303

294

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184 166

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Woher stammen die Emissionsreduktionen, die Sie anbieten? In unserem Portfolio führen wir derzeit rund 80 Projekte in 30 Ländern, die zehn verschiedene Technologien anwenden.

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19 13 2006

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Grafik: myclimate Verträge generierte CO2-Reduktionen vs. kompensierte CO2-Reduktionen aus realisierten Projekten 40


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

auf rund 50 Millionen Tonnen belaufen, leisten unsere Partner und wir noch einen verhältnismässig kleinen Beitrag. Ketzerische Frage, ist das jetzige System ausreichend oder müssten über andere Wege mehr Leute in die Verantwortung genommen werden? Es ist grossartig, dass wir mit Vorreitern zusammenarbeiten dürfen, die sich ganz bewusst ihrer Verantwortung als „Global Corporate Citizen“ stellen und ihren Beitrag freiwillig leisten.

Das Gros wird in Entwicklungs- und Schwellenländern umgesetzt. Dort lässt sich mit einem Franken nicht nur ungleich mehr erreichen; diese Projekte sind auch Treiber einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort. Gleichzeitig setzen wir auch Projekte in der Schweiz um. Ob mit Holzschnitzelkraftwerken, Biogasanlagen, landesweiten Programmen zum Sparen von Warmwasser oder zur Förderung von Elektro- und Hybridbussen, myclimate ist mittlerweile einer der bedeutendsten Lieferanten für die Stiftung Klik 1). Was zeichnet ein gutes Klimaschutzprojekt aus? Ein Klimaschutzprojekt, von dem wir überzeugt sind, muss den strengen internationalen Regularien vollständig entsprechen. Im myclimate Portfolio finden sich daher ausschliesslich Gold Standard, Plan Vivo und CDM Projekte. Das alleine reicht aus unserer Sicht aber nicht, daher muss über die Klimaschutzkomponente hinaus immer ein spürbar nachhaltiger Effekt für die von dem Projekt betroffenen Menschen ersichtlich und messbar sein. Wir reden hier von Umweltund Biodiversitätsaspekten genauso wie von einer Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen durch höhere Gesundheits- und Hygienestandards, lokale Einkommensmöglichkeiten, Förderung und Gleichstellung von Frauen oder einem Fokus auf Bildungsmöglichkeiten.

Hier in der Schweiz sehen wir uns als Starthelfer, um effizienteren Technologien zum Durchbruch zu verhelfen, die im Moment noch an Unsicherheit oder hohen Anfangskosten scheitern. Das Busprogramm wäre hier als Beispiel zu nennen. Können sie mit Ihrem Projektportfolio überhaupt die Nachfrage auf dem freiwilligen Markt decken? Das können wir problemlos - leider. Ich sage deshalb leider, weil wir uns mittlerweile in der unangenehmen Situation befinden, unsere lokalen Projektpartner zu bremsen. Die Nachfrage nach freiwilliger Kompensation hinkt mittlerweile dem Erfolg der Projekte deutlich hinterher. Wir könnten ohne weiteres sofort noch viele weitere Projekte umsetzen und bestehende teils drastisch ausbauen. Das ist aber nur möglich, wenn wir über den Kompensationsmechanismus, ob freiwillig oder verpflichtend, die langfristig nachhaltige Umsetzung gewährleisten können. Das Märchen aus grauer Vorzeit, dass myclimate zu wenige Projekte hätte, ist tatsächlich weit von der Realität entfernt. Wie sehen Ihre Massnahmen im gesamtschweizerischen Kontext aus? Wir sind durchaus stolz auf das, was wir bislang erreicht haben. Aber, wir sehen noch immenses Potenzial. Im Vergleich zu den jährlichen Emissionen der Schweiz, die sich

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Dennoch plädieren wir klar dafür, dass auch bei den Emissionen zukünftig die Verursacher in Haftung genommen werden. Was beim Abfall und beim Abwasser heute Usus ist und grossartige Verbesserungen trotz anfänglicher Widerstände mit sich gebracht hat, muss auch für Treibhausgasemissionen gelten. Eine Milliarde Menschen bewegen sich im Jahr mindestens einmal mit dem Flugzeug von A nach B. Gleichzeitig kochen weltweit 2,5 Milliarden Menschen auf offenen Feuerstellen, mit all den daraus resultierenden Folgen für das Klima, die Wälder und die Gesundheit. Hier ergeben sich immense einfach, mit überschaubaren Mehrkosten verbundene Optionen, den weltweiten Klimaschutz und die nachhaltige Entwicklung auf eine völlig neue Stufe zu heben.

René Estermann ist seit 2006 CEO von myclimate – einem NPO für Klimaschutz und für CO2-Kompensation. Zuvor war Herr Estermann 16 Jahre Mitgründer und Geschäftsführer des Ingenieurbüros composto+ sowie des Kompostforum Schweiz. Er war massgeblich am Aufbau der Grüngutverwertung in der Schweiz beteiligt. Internationale Erfahrung hat er u.a. in Projekten der UNIDO in Kuba, bei internationalen Auftritten von Biomasse Schweiz und im Rahmen von Mandaten bei der Entwicklung von bioabbaubaren Polymeren (Biopolymers) in ganz Europa.

KEYNOTE FR.17.10. 14.00 UHR


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

IKEA Nachhaltigkeitsstrategie 2020 – People & Planet Positive von Lorenz Isler, Nachhaltigkeitsbeauftragter IKEA Schweiz IKEA: ein nachhaltigeres Leben zu Hause Klimawandel, knappe Ressourcen und die stetig wachsende Zahl an Konsumenten gehören zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit. Seit jeher sucht IKEA nach entsprechenden Lösungen – mit der Vision, einen besseren Alltag für viele Menschen zu schaffen. IKEA fördert erneuerbare Energien, produziert mit gesunden und sicheren Chemikalien, lebt einen verantwortungsvollen Umgang mit Wäldern und Ackerland und unterstützt die Mitarbeiter und Gemeinschaften entlang unsere Wertschöpfungskette. Anfang der Neunzigerjahre entwickelte IKEA die ersten Leitlinien zum Schutz der Umwelt. Seit 2012 gilt die Nachhaltigkeitsstrategie People & Planet Positive. Die wichtigsten Bausteine davon sind ein effizienter Energieverbrauch, Reduktion von Abfall, nachhaltige Gewinnung von Rohstoffen und soziale Aspekte. Sämtliche Produkte sollen nachhaltiger werden und auch den Konsumenten helfen, Energie, Zeit und Wasser

zu sparen und Abfall zu vermeiden. 2013 verkaufte IKEA 12,3 Millionen LED-Lampen – das reduzierte den Energieverbrauch der Kunden und ihre Stromrechnungen um insgesamt 105 Millionen Franken. Energieunabhängig bis 2020 IKEA will den eigenen CO2-Fussabdruck und Energieverbrauch drastisch reduzieren – um 50% bis 2017 im Vergleich zu 2010. Auch den Lieferanten gibt das Unternehmen eine Reduktion des Energieverbrauchs um 20% vor. Bis 2015 investiert IKEA 1,8 Milliarden Franken in erneuerbare Energien. Mit 157 Windturbinen in acht Ländern und weltweit 550›000 Solarmodulen auf den eigenen Gebäuden erzeugte IKEA 2013 366 GWh Strom. Das entspricht der Versorgung von 100›000 Haushalten. Durch diese Massnahmen sollen sich bis 2020 die Produktion von erneuerbarer Energie und der globale Energieverbrauch von IKEA die Waage halten. Kennzahlen zu den Umwelteinwirkungen: 42

• 28 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (Rohstoffe bis Ende Produktlebenszyklus); im Vergleich: die Schweiz verursacht als Land p.a. 38 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. • Verarbeitung von 13,97 Mio. m3 Holz p.a. (1% des weltweiten wirtschaftlichen Holzverbrauchs) • Verarbeitung von 110 Tsd. Tonnen Baumwolle p.a. (0,6% des weltweiten Baumwollanbaus) Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen IKEA ist im Einzelhandel einer der grössten Einkäufer von FSC-zertifiziertem Holz und gar Mitbegründerin des Forest Stewardship Council (FSC). Das Ziel: Bis 2020 soll 100% des Holzes, Kartons und Papier aus nachhaltigen Quellen kommen (ca. 95% FSC, 5% recyclet). Auch bei der Baumwollproduktion mit ihrem enormen Verbrauch an Wasser, Pes-


NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG

RAW MATERIALS 53%

PRODUCTION & DISTRIBUTION 53%

IKEA

CUSTOMERS

3%

27%

Das macht IKEA in der Schweiz: • Reduktion des Energieverbrauchs (kWh/m2) um 6% von 20122013, Ziel 6% von 2013-2014 • Produktion von Solarenergie auf allen IKEA Einrichtungshäusern bis 2015 (heute 6 von 9) • 100% zertifizierter Strom aus Wasserkraft in allen Einrichtungshäusern bis 2015 • Minergie-Standard in 7 von 9 Einrichtungshäusern • Produktion von Biogas aus Essensabfällen aus Kunden- und Personalrestaurants • Unterstützung von Schweizer Non-Profit-Organisationen

PRODUCTS END-OF-USE 5%

tiziden und Chemikalien liegt viel Potenzial: Als Gründungsmitglied der Better Cotton Initiative (BCI) will IKEA bis 2015 den gesamten Baumwollbedarf aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen beziehen. Abfall betrachtet IKEA ebenfalls als Ressource: Alle Einrichtungshäuser trennen Karton, Glas, Metall, Papier, Plastik und Holz. In den meisten Schweizer Kunden- und Personalrestaurant wird zudem aus Essensresten Biogas produziert.

Lorenz Isler ist seit August 2013 Sustainability Manager bei IKEA Schweiz und damit verantwortlich für die Aktivitäten und das Engagement in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft. Zuvor war er bei Microsoft Schweiz als Nachhaltigkeitsverantwortlicher und bei Accenture Schweiz als Berater tätig. Bei seiner Arbeit profitiert er vom interdisziplinären Studium in Internationalen Beziehungen an der Universität St.Gallen (HSG).

Soziale Aspekte mitberücksichtigen Für IKEA hat Nachhaltigkeit auch soziale Aspekte. Alle Lieferanten müssen den IWAY-Standard einhalten, der die Mindestanforderungen an Umweltschutz, Arbeits- und Sozialbedingungen definiert. Das heisst konkret: keine Kinder- oder Zwangsarbeit, Einhaltung des Mindestlohns und Kompensation von Überstunden sowie ein sicherer, gesunder Arbeitsplatz. Zudem ist IKEA der bedeutendste Unternehmensspender für Organisationen wie UNICEF, UNHCR oder Save the Children. Einige Zahlen zu IKEA und Menschen: 700 Mio. Kundenbesuche p.a., 135 Tsd. Mitarbeiter, 600 Tsd. Mitarbeiter bei direkten Lieferanten, 2 Mio. Mitarbeiter bei indirekten Lieferanten und über 2 Mio. Menschen in der erweiterten Lieferkette.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 15.30 UHR

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DAS ENERGIEAUTARKE HAUS


DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

Nachhaltiges Wohnen und Bauen können zu einer deutlichen Reduktion des ökologischen Fussabdrucks beitragen. In der Umwelt Arena in Spreitenbach widmen sich eine Vielzahl der 45 interaktiven Ausstellungen diesem Thema. Premiere: Zusammen mit einzelnen Ausstellungspartnern realisiert die Umwelt Arena Spreitenbach ein weiteres Leuchtturmprojekt: das erste energie-autarke Mehrfamilienhaus der Welt, das sich selbst mit elektrischer und thermischer Energie versorgt. Baubeginn 2014. Im 3. Themenkomplex des Kongress-Tages wird zunächst das erste energie-autarke Mehrfamilienhaus (MFH) als Weltpremiere vorgestellt, ein 9-Familienhaus, das ohne externen Anschluss für Strom, Öl und Erdgas auskommt. Die Teilnehmer erfahren als Allererste mehr über das grundlegende Energiekonzept, über die Speicherung der Energie, die Energieverteilung, aber auch über die Gestaltung des von rené schmid architekten (Zürich) entworfenen Mehrfamilienhauses.

gie-autarke Mehrfamilienhaus“ Einführung: Vision energie-autarkes Mehrfamilienhaus, Walter Schmid Übersicht: Das erste energie-autarke Mehrfamilienhaus – Konzeption und Architektur, René Schmid, Architekt 1. Dialogrunde mit 4 Kurzimpulsen (11.15 bis 12.45 Uhr) • Photovoltaik – Innovationen für die Stromversorgung, Gysel Roman (Meyer Burger) • Wie viel Dämmung braucht das Haus: Anforderungen an die Gebäudehülle, Kurt Frey (Flumroc) • Energiespeicherung – Anforderungen an den Stromspeicher, Florian Schweizer (Helion Solar) • Herausforderungen bei den Heizsystemen: Wärmepumpen, Peter Hubacher

Grundsätzlich funktioniert das energie-autarke MFH nur, wenn sich alle Komponenten wie Gebäudehülle, Gebäudetechnik, Energiekonzept, etc. technisch auf dem höchsten Niveau bewegen, und nur die energieeffizientesten Küchen- und Haushaltsgeräte (A+++) eingesetzt werden. Dabei müssen die künftigen Bewohner der neun Wohnungen keine Komforteinbussen in Kauf nehmen. Ihnen stehen sogar zwei umweltfreundliche Fahrzeuge zur Verfügung: ein Elektro- und ein Bio/-Erdgasauto. Der Strom für das E-Auto wird mit der hauseigenen PV-Anlage produziert, für das Bio/-Erdgasfahrzeug steht so viel Biogas bereit, wie mittels Kompogasverfahren aus den biologischen Abfällen der Bewohner gewonnen werden kann. Vorträge und Kurzimpulse für „Das ener-

2. Dialogrunde mit 3 Kurzimpulsen (14.00 bis 15.00 Uhr) • Energieeinsparungspotentiale neuer Haushaltsgeräte, Max Leuenberger (BSH Haushaltsgeräte) • Energieeffizienz dank intelligenter Gebäudesteuerung, Renato Trevisan (ABB) • Simulation des thermischen Komforts im energie-autarken Haus, Nadége Vetterli, HSLU – Hochschule Luzern

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DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

Das energie-autarke Haus – heute schon Realität? Von Roger Balmer, Gesamtprojektleiter Technik und thermische Systeme, und Roland Zwingli, Projektleiter elektrische Systeme Am Anfang steht die Definition… Wenn man von energieautark spricht, muss in einem ersten Schritt definiert werden was darunter zu verstehen ist. Ist ein Haus bereits autark, wenn es gleich viel oder mehr Energie produziert als es selber verbraucht? Dürfen überhaupt Energieträger von extern zugeführt werden? Für das MFH Brütten sind folgende Eckpunkte als Energieautark definiert: • Das Gebäude verfügt über keinen Anschluss an ein öffentliches Stromnetz • Es werden dem Gebäude keine externen Energieträger zugeführt (z.B. Heizöl, Erdgas oder auch Holz) • Das Gebäude nutz am Standort vorhandene Energiequellen für die Versorgung (Solar, Umweltwärme)

dererkennungswert die erforderliche Technik ein- und umschliesst. Für die Bewohner wird es durch das einzigartige Konzept keine Komforteinbussen geben. Die Systementwicklung basiert darauf, dass die eingesetzten Technologien sich zukünftig als Stand der Technik etablieren könnten und dadurch die Investitions- und Betriebskosten massgeblich sinken werden. Neue und etablierte Technologien wie zum Beispiel der Einsatz von PTG (Power to Gas) und Speicherbatterien zur Speicherung des Solarstromes sowie Brennstoffzellen und Wärmepumpentechnologie für die Strom- und Wärmeerzeugung, in Verbindung mit hocheffizienten Haushaltgeräten, automatische Verschattung, Home Energieinformationssystem und viele mehr, werden so kombiniert, dass das vorhandene Potential optimal genutzt wird. Die Umsetzung… Rasch ist zu erkennen, dass grundsätzlich die über das Jahr verfügbare Energiemenge an einem Standort (Solar und Umgebungswärme) ausreichend ist um das Gebäude zu versorgen. Die grosse Herausforderung liegt in der zeitlichen Verschiebung zwischen Angebot

Die Rahmenbedingungen… Das Gebäude soll dem Bewohner eine komfortable Wohnsituation mit maximaler Energieeffizienz zur Verfügung stellen, welche durch die Einbindung in eine einzigartige Architektur mit hohem Wie46


DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

„Inhouse“ Energiespeicher von Jenni oder auch verschiedene Varianten von Erdspeichern). Auch hier gilt, möglichst geringe thermische Verluste und eine kostenoptimierte Speicherlösung wird benötigt. Bei tieferer Betrachtung der Thematik erkennt man, dass auch der Mensch, bzw. der Bewohner Teil des Systems werden muss. Sein Verhalten hat einen wesentlichen Einfluss auf das Gesamtsystem. Zum Beispiel ist in einem energie-autarken Haus zur Mittagszeit, wenn die Sonne scheint, der Strom wesentlich günstiger als dies üblicherweise am öffentlichen Stromnetz der Fall wäre. Die Herausforderung ist, wie kann der Bewohner motiviert werden, sich so zu verhalten, dass er sich für das System optimal verhält, dies aber ohne Komforteinbussen für sich selber tut. Hierzu sind im Wesentlichen eine umfassende Information sowie Energiemonitoring-Systeme welche den Verbrauch transparent darstellen erforderlich. Anreizsysteme (z.B. Monetär) können ebenfalls das Benutzerverhalten für das Gesamtsystem positiv beeinflussen.

und Nachfrage. Einfaches Beispiel ist die künstliche Beleuchtung, welche im Normallfall dann benötigt wird wenn keine Sonne scheint und somit auch kein Ertrag von der PV Anlage zur Verfügung steht. Bedeutend komplexer wird das System wenn die saisonale Verschiebung berücksichtigt wird. Für eine erfolgreiche Umsetzung werden Langzeitspeichersysteme benötigt, welche möglichst verlustfrei und kostengünstig Energie über Monate speichern können. Bezogen auf die elektrische Energie, kommen zum heutigen Zeitpunkt im Wesentlichen zwei Systeme in Frage, welche die Anforderungen abdecken können. Für die Kurzzeitspeicherung (wenige Tage) sind dies Speicherbatterien und im Langzeitbereich eine Speicherung Mittels Wasserstoff (PTG = Power to Gas). Beide Technologien sind heute stark im Fokus von Entwicklungen und es darf mit einigen Innovationen in den nächsten Jahren gerechnet werden. Auch beim Energiebedarf für die Raumwärme ist die Ausgangslage sehr ähnlich und auch in diesem Bereich wurden bereits verschiedene Konzepte für eine Langzeitspeicherung untersucht und auch umgesetzt. (Beispiel der

Bei der Planung ist darauf zu achten, dass dies System- und Technologieübergreifend erfolgt. Das Gebäude (inklusive der zukünftigen Nutzer/Bewohner) ist als ein System zu betrachten. So können Anpassungen der Architektur Einfluss auf den PV Ertrag haben, was wiederum dazu führt dass allenfalls ein Speicher angepasst werden muss. Die Wahl des Wärmeerzeugers hat einen erheblichen Einfluss auf den Stromverbrauch. Gleichzeitig hat die Wasserstoffproduktion- und Speicherung sowie die Umsetzung mit einer Wasserstoffbrennstoffzelle zur Stromproduktion Einfluss auf das Heizsystem, da mehr oder weniger Wärme genutzt werden kann. Die mehr oder weniger unabhängige Planung und Auswahl der einzelnen Technologien (Sanitär, Heizung, Elektro, usw.) wie dies üblicher Weise der Fall wäre führt in diesem Gesamtsystem zu keiner optimalen Lösung. Als zusätzlicher Punkt muss auch über die Versorgungssicherheit nachgedacht werden. Hier muss mindestens darauf geachtet werden, dass der Ausfall einer einzelnen Komponente nicht zu einem kompletten „Blackout“ des Systems führt. Zusammengefasst ist der Bau eines energieautarken Hauses mit den heutigen Technologien durchaus machbar, stellt aber eine hohe Anforderung an das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Eine Veränderung einer Systemkomponente hat unweigerlich einen positiven oder negativen Einfluss auf das Verhalten des Gesamtsystems - genau hier liegt die Herausforderung.

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Roger Balmer ist seit rund 30 Jahren in der Energiebranche tätig. Zuerst im Bereich Haus- und Industrietechnik und anschliessend in der Biogasbranche im Bereich Anlagenbau als GL Mitglied der Firma Axpo Kompogas AG. Seit 2010 ist er Geschäftsführer und Inhaber der Pro-Energie, Projekt- und Energiemanagement GmbH, und ist im Bereich Projekt- und Energiemanagement tätig und verfügt über Nachdiplomabschlüsse in Betriebswirtschaft und Energiemanagement. Er engagiert sich auch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrlingen und als Fachdozent für Biogastechnologie und Wärmekraftkoppelung an der ZBW St. Gallen. Als Projektkoordinator und Fachbauleitung Gebäudetechnik war er massgeblich am Bau der Umwelt Arena AG in Spreitenbach beteiligt. Derzeit arbeitet Roger Balmer mit seinem Team an der technischen Realisation des ersten energieautarken Mehrfamilienhauses und an der Markteinführung der Hybrid-Box®, www.hybridbox.ch

Roland Zwingli ist seit rund 15 Jahren in der Automatisierungs- und Energiebranche tätig. Zuerst im Schaltschrankbau und anschliessend als Teamleiter Automation beim Technologiekonzern Bühler Uzwil. Während dieser Zeit konnte er zahlreiche Erfahrungen bei der Abwicklung von Projekten im Anlagenbau weltweit sammeln. 2003 – 2005 bildete er sich zum Elektrotechniker HF weiter. Seit 2011 ist er Geschäftsführer und Inhaber der RZ Energiemanagement GmbH und ist im Bereich Energie- und Projektmanagement tätig. Seit 2011 verfügt er zusätzlich über einen Nachdiplomabschluss im Energiemanagement. In seiner aktuellen Tätigkeit ist Roland Zwingli unteranderem, für das kontinuierliche Energiemanagement der Umwelt Arena in Spreitenbach mit verantwortlich und arbeitet an der technischen Realisation des ersten energie-autarken Mehrfamilienhauses.

SEMINAR SA.18.10. 9.00 UHR


DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

Das erste energie-autarke Mehrfamilienhaus – Konzeption und Architektur von René Schmid, Architekt

Die wichtigsten Faktoren bei einem energie-autarken Gebäude und deren Einfluss auf die Architektur sind (1) ein sparsames Gebäude, (2) ein hoher Energiegewinnungsgrad und (3) gute Energiespeichermöglichkeiten.

In Zusammenarbeit mit Basler & Hofmann AG, Zürich und CSEM, (Centre Suisse d‘Electronique et de Microtechnique SA), Neuchâtel wurde die Photovoltaikplatte auf die Anforderungen der Architektur weiter entwickelt. Neu ist, dass das Photovoltaik-Element nicht mehr nur Energielieferant ist, sondern vielmehr eine matte Bauplatte, die mindestens so gut in Erscheinung tritt, wie eine Faserzementplatte mit dem freudigen Unterschied der Stromproduktion. Bereits bei Sonnenaufgang wird die gesamte Gebäudeoberfläche aktiv und produziert Energie auch ohne direktes Sonnenlicht.

Ein sparsames Gebäude wird mit einer guten Gebäudehülle und einem kompakten Gebäudekörper erzielt. Weitere Massnahmen, wie zum Beispiel eine intelligente Steuerung oder die Bewusstseinsförderung der Bewohner, haben keinen direkten Einfluss auf die Architektur, jedoch eine grosse Wirkung auf den Energieverbrauch. Der geforderte hohe Energiegewinnungsgrad ergibt sich durch die Nutzung der einstrahlenden Sonnen- Energie auf fast der gesamten Gebäudeoberfläche, sowohl passiv als auch aktiv. Und gute Energiespeichermöglichkeiten erreichen wir neben den aktiven Speichern auch mit dem Bauwerk, welches mit seiner massiven Bauweise aus Beton und Backstein als passiver Wärmespeicher wirkt. Zum Energiegewinnungsgrad Mit einer aktiven Nutzung der aufstrahlenden Sonnenenergie auf den Gebäudekörper können die hohen Energieerträge vom Hochsommer für den Winter gewonnen und gespeichert werden.

Architektur und Technik in Einklang zu bringen, das ist unser tägliches Ziel.

René Schmid ist Architekt HTL und seit 1996 Geschäftsführer der RENÉ SCHMID ARCHITEKTEN AG. Seine Kompetenzen liegen im Wohnungsbau, bei Gewerbe- und Industriebauten sowie bei der Vereinigung von Architektur und Umwelttechnik. Als Architekt hat er 1995 bei Egli und Rohr Architekten, Baden-Dätwil gestartet und zuvor seine Hochbauzeichnerlehre im Architekturbüro Lüthi und Mengolli, Kloten absolviert.

Architektonisches Konzept Das Projekt fügt sich in ein ländliches Wohngebiet inmitten von Schrägdachbauten ein. Eine dunkle und matte Fassadenhaut umschliesst den Gebäudekörper. Einschnitte für Fenster, Balkone und Sitzplätze werden in Holz ausgekleidet und erzeugen eine warme und angenehme Atmosphäre.

KEYNOTE

Architektur verändert die Oberfläche der Photovoltaikzellen Die Fassadenhaut wurde speziell für die Anwendung an einem Wohnhaus entwickelt. Es handelt sich um eine matte Photovoltaikplatte, welche als Fassadenplatte vollflächig verbaut wird.

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DAS ENERGIE-AUTARKE HAUS

Photovoltaik 2.0 – Photovoltaikanlage und Batteriespeicher von Noah Heynen, Co-Geschäftsführer Helion Solar Auf dem Strommarkt der Zukunft werden erneuerbare Energien lokal gespeichert. Mit einem Batteriespeicher von der Grösse eines Kühlschranks sind Einfamilienhausbesitzer bis zu 70% autark. Das Zeitalter der Batteriespeicher hat begonnen. Die Herausforderung bei den erneuerbaren Energien ist die Volatilität. Da die Produktion von nicht beeinflussbaren Faktoren wie Sonne oder Wind abhängig ist, steht der saubere Strom nicht immer dann zur Verfügung, wenn Bedarf besteht. Daher soll der Teil der Energie gespeichert werden, der lokal nicht unmittelbar benötigt wird. Stromspeicherung im Einfamilienhaus Die Stromspeicherung wird wie die Produktion in Zukunft dezentral stattfinden. Photovoltaikanlagen auf zahlreichen Einfamilienhäusern produzieren tagsüber viel Energie. Der Überschuss wird in einer Batterie gespeichert. Der saubere Strom versorgt den Haushalt anschliessend den ganzen Abend und die Nacht über. Mit einem Stromspeicher von der Grösse eines kleinen Kühlschrankes werden je nach Verbrauchsverhalten Autarkiegrade von 70% bis 90% erreicht. Im optimalen Fall steht der Batteriespeicher an einem geschützten Ort, z.B. in einem Keller, wo die Temperatur konstant ist. Die tagsüber erfolgende Ladung und die Entladung über Nacht sind schonend für einen Akku. Denn der Speicher ist nicht einem ständigen Stress und hohen Belastungen ausgesetzt, wie dies etwa beim Elektro-Auto der Fall ist. Zudem steuern innovative Systeme automatisch oder via App den Boiler oder eine Wärmepumpe, was den Eigenverbrauch maximiert. Quartierspeicher statt Netzverstärkung Die dezentrale Stromproduktion ist faktisch ein Systemwechsel, der neue Anforderungen

an das Stromnetz stellt. Das Netz wird mit zahlreichen mittelgrossen Produktionsanlagen gespickt sein. Diese Photovoltaikanlagen produzieren bereits heute teilweise mehr Strom, als das Netz auffangen kann. Anstatt dieses teuer zu verstärken, kann die Anlage an einen so genannten Quartierspeicher gekoppelt werden, welcher so gross wie ein paar Parkplätze in einer Einstellhalle ist. Er funktioniert ähnlich wie ein Überlaufbauwerk zum Schutz vor Überschwemmungen. Sobald die PV-Anlage mehr Strom produziert, als das Netz auffangen kann, wird der Batteriespeicher geladen. Eigenverbrauch wird attraktiv In den kommenden Jahren wird die Steckdosen-Netzparität erreicht. Der Photovoltaikstrom ist damit günstiger als der Strom aus dem Netz. Und auch die Stromspeicherung wird laufend günstiger und schreitet mit immer grösseren Schritten der Wirtschaftlichkeit entgegen. Der Wunsch, den selbst produzierten Strom auch in der Nacht zu nutzen, und die Ablehnung von „dreckigem“ Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken, sowie das Sterben nach Unabhängigkeit bewegen immer mehr Leute dazu, sich einen Batteriespeicher anzuschaffen. Daher ist Helion auf diesem Markt sehr aktiv. Seit der Batteriespeicher vor gut eineinhalb Jahren aufgekommen ist, hat das Unternehmen mehr als 20 Einfamilienhaus-Lösungen realisiert und ist damit unumstrittener Marktführer.

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Florian Schweizer gründete 2012 als Geschäftsführer zusammen mit Noah Heynen und Samuel Beer die Helion Solar Zürich AG. Sein Einstieg in die Berufswelt erfolgte über eine Lehre zum Elektromechaniker. Sein erstes Solarprojekt konnte er vor 20 Jahren an der Berufsschule Uster. 2006 schloss er die Verkaufsleiter-Ausbildung ab und wechselte in dieser Funktion zu einem renommierten Schweizer Solaranbieter. So machte er sein Hobby zum Beruf. Florian Schweiz ist 39 Jahre alt, verheirate und hat drei Kinder.

DIALOGRUNDE FR.17.10. 11.15 UHR


NACHHALTIGES WOHNEN UND BAUEN

Energie-Ring Küssnacht – umweltfreundliche und sichere Energieversorgung von Hans Schäfer, Cofely Als Energiestadt will Küssnacht vermehrt Abwärme aus bestehenden Prozessen und erneuerbare Energien nutzen, um dadurch den CO2-Ausstoss zu senken. Eine einfache und sichere Lösung dazu bietet der Energie-Ring. Mit ihm kann Küssnacht Energie aus Sonne, Abwärme und Seewasser zum Heizen und Kühlen nutzen. Energie aus Küssnacht für Küssnacht Der Energie-Ring ist ein einfaches System, dank dem Haushalte, Gewerbe und Industrie mit umweltfreundlicher Energie heizen und kühlen können. Umweltfreundlich heisst: Der Energie-Ring verwendet Solarwärme und Solarstrom, Abwärme von lokalen Betrieben sowie Wärme und Kälte aus Seewasser. CO2freie Energie also, die in Küssnacht reichlich vorhanden ist, bisher aber kaum genutzt wird.

Saubere Luft für Küssnacht Heute werden in Küssnacht rund 70 Prozent der Gebäude mit Öl beheizt. Im Einzugsgebiet des Energie-Rings werden jährlich ca. 1,8 Mio. Liter Heizöl verbraucht. Diese Menge entspricht etwa 85 Tanklastwagen. Bis zu 68 Lastwagenfüllungen können mit dem Energie-Ring pro Jahr eingespart werden. Kommt hinzu, dass dank der Nutzung von Sonnenenergie, Abwärme und Seewasser für das Heizen kaum mehr Verbrennung notwendig ist. Der Ausstoss von Schadstoffen und Feinpartikeln reduziert sich damit auf ein Minimum.

Einfach, klein und hocheffizient Herzstück des Energie-Rings ist ein Verbund von 3 bis 5 kleinen Energiezentralen mit Wärmepumpen, die in bestehende Gebäude wie den Werkhof oder die Rigihalle integriert werden können. Heutige Wärmepumpen ermöglichen eine äusserst effiziente Nutzung von Energie. Verbrennung ist keine nötig – der Energie-Ring liefert Energie ohne Schadstoffe. Grosse Kraftwerke oder Anlagenbauten sind nicht erforderlich, denn der Energie-Ring nutzt die Energie aus der Region. Er verursacht weder Transporte noch Lärm.

Sichere und unabhängige Energieversorgung Mit dem Energie-Ring setzt Küssnacht auf ein sicheres Versorgungssystem, das jederzeit weiterentwickelt werden kann: Es kann neue Energiequellen oder Technologien integrieren, vergrössert oder verkleinert werden – je nachdem, was Küssnacht braucht. Die Verbraucher bleiben mit dem Energie-Ring unabhängig: Sie wählen selbst, welche Energie sie zum Heizen oder Kühlen nutzen „wollen“.

SONNENENERGIE für Wärme und Strom Solarzellen produzieren Wärme und Strom. Der Solarstrom wird für den Betrieb der Wärmepumpen eingesetzt.

GEWERBE Auch Büros und kleinere Gewerbebetriebe können Heiz- und Kühlenergie aus dem Energie-Ring beziehen. Abwärme von Klima- oder Kühlanlagen nimmt der Energie-Ring wieder auf.

ABWÄRME zum Heizen und für Warmwasser Abwärme von Industriebetrieben oder Kühlanlagen ist Energie, die in Küssnacht bereits vorhanden ist. Der Energie-Ring nimmt diese Energie auf und leitet sie als Wärme dorthin, wo sie zum Heizen benötigt wird.

SEEWASSER kühlt im Sommer, gibt Wärme im Winter Seewasser liefert Energie zum Kühlen im Sommer und zum Heizen im Winter. Umweltfreundlich und CO²-frei.

INDUSTRIE Industriebetriebe und Kühlanlagen leiten Abwärme aus ihrer Produktion in den Energie-Ring. Gleichzeitig beziehen sie Kälte für den Betrieb von Kühlanlagen und Wärme für die Heizung.

ENERGIEZENTRALE In den Energiezentralen wird mit Wärmepumpen Energie zum Heizen und zum Kühlen gewonnen. Sonne, Abwärme und Seewasser dienen als Wärme- und Kältequellen für die Wärmepumpen. Der Strom für den Betrieb der Wärmepumpen wird aus Sonnenenergie und weiteren erneuerbaren Energien gewonnen. Wie funktioniert eine Wärmepume? Mehr Infos: www.fws.ch

HAUSHALTE Haushalte können über das Leitungsnetz Heizwärme aus dem Energie-Ring beziehen. Damit werden Bodenheizungen und herkömmliche Radiatoren beheizt sowie Warmwasser aufbereitet.

Hans Schäfer ist Leiter Projektentwicklung bei Cofely Schweiz (www.cofely.ch). In dieser Funktion entwickelt und betreut er für Cofely Projekte mit dem Ziel, die Energieeffizienz durch eine intelligente Nutzung vorhandener Energiequellen über Wärme- und Kältenetze zu verbessern und gleichzeitig die Emissionen zu senken. Hans Schäfer ist ursprünglich gelernter Heizungsmonteur und hat sich mit der Planung und Ausführung von Energieoptimierungsprojekten in der Industrie ein umfassendes Know-how und eine breite Praxiserfahrung angeeignet. 50

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NACHHALTIGES WOHNEN UND BAUEN

Holz – ein nachwachsender und CO2 speichernder Werkstoff für zukunftsorientiertes und nachhaltiges Bauen von Silvia Furlan, Kuratle & Jaecker

Der Wald nimmt Kohlendioxyd CO2 aus der Luft auf und gibt Sauerstoff O2 ab. Der Kohlenstoff C wird im Holz gespeichert, womit das Treibhausgas CO2 der Atmosphäre entzogen wird. Mit der Wahl eines Holzproduktes kann man CO2 reduzieren. Je mehr Holz zum Einsatz kommt, desto grösser ist der Effekt. Denn mit der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und der Nutzung der erneuerbaren Ressource Holz können wir den CO2-Haushalt und somit das Klima positiv beeinflussen.

DIALOGRUNDE

Das Holz und seine Verarbeitung wiederspiegeln das Handwerk, die Bautechnik, die Gesellschaft und den vorherrschenden Geschmack der jeweiligen Zeit. Die Errungenschaften der Technik haben den natürlichen Qualitäten von Holz weitere Eigenschaften hinzugefügt und moderne Holzwerkstoffe erweitern das Anwendungsspektrum für Böden und Wände, für Küchen und Möbel. Holz schafft ein natürliches Raumklima, gleicht Wärme und Kälte sowie feuchte und trockene Luft aus, verringert die Pollen- und Staubbelastung und das alles und mehr im aktuellen Design der Zeit sowie im nachhaltigen Kreislauf der Natur!

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Silva Furlan ist seit über 20 Jahren tätig in der Bau-Nebenbranche. Sie ist seit 2000 für die Kuratle & Jaecker AG tätig und unterstützt in der Funktion als Leiterin MaKo & QMS und Labeling Projekte rund um Nachhaltiges Bauen – von der Herkunft des Rohstoffes Holz aus verantwortungsvoller Bewirtschaftung über die Produktion zum multifunktionalen Baustoff bis hin zu dessen Verarbeitung und Veredelung als moderner Baustoff. Der Schwerpunkt den Einsatz von Holz als multifunktionalen, nachwachsenden und vor allem CO2 speichernden Baustoff der Zukunft zu fördern zählt zu den Inhalten von Gastreferaten an Fachveranstaltungen wie die Aufklärung vom Einsatz von auf umweltschonende und gesundheitsverträgliche geprüfter Produkte für die Förderung gesunder Innenräume.

In dem Referat wird vorgestellt, wie wir mit dem Einsatz von auf Herkunft geprüftem und nach FSC®, PEFC und Schweizer Holz zertifiziertem Holz unsere Wälder und somit auch unseren Lebensraum langfristig erhalten können.

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SPONSOR

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SPONSOREN

EnergieSchweiz Goldsponsor TMA-Kongress 2014

Unser Engagement: unsere Zukunft.

EnergieSchweiz ist die zentrale Plattform, welche die unterschiedlichen Akteure der Energieszene vernetzt, fördernswerte Projekte finanziell unterstützt sowie die breite Öffentlichkeit informiert und sensibilisiert.

Ideen: Erfolgsversprechende Konzepte zur Förderung eines sparsamen Energiekonsums und von erneuerbaren Energien erhalten von EnergieSchweiz kommunikative Anschubhilfe. Weitere Informationen finden Sie unter www.energieschweiz.ch.

In enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit realisiert EnergieSchweiz als Programm des Bundesamts für Energie derzeit über 500 Projekte zur Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien. Dies geschieht in allen energierelevanten Bereichen – von der Mobilität über Gebäude, Elektrogeräte, Industrie- und Dienstleistungen bis hin zu Aus- und Weiterbildung. EnergieSchweiz fördert das Wissen und die Kompetenz der breiten Öffentlichkeit in Energiefragen und sorgt dafür, dass die Schweiz für den Strukturwandel auf den Energiemärkten mit den richtigen Fachkräften gewappnet ist. Zudem bietet EnergieSchweiz ein Gefäss zur Markterprobung von innovativen

EnergieSchweiz engagiert sich als Sponsor für den Kongress «think more about – Tage der Nachhaltigkeit», weil gerade das Leitthema – die Kunst des Wandels – ein zentrales Anliegen des Programm ist: Wie können wir ein nachhaltiges Umdenken in der Gesellschaft bewirken? Wie kann ein Wandel vom blossen Nachhaltigkeits-Bewusstsein zum ressourcen- und energieeffizienten Verhalten erreicht werden? Die Antworten auf diese Fragen zu finden ist essentiell für unser Engagement und unsere Zukunft.

Am energyday engagieren sich seit 2006 jedes Jahr namhafte Firmen und Organisationen, um gemeinsam den Stromverbrauch im Privathaushalt zu senken. Der energyday wird von der energie-agentur-elektrogeräte (eae) zusammen mit dem Programm EnergieSchweiz des Bundesamts für Energie (BFE) organisiert. Die Aktivitäten dauern mehrere Wochen und erreichen ihren Höhepunkt am eigentlichen energyday, jeweils am Samstag vor der Umstellung auf die Winterzeit – dieses Jahr am 25. Oktober 2014. www.energyday.ch

KOMMEN SIE AM 25 . OKTOBER 2014 IN DI E UMWELT ARENA UN DORT DEN ENERGYDA D ERLEBEN SIE Y. NÄHERE INFORMAT IONEN UNTER WWW .UMWELTARENA.C

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H.


SPONSOREN

Ikea

Volkswagen

Silbersponsor TMA Kongress 2014

Silbersponsor TMA-Kongress 2014

Vision IKEA: Wir wollen unseren Kunden Qualität zu erschwinglichen Preisen bieten. Alle IKEA Produkte werden deshalb anhand der fünf Elemente von Democratic Design entworfen: Form, Funktion, Qualität, Nachhaltigkeit und niedriger Preis. Unsere Vision geht jedoch über das Einrichten hinaus. Wir wollen für alle Menschen, die von unserem Geschäft beeinflusst sind, einen besseren Alltag schaffen und eine positive Wirkung auf die Umwelt haben (www.ikea.ch).

Die Umwelt Arena bietet auf fünf Stockwerken über 100 Firmen und Organisationen die Möglichkeit ihre Umweltkompetenz zu demonstrieren. Die Themen Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit werden für die Besucher erfahrbar gemacht. Volkswagen unterhält in der Umwelt Arena einen Ausstellungsstand im Bereich «Energie und Mobilität». Auf über 300 m2 werden Fahrzeuge mit unterschiedlichen, nachhaltigen und umweltfreundlichen Antriebsarten gezeigt. Die innovativen Technologien ermöglichen geringe Verbrauchswerte sowie tiefe Emissionen ohne auf Fahrspass, Dynamik und hohe Alltagstauglichkeit zu verzichten. Das Engagement geht jedoch über Modelle mit «BlueMotion Technology» hinaus. So setzt sich Volkswagen mit der Initiative «Think Blue.» für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt ein. In der permanenten Ausstellung der Umwelt Arena zeigt Volkswagen zukunftsorientierte, nachhaltige Mobilitätlösungen für heute und morgen.

Warum sich IKEA sich als Sponsor für den „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ in der Umwelt Arena engagiert IKEA möchte eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und die Umwelt erzielen. Dabei beginnen wir bei unserem eigenen Umfeld und entlang unserer eigenen Wertschöpfungskette und bei unseren eigenen Kunden. Wir engagieren uns aber auch für den Wandel der Wirtschaft, fördern globale Nachhaltigkeitslabels wie FSC, BCI, UTZ und fördern somit den Wandel über unseren direkten Einflussbereich hinaus. Die Nachhaltigkeits-Tage sind eine gute Möglichkeit unser Engagement aufzuzeigen und andere Firmen und Kunden zu motivieren ein nachhaltiges Leben zu führen.

Volkswagen als Sponsor beim think more about-Kongress Als grösster Automobilaussteller in der Umwelt Arena ist das Engagement als Sponsor des «think more about»-Kongresses eine logische Konsequenz. So ist es Volkswagen im Rahmen der Tagung möglich, sich mit der Initiative «Think Blue.» einem breiten Publikum zu präsentieren. «Think Blue.» umschreibt ein ganzes Massnahmenpaket, welches einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt fördern soll. Volkswagen hat sich dabei zum Ziel gesetzt, sich nicht nur im Rahmen der Mobilität für Nachhaltigkeit stark zu machen, sondern die Menschen im Allgemeinen für einen sorgfältigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und im Einklang mit der Natur zu sensibilisieren.

Wie sich IKEA als Unternehmen für Nachhaltigkeit engagiert und warum sie als Unternehmen besonders nachhaltig ist Klimawandel, knappe Ressourcen und die stetig wachsende Zahl an Konsumenten gehören zu den grössten Herausforderungen unserer Zeit. Seit jeher sucht IKEA nach entsprechenden Lösungen – mit der Vision, einen besseren Alltag für viele Menschen zu schaffen. IKEA fördert erneuerbare Energien, produziert mit gesunden und sicheren Chemikalien, lebt einen verantwortungsvollen Umgang mit Wäldern und Ackerland und unterstützt die Mitarbeiter und Gemeinschaften entlang unsere Wertschöpfungskette.

Nachhaltigkeit bei Volkswagen Aus dem weltweiten Erfolg der Marke Volkswagen erwächst eine grosse Verantwortung – für Mitarbeiter und Kunden, eine intakte Umwelt und eine ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, wird der gesamte Konzern auf maximale Energie- und Ressourceneffizienz ausgerichtet: Bis 2015 wird der CO2-Ausstoss der gesamten EU-Neuwagenflotte auf unter 120 g/km gesenkt, bis 2020 sogar auf 95 g/km. Dazu wird das gesamte Antriebsspektrum weiter entwickelt: vom Verbrennungsmotor über den Erdgasantrieb bis hin zu Plug-in-Hybrid und Elektroantrieb. Das Ein-Liter-Auto XL1 zeigt exemplarisch, dass der Konzern mit seinen 40‘000 Forschern und Entwicklern die nötige Innovationskraft und Leidenschaft für diese Herausforderung mitbringt. So ist Volkswagen der weltweit erste Automobilhersteller, der – in einer Baureihe – alle derzeit relevanten Antriebsarten anbietet. So ist der Golf – nebst Benzin-, Diesel- und Erdgasantrieb – als e-Golf und Golf GTE neu auch mit Elektro- und Plug-In-Hybridantrieb erhältlich.

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SPONSOREN

Tobler Haustechnik

Kuratle&Jaecker

Silbersponsor TMA-Kongress 2014

Silbersponsor TMA-Kongress 2014

Mit der Tobler Haustechnik AG stellt unsere Gruppe den namhaftesten Haustechnik-Grosshändler der Schweiz. Wir beraten und beliefern Installateure, unterstützen Planer und Architekten und stehen auch dem privaten Bauherrn zur Verfügung. Die Tobler Service AG bietet für alle Produkte mit Wartungsbedarf den perfekten Aftersales-Service. Mit der Keramikland AG führt Tobler neu auch ein umfassendes Angebot an hochwertigen Designprodukten fürs Bad. Mehr Infos unter www.haustechnik.ch.

Holzwerkstoffe von Kuratle & Jaecker AG (www.HWZ.ch) Als Bindeglied zwischen Produzenten und der verarbeitenden Holzindustrie bedient die Kuratle & Jaecker AG die Segmente Holzbauer, Schreiner, Boden- und Parkettleger mit einer breiten Palette an traditionellen und modernen Holzwerkstoffen. Die schweizweit auf regionale Kundebedürfnisse ausgerichteten Lager, ergänzt mit der eigenen ausgeklügelten Logistik gewähren kurze Transportwege. Architekten und Planer unterstützen wir in der ganzheitlichen Betreuung für Holzbau-Projekte und Bauherren können sich in regionalen Ausstellungen kompetent in der Anwendung und den Einsatz von Holzwerkstoffen beraten lassen. (www.holzwerkstoffe.ch)

Unser Engagement für den TMA-Kongress Als Schweizer Haustechnik-Leader ist uns bewusst, dass wir innerhalb der Branche einen wichtigen Faktor bezüglich der Energiefrage darstellen. Als Partner der Umwelt Arena Spreitenbach unterstützen wir den TMA-Kongress als Sponsor und mit zwei Referaten zu den Themen „Herausforderung bei den Heizsystemen: Wärmepumpen“ und „Energiering Küssnacht – umweltfreundliche und sichere Energieversorgung“ (Cofely AG), weil wir damit den Kongressteilnehmern neue Aspekte der Nachhaltigkeit – wie zum Beispiel die Optimierung der Energiebilanz bei Sanierungs- und Neubauprojekten – näherbringen können.

Warum wir uns in der Umwelt Arena und als Sponsor für den Kongress „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ engagieren Der Wald ist grüne Lunge, Lebensraum und Energiespeicher. Und Produzent eines nachhaltigen Baustoffes! Das Holz und seine Verarbeitung widerspiegeln das Handwerk, die Bautechnik, die Gesellschaft und den vorherrschenden Geschmack der jeweiligen Zeit. Die Errungenschaften der Technik haben den natürlichen Qualitäten von Holz weitere Eigenschaften hinzugefügt und moderne Holzwerkstoffe erweitern das Abwendungs-Spektrum. Holz schafft ein natürliches Raumklima, gleicht Wärme und Kälte sowie feuchte und trockene Luft aus, verringert die Pollen- und Staubbelastung und das alles und mehr im aktuellen Design der Zeit sowie im nachhaltigen Kreislauf der Natur! Wie vielfältig der Einsatz von Holz in unserem Leben ist, zeigen wir mit unserem Auftritt „Mach was mit Holz!“ in der Umwelt Arena im Bereich Natur und Leben. Der Kongress „think more about“ bietet uns die ideale Möglichkeit unser Engagement für den Einsatz von Holz als multifunktionaler Baustoff zu unterstreichen. Denn mit der nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und der Nutzung der erneuerbaren Ressource Holz als modernen Baustoff, können wir den CO2-Haushalt und somit das Klima positiv beeinflussen.

Tobler und Nachhaltigkeit Tobler nimmt die CO2-Problematik in der Schweiz ernst und unterstützt deshalb die Förderung von erneuerbaren sowie energiesparenden Technologien aktiv. Eine besonders zentrale Rolle spielt dabei die Auswahl unseres Produktportfolios. Wir setzen uns konsequent für qualitativ hochstehende Produkte aus der Schweiz und aus Mitteleuropa ein, da diese eine deutlich höhere Energieeffizienz aufweisen als vergleichbare Konkurrenzprodukte, die auf umweltschonende Produktionsmethoden verzichten.

Unser Engagement für die Nachhaltigkeit „Nachhaltigkeit ist keine leere Worthülse, sondern unser stetiges und ernsthaftes Bemühen der damit verbundenen ganzheitlichen Umsetzung.“ Das laufende Bestreben der Unternehmung ist es, qualitativ einwandfreie Produkte mit dauerhaftem hohem Kundennutzen anzubieten. Der schonende Umgang mit dem Naturstoff Holz und dessen Herkunft ist demzufolge unser grösstes Anliegen. Die Zusammenarbeit mit zuverlässigen Partnern ist deshalb eine Selbstverständlichkeit. Transportwege werden so kurz wie möglich gehalten. Investiert wird laufend in die neusten Anforderungen der LKW Flotte. Betriebe werden mit Produktionsabfällen geheizt und neue Immobilien werden vorwiegend in holzbauweise erstellt. Die Unternehmung ist nicht bloss nach ISO 9001, FSC, PEFC und CH-Holz zertifiziert, sondern fördert auch das Label von natureplus aktiv. Der Endverbraucher hat dadurch Gewähr, dass die erworbenen Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen und auf Umwelt, Gesundheit und Funktion geprüft sind.

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SPONSOREN

SV Group

helios.bz

Bronzesponsor TMA-Kongress 2014

Medienpartner

Die SV Group AG mit Holdingsitz in Dübendorf ist in der Schweiz, Deutschland und Österreich im Bu-siness, Care und Event Catering, im Hotelmanagement und in der Gastronomie tätig. 2013 erwirt-schaftete der Konzern mit rund 8’100 Beschäftigten einen Nettoumsatz von CHF 653 Mio. In der Schweiz ist die SV Group mit rund 350 geführten Betrieben Marktführerin in der Gemeinschaftsgast-ronomie. Sie besitzt die Konzept- und Markenrechte von SPIGA und ist Franchisenehmerin für wagamama sowie für die Hotelmarken Courtyard by Marriott, Renaissance und Residence Inn by Mar-riott. Als leidenschaftliche Gastgeberin verpflegt und umsorgt die SV Group ihre Gäste, sie schafft Genus-serlebnisse und Lebensqualität. Mit ihrem Versprechen «Passion for quality» strebt sie bei all ihren Tätigkeiten höchstmögliche Qualität an. Die SV Group wurde vor 100 Jahren (1914) als Sozialwerk gegründet, aber von Beginn an unternehmerisch geführt. Daraus hat sich ein führendes, dynamisches Unternehmen entwickelt: Gastfreundschaft und Engagement sind der Schlüssel zum Erfolg. Die SV Group verknüpft seit je her und auch in Zukunft wirtschaftliche Leistung mit gelebter sozialer und öko-logischer Verantwortung. Dieses gesellschaftliche Engagement wird zusätzlich verstärkt durch die gemeinnützige Arbeit der SV Stiftung als Mehrheitsaktionärin der Aktiengesellschaft SV Group. Die SV Group war, ist und bleibt ein Pionierunternehmen mit Nachhaltigkeit als Kompass. Warum die SV Group sich als Sponsor für den „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ in der Umwelt Arena engagiert Die SV Group ist einer ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nachhaltigen Entwicklung ver-pflichtet. Der rationelle und schonende Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt ist deshalb ein erklärtes Unternehmensziel. Die Vision der SV

Group ist es, die Umweltbelastung entlang der ganzen Wertschöpfungskette über den Tellerrand hinaus transparent zu machen und wo immer möglich zu reduzieren. Der Weg dahin beinhaltet viele Herausforderungen. Die SV Group ist sich bewusst, dass der Einklang von Wirtschaftlichkeit und möglichst geringer Umweltbelastung immer eine grosse Her-ausforderung sein wird. Im Brennpunkt stehen Qualität und Nachhaltigkeit. Investitionen in Infrastruk-tur, Messtechniken und erneuerbare Energien setzt die SV Group gezielt für die Zukunftsentwicklung ein. Zur SV Group gehört auch dine&shine Event Catering (www.dine-shine. ch), welche in der Umwelt Arena in Spreitenbach (AG) das nachhaltige Restaurant Klima betreibt und für den Kongress „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“ das Catering sicherstellt. Wie sich die SV Group als Unternehmen für Nachhaltigkeit engagiert und warum sie als Unternehmen besonders nachhaltig ist SV Group – Gemeinsam für Klimaund Ressourcenschutz: beim Klimaschutz hat die Gastronomie-branche bisher wenig zu Lösungen beigetragen, obwohl ein Drittel der persönlichen Umweltbelastung aus der Ernährung stammt. Als Vorreiter lancierte die SV Group 2013 gemeinsam mit dem WWF Schweiz das Programm ONE TWO WE für eine klimafreundliche Personalgastronomie. Gemeinsam mit Lieferanten, Kunden und Gästen möchte die SV Group in der Schweiz den CO2-Fussabdruck ver-kleinern und so aktiv zum Umweltschutz beitragen. Dafür trat die SV Group in der Schweiz den WWF Climate Savers bei. Die SV Group gehört zu den ersten Gastronomieunternehmungen weltweit, wel-che sich zu einem klaren CO2 Ziel verpflichten. www.sv-group.ch

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helios ist ein werteorientiertes Unternehmen. Nachhaltigkeit ist unser oberstes Prinzip. Die Nachhaltigkeit in all ihren Facetten und mit ihren komplexen Inhalten wollen wir so „verpacken“, dass sie in der Mitte der Gesellschaft bei den Herzen der Menschen und bei der Wirtschaft ankommt. Denn dort gehört sie hin. Marketing und Kommunikation sind unsere Instrumente. Für öffentliche Auftraggeber gestalten wir „Social Marketing“; also gemeinwohlorientiertes Marketing auf Gesellschaftsebene (z.B. für Mobilität, Energieeffizienz) und Firmenkunden betreuen wir mit werteorientiertem Marketing und Kommunikationsdesign. Der helios Gründungsmythos basiert auf einem Schlüsselerlebnis im ecuadorianischen Regenwald. Im Juli 1999, wir waren noch Studenten, kämpften wir uns mit schwerem Kameraequipment durch den Regenwald. Wir standen da: durstig, hungrig, verschwitzt, erschöpft und erschlagen. Mitten im Regenwald zog schwarzer, stinkender Rauch über einen See aus Erdöl. Der Gestank stieg uns in die Nase. Und eine Erkenntnis machte sich in uns breit: hier stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht. Zwei Jahre danach, im November 2011, gründeten wir die helios und liessen uns damit auf ein weiteres, immer noch währendes, Abenteuer ein. Einige erfolgreiche Kommunikationsprojekte für öffentliche Auftraggeber: • Radlhauptstadt München, Fahrradmarketing, 2010–2014 • RadKULTUR Baden-Württemberg, Fahrradmarketing, 2012–2014 • Fahrrad Wien und Wien zu Fuss, 2012–2013 • Bici Bolzano, Fahrradmarketing, 2003–2014 • Kommunikationskonzept Fahrradmobilität Bern • Moderation Stakeholderprozess Fahrradmobilität Innsbruck • Greenevent, Label, Provinz Bozen/Südtirol, 2013 • Morgen beginnt Heute, Sensibilisierungskampagne, Handels- und Dienstleisterverband Südtirol, 2013 • Südtirol Pass, Image-Produktkampagne, Provinz Bozen/ Südtirol, 2012 • Klimabündnis Südtirol, CD, Sensibilisierungskampagne, Film, Provinz Bozen/Südtirol, 2005–2008 • Energie im Alltag, Sensibilisierungskampagne, Provinz Bozen/Südtirol, 2005–2008


WISSENSCHAFTLICHER PARTNER

Das IUNR an der ZHAW - Lehren und Forschen an der Schnittstelle von Natur und Gesellschaft als wissenschaftlicher Partner des TMA-Kongresses

INUR Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Grüental, Postfach, 8820 Wädenswil, Tel. +41 58 93 45 959, info.iunr@zhaw.ch

Das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen IUNR in Wädenswil gehört zum Departement Life Sciences und Facility Managementder ZHAW. Der schonende Umgang und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, der Respekt und die ganzheitliche Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt bestimmen Lehre und Forschung am IUNR.

Vom ZHAW wirken bei dem TMA-Kongress folgende Personen mit Beiträgen mit: • Dr. Jürg Minsch, INUR Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Wädenswil • Prof. Dr. Mathias Schüz, School of Management and Law, ZHCM Zentrum für Human Capital Management, Lehrstuhl für Responsible Leadership, Winterthur • Dr. Merja Hoppe, INE Institut für Nachhaltige Entwicklung, Winterthur

Das IUNR bietet fünf Bachelor-Studiengänge - Biotechnologie, Chemie, Lebensmitteltechnologie, Umweltingenieurwesen, Facility Management - und zwei Masterstudiengänge an. Das Institut mit rund 180 Mitarbeitenden umfasst zwei Zentren mit je drei Forschungsbereichen: Umweltsysteme • Landschaft und Tourismus • Nachhaltigkeitskommunikation • Urbane Grünräume

Natürliche Ressourcen • Biologische Landwirtschaft • Ecological Engineering • Integrative Ökologie 57


SEMINARE

Energieeinsparungs-Potentiale und Einsatz erneuerbarer Energien in Unternehmen von Wolfgang Lechner und Patricia Lechner-Focke SEMINAR Auf dem Weg zum „energie-autarken“ Unternehmen? Die heftig diskutierte Frage, ob und wenn ja, wie, Energie-intensive Unternehmen im Rahmen der Energiewende und der steigenden Energiepreise unterstützt werden können zeigt auf, dass in vielen Branchen hohe Energiekosten entstehen. Auch wenn in der Öffentlichkeit meist nur über die „Grossen“ gesprochen wird, gilt das natürlich genauso für den Mittelstand. Dem kann man durch konsequente Nutzung erneuerbarer Energien, eines Energie-Recyclings sowie geeigneter begleitender Massnahmen, z.B. den Einsatz von modernen Dämmstoffen und Verfahren zur Prozessoptimierung effizient entgegenwirken. Eine deutliche Energiekosten-Senkung, manchmal bis zur Energie-Autarkie, ist für viele Betriebe mit vertretbarem „return of invest“ erreichbar. Nur, wie soll das in der Praxis funktionieren? Gerade kleinere und mittelständische Betriebe können es sich kaum leisten, „Beauftragte für Haustechnik“ oder wie immer man die Zuständigkeit für diese Themen nennen will, zu beschäftigen. So wird in vielen Fällen mit externen Kräften notgedrungen „geflickt“, d.h. wenn z.B. die Heizung ihre nominelle Lebensdauer erreicht hat, wird vom Heizungsbauer eine Offerte für eine neue angefordert. Man verlässt sich auf dessen Kompetenz, die sicher für seinen Bereich auch gegeben ist. Gleiches gilt für andere Ersatzmassnahmen, sei es an der Gebäudehülle, an der Haustechnik oder am Maschinenpark.

Das war über Jahrzehnte gängige Praxis und in der Vergangenheit sicher auch zielführend. Warum sollte man das Vorgehen ändern? Z.B. weil die Energiekosten in den letzten 20 Jahren um bis zu 250% gestiegen sind, die verfügbaren Einkommen jedoch nur um 30% (Statistisches Bundesamt, D), die Gewinne der meisten Unternehmen nur zwischen 60 und 90%? Ziel ist „Weitgehende Energie-Autarkie“ Seit dem die Politik entschieden hat, übrigens mit grossem Rückhalt in der Bevölkerung, die sogenannte „Energiewende“ einzuleiten, hat sich unglaublich viel entwickelt, sowohl technisch, als auch im Bewusstsein vieler Menschen. Der Endkunde, aber auch viele Handwerker sind jedoch überfordert, die aktuelle Situation ganzheitlich zu betrachten. Es war nie Teil ihrer Ausbildung und gezielte und geförderte Weiterbildung ist eher die Ausnahme. Was es zu beachten gilt, ist vor allem die Interaktion, also die Wechselwirkung der verschiedenen Faktoren, Systeme und Materialen miteinander. Wer hat sich denn vor 20 Jahren schon Gedanken darüber gemacht, die Fassade zu dämmen, wenn man Fenster tauscht? Oder die Abwärme aus einer Grossküche dazu zu verwenden, den Gastraum eines Restaurants zu beheizen und nicht noch Energie aufzuwenden, diese nach draussen zu verschleudern. Moderne Technik und moderne Baustoffe erlauben es heute, selbst in vielen Betrieben, sich der Vision der Energie-Autarkie spürbar. 58

SA.18.10. 9.00 UHR

Prof. Dr. Wolfgang Lechner hat Bauingenieur- und Vermessungswesen studiert. Er lehrt in Einzelveranstaltungen als Professor an der TU Dresden mit Schwerpunkt „Projekt-Management“. Er sammelte Industrie-Erfahrung im Bereich „Luft- und Raumfahrt“ inkl. einer mehrjährigen Kooperation mit der NASA. Er war langjähriger Berater der Deutschen Flugsicherung DFS und der Schweizer Zivilluftfahrtbehörde BAZL sowie der Schweizer Flugsicherung skyguide und im internationalen Umfeld bei der Europäischen Kommission sowie der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Patricia Lechner-Focke leitet das Beratungsunternehmen „Energy & Engineering“ mit Sitz in Romanshorn in der Schweiz. Ihre Ausbildung umfasst ein Studium der Verfahrenstechnik an der Uni Chemnitz, sowie eine Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Energieberater mit Fachausweis bei Polybau Uzwil in der Schweiz. Sie verfügt über langjährige Industrie-Erfahrungen im Bereich „Konstruktion und Entwicklung“, und mehrjährige Erfahrungen in den Bereichen „Energieberatung für Gebäude, Altbausanierung und Wohnbiologie“.


SEMINARE

Nachhaltige Führung und OE-Prozesse über Dialog-Kultur von Evelyn Oberleiter

STARR

OFFEN

(bereits positioniert–stark bewertend)

(noch nicht festgelegt – nicht bewertend)

WISSEN ANTWORTEN GEWINNEN ODER VERLIEREN UNGLEICH MACHT EINE SACHE BEWEISEN EINE POSITION VERTEIDIGEN

HERAUSFINDEN FRAGEN MITEINANDER TEILEN GLEICH RESPEKT ZUHÖREN NEUE MÖGLICHKEITEN, KREATIVITÄT ERKUNDEN

WEG / HALTUNG

und versuchen ihre Standpunkte kompromisslos gegen jene anderer durchzusetzen. Dadurch kommt es oft zu „faulen“ Kompromissen, mit denen niemand wirklich zufrieden ist. Das erlebte Gefühl der Dominanz und des von dem anderen nicht verstanden werden lässt keine Lernkultur zu.

Vier Aspekte unternehmerischen Handelns legt die Definition des Terra Institutes „nachhaltiger Führung“ als Basis zugrunde: • Wirtschaftlichkeit jeden Handelns im Unternehmen • Technischer Fortschritt • Wirkprinzipien sozialer Beziehungen • Ethik und Sinnstiftung

SEMINAR

Führung kann demnach nur dann nachhaltig sein, wenn sie immer wieder eine Balance findet zwischen diesen verschiedenen Aspekten. Dieser ausgleichende Prozess führt dazu, dass die ursprünglichen Fragestellungen des „Entweder – Oder“ in einen laufenden Ausgleich des „Sowohl – als auch“ münden. Und hierfür bedarf es einer neuen Gesprächskultur, die den Fokus nicht auf den Ausschluss von Sichtweisen und Themen legt, sondern auf deren Integration.

SA.18.10. 9.00 UHR

Evelyn Oberleiter ist Rechtswissenschaftlerin, Politologin und Pädagogin und ausgebildete Mediatorin. Sie absolvierte umfassende Ausbildung zur systemischen Organisations-und Personalentwicklung. Sie arbeitete viele Jahre als freie Journalistin und Referentin für Kommunikation und Kulturveränderungsprozesse in verschiedensten Spezialisierungs- und Management Lehrgängen. Seit 2003 zunächst als selbständige Beraterin und seit der Gründung des Terra Institutes als Mit-Geschäftsführerin und Senior-Beraterin begleitet und berät sie Klein- und Mittelständische Betriebe in Richtung Nachhaltigem Wirtschaften. Sie hat in den vergangenen Jahren viele Unternehmen in tiefgreifenden Veränderungsprozessen begleitet.

Aus diesem Grund ist nachhaltige Führung und deren Sichtbarmachung in OE-Prozessen ohne eine Dialog-Kultur gar nicht möglich, insbesondere berücksichtigend, dass die Form unserer Kommunikation die Möglichkeiten und Grenzen unserer Art und Weise des Denkens und Fühlens widerspiegelt. Eine Dialogkultur ist leicht identifizierbar und im Unternehmensalltag einfach von einer Diskussionskultur zu unterscheiden. In letzterer gehen Führungskräfte und Mitarbeiter mit vorgefassten Meinungen und fertigen Lösungen in Gespräche und Meetings 59


SEMINARE

Was macht Unternehmen mit einer Wertekultur erfolgreich? Kurzvorstellung des Cultural Transformation Tools (CTT) vom Barret Values Center von Lars Steinberg Engagierte Mitarbeiter bringen ihr Commitment, ihre Kreativität, ihr Wissen und ihre Kraft an ihrem Arbeitsplatz ein. Sie geben das „gewisse Extra“, damit die Organisation ihre Ziele erreichen kann. Diverse Statistiken zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen Mitarbeiterengagement und der Menge an Energie, die im Unternehmen produktiv eingesetzt wird. Je niedriger das Engagement, je höher ist die unproduktiv ohne Wertschöpfung eingesetzte Energie (Entropie). Worauf legen erfolgreiche Unternehmen ihr Augenmerk? Was macht sie so erfolgreich? Unsere Bedürfnisse und das, was wir wertschätzen, sind die Hauptantriebskräfte für menschliches Handeln. Ein Schlüssel zum Erschaffen einer High-Performance Kultur liegt im Verstehen der Bedürfnisse und Werte der Mitarbeiter – was sie glücklich macht und was ihrem Leben Sinn gibt. Und darin aufzuzeigen wie das, was ihnen wichtig ist, mit den Zielen und Werten der Organisation übereinstimmt und dort gelebt werden kann. Wenn Mitarbeiter bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse und dem Leben ihrer Werte unterstützt werden, antworten sie in der Regel darauf mit einem hohen Mass an Engagement für die Ziele der Organisation. Die Werte, die Menschen am wichtigsten sind, spiegeln unerfüllte Grundbedürfnisse und Bedürfnisse nach menschlichem Wachstum auf unserer jeweiligen psychologischen Entwicklungsstufe wieder. Zu den Grundbedürfnissen gehören finanzielle Sicherheit, Zugehörigkeit und ein positives Selbstgefühl. Zu den menschlichen Wachstumsbedürfnissen gehören die Entwicklung unserer Talente, innerer Wertezusammenhalt, einen Unterschied auszumachen und einem „grösseren Ganzen“ zu dienen. Gleichzeitig ist die Kultur einer Organisation ein Spiegel des Bewusstseins ihrer Führung. Die Transformation eines Unternehmens oder einer Organisation beginnt mit der Transformation der Führung. Nicht Organisationen sondern Menschen transformieren sich. Was messen wir in diesem Prozess? Worauf wir durch regelmässige Messungen unsere Aufmerksamkeit lenken hat die Tendenz, sich zu verbessern.

Mit den Cultural Transformation Tools (CTT) hat das Barrett Values Center dazu ein Instrumentarium zur Verfügung gestellt, mit dem der Ist-Zustand der Unternehmenskultur ermittelt und wichtige Hinweise auf deren Weiterentwicklung gegeben werden können. Firmen wie Volvo IT in Schweden und Unilever haben dies erfolgreich eingesetzt. Die Mitarbeiter beantworten in einer internetbasierten Erhebung drei einfache Fragen: Aus einem Katalog wählen sie ihre wichtigsten persönlichen Werte, die momentan in der Organisation am sichtbarsten gelebten Werte und die nach ihrer Meinung wichtigsten Werte für eine hohe Leistungsfähigkeit der Organisation in der Zukunft aus. Die Antworten werden dann sieben Fokusgebieten menschlicher Bedürfnisse zugeordnet. So erhält das Unternehmen unter anderem einen Überblick über selbst erzeugte Begrenzungen für erfolgreiches Handeln und konkrete Hinweise darauf, wie menschliches Potenzial im Unternehmen freigesetzt werden kann. Begrenzende angstgesteuerte Überzeugungen der Führung werden sichtbar, zum Beispiel bezüglich übertriebener Kontrolle, übergrosser Vorsicht, Schuldzuweisungen oder Machtstreben. In einem Arbeitsprozess PHASEN IN DER ENTWICKLUNG VON „ORGANISATIONS-BEWUSSTSEIN“

können konkrete Schritte und Entwicklungsmassnahmen eingeleitet werden. Die besten Führungskräfte legen ihr Augenmerk auf Werte, die zu innerem Zusammenhang des Unternehmens beitragen. Die Unternehmenskultur ist der entscheidende Faktor für den Erfolg. Kultur entsteht durch die Werte, die von der Führung gelebt werden. Dies sind nicht notwendigerweise die in Broschüren und anderen Materialien genannten Werte, sondern die Werte, die in der täglichen Wirklichkeit des Handelns unter Führungskräften, zwischen Führungskräften und Mitarbeitern und zwischen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zum Ausdruck kommen. „Consistent and persistent work with our wanted culture is one of our critical success factors.“ – Magnus Carlander, CEO Volvo IT „Culture eats strategy for breakfast.“ – Peter Drucker, zitiert vom Präsidenten der Ford Motor Company „At heart, we are encouraging personal meaning. This is where growth happens. To make meaning is human. To choose the meaning we make is to be leaders.“ – Rob Mallick, Unilever Brasilien POSITIVER FOKUS/EXZESSIVER FOKUS

SERVICE SICH IN DEN DIENST DES GANZEN STELLEN

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EINSATZ FÜR DIE MENSCHEN UND DEN PLANETEN GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG, ZUKÜNFTIGE GENERATIONEN, LANGFRISTIGE PERSPEKTIVE, ETHIK, MITGEFÜHL, DEMUT

MAKING A DIFFERENCE SINNFINDUNG - EINEN BEITRAG LEISTEN

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STRATEGISCHE ALLIANZEN UND PARTNERSCHAFTEN UMWELTBEWUSSTSEIN, GESELLSCHAFTLICHES ENGAGEMENT, MITARBEITER-SELBSTVERWIRKLICHUNG, COACHING/MENTORING

INTERNAL COHESION AUTHENTIZITÄT – INNERER ZUSAMMENHALT

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AUFBAU VON GEMEINSCHAFT IM UNTERNEHMEN GETEILTE WERTE, VISION, ENGAGEMENT, INTEGRITÄT, VERTRAUEN, LEIDENSCHAFT, KREATIVITÄT, OFFENHEIT, TRANSPARENZ

TRANSFORMATION

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REGELMÄSSIGE ERNEUERUNG UND KONTINUIERLICHES LERNEN RECHENSCHAFT, ANPASSUNGSFÄHIGKEIT, ERMÄCHTIGUNG, TEAM-ARBEIT, ZIELORIENTIERUNG, PERSÖNLICHES WACHSTUM

SELF-ESTEEM SELBSTWERTSCHÄTZUNG

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HOHE PERFORMANCE SYSTEME, PROZESSE, QUALITÄT, BEST PRACTICES, STOLZ AUF ERBRACHTE LEISTUNG. BÜROKRATIE, SELBSTGEFÄLLIGKEIT, …

RELATIONSHIP BEZIEHUNGEN

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ZUGEHÖRIGKEIT LOYALITÄT, OFFENE KOMMUNIKATION, KUNDENZUFRIEDENHEIT, FREUNDSCHAFT. MANIPULATION, SCHULDZUWEISUNG, …

SURVIVAL ÜBERLEBEN

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FINANZIELLE STABILITÄT SHAREHOLDER VALUE, ORGANISATORISCHES WACHSTUM, MITARBEITER-GESUNDHEIT, SICHERHEIT. KONTROLLE, KORRUPTION, GIER, …

Quelle: The Seven Levels of Organisational Consciousness, von Richard Barrett, Barret Values Centre

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SEMINARE

Emotionale und soziale Kompetenz kann man lernen! Wie Arbeit nicht nur Freude sondern auch Sinn macht. von Vivian Dittmar Die entscheidenden Effizienzverluste in Unternehmen sind heute nicht mehr in unterlegenen Technologien oder unklaren Prozessen begründet, sondern in der emotionalen und sozialen Kompetenz der Mitarbeiter. So konnte in Untersuchungen nachgewiesen werden, dass emotionale Intelligenz doppelt so wichtig ist wie intellektuelle Fähigkeiten, wenn es darum geht, die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters vorherzusagen. Doch bei Gefühlen und Beziehungen geht es natürlich um weit mehr als um die blosse Effizienz. Wer erst einmal entdeckt hat, wie viel sinnstiftender es ist, miteinander statt gegeneinander zu sprechen und zu arbeiten, vergisst beinahe, dass die Arbeit hierdurch nicht nur effizienter sondern auch effektiver wird. Mit anderen Worten: wir werden nicht nur besser darin, die Dinge richtig zu tun, wir entdecken vor allem immer mehr was es bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Und das ist richtig erfüllend. Doch was ist emotionale und soziale Kompetenz eigentlich? Diese beiden Fähigkeiten sind eng miteinander verknüpft und umfassen eine Palette von Fertigkeiten, die gemeinhin den so genannten “Soft Skills” zugeordnet werden. Sehen wir sie uns nacheinander an, beginnend mit der sozialen Kompetenz. Was ist soziale Kompetenz? Jens Asendorpf ordnet der soziale Kompetenz in seinem Buch “Psychologie der Persönlichkeit” zwei Komponenten zu: “Konfliktfähigkeit und Kooperationsbereitschaft. Sozial kompetente Menschen verfügten demnach über die seltene Gabe, diese zwei eher gegensätzlich scheinenden Verhaltensweisen situativ so einzusetzen, dass es ihnen möglich

wird, eigene Ziele innerhalb sozialer Beziehungen zu erreichen, ohne die Beziehung zu gefährden. Somit sei soziale Kompetenz als der optimale Kompromiss zwischen Selbstverwirklichung und sozialer Verträglichkeit zu sehen.” Voraussetzung dafür, dass wir diese angeblich so seltene Gabe entwickeln können ist, dass wir uns immer wieder auf Augenhöhe mit anderen Menschen auseinandersetzen, deren Bedürfnisse in einer gegebenen Situation von unseren eigenen abweichen. Leider fehlt uns häufig die Gelegenheit zu dieser Form der Auseinandersetzung, so dass die Entwicklung von sozialer Kompetenz vielfach zu kurz kommt. Darüber hinaus ist unsere soziale Kompetenz eng mit unserer emotionalen Kompetenz verknüpft – ein Bereich der bis vor Daniel Golemans Bestseller “Emotionale Intelligenz” ganz und gar nicht salonfähig war. Was ist emotionale Kompetenz? Goleman selbst definiert emotionale Intelligenz und Kompetenz wie folgt: “Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die Anderer zu erkennen, uns selbst zu motivieren und sowohl mit den eigenen Emotionen als auch mit denen anderer effektiv umzugehen. Eine Emotionale Kompetenz ist eine erlernte Fähigkeit, die auf emotionaler Intelligenz basiert und die zu effektiven Jobperformance beiträgt”. Ich persönlich ziehe eine umfassende Definition vor, die auch die bewusste Erzeugung, effektive Steuerung und den angemessenen Einsatz von Gefühlen als Kräften vorsieht. In meinem Verständnis haben gerade auch die ungeliebten negativen Gefühle wie Wut, Trauer, Angst oder Scham soziale Funktionen von übergeordneter Bedeutung. Die Unkenntnis dieser Funktion 61

führt vielfach dazu, dass Gefühle ausgeblendet, missbraucht oder zweckentfremdet werden. Der Gefühlskompass leistet uns gute Dienste wenn es darum geht, im Arbeitsalltag einen angemessenen Umgang mit Konflikten, Herausforderungen und Stresssituationen zu finden. Indem Führungskräfte und Unternehmer in die emotionale und soziale Entwicklung ihrer Mitarbeiter investieren, zeigen sie Weitblick. Sie steigern dadurch nicht nur die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich konstruktiv einzubringen, die Resilienz des Unternehmens wird durch das Zusammenspiel von Herz, Hirn und Hand erheblich gesteigert. Wo offen und kompetent mit kontroversen Meinungen umgegangen wird, können Menschen ihr volles Potential entfalten. Davon profitieren alle Ebenen des Unternehmens nicht zuletzt der Mitarbeiter selbst.

Vivian Dittmar ist Impulsgeberin, Referentin, Seminarleiterin und Gründerin der Be the Change Stiftung für kulturellen Wandel. Sie ist Autorin des Buches „Gefühle, eine Gebrauchsanweisung“ das schon mehreren tausend Menschen zu einem neuen Verständnis von und Umgang mit ihren Gefühlen verholfen hat. Als Unternehmensberaterin von Terra Institute begleitet sie Unternehmer und Führungskräfte in Wandlungsprozessen hin zu einer emotional und sozial kompetenten Kultur.

SEMINAR SA.18.10. 9.00 UHR


SEMINARE

Zukunftsfähige Nachhaltigkeitsberichte und -prozesse von Günther Reifer Nachhaltigkeit und wertorientierte Führung sind für moderne und zukunftsfähige Unternehmen schon lange kein reines Modewort mehr, sondern vielmehr zur Notwendigkeit, zum neuen Unternehmensparadigma geworden. Der Aufbau von Umwelt-Management-Systemen zur Erfassung des ökologischen Fussabdrucks und die Berichterstattung zu den Nachhaltigkeitsthemen sind für Unternehmen wichtig; sie reichen alleine aber nicht aus. Es geht um die Verankerung der Nachhaltigkeitsthemen in der Unternehmens-Vision und –Strategie, um einen Entwicklungs-Prozess im Unternehmen und um einen intensiven Dialog mit den Stakeholdern des Unternehmens, d.h. den Führungskräften und Mitarbeitern, den Kunden, den Lieferanten und Partnern, den Gesellschaftern und dem gesellschaftlichen Umfeld. Immer mehr Unternehmen haben erkannt, dass herkömmliche Managementmethoden nicht mehr funktionieren. Ein primär auf Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit

ausgerichtetes Unternehmen wird es auf lange Sicht nicht schaffen, wettbewerbsfähig zu sein bzw. zu bleiben. Diesen Disziplinen kommen weitere – vielleicht sogar wichtigere Themen hinzu. Philipp Kotler, einer der wichtigsten Marketingprofessoren, beschreibt dieses Bild im Modell des Marketing 3.0. Dort zeigt er auf, dass ein wesentliches Ziel von zukünftigen Unternehmen der aktive Beitrag für eine „bessere Welt“ sein wird. Es reicht nicht mehr „nur“ Arbeitsplätze und akzeptabler Produkte herzustellen, sondern es geht darum wirklich Verantwortung zu übernehmen und Unternehmertum neu zu definieren. Zentrale Marketingkonzepte sind nicht mehr Positionierung und Differenzierung sowie das Handeln der klassischen 4 P’s (Produkt, Preis, Place, Promotion), sondern die tiefe Beschäftigung mit Werten und neuen P’s welche ins Zentrum rücken. Diese sind: People, Planet, Prosperity und last but not least Purpose. Spannend ist die Aufgabe Unternehmen und Organisationen vom 1.0 oder 2.0 in Richtung 3.0 hin zu begleiten und dabei den Prozess zu

MARKETING 1.0 PRODUKTORIENTIERTES MARKETING

MARKETING 2.0 MARKETING 3.0 VERBRAUCHERORIENTIERTES MARKETING WERTEORIENTIERTES MARKETING

ZIEL

Produkte verkaufen

Verbraucher zufriedenstellen und binden

Die Welt verbessern

TRIEBKRÄFTE

Industrielle Revolution

Informationstechnologie

New-Wave-Technologie

WIE UNTERNEHMEN DEN MARKT SEHEN

Massenkäufer mit physischen Bedürfnissen

Klügere Konsumenten mit Herz und Verstand

Ganze Menschen mit Kopf, Herz und Human Spirit

ZENTRALES MARKETING- KONZEPT

Produktentwicklung

Differenzierung

Werte

MARKETINGPOLITIK DER UNTERNEHMEN

Produktspezifizierung

Positionierung von Unternehmen und Produkten

Mission, Vision und Werte Systemisches Denken

WERTANGEBOT

Funktional

Funktional und emotional

Funktional, emotional und spirituell

INTERAKTION MIT VERBRAUCHER

One-to-many-Transaktion (Massenabfertigung)

One-to-One-Beziehung (individuelle Betreuung)

Many-to-Many-Kooperation (von der Masse für die Masse)

Quelle: P. Kotler; Neue Dimensionen des Marketings

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steuern. Sehr häufig entstehen dabei Innovationen in ganz unterschiedlichen Bereichen bis hin zum eigenen Business Model selbst. Die Definition von Qualität bekommt ganz neue Inhalte, der Mensch und dessen Kreativität wird ganzheitlich im Fokus gesetzt und die Struktur von sehr häufig hierarchisch geprägten Modellen auf eine Kultur des Kreises umgesetzt. Während man im 2.0 primär von einem linearen Denkmodell ausgeht, spielt im 3.0 die systemische Betrachtungsweise die entscheidende Rolle. Dabei ist Führung, Marketing und Verkauf ganz neu definiert. Im Seminar „Zukunftsfähige Nachhaltigkeitsberichte und -Prozesse“ werden diese Themen beispielhaft dargestellt und aufgezeigt, wie diese in ein sinnvolles Berichts- und Kommunikationskonzept verpackt werden können. Günther Reifer hatte die typische Wirtschaftskarriere im Visier und war klar in diese Richtung unterwegs: Wirtschaftsstudium, Lehrbeauftragter an der Uni, Unternehmensberater, Vertriebs- und Marketingvorstand einer internationalen Unternehmung, bis er alsdann merkte, dass diese Themen nicht das sind, was er wirklich wollte. Diverse Reisen nach Süd-Ost-Asien und Ägypten (Sekem) haben sein Leben verändert und ihn dazu bewogen – gemeinsam mit Evelyn Oberleiter – das Terra Institut zu gründen. Er ist Cradle to Cradle Design Consultant und Präsident des Vereins der Gemeinwohlökonomie in Italien.

SEMINAR SA.18.10. 9.00 UHR


SEMINARE

Nachhaltiges Gesundheits-Management in Unternehmen! Ein attraktives und gesundheitsförderliches Umfeld für Menschen in Unternehmen und Regionen. von Marcel Fischer Wie kann ein nachhaltiges Gesundheits-Management im Unternehmen, egal ob Konzern oder KMU, verankert werden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigen wir uns im Workshop. Mit der Überzeugung, dass Gesunde Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig sind, wird das Unternehmen selbst, wie auch die Region gestärkt.

Marcel Fischer ist staatlich anerkannter Physiotherapeut und arbeitete zunächst im Gesundheitszentrum Holzer in Holzkirchen bei München sowie als Geschäftsführer der Zweiginstitution in Olang/Südtirol. In dieser Zeit arbeitete er u.a. als persönlicher Betreuer mit Athletinnen und Athleten aus verschiedenen Sportdisziplinen. Neben seiner Tätigkeit studierte er Gesundheitswissenschaften und Management in Graz und an der University of Salzburg Business School, wo er mit dem Master of Science (MSc) bzw. Master in Management (MIM) abschloss. Inzwischen liegt sein Arbeitsschwerpunkt in der Erwachsenenbildung und in der Unternehmensberatung (Terra Institute). Er berät Firmen mit besonderem Fokus auf die Themen Nachhaltigkeit und Gesundheitsmanagement und fungiert als Prozessbegleiter bei betrieblichen Neustrukturierungen. Er ist zudem ein gefragter Referent zu Fragen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und hält Seminare dazu ab.

Ein nachhaltiges Gesundheits-Management entwickelt ein ganzheitliches und gesundheitsbewusstes Denken in allen Unternehmensebenen, von dem sich Führungskräfte und Mitarbeiter anstecken und motivieren lassen. Dabei werden alle Dimensionen von Gesundheit berücksichtigt, denn die physische, psychische und soziale Gesundheit jedes Mitarbeiters hat einen hohen Einfluss auf seine Leistungsfähigkeit. Vor dem Hintergrund, dass sich der Arbeitsmarkt im Wandel befindet, machen Aufrichtigkeit und Individualität in der Unternehmensführung den entscheidenden Unterschied. Im Workshop zeige ich Ihnen die Vorgehensweise zur Implementierung des BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) auch in Ihrem Unternehmen und welche Handlungsfelder es konkret gibt. Wenn ein Betriebliches Gesundheitsmanagement nachhaltig im Unternehmen verankert ist, eignet es sich langfristig als effektives Managementinstrument zum Wohl von Unternehmen und Mitarbeitern.

SEMINAR SA.18.10. 9.00 UHR

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SYMPOSIUM


THEMA

SYPOSIUM

Symposium Be The Change – Welt im Wandel von Christian Trebo Ein interaktives Symposium, das weltweit bereits über 150.000 Menschen berührt, inspiriert und be-wegt hat gemeinsam eine neue Richtung einzuschlagen. Ein multimedialer Tages-Workshop mit inspi-rierenden Filmen und angeleiteten Aufgabenstellungen für die Teilnehmer, der sich mit der Möglichkeit auseinandersetzt, eine mutige Vision zum Leben zu erwecken: Eine ökologisch nachhaltige sozial verantwortliche und sinnerfüllte Präsenz des Menschen auf dem Planeten Erde. Lassen Sie sich inspirieren und herausfordern, erforschen Sie die persönliche Bedeutung dieser Vision.

wir tun? Auf youtube ist ein Kurztrailer zu diesem Symposium zu finden www.youtube. com/watch?v=U0lQm5emJIY. Welt im Wandel wurde von der Pachamama Alliance aus den USA entwickelt und wird inzwischen von über 3.000 ausgebildeten Volontären in über 40 Ländern durchgeführt. Diese Zahl wächst ständig. Informationen zu diesem Symposium finden Sie auch bei der „Be The Change Stiftung für kulturellen Wandel“ in München (www.be-the-change.de). In der Regel werden diese Symposien auf Spendenbasis oder gegen einen geringen Kostenbeitrag angeboten. Die Umwelt Arena in Spreitenbach will dieses Symposium zukünftig regelmässig durchführen.

Be The Change – Welt im Wandel Ein Grossteil der Menschheit lebt am Rande des Existenzminimums, die Anderen am Rande des Burnouts. Die Ressourcen der Erde sind erschöpft oder neigen sich dem Ende zu. Jetzt ist es Zeit, Verantwortung zu übernehmen für unsere Umwelt und für die uns nachfolgenden Generationen. Ihre Ideen und Ihr Engagement sind gefragt, damit die Welt lebenswert bleibt. Werden Sie Teil der Lösung.

SYMPOSIUM SA.18.10. 9.00 UHR

Christian Trebo war als Umwelt- und Verfahrensingenieur im Anlagenbau in leitender Funktion tätig. Im Bau von Biogasanlagen erkannte er die Grenzen technischer Lösungen für Nachhaltigkeitsthemen und wurde sich der Notwendigkeit eines Kultur- und Wertewandels bewusst. Dies bewog ihn neue Wege des miteinander Lebens und Arbeitens zu erproben bis er schliesslich im Jahr 2011 entschied, sich mit Terra Institute ganz der beratenden Begleitung von Mensch und Unternehmen zu widmen, um so eine ganzheitliche Vision von Nachhaltigkeit in die Welt zu bringen. Als Trainer für Kommunikation und Nachhaltigkeitsthemen begeistert er durch seinen natürlichen Enthusiasmus für die Thematik und überzeugt durch Kenntnis der Herausforderungen, vor denen Führungskräfte tagtäglich stehen. Er ist ausgebildeter Facilitator für das Symposium Be The Change – Welt im Wandel.

Im Symposium werden aktuelle Informationen mit dynamischen Gruppeninteraktionen und inspirierenden Kurzfilmen verknüpft, in denen einige der wichtigsten Denker und Macher unserer Zeit zu Wort kommen, wie zum Beispiel Paul Hawken, Desmond Tutu, Julia Butterfly Hill, Brian Swimme und Thomas Berry. Moderatoren und Teilnehmer des Symposiums entwerfen Visionen einer zukünftigen, besseren Gesellschaft. Das Symposium bildet eine Plattform für innovative Strategien und engagierte Initiativen. Das Symposium verläuft in 4 Abschnitten: Teil 1 – Wo sind wir? Globale Standortbestimmung / Teil 2 – Wie sind wir hierher gekommen? Ursachenforschung / Teil 3 – Was ist für die Zukunft möglich? Welche Möglichkeiten gibt es? Was wird bereits getan? / Teil 4 – Wohin gehen wir von hier? Welche ist meien Rolle? Was will ich tun? Was wollen

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IMPRESSUM

Herausgeber des Magazins Terra Institute Schweiz Huobstrasse 25, CH-6333 Hünenberg See Tel +41 41 78 30 275 r.nacke@terra-institute.eu www.terra-institute.eu Head Office: Terra Institute GmbH Säbenertorgasse 2/2, I-39042 Brixen (Südtirol) Tel +39 0472 97 04 84 Umwelt Arena AG Türliackerstrasse 4, CH-8957 Spreitenbach Tel. +41 56 41 81 300 info@umweltarena.ch www.umweltarena.ch

Redaktion Ralf Nacke, Günther Reifer und Emanuela Vedovati Druck/Verlag Europrint OHG, Vahrn Grafik helios.bz Patrick Kofler und Luca Sartori Auflage 2.300 Stück Oktober 2014 Fotos pixelio.de rgbstock.com freeimages.com

Das Copyright für den Inhalt und die Gestaltung des Magazins liegt bei der Redaktion. Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung. Keine Gewähr für eingesandte Fotos und Texte.

Piktogramme Compass by Ben Rellick from The Noun Project – Building Restoration by Sean Connolly from The Noun Project – Energy by Volodin Anton from The Noun Project – Broken Computer by Dan Hetteix from The Noun Project – Tree by vleenie from The Noun Project – Television by Piero Borgo from The Noun Project – Airplane by Eric Benoit from The Noun Project – Home by Melvin Poppelaars from The Noun Project – Trash by Jens Tärning from The Noun Project – Leaf by Mateo Zlatar from The Noun Project – Wheat by Christopher Classens from The Noun Project Hamburger by Elves Sousa from The Noun Project – Lightning by Steve Laing from The Noun Project


REGIONALE STANDORTE

SCHWEDEN Emma Petersson Kristinelundsgatan 3, SE 411 37 Göteborg Tel. +46 736 97 17 36 e.petersson@terra-institute.eu

DEUTSCHLAND Terra Academy Roswitha Schalk Zittauer Straße 32 a, D 80997 München Tel. +49 89 127 624 35 r.schalk@terra-institute.eu Hans W. Steisslinger Ronspergerstr.43 D 73525 Schwäbisch Gmünd Tel. +49 717 18 75 66 98 hw.steisslinger@terra-institute.eu

GROSSBRITANNIEN Christine Abbott York Y08 6LS Tel. +44 (0) 1757 28 84 49 c.abbott@terra-institute.eu

SCHWEIZ Ralf Nacke Huobstrasse 25, CH 6333 Hünenberg See Tel. +41 41 78 30 275 r.nacke@terra-institute.eu

ITALIEN Hauptsitz Brixen Säbenertorgasse 2, I 39042 Brixen Tel. +39 0472 97 04 84 info@terra-institute.eu

ÖSTERREICH Michael Weiss Paracelsusweg 1, A 8144 Tobelbad Tel. +43 31 36 90 15-0 m.weiss@terra-institute.eu

www.terra-institute.eu


WILLKOMMEN IN DER ERSTEN UMWELT ARENA DER WELT

Durch Erleben und Erfahren werden die Zusammenhänge von umweltfreundlichen Produkten und unserem Verhalten verständlich gemacht. Nachhaltigkeit, erneuerbare Energie und Natur. Wie passt das zusammen mit meinen Bedürfnissen in Sachen Wohnen, Mobilität und Energie? Wie geht das ohne Komforteinbussen und Mehrkosten? Antworten finden Sie in den 45 interaktiven Ausstellungen der Umwelt Arena. Oder Sie nutzen die einzigartige Atmosphäre als Schauplatz für Ihren Event, Familienanlass und Vereinsausflug.

www.umweltarena.ch

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