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Ausländer und Migranten als Thema – die Verantwortung der Medien Ein Überblick über die aktuelle Forschungslage.

Universität Hohenheim

Hausarbeit im Fach: Medienentwicklung und Medieninhalte Helen Förster Matrikelnummer: 478221 4. Fachsemester Bachelor Kommunikationswissenschaften


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

S. 1

Massenmedien Funktionen und Wirkungen von Massenmedien

S. 1

Massenmedien als Zerrspiegel

S. 2

Zwei Klassen Migration

S. 3

Richtlinien und Empfehlungen Richtlinie 12.1 des deutschen Presserats

S. 3

Empfehlungen von Forschern

S. 3

Kritik an Richtlinie 12.1

S. 4

Lösungsvorschläge

S. 5

Beispielhafte Übertragung

Fazit

Massenmedien als Zerrspiegel

S. 6

Fehlende Kenntnis der Journalisten

S. 7

Positivbeispiele

S. 7

S. 7


Vorwort Diese Arbeit beschäftigt sich mit der medialen Darstellung von Ausländern und Inländern mit Migrationshintergrund. Die Bundesrepublik Deutschland ist das bevölkerungsreichste Land in der europäischen Union und zirka 20 Prozent der knapp 82 Millionen Staatsbürger haben einen Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt, 2011a, S.32). Der Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass das Öffentlichkeitsbild von ethnischen Minderheiten davon beeinflusst wird, wie sie in den Medien dargestellt und repräsentiert werden. Ob über dieses Fünftel genauso berichtet wird, wie über den Rest der Bevölkerung und welche Verantwortung dabei bei den Medienschaffenden liegt, soll in dieser Arbeit behandelt werden: Zunächst werden Massenmedien und ihre Funktionen erläutert, dabei wird vor allem die verzerrende Wirkung betrachtet. Anhand der Ausführung mehrerer aktueller Studien und Forschungsergebnisse soll die Vielfältigkeit der Ansichten von Forschern aber auch der Empfehlungen im Umgang mit Migranten in den Medien aufgezeigt werden. Im Anschluss werden die aufgezeigten Ergebnisse auf eine ethnische Minderheitengruppe in Deutschland beispielhaft übertragen.

Massenmedien „Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zw. Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum vermittelt werden“ (Maletzke, 1998, S. 45) Funktionen und Wirkungen von Massenmedien Die Funktionen von Massenmedien beschreibt Tonnemacher (2003) als Herstellung von Öffentlichkeit, Bildung und Unterhaltung. Ersteres soll durch Wiedergabe und Verbreitung von Informationen und durch Ergänzung um eigene Kommentare und Stellungnahmen stattfinden. „Die Massenmedien sind also einerseits Vermittlungsinstanz, da sie dem Einzelnen das nicht direkt erleb- und erfahrbare Geschehen in der Welt nahe bringen und andererseits Meinungsinstanz, indem sie einen eigenen Standpunkt einnehmen und diesen über Kommentare ihrem Publikum nahe zu bringen versuchen“ (ebd., S. 47). Daher haben Massenmedien auch Wirkungen: In der heutigen Welt nutzen alle permanent die Medien um sich zu informieren und einen Standpunkt zu finden. Da Massenmedien für die Meinungsbil1


dung wichtige Informationen filtern, beeinflussen sie so das Bewusstsein der Menschen. Damit wirken sie als „geistige Katalysatoren“ (Butterwegge, 2006a, S. 254) und Multiplikatoren und tragen zur Bestätigung und Verstärkung von Klischees und Vorurteilen gegenüber bestimmten Gruppen bei den Rezipienten bei und beeinflussen sie (vgl. auch Jäger, Cleve, Ruth & Jäger, 1998, S. 19; Butterwegge, 1999, S. 65-67;). Deshalb gilt es nun, einen Weg zu finden, sachlich und vollständig zu informieren, ohne klischeehafte Beeinflussung auszuüben. Dies ist meist nicht einfach, da Medien in einer liberalen Gesellschaft unter vielfachen Zwängen stehen: Die meist privaten Unternehmen arbeiten gewinnorientiert und müssen mit geringstem Einsatz einen möglichst großen Umsatz erzielen. Da nüchterne Hintergrundberichte häufig als langweilig und uninteressant empfunden werden, und sich Emotionalisierung, Polarisierung und Sensationalisierung weitaus besser verkaufen lassen, gehen die Medien diesen Weg und passen ihre Berichterstattung an (vgl. Scheffer, 2006, S. 131-132; auch Brosius, 2002). Solch ein Thema ist die Kriminalität, da sie durch Faszination, Spannung und fantasieanregende Wirkung Unterhaltungswert garantiert. Damit leisten Kriminalitätsschilderungen einen Beitrag zur Auflagensteigerung der Zeitungen und sind bei den Verantwortlichen dementsprechend beliebt (vgl. Spindler, 2011, S. 283). Massenmedien als Zerrspiegel Wenn die Massenmedien über das Ausland und insbesondere die dritte Welt und Schwellenländer berichten, so behandeln sie überwiegend Katastrophen, Kriege und Revolutionen. Dadurch kann in der Vorstellung der hiesigen Rezipienten ein Bild über die Bürger dieser Staaten entstehen, in welchem sie „zwar Nutznießer der westlichen Zivilisation und modernster Technologien, aber zur demokratischen Selbstverwaltung unfähig seien“ (Butterwegge, 1999, S. 67; Butterwegge & Hentges, 2000, S. 84). Ein Blick ins Inland zeigt: Laut Statistischem Bundesamt lebten am 31.12.2010 knapp 7,2 Millionen Ausländer in Deutschland (vgl. 2011b, S. 23). Rechnet man Deutsche mit Migrationshintergrund dazu, gelangt man zu einer Zahl von etwa 16 Millionen Bürgern (vgl. Statistisches Bundesamt, 2011a, S. 31). Über die Migranten in der Bundesrepublik wird von den Massenmedien ähnlich berichtet, wie über das Ausland: Nur ausnahmsweise, nur wenn es einen besonders skandalösen, katastrophalen Hintergrund gibt (vgl. Butterwegge & Hentges, 2000, S. 84). Dadurch findet eine Verzerrung der Wahrnehmung der Konsumenten statt. Daniel Müller (2005, S. 12) fasst die Berichterstattung über Migranten so zusammen: „Sie kommen tendenziell selten vor, und wenn, dann häufig in negativ besetzten Zusammenhängen, insbesondere als Kriminelle und überhaupt als Personen, die Geld kosten und/oder gefährlich sind, kurz: als Belastung für unsere Gesellschaft“. 2


Jäger, Cleve, Ruth und Jäger verurteilen schon den Begriff der ‚Ausländerkriminalität‘ und die Erhebung einer Ausländerkriminalitätsstatistik: „Dieser Terminus legt den Schluss nahe, dass Kriminalität, wenn sie von Ausländern begangen wird, ursächlich mit ihrem Status als Ausländer zu tun habe“ (Jäger et al., 1998, S. 13; vgl. auch Butterwegge, 2006a, S. 255). Zwei-Klassen-Migration Neben den ‚Elendsmigranten‘– den Asylanten und den so genannten ‚Wirtschaftsflüchtlingen‘, welche wie oben beschrieben, meist in negativem Zusammenhang erwähnt werden, gibt es auch eine zweite Gruppe, um nicht zu sagen Klasse von Migranten: Expertenmigranten. Das sind Einwanderer, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten nützlich für die deutsche Wirtschaft und damit auch erwünscht sind. Die Berichterstattung über solche Mitbürger unterscheidet sich drastisch von der oben aufgezeigten: „Während der wirtschaftliche Nutzen einer vermehrten Experten- und Elitemigration […] klarer herausgestellt wird, akzentuiert man auch die schädlichen Auswirkungen von Armutswanderungen und Fluchtbewegungen mehr“ (Butterwegge, 2006b, S. 203; vgl. auch Spindler, 2011, S. 284f).

Richtlinien und Empfehlungen Richtlinie 12.1 des deutschen Presserates Verschiedene Forscher haben sich nun mit der Frage beschäftigt, ob es einen Unterschied in der Berichterstattung über deutsche und ausländische Straftäter gibt und welche Auswirkungen diese Unterschiede haben. Eine überwiegend negative Berichterstattung über Ausländer – vor allem in Kombination mit Kriminalität – soll zu einer Ablehnung von Fremden führen und rassistische Tendenzen unterstützen können. (vgl. Scheffer, 2006; auch Butterwegge, 2006a) Davon geht zumindest der deutsche Presserat aus, der die Richtlinie 12.1 eingeführt hat: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“ (Deutscher Presserat, 2008).

Auf Kritik zu dieser Vorschrift wird später in diesem Text eingegangen. Empfehlungen von Forschern Um negative Wirkungen zu vermeiden, also um Vorurteile aus dem Weg zu räumen, Fremdenfurcht zu minimieren und damit Integration und Akzeptanz zu fördern, wurden zahlreiche Ratschläge und Regelkataloge für Journalisten veröffentlicht. Dort geht es meistens um die Vermeidung von so genannten Markierungen. Darunter versteht man die Kenntlichmachung der nationalen Zugehörigkeit 3


von Tätern zum Beispiel mit Hilfe von Beschreibung von Äußerlichkeiten, Namensnennung oder Bemängelung von Sprachkenntnissen oder zusätzlich eine Erwähnung von anderen Straftaten oder Vorstrafen, die nicht in Zusammenhang mit dem aktuellen Fall stehen (vgl. Jäger et al., 1998). Als wichtige Grundregeln haben Margret Jäger et al. (1998) unter anderem folgende benannt: 

Vermeidung einer Stigmatisierung durch Nennung eines nicht-deutschen Namens oder Ersetzung des Namens durch einen nicht-deutschen

Vermeidung von Stigmatisierung durch Verweis auf Nationalität, Hautfarbe oder (schlechte) Deutschkenntnisse

Und vor allem: 

Vermeidung einer Stigmatisierung durch unsensible – oft durch Unwissenheit verursachte – Einbeziehung und ‚Verantwortlich-Machung‘ des kulturellen Hintergrunds von Taten.

Sie gehen sogar so weit, eine Veröffentlichung von Artikeln zu überdenken, wenn die aktuelle Situation schon „rassistisch aufgeladen“ ist (vgl. ebd. S.234-236). Einen ganz anderen Weg schlägt Bernd Scheffer mit seinem Artikel „Schlägt man Fremdenfeindlichkeit am besten mit ihren eigenen Mitteln?“ (2006) ein: Er bezweifelt, dass solche Ratschläge alleine ausreichen und empfiehlt, die Berichterstattung über Migranten verstärkt positiv zu emotionalisieren. Wie oben ausgeführt wurde, sind Sensationalisierung und Emotionalisierung sowieso beliebte Stilmittel; er empfiehlt nun, sie nicht fremdenfeindlich, sondern fremdenfreundlich einzusetzen. Das würde einerseits den Anforderungen der jeweiligen Medien gerechter und andererseits auch mehr Wirkung zeigen. Auch wenn er einräumt, dass das keine Patentlösung sein kann, zeigt er dennoch an einigen Beispielen auf, wie mit öffentlichen Mitleids- und Freundschaftsbekundungen eine „Öffnung der Herzen“ erzielt werden kann (ebd. S. 135). Kritik an Richtline 12.1 Problematisch an der Selbstzensur nach der Richtlinie 12.1 ist, dass durch die Nicht-Kennzeichnung ausländischer Straftäter die Vorurteile sogar verstärkt werden könnten, da die Rezipienten dann eine eigene Zuordnung tätigen und somit einigen Tätern sogar fälschlicherweise einen Migrationshintergrund unterstellen könnten. Cornelia Mohr, Harald Bader und Malte Wicking haben 2009 eine nicht repräsentative Studie zur Wirkung der Richtlinie 12.1 durchgeführt. Dabei haben sie die Annahme, eine Nennung der Minderheitszugehörigkeit würde zu Vorurteilsbildung führen, in Frage gestellt und versucht, diese Hypothese zu widerlegen. Sie haben deutschstämmigen Einwohnern eines Dortmunder Stadtteils eine fiktive Polizeimeldung ohne Kennzeichnung vorgelegt, um sie im Anschluss über die Täter zu befragen. Obwohl die klare Mehrheit der Befragten sich richtig erinnern konnte, dass keine Markierung stattgefunden hat, assoziierten dennoch sehr viele die Tat mit Ausländern und anderen Minderheiten. 4


Daher ziehen die Autoren aus ihrer Befragung den „Schluss, dass Leserinnen und Leser, anders als Richtlinie 12.1 behauptet, Artikel daraufhin decodieren können, was an Informationen fehlt“ (ebd. S. 228). Deshalb sehen sie die Nichteffektivität der Antidiskriminierungsregel als bestätigt an. Die Autoren appellieren an einen offenen Umgang mit der Nationalität von Straftätern, da nur genannte Fakten diskutiert und gegebenenfalls relativiert werden könnten (vgl. Mohr, Bader & Wicking, 2009, S. 230).

Horst Pöttker hat 2007 eine Befragung unter nordrhein-westfälischen Journalisten und PR-Tätigen unternommen, um herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen sie Diskriminierungsverbote akzeptieren. Aus den Ergebnissen leitet er ab, wie „berufsethische Regeln zur Abwehr von Diskriminierung ethnischer Minderheiten gestaltet werden sollten, damit sie von Journalisten akzeptiert und eingehalten werden“ (ebd. S. 184). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass solche Regeln die Pressefreiheit nicht einschränken und auf die professionelle Aufgabe der Befragten Rücksicht nehmen sollten. Für den Einzelfall sollte es einen individuellen Ermessenspielraum geben, wobei der Journalist selber verantwortungsbewusst abwägen kann, ob die vollständige Information oder der Schutz vor Diskriminierung im Vordergrund zu stehen hat. Des Weiteren sollten die Regeln deutlich machen, dass der Schutz vor Diskriminierung ein allgemeines Menschenrecht ist und die Journalisten auch auf nicht-professionellem Weg als Menschen ansprechen, um die Akzeptanz zu erhöhen. Zuletzt sollten Regeln so formuliert sein, dass viel mehr die Folgen als die Absichten der Handlungen als Legitimitätsmaßstab gelten sollten. Herr Pöttker schließt damit, dass die Richtlinie 12.1 diese Gestaltungsvorgaben nicht oder nur unzureichend erfüllt und damit die Journalisten nicht befriedigend überzeugen kann (Pöttker, 2007, S. 185). Lösungsvorschläge Die meisten der zitierten Autoren sind sich einig, dass die zwei Hauptprobleme bezüglich Migranten und Medien folgende sind: 1. Fehlende Kenntnis der Journalisten von Hintergründen, mangelndes Wissen über Kultur und Bräuche: Jäger et al. (1998) betonen, dass „jede Berichterstattung, die mit dem Thema Einwanderung und Flucht zu tun hat, präzise Sachkenntnisse zur Voraussetzung hat" (ebd. S. 234) und dass diese zu häufig nicht gegeben sind. Daraus lässt sich schließen, dass es nötig ist, Journalisten ein fundiertes Wissen über sozioökonomische und politische Migrationshintergründe zu vermitteln, um sie mit den Lebensumständen der Betroffenen vertraut zu ma-

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chen. So sollen Verallgemeinerungen und Klischeeverbreitungen in den Nachrichten verhindert werden (vgl. Butterwegge, 2006b, S. 220-224; auch Brosius, 2002). 2. Zu geringer Anteil von Migranten in Redaktionen: Laut der 2006 erschienenen Expertise „Ausbildung von Volontären in den Medien“ sind Journalisten mit Migrationshintergrund im Berufsfeld stark unterrepräsentiert (BQN, S. 8). Auch der Mitarbeiteranteil von Migranten hat wiederum mit dem ersten Punkt zu tun, denn, „wo man gemeinsam an einem Projekt arbeitet, erfährt man etwas übereinander“ (Pöttker, 2009, S. 185; vgl. auch Jäger et al., 1998, S. 235) Würde man Ausländer und Migranten also besser in den Medienberufen integrieren, könnten sie durch ihr Fach- und Hintergrundwissen neue Blickwinkel eröffnen und die Massenmedien bei ihren Funktionen – der Herstellung von Öffentlichkeit und der Information – positiv ergänzen.

Beispielhafte Übertragung Die Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien sind schon seit dem Mittelalter traditionell gut und intensiv und werden als „eng und vertrauensvoll“ beschrieben (http://www.AuswärtigesAmt.de). In der Bundesrepublik leben aktuell etwa 75.000 Bulgaren (Statistisches Bundesamt, 2011b, S. 88) und in den Jahren 2005 bis 2007 waren Bulgaren die zweitgrößte ausländische Studentengruppe in Deutschland (DAAD, 2011), im Jahr 2010 besuchten laut Auswärtigem Amt (http://www.Auswärtiges-Amt.de) über 10.000 bulgarische Studenten deutsche Universitäten. Aufgrund grundsätzlichen, persönlichen Interesses der Autorin an der Nation und dem Öffentlichkeitsbild in der BRD, soll im Anschluss oben Genanntes am Beispiel von in Deutschland lebenden Bulgaren verdeutlicht werden. Speziell dieser Bereich ist im aktuellen Forschungsfeld noch gar nicht abgedeckt und diese Arbeit bietet nicht den Raum für eine komplette Analyse welche aussagekräftige und repräsentative Ergebnisse erzielen könnte. Daher sollen hier wirklich nur kleine Beispiele die obigen Erkenntnisse belegen oder ihnen widersprechen, eine vertiefende Studie sollte im Nachhinein angehängt werden. Massenmedien als Zerrspiegel: Wenn in deutschen Zeitungen über Bulgarien berichtet wird, steht dies meist in Zusammenhang mit Mafia, Korruption und Konflikten. Und so überwiegen bei den meisten Deutschen die Vorurteile wenn die Sprache auf Bulgarien kommt (vgl. Schlitz, Bolzen & Crolly, 2008). In letzter Zeit gibt es häufig Fernsehberichte über bulgarische Sinti und Roma Familien, welche in Autos hausen, Häuser ‚belagern‘, in den Fluren Hühner schlachten und auf den Straßen Müllberge verursachen. Außerdem wird über bulgarische Prostituierte berichtet‚ welche Dortmunds Nordstadt ‚überfluten‘. 6


Da diese Dinge keine Straftaten sind, würde die Richtlinie 12.1 hier nicht greifen, die Nationalität darf also genannt werden. Weil die Berichterstattung aber so einseitig ist und nicht über die zahlreichen Studenten, die vielfach geglückte Integration aber auch die Schwierigkeiten und Lebensbedingungen der eingewanderten Bulgaren berichtet wird, verzerrt sich vermutlich das Bild, welches in den Vorstellungen der hiesigen Rezipienten entsteht. Fehlende Kenntnis der Journalisten: „Es gehört zu den schlechten Gewohnheiten in den großen europäischen Nationen, dass die kleineren kaum oder nur sehr einseitig wahrgenommen werden“ schreibt die Redaktion der Zeitschrift Ost-West in ihrem Editorial (Renovabis, 2009). Dementsprechend ist die Kenntnis über das Land und seine Einwohner vermutlich sehr eingeschränkt. Und obwohl Journalisten in der Regel besser informiert sind, als die meisten ihrer Rezipienten, kann davon ausgegangen werden, dass auch hier nur Basiswissen vorhanden ist (vgl. Butterwegge, 2006b, S.220). Positivbeispiele: In den letzten Jahren häufen sich positiv emotionalisierte Berichte über Migranten und Integration in Deutschland, ähnlich wie die oben erwähnten Beispiele von Herrn Scheffer. Zu bulgarischen Einwanderern konnte zum aktuellen Zeitpunkt keine solche Reportage gefunden werden. Dies könnte daran liegen, dass die Bulgaren nur eine relativ kleine Minderheitengruppe darstellen.

Fazit Massenmedien prägen die Wahrnehmung und die Einstellungen ihrer Rezipienten und liefern nicht nur (Zerr-)Bilder von Migranten, sondern beeinflussen damit auch das (friedliche) Zusamenleben in einer multikulturellen Gesellschaft. Medienschaffende tragen damit die große Verantwortung, die Bürger umfassend zu informieren und Meinungen zur Diskussion zu stellen. Damit ein fairer Austausch möglich ist und um einen breiteren Blick auf die Allgemeinheit zu werfen, sollten Journalisten mehr Weiterbildung und Hintergrundwissen über Migration erhalten und Einwanderer auch als Mitarbeiter in Medienbetriebe integriert werden. Ob dann – bei einer kooperativen Zusammenarbeit – überhaupt noch Reglementierungen von Nöten sein werden, wird von der Autorin bezweifelt.

Auch wenn sie nicht mit allen zitierten Autoren in ihren Meinungen völlig konform ging, will die Autorin aber abschließend noch gesagt haben, dass die Lektüre dieser – in ihren Aussagen doch teilweise sehr auseinanderstrebenden Studien – sehr lehrreich und interessant war und diese Arbeit den Grundstein für weitere, noch tiefergehende Recherchen gelegt hat. 7


Literaturverzeichnis Brosius, H.-B. (2002). Zwischen Eskalation und Verantwortung, die Berichterstattungüber fremdenfeindliche Gewalt und Rechtsextremismus. In D. Wiedemann (Hrsg.), Die rechtsextreme Herausforderung:. Jugendarbeit und Öffentlichkeit zwischen Konjunkturen und Konzepten (S.204-214). Bielefeld: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur Butterwegge, C. (1999). Massenmedien, Migrant(inn)en und Rassismus. In C. Butterwegge, G. Hentges & F. Sarigöz (Hrsg.), Medien und multikulturelle Gesellschaft (S. 64-89). Opladen: Leske + Budrich. Butterwegge, C. & Hentges, G. (2000). „Ausländer und Asylmissbrauch“ als Medienthema: Verantwortung und Versagen von Journalist(inn)en. In C. Butterwegge & G. Lohmann (Hrsg.), Jugend, Rechtsextremismus und Gewalt (S. 83-99). Opladen: Leske + Budrich Butterwegge, C. (2006a). Medienberichterstattung – Abbau oder Verstärkung von Vorurteilen?. Der Bürger im Staat, 2006, 4, 254-259. Butterwegge, C. (2006b). Migrationsberichterstattung, Medienpädagogik und politische Bildung. In Butterwegge, C. & Hentges, G. (Hrsg.), Massenmedien, Migration und Integration (S. 185-235). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften BQN (Hrsg.). (2006). Expertise „Ausbildung von Volontären in den Medien“. Verfügbar unter: http://www.bqn-berlin.de/pdf/Expertise_Medien.pdf [11.08.2011] DAAD (Hrsg.). (2011). Wissenschaft Weltoffen. Verfügbar unter: http://www.wissenschaftweltoffen.de [28.09.2011] Deutscher Presserat (Hrsg.). (2008). Publizistische Grundsätze (Pressekodex), Richtlinien für die publizistische Arbeit nach den Empfehlungen des deutschen Presserats. Verfügbar unter http://www.presserat.info/uploads/media/Pressekodex_01.pdf [01.08.2011] Jäger, M., Cleve, G., Ruth, I., Jäger, S. (1998). Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden. Duisburg: DISS Maletzke, G. (1998), Kommunikationswissenschaft im Überblick: Grundlagen, Probleme, Perspektiven. Opladen: Westdeutscher Verlag

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Mohr, C., Bader, H. & Wicking, M. (2009). „Da weiß ich immer schon, dass es ein Ausländer war“: Zur Wirkung der Richtlinie 12.1 des Pressecodex. In R. Geißler & H. Pöttker (Hrsg.), Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland – Forschungsbefunde (S. 217-232). Bielefeld: transcript Verlag Müller, D. (2005). Die Darstellung ethnischer Minderheiten in deutschen Massenmedien. In: R. Geißler & H. Pöttker (Hrsg.), Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland – Problemaufriss – Forschungsstand – Bibliographie. (S. 83-126) Bielefeld: transcript Verlag Pöttker, H. (2009). Wann werden Diskriminierungsverbote von Journalist(inn)en akzeptiert?. In: R. Geißler & H. Pöttker (Hrsg.), Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland – Forschungsbefunde (S. 161-187). Bielefeld: transcript Verlag Renovabis (Hrsg.). (2009). Editorial. Ost-West: Europäische Initiativen. 10(4). ¶ 3 Scheffer, B. (2006). Medien und Fremdenfeindlichkeit: eher Gefühls- als Vernunftprobleme. Schlägt man Fremdenfeindlichkeit am besten mit ihren eigenen Mitteln?. In Butterwegge, C. & Hentges, G. (Hrsg.), Massenmedien, Migration und Integration (S. 129-136). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Schlitz, C., Bolzen, S. & Crolly, H. (2006, 26.12.). Die ganze Wahrheit über Bulgarien und Rumänien. WELT ONLINE. Verfügbar unter: http://www.welt.de/printwelt/article703828/Die_ganze_Wahrheit_ueber_Bulgarien_und_Rumaenien.html [20.09.2011] Spindler, S. (2011). Wer hat Angst vor Mehmet? Medien, Politik und die Kriminalisierung von Migranten. In G. Hentges & B. Lösch (Hrsg.), Die Vermessung der sozialen Welt (S. 283-294). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Statistisches Bundesamt (2011a). Bevölkerung und Erwerbstätigkeit – Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2009. Verfügbar unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachver oeffentlichungen/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund2010220097004,property=file.pdf [10.08.2011] Statistisches Bundesamt (2011b). Bevölkerung und Erwerbstätigkeit – Ausländische Bevölkerung 2010. Verfügbar unter: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachver oeffentlichun9


gen/Bevoelkerung/MigrationIntegration/AuslaendBevoelkerung2010200107004,property=file.pdf [10.08.2011] Tonnemacher, J. (2003). Kommunikationspolitik in Deutschland (2. 端berarb. Aufl.). Konstanz: UVK

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Medienentwicklung Hausarbeit | Helen Förster  

Hausarbeit Helen Förster