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Jacques Fieschi, Michael Töteberg, Christoph Callenberg, Lars-Olav Beier, Roman Mauer, Jochen Brunow, Guillermo Arriaga, Katharina Bildhauer, Michaela Krützen, Oliver Schütte, Charlie Kaufman, Peter Schneider, Chris Kraus, Stephen Gaghan, Tony Gilroy, Alan Ball, Oskar Maria Graf, H.H. Prinzler, Hannes Held, Susanne Schneider, Wolfgang Kirchner, Fred Breinersdorfer, Vladimir Nabokov, Klaus Krämer, Dennis Eick, Gerhard Midding, Arnold Höllriegel, Dagmar Jacobsen, Marc Norman, David Mamet, Volker Schlöndorff, Günter Grass, Dagmar Leupold, David Bordwell, Paul Haggis, Blake Snyder, Budd Schulberg, Norbert Grob, Heinrich Eduard Jacob, Kristin Thompson, Arnolt Bronnen, Jacques Fieschi, Michael Töteberg, Christoph Callenberg, Lars-Olav Beier, Roman Mauer, Jochen Brunow, Guillermo Arriaga, Katharina Bildhauer, Michaela Krützen, Oliver Schütte, Charlie Kaufman, Peter Schneider, Chris Kraus, Stephen Gaghan, Tony Gilroy, Alan Ball, Oskar Maria Graf, H.H. Prinzler, Hannes Held, Susanne Schneider, Wolfgang Kirchner, Fred Breinersdorfer, Vladimir Nabokov, Klaus Krämer, Dennis Eick, Gerhard Midding, Arnold Höllriegel, Dagmar Jacobsen, Marc Norman, David Mamet, Volker Schlöndorff, Günter Grass, Dagmar Leupold, David Bordwell, Paul Haggis, Blake Snyder, Budd Schulberg, Norbert Grob, Heinrich Eduard Jacob, Kristin Thompson, Arnolt Bronnen, Jacques Fieschi,

Scenario 3 F ILM– UND D REHBUCH– A LMANACH

H ERAUSGEGEBEN VON J OCHEN B RUNOW


Vorwort des Herausgebers Die zweite Ausgabe wird noch an der ersten gemessen, zwei Exemplare einer Sorte sind nur ein Paar, aber drei bilden bereits eine Gruppe. Der Reihencharakter des Jahrbuchs zum filmischen Erzählen sollte sich mit dieser, der dritten Ausgabe von Scenario endgültig etabliert haben. Wie schnell ein Jahr vergehen kann, wird für den Herausgeber eines jährlichen Periodikums immer wieder auf außerordentlich drängende Weise spürbar. Zum einen scheint die nur auf den ersten Blick großzügig bemessene Zeitspanne nicht zu reichen für das Planen des Konzeptes, das Schreiben und Lektorieren der Essays, die Kommentierung durch die unverzichtbare Marginalienspalte, die visuellen Entwürfe, und zum anderen geschieht in einem Jahr doch außerordentlich viel. Neben dem Rückblick auf ’68 gab es im zurückliegenden Jahr eine Debatte über das Verhältnis von Film und Fernsehen, die durch den Artikel Volker Schlöndorffs in der Süddeutschen Zeitung ausgelöst wurde und die zu dessen Entlassung als Regisseur des Projektes DIE PÄPSTIN geführt hat. Bestimmt wurde das Jahr auch durch den Ausbruch der großen Wirtschaftskrise und den Zusammenbruch der Finanzmärkte. Und Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Fernsehpreises befeuerte mal wieder die heftige Diskussion um die Qualität der TV-Programme. Wir hatten jetzt die »Süßstoffoffensive«, die »Degetoisierung«, die »Pilcherisierung« – alles Kampagnen, die sich damit befasst haben, dass bestimmte erzählerische Standards im Fernsehen nicht mehr stattfinden und damit eine kulturelle Verflachung einhergeht. Veränderungen haben diese Kampagnen nicht gebracht. Wenn man in die Vergangenheit schaut und sich mit der Historie des Drehbuchs befasst – wie es in Scenario in der Rubrik Backstory geschieht –, dann hat es zu allen Zeiten diese Klage über den kulturellen Verfall gegeben. Sie hat nie irgendwie gefruchtet. Und doch scheint die Situation diesmal eine andere zu sein. Die Krise auf den Finanzmärkten hat mehr mit der Krise des Fernsehens zu tun, als mancher in den Sendeanstalten wahrhaben möchte, der vollmundig von der Quote als Währung spricht. Eine Währung, das lernen wir alle in dieser Situation schmerzlich, ist nichts anderes als die Vereinbarung, etwas – Muscheln, bedruckte Papierscheine oder eben die Quote – als ein Zahlungsmittel anzuerkennen. Diese Vereinbarung basiert auf Vertrauen. Die maßlose, gedankenlose Gier, die die Finanzmärkte in ihrer bisherigen Form zerstört hat, gleicht der unhinterfragten Gier 8


der Senderverantwortlichen nach der Quote. Sie zerstört auf die Dauer das Vertrauen der Zuschauer in die Werthaltigkeit des Programms. Es ist erstaunlich, je komplexer unsere Gesellschaft wird, desto infantiler scheint das Programm des Fernsehens zu werden. Je mehr uns die Wissenschaftler Neues, Entscheidendes über die Wichtigkeit des Erzählens vermitteln, desto mehr verfallen gleichzeitig die Standards der Narration im aktuellen TV-Programm. Es gehört also nicht viel dazu, dem bestehenden System des dualen Rundfunks in seiner bisherigen Form den Zusammenbruch vorherzusagen. Die Frage ist, wann er erfolgt und wodurch er ausgelöst wird. Noch haben zumindest die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Chance, aus dieser Gefahrenlage auszubrechen, indem sie sich endlich von der Werbung und der Quote als einzig gültigem Maßstab für ihr Programm abkoppeln. Unter den Drehbuchautoren war die Tendenz zu beobachten, ihre erzählerische Arbeit vermehrt dadurch zu schützen, dass sie selbst Regie führen bei der Realisierung ihrer Stoffe. In Scenario spiegelt sich das wieder. Chris Kraus, der schon bei SCHERBENTANZ diesen Weg eingeschlagen hatte, landete mit VIER MINUTEN einen großen Erfolg bei Publikum und Kritik und gibt im Werkstattgespräch Auskunft über seine Arbeit. Auch die erfahrenen Autoren Susanne Schneider und Fred Breinersdorfer schildern in sehr persönlichen Essays, wie es ist, als Drehbuchschreiber plötzlich am Set Verantwortung für ein Team übernehmen zu müssen. Wie es ist, die eigene Fantasie in filmische Realität überführen zu müssen. Nun ist dieser Trend zum Autor-Regisseur keine typisch deutsche Bewegung, und Lars-Olav Beier untersucht daher die Stellung der in den USA schon länger so genannten hyphenates, der Autoren-Bindestrich-Regisseure im System von Hollywood. Billy Wilder war in der Geschichte des Films und des Drehbuchs der erste und bekannteste Autor, der den Schritt zur Regie für zwingend notwendig erachtete. Aber nicht alle halten dieses Wechseln des professionellen Faches ohne Einschränkung für den Königsweg. In seiner History of American Screenwriting, die unter der Rubrik Lesezeichen besprochen wird, behauptet Marc Norman, Robert Towne und Paul Schrader hätten als Regisseure nur wenig Überragendes geleistet und dadurch dem Publikum weitere wirklich große Filme, die sie als Drehbuchautoren hätten schreiben können, vorenthalten. Die für Scenario zentrale Rubrik des Journals hat die Verfasser bisher immer wieder zu sehr persönlichen Textversionen gebracht. Peter Schneider sprengt in seinem diesjährigen Essay die Form des reinen Tagebuches durch Rückblenden und Reflexionen auf, um sie am Ende dadurch ganz neu wiederzugewinnen.. Er blickt zurück auf das Jahr 1968 und auf das Medienverständnis der 68er, aber auch auf 9


die Arbeit an seinem Vivaldi-Drehbuch und die Hürden auf dem Weg zu dessen filmischer Umsetzung. Johanna Stuttmann, Absolventin der Drehbuchabteilung der Filmakademie Ludwigsburg, war ursprünglich für den Erfahrungsbericht einer jungen Autorin vorgesehen. Sie bekam für ihr Abschlussbuch den Strittmatter-Preis, wurde in den Verlag der Autoren aufgenommen und so mit Drehbuchaufträgen überhäuft, dass sie diese Aufgabe nicht wahrnehmen konnte. Hannes Held, Absolvent des Studienganges »Szenisches Schreiben« an der UdK Berlin und – noch – Studierender der Drehbuchakademie der dffb, hat die kurzfristige Herausforderung angenommen. Mit seinem Essay Am Ende bleiben Geschichten beweist er, dass er weit mehr ist als ein Ersatzmann. Im vergangenen Jahr hat André Georgis Essay Old School – New School in Scenario 2 eine sehr starke, positive Resonanz bei den Lesern ausgelöst. In einem Jahrbuch verlieren normale Rezensionen schnell ihre Aktualität, diese Bestandsaufnahme der aktuellen amerikanischen Filmdramaturgie aber bleibt noch über den heutigen Tag hinaus wichtig und lesenswert. Als Reaktion darauf dominieren in dieser neuen Ausgabe der Lesezeichen nicht mehr Einzelbesprechungen, sondern eher Sammelrezensionen, die versuchen, Zusammenhänge oder Werkkomplexe auf spannende Weise zu beleuchten. Wobei mir daran liegt, besonders auf den Text von Roman Mauer hinzuweisen, der sich ausführlich mit dem Werk David Bordwells beschäftigt, dessen wichtige Bücher zum großen Teil immer noch auf ihre Übersetzung ins Deutsche warten. Der Blick zurück in der Rubrik Backstory sollte ursprünglich nur dem grandios gescheiterten Versuch Vladimir Nabokovs gelten, das Drehbuch zu der von Stanley Kubrick ausgeführten Verfilmung seines Romans Lolita selbst zu schreiben. Cinematic von Michael Töteberg wuchs sich aus zu einer fundierten Studie über den Einfluss des Filmischen auf das Schreiben des großen Romanciers. Und die Bemühungen um eine Bebilderung des Textes endeten mit dem Fund eines Fotos, das den Dichter auf der Sportanlage hinter der heutigen Schaubühne zeigt, auf der er kleinen russischen Mädchen Tennisunterricht gab, um seinen Lebensunterhalt in Berlin zu sichern, wenn er nicht gerade einen Komparsenjob in den UFA-Studios in Babelsberg hatte. Nicht nur in diesem Teil des Buches wurde den Illustrationen wieder besondere Aufmerksamkeit gewidmet, und ich schulde Chris Kraus besonderen Dank für die Überlassung von Zeichnungen und Storyboards. Traditionell findet der Abdruck des besten unverfilmten Drehbuchs des Jahres seinen Platz zum Abschluss des Buches. Das zweite Leben des Häuslers Stocker von Klaus Krämer ist das Drehbuch des Jahres 2008. Hauke Sturm hat es wieder fern aller Filmbilder 10


wunderbar illustriert und diesmal mit seinen kreativen Montagen auch das strenge rechteckige Format von Fotovorlagen gesprengt. Eine auch visuell attraktiv gemachte Publikation, die »Platz bietet für eine künstlerische, theoretische und praktisch orientierte Diskussion über das Filmdrehbuch«, wie Enrico Wolf in seiner Rezension in der Zeitschrift Medienwissenschaft schrieb, das soll Scenario auch weiterhin sein. Dass der Film- und Drehbuch-Almanach all die Strömungen und Themen des zurückliegenden Jahres aufgreifen konnte und als ein breites Forum für die Diskussion um die aktuellen Formen filmischen Erzählens dienen kann, ist nicht möglich ohne die vielen materiellen und geistigen Förderer des Projektes, ihr nicht nachlassendes Interesse und enthusiastisches Engagement. Für diese Unterstützung sei dem Vorstand der Carl-Mayer-Gesellschaft, dem BKM und den Mitarbeitern im dortigen Filmreferat, dem redaktionellen Beirat sowie allen Beiträgern, Freunden und Kollegen ausdrücklich gedankt. Ohne diese breite Unterstützung gäbe es Scenario 3 nicht. Jochen Brunow

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Scenario 3, Vorwort  

Titel und Vorwort

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