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„Royal Hamilius“ wird von zwei Architekturbüros geplant: Paul Kayser (r.) und sein Partner Tun Frieders (l.) vom Bartringer Büro „Tetra Kayser Associés“ arbeiten eng mit „Foster + Partners“ in London zusammen. Foto Gerry Huberty

Projekt „Royal Hamilius“ Schöne neue Welt am Aldringer: Architekturikone Sir Norman Foster baut zusammen mit dem Bartringer Büro Tetra Kayser Associés in der Luxemburger Oberstadt. Zumindest dem Papier nach. Viel war von dem britischen Adligen rund um die Planungen für den Komplex „Royal

Sir Norman Foster – wo?

Hamilius“ bisher nicht zu sehen. 10

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nachhakt, wie die Zusammenarbeit mit dem Baumeister war. „Persönlich bin ich ihm jedenfalls noch nicht begegnet“, bekennt Paul Kayser, Patriarch des Bartringer Büros.

Schon ein klein wenig Strahlkraft von Fosters Entwürfen ziert bereits die Hauptstadt: Das Wartehäuschen der Bushaltestelle „Badanstalt“ ist eins seiner Designobjekte.

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Der 73-Jährige Sir Norman Foster verzichtete 2010 auf seinen Sitz im House of Lords, weil er sonst seinen Wohnsitz in Großbritannien hätte anmelden müssen und dann auch die heimatlichen Steuern hätte zahlen müssen. Seinen Titel durfte er trotzdem behalten.

Letztendlich ist der Siegerentwurf des Wettbewerbs um die Neugestaltung nämlich ein Kompromiss, herbeigeführt durch den Promotor. „Die gemeinsamen Planungssitzungen mit den Mitarbeitern von Fosters Büros in London, Brüssel oder Luxemburg fanden schon von Anfang an ohne ihn selbst statt“, so Kayser. Sein Partner Tun Frieders hält aber fest: „Die gemeinsame Arbeit an dem Projekt ist schon sehr intensiv, auch über die Entfernung hinweg. Wir arbeiten mit einem sechsbis achtköpfigen Team des insgesamt etwa 800 Mitarbeiter umfassenden Londoner Unternehmens.“

Foto: Gilbert Linster

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Foto: AP

Was genau ist denn dann noch „Foster“ an dem entstehenden Komplex, wenn er selbst nicht mit Hand anlegt, nie vor Ort war, selbst keine Skizze oder zumindest eine Richtschur vorgegeben hat. Und vor allem, war es überhaupt möglich, bei den detaillierten Vorstellungen der Stadt wie zum Beispiel zur detaillierten Nutzung von Flächen, den Höhen etwas wirklich Außergewöhnliches zu liefern? Daniel Conrad telecran@telecran.lu

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eoh Ming Peis „Mudam“, Gottfried Böhms „Deutsche Bank“, Richard Meiers „Hypobank“ , Christian Portzamparcs „Philharmonie“ – die Créme de la Créme der internationalen Stararchitekten hat sich seit den 1980er-Jahren in Kirchberg verewigen können. Nun ist es an Sir Norman Foster, hochdekorierter Architekt internationaler Vorzeigebauten rund um den Globus. Der Abriss der Ladenzeilen unter dem Busbahnhof am „Aldringer“ und die Arbeiten in der Rue Notre Dame sind die ersten Anzeichen für seine Veränderungen. „Royal Hamilius“ nimmt Gestalt an. Es war ein geschickter Schachzug des Promotors, der Codic-Gruppe – einem europaweit agierenden Bauträger und Immobilieninvestor mit Hauptsitz in Brüssel –, den Briten zusammen mit dem Bartringer Architekturbüro Tetra Kayser Associés in den Wettbewerb um dieses Filetstück am Boulevard Royal zu schicken. Nach der Entscheidung im Jahr 2010 und dem Ende eines städtischen Rechtsstreits mit den Anwohnern krempelt der

Topstar der Architekturszene im Herzen der Hauptstadt den Aldringer und die nördlich angrenzenden Gebäude um. Der Plan: Dem Muff der 1960er- und 1970er-Jahre am „Place Hamilius“ setzt der Träger des Pritzker-Preises – eine der renommiertesten Auszeichnungen der Bauplanerzunft – fünf unterschiedliche Baukörper entgegen. Er verwandelt grau-düstere Blockhochhauszeilen in lichte Shopping- und Bürotempel, den „Aldringer“ vor der alten Post in einen variabel nutzbaren Platz und schafft Wohnraum, wo seit Jahrzehnten keiner mehr bestand. Ja sogar Grünflächen finden sich auf den Dächern und die bisher als bunter Klecks vor der ehemaligen Stadtbibliothek wirkende Niki de Saint Phalle-Skulptur „La Tempérance“ wird auf einen angrenzenden Platz gerettet. Markantes, Wiedererkennbares sollte es dann aber schon noch als Sahnehäubchen sein, eine „Neubepflanzung“ der Innenstadt, die mit den Projekten am ehemaligen Hotel Rix durch Christian de Portzamparc, der Tram und der anstehenden Frage um die Umgestaltung des Arbed-Gebäudes ihr Gesicht deutlich verändern wird.

„Es ist schon sehr eindeutig Foster. Seine Linienführung und die Art, die Konstruktion des Dachrestaurants zu formen. Die Fassaden, die sich den Farbtönen an die Post am Aldringer anlehnen, das wird schon herausragend. Das wissen seine Mitarbeiter auch sehr genau so zu planen, wie er es möchte.“ Inwieweit sich Tetra Kayser Associés mit ihren Ideen durchsetzen konnten, verrät Paul Kayser nicht. Überhaupt gibt es jüngere Informationen zu den Baudetails nur spärlich. Die Planer üben sich in Zurückhaltung.

Der Topstar unter den Bauplanern hat Ideen wie die Londoner „Millenium Bridge“ oder auch das neue Wembley Station mit seinem markanten Bogen, die Kuppel des Berliner Reichstags und den Flughafen von Peking oder das Millau Viadukt in Frankreich umgesetzt. So etwas ähnlich Symbolträchtiges sollte ihm als Zugpferd für Luxemburg gelingen – auch im Hinblick auf die spätere Vermarktung von Investoren und Stadt.

Neuere Skizzen, Bilder oder Muster für die Fassadengestaltung? Seien derzeit für die Öffentlichkeit nicht verfügbar. Einiges sei noch bei der Stadt zur Genehmigung, anderes werde von dem Promotoren und dem späteren Betreiber Jones Lang LaSalle zurückgehalten. Wer wird sich die Wohnungen leisten können? Für eine soziale Durchmischung werde das Gesamtprojekt schon sorgen. Gibt es einen aktuellen Stand der Baukostenplanung nach den ersten Schätzungen von über 100 Millionen Euro? Das sei derzeit nicht zu beantworten und außerdem eine Sache des Promotoren. Wie genau die mehrjährige Baustelle überhaupt realisiert wird und in welchen Abschnitten? „Darüber können wir derzeit nichts sagen, daran planen wir noch.“

Ein Hingucker ist schon auf den Zeichnungen und im Modell zu entdecken: die überdimensionale „Puderdose“ auf dem Dach des Shoppingcenters. Ein Restaurant mit zwei Ebenen und einer umgebenden Aussichtsterrasse, die einen weiten Ausblick über die Stadt bringen sollen. Daneben ein großzügiger Lichtschacht, der die Sonne in das ringförmige Atrium scheinen lässt. Wie kam „Baron Foster of Thames Bank“, so Fosters genauer von Queen Elisabeth ll. verliehener Titel, darauf? Verwunderung macht sich breit, wer bei Tetra Kayser Associés, den Luxemburger Partnern von „Foster + Partners“

Fosters international herausragende Meisterwerke

„30 St Mary Axe“ (London) im Volksmund auch „The Gherkin“, „die Gurke“, genannt. Foto: AFP

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Commerzbank (Frankfurt)

Hearst Tower (New York) Foto:Commerzbank AG)

Foto: Arcelor Mittal

Reichstagskuppel (Berlin)

Neubedachung des Court of British Museum (London) Wembley Stadion (London) Foto: Bob Trauffer

Foto: AP

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Foto: Wembley National Stadium Ltd

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Die gläserne „Puderdose“ ist der Hingucker des Shoppingcenters an der Grand-Rue. Das darin untergebrachte Dachrestaurant wird zwei Ebenen haben. Die umgebende Terrasse soll für jedermann zu den Öffnungszeiten des Centers zugänglich sein und einen spektakulären Blick über die Stadt ermöglichen.

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Ein ringförmiger Lichtschacht führt durchgängig Tageslicht bis in die unteren Ebenen des Shoppingcenters.

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Als einziger Altbau des Geländes bleibt „Bv. Royal 49“ bestehen. Die Eigentümer wollten ihr Grundstück nicht verkaufen.

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Ein weiterer Wohnturm, ähnlich in der Gestaltung wie die vorderen Wohngebäude (9 + 10), wird zwischen das Shoppingcenter und den Bürokomplex gesetzt.

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Die beiden Bürokomplexe erhalten ein gemeinsames Atrium, das eine der wenigen oberirdischen Passagen zwischen Boulevard Royal und Rue Aldringen erlaubt. „Wir wollten für den Komplex eher trennende Linien und insgesamt keine Mall nach amerikanischen Vorbild“, so die Architekten.

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Für die Fassade sind nach einem Vorbild von Fosters „Metropolitan“ in Warschau Steinplatten geplant, die die Kantenlinien an den Fenstern setzen und sich an den Farbton der Postfassade anlehnen sollen.

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Wenn es nach den Architekten geht, soll Niki de SaintPhalles Skulptur vom früheren Busbahnhof an den neuen Platz vor der Rue de la Poste versetzt werden.

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10 Auf Wunsch der Stadt wird Wohnraum geschaffen. Die

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beiden vorderen Wohngebäude begrenzen den neuen, vielfach nutzbaren Platz vor der Post. Auf diesem könnten Märkte, Veranstaltungen und im Winter eine Schlittschuhbahn errichtet werden, so die Architekten. Die Geschäfte im Erdgeschoss sollen sich Richtung Platz und Straßen ausrichten und eine kleinere Größe bekommen – ein Zugeständnis an den Charakter der Ladenlokale in der restlichen Altstadt.

11 Der Brunnen dient als „vierte Fassade“ des neuen Platzes. Er ist abschaltbar, wenn dort Veranstaltungen stattfinden.

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13 12 Unter dem gesamten Komplex entsteht ein gemeinsames

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mehrgeschossiges Parkhaus. Im ersten Untergeschoss ist Platz für „Big Stores“, einen großen Supermarkt oder auch einen Elektronikhandel. Eine Besonderheit: Der Müllabtransport und die Warenanlieferungen für alle Gebäude des Komplexes werden größtenteils unterirdisch abgewickelt.

13 Bus- und Trambahnhof: In den neuen Plänen wird es nur noch

einen zentralen Quai für die Tram geben. Dafür werden die Bürgersteige an der Bushaltestelle vor dem neuen Platz breiter um für Wartende und Passanten mehr Raum zu schaffen. Illustrationen: Foster + Partners / Tetra Kayser Associés Beschreibungen: Daniel Conrad

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