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In Zeiten von Geheimdienstaffären weltweit berichten die KabarettAgenten Marcel Heintz, Al Ginter, Karin Seywert und Monique Melsen live aus den Kasematten, was wirklich hier im Land passiert. Fotos: Gerry Huberty

Autoren wie Schauspieler und Kostümschneiderin sind gefordert: Angesichts noch laufender Koalitionsverhandlungen und einer Regierungsbildung erst nach der Premiere des neuen Stücks „Luxileaks“ besteht

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die KabarettKunst 2013 darin, sich nicht von der Wirklichkeit einholen zu lassen.

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Uli Bot zler uli.botzler@telecran.lu

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a hatten sich die Macher der Politsatire-Truppe Cabarenert zu früh gefreut über die Steilvorlagen aus der Politik, über die Probleme der Regierung, die Attacken gegen den Premierminister und seine Partei. Die Kabarettisten wollten in Vorwahlzeiten kräftig helfen, Affären aufzudecken. Aber es kam zu vorgezogenen Neuwahlen und seither beherrscht die Agenda der geplanten Dreierkoalition die Schlagzeilen. Hurtig müssen die Textschreiber – Roll Gelhausen, Jay Schiltz, Al Ginter, Guy Wagner, Josy Braun, Jhemp Hoscheit – da derzeit und wohl in den nächsten Wochen auch noch nachbessern, umschreiben, neu erfinden. Für die Schauspieler – Monique Melsen, Marcel Heintz, Al Ginter, Karin Seywert – besteht die Kunst darin, ebenso kurzfristig neue Texte zu lernen und mit Hilfe von Regisseur Guy Geimer neue Szenen einzustudieren für das Programm mit dem Titel „LuxiLeaks“.

Tief unten in den Kasematten. „Was wurde da nicht alles 2013 gemauschelt, taktiert und lamentiert. Es ist alles drunter und drüber gegangen“, heißt es bei Cabarenert über das Nummernprogramm, das von Bommeleeërprozess, Geheimdienstaffaire, Regierungskrise und Neuwahlen geprägt ist. „Viel wollen wir nicht verraten“, so Monique Melsen, „die Ausgangslage und zugleich unser Bühnendekor ist eine geheime Einsatzzentrale in den Kasematten, in denen vier Agenten alles mitbekommen, was an geheimen Dingen im Land passiert“. Was sie da auf den Bildschirmen entdecken, bekommen die Zuschauer dann auch zu sehen. Premiere wird am 21. November sein. Da bis dann aber noch kein Koalitionsabkommen stehen, noch keine neue Regierung ernannt sein dürfte, wird die Aktualisierung der Kabarettnummern munter weitergehen müssen. Am besten wäre es wohl, wenn Formateur Xavier Bettel ein Einsehen hätte und unter der Emailadresse cabarenert@cabarenert.lu den Kabarettisten einen diskreten Tipp zukommen ließe, ob Monique Melsen sich schon einmal darauf vorbereiten muss, mit Sonnenbrille im Haar die Neu-Ministerin Corinne Cahen oder mit blonder Perücke und weitem Mantel die Neu-Ministerin Maggy Nagel zu geben. Muss Karin Seywert sich nun als LSAP-Ministerin Lydia Mutsch verkleiden? Oder als erste grüne Ministerin Luxemburgs? Aber dann wie bitte: als Christiane Wickler, Viviane Loschetter oder Sam Tanson?

Frau Ministerin – wer? Karin Seywert macht diese Ungewiss-

„Da müssen wir wohl noch ein paar Mal umplanen.“ Schauspielerin Monique Melsen über die besondere Herausforderung, 2013 wegen der vorgezogenen Neuwahlen ein Kabarettprogramm parallel zu Koalitionsverhandlungen und Regierungsneubildung zu machen.

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heit nichts aus. „Wenn wir heute einen Text haben, kann schon morgen alles anders sein. Das stört mich nicht, das entspricht sogar eher meinem Lebensstil. Ich bin ein spontaner Mensch und es gewohnt, mich schnell umzustellen und durch Hektik und Stress nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.“ Das einzige, was Karin Seywert, die zum vierten Mal mitmacht bei Cabarenert, wirklich Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist der akute Frauenmangel in der erster Reihe der Politik. Nicht, das am Ende keine guten weiblichen Rollen mehr bleiben. Obwohl auch dann gute Schauspieler zu improvisieren wissen. LucFrieden-Imitatorin Monique Melsen hat bewiesen, wie das geht. Ob sie wohl wieder in Männerhosen schlüpft? Den Bettel gibt? Verraten wird nix – die Spannung steigt.

Eine der Paraderollen der wandlungsfähigen Schauspielerin Monique Melsen, die 2013 auf 25 Jahre Bühnenkunst zurückblickt, ist er Auftritt als Großherzogin mit Stil, aber auch Allüren.

das Kunstwerk „Lady Rosa of Luxembourg“ ausbrach oder die Originalstatue der „Gëlle Fra“ nach China zur Weltausstellung geschickt wurde. „Da wurden binnen drei Tagen der Text fabriziert, die Kostüme geschneidert, geprobt“, erzählt die Schauspielerin. „2013 aber haben sich die Ereignisse wie noch nie überschlagen, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Denn wir gehen schließlich bis April 2014 mit dem Stück auf Tournee durch’s Land. Da müssen wir wohl noch ein paar Mal umplanen.“

Mal bei Cabarenert mitmacht, bringt die Sorge der Truppe klar auf den Punkt: „Unser Programm steht. Aber wie geht es in der Politik weiter? Was und vor allem wann ändern wir daran? Es darf ja nicht so sein, dass der Besucher etwas Aktuelles weiß, was nicht zu unserem Programm passt.“ Zunächst aber gilt es, bei den 13 Vorstellungen im Theatersaal der Abtei Neumünster die 280 Plätze zu füllen. Regisseur Guy Geimer ist zuversichtlich: „Sinn und Zweck eines Kabarettabends ist es, gut zu lachen. Das können wir dieses Jahr locker bieten. Wir sagen hart, was andere nur tuscheln, wir urteilen nicht, aber wir sprechen Dinge an.“

Bühnenkollege Al Ginter witzelt schon mal: „Wir spielen bis zu den nächsten Neuwahlen.“ Marcel Heintz, der erst zum zweiten

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„Luxileaks“

Schauspieler: Monique Melsen, Marcel Heintz, Al Ginter, Karin Seywert. Regiesseur: Guy Geimer.

Autoren: Roll Gelhausen, Jay Schiltz, Al Ginter, Guy Wagner, Josy Braun, Jhemp Hoscheit. Musik: Camille Nanquette, Marc Schmidt. Technik: Charles Stoltz. Kostüme: Sylvie Hamus und Cristina Kneip. Gespielt wird, bevor es 2014 auf Tournee durch’s Land geht, 13 Mal in der Abtei Neimünster (CCRN), im Robert-Krieps-Saal, in der Hauptstadt. Karten gibt es unter www.ccrn.lu oder Telefon 26 20 52 -444.

Termine sind 21., 22., 23. November, 4., 5., 6., 7., 12., 13., 14. Dezember, jeweils um

25 Jahre auf der Bühne. Auf 25 Bühnenjahre kann Mo-

20 Uhr, 24. November, 8. und 15. Dezember jeweils um 17 Uhr.

nique Melsen zurückblicken, auf so manche Änderung im Kabarettprogramm in letzter Minute. Als etwa der Streit um

Mehr unter www.cabarenert.lu.

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„Wir sagen laut, was andere nur tuscheln, wir urteilen nicht, aber wir sprechen Dinge an.“ Regisseur Guy Geimer über die Rolle von politischem Kabarett.

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