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Mareile Melcher Yannic Calvez

SENSING VENICE

ma.m2.3_ws 2012 [Lighthouse Competition] prof. kazu blumfeld hanada m端nster school of architecture 2013


00_ [ contents ]

Inhalt 01 lighthouse competition 2013 02 a rendez-vous with Venice 03 a closer look at the sites 04 Studien und Vorentwürfe 05 Übertrag 06 Entwurf Sehen Wahrnehmungs-Index Hören Wahrnehmungs-Index 07 Details

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Mareile Melcher und Yannic Calvez

im Kurs Entwurf [ lighthouse competition 2013 ] bei Prof. K. Blumfeld Hanada

im Wintersemester 2012/2013 an der msa | muenster school of architecture

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01_ [ Lighthouse Competition 2013 ]

Venedig erzählt uns die Geschichte des Verschwindens.

01 1 — Einführung Sie ist wohl die radikalste Interpretation von Stadt, die unberührt geblieben ist von den Parametern der globalisierten Welt von Heute. Unser herkömmliches System und die Wahrnehmung von Stadt sind geprägt durch den Verkehr, die Orientierung durch künstliche Zeichenhaftigkeit und Beschleunigung. Venedig verkehrt dies ins Gegenteil. An den Übergängen, den Eingängen in die Stadt spürt man am besten diesen Paradigmenwechsel vom Land aufs Wasser. Ist der ursprüngliche Eingang Venedigs am Markusplatz mit seinem Campanile als Glocken- und Leuchtturm prächtig ausformuliert und das Wahrzeichen der Stadt, so hat sich der heutige Zugang in den Nordosten verlagert. Heute diffundieren über 20 Millionen Besucher im Jahr über zwei neue Schnittstellen in die Stadt, die Piazzale Roma mit den Flughafenbussen, Autos und Schiffsreisenden. Ein weiterer Zugang erfolgt gleich daneben über den Bahnhof Santa Lucia und dessen Bahnhofsvorplatz, an den alle Schienenverbindungen enden. 4

Anders als am Markusplatz wird an diesen zwei Orten der Eingang und Übergang, die architektonische Schnittstelle zwischen dem terrestrischen und maritimen System, nicht thematisiert. Der Eingang in die Stadt erfolgt gleichsam über den ungestalteten Hinterhof. Die Aufgabenstellung nimmt diese Situation zu ihrem Thema und fordert die Teilnehmer des Wettbewerbs auf, durch eine temporäre, subversive Intervention, (Um)nutzen des Vorhandenen oder durch bauliche Ergänzung diesen Eingang und undefinierten Ort des Übergangs zu gestalten, um einen Dialog entstehen zu lassen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der Gegenüberstellung des Momenthaften im Monumentalen. Die Stadt ist als Bühne zu verstehen, auf der das Licht zu einem Medium wird, das in der Lage ist, Mensch, Architektur und urbane Räume in eine Beziehung zueinander zu setzen und sie auf diese Art und Weise in Orte umzuwandeln. Ein nachhaltiges Licht, das es ermöglicht, neues Bewusstsein, Identität und Qualität im Raum zu schaffen. Gleichzeitig regt dieses Licht Verknüpfungen an und folgt dem Rhythmus von Mensch und Natur.


Dabei können die Teilnehmer sowohl Lösungen für jeweils nur einen Ort (Piazzale Roma oder Santa Lucia mit dem Bahnhof) vorschlagen oder beide Orte in ihrem räumlichen Zusammenhang wählen. Erwünscht sind Arbeiten, die sich im Grenzbereich zwischen Inszenierung, Kunst und Architektur bewegen. Der Stadtraum und sein szenografisches Potential sind daher die Schwerpunkte dieses Wettbewerbes. Das Projekt soll für die Architekturbiennale 2014 als wichtigste, internationale Architekturausstellung gedacht werden, die 3 Monate hinweg in ganz Venedig stattfindet. Dabei ist es Bestandteil dieser ephimeren Aufgabenstellung, während der Biennale wahrnehmbar zu sein und mit der Biennale wieder zu verschwinden. Die Auslober erwägen eine spätere Realisierung.

01 2 — Auslober sind: Artemide GmbH Dipl.-Ing. Steffen Salinger, Geschäftsführer Hans Böckler Straße 2 D-58730 Fröndenberg Hochschule Ostwestfalen Lippe Detmolder Schule für Architektur + Innenarchitektur Prof. Dipl.-Ing. Swantje Kühn Bielefelder Straße 45 D-32756 Detmold

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02_ [ a rendezvous with — Venezia ]

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03_ [ a closer look at the sites ]

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01_ [ unfolding digital pattern ]

Analysen

Grenzbereich Der Übergang vom Terrestrischen zum Maritimen und all seinen Auswirkungen ist an den markierten Bereichen beim Durchschreiten zu verspüren. Am Piazzale Roma liegt bei der Annäherung der Moment der Wahrnehmung sehr nah am Kanal da

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zuvor die Verkehrsmittel des Festlandes und ihre Infrastruktur überwiegen. Am Piazzale Santa Lucia findet der


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Verkehr Während auf dem Piazzale Roma eine sehr hohe Dichte an privaten Pkw und öffentlichen Bussen im sichtbaren Abstand zum Wasser fahren und stehen, sind auf dem Piazzale Santa Lucia alle Festland-Verkehrsmittel nicht mehr vorhanden.

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Auf dem Kanal ist ebenfalls eine große Anzahl von Bootbewegungen zuverzeichnen.


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Fussgänger-Bewegungen Unterteilt in die Gruppen ‚Touristen‘ und ‚Pendler‘ sind hier die Bewegungsströme der Fussgänger verzeichnet. Eine deutliche Hauptströmung ist an beiden Verkehrsorten zuerkennen.

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Einreise-Punkte Der Piazzale Roma und Piazzale Santa Lucia sind die beiden wichtigsten Verkehrspunkte Venedigs. Die Zahlen sind in Pendler und Touristen und davon Architektur-Biennale-Besuchern je Ort differenziert.

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04_ [ Studien und Vorentw端rfe ]

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05_ [ Übertragung ]

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Giardini

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Arsenale

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Palazzo delle Prigioni

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Palazzo Bembo

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Palazzo Trevisan degli Ulivi

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Fondazione Querini Stampalia

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Casa dei Tre Oci

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Es wurde acht verschieden Orte ausgewählt

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Castello 4209 (S. Marco)

S. Marco 4793

Campo Sant’ Agnese Dorsoduro 810

Campo S. Maria Formosa Castello 5252

Giudecca 43


Es wurde acht verschieden Orte ausgew채hlt

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06_ [ Entwurf ]

„Vielleicht kann ich, wenn ich an das Meer in den Straßen Venedigs denke, von Wellenbewegungen sprechen, die einem sehr langsamen Rhythmus folgen, von Halbjahreswellen, von Wellen, die sich, sobald ich sie jenseits ihrer eigentlichen Zeit betrachte, wie Palomars Sekundenwellen benehmen. – Wann beginnt und wann genau endet eine Welle? Wie viele Wellen kann ein Mensch ertragen, wie viele Wellen von einer Wellenart, die Knochen und Häuser zertrümmert?“ Andreas-Louis Seyerlein

„Verbindung von Orten über Sinne“

Jeder Mensch nimmt seine Umwelt anders wahr. Niemand sieht, hört, schmeckt oder riecht genau dasselbe wie seine MItmenschen. Unsere sensorischen Fähigkeiten umfassen zum einen die physiologische Wahrnehmung der Umwelt (mit Sinnesorganen), und zum anderen eine weitere Ebene, die der Assoziation, welche dadurch bei uns 36

ausgelöst werden. Architektur und auch Stadt werden hauptsächlich über SEHEN und HÖREN wahrgenommen. Diese beiden Sinne werden auch als Fernsinne bezeichnet, da sie als einzige außerhalb des Körpers stattfinden. SEHEN - die visuelle Wahrnehmung - und HÖREN die auditive Wahrnehmung - sind die wichtigsten Informationsträger des Menschen. Besuchen wir also einen Ort zum allerersten Mal, sind es in erster Linie diese beiden Sinne, die uns einen Eindruck verschaffen und auf uns wirken. Unsere Installation befindet sich am Eingang der Stadt, steht sozusagen an der Schwelle von unserer heutigen, modernen Welt und des musealen Venedigs, welches völlig anderen Prinzipien folgt. An dieser Stelle findet ein Paradigmenwechsel statt, zwischen dem terrestrischen System des Festlands und dem maritimen System des seit Jahrhunderten scheinbar unveränderten Venedigs. An dieser Schnittstelle nimmt der Besucher das Venedig Typische zum ersten Mal war, um dann einzutauchen in diese Stadt und sie nach kurzer Zeit schon wieder zu verlassen.


Unsere beiden wichtigsten Sinne - Sehen und Hören - ansprechend, bewegt sich unsere Arbeit an dieser Grenze. Über den „Haupteingang der Stadt“, den Bahnhof S. Lucia, gelangt ein Großteil der (Biennale-) Besucher nach Venedig. Übersetzung der Übertragungsorte an die Schwelle. Auf der Grundlage der an den acht Biennale-Orten aufgenommenen Geräuschkulisse, werden sowohl der Ton, als auch transformierte Signale an die beiden Plätze gesendet. An der Piazza S. Lucia werden diese Geräusche in die Steuerung einer sich wellenförmig bewegenden, aus ca. 1.300 Dreiecken zusammengesetzte und 758qm großen Fläche, übersetzt. Über den Köpfen der Passanten schwebend, bildet sie so den jeweiligen Aufnahmeort durch die Intensität ihrer Bewegung, ab. Gleichzeitig kann man dem aufgenommenen Ton auf der benachbarten P.le Roma, Venedigs Busbahnhof und weiterer Schnittstelle zur Stadt, in einem vom Platz isolierten Hörraum zu hören.

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Grundriss — Level +1,0 M 1/400

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Grundriss — Aufsicht M 1/400

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Heben, schwach Senken, schwach Steuerpunkt

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+1,7

+0,1 0,5

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-1,3 2,3

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Heben, stark/schwach Senken, stark/schwach Steuerpunkt

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+1,2 0,9

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1:00

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Perspektive Nacht

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06_ [ Entwurf ]

Wahrnehmungs-Index

Sehen Die durch die Installation unmittelbar beeinflussten Sinne ordnen wir den folgenden Werkzeugen bei.

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06_ [ Entwurf ]

Hรถren

Grundriss M 1/50

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Ansicht


Ansicht

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Schnitt perspektiv — Tag M 1/50

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Schnitt perspektiv — Nacht M 1/50

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06_ [ Entwurf ]

Wahrnehmungs-Index

Hรถren

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07_ [ Detail ] Dreiecke im Lasteinzugsbereich der Stütze 90 Dreiecke à 0,577 m² auf 52,7 m² Fläche

Linienlasten im Tragwerk durch Eigengewicht 11,5 kg/m

Sekundärtragwerk

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Linienlast im Primärträger gesamt Flächenlast Eigenlast Tragwerk eingehängt Installationen

1,3 kN/m 0,37 kN/m 0,12 kN/m 0,58 kN/m 0,23 kN/m

Punktlast im Auflager gesamt Punktlast Auss.Balken Träger

12,05 kN 0,8 kN 11,25 kN


reich der St端tze

urch Eigengewicht

1,3 kN/m 0,37 kN/m 0,12 kN/m 0,58 kN/m 0,23 kN/m

12,05 kN 0,8 kN 11,25 kN

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Melcher_Calvez_Dokumentation