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NEUE Nr. 33

ZEITUNG

Informationen des Ostdeutschen Heimatmuseums (OHM)

9. Jahrg. 2010

OHM-Sonderausstellung

„Flucht und Vertreibung“ genießt hohe Anerkennung und dient der Aussöhnung

nebenberuflich Schlesier“ - eine Idee: Nienburg brauct

▲ Vitrine mit Fluchtutensilien aus Ostpreußen in der OHM-Sonderausstellung „Flucht und Vertreibung“.

Aus dem Inhalt NZ aktuell S. 2 OHM jetzt im Internet Zeitgeschichte S. 3 DDR-Nachlaß: Dokumente eines Unrechtsstaates Ost- und Siedlungsgebiete S. 4 Preußens Provinz Schlesien Persönlichkeiten S. 5 Theodor Fontane OHM S. 6 Jugend-Seminar III: „Gegen das Vergessen“ Sonderausstellung S. 7 Sozialistischer Realismus: „Kultur nach Programm“ Geschichte S. 8 Das Ende der Weimarer Republik Erholung und Reise S. 9 Mitte 18. Jahrhundert: „Die erste Sommerfrische“ Termine S. 10 OHM, Landsmannschaften und Freundeskreise Kulinaria S. 11 Soleier und Potsdamer Stange Denkwürdige Ereignisse S. 12 21. 6. 1895: Eröffnung des KaiserWilhelm-Kanals

-nt. Im politischen Berlinfür blasen überwiegend linke Jagdgenossen ein Museum die Heimat im Osten. Kurzer Hand ihr Halali: „Sau tot“. Die aufmüpfige Vertriebenenpräsidentin Erikaufte er das gerade verfügbare historische ka Steinbach ist endlich zur Strecke gebracht. Ihr „freiwilliger“ Traufenhaus in der Weserstraße und zusammen mit Verzicht auf einen Sitz im von ihr einst konzipierten „Zentrum geDieter bewirkt Lonchant, seitdeutlichen Jahrzehnten der Geschichte gen Vertreibung“ einen Qualitätsverlust bei und der Kultur der Vertreibungsund Siedlungsgebiete der ursprünglich angedachten objektiven Darstellung der Vertreibung Deutschen verbunden, des ging es an die Arbeit. Nach der Deutschen aus den Ostgebieten ehem. Deutschen Reiches. Gründung des öffnete Anreicherung im Herbst 1996 Mit der zwischenzeitlich vonTrägervereins der Politik verordneten des das „Ostdeutsche Heimatmuseum“ (OHM). Nach 10 „Zentrums“ mit fremden Vertreibungsvorgängen war bereits das DokumentierenJahren des Schicksals der eigenen „Heimatstube“ Vertriebenen undnun Flüchtlinge ist die anfängliche zum öfdeutlich verwässert Jetzt fehlt auch noch der befähigte Kopf, fentlich worden. anerkannten historischen Museum gewachsen, der in der Sache dringend erforderlich ist. Das Mindeste, was im Gedas zugleich als Zentrum grenzüberschreitender Kulgenzug von turarbeit der Politikweithin erfolgenAnerkennung muß, ist die Gewährung der Meinungsfindet. In über drei Geund Gestaltungsfreiheit im „Zentrum“, damit unabhängig der von Dritschossen präsentieren sich Hinterpommern, Ostbranten geforderten Zensur, der Realität Genüge getan werden kann. denburg/Preußen, Ost-West-preußen, Danzig, SchlesiBeim OHM gab es und gibt es keine Querelen zwischen Deutschen und en an sowie das Sudetenland den Siedlungsgebiete Polen um die geschichtlicher Wahrheitmit orientierte Schau „Flucht von Deutschen in Osteuropa, Asien und Übersee. und Vertreibung“, die neben einer Anzahl dreidimensionaler Exponate Trotz beengtem werdenDokumentation vielfältigste Exponate zum Thema auch eine Raum umfassende über die aus Geschichte und Insbesondere Kultur gezeigt, darunter Volks- daVertreiungsverbrechen vorstellt. polnische Besucher, trachten, Uniformen, Bilder, runter Politiker, ranghohe OffiziereDokumente, und Historiker sindLandkarten, sich einig in übereinstimmend positiver Wertung die wegen ihrer Porzellane, sowie Glas-der undAusstellung, Handwerkskunst. VorträObjektivität ge sogar polnischen Bischof Dr. Adolf Setlak (Ermland / undvom Kulturveranstaltungen ergänzen das Angebot. Masuren) anlässlich seines Nienburg-Besuches gesegnet Einmalig in Niedersachsen entsteht dieserwurde. Tage Die Ausstellung verzichtet bewusst auf Einbeziehung anderer Vertreibungsschicksale und vermittelt unbeeinflußt von fremden Interessen die historische Wahrheit durch sachbezogene Informationen.und dient damit allen Gutwilligen zur Aussöhnung. Sie wird in Kürze erweitert. in Kürze erweiter. ► Fast 15 Millionen Deutsche wurden aus ihrer Heimat vertrieben oder flohen im Zweiten Weltkrieg aus dem Osten. 2 Millionen davon wurden Opfer der Gewalt der Sieger. Ihrem Schicksal gilt es zu gedenken.


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9. Jahrg.

+ NZ aktuell +++ NZ aktuell +++ NZ aktuell + +++

OHM jetzt auch im Internet:

http://sites.google.com/site/ ohmnienburg/home e-mail: ohm-nienburg@web.de

Die für Bildung und Museums-Sammlungen zuständige OHM-Mitarbeiterin Mareike Zummack und der Informatiker Martin Hallescheck haben das OHM mit Internetadresse (Google), Wegekarte und einer dreiseitigen Beschreibung des Museums einschließlich einer Reihe von Bildern, die unsere Ausstellungen vorstellen, ins Internet gestellt. Sie sollten unser Haus jetzt auch auf diesem Weg besuchen. Auf mehr als 300 qm, über zwei Etagen und mit zehn Abteilungen präsentieren sich in Geschichte und Kultur die Ostgebiete des ehem. Deutschen Reiches: Die Mark Brandenburg mit Alt-Berlin, Ostpreußen mit Danzig, Pommern, Westpreußen und die Grenzmark sowie Schlesien. Die Siedlungsgebiete von Deutschen in Osteuropa mit dem Sudetenland und Böhmen, Siebenbürgen und die Heimatgebiete der Russlanddeutschen haben auch ihren Platz. Die ehem. Deutschen Kolonien in Afrika, Ostasien und Übersee finden ebenso Erwähnung, wie eine besondere Ausstellung, die sich der Thematik „Flucht und Vertreibung“ widmet und die mit Exponaten aus Nienburgs Partnerstadt Bartoszyce (Bartenstein / Ostpreußen) erweitert wurde. Wechselnde Sonderausstellungen wie „Die Hugenotten in Brandenburg-Preußen“ oder „Das war die DDR – Unrechtsstaat im Dienst der SED“, ergänzen das Ausstellungsangebot. Mit seinen Vortragsveranstaltungen, internationalen Tagungen und Jugend-Seminaren erweitert das OHM ständig sein Programm. Jährlich nutzen über 4.500 Besucher, darunter Bus-Reisegruppen aus dem In- und Ausland, die Angebote des Museums. Die Internetvorstellung des OHM hat den Zulauf von Fremden deutlich erhöht. Mit einer Gemäldeausstellung „Die Kaiserliche Marine“ will sich das Museum demnächst ein weiteres Interessengebiet erschließen. mz

▲ So finden auswärtige Besucher unser Museum leicht: Im Städtedreieck Hamburg – Minden – Hannover, mitten in Niedersachsen


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Zeitgeschichte

Nachlaß des DDR-Unrechtssystems:

▲ Joachim Gauck und seine Nachfolgerin Marianne Birthler mit Bundesminister Otto Schily am Tag der Amtsübergabe: 11. 10. 2000

Die im November 1991 gegründete und nach ihrem seinerzeitigen Leiter als sog. GauckBehörde bezeichnete Bundeseinrichtung stand vor einer gewaltigen Aufgabe: Es galt sechs Millionen Stasi-Unterlagen aufzuarbeiten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und auf mögliche Strafverfolgung hin zu analysieren. Als zum Jahresende 1989/90 Bürger der DDR die Zentralen der Geheimpolizei stürmten, stießen sie auf Millionen vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angelegte Akten. Um größeren Mißbrauch auszuschließen, auch um Beiseitebringung zu verhindern, verabschiedete der Deutsche Bundestag im November 1991 das „Stasi-Unterlagengesetz“ und ernannte den ehem. Volkskammerabgeordneten Joachim Gauck zum „Bundesbeauftragten für die

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die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehem. DDR“ (BStU). Die Behörde nahm ihren Dienst am 2. Januar 1992 auf. Noch im Frühjahr erließ der Bundestag ein weiteres Gesetz, aufgrund dessen Bürger Einsicht in die über sie gesammelten Informationen nehmen können. Die Behörde wurde daraufhin mit Millionen von Anträgen auf Einsichtnahme ins Stasi-Archiv überschüttet. 3.000 Mitarbeiter recherchieren seither auch in Tausenden von Fotos, Tonträgern und Schriftstücken. So wurde es möglich, abgetauchte Spitzel und SED-Funktionäre des DDR-Unrechtssystems erkennbar zu machen, die vorgeblich als arglose Zeitgenossen ungesühnt wieder in einflußreiche Posten einsickern konnten. Die Affairen um Linkspartei-Politiker sprechen Bände.


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9. Jahrg.

Ost- und Siedlungsgebiete

Preußens Provinz Schlesien Wirtschaftsstandort mit ethnischen Konflikten

▲ Schlesiens Hauptstadt: Breslau an der Oder

Die preußische Provinz Schlesien war im Kaiserreich ein in Landwirtschaft und Gewerbe wichtiger Wirtschaftsstandort, insbes. in Oberschlesien eine bedeutende Industrieregion. Sie litt aber an Konflikten zwischen der deutschen, 1871 ca. 3 Mio umfassenden Mehrheitsbevölkerung und der polnischen Minderheit, die um 600.000 Bewohner zählte. Diese siedelte vor allem in einem schmalen Streifen im ländlich geprägten Oberschlesien. Die Folgen der ethnischen Konflikte bekam die deutsche Bevölkerung Schlesiens nach den verlorenen Weltkriegen mit der Abtrennung oberschlesischer Gebiete (1918/19) und 1945 mit der rigorosen Vertreibung zu spüren. Schlesien war verwaltungstechnisch nach dem Vorbild des Mutterstaates Preußen ausgerich-

tet und damit funktionsfähig organisiert. Während im Niederschlesischen allgemeiner Wohlstand herrschte hatte die Bevölkerung der oberschlesischen Ballungsgebiete als Folge der starken Industrialisierung unter Wohnungsnot zu leiden. Zugleich erhöhten sich die Reibungen zwischen Deutschen und Polen, was schließlich durch die unnachgiebige Haltung von Reichskanzler Otto von Bismarck bei den Polen den Willen zum Aufbegehren weckte und zum offenen Gegeneinander und schließlich zum „Kulturkampf“ führte. Der richtete sich u.a. mit einer Reihe von staatlichen Maßnahmen gegen das katholisch geprägte Selbstverständnis der Polen. Diese erreichten allerdings dabei die Zulassung eigener Parteien.


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Neue Zeitung

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Persönlichkeiten

Theodor Fontane Wanderer durch die Mark Brandenburg Theodor Fontane nimmt einen festen Platz unter den großen deutschen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts ein. Nach langen Jahren als Apotheker und Journalist findet er erst spät zur Dichtkunst. Seine bekannten realistischen Gesellschaftsromane geben ein feinsinniges Bild einer Zeit voller Umbrüche wieder. Fontane, Sohn eines Apothekers mit hugenottischen Vorfahren, verlebte in der brandenburgischen Provinz eine behütete Kindheit. In kritischer Distanz zu Preussen und dem im Kaiserreich geschätzten Militarismus, soll er auf Wunsch seiner Eltern Apotheker werden. Sein Herz jedoch gehört dem Schreiben. Seine Gedichte aber finden kaum Anklang.

▲ Theodor Fontane in seinem Arbeitszimmer in Berlin

Theodor Fontane (Neuruppin 1819 - Berlin 1898) war ein erklärter Anhänger der Republik, für die er engagiert eintrat. Unglücklich mit seinem Beruf ging er zu einem kurzen Aufenthalt als Zeitungskorrespondent nach England. Zurück in Deutschland widmete er sich voll der Schriftstellerei und berichtet als Frontreporter von den Schlachtfeldern der deutschen Einigungskriege. In den zwei letzten Jahrzehnten seines Lebens gelang ihm schließlich der Durchbruch als Dichter. Seine 15 realistischen Romane schildern die Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts in all ihrer Problematik, darunter „Unterm Birnbaum“ (1885) – „Effie Briest“ (1895) – „Der Stechlin“ (1898) und sein 5 Bände umfassendes berühmtes Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (1886).


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Ostdeutsches Heimatmuseum Aufklärung tut Not:

Jugend-Seminare gegen das Vergessen ► Projektleiterin Eva Maria Wiechmann (Realschule Nienburg) arbeitete mit Schülerinnen und Schülern am Thema „Das war die DDR“ während des Jugend-Seminars vom 14. – 18. September 2009 im OHM. ▼ Fachlehrer Roland Taffel (Mittelschule Hartha / Sachsen) gestaltete mit seinen Schülern im OHM Infomaterial zum Thema „Unrechtsstaat DDR“ für den Schulunterricht.

Bei der Abwehr rechtsradikalen Gedankengutes wird der wachsende Einfluß linksextremer Bewegungen gern vergessen. Die zunächst im Wartestand verbliebenen Seilschaften der SED feiern jetzt unter neuen Namen fröhlich Auferstehung und finden zunehmend blinde Partner auch in demokratischen Organisationen. Es gilt gegen die Wölfe im Schafspelz endlich argumentativ mobil zu machen. Die schweigende Mehrheit der Erlebnisgeneration muß Kraft finden zur Aufklärung. Das hat verstärkt bei der Jugend zu beginnen, die sich oft von Propagandisten sog. „AntifaGruppen“ betören lässt. Die JugendSeminare des OHM geben hierbei qualifizierte Hilfestellung. LW

Stahlbau Vieregge GmbH & Co. KG Schipse 6 31582 Nienburg

Ostdeutsches Heimatmuseum (OHM) Historisches Museum Redaktion:

Dieter Lonchant Korrektur:

Mareike Zummack Auflage: 700 Exemplare Anschrift:

NEUE ZEITUNG Verdener Landstr. 224 31582 Nienburg Tel./ Fax: 05021 / 91 15 63

e-mail: ohm-nienburg.de Internet: :

http://sites.google.com/ site/ohmnienburg/home Die in Leserbriefen oder Kommentaren vertretenen Auffassungen decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion.

Telefon (05021) 97 46-0 Telefax (05021) 6 26 25 info@stahlbauteam.de


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Ausstellungen Zur OHM-Sonderausstellung

„Das war die DDR“ Folge 6:

▲ Glasmosaik mit Motiven aus dem sozialistischen Alltag im ehemaligen Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Sozialistische Realismus in der Sowjetunion zur verpflichtenden Richtlinie für alle Künstler. Die DDR folgte diesem Beispiel und erklärte ihn ebenfalls zur verbindlichen Doktrin für jegliches Kunstschaffen. Der Sozialistische Realismus gilt als künstlerischer Stil, der sich eng an die marxistisch-leninistische Ideo-

Kultur nach Programm – Sozialistischer Realismus logie anlehnt. Mit ihm gab das SEDRegime vor, wie Kunst auszusehen hat. Mithilfe verschiedener Kontrollinstanzen regelte der Staat die Selbstdarstellung der sozialistischen Gesellschaft, in der bildenden Kunst wie in der Literatur. Die Künstler waren nicht freischaffend tätig, sondern mußten, um veröffentlichen oder ausstellen zu können, Verbänden angehören. Das verpflichtete sie aber zugleich zu einer gewissen Konformität. Kritische Autoren und Maler mussten mit Zensur, Ausschluß aus dem Verband oder sogar Ausbürgerung rechnen. Trotzdem wagten es einige, den Zwiespalt zwischen eigener Erfahrung und Propaganda zu thematisieren. So veröffentlichten bildende Künstler ihre umstrittenen Werke heimlich in Kunstbüchern, Bildermappen und Zeitschriften in Eigenproduktion. Wichtiger Anlaufpunkt für originelle Kunst abseits des Sozialistischen Realismus war die „Galerie Eigen + Art“ von Judy Lybk. Dort fanden in den Jahren 1985-1989 Ausstellungen von Autodidakten und sogar westdeutschen und internationalen Künstlern statt. Die Stasi war jedoch immer dabei.


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Geschichte

Das Ende der Weimarer Republik Das politische Gewicht verlagerte sich ab 1930 von den Parteien und dem Parlament auf den greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und seine konservativen Berater. Über Notverordnungen erließen die Minderheitsregierungen Brüning, Papen und Schleicher Gesetze, die im Reichstag keine Mehrheit fanden. Deutschland Anfang 1930: Die Weltwirtschaftskrise beutelte die Weimarer Republik. Die Regierung Müller (SPD) konnte die Probleme nicht mehr bewältigen. Mit einer Parlamentsauflösung versuchte Reichskanzler Heinrich Brüning die Krise zu bekämpfen. Doch die Lage blieb angespannt, die Stimmung im Reichstag und auf der Straße radikalisierte sich und Brüning verlor das Vertrauen Hindenburgs. Die NSDAP wurde bei den Reichstagswahlen 1932 stärkste politische Kraft. Noch widersetzte sich Hindenburg einer Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, doch die von ihm eingesetzten Kanzler Franz von Papen und Kurt von Schleicher verfügten über noch weniger parlamentarischen Rückhalt als vordem Brüning. Bei den Wahlen im Januar 1933 ging schließlich Hitlers Strategie zur Machtergreifung auf. Die Weimarer Republik war am Ende. „Nun wollen wir mal sehen, wie mit Gottes Hilfe der Hase weiterläuft“ – mit diesen Worten verabschiedete Reichspräsident Paul von Hindenburg Kurt von Schleicher aus seinem Amt als letzten Kanzler der Weimarer Republik. Zwei Tage später ernannte er Hitler zum neuen Reichskanzler. ◄ Wahlplakate 19301933 der vier größten Parteien: SPD, KPD, Zentrum, NSDAP.


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Erholung und Reisen Mitte 18. Jahrhundert:

Die erste Sommerfrische „Sorgenfrei komm her´, damit du krankheitsfrei von hier gehen mögest; denn wer sorget, wird nicht gesund..“ Friedrich Franz I. , Herzog von Mecklenburg-Schwerin

► Plakatwerbung Norderney 1892 Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt, ab Anfang des 19. Jahrhunderts verstärkt entdeckte der deutsche Adel das Baden im Meer. Was von Ärzten zunächst aus gesundheitlichen Gründen empfohlen wurde, entwickelte sich zu einer neuen Mode, der Sommerfrische: die Erholung an der See und in den Bergen. Mit der aufkommenden Industrialisierung veränderte sich das Leben der Menschen in Deutschland gewaltig und auch das Reisen bekam durch die fortschreitende technische Entwicklung von Verkehrsmitteln wie Eisenbahnen und Dampfschiffen eine neue Dimension. Die Welt rückte weiter zusammen, selbst weite Entfernungen wurden schnell überwunden. Aus Reisen, die einst einem bestimmten Zweck dienten, wurden Reisen zum puren Vergnügen oder zur Erholung. Nach dem Adel waren es zunächst die wohlhabenden bürgerliche Kreise, die es in die Sommerfrische ans Wasser oder ins Gebirge zog. Baden, Wandern, Rodeln und Skilaufen wurden zu einem Freizeitvergnügen, an dem bald auch die Mittelschicht, nicht aber die Arbeiter, Teilhabe hatte. Einfache Fischer- und Bergdörfer wandelten in Touristenhochburgen, über die man sich zu Hause durch die ab 1840 fortlaufend herausgegebenen informativen Reisehandbücher ein Bild machen konnte. Der Buchhändler und Verleger Karl Baedecker (1801-1859) hatte frühzeitig den wachsenden Bedarf an Reiseführern erkannt. Seine mit Kartenzeichnungen versehenen Beschreibungen wurden zum Bestseller, die bereits damals in ihrer genauen Darstellung Maßstäbe setzten.

Letzte Meldung:

OHM-Vorstand wiedergewählt Die OHM-Hauptversammlung hat am 18. 01. 2010 den bisherigen Vereins- und Museumsvorstand für weitere 2 Jahre komplett einstimmig im Amt bestätigt. Vorsitzender und Museumsleiter: Dieter Lonchant, Stellvertreter: Karl-Heinz Schroeder und Günter Winckler, Beauftragte: Albin Broszeit, Walter Gleich, Inge Koslowski und Teresa Lonchant. Beisitzer: Sieglinde Broszeit, Werner Grubert, Werner Hoffmann, Johanna Nagel, Werner Schlagowski, Karin Tams, Colm ó Torain und Rosemarie Volger. Kassenprüfer: Jan-Peter Schicht und Diethard Würke. Wegen seiner Verdienste um das Ostdeutsche Heimatmuseum berief die Haupversammlung auf Vorschlag des Vorstandes zum Ehrenmitglied den ehemaligen Nienburger Stadtdirektor Heinz Intemann.


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++ Termine +++ Termine +++ Termine ++ Landsmannschaften POMMERN Do. 04. 03. 2010 15.00 Uhr OHM Pommernnachm Do. 01. 04. 2010 15.00 Uhr OHM Pommernnachm Do. 06. 05. 2010 15..00 Uhr OHM Pommernnachm

OST – WESTPREUSSEN / DANZIG Fr. 12. 03. 2010 15.00 Uhr OHM Schabber/Lesest. Fr. 23. 04. 2010 15.00 Uhr OHM Schabber/Lesest. Fr. 21. 05. 2010 15.00 Uhr OHM Schabber/Lesest.

OHM-Freundeskreise BERLIN-BRANDENBURG Mo. 22. 03. 2010 15.00 Uhr OHM Lichtbildervortrg.: DIEPENAU „Zille sein Milljöh“ Termine werden noch bekannt gegeben

EYSTRUP (VdV)

Gasthaus Weber, Eystrup Mi. 13. 03. 2010 15.00 Uhr Heimatnachmittag

UCHTE

Lindenwirt, Uchte Mi. 25. 03. 2010 15.00 Uhr Plaudernachmittag Mi. 12. 04. 2010 15.00 Uhr Plaudernachmittag

OHM-Chef Dieter Lonchant wurde 70 Das Wirken als Politiker, Journalist, Kulturförderer und Beamter markieren den Lebensweg des Vorsitzenden und Leiters des Ostdeutschen Heimatmuseums. In Leipzig am 1. Februar 1940 geboren, wuchs er in der ehemaligen DDR auf. Seine Schul- und Berufsausbildung beendete er in Westberlin. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Schon frühzeitig engagierte er sich in der Öffentlichkeit: als Gymnasiast war er Sprecher des Berliner Schülerparlaments, dann stellv. Landesvorsitzender der Jungen Union, darauf Bezirksverordneter und schließlich Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. 1975 wechselte er zum Landkreis Nienburg, wo er bis zur Pensionierung das Hauptsachgebiet Wirtschaftsförderung leitete. Seit seinem 20. Lebensjahr ist er Mitarbeiter bei re gionalen und überregionalen Zeitungen und hat nebenberuflich etliche Jahre als Arrangeur eines seinerzeit bekannten Revue- und Gesangs-Ensembles gewirkt. Nach der Wende führte er zeitweise ehrenamtlich als Kurator eine öffentlich-rechtliche Kulturstiftung in Brandenburg und stand als Bundessprecher an der Spitze eines großen Heimatverbandes. Ab 1996 ist er Chef des OHM, das er von einer Heimatstube zum Historischen Museum geführt hat. In Anerkennung seines Engagements in der grenzüberschreitenden Kulturarbeit und seines Bemühens um Aussöhnung und Völkerverstän digung hat ihn die polnische Stadt Bartoszyce (ehem. Bartenstein / Ostpreußen) im Jahr 2004 zum Ehrenbürger ernannt. Herzlichen Glückwunsch Der Vorstand Dieter Lonchant


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Kulinaria Tips vom Fach:

Soleier Eine Spezialität der Berliner Droschkenkutscher Zutaten: 1½ Liter Wasser, 150 Gramm Salz, 2 Lorbeerblätter, 10 Gewürzkörner, 10 Korianderkörner, 15 Gramm Trockendilldolden, 1 Wachholderbeere, 1 geschälte Zwiebel. Anwendung: Die Eier werden mit einer geschälten Zwiebel zehn Minuten gekocht und kalt abgespült. Die Schale mit einem Messer anklopfen, so dass sie Risse bekommt. Die Eier in ein hohes, großes Gefäß legen, mit dem erkalteten Würzsud übergießen und zugedeckt mindestens zwei Tage marinieren lassen. Das abgepellte Ei wird mit Salz, Pfeffer und Mostrich (Senf) oder mit Essig und Öl gewürzt. Dazu mundet eine frische Molle (Bier). Guten Appetit!

Kalte Ente Eine süffige Erfrischung Zutaten: 1 Flasche Sekt, eine Flasche Weißwein, 1 Zitrone, 1 Glas Weinbrand Anwendung: Die Zitrone spiralförmig in einem Stück schälen, die Schale in das Bowlengefäß hängen, mit Wein übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Den Weinbrand und vor dem Servieren eisgekühlten Sekt dazugießen, eventuell etwas süßen.

Chefköchin

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Denkwürdige Ereignisse 21. Juni 1895:

Eröffnung des „KaiserWilhelmKanals“ ◄ Die kaiserliche Yacht „Hohenzollern“ eröffnete den Kanal 1895.

Der aus strategischen Gründen geplante, heute als Nord-Ostsee-Kanal bezeichnete, Durchstich von der Nord- zur Ostsee wurde seinerzeit in Preußen intensiv diskutiert. Erst nachdem die wirtschaftlichen Vorteile des Wasserweges deutlich geworden waren, verringerten sich die Vorbehalte. 1895 wurde die Kanalverbindung nach nur achtjähriger Bauzeit durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Preußens Reichskanzler Otto von Bismarck forderte 1864 aus militärstrategischen Überlegungen den Bau eines Kanals quer durch die junge Provinz Schleswig um diese zugleich auch an Preußen zu binden. Doch die Armeeführung lehnte das Projekt ab. Erst die Initiati-

ve eines Hamburger Kaufmanns brachte unter Hinweis auf die wirtschaftlichen Vorteile 1878 die Diskussion wieder ins Rollen. Bismarck gewann die Unterstützung Kaiser Willhelm I. Der Grundstein konnte 1887 gelegt werden. Bei der feierlichen Einweihung taufte man den Kanal auf den Namen des Großvaters des amtierenden Kaisers: „Kaiser-WilhelmKanal“. Der Enkel Kaiser Wilhelm II. eröffnete die neue Seestraße mit seiner Yacht „Hohenzollern“. Die Bedeutung des Bauprojekts ist bis heute ungebrochen: Nach über 100 Jahren ist der Kanal der meist befahrene Seeweg der Welt. Zu kritisieren ist, dass man den historischen Namen des Bauwerks nicht belassen hat.

Neue Zeitung Nr. 33 9. Jahrgang 2010  

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