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NEUE

ZEITUNG 5

Kultusminister Lutz Stratmann eröffnete Preußenausstellung im OHM Aus dem Inhalt NZ aktuell S. 2 OHM-Flyer „Preußen: Herrscher, Land und Leute“ Neues OHM S. 3 „Größer und schöner“ Geschichte S. 4 Staatsraison, Macht, Geist, Toleranz und Pflicht Persönlichkeiten S. 5 Generalfeldmarschall und Reichspräsident Lebendiges Museum S. 6 Gäste im OHM Landschaft S. 7 Von Krummhübel auf die Schneekoppe Soziale Konflikte S. 8 Großbürgertum und proletarische Revolution Schiffe und Schicksale S. 9 Der Großsegler „Gorch Fock“ Termine S. 10 „OHM-Club“- Gliederungen Kulinaria S. 11 Berliner Erbsen mit Ohr und Schnauze Partnerschaft S. 12 Feuerwehrfahrzeug für Bartenstein / Bartoszyce

Nienburg. Über 100 „Promis“ aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kulturleben drängten sich beim traditionellen „Valentins-Empfang“ am Montag, den 13. Februar im OHM an der Verdener Landstraße. Niedersachsens Kultusminister Lutz Stratmann, der das neue Domizil des Museums zugleich die Ausstellung nebenberuflich Schlesier“und - eine Idee: Nienburg brauct „Preußen: Herrscher, Land vollerHand Anein Museum für und die Leute“ Heimateröffnete, im Osten.war Kurzer erkennung kaufte für die er Arbeit OHM. Die Tatsache, daß bedeutendas des gerade verfügbare historische Traufende Museenhaus Leihgaben wertete er als Beweis der in der bereitstellen, Weserstraße und zusammen mit Dieter Wertschätzung auch der für die der AusstellunLonchant, seitFachwelt Jahrzehnten derQualität Geschichte und Kultur gen, die imder neuen Haus nochund eindrucksvoller präsentiert werden VertreibungsSiedlungsgebiete der Deutschen können. In verbunden, Grußwortenging betonten Heinrich amtiees anLandrat die Arbeit. Nach Eggers, Gründung des render Bürgermeister Rolf Warnecke und Holtorfs Trägervereins öffnete im Herbst 1996 dasOrtsbürger„Ostdeutmeister Gerhard Munk die feste Einbindung des OHM in dasistKulsche Heimatmuseum“ (OHM). Nach 10 Jahren die turleben von Stadt und Landkreis Nienburg. anfängliche „Heimatstube“ nun zum öffentlich anerDie vom Land Niedersachsen die Landschaftsverbände neu kannten historischenüber Museum gewachsen, das zugleich gegliederteals regionale schaffe Kulturarbeit jetzt MöglichkeiZentrumKulturförderung grenzüberschreitender weitten, die Arbeit auch kleinererfindet. Kulturträger zu unterstützen. hin Anerkennung In überbesser drei Geschossen präAus der vorläufigen ein dauerhaftes zuOstbrandenHause ersentieren Bleibe sich müsse Hinterpommern, wachsen. Ratsvorsitzender Janus Dabrowski, der mit einer Deleburg/Preußen, Ost-West-preußen, Danzig, Schlesien gation aus sowie der Partnerstadt Bartoszyce angereist das Sudetenland mit den(Bartenstein) Siedlungsgebiete von war, unterstrich das in gute völkerverbindende Miteinander zwiDeutschen Osteuropa, Asien und Übersee. schen den Einwohnern beider Städte. Vom gemeinsam geplanten Trotz beengtem Raum werden vielfältigste Exponate Aufbau desaus Regionalmuseums Bartoszyce er sich weiteGeschichte und in Kultur gezeigt,erhofft darunter Volksre fruchtbare trachten, ImpulseUniformen, für die Städtepartnerschaft. Dokumente, Bilder, Landkarten, -nt. Porzellane, sowie Glas- und Handwerkskunst. Vorträge und Kulturveranstaltungen ergänzen das Angebot. Einmalig in Niedersachsen entsteht dieser Tage

Adressaufkleber Festliche Eröffnung der Preußenausstellung im OHM in Nienburg-Holtorf. (v.l.n.r.) Landrat Heinrich Eggers, Kultusminister Lutz Stratmann, amtierender Bgm. Rolf Warnecke, stellv. Bgm. Hanno Liebtrau und Museumsleiter Dieter Lonchant.


+ NZ aktuell +++

NZ aktuell +++ NZ aktuell +

Aus dem OHM-Gästebuch ,,Es war wirklich eine tolle gelegenheit hier zu besuchen. Man lernt nicht so was in der Amerikanischen Schulen! Sie haben alles wunderschön zusammengestellt. Alles war wirklich interesant. Ich wunsche Ihnen alles Gute und viel spass als Sie sammeln weiter."

El{er Spencer Culler, Bountiful, luJAH, VSA

"Bs war sehr interesant, wir haben sehr viel erfahren, wir freuen uns hier gewesen zu sein, vielen Dank für alles." Deutsche cesellschaFt Olecko (rüher Treuburg Ostpreu{3en)

- Michaela Dabrowski, Olecko

Neuer Flyer wirbt für das Museum Erstmals in eigener Regie hat das OHM einen l2seitigen Museumsführer erstellt, der an Vereine, Reiseveranstalter und Interessengruppen versandt wird, um für den Besuch des Museums zu werben. Er stellt in Texten und Bildern die Abteilungen des OHM vor und beschreibt insbesondere die neue Sonderausstellung ,,Preußen: Herrscher, Land und Leute". Er liest sich wie ein kleines Geschichtsbuch. Vom Ritterorden, den Fürsten BrandenburgPreußens, ihrem Urnfeld, den Siedlungsgebieten in Osteuropa und

den Kolonien wird

,,Exhibits beautiful presented and it is all very interesting."

berichtet.

Yill farnily, 84rkley, West Yorkshere, Enqland

Die Krönungs- und

m@firTo HrgroRIscHES MUSEUM

Residenzstädte Königsberg/Ostpreußen

Wrn BEGRüssEr.t At*S

NEUE MI-rCIIEDER Hermann Bartels (Steimbke), Anton Scherbaum (Liebenau), Günter Winckler (Drakenburg) Udo Tiede, Frtedrich-Wilhelm Gallmeyer, Werner Göllner, Jan-Peter Schicht, und Magdalena Sieling (alle Nienburg). schöne ;iuros E;b{'s Lrei Ardeisl

und Berlin finden ebenso Erwähnung, wie Glanz und Gloria des Großbürgertums und der Weg

der in

materieller Abhängigkeit lebenden Arbeiterschaft in die ,,proletarische Revolution".

PRASENTATIONEN

zvR

GESCHICHTE UND KULTUR oER OSTPRoVINZEN DES EHEMALIGEN

DEUTSCHEN REICHES UND DER SIEoLUNGSGEBTETE VON DEUTSCHEN SoEderausstellung:

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Ostdeutsches

Heimatmuseum

(oHM) HrsroRlscHEs MUSEUM Redaktion: Dieter Lonchant Korrektur:

lnge Koslowski Auflage: 700 Expl. Anschrift:

NBUS ZBmuNc Verdener Landstr.224 3 1582

Nienburg-Holtorf Tel. / Fax:

05021

/91

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Die in [rserbriefen oder Kommentaren vertretenen Auffassungen dekken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion.


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Besucher bewerten das „neue“ OHM übereinstimmend:

„Größer und Schöner“

Integriert in die Abteilung „Schlesien“: der Konferenzbereich

Wer hätte das gedacht. Allen Unkenrufen zum Trotz, das OHM wird am neuen Standort besser angenommen als zuvor in der Innenstadt. Die vom Zentrum entfernte Lage an der B 215 im Nienburger Ortsteil Holtorf erweist sich in keiner Weise als hinderlich – im Gegenteil, sie scheint extrem besucherfreundlich zu sein. Anders lässt sich der Besucherstrom nicht erklären, der dem Haus bereits zur Eröffnung, dem „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, den 22. Januar, mehr als 500 (!) Besucher bescherte. Auch die neu eingeführten Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10.00 – 13.00 Uhr, sowie Mittwoch und Sonntag 14.00 – 17.00 Uhr werden überraschend gut angenommen. Hierbei hilfreich sind die Bushaltestellen vor der Tür für den Stadt- und Regionalverkehr mit Direktanschlüssen zu Bahnhof und City-Treff und ebenso die günstige Parkmöglichkeit vor dem Eingangsbereich. Angetan zeigen sich die Besucher von den neu gestalteten Abteilungen „Brandenburg-Preußen“, „Ostpreußen / Danzig“, „Pommern / Westpreußen“ und „Schlesien“. Mit neuem Gesicht stellen sich ebenso vor die Siedlungsgebiete „Ost-Europa“ und „Übersee“, sowie die Sonderausstellungen „Flucht und Vertreibung“ und „Partnerstadt Bartenstein – Bartoszyce“. Als besonders günstig erweist sich das wesentlich größere Raumangebot, in dem sich die vielen Exponate vorteilhafter vorstellen lassen. Der in die Abt. Schlesien integrierte Konferenzraum mit Teeküche (40 Plätze) und der Vortragssaal (180 Plätze) bringen weitere Vorteile. Bleibt zu hoffen, daß dem OHM ein längerfristig gesichertes Bleiberecht zugebilligt wird. –nt.


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Bildergalerie und seltene Exponate aus der Zeit Friedrich des Großen in der Abteilung Brandenburg-Preußen im Ostdeutschen Heimatmuseum.

In den 46 Jahren seiner Regierungszeit hat Friedrich II. (* 1712, † 1786) - auch „Friedrich der Große“ genannt - Leistungen erbracht, die Staat und Gesellschaft in Preußen nachhaltig geprägt haben. In drei Kriegen (1740-1742, 1744 -1745, 1756-1763) sicherte er – durch eigenes Verdienst aber auch vom Glück begünstigt – seinem Land die wirtschaftlich ertragreiche Provinz Schlesien. Mit der Besitzergreifung Ostfrieslands (1744) verschaffte er Preußen Zugang zur Nordsee. Als erster europäischer Fürst schloss er 1785 mit den gerade gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika einen völkerrechtlich wegweisenden Handelsund Freundschaftsvertrag. Er führte ein allgemeines Schulwesen ein, ließ den Oder-Neiße-Bruch im Zug einer weitsichtigen Siedlungspolitik kulti-

vieren. Berlin machte er zum Mittelpunkt der Warenproduktion. Bei der ersten Polnischen Teilung (1772) gewann er das Ermland und Westpreußen. Die von ihm veranlasste Zusammenfassung aller Rechtsbestimmungen im später veröffentlichten „Allgemeinen Landsrecht“ brachten beachtliche Fortschritte in der Rechtspflege. Das bereits von seinem Vater geübte Prinzip der Toleranz gegenüber Religionsbekenntnissen war Bestandteil der Innenpolitik des aufgeklärten Königs. In Kunst, Wissenschaft und Literatur wurde Friedrich zum Wegbereiter deutscher Einigung. Im Volk genoss er bereits zu Lebzeiten eine hohe Verehrung. Manfred Schlenke


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Paul von Beneckendorff und von Hindenburg Generalfeldmarschall und Reichspräsident

Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (* Posen, 2. Oktober 1847, † Familiengut Domäne Neudeck bei Freystadt / Westpreußen, 2. August 1934), beigesetzt am 2. Oktober 1934 in der Gruft der späteren „Reichsgedenkstätte“ Tannenberg. Das Gemälde von Prof. Walter Petersen „Unser Hindenburg“ zeigt Hindenburg als Generalfeldmarschall. (Ausstellung, Abt. Brandenburg-Preußen im OHM)

Hindenburg, kommandierender General der kaiserlichen Armee, aus Altersgründen 1911 in den Ruhestand versetzt, wurde zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 reaktiviert und nach dem Zusammenbruch der deutschen Front in Ostpreußen zum Oberbefehlshaber der der 8. Armee ernannt. Zusammen mit seinem Stabschef Ludendorff besiegte er im selben Jahr in einer der größten Einkreisungsschlachten der Weltgeschichte die in Ostpreußen eingefallenen zahlenmäßig weit überlegenen Russen bei Tannenberg und an den Masurischen Seen und gewann als „Befreier Ostpreußens“ Volkstümlichkeit und Vertrauen. Zum Chef des Generalstabs aufgestiegen, leitet er bei Kriegsende 1918 den Rückmarsch der geschlagenen deutschen Armeen, legte sodann den Oberbefehl nieder und zog sich ins Privatleben nach Hannover zurück. 1925 zum Reichspräsidenten gewählt, übte er sein Amt, obwohl im inneren Abstand zur Weimarer Republik, verfassungsgetreu aus. Am 30. Januar 1933 ernannte er nach langem Zögern - dem Ergebnis der Reichstagswahl folgend und unter Einfluss seiner engsten Umgebung – Adolf Hitler, den Führer der Nationalsozialisten zum Reichskanzler. Nach seinem Tod am 2. August 1934 wurde er im ehem. Tannenberg-Nationaldenkmal bei Hohenstein/Ostpreußen beigesetzt. Das Denkmal wurde aus Sorge vor Schändung durch die Rote Armee zum Ende des 2. Weltkrieges von deutschen Truppen gesprengt. Der Sarkophag mit den sterblichen Überresten Hindenburgs wurde nach Marburg in die dortige Elisabethkirche überführt. Paul Lindenberg

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Traditioneller „Valentins - Empfang“ im OHM: über 100 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kulturleben drängten sich am 13. Februar in den neu gestalteten Ausstellungsräumen. Einhelliges Urteil: „Das OHM hat aus der Not der Kündigung eine Tugend gemacht“. Und: “Dank an die Sponsoren, Mitarbeiter und den Vorstand“. Das Komitee des „Freundeskreises Bartenstein“, das sich um Kontakte zur Partnerstadt Bartoszyce (ehem. Bartenstein / Ostpr.) bemüht, tagte im Februar im OHM. Von den Ressortbeauftragten wurden beraten: Tagung der „Deutsch-poln.-Jugend-AG“ (April in Nienburg), Entsendung von Jagdhorn-Bläsern, Reservisten und einer Rockband zu den „Bartensteiner Tagen“ (Juni in Bartoszyce), Teilnahme poln. Sportler am internationalen Volley-Ball-Tournier in Nienburg und das vom OHM konzipierte deutsch-poln. Symposium im November in Nienburg. Auf dem Foto (v.l.n.r.): Dieter Meister (Jagdhornbläser), Bernd Brieber (Jugend), Dieter Lonchant (Museum), Peter Goetze (Streitkräfte) und Rosemarie Volger (Landwirte). Der alljährliche OHM-Kaminabend Ende Dezember fand wiederum großen Zuspruch. Eingeladen waren diesmal alle Helfer und Sponsoren, die zum Umzug beigetragen hatten. Das neue Domizil in Holtorf war zunächst vorgerichtet und die Räume mit Bilderschienen und Strahlern ausgestattet worden. Ein großes Wandgemälde (Kurisches Haff) wurde geschaffen. Dann erfolgte mit 12 LKW-Ladungen der Transport aller Museumsgüter, darunter über 40 Vitrinen und 12 Stellwände. Mit der Neugestaltung nach einer überarbeiteten Museumskonzeption vergingen bis zur Eröffnung über 4 Monate.

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Schlesien:

Von Krummhübel auf die Schneekoppe Das Riesengebirge ist das am schroffsten ansteigende Mittegebirge. Der kahle, nur mit Flechten überzogene und mit zahllosen Gesteinstrümmern bedeckte Kamm überragt die Waldgrenze um mehrere hundert Meter. Wie ein mächtiger Wall von über 1000 m Höhe baut sich das Gebirge vor uns auf – ein Anblick, wie er sich in Mitteleuropa außerhalb der Alpen sonst nirgends darbietet.

Blick auf das Riesengebirge, höchster Teil der Sudeten an der Grenze vom heute polnischen Niederschlesien zur Tschechei. Das Bild zeigt das Granitmassiv der Schneekoppe und die Riesenbaude. Das Riesengebirge ist Quellgebiet der Elbe. Bedeutende Wasserkraftwerke wie die Bobertalsperre versorgen die Region mit Stromenergie.

In den Hang des Riesengebirgskammes sind vier runde Kessel (Kare) eingesenkt, die 250 m tiefen sogenannten Schneegruben. Ihre letzten Schneereste blinken noch im Hochsommer in die Ebene hinaus, sie halten sich mitunter sogar bis zum Frühherbst, wenn wieder Neuschnee fällt. Der Weg führt von Krummhübel, am Fuße des Gebirges zwischen den Vorbergen, in einem Tal aufwärts. In etwa 600 Meter Höhe hören die Felder auf. An ihre Stelle tritt der Wald, der sich zunächst streifenförmig zwischen die Felder schiebt. Bäche eilen die Höhen herunter. Der Melzergrund, eine lange Waldschlucht, zieht sich bis dicht an den steilen Absturz der Schneekoppe hin. Am Ende der Schlucht führt der Pfad in Windungen zum Gebirgskamm empor. Die Bäume werden immer zerzauster und niedriger. Bei 1300 m überschreitet man die Baumgrenze. Auf der Höhe liegen Bergwiesen. Über dem kurzen Rasen wächst dicht an der Erde Knieholz und bildet runde Büsche. Hier und dort ragen kahle Felsen über den moorigen Wiesen empor. Das weiße, zottige Haar des Teufelsbartes zwischen Moosen und Steinflechten mahnt an den Berggeist Rübezahl. Langsam windet sich der Werg aufwärts. Wenn der Nebel sich etwas lichtet erkennt man auf der 1600 m hohen Gipfelfläche der Schneekoppe die Wetterwarte mit der runden Kuppel und das Gasthaus. Kalt weht hier oben der Wind. Die mittlere Jahrestemperatur ist nur 0 Grad. Für Breslau beträgt sie + 8,5 Grad. Eine herrliche Aussicht bietet sich. 100 bis 150 km weit schaut man hinab in das Land ringsum. Wie auf einer Landkarte erscheinen der schlesische und der böhmische Kamm, dazwischen die Sieben Gründe, in denen sich die Quellbäche der Elbe sammeln. Mehr als 1000 m tiefer liegt das grüne Land des Hirschberger Kessels.


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Großbürgertum und Proletarische Revolution Das Großbürgertum genoss Glanz und Gloria der „Wilhelminischen Epoche“, Wohlstand und Pracht des höfischen Lebens. Damen und Herren der besseren Gesellschaft“ gaben sich standesgemäß von Kopf bis Fuß. Zur gleichen Zeit gärte es in der in materieller und sozialer Abhängigkeit lebenden Arbeiterschaft. Sie forderte gleiche Rechte. Auf Kaiser Wilhelm I. - dessen Kanzler Fürst von Bismarck das „Sozialistengesetz“ geschaffen hatte - und seinen Sohn Friedrich Wilhelm III., den „99Tage-Kaiser“, folgte 1888 Kaiser Wilhelm II. In Erkenntnis der Diskriminierung der Arbeiterschaft, die unter Führung von Sozialdemokraten und Kommunisten aufbegehrte, bemühte sich der in der Außenpolitik gern säbelrasselnde Hohenzoller um inneren Frieden. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges rief er dem Volk zu: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“.

Die Titelseite der sozialdemokratischen Zeitung „DER WAHRE JACOB“ vom 18. April 1914 zeigt die für ihre Rechte demonstrierenden Frauen.

Der Studentischer Zweikampf: Die Mensur. Satisfaktionsdenken bestimmte das Leben in den akademischen Kreisen.

Die Wandlung Deutschlands vom Agrar- zum Industriestaat führte zu übervölkerten Städten, deren Fabriken Arbeit gaben. In den hastig errichteten Baracken und Mietskasernen mit Wohnungen, die je Zimmer oft mit 6 und mehr Personen belegt waren, entwickelte sich Frust. Niedrige Löhne und hohe Lebenshaltungskosten führten zur Erbitterung gegen „die da oben“, zumeist gegen die Werkmeister, die vielfach als „Antreiber“ verhasst waren und gegen die „Kapitalisten“, wie die Fabrikherren allgemein bezeichnet wurden. L. W.


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Der Großsegler „Gorch Fock“ Das Segelschulschiff wurde 1933 auf der Hamburger Werft „Blohm & Voss“ gebaut und diente dem in Stralsund stationierten 1. Schiffs-Stamm-Regiment zur Ausbildung des Offiziersnachwuchses. Am 30. April 1945 bei der Halbinsel Drigge gesprengt und versenkt, wurde das Schiff 1947 auf sowjetischen Befehl gehoben und in Rostock und Wismar wieder instandgesetzt. Am 15. Juni 1951 stellte die sowjetische Marine den Großsegler unter dem Namen „Towarischtsch“ in Dienst. Die fast baugleichen Schwesterschiffe „Horst Wessel“ und „Albert Leo Schlageter“ gingen als Reparationsleistungen unter den Namen „Eagle“ an die USA und „Sagres“ an Portugal. Die „Gorch Fock“ (I) konnte von einem Hamburger Verein erworben werben. Am 25. September 2003 kehrte das aufgrund nachlässiger Pflege stark beschädigte Schiff in seinen ursprünglichen Heimathafen zurück und liegt zur Reparatur auf der Stralsunder Werft im Stadthafen. Ein Verein sorgt für die völlige Wiederherstellung. Der nach dem Krieg bei der Bundesmarine – heute Deutsche Marine – in Dienst gestellte Großsegler „Gorch Fock“ (II) dient wiederum der Ausbildung des Offiziersnachwuchses. Der Name Gorch Fock war das Pseudonym des Dichters Johann Kinau (geboren am 22. 8. 1880, gefallen in der Skagerak-Schlacht am 31. 5. 1916), der in Erzählungen und Romanen volkstümlich, anschaulich und in derbem Humor die Welt der Seefahrer und Fischer, oft in Niederdeutscher Mundart darstellte. Nach dem Schriftsteller Rudolf Kinau, Bruder von „Gorch Fock“, benannte die Stadt Nienburg eine Straße.

Segelschulschiff „Gorch Fock“ (I) nahe der damaligen Lotsenstation im Stadthafen von Stralsund (Vorpommern). Der durch die vorgelagerte Insel Dänholm geschützte Hafen von Stralsund diente bereits 1287 als Ankerplatz. Wegen des niedrigen Wasserstandes konnten größere Schiffe jedoch nicht anlegen. Sie mussten auf Reede mit Hilfe von Schuten und Prahmen entladen werden.


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Exkursion 2006

ERB

2-Tages-fahrt nach Berlin Mo. 24./Di. 25. Juli 2006 (geplant) Museumsinsel – Berliner Dom Nds. Landesvertretung Checkpoint Charly Deutsche Staatsoper Stadtrundfahrt - Pfaueninsel

V

Berliner Dom, erbaut 1894-1905 von Kaiser Wilhelm II.

Interessenten, bitte anmelden!

-Montags-Club Mo. 27. 03. 15.00 Uhr „Preußen: Herrscher, Land und Leute“ Vortrag u. Film Mo. 24. 04. 15.00 Uhr „Allradabenteuer Namibia“ „Bwana Tucke Tucke“ (Carsten Möhle) berichtet

Landsmannschaften POMMERN Do. 02. 03. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag Do. 06. 04. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag Do. 04. 05. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag OST/WESTPREUSSEN–DANZIG Fr. 17. 03. 15.00 Uhr OHM Schabberstunde Fr. 21.04. 15.00 Uhr OHM Schabberstunde Fr. 19. 05. 15.00 Uhr OHM Schabberstunde

Freundeskreise BERLIN-BRANDENBURG Di. 28. 02. 15.00 Uhr OHM Fasching DIEPENAU (Termine und Tagungsort werden noch bekannt gegeben) EYSTRUP (VdV) Gasthaus Brinkmann , Eystrup Sa. 18. 03. 15.00 Uhr Heimatabend UCHTE Gasthaus Hofmeister, Uchte Mi. 22. 03. 15.00 Uhr Plaudernachmittag Mi. 16. 04. 15.00 Uhr Plaudernachmittag Mi. 17. 05. 15.00 Uhr Plaudernachmittag

Neue Öffnungszeiten: Montag – Freitag 9.30 – 19.00 Uhr, Sonnabend 9.00 – 18.00 Uhr


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Der Tipps vom Fach: Chefköchin Teresa Lonchant

„Aschinger“ am Alexanderplatz im Jahre 1909

Berliner Erbsen sind seit Generationen eine Berliner „Institution“ – ebenso wie die Bierlokale von „Aschinger“, in denen dieser Eintopf schon frühmorgens zu haben war. Dazu gab es noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts kostenlos so viel Schrippen wie man haben wollte.

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stellt vor:

Berliner Erbsen mit Ohr und Schnauze Zutaten: Fleisch von ½ gepökeltem Schweinekopf (Ohr, Backe, Schnauze), 250 g gelbe Erbsen, 2 Zwiebeln, 1 Lorbeerblatt, 2 Nelken, einige Pfefferund Gewürzkörner, 1 Bund Suppengrün, 2 Kartoffeln, Salz, 2 Esslöffel gewürfelter Speck oder Schmalz, 1 Teelöffel Majoran. Anwendung: Zunächst das Fleisch über Nacht wässern, sowie die gelben Erbsen über Nacht einweichen. Fleisch mit 1 ½ Liter aufsetzen, 1 Zwiebel abziehen und in Würfel schneiden, mit Lorbeerblatt, Nelken sowie Pfeffer- und Gewürzkörnern in den Topf geben und alles etwa 1 ½ Stunden weich kochen. Dann das Fleisch aus der Brühe nehmen, in Würfel schneiden und warm stellen. Die Erbsen in der durchgesiebten Schweinebrühe weich kochen, das geputzte und gewaschene Suppengrün und die geschälten Kartoffeln zu den Erbsen geben. Nochmals ½ Stunde kochen lassen und mit Salz abschmekken. Sodann die andere Zwiebel abziehen, würfeln und mit zerlassenem Speck oder Schmalz goldbraun anbraten. Mit Majoran und dem gewürfelten Fleisch zu der Suppe geben. Sehr gern nimmt man auch Spitzbein oder Würstchen. Die Suppe in einer Terrine mit frischen Schrippen (Brötchen) servieren.

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Dr. Ralf Weghöft und die poln. Gäste besichtigen das Löschfahrzeug

Feuerwehr Bartoszyce will Löschfahrzeug aus Nienburg

Ratsvorsitzender Janusz Dabrowski, Leiter der poln. Delegation aus Bartoszyce / Bartenstein, die vom 11.- 14. Februar in Nienburg zu Beratungen weilte, überbrachte Grüße von Stadtverwaltung und Rat. Teresa Lonchant zeichnete verantwortlich für die Organisation und managte das Programm in Nienburg.

Der betagte Fuhrpark der Feuerwehr Bartoszyce / Bartenstein hat Bedarf an brauchbarem Ersatz. Zu günstigen Konditionen will Nienburgs Feuerwehr helfen. Gerade wird hier das Fahrzeug „FL 8“ mit einer Feuerlöschkreiselpumpe ausgemustert, das trotz seiner 32 Jahre und bei nur 75.000 Kilometerleistung noch voll einsatzfähig ist. Fachleute meinen: es kann noch gut 12 Jahre Dienste leisten. Feuerwehrkommandant Leonard Boiwko war mit dem dortigen Stadtkämmerer Jaroslaw Sielawa und Ratsvorsitzendem Janusz Dabrowski erschienen, um nach Begutachtung in Kaufverhandlungen einzutreten. Ratsherr Dr. Ralf Weghöft und Museumsleiter Dieter Lonchant, beide Sprecher des „Freundeskreises Bartenstein“, hatten die Kontakte zu Bartoszyce hergestellt. Stadtbrandmeister Ellermann stellte nicht nur das Fahrzeug vor, sondern übernahm auch eine Führung durch Nienburgs Feuerwehr-Hauptwache am Berliner Ring.

Neue Zeitung Nr. 17 5. Jahrgang 2006  

Informationen des Ostdeutschen Heimatmuseums

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