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ZEITUNG

10 Jahre OHM Von der Heimatstube zum Historischen Museum Aus dem Inhalt NZ aktuell S. 2 Zu Gast bei Wilhelm II. Wer Wind sät ... Gastkommentar S. 3 Götterdämmerung über Deutschland Ostpreußen S. 4 Das Tannenberg-Denkmal Siedlungsgebiete S. 5 Trachten aus Egerland und Siebenbürgen Lebendiges Museum S. 6/7 OHM-Reporter berichten Sonderausstellung S. 8 „Von Bartenstein nach Bartoszyce – ein Blick nach Ermland-Masuren“ Schlesien S. 9 Das Wunder von Liegnitz Termine S. 10 Dekan Adolf Setlak kommt Kulinaria S. 11 Kartoffelsuppe á la Kaiser Wilhelm Traufenhaus S. 12 Internationales Symposium startet im Oktober Ostdeutscher Garten

Im Sommer 1992 hatte der Nienburger Kaufmann Klaus Praßler „nebenberuflich Schlesier“ - eine Idee: Nienburg braucht ein Museum für die Heimat im Osten. Kurzer Hand kaufte er das gerade verfügbare historische Traufenhaus in der Weserstraße und zusammen mit Dieter Lonchant, seit Jahrzehnten der Geschichte und Kultur der Vertreibungs- und Siedlungsgebiete der Deutschen verbunden, ging es 1994 an die Arbeit. Nach Gründung des Trägervereins öffnete 1996 das „Ostdeutsche Heimatmuseum“ (OHM). Nach 10 Jahren ist die anfängliche „Heimatstube“ nun zum öffentlich anerkannten historischen Museum gewachsen, das zugleich als Zentrum grenzüberschreitender Kulturarbeit weithin Anerkennung findet. In über drei Geschossen präsentieren sich Hinterpommern, Ostbrandenburg/Preußen, Ost/Westpreußen, Danzig, Schlesien sowie das Sudetenland mit den Siedlungsgebieten von Deutschen in Osteuropa, Asien und Übersee. Trotz beengtem Raum werden vielfältigste Exponate aus Geschichte und Kultur gezeigt, darunter Volkstrachten, Uniformen, Dokumente, Bilder, Landkarten, Porzellane, sowie Glas- und Handwerkskunst. Vorträge und Kulturveranstaltungen ergänzen das Angebot. Einmalig in Niedersachsen entsteht dieser Tage hinter dem Museum ein „Ostdeutscher Garten“. Am 10. Jahrestag signalisieren hohe öffentliche Akzeptanz, sowie steigende Mitglieder- und Besucherzahlen weiterhin erfolgreiches Wirken.

Adressaufkleber Am Anfang: 6 Vitrinen, zwei schlesische Trachten und das Vorderrad eines Fluchtwagens aus Ostpreußen: OHM-Gründer Klaus Praßler und Dieter Lonchant zur Eröffnung im Traufenhaus (Foto 1996) - Heute: 42 Vitrinen, 20 Puppen und Figurinen in 3 Stockwerken und 8 Abteilungen mit vielen Exponaten aller Art.


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3. Jahrg. 2004/3

+ NZ aktuell +++ NZ aktuell +++ NZ aktuell + +++

Zu Gast bei Kaiser Wilhelm II. Auf Einladung von Dr. P.L.J. Verroen, Direktor des Schloss-Museums „Haus Doorn“, besuchte im Juli eine Delegation der Führungsspitzen des Preußenmuseums Minden und des OHM den in Holland gelegenen Alterssitz des letzen Deutschen Kaisers, der ihm nach der Abdankung bei Ende des 1. Weltkrieges zum Exil geworden war. Das im gepflegten Park gelegene Schloß, das Wilhelm II. seinerzeit vom Holländischen Staat erworben hatte, zeigt das aus Berlin zugeführte Privateigentum der kaiserlichen Familie, wie Mobiliar, Porzellane, Silbersachen, Gemälde, Bücher, Bekleidung und alle Einrichtungsgegenstände, so wie sie einst der kaiserlichen Wohnung zugeordnet waren. Im Zuge der Sonderführung konnte auch die Familiengruft besichtigt werden. Bei der anschließenden Besprechung mit der Doorner Museumsleitung, wurden Möglichkeiten der Zusammenarbeit sowie der Austausch von Leihgaben erörtert. In Ausfüllung seines Auftrags will sich das OHM als historisches Museum künftig noch deutlicher der Präsentation von Geschichte und Kultur Preußens widmen. Schließlich waren Brandenburg, Ost- und Westpreußen, Pommern, sowie Schlesien bis 1945 preußische Provinzen.

Aus dem OHM-Gästebuch: „Es ist eindrucksvoll und bewundernswert, mit wie viel ehrenamtlichem Engagement 800jährige deutsche Geschichte im Osten anschaulich gemacht wird. Alles Gute!“ Christian Wulff, Ministerpräsident Traufenhaus, 12. Mai 2004

Als „Neue“ begrüßen wir: Gitta Eggers (Rohrsen), Ilse Macht (Neustadt), Gerhard Bredthauer, Albin und Brigitte Broszeit, Fritz Fischer, Hanno Liebtrau, Berthold (Berti) Müller, Edelgard Stenzel (alle Nienburg) Korporat. Mitgl.: DEULA Nienburg (Nr. 17)

Wer Wind sät... (nt.) BdV-Präsidentin Erika Steinbach blies in die schlaffen Segel des VertriebenenWindjammers. Ein „Zentrum der Vertreibung“ soll in Berlin erstehen. Die mit selbstgefälliger Nabelschau befaßte Altherrenriege der BdV-Funktionäre ist zufrieden. Schaffte man nicht den Umzug von Bonn nach Berlin, so hatte man wenigstens mal eine Idee. Doch nicht nur Beifall ist zu hören. Die endlich ruhig gestellten Vertriebenengegner wittern Morgenluft. Deutschlands Linke, verbündet mit Kriegsgegnern von gestern, blasen zur Attacke. Längst begrabene Feindparolen feiern Auferstehung. Was behutsam anzugehen war, wird Opfer von persönlichem Ehrgeiz. Jetzt geht es nicht nur mehr um das millionenschwere Steinbach-Denkmal, das aus eigenen Mitteln nicht zu bezahlen ist. Der Existenz bedeutender Museen und Stiftungen der Landsmannschaften droht womöglich das Aus, weil im Zuge einer politischen „Flurbereinigung“, deren von Bund und Ländern getragene Förderung im Gegenzug zur Disposition gestellt wird. Dann zahlen diejenigen die Zeche, die fern jeder Agitation für die alte Heimat wirken. Worum Steinbach und Funktionäre sich hätten bekümmern müssen, ist die Mobilisierung eigener Kräfte zur Zukunftssicherung dieser Einrichtungen. 800jährige Geschichte und Kultur der Vertriebenen, ihre Heimat, ihre bedeutenden Leistungen, auch die unsäglichen Leiden bei Flucht und Vertreibung sind es Wert, dargestellt und der Nachwelt erhalten zu werden. Dies steht nun auf dem Spiel. Vertrauen zu schaffen und Überzeugungsarbeit zu leisten ist angesagt, nicht selbstsüchtige Interessenwahrung von realitätsfernen Alt-Funktionären. Steinbach hat Wind gesäht, jetzt ernten Nichtbeteiligte Sturm.


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Götterdämmerung über Deutschland Es ist erst 15 Jahre her, da lagen sich Ossis und Wessis überglücklich in den Armen. Die Mauer fiel. Die rote Diktatur im Osten schien überwunden. SED-Bonzen und Stasi tauchten ab. Das Füllhorn westlicher Marktwirtschaft ergoß sich über Mitteldeutschland. Neue Straßen und Fabriken erwuchsen, der braunkohlverrußte Himmel wurde wieder blau. Kapitalistische Segnungen bescherten eigenes Telefon. Opel, VW und Mercedes hielten Einzug. Auf Mallorca wurde sächsisch Landessprache. Vorbei war es mit VEB, LPG, Produktionsgenossenschaft und Hauskollektiv. Was im Osten blieb war traute Erinnerung an den volkseigenen Schlendrian, Einkauf während der Arbeitszeit, vom Staat verplante Freizeit. Daß Wohlstand Arbeitswillen, Fleiß und Eigeninitiative verlangen, wollte nur wenigen in den Kopf.

Weil jetzt nicht alles wunschgemäß läuft kommt Nostalgie auf. Alte SED-Seilschaften, mit guter Pension abgefundene Genossen, tun ihr Werk. Gummige „DDR-Brötchen“ kommen wieder ins Angebot. Vergessen sind Spitzelei, Meinungsterror, Reiseverbot, DDR-KZs in Görlitz, Torgau und Brandenburg. Sportgrößen von Honeckers Gnaden werben in Ost und West für „einst herrliche“ Zeiten. Die Linke in den Medien wittert Morgenluft. Jeder Dritte im Osten wählt PDS. Die SPD liebäugelt aus Machtgier mit „rotroten“ Bündnissen. Vergessen sind Zwangsvereinigung zur SED von 1946, Verfolgung und Unterdrückung sozialer Demokraten. Ernst Reuter rotiert im Grab. Die Union, einst Bollwerk gegen die rote Springflut, betreibt Nabelschau. Droht bald „feindliche Übernahme“? Götterdämmerung über Deutschland.


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Das TannenbergDenkmal „Reichs - Gedenkstätte“ und Grabmal für den Sieger der Tannenberg - Schlacht: Generalfeldmarschall, Reichspräsident Paul von Beneckendorff und Hindenburg Nahe Hohenstein auf einem heute unscheinbaren Hügel legte Generalfeldmarschall von Hindenburg am 31. August 1924, dem Jahrestag der Tannenberg-Schlacht den Grundstein für ein Ehrenmal, das bis 1945 zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Ostpreußens gehörte. In den folgenden Jahren erwuchs für 2 Mio. gespendeter Reichsmark ein mächtiges Mauerachteck aus rotvioletten Klinkern, das am 28. September 1927 von Hindenburg, inzwischen zum Reichspräsidenten gewählt, eingeweiht wurde. Über 80.000 Menschen, vorwiegend Anhänger nationaler Verbände, hatten sich versammelt, als Hindenburg in der Uniform des nach ihm benannten 2. Masurischen Infanterie-Regiments Nr. 147, eskortiert von einem Reiterregiment, die Feierlichkeiten eröffnete. In seiner viel beachteten, mit der Reichsregierung abgestimmten Rede, widerrief er die im Artikel 231 des Versailler Vertrages enthaltene Kriegsschuldzuweisung der Siegermächte des 1. Weltkrieges an das alte Reich als „Kriegsschuldlüge“. .

„Hindenburg, der Retter Ostpreußens“, während der TannenbergSchlacht gegen die russische Armee, August 1914

Acht 23 m hohe Türme mit einer Grundfläche von 9 x 9 m, verbunden durch eine Umfassungsmauer umschlossen den 0,11 qkm großen, für Gedenkveranstaltungen vorgesehenen Ehrenhof. Einer der Türme, mit Gruft und Ehrenhalle versehen, nahm am 2. Oktober 1934 den Sarkophag mit dem Leichnam des zuvor verstorbenen Reichspräsidenten auf. Ende Januar 1945 wurde das Denkmal aus Sorge vor Schändung durch die vorrückende Rote Armee von deutschen Pionieren gesprengt. Der Sarg Hindenburgs war verlagert worden. Über viele Stationen wanderte er nach Marburg, wo er in der Elisabethkirche zur letzten Ruhe gebettet wurde. Die OHM-Ausstellung „Von Bartenstein nach Bartoszyce ...“ zeigt ein Modell des Denkmals.


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Trachten aus Egerland und Siebenbürgen Neue Abteilung im OHM In der neu gestalteten Abteilung „Siedlungsgebiete“ auf der Galerie im Obergeschoß des Traufenhauses mit Böhmischer Glaskunst, Schmuck- und Gürtlerwaren aus Gablonz, Stickereien und Wirkwaren aus Südosteuropa in Vitrinen und 10 auf Puppen gezogenen Volkstrachten aus dem Egerland und Siebenbürgen erweitert das OHM dieser Tage sein Ausstellugsangebot. Dazu gehören erläuternde Texte und Karten, die Einblicke geben in deutsches Brauchtum jenseits der ehem. Reichsgrenzen. Die Frauen-, Männer- und Kindertrachten aus Stadt und Land stammen vom Ende des 19. und Anfang Süd-Egerländer Tracht aus Marienbad des 20. Jahrhunderts. Sie wurden übereignet von privat und einem in Auflösung befindlichen Trachtenmuseum. Das OHM beschaffte zu erheblichen Kosten geeignete Puppen und präsentiert nun im heimischen Gewand: Braut zur Winterszeit mit Pelzumhang und Brautschmuck, Kirchgängerin im wollenen Schultertuch, Haube und Schnallenschuhen, Bürgerfrau im Festtagsstaat mit Seidenmieder Brokatbändern und handgestrickten Strümpfen, Mädchen und junge Frauen in bunten Ledermiedern, Kinder mit bestickten Mützen und Hemdchen, sowie Landleute in Janker, Kniebundhosen und Bänderhut. Das Museum ergänzt mit den neuen Trachten aus deutschen Siedlungsgebieten die in den Abteilungen „Ostbrandenburg / Preußen“, „Ost- / Westpreußen / Danzig“, „Hinterpommern“ und „Nieder- / Oberschlesien“ bereits gezeigten Trachten und Uniformen. Dazu wurde eine neue museumsgerechte Beleuchtungsanlage beschafft, die alle Exponate ins rechte Licht setzt. Neben Pflege von Mundarten, Liedgut, Brauchtum und Literatur sind Trachten deutlicher Ausdruck der Kultur, der sich das OHM nun durch die Präsentation dieser Trachten verstärkt annimmt.


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Das Urteil des Ministerpräsidenten über das : „Deutsche Geschichte im Osten wird anschaulich gemacht.“ Beim Rundgang, hier im Ausstellungsraum der Abteilung „Ostbrandenburg / Preußen“, würdigte Christian Wulff Arbeit und Präsentationen. Besonders die Preußen haben es ihm angetan. Museumsleiter Dieter Lonchant versprach dem zum Historischen Museum gewachsenen noch deutlicher preußischez Züge zu verleihen: „ Brandenburg, Pommern, Ostpreußen, Westpreußen und Schlesien waren schließlich preußische Provinzen.“ Die Kontakte zum Hohenzollern-Museum „Haus Doorn“ sollen ausgebaut werden.

Die „Deutsch-Polnische-Jugend-AG“, hier Teilnehmer aus Bartoszyce / Bartenstein mit ihrem polnischen Betreuer, tagte kürzlich im Traufenhaus und besichtigte die Ausstellungen. Das vom OHM unter Leitung von Vorstandsmitglied Bernd Brieber stehende, je zehn deutsche und polnische Jugendliche umfassende Projekt, findet im Oktober erneut in Nienburg statt. Auf dem Programm stehen Exkursionen in Vergangenheit und Gegenwart. Tagungsorte: Traufenhaus und Nienburger Jugendhaus.

An den „Bartensteiner Tagen“ - jeweils im Juni in Bartoszyce (Bartenstein) - nimmt seit Gründung der Städtepartnerschaft im Oktober 2002 als Ehrengast außer russischen und schwedischen Repräsentanten auch eine Nienburger Delegation teil. Neben Beratungen in der Stadt gehört stets ein geselliger Abend dazu mit Folklore und heimischen Kulinarien. In diesem Jahr war Bürgermeister Peter Brieber als Sänger zur Gitarre eine Attraktion. Der ostpreußischen Heimat verpflichtet, umfasste sein gekonnt vorgetragenes Repertoire auch „Zogen einst fünf wilde Schwäne“. (V.l.n.r.) In guter Laune: Ratsvorsitzender Janusz Dabrowski, Partnerschaftssprecher Dieter Lonchant, Peter Brieber und OHM-Vorstandsmitglied Bernd Brieber.


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Sebastian Edathy, SPD-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Nienburg – Schaumburg und OHM-Mitglied war Referent im im Juni. Sein Thema: „Indien – lockende Ferne“. Als Indien- Beauftragter des Deutschen Bundestages und zugleich durch seinen Vater der Republik Indien verbunden, vermittelte er als exzellenter Kenner von Land und Leuten ein umfassendes Bild von Geschichte, Kultur und heutiger Situation der einst britischen Kolonie. Die auch heute noch in zahlreichen Rassen-, Volks- und Stammesgruppen mit verschiedenen Sprachen und Religionen bei unterschiedlicher Kulturhöhe lebende Millionen-Bevölkerung ist nicht leicht zu regieren. Das über 3 Millionen qkm umfassende Land mit seinen Gebirgsregionen des Karakorum und Himalaja im Norden, die südlich anschließenden Flußebenen des Indus und Ganges, das Hochland von Dekhan und die wenig gegliederten Küsten bieten zudem in der Versorgung der Bevölkerung vielfältige Probleme. Das Verhältnis zu Deutschland bewertet Edathy als „konstruktiv“.

Anläßlich der Bestehens der 50jährigen Patenschaft zwischen dem Landkreis Nienburg und der „Heimatkreisgemeinschaft Bartenstein“ trafen sich Anfang September die heute bundesweit beheimateten ehemaligen Bartensteiner in Nienburg zur Jubiläumsfeier. Beim Festakt im Giebelsaal des Albert-Schweitzer-Gymnasiums überbrachten Landrat Heinrich Eggers, Bürgermeister Peter Brieber und Dieter Lonchant als Sprecher des „Freundeskreises Bartenstein“ Glückwünsche. Der neu gewählte Vorsitzende der Bartensteiner, Christian von der Groeben (Foto links), erhielt anläßlich seines Besuches im Traufenhaus den OHM-Ehrenteller .

Fachsimpelei unter Kollegen (v.l.n.r.): Im OHM-Saal „Schlesien“ informierten sich Staatsanwalt Szbigniew Romanowski (Bartoszyce/Bartenstein) und Amtsgerichtsdirektor Siegfried Bettges (Nienburg) über die Rechtslage. Bartenstein leidet unter zunehmender Rauschgiftkriminalität und Schmuggel aus Rußland. Dolmetscherin war Anna Holownia.

Herausgeber:

Historisches Museum –

Redaktion: Dieter Lonchant – Gastkommentator: Leo Warner – Korrektur: Inge Koslowski - Auflage: 700 Expl. Anschrift: Weserstraße 5 (Traufenhaus) 31582 Nienburg - Tel./Fax: (05021) 91 15 63 oder (05021) 92 44 01. Nächste Ausgabe: Nov. 2004


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Geöffnet von Mai 2004 bis April 2005:

Sonderausstellung

Grabmal des Hochmeisters Luther von Braunschweig (um 1275 -1335), ein Prunkstück der Ausstellung: Modell: Geheimes Staatsarchiv, Potsdam

„Von Bartenstein nach Bartoszyce ...“

Mit seiner mit ausführlichen Beschreibungen versehenen Sonderausstellung „Von Bartenstein nach Bartoszyce – ein Blick nach Ermland-Masuren“ zielt das Ostdeutsche Heimatmuseum auf die 2002 geschlossene Städtepartnerschaft Nienburgs zur Stadt Bartenstein / Ostpreußen (heute Bartoszyce), die sich mit Bildmaterialien und Exponaten aus der Neuzeit an der Ausstellung beteiligt. Beginnend mit der Besiedelung durch den Deutschen Orden (1226), über die Zeit als preußisches Herzogtum (ab 1525), Provinz des Deutschen Reiches, bis in die Neuzeit unter polnischer Herrschaft, gibt die Ausstellung interessante Einblicke in die über 800jährige weitgehend von Deutschen geprägte Geschichte und Kultur der Ordensgründung und späteren Kreisstadt an der Alle. Da sieht man Teile von Rüstung und Waffen der Kreuzritter, Dokumente, Städtesiegel, Chroniken, Gemälde, Standarten, Ausgrabungen und Modelle aus der Prussen- und Ordenszeit (Repliken, Staatsarchiv Potsdam und Preußenmuseum Minden), samländischen Bernstein sowie Pokale und sakrale Utensilien (Kulturstiftung TUI-Hannover). Historische Karten, Bilder aus alter und neuerer Zeit, Drucke, bäuerliche Gerätschaften und Exponate aus Haushalt und Werkstätten des vorigen Jahrhunderts werden ebenso vorgestellt, wie Uniformen eines Generals der Kaiserzeit und eines Unteroffiziers eines im 2. Weltkrieg in Allenstein stationierten Reiterregiments. Man sieht Bronzegüsse eines stattlichen Elches, der berühmten Trakehnerstute „Palmblüte“, des historischen Siegels der Universität Königsberg und der Totenmaske der Käthe Kollwitz. Die Polen steuerten aktuelles Bildmaterial, Wirkwaren und Porzellane bei und die Kreisgemeinschaft Bartenstein stellt Anschauungsmaterial aus der Vertreibungszeit. Ansprachen zur Eröffnung hielten Bürgermeister Krzysztof Nalecz (Bartoszyce) und Christian von der Groeben (Kreisgemeinschaft Bartenstein). Zuvor hatte Ministerpräsident Christian Wulff das OHM besichtigt und die Bartenstein-Ausstellung als „eindrucksvoll und bewundernswert“ bezeichnet.

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Das Wunder von Liegnitz Am 9. April 1241 schritt Herzog Heinrich II. von Schlesien zu einer Verzweiflungstat. Er wollte die Mongolen, die Europa seit Jahren in Angst und Schrecken versetzten, aufhalten. Bei Liegnitz, westlich der Oder, trat er mit rund 10.000 schlecht ausgerüsteten Männern, vor allem Deutschen und Polen, gegen die etwa viermal so große Horde des Reitervolkes aus Asien an. Als des Herzogs Heer aufgerieben, er selbst dabei besiegt und zu Tode gemeuchelt war, spießten die Mongolen seinen abgetrennten Kopf als Siegestrophäe auf eine Lanze und setzten an zum Sturm auf Liegnitz, die letzte Festung, die sich hatte halten können. Alles schien verloren. Doch dann geschah ein Wunder. Plötzlich zogen die Mongolen ab. Später erfuhr man, daß im fernen Asien ein neuer Herrscher gewählt werden mußte. Die Menschen in Europa konnten endlich wieder aufatmen. Was die Mongolen hinterließen, waren zerstörte Städte und geplündertes Land. Häuser, Hütten und Kirchen waren niedergebrannt, das Vieh abgestochen, die Felder verwüstet, unzählige Männer, Frauen und Kinder brutal ermordet. Der Wiederaufbau Schlesiens begann. Deutsche aus dem Westen kamen ins Land. Die Bauern bestellten ihre Äcker. In den Städten blühten bald wieder Handel und Gewerbe.

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Die Mongolen, im Volksmund „Tatern“ genannt, mit dem abgeschlagenen Haupt des Herzogs Heinrich II. (Nach einer Darstellung aus dem Hedwigsaltar von 1453 aus der St. Bernhardkirche in Breslau)

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Bartensteins Dekan kommt ins OHM

ERB

V August-Exkursion ins „Ostpreußische Landesmuseum Lüneburg“: Ein voller Bus mit OHM-Mitgliedern. Foto: OHM-Vorstand und Lüneburgs stellv. Museumsdirektor Dr. Hinkelmann (r.)

September Mo. 27. 09. Oktober Mo. 25. 10. November Mo. 29. 11. Dezember Mo. 27. 12.

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Erntezeit „Wir haben das Korn geschnitten“ Dichtung und Wahrheit Agnes Miegel: Rezitationen Rezepturen zum Advent Weihnachtsbäckerei Kaminabend Jahresausklang

Weitere Veranstaltungen LM BERLIN-BRANDENBURG Mo. 27. 10. 18.00 Uhr Erntefest Traufenhaus, Nienburg LM OST/WESTPREUSSEN–DANZIG Fr. 22. 10. 15.00 Uhr Schabberstunde Traufenhaus, Nienburg LM POMMERN Do. 07. 10. 15.00 Uhr Pommernnachmittag Traufenhaus, Nienburg FREUNDESKREIS EYSTRUP Fr. 08. 10 15.00 Uhr Kaffeenachmittag Gasthaus Brinkmann, Eystrup FREUNDESKREIS UCHTE Mi. 29. 09. 16. 00 Uhr Kaffeenachmittag Mi. 27. 10. 16.00 Uhr Kaffeenachmittag je Gasthaus Hofmeister, Uchte FREUNDESKREIS WINZLAR. Di. 05. 10. 07.00 Uhr, Anfragen: E. Beilfuß 4-Tagesfahrt an die Mosel

Adolf Setlak, Pfarrer der Stadtkirche Bartenstein, zugleich Beauftragter des Papstes für Ermland-Masuren im Range eines Bischofs, besucht Nienburg zusammen mit dem Ratsvorsitzendem Janusz Dabrowski und einer Kirchenmusikerin auf Einladung des OHM. Das Programm sieht vor ein „Festliches Konzert“ im Quaet-Faslem-Haus am 17. 09. um 19.00 Uhr, Besuch der Altstadt und der Kirchen St. Martin und St. Bernward. Setlak will das Traufenhaus besichtigen und weihen.


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Was bei Hof geschätzt wurde Tipps vom Fach:

Chefköchin Teresa Lonchant

Die biedere Deutsche Küche von Heinrich Heine Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich alt-germanische Küche. Sei mir gegrüßt mein Sauerkraut, holdselig sind deine Gerüche. Gestovte Kastanien im grünen Kohl, so aß ich einst bei der Mutter! Ihr heimischen Stockfische seid mir gegrüßt, wie schwimmt ihr klug in Butter. Jedwedem fühlenden Herzen bleibt das Vaterland ewig teuer. Ich liebe auch recht braun geschmort, die Bücklinge und Eier. Wie jauchzen die Würste in spritzendem Fett. Die Krammetsvögel, die frommen, die Englein garniert mit Apfelmus, die zwitschern mir „Willkommen!“

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Der vor:

stellt

Kartoffelsuppe á la Kaiser Wilhelm Zutaten: 1 Bund Suppengrün, 600 g geschälte Kartoffeln, 1 ½ Liter Rinderbrühe, 1 Speckschwarte, ½ Teelöffel Kümmel, 1 kl. Lorbeerblatt, 1 Knoblauchzehe, 30 g Butter, 60 g magerer Speck, 1 Zwiebel, 1 Teelöffel Majoran, 1 Bund Petersilie, etwas kalte Butter, Pfeffer aus der Handmühle, Salz und Muskatnuss. Anwendung: Suppengrün putzen und waschen, die Hälfte davon und etwa 2/3 der Kartoffeln grob würfeln und mit der Brühe zum Kochen bringen. Speckschwarte, Kümmel, Lorbeerblatt und Knoblauch hinzufügen und gar kochen. Dann durch ein Sieb streichen. Restliche Kartoffeln und Suppengrün in kleine Würfel schneiden, in Butter anschwitzen und in der durchsiebten Suppe etwa 30 Minuten weich kochen. Inzwischen die Zwiebel abziehen und mit dem mageren Speck in kleine Würfel schneiden, beides goldgelb anrösten, zum Schluß Majoran darüberstreuen, durchschwenken und alles in die Suppe geben. Petersilie waschen, fein hacken und mit der kalten Butter unter die Suppe rühren, schließlich mit Pfeffer, Salz und Muskat abschmecken.

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Der Ablauf des Symposiums ist festgelegt (v.l.n.r): Museumsleiter Dieter Lonchant, Horst Lahmann und Heinz Wunderlich NLPB Hannover, OHM-Beirat Heinz Intemann und OHM-Vorstandsmitglied Bernd Brieber

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Dazu gehören Professor Dr. Christoph Kleßmann (Universität Potsdam), Horst Lahmann (Regierungdirektor NLPB Hannover), Annelies Langner (Landesvorsitzende der Deutsch-Poln. Gesellschaften in Niedersachsen), Prof. Dr. Andrzej Nieuwazny (Universität Pultusk / Warschau) und Dr. Zbigniew Willkiewicz (Gesamteuropäisches Studienwerk Vlotho). Von seiten des OHM wirken mit: Bernd Brieber (ehem. Militärattaché Deutsche Botschaft Warschau), Heinz Intemann (Stadtdirektor a.D. Nienburg, O.B.E.) und Museumsleiter Dieter Lonchant (ehem. Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, MdA). Das Seminar wird getragen von der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Hannover, NLPB) und dem OHM. Interessenten wird wegen begrenzter Teilnehmerzahl sofortige Anmeldung empfohlen.

Symposium startet im Oktober Die Vorarbeiten für vier in Nienburg und Bartenstein (Ostpreußen) vorgesehene Seminare des OHM-Symposiums zur deutsch-polnischen Geschichte sind abgeschlossen. Die Auftaktveranstaltung findet in Nienburg wechselseitig im Traufenhaus und im Quaet-Faslem-Haus in der Zeit vom 13. – 16. Oktober 2004 statt. Zum Thema „Gemeinsam nach Europa“ konnte ein international bekanntes, hochkarätiges Referenten-Team gewonnen werden, das sich aus unterschiedlicher Sicht in Vortrag und Diskussion der Geschichte und Gegenwart stellt.

Der „Ostdeutsche Garten“ des OHM nimmt Gestalt an: Bachbett und Teich sind angelegt. In Kürze startet die Bepflanzung mit heimatlichen Gewächsen.

Neue Zeitung Nr. 11 3. Jahrgang 2004  

Informationen des Ostdeutschen Heimatmuseums

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