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ZEITUNG

OHM weiterhin Motor der Städtepartnerschaft Aus dem Inhalt NZ aktuell S. 2 Jugend-ForschungsProjekt Naturschutz in Bartenstein Staatsbesuch S. 3 Ministerpräsident Christian Wulff im OHM OHM S. 4 Der Deutsche Orden Pommern S. 5 Koarl und de Schweetfäute Aus dem Vereinsleben S. 6 Valentins-Empfang Versorger „Nienburg“ Neuer Prospekt Sudetenland S. 7 „Granaten“ im Modltal Schlesien S. 8 Glanz und Elend von Landeshut Brandenburg S. 9 Märkischer Wein Termine S. 10 Unsere Sprache Kulinaria S. 11 Ostpreußen: „Königsberger Fleck“ Umschau S. 12 Feuerschutztreppe Holzauktion

-nt. In Ausfüllung des Partnerschaftsvertrages zwischen OHM und Stadt Bartenstein / Ostpreußen (Bartoszyce) trafen sich Delegationen beider Vertragspartner bereits zwei Mal in diesem Jahr in Bartenstein und in Nienburg. Auf der Tagesordnung standen jeweils Maßnahmen zur Intensivierung gemeinsamer Kulturarbeit und der Völkerverständigung. Mit Hilfe des OHM soll noch in diesem Jahr der Aufbau eines Regionalmuseums in Bartenstein erfolgen, dessen Sitz im historischen Heilsberger Tor in den Räumen des Heimatmuseums aus deutscher Zeit sein wird. Zusammenarbeit wurde auch für die Gestaltung der neuen Sonderausstellung des OHM im Traufenhaus verabredet. Sie trägt den Titel „Von Bartenstein nach Bartoszyce“ und gibt Einblicke in die Entwicklung Ostpreußens unter besonderer Berücksichtigung Bartensteins. Beteiligt an der Ausstellung sind das Preußenmuseum Minden, das Ostpreußische Landesmuseum Lüneburg und das Archäologische Museum Allenstein (Olzstyn). Ein weiterer bedeutender Brückenschlag gelang dem OHM jetzt mit der Begründung von Kontakten zum Bartensteiner Klerus. Dekan der seit 1945 katholischen Stadtkirche ist Adolf Setlak, ein enger Vertrauter des Papstes, im Rang eines Bischofs. Er hat zugesagt, noch in diesem Jahr das OHM und Nienburg zu besuchen. Zur Vorbereitung seiner Reise hatte der Geistliche die Nienburger Delegation in seine Bartensteiner Residenz eingeladen und zuvor das Engagement des OHM für die Völkerverständigung während des Gottesdienstes gewürdigt.

Adressaufkleber Mehrstündige Beratungen im Rathaus zu Bartenstein / Ostpreußen (Bartoszyce) mit Bürgermeister Krzysztof Nalecz, Ratsvorsitzendem Janusz Dabrowski, Lyzeumsdirektorin Anna Jurgilewicz und der Nienburger OHM-Delegation: Gero Sommerfeld, Jürgen Kramer, Dieter und Teresa Lonchant, Heinz Intemann und Anna Holownia


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3. Jahrg. 2004/2

+ NZ aktuell +++ NZ aktuell +++ NZ aktuell + +++ startet „Jugend-ForschungsProjekt“

Die Erforschung der Geschichte und Kultur von Nienburg und Bartenstein / Ostpreußen (heute Bartoszyce) ist das Ziel einer Jugendgruppe aus beiden Partnerstädten, die sich dieser Tage zum ersten Mal in Nienburg trifft. Nach gemeinsamer Übereinkunft von Stadt Bartenstein und OHM besteht die Gruppe aus 10 Schülern des Bartensteiner Lyzeums mit Begleitern und 10 jungen Nienburgern aus Jugendgruppen. In dem zunächst auf drei Jahre angelegten Projekt wird in Chroniken und sonstigen Quellen recherchiert. Die Ergebnisse sollen in einer zweisprachigen Dokumentation festgehalten werden. Gedacht ist auch an eine „Foto-Safari“ durch beide Städte mit der Erstellung einer Bild-Text-Ausstellung, die hier und dort präsentiert werden soll. Das Treffen dieser Tage in Nienburg dient dem gegenseitigen Kennenlernen und der Festlegung des Forschungsprogramms. Im Herbst findet ein weiteres Treffen in Nienburg statt, bei dem nach getrennter Vorbereitung das erste der Themen bearbeitet wird. 2005 findet das nächste Treffen in Bartenstein statt. Die Leitung des Projekts hat OHM-Vorstandsmitglied und Initiator Bernd Brieber übernommen. -nt

Lesermeinung „ ... Ein besonderer Höhepunkt war Ihr Empfang zum Valentinstag mit den Ehrengästen aus Bartoszyce und dem Vortrag von Dr. Veit Veltzke über den Deutschen Orden und die Entstehung Ostpreußens ...“ Horst Fiedler, Nienburg

Wir begrüßen neue Mitglieder: Irena Sawicka (Bartenstein / Bartoszyce, Polen), Horst Barthel, Günter Brüggemann, Claus Jezek (alle Liebenau), Ewa Hagemann, Rainer Hagemann, Hiltrud Ommen, Ernst Siedenberg (alle Nienburg).

Winterstimmung an der Alle (poln. Lyne) in Bartenstein / Bartoszyce. Aufnahme Januar 2004

Umwelt- und Naturschutz in Bartenstein / Bartoszyce: Umweltschutz und Naturpflege, in Polen bislang eher nachlässig behandelt, feiert in Bartenstein / Bartoszyce Auferstehung. Die seit Jahren mit Unrat verschmutzte Alle (Lyne) soll jetzt regeneriert und zu biologisch neuem Leben erweckt werden. Unter Führung der stellv. Ratsvorsitzenden Irena Sawicka (seit Februar Mitglied im OHM) hat sich der Verein „Ozywic Lyne / Regenerierte Alle“ - gegründet, der den umweltbelasteten Fluß im Raum Bartenstein säubern und der Natur zurückgeben will. Ehrenamtlich ausgeführte Maßnahmen, in Polen weitgehend noch Neuland, sollen zugleich helfen, die im Ursprung reizvolle Alle-Landschaft auch für den Fremdenverkehr anziehend zu machen. Im Zuge der Partnerschaft ist das OHM dem Verein beigetreten und wird nach Kräften die gute Sache unterstützen. LRL


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Christian Wulff im OHM Großer Tag im OHM. Nach Besichtigung der Ausstellungen würdigte Ministerpräsident Christian Wulff am 12. Mai im Traufenhaus das der Historie verpflichtete ehrenamtliche Wirken des Museums. Vor über 50 ausgewählten „VIPs“ stellte Wulff fest: „Die Pflege der deutschen Geschichte gehört zum Kernbereich der Arbeit der Landesregierung. Das Ostdeutsche Heimatmuseum und sein Team mit seinem der Völkerverständigung dienenden Engagement ist ein wirklicher Imageträger Nienburgs.“

Fototermin am OHM-Portal: Bürgermeister Peter Brieber, Landtagsabgeordneter Karsten Heineking, Ministerpräsident Christian Wulff, OHM-Chef Dieter Lonchant, stellv. Landrat Jan Ahlers (MdL) und Landtagsabgeordnete Marie-Luise Hemme. Gäste: OLT Romald Myrzik, Uwe Sander (Barre-Bräu), Ministerpräsident Wulff.

Oben: Beirat Gero Sommerfeld, Christian Wulff und Karsten Heineking (MdL) beim Eintrag ins OHM-Gästebuch. Links: Dieter Lonchant überreicht den OHM-Erinnerungsteller an Christian Wulff.


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3. Jahrg. 2004/2

Der Deutsche Orden Zur neuen Sonderausstellung:

„Von Bartenstein nach Bartoszyce ...“ Eröffnung Mai 2004 Am 14. Mai hat das OHM seine neue Sonderausstellung eröffnet, die sich unter dem Titel „Von Bartenstein nach Bartoszyce“ in Zeitschritten der Kultur und Geschichte Ostpreußens unter besonderer Berücksichtigung von Nienburgs Partnerstadt Bartenstein widmet. Bedeutender Raum nimmt dabei die Darstellung des Deutschen Ritterordens ein, der in der Geschichte Deutschlands und Polens eine bedeutende Rolle spielt. Es sind über 800 Jahre vergangen, seit 1190 in Akkon ein Feldspital für kranke Pilger und Kreuzfahrer durch Bürger aus Bremen und Lübeck gegründet wurde. Ein Jahr später nahm der Papst diese „Deutschen Brüder der Kirche St. Mariens zu Jerusalem“ unter seinen Schutz und verfügte 1198 die Umwandlung in einen Ritterorden, der als „Deutscher Orden“ in die Geschichte eingehen sollte. Der polnische Herzog Konrat von Masowien bat 1226 den Orden, ihm gegen die heidnischen

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Ordensritter an der Weichsel, Gemälde von Fritz A. Pfuhle

Prussen beizustehen. Nachdem Kaiser Friedrich II. dem „Deutschen Orden“ das Kulmer Land und alle weiteren Eroberungen im Prussenland als autonomes Herrschaftsgebiet garantiert hatte, überschritten die ersten Ordensritter 1231 die Weichsel, vereinigten sich mit dem livländischen „Schwertbrüderorden“ und brachten bei gleichzeitiger Christianisierung bis 1283 die gesamte Region unter ihre Herrschaft. Man baute Burgen, gründete Städte und Dörfer, besiedelte und kultivierte das Land. Sitz des Hochmeisters war die Marienburg an der Nogat. Nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg 1410 begann der Verfall des Ordens. Der Ordensstaat ging 1525 in ein weltliches Herzogtum über und wurde später Provinz Preußens.


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Koarl und de Schweetfäute In Groß Belz nahe Zanow am Gollenberg ist Kriegerfest. Abends wird getanzt. Die Ballkönigin ist unbestritten Anna Pomrehn. Sie ist die Schönste von allen und tanzt wie eine Elfe. Keinen Tanz läßt sie aus. Karl Peglow hatte schon lange ein Auge auf sie geworfen und pirschte sich in einer Tanzpause heran, um beim nächsten Tanz der Erste zu sein. Doch als er sie mit tadelloser Verbeugung beim Einsetzen der Musik auffordert, dreht Anna sich schnell zur Seite und sagt: „Ich danke“. Da wird es dem Karl zu bunt. Das war ein Verstoß gegen Kodex des Tanzbodens. Das hatte es im Dorf noch nie gegeben. Wutschnaubend geht er zum Festleiter und legt Beschwerde ein. Der hört sich den Vorfall an und entscheidet: „Denn will wi dat Mäke ranhoale, dat sei sick verdiwendiere kann.“ Anna wird geholt und befragt: „Hei rögt so noa Schweetfäute“, sagt sie freimütig. Gegen diesen Einwand war nicht anzukommen, denn der Festleiter riecht selbst den penetranten Geruch. Er entscheidet: „Koarl, do träkst di rejen Strümp an, und do, Anna, danzt denn mit em“. Damit sind beide einverstanden. Karl ruft schnell seinem kleinen Bruder Albert zu: „Hol mi rejen Strümp“. Und der macht sich sofort auf, die reinen Strümpfe zu holen, denn er will bald wieder durchs Saalfenster zugucken, wie die Tänzer sich abplacken. Als Karl seine Strümpfe gewechselt geht er selbstbewußt auf AnnahatPomrehn zu und macht wieder seine Verbeugung. Diesmal wird er nicht abgewiesen. Doch kaum hat er mit seiner Schönen drei Takte getanzt, fällt diese in seinen Armen in Ohnmacht. Die Musik setzt aus. Alles will sich um Anna bemühen. Doch bald merkt man, daß von Karl wieder ein fürchterlicher Gestank ausgeht. Der Festleiter stürzt auf ihn zu und schreit: „Hew ick di nich söjt, do schaßt rejen Strümp anträcke?“ Da zieht Karl gekränkt die schmutzigen Strümpfe aus der Brusttasche seines Rockes, hält sie dem Festleiter unter die Nase und sagt: Köslin, Hinterpommern „Glöws mi nu, dat ick rejen Strümp (poln. Koszalin) nahe Zanow, anrucke häw?“ F.O. gegründet 1188, Marktplatz und gotische Marienkirche

Dramburg (Drawsko) a. d. Drage, Pommerscher Höhenrücken


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Valentins-Empfang: Über 60 „Promis“ aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung nahmen am traditionellen Empfang des OHM am 14. Februar im Traufenhaus teil. Museumsdirektor Dr. Veit Veltzke hielt den Festvortrag. Grüße überbrachten Landrat Heinrich Eggers und 1. stellv. Bürgermeister Rolf Warnecke. Für ihren Einsatz zum Wohle des Museums wurden von OHM-Chef Dieter Lonchant besonders belobigt: Walter Gleich, Werner Grubert, Inge Koslowski, Teresa Lonchant und ihr Service-Team, Gero Sommerfeld, Karin und Willy Tams, sowie Annelie Tannhauer.

Fregattenkapitän Maximilian Heidenreich, gegenwärtig Hafenkapitän im Marinestützpunkt Wilhelmshaven, referierte im voll besetzen Saal „Schlesien“ des Traufenhauses über die Fahrten des Marine-Versorgers „Nienburg“ mit dem spannenden und riskanten Einsatz vor Mogadischu / Somalia an der ostafrikanischen Küste (Indischer Ozean). Im Anschluß daran stellte Museumsleiter Dieter Lonchant historische und moderne Schiffsmodelle vor und beschrieb das Schicksal dieser Schiffe. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Nienburg statt.

Ein neuer Museumsprospekt wurde von der „Mittelweser-Touristik“ aufgelegt. Er beschreibt die Nienburger Museumslandschaft: „Ostdeutsches Heimatmuseum“, „Nienburger Museum“ (Museumsverein für die Grafschaften Hoya, Wölpe und Diepholz), sowie „Vogelersches Haus“, das vom „Heimatverein Holtorf“ unterhalten wird. Zusammen mit dem Leiter der „Mittelweser-Touristik“, Martin Fahrland (Foto: 2. v. l.), stellten die Museumsleiter Ernst Siedenberg, Dr. Eilert Ommen und Dieter Lonchant den neuen „Flyer“ der Presse vor. Die weitgehend aufgebrauchten Exemplare des alten Prospekts werden damit ersetzt.


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„Granaten“ im Modltal Die dunkelroten Halbedelsteine der „Böhmischen Granaten“, die schon einmal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für unsere Großmütter ein begehrter Modeschmuck waren, beginnt man heute wieder zu schätzen. „Granaten“ aus Böhmen, deren Fundorte in den sonnigen Ebenen von Trebnitz, Töpley, Skalitz und Podseditz lagen, übertrafen die Vorkommen in Südtirol und auch in Übersee bei weitem an Farbe und Härte. Im Modltal fand sich der gelblich-graue Lehm, in dem die blutroten Halbedelsteine steckten. Meist waren sie schon an der Oberfläche und man konnte sie leicht herausbrechen. Nur wo die Lehmschicht in die Tiefe reichte, schlug man Stollen und Schächte. Ohne technische Hilfsmittel und auf primitive Weise, förderte man die „Granaten“ zu Tage. Mit Eimern wand man die granathaltige Erde hoch, schwemmte sie durch Siebe und wusch die Steine in Holztrögen. Die größten „Granaten“ fischte man dabei sogleich heraus, die kleinen und kleinsten klaubten die Familien der Granatsucher in den Wintermonaten mit den Fingern heraus. In verschieden gelöcherten Sieben wurden die unregelmäßigen Granatstücke sortiert. “Sätzen“ nannten die Böhmerwäldler diese Tätigkeit, die sich häufig noch durch das Schleifen der Steine ergänzte. Sie gaben den Böhmischen „Granaten“ dabei den sogenannten „Bauernschliff“, der jedoch um die damalige Jahrhundertwende ganz durch die feineren Schliffe der Granatschleifereien in Turnau und Eisenbrod abgelöst wurde. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen die Granatbauern aus dem Modltal nach Lobositz, Laun und Leitmeritz und verkauften ihre Granaten hier für schwere Gulden. Herausgeber:

- Redaktion: Dieter Lonchant – Lay-out: Lutz R. Lonchant – Korrektur: Inge Koslowski Auflage: 700 Exemplare - Anschrift: Weserstr. 5 31582 Nienburg / Weser - Tel./Fax: (05021) 91 15 63 oder (05021) 92 44 01. Nächste Ausgabe: Sept. 2004

Für ein Lot gewaschener „Granaten“ zahlten vor gut 100 Jahren die Einkäufer aus fast allen Ländern Europas 50 Goldgulden und mehr. Dabei gingen nur fünf bis sieben Stück mittelgroßer „Granaten“ auf dieses seinerzeit übliche Handelsmaß. Als im vorigen 20. Jahrhundert die Nachfrage nach dem Schmuck aus böhmischen Granaten abflaute, als die Schmuckwaren aus Gablonz sich als die stärkere und billigere Konkurrenz erwiesen, war die Blütezeit der „Böhmischen Granaten“ vorbei. Nur in bestimmten Kreisen und Sippen gehören die “Böhmischen Granaten“ auch heute noch zum Familien- und Brautschmuck und werden sorgsam bewahrt. Die Sudetendeutschen aber sind weiterhin stolz auf die Edelsteine ihrer Heimat. LRL


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Glanz und Elend von Landeshut Hirschberg im Riesengebirge, westlich von Landeshut (nach einem alten Stich)

Die Kreisstadt an der schlesisch-böhmischen Grenze, die in einer flachen Gebirgsmulde zwischen dem Waldenburger Bergland und dem Riesengebirgskamm am oberen Bober liegt, verdankte seine wirtschaftliche Blüte dem ansässige Leinengewerbe mit seinen weltweiten Handelsbeziehungen. Begünstigt wurde der Frachtverkehr durch eine Naturstraße, die über den Landeshuter Pass führte und insbesondere den Durchgangshandel begünstigte. Über sie gelangten 1242 Benediktinermönche aus Opatowitz bei Königgrätz ins Land, wo sie das Kloster Grüssau gründeten. Landeshut besaß schon 1334 das „Meilenrecht“, ab 1341 das Salzmarktrecht und das Baumonopol. Die Paßstraße brachte aber auch wiederholt kriegerische Heere nach Landeshut. 1426 brannten die Hussiten die Stadt nieder. 1471 fielen böhmische Landsknechte ein und der 3ojährige Krieg brachte Plünderungen und Epedemien. Die Pest hielt reiche Ernte. Erst nach dem Westfälischen Frieden begann mit der erneut erstarkenden Tüchnerzunft wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung. Vorher um 1521 wurden 40 Meisterbetriebe gezählt. 1677 schlossen sich die Kaufleute zur „Kaufmannssozietät“ zusammen, die 1788 auf 89 Mitglieder anwuchs. Zu dieser Zeit führte Landeshut fast 3.000 Schock Leinewand ins Ausland aus. Der erwirtschaftete Wohlstand erlitt jedoch am Ende des 18. Jahrhunderts während der Gegenreformation einen deutlichen Rückschlag, weil Repressalien durch das nahe Kloster Grüssau einsetzten. Abt Rosa betrieb unter Einsatz der gefürchteten „Lichtensteiner Dragoner“ die Rekatholisierung der evangelischen Bevölkerung. Dabei wurden 800 evangelische Weber nach der Lausitz vertrieben. Danach konnte sich die Wirtschaft aber wieder erholen. Zum Kreis Landeshut gehörten auch die kleinen Städte Liebau und Schömberg, die ebenfalls Schwerpunkte schlesischer Leineweberei waren und die auch zum Wohlstand der Region beitrugen. LRL

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„Vom Märkischen Sande der Wein fährt wie die Säge zur Kehle herein“ Wer weiß schon, daß im schlesischen Grünberg, in Tschicherzig (Kreis Züllichau) und bei Bomst in Ostbrandenburg Wein angebaut wurde. Alte Abbildungen zeigen auch die Abhänge des Lebuser Landes westlich der Oder von Weinbergen bedeckt. Schon 1308 wurden Winzer in Frankfurt / Oder erwähnt. 1572 war dort von 83 Weinbergen die Rede und den gleichen Umfang verzeichnen wir noch 200 Jahre später. Der Ertrag dieser Weinberge betrug 1797 / 98 ungefähr 540 Hektoliter. An Rotweinen wurden 1886 „Gemeinroter“ und „Kleberoter“, an Weißweinen „Schönedel“ und der jetzt wieder aufkommende „Elbling“ angebaut. Die märkischen Marken hatten Handelswert und die Oder brauchte sich vor dem Rhein nicht allzu ängstlich verstecken. Frankfurt, Küstrin, Landsberg, Wrietzen, Sommerfeld, Krossen und Guben waren einst „Weinstädte“. Vom Krossener Wein wurde sogar behauptet, er sei besser gewesen als der ungarische. In den Ratskellern und den zahlreichen Bürgerausschänken wurden seinerzeit ganz beträchtliche Mengen Wein getrunken. Allerdings sorgten hohe Abgaben dafür, daß die Liebhaber süffiger Marken anderer Regionen nicht zu leicht in Versuchung gerieten. Wie die Gemarkungsnamen zeigen, war der

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„Weinstadt“ Guben, in der Niederlausitz, Stadtrechte 1235, (heute poln. Gubin): StadtpfarrKirche und Rathaus

Weinbau im späten Mittelalter bis nach Ostpreußen verbreitet. Allerdings waren die Ansprüche auch geringer, aber auch die Temperaturen waren zeitweise milder. In Güldendorf-Tzschetzschnow wird an Hauswänden und in Gärten heute noch Wein angebaut und auch gekeltert. Sonst ist der Weinbau eine den meisten unbekannte Erinnerung und die Hänge, an denen man noch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Weinbauterrassen erkennen konnte, sind längst umgestaltet worden. LRL

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ERB

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Jeden 4. Montag im Monat: Brauchtum – Filme – Berichte – Rezitationen – Musik - Kulinaria

Januar Mo. 26. 01. Februar Mo. 23. 02. März Mo. 29. 03. April Mo. 26. 04. Mai Mo. 24. 05. Juni Mo. 21. 06.

V

Märchenstunde Wilhelm Hauff: „Das kalte Herz“ Rosenmontag Probieren & Genießen: Kulinaria Welt der Fabel George Orwell: „Farm der Tiere“ Volkstrachten „Die Siebenbürgen-Sachsen“ Theaterabend G.- E. Lessing: „Minna von Barnhelm“ Blick in die Ferne Sebastian Edathy (MdB): „Indien“

Sonderveranstaltungen Juni Do. 17. 06.

Mi. 30. 06.

Juli 17. – 24. 07.

Wir gedenken der Ereignisse vom Volksaufstand 1953 18.00 Uhr, OHM Nienburg Traufenhaus Herings- und Pellkartoffelessen aus Anlass des traditionellen Nienburger Scheibenschießens 16.00 Uhr, OHM Nienburg Traufenhaus und Museumsgarten LM Pommern Vorsitzender Walter Gleich Reise nach Rowe an der Ostsee (Hinterpommern) * * *

Unsere Sprache Wer ihrer Farben Spiele spielt, sie herrlich wie Musik erfühlt, wem dieser Zärtlichkeiten Klang ganz tief in Herz und Seele drang, der wird sich diesen Schatz bewahren – gegen alle die Gefahren! Deshalb den „Blumengarten“ hegen und uns´re deutschen Worte pflegen. Mit heißem Herzen überzeugen sich nicht vor fremden Klange beugen, damit kein Deutscher je vergißt daß uns´re Sprache Heimat ist! Willi Joseph, Kreuzkrug (Raddestorf)

Juli Mo. 26. 07. August Mo. 30. 08. September Mo. 27. 09. Oktober Mo. 27. 09. November Mo. 29. 11. Dezember Mo. 27. 12.

Sommerfest Probieren & Genießen Sternstunde Gregor Ritter: Dichterlesung Erntezeit „Wir haben das Korn geschnitten“ Dichtung und Wahrheit Agnes Miegel: Rezitationen Rezepturen zum Advent Weihnachtsbäckerei Kaminabend Jahresausklang: „Dinner for one“


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Köstlichkeiten aus Ostpreußen Tipps vom Fach:

Chefköchin Teresa Lonchant

Wunderte sich einst die Wirtin vom Gasthof zu Balga über den Appetit ihrer Sommergäste : „Hier kommen so viele auße Stadt auf Sommerfrische und wollen sich erholen und sehen doch alle rund und dick aus. Se essen auch alle tichtig. Und dann laufen se und denn schwitzen se und denn essen se noch mehr und denn werden se noch fetter. Und denn sagen se, se missen sich erholen. Ach du liebes Gottche, ich mecht bloß wissen, von was? Vons Fätt? – Jedenfalls is nichts mehr ibrig jeblieben!“ . .

Der

stellt vor:

„Königsberger Fleck“ Zutaten: Ewa 1 kg Rinderpansen (beim Fleischer bestellen), 4 Stück gesägte Rindermarkknochen, 1 Brühwürfel, 1 Lorbeerblatt, 8 Gewürz- und 16 Pfefferkörner, 1 Knolle Sellerie, 2 große Möhren, 1 Stange Lauch, 1 Petersilienwurzel, 2 Zwiebeln, 1 – 2 Eßlöffel gerebelter Majoran, Essig, Senf, Salz, Pfeffer aus der Handmühle. Anwendung: Den Rinderpansen in große Stücke schneiden, gut waschen und 2 Std. wässern. Abermals waschen und mit reichlich Wasser etwa 10 Min. kochen lassen. Wasser abgießen. Dieses noch zweimal wiederholen. Jetzt die Pansenstücke mit den Markknochen, dem Brühwürfel, etwas Salz, dem Lorbeerblatt, Gewürz- und Pfefferkörnern mit Wasser bedeckt 3 – 4 Std. kochen bis sie schön weich sind. Inzwischen Gemüse und Zwiebeln putzen, waschen, in kleine Würfel schneiden und in einen Topf geben. Die Brühe darüber passieren lassen. Den Pansen in gleich große Würfel schneiden und mit dem Mark aus den Knochen dem Gemüse beigeben und weiter kochen lassen, bis es fast zu weich wird. Dadurch erhält dieses eintopfartige Gericht die sämige Konsistenz. Mit Majoran, einem Schuß Essig, einem ordentlichen Klacks Senf, Salz und reichlich Pfeffer abschmecken. Berliner Schusterjungen und eine Molle gehören dazu.

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Feuerschutztreppe

Willi Tams, Dieter Meister und die Nienburger Feuerwehr

Anfang April war es soweit: Montage der in Teilen vorbereiteten Treppe an der Gartenseite des OHM. Arbeiter der Liebenauer Stahlbaufirma Bade & Jezek schweißten und schraubten die gewaltige für drei Etagen ausgelegte Konstruktion zusammen, die hoffentlich niemals benötigt werden wird. Denn nur wenn es brennen sollte, wird die von der Stadt Nienburg verordnete Fluchttreppe betreten werden. Karl-Heinz Schroeder, vom Vorstand beauftragter „Bauleiter“, war zufrieden. „Das Ding sieht besser aus als ich befürchtet habe.“ Wenn die Rechnung kommt muß das OHM tief in die Tasche greifen. Spenden tun Not. „Wer hat noch nicht?“ fragt Schatzmeister Werner Hoffmann. SPK-Kto: 392 266 (BLZ 256 501 06).

Holzauktion Vollen Einsatz über mehrere Stunden sah man bei der Aktion „Baumfällen“ im Museumsgarten. Unter Leitung von Revierförster Dieter Meister und Männern der Nienburger freiwilligen Feuerwehr fielen die alten Stämme kunstgerecht. Bewundernswert Teresa Lonchant und Anna Holownia, die bis zur Erschöpfung ihren „Mann“ standen. Mit dabei bis in die Nachtstunden: Walter Gleich und Willi Tams. Jetzt ist Raum zur Gestaltung des „Ostdeutschen Gartens“, der unter Beratung von WolfPeter Rech (Gärtnerei Jürgens) entstehen wird. Entlang eines Lehrpfades sollen hier bald Gewächse aus der alten Heimat erblühen.

Nach zwei Tagen stand das Bauwerk. Für die Betonsockel war zuständig: OHM-Mitglied Dipl.lng. Wilko Weise.


Neue Zeitung Nr. 10 3. Jahrgang 2004