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NEUE

ZEITUNG 7

OHM präsentiert historisches Monumentalgemälde „Judith“ nebenberuflich - eine Idee: Nienburg brauct -nt. Von einem (z.Z. noch) unbekannten Maler Stadt-Schlesier“ und Kreisarchiv sowie Schule haben ein Museum für die Heimat im Osten. Kurzer Hand geschaffen, hat jetzt eine monumentale Schöp- dem OHM das Gemälde jetzt als Dauerleihkaufte gerade damit verfügbare historische fung unserer Kulturlandschaft ihre Heimat im er gabedasüberlassen, das eindrucksvolle Traufenhaus in der Weserstraße und zusammen OHM gefunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg Werk der Öffentlichkeit gezeigt werdenmit kann. Dieter Lonchant, Jahrzehnten der Geschichte und die war das durch Schießübungen britischer BesatEs soll seit restauriert werden. Während Vertreibungsder für zungssoldaten stark beschädigte GemäldeKultur auf der Frauengestalt aufund demSiedlungsgebiete Gemälde zunächst Deutschendieverbunden, es an die Nach dem Dachboden der Nienburger Albert-Schweit„Deutscheging Germania“, vonArbeit. anderer Stelle Gründungfür deseine Trägervereins öffnete imMusen Herbst gehalten 1996 zer-Schule verborgen. Das von Oberstudiendirekder griechischen „Ostdeutsche Heimatmuseum“ 10 tor Dr. Ralf Weghöft entdeckte Kunstwerkdas hatte wurde, steht nach einer (OHM). externenNach Expertise Jahren istjetzt die anfängliche „Heimatstube“ öfnach 1900 den Vorflur zur Aula geziert. fest: Es ist eine Darstellungnun derzum Judith. fentlich anerkannten historischen Museum gewachsen, Der Künstlerdas hatzugleich als Zentrum grenzüberschreitender KulAus dem Inhalt fasziniert von der turarbeit weithin Anerkennung findet. In über drei GeNZ aktuell S. 2 alttestamentarischossen präsentieren sich Hinterpommern, OstbranAus dem OHM-Gästebuch schen, im denburg/Preußen, „Buch Ost-West-preußen, Danzig, SchlesiPolitik S. 3 Judith“ nachzuleLinke Bündnisse: Weg in den en sowie das Sudetenland mit den Siedlungsgebiete senden SchildeAbgrund? von Deutschen in Osteuropa, Asien und Übersee. Ostprovinzen S. 4 rung – eine Gestalt Trotz beengtem Raum werden vielfältigste Exponate Westpreußen: Land zu beiden geschaffen, aus die Geschichte und Kultur gezeigt, darunter VolksSeiten der Weichsel Heldenmut und trachten, Uniformen, Dokumente, Bilder, Landkarten, Persönlichkeiten S. 5 Tugend versinnDer „Papst der Medizin“: Porzellane, sowie Glas- und Handwerkskunst. Vorträbildlicht: Judith, Rudolf Virchow ge und Kulturveranstaltungen ergänzen das Angebot. OHM S. 6 dem jüdischen Einmalig in Niedersachsen entsteht dieser Tage Lebendiges Museum: Gäste Volk zur Befreiund Ehrengäste beim Valenung vom assyritins-Empfang schen Tyrannen OHM S. 7 Holofernes geNeue Exponate Geschichte S. 8 sandt, benutzt eine Die Paulskirchen-VersammLiebesnacht, um lung: Deutschlands erstes den Unterdrücker Parlament zu enthaupten. Orden und Ehrenzeichen S. 9 Die Feinde ergreiDas Eiserne Kreuz Termine S. 10 fen die Flucht. JuLandsmannschaften, Freundith gilt der Dank. deskreise Kulinaria S. 11 Kalte Gurkensuppe Spreewälder Art Denkwürdige Ereignisse S. 12 16. - 19. Oktober 1813: Die Völkerschlacht bei Leipzig

Das Großgemälde zeigt die Flucht Judiths aus dem Zelt des assyrischen Feldherrn Holofernes nach dem mit seinem eigenem Schwert vollbrachten Mord. Das Schwert entfällt ihrer Hand. Zu ihren Füßen sieht man eine Blutlache, im Hintergrund ein zerwühltes Lager und einen umgestürzten goldenen Becher, der auf ein Trinkgelage deutet.


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NEUE ZEITUNG

7. Jahrg. 2008 / 26

+ NZ aktuell +++ NZ aktuell +++ NZ aktuell + +++ Aus dem OHM - Gästebuch „Ein Museum, das anspricht …“: Evelyne Dubois, Ottawa / Kanada – Grzegorz Buszka / Warschau (Brigadegeneral) – Wojaech Prokochi, Bartoszyce / Polen – Roman Mortim, Dublin / Irland – Aurelia Bekr, Halmstadt / Schweden „das uns gefällt …“: Undine Grabitz, Calauer Schweiz / Spreewald – Waldemar Dzabiat, Güstrow / Mecklenburg – Gerhard Wilewski, Neuruppin / Brandenburg - Alfred Jeschke, ehem. Rummelsburg / Pommern – Ruth Mahlstedt / Schleswig – Eugen Mischke, ehem. Gallingen / Ostpr. – Regine Langhans, Halstenbek / Pinneberg – Franz Grieger, Osnabrück „das einfach super gut ist …“: Inge Müller, Fallingbostel / Lüneburger Heide - K. Brunsberg, Neuwied / Rhein – Heinrich Matten, Riesa / Sachsen, Michael Rogner, Göttingen Maja Steller, Bremerhaven – Margit Kühne, Erlangen - Wilfried Kudow, Burgdorf – Heinrich Munk, Stadthagen – Josef Hölzl, Aisch / Bayr. Wald „das uns beeindruckt hat.“: H. Henze, Museum Seelze - Heiko Wolf, Celler Garnisonsmuseum – Dr. Hinckelmann, Ostpr. Landesmuseum Lünebg

▲ Besuch im OHM (v.l.n.r.): Stadtratsmitglied Georg Hennig, Karsten Heineking (MdL), Minister a.D. Rainer Eppelmann (Berlin), OrtsBgm. Gerhard Munk, Landrat Heinrich Eggers und stellv. CDU-Stadtverb.Vors. Annelie Tannhauer.

Grußadressen aus der Politik „Wir wünschen Ihnen alles Gute und kommen gern wieder“: Grant Hendrik Tonne (MdL) und der SPD-Unterbezirksvorstand Nienburg „Das OHM sind die Detektive für Geschichte und Kultur“: Olaf Bahrke Kreisvorsitzender und der FDP-Kreisvorstand Nienburg „Bleiben Sie so rührig und beharrlich“: Rainer Eppelmann, Berlin (Minister a.D.) und der CDU-Stadtverbandsvorstand Nienburg

Historisches Museum Redaktion: Dieter Lonchant Korrektur: Inge Koslowski Auflage: 700 Expl. Anschrift:

NEUE ZEITUNG Verdener Landstr. 224 31582 Nienburg-Holtorf Tel. / Fax: 05021 / 91 15 63 Die in Leserbriefen oder Kommentaren vertretenen Auffassungen decken sich nicht unbedingt mit der Meinung der Redaktion.


7. Jahrg. 2008 / 26

NEUE ZEITUNG

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Es kommentiert

Leo Warner

Linke Bündnisse:

Weg in den Abgrund? ◄ Einst SED-Propaganda in Ostberlin. Zukunftsperspektive für die Bundesrepublik?

„Die Linke“, alias PDS, SED, KPD, DKP marschiert. Teile von SPD und Grünen öffnen sich den Prokommunisten. Die Lust an politischer Pfründe macht´s möglich. Sie wähnen, . sie würden die geschulten Gefolgsleute der Mauerpartei im Zaum halten können, wollen nicht wahr haben, dass Radikale stets die Gemäßigten auffressen. In Sowjetrußland eliminierten die Bolschewiken die Menschewiken, Hitlers NSDAP schluckte die Deutschnationalen, die KPD im sowjetisch besetzten Nachkriegsdeutschland kassierte die Ost-SPD, zwang demokratische Sozialisten in die kommunistische „Sozialistische Einheitspartei“. Wer nicht wollte verschwand im Knast. Dass die Sirenenklänge der Linken auch bei den Wählern fruchten konnten, ist das Ergebnis der am Volk vorbei agierenden großen Parteien, insbesondere ihrer zumeist mit sich selbst befassten, reiselustigen Berliner Koalitions-Regierung.

Dabei hat nicht allein die SPD Schuld am Debakel. Doch neue Genossen-Generationen wollen die SED-Diktatur der „DDR“ vergessen machen. Nicht nur in Hessen sitzen Ypsilantis. Auch Tagträumer in der CDU tragen Verantwortung. Der Spaßgesellschaft zu Diensten, leistet sich die Union fernab politischer Realität inhaltsschwache „Wohlfühlaktivitäten“. Anstelle fundierter Auseinandersetzung mit dem Gegner, fehlt manchem Duckmäuser Mut zum Einspruch. Andere merken nicht einmal, dass sie dem Bazillus „linker Bündnisse“ auf den Leim gehen. Der „Angie-CDU“ mangelt´s an Adenauers Biss und Mut zur Konfrontation. Der Mann aus Röhndorf, der den Nationalsozialisten die Stirn bot, sah ebenso klar die Gefahren von links. Er stritt aufrecht für die freiheitliche Demokratie. Wer auf rechts außen verweist, um von Gefahren von links abzulenken, kann nicht jemandes Partner sein. Er lenkt Deutschland in den Abgrund.


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NEUE ZEITUNG

7. Jahrg. 2008 / 26

Westpreußen:

Land zu beiden Seiten der Weichsel

▲ Wie kaum ein anderer Ort spiegelt die in Westpreußen an der Nogat gelegene Marienburg, die weltweit größte Backsteinfestung mit dem hochaufragendem Ordensschloss, die wechselhafte deutsch-polnische Geschichte wider. Von hier aus kultivierten die Deutsch-Ordensritter das Land über die Memel hinaus bis nach Litauen. Gerufen hatte sie der polnische Herzog Konrad von Masowien, nicht ahnend, dass die Ritter auf Dauer bleiben würden.

Westpreußen war bis 1920 preußische Provinz, die im Westen an Pommern grenzte, im Osten an Ostpreußen und im Süden an das Posener Land. Die Landschaft ist gekennzeichnet durch die Weichsel, die sich von Südosten her über Thorn, Kulm, Neuenburg, Mewe und Dirschau ihren Weg zu Ostsee bahnt. Der Mündungsarm Nogat steht ihr zur Seite, begleitet von zahlreichen weiteren Flüsse und Seen. Im Westen liegen die 2500 qkm große Tucheler Heide und die Kaschubische Schweiz – im Osten liegt der preußische Landrücken mit dem Kulmer Land. Nach der Ordensherrschaft war Westpreussen ein Ständestaat unter der selbstgewählten Oberhoheit der polnischen Krone. Ab 1793 gehörte Westpreußen zum Königreich Preußen. 1815 wurde Danzig Provinzialhauptstadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Danzig gegen den Willen seiner Bevölkerung unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt und mit anderen im Westen gelegenen Gebieten wie Deutsch-Krone, Flatow und Schlochau vom alten Westpreußen abgetrennt. Der flächenmäßig größte Teil der Provinz mit den historischen Städten Thorn, Kulm, Graudenz, Konitz, Schwetz, Dirschau wurde auf Geheiß der Siegermächte des Ersten Weltkrieges im Versailler Vertrag, der von Deutschland als „Diktat“ empfunden wurde, als „Korridor“ der Republik Polen zugeschlagen. Bis dahin hatte Westpreußen mit seiner Zuckerindustrie, dem Maschinenbau in Danzig und der Schichau-Werft in Elbing Weltgeltung. Die Polen haben es nicht verstanden, hieran anzuschließen.


7. Jahrg. 2008 / 26

Neue Zeitung

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Der „Papst der Medizin“

Rudolf Virchow ◄ Geboren am 13. Oktober 1821 in Schivelbein / Hinterpommern. Arzt an der Charité Berlin. Wegen Sympathiebezeugung für die Revolution von 1848 entlassen. Übersiedlung an die Universität Würzburg. 1856 Rückkehr an die FriedrichWilhelm-Universität Berlin - Lehrstuhl für Pathologie. 1862 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (Fortschrittspartei). 1879 und 1890 Teilnahme an Schliemanns Ausgrabungen in Troja. 5. September 1902: Tod in Berlin.

Noch heute tragen eine wissenschaftliche Zeitschrift, ein großes Berliner Krankenhaus, viele Straßen im deutschen Sprachraum und eine wissenschaftliche Gesellschaft in New York seinen Namen. Rudolf Virchow, einer der Gros-sen unter den Ärzten seiner Zeit, den man den „Papst der Medizin“ genannt hat, genoss neben Robert Koch in der Blütezeit der deutschen Medizin auch in der breiten Öffentlichkeit größtes internationales Ansehen. Seine wissenschaftliche Welt war die pathologische Anatomie. Wegen seines Bekenntnisses zu den Zielen der bürgerlichen Revolution verlor Virchow seinen Lehrstuhl in Berlin und ging an die Universität Würzburg. Hier leistete er die wichtigsten Vorarbeiten zu seiner Lehre von der Zellularpathologie.

Zurückgekehrt nach Berlin begründete er das Pathologische Institut der Friedrich-WilhelmUniversität, in dem er bei Zellularuntersuchungen krankhaften Prozessen im menschlichen Organismus auf die Spur kam, so Thrombose, Embolie und Leukämie. Im Zuge von Ausgrabungen in Troja untersuchte er Schädel und Skelette. Aufsehen erregte Virchows politisches Engagement, insbesondere seine Auseinandersetzungen mit Bismarck, die sogar zu einer Duellforderung führten. Als Verdienst gelten sein Bemühen um die Einrichtung von Stadtentwässerung, städtischer Müllbeseitigung, Schaffung von Grünanlagen, sowie Verbesserungen im öffentlichen Schul- und Gesundheitswesen Berlins.


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NEUE ZEITUNG

7. Jahrg. 2008 / 26

Lebendiges Museum ◄ Volles Haus beim traditionellen ValentinsEmpfang des OHM am 14. Februar 2008 mit glanzvollem Vortrag: Die Ehrengäste (v.l.n.r.) OHM-Chef Dieter Lonchant, stellv. Landrat Janusz Dabrowski (Bartenstein / Polen), Teresa Lonchant, Referent Wilhelm von Boddien (Berliner Schlossverein), Landrat Heinrich Eggers und Bürgermeister Henning Onkes. ▼ Zum „1. Wirtschafts-Frühschoppen“ trafen sich am 6. April Nienburger Unternehmer im OHM. Dieter Lonchant stellte das Museum vor und erläuterte Aufgaben und Arbeitsweise. Die Runde wies auf die Bedeutung des OHM für Nienburg als wichtiges Kulturzentrum an der Mittelweser hin.

▲ Breites Interesse fanden die „Übersee-Tage“ des OHM (11. – 13. April) mit Museumsführungen durch die völkerkundlich gestaltete Kolonialausstellung, Film-Matinee und Lichtbildervortrag von Dr. Manfred Kümritz (Bildmitte), zu dem auch zahlreiche auswärtige Gäste angereist waren.

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7. Jahrg. 2008 / 26

NEUE ZEITUNG

Seite 7

Neue Exponate im

► Die in der Abteilung „Preußen“ gezeigte historische Truppenfahne wurde von Kaiser Wilhelm II. 1903 dem VII. Armeekorps (Münster) für die Infanterie-Brigade „Freiherr von Sparr“ – Infanterie-Regiment 53, Witten / Ruhr (5. Westfälisches) – verliehen. Der „Verein der ehemaligen 53er in Witten und Umgebung“ behielt die preußische Traditions-Fahne nach Beendigung des Ersten Weltkrieges bis 1928 in seiner Obhut. Das OHM hat für das Feldzeichen der Kaiserlichen Armee eine maßgerechte Wandvitrine bauen lassen, um die aus Privatbesitz stammende Dauerleihgabe gesichert und gut sichtbar präsentieren zu können.

Spendenaktion brachte Anteil zur neuen Tischvitrine ◄ Die Präsentation „Der Husar der preußischen Armee – Feldmütze, Säbel und Zündnadelkarabiner“ in der Abteilung „Preußen“ wäre nicht realisierbar gewesen ohne eine besonders gesicherte Panzerglasvitrine, die vom OHM eigens für die Ausstellung der wertvollen Exponate beschafft werden musste. Der Ertrag der Spendensammlung im Dezember / Januar half einen Teil der Anschaffungskosten für das teure Stück zu decken. Der ausstehende Betrag muss noch eingeworben werden. Die Leihgaben der uns verbundenen bedeutenden Museen und Sammlungen erhöhen die herausragende Bedeutung des OHM im Städtedreieck Bremen, Hannover, Minden.


7. Jahrg. 2008 / 26

NEUE ZEITUNG

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Die PaulskirchenVersammlung:

Deutschlands Erstes Parlament

▲ Am 18. Mai 1848 zog die „Deutsche Nationalversammlung“ mit mehr als 500 Abgeordneten in die Frankfurter Paulskirche ein. Ziel der Versammlung war für ganz Deutschland eine liberale, freiheitliche Verfassung zu erarbeiten und eine nationale einheitliche Regierung zu wählen.

Im März 1848 war die Zeit reif für den Wandel in Deutschland: Die Ständeordnung löste sich auf, das soziale Gefüge zerbrach. Als nach dem Aufstand in Paris der französische König abdankte und die Republik ausgerufen wurde, entstanden auch in Deutschland Protestbewegungen, die Freiheit und Einheit forderten. Zugleich kam es in Wien und Berlin zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Militär. Um einen gewaltsamen Umsturz zu vermeiden, gaben die Regierungen nach und beriefen vorübergehend Vertreter der liberalen Bewegungen als sog. Märzminister in öffentliche Ämter. Im Mai 1848 trat in Frankfurt am Main die „Deutsche Nationalversammlung“ mit erstmals frei gewählten Abgeordneten zusammen und wählte den liberal gesonnenen Heinrich von Gagern zu ihrem Präsidenten. Parteien im modernen Sinn gab es noch nicht. Die Nationalversammlung hatte zwei Aufgaben: Sie sollte eine nationale Verfassung und eine zentrale Regierungsgewalt schaffen. So diskutierten die Abgeordneten über die „Grundrechte des deutschen Volkes“ und konnten diese verabschieden.

Da sie jedoch über keinen Beamtenapparat und keine Truppen zur Durchsetzung ihrer Beschlüsse verfügten, scheiterte das Bemühen der Versammlung aus Ermangelung einer Zentralgewalt. Der Ausbruch des deutsch-dänischen Krieges, der nur mit den Truppen der „alten Mächte“ gewonnen werden konnte, zeigte die Ohmacht des Paulskirchen-Parlaments und führte zur Spaltung der Abgeordneten in zwei Lager. Auch fanden hinsichtlich der Gestaltung des Reiches die Befürworter einer „Großdeutschen Lösung“ (mit Österreich) und der „Kleindeutschen Lösung“ (ohne Österreich) nicht zueinander. Als Preußen und Österreich ihre Abgeordneten abzogen und nur noch die republikanische Linke weiter tagte, hob das württembergische Militär das Restparlament auf. Die Paulskirchen-Versammlung war damit gescheitert.


7. Jahrg. 2008 / 26

NEUE ZEITUNG

Seite 9

Die Stiftung des Eisernen Kreuzes Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes 1813 wurde von Preußen eine Auszeichnung für den Kampf in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft geschaffen, die fortan als Ehrenzeichen und Symbol für Tapferkeit vor dem Feind deutschen Soldaten verliehen wurde. Das Eiserne Kreuz wurde 1870 (Deutsch-französischer Krieg), 1914 (Erster Weltkrieg) und 1939 (Zweiter Weltkrieg) jeweils neu gestiftet und erhielt die Stufen: I. und II. Klasse. Für herausragende Leistungen wurde der Orden als Ritterkreuz, als Ritterkreuz mit Schwertern und als Ritterkreuz mit Schwertern und Brillanten verliehen. Selten war ein Ehrenzeichen derart wirkungsvoll und symbolträchtig wie das Eiserne Kreuz, das auch der Bundeswehr zwar nicht als Auszeichnung aber als Kennzeichen dient. Das OHM präsentiert in einer Sonderausstellung eine Auswahl preußischer Orden und Münzen.

▲ Der Stifter des Eisernen Kreuzes war der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1797 – 1840). Das Gemälde (Ausschnitt) von Dähling zeigt ihn im Kreis seiner Familie. Seine Gemahlin, Königin Luise, gebar ihrem Mann zehn Kinder, denen sie sich nach Freiherrn vom Stein „nur unvollkommen“ widmete. Im Bildausschnitt sind neben der Königin zu sehen: die Prinzessinnen Alexandrine und Charlotte, sowie Prinz Friedrich Wilhelm. Der König und der Kronprinz tragen den 1705 gestifteten Roten-Adler-Orden.


NEUE ZEITUNG

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7. Jahrg. 2008 / 26

Landsmannschaften POMMERN Do. 05. 06. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag Do. 03. 07. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag Do. 07. 08. 15.00 Uhr OHM Pommernnachmittag OST/WESTPREUSSEN–DANZIG Fr. 23. 05 15.00 Uhr OHM Schabber- u. Lesestd. Fr. 20. 06. 15.00 Uhr OHM Schabber- u. Lesestd.

Freundeskreise BERLIN-BRANDENBURG Mo. 18. 05. 10.00 - 17.00 Uhr OHM TAG DER OFFENEN TÜR Museumsführungen, Filme DIEPENAU Termine werden noch bekannt gegeben EYSTRUP (VdV) Gasthaus Weber, Eystrup Sommerpause UCHTE Lindenwirt, Uchte Mi. 28. 05. 16.00 Uhr Plaudernachmittag

Voranzeige: Die Frau vom „Checkpoint – Charlie“ kommt nach Nienburg 17. 10. 2008 Auf Einladung des OHM kommt die Zeitzeugin des menschenverachtenden Systems der ehemaligen DDR, Jutta Gallus-Fleck zusammen mit der TV- und Buchautorin Ines Veith am 17. Oktober nach Nienburg. Beide referieren auf einem fünftägigen internationalen Seminar des Museums zum Thema „SBZ / DDR – Leidensweg einer durch die Teilung Deutschlands zerrissenen Familie“. Zur Erinnerung: Im Herbst 1984 hatte eine Frau am Berliner Grenzübergang „Checkpoint-Charlie“ Aufsehen erregt. Jutta Gallus, bei einem Fluchtversuch aus der DDR in Rumänien zusammen mit ihren beiden minderjährigen Kindern verhaftet, postierte sich auf der Westberliner Seite mit dem Schild „Gebt mit meine Kinder zurück“. Die Mutter, die aus dem berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck bei Dresden nach Jahren der Misshandlungen vom Westen freigekauft worden war, versuchte mit verzweifelten Aktionen ihre zur Zwangsadoption freigegebenen Kinder zurückzuerhalten, was erst kurz vor der Wiedervereinigung gelang. Die Erlebnisse voller aufwühlender Dramatik werden von beiden Damen geschildert.

▲ Im Fernsehfilm spielt die Schauspielerin Veronica Ferres die Rolle der Jutta Gallus-Fleck.


NEUE ZEITUNG

7. Jahrg. 2008 / 26

Tipps vom Fach:

Chefköchin Teresa Lonchant

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Kalte Gurkensuppe Spreewälder Art Zutaten: 1 große Salatgurke, 1 Knoblauchzehe, 1 kleines Bund Radieschen, 2 Esslöffel Schnittlauchröllchen, je 3 Esslöffel gehackter Borretsch und Sauerampfer, ¼ Liter saure Sahne, ½ Liter kalte entfettete Brühe, Essig, Salz, Pfeffer aus der Handmühle. Anwendung: Salatgurke waschen, mit Schale fein raspeln oder durch den Wolf drehen (große Scheibe), salzen und mit der abgezogenen Knoblauchzehe eine Weile stehen lassen. Radieschen waschen, in feine Streifen schneiden, dann die Knoblauchzehe aus den geraspelten Gurken nehmen und die Radieschen hinein geben. Schnittlauch, Borretsch, Sauerampfer dazugeben und die saure Sahne sowie die Brühe unterziehen. Die Gurkensuppe mit Essig, Salz und Pfeffer abschmecken, dann kalt stellen. ◄ Geschäftiges Treiben in der Berliner Zentralmarkthalle um 1900: Durch einen Eisenbahnanschluss war die direkte Verbindung zu den Seehäfen und anderen Großstädten gewährleistet. Das Schild mit dem Krebssymbol im Vordergrund zeigt, dass seinerzeit auf den Märkten bereits auch Krebse angeboten wurden.

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Seite 12

NEUE ZEITUNG

7. Jahrg. 2008 / 26

16. – 19. Oktober 1813:

Die Völkerschlacht bei Leipzig

▲ Bei dem kleinen Dorf Möckern im Norden von Leipzig tobten am 16. 10. 1813 erbitterte Kämpfe. Mehr als 500.000 Soldaten waren aufgeboten, darunter auch die Brandenburgischen Husaren.

Zwar stand Mitteleuropa im Herbst 1813 noch unter der Herrschaft von Napoleons Truppen, doch bereits seit dem Frühjahr des Jahres hatten sich das Königreich Preußen und das Zarenreich Russland in einem Bündnis zusammengeschlossen. Ziel war es, die französische Vorherrschaft zu brechen. Das Königreich England schoss dem Bündnis Geld zu. Im Sommer traten auch die Königreiche von Österreich und Schweden der Allianz bei. Nach längerem Manövrieren der riesigen Heerhaufen stellten die Koalitionstruppen Napoleon schließlich bei Leipzig. Drei Armeen der Allianz standen nun einer Armee der Franzosen gegenüber. In einem vier Tage währenden, blutigen

Ringen zwangen die Alliierten Napoleon in die Knie, worauf der Franzosenkaiser die Flucht ergriff. Nur halbherzig verfolgt, gelang es dem Flüchtenden, über den Rhein zu entkommen. Als Folge mussten die Franzosen Deutschland aufgeben. Kurz darauf löste sich der französisch gelenkte Rheinbund auf. Damit war die französische Hegemonialstellung in Europa gebrochen. Während der viertägigen Schlacht hatten die Russen 22.605 Mann verloren, die Preußen 16.033, die die Österreicher 14.959 und die Schweden 178. Die Franzosen beklagten 37.000 tote Soldaten. Napoleons prominentester Verbündeter, der König von Sachsen, wurde in der Völkerschlacht bei Leipzig gefangen genommen.


Neue Zeitung Nr. 26 7. Jahrgang 2008