meinTDS Mai 2022

Page 1

Mai 2022 | Nr. 44 | Magazin des TDS Aarau, Höhere Fachschule Theologie, Diakonie, Soziales

Zuflucht finden Schweizer Kirchen und Flüchtende aus der Ukraine Gemeinsam feiern und leiten Migrationskirchen «Mehr als nur Arbeit ...» Maya Künzle verlässt das TDS Aarau

ZUFLUCHT Kirchen helfen Geflüchteten


EDITORIAL

Das biblische Buch der Klagelieder widerspiegelt die tiefe Verzweiflung und Trauer der jüdischen Überlebenden über die Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 v. Chr.

Zuflucht in der Klage und der Hoffnung

So viel Elend und Totschlag ... Eine blühende Stadt mit blühendem Leben wurde von den Babyloniern vernichtet. Was nicht auszuhalten ist, macht sich Luft in den Klageliedern, und trägt die Trauer vor Gott. Die Form überrascht: Die ersten vier Kapitel oder Gedichte folgen je dem hebräischen Alphabet. Es gibt für jeden Buchstaben einen Vers, von Aleph bis Taw, oder von A bis Z.

Christoph Schwarz, Rektor TDS Aarau

Sehr bewusst wird der Klage viel Raum gegeben – so, wie wir es heute kaum mehr gewohnt sind. Sorgfältig wird die ganze Trauer in Worte gefasst. Die Form soll helfen, dass nicht zu schnell darüber hinweggegangen wird. Jeder Buchstabe bekommt Raum, nichts soll vergessen werden, umfassend wird die Verzweiflung vor Gott ausgedrückt. Und das nicht nur einmal! Viermal wird das Alphabet durchgegangen! Vier Kapitel lang nur Klage! Und danach noch das 5. Kapitel voll Klage, wobei die akrostische Form im letzten Umgang aufgegeben wird.

Die Menschen fanden Zuflucht in der Klage. Das Schlimme auszudrücken half, es auszuhalten. Die Form beinhaltet auch Hoffnung: Das Klagen bleibt nicht endlos, es kommt mit dem letzten Buchstaben an ein Ende. Einmal kommt das Taw, und damit das Ende! Das Schlimme, das Böse ist nicht endlos, sondern begrenzt. Das letzte Wort hat nicht das Böse, sondern das Gute, Gott. «Gott ist mein Ein und Alles – darum setze ich meine Hoffnung auf ihn.» (Klagelieder 3,24) So vermittelten die Klagelieder eine doppelte Hilfe: dass das Unfassbare zur Sprache kommen kann, und so die Seele entlastet. Und dass die Hoffnung gestärkt wird: dem Bösen ist eine Grenze gesetzt, es wird letztlich nicht triumphieren. Nach dem Karfreitag folgt Ostern. Mögen diese alten Klagelieder uns und den vielen, die jetzt unsagbares Leid erfahren, eine Hilfe sein!

2

meinTDS 2022-2


ZUM TITELBILD

I N HALT THEMA

Zuflucht finden

4

Das Projekt kirchen-helfen.ch von Chrischona-Pastor Paul Bruderer

Wenn der Karfreitag sich hinzieht ... 6 Paul Kleiner

«Gefährlicher Denker»

7

Putins Philosophie Wenige Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs initiert Paul Bruderer in Frauenfeld eine Plattform, auf der sich Kirchen und Helfende mit Flüchtenden vernetzen können (Siehe S. 4–5). 40 km westlich, in Birmensdorf im Kanton Zürich, will Familie Gooljar helfen. Rahel Gooljar meldet ihre Kirche bei kirchen-helfen.ch an und organisiert eine Verteilung von verschiedenen Flüchtenden in Haushalte im Umfeld ihrer Kirche. Familie Gooljar öffnet auch ihr Haus und nimmt eine Mutter mit zwei Töchtern auf. Dave Gooljar: «Die drei sind sehr angenehme Personen. Eine von ihnen kann gut Englisch, das hilft sehr. Ihre Begleitung ist schon recht intensiv – Anmeldungen, Deutschkurse vermitteln, eine Wohnung suchen – aber wir machen es sehr gern.» Die drei Frauen seien jedoch oft in Sorge um ihren Mann bzw. Vater, der an der Front kämpfe. «Sie freuen sich immer, wenn sie wieder von ihm hören.» Dave Gooljar ist TDS-Absolvent. Er arbeitet momentan bei der CBM (Christoffel Blindenmission) als Verantwortlicher für das Erlebnismobil.

P R OJ E K T TA G E Gemeinsam feiern und leiten

8

Kathrin Hunn im Gespräch mit Teferi Kassa Biratu über Migrationskirchen

Rassistisch? Ich doch nicht!

11

Astrid Schatzmann über «White Fragility»

A M T D S A A RAU «Mehr als nur Arbeit ...»

12

Maya Künzle verlässt das TDS Aarau

Lachen, Weitsicht und eine offene Bürotür 14 Worte über Maya Künzle

Diplomarbeiten 16 Kursprogramm 2022/2023

18

Wir trauern

21

Gratulationen 22 Spenden, Impressum

23

Agenda 24

meinTDS 2022-2

3


ZUFLUCHT FINDEN Schweizer Kirchen und Flüchtende aus der Ukraine – eine Erfolgsgeschichte

Chrischona-Pastor Paul Bruderer hat mit seinem Bruder innerhalb einer Woche nach Kriegsbeginn eine Anlaufstelle geschaffen. Sie vernetzt Flüchtende aus der Ukraine mit Kirchen und Privatpersonen, die Unterkunft und Hilfe anbieten können. Sie ist nur ein Beispiel für rasche, unkomplizierte und ganzheitliche Hilfe, die von Kirchen in der Schweiz ausgeht. Von Matthias Ackermann

Die Chrischona Frauenfeld pflegt schon seit Jahren Kontakt zu einer ukrainischen Kirchgemeinde. Diese Verbundenheit zeigte sich am Sonntagsgottesdienst, drei Tage nach Ausbruch des Kriegs, auf zweierlei Art: «Wir haben für eine rasche Beendigung des Konflikts gebetet», erzählt Pastor Paul Bruderer. «Und wir haben die Kollekte spontan für die Ukraine gesammelt.» Diese hätten

Paul Bruderer ist Pastor der Chrischona-Gemeinde Frauenfeld. Er lebt mit seiner Familie in Frauenfeld und teilt seine Gedanken zu Theologie, Gesellschaft und Glaube auf danieloption.ch.

4

meinTDS 2022-2

sie dann gleich ihrem befreundeten Pastor in der Ukraine zukommen lassen: 20’000 Franken seien an diesem Sonntag zusammengekommen – eine unglaubliche Summe, auch wenn es eine sehr grosse Gemeinde sei. TELEFON EINES BESORGTEN UKRAINERS Danach ging es Schlag auf Schlag: «Am gleichen Sonntag habe ich mich mit meinem Bruder über Mittag beraten. Wir mussten etwas tun, wollten es aber auch breit abstützen. Wir nahmen Kontakt auf mit der Schweizerischen Evangelischen Allianz, mit dem Freikirchenverband der Schweiz sowie mit dem Hilfswerk ‘Licht im Osten’. Sie sicherten uns ihre Partnerschaft zu.» Noch am

selben Tag erreichte sie eine Anfrage von Matthias Schöni von «Licht im Osten», ob die Chrischona fünf Frauen und sieben Kinder aufnehmen könne. Ja, das ginge, meinte Paul, sie hätten Räume in der Kirche, die sie dafür umnutzen könnten. «20 Minuten später erreichte uns ein Anruf aus der Ukraine. Der Mann von einer der fünf Frauen wollte uns kennenlernen. Er musste einschätzen, ob wir vertrauenswürdig sind, uns um ihre Frauen und Kinder zu kümmern während des Krieges. 24 Stunden später standen sie vor unserer Haustür». RÄUME EINRICHTEN, NETZWERK ERWEITERN Paul Bruderer berichtet weiter: «Am Montag haben wir – Angestellte und


«Viele spüren Hass. Aber für uns Christen ist klar, dass wir nicht danach handeln wollen.» Theologie-Professor aus Butscha, Ukraine

Freiwillige unserer Kirche – Räume eingerichtet für eine Notunterkunft. Wir haben das Netzwerk von Helfenden erweitert und als erstes Freiwillige gesucht, welche Flüchtende vom Flughafen abholen können.» Am Dienstag wurde die Idee einer Website diskutiert. In Absprache mit der SEA und dem Freikirchenverband entstand innert weniger Stunden die Plattform kirchen-helfen.ch. Deren Ziel ist die Vernetzung von Flüchtenden mit Raum- und Unterstützungsangeboten von Kirchen und Privaten. Am Mittwoch haben wir Werbung gemacht für unsere Website. Es erfolgte eine erste Anstellung für die Initiative «Kirchen helfen». «Danach gaben wir fünf Wochen lang Vollgas», blickt Paul Bruderer auf diese Anfangsphase zurück. Bis Ostern sind mehr als 1000 Menschen untergebracht worden. Über 100 Kirchen haben sich registriert zur Mithilfe.» NÄCHSTENLIEBE, FEINDESLIEBE Für Paul Bruderer war klar, dass etwas getan werden musste: «Wenn du eine hochschwangere Frau mit Kindern und ihrem Hab und Gut in zwei Plastiksäcken vor dir siehst, dann ist einfach klar, dass wir die Türen öffnen.» Er sieht im aktuellen Geschehen ein Zeugnis für christliche Nächsten- und sogar Feindesliebe: «Ein Reporter fragte eine der Frauen, die bei uns untergebracht war, ob sie Hass empfände. Sie verneinte entschieden und zitierte aus der Bergpredigt: Liebet eure Feinde,

segnet, die euch verfluchen … Das war ein extrem beeindruckender Moment.» Unter den Geflüchteten sei ein befreundeter Theologieprofessor. Er kommt aus Butscha, das bekannt geworden ist durch die Berichte über Massaker an Zivilpersonen. An einem Seniorenanlass der Chrischona Frauenfeld sei auch er gefragt worden, ob er Hass verspüre. Seine Antwort: «Ein schwieriges Thema. Viele spüren Hass. Aber als Christen ist uns klar, dass wir nicht danach handeln wollen.» Diese Erfahrungen erlebt Paul Bruderer als Bereicherung für sich, ja für das «westliche» Christentum. «Es kommt mir vor wie in der Apostelgeschichte 8. Dort wird berichtet, wie die verfolgten Christen verstreut wurden in andere Länder und Regionen und dort das Evangelium predigten.» Und andersherum: Die Möglichkeiten der Kirchen in der Schweiz seien gross. Dank der persönlichen Verbundenheit untereinander könnten einzelne Kirchen innerhalb kurzer Zeit aktiv werden. «Unser Auftrag ist: Menschliche Beziehungen und Nähe, z. B. durch Begegnungen in unserem ‘Ukrainer Café Chranz’. Den Gläubigen möchten wir auch geistlich dienen, z. B., indem wir sie in unseren Gottesdiensten integrieren und sie in unseren Räumen eigene Ukrainer Gottesdienste durchführen.» Das Pastorenteam seiner Gemeinde sei der Schlüssel gewesen. Im

Hintergrund hat es den GemeindeBetrieb aufrechterhalten und damit Paul Bruderer freigesetzt für sein Engagement. «Meine Co-Pastoren sind die eigentlichen Helden! Im Moment sind wir noch im Krisen-Modus. Da ist die Frage nicht, ob, sondern wie wir helfen. Aber lange können wir das nicht durchhalten.» Paul Bruderer nennt das Gemeindeleben und den privaten Freiraum, die nicht lange vernachlässigt werden können. Ihr Ziel sei es, dass das Projekt im Juni dieses Jahres beendet werden könne. «Unterdessen sind die Behörden auch beteiligt und übernehmen nach und nach die Aufgaben, die wir bisher durchgeführt haben.» Und für die Phase ab Juni werden nun Zweitwohnungen gesucht. Flüchtende, welche länger nicht zurückkehren können, sollen in Wohnungen untergebracht werden, wo sie sich selber versorgen können.

kirchen-helfen.ch ist ein Netzwerk aus Schweizer Kirchen zur Unterstützung von Flüchtenden aus der Ukraine. Dazu gehört die Unterbringung in Kirchen oder bei Privatpersonen sowie die Unterstützung aller Beteiligten durch Kontakte, Fachwissen, Material und Logistik.

meinTDS 2022-2

5


WENN DER KARFREITAG SICH HINZIEHT ... Gedankensplitter zum aktuellen Kriegsgeschehen. Von Paul Kleiner

Mein persönlicher Bezug zum Krieg in der Ukraine sind eigene Erfahrungen in einem Bürgerkrieg. Es war in Angola in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Ich hatte nur drei Tage Einkesselung als Zivilist erlebt, nicht sechzig wie die Menschen damals in Huambo oder heute in Mariupol. Diese Menschen, viele Kilometer entfernt, sind mir emotional noch näher als die Flüchtlinge, die ich in meiner Wohn- und Kirchgemeinde persönlich antreffe. Die Zerstörung, die sie hautnah miterlebten, ist immens. Zerstörung von Städten, Menschen, äusserlich und innerlich … ENTSETZEN, VERDRÄNGUNG, RATLOSIGKEIT Krieg ist schrecklich und lebensfeindlich. Das wissen wir alle – und sind entsetzt, wenn er stattfindet, erst noch so nah bei uns. Dann gewöhnen wir uns daran. Der Krieg rutscht von der Frontseite der Zeitung in Spezialseiten, so wie die Berichterstattung über Olympia oder eine Fussball-WM. Wir haben schliesslich noch andere Herausforderungen, die wir anpacken müssen. Zum Beispiel die nachhaltige Finanzierung der AHV.

Dr. Paul Kleiner ist Pfarrer in Pfäffikon ZH. Von 2004 bis 2017 war er Dozent und Rektor des TDS Aarau.

6

meinTDS 2022-2

Letzthin teilte ein Mann seine Ratlosigkeit und Sprachlosigkeit mit mir. Sein Glaube an die Menschlichkeit des Menschen war tief erschüttert. «Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf», sagte Gott schon nach der Sintflut (1. Mose 8,22). Ist das zu einfach? Sind wir nicht auch selber überfordert, unsere Feinde zu lieben? Bete ich eher für ein Attentat, das Putin beseitigt, oder für seine späte Einsicht und Umkehr? Wofür habe ich den Glauben? Menschen machen Krieg. Gott drückt nicht auf einen Raketenknopf oder befiehlt einen Vorstoss. Dafür kann man ihn nicht beschuldigen. Aber die Frage und Klage bleibt: Warum können Gewalttäter ungeniert Kaviar geniessen während wehrlose Kinder umgebracht werden? Wie lange noch? Warum greifst du nicht ein? Die alten Texte der biblischen Psalmen sind brandaktuell. Auf meinem Schreibtisch steht ein Spruch von Karl Rahner: «Glaube ist das Vertrauen, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.» Mit Martin Luther fliehe ich vom verborgenen Gott, den ich nicht verstehe und mich trotzdem über ihn empöre, zu dem Gott, der sich in Jesus Christus offenbart: Immanuel, Gott mit uns – in der Ungerechtigkeit, im Leiden und Sterben. Damit sind wir nicht allein. Auch wenn der Karfreitag sich hinzieht. BILLIGER TROST? Ist das billiger Trost für die Flüchtlinge, für die Hinterbliebenen, für die vom Krieg an Leib und Seele

Versehrten? Ich denke nein! In der Seelsorge erlebe ich, wie Gottes Wort Vertrauen weckt. Was er in Jesus vor 2000 Jahren getan hat, ist wahr und trägt auch in die Zukunft. Trost ist nicht eine leere Floskel, sondern erlebte Gegenwart des lebendigen Gottes. Auch menschliche Zuwendung und praktische Hilfe vermitteln den Gebeutelten die so wichtige Erfahrung: Der Mensch ist nicht nur böse, er ist kein Teufel. Liebe, unverdient und grosszügig, ist eine Realität. Vielleicht zeigt sie bisweilen über sich hinaus und wird ein Hinweis für göttliche Gnade. Unsicherheit aushalten: Das muss ich selber und dabei will ich andere unterstützen. Niemand weiss, ob es zu einem Atomkrieg kommt. Mir ist nicht klar, welche (Verteidigungs-) Waffen dem Frieden dienen und welche wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland welche Wirkung auf die Bevölkerung in der Ukraine und Russland (und weitere Staaten) haben. Trotz Komplexität will ich mutig und demütig handeln, so gut ich kann. Im Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus, dem sich jedes Knie beugen wird.


«GEFÄHRLICHER DENKER» In einem Podcast stellt Johannes Hartl einen Philosophen vor, welcher als Wladimir Putins Vordenker gilt. Eine Rezension von Felix Studer1

Dr. Johannes Hartl (Augsburg) will mit einem Podcast aufzeigen, welche Philosophie hinter Wladimir Putins Angriffskrieg auf die Ukraine steckt. Gerade weil es in Europa auch Leute gebe, die Putins Argumentation interessant fänden, müsse die dahinterstehende Philosophie analysiert werden. Hartl konzentriert sich auf einen der für Putin wichtigen Philosophen, auf Alexander Dugin. Johannes Hartl bezeichnet ihn als «gefährlichen Denker» und kritisiert mehrere Aussagen aus Dugins «Das grosse Erwachen gegen den Great Reset» (2021). Hier können nur drei Aspekte kurz beleuchtet werden. Ich empfehle, den spannenden Podcast von knapp 40 Minuten selbst zu hören2. Dugin: Der Westen sei imperialistisch und versuche, der ganzen Welt seine Werte aufzudrücken ohne Respekt für lokale Traditionen. Dieser Gefahr müsse dringend etwas entgegengesetzt werden. Die Demokratie und die Menschenrechte seien eine westliche Ideologie und diese passe nicht zu jeder Kultur. Kritik von Hartl: Die völlige Relativierung des Wahrheitsbegriffs würde bedeuten, dass es keine für alle Menschen geltenden Kriterien für Wahrheit und Moral gibt. Entsprechend könne es auch für ein Land moralisch in Ordnung sein, ein anderes Land anzugreifen. Aber es gibt sehr wohl Kriterien, um zu beurteilen, was ethisch korrekt ist, weil weder Ethik noch Biologie oder Chemie von Volk zu Volk verschieden definiert werden können. Sonst

wäre z. B. Folter nicht global zu verurteilen. Dugin: Der Westen versuche, einen Globalismus zu installieren, der zutiefst antichristlich sei, den Menschen versklave, kontrolliere und alle kulturellen Unterschiede einebnen wolle. Kritik von Hartl: Mit der Globalisierungskritik spricht Dugin viele Menschen an, und es gibt berechtigte Aspekte der Globalisierungskritik. Dies rechtfertigt aber niemals Dugins Schlussfolgerung, dass als gefährdet erachtete Werte durch eine militärische Intervention «gerettet» werden müssten. Diese Schlussfolgerung steht zudem im Widerspruch zur Trennung von Kirche und Staat: «Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und gebt Gott, was Gott gehört» (Jesus). Jede Vermischung von staatlicher Macht und religiöser Legitimation ist gefährlich. Dugin: Das Hauptproblem des Westens sei der Individualismus. Kritik von Hartl: Dugin schreibt, es sei eine westliche Vorstellung, dass das Individuum frei entscheiden solle. Es gibt auch christliche Kreise, welche die fortschreitende Individualisierung der Menschen beklagen. Aber: «Wenn wir das Individuum als Träger von individuellen Freiheitsrechten aus dem Blick verlieren, sind wir mit einem Fuss in der Diktatur» (Hartl). Die Vorstellung, dass das Individuum letztendlich Gott Rechenschaft schuldet und Träger von Rechten und Pflichten ist, geht u.a.

auf die alttestamentliche Prophetie zurück und ist ein zutiefst christlicher Gedanke. Dieser wurde von der Aufklärung konsequent weitergedacht bis zu den allgemeinen Menschenrechten. Die Freiheit des Individuums, die Gewissensfreiheit und die Redefreiheit, die im Westen hochgehalten werden, hängen mit der Vorstellung des Werts des Individuums zusammen. Das Individuum gibt es nur eingebunden in ein Netz von Beziehungen. Aber wird diese Verbindung durch Macht hergestellt? Dürfen Eltern Kinder vermöbeln, damit sie sich an die Hausregeln halten? Nein! Auch was man als «gut» erachtet, kann nicht mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden. Hartls Gedanken münden darin, dass zwischen gesunder Liebe zum eigenen Land und dem Nationalismus unterschieden werden müsse. Beim Nationalismus werde das Land zu Gott. «Wo etwas zum Allerhöchsten wird, hast du deine Seele an einen Götzen verkauft.» 1 Felix Studer, lic. phil., war von 1987– 2021 Dozent und Konrektor des TDS Aarau. 2 Johannes Hartl: Putins Philosophie. Auf Youtube oder als Podcast

meinTDS 2022-2

7


GEMEINSAM FEIERN UND LEITEN Wie kann eine Kirche gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten feiern? Wie können sich Menschen nicht «nur» als Gäste, sondern als aktive Mitglieder fühlen und einbringen? An den Projekttagen des TDS Aarau zum Thema Migration führte Kathrin Hunn ein Gespräch mit Teferi Kassa Biratu.

Teferi wuchs in Ostäthiopien auf. Sein beruflicher Lebenslauf ist lang und vielseitig: Metalltechnologie, Community Development & Leader-

Teferi Kassa Biratu wohnt mit seiner Familie in Baden. Er ist TDS-Student der Klasse I. Er ist leitend aktiv in zwei Kirchen: In der EMK Baden sowie in der evangelischen äthiopischen Gemeinde Bethel in Zürich.

Kathrin Hunn ist Konrektorin des TDS Aarau. An den Projekttagen Migration führte sie ein öffentliches Gespräch mit Teferi Kassa Biratu.

8

meinTDS 2022-2

ship und Theologie gehören zu seinen Abschlüssen. 2016 kam er mit seiner Familie als Flüchtling in die Schweiz. Heute ist er Student der Klasse I am TDS Aarau sowie Mitarbeiter der EMK Baden, welche auch seine Ausbildungsstelle ist. Dort ist er auch Mitglied der Gemeindeleitung, wie auch in der evangelischen äthiopischen Gemeinde Bethel in Zürich. Was läuft in deiner äthiopischen Gemeinde und welche Menschen kommen in die Kirche? Wir haben verschiedene Programme. Jede Woche feiern wir Gottesdienst; unter der Woche gibt es Gebetstreffen, Frauentreffen, Bibellesegruppen. Wir sind Menschen aus Eritrea und Äthiopien. In Äthiopien gibt es mehr als 80 Ethnien – wir sind offen

für alle. Die Sprache der Liturgie in der Kirche ist amharisch. Die Kirche zählt mehr als 120 erwachsene Mitglieder, hinzu kommen 50 Kinder und Jugendliche. Die meisten kommen aus der Umgebung von Zürich. Wo trefft ihr euch? Seit vier Jahren treffen wir uns in Wipkingen in einem grossen Gebäude der reformierten Kirche. Ihr habt keine Kirchensteuern, und ihr leitet die Gemeinde ohne Lohn? Ja, wir machen unsere Arbeit freiwillig. Ein Teil der Gemeindeglieder finanziert die Miete für das Gebäude. Es ist eine finanzielle Herausforderung, aber alle tragen mit.


«Die Kirche hilft uns, Wurzeln zu schlagen.» Teferi Kassa Biratu

Was ist die Bedeutung dieser Migrationskirche für dich?

Diese Brücke geschieht aber auch in die andere Richtung, oder?

Ich glaube für alle, die kommen, ist sie wie eine Oase. Leute können einfach hinkommen, man versteht ihre Kultur und Sprache. Sie finden Unterstützung, wenn sie Probleme haben. Für Christinnen und Christen ist es sehr wichtig, eine Kirche zu haben. Die Kirche ist auch ein Ort für Missions- und Diakoniearbeit. Wir unterstützen z. B. Kinder, die keine Begleitung haben. Auch Jugendlichen bieten wir Unterstützung in verschiedenen Bereichen.

Die Kinder gehen hier zur Schule und haben kein Problem mit der schweizerischen Kultur. In der äthiopischen Kirche können sie die äthiopische Kultur kennenlernen bzw. bewahren und so ihre Wurzeln pflegen – gerade an Weihnachten und Ostern, die für uns sehr wichtige Feiertage sind. Wir pflegen sie in

Ist es also ein Ort, aus dem man gestärkt wieder in die Welt der Schweizerinnen und Schweizer gehen kann? Ja, es ist auch eine Plattform zur Vernetzung und zum Lernen. Zum Beispiel, wie man mit Schweizerinnen und Schweizern umgeht. Die Kirche hilft uns, Wurzeln zu schlagen. Migrationskirchen sind vertraute Inseln für bestimmte Menschen. Oft fehlt jedoch der Bezug zu schweize­ rischen Kirchen. Verstehst du dich auch als Brücke, nicht nur als Insel? Integration braucht es nicht nur persönlich, sondern auch als Gemeinde in die schweizerische Kirchenkultur. So versuchen wir, Brücken zu bauen. Als ich in die Schweiz kam, hatte ich wegen der Sprache Mühe, Kontakt zu schweizerischen Kirchen herzustellen. Jugendlichen lernen bei uns das Evangelium auf Deutsch. Das gibt ihnen die Möglichkeit, auch andere Kirchen kennenzulernen. Sie bewegen sich selbstverständlich in der neuen Kultur. Jugendliche sehe ich als grosse Brückenbauerinnen und –bauer für uns. Die Erwachsenen bleiben eher bei ihrer Sprache.

Viele Menschen bei euch haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus. Sie wissen nicht, was die Zukunft bringt, auch wirtschaftlich. Wie begleitet ihr diese Menschen? Wir haben eine Diakonie-Abteilung und sammeln Geld für Menschen, die Unterstützung nötig haben. Die EMK Baden trägt die Diakonie der äthiopischen Gemeinde mit. Aber auch geistlich werden wir unter-

MIGRATIONSKIRCHEN An den Projekttagen zum Thema Migration wurden auch Migrationskirchen thematisiert. Kathrin Hunn schliesst sich in ihrem Einstiegsreferat der Definition der EKS an: «Migrationskirchen sind ein Zusammenschluss von Christinnen und Christen mit Migrationshintergrund, die sich selbst als Kirche verstehen.» Gemäss dem Zentrum für Migrationskirchen der reformierten Kirche Zürich schenken sie «ihren Mitgliedern ein Stück Heimat und leisten wichtige Integrationsarbeit. Mit ihrer Begeisterung für den christlichen Glauben möchten sie möglichst viele Menschen in unserer Gesellschaft anstecken.» Kathrin Hunn ergänzt: «Es gibt Migrationskirchen, die zu einem übergeordneten, internationalen Kirchenbund gehören. Andere haben oft keine feste Gestalt, sie sind nicht durchorganisiert.» Eine Studie über Migrationskirchen sei zum Schluss gekommen, dass diese eine grössere Nähe zu Freikirchen hätten. Claudia Hoffmann, die Autorin dieser Studie, führe dies auf den stärkeren gemeinsamen Wert der Mission aber auch auf Theologie und Stil zurück. Bei neuren Migrationskirchen seien oft die Kultur und die Sprache verbindend. Die Konfession sei zweitrangig. Kathrin Hunns Fazit: «Migrationskirchen sind gleichermassen Inseln und Brücken».

unserer Kultur. Das zeigt sich in den Kleidern, im Essen und in der Sprache. Da wir nach dem koptischen Kalender feiern, finden sie jeweils eine Woche nach den europäischen Feiertagen statt. So feiern die Kinder zweimal.

stützt: Stefan Moll, Pfarrer der EMK Baden, kommt oft zu uns und predigt auf Deutsch. Mit deiner Familie bist du auch in der EMK Baden aktiv. Die EMK ist eher eine ältere Gemeinde …

meinTDS 2022-2

9


«Freundschaft soll heute beginnen, nicht morgen. Nicht erst, wenn wir wissen, dass jemand gut ist.» Teferi Kassa Biratu Wir aus Afrika respektieren die Älteren – sie sind wie eine Bibliothek. Das war also kein Problem für uns. Die EMK haben wir kennengelernt, weil sie einen offenen Treffpunkt für Migrantinnen, Migranten und Einheimische anbietet. Die Menschen dort waren offen und nahmen uns auf. Schon nach zwei Wochen war ich eingeladen, zu predigen. Diese Offenheit gegenüber einem afrikanischen Prediger war neu für mich und hat mich beeindruckt. Bald fragten sie mich an, Teil der Gemeindeleitung zu werden. Ich komme aus der Pfingstbewegung und konnte kein Deutsch. Also habe ich zuerst abgelehnt. Sie meinten, ich könne vorerst auf Englisch predigen. Ich habe mit meiner Frau gebetet, und Gott hat zu mir gesprochen. So habe ich schliesslich zugesagt. Du hast mir erzählt, Stefan Moll gäbe dir das Gefühl, dass ihr beide auf Augenhöhe seid, was die Lei­ tung betrifft. Woran spürst du das? Das ist eine wichtige, aber schwierige Frage. Ich denke an Jesus als Beispiel. Er war mitten unter den Menschen. Er begegnete auch Frauen. Er wusch seinen Jüngern die Füsse. Das habe ich mit Stefan ähnlich erfahren. Er kann, bildlich gesprochen, anderen die Füsse waschen. Er führt ein einfaches Leben, die Gastfreundschaft ist ihm sehr wichtig. Ich bekam Unterstützung, aber ich konnte auch Leute unterstützen. Die Leute der EMK Baden brachten dir Vorschussvertrauen,

10

meinTDS 2022-2

Offenheit und Gastfreundschaft entgegen. Du wurdest eingeladen, mitzugestalten, obwohl du fast kein Deutsch sprachst. Das finde ich beeindruckend und inspirierend.

und dauert ewig. Mit «ewig» haben wir kein Problem. Aber Freundschaft soll heute beginnen, nicht morgen. Nicht erst, wenn wir wissen, dass jemand gut ist.

Im Anschluss an das Interview war Raum für Fragen der Studierenden.

Wie können Menschen mit Migrationshintergrund in der Schweiz gut unterstützt werden?

Du machst so viel: Du hast eine Familie, leitest in zwei Gemeinden mit, studierst am TDS. Wie bringst du alles unter in einem Leben? Mit der Kraft und Gnade von Gott. Aber ich bin nicht allein. Die erste und beste Helferin ist meine Frau. Sie ist eine wunderbare Frau. Und die Kolleginnen und Kollegen von Baden unterstützen mich. Jeden Sonntag gehe ich nach Zürich. Ich habe kein Auto, kann aber das Auto von Stefan und anderen Gemeindegliedern benutzen. Ich sage Gott: Ich bin da – und er macht alles. Mit unseren Kindern läuft es gut. Sie sind gut in der Schule und machen bis jetzt keine Probleme. Die ersten zwei Jahre in der Schweiz waren schwierig. Nun bin ich gut angekommen. Ich leite in den Gemeinden, aber ich muss nicht immer predigen, wir leiten gemeinsam. Es gibt wunderbare Personen, auch Frauen, die mitleiten. Was können Schweizer Kirchen von der äthiopischen Kirche lernen? (Überlegt) Gegenseitiges Vertrauen. Es gibt ein Sprichwort: Schweizerische Freundschaft beginnt langsam

Es braucht Herz. In den letzten drei Jahren habe ich viel über Migration und Integration gelesen. Das Wichtigste ist jedoch: Ein Herz für die Menschen zu haben, so wie Jesus! Es ist nicht wie bei der Physik, wo man ein Problem mit einer Formel lösen kann. Wie kann ich Leute mit Migrations­ hintergrund kennenlernen? Einfach zu ihnen gehen. Jesus sagt: … bis ans Ende der Welt. Vielleicht haben sie ihre eigenen Ansichten, haben keine Perspektive, sind hoffnunglos. Einfach immer wieder gehen, anklopfen, fragen … Warum studierst du am TDS, wenn du schon Theologie studiert hast? Leben ist immer Lernen. Wann ist das Lernen abgeschlossen? Für mich ist es wichtig, die schweizerische, europäische Theologie zu verstehen. Ich gehöre zu dieser Kirche, ich gehöre zu euch, also muss ich eure Sprache und auch eure Theologie verstehen. So können wir zusammenarbeiten in der Diakonie, und einander verstehen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist.


RASSISTISCH? ICH DOCH NICHT! Astrid Schatzmann ist weisse* Adoptivmutter eines Schwarzen* Kindes. Dadurch beschäftigt sie Alltagsrassismus schon seit vielen Jahren. Im Rahmen der Projekttage Migration bot sie einen Workshop an mit dem Titel «Black Lives Matter»: klar – was aber ist «White Fragility»?. Im folgenden Text fasst sie ihr Anliegen zusammen.

Ich wünsche mir, dass Schwarze Kinder die gleichen Chancen wie weisse Kinder haben und weiss gleichzeitig, dass ich die Welt nicht verändern kann . Ich hoffe jedoch, mit meinen Workshops für diese Thematik zu sensibilisieren. Lange war ich der Meinung, dass Rassismus ein individuelles Problem einiger «feindlicher» Menschen ist und dass Rassismus eine bewusste Ablehnung voraussetzt. Langsam beginne ich zu verstehen, dass Rassismus eine ganz andere Dimension hat: Er ist ein System von ungleicher Machtverteilung. Daraus könnte ungerechte Behandlung meiner Tochter entspringen. Doch aufgepasst: Viele würden nun Rassismus weit von sich wegweisen. Hier kommt White Fragility ins Spiel. Unter diesen Begriff fällt z. B. die Reaktion weisser Menschen auf einen Rassismusvorwurf: Eine «Zerbrechlichkeit», eine Empörung, ein Ablehnen von Verantwortung. Sie geschieht auf der Grundlage der unausgesprochenen

Astrid Schatzmann ist Mitglied des Konvents des TDS Aarau. An den Projekttagen Migration führte sie einen Workshop durch über «White Fragility».

Abmachung, dass weisse Privilegien – und die gibt es! – aufrechterhalten werden. White Fragility betrifft die meisten Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind – auch mich. Etwa in meiner Vorstellung, dass ich als Mutter einer Schwarzen Tochter bestimmt nicht rassistisch sein könne. Letzthin habe ich mit Freundinnen einen Film geschaut: Die Verbrecher waren Schwarz, der Arzt, die Anwältin und die Hauptpersonen weiss. Welche Bilder werden da transportiert? Als ich meine Freundinnen darauf angesprochen habe, erwiderten

sie sinngemäss: «Ach tu doch jetzt nicht so, das ist doch nicht wichtig». White Fragility eben ... Immerhin ist daraus dann eine gute Diskussion entstanden, was mir Hoffnung für die Zukunft Schwarzer Menschen macht. Buchempfehlung zum Thema: exit RACISM von Tupoka Ogette, Verlag Unrast, Deutschland 2017

*RASSISMUSSENSIBLE SPRACHE Eine rassismussensible Sprache orientiert sich an der «Eigenbezeichnung» – also an den Begriffen, die eine bestimmte Gruppe für sich selbst verwendet. Ein Auszug aus dem Glossar für diskriminierungsfreie Sprache von Amnesty fasst dies wie folgt zusammen: Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie «Farbige» oder «Dunkelhäutige» lehnen viele People of Color ab. Die Initiative «der braune mob e. V.» schreibt: «Es geht nicht um ‘biologische’ Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.» Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiss gross zu schreiben. Eine alternative Schreibweise ist, weiss klein und kursiv zu schreiben.

meinTDS 2022-2

11


INTERN

«MEHR ALS NUR ARBEIT ...» Maya Künzle verlässt das TDS Aarau nach genau 20 Jahren. Im Gespräch mit Matthias Ackermann blickt sie zurück und erzählt, wie ihr in Bezug auf den Abschied zumute ist und was sie vermissen wird.

Wie kamst du zum TDS? Und wie zur Geschäftsführung? Ich arbeitete bei der Bank und kannte das TDS kaum. Erika Schibli, heute Vorstandsmitglied des TDS, war damals Geschäftsführerin. Sie kannte mich und wollte mich für die frei werdende Sekretariatsstelle gewinnen. Was ihr gelang: Nach anfänglichem Zögern wuchs die innere Überzeugung, dass das passt. Ich realisierte, dass ich auf die Dauer nicht glücklich werden würde an meiner Bankstelle. Zwei Jahre später wurde die Geschäftsführungsstelle frei. Ich bewarb mich und erhielt die Stelle. Wenn du zurückdenkst auf die Zeit am TDS: An welchen Meilensteinen warst du beteiligt? Ich denke an Herausforderungen, Projekte, Feiern …

12

meinTDS 2022-2

Im Jahr 2010 leitete ich zusammen mit Felix Studer die 50-Jahre-Feier des TDS Aarau: Ein Jubiläumsanlass für alle Absolventinnen und Absolventen sowie ein Festanlass im KUK Aarau. Diese Anlässe zu managen war intensiv und grossartig. Das Thema Spenden macht mich rückblickend dankbar: Es hat immer gereicht. Hatten wir einmal zu wenig Spenden, dann ergaben sich andere Einnahmen. Ich sehe es als Geschenk von Gott, dass mir die Finanzen nie schlaflose Nächte bereitet haben. Wenn du die letzten 20 Jahre überblickst: Was hat sich am TDS verändert? Das TDS Aarau erlebte eine Vergrösserung und eine Professionalisierung. Durch das grössere Team

und die Zunahme von Studierenden hat es heute mehr Leute im Haus. Ich habe den Aufbau des neuen Ausbildungsgangs mit der staatlichen Anerkennung miterlebt. Damit verbunden ist die neue Möglichkeit der staatlichen Unterstützung. Die Umstellung der Rechnungslegung auf FER21 sowie der Umbau des «Aarehauses» für die Erweiterung des Schulraums sind weitere Stichworte. Was wirst du vermissen? Was nicht? Ich werde die Kultur vermissen: Alle arbeiten mit, je ihren Begabungen entsprechend. Die Zusammenarbeit erlebte ich zielgerichtet, wertschätzend und wohlwollend. Diese positive Grundhaltung einander gegenüber bedeutete mir viel. Ich werde die Beziehungen vermis-


«Die Zusammenarbeit erlebte ich zielgerichtet, wertschätzend und wohlwollend.»

sen. Ich habe so viele spannende Leute kennengelernt – Angestellte, Mitglieder, Absolventen, Spendenderinnen, Geschäftspartner. Diese geschäftlich-freundschaftlichen Beziehungen gehen wohl nun ein Stück weit verloren. Die Tür-zu-Tür-Gespräche mit anderen Mitarbeitenden und auch Studierenden werde ich vermissen. Wir redeten mehr als nur übers Wetter … Was ich nicht vermissen werde? Vielleicht könnte ich hier eine kleine Routine-Müdigkeit nennen. Die positive Seite von Routine ist die Erfahrung und Kenntnisse durch die lange Zeit, die ich hier war. Jetzt freue ich mich auf neue Herausforderungen und Fragestellungen. Was verdankst du dem TDS? Meine Heirat … ;-) Zuvor aber die Möglichkeit, erstmals eine Führungsposition zu übernehmen. Der Vorstand gab mir damals diese Chance und das Vertrauen. Für mich fühlten sich die Schuhe anfänglich zu gross an, aber dadurch habe ich fachlich und persönlich viel gelernt und bin in beiden Ebenen gewachsen. Ich schätzte es, den Glauben und die Arbeit verbinden zu können. Ich denke an spannende Erfahrungen und Gespräche über Gottesbeziehung, Spiritualität, Glauben …

Gremienarbeit war für mich auch neu. Durch die Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Vorstand konnte ich Erfahrungen sammeln, die ich später auch in meine Kirchgemeinde hineingeben konnte. Am TDS kam ich auch in Kontakt mit sozial benachteiligten Menschen. Als ich von der Bank kam, waren solche Menschen nicht in meinem Blickfeld. Mit allen Herausforderungen war dies doch eine spannende Lebenserfahrung. Du bist für mich eine sehr aufmerk­ same Person, gerade auch Men­ schen gegenüber. Im Beruf hast du es aber vor allem mit Zahlen und Geschäften zu tun. Was liebst du je an diesen drei: Zahlen, Geschäfte, Menschen? Die Kombination dieser drei. Ich möchte keinen Bereich missen, denn ich brauche alle und schätze alle drei. Zahlen vergesse ich rasch wieder … Menschen bleiben mir in Erinnerung. Die gegenseitige Wechselwirkung finde ich spannend: Meine Arbeit ermöglichte mir Kontakte und ein erweitertes Netzwerk. Dadurch und indem ich einen guten Umgang mit Menschen pflege, komme ich auch fachlich weiter. Wie kam es zum Stellenwechsel und was erwartet dich?

Nach 20 Jahren am TDS, davon 18 Jahren in der Geschäftsführung, hatte ich das Bedürfnis nach einer Veränderung. Als Geschäftsführerin der Reformierten Kirche Aarau werde ich in einer ähnlichen Branche arbeiten wie jetzt am TDS. Auch mein Aufgabengebiet wird ähnlich breit sein. Das Team wird etwas kleiner sein: Etwa zehn Personen in Pfarramt, Diakonie und Sekretariat. Worauf freust du dich – in Bezug auf deine neue Stelle, und abgesehen davon? Ich freue mich, meine Erfahrungen aus dem TDS einbringen zu können und sie zu erweitern. Ich bin gespannt auf mein neues Team. Einige durfte ich in einer Kaffee-Runde schon kennenlernen. Vorerst freue ich mich auf drei Wochen ohne Arbeit. Ich habe ein bisschen Ferien geplant – mit meinem Bruder und dessen Familie und meinem Mann. Ich möchte mir auch Zeit nehmen, innerlich abzuschliessen. Ich bin dankbar für die Zeit am TDS! Ich werde auch mit einem weinenden Auge weiterziehen, denn am TDS war es «mehr als nur Arbeit». Herzlichen Dank für das Gespräch, Maya! Wir vom TDS wünschen dir von Herzen ein gutes Weiterziehen und Gottes Segen im Beruflichen und Privaten.

meinTDS 2022-2

13


LACHEN, WEITSICHT UND EINE OFFENE BÜROTÜR Was sagen Weggefährtinnen und Weggefährten über ihre Zusammenarbeit mit Maya Künzle? Aus unterschiedlichen Phasen und Beziehungen lassen wir sechs Stimmen zu Wort kommen.

Erika Schibli, ehem. Geschäfts­ führerin, Vorstand «Die Geschichte mit Maya und dem TDS begann vor 20 Jahren, als ich sie von ihrer Arbeit in der Bank ans TDS abwerben konnte. Derweil ich nach der Geburt unserer Tochter vor 18 Jahren weiterzog, übernahm Maya meine Stelle als Geschäftsführerin. So jung wie sie damals war, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass sie ganze zwei Dekaden das Leben und die Entwicklung des TDS aktiv und erfolgreich mitgestalten wird. Wir sind in diesen Jahren immer verbunden geblieben und einander durch meine Vorstandstätigkeit auch beruflich wieder näher gerückt. Vieles hat sich verändert im TDS und in Mayas Privatleben, aber einige typische Maya-Eigenheiten begegneten mir vor 20 Jahren genauso wie auch jetzt bei meinen letzten Begegnungen im TDS: Ein offenes Strahlen zur Begrüssung, Mayas grosse Tee-Tasse, Pulswärmer – immer passend zur Kleidung, die Farbe Blau, eine sorgfältige und professionelle Vorbereitung, ihr

14

meinTDS 2022-2

weitsichtiges Nachfragen: «Habt ihr daran gedacht, dass …?» Und natürlich bewundere ich damals wie heute ihre tolle Organisation mit To-Do-Listen fürs ganze Jahr, früher in Registermappen, heute digital. Ein Schatz, den ihre Nachfolgerin/ ihr Nachfolger bestimmt zu schätzen weiss.»

des TDS wurden mit den Jahren infolge von Vorschriften immer komplexer und schwieriger. Maya hat die neuen Anforderungen jeweils gut und seriös gemeistert. Meine Aufgabe war es, diese zu kontrollieren, mit Maya Verbesserungen zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. Jedes Mal ergaben positive Entscheide eine bessere Darstellung der Jahresrechnung. Wir dürfen heute stolz sein auf die ausgereifte Darstellung der Jahresrechnung. Sie ist zu einem grossen Teil Maya zu verdanken.

Hansjörg Burger, Vorstand, Finanz­ verantwortlicher «Während ihrer ganzen Zeit als Geschäftsführerin des TDS durfte ich als Finanzverantwortlicher des TDS Maya Künzle in allen Fragen im finanziellen Bereich beratend zur Seite stehen. Wir hatten in all den Jahren einige buchhalterische Probleme zu besprechen und zu lösen. Dank der guten Vorbereitung der Fragestellungen konnten wir meistens schnell eine Lösung finden. Die Aufgaben in der Buchhaltung

Maya hat buchhalterische Fragen mit mir besprochen und nicht eigenhändig Entscheide gefällt. Das schätzte ich, obwohl es unzählige Telefonate gab. Ich danke Maya für ihren grossen unermüdlichen Einsatz als Geschäftsführerin im TDS und schätzte die Zusammenarbeit mit ihr sehr. Nun wünsche ich ihr alles Gute im neuen Arbeitsfeld in der Aarauer Landeskirche.»


Luca Zanotti, Student der Klasse IV «Maya begegnete uns Studierenden immer mit ihrer aufgestellten und fröhlichen Art. Sie hat ein grosses Herz für unsere Anliegen und nimmt sie ernst.»

Maya ist äusserst teamfähig. Das erlebte ich auch im Organisationskomitee für die grossen 50-JahreTDS-Feiern im Jahr 2010; danach arbeiteten wir zusammen in der Baukommission für die TDS-Erweiterung 2018–2020. Wenn Maya eine Aufgabe übernimmt, dann erledigt sie diese ohne grosse Worte und termingerecht. Garantiert. Durch deine Heirat mit Urs verbindet uns nun über unsere TDS-Zeit hinaus eine Beziehung zu Südamerika, zu gemeinsamen Freunden in Peru.

Felix Studer, ehem. Konrektor

Danke Maya, vergelt’s Gott. Und er segne dich und euch als Ehepaar auf eurem weiteren Weg. Du warst ein Segen und du wirst ein Segen sein.»

«Ein glockenhelles Lachen tönt durchs Treppenhaus; Maya ist da! Das fröhliche, ansteckende Lachen ist eines von Mayas Markenzeichen, welche das TDS während genau zwanzig Jahren mitgeprägt haben. Alle im Haus werden es schmerzlich vermissen, wenn Maya Künzle nun weiterzieht. Natürlich wird nicht nur Mayas Lachen fehlen. Ihre Objektivität in allen Finanzfragen, ihre sprichwörtliche Zuverlässigkeit, ihre umsichtige Personalführung: All das und noch viel mehr sind Mayas Markenzeichen. Auch stand sie Studierenden mit finanziellen Sorgen beratend zur Seite. Durch ihre kompetente Geschäftsführung hielt sie den Dozierenden den Rücken und den Kopf frei für die eigentliche Ausbildungsarbeit. Wir arbeiteten lange zusammen in der Schulleitung, aber auch in der Organisation der religionspädagogischen Praktika. Wir bestärkten uns gegenseitig in der Überzeugung: «Es gibt immer eine Lösung!» Und es gab immer eine Lösung. Dahinter steht Mayas ausgezeichnete Vernetzung, ihre Beharrlichkeit und natürlich ihr Gottvertrauen, das weit über reinen Optimismus hinausgeht.

Irina Rindlisbacher, TDS-Absolventin «Wenn ich an Maya denke, kommt mir sofort ihre offene Bürotüre in den Sinn. Mit ihrer fröhlichen und wertschätzenden Art war sie meistens für einen ‘Schwatz’ zu haben oder stand bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Mit dem Diakoniefonds durfte ich auch einen Teil ihrer fachlichen Kompetenz erleben. Stets zackig, korrekt und wertschätzend erlebte ich die Zusammenarbeit mit ihr. Am TDS zu sein, ohne bei Maya kurz vorbei zu schauen – ich kann es mir noch nicht vorstellen. Sie wird mir fehlen.»

Christoph Schwarz, Rektor TDS Aarau Regelmässig unterschreibe ich Spenden-Verdankungsbriefe. Maya schaute diese jeweils durch. Häufig schrieb sie ein persönliches Wort dazu bei den Empfängerinnen und Empfängern, die sie kannte – das waren immer erstaunlich viele! In ihrem Aufgabengebiet der Finanzen und Verwaltung hat sich Maya immer für die Menschen dahinter interessiert. Sie hat nach dem Ergehen gefragt und sich Zeit für das Persönliche genommen. Das schätzte ich sehr an ihr. So schuf sie über eine lange Zeit ein grosses Netzwerk an Beziehungen zu Studierenden und zum Personal, zu Spenderinnen und TDS-Freunden, zu Geschäftskontakten und Vereinsmitgliedern. Davon profitierte das TDS sehr. Bei unseren wöchentlichen Besprechungen konnte ich mich auf ihre Zuverlässigkeit und Genauigkeit in unzähligen Details verlassen. Gemeinsam machten wir Hochrechnungen über die Entwicklung von Studierendenzahlen und planten die Finanzen. Wir lösten das Puzzle, wie unsere gemischte Rechnung der verschiedenen Lehrgänge dem Staat korrekt und verständlich zu präsentieren ist für die Berechnung der Subventionen. In allem war dir, Maya, das Zentrum immer wichtig: dass wir von Gott her und auf Gott hin unterwegs sind, auch als TDS. So gehörten regelmässige Gebetszeiten für dich selbverständlich dazu, sei es in deinen Teamsitzungen mit dem Verwaltungsteam oder bei uns in der Schulleitung. Vielen Dank für all dein Wirken und Prägen über diese lange Zeit fürs TDS! Und danke, dass du auch weiterhin punktuell zur Verfügung stehst, wenn es um die Einarbeitung deiner Nachfolgerin gehen wird!

meinTDS 2022-2

15


N E T I E B R A M O L P I D

ALKOHOLKONSUM, QUELLGEMEINDE, WOHLFÜHLSPIRITUALITÄT Für die Diplomarbeit vertiefen sich die Studierenden in ein Thema aus den Kernbereichen des TDS Aarau: Theologie, Diakonie, Soziale Arbeit. Es soll dabei eine Verknüpfung aller drei Bereiche angestrebt werden.

Patrick Balsiger Ursula Eichenberger Angelo Fässler

Rahel Haag

Kirche und Caring Community

Hierarchie in der Kirche Wer soll und darf uns leiten? Die gemeindeanimatorischen Möglichkeiten der Diakonissen und ihre Zukunft

Manuela Nufer Sally-Anne Pitassi

Die individuelle Wohlfühlspiritualität führt in eine Sackgasse Jugend gestaltet Kirche

Andreas Schindelholz

Jeder Atemzug ein Lobpreis für Gott

Satellitengemeinde-Netzwerk Chrischona Toggenburg

Christian Schmid

Benjamin Hunziker

Die Vision der Quellgemeinde

Luca Villardita

Anja Isler

Der Umgang mit Moralvorstellungen in sozialen Berufsfeldern

Kirche und Burnout

Unterwegs mit meiner Persönlichkeit Ein Stationenweg

Jamin Weibel

Alkoholkonsum bei jungen Erwachsenen

Luca Zanotti

Bibel erleben

Sexualität – ein Garten?

Matthias Krähenbühl

Echte Männer braucht die Kirche

Michael Luchsinger

Begegnung als Herausforderung menschlichen Daseins

meinTDS 2022-2

Erfolgreiche christliche Jugendarbeit

Joel Ringgenberg

Samuel Huber

Nicole Joss

16

Glauben in der Familie auf natürliche Weise leben

Samuel Zaugg

Wertschätzung von freiwilligen Mitarbeiter:innen

Rahel Zimmermann

Die Kirche und Generation Y


Evangelium der Solidarität statt Wohlfühlspiritualität Sally-Anne Pitassi kommt in ihrer Diplomarbeit zum Schluss, dass Wohlfühlspiritualität in eine Sackgasse führt. Wie bist du zu deinem Thema gekommen? Im Sozialpraktikum anfangs Klasse II kam bei mir ein Prozess in Gang. Ich hatte dort mit geistig beeinträchtigten Personen zu tun. Sonst arbeitete ich in der Kirche mit Jugendlichen. Ich sah plötzlich einen grossen Gegensatz: Hier die bedürftigen Menschen, die darauf warten, eingeladen zu werden. Dort Konfirmanden, denen wir «nachlaufen», deren Interesse an Gott oft nicht so gross ist. Daraus entstand die Idee, die Spiritualität in den Kirchen, die ich kenne, unter die Lupe zu nehmen. Womit hast du dich in deiner Diplomarbeit beschäftigt? Ich habe mich vermehrt mit sozialen Aspekten auseinandergesetzt. Diese wurden mir immer wichtiger und sind heute Teil meiner Spiritualität. In der Kirche fehlen diese Aspekte oft. Ich glaube, Gott ist Sozialethik genau so wichtig wie die Verkündigung – beide Aspekte gehören für mich zusammen und führen uns in eine gesunde Spiritualität und einen gesunden Lebensstil. Einer «Wohlfühlspiritualität» habe ich Aussagen aus der Bibel gegenübergesetzt. Im Alten Testament z. B. die Idee des Jubeljahrs. Es ist ein Gesetz, dem die Solidarität mit Schwachen und Ausgegrenzten zugrunde liegt. Diese Haltung zeigt sich auch im Leben von Jesus. Wie würdest du eine gesunde Spiri­ tualität beschreiben?

Sie ist ganzheitlich und umfasst sowohl das Ich als auch das Du. Ich bin heute der Meinung, dass Spiritualität nicht nur eine Sache zwischen mir und Gott ist. Ganzheitliche Mission beinhaltet die persönliche Dimension, aber auch eine gesellschaftliche, eine politische und kulturelle. Sie ist auch auf meine Mitmenschen bezogen. Inwiefern hat das TDS zu deiner ganzheitlichen Auffassung des Evangeliums beigetragen? Es sind vor allem die Begegnungen mit Menschen während den letzten vier Jahren – im Sozialpraktikum und am TDS – die meinen Horizont erweitert haben. Welche Auswirkungen deiner Spiritualität auf dein Arbeiten und Leben möchtest du erleben? Durch meine Diplomarbeit habe ich meine Werte und Prinzipien neu hinterfragt. Mir wurden sozialethische Aspekte im Leben wichtiger. Ich möchte mein Anliegen einer ganzheitlichen Spiritualität auch in den kirchlichen Unterricht einfliessen lassen.

Umgang mit Alkohol sei, hat mich schon als Jugendlicher beschäftigt. Mit der Diplomarbeit konnte ich mich nun noch mit der theoretischen – der theologischen und medizinischen – Seite befassen. Und was hast du herausgefunden? Der Umgang mit Alkohol in der Kirchengeschichte war eher schwerfällige Kost. Ich versuchte, daraus eine gute Botschaft zu machen. Thomas von Aquin zum Beispiel forderte, dass sich der Mensch zu Zucht und Mass erziehen soll. Mir gefällt die Fortsetzung: Denn dann zeige sich, ob ich mich selber steuern kann, oder ob ich mich von Umständen leiten lasse. Meine Arbeit mündet in fünf Fragen, mit denen Jugendliche ihren Alkoholkonsum reflektieren können: Die Frage nach dem Mass, wie schon erwähnt. Ferner: Wie verbringe ich Zeit mit Gott? Beeinträchtigt der Alkohlkonsum diese Zeiten? Eine dritte Frage: Kann ich in nüchternem und angetrunkenem Zustand so leben, wie Gott es meint? Mich damit beschäftigen, wie Gott will, dass wir leben, ist also die Grundlage für meine dritte Frage. Wieweit hat das TDS beigetragen zu deinen Erkenntnissen?

Alkoholkonsum bei Jugendlichen Jamin Weibel reflektierte schon als Jugendlicher seinen eigenen Alkoholkonsum. Seiner Diplomarbeit fügt er theologische Aspekte hinzu. Wie bist du zu deinem Thema gekommen? Mich interessieren praktisch-theologische Fragen, also die Auswirkungen der Theologie aufs Leben. Ich glaube, dass Gott eine gute Idee vom Leben hat. Die Frage, was ein guter

Wir wurden am TDS gelehrt, dass der Mensch fähig sei, im Nachdenken und Unterwegssein mit Gott gute Entscheidungen zu treffen. Diese Haltung will ich Jugendlichen vermitteln, auch in der Frage nach dem Alkoholkonsum. Daher die fünf Fragen. Was wünschst du deinen Jugendlichen? Überlegt euch: Wie will ich mich verhalten, damit ich eine gute Zeit habe? Gott möchte uns nicht Regeln halten lehren. Er möchte uns gewinnen für eine gute Art des Lebens.

meinTDS 2022-2

17


3 2 0 2 / 2 2 0 2 M M A R K U R S P RO G Ganz im Vertrauen In Krisenzeiten ist Sicherheit gefragt. Ganz im Vertrauen auf Gott zu leben, das vermittelt Ruhe und Sicherheit. «Und doch bist du der Heilige, der thront über den Psalmen Israels. Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten, und du halfst ihnen.» (Psalm 22, 4-5) Seit Jahrtausenden finden Menschen in den Psalmen zu einem tiefen Gottvertrauen (Kurs 2); das typische «Und doch ...» bezeugt eine Stärkung hin zu neuem Vertrauen gerade dann, wenn die Not am grössten ist. Aber in Krisen tauchen auch Weltuntergangsszenarien auf – und

Felix Studer, Studienleiter Kurswesen

diese wirken nicht unbedingt beruhigend und vertrauensfördernd. Da lohnt sich ein vertiefter Einblick in die Offenbarung, die in Wirklichkeit ein Trostbuch ist (Kurs 10), oder ein Blick auf die Weltlage aus einer jüdisch-christlicher Perspektive der Hoffnung (Kurs 19). Es lohnt sich, auf theologisch gutem Grund zu stehen mit solider biblischer Auslegung (Kurse 1-10, 13, 16, 18, 22), mit einem geklärten Bibelverständnis (Kurs 23), mit Visionen für die Zukunft der Kirche (Kurs 11), mit hilfreichem Hintergrundwissen zu aktuell die internationale Politik prägenden Ideologien (Kurs 12) und zu den Begrenzungen einer atheistischen Weltsicht (Kurs 15). Alle diese Themen verstehen wir als persönliche «vertrauensbildende Massnahmen» im Sinn eines beherzten «Und doch ...»!

kann und will (Kurse 14, 20, 25). Um Selbstvertrauen und Auftrittskompetenz geht es im Kurs 21.

Ein Grundvertrauen im Alltag vermitteln auch Kurse zum Umgang mit Erwartungen anderer Menschen und mit dem, was ich selbst eigentlich

Auch dazu heisse ich Sie sehr herzlich willkommen.

In der aktuellen Lage Menschen aus anderen Kulturen Sicherheit zu geben, dazu vermittelt der Kurs 24 christlichen Gemeinden und Gastgebern von Flüchtlingen wichtige Impulse. So können wir dazu beitragen, dass Entwurzelte zu neuem Halt und Vertrauen finden. In einer neuen Lebensphase selbst sicher Tritt zu fassen, dazu lädt Kurs 17 ein. Erleben und vermitteln Sie Vertrauen? Unsere TDS-Kurse wollen Ihnen stärkende Grundlagen dazu anbieten. Über die genannten Kursangebote hinaus können Sie am TDS Aarau als Gast studieren – und dabei in eine Vielzahl von Themen noch tiefer eintauchen.

Das macht Sinn – mit der Bibel vertraut werden In vier Jahren durch die Bibel. Mit Pfr. Philipp Hendriksen (Altes Testament, Kurse 1–2, 8–10) und Thomas Härry, Theologe M.A. (Neues Testament, Kurse 3–7). 1 | Das Buch Hiob: Die grosse Frage nach dem Leiden und Gott 19. Sept. 2022, 19–21 Uhr

5 | Die Petrusbriefe und der Judasbrief 19. Jan. 2023, 19–21 Uhr

9 | Das Predigerbuch: Eine schonungslose Bestandsaufnahme 8. Mai 2023, 19–21 Uhr

2 | Die Psalmen: Das Gebetsbuch der Bibel 24. Okt. 2022, 19–21 Uhr

6 | Der Hebräerbrief 23. Feb. 2023, 19–21 Uhr

10 | Das Hohelied: Das Lied der Lieder 5. Juni 2023, 19–21 Uhr

3 | Der Jakobusbrief 10. Nov. 2022, 19–21 Uhr 4 | Die Johannesbriefe 8. Dez. 2022, 19–21 Uhr

18

meinTDS 2022-2

7 | Die Offenbarung des Johannes 23. März 2023, 19–21 Uhr 8 | Das Buch der Sprüche: Weisheit als Erkenntnisweg. 3. Apr. 2023, 19–21 Uhr


Abend- und Samstagskurse

Gaststudium

11 | Chancen der Zeit nutzen Visionen für Kirche und Christsein. Felix Ruther 31. Aug. 2022, 19–21 Uhr

18 | Ein Leib, ein Geist, ... Den Epheserbrief entdecken. Stefan Wenger 12. Nov. 2022, 9.15–16.00 Uhr

12 | «Wir haben den Horizont weggewischt» (F. Nietzsche) – und wer sagt uns jetzt, was Wahrheit und/oder Lüge ist? Peter Henning 10. Sept. 2022, 9.15–12.30 Uhr

19 | «Dass der Mandelbaum wieder blüht ...» Die gegenwärtige Weltlage verstehen. Peter Henning 19. Nov. 2022, 9.15–12.30 Uhr

13 | Der wesenhaft gute Kyrios Den Jakobusbrief entdecken. Stefan Wenger 17. Sept. 2022, 9.15–16.00 Uhr 14 | Ich bin eigentlich ganz anders – ich komme nur so selten dazu! Karin Härry 19. Okt. 2022, 19–21 Uhr 15 | Den Herausforderungen des Atheismus begegnen Felix Ruther 29. Okt. 2022, 9.15–16.00 Uhr 16 | «… Ich aber sage euch, überglücklich seid ihr, wenn …» Dieter Kemmler 31. Okt, 7. und 14. Nov. 2022, 19–21 Uhr 17 | Neue Perspektiven – Chancen meiner Pensionierung Hansurs und Elisabeth Walder, Johannes Hunziker 5. Nov. 2022, 9.15–16.00 Uhr

20 | Mutig Nein und mutig Ja Monika Riwar 7. Jan. 2023, 9.15–16.00 Uhr 21 | Entspannt und authentisch auf der (digitalen) Bühne Ladina Spiess 14. Jan. 2023, 9.15–16.00 Uhr 22 | Vom Vater, der ins Verborgene sieht und sich um euch sorgt. Dieter Kemmler 27. Feb., 6. und 13. März 2023, 19–21 Uhr

Fast alle Module des TDSDiplomstudiums stehen weiteren Interessierten offen. Auf unserer Homepage finden Sie eine Übersicht über Inhalte und Daten. www.tdsaarau.ch/gaststudium

Weiterbildung Nachqualifikation Gemeindeanimation HF Anmeldungen zur Nachqualifikation zum Diplom Gemeindeanimation HF können weiterhin entgegengenommen werden. Für diesen zweiten – und vielleicht letzten – Durchgang ab November 2022 hat es noch freie Plätze. Zielgruppe: TDS-Absolventinnen und -Absolventen mit Diplom zwischen 1992 und 2019

23 | Bibelverständnis zwischen Fundamentalismus und Beliebigkeit Felix Ruther 4. März 2023, 9.15–16.00 Uhr

Infos: tdsaarau.ch/nachqualifikation

24 | Kulturgrenzen – unüberwindbar oder Chancen zur Begegnung? Johannes und Barbara Müller 11. März 2023, 9.15–16.00 Uhr

Sozialräumliches Arbeiten Die Sozialraumanalyse und das integrierte Projektmanagement verhelfen zu neuen Impulsen und Aufbrüchen für die kirchliche Arbeit im Ort.

25 | Beziehungsfest werden Karin Härry 18. März 2023, 09.15-16.00 Uhr

WEITERE INFORMATIONEN UND ANMELDUNG Unsere Kursprogramm-Broschüre (erscheint Ende Juni 2022) sowie unsere neue Website (ab August 2022) enthalten genauere Informationen zu jedem Kurs. Anmeldungen sind via Webformular, E-Mail oder Telefon ans Sekretariat möglich.

Folgende Kurse aus der Weiterbildung zur Nachqualifikation stehen allen Interessierten offen:

Dozierende: Christian Peyer, Kathrin Hunn-Vogler, Urs von Orelli; 6 Tage von Nov. 2022 bis Feb. 2023 Professionell «Helfen» Grundlagen für gelingende Beziehungs- und Prozessgestaltungen in der Sozialen Arbeit Dozentin: Kathrin Hunn-Vogler; 3 Tage, 19.–21. Januar 2023

www.tdsaarau.ch/kurse Tel. 062 836 43 43

meinTDS 2022-2

19


In Kooperation mit dem TDS

Empfohlen vom TDS

Führung und Organisationsentwicklung AWM Korntal, mit Thomas Härry, Claudine Aeberli-Hayoz, Stefan Lingott u. a. 12 ein- oder zweitägigen Module und drei Supervisionstage von Sept. 2022 bis Nov. 2023 am TDS Aarau Infos: www.awm-korntal.eu/oech

Werdegang geistliche Begleitung Lernen, andere zu begleiten: Eine Halbjahres-Weiterbildung für Menschen, die geistlich wachsen wollen. VBG Schweiz, mit Ruth Maria Michel, Martin Voegelin u.a. 5 Wochenend-Module von Januar bis Juni 2023 im Haus der Stille in Wildberg.

INSERAT

Ohren auf für

adonia.ch/kids Werde Konzertveranstalter der Adonia-Teens-Tour 2023

Drei Gründe, ein Adonia-TeensKonzert zu organisieren: 1. Adonia-Musicals begeistern Jung und Alt. Wir verzeichnen durchschnittlich 350 Besucher – so erreichst du die Öffentlichkeit! 2. Durch dein Engagement förderst du eine wichtige christliche Kinderund Jugendarbeit und die Verbreitung der biblischen Botschaft. 3. Der finanzielle und zeitliche Aufwand für die Organisation eines Adonia-Konzerts ist überschaubar.

Jonas Hottiger teens@adonia.ch 062 746 86 43

adonia.ch/veranstalter

Adonia hat ein eigenes Radio! Es ist speziell für Kinder und bietet viel Musik. Von Montag bis Freitag ist eine Kindersendung zu hören. Dies als Ergänzung zu Adonia-KidsTV und den vielen Hörspielen, Musik und Musicals im Onlineshop. Danke, wenn du Adonia unterstützt.

Programm Rund um die Uhr Musik für Kinder 9:00 bis 12:00 Uhr (Mo - Fr) Musik für Vorschulkinder 19:00 bis 22:00 Uhr Ruhige Gutenacht-Musik 11:30, 17:30 und 19:30 Uhr Adonia-Kindersendung

Werde Mitarbeiter bei einem coolen Adonia-Projekt!

adonia.ch/campmitarbeiter Wir suchen Mitarbeiter für unsere Musical- und Sportcamps Adonia-Camps eignen sich, um Fähigkeiten in Leiterschaft zu trainieren und zu fördern. Wir benötigen jedes Jahr: Musicalcamps: Hauptleiter, Gruppenleiter, Chorleiter, Bandleiter, Tontechniker, Küchenteams Sportcamps: Headcoaches, Teamcoaches, Küchenteams


WI R TRAU ERN GIOVANNI HOHL 1936–2022

Giovanni Hohl wirkte von 1990 bis zu seiner Pensionierung 2001 als Hauptdozent und Fachbereichsleiter für «Gemeindearbeit/Gemeindepraxis» am TDS Aarau. Giovanni brachte seine grosse Erfahrung und Professionalität ins Team ein und bereitete die Studierenden äusserst realitätsbezogen auf ihren Beruf vor. Giovan-

ni verstand es, junge Menschen zu fördern, indem er ihnen ein sowohl humorvolles als auch respektvolles Gegenüber war – und ihnen gleichzeitig massgeschneiderte Verantwortungen übertrug. Er leistete auch visionäre Beiträge zur Entwicklung von Lehrplan und Struktur des TDS Aarau, unter anderem zum Berufsbild der Sozialdiakonie und zur Schaffung einer Geschäftsführungsstelle. Giovanni gehörte zusammen mit seiner Frau Verena dem «Dozierendentreff» an, bei dem die Hauptdozierenden einander abwechselnd Gastfreundschaft gewähren und kulinarische, gemütliche und auch geistliche Gemeinschaft pflegen. Das Ehepaar Hohl hat dadurch einen sehr persönlichen Beitrag zur Trägerschaft der Schule geleistet.

So werden wir Giovanni auch mit grosser Dankbarkeit in Erinnerung behalten, als geselligen Freund, der uns mit seinem weiten Horizont, seiner offenen und klaren Art und mit seiner Liebe zu Christus bei jedem Gespräch wichtige Impulse mit auf den Weg gab. Giovanni und Verena, ihr wart und bleibt uns Vorbilder in eurem liebevollen Umgang miteinander, gerade auch in der schweren Zeit der körperlichen Einschränkungen und der Krankheit. Wir bitten Gott um seine spezielle Nähe zu dir, liebe Verena. Gott tröste und trage dich. Die TDS-Gemeinschaft entbietet dir und deiner Familie ihr tief empfundenes Beileid. Felix Studer

MARCEL BÄNI 1957–2022 Mit grosser Trauer haben wir am 14. März 2022 von unserem Absolventen und langjährigen Dozenten Marcel Bäni Abschied nehmen müssen. Völlig überraschend starb er am Montag, 7. März. Marcel Bäni studierte von 1984 bis 1987 an der damaligen Schweizerischen Evangelischen Bibelschule.

2002 übernahm Marcel Lehraufträge am TDS, u. a. leitete er die beliebte Gruppendynamikwoche (siehe Bild). Erlebnispädagogik war für ihn ein Lebensauftrag. In all seinen vielfältigen Tätigkeitsfeldern referierte er nicht nur, sondern vermittelte Erlebnisse mit Tiefgang.

Wir sind tief erschüttert, einen tollen Freund, aber auch einen sehr guten Dozenten verabschieden zu müssen. Wir haben uns noch auf viele wertvolle Begegnungen gefreut. Nun ist er bei Gott, auf welchen er seine Hoffnung und sein Leben schon als junger Mann ausgerichtet hat. Persönlich vermisse ich Marcel sehr, war er doch während Jahren mein Coach, Seelsorger und auch unser Hochzeitsprediger. Wir am TDS vermissen Marcel und seine aufgestellte Art. Wir gedenken seiner Frau Beatrice und seiner Familie. Ueli Frey, Präsident TDS Aarau

meinTDS 2022-2

21


N E R E I L U T A WI R GR HOCHZEITEN

G E B U RT E N

NAEMI & HARRY PETER 11. Juni 2022 in Mümliswil. Daniel (Harry) studierte 2009–2013, Naemi (ledig Schaub) 2014–2018 am TDS Aarau.

MANEO MANOAH 1. Februar 2022 Sohn von Binja und Ralph Wittwer mit Senea. Ralph studierte 2017– 2021 am TDS Aarau.

EWA LIELLE 22. Februar 2022 Tochter von Jael und Simon Buser mit Jemina Elea. Jael (ledig Leuenberger) studierte 2012–2016 am TDS Aarau.

MARIE 15. Februar 2022 Tochter von Simone und Sascha Bast. Simone (ledig Hug) studierte 2016–2020 am TDS Aarau.

S D T M A N E G N U R E VERÄN D Nachfolge von Maya Künzle

Die Stelle «Leitung Administration und Finanzen» wurde neu ausgeschrieben. Nach einem längeren Prozess steht nun eine Anstellung kurz bevor (Stand 9. Mai). In den digitalen Medien sowie im nächsten meinTDS werden wir die neu gewählte Person vorstellen.

INSERAT

DIGUNA Discipleship Training, Kenia

Maren Schweitzer verlässt das TDS

Nach gut einem Jahr verlässt uns Maren Schweitzer auf Ende Mai, weil sie eine andere Stelle mit einem höheren Pensum übernimmt. Sie unterstützte das TDS-Sekretariat mit einem 20-ProzentPensum. Wir danken Maren für ihren Einsatz und wünschen ihr für die neue Stelle Freude und Erfüllung sowie Gottes Segen für ihren weiteren Weg.

Neue Homepage

Die Website des TDS Aarau ist in die Jahre gekommen. In Zusammenarbeit mit der Firma Basel West entsteht eine gänzlich erneuerte Homepage des TDS Aarau. Sie präsentiert Interessierten unsere Ausbildung in schlichtem, klarem und ansprechenden Stil. Der Wechsel auf die neue Homepage ist für den Studienstart im August 2022 vorgesehen.

22

meinTDS 2022-2

Die Jüngerschafts-Schule in der Nähe von Nairobi sucht einen

Lehrer für einen Langzeit-Einsatz von fünf oder mehr Jahren. Stellenbeschreibung und weitere Informationen erhältlich beim Schulleiter Hans Seppi, P. Box 15566, 0053 Mbagathi-Kenya, Kenia. E-Mail: seppi.kenya@gmx.net Homepage: www.ddt.li


SPEN DEN

AUSBILDUNG FÜR DEN NOTFALL

Liebe Freunde des TDS Aarau Liebe Spenderinnen und Spender Wir leben in sehr unruhigen Zeiten. Seit dem 24. Februar 2022 – Russlands Angriff auf die Ukraine – ist die Welt nicht mehr die gleiche wie vorher. Ich habe das Gefühl, dass der Friede, welchen wir in Europa so lang geniessen durften, nicht mehr da ist. In ganz Europa wird über Aufrüstung gesprochen, auch in der Schweiz. Die Flüchtlingswelle aus der Ukraine ist in der Schweiz angekommen. Und weil die Zahl von Flüchtenden täglich steigt, steht auch unser System unter grossen Herausforderungen. Kurz nach Kriegsbeginn erfuhr ich, dass Übersetzerinnen gesucht würden. Als Schweizerin mit russischer Muttersprache habe ich mich sofort gemeldet. Erst nach mehreren Wochen erhielt ich eine Reaktion: ein Danke für meine Geduld. Doch bis heute bin ich nicht zum Einsatz gekommen. Da habe ich gedacht: Wie wichtig ist unsere Ausbildung am TDS! In Notfallsituationen kommt sie zum Einsatz: Projektmanagement, Soziale Arbeit, Integration, Theologie (... Nächstenliebe) – darin werden unsere Studierenden ausgebildet.

Marina Wyrsch, Buchhalterin TDS Aarau

IMPRESSUM

HERAUSGEBER: TDS Aarau. Höhere Fachschule Theologie, Diakonie, Soziales

Darum ist Ihre Spende so wichtig! Sie ermöglicht uns, in Menschen zu investieren. Damit diese den Nöten dieser Welt professionell und mit Herz begegnen können.

SEKRETARIAT: TDS Aarau, Frey-Herosé-Strasse 9, CH-5000 Aarau, +41 62 836 43 43, www.tdsaarau.ch sekretariat@tdsaarau.ch LEITUNG: Pfr. Christoph Schwarz, Rektor TRÄGERVEREIN: Ueli Frey, Präsident

Herzliche Grüsse

REDAKTION: Matthias Ackermann, Felix Studer GRAFIK/LAYOUT: Matthias Ackermann LEKTORAT: Felix Studer DRUCK: Koprint AG, Alpnach Dorf AUFLAGE: 3'800 Exemplare, viermal jährlich

PS: Finanziell spüren auch wir die «Krisenstimmung»: Der April-Spendenstand ist der tiefste seit vielen Jahren, unser Spendenziel per Ende April ist zu 62 % gedeckt. Danke, wenn Sie in die Zukunft investieren!

ABONNEMENT: CHF 20.–/EUR 15.– pro Jahr INSERATE/MEDIADATEN: sekretariat@ tdsaarau.ch; tdsaarau.ch/inserieren BILDNACHWEIS: TDS Aarau SPENDENKONTO PostFinance AG PC-Konto Nr. 50-1903-6 IBAN CH22 0900 0000 5000 1903 6 (Für EUR siehe tdsaarau.ch/spenden) Spenden ans TDS Aarau sind steuerabzugsfähig. ZERTIFIKATE/GÜTESIEGEL:

Stand Ende April 2022 in CHF 500'000

1. Daten eingeben Spendenziel 2022 2. Zahlen: TheSans plain 9 3. 'Apostrophe einfügen: 500000 Fehlende Spenden

400'000

bis Ende 2022

300'000

Fehlende Spenden bis Ende April 2022

200'000

Eingegangene Spenden bis Ende April 2022

100'000 0

Einzelspenden 1

2

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12

480'000 388'300 56'000 91'700 58'600

Kirchgemeinden/ Firmen/Institutionen 33'200

meinTDS 2022-2

23


AGEN DA STU DIUM

SCH N U PPERN

Abschlussprüfungen 20 Juni bis 1. Juli 2022

www.tdsaarau.ch/schnuppern 062 836 43 43

Sommerferien/Praktika ab 2. Juli 2022

Schnuppernachmittage Interessierte sind eingeladen, Dozierende und den Unterricht am TDS Aarau kennenzulernen.

Praktika Klasse II: Sozialpraktikum bis 14. Oktober 2022 (Teilzeit) bzw. 16. Dezember 2022 (Vollzeit) Klasse III (Vollzeit): Gemeindepraktikum bis 16. Dezember 2022 Klasse IV: Wahlpraktikum/Diplomarbeit bis 25. November 2022

Die Daten werden laufend auf unserer Website publiziert.

­­ EITERB ILDU NG W www.tdsaarau.ch/kurse | 062 836 43 43

Kurswoche Jugendarbeit (Klasse III) 30. Juli bis 5. August 2022, Valbella Start Studienjahr 2021/2022 8. August 2022 Diplom- und Eröffnungsfeier 28. August 2022, 14.30 Uhr, Stadtkirche Aarau Retraite/Psychologiekurs (Klasse I) 10. bis 13. September 2022, Montmirail Herbstferien vom 1. bis 16. Oktober 2022

Studieren als Gast Ab neuem Studienjahr im August 2022 sind viele Module für Gaststudierende offen: Theologische Module wie Kirchengeschichte, Bibelkunde Altes und Neues Testament, Dogmatik; Module aus der Sozialen Arbeit wie Sozialwesen Schweiz, Empowerment, Freiwilligenarbeit. Siehe S. 21, weitere Infos beim TDS-Sekretariat. Nachqualifikation Gemeindeanimation für Absolventinnen und Absolventen des TDS Aarau. November 2022 bis September 2023 am TDS Aarau.

Gruppendynamikwoche (Klasse II) 24. bis 28. Oktober 2022

A­­ N LÄSSE LebensMUTig Fachtagung Glaube und Behinderung 16. Juni 2022, Campus Sursee (Siehe S. 18) Die Macht des Heiligen Studientage zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung 13.–15. Juni 2022, Universität Fribourg Das TDS Aarau ist Partner.

Connected Leitungskongress von Willow Creek Deutschland 25.–27. August 2022, Leipzig DE Thomas Härry ist Referent.

Wenn die Bibel von Vergebung spricht, meint sie nicht, dass Sünde und Böses ohne Konsequenzen bleiben müssen. Aber ich hasse nicht, sondern bete täglich, dass Gott die Seele der Ukrainer bewahrt, damit auch sie nicht von Hass überwältigt werden. Ich möchte meine Zeit und Energie voll dafür einsetzen zu helfen. Und ich spüre, wie gut mir das tut! Wie es mir hilft, dass ich, wenn auch nur in kleinem Masse, ein Gegengewicht setzen kann zu all dem Schrecklichen, das in diesem Krieg geschieht. Das ist die Botschaft von Ostern: Dass wir Hoffnung haben können, selbst wenn Böses in der Welt existiert: Hoffnung, dass wir mit Gottes Hilfe das Böse überwinden können. Auch an Ostern wurden böse Taten verübt: Jesus, ein unschuldiger Mann, wurde missbraucht, gefoltert und getötet. Aber das war nicht das Ende, es war der Anfang einer neuen Epoche. Jesu Auferstehung hat die Welt für immer verändert. Gottes Liebe war stärker als das Böse und der Tod. Das ist der Sieg von Ostern, Gottes Botschaft, die mich heute ganz besonders ermutigt und mir neue Hoffnung gibt! Frohe Ostern aus der Ukraine! «Möge der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.» (Philipper 4,7) Eva Samoylenko-Niederer leitet mit ihrem Mann zusammen ein Heim für Kinder und Notleidende in der Ostukraine: Segel der Hoffnung. Der Text ist ein Auszug aus der OsterAusgabe ihres «Kriegstagebuchs», welches die Aargauer Zeitung seit Kriegsbeginn veröffentlicht.