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SEPTEMBER 2019 | 33

BETEN

STILL, MUTIG, VERTRAUENSVOLL Offnigs Land Die Eröffnungs- und Diplomfeier Predigt von Thomas Härry

S. 5 S. 6

Im Gespräch

Still beten

Betend im Gespräch mit dem dreifaltigen Gott – mit Peter Henning  S. 14

Kathrin Hunn über christliche Meditation und Kontemplation S. 16

Zeitschrift des TDS Aarau, HF Kirche und Soziales


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inhalt Titelthema: BETEN

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Editorial: Warum beten?

Christoph Schwarz, Rektor

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Danke euch Eltern, Gottis und Chefs Eröffnungs- und Diplomfeier in der vollen Stadtkirche Aarau

Ins offene Land mit 5G

Predigt an der Eröffnungs- und Diplomfeier von Thomas Härry

Die Diplomierten und die Neuen Fotos und «Wie weiter nach dem TDS?»

Willkommen 26 Studierende starten neu und bitten Gott um ...

Betend im Gespräch mit dem dreifaltigen Gott Peter Henning

Auf dem Weg zu einer gesunden Spiritualität Erfahrungsbericht und Diplomarbeit von Adrian Herrmann

Atelier: Kursprogramm Mit gutem Grund – auf gutem Grund!

Office: Offener Spendenverlauf Maya Künzle

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Raum für Gottes Wirken Kathrin Hunn über christliche Meditation und Kontemplation

Kolumne: Beten – besser gemeinsam Annina Gottschall

Galerie: Gratulationen

Agenda

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WARUM BETEN? Folgender Vergleich, den ich einmal hörte, trifft es doch auf den Kopf: Ein Mann ereifert sich im Gespräch mit Kollegen über seine Frau: «Ich mache so viel für sie! Verdiene Geld für die Familie, mähe den Rasen, bringe den Abfall hinaus. Und so weiter. Aber scheinbar ist das nicht genug: Sie meinte gestern Abend, als ich die Zeitung las, sie würde einfach gerne Zeit mit mir verbringen.» Wenn man das so hört, wirkt der Wunsch der Frau doch sehr verständlich – und die Reaktion des Mannes seltsam! Sie will Zeit mit ihm verbringen, sich austauschen; wissen was sein Herz bewegt, mitteilen, was ihr Herz bewegt. Sie will ihm innerlich nahe sein, Gemeinsamkeit erleben. Warum das bei ihm wohl nicht so ankommt? Hat das Paar noch keine Form gefunden für diesen Austausch, der beiden entspricht? Ähnlich ist es auch bei Gott: Er wünscht sich, uns nahe zu sein, von uns zu hören, was uns bewegt. Und mit uns zu teilen, was sein Herz bewegt. Dies scheint mir der Sinn des Betens zu sein. Auf die Fragen: «Warum soll ich beten, wieviel und wie?» gibt dieser Vergleich eine einfache Antwort: um Gott nahe zu sein, Gemeinschaft und Beziehung mit ihm zu leben – deshalb beten wir. Ich darf soviel beten, wie es braucht, dass diese Gemeinschaft lebt. Und so beten, dass das Gebet mich in diese Gemeinschaft hineinzuführen vermag. Hier ist es hilfreich, verschiedene Formen zu kennen. Einige Anregungen dazu geben die thematischen Artikel auf den Seiten 14 bis 20. Vielleicht finden Sie auch Impulse für Ihr eigenes Gebet?

Christoph Schwarz, Rektor

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Campus Die neue Klasse im Bilderrahmen – Symbol für die Ausbildung und ihre «Einmittung» in Christus.

«Danke euch Eltern, Gottis und Chefs!» Eröffnungs- und Diplomfeier in der vollen Stadtkirche Aarau In der Stadtkirche Aarau fand am Sonntag Nachmittag, 1. September 2019 die Eröffnungs- und Diplomfeier statt. Umrahmt von Liedern, Predigt und Grussworten wurden die Diplome an die Abschlussklasse übergeben. Die neue Klasse von 26 Studierenden wurde vom Präsidenten des TDS Aarau begrüsst und stellte sich vor. «Danke euch Eltern, Gottis und Chefs, die ihr unsere Studierenden unterstützt!» Ueli Frey, Präsident des TDS Aarau, begrüsste die Anwesenden und wünschte den neuen Studierenden eine spannende Reise. Diese stellten sich gleich selber vor. Nach einer musikalischen Einlage betraten sie die Bühne nach Herkunftsregion: Bern, Mittelland, Basel, Zürich und Ostschweiz – je mit einem typischen Leitspruch. Z. B. die Studierenden der Region Bern: «Mir bruche äuä chly lenger, defür hets de o lenger.» Nach und nach entstand ein überdimensionierter Bilderrahmen um die Klasse. Klassenlehrer Philipp Hendriksen dazu: «Ihr stellt eure Ausbildung in einen Rahmen, der euch verbindet und die Mitte umfasst: Christus!»

aufgenommen. Dozent Thomas Härry ermutigte in seiner Predigt zum Unterwegssein mit 5G (siehe folgende Doppelseite).

«Offnigs Land» – das Motto der Feier wurde in einem Lied sowie in der Festpredigt

Matthias Ackermann

Danach übergaben Rektor Christoph Schwarz zusammen mit dem Leitungsteam des TDS Aarau die Diplome: Unter grossem Beifall wurden 13 Diplome in Sozialdiakonie und zwei Fachausweise in Katechetik/Jugendarbeit überreicht, mit einem Zuspruch und Segen auf den Weg in den Arbeitsalltag. Dieser hat für die meisten schon begonnen: Als Katechetin, Sozialdiakonin oder Jugendpastor arbeiten die frisch Diplomierten bereits in verschiedenen Kirchen und Institutionen der Deutschschweiz (siehe S. 9).

Ueli Frey, Präsident des TDS Aarau, begrüsst die Anwesenden der Eröffnungs- und Diplomfeier. 1. September, Stadtkirche Aarau

Vor Kurzem noch im Studium, nun kurz vor der Diplomierung ...

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Campus

INS OFFENE LAND MIT 5G

Predigt an der Eröffnungs- und Diplomfeier des TDS Aarau Von Thomas Härry

In seiner Predigt vergleicht Thomas Härry das Unterwegssein von Paulus mit dem Berufsalltag unserer diplomierten Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone. Der Dozent des TDS Aarau gibt ihnen und den Zuhörenden ein «Standard-Paket» des Glaubens mit auf den Weg. vom Heiligen Geist, zogen « Asieusgesandt nach Seleuzia hinunter. Von dort setzten sie über nach Zypern.» (Apg. 13,4)

So beschreibt die Bibel in der Apostelgeschichte den Beginn der ersten Missionsreise des Apostels Paulus und seiner Gefährten Barnabas und Johannes Markus. In Zypern gingen sie an Land und verkündigten das Wort Gottes. Meine Predigt orientiert sich an dieser Reise. Ich sehe in ihr eine Inspiration für uns alle. Besonders denke ich aber an die Abschlussklasse, die wir heute verabschieden. Ich sehe eine Parallele zwischen euch und diesen Worten in der Apostelgeschichte: Ausgesandt vom Heiligen Geist, zogen Paulus und seine Gefährten nach Seleuzia hinunter. Auch ihr zieht, ausgesandt vom Heiligen Geist, in neue Lebens- und Berufsfelder. Unglaublich: Paulus war schon damals mit 5G unterwegs. 5G ist der neue Standard beim mobilen Internet. Auch bei Paulus stand 5G für einen neuen Standard: Nach 6  CAMPUS meinTDS 2019 | 33

dem Kommen von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, war eine neue Zeit angebrochen. Eine Zeit, in der Gott seine Menschenfreundlichkeit und Gnade in neuer Weise zeigte. Durch diesen Jesus. Durch sein Lehren, sein Heilen, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung. Dieser Jesus war und ist Gottes neue Identitätskarte, mit der er sich der Menschheit vorstellt. Für diesen Jesus waren Paulus und seine Leute unterwegs. Mit 5G – einem neuen Standard des Lebens mit und für Gott: Mit erhöhter Geschwindigkeit breitete sich damals die Gute Nachricht von Jesus aus. Mit erhöhter Datenübertragung – mehr von Gott, mehr vom Evangelium für diese Welt, mehr daran beteiligte Menschen. 5G steht bei Paulus aber auch für 5 Markenzeichen, die sein Engagement begleiteten. Ich möchte sie euch vorstellen, denn sie sind beibend aktuell. Gebet Es beginnt schon vor dem Aufbruch zur ersten Missionsreise. In Apg. 13,2–3 wird berichtet, dass der Heilige Geist in der Kirchgemeinde zu Antiochien spricht: «Sendet Barnabas und Paulus aus!» Die Gemeinde fastete und betete, danach brachen die beiden auf. Beten gehörte für Paulus so selbstverständlich zu seinem Auftrag wie Essen und Atmen. Mit 5G durchs Leben gehen heisst erstens, mit Gebet durchs Leben gehen. Es heisst,

aus der nahen und persönlichen Freundschaftsbeziehung mit Gott zu leben und zu arbeiten. Es bedeutet, sich bewusst zu sein, wie sehr wir unterwegs auf Gott angewiesen sind. Dein und mein Gebet verrät zwei Dinge: Erstens, ob und wie konkret wir damit rechnen, dass Gott bei uns ist. Zweitens, wie viel wir von ihm erwarten. Gebet ist mehr als die Hände falten und ein paar andächtige Worte sagen. Gottes Leute beten für Alltägliches und für Unmögliches. Seit einigen Jahren begleiten mich die Worte von Oskar Muriu, einem Pfarrer aus Nairobi, Kenia. Auf einer Fortbildung für kirchliche Mitarbeitende fragte er diese: as erbittest du von Gott, von dem du « Wweisst, dass du es niemals mit all deinem Geld, deiner Kraft, deiner besten Strategie und deinen Fähigkeiten erreichen kannst?»

Hier sind nicht selbstbezogene Gebete gemeint, sondern solche, die Gottes Anliegen im Blick haben. Gute Nachricht Paulus und sein Team reisen weiter. Sie gelangen nach Antiochien in Pisidien. «Wir verkündigen euch das Evangelium», sagt Paulus in Vers 32 zu den Antiochiern. Da haben wir das zweite G: Good news – gute Nachricht. Es ist eine Art Standardspruch von Paulus, wenn er irgendwo auftaucht:


«Wir bringen euch Gute Nachricht!» Geben wir es offen zu: Die westliche Kirche ist beim Überbringen der Guten Nachricht von Jesus Christus etwas lahm geworden. Man will ja niemanden vor den Kopf stossen. Doch wo liegt das Problem? Es ist ja eine Gute Nachricht, diese Sache über Jesus. Dass er der Herr ist. Dass das Leben mit ihm uns vom Kreisen um uns selbst befreit. Das sind doch «good news»! Lasst uns in unsren Aufgaben Gutes tun, ja; aber lasst uns mehr als das tun. Lasst uns auch darüber reden, weshalb wir es tun. Wegen wem und für wen wir es tun. Lasst uns über die Gute Nachricht von Jesus Christus sprechen, die uns trägt und uns motiviert. «Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht», schreibt Paulus den römischen Christen. «Sie ist eine rettende Kraft für alle, die diesem Gott und seinem Evangelium vertrauen!» Mutter Teresa, Vorbild von Unzähligen; Mutter der Armen Kalkuttas, sagte in einem Interview fest: «Ich und meine Ordens-Mitschwestern sind keine Sozialarbeiter. Wir sind Beter im Herzen dieser Welt. Wir verbringen 24 Stunden am Tag mit Jesus. Ihn bringen wir den Menschen.» Wow, genau das ist Sozialdiakonie. Wir nehmen das Beste aus der Welt der sozialen Arbeit und sagen den Menschen, dass Gott das sozialste aller Wesen ist. Dass er liebt, rettet, hilft und erneuert. Gelingen Es hat Folgen, wenn Gebet und Gute Nachricht zusammenkommen. Es führt zu einem dritten G – zu Gelingen. So erleben es Paulus und Barnabas. In Apg. 13,49 heisst es: «Die Botschaft Gottes verbreitete sich in der ganzen Gegend.» Menschen finden zum Glauben an Christus. Übernatürliches geschieht. Von «Zeichen und Wundern» ist die Rede. Dinge, die nur Gott bewirken kann. Türen gehen auf. Gott schenkt Gelingen, Frucht. Ich wünsche es auch euch: Dass Gott durch euren sozialen, diakonischen, theologischen Dienst mehr bewirkt, als ihr aus euch selbst tun könnt. Genau das ist ja Frucht: Gott tut Grösseres, als du auf dich allein gestellt vermagst. Freu dich darüber, wenn er dir Gelingen schenkt. Stosse darauf an. Ermutige damit andere. In der Bibel werden alle grossen Taten Gottes gefeiert. Tu es auch. Danke, tanze, feiere!

Gegenwind Das nächste G, von dem ich sprechen will, wirkt jetzt wie ein Dämpfer. Es ist etwas, mit dem wir uns schwertun: Wer mit Gott unterwegs ist, der erlebt nicht nur Gelingen, er erlebt auch Widerstand. In Kapitel 14 der Apostelgeschichte versuchen aufgebrachte Menschen, Paulus umzubringen. In Vers 19 heisst es: «Aber dann kamen Juden aus Antiochia in Pisidien und aus Ikonion. Sie brachten die Menschen auf ihre Seite und bewarfen Paulus mit Steinen. Darauf schleiften sie ihn aus der Stadt hinaus, denn sie hielten ihn für tot.» Paulus erlebt sehr schmerzhaften Gegenwind – das ist das vierte G. Mit Gott unterwegs sein, bewahrt uns nicht vor Schmerz, vor Schwierigkeiten und Krisen. Es ist kein rosaroter Plot à la Hollywood oder Rosamunde Pilcher.

Gottes Leute beten für Alltägliches und für Unmögliches. Es kann uns beides zur Falle werden: Wenn man uns in den Himmel rühmt – und wenn man uns durch den Dreck zieht. Besonders schwer verdaulich aber ist das Zweite. Wer eine Ausbildung wie die am TDS macht, der könnte eine falsche Vorstellung von der Zukunft haben, auf die er oder sie sich da vorbereitet. Man könnte sich einbilden, für Gott und Menschen zu arbeiten sei eine Art «road to happiness» – ein Weg zum Lebensglück. Hier sei alles besser als in den Grossraumbüros, auf dem Bau oder auf einer Pflegeabteilung. Nein, ist es nicht! Diakonie, Soziales und Kirche – auch hier gibt es Gegenwind. Auch hier gibt es Enttäuschungen und Gemeinheiten.

Monaten aufgebrochen ist: Antiochien. Hier ist sein Zuhause, seine «Homebase». Apg. 14,27 beschreibt, wie er dort ankommt. Die Gemeinde kommt zusammen. Paulus und Barnabas erzählen, was sie unterwegs mit Gott erlebt haben. Erzählen von Siegen und Niederlagen. Sie zeigen ihre Trophäen und ihre Narben. Die Freunde hören zu, freuen sich mit, nehmen Anteil. Hier haben wir das fünfte G: Gemeinschaft. Gute, ermutigende Beziehungen. Paulus war ein Herdentier. Er hatte Weggefährten, mit denen er über Jahrzehnte hinweg eng und persönlich verbunden war. Er schreibt in seinen Briefen immer wieder, wie viel ihm diese Freunde wert sind. Wie wichtig Gemeinschaft ist. Freunde zu haben ist für mich etwas vom Schönsten auf dieser Welt. Auch ich rate euch: «Never walk alone!» – bleib nicht allein! Erlaube einer Handvoll Menschen, in dein Herz zu blicken. Sei einigen Personen besonders nah. Ich treffe mich seit 17 Jahren regelmässig mit 3 anderen Männern. Zusammen lesen wir Bücher, die sonst kaum einer liest. Wir diskutieren darüber. Wir beten. Wir ermutigen einander und fordern uns gegenseitig heraus. Was haben wir schon zusammen gelacht. Wie viele Lebens- und Ehekrisen haben wir schon gemeinsam geteilt. Freunde sind ein Sicherheitsnetz für unsere Seele. Sind ein Geschenk des Himmels. Achte darauf, dass es in deinem Leben Formen von echter Gemeinschaft gibt. Gehen wir mit 5G hinein ins offene Land. Mit dem Standard für die mobile Datenübertragung des Evangeliums: Gebet. Gute Nachricht. Gelingen. Gegenwind. Gemeinschaft. Unser Herr Jesus Christus segne uns alle darin. Amen.

Jesus erlebte Gegenwind, die ersten Christen erlebten Gegenwind, ebenso Paulus. Es kann uns genauso ergehen. Es gibt beides in diesem Job: Gelingen und Schmerz. Lernen wir, es zu bejahen! Gemeinschaft Gerade deshalb ist es gut, dass es noch ein fünftes G gibt. Es zeigt sich dort, wo Paulus seine Reise beendet. Er kehrt in die Gemeinde zurück, von der aus er vor vielen

Thomas Härry, M.A. in Theologie, arbeitet als Dozent und Referent für Theologie, Gemeindearbeit und Leiterschaft am TDS Aarau. Zudem ist er Buchautor.

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Campus

DIE DIPLOMIERTEN DIE NEUEN

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Wie weiter nach dem TDS? JONATHAN BERNATH Jugendarbeiter in der ref. Kirchgemeinde Basel West

Das letzte Klassenfoto Vor 4 Jahren haben sie die Ausbildung am TDS begonnen, nun sind sie diplomiert. Seit August sind viele schon tätig als Sozialdiakonin, Jugendpastor oder Katechetin.

STEPHANIE BURKHART Katechetin in den ref. Kirchgemeinden Suhr–Hunzenschwil und Lenzburg-Hendschiken SARAH FAKHOURY Religionsunterricht in verschiedenen Gemeinden; ab Januar Pfarrstellvertretung in der ref. Kirche Romanshorn SIMEON GANTENBEIN Diakon mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit in der ref. Kirchgemeinde Oberuzwil LUCA GEHRIG Sozialdiakon in der ref. Kirche Hinwil; Religionsunterricht in der ref. Kirche Rapperswil–Jona

FLORIAN GULDIMANN Noch offen

WALTER MOOR Sozialdiakon in Uetikon am See

ADRIAN HERRMANN Sozialdiakon, Jugendarbeiter und Katechet in der ref. Kirchgemeinde Solothurn

RAPHAEL MOSER Sozialdiakon in der ref. Kirch­ gemeinde Unterentfelden

LISA HERRMANN Spitex Home in Burgdorf RAHEL HÖLL Detailhandelsfachfrau in der Bäckerei Christen, Herzogenbuchsee ANGELIKA KÜNDIG Aussenmitarbeiterin im Kinderund Jugendbereich des Bibellesebundes BJÖRN LAUTENSCHLÄGER Jugendpastor in der BewegungPlus Burgdorf

NICOLE NIEDERHAUSER Sozialberaterin in der Heilsarmee Basel; Katechetin in den ref. Kirchgemeinden Sissach-Itingen und Oltingen-Wenslingen-Anwil CAROLINE STEINER Sozialdiakonin in der ref. Kirche Ebikon PRISCILLA STUDER Hauptleiterin im Kinderbereich der Minoritätsgemeinde Aarau; Katechetin in der ref. Kirche Olten

Willkommen und guten Start am TDS! Die 26 neuen Studierenden kurz vor der Eröffnungs- und Diplomfeier. Auf den folgenden Doppelseiten stellen sie sich vor, passend zum Thema dieses Heftes mit einem Gebet oder Gebetsanliegen.

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Campus

O K L L WI

... U E N N E T R A T S E D N E 26 STUDIER

«Herr Jesus, danke für die Gnade, von dir erwählt zu sein. Denn „nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“… Deine Herrlichkeit soll sichtbar werden!» Laurence Swoboda von Worblaufen

«Herr, ich danke dir, dass du mir deinen Willen offenbart und mir alle Türen geöffnet hast, damit ich jetzt hier am TDS studieren darf. Bitte hilf mir, dass ich deinen Willen immer genauer spüre und tue, was du möchtest.» Jaël Tomamichel von Suhr «Ich träume von einer jungen Generation, die ihr gemeinsames Zentrum in Jesus findet. Mein Wunsch ist es, dass ich als Sozialdiakon Menschen den Zugang zum lebendigen Gott und in eine echte Beziehung mit ihm vereinfachen kann.» Remo Rüegg von Bischofszell

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«Betet dafür, dass jede/r einzelne von uns im Studium von Gott begleitet wird, dass wir vieles lernen und sowohl einzeln als auch als Klasse wachsen können. Mein Wunsch ist, dass wir dadurch Frucht tragen und stets ein Segen für unsere Mitmenschen sein können.» Pedro Vaz Rodrigues von Bern

«Grosser Gott, ich danke dir, dass du mein Versorger bist! Du gibst mir deinen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Ich wünsche mir, dass ich in diesen vier Jahren am TDS dir immer ähnlicher werden darf. Amen.» Susanne Morf von Schlieren

«Lieber Gott, ich danke dir für all die tollen Menschen in meiner Klasse. Bitte lass uns die nächsten vier Jahre erfolgreich meistern und für immer in Freundschaft verbunden bleiben. Amen.» Magdalena Rieder von Wettingen


! N E M M O

... M U T T O G N E T IT B D N ... U «Danke Herr, dass ich von Dir geliebt bin. Ich möchte Deine Liebe durch das, was ich am TDS lerne, nachhaltig an meine Mitmenschen weitergeben – Dir zur Ehre.» Philipp Neininger von Zürich

«Ich bitte Gott um eine gute Balance zwischen Studium, Freiwilligenarbeit und Zeit, um sich auszuruhen und bei ihm aufzutanken.» David Nägele von Grabs

«Gott Vater, ich bete für meine Zeit am TDS Aarau, dass ich viel lernen darf und eine tiefe Freude für dein Wort – die Bibel – entwickeln und erhalten darf. Danke für die tolle Klasse! Sei du Jesus das Zentrum der nächsten vier Jahre! Amen.»

«Ich bete für die Erneuerung unseres Tuns und Handelns durch die Gegenwart Gottes.» Stefan Rusch von Neukirch an der Thur

Corinne Stalder von Dübendorf

«Jesus ich danke dir, dass du uns das Privileg gibst, vier Jahre lang von Dir zu hören und mehr über Dich und Dein Wort zu lernen. Danke, dass wir in einem Land und einer Zeit leben, wo wir dies ohne Unterdrückung und Angst tun dürfen.» Tim Reifler von Basel

«Ich wünsche mir, dass ich dich besser kennenlernen, und mehr über deinen Plan mit mir und der Welt erfahren darf. Ich freue mich, dass du mich immer mehr ausrüsten willst, um deine unendliche Liebe weiterzugeben.» Maura Schnegg von Lyss

«Gott, hilf mir, das, was ich hier lernen darf, nicht bloss mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen zu verstehen. Hilf mir, deine Botschaft durch meine Arbeit sichtbar werden zu lassen.» Irina Wyss von Herzogenbuchsee

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Campus

«Gott, hilf mir, das, was ich hier lernen darf, nicht bloss mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen zu verstehen.»

«Danke, Vater, für die Möglichkeit, am TDS zu studieren. Ich freue mich schon auf die verschiedenen Begegnungen, die ich dadurch mit Dir und meinen Mitstudierenden haben werde.»

«Lieber Gott, für mich bedeutet es Gnade am TDS sein zu dürfen. In deine Hände lege ich meinen Weg und freue mich auf alles was ich lernen darf. Amen.»

«Lieber Gott im Himmel, ich bete, dass ich die beiden Welten zwischen Hip-Hop- und Kirchenkultur gut meistere. Danke, dass ich durch das TDS in meiner Leiterschaft beim Hip-Hop Center Bern wachse. Amen.»

Sina-Rahel Begni von Winterthur

Andreas Dölitzsch von Bern

Martina Kloter von Aarau

«Abba Papa. Lass uns durch die Schule noch mehr Wahrheiten erkennen. Bitte lass Himmel und Erde zusammenstossen. Ich liebe dich! Amen.» Marcel Künzle von Herisau

«Gott Du hast uns heute bewacht,
beschütze uns auch in dieser Nacht.
Du sorgst für alle, Gross und Klein,
drum schlafen wir ohne Sorgen ein. Amen.» Anna Hemme-Unger von Muri AG

«Lieber Vater, ich danke dir für die Möglichkeit, dass wir hier einen Ort haben, wo wir über dich lernen und diskutieren dürfen. Hilf uns deine Worte zu erkennen und zu verstehen. Danke bist du bei uns! Amen.» Tiana Joy Vöhringer von Neuenegg

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«Ich bete für einen tollen Klassenzusammenhalt. Dafür, dass wir uns gegenseitig unterstützen und helfen, so gut es uns möglich ist.» Lucas Kägi von Rorschach

«Der Herr ist mein Hirte, er gibt mir den Ausgleich, den ich brauche. Du führst mich zu den Ideen und Personen, die mich ermutigen. Auch wenn es schwer werden wird, alles zu händeln, du bist bei mir, meiner Frau und meinen vier Kindern. Ich darf ruhig bleiben, denn du schenkst mir mehr als die nötige Hilfe. Deine Güte und Liebe werden mich täglich begleiten und ich darf in dir sein. (nach Psalm 23)»

«Ich wünsche mir, zu sehen, wie Potential sich entfalten kann. Ich bitte Gott um Ruhe und Freude im Herzen, um Freundschaften für’s Leben und gemeinsam unterwegs sein – womöglich eine WG hier in Aarau? ;-)»

Stefan Maag von Dielsdorf

Isabel Helfenstein von Maur

«Herr, öffne du Türen in unserer Kirchgemeinde, in der Schweiz und in Europa für dein Wort, hilf du, dass das Geheimnis von Christus klar und verständlich verkündigt wird! (nach Kolosser 4,3 f.)» Yvonne Eigenheer von Orpund

«Lieber Herr, ich bitte dich um Erkenntnis, dass ich Prioritäten zwischen meinem sozialen Umfeld, der Kirche und dem TDS setzen kann. Ich danke dir für die tolle und vielseitige Klasse. Amen!» Melanie Graber von Steffisburg

«Lieber Gott, ich bin Dir so dankbar, dass Du mir so einen tollen Ehemann geschenkt hast, der mich in allen Dingen unterstützt und mich liebevoll auf meinem Weg begleitet. Halte Deine schützende Hand über ihn. Amen.» Katharina Metz von Hochdorf

«Mein Gebetsanliegen ist, dass ich eine Leiterin bin für meine Generation. Eine, die Autorität verleiht, Menschen ermutigt, auch gegen den Strom zu schwimmen und kompromisslos das zu tun, was Jesus tun würde.» Jasmin Graber von Basel

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Thema BETEN

BETEND IM GESPRÄCH SEIN MIT DEM DREIFALTIGEN GOTT Von Peter Henning

Wir beten wahrscheinlich alle, denn das Gebet gehört zur evangelischen Frömmigkeit. Und doch melden sich manchmal Zweifel. Wir fragen vielleicht:

«Beten ist vollkommenes Einssein mit dem Vater. Wir sind nicht dazu da, um zu beweisen, dass Gott unsere Gebete erhört! Wir sind dazu da, um lebendige Denkmäler der Gnade Gottes zu sein!» Oswald Chambers

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• Warum und wozu beten wir eigentlich? • Wie viele Gebete braucht Gott eigentlich, bis er uns erhören kann? Spätestens wenn wir darunter leiden, dass Gott unsere Gebete und Bitten nicht erhört, lassen sich diese Fragen nicht einfach abschütteln. Wir fragen weiter: • Beten wir vielleicht falsch oder zu wenig oder zu wenig gläubig? • Ist unsere Gebetskultur vielleicht hier und da gar nicht (mehr) so evangelisch? Die Bibel selbst lehrt uns einiges übers Beten. Die Psalmen – das Gebetbuch der Bibel – enthalten unzählige Gebete und Gebetsformen. Jesus selbst betete oft mit den Psalmen. Die Evangelien zeugen davon, dass Jesus in einer ständigen Verbundenheit mit seinem Vater war. In der Vorpassionszeit bereitet Jesus seine Jünger auf die Höhepunkte der Heilsgeschichte vor: Himmelfahrt und Pfingsten. Da hat sich der Schöpfer des Himmels und der Erde als dreifaltiger Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart. Jesus erläutert in Joh. 14–16, welche Bedeutung diese Selbstoffenbarung Gottes für sie, für uns und für die entstehende Kirche hat. Seine Ausführungen enden in einem innigen Gespräch mit seinem Vater. Auf dieses Gebet in Joh. 17 wollen wir jetzt mit unseren Fragen im Herzen genau hinhören!

Die Abschiedsreden In seinen Abschiedsreden entfaltet Jesus, warum wir überhaupt beten können und sollen: Weil uns jetzt der dreifaltige Gott eine tiefe Gemeinschaft mit sich selbst anbietet: werdet in meinem Na« Wmen,as ihrdasbitten will ich tun, damit der Vater

verherrlicht wird. […] Liebet ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben. […] Wer mich liebt, der wird mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben; und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.» (Joh. 14,13/15/23)

Hier wird ein Zusammenhang zwischen Liebe, Vertrauen und Gebote deutlich: Es geht offensichtlich darum, ganz exakt so zu beten wie Jesus es gelehrt hat. Denn es gibt auch ein anderes, ja falsches Beten: isher habt ihr nichts in meinem Namen « Bgebeten.» (Joh. 16,24) Es kommt also nicht auf viele Worte und lange Gebetszeiten (Quantität) an, wie sich das die «Heiden» ausdenken und ausrechnen (siehe Matth. 6,7–8)! Vielmehr sollen wir «im Namen Jesu», d. h. nach Art und Gesinnung von Jesus beten. Diese Art und Gesinnung hat Jesus deutlich und klar gelehrt: ein Name werde geheiligt, Dein Reich « Dkomme, Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel!»

Das Vaterunser Das Vaterunser ist ein Kontrastprogramm zum heidnisch-religiösen Gebetsleistungsprogramm. Jesus gibt es uns als Modell für ein «Beten in Seinem Namen».


Also müsste unser Gebet vor allem dem Vaterunser entsprechen – und es ginge nicht primär um unsere Wunschlisten und Anliegen (Sie können ja auch fromm getarnter Egoismus sein …)! Nein, Jesus lehrt uns ein Beten unabhängig von unseren Wünschen. Ein Beten im Horizont des Namens, des Reiches und des Willens Gottes. Dies wäre ein «Beten in Seinem Namen»! Das innertrinitarische Gebet Das sog. «hohepriesterliche Gebet», wie es in Joh. 17 überliefert wird, ist ein innertrinitarisches Gebet. Gott Vater, Jesus und der Heilige Geist führen miteinander ein ewig dauerndes Gespräch. In der Trinität wird miteinander gesprochen, beraten, gebetet und gehandelt! Jesus lässt seine Jünger an dieser Aussprache mithören und teilnehmen. Der Wunsch nach der Teilnahme des Menschen an der trinitarischen Gemeinschaft zeigte sich schon bei der Schöpfung: «Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.» (Gen. 1,26) Deswegen weiss Paulus, dass die gesamte Schöpfung in und durch Christus erschaffen wurde (siehe Kol. 1,15 ff.). Und was Jesus hier wie mit dem Vater im Heiligen Geist in trinitarischer Gemeinschaft bespricht, ist absolut zum Staunen! Er «betet» uns, seine Nachfolger und Jüngerinnen, durch die Zeiten und Umstände «hindurch»: «Ich bitte nicht allein für meine Jünger, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden.» (Joh. 17,20) Und: «Petrus, ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.» (Luk. 22,32) Wir sind Teil der Trinität Wir gehören also dazu und sind ein Teil der Trinität Gottes. Und was geschieht nun, wenn ich bete? Ich klinke mich – wie Jesus es immer wieder getan hat – aus dem Alltag aus, verschaffe mir Ruhe, begebe mich ganz bewusst in das innertrinitarische Gespräch und vertraue darauf, dass mein Gebet ein Teil des ewigen göttlichen Gesprächs wird. Trinitarisch beten im Sinne Jesu bedeutet dann: Im «Bitten, Suchen und Anklopfen» (siehe Matth. 7,7) bringe ich mich in die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott und wohne mit meinen Anliegen in den «Falten» Gottes. Ich lebe ja in einer Wohngemeinschaft mit Gott, denn Er kommt zu dritt zu mir und nimmt bei mir Wohnung (siehe Joh. 14,23: «Wir werden Wohnung bei ihm machen.»)! Im Gebet will ich mir diese Gewissheit geben lassen, dass ich mit allen Nöten und Freuden bei dem Gott wohne, der mich liebt. Darum betet

Jesus ja: «Vater, ich will, dass dort, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, ich in ihnen und du in mir.» (Joh. 17,24 ff.) Und ich glaube, dass der Vater die Bitte seines Sohnes erhört. Gottes Friede im Gebet Im Gespräch mit Gott wird mir der Friede geschenkt, welchen die Welt nicht kennt, weil er höher ist als alle menschliche Vernunft und Erfahrung (siehe Phil. 4,7). Wir erleben ja nicht immer die Lösung unserer Probleme in unserem Sinn, aber mitten in den Problemen einen geistlich bedingten tiefen Frieden, weil wir bei Gott – in den Falten des dreifaltigen Gottes – zuhause sind! Dort Frieden zu finden ist eine völlig andere Gebetserhörung als wir sie landläufig erwarten. Jesus betet in Gethsemane ganz und gar als Mensch. Er hat Angst, sträubt sich vor dem Leiden und ist so verzagt, wie wir es in seiner Situation wären. Er flüchtet sich in die Arme Gottes. Er betet sich in seinem Vaterunser hin zur Freiheit: «... nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» In dieser Wende tröstet und stärkt ihn dann der Heilige Geist durch Engel. Paulus betet in seiner schlimmen Krankheit eindringlich darum, dass Gott ihn heilt. Dabei wird er gewissermassen ins Paradies entrückt und hört dort unaussprechliche Worte murmeln – offensichtlich das innertrinitarische Reden. Er ist mitten drin, und plötzlich vernimmt er eine Stimme: «Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.» Mit dieser Zusage kann Paulus nun gefasst sagen: «Nun bin ich guten Mutes in Schwachheit, Nöten und Ängsten um Christi willen. Denn wenn ich schwach bin, bin ich stark.» (2. Kor. 12,1–10) Peter Henning

Bei Gott Frieden zu finden ist eine völlig andere Gebetserhörung als wir sie landläufig erwarten. Peter Henning

«Trinitarisch beten» – ganz praktisch

1

Im stillen Gebet warte ich darauf, dass mich der Heilige Geist daran erinnert, dass ich schon längst bei Gott «in seinen Falten» wohne und dort tief geborgen sein darf. Psalm 139 erinnert mich daran.

2

Dann möchte ich mit Gott Vater, Sohn und Geist eins werden und lausche deshalb in der Stille, was Er weiss, denkt und vorhat. Da nehme ich Jesu Wort in Matth. 6,8 ganz ernst und fühle mich entlastet: «Euer Vater weiss, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.»

3 4 5

Ich bete hörend, weil ich wissen will, was Gott schon weiss und was das für mich bedeutet. Solches Beten ist ein intimer Ausdruck meines Vertrauens, meiner Liebe und Hoffnung. Die Art und Weise dieses innigen Gesprächs mit dem dreifaltigen Gott entzieht sich jeder Methodik und Technik. Solche würden das «Geheimnis der Liebe» nur zerstören. Jetzt erfahre ich sogar: «Das höchste Ziel meines Betens ist, dass mich Gott ins Gebet nimmt!» Denn dann kommt schon jetzt die Ewigkeit in meine Zeit: «Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!» (Phil. 4,7)

Peter Henning ist Pfarrer und Theologe im Ruhestand. Er war von 1985–2006 Rektor des TDS Aarau. Er ist verheiratet und wohnt in der Nähe von Aarau. Hinweis auf einen TDS-Kurs mit Peter Henning: «Unser Beten – nicht fromme Pflicht, sondern befreiendes Privileg» am 29. Februar 2020 (siehe S. 18)

Deshalb segnet die Kirche seit urchristlichen Zeiten in ihrer Liturgie die gottesdienstliche Gemeinde: «Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!» (2. Kor. 13,13)

meinTDS 2019 | 33 THEMA 15


Thema BETEN

RAUM FÜR GOTTES WIRKEN Christliche Meditation und Kontemplation Kathrin Hunn ist Konventsmitglied und Dozentin am TDS Aarau. Ihre «spirituelle» Prägung verdankt sie verschiedenen Quellen: Sie war viele Jahre beim Cevi engagiert, besuchte viele Angebote der VBG (Christsein in Beruf, Studium und Schule) und bildete sich aus zur Leiterin für Exerzitien im Alltag. Aufgewachsen in der Landeskirche ist sie heute mit ihrer Familie in der Vineyard Olten beheimatet und hat dort letztes Jahr einen Kurs «Exerzitien im Alltag» angeboten, der auf grosses Interesse stiess. Eine ideale Ausgangslage für ein spannendes Gespräch über christliche Meditation – in Ergänzung (oder im Gegensatz?) zur freikirchlichen Gebetskultur.

Kathrin, du hast in deiner Gemeinde – der Vineyard Olten – Exerzitien im Alltag angeboten. Wie kam es dazu? Die Vineyard Olten pflegt einen eher charismatischen und sozialen Gebetsstil. Gleichzeitig war dem Leitungsteam bewusst, dass in der Geschichte der Kirche rund ums Gebet noch viele Schätze vorhanden sind. Diese verborgenen Schätze wollten sie hervorholen. So starteten sie einen Testballon am Gemeindeweekend im Jahr 2018 in Form eines Workshops zu Kontemplation. Die Leitung stellte fest, dass der Workshop mit 40 Personen sehr guten Anklang fand. So entschieden sie: «Jesus ist dort am Wirken, lasst uns das fördern und Kathrin fragen, ob sie uns da hilft.» 16  THEMA meinTDS 2019 | 33

Exerzitien in einer evangelischen – und charismatisch geprägten – Freikirche: Eine eher ungewöhnliche Kombination. Aber offenbar ein grosses Bedürfnis? Viele Leute sehnen sich danach, Gottes Gegenwart mehr wahrzunehmen – gerade auch im normalen Alltag. Einigen, die schon länger mit Gott unterwegs sind, scheint eine Tiefe im Glauben über die Jahre abhandengekommen zu sein. Sie suchen neue Formen. Andere möchten mehr zur Ruhe kommen oder stecken in grossen Herausforderungen. Im Kurs gelangten einige in eine Tiefe, die sie noch nie erlebt haben. «Jetzt habe ich erstmals wirklich erfahren, was Gottes Liebe ist.» meinte z. B. ein Teilnehmer, der schon «seit Geburt» Christ ist.

Eine beruflich sehr engagierte Teilnehmerin erlebte, wie ihr Engagement durch die Stille fruchtbar gemacht wurde. Wieder andere fühlen sich als aktive Gemeindeglieder bei vielen Anlässen als Gebende. Der Kurs «Exerzitien im Alltag» ermöglichte ihnen einen Raum, wo sie nicht verantwortlich waren für andere: «Ich darf mich auf mich selber konzentrieren. Ich muss nichts erleben. Ich halte meine Seele Gott hin, er macht, was er will, sichtbar oder unsichtbar, er wirkt in der Tiefe.» – eine Art Kontrastprogramm zu anderen, «lebendigen» und «sozialen» Formen der Gemeinde. Wir sind eine Gemeinde, die sehr gerne füreinander schaut und betet.


ABLAUF EINER SCHRIFTMEDITATION 1. Ich nehme eine gute Körperhaltung ein

2. Ich atme betend

4. Betrachten

EINE GUTE KÖRPERHALTUNG UNTERSTÜTZT MICH

ZUM EINSTIEG BETE ICH MIT WENIGEN WORTEN IM

DIES IST DIE EIGENTLICHE MEDITATION (= BEDEN-

BEIM STILLWERDEN, DASEIN UND HÖREN.

RHYTHMUS DES ATMENS.

KEN, NACHSINNEN): ICH LESE HÖREND UND «VER-

Ich sitze auf einem Stuhl oder knie auf einem Gebetsschemel – aufrecht.

Während 3–5 Minuten «binde» ich an meinem Atem die Worte «Ich werde getragen» (beim Einatmen) und «Ich lasse mich tragen.» (beim Ausatmen). Oder entsprechend: «Du in mir – ich in dir»; «Christus in mir – Leben und Licht»; …

Ich lese langsam den ausgewählten Schrifttext – vielleicht laut: Wort für Wort – Satz für Satz: • Was fällt mir auf? Was spricht mich an? • Was beunruhigt mich vielleicht?

Ich beende die Übung, indem ich tief durchatme und mich dem weiteren Inhalt zuwende.

Ich nehme am Geschehen des Textes teil, lasse mich hineinziehen, schaue, höre, rede mit …

3. Ich bete mein Vorbereitungsgebet

Ich bleibe bei dem, was mich innerlich bewegt, was ich empfinde, fühle und lasse es in mich einsinken.

DAUE» DAS WORT, DAS MICH ANSPRICHT.

ICH SAGE GOTT, DASS ICH OFFEN BIN FÜR SEIN

Ich mache mir bewusst: Ich habe Zeit. Ich bin da vor Gott.

WORT. DABEI HILFT MIR EIN GESCHRIEBENES GEBET,

Ich nehme mich wahr in meinem Leib.

Gott, öffne mir die Augen, mach weit meinen Blick und mein Interesse, damit ich sehen kann, was ich noch nicht erkenne.

Ich spüre den Boden, den Stuhl/Schemel unter mir. Ich spüre, wo mein Körper in Berührung ist mit dem Boden, dem Stuhl: Füsse, Gesäss, Knie. Ich nehme wahr, wie mein Atem kommt und geht, ohne dass ich etwas dazu beitrage: Ein – aus, ein – aus. Mit jedem Ausatmen lasse ich mein Körpergewicht mehr hinunter sinken auf den Stuhl, den Schemel, den Boden, der mich trägt. Ich spüre, wie ich getragen bin.

Z. B. DIESES:

Gott, öffne mir die Ohren, mach mich hellhörig und aufmerksam, damit ich hören kann, was ich noch nicht verstehe. Gott, gib mir ein vertrauensvolles Herz, das sich deinem Wort und deiner Treue überlässt und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat. Gott, ich weiss, dass ich nur lebe, wenn ich mich von dir rufen und verändern lasse. Amen (nach Willi Lambert SJ)

Wenn mich nichts betrifft: Aushalten, harren, hoffen … 5. Beten Ich versuche, mit Gott über das, was mich betroffen hat, ins Gespräch zu kommen: Dankend, lobend, bittend, klagend … 6. Abschliessen Ich schliesse die Meditation ab mit einem Dank oder einer Bitte. Ich bewege meine Hände, meinen Kopf, strecke mich, verneige mich. 7. Zurückschauen Nach der Gebetszeit schaue ich zurück, wie es mir ergangen ist, was in mir nachklingt. Dabei geht es mehr um innere Bewegungen als um Einsichten: Was ist mir bewusst, wichtig, kostbar geworden? Vielleicht werde ich mir einiges davon aufschreiben und am Ende des Tages oder vor der nächsten Meditation nochmals lesen.

Quellen: Margrit Schiess, Ruth Maria Michel, Kathrin Hunn, Matthias Ackermann; Illustration: Manfred Rompf (www.manfredrompf.de)

Was ist der Leitgedanke von Exerzitien? Wir leiten Exerzitien nach Ignatius von Loyola. Es sind geistliche Übungen, welche helfen, die Liebe zu vertiefen: Die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen – und das hat Auswirkungen auf meinen Alltag. Kannst du solche Übungen beschreiben? Die Schriftmeditation ist eine Übung, die damit anfängt, dass ich mich selber und

meinen Körper wahrnehme (siehe Kasten oben). Aus einer empfangenden Haltung begebe ich mich in einen Schrifttext hinein, lasse ihn in mir wirken, «verkoste» ihn und komme darüber mit Gott ins Gespräch. Es geht nicht um theologische Einsichten, sondern um Gottes Wirken und Reden: In der Ruhe kann ich besser wahrnehmen, was Gott sagt. Kontemplation ist eine weitere Übung. Im schweigenden Dasein vor Gott lasse ich

meine Gedanken beiseite und überlasse den ganzen Raum Gott. Es ist auch eine Form der Anbetung: Ich verweile vor Gottes Thron. Der Austausch ist aber auch Teil der Exerzitien? Die Exerzitien im Alltag finden an einem Abend pro Woche statt. Neben den Übungen tauschen wir uns innerhalb der Gruppe aus. Wer möchte, teilt in der Runde mit, wo er oder sie gerade unterwegs ist. Ein solmeinTDS 2019 | 33 THEMA 17


Thema BETEN

In der Ruhe kann ich besser wahrnehmen, was Gott sagt.

cher kurzer Einblick kann für die anderen sehr ermutigend sein: Tröstend («andere haben auch Mühe, still zu werden …»), inspirierend, wenn von einer Gottesnähe erzählt wird. Zudem gibt es Begleitgespräche mit den Leitenden. Man ist nicht allein auf dem Weg.

einem lauten und lebendigen Gottesdienst können Elemente der Stille bereichernd sein. Spannend ist, dass Exerzitien auch bei Jugendlichen Anklang finden, Projekte aus der katholischen Kirche zeigen dies. Ich höre auch von Konfirmandenklassen, die gut auf meditatives Beten ansprechen.

Je nach Kirche gibt es Vorbehalte gegenüber Meditation und Kontemplation. Z. B. dass Meditation östlichen Religionen entspringen würde. Die christliche Meditation oder das Stillsein zu Gott hat eine lange Tradition: Die Wüstenväter und Ordensleute pflegten sie und sie ist auch biblisch: Mose ging in die Wüste, um in der Stille vor Gott zu sein; auch Jesus suchte immer wieder die Stille.

Wie bei anderen Formen gilt auch hier: Eine sorgfältige Vorbereitung und Anleitung in der Gruppe ermöglicht einen guten Rahmen. Z. B. ist es wesentlich, dass gut in die Stille hinein- und wieder hinausbegleitet wird. Sonst kann die Stille befremdlich wirken oder schlicht überfordern. Ist sie nicht klar auf Christus gerichtet, kann ich mich darin verlieren.

Für einige ist diese Art des Betens schlicht zu langweilig. Meditation spricht Menschen unterschiedlich an. Eine Teilnehmerin meinte: «Es ist nicht mein Stil, aber Gott ist mir sehr tief begegnet.» Gerade in unserer ständig aktiven Gesellschaft ist es ein herausfordernder Übungsweg. Ich muss mich bewusst dafür entscheiden und Platz schaffen in meinem Alltag. Natürlich kann es manchmal langweilig sein. Dann ist Beten und Meditieren ein gutes Übungsfeld für Treue. Ich erlebe nicht jede Zeit gleich. Wie beim Essen: Manchmal ist es sehr fein, oft ist es gewöhnlich, alltäglich – und doch esse ich jeden Tag. Alles in allem erlebe ich es als extrem kostbar für mich. Lebendige und auf Jugendliche fokussierte Kirchen pflegen – in meiner Wahrnehmung – einen eher lauten und pompösen Stil, wenn sie zur Anbetung von Gott zusammenkommen. Wie gelingt es, verschiedene Kulturen, Generationen und Stile in einer Gemeinde zu vereinen? Es braucht ein Miteinander und Nebeneinander – und eine Offenheit. Es ist hilfreich, wenn es eine Vielfalt an Formen, Praktiken und Angeboten gibt. Dann kann man auch mal etwas Neues ausprobieren. Der Fokus bei allem soll sein: «Was hilft, die Beziehung zu Gott zu vertiefen?» Die Form kann bei jedem Menschen anders sein. Auch in 18  THEMA meinTDS 2019 | 33

«Nicht mein Stil» – Dahinter könnte auch ein Missverständnis stecken: dass Meditation gesetzlich ist, weil sie mir einen klaren Rahmen vorschreibt. Ich muss still sitzen, wenig reden, hören … «Bei Gott darf ich doch sein, wie ich mich grad fühle?» – könnte entgegnet werden. Es geht jedoch nicht darum, sich selbst einzuschränken, zu züchtigen, um Punkte bei Gott zu holen. Es geht um ein hilfreiches Gefäss, das ich gestalte (festgesetzte Zeit, Körperhaltung) für Gottes Wirken in mir. Wichtig ist mir: Stille ist ein Gefäss unter vielen. Stille darf nie Selbstzweck sein, um mein Ego zu stärken. Das Evangelium muss fruchtbar sein für andere. Gott will mich in der Stille zubereiten für andere. Das Gespräch mit Kathrin Hunn-Vogler führte Matthias Ackermann.

Weitere Ressourcen zum Thema Kurs «Meine Seele wird still in dir.»

Leitung: Kathrin Hunn-Vogler, lic. phil. I, Dozentin des TDS Aarau Inhalt: In der Stille liegt Kraft – nur wie finde ich in meinem gefüllten Alltag zur Ruhe bei Gott? Datum: Do, 12. Dez. 2019, 19–21 Uhr Kosten: CHF 45.–

Kurs Unser Beten – nicht fromme Pflicht, sondern befreiendes Privileg

Wie das Vertrauen in den dreieinigen Gott unser Beten entlastet Leitung: Peter Henning, Pfr. Mag. theol. Inhalt: Ist das Gebet der neue Gott der Evangelikalen geworden? Wir wollen unsere / die aktuelle Gebetskultur am Neuen Testament überprüfen. Datum: Sa, 29. Feb. 2020, 9.15–12.15 Uhr Kosten: CHF 65.– inkl. Mittagessen

Referat Meine Spiritualität als Berufschrist/-in

Dr. theol. Wolfgang Bittner fragt am Absolvententag des TDS Aarau: Wie kann ich meine Bibel lesen, dass sie auch für mich immer wieder spannend ist und bleibt? Zu finden auf www.tdsaarau.ch/referate. Zusammenfassung: meinTDS 2019-1

Referat/Seminar Das göttliche Lebensprogramm

Kathrin Hunn-Vogler ist Dozentin und Mitglied des Konvents des TDS Aarau. Sie ist Sozialarbeiterin lic. phil. I und Kursleiterin für Exerzitien im Alltag. Hinweis auf einen TDS-Kurs mit Kathrin Hunn: «Meine Seele wird still in dir.» am 12. Dezember 2019 (siehe Kasten nebenan)

Eine Gebetsschule entlang dem «Unser Vater» von Dieter Kemmler Die Bergpredigt und mitten drin das «Unser Vater» – das Herzstück von Dieter Kemmlers Theologie. Er entfaltet Gottes Masterplan für unser Leben und gibt uns Einblick in die Wirkung dieses einzigartigen Gebets für sein und unser Leben. Zu finden auf www.tdsaarau.ch/referate. Seminar mit D. Kemmler: Auf Anfrage


AUF DEM WEG ZU EINER GESUNDEN SPIRITUALITÄT Erfahrungsbericht und Diplomarbeit von Adrian Herrmann «Auf dem Weg zu einer gesunden Spiritualität» – so der Titel von Adrian Herrmanns Diplomarbeit. Der soeben diplomierte TDS-Student geht einer selber verspürten spirituellen Durststrecke auf den Grund. Er fragt: Wenn beten wichtig ist und guttut, warum fällt es mir so schwer, mir Zeit dafür zu nehmen? Du schreibst in deiner Diplomarbeit darüber, dass du dir trotz der Wichtigkeit des Betens zu wenig Zeit dafür nimmst. Ist es mangelnde Sehnsucht nach Gott oder wo liegt die Ursache? Es ist eigentlich nicht mangelnde Sehnsucht, sondern eher mangelnde Motivation. Ich beobachtete mich, wie ich mich jeweils aufraffen muss oder müsste, um zu beten. Da fragte ich mich: Warum tue ich es nicht aus innerer Motivation heraus? Hast du nicht einfach zu hohe Ideale von einer Gebetszeit? Eigentlich nicht, weil ich immer wieder sehr gute Erfahrungen gemacht habe in meiner Stillen Zeit mit Gott. Die Erinnerung daran reicht aber oft nicht, mich zu motivieren.

Kann Jesus nur hereinkommen, wenn ich perfekt aufgeräumt habe? Hat die Beschäftigung mit dem Beten während deiner Diplomarbeit dazu beigetragen, dass du wieder stärker motiviert bist? Auf jeden Fall. Man kann zwar nicht sagen, dass es mir nun ganz leichtfällt. Ich habe immer noch Mühe, über einen längeren Zeitraum ein regelmässiges Beten beizubehalten. Aber ich bete öfters und meine Sehnsucht nach Zeiten mit Gott ist gewachsen. Du hast auch ein Selbstversuch gemacht: Während zwei Wochen nahmst du dir vor, früher aufzustehen um zu beten. Wie ist es dir

dabei ergangen? Das ist mir über diesen Zeitraum recht gut gelungen und die Erfahrung nährt bis heute meine Sehnsucht nach Zeiten mit Gott – auch wenn ich das nicht in diesem Mass weitergezogen habe.

tung gesucht. Ja, die war für mich sehr hilfreich. Im Bild von vorhin: Es ist manchmal schwierig, die Türe allein aufzutun. Mir half und hilft es, wenn ich bei diesem Prozess nicht allein bin.

In deiner Diplomarbeit beschreibst du unterschiedliche Gebetsformen. Welche entsprechen dir, welche nicht? Es hilft mir, beim Beten unterwegs zu sein: Z. B. auf einem Spaziergang oder während einer Autofahrt. Auch Andachtsbücher oder die Bibel sind manchmal sehr hilfreich. Hingegen habe ich mehr Mühe, einfach still zu sitzen und zu beten. Auch das liturgische Beten ist nicht meine Form.

Welche Bücher haben dich inspiriert? Welche führen zu einer gesunden Spiritualität? Kein Buch der Welt führt zu einer gesunden Spiritualität, letztlich muss man selber einige Schritte tun. Aber klar, manche Bücher sind sehr inspirierend. Für mich waren das inbesondere «Gemeinsames Leben» von Dietrich Bonhoeffer, «Nachfolge feiern – Geistliche Übungen neu entdeckt» von Richard Foster und «Alltagsbeter – Beten auch wenn das Leben laut ist» von Ulrich Wendel und auch die Bücher «Echt und stark» sowie «Von der Kunst, sich selbst zu führen» von Thomas Härry.

Routine, Gewohnheit, Gesetzlichkeit – was sagst du zu diesem Spannungsfeld? Ich habe gelernt – vor allem von Dietrich Bonhoeffer – , dass eine Gewohnheit hilfreich ist. Es ist gut, wenn ich mir regelmässig und geplant Zeit zum Beten nehme. Es muss nicht immer eine «gute Zeit» sein, es genügt, wenn ich es tue, damit ich es tue, auch wenn ich mich leer oder unwohl fühle. Gerade diese Leere, dieses Unwohlsein kann ich vor Gott bringen. Gesetzlich wirds erst, wenn ich bete, um einfach einen Punkt auf meiner To-do-Liste abzuhaken.

Das Gespräch mit Adrian Herrmann führte Matthias Ackermann.

Für mich ist die Offenheit entscheidend. Ein Bild von Ole Hallesby hat mir dabei geholfen: Meine Seele als Wohnung, in die Jesus hereinkommt. Kann Jesus nur hereinkommen, wenn ich perfekt aufgeräumt habe? Nein, er möchte, dass ich die Türe zu ihm immer offen habe – er möchte mir ja helfen aufzuräumen. Du hast für deinen Prozess, der ja schon vor der Diplomarbeit begann, auch eine geistliche Beglei-

Adrian Herrmann wurde soeben diplomiert und arbeitet seit August als Sozialdiakon in der ref. Kirchgemeinde Solothurn. Er ist verheiratet und wohnt in Burgdorf.

meinTDS 2019 | 33 THEMA 19


Kolumne Annina Gottschall

Beten – besser gemeinsam Als Regionalleiterin der VBG besuche ich regelmässig christliche Gruppen an Gymnasien in Graubünden und der ganzen Ostschweiz. Für die Schülerinnen und Schüler, die ich dort treffe, ist das Gebet wichtig. Aber sie tun sich oft schwer damit. Viele erleben Beten als eine fromme Pflichtübung. Ich stelle auch fest, dass sich ihre Gebete oft um die eigenen Bedürfnisse drehen, um Prüfungen, Noten und Stress.

Seminare mit ehemaligen TDS-Dozenten im Jugendhaus Seewis Anmeldung: www.jhs.ch, 081 300 10 10

»» Freude 15.–17. November 2019

MIT DIETER KEMMLER

»» Freude trotz allem! MIT PETER HENNING Auslegung zum Philipperbrief 21.–28. März 2020 (neues Datum!)

Viele junge Menschen sehen die Zeit ihrer Ausbildung als Mittel zum Zweck – als einen Lebensabschnitt, den man möglichst effizient und erfolgreich hinter sich bringen sollte. Das ist auch bei christlich sozialisierten Personen der Fall – und es kommt nicht zuletzt in ihrem Beten zum Ausdruck. Es gehört zu den Höhepunkten meiner Arbeit, wenn ich miterleben darf, wie sich diese Haltung verändert: Wenn junge Menschen anfangen, die Menschen um sie her bewusst wahrzunehmen, ihnen zuhören, ihre Fragen und Nöte ernst nehmen. Bei dieser veränderten Sicht ist das Gebet sowohl Katalysator und Ergebnis. Wenn wir beten, fangen wir an, die Menschen um uns her anders wahrzunehmen. Denn wenn wir unser alltägliches Umfeld als Ort der Berufung erkennen, verändert das auch unser Gebet. Aus diesem Grund führen wir als VBG jedes Jahr am dritten Dienstag im November den «Prayday» durch. An diesem Tag ermutigen wir Schülerinnen und Schüler, aber auch Kirchgemeinden und Alumni, für die Mittelschule an ihrem Ort zu beten –  für die Lehrpersonen und das sonstige Personal, für einen guten Schulbetrieb, aber auch für eine Atmosphäre der Offenheit, in der Glaubensfragen und Diskussionen stattfinden können. Dabei kommen verschiedene Gebetsformen zum Einsatz. Sie können helfen, neue Aspekte des Betens zu entdecken und eingeschliffene Muster zu durchbrechen. In der VBG beten wir beispielsweise mit einer grossen Schweizerkarte, auf der alle Mittelschulen und Hochschulen eingezeichnet sind. Für jeden Standort zünden wir eine Kerze an und stellen sie auf die Karte. Ich schätze auch vorformulierte Gebete – Texte aus den Psalmen oder liturgische Gebete. Die Worte laden mich ein, unabhängig von meiner aktuellen Stimmung in das immerwährende Gespräch zwischen Gott und den Menschen einzustimmen. Manche VBG-Gruppen haben an ihrem Gymi einen öffentlichen Briefkasten für Gebetsanliegen aufgestellt. All diese Dinge helfen uns, nahe bei den Menschen und nahe bei Gott zu sein. Annina Gottschall (29) ist Regionalleiterin der VBG für Graubünden und die Ostschweiz. Daneben arbeitet sie als Oberstufenlehrerin. Sie wohnt in Chur und liebt Musik, gutes Essen und Zeit mit Freunden. Die Kolumne bringt Beiträge von Autorinnen und Autoren ausserhalb des TDS-Kontextes.

20  KOLUMNE meinTDS 2019 | 33

Zum elften Mal findet die StopArmut-Konferenz statt, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt Ernährung / Hunger in der Welt. Das TDS Aarau ist Konferenz-Partner. Anmeldung und Infos auf www.stoparmut.ch/konferenz (Early-Bird-Tickets bis 25. Sept.) Die Ref. Kirchgemeinde Kulm sucht nach Vereinbarung

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BETEN ENTSCHEIDUNGEN KIRCHE – WOZU? WOHIN?

ETHIK PSYCHOLOGIE SOZIALWESEN meinTDS 2019 | 33 KURSPROGRAMM 21


Galerie

Wir gratulieren

zur Geburt JOAH IMMANUEL 9. Februar 2019 Sohn von Naemi und David Froese. David studiert 2017–2021 am TDS Aarau.

JUDITH AMADEA ZOË 30. April 2019 Tochter von Tabea und Simeon Eugster mit Eleonora und Marilen. Tabea (ledig Schaetzle) studierte 2008–2012 am TDS Aarau.

ELLYN 2. Mai 2019 Tochter von Simona und Simon Pfistner. Simona (ledig Rizzuto) studierte 2012– 2016 am TDS Aarau.

JANA 10. Mai 2019 Tochter von Sandra und Christoph Joller mit Elina. Sandra (ledig Zaugg) studierte 2010–2014, Christoph 2011–2015 am TDS Aarau.

LADINA NOËMI 17. Mai 2019 Tochter von Claudia und Joël Lavanchy. Claudia (ledig Bodenmann) studierte 2006–2010 am TDS Aarau.

SENEA 27. Juni 2019 Tochter von Binja und Ralph Wittwer. Ralph studiert 2017–2021 am TDS Aarau.

Wir trauern

ELIANA 11. Juli 2019 Tochter von Jennifer und Reto Brülhart. Jennifer (ledig Wehrli) studierte 2012– 2016 am TDS Aarau.

LAURIN ELIAS 22. Juli 2019 Sohn von Rebecca und Andreas Altorfer mit Juri und Luis Benjamin. Rebecca (ledig Lindegger) studierte 2008–2012 und unterrichtet Evangelistik, Andreas studierte 2006–2010 am TDS Aarau.

MANUEL JOHANNES 26. Juli 2019 Sohn von Kathrin und Richard Kägi mit Andrina. Kathrin (ledig Schaub) studierte 2007–2011 am TDS Aarau.

UMBAU AM TDS AARAU

ERICH WIDMER 1935–2019 In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Erich Widmer. Er war von 1994–2011 Vorstandsmitglied und Vizepräsident des TDS Aarau.

Der Umbau für zusätzliche Schulräume ist mit Anfang der Sommerferien gut gestartet. Im Bild der Durchbruch für die Erweiterung im östlichen Teil. Die Eröffnung wird im Januar 2020 stattfinden. Dann werden alle vier grossen Klassen im Haus sein – über 100 Studierende!

22  GALERIE meinTDS 2019 | 33


Office

Spendenstand Ende August

OFFENER SPENDENVERLAUF

Impressum HERAUSGEBER: TDS Aarau, HF Kirche und Soziales

Liebe Freunde des TDS Aarau Liebe Spenderinnen und Spender Die Eröffnungs- und Diplomfeier von Anfang September stand unter dem Motto «Offnigs Land» (siehe unsere Beiträge ab Seite 5). Spendenmässig müsste das Motto heissen «offener Verlauf». Unsere Grafik unten zeigt Ihnen die Momentaufnahme per Ende August. Wie hoch die Balken im Diagramm noch ansteigen bis Ende Jahr und ob wir das budgetierte Ziel erreichen, ist offen. Diese Ungewissheit und Spannung gilt es auszuhalten. Ab Herbst schaue ich vermehrt auf die Entwicklung der Zahlen – in der Hoffnung und Erwartung, dass wir auch dieses Jahr auf Sie als Unterstützer und Unterstützerin zählen dürfen. Dass wir für den kirchlich-theologischen Teil unserer Ausbildung, der nicht staatlich subventioniert ist, genügend Gelder bekommen. Dass wir für die aktuelle Phase der Schulraumerweiterung genügend Ressourcen zur Verfügung haben.

Sekretariat: TDS Aarau, Frey-Herosé-Strasse 9, CH-5000 Aarau, +41 62 836 43 43, www.tdsaarau.ch sekretariat@tdsaarau.ch Leitung: Pfr. Christoph Schwarz, Rektor Trägerverein: Ueli Frey, Präsident KONZEPT: Werbestadt AG, Winterthur REDAKTION: Matthias Ackermann, Felix Studer GRAFIK/LAYOUT: Matthias Ackermann LEKTORAT: Elisabeth Widmer-Hunziker

Ab Januar 2020 wollen wir die neuen Räume nutzen. So können wir der wachsenden Studierendenzahl (103 Studierende plus 35 Gaststudierende) angepasste räumliche Strukturen zur Verfügung stellen. Herzlichen Dank, dass Sie uns mit Gebet und finanziell dabei unterstützen!

DRUCK: Koprint AG, Alpnach Dorf

Herzliche Grüsse

ABONNEMENT: CHF 20.–/EUR 15.– pro Jahr

Maya Künzle, Geschäftsführerin

INSERATE/MEDIADATEN: sekretariat@tdsaarau.ch

PS: Mit Ihrer Spende unterstützen Sie den kirchlich-theologischen Teil unserer Ausbildung. So kann unsere Ausbildung weiterhin auf dem Fundament von Christus stehen.

1. Speichern als Spendenziel 2019 2. Daten eingeben: Spalte für Spalte Fehlende Spenden 3. Zahlen: TheSans plain 9 bis Ende 2019 4. Apostrophe' einfügen

400'000 300'000

Fehlende Spenden bis Ende August 2019

200'000

Eingegangene Spenden bis Ende August 2019

100'000 0

Einzelspender 1

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7

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BILDNACHWEIS: Alle Fotos: TDS Aarau POSTCHECKKONTO SCHWEIZ (CHF): Aarau 50-1903-6 IBAN: CH22 0900 0000 5000 1903 6 EURO-KONTO: Neue Aargauer Bank Konto: 0882-440718-92 IBAN: CH71 0588 1044 0718 9200 0 BIC: AHHBCH22XXX

Stand Ende August 2019 in CHF 500'000

AUFLAGE: 3'900 Exemplare, viermal jährlich

480'000 254'600 70'000 225'400 158'100

Kirchgemeinden/ Firmen/Institutionen67'300

meinTDS 2019 | 33 OFFICE  23


agenda EVENTS

Retraite/Psychologiekurs, Montmirail (Klasse I) 14.–17. September 2019 Herbstferien vom 28. September bis 13. Oktober 2019 Praktika: • Kl. II: Sozialpraktikum bis 11. Oktober 2019 (Teilzeit) bzw. 15. Dezember 2019 (Vollzeit) • Kl. III (Vollzeit): Gemeindepraktikum bis 20. Dezember 2019 • Kl. IV: Wahlpraktikum/Diplomarbeit bis 29. November 2019

Die nächsten Schnuppertage für alle an einem Studium Interessierten: • Dienstag, 22. Oktober 2019 • Dienstag, 3. Dezember 2019 • Dienstag, 28. Januar 2020 jeweils von 13.30–17.05 Uhr Weitere Schnuppertage auf Anfrage oder auf unserer Homepage. Erfahrungsgemäss sind die Studienplätze für den Studienbeginn im August schon einige Monate zuvor ausgebucht.

StopArmut-Konferenz 2019, Aarau 23. November 2019 | stoparmut.ch Das TDS Aarau ist im Trägerkreis/OK vertreten. Tag der Absolventinnen und Absolventen 18. Januar 2020 Der Konvent gestaltet den Vormittag zum Thema Gemeindeanimation.

Zum Titelbild Wir können überall beten. Zu jeder Zeit. Allein, zu zweit, im Gottesdienst, angeleitet, frei, laut, still, kreativ, in Liedern, im Singen, Tanzen, im Alltag und im Arbeiten. Von Jesus heisst es: «Er aber zog sich in die Einsamkeit zurück, um zu beten.» (Lukas 5,16) Offenbar suchte er einen

TDS-KURSE

SCHNUPPERN

STUDIUM

september bis dezember 2019

Rechtspopulismus und seine christlichfrommen Sympathisanten Sa, 21. September 2019, 9.15–16 Uhr Peter Henning, Pfr. Mag. theol.

Damit die Kirche im Dorf bleibt! Sa, 2. November 2019, 9.15–16 Uhr Simon Häseli, Coach, Pastor, Sozialpädagoge HF Neue Perspektiven – Chancen meiner Pensionierung Sa, 9. November 2019, 9.15–16 Uhr Hansurs und Elisabeth Walder, pens. Pfarrer / Lehrerin; Johannes Hunziker, pens. Prediger Gemeinde mit Zukunft: Entwicklung gezielt angehen Sa, 16. November 2019, 9.15–16 Uhr Andreas Benz, Coach SLI, Dozent TDS Aarau Betrachte Jesus! Die Botschaft des Hebräerbriefs. Mo, 18. / 25. Nov. / 2. Dez. 2019, 19–21 Uhr Dieter Kemmler, Pfr. Dr. theol. Den Glauben im Alltag weitergeben: natürlich und federleicht Sa, 30. November 2019, 9.15–16 Uhr Andreas Benz, Coach SLI, Dozent TDS Aarau «Meine Seele wird still in dir.» Do, 12. Dezember 2019, 19–21 Uhr Kathrin Hunn-Vogler, Dozentin TDS Aarau

passenden Rahmen, wollte frei von Ablenkung sein und Zeit haben. Es zog ihn zum Gespräch mit seinem Vater, er verschaffte sich den Raum, den er dazu brauchte. Auch wenn beten überall und immer möglich ist: Es geschieht nicht einfach so. Oft helfen ein Ort der Stille und eine festgesetzte Zeit, uns «ins Gebet zu führen».

Das autofreie Dorf Rasa im Tessin (siehe Titelbild) ist ein solcher Ort. Verbunden mit Anleitungen in die Stille der VBG (www.vbg.net) bietet er einen äusseren Rahmen, Gott zu suchen und ihm zu begegnen. Lust auf ebendies machen die Beiträge zum Thema «beten» in diesem Heft. Matthias Ackermann

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