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MAI 2018 | 28

MIGRATION

SICH AUFMACHEN UND DEM FREMDEN BEGEGNEN

Projekttage

Theologie

Campus

Migration am TDS Aarau: Schicksale, Gesetze, multikulturelle Kirchen S. 5–7

Matthias Wenks Ressourcen gegen das von Angst besetzte Thema  S. 8–11

Wahlpraktikum in Mauretanien S. 16–17 Diplomarbeiten S. 20

Zeitschrift des TDS Aarau, HF Kirche und Soziales


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INSERATE

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inhalt Titelthema: MIGRATION

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Editorial: Migrationszeiten Christoph Schwarz, Rektor

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Campus: Projekttage Migration

Schöpfer und Gastgeber

Matthias Wenk: Theologie als Befreiung in einem von Angst besetzten Thema

Kolumne Vera Liniger

Die Gemeinde im Mosaik der Kulturen Johannes Müller

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Die Welt am TDS Studierende und Angestellte des TDS mit Migrationshintergrund; Interview mit Yonnas Tseggai

Campus: Praktikum in Mauretanien Interview mit Fabian Wiesmann

Atelier: Kursprogramm 2018/19 Mir geht ein Licht auf!

Plenum: Erste Hälfte gut umgesetzt Christoph Schwarz

Office: Spendenbarometer

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Campus: Diplomarbeiten 2018

Galerie: Gratulationen

Agenda

meinTDS 2018 | 28 INHALT  3


«MIGRATIONSZEITEN» IN MEINEM LEBEN? Frisch in São Luís, Brasilien angekommen, um hier einige Jahre zu arbeiten, standen meine Frau und ich vor der Herausforderung, ein leeres Haus zu möblieren. Wie und wo kauft man hier Bett, Kühlschrank, Herd, etc.? Eine Studentin des Seminars, wo wir arbeiten sollten, hatte das mitbekommen. Spontan wie Brasilianer sind, kam sie mit uns und zeigte uns in dieser Millionenstadt, wo es Möbelgeschäfte gibt, wie zu verhandeln ist und wie das Bezahlen abläuft. Eine wohltuende Erfahrung: eine Fremde kommt auf uns zu und bietet uns Fremden ganz einfache Alltagshilfe an. Das Haus wurde vom Leiter des Seminars für uns ausgewählt. Er versetzte sich in unsere Lage und dachte, wir seien wohl froh, wenn wir etwas abseits wohnen können, nicht mitten im Getümmel. Wie dankbar waren wir über seine Fähigkeit, sich in Fremde hineinzuversetzen – was tut ihnen wohl gut? Was brauchen sie wohl? Viele Jahre zuvor absolvierte ich ein Studienjahr in Vancouver, Kanada. Ich wohnte direkt am Meer und hatte Blick auf Berge – eine tolle Studienumgebung also, zudem war ich umgeben von netten Leuten und guten Dozierenden. Und trotzdem ging es mir schlecht. So viel war fremd oder anders, ich war weit weg von Familie und Vertrautem. Da überraschte mich eine tiefe Verunsicherung: Wer bin ich, wenn alles plötzlich ganz anders ist? Das Fremde bedrohte meine Identität, wie es Matthias Wenk auf Seite 8 beschreibt. Meine Identität finde ich letztlich erst in Christus. Das Abendmahl für mich der Ort, wo eine tiefe Verbundenheit mit anderen Menschen trotz Verschiedenartigkeit, trotz Fremdheit, erlebbar wird (siehe Seite 10). Weil wir alle unsere Identität in Christus haben, gibt es Zusammengehörigkeit trotz Fremdheit. Im Amazonasgebiet mit Indianern ein Abendmahl zu feiern – mit dem Saft einer Palmfrucht – und in dieser ganzen Fremdheit eine tiefe Verbundenheit in Christus zu erleben, war eine meiner schönsten Erfahrungen!

Christoph Schwarz, Rektor

4  EDITORIAL meinTDS 2018 | 28


Thema MIGRATION

«Das Thema Migration löst rundum Ängste aus, und das sowohl bei den Menschen, die oftmals in eine unsichere Zukunft auswandern (müssen), wie auch bei den Menschen, die im Einreiseland wohnen.» Matthias Wenk

Migration betrifft uns alle. Das TDS Aarau widmete sich am 26. und 27. Februar 2018 intensiv dem Thema im Rahmen der klassenübergreifenden Projekttage. Fragen nach dem Umgang mit «dem Fremden», dem (innerlichen und äusserlichen) Aufbrechen, Identität, Kultur und Heimat zogen sich durch die beiden Tage. Referate, Workshops und Begegnungen standen auf dem Programm. Je nach Status wurde den Studierenden die «Einreise» in den Plenumssaal mehr oder wengier erschwert. Per Los wurde ihnen vorgängig eine Aufenthaltsbewilligung F oder N zugeteilt. Mit Hilfe von engagierten Freiwilligen ergatterten dann schliesslich alle einen Sitz und die Projekttage konnten eröffnet werden. Felix Studer, Konrektor des TDS Aarau, tat dies mit einem Zitat aus der jüdischen Passahfeier: n jeder Generation sollen wir uns be« Itrachten, als wären wir selbst aus Ägypten ausgezogen. Es genügt nicht, dass

unsere Vorfahren freie Menschen wurden, zu jeder Zeit muss jeder Mensch selber an seiner Freiheit arbeiten. Wenn ich ‘mein Land’ erreichen will, so muss ich selber aufbrechen.» Er spannte damit den Bogen von den Anfängen der Migration zu den Zuhörenden: Studierende aller TDS-Klassen, Dozierende des TDS Aarau sowie weitere Gäste. Im Einstiegsseminar fokussierte der Theologe Matthias Wenk auf die Angst rund um das Thema Migration: «Die Kirche hat die meinTDS 2018 | 28 THEMA MIGRATION 5


Thema MIGRATION

Typisch schweizerisch: Das Schoggispiel. Im Anschluss an die Projekttage lud das TDS Aarau 50 junge Asylsuchende ein zu Essen, Spiel und Gemeinschaft.

Alle vier Klassen gemeinsam: Das TDS Aarau vertieft sich ins Thema Migration. Start der Projekttage mit dem Referat von Matthias Wenk.

Anita Sieber Hagenbach, Co-Verantwortliche der Projekttage, überreicht zwei Studentinnen einen Dank für ihren Kreativbeitrag.

Begegnung mit Asylsuchenden aus dem Aargau: Vollzeitstudierende der Klassen I und II kochten für Jugendliche des Projekts UMA – Leben und Lernen (ein Teilprojekt des Netzwerks Asyl Aargau).

Stationen auf dem Weg zu einem AsylEntscheid. Gruppenarbeit zum Referat von Vijitha SchniepperMuthuthamby.

Ressource, diesem grundlegenden Problem zu begegnen».1 In der ans Referat anschliessenden Gruppendiskussion wurden die Studierenden aufgefordert, ein Abendmahlsritual unter Einbezug der eben gehörten Bedeutung zu skizzieren. «Wir könnten das Abendmahl auf der Strasse feiern und spontan Leute dazu einladen!» So ein Vorschlag eines Studenten. «Missio Dei» Boris Eichenberger ist Leiter der Vineyard Aarau und aktiver Mitgestalter einer interkulturellen Kirche. In seinem Referat betonte er, die Kirche sei Teil der «Missio Dei» – der von Gott verantworteten Mission der Wiederherstellung seiner Schöpfung. Die Kirche soll sich hineinnehmen lassen in diesen grossen Auftrag, der sich in vielfältigen Facetten zeige: In der Bewahrung der Schöpfung, im Umgang miteinander – es gehe um diese Welt. Als Vorbild diene uns Jesus: «Jesus hat seine Göttlichkeit und seine Privilegien aufgegeben. Er hat sich in eine neue Kultur hineinbegeben, hat sich begrenzt. Entsprechend stellt sich für uns und unsere Kirchen die Frage: Sind wir bereit, unsere Privilegien aufzugeben? Sind wir bereit, uns in die Gesellschaft, in der wir uns befinden, zu investieren?» Eine Spontanumfrage unter den Zuhörenden ergab folgendes Bild:

Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund

Boris Eichenberger folgerte, dass Kirche 1 Eine gekürzte Fassung des Referats von Matthias Wenk findet sich auf den Seiten 8 ff.

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Jede Kultur «widerspiegelt etwa s von G ot t es Grösse und Her rlich keit .

»

Boris Eichenberger und Gesellschaft sich nicht entsprechen. «Wie können wir unsere Gesellschaft erreichen, wenn unsere Kirche sie nicht abbildet?» fragte er die Zuhörenden. Er beobachte, dass viele Gemeindeleiter sich eher an den Grosskirchen in Amerika orientieren als an der Gesellschaft, in der sie leben. Christen seien oft nicht bereit, die eigene (Gottesdienst-)Kultur zu verlassen oder diese zu öffnen für andere Kulturen. Hierarchie der Kulturen hinterfragen «Haben wir das Gefühl, Gott fühle sich in unserer Kultur mehr zu Hause, nur weil wir ihn in der Präambel unserer Verfassung erwähnen?» Boris Eichenberger ist überzeugt, dass jede Kultur etwas von Gottes Grösse und Herrlichkeit widerspiegle, und zitierte dazu Amos 9,7:

«

Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?»

Gott sei in jeder Kultur am Wirken, auch in Völkern, die ihm den Rücken zukehren. Eichenberger sieht in der Kirche ein grosses Potential zur Integration von Migrantinnen und Migranten, denn «die monokulturelle Kirche ist keine Kirche im Stil des Reichs Gottes», auch wenn das Bedürfnis nach Geborgenheit in einer «Heimatgemeinde» der eigenen Kultur nachvollziehbar sei. Doch seine Vision ist, dass Migranten und Migrantinnen auch in der Gemeindeleitung der Schweizer Gemeinde aktiv integriert werden und Einfluss nehmen auf die Gestaltung der Hauptgottesdienste. Seinem Referat lag die Einladung zugrunde, die «Schönheit des Reichs Gottes ausserhalb unserer Kultur wahrzunehmen». Workshops und Begegnungen Im Studium am TDS Aarau wird auf Persönlichkeitsentwicklung ebenso Wert gelegt wie auf fachliche Kompetenz. Dies zeigt sich auch im Angebot an den Projekttagen «Migration». Es wurde Raum geschaffen

für konkrete Begegnungen mit Migranten. In Workshops wurden Themen aufgeworfen, bei welchen das Herausbilden eines persönlichen Standpunkts im Vordergrund stand. So etwa im Workshop «Interreligiöse Feiern und Gebetstreffen: Was sagen wir dazu? Wie verhalten wir uns?». Christoph Schwarz, Pfarrer und Rektor des TDS Aarau, machte zum Einstieg eine Auslegeordnung. Danach wurde – zum Teil kontrovers – diskutiert: «Wie weit würdest du gehen?» Die Studierenden befassten sich mit offiziellen Stellungnahmen und suchten anschliessend einen eigenen Standpunkt. «Ich würde meine Schuhe beim Besuch einer Moschee nicht ausziehen», meinte eine Studentin. «Ich würde das tun, und zwar aus Respekt den Gläubigen gegenüber», entgegnete ein Student. Weiter auf dem Programm standen Begegnungen mit Menschen mit Migrationshintergrund. Studierende bereiteten Fragen vor und stellten diese anschliessend einer Christin aus Syrien, zwei Muslimen aus dem Irak, die in der Region wohnen, zwei Flüchtlingen, die von Boris Eichenberger begleitet werden, oder Yonnas Tseggai, der vor 30 Jahren aus Eritrea floh und am TDS Aarau angestellt ist (siehe S. 14–15).

Vijitha SchniepperMuthuthamby, Advokatin, Leiterin Rechtsberatungsstellen HEKS AG/SO erläutert die rechtlichen Grundlagen zum Asylwesen in der Schweiz.

Boris Eichenberger, Leiter der Vineyard Aarau, lädt dazu ein, die «Schönheit des Reichs Gottes ausserhalb unserer Kultur wahrzunehmen».

Eine Begegnung der besonderen Art hatten Vollzeitstudierende des TDS Aarau mit 50 UMAs (unbegleitete minderjährige Asylsuchende) aus einem Aargauer Schulprojekt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen verbrachten sie mit ihnen einige Stunden mit Spielen und Workshops. Matthias Ackermann Statt eintippen oder stenografieren: Sketch Notes einer Studentin zum Referat von Boris Eichenberger.

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Thema MIGRATION

«Das Abendmahl verkörpert die versöhnte Gemeinschaft, welche durch Gottes Grosszügigkeit möglich wird.» Matthias Wenk referierte an den Projekttagen des TDS Aarau zum Thema Migration.

Migration: Theologie als Befreiung in einem von Angst besetzten Thema

SCHÖPFER UND GASTGEBER ALLER MENSCHEN «Schöpfungsgeschichte, Abendmahl und Pfingstbericht haben das Potential, der Angst rund ums Thema Migration zu begegnen.» Matthias Wenk, Doktor der Theologie und bis vor Kurzem Dozent am TDS Aarau, eröffnete mit seinem Referat die Projekttage Migration am TDS Aarau. Das Thema Migration löst rundum Ängste aus, und das sowohl bei den Menschen, die oftmals in eine unsichere Zukunft auswandern (müssen), wie auch bei den Menschen, die im Einreiseland wohnen. Deshalb habe ich mich entschieden, meine theologische Perspektive nicht wie oft üblich bei den alttestamentlichen Gesetzen oder biblischen Geschichten rund um Migranten anzusetzen, sondern an einem ganz anderen Ort. Ich möchte auch nicht von der Frage ausgehen, was wir als Christen im Umgang mit Migranten tun müssten (Pflichtethik), sondern ich möchte das Thema von den Ressourcen her angehen, welche wir als Kirche haben, um einem der grundlegenden Probleme rund um die Migration zu begegnen: der Angst – und dies, obwohl das Fremde 8  THEMA MIGRATION meinTDS 2018 | 28

oft auch fasziniert. Diese Angst im Zusammenhang mit Migration hat in der Regel zwei Dimensionen: 1. Eine Form der gefühlten Bedrohung rund um Migranten ist die Angst, es könnte aufgrund der Migrationsströme zu wenig Ressourcen für uns haben, sprich, die Angst, zu kurz zu kommen und aufgrund der vielen Zuwanderer Mangel leiden zu müssen. In diese Kategorie fallen die Ängste rund um Arbeits- oder Kitaplätze, mangelnden Wohnraum oder übermässige Erhöhung der Sozialleistungen, welche dann von den Bürgern getragen werden müssen. 2. Dann gibt es noch eine andere Dimen-

sion: Fremdheit ist die Erfahrung der Andersartigkeit des Gegenübers, und damit verbunden die Frage nach der eigenen Identität. In der Begegnung mit der Fremdheit treffen wir zudem immer auch auf ihre Schwester, die Vielfalt, und diese stellt uns genauso unausweichlich die Frage: Wer sind wir im Vergleich zu den anderen? Das Fremde wird als Bedrohung der eigenen Identität wahrgenommen, weil es diese in Frage stellt. Sie stellt die Frage, weshalb ich so bin, wie ich bin, oder so lebe, wie ich lebe – und nicht anders? Somit ist eines der primären Probleme rund um Migration die Angst; sei das wirtschaftlicher Art oder eher rund um die Frage der sozialen/ethnischen Identität kreisend. Nun ist es so, dass sich anhand von Ängsten nicht messen lässt, wie objektiv eine Gefahr ist, deshalb werde ich gar nicht auf die Fragen eingehen, wie wirklich die wirtschaftliche Bedrohung aufgrund von


Migrationsströmen für uns ist, noch wie realistisch es ist, dass in absehbarer Zeit z. B. die Scharia in der Schweiz eingeführt wird oder gewisse muslimische Feiertage zu offiziellen Feiertagen werden. Auch werde ich nicht auf ganz reale Probleme in der Alltagsbewältigung eingehen, die aufgrund der grossen Migrationsströme entstehen (z. B. Integration in Schule und Arbeitswelt, unterschiedliche Werte und Rollenverständnisse). Diese zu leugnen wäre naiv. Vielmehr möchte ich aufzeigen, welche Ressourcen uns die Theologie zur Verfügung stellt, um diesen grundlegenden Ängsten zu begegnen, denn wenn wir Migranten angstfrei begegnen, können die wirklichen Alltagsprobleme auch konstruktiver angepackt werden.

Wenn wir Migranten angstfrei begegnen, können die wirklichen Alltagsprobleme konstruktiver angepackt werden. Für die eher wirtschaftliche Seite der Angst wird der Schöpfungsbericht sowie das Abendmahl Hilfe bieten, um diese zu überwinden. Für die Angst vor Identitätsverlust ist es der Bericht des Pfingstfestes, wie er uns in Apostelgeschichte 2 erzählt wird, sowie noch einmal das Abendmahl, welche uns die Angst vor dem Fremden ablegen lassen. Der Schöpfungsbericht, das Abendmahl und die Angst, zu kurz zu kommen Der grundlegenden menschlichen Angst um mangelnde Ressourcen steht der Schöpfungsbericht gegenüber. Der erste Bericht ist so aufgebaut, dass Gott durch seinen Geist und das Wort zuerst die abgrundtiefe Leere des Nichts durchbricht und Leben entsteht. Genau genommen entsteht in den ersten sechs Tagen der Lebensraum, welcher der Mensch für sein Überleben nötig hat. Erst nachdem dieser Lebensraum vorhanden ist, wird die Schaffung des Menschen erzählt. Zudem vollendet im ersten Bericht Gott die Schöpfung am siebten Tag, am Ruhetag. D. h. der Mensch wurde in die Fülle hineingeschaf-

fen und muss seine Existenz nicht selber sichern. Er lebt von der Fülle, die Gott ihm bereitstellt und nicht von seiner eigenen Leistung; er kann es sich sozusagen leisten, seine Existenz mit einem Feiertag zu beginnen. Jeder Mensch, und die Schöpfung insgesamt, ist somit für sein Leben abhängig von Gott; wir leben grundlegend von der Grosszügigkeit Gottes und nicht von der eigenen Leistung. Daniela Augustine hat zudem darauf hingewiesen, dass die Schöpfung nicht nur der Lebensraum aller Kreaturen, sondern auch Wohnung Gottes ist; Gott wohnt in der Schöpfung inne (vgl. Offb. 21,1–4). Wenn aber Gott in der Schöpfung innewohnt, dann ist er auch Gastgeber: Wir Menschen leben von der Gastfreundschaft Gottes; wir sind seine Gäste hier auf Erden. Und Gäste sind in der Regel keine Selbstversorger. Wer das Leben grundlegend so sieht und den Schöpfungsbericht theologisch ernst nimmt, verliert die Angst vor dem Fremden, denn er verliert die Angst, es könne zu wenig Ressourcen für unbegrenzte Bedürfnisse haben. Gott, der Gastgeber von uns allen, wird uns alle mit dem Nötigen versorgen. Wohl deshalb bezieht sich einige Jahrhundert später Jesus bei seiner Aufforderung, sich nicht zu sorgen, ebenfalls auf die Schöpfung – und stellt ihr als Negativbeispiel die wirtschaftliche Produktivität und den Erfolg des grössten Königs in Israels Geschichte gegenüber: arum sage ich euch: Macht euch keine « DSorgen um euer Leben, ob ihr etwas

zu essen oder zu trinken habt, und um euren Leib, ob ihr etwas anzuziehen habt! Das Leben ist mehr als Essen und Trinken, und der Leib ist mehr als die Kleidung! Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte – aber euer Vater im Himmel sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als Vögel! Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern? Und warum macht ihr euch Sorgen um das, was ihr anziehen sollt? Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider, doch ich sage euch: Nicht einmal Salomo bei all seinem Reichtum war so prächtig gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn Gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt ihr so wenig Vertrauen? (Matth. 6,25–30).»

Das Konzept von Gott als Gastgeber wird auch im Abendmahl mit den darin vorhandenen Elementen aus der Schöpfung erkennbar: Brot und Wein. Gemäss J.K. Smith ist das Abendmahl ein normatives Bild für die Gerechtigkeit im Reich Gottes: Brot und Wein werden für alle gleichermassen und frei verteilt. Dadurch wird im Abendmahl sichtbar, wie die Welt sein soll. Zudem werden im Abendmahl ganz natürliche Elemente aus der Schöpfung ausgeteilt, welche von Menschen weiterverarbeitet wurden. Der Mensch empfängt somit durch einen anderen Menschen, was wiederum andere Menschen verarbeitet haben. Aber all das ist nur möglich, weil Gott uns in seiner Schöpfung Weizen und Trauben zur Verfügung gestellt hat. Und das hat er, zumindest ursprünglich, allen gleichermassen. Somit widerspiegelt das Abendmahl sowohl Gottes grosszügiges Bereitstellen von dem, was wir brauchen, wie auch den Schöpfungsauftrag von uns Menschen (die Weiterverarbeitung). Letztlich verkörpert es die versöhnte Gemeinschaft, welche durch Gottes Grosszügigkeit möglich wird: Das Gegenüber ist nicht mehr Bedrohung im Kampf um mangelnde Ressourcen, sondern mit mir zusammen Gast an Gottes Tisch und geniesst die Früchte der Schöpfung Gottes, welche von Menschen weiterverarbeitet wurden. Wir alle essen am gleichen Tisch, für uns alle hat es genug und wir alle haben den gleichen Anteil daran. Und das wiederum, weil wir den Schöpfungsauftrag wahrnehmen, ohne welchen das Abendmahl gar nicht erst möglich wäre. Eine christliche Sozialethik, und damit verbunden auch eine Ethik im Umgang mit Migranten, welche auf der Schöpfung und dem Abendmahl basiert, geht somit nicht primär von der Pflicht und dem Gebot aus, sondern sie gründet auf der Grosszügigkeit Gottes und dem Vertrauen des Menschen in die Grosszügigkeit seines Gastgebers. Sie ist in letzter Konsequenz eine Ethik der Dankbarkeit und der Anbetung des Gastgebers, der seine Gäste überschwänglich mit allem versorgt, was diese zum Leben brauchen. Es ist auch eine Ethik der Solidarität, welche mit den natürlichen Ressourcen arbeitet (Weizen und Trauben) und diese am Tisch Gottes dem Anderen als Nahrung darbietet. In diesem angstfreien Raum, den Gott uns Menschen zur Verfügung stellt, können dann die konkreten Probleme, welche sich aus dem Zusammenleben – und auch in Folge der Migrationsströme – ergeben, angegangen werden. Allerdings wird die Befreiung von der «Angst um mangelnde ResmeinTDS 2018 | 28 THEMA MIGRATION 9


Thema MIGRATION

sourcen zur Befriedigung unbegrenzter Bedürfnisse» sich für Menschen in der westlichen Hemisphäre anders auswirken als für Menschen, die eher im globalen Süden und in Ländern wohnen, die von Armut betroffen sind. Christen, die in wirtschaftlich reichen Ländern wohnen, haben kein Recht, von ihren Mitmenschen aus ärmeren Ländern zu fordern, zuhause zu bleiben, weil sie sich ja keine «Sorgen um ihre Existenz machen müssen». Eine solche Argumentation wäre zynisch und käme dem Urteil von Jesus nahe, als er sagte: «Warum kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders oder deiner Schwester und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen?» (Luk. 6,41). Zudem würde ein solches Argument jeglicher Solidarität entbehren, wie sie im Abendmahl zum Tragen kommt: Wir geben einander das, was wir von Gott erhalten haben und was von Menschen weiterverarbeitet wurde. Und wir geben allen gleichviel und frei von Bedingungen. Viele Zungen und ethnische Identität: die Bestätigung von Partikularität und Universalität Im Pfingstbericht wird erzählt, wie die Jünger Jesu mit dem Geist erfüllt wurden und in anderen Sprachen die grossen Taten Gottes verkündeten. Dies ermöglichte allen anderen Anwesenden, die Botschaft je in ihrer Muttersprache zu hören. Die vielen Sprachen an Pfingsten bestätigen sowohl ethnische Vielfalt wie auch die Einheit der Anwesenden, oder anders ausgedrückt: der Geist bestätigt ethnische Partikularität und Universalität zugleich und ermöglicht dadurch eine Gemeinschaft, in der ethni-

Als Kirche steht uns mit dem Wirken des Geistes eine Ressource zur Verfügung, welche in der Begegnung mit Migranten ethnische Eigenidentität nicht einfach auflöst noch konfrontiert, sondern immer bestätigt und dennoch verbindend wirkt. sche Vielfalt und Unterschiede bestätigt werden, ohne dass sie trennend zwischen den Menschen wirken. Als Kirche steht uns somit mit dem Wirken des Geistes eine Ressource zur Verfügung, welche in der Begegnung mit Migranten ethnische Eigenidentität nicht einfach auflöst noch konfrontiert, sondern immer bestätigt und dennoch verbindend wirkt. Dies trägt wesentlich dazu bei, die Angst vor dem Verlust der Eigenidentität zu überwinden: Das Gegenüber ist zwar anders und bleibt teilweise immer fremd, aber es ist keine Bedrohung der eigenen Identität mehr. Dadurch führt die Bestätigung der eigenen ethnischen Identität nicht mehr zur Ausgrenzung oder zur Konfrontation mit denjenigen, die anders sind, sondern der Geist bestätigt auch die Universalität des Gottes Volkes und der Menschen schlechthin. Das gibt uns den Freiraum, angstfrei das neue Zusammenleben verschiedener Ethnien zu definieren und auszuhandeln. Das mag dann, genau wie in der Apostelgeschichte auch, nicht immer reibungslos vonstattengehen, aber angstfrei, und zwar

auf beiden Seiten: Migranten müssen keine Angst mehr haben, in ihrem neuen Umfeld ihre Eigenidentität aufgeben zu müssen (Assimilation), und die gastgebende Ethnie muss keine Angst mehr haben, von Fremden überrollt und fremdbestimmt zu werden. Somit ist die identitätsstiftende Erzählung der Kirche eine Erzählung, welche Partikularität und Universalität feiert und die Vielfalt unter den Menschen bestätigt. Die Überwindung von sozialen, und in jener Zeit wohl auch ethnischen Unterschieden, wird ebenfalls im Abendmahl sichtbar: In seinen Ausführungen (1. Kor. 11,17–34) konfrontiert Paulus die Gemeinschaft zerstörenden Tendenzen der Gemeinde in Korinth, die besonders in der Feier des Abendmahls sichtbar wurden: Die reichen Gemeindeglieder warteten mit der Abendmahlsfeier nicht auf die Sklaven, welche wohl noch bei der Arbeit waren, und als diese dann zur Feier kamen, war vom gemeinsamen Mahl nicht mehr viel übrig. Dieses unsolidarische Verhalten entspricht laut Paulus nicht dem gefeierten Ritus, denn im Abendmahl wird die versöhnende und einende Kraft des Evangeliums sichtbar gefeiert. Mit anderen Worten: Paulus baut seine Ethik der Solidarität unter sozial Ungleichen unter anderem auf dem Abendmahl auf; der Ritus steht voll und ganz im Dienst der Sozialethik. Ganz ähnlich ist das ja auch in Apostelgeschichte 2,42–47. Schlussfolgerung Während eine Sozialethik rund um das Thema der Migration, die vom Schöpfungsbericht und vom Abendmahl ausgeht, vor allem eine Ethik der Dankbarkeit und der Anbetung ist, ist eine Sozialethik, die von Pfingsten und vom Abendmahl ausgeht, eine Ethik der Identität in Vielfalt und eine Feier der Solidarität und der Ergänzung.

Studierende beim Referat von Matthias Wenk

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Für unser Thema heisst das: Als Kirchen haben wir, theologisch gesprochen, Ressourcen zur Verfügung, welche uns helfen,


die Probleme rund um Migration angstfrei anzugehen. Wir leben vertrauensvoll und in der Gewissheit, dass es in Gottes Schöpfung unbegrenzte Güter für begrenzte Bedürfnisse gibt, und wir erleben die Freude und den Reichtum ethnischer und sozialer Vielfalt, die zu einem Spiegelbild der unermesslichen Vielfalt in Gott wird. Zudem ist unsere Identität stiftende Erzählung eine Erzählung von Vielfalt und Unterschiedlichkeit, in der die einzelnen Gruppen einander verstehen und bestätigen. Dadurch können wir Probleme, welche durch die Migrationsströme unserer Zeit entstehen, angehen, ohne unsere Privilegien verteidigen zu müssen, und ohne ethnische Vielfalt entweder einebnend verneinen noch ausgrenzen zu müssen. Schon gar nicht können und wollen wir ethnische Vielfalt unterdrücken oder auslöschen. Wir alle sind letztlich Gäste bei Gott, sei dies in seiner Schöpfung allgemein oder an seinem Tisch im Spezifischen. Gott ist ein überaus grosszügiger Gastgeber, der uns alle reichlich versorgt. Er versorgt uns sogar mit der Fähigkeit, die Fülle seiner Schöpfung zum Wohl aller in der Schöpfung weiterzuverarbeiten. Diese Ressourcen helfen uns, die Probleme rund um die Migrationsströme unserer Zeit zum Wohl aller zu lösen.

Dr. Matthias Wenk ist Gemeindeleiter der BewegungPlus Burgdorf. Er ist Doktor der Theologie, Dozent am IGW und war bis vor Kurzem Dozent am TDS Aarau. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Hindelbank.

Erneuerung durch Begegnung Der Artikel ist eine gekürzte Fassung aus einem Aufsatz aus dem Buch «Erneuerung durch Begegnung. Wort, Geist und Gemeinschaft. Gesammelte Aufsätze» von Matthias Wenk, Edition IGW, Grin Verlag, 2017.

Kolumne Vera Liniger

Von Aufenthaltstiteln und anderen Verwirrungen «Besitzt du die Flüchtlingseigenschaft?». Ich sitze mit einer Gruppe von Freunden beim Feierabendbier und bin mal wieder in eine Diskussion über die Schweizer Asylpolitik hineingeraten. «Jaja, natürlich», kommt die prompte Antwort meines Kollegen – ein Afghane, der sich bei mir über eine Reise ins Ausland erkundigt. Nach einem Blick auf seinen Flüchtlingsausweis erkläre ich: «Du bist vorläufig aufgenommen worden in der Schweiz, jedoch ohne Flüchtlingseigenschaft.» Er sieht mich verwirrt an. «Du wurdest nicht als Flüchtling anerkannt, dein Asylgesuch wurde abgewiesen, jedoch kann eine Wegweisung aus der Schweiz nicht vollzogen werden, deshalb wurdest du vorläufig aufgenommen», präzisiere ich. Weitere Erklärungsversuche verlieren sich schnell im Dschungel der Fachbegriffe, juristischen Termini und politischen Argumenten. Da gibt es positive und negative Asylentscheide, Asylgewährung mit Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, vorläufige Aufnahmen als Flüchtling, jedoch ohne Asylgewährung, vorläufige Aufnahmen ohne Flüchtlingseigenschaft, jedoch mit Wegweisungsvollzugshindernissen, negative Asylentscheide mit Wegweisung aus der Schweiz, sogenannte subjektive Nachfluchtgründe, diverse völkerrechtliche Verpflichtungen, Unterscheidungen zwischen Unzumutbarkeit, Unzulässigkeit und Unmöglichkeit eines Wegweisungsvollzugs, Gesetze, Verordnungen, Verträge … Kein Wunder kann meinen Ausführungen bald niemand mehr folgen! Natürlich braucht es Regeln und Gesetze. Sie sind unumgänglich in einem Staat, der von Willkür und Korruption frei sein soll. Doch ich will den Blick auf den einzelnen Menschen nicht verlieren: Ein Mensch mit Stärken und Schwächen, mit Wünschen und Hoffnungen, mit Erlebnissen, die ihn geprägt haben. Dabei sind die unzähligen, eindrücklichen Geschichten der Bibel über Migration, übers Fremd-Sein, über Nächstenliebe zu allen Menschen eine wichtige Ressource für mich. Sie geben mir die Kraft zu hoffen. Hoffen auf Heilung, Transformation, Versöhnung und Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die oftmals von Vorurteilen geprägt ist und vor lauter Politik und Gesetzen den einzelnen Menschen aus den Augen verliert. Eine der unmittelbarsten biblischen Begründungen für eine menschenfokussierte Haltung finde ich in Matthäus 25,36: «(...) ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.» Die besondere Pointe dieses Textes liegt in der Begründung von Jesus selbst: «Wahrlich ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.» (Matth. 25,40)  Vera Liniger arbeitet beim Staatssekretariat für Migration. Sie hat Interreligiöse Studien und Jura mit Schwerpunkt Migration an der Universität Bern studiert. Die Kolumne bringt Beiträge von Autorinnen und Autoren ausserhalb des TDS-Kontextes.

meinTDS 2018 | 28 KOLUMNE 11


Thema MIGRATION «Christliche Gemeinden als Modelle für gelingendes Zusammenleben der Kulturen» – Johannes Müller an einem Seminartag der Ausbildung «Integrationsbegleitung» am TDS Aarau.

DIE GEMEINDE IM MOSAIK DER KULTUREN Was hat eine monokulturelle Kirche in einer multikulturellen Gesellschaft für Aussichten? Johannes Müller referiert an Seminaren zur Integrationsbegleitung am TDS Aarau. Er begleitet Gemeinden in der Gestaltung des Miteinanders verschiedener Kulturen. Im folgenden Artikel portraitiert er verschiedene Gemeindemodelle sowie deren Chancen und Herausforderungen. Von Johannes Müller. Wenn in der Gemeinde nicht mehr alle gleich sind Wie kann eine Gemeinde damit umgehen, wenn Menschen anderer Herkunft auftauchen? Grundsätzlich bieten sich ihr drei unterschiedliche Funktionsweisen an (siehe Kasten). Jedes dieser Modelle hat seine besonderen Stärken, aber auch Herausforderungen. Diese kommen in allen Bereichen des Gemeindelebens zum Tragen: Im Lebensgefühl und im Selbstverständnis, beim Thema Leiterschaft, in der Arbeit unter Kindern und Jugendlichen, in der Evangelisation, bei interkulturellen Begegnungen, in der Integration und Zusammenarbeit. Im Mosaik der Kulturen unterwegs Die drei Modelle lassen sich als Ecken eines Dreiecks darstellen. Jede Gemeinde nimmt ihrer Vision und ihrer Geschichte entsprechend eine Position im Inneren des Dreiecks ein. Es lohnt sich, diese Position zu 12  THEMA MIGRATION meinTDS 2018 | 28

? reflektieren und sich anschliessend zu fragen, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln könnte: Bestehen Beziehungen zu einzelnen Personen aus unterschiedlichen Hintergründen? Dann ist es wohl dran, die Durchmischung aktiv zu fördern. Bestehen Kontakte zu Menschen aus einem bestimmten Kulturkreis? Dann wäre die Bildung einer fremdsprachigen Gruppe naheliegend.

Die kulturelle Vielfalt mag uns manchmal unüberschaubar vorkommen. Erinnern wir uns an Gottes Ziel: die Ewigkeit verbringen Jesusjünger aus allen Kulturen zusammen. Dann kann uns der hier beschriebene Überblick ermutigen, nächste Schritte in Richtung auf mehr kulturübergreifende Gemeinschaft in der Gemeinde zu gehen. Kulturübergreifende Kontakte wagen Gemeinden haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten für eine Öffnung: Sie tun Schritte für eine stärkere Durchmischung der Gottesdienstbesucher in ihrer eigenen Gemeinde. Oder sie knüpfen Kontakte zu Gemeinden mit einem anderen Hintergrund. Der folgende Kasten enthält ein paar Praxistipps zur Öffnung von Gemeinden.


Kontakte zu Menschen anderer Kulturen aufbauen Wie kann eine Gemeinde Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund anziehen? Dafür eignen sich z. B. multikulturelle Feste: Die Gemeinde ermutigt ihre Mitglieder dazu, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen zum lockeren Zusammensein, einem kurzen Input und einer Mahlzeit mitzubringen. Weitere Möglichkeiten sind Sport, Aktivitäten mit Kindern, Übersetzung bei Gemeindeprogrammen und anderssprachige Kleingruppen. Oder ein soziales Engagement, das auf die empfundenen Bedürfnisse der Menschen in der Umgebung der Gemeinde eingeht. Sobald sich Personen mit einem anderen Hintergrund in der Gemeinde willkommen fühlen, werden sie auch Menschen aus ihrer Umgebung einladen. Was gilt es zu beachten, damit an einem Anlass eine Willkommensatmosphäre entsteht? Wesentlich ist das Interesse an neuen Personen. Allerdings sollten sie nicht so ausgefragt werden, dass sie sich ans Interview beim Migrationsamt erinnert fühlen. Gute Startfragen sind z. B. «Was gefällt dir an der Schweiz?» und «Was vermisst du hier?» Ein weiterer Türöffner ist die Gastfreundschaft, also Einladungen in die

Wohnung der Gemeindeglieder, oder umgekehrt: die neu Zugezogenen besuchen. Wertschätzung kann dadurch ausgedrückt werden, dass man Interessierte durch Mitarbeit ins Gemeindeleben einbezieht. Kontakte zu anderen Gemeinden Wie können durch gemeinsame Aktivitäten konstruktive Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden? Ein Schlüsselerlebnis ist der gemeinsame Gottesdienst. Ein solcher muss unbedingt gemeinsam vorbereitet werden. Und dafür muss genug Zeit vorgesehen werden – man pflegt ja unterschiedliche Gottesdienstkulturen. Alle beteiligten Gemeinden sollten sich ihren Stärken entsprechend einbringen können und ihren Beitrag als gleichwertig empfinden. Zentrale und sichtbare Verantwortungen müssen gut aufgeteilt sein. Eine Vorstufe des Gottesdienstfeierns ist das gemeinsame Gebet. Ein gemeinsamer Outreach – also das Einladen zum Gottesdienst und zum Glauben an Gott auf öffentlichen Plätzen – bringt Begabungen zur Geltung und ist ein Zeugnis in der multikulturellen Gesellschaft. Gemeinsame Arbeit unter Kindern und Teenagern ist für alle Beteiligten besonders wertvoll und zugleich ein Prüfstein für das gegenseitige Vertrauen.

Der Himmel wird als ein Miteinander von Menschen aus allen Kulturen geschildert. Diese Realität können wir heute vorbereiten, wenn wir uns für anders geprägte Menschen in unserer Umgebung öffnen. Bei solchen Kontakten werden wir viel Ausdauer, Sensibilität und gegenseitigen Respekt benötigen, aber wir werden auch das Wirken des Heiligen Geistes ganz neu erleben. Das macht uns gelassen für die nächsten Schritte auf diesem Weg – seien sie erbauend oder manchmal auch mühsam.

Johannes Müller leitet seit 2007 African Link (www.africanlink.ch), einen interkulturellen Dienst mit afrikanisch geleiteten Gemeinden in der Schweiz, der zu «MEOS Interkulturelle Dienste» gehört. Vorher war er 14 Jahre in Westafrika in der Leiterausbildung tätig. Er ist verheiratet, hat fünf erwachsene Kinder und wohnt in Winterthur.

Risiken

Chancen

Beschreibung

Drei Gemeindemodelle im Überblick

Die monokulturelle Kirche Eine Kultur (die einheimische oder eine fremde) steht im Vordergrund. Menschen anderer Herkunft sind willkommen, sofern sie mit der kulturellen Funktionsweise zurechtkommen. Die Evangelisation richtet sich primär an Menschen der eigenen Kultur. Die verbreitetsten monokulturellen Gemeinden sind schweizerisch.

Die interkulturelle Kirche Eine möglichst starke Durchmischung von Menschen aus verschiedenen Kulturen wird angestrebt. In ihrer Funktionsweise stellt sie sich zwischen die Kulturen. In der Praxis beeinflussen die Herkunftskultur des Leiters und die Gastgeberkultur die gemeindeeigene Mischung stärker. Kleingruppen sollten idealerweise durchmischt sein.

Die multikulturelle Kirche Einer kulturellen Vielfalt wird Raum geboten. Es gibt kulturell unterschiedlich geprägte Gefässe (sprachgruppenorientierte Zellgruppen und Hausgemeinden), aber auch regelmässige gemeinsame Gottesdienste und eine gemeinsame Hauptleitung. Oft prägt die Gastgeberkultur den Rahmen.

Die kulturelle Zielgruppe ist bewusst gewählt. Ihr wird Heimat geboten.

Gemeinschaft über alle Unterschiede hinweg; weltoffene Atmosphäre

Vielfalt; Platz für verschiedene Kulturen; Zusammenspiel zwischen der einheimischen und den fremden Kulturen

Rückzug auf Vertrautes; Isolation innerhalb der Gesellschaft

Entwurzelung, weil die Mischung für alle fremd ist

Hoher Aufwand für Organisation & Kommunikation in der Gesamtgemeinde; Rückzug in die eigene Gruppe

meinTDS 2018 | 28 THEMA MIGRATION 13


Thema MIGRATION

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Migration am TDS Aarau: Die Karte zeigt Heimat- bzw. Herkunftsland von Studierenden ( ) und Angestellten ( ) mit Migrationshintergrund. Die Jahrzahl steht für ihre Einreise bzw. diejenige ihrer Eltern (•) oder Grosseltern (••) in die Schweiz.

1978 •

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14  THEMA MIGRATION meinTDS 2018 | 28

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Die Odyssee von Yonnas Tseggai in die Schweiz begann 1988. Vorher genoss Yonnas eine gute Schulbildung an einem Internat in Eritrea. Vermutlich wäre er heute Ingenieur in Eritrea – wäre nicht der Krieg dazwischengekommen. Im Rahmen der Projekttage am TDS Aarau konnten Studierende bei einer Begegnung Yonnas’ Lebens- und Migrationsgeschichte erfahren. Das Interview auf der folgenden Seite ist ein Zusammenzug aus dieser Begegnung mit Ergänzungen.

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Eritrea

19 90


Yonnas, wie bist du aufgewachsen? Unsere Familie wohnte in einem Dorf 50 Kilometer ausserhalb von Asmara, der heutigen Hauptstadt von Eritrea. Damals war Eritrea noch ein Teil von Äthiopien. Mein Vater war Priester der orthodoxen Kirche. Er war oft unterwegs, daher musste ich als Erstgeborener schon früh Verantwortung übernehmen. Ich hatte vier Geschwister. Jeden Tag ging ich zu Fuss in die 7 Kilometer weit entfernte Schule. Bitte beschreibe uns das religiöse Umfeld deiner Familie. In Eritrea gibt es – bis heute – Christen und Muslime. Die christlichen Denominationen sind orthodox, katholisch und evangelisch. Wir waren in der orthodoxen Kirche und Kultur verwurzelt. Dann konvertierte mein Vater zur katholischen Kirche und wir zogen in eine Stadt. Das verschaffte mir den Vorteil einer guten Ausbildung in einem katholischen Internat. Welche beruflichen Chancen hattest du? Im Internat konnte man nach der Matura nur Theologie studieren, und eine andere Universität konnte ich mir nicht leisten. Ich war ein guter Schüler und wäre gerne Ingenieur geworden. Ich war damals sehr traurig, dass das nicht möglich war. Weshalb musstest du Eritrea verlassen? Es gab eine Guerilla-Bewegung, die für die Unabhängigkeit von Eritrea kämpfte. Ich stellte mich eher auf deren Seite und musste daher fliehen vor der äthiopischen Armee. Mit 1000 Dollar in der Tasche floh ich in einer Gruppe von ca. 20 Männern über den Sudan in die Hauptstadt von Äthiopien. Dort war es möglich, mit gefälschten Papieren ein Flugticket nach Italien zu bekommen – und das versuchte ich. In Italien angekommen war mein nächstes Ziel Schweden. Mit einem Schlepper fuhren wir im Auto nordwärts. Als wir in Basel ankamen, hiess es, wir seien am Ziel. Der Schlepper hat uns also Basel als Schweden verkauft. Wie waren deine ersten Tage in der Schweiz? Spätabends bin ich Ende Dezember 1990 in Basel angekommen – ich war zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt. Es war zu spät für eine Anmeldung beim Asylzentrum, daher habe ich im Bahnhof übernachtet. Ich kannte niemanden, hatte keine Papiere und keine Ahnung, wohin ich mich wenden sollte.

Schliesslich gelangte ich in eine Asylunterkunft, zuerst vier Monate in Basel, dann wurde ich in den Aargau verlegt und lebte weitere neun Monate in einer Unterkunft mit 120 Asylsuchenden. Glücklicherweise konnte ich danach in einem Restaurant arbeiten und auch dort wohnen. Im Jahr 1992 erhielt ich einen negativen Asylentscheid: Ich müsse die Schweiz verlassen. Ich durfte nicht mehr arbeiten und konnte unter der Auflage, dass ich mich jeden Monat bei den Behörden meldete, vorerst doch noch in einem Asylzentrum wohnen. Du warst zum Zeitpunkt der Flucht schon verheiratet. Wie kam es, dass du und deine Frau wieder zusammenkamt? Meine Frau blieb in Eritrea zurück. Gelegentlich konnte ich von einem Hotel aus mit ihr telefonieren. Nach dreieinhalb Jahren floh meine Frau ebenfalls in die Schweiz, erhielt jedoch kurz darauf einen Ausreiseantrag. Wir hätten beide die Schweiz verlassen müssen. Dann hattet ihr die Idee, nach Kanada auszuwandern. Genau: Meine Frau sollte zuerst nach Kanada reisen und ich hätte später nachkommen können. Dazu besorgten wir für sie illegale Papiere. Es klappte nicht. Die Polizei erschien am Flughafen. Der Versuch hatte eine hohe Busse zur Folge. Kurz darauf kam unser erstes Kind zur Welt. Wie kamst du ans TDS? Nach einer Pause von einigen Jahren durfte ich zum Glück wieder arbeiten: Ich erhielt einen Job in einem Restaurant und später in der Badi Aarau, jeweils im Sommer. Dort lernte ich Beat kennen, den Vor-Vorgänger von Marcel Kempter, Hausverwalter des TDS. Ich bewarb mich für eine Stelle in der Hauswartung und arbeite seit 1999 hier am TDS Aarau. Schliesslich erhieltest du doch noch einen Schweizer Pass. Ja, im Jahr 2005 erhielt unsere ganze Familie – unterdessen hatten wir drei Kinder – den Schweizer Pass. Daneben bist du engagiert in der eritreischen Gemeinde Das begann 2003. In Lausanne hatte es schon lange eine eritreische Gemeinde, zu der wir Kontakt hatten. Man gab mir die Leitung, weil ich durch meine Zeit im Internat in Eritrea gute Voraussetzungen hatte. Wir gründeten zwei weitere Gemeinden in

Bern und Zürich, die ich leitete. Heute bin ich noch Pastor der Zürcher Gemeinde und predige dort fast jeden Sonntag. Für meine Arbeit als Pastor profitiere ich natürlich vom Umfeld am TDS! Wie beurteilst du die aktuelle Situation der Flüchtlinge aus Eritrea? Die Fluchtlinie über die Sahara ist im Mo-

«Für ein Problem gibt's immer eine Hoffnung.» ment blockiert, weil die Reise durch Lybien wegen Menschenhändlern zu gefährlich ist. Es war eigentlich auch unser Gebet, dass die Flüchtlingsströme abnehmen, weil so viele in der Wüste und im Mittelmeer umkommen. Wie stabil ist Eritrea? Wie schätzt du die Situation ein? Der Grenzkonflikt mit Äthiopien ist nicht gelöst, daher ist die Situation immer noch sehr unstabil. Äthiopien akzeptierte das UNO-Friedensabkommen von 2001 nicht. Ohne Konflikte in deinem Heimatland wärst du heute vielleicht Ingenieur in Eritrea. Hättest du deinen Berufswunsch nicht in der Schweiz noch nachholen können? Die Jahre, in denen ich in der Schweiz vielleicht hätte studieren können, verbrachte ich im Asylzentrum und wartete auf meinen Entscheid. Und heute ist es zu spät: Die Sprache wäre immer noch ein grosse Hürde. Wie siehst du Gottes Weg mit dir angesichts der vielen verpassten Chancen in deinem Leben? Ein Motto, das mich begleitet, ist: Für ein Problem gibts immer eine Hoffnung. Die Lebensgeschichten in der Bibel ermutigen mich sehr: Abraham hatte kein Land, obwohl es ihm versprochen wurde. Er hielt an Gott fest. Josef war Flüchtling gegen seinen Willen und Gott hat etwas Gutes aus seinem Leben gemacht. Probleme bringen auch mit sich, dass wir Gott suchen. Und wenn wir kämpfen, erleben wir auch Gottes Gnade. Mit Yonnas Tseggai sprach Matthias Ackermann.

meinTDS 2018 | 28 THEMA MIGRATION 15


Campus

Ein typischer (Kleider-)Markt in der

Innenstadt

ANGST VOR BÖSEN BLICKEN Die Studierenden der Klasse IV haben die Möglichkeit für ein Praktikum ihrer Wahl. Fabian Wiesmann war zwei Monate lang in Mauretanien. Er lebte in der Hauptstadt Nouakchott mit einer Gruppe von Christinnen und Christen aus verschiedenen Erdteilen, die sich für das Wohl der muslimischen Bevölkerung einsetzen. Fabian, vermittle uns ein paar Eindrücke von deinem Aufenthalt! Ich führte – gezwungenermassen – einen einfachen Lebensstil. Obwohl Nouakchott eine Millionenstadt ist, war die Infrastruktur sehr einfach. Die Landschaft ist von Sand und Wüste geprägt. Die Schere zwischen Arm und Reich ist gross: Hier stehen Paläste, daneben leben arme Menschen, die aber trotz ihrer Armut eine Zufriedenheit ausstrahlen.

zu erhalten. Die Projekte ermöglichen es, Beziehungen aufzubauen. Sie werden von den Einheimischen als Bereicherung empfunden. Dies ist wiederum eine Basis für das Weitergeben des Evangeliums bzw. von biblischen Botschaften.

Wie war dein Praktikum organisiert? Ich konnte in einem Team dabei sein, welches in einem Stadtteil lebte. Konkret hatte ich Einblick bzw. konnte ich mitarbeiten in zwei Projekten: Eine Schule, wo Englisch unterrichtet wird, und ein Angebot für Kinder an zwei Nachmittagen pro Woche, wo sie lernen, spielen und kreativ sind.

Du hast in einem Team gearbeitet mit Menschen, die schon jahrelang in Mauretanien leben. Genau. Sie kommen aus Amerika, Südkorea, Südafrika oder Schweden und leben in den meisten Fällen mit ihrer ganzen Familie dort, eine Person seit 26 Jahren.

Alle Projekte basieren auf dem Prinzip «Access Work». Das Ziel ist, durch Arbeit Zugänge zu der Kultur und zu den Einheimischen 16  CAMPUS meinTDS 2018 | 28

Daneben hatte ich Gelegenheit, am Leben teilzunehmen: Am Markt, am Strand mit anderen in Kontakt zu kommen bzw. die Kultur kennenzulernen.

Sie halfen mir, Zugang zu ihren muslimischen Freunden zu finden. Der ergab sich vor allem bei Teerunden, zu denen wir eingeladen wurden: Wir sassen zusammen und tranken Tee. Die Sprache und mein kur-

zer Aufenthalt ermöglichten mir nicht, tiefe Gespräche zu führen, aber an dem «Ritual» konnte ich teilnehmen und wurde einbezogen. Sie, die länger dort lebten, gewannen mit der Zeit einen vertieften Zugang zu den Einheimischen. Bei Gelegenheit beten sie für sie und erleben, dass einzelne anfangen, Jesus nachzufolgen. Kannst du die Ausprägungen des Islam in Mauretanien beschreiben? Die Religion, der Islam, ist sehr prägend. Auf dem Papier ist Mauretanien ein zu 100 % muslimisches Land, andere Religionen werden grundsätzlich nicht geduldet. Dominant ist ein Volksislam mit Einflüssen aus der Mystik und aus westafrikanischem Geisterglauben. Es hat auch radikale Muslims, die jedoch «nur» eine Minderheit sind. Während meiner Zeit wurden wir gewarnt davor, einen bestimmten Stadtteil zu betreten. Radikale Muslims forderten dort die Hinrichtung eines Gesetzesübertreters wegen Blasphemie unter starken Protesten. Sie gelangten aber nicht zum Ziel: Die Regierung ist gemässigt bis säkular und bekämpft den Radikalismus. Was war deine Motivation für dieses Praktikum? Ich hatte Interesse an Mission, schon vor meiner Ausbildung. Und: Ich finde den Is-


Blick auf Nouakchott mit der Saudi-Moschee

Projekte mit Kindern Windräder basteln – eines unserer ern des Projekts (unten) Kind den mit sfoto hied Absc n); (obe

lam spannend. In meinem persönlichen Umfeld habe ich Muslime kennengelernt und lieb gewonnen. Ich finde es einfacher, mit ihnen über den Glauben zu reden, als z. B. mit Atheisten. Muslime sind gläubig und wollen Gott gefallen. Missionieren an und für sich ist in unserer Zeit ein rotes Tuch. Missionieren unter Muslimen kann gefährlich sein – für beide Parteien. Das mag sein. Ich erlebe aber hierzulande im konkreten Fall, d. h. im persönlichen Gespräch keinen Widerstand. Wie gesagt sind Muslime interessiert am Glauben, und so haben wir von Anfang an eine gemeinsame Basis. In der muslimischen Welt ist es anders. In meinem Einsatz im Wahlpraktikum war die Herangehensweise viel subtiler. Dort bringen wir selten direkt Jesus ins Gespräch, denn missionieren und vom Islam zu einer anderen Religion konvertieren, ist illegal. Es ist theoretisch lebensgefährlich – besonders für Einheimische. Was gefällt dir am Evangelium? Wie das Wort schon sagt: Es ist eine gute Botschaft. Zweitens ist es eine Botschaft für alle Menschen an allen Orten zu allen Zeiten. Diese gute Botschaft hat viele Facetten, die wiederum je nach Kultur unterschiedlich relevant sind. Wir können sagen: «Jesus ist für unsere Sünden gestorben» oder «Jesus hat den Tod besiegt». Vielleicht ist aber für mein Gegenüber die Aussage, dass wir durch Jesus Zugang zu Gott haben, die bedeutendste.

In deiner Diplomarbeit geht es um den Islam. Genau. Ich habe den Volksislam analysiert. Die grosse Mehrheit der Muslime – weltweit 70–80 % – könnte man als ihm angehörig bezeichnen. Ich habe mich mit der Frage befasst, wie Muslime im Volksislam mit dem Evangelium erreicht werden können. Dazu versuchte ich, das Lebensgefühl zu beschreiben: Der Volksislam ist geprägt von einer Schamkultur, wo Ehre eine grosse Rolle spielt und Angst dominant ist. Also – so war mein Ansatz – muss das Evangelium Antworten auf das Lebensgefühl «Angst» geben. Muslime sind empfänglich für ein Evangelium, das ihnen Schutz bietet: Schutz vor Krankheit, vor bösen Blicken, vor Eifersucht, vor negativen Einflüssen der Vorfahren. Diesen Schutz suchen sie manchmal bei einem Mittler, den sie dafür bezahlen, dass er ihnen «Segen» gibt – ein Amulett, ein Zuspruch usw. Ihnen können wir Jesus anbieten, der die Dunkelheit besiegt hat, der sich stellvertretend für sie und ihre Ängste schützend vor sie stellt – und sogar bereit war/ist, sein Leben für sie zu lassen.

Eine typische Quartierstrasse. Hier hat Fabian gelebt.

meines Gastes führte zu einem Gespräch über die kommende Welt. Meine Sicht fand er spannend: Jesus wird das Königreich aufrichten. Hier gibts keinen Krieg. Es wird ein neues Reich des Friedens sein. Das Gespräch führte Matthias Ackermann.

Fabian Wiesmann (26) ist Vollzeitstudent der Klasse IV am TDS Aarau und lebt in Effretikon. Für das Wahlpraktikum wählte er einen Einsatz unter Muslimen in Mauretanien. Das Portrait zeigt ihn in einem traditionellen Zelt in der Wüste Mauretaniens.

Dazu ein Erlebnis aus dem Praktikum: Ein Sufi klopfte an meine Tür und bat um Geld für die kommende Welt. Der Sufismus ist eine mystische Ausprägung des Islam. Sufis treten in Mauretanien auf als «Wanderprediger». Sie besingen die Heiligen, gehen von Haus zu Haus, segnen und sammeln Geld für Arme und für die Moschee. Die Frage meinTDS 2018 | 28 CAMPUS 17


Atelier

MIR GEHT EIN LICHT AUF! Plötzlich sehe ich etwas in anderem Licht. Zusammenhänge werden klar. Hintergründe bleiben nicht im Dunkeln, sondern werden ausgeleuchtet. Nun verstehe ich, weshalb ... Solche Erlebnisse will Ihnen das TDS-Kursprogramm 2018/19 ermöglichen. Was können Sie hier alles in neuem Licht sehen? Zum Beispiel unerhörte Gebete, das Bibellesen, das ewige Leben gemäss dem Neuen Testament, den Sinn des Kirchenjahrs, die verschiedenen Namen Gottes in der Bibel, die Auferstehung von Jesus. Da gibt es spannende Hintergründe zu entdecken! Der Kurstitel «Damit Gott sagen darf, was Er sagen will!» könnte über mehr als nur einem Kurs stehen. Aber auch zu sehr praktischen Themen wie Ihrem Erziehungsstil, Ihrer Pensionierung, Ihrer Selbstannahme, Ihrem Auftreten auf einer Bühne, Ihrer Erholungsfähigkeit kann Ihnen ein Licht aufgehen. Und wenn es heller wird, dann schreiten wir auch zielbewusster und entspannter voran. Gerade dazu wollen wir mit unserem TDS-Kursangebot gerne einen Beitrag leisten. Wer mehr sucht als einen Abend- oder Samstagskurs, wird auch fündig! Als Gast am TDS zu studieren, das geht ganz unkompliziert mit einer Anmeldung auf dem Sekretariat. Sie finden hier eine Vielzahl von Modulen, die wir für Gäste öffnen. Zusammen mit TDS-Klassen können Sie über Wochen und Monate regelmässig und gründlich eintauchen in theologische und soziale Fragestellungen. Wir garantieren: Da wird Ihnen mehr als nur ein Licht aufgehen! Ich wünsche Ihnen, dass einige unserer Kursangebote für Sie zu Lichtkegeln werden, die Aspekte Ihres Alltags in neuem Licht aufleuchten lassen! Felix Studer lic. phil., Konrektor und Dozent TDS Aarau Verantwortlicher für das Kurswesen

ABEND- UND SAMSTAGSKURSE 1 Den Tod über-denken Was Christen nach ihrem irdischen Leben erwarten dürfen – eine Spurensuche im Neuen Testament. Stefan Wenger, Dr. theol., Dozent TDS Aarau »» Samstag, 3. November 2018, 9–16 Uhr 2 Erziehungsstile auf dem Prüfstand Welcher Erziehungsstil fördert die Bindungsfähigkeit unserer Kinder am besten? Felix Studer, lic. phil., Konrektor und Dozent TDS Aarau »» Mittwoch, 7. November 2018, 19–21 Uhr 3 Neue Perspektiven – Chancen meiner Pensionierung Hansurs und Elisabeth Walder, pens. Pfarrer/Lehrerin; Werner Farner, Lehrer, Ausbildung in individualpsychologischer Beratung und Eheseelsorge; Johannes Hunziker, pens. Prediger »» Samstag, 10. November 2018, 9.15–16.30 Uhr 4 Die Abschiedsreden Jesu: Auslegen und Ausleben Dieter Kemmler, Pfr. Dr. theol. »» Montag, 12., 19. und 26. November 2018, 19–21 Uhr

18  KURSPROGRAMM meinTDS 2018 | 28

und Details f ung au Anmeld h/ aarau.c s d .t w ww 6 43 43 062 83 kten gedruc im d n u gramm Kurspro im Juli int (ersche 8) 201 5 Sicher und locker vor Publikum stehen Ladina Spiess, Journalistin und Moderatorin »» Samstag, 12. Januar 2019, 9–16 Uhr 6 Erholungsfähig bleiben in hektischen Zeiten Georges Morand, dipl. Coach, Supervisor, Theologe, Erwachsenenbildner »» Dienstag, 22. Januar 2019, 19–21 Uhr 7 Ich steh zu mir Sich selber annehmen lernen Monika Riwar, Theologin, Seelsorge und Beratung in eigener Praxis, Dozentin TDS Aarau »» Samstag, 26. Januar 2019, 9–16 Uhr 8 Gebete, die Gott nicht hört Es heisst: «Wer bittet, der empfängt» (Matthäus 7, 8). Doch stimmt das wirklich? Monika Riwar, Theologin, Seelsorge und Beratung in eigener Praxis, Dozentin TDS Aarau »» Dienstag, 12. Februar 2019, 19–21 Uhr


BEI IHNEN VOR ORT Thomas Härry (TDS-Dozent) und Dieter Kemmler (ehem. TDSDozent) bieten Abendkurse oder Tagungen in Ihrer Kirchgemeinde oder Institution an. Anfrage direkt bei den Referenten.

ALS GAST STUDIEREN Folgende TDS-Studienmodule können einzeln belegt werden. Auf Wunsch kann eine Prüfung abgelegt werden. Die detaillierte Ausschreibung finden Sie auf unserer Website. Definitive Unterrichtstermine und Anmeldung ab Anfang Juni.

Thomas Härry, t.haerry@tdsaarau.ch »» Sich selbst und andere führen »» Weitere Themen zu Spiritualität, Bibel und Persönlichkeitsentwicklung auf Anfrage

20 Bibelkunde Altes Testament 23 Halbtage Dr. theol. Stefan Wenger »» 14. August bis 16. Oktober 2018; Dienstag Nachmittag 14. Januar bis 3. Juni 2019; Montag Vormittag

Hinweis: Freie Termine ab Januar 2020

21 Bibelkunde Neues Testament 25 Halbtage Thomas Härry, M.A. »» 23. Oktober 2018 bis 4. Juni 2019; Dienstag Nachmittag

Dieter Kemmler, dieter.kemmler@gmx.ch »» PDL – Pneuma-dynamisches Leben »» Die Bergpredigt »» Das Unservater »» Was passiert nach dem Sterben »» Leben unter dem geöffneten Himmel

INTEGRATIONSBEGLEITUNG Die Ausbildung zur Integrationsbegleitung des Instituts für Migration Korntal mit dem TDS Aarau als Kooperationspartner ist sehr gefragt. Die 11 Module werden bereits zum vierten Mal angeboten. Alle Daten und weiteren Infos auf unserer Website. Kursort ist das TDS Aarau.

9 Damit Gott sagen darf, was Er sagen will! Unser (modernes/postmodernes) Bibellesen auf dem Prüfstand. Ein hermeneutisches Kurzseminar Peter Henning, Pfr. Mag. theol. »» Samstag, 23. Februar 2019, 9–16 Uhr 10 Wie heisst Gott? Gott wird vorgestellt. Mit welchen Namen haben Autoren in der Bibel ihren Gott angesprochen und beschrieben? Karin Härry, Bibliothekarin und Referentin »» Mittwoch, 27. Februar 2019, 19–21 Uhr 11 Gottes Heil erfahren – Vom Sinn und Wert der Gottesdienste im Kirchenjahr Peter Henning, Pfr. Mag. theol. »» Donnerstag, 7. März 2019, 19–21 Uhr 12 Die Auferstehung Jesu: faktisch und praktisch Dieter Kemmler, Pfr. Dr. theol. »» Montag, 11., 18. und 25. März 2019, 19–21 Uhr

22 Gemeinwesenarbeit 8 Halbtage Thomas Furrer, Soziokultureller Animator Der Kurs wird zweimal identisch durchgeführt: »» 22a: 25. Oktober bis 13. Dezember 2018; Donnerstag Vormittag »» 22b: 12. Februar bis 23. April 2019; Dienstag Nachmittag 23 Kirchengeschichte Pfr. Philipp Hendriksen »» 15. Oktober bis 11. Dezember 2018 Mehrheitlich Montag Vormittag

8 Halbtage

24 Religionen 1 4 Halbtage Pfr. Andy Jecklin »» 2. November bis 14. Dezember 2018; Freitag Vormittag 25 Ethik Pfr. Philipp Hendriksen »» 14. Januar bis 28. Mai 2019 »» Mehrheitlich Montag Nachmittag

10 Halbtage

26 Sozialwesen Schweiz Yolanda Sieber Emmenegger, lic. phil. I »» 15. Januar bis 4. Juni 2019 Mehrheitlich Dienstag Vormittag

19 Halbtage

27 Theologie des Neuen Testaments Thomas Härry, M.A. »» 17. Januar bis 21. März 2019 Mehrheitlich Donnerstag Vormittag

8 Halbtage

28 Dogmatik 11 Halbtage Pfr. Christoph Schwarz »» 18. Januar bis 29. März 2019; Donnerstag/Freitag Vormittag 29 Psychologie 2 8 Halbtage Marianne Fankhauser, Beraterin mit eidg. Diplom, Familienmediatorin »» 28. März bis 6. Juni 2019; Donnerstag Vormittag 30 Missionstheologie Pfr. Philipp Hendriksen »» 29. März bis 7. Juni 2019; Freitag Vormittag

8 Halbtage

31 Kurswoche Jugendarbeit 1 Woche Zoe Wunderlin, Lukas Wellauer, Raffi Hallauer, David Krättli »» 3. bis 10. August 2019 meinTDS 2018 | 28 KURSPROGRAMM 19


Campus

DIPLOMARBEITEN 2018 Viele Stunden investierten die Studierenden im vierten Studienjahr in die Diplomarbeit. Ihre Erzeugnisse wurden bis Ende April von den begleitenden Dozierenden überprüft und bewertet. Ab Ende August 2018 können sie in der Bibliothek des TDS Aarau eingesehen werden.

Mirjam Bänninger | Sinn und Unsinn der Entwicklungshilfe Eine Analyse der 60 Jahre Entwicklungshilfe in Afrika inklusive Kriterien für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

Verena Bösch | Ecclesia semper reformanda Kirche stirbst du noch oder lebst du schon?

Regula Heim | Yoga Ein Weg zu Jesus – auch für Christen?

Philipp Jampen | Jugendliche für die Gemeinde gewinnen

Fiona Kauer | Gott aber lässt wachsen Untersuchung der Strukturen der Zürcher Landeskirche in Bezug auf das Wachstum in den Gemeinden

Dorothée Nadler | Inklusion von psychisch beeinträchtigten Menschen in der Kirche

20  CAMPUS meinTDS 2018 | 28

Naemi Schaub | Jakobus, die Reichen und ich – Am Ende herrscht Gerechtigkeit! Eine Exegese zu Jakobus 5,1–6 mit anschliessender Predigtreihe

Rahel Schaufelberger | Stephanus – ein Musical

Stephanie Schütt | Helfendes Zurechtweisen Wie man Gemeindezucht heute verstehen und ausführen kann

Jessica Spring | Vermittlung von Liebe, Beziehung und Sexualität

Silke Steiger | Distanz zur Alltäglichkeit Der Sabbatgedanke heute

Fabian Wiesmann | Der Volksislam und das Evangelium Brücken schlagen in eine unbekannte Welt

Tabea Wyrsch | Nächstenliebe im Alltag Flüchtlinge in der Schweiz als meine Nächsten?


Plenum

Gut unterwegs mit der staatlichen Anerkennung «Sozialdiakonie mit Gemeindeanimation HF»

Erste Hälfte erfreulich umgesetzt Am 15. August 2016 sind wir mit dem Pilotlehrgang mit staatlicher Anerkennung gestartet. Der erste Jahrgang (33 Studierende) schliesst bald das zweite Studienjahr ab, der zweite Jahrgang (25 Studierende) beendet im Juni das erste Jahr. Die staatliche Anerkennung ist sehr gut unterwegs. Die Expertin und der Experte geben dem neuen Konzept ein sehr positives Feedback. Die Reformierten Landeskirchen entschieden vor einiger Zeit, dass Sozialdiakoninnen zukünftig einen staatlich anerkannten sozialen Berufsabschluss haben müssen. Das TDS Aarau suchte nach Möglichkeiten, die-

kerung bei der Teilhabe an der Gesellschaft und Gemeinschaft» – so eine Kurzdefinition dieses Berufs. Dieses Profil passt in unseren Augen sehr gut zur Tätigkeit von Sozialdiakoninnen, die dies (und mehr) im kirchlichen Rahmen tun. So mussten wir inhaltlich nicht sehr viel umstellen in der TDS-Ausbildung. Einige zusätzliche Themen aus dem gemeindeanimatorischen Beruf konnten wir aufnehmen und so der Expertin und dem Experten unser neues Curriculum vorlegen, das auf dem über

se Auflage zu erfüllen. Gemeindeanimation – ein in der Schweiz neuer Beruf – brachte dem TDS Aarau die optimale Lösung. «Die dipl. Gemeindeanimatoren HF sind Fachpersonen für die Unterstützung der Bevöl-

Fortsetzung nächste Seite

Erleben Sie mit edelline ausgewählte Busreisen, Themenreisen, Flug- und Schiffsreisen!

1ed0elJalinhere 2008 – 2018

Stille Nacht – die alpenländische Weihnachtsoper Eine Reise in die märchenhafte «Weihnachtswelt» der Allgäuer Alpen – zauberhafte vorweihnachtliche Tage im schönen Bad Hindelang. Unser 10-jähriges Firmenjubiläum schliessen wir ab mit einer Reise in eine Welt voller Magie, Lichterglanz und Märchenzauber. Höhepunkte: einzigartige alpenländische Musikinszenierung «Stille Nacht» (beste Kartenkategorie), Eröffnungszeremonie mit Märchenumzug, Bergromantik und Weihnachtszauber am Weihnachtsmarkt. Hotel: Prinz-Luitpold-Bad****, Bad Hindelang

Fr, 30. Nov. – So, 2. Dez. 2018 | 3 Tage | ab CHF 585.–

Auf den Spuren von J. W. Goethe Mit den geschichtsträchtigen Städten Weimar, Erfurt und Eisenach sowie Besuch «Faust. Der Tragödie Erster Teil» im Nationaltheater Weimar. Wir erleben die Schauplätze von Goethes Leben hautnah unter der fachkundigen Reiseleitung von Frau Heike Engel. Wir sehen das Goethe Nationalmuseum und Wohnhaus in Weimar, in Eisenach geniessen wir die Wartburg-Führung und in Erfurt die Altstadtführung sowie den Weihnachtsmarkt. Mit Besuch «Faust. Der Tragödie Erster Teil» im Nationaltheater Weimar.

So, 9. – Do, 13. Dez. 2018 | 5 Tage | ab CHF 945.–

Sie erreichen uns auf edelline.ch oder an unseren Standorten: Natural Reisen Bahnhofstrasse 6 (in der Passage) | 2501 Biel 032 322 05 22 | info@natural-travel.ch

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meinTDS 2018 | 28 PLENUM / INSERAT 21


Galerie zur Hochzeit NAEMI MÜLLER & DAVID FROESE 21. April 2018 in der Ref. Kirche Bülach. David studiert 2017–2021 am TDS.

RAHEL HEYER & DANIELE LIBERA 9. Juni 2018 in der Kirche Oltingen BL. Daniele studiert 2017–2021 am TDS.

LIVIA SIGRIST & MICAEL HUNZIKER 7. Juli 2018 in der Dorfkirche Steffisburg. Micael studiert 2017–2021 am TDS.

STEPHANIE SCHÜTT & PHILIPP THOMMEN 8. September 2018 in der Ref. Kirche Sissach. Stephanie studiert 2014–2018 am TDS.

MIRJAM BÄNNINGER & ANDY BOSSHARD 15. September 2018 in der Ref. Kirche Sitzberg. Mirjam studiert 2014–2018 am TDS.

Fortsetzung von Seite 21

Jahrzehnte entwickelten und bewährten bisherigen Studienprogramm basiert. Nun freuen wir uns sehr über die zwei so positiven Zwischenberichte von staatlicher Seite. Ihre Begleitung ist nicht so sehr eine zu fürchtende Kontrolle, als vielmehr eine inhaltliche Unterstützung für die Umsetzung. Ihr Feedback gibt uns hilfreiche Anregungen für Optimierungen und Weiterentwicklungen. Der erste Zwischenbericht analysierte unser Konzept, das wir von 2013 bis 2015 entwickelt hatten. Letzten November besuchten uns die beiden staatlichen Begleiter. An einem Nachmittag führten sie einen Workshop mit Studieren22  GALERIE meinTDS 2018 | 28

Wir gratulieren zur Geburt CAMILLE NOA 24. November 2017 Tochter von Nicole und Fabio Carrisi mit Joaquin, Enea und Ésaïe. Nicole (ledig Gilomen) studierte 2002–2005 am TDS.

JAËL SIMEA 16. März 2018 Tochter von Regula und Matthias Fässler. Regula (ledig Keller) studierte 2009–2013, Matthias 2010–2014 am TDS.

ALONA 3. Februar 2018 Tochter von Annina und Karl Dittli mit Davino. Karl studierte 2012–2016 am TDS.

MAEL BENJAMIN 23. März 2018 Sohn von Sandra und Micha Kunkler mit Levi Nathanael, Elia Mattia, Jona Simeon, Dana Lina, Noomi Lisa und Mona Naima. Micha studierte 2006–2009 am TDS.

ELINE NOÉE 4. Februar 2018 Tochter von Mirjam und Jonathan Merz mit Silas. Mirjam (ledig Sigg) studierte 2004–2007, Jonathan 2010–2014 am TDS.

ADINA 21. Februar 2018 Tochter von Debora und André Grünenwald. Debora (ledig Eggenberger) studierte 2007–2011 am TDS.

JOAS DAVID 3. März 2018 Sohn von Tabea (ledig Tanner) und Roman Schenk mit Esra. Beide studierten 2007– 2011 am TDS.

den und Dozierenden durch. Sie wollten sich ins Bild setzen über die Umsetzung in die Praxis. Die letzte Etappe beinhaltet noch das Evaluieren unserer Diplomprüfungen. Wir sind sehr zuversichtlich, im Jahr 2020 die staatliche Anerkennung definitiv zu erhalten. Dann wird der erste Jahrgang im neuen System diplomiert. Sehr erfreulich ist, dass die Aussicht auf einen staatlich anerkannten Abschluss das Interesse an der TDS-Ausbildung markant erhöht hat. Es übersteigt unsere Kapazität von 25 Studierenden pro Jahr bei Weitem. Daher prüfen wir, ob wir ab 2020 mit zwei Klassen pro Jahr starten können.  Christoph Schwarz, Rektor

TOBIJA 28. März 2018 Sohn von Sarah und Manuel Keller mit Timea und Jonathan. Manuel studierte 2008–2012 am TDS.

SILAS JAVIER 8. April 2018 Sohn von Isabel Carreño und Tobias Schweizer. Isabel studiert 2016–2020 am TDS.

Diplom- und Eröffnungsfeier 2018 Die diesjährige Diplom- und Eröffnungsfeier des TDS Aarau findet dieses Jahr später als bisher statt, nämlich am 2. September 2018 um 14.30 Uhr in der Stadtkirche Aarau. Die Festpredigt wird vom ehemaligen Rektor des TDS Aarau, Pfr. Dr. theol. Paul Kleiner, gehalten. Pfr. Dr. theol. Dieter Kemmler wird als langjähriger Dozent und Konventsmitglied verabschiedet und gewürdigt – zusammen mit seiner Frau Elisabeth Kemmler.


Office

Spendenstand Ende April

WAS ZEIGT MAN NACH AUSSEN?

Impressum HERAUSGEBER: TDS Aarau, HF Kirche und Soziales

Liebe Freunde des TDS Aarau Liebe Spenderinnen und Spender Als ich Flüchtlingen beim Einrichten ihrer ersten Wohnung in der Schweiz half, stellte ich fest, dass sie die Vorhänge mit der schönen Seite nach aussen aufgehängt haben. Ihre Erklärung: Das sei bei ihnen so üblich, damit die Nachbarn und die vorbeigehenden Leute die schöne Seite sehen. Das machen wir im Leben ja alle auch so – nur mit den Vorhängen nicht! Auch das TDS hat viele sehr schöne Seiten, die man von aussen sehen kann: eine gute Ausbildung, sehr viele Studierende und noch mehr, die es werden möchten; und darum bald zu wenig Platz! Bald die definitive staatliche Anerkennung … Für mich sind die Finanzen eine solche «innere» Seite des Vorhangs. Sie sollen gut «gepflegt» sein. Wir sind darauf angewiesen, dass Menschen das TDS auch finanziell mittragen und Gott uns so eine ausgeglichene Rechnung schenkt. Die Ausbildung wurde zum Glück durch die staatlichen Beiträge (die nicht das ganze Studium abdecken) für die Studierenden billiger. Ein grosser Teil der Einnahmen muss jedoch weiterhin durch Spenden abgedeckt werden. Wo wir diesbezüglich stehen, sehen Sie auf der Grafik unten. Ich hoffe, dass wir diesen «inneren Vorhang» beim Jahresende freudig auch nach aussen drehen können und danke Ihnen, dass Sie das tolle TDS auch unter diesem Aspekt mittragen – schon so viele Jahre! Gott sei Dank!

Sekretariat: TDS Aarau, Frey-Herosé-Strasse 9, CH5000 Aarau, sekretariat@tdsaarau.ch, +41 62 836 43 43, tdsaarau.ch Leitung: Pfr. Christoph Schwarz, Rektor Trägerverein: Heiner Studer, Präsident KONZEPT: Werbestadt AG, Winterthur REDAKTION: Matthias Ackermann, Felix Studer GRAFIK/LAYOUT: Matthias Ackermann LEKTORAT: Elisabeth Widmer-Hunziker DRUCK: Koprint AG, Alpnach Dorf AUFLAGE: 4.000 Exemplare, viermal jährlich ABONNEMENT: CHF 20.–/EUR 15.– pro Jahr

Herzliche Grüsse

INSERATE/MEDIADATEN: sekretariat@tdsaarau.ch

Christoph Kunz, Vorstandsmitglied

BILDNACHWEIS: zettberlin / Photocase (Titelbild); TDS Aarau

PS: Damit die Studiengelder tief bleiben können, bemühen wir uns, auch die «inneren» Ausgaben im Auge zu behalten! Stand Ende April 2018 in CHF 500'000

Spendenziel 2018

480'000

400'000

Fehlende Spenden bis Ende 2018

384'000

300'000

Eingegangene Spenden bis Ende April 2018 Einzelspender

100'000

Kirchgemeinden/ Firmen/Institutionen23'000 1

2

3

4

5

6

7

8

EUR-KONTO: Neue Aargauer Bank Konto: 0882-440718-92 IBAN: CH71 0588 1044 0718 9200 0 BIC: AHHBCH22XXX

96'000

200'000

0

POSTCHECKKONTO SCHWEIZ: Aarau 50-1903-6 IBAN: CH22 0900 0000 5000 1903 6

73'000

9 10 11 12

Jahresbericht 2017 Der Jahresbericht 2017 des TDS Aarau ist seit Mitte Mai online auf www.tdsaarau. ch/jahresbericht. Er enthält Berichte und die Jahresrechnung 2017.

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agenda TDS-KURSE

Abschlussprüfungen 18.–29. Juni 2018

Ab 2. Juli 2018 Sommerferien und Praktikumszeit Praktika • Kl. II: Sozialpraktikum bis 15. Oktober 2018 (Teilzeit) bzw. 21. Dezember 2018 (Vollzeit) • Kl. III (Vollzeit): Gemeindepraktikum bis 21. Dezember 2018 • Kl. IV: Wahlpraktikum/Diplomarbeit bis 30. November 2018 Kurswoche Jugendarbeit, Hasliberg (Klasse III) 4.–11. August 2018 Start Studienjahr 2018/19 13. August 2018 Diplom- und Eröffnungsfeier, Stadtkirche Aarau Sonntag, 2. September 2018, 14.30 Uhr Retraite/Psychologiekurs, Montmirail (Klasse I) 14.–17. September 2018 Herbstferien vom 1.–12. Oktober 2018

EVENTS

Gruppendynamikwoche (Klasse I) 25.–28. Juni 2018

SCHNUPPERN

STUDIUM

juni bis september 2018

Studieren als Gast Ab neuem Studienjahr im August 2018 sind viele Module für Gaststudierende offen: Dogmatik, Kirchengeschichte, Theologie des Neuen Testaments, Bibelkunde Altes und Neues Testament, Religionen, Ethik, Sozialwesen Schweiz, Gemeinwesenarbeit, Psychologie, Missionstheologie, Kurswoche Jugendarbeit. Siehe S. 19, weitere Infos beim TDS-Sekretariat

In Christus, Universität Fribourg Studientage zur theologischen und gesellschaftlichen Erneuerung 20.–22. Juni 2018 Das TDS Aarau ist Partner.

Die nächsten Schnuppertage für alle an einem Studium Interessierten: • Dienstag, 30. Oktober 2018 • Dienstag, 4. Dezember 2018 • Dienstag, 12. Februar 2019 jeweils von 13.30–17.05 Uhr Weitere Schnuppertage auf Anfrage oder auf unserer Homepage. Erfahrungsgemäss sind die Studienplätze für den Studienbeginn im August schon einige Monate zuvor ausgebucht.

Zum Titelbild Die Abbildung zeigt zwei von fünf Entwürfen für die Titelseite zur aktuellen Ausgabe. Links ein Schnappschuss aus der Begegnungszeit mit Asylsuchenden am TDS Aarau (siehe Seite 7). Rechts ein Vogelzug, sozusagen «migrierende» Raben.

Ich habe bei einigen Angestellten und Studierenden ein Feedback eingeholt. Die abgebildeten Varianten erhielten am meisten Zuspruch. Zum Vogelbild äusserte sich eine Studentin so: «Raben machen mir eigentlich Angst. Doch sie gelten

als besonders anpassungsfähige und intelligente Vögel – von daher passt es.» Das Vogelbild fanden viele zu düster, die Idee aber gut. So suchte ich nach einem helleren, freundlicheren Bild. Matthias Ackermann

meinTDS Mai 2018  
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