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BERGSTEIGEN

und trotzdem ist die Wegfindung von nun an immer einfach. 
Ganz hinten thront der Gipfel, die Siulinc, was so viel bedeutet wie Säule und dem Berg einst seinen Namen gab. Unverkennbar von allen Seiten, ist er längst erstürmt und erscheint uns hoffnungslos überfüllt. Ein leichtes Grinsen huscht mir über die Wange, als ich den ersten Schritt antrete. Denn wir sind fast alleine und ich weiß nur zu gut was vor mir liegt. Doch schon nach wenigen Metern bleibe ich wie versteinert stehen. Direkt vor mir, keine drei Meter entfernt, liegt ein junger Steinbock in der Sonne. Ich winke meinen Partner zu mir. Ganz still schaut der Bock uns an und denkt nicht einmal daran, den Weg freizumachen. Ich schieße einige Fotos, genieße noch etwas diesen Moment und versuche mich langsam an ihm vorbei zu schlängeln. Das ist ihm aber dann doch zu viel und er springt geschickt davon. Ein einzigartiger Augenblick, auch wenn man hier Steinböcke öfters sehen kann.

Auf Messers Schneide Von nun an geht es auf und ab. Mal steiler, mal flacher, mal ausgesetzt, mal ganz zahm. Der Fels, überraschend fest und warm. Kiefernduft und der Geruch trockener Erde steigt in meine Nase. Fast fühle ich mich wie im Sommerurlaub in

Südfrankreich.
Schnell finden wir unseren Takt. Kurze Gehpassagen wechseln mit steilen An- und Abstiegen und so wirkt der schönste Weg auf den Säuling äußerst kurzweilig und schont dabei die Psyche. Noch unterhaltsamer wird die Kraxelei durch zwölf kleine Metallschilder. Angebracht auf den höchsten Punkten, frischen sie unser Wissen auf und wir erfahren die Namen der Apostel. Leicht zu finden sind sie aber nicht. Wer alle Zwölf finden will, muss schon achtsam sein und auch mal den Weg für einige Meter verlassen. All das zusammen lässt mein Bergsteigerherz ungewöhnlich hoch schlagen. Wir tanzen fast über den Grat, sind den Schwierigkeiten gewachsen, fühlen uns gut. Immer wieder bleiben wir stehen, quatschen und staunen. Es ist ein Traum. Das ist der Säuling! Nach der zweiten Abseilstelle erreichen wir das Gratbuch. Verstaut in einer Metallbox, an den senkrechten Fels gedübelt. Wir blättern ein wenig darin herum. Ich finde meinen Eintrag vom 30. Dezember vor einigen Jahren. Damals waren die Tage kurz und unsere Finger kalt. Und trotzdem kamen wir problemlos über den schneefreien Grat. Im frühen Winter durchaus keine Seltenheit. Eine schöne Erinnerung, die wir nun auffrischen dürfen. 
Das Gratbuch markiert in etwa die Mitte der Route. Wie damals wünsche ich mir heute, dass die

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zweite Hälfte sich doch noch etwas in die Länge ziehen möge.

Alpine Schwierigkeiten Bisher haben wir uns an Bäumen abgeseilt, an Bohrhaken und Schlingen. Senkrechte Kletterstellen im zweiten Grat, teils recht ausgesetzt, mussten gemeistert werden. Seilfrei versteht sich. Der Apostel-Grat ist kein Spaziergang, zeigt kurz sogar seine Zähne im dritten Grad. Und so schieben wir uns vorsichtig voran, saugen alles um uns auf. Zum dritten Mal gehe ich nun diesen Weg und es wird weiß Gott nicht das letzte Mal sein. Viel zu perfekt füllt mich dieser Tag schon wieder aus. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Apostel wir schon überschritten haben. Aber der Pilgerschrofen ist schon in weiter Ferne und nicht mehr lange, dann ist die Säulingwiese erreicht. Noch einmal geht es nach oben. Feste Felsschuppen bieten Halt und wenig später stehen wir auf dem letzten und höchsten Apostel. Weit unter uns glänzt das Säulinghaus in der Sonne. Von dort unten wirken die letzten Apostel besonders schroff. Fast immer stehen Besucher des Hauses auf der Terrasse und bestaunen die Bergsteiger auf dem Grat. Kaum zu glauben, dass wir so leichtfüßig darüber spazieren können. 
Mit der Leichtfüßigkeit hat es sich aber schnell,

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Aktiv in den Alpen | Herbstausgabe 2018  

Outdoor und Freizeit vom Allgäu bis nach Südtirol

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