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VORWORTPREFACE

The profile of North Rhine-Westphalia‘s dance landscape is artistically characterized by a lively and creative scene and a longstanding dance theater tradition. It became famous around the world primarily due to Pina Bausch and her ensemble, but also due to great choreographers such as Reinhild Hoffmann and Susanne Linke or the Tanzforum Köln under Jochen Ulrich‘s directorship. The big ballet companies at the municipal theaters, the two centers for dance in Düsseldorf and Essen with international presences and global networks, the Deutsches Tanzarchiv Köln (German Dance Archives in Cologne), two dance academies, the International Dance Fair NRW and numerous dance initiatives all contribute to characterizing the current dance landscape in North RhineWestphalia.

Das Profil des Tanzlandes Nordrhein-Westfalen ist künstlerisch geprägt durch eine lebendige und kreative Szene und eine lange Tanztheatertradition. Weltweit berühmt wurde es vor allem durch Pina Bausch und ihr Ensemble, aber auch durch große Choreographinnen wie Reinhild Hoffmann und Susanne Linke oder das Tanzforum Köln unter der Leitung von Jochen Ulrich. Auch die großen Ballette an den städtischen Theatern, die beiden Tanzzentren in Düsseldorf und Essen mit internationaler Ausstrahlung und weltweiten Netzwerken, das Deutsche Tanzarchiv Köln, zwei Tanzhochschulen, die Tanzmesse NRW und zahlreiche Tanzinitiativen tragen zur Charakterisierung des aktuellen Tanzgeschehens in NordrheinWestfalen bei. Künstlerisch vital ist das Tanzland Nordrhein-Westfalen aber durch seine zahlreichen Choreographen, Tänzer und Kompanien, die mit experimentierfreudigen Konzepten neue Wege gehen und wesentlich zum Aufbau einer lebendigen Tanzszene beitragen.

However, North Rhine-Westphalia’s dance is kept alive by the plethora of choreographers, dancers and companies that are taking new paths with experimental concepts and contributing significantly to the development of a lively dance scene.

Die vorliegende Publikation über den Tanz in Nordrhein-Westfalen erscheint anlässlich der ersten Tanzplattform von Nordrhein-Westfalen tanz nrw 07. Sie schließt eine Lücke in der Vermittlung des zeitgenössischen Tanzes und ermöglicht die Dokumentation der Vielfalt unserer Tanzszene.

This publication about dance in North Rhine-Westphalia is being issued on the occasion of the first dance platform tanz nrw 07 in this federal state. It serves to close a gap in communication about contemporary dance and enables documentation of the great variety that our dance scene has to offer. Inform yourself about dance and its artistic personalities, who now more than ever deserve to gain recognition even outside the borders of our North Rhine-Westphalia, and take the opportunity to cultivate your awareness of the multifaceted discussions pertaining to the future of dance.

Informieren Sie sich über den Tanz und dessen künstlerische Persönlichkeiten, die es mehr denn je verdienen, auch außerhalb unseres Bundeslandes bekannt zu werden und nehmen Sie die vielfältigen Diskussionsangebote über die Zukunft des Tanzes wahr.

I wish all readers, international guests, visitors, contributors and presenters of the festival tanz nrw 07 impressive experiences and a great time at the readings and the diversified dance performances on four days in six of North Rhine-Westphalia’s cities.

Ich wünsche allen Lesern, internationalen Gästen, Besuchern, Mitwirkenden und Veranstaltern des Festivals tanz nrw 07 eindrucksvolle Erlebnisse, viel Vergnügen bei der Lektüre und dem abwechslungsreichen Tanzparcours an vier Tagen in sechs nordrhein-westfälischen Städten.

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen Under-Secretary of State for Cultural Affairs for the Federal State of North Rhine-Westphalia




EINLEITUNGINTRODUCTION

Liebe Leserinnen und Leser, verehrtes Publikum,

Dear readers and audience members,

in Nordrhein-Westfalen gibt es eine lebendige Tanzszene mit bemerkenswerten Choreographen und Ensembles, die oftmals überregional nicht ausreichend wahrgenommen wird. Um dem entgegenzuwirken, haben sich Tanzveranstalter aus NRW zur Tanzproduzenten-Konferenz-NRW (TpK) zusammengeschlossen, auch mit dem Ziel, die begrenzten Ressourcen für den Tanz in NRW strukturell besser zu nutzen, Vorstellungsprogramme und Koproduktionen besser zu koordinieren und zu vermitteln. Vor allem möchte die TpK Politiker und die Mitarbeiter der Kulturverwaltungen in den Städten ermutigen, den Tanz stärker zu beachten und konsequenter zu fördern. Derzeit besteht die TpK aus neun aktiven Mitgliedern, wovon sechs Veranstalter tanz nrw 07 gemeinsam realisieren. Als flexibles Gremium ist die TpK offen für neue Kooperationen, Partner und Konzepte.

North Rhine-Westphalia is home to a lively dance scene comprising remarkable choreographers and ensembles, which often do not reach the level of recognition they deserve outside the region. In order to counteract this, dance presenters in North Rhine-Westphalia have joined forces to form the NRW Dance Producers Conference (TpK). This association also has the objective of making better structural use of the limited resources for dance in North Rhine-Westphalia as well as improving coordination and communication of performance programs and co-productions. Above all, TpK aims to encourage civic politicians and cultural administration employees to take more notice of dance and provide more consistent funding. TpK currently consists of nine active members, of which six presenters are collaboratively producing tanz nrw 07. As a flexible committee, TpK is open for new co-operations, partners and concepts.

Das von der TpK ins Leben gerufene Festival tanz nrw bietet nicht nur den Tanzinteressierten von Nordrhein-Westfalen einen umfassenden Überblick über aktuelle Tanzproduktionen aus NRW, sondern möchte gezielt auch Veranstalter aus dem In- und Ausland auf das vielseitige professionelle Tanzschaffen in NRW aufmerksam machen. Die Auswahl der teilnehmenden Choreographen und Choreographinnen wurde nach umfassender Sichtung der aktuellen Produktionen und mit der langjährigen Kenntnis und Wertschätzung der Arbeit dieser Tanzschaffenden getroffen. Sie gibt das Spektrum der Tanzszene NRWs wieder und stellt sowohl Künstler vor, die noch etwas unbekannter sind, als auch die schon international Bekannten. Der Fokus von tanz nrw 07 liegt auf der freien Szene, der es oft an Präsentationsmöglichkeiten und langfristiger Unterstützung mangelt.

The festival tanz nrw launched by TpK not only provides residents of North Rhine-Westphalia, who are interested in dance, with a comprehensive overview of the current local dance productions. It is also intended to increase awareness of the variety of professional dancemaking in North Rhine-Westphalia among presenters from Germany and abroad. The participating choreographers have been selected by way of extensive viewing of the current productions along with many years of awareness and appreciation of these artists’ work. It serves to represent the spectrum of North Rhine-Westphalia’s dance scene and presents artists that are not yet well known alongside those who already enjoy international recognition. The focus of tanz nrw 07 is placed on the independent scene, which often suffers from lack of presentation possibilities and long-term support.

Kunst benötigt Öffentlichkeit. Dies den Tanzschaffenden zu ermöglichen, ist ein Ziel von tanz nrw und auch dieser Publikation, die als Informationsquelle und Diskussionsgrundlage zur Vermittlung von zeitgenössischem Tanz aus NRW einen Beitrag leistet.

Art needs publicity. Providing dancemakers with this is one of the objectives of tanz nrw and of this publication, which contributes to conveying the array of contemporary dance in North Rhine-Westphalia as a source of information and a basis for discussion.

Die TpK dankt der Staatskanzlei und besonders Herrn Staatssekretär HansHeinrich Grosse-Brockhoff und Herrn Ministerialrat Wolfgang Hoffmann, dass sie mit ihrem Engagement und einer großzügig Förderung tanz nrw 07 und diese Publikation möglich gemacht haben.

TpK would like to thank the federal state legislature and especially Under-Secretary of State Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff and Deputy Assistant UnderSecretary Wolfgang Hoffmann for making tanz nrw 07 and this publication possible by way of their commitment and generous funding.

Allen Beteiligten und Ihnen, verehrtes Publikum, wünschen wir eine spannende Zeit beim Lesen und Live-Entdecken der Choreographen und ihrer Kunst.

We wish all of the participants and audience members an exciting time reading and discovering in person the choreographers and their art.

TpK - Veranstalter tanz nrw 07: Bertram Müller, tanzhaus nrw, Düsseldorf Stefan Hilterhaus, PACT Zollverein, Essen Gisela Deckart, Kulturamt der Stadt Köln Jürgen Sauerland-Freer, Kulturbüro der Stadt Krefeld / Fabrik Heeder Tanja Muschwitz, Kulturabteilung der Stadt Viersen Urs Kaufmann, Kulturbüro der Stadt Wuppertal

TpK - presenter of tanz nrw 07: Bertram Müller, tanzhaus nrw, Düsseldorf Stefan Hilterhaus, PACT Zollverein, Essen Gisela Deckart, The City of Cologne‘s Cultural Office Jürgen Sauerland-Freer, The City of Krefeld‘s Cultural Office / Fabrik Heeder Tanja Muschwitz, The City of Viersen‘s Cultural Department Urs Kaufmann, The City of Wuppertal‘s Cultural Office




EditorialEditorial

Die Broschüre tanz nrw aktuell 07 reflektiert die gegenwärtige Situation des Tanzlandes NRW künstlerisch und kulturpolitisch und bietet Informationen über seine Tanzschaffenden. Die Beiträge spiegeln die vielseitigen und kontroversen Fragestellungen, die derzeit die Tanzlandschaft prägen. In unterschiedlichen Formaten werfen Autorinnen und Autoren Schlaglichter auf den Tanz in NRW: Nicole Strecker visioniert in ihrem Essay eine Tanzzukunft, die sich gegenüber der starken Tanztradition NRWs ihren Platz erobert. Thomas Thorausch entwirft in einer zusammenfassenden Betrachtung ein Bild von der Situation der Städtischen Tanzensembles. Im Gespräch mit Vertretern der Kulturpolitik stellt Bettina Trouwborst Fragen zur Tanzförderung und deren Umsetzung. Mit einem distanzierten Blick von Außen gelingt Arnd Wesemann und Katja Schneider eine pointierte Kommentierung des aktuellen nordrhein-westfälischen Tanzgeschehens. Melanie Suchy stellt in ihren Künstlerportraits Choreographen und Kompanien vor, die ihren Arbeitsmittelpunkt in NRW haben und durch ihre spezifischen Arbeiten das Tanzgeschehen NRWs formen. Die Auswahl wurde von der Tanzproduzenten-Konferenz-NRW (TpK) gemeinsam getroffen und präsentiert exemplarisch das Spektrum der Tanzszene NRWs mit ihren unterschiedlichen künstlerischen Persönlichkeiten. Ein umfangreicher Informations- und Adressteil vervollständigt die Publikation.

The brochure tanz nrw aktuell 07 reflects the current dance landscape in North Rhine-Westphalia both culturally and politically and provides information pertaining to its dancemakers. The contributions reflect the eclectic and controversial issues which currently characterize the dance landscape. The authors use various formats to shed light on dance in North Rhine-Westphalia: In her essay, Nicole Strecker envisions a future for dance that takes a bold stance alongside North Rhine-Westphalia’s strong dance tradition. In his summarizing observation, Thomas Thorausch depicts the situation facing municipal dance ensembles. In a discussion with cultural politics representatives, Bettina Trouwborst poses questions pertaining to dance funding and its implementation. With a bit more distance from the outside, Arnd Wesemann and Katja Schneider make pointed commentaries on the current atmosphere surrounding North Rhine-Westphalia’s dance scene. In her artist portraits, Melanie Suchy presents the choreographers and companies, who work in North Rhine-Westphalia and who characterize this federal state’s dance landscape with their specific dance pieces. The selection has been made jointly by the NRW Dance Producers Conference (TpK) and serves as an example of North RhineWestphalia’s dance spectrum with its various artistic personalities. An extensive information and address section completes the publication. Heike Lehmke, tanz performance köln Redaktion / Editor







Inhaltcontent 3 4 5 7

VORWORTPREFACE EINLEITUNGINTRODUCTION EditorialEditorial InhaltCONTENT

8 essayessay Nicole Strecker Tanzland NRW – Die freie Szene und die Zukunft NRW, the dance state – the independent dance scene and the future 12

Betrachtungobservation Thomas Thorausch Blut ist im Schuh – Städtische Tanzensembles zwischen Rhein und Ruhr Blood is in the Shoe – city dance ensembles between Rhine and Ruhr

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InterviewInterview Bettina Trouwborst Soviel Tanzförderung war nie: Visionen und Realitäten There has never been so much dance funding: Visions and realities

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KommentarCommentary Arnd Wesemann Das Wunder von Nordrhein-Westfalen The Miracle of North Rhine-Westphalia

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KommentarCommentary Katja Schneider Immer westwärts: Ein Blick aus dem Süden. Forever westward bound: A view from the south.

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AutorenAuthors

PORTRAITSPORTRAITS Melanie Suchy

2 5 Takao Baba 26 Barnes Crossing 28 CHRISTINE BRUNEL 29 Double C 30 RAFAËLE GIOVANOLA 31 daniel Goldin 32 Marcus Grolle 33 Angie Hiesl 34 Raimund Hoghe 35 Henrietta Horn 36 in-jung jun 37 Rodolpho Leoni 38 Claudia Lichtblau 39 Amanda Miller 40 Movingtheatre.de 41 Morgan Nardi 42 Lorca Renoux 43 Ben J. Riepe 44 Jean Laurent Sasportes 45 Sabine Seume 46 Yoshie Shibahara 47 Gerlado Si 48 Mark Sieczkarek 49 Stephanie Thiersch 50 Alexandra Waierstall 51 Va Wölfl 52 Silke Z. 54 59 63 69

E-Motion B. Fuchs, G. König, S. Göncü, I. Pászthy Tanztheater Christine Brunel Chun-Hsien Wu und Chrystel Guillebeaud Cocoondance Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster Angie Hiesl Produktion Folkwang Tanzstudio (FTS) Company Blue Elephant rodolpho leoni dance pretty ugly tanz köln A. Conrad, M. Gerardi, E. Soavi Ludica Renegade Theatre CafeAda Dancetheatre :Sabine Seume. Ensemble. x.x.y. theater Mark Sieczkarek Company Mouvoir Noema Dance Works Neuer Tanz resistdance

Tanzproduzenten-Konferenz-NRW (tpK)/ Veranstalter und Partner tanz nrw 07 NRW Dance Producers Conference/ Presenter and partners tanz nrw 07 AdressenAdresses Choreographen und KompanienChoreographers and Companies AdressenAdresses InstitutionenInstitutions ImpressumImprint




ESSAY

von Nicole Strecker

TANZLand NRW – Die freie Szene und die Zukunft

Die Zukunft des Tanzes? Wer es wagt danach zu fragen, erntet Augenrollen. Geht‘s noch größenwahnsinniger? Wer möchte schon beantworten, wohin es den Tanz treibt, welche Moden und Trends sich durchsetzen? Wo und wann die großen Erneuerer der Sparte plötzlich auftreten, aus dem Ausland kommend oder – romantischer gedacht – aus irgendeiner Kleinstadt, ihren Genius gereizt finden, eine Vision haben oder schlicht und ödipal den Vatermord begehen und gegen die Alten rebellieren wollen? Gerade Letztgenanntes ist schon lange völlig aus der Mode. Traditionen werden heute studiert und – manchmal kniefällig – respektiert. Sie werden sanft in die eigene Arbeit integriert oder auch ignoriert – bekämpft werden sie nicht. Mit dem angesagten „68er-Bashing“ geht auch die Verweigerung von Idealismus und Revolte einher. Die Absage an den Glauben, irgendetwas – gar die Kunst – könne die Welt verändern.

The future of dance? Those who dare to ask this question are rewarded with rolling eyes. Could it be any more megalomaniacal? Who could possibly know what dance is drifting towards, what fashions and trends will survive? Where and when the great innovators of the sector will suddenly appear, coming from abroad or – on a more romantic note – from some small town, letting their genius be revealed, letting them have a vision, or simply and Oedipus-like, committing patricide and having an urge to rebel against the old guard? The latter, in particular, has long been out of fashion. Today, traditions are studied and – sometimes deferentially – respected. They are delicately integrated into one’s own work and also ignored – but they are never fought. The trendy “1968 Bashing” also goes hand-in-hand with the rejection of idealism and revolt. Disbelieving that something – even art – can change the world.

Man reist durch Nordrhein-Westfalen als einem der tanzreichsten Bundesländer, fährt die kurzen Wege zu den großen und mittleren Städten, in denen der Tanz werkelt, fragt die Macher, sucht nach dem Großen, das die Künstler wohl antreibt – und trifft allerorten Bescheidenheit: Berühren wollen sie, unterhalten, vielleicht auch mal zum Nachdenken anregen – schon Aufrütteln wäre ein übertriebenes Ansinnen. Der NRW-Künstler also ist Realist. Und: das erleichtert und erfreut. Die Nüchternheit der Choreographen, ihr in der Regel uneitles Arbeiten an sehr spezifischen Themen, ihr Forschen nach dem authentischen Ausdruck – das alles ist ungemein sympathisch an NRWs Tanzszene. Kommunikationslust gehört nicht nur zur Mentalität des Bundeslandes. Sie ist auch bei den hiesigen Choreographen ausgeprägt. Kaum mal ein Künstler, mit dem man nicht vernünftig über seine Arbeit sprechen könnte, der sich nicht um die Vermittlung seiner Ideen auch auf verbalem Wege bemühte.

You travel through North Rhine-Westphalia as one of the states most deeply steeped in dance, trek the short distances to the major and medium-sized cities that are home to dance, ask the makers, look for the greatness that probably drives the artist on – and discover modesty wherever you look: they want to touch, entertain, maybe even give cause for thought occasionally – even causing a stir would be an exaggerated request. So, the NRW artist is a realist. And this both relieves us and makes us happy. The sobriety of the choreographers, their generally humble work on very specific topics, their exploration of authentic expression – this is what makes the NRW dance scene so incredibly agreeable. The desire to communicate is not just part of the mentality of the state; it is also prevalent among today’s choreographers. There is barely an artist with whom it is impossible to sensibly discuss his work, who does not try to convey his idea verbally.

In der freien Szene bilden sich emsig Netzwerke: Die Choreographen suchen den Austausch und schließen sich zu Kollektiven zusammen, um

Networks are busily forming in the independent scene: the choreographers not only seek to exchange ideas and join forces in creating col-

Kurt Jooss „Der grüne Tisch” F: Bettina Stöß




ESSAY

by Nicole Strecker

NRW, the DANCE state – the independent dance scene and the future

lectives with the objective of forming economic, organisational “synergies”, but also to expand artistic horizons and to acquire a stronger voice within the cultural-political context. But the NRW artist is also an heir – regardless of whether he or she has migrated to the area or is a native. Today’s audiences repeatedly demand readable dance, dance of translatable symbols, dance which feels a debt of allegiance not only to aesthetics, the questions of style, language of movement and the “dance-dance”-specific. Because looking back at history fills one with regional pride: this is, after all, the birthplace of a great new tradition of narrative movement: dance theatre.

so in der Organisation ganz ökonomisch „Synergieeffekte“ zu erzielen, aber auch um den künstlerischen Horizont zu erweitern und kulturpolitisch eine stärkere Stimme zu bekommen. Aber der NRWKünstler ist auch ein Erbender – egal ob zugereist oder hier gebürtig. Das hiesige Publikum verlangt immer wieder nach dem lesbaren Tanz, einem Tanz der übersetzbaren Symbole, der sich nicht nur der Ästhetik, den Fragen nach Stil, Bewegungssprache und „Tanz-Tanz“-Spezifischem verpflichtet fühlt. Denn der Blick in die Historie erfüllt mit regionalem Stolz: Hier ist immerhin die Geburtsstätte einer großen neuen Tradition der erzählenden Bewegung: des Tanztheaters. Mit Kurt Jooss fing alles an. Er wollte Frieden stiften in den Grabenkämpfen zwischen klassischem Ballett und Ausdruckstanz, strebte eine Synthese an und prägte den Begriff „Tanztheater“. Er sollte Schule machen: Die Folkwang Hochschule wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Nicht wie sich die Menschen bewegen, sondern was die Menschen bewegt – mit diesem Credo brachte Jooss‘ Schülerin Pina Bausch dann dem deutschen Tanztheater Weltruhm. Sie wirkte stilbildend für eine Choreographengeneration, und ihr internationaler Erfolg prägt bis heute das, was man in NRW unter Tanz zu verstehen hat. NRW ist Tanztheaterland.

And it all started with Kurt Jooss. Because he wanted peace in the trenches between classical ballet and expressionist dance, he strove towards a synthesis and created the term “dance theatre”. He set a trend: the Folkwang Hochschule (Folkwang College) was founded before World War Two. Not how people move, but what moves people – it was with this credo that Jooss disciple Pina Bausch went on to bathe German dance theatre in international glory. She created the style for a whole generation of choreographers, and her international success continues to characterise what is considered dance theatre in NRW to this very day. NRW is the dance theatre state.

Hierhin verpflanzte man etwa einen Gregor Zöllig, als es galt in Bielefeld einen neuen Tanzchef zu etablieren. Hierher holte man Johann Kresnik zurück. Hier pflegt man das Folkwang-Erbe und geht gern auch schon mal an die Wurzeln zurück, vertanzt Mary Wigman, immer wieder Kurt Jooss. Ein schönes Erbe. Ein schweres Erbe für zeitgenössische junge Choreographen, die sich mit ganz anderen Stilen durchsetzen wollen. Trotzdem: Die freie Szene ringt darum – immer wieder auch mit Erfolg. Stärker als im Theater ist im Tanz noch immer die Trennung zwischen den Anpassungszwängen der städtischen Bühnen einerseits und der Experimentierlust der freien Choreographen andererseits spürbar.

Gregor Zöllig was placed into this environment when the city of Bielefeld was recruiting a new head of dance. This is where Johann Kresnik returned to. This is where the Folkwang legacy is maintained, where players are keen to go back to the genre’s roots, where the likes of Mary Wigman repeatedly draw on the dance heritage of Kurt Jooss. A beautiful heritage. A tough legacy for young contemporary choreographers, who want to succeed with very different dance styles. Nonetheless, the independent scene is striving towards this – with increasing success as well. Stronger than in theatre, the separation between the municipal stages’ need to adapt on the one hand and the desire of independent choreogra-

Claudia Lichtblau „carne - vale” F: Georg Schreiber




phers for experimentation on the other continues to be noticeable in the area of dance. The more radical designs can be found in the latter. The Düsseldorf-based choreographer VA Wölfl succeeded in securing a presence for concept dance in NRW – with a quality that quite easily matches the strong tradition of this genre in France and which impressively and uncompromisingly adheres to a brittle aesthetic of refusal. With his unique blend of reduction and dance theatre, Raimund Hoghe brought the body to the stage as a political issue – in pieces about post-war Germany, AIDS and social exclusion. The currently avidly discussed utopia of harmonious multiculturalism has been an active part of dance for many years now. And the choreographers and dancers in the NRW scene are predominantly non-Germans, who with their differing perspectives and frequently, also their specific traditions, enrich the genre immensely: the Düsseldorf-based choreographer In-Jung Jun is constantly drawing on her biographical roots in South Korea. Yoshie Shibahara, who works in Cologne, plays with our clichés relating to Japan, and the Wuppertal-based duo Chrystel Guillebeaud and Chun-Hsien Wu unite European dance theatre and an Asian stylisation of Taiwanese character to create a most unique symbiosis.

Die radikaleren Entwürfe findet man bei Letzteren. Dem in Düsseldorf beheimateten Choreographen VA Wölfl etwa gelang es, auch dem Konzept-Tanz in NRW Präsenz zu verschaffen – in einer Qualität, die mit der aus Frankreich kommenden starken Tradition spielend mithalten kann und die beeindruckend kompromisslos eine spröde Verweigerungs-Ästhetik pflegt. Raimund Hoghe brachte mit seiner eigenwilligen Mischung aus Reduktion und Tanztheater den Körper als Politikum auf die Bühne – in Stücken über Nachkriegsdeutschland, Aids und Ausgrenzung. Die aktuell so eifrig diskutierte Utopie vom harmonischen Multikulti wird im Tanz längst gelebt. Auch in der NRW-Szene überwiegen die Choreographen und Tänzer anderer Nationalitäten, die mit ihrem anderen Blick, oft auch ihren spezifischen Traditionen die Sparte bereichern: Die Düsseldorfer Choreographin InJung Jun arbeitet sich immer wieder an ihren biografischen Wurzeln in Südkorea ab. Die in Köln arbeitende Yoshie Shibahara umspielt unsere Klischeebilder von Japan, und beim Wuppertaler Künstlerduo Chrystel Guillebeaud und Chun-Hsien Wu fügen sich europäisches Tanztheater und asiatische Stilisierung taiwanesischer Prägung zu einer eigenwilligen Symbiose. Im Tanz von Rodolpho Leonie dagegen würde niemand mehr seine brasilianischen Wurzeln ausmachen können: Er hat sich in den letzten Jahren zu einem preisgekrönten Apologeten der Ästhetik entwickelt und widmet sich hingebungsvoll wie kaum ein anderer einem exquisit gestalteten, tänzerischen Purismus. Zeigt er, wie sich der Tänzer-Körper zu mechanischer Präzision hoch-tunen lässt, was auf subtiler Ebene viel über die Dominanz technischer Systeme und Kommunikationsformen in unserer Gegenwart aussagt, ließen sich andere NRW-Choreographen ganz direkt vom Boom neuer Medien infizieren: Die Kölner Choreographin Stephanie Thiersch fiel durch intelligente High-Tech-Experimente auf, die Düsseldorfer Formation Ludica verwirrt mit wunderschönen virtuellen Welten unsere Begriffe vom Schein und Sein.

In contrast, the choreography of Rodolpho Leoni bears no traces of his Brazilian roots: over the last few years, he has developed into an awardwinning apologist of aesthetics and is dedicated unreservedly like almost none other to an exquisitely designed, dance purism. Whereas he shows how the dancer’s body can be fine tuned to mechanical precision, which – on a subtle level – says a lot about the dominance of technical systems and forms of communication today, other NRW choreographers have been directly infected by the boom of new media: Cologne-based choreographer Stephanie Thiersch has made herself a name with intelligent high-tech experiments, the Düsseldorf formation Ludica confuses our understanding of reality and unreality with beautiful, virtual worlds.

Rafaële Giovanola „Editions of you” F: Klaus Fröhlich

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Seit einigen Jahren arbeitet sich eine breite Performance-Szene an der Suche nach neuen Tanzformen ab: Die Kölner Künstlerin Angie Hiesl hat diese Tradition der 70er Jahre hartnäckig immer weiter betrieben und fungiert heute wieder als Trendsetterin: Intimität mit dem Publikum, die Genre-Überschreitung, auch die Rückeroberung von Theaterals echten Erlebnisräumen sind wieder en vogue. Dafür martern sich die Tänzerleiber dann auch schon mal auf hartem Asphalt und in eisig-kalten öffentlichen Räumen, reduzieren den Bewegungsdrang in Installationen bis zur Körperstarre, gehen an persönliche Grenzen und darüber hinaus – wie beispielsweise in den „Mutproben“ der Kölner Choreographin Silke Z. Dabei ist allerdings die Begeisterung für die Performance nicht selten auch ganz pragmatisch begründet: Es mangelt nach wie vor an geeigneten Orten für den Tanz. Abgesehen von den großen Tanzhäusern, dem PACT Zollverein in Essen und dem tanzhaus nrw in Düsseldorf, wird der Tanz allzu oft an abseitige Orte vertrieben – Bürgerhäuser etwa, die für das mittelständische Abonnenten-Publikum nicht komfortabel, für eine jüngere Szene aber auch nicht cool genug sind. Wo nicht wie im Ruhrpott ehemaliger Arbeiterschweiß die Kulturstätten nostalgisch umweht, schielt man gern nach Berlin, zu all den Off-Szene-Stätten mit inspirierendem Historien-Charme.

For some years now, a broad performance scene has been on a quest for new forms of dance: the Cologne-based artist Angie Hiesl has stubbornly and continually further developed this 1970s trend and is today once again considered a trendsetter: intimacy with the audience, crossing genres, as well as the re-conquest of theatre – as real places of experience are back in fashion. For this, dancers’ bodies are willing to martyr themselves on hard asphalt and in ice-cold public rooms, reducing the urge for movement in installations to the point of bodily rigidity, edging towards personal limitations and even surpassing these – for example, in “Mutproben” (Trials of Courage) of the Cologne-based choreographer Silke Z. However, the enthusiasm for the performance in these cases is quite often due to very pragmatic reasons: there continues to be a lack of suitable venues for dance. Apart from the major dance locations, the PACT Zollverein in Essen and the tanzhaus nrw in Düsseldorf, dance is too frequently pushed out to marginal venues – for example, town halls that are not comfortable enough for the middle-class subscriber audience, while simultaneously not being cool enough for the young public. And where there is not the whiff of former workers’ sweat in the air as in the Ruhr region, people frequently look towards Berlin, towards the off-scene venues with their inspiring historical charm.

Nimmt man die bundesweite Leistungsschau für den Tanz der freien Szene, die Biennale Deutsche Tanzplattform zum Maßstab, dominiert nach wie vor mit großem Abstand der Tanz aus der Hauptstadt. NRW könnte, sollte präsenter dort sein. So charmant die Vielfalt, so sympathisch die Furcht vor Hermetik und die Freude an einem Tanz, der das Publikum nicht vergisst, auch sind – selbst eine Pina Bausch hatte schließlich mal ihre angry-young-woman-Zeiten. Die Hypothek ihres Genius‘ gilt es nach wie vor zu überwinden. Die Hoffnung darauf, auf einen Tanz in die Zukunft, liegt auf der freien Szene.

If we take the nationwide performance show for independent dance, the Tanzplattform Deutschland Biennale (Dance Platform Germany), as a benchmark, dance in the capital continues to dominate by a huge margin. NRW could, and should, be more present there. As charming as the variety, as congenial as the fear of isolation and the pleasure of a dance that the audience remembers – even the likes of Pina Bausch have their occasional “Angry Young Woman” phases. The aim still remains to overcome the legacy of her genius. The hope of discovering the dance of the future lies in the independent dance scene.

Stephanie Thiersch „Helter Skelter“ F: Olaf Hirschberg

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Betrachtung

von Thomas Thorausch

Ballett Dortmund - Xin Peng Wang

Ballett des Theater Hagen - Ricardo Fernando - F: Stefan Kühle

Choreographisches Theater Johann Kresnik - Theater Bonn - F: Thilo Beu

Blut ist im Schuh – Städtische Tanzensembles zwischen Rhein und Ruhr Sie haben all das, wovon die freien Tanzensembles nur träumen können: gute Probenräume und bezahlte Probenzeiten ebenso wie eine feste Spielstätte und ein mehr oder weniger treues Publikum. Zwölf Tanzkompanien zählt das Bundesland Nordrhein-Westfalen, die mehr oder weniger mit ihrem Standort und der Institution Stadttheater identifiziert werden. Ihre Arbeit umfasst die gesamte Spannweite zeitgenössischen Tanzschaffens – zwischen Tanztheater und Ballett, klassischem Repertoire und zeitgenössischem Experiment.

They have what all independent dance ensembles can only dream of: good rehearsal rooms and paid rehearsal times as well as a permanent performance venue and a more or less loyal audience. North Rhine-Westphalia boasts twelve dance companies, which are more or less identified with their location and the institution of city theatre. Their work comprises the entire range of contemporary dance – including dance theatre and ballet, classical repertoire and contemporary experiment. But to pigeonhole them simply as aesthetic-conservative urban theatre companies would be a categorical mistake – the emancipation of the city dance ensembles has progressed further than the ideologists of “Independent Dance” would like to admit. This is also true with regard to the best possible commercial organisation of the ensembles. For many years, dance at city theatres has not been the much-berated “spare wheel.” Clever directors have realised that dance – depending on the style – attracts the conservative season ticket holders with the likes of “Swan Lake,” while also keeping a young audience loyal with multimedia performances. And all this at favourable ticket prices!

Sie als durchweg ästhetisch-konservative Stadttheater-Kompanien abzuklassifizieren wäre grundfalsch – da ist die Emanzipation der städtischen Tanzensembles doch weiter vorangeschritten als es die Ideologen des „Freien Tanzes“ wahrhaben wollen. Übrigens auch in Fragen der bestmöglichen betriebswirtschaftlichen Organisation. Längst schon ist der Tanz am Stadttheater nicht mehr das vielgeschmähte „fünfte Rad am Wagen“. Kluge Intendanten haben gemerkt, dass ihnen der Tanz – je nach stilistischer Ausrichtung – mal mit „Schwanensee“ das konservative Abo-Publikum bei der Stange hält oder mit einer multimedialen Performance ein junges Publikum ins Haus holt. Und das zu günstigen Preisen!

Despite (or maybe because of) the demise of the city dance companies in Aachen and Bochum in the 1990s, the surviving ensembles and their approximately 220 dancers and the twelve managing choreographers/ directors working within urban theatre in North Rhine-Westphalia are forging ahead with increasing self-confidence within the public and political context. Against this background, it is no coincidence that the initiative for setting up the Federal German Ballet and Dance Theatre Directors Conference in 1998 came from North Rhine-Westphalia and that this association has found a long-term spokesperson in Martin Puttke from Essen, one of the state’s most distinguished ballet directors. Creating dance productions on the basis of working for a city or a region – this is probably the most formative commonality of urban ensembles in North Rhine-Westphalia.

Trotz (oder gerade wegen) des Wegfalls der städtischen Tanzkompanien in Aachen und Bochum in den 1990er Jahren präsentieren die verbliebenen rund 220 Tänzer und die zwölf leitenden Choreographen/Direktoren, die in Nordrhein-Westfalen im Stadttheaterkontext arbeiten, mit zunehmendem Selbstbewusstsein ihre Arbeit im öffentlichen und politischen Kontext. Vor diesem Hintergrund ist es auch kein Zufall, dass die Initiative zur Gründung der Bundesdeutschen Ballett- und Tanztheaterdirektorenkonferenz 1998 von Nordrhein-Westfalen ausging und diese Interessenvertretung in Martin Puttke aus Essen einen der profiliertesten Ballettdirektoren des Bundeslandes als langjährigen Sprecher fand. Die Kreation von Tanzproduktionen aus dem Bewusstsein, für eine Stadt, eine Region zu arbeiten – das ist wohl das prägende gemeinsame

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Observation by Thomas Thorausch

Ballett des Theater Krefeld/Mönchengladbach - Heidrun Schwarz - F: Stutte

Ballett der Deutschen Oper am Rhein - Youri Vamos - F: Eduard Straub

Tanztheater Bielefeld - Gregor Zöllig / F: Ursula Kaufmann

Blood is in the Shoe – City Dance Ensembles between Rhine and Ruhr Moment der Arbeit städtischer Ensembles in Nordrhein-Westfalen. Und so eint Gregor Zöllig, neuer Leiter des Tanztheaters Bielefeld, Richard Lowe, seit 1988 Leiter des Balletts des Landestheaters Detmold und Xin Peng Wang vom Ballett Dortmund bei allen stilistischen Verschiedenheiten, der Wunsch, ein nicht gerade tanzgewöhntes Theaterpublikum immer wieder neu und ideenreich für die Kunstform Tanz zu begeistern.

To this end, Gregor Zöllig, the new Head of the Bielefeld Dance Theatre, Richard Lowe, Head of the State Ballet Theatre in Detmold since 1988 and Xin Peng Wang from the Dortmund Ballet are – with all their stylistic differences – united by the desire to enthuse a not exactly dance-experienced theatre audience for the art of dance again and again and with extreme creativity.

Sein Publikum gefunden hat auch Daniel Goldin, der seit Mitte der 1990er Jahre am Stadttheater Münster arbeitet und mit seinen poetisch-melancholischen Stücken begeisterte – ebenso wie Bernd Schindowski, der als Ballettdirektor am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen „Tanz für Kinder“ propagierte, noch bevor dies zum subventionierten Experi­ mentierfeld freier Choreographen und Pädagogen wurde. Auf eine lange Tradition und erfolgreiche Gegenwart kann der klassische Tanz in Nordrhein-Westfalen blicken. Klassische Handlungsballette bei der Rheinoper Düsseldorf/Duisburg und eine zeitgenössische Klassik verbunden mit dem vorsichtigen Mut zum Experiment beim aalto ballett Essen garantieren eine einzigartige stilistische Vielfalt in der Region zwischen Rhein und Ruhr. Und über allen Gipfeln thront Pina Bausch. Der weltweit renommierten Choreographin und ihrer Kompanie aus Wuppertal ist es zu verdanken, dass Tanz aus Nordrhein-Westfalen inzwischen zum Exportartikel geworden ist und in keinem Bundesland so viele internationale Tanz-Koproduktionen entstehen wie in Nordrhein-Westfalen. Doch im Tanzland NRW, wo Tradition und Moderne sich dergestalt die Hand reichen, weht zurzeit ein rauer Wind. Nicht nur in Bonn und Köln, wo dem Tanz nach kurzen aber prägnanten Produktionsphasen von Johann Kresnik und Amanda Miller wieder eine ungewisse Zukunft droht. Dabei machen dem Tanz an den Stadttheatern nicht etwa die Kürzungen in den kommunalen Kulturetats oder im Landeshaushalt zu schaffen. Derzeit sind es vielmehr die wohlmeinenden Unterstützungsversuche politischer Entscheidungsträger von Land und Kommunen, die sich anschicken den Tanz in Nordrhein-Westfalen nachhaltig zu verändern. Synergie und Optimierung lauten die Zauberworte landauf landab – und

Daniel Goldin, who has been working at Münster City Theatre since the mid-1990s, has also found his audience, which he has been wowing with his poetic-melancholy pieces – as has Bernd Schindowski, who as the Director of Ballet at the Music Theatre im Revier in Gelsenkirchen was promoting ”Dance for Children” long before this became a sponsored area of experimentation for independent choreographers and pedagogues. North Rhine-Westphalia can look back on a long tradition, and successful present, in classical dance. Classical ballet at the Rhine Opera Düsseldorf/Duisburg and a contemporary classic coupled with a cautious courage to experiment at the aalto ballet in Essen guarantee a unique stylistic diversity in the Rhine/Ruhr region. And high above all these resides Pina Bausch. It is because of the world renowned choreographer and her company from Wuppertal that dance from North Rhine-Westphalia has meanwhile become an export product and that no other states in Germany are the birth place of so many international dance co-productions as North Rhine-Westphalia. However, in NRW – a state prolific with dance and in which tradition and the modern are this closely linked – there is currently an icy wind blowing. Not only in Bonn and Cologne, where dance is facing an uncertain future following short, but incisive, productive periods with Johann Kresnik and Amanda Miller. But it is not cuts in the municipal budgets or state subsidies that are causing such problems for dance at urban theatres. Currently, these are caused far more by the well-meaning subsidies granted by state- and municipality-level political decision makers, who are determined to sustainably change dance in North Rhine-Westphalia. Across the state, the magic words are synergy and optimization – and, at first glance, the current discussion surrounding dance politics

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Tanztheater Münster - Daniel Goldin - F: Matthias Zölle

Landestheater Detmold - Richard Lowe - F: Hörnschemeyer

auf den ersten Blick lässt einen die aktuelle tanzpolitische Diskussion glauben, da solle ein politisches Erfolgsmodell, die über 50-jährige Erfolgsgemeinschaft zweier Regionen in Form eines Bundeslandes, mit aller Macht auf den Tanz übertragen werden. Der städtische Tanz in Nordrhein-Westfalen soll auf Brautschau gehen – doch passt der Schuh der von der Politik avisierten Braut?

leads us to believe that a successful political model, the more than 50 years of flourishing cooperation between two regions in the form of a single state, is to be transferred to dance whatever the cost and effort involved. The plan is to send urban dance in North Rhine-Westphalia in search of a suitable spouse – but does the political shoe actually fit the intended bride?

Wenn angesichts leerer Kassen kulturpolitische Wunder bewirkt werden sollen, haben alte Träume Konjunktur – derzeit der Traum von einem NRW-Rheinballett 2009 mit einer klassisch-akademischen und einer zeitgenössisch-modernen Kompanie inklusive der damit einher gehenden finanziellen Kooperation von gleich vier Städten (Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg). Der kulturpolitische Ordnungstraum von heute, der im übrigen nicht auf die Rheinschiene beschränkt ist – längst fordern profilierungssüchtige Kommunalpolitiker auch in Essen eine Kooperation des Balletts mit dem der Stadt Dortmund – lässt indes die Sorgen und Nöte der städtischen Ensembles wie auch das dem kommunalen Theatermodell innewohnende Potenzial künstlerisch-ästhetischen Freiraums in den Hintergrund treten, wenn nicht gar in Vergessenheit geraten. Dabei ist die Phantasie einer kulturellen Städte-Kooperation alles andere als neu – diskutiert wurde darüber bereits in den 1950er Jahren (Rheinisches Nationaltheater bestehend aus den Stadttheatern Düsseldorf, Bonn und Köln) ebenso wie in den 1960er Jahren (Deutsches Nationalballett sowie das Rhein-Ruhr-Ballett bestehend aus den Tanzkompanien von Köln, Düsseldorf und Duisburg). Doch im Unterschied zu heute waren die Initiatoren dieser Ideen damals die Choreographen und Ballettdirektoren, die sich von einer Kooperation der Tanzkompanien einen höheren Stellenwert der Kunstsparte Tanz an den städtischen Bühnen erhofften. Die Künstler sollten es auch sein, die heute die Freiräume der Stadttheater neu entdecken und entschiedener als bisher nutzen – bevor die Politik sie ihnen eng und enger macht.

If, in view of empty coffers, cultural-political miracles are to be conducted, age-old dreams become very popular – currently the dream of a NRW Rhine Ballet in 2009, with a classical-academic and a contemporary-modern company including the associated financial cooperation of four cities (Bonn, Cologne, Düsseldorf and Duisburg). The current cultural-political desire for order, which is incidentally not restricted to the Rhine area – for many years now, distinction-hungry local politicians in Essen have been striving towards a cooperation between ballet and the City of Dortmund – the worries and hardship of the urban dance ensembles as well as the potential artistic-aesthetic freedom harboured by the municipal theatre model have however retreated into the background, and maybe also being forgotten entirely. To this end, the fantasy of a cultural intercity cooperation is anything but new – it was being discussed as long ago as the 1950s (Rhine National Theatre, comprising the municipal theatres in Düsseldorf, Bonn and Cologne) as well as in the 1960s (German National Ballet and the Rhine-Ruhr Ballet comprising the dance companies in Cologne, Düsseldorf and Duisburg). However, in contrast to the current situation, the initiators of these past ideas were the choreographers and ballet directors, hoping that collaboration between dance companies would result in a higher ranking of dance at the urban theatres of the day. It should also be the artists who rediscover the freedom of the city theatre and exploit this more decisively than to date – before politics increasingly contract this freedom forever.

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Tanztheater Wuppertal - Pina Bausch - F: Bettina Stöß

pretty ugly tanz köln - Amanda Miller - F: Michael Niemann


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interview von Bettina Trouwborst

Soviel Tanzförderung war nie: Visionen und Realitäten Das Land Nordrhein-Westfalen verdoppelt innerhalb der nächsten fünf Jahre seinen Kulturetat auf 140 Millionen Euro – und den der freien Tanzszene gleich mit. Gleichzeitig wird mit einem NRW-Tanzkonzept erstmals eine systematische Förderung sichtbar. Und es könnte noch besser werden: Der Antragsdschungel für Fördermittel soll sich lichten. Künstler benötigen heutzutage mindestens drei bis vier Geldgeber für eine Produktion – ein erschlagender Verwaltungsaufwand. Ob private Stiftung, Stadt, Land, Kunststiftung NRW, Fonds Darstellende Künste, Nationales Performance Netz (NPN), Kulturstiftung des Bundes – alle haben andere Förderbedingungen, Formulare, Fristen. Und manche schließen einander aus – z.B. darf der Bund nur einmal beteiligt sein. Ein hochkompliziertes System. Derzeit sind die Beteiligten im Gespräch, um den Künstlern das Leben leichter zu machen. Die Verfahren sollen vereinfacht, die Modalitäten miteinander abgestimmt werden. Zudem überlegt das Land, eine Tanzagentur einzurichten, die Künstler u.a. beim Beantragen von Fördermitteln berät.

The state of North Rhine-Westphalia will be doubling its culture budget to € 140 million over the next five years – and this will also benefit the independent dance scene. At the same time, an NRW dance concept will, for the first time, make systematic grants visible. And things could get even better: the complex application process is also destined to become simpler. Today, artists require at least three to four sponsors for a single production – an overwhelming level of bureaucracy. Whether private foundation, city, state, the NRW Art Foundation, the Performing Arts Fund, the National Performance Network (NPN) or the Federal German Art Foundation – they all have differing sponsorship conditions, forms and schedules. And some exclude others – for example, Federal sources can only be involved once. An extremely complex system. Currently, those bodies involved are discussing measures to simplify the lives of artists. The procedures will be made easier and the modalities will be calibrated. Furthermore, the state is considering setting up a dance agency that, among other things, will provide consultation in the grant application process. The declared policy of Jürgen Rüttgers, Minister President since 2005, is to establish a golden age of culture in NRW. And dance has found a strong supporter in State Culture Secretary Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. And it is high time that the state government became more strongly involved. Although NRW, so renowned for its leading dance, is much talked about in political circles, the reality paints a very different picture. Outside Düsseldorf and maybe Essen, there is total destitution in many places: Bonn no longer features dance in its repertoire, Cologne seems destined to suffer a similar fate and even Pina Bausch’s ensemble in Wuppertal has cause for concern. And the problem lies with the behaviour of many NRW cities, which all refer to their respective financial situation. They either do not have any form of dance sponsorship, or their efforts border on minimalism. The independent scene is most harshly affected by this. Frequently, and most prominent in Cologne, there is simply a lack of professional working conditions. Outside the centres, the Tanzhaus NRW in Düsseldorf and PACT Zollverein in Essen, the region lacks small production venues. The scene is dying a slow death in cities such as Cologne, Bonn, Herne and Mülheim. Here, politicians must at least enable basic structures. And if they fail to prepare their fields, the generous cash resources from Düsseldorf will fail to bear any fruits whatsoever. Wolfgang Hoffmann, Departmental Head of Dance and Theatre at the NRW State Chancellery’s cultural division, answers questions on dance sponsorship

Es ist die erklärte Politik von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, seit 2005 im Amt, die Kultur in NRW aufblühen zu lassen. Und die Tanzkunst hat in Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff einen starken Förderer. Es ist auch dringend erforderlich, dass die Landesregierung sich wieder stärker engagiert. Das Tanzland NRW wird zwar stets in den politischen Mündern geführt, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Jenseits der Grenzen von Düsseldorf und vielleicht noch Essen, herrscht vielerorts blanke Not: Bonn hat die Tanzsparte abgeschafft, in Köln droht ein ähnliches Szenario, selbst um Pina Bauschs Ensemble in Wuppertal musste man sich Sorgen machen. Problematisch ist das Verhalten vieler NRW-Städte, die auf ihre finanzielle Lage verweisen. Tanzförderung betreiben sie entweder gar nicht oder als Minimalismus. Die freie Szene ist am härtesten betroffen. Oft, am deutlichsten in Köln, mangelt es an professionellen Arbeitsbedingungen. Außerhalb der Zentren, dem tanzhaus nrw in Düsseldorf und PACT Zollverein in Essen, fehlen in der Region kleine Produktionshäuser. In Städten wie Köln, Bonn, Herne oder Mülheim verröchelt die Szene. Hier muss die Politik wenigstens Basisstrukturen ermöglichen. Wenn sie nicht sät, kann auch üppiger Düsseldorfer Geldregen keine Blüten treiben. Wolfgang Hoffmann, Referatsleiter für Tanz und Theater in der Kulturabteilung der NRW-Staatskanzlei, beantwortet Fragen zur Tanzförderung:

Wie wird man als Landesregierung einem Tanzland wie Nordrhein-Westfalen gerecht?

Daran, dass das Tanzland so blüht, sind wir ja selbst zum großen Teil schuld! Seit Ende der 1980er Jahre haben wir in NRW in der Kulturförderung, die ja in Deutschland Tradition hat, den Schwerpunkt beim Tanz gesetzt. Wir ha-

How can the state government adequately cater to a state so steeped in dance such as North Rhine-Westphalia?

The fact that NRW is such a prolific and flourishing venue for dance is partly our own fault! Since the late 1980s, cultural sponsorship – which looks back on a great tradition in Germany – in NRW has very much focused

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interview by Bettina Trouwborst

There has never been so much dance FUNDING: visions and realities on dance. We started to sponsor this art form particularly intensively and to create structures to allow independent dance to develop.

ben angefangen, diese Kunstform besonders intensiv zu fördern und Strukturen aufzubauen, damit der freie Tanz sich entfalten kann. Konkret: Was tun Sie, um Künstler im Land zu halten?

More concretely: what will you do to keep artists in NRW? We provide production grants and promote new facilities at which artists can produce and perform. Furthermore, we also issue grant prizes. For independent dance, we will provide around € 820,000 in 2007, whereas this figure was € 670,000 in 2006. We will be funding the municipal companies, such as Pina Bausch, Daniel Goldin, Bernd Schindowski or the German Rhine Opera Ballet with additional resources totalling € 1.9 million.

Wir geben Produktionszuschüsse und fördern neue Einrichtungen, wo Künstler produzieren und aufführen können. Außerdem vergeben wir Förderpreise. Für den freien Tanz werden wir in 2007 rund 820.000 Euro ausgeben, 2006 waren es noch 670.000 Euro. Die kommunalen Kompanien wie Pina Bausch, Daniel Goldin, Bernd Schindowski oder das Ballett der Deutschen Oper am Rhein finanzieren wir mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 1,9 Millionen Euro.

Wie gewährleisten Sie Kontinuität in der Szene? Die meisten Künstler leben, oft am Existenzminimum, von einer Produktion zu nächsten.

Since 2006, we have been able to approve a three-year grant, if choreographers submit corresponding concepts. This enables them a certain level of planning certainty. VA Wölfl’s Company NEUER TANZ will receive a particularly high, long-term grant, as it is the most important independent dance company in NRW. It receives an annual operating costs grant from us. This institutional grant is also enjoyed by Christine Brunel and Claudia Lichtblau.

Seit 2006 können wir Zusagen über eine dreijährige Förderung geben, wenn die Choreographen entsprechende Konzepte einreichen. Das ermöglicht ihnen eine gewisse Planungssicherheit. Eine dauerhafte, besonders hohe Förderung erhält VA Wölfls Kompanie NEUER TANZ, da sie die bedeutendste freie Kompanie NRWs ist. Sie bekommt jährlich einen Betriebskostenzuschuss von uns. Diese institutionelle Förderung genießen außerdem Christine Brunel und Claudia Lichtblau.

How will you ensure continuity in the scene? Most artists live from one production to the next, frequently at poverty level.

Haben auch andere Tanzschaffende die Chance, eine solche Förderung zu bekommen?

Do others involved in dance have the opportunity of receiving grants as well?

In principle, yes, if they have a permanent ensemble, have a long-term performance venue and have received project grants over a longer period of time.

Grundsätzlich ja, wenn sie ein festes Ensemble haben, über eine dauerhafte Spielstätte verfügen und längere Zeit Projektzuschüsse erhalten haben. Welche Visionen haben Sie für die NRW-Szene?

What is your vision for the NRW scene? Thanks to our grants, dance in NRW made a huge leap forward in the 1980s, something we hope to repeat now. There are two levels. We spend a lot of money on productions that are generally performed too rarely. Although we now have the NRW Dance Producers Conference – which incidentally also hosts this festival – and the National Performance Network (NPN). Nevertheless, consultation and marketing of the artists could be considerably improved. We are considering setting up an agency that focuses specifically on the marketing and networking of independent dance productions. It could be affiliated with tanzhaus nrw. We hope this will create an international presence and increase travel activities overall. I believe that the NRW scene with, among others, tanzhaus nrw, PACT Zollverein and the many other event venues within the state is more interesting than its Berlin counterpart. On the other hand, we are developing a new dance concept, part of which

Dank unserer Förderung hat die Tanzkunst in NRW in den 1980er Jahren einen Sprung gemacht, den wir jetzt wiederholen möchten. Es gibt zwei Ebenen. Wir geben viel Geld für Produktionen aus, die in aller Regel zu selten gezeigt werden. Es gibt zwar jetzt die Tanzproduzenten-Konferenz-NRW – die übrigens auch das Festival tanz nrw 07 ausrichtet – und das Nationale Performance Netz (NPN). Dennoch könnte die Beratung und Vermarktung der Künstler noch erheblich verbessert werden. Wir überlegen, eine Agentur zu gründen, die sich speziell der Vermarktung und Vernetzung freier Tanzproduktionen annimmt. Sie könnte dem tanzhaus nrw angegliedert werden. Damit wollen wir eine internationale Präsenz erreichen und die Reisetätigkeit insgesamt erhöhen. Ich finde die NRW-Szene mit u.a. tanzhaus nrw, PACT Zollverein und den vielen anderen Veranstaltungshäusern im Land interessanter als die Berliner. Zum anderen erarbeiten wir ein neues Tanzkonzept, ein Teil davon wäre die

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would be the agency. We plan to increase grants: over the next five years, we will at least be doubling the dance budget for the independent sector.

Agentur. Wir wollen die Fördergelder erhöhen: In fünf Jahren werden wir den Tanzetat für die freie Szene mindestens verdoppeln. Welche Perspektive hat ein NRW-Rheinballett?

What is the outlook for an NRW Rhine Ballet company? The situation in Düsseldorf/Duisburg is pretty good, but miserable in Cologne – despite an interim period. Bonn has even disbanded its ballet company. However, the city has signalled that it would like to be financially involved in a major, joint ensemble. This could be a world-class, premier-league ballet troupe. The grand solution involves a limited liability company (GmbH) – or even two limited liability companies as municipal institutions with cooperation agreements. The plans envisage two ensembles, each with a professional and an artistic director: classical in the northern cities, contemporary dance in the southern cities. To this end, the Rhine Opera Ballet would have to be considerably “upgraded.” This model would create far more dancer positions and the companies would be guaranteed performances in the four cities as well as international guest performances. All in all, this means a significant expansion of NRW’s dance activities. Against this background, the cities are once again willing to spend more money on dance. And we would also become more strongly involved.

Wir haben relativ gute Verhältnisse in Düsseldorf/Duisburg und miserable in Köln – abgesehen von Zwischenphasen. Bonn hat sogar sein Ballett abgeschafft. Die Stadt hat aber signalisiert, dass sie sich an einem großen gemeinsamen Ensemble beteiligen will. Es könnte ein Ballett werden, das international in der ersten Liga tanzt. Die große Lösung sieht eine eigene GmbH vor – oder auch zwei GmbHs als städtische Einrichtungen mit Kooperationsverträgen. Es soll zwei Ensembles mit zwei unterschiedlichen Profilen und je einem künstlerischen Leiter geben: Klassik in den nördlichen Städten, zeitgenössische Tanzkunst in den südlichen. Dazu müsste das Rheinopernballett deutlich aufgewertet werden. Dieses Modell würde erheblich mehr Tänzerstellen schaffen, und die Kompanien hätten garantierte Aufführungen in den vier Städten sowie internationale Gastspiele. Das bedeutet alles in allem eine deutliche Ausweitung der tänzerischen Aktivitäten NRWs. Mit dieser Perspektive wollen die Städte wieder mehr Geld für die Tanzkunst ausgeben. Auch wir würden uns deutlich stärker engagieren. Gibt es einen Zeithorizont?

Is there a time frame?

Das Jahr 2009, wenn sich die Personalsituation an allen beteiligten Bühnen verändert, wäre der ideale Zeitpunkt für ein NRW-Rheinballett.

2009, when the HR situation at all theatres involved changes, would be the ideal time for an NRW Rhine Ballet.

Ein weiterer wichtiger Förderer und Partner der Tanzszene in NRW ist die Kunststiftung NRW. Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Fachbereichsleiter für Musik und Darstellende Künste der Kunststiftung NRW, macht deutlich, welche Förderrichtlinien die Kunststiftung NRW zukünftig verfolgt.

A further important sponsor and partner for the dance scene in NRW is the NRW Art Foundation. Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Director of Music and Performing Arts at the NRW Art Foundation, makes it clear which grant guidelines the NRW Art Foundation will be following in the future.

Das Fördermodell der Kunststiftung NRW, in der Tanzszene eigentlich als vorbildlich gepriesen, wird umstrukturiert. Wodurch ist diese Neuorientierung notwendig geworden?

The NRW Art Foundation grant model, generally praised as being exemplary in the dance world, is being restructured. What has made this reorientation necessary?

In the past, the NRW Art Foundation has provided very broad financial support and, in doing so, taken on functions that are not part of the scope of a state foundation. In future, there will be no more providing of the basics.

Die Kunststiftung NRW hat in der Vergangenheit sehr in die Breite gefördert und dabei Funktionen übernommen, die nicht in den Aufgabenbereich einer Landesstiftung gehören. Die Bereitstellung einer Grundversorgung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Ist das eine Kritik an den Kommunen?

Is that a criticism of the municipal authorities? Yes. It is utterly absurd that the foundation has increasingly had to step in due to shortfalls in municipal grants. We have state-wide responsibilities: the statutes clearly outline art sponsorship within a national and international context.

Ja. Es ist eine absurde Situation, dass die Stiftung zunehmend für mangelnde kommunale Förderung in Dienst genommen wurde. Wir haben landesweite Aufgaben: Der Satzungszweck sieht Kunstförderung in nationalem und internationalem Kontext vor. Wie sehen die veränderten Vergabekriterien und Richtlinien aus?

What are the amended grant criteria and guidelines? In future, the foundation will place a greater focus on supporting new talent. To date, we have awarded one choreography and one dance scholar-

Die Stiftung wird in Zukunft ein größeres Augenmerk auf den Nachwuchs legen. Bislang haben wir ein Choreographie- und ein Tanzstipendium

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ship. In 2006, the quality of the applicants was so poor, that the jury was unable to award a dance scholarship. For this reason, the scholarships must be communicated in a very targeted manner: a direct address is required. Furthermore, we plan to liaise with the scholarship holders in all areas of art more intensively – particularly following the end of the scholarship. The foundation is developing an alumni model that will include workshops and lectures. We will sponsor scholarship students’ subsequent productions to ensure sustainability.

vergeben. 2006 war die Qualität der Bewerbungen allerdings so schlecht, dass die Jury sich nicht entschließen konnte, ein Tänzerstipendium zu vergeben. Deshalb müssen die Stipendien sehr gezielt kommuniziert werden: Eine direkte Ansprache ist notwendig. Außerdem möchten wir die Stipendiaten aller Kunstsparten intensiver betreuen – gerade auch nach Abschluss des Stipendiums. Die Stiftung arbeitet an einem Alumni-Modell, das auch Workshops und Lectures einschließt. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden wir anschließend Produktionen der Stipendiaten fördern. Das geschah aber doch auch schon bisher?

But didn’t that happen in the past? Yes, but now this will be a focus and we will potentially provide more resources for this. This would be great and this is an appeal to those involved in dance to create synergies and initiate collaborations, also on an interregional basis. It makes no sense to perform a production only once or twice. It would be nice to create a repertoire for contemporary dance. And the foundation does not only have to become active in production, it can also support staging. A working example of this is the cooperation of the Schwerte, Hagen and Dortmund dance festivals in creating TanzSPUR.

Ja, aber jetzt wollen wir hier einen Schwerpunkt setzen und eventuell mehr Geld bereitstellen. Wünschenswert wäre es, und das ist ein Appell an die Tanzschaffenden, Synergien und Kooperationen, auch überregional, zu bilden. Es ist nicht sinnvoll, wenn eine Produktion nur ein- oder zweimal gezeigt wird. Eine Repertoirebildung für den zeitgenössischen Tanz wäre schön. Die Stiftung muss ja nicht ausschließlich im Produktionsbereich tätig sein, sie kann auch die Abspielförderung unterstützen. Ein funktionierendes Beispiel wäre da der Zusammenschluss der Tanzfestivals Schwerte, Hagen und Dortmund zur TanzSPUR.

Für solche Ereignisse braucht es einen Ort. Der fehlt in Köln beispielsweise völlig. Denken Sie auch an strukturelle Tanzförderung?

Events like these need a venue. But there are none in Cologne for example. Are you also considering structural dance sponsorship?

Providing functioning production venues is the task of municipalities. Düsseldorf is well equipped, as is Essen. There are rumours that Cologne is now looking for a professional venue.

Es ist Aufgabe der Kommunen, funktionierende Produktionsstätten zur Verfügung zu stellen. Düsseldorf ist gut ausgestattet, Essen auch. Man hört, dass Köln jetzt auf der Suche nach einer Profi-Spielstätte ist. Sie wollen grundsätzlich mehr in die Spitze fördern?

You basically want to sponsor more into the upper echelons on the art?

Yes. There will be a reorientation with the objective of further professionalizing dance in NRW. We will no longer support the broad mass, but focus our resources on sponsoring the elite in the form of high-profile projects. This does not mean that all resources will now flow to Wuppertal. The elite can also take place in Krefeld.

Ja. Es wird eine Neuausrichtung geben mit dem Ziel, Tanz in NRW weiter zu professionalisieren. Es wird keine Breiten-, sondern eine Eliteförderung geben, im Sinne herausragender Projekte. Das heißt nicht, dass nun alles Geld nach Wuppertal fließt. Elite kann auch in Krefeld stattfinden. Dazu muss man diese Elite erst mal haben.

But you will first need to have this elite.

Deshalb ist ein erster logischer Schritt eine Stärkung der Nachwuchsförderung. Wenn man hier dauerhaft und genau hinschaut, werden wir auch über kurz oder lang die Spitze haben. Es gibt auch sehr interessante Kooperationsmodelle von Künstlern mit Synergieeffekten wie Barnes Crossing oder Freihandelszone, da werden durchaus förderwürdige Potenziale sichtbar.

That is why the first logical step is to strengthen our efforts in sponsoring new talent. If you take a long and careful look at this, we will sooner or later have the elite. There are also some very interesting collaboration models with synergetic artists such as Barnes Crossing or Freihandelszone with clear potential very worthy of funding.

Wird das Fördervolumen für den Tanz insgesamt erhöht? Will the volume of grants for dance be increased overall?

Es hat bisher keine Quotierung gegeben, und es wird sie auch in Zukunft nicht geben. Entscheidungskriterium bleibt in erster Linie die künstlerische Qualität.

To date, there has never been any quotas employed and this will not change in the future. Artistic quality is, and remains, the primary decision criterion.

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Kommentar

von Arnd Wesemann

Das Wunder von Nordrhein-Westfalen So ist der Mensch: Noch arm, schätzt er auch scheinbar Wertloses, die alten Gardinen und das imperfekte Badezimmer. Sobald aber ein gewisser Reichtum bei ihm einzieht, wird all das Alte von einer Sekunde auf die andere überflüssig. Wer sein erstes Eigenheim bezieht, schüttelt die Inhalte aus seiner Studentenbude mit einer Mischung aus Wehmut und Ekel ab. Und wer sein erstes teures Kleid kauft, greift rigoros im Kleiderschrank durch, um all das, was dem schönen Kleid am wenigsten standhält, in die Tüte zu geben.

Call it human nature. When people have no money to spend, they value things that have no apparent value - old curtains or an imperfect bathroom. But as soon they gain a bit of wealth, all of those old things suddenly become superfluous. Those who move into a first home of their own discard the contents of their student apartments with combined feelings of nostalgia and disgust. And those who buy their first expensive dress, rigorously go through the closet to bag up all the things that least match up to the new standard.

Was für den Menschen im Wohlstand gilt, stimmt auch für Städte und ein ganzes Bundesland: Wert behält nur, was über die Jahre einen realen Wert annehmen konnte. Das übrige verschwindet zugunsten neuer teurer Verkehrswege und nobler Shopping Malls. Die Kultur, die noch vor Jahren in Jugendzentren oder Fabriketagen stattfinden durfte, weicht in Gänze einer Philharmonie, weicht den in ihrem Wert sich steigernden Kunstsammlungen, und dazu spendiert man sich, in Köln, ein paar nagelneue städtische Bühnen.

What applies to individuals also applies to cities and even to an entire federal state: only those things retain value, which could actually accumulate material value over time. The rest disappears in favor of new, more expensive traffic routes and classy shopping malls. The cultural events that were once made possible in youth centers or lofts, now have to step aside entirely to make way for a philharmonic orchestra or for art collections of increasing value and Cologne has awarded itself a couple of brand new municipal theaters.

Denn siehe, an Geld mangelt es nicht. Das im europäischen Vergleich reiche Nordrhein-Westfalen hat aber den erklärlichen Hang dazu, das Provisorium, aus dem es mal stammte, endlich zu verlassen, um nun im Glanz erstrebenswerter Institutionen zu baden: ob in zwei schönen Tanzhäusern in Essen und Düsseldorf, oder zwei Tanzhochschulen, die den Wert der Tradition beweisen, so wie die Choreographen es im Essener aalto theater oder in Düsseldorf-Duisburg tun, und natürlich Pina Bausch, die der Kontinuität ihres Weltrufs auch weiterhin entspricht.

Just take a look and you‘ll see, there‘s no shortage of money. But the area of North Rhine-Westphalia, which is relatively rich as compared to the rest of Europe, is on a trend towards finally rising above the provisional arrangement from which it was born to bathe in the splendor of “worthwhile“ institutions: whether it be in two beautiful dance centers in Essen and Duesseldorf, two dance academies as proof of the value of tradition or as the choreographers in Essen‘s aalto Theater or in Duesseldorf-Duisburg are doing. And then, of course, there‘s Pina Bausch, who continually lives up to her international reputation. What perseveres is plain to see. But something has to give in North Rhine-Westphalia, which calls itself “Tanzland“ both correctly and incorrectly. Correctly, because it possesses the best infrastructure for dance in Germany. And incorrectly, because, with the exception of Pina Bausch, there are simply not enough artists who have been willing to keep suffering, at least financially. Because artists can‘t be afforded. For lack of money, or so the story goes. Artists are the weakest element in the cultural infrastructure, even in a “Tanzland“. If names like Ben J. Riepe, Gerda König or Stephanie Thiersch are familiar to you at a glance, then you are either yourself a member of the dance community or you are highly cultured. Most people will just shrug. The lighthouses here are the institutions, aside from which hardly enough artists survive. And why is this the case? Let‘s take a look at what North Rhine-Westphalia has left behind - the apparent provisional arrangement. Bonn was a provisional capital, and with the choreographer Johann Kresnik it is now discarding an artist, who cannot appeal to Bonn‘s new found congeniality based on a blend of corporation headquarters and federal reparations.

Was Bestand hat, ist klar. Aber etwas muss gehen in Nordrhein-Westfalen, das sich mit gutem und mit schlechtem Recht ein „Tanzland“ nennt: Mit einem guten Recht, weil es bundesweit die beste Infrastruktur für den Tanz besitzt. Und mit schlechtem Recht, weil es – mit Ausnahme von Pina Bausch – offenbar nicht genügend Künstler hat, die zumindest in finanzieller Hinsicht gern genug gelitten wären. Weil man sich Künstler nicht leisten könne. Aus Geldmangel, wie es heißt. Der Künstler ist auch in einem „Tanzland“ das schwächste Glied. Falls Ihnen Namen wie Ben J. Riepe, Gerda König oder Stephanie Thiersch auf Anhieb etwas sagen, sind Sie entweder Mitglied der Tanzszene oder hoch gebildet. Die meisten dürften die Achseln zucken. Leuchtturm sind hier die Institutionen, neben dem kaum genügend Künstler standhalten. Und warum das so ist? Schauen wir uns an, was Nordrhein-Westfalen hinter sich ließ – das scheinbare Provisorium. Bonn war eine provisorische Hauptstadt, und mit dem Choreographen Johann Kresnik wird es nun einen Künstler los, der diesem neuen Bonner Charme aus einer Mischung von Konzernsitz und „Reparationszahlungen“ seitens des Bundes nicht gerecht werden kann.

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Commentary by Arnd Wesemann

The Miracle of North Rhine-Westphalia

In einer neu geordneten Gesellschaft, die Hauptbahnhöfe in rauchfreie Einkaufspassagen umbaut und ehedem lebendige Straßen in schnurgerade, grün gewellte Ausfallpisten, kommt man einfach nicht mehr auf die Idee, dass hier sich Menschen einst frei bewegen konnten. Sie sind nun Teil eines Verkehrskonzepts, und Choreographie – als eine Kunst der verkehrten Bewegung – steht dieser erneuerten Gesellschaft bloß noch diametral gegenüber.

Cologne was always a commercial center, but has now been reborn as a media city, which is perfectly epitomized by the fact that the old trade fair buildings will soon house the main offices of a television broadcaster. And nobody is really surprised that the choreographer Amanda Miller has to go, because her art just isn‘t very compatible with big media. Once upon a time, the Ruhr Basin was called the “Pott” (pot), but now it is an ensemble of high-tech companies. Finally the list of extensive upheavals in the provisional arrangements have not only resulted in economic advantages, but also to the disposal of many things that embodied the very essence of cultural value: the independent scene, the spontaneous performances of its members and the protection of this by the citizenry and its political institutions. This new societal order, in which central stations have been converted into no-smoking shopping arcades and once lively streets have been turned into dead-straight, progressive-signal arterial roads, makes it easy to forget that it was possible to move about freely at one time. People have become part of a traffic plan and choreography, as the art of movement outside the confines of getting from here to there, remains diametrically opposed to the order of this renewed society.

Nur Düsseldorf blieb fast unverändert – als nutznießende Dienstleisterstadt, die sie immer schon war. Nur hier, und vielleicht ist das das Wunder von Nordrhein-Westfalen, hat durch das tanzhaus nrw, durch das Forum Freies Theater, durch die Kompanie NEUER TANZ und im Umfeld der Kunstakademie eine Szene noch Bestand, die im Zentrum unweit eines unrenovierten Bahnhofsviertels in alten Gebäuden etwas von der Würde der Freiheit und des dazugehörigen Kulturverständnisses bewahren konnte. Nicht hier, sondern in Essen wird die Kulturstadt 2010 ausgerufen. Nicht hier, sondern im Rest von Nordrhein-Westfalen sind Politiker damit beschäftigt, Rationalisierungskonzepte für ein künftiges gemeinsames Ballett- oder Tanztheater-Ensemble zu beschließen. Was sie dabei übersehen, ist das Wesen jeder Kultur: dass nicht Institutionen Kunst garantieren. Denn das kann nur die Freiheit, die die Gesellschaft den Künstlern gewährt.

Only Duesseldorf has been left almost unscathed as the beneficial service city that it always has been. Only here - and maybe this is the miracle of North Rhine-Westphalia - has a scene persevered by way of the tanzhaus nrw, the Forum Freies Theater, the company NEUER TANZ and the Academy of the Arts. This scene, which has found its home in old buildings in the city center not far from an unrenovated station district, has managed to retain something of the dignity of freedom and a corresponding cultural understanding. It is not here, but Essen that has been proclaimed as the Capital of Culture 2010. And it is not here, but in the rest of North-Rhine Westphalia, that politicians are busy agreeing on economization concepts that include plans for cities to share a single ballet or dance theater company. What they are ignoring is no less than the essence of any cultural endeavor: that it is not the institutions that guarantee art. This is only achieved by way of the freedom that society grants its artists.

Und noch etwas erstaunt. Dass ausgerechnet die Avantgarde des Tanzes, oder wenigstens die Jugend der Künste etwas sehr merkwürdiges benötigt, um existieren zu können: das Alte nämlich. Das Gewachsene. Auch das Überflüssige. Das Schmutzige. All das, was im Eifer der Neubauten und des Strukturwandels überrollt wird. So fühlt sich dieses Tanzland auch an: als wäre auch die Kultur in ihr nur ein Provisorium. Platt gemacht. Um nun, nur folgerichtig, eine Tanzplattform zu bieten. In aller Kürzung, die der Kunst geblieben ist, heißt sie: tanz nrw 07.

And there is yet another amazing phenomenon. The dance avant-garde, or at least the young artists need something very unlikely in order to exist: namely the old, the grown, even the superfluous and the dirty. All the things that are being flattened in the fervor for new buildings and structural change. That‘s how this “Tanzland“ feels. It‘s as if even its culture is only a provisional arrangement. Flattened and reformed. And now, consequently, a platform for dance is being provided. Reduced to a bare minimum, as has been art, it‘s called: tanz nrw 07.

Köln war stets eine Handelsstadt, ist nun aber als Medienstadt neu geboren, was prächtig daran zu sehen ist, dass die alte Handelsmesse in die Zentrale eines Fernsehsenders umgebaut wird. Dass dazu die Choreographin Amanda Miller gehen muss, weil ihre Kunst nicht eben medienkompatibel ist, wundert niemanden. Das Ruhrgebiet war mal der „Pott“, nun ist es ein Ensemble aus Hightech-Firmen. Die vorausgegangen tiefgreifenden Umbrüche, voller Provisorien, bringen im Endeffekt nicht nur ökonomische Vorteile, sie führen auch – siehe oben – zur Entsorgung von vielem, was vorher ein kultureller Wert an sich war: die freie Szene, deren spontane Performances und ihr Schutz durch die Bürgerschaft und deren Politik.

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Kommentar

von Katja Schneider

Immer westwärts. Ein Blick aus dem Süden. I was born in Munich, I grew up there, went to school there, went to college there and stayed there. At the most I sometimes (and now is one of those times) have a Starnberg license plate on my car. The point of reference has always been Munich. Not Bavaria as a whole. And I wasn’t familiar with the term “North Rhine-Westphalia” either. There were just Bochum and Bottrop, Hattingen and Herne, Bergisch-Gladbach, Cologne, Duesseldorf and Kaiserswerth. We drove there during the holidays to visit relatives. My dad was a Duesseldorfer through and through, my mother had a far less sentimental relationship with her city of birth, Bochum, but went there with me often. In the Kortum department store there were stand-up bistro tables where you could get Bockwurst and soft drinks, I rode on the chairoplan at the Funfair of Crange and the suspended monorail in Wuppertal. I even had my first experience with theater in Bochum. “The Snow Queen” was playing. So the term North Rhine-Westphalia meant nothing to me, but I had a very intimate relationship with its cities.

Ich bin in München geboren, bin dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe in München studiert und bin dort geblieben. Allenfalls hing sporadisch (und hängt gerade mal wieder) ein Starnberger Kennzeichen an meinem Auto. Der Bezugspunkt war immer: München. Nicht Bayern. Auch „Nordrhein-Westfalen“ war mir kein Begriff. Es gab nur Bochum und Bottrop, Hattingen und Herne, Bergisch-Gladbach, Köln, Düsseldorf und Kaiserswerth. Dahin fuhren wir in die Ferien, um Verwandte zu besuchen. Mein Vater war ein überzeugter Düsseldorfer, meine Mutter hat ein weit weniger sentimentales Verhältnis zu ihrer Geburtsstadt Bochum, war aber häufig mit mir dort. Im Kaufhaus Kortum gab es an Stehtischchen Bockwurst und Limonade, ich fuhr Kettenkarussell auf der Cranger Kirmes, Schwebebahn in Wuppertal, auch mein erstes Theatererlebnis hatte ich in Bochum, im Schauspielhaus wurde „Die Schneekönigin“ gegeben. Von Nordrhein-Westfalen also hatte ich keinen Begriff, aber ein sehr romantisches Verhältnis zu seinen Städten. Später kamen Arbeitsbeziehungen hinzu. Beruflich reiste ich in den neunziger Jahren häufiger nach NRW als in alle anderen Bundesländer zusammen (inklusive Berlin). Nicht nur zu Vorstellungen und Festivals, sondern vor allem auch zu Tagungen und Symposien, Beirats- und Jurysitzungen, zu den Tanzmessen, zu Initiativen, die mir gefielen. Tief beeindruckt von der Energie und Hartnäckigkeit, die unermüdlichen Tanzlobbyisten aus allen Knopflöchern spross. Der Bayer, so, wie ich ihn kenne, mag es gemütlicher: Wenn sich in München die Stadträte im Jahr 2000 für ein Tanzhaus aussprechen, dann wundert es niemanden, dass es im Jahr 2007 immer noch nicht das geringste Anzeichen davon gibt. Und NRW hat sogar zwei Tanzhäuser. Von den Institutionen und Strukturen, die NRW gerade im Aus- und Weiterbildungsbereich geschaffen hat, kann man in Bayern nur träumen. Tanz hat Tradition in NRW – und derer ist man sich bewusst. Darum konnte auch im Jahr 2004 für ein Tanzsymposium mit dem Motto „76 Jahre nach Jooss“ geworben werden. Bitte wer? In Bayern müssen Sie lange suchen, bis Sie, selbst unter den Tanzschaffenden, jemanden finden, der Ihnen sagen kann, wer Jooss war, geschweige denn eine Ahnung davon hat, womit der sich vor 76 Jahren beschäftigte und was daran für uns Heutige noch von Belang sein könnte.

Then came the work relationships. In the nineties, I traveled for work to NRW more often than to all the other federal states combined (including Berlin). Not only to the performances and festivals, but mainly also to conferences and symposiums, advisory board and jury meetings, to the dance trade fairs and to initiatives that I enjoyed. I was profoundly impressed by the energy and persistence with which untiring dance lobbyists were springing forth from every nook and cranny. The Bavarian nature, as I know it, likes things a bit more comfortable. When the Munich city council declares its support for a dance center in the year 2000, nobody is astonished that, in 2007, there is still not the slightest sign of it becoming reality. And NRW even has two dance centers. In Bavaria one can only dream of the institutions and structures that NRW has created, especially when it comes to training and further education. Dance has a history in NRW, and there is an awareness of this history. That’s why, in 2004, it was possible to promote a dance symposium with the catch phrase “76 years after Jooss”. Uh, who? In Bavaria you would have to search for a long time to find somebody, even among the dancemakers, who could tell you who Jooss was much less what he was doing 76 years ago and why that could be of interest to us today.

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Commentary by Katja Schneider

Forever westward bound. A view from the South. Im Februar 2007 ist der Sitz des Bundesverbands für Tanz in Schulen e.V. hinzugekommen, eine Initiative, die nicht zufällig in NRW gegründet worden ist. In fast allen Bundesländern gehen Tänzer, Choreographen, Tanzpädagogen in die Schulen und leisten Überzeugungsarbeit bei Direktoren, Eltern und Politikern. In NRW, habe ich das Gefühl und zeigt es der Erfolg, ruft jemand zurück. Sicher liegt das am Engagement der Personen, aber ohne Strukturen, die genutzt und ausgebaut werden können, reiben sich Menschen, Projekte, Ideen auf.

In February of 2007, the domicile of the new National Association for Dance in Schools was added to the mix and it is no coincidence that this initiative was founded in NRW. In almost all of the German states, dancers, choreographers and dance instructors are going to the schools and pitching dance to directors, parents and politicians. I have the feeling, and the success shows, that in NRW people are responding to the call. Without a doubt this has to do with the commitment of individuals, but without structures that can be used and developed, people, projects and ideas easily wear down.

In NRW gibt es beste Bedingungen, ein neues, aufgeschlossenes und neugieriges Publikum für den Tanz zu schaffen. Allerdings ist die Kunst kein Gartencenter, und nicht alles, was gepflanzt und gegossen wird, wächst zu schönster Blüte. Von der Güte begleitender Strukturen muss man nicht zwangsläufig auf das Niveau der Kunstproduktion schließen, handelt es sich doch um zwei verschiedene Systeme, wenngleich sie sich wechselseitig bedingen. Denn Kunst braucht Publikum und – zweite Plattitüde – Kunstvermittlung braucht Kunst. Nur: Wer einmal gelernt und erfahren hat, wie sich Tanzen anfühlt, anstatt nur auf Ballett-Klischees und Videoclip-Bilder zurückgreifen zu können, der wird offen sein für innovative Tanzkunst. Strukturen für „audience development“ zu schaffen, verspricht berechenbareren Erfolg als Strukturen für Künstler zu schaffen. Wo Tänzer und Choreographen andocken, das hängt oft vom propagierten Lebensgefühl an einem Ort ab. Beide Systeme, das der Vermittlung und das der Produktion, gegeneinander auszuspielen, ist wenig sinnvoll. Kunst umfasst sie beide.

The best conditions exist in NRW to pave the way for a new, open and curious audience for dance. But art is no garden center and not everything that is planted and given water will grow to produce the most beautiful blooms. The quality of the accompanying structures does not necessarily reflect the level of the artistic productions. These are two different systems even they both rely on each other for their very existence. Because art needs an audience and – second platitude – artistic venues need art.

Strukturwandel dauert lange, leicht ziehen Jahrzehnte ins Land, bis etwas erreicht ist. Strukturen sind „tools“, Werkzeuge, sie müssen flexibel bleiben, integrieren, dürfen nicht verknöchern, ausschließen, anderen die Luft abschnüren. Wenn sie intelligent genutzt werden, dann sind sie immens von Vorteil. Für die Kunst.

Structural change takes time. Decades easily slip away before anything is achieved. Structures are tools and they have to remain flexible and integrate rather than ossifying, excluding and suffocating others. If used intelligently, they are immensely beneficial. For art.

The only thing is, once someone has learned and experienced how it feels to dance instead of merely relying on ballet cliches and music video images, that someone will be open to innovative artistic dance. Creating structures for audience development promises calculable success in creating structures for artists. The place where dancers and choreographers drop anchor often depends on the place’s propagated attitude towards life. It makes little sense to pit the two systems, venues and production, against one another. Art comprises both.

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Autorenauthors Dr. Katja Schneider Lehrbeauftragte für Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Freie Autorin und Redakteurin der Zeitschrift tanzjournal, München Associate lecturer for dramatics at the Ludwig Maximilian University in Munich freelance author and editor of the magazine tanzjournal, Munich

Nicole Strecker Freie Kulturjournalistin, Köln Freelance journalist, Cologne

Melanie Suchy Freie Kulturjournalistin, Frankfurt/Düsseldorf Freelance journalist, Frankfurt/Duesseldorf

Thomas Thorausch Stellvertretender Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln Acting director Deutsches Tanzarchiv Köln (German Dance Archives Cologne)

Bettina Trouwborst Freie Tanzjournalistin, Westdeutsche Zeitung und ballet-tanz, Düsseldorf Freelance journalist Westdeutsche Zeitung and ballet-tanz, Duesseldorf

Arnd Wesemann Redakteur ballet-tanz, Berlin Editor ballet-tanz, Berlin

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Takao Baba E-Motion

www.dance-unity.com

„2nd ID“ F: Georg Schreiber

“Music plays a major role in my production“, says Takao Baba. “I try to work very close to the music and visualize the flow and the atmosphere of the music.“ Thus the hip-hop dancer and choreographer doesn‘t succumb to the music or place himself above it, but meets it as a respectful listening partner. A bilingual friend: he assimilates song and rhythm into his body and has a personal way of reflecting or responding to the music, to set a course, to take paths. It is about a certain awareness of life in this explicitly urban world of dance. Takao Baba is a dancer who is open to innovations and inventions of styles such as House Dancing. There is no definition of hip-hop, he says. “For me, hip-hop is an approach to life: it includes multiculturalism, tolerance and the dance battle mentality.“ These are the values dealt with in his production “2nd ID“, which was developed collectively with Andrea Böge, Nadia Espiritu, Amigo, Benny and Lil‘ Rock. It shows ways of dealing with one another and with dance as well as the personalities of dancers with their various cultural backgrounds, who find their common “second” identity in the world of hip-hop. After “Roundabout” and “E-Motion”, this is the first larger production made by the E-Motion ensemble, which is on tour throughout Germany.

„Bei meiner Produktion spielt die Musik eine zentrale Rolle“, sagt Takao Baba. „Ich versuche sehr nah an der Musik zu arbeiten und deren Flow und die Atmosphäre visuell umzusetzen.“ So unterwirft der HipHop-Tänzer und -Choreograph sich nicht der Musik oder setzt sich über sie hinweg, sondern nähert sich ihr als respektvoll hinhörender Partner. Ein zweisprachiger Freund: Er macht sich mit dem Körper Gesang und Rhythmen zu Eigen, und er hat auch eine persönliche Art die Musik wiederzugeben oder ihr zu antworten, Akzente zu setzen, Richtungen einzuschlagen. Es geht in dieser explizit urbanen Tanzwelt um ein Lebensgefühl. Takao Baba gehört dabei zu den Tänzern, die offen für Neuerungen und Neuerfindungen von Stilen, etwa House Dancing, sind. Es gebe ja keine Definition von HipHop, sagt er. „HipHop ist für mich eine Lebenseinstellung: die Multikulturalität, die Toleranz, die Battle-Mentalität.“ Um diese Werte geht es auch in seiner mit Andrea Böge, Nadia Espiritu, Amigo, Benny und Lil‘ Rock kollektiv erarbeiteten Produktion „2nd ID“. Sie zeigt Arten des Umgangs miteinander und mit dem Tanz, die Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer mit ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, die im HipHop-Tanz ihre gemeinsame, „zweite“ Identität finden. Nach „Roundabout“ und „E-Motion“ ist dies die erste größere Produktion des Ensembles E-Motion, die deutschlandweit auf Gastspielreise geht.

Takao Baba was born in Düsseldorf in 1974. He came into contact with hiphop, breaking, popping and locking early on. At the age of 14, he started dancing more actively. After meeting Marvin Smith, he trained in various different dance styles before finally returning to b-boying. As a dancer, Takao Baba has been hired for many stage productions, TV shows and movies, music videos and performances with the Spice Girls, Tugce San and Dane Bowers among others. In 2004 he established the Dance Unity forum with Kadir Memis “Amigo” from the Berlin-based group Flying Steps as a German community for urban dance styles. They combine the organization of battles (like Just Debout 2006 in Düsseldorf), jams and workshops with an informative, internationally active internet communication platform. “Free your mind!” is his motto, and everyone understands this when he dances translating this into dance with a light-footedness that makes it look oh so easy.

Takao Baba wurde 1974 in Düsseldorf geboren. Früh kam er in Kontakt mit HipHop und dem Breaken, dann dem Popping und Locking. Mit 14 Jahren begann er aktiver zu tanzen. Nach der Begegnung mit Marvin Smith besuchte er Kurse diverser Tanzrichtungen, kam schließlich wieder zum B-Boying. Als Tänzer wird Takao Baba seit Jahren für Bühnenproduktionen engagiert, für TV-Shows und -Filme, Musikvideos und Bühnenshows u.a. von den Spice Girls, Tugce San, Dane Bowers. Mit Kadir Memis „Amigo“ von der Berliner Gruppe Flying Steps gründet er 2004 das Forum Dance Unity, um in Deutschland eine Community für die urbanen Tanzstile aufzubauen. Sie verbinden die Organisation von Battles (wie Just Debout 2006 in Düsseldorf), Jams und Workshops mit einer informativen, international agierenden Internet-Kommunikationsplattform. „Free your mind!“ ist sein Motto, das jeder irgendwie verstehen kann, dessen Umsetzung in Tanz aber meist so viel schwieriger ist, als es in seiner Leichtfüßigkeit aussieht.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Barnes Crossing Barbara Fuchs Gerda König Suna Göncü Ilona PÁsZtHy

www.barnescrossing.de Ilona Pászthy: „HAUTSACHE“ F: Jürgen Laubhold

Fünf in Köln lebende Choreographinnen gründeten 2006 das Netzwerk Barnes Crossing, benannt nach der Erfindung des Amerikaners Barnes: An einer solchen Straßenkreuzung haben alle Fußgänger gleichzeitig Grün. Sicherheit und Freiheit. Das Netzwerk (inzwischen ohne Dyane Neiman) betreibt ein Studio in der ehemaligen Wachsfabrik in Köln-Rodenkirchen mit Trainings- und Fortbildungsangeboten und als Produktionsort.

Five Cologne-based choreographers established a network in 2006 and named it after the creation of an American named Barnes: all pedestrians at this type of intersections have walk signals at the same time. Safety and freedom. The network (now without Dyane Neiman) runs a studio in a former wax factory in the Cologne district of Rodenkirchen. The studio houses training and workshop offerings as well as a production space.

Barbara Fuchs wurde 1965 in Düsseldorf geboren, erhielt ihre Tanzausbildung an der Folkwang Hochschule, bei den Tanzprojekten Köln von James Saunders und in New York. Sie tanzt u.a. beim Maja Lex Tanzensemble, in Kompanien von Frey Faust, Gabrielle Staiger, Paulo Ribeiro. „durchleuchtet“ von 2003 ist ihr erstes Solo. „tanztat – eine kriminologische Fallstudie für eine Tänzerin und ihr Publikum“ wird 2004 mit dem Kölner Tanzpreis für seine eigenwillige Ästhetik ausgezeichnet. So beginnt ihre Trilogie, die Tanz mit populären Filmgenres verbandelt, indem die Protagonistin zunächst krimimäßig und mehrere Rollen verkörpernd zur Tanztat schreitet: Täterin und Opfer des Tanzenmüssens. Bei „Exitus“, im Duett mit Koni Hanft, dräut der Horror, Untertitel: „eine pietätlose Tragikomödie über Tanz, Tod und Teufel“; und das „STÜCK 2307,5 – eine Tanz Fiktion“ (2006) beamt sich durchs Universum ins Sternzeitjahr 2307,5 und lässt das „Glatte, Runde, Fließende“ (das die Choreographin zur Genüge kenne, wie sie sagt) auf einem anderen Planeten zurück. Barbara Fuchs nimmt Tanz und Tänzer auf die Schippe – mit Leidenschaft für ihr Genre, das sie spickt mit Sprache, Musik, Video.

Barbara Fuchs was born in 1965 in Düsseldorf, obtained her dance training at the Folkwang Hochschule, James Saunders‘ Tanzprojekt Köln and in New York. Among other companies, she danced with Maja Lex Tanzensemble, Frey Faust, Gabrielle Staiger and Paulo Ribeiro. In 2003, she made her first solo, “durchleuchtet“. “tanztat – eine kriminologische Fallstudie für eine Tänzerin und ihr Publikum“ received the Cologne Dance Award in 2004 for its idiosyncratic esthetic approach. This was the beginning of her trilogy, which positioned dance in relation to popular film genres by having the protagonist, as in a thriller, embody several roles in an act of dance: perpetrator and victim of the obligation to dance. Horror threatens in “Exitus“, a duet with Koni Hanft and with the subtitle: “eine pietätlose Tragikomödie über Tanz, Tod und Teufel“ (an impious tragicomedy about dance, death and the devil). And “STÜCK 2307.5 – eine Tanz Fiktion“ (2006) beams itself through the universe into the sidereal year 2307.5 and leaves the “smooth, round, flowing“ (which the choreographer knows only too well, as she says) behind on another planet. Barbara Fuchs lampoons dance and dancers – with a passion for her genre, which she studs with music, video and spoken word.

Suna Göncü wurde 1969 in Recklinghausen geboren. Nach dem Diplom an der Deutschen Sporthochschule in Köln, Schwerpunkt Elementarer Tanz, studiert sie bis 1997 Bühnentanz an der Folkwang Hochschule. 1992 gründet sie u.a. mit Henrietta Horn das Ensemble Terza E Uno. Ihr eigenes YOL Tanzensemble (später YOLtanz) benennt sie 1998 nach dem türkischen Wort für Weg und erarbeitet Produktionen für meist ein bis drei Tänzer. „Jede Choreographie ist eine Reise und eine Suche nach etwas Verborgenem, was sich meiner Ratio entzieht. Etwas will geboren werden“, sagt sie. „Ich glaube an die Ausdruckskraft des Tanzes.“ Der Weg zwischen Bewegungsform und Innenwelt wird in beide Richtungen bereist. Suna Göncü zielt auf Klarheit und Verständlichkeit dessen, was sie den Zuschauern zeigt. Nach „Zeiträume“ von 2001 und einem Forschungsaufenthalt in Istanbul bringt sie in „Sofya“ das zerrüttende Hin und Her zwischen moderner und traditioneller Kultur, Lebens- oder Tanzmöglichkeit auf die Bühne und findet eine Lösung. Nach „Labyrinth“ von 2003 folgen „One“, die kürzeren Soli „Kalligrafia“ und „Inner

Suna Göncü was born in Recklinghausen in 1969. After receiving her degree in Elementarer Tanz from the German Sport University Cologne, she studied dance performance at the Folkwang Hochschule until 1997. In 1992 she founded the ensemble Terza E Uno with Henrietta Horn and others. In 1998, she named her own YOL Tanzensemble (and later YOLtanz) after the Turkish word for path and developed productions usually for one to three dancers. “Each choreography is a journey and a search for something hidden, which escapes my reason. Something wants to be born“, she says. “I believe in the expressive power of dance.“The path between movement form and the interior world is traveled in both directions. Suna Göncü aims for the clarity and intelligibility of that which she shows her audience. After producing “Zeiträume“ in 2001 and completing a research period in Istanbul, she staged “Sofya“, the shattering back and forth between modern and traditional culture, life or dance possibilities and discovers a solution in the process.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Suna Göncü: „Flugsand, Spiel und Spurensuche“ F: Ursula Kaufmann

Barbara Fuchs: „tanztat“ F: Jürgen Laubhold

Gerda König: „Via sem regra“ F: Lenise Pinheiro

After “Labyrinth“ in 2003, she created “One“, the shorter solos “Kalligrafia“ and “Inner Landscapes“, and then “Flugsand, Spiel und Spurensuche“ as well as “Colors of the Parachute“, which she is also teaching to dancers in Turkey in 2007.

Landscapes“, dann „Flugsand, Spiel und Spurensuche“ sowie „Colors of the Parachute“, das sie 2007 auch mit Tänzern in der Türkei einstudiert. Gerda König wurde 1966 in Köln geboren, wo sie auch ihr Psychologiestudium absolvierte. 1995 gründet sie die DIN A 13 tanzcompany, für die sie auch tanzt. Mit den Ensemblemitgliedern aus unterschiedlichen Richtungen des zeitgenössischen Tanzes und der Musik sowie auftragsweise mit anderen Gruppen erarbeitet die Choreographin Produktionen, die auf Festivals in Europa, Nord- und Südamerika gastieren. Sie konfrontiert das gesellschaftlich Normierte, vermeintlich Normale mit dem Besonderen – wie der „13“. Mit einer Ästhetik der Verschiedenheiten, außerordentlichen Ausdrucks- und Bewegungsqualitäten zielt ihr Tanztheater auf ein starkes emotionales und gedankliches Miterleben beim Publikum. Unter den Werken sind „colours of longing“ (2000), das Vier-Frauen-Stück „Gendagenia“, „skinbetween“ über Haut. 2005 erarbeitet Gerda König im Rahmen eines vom Goethe-Institut unterstützten Projektes in Kenia, Brasilien und Äthiopien mit Amateuren und Profitänzern Bühnenstücke, die für jeweilige gesellschaftliche Tabus Bilder finden und große Resonanz erfahren. „body view“ von 2007 begegnet den Blicken auf „Andere“, auf sexuelle Identitäten und Vorstellungen.

Gerda König was born in Cologne in 1966 and went on to complete a degree in psychology there. In 1995 she founded the company DIN A 13, in which she also dances. The choreographer develops productions with ensemble members of various contemporary dance and music backgrounds and is regularly commissioned to work with other groups and perform with her company in festivals throughout Europe, North America and South America. She confronts the social norm, the apparently normal, with the unordinary – like the “13“. With its esthetic of variety, exceptional expression and movement qualities, her dance theater aims for the intense emotional and intellectual participation of the audience. Her works include “colours of longing“ (2000), the piece for four women “Gendagenia“ and “skinbetween“, a piece about skin. In 2005 Gerda König worked in Kenia, Brazil and Ethiopia with support from the Goethe-Institut. She developed performance pieces with amateurs and professional dancers in these countries, which sought out images depicting the respective social taboos and were met with great response. “body view“ of 2007 deals with the view of “the other“, of sexual identities and perceptions.

Ilona Pászthy, 1964 in Hannover geboren, absolvierte dort und an der Dansacademie Rotterdam ihre Tanzausbildung und studierte Illustration und Malerei. Sie wird an städtischen Theatern und bei freien Kompanien engagiert, u.a. bei Johann Kresnik, Tanztheater Irina Pauls, Maja Lex Tanzensemble. Ab 1995 choreographiert sie unter dem Ensemblenamen iptanz selbst. Das Duett „Das Wohnzimmer“ (2000) wird beim Internationalen ChoreographieWettbewerb in Belgien ausgezeichnet; „TAUSENDhertz“ erhält den Kölner Tanztheaterpreis 2003. Ihre choreographischen Collagen verbinden Klang, Objekte (des Bilderhauers MiegL) und Bewegung. Und Humor. Von 2001 bis 2005 realisiert sie die Pentalogie „Sinnesverschiebungen“ zum Fühlen, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, darunter „Lippenbitter“ und „...No.“, für drei bis fünf Tänzer. Nach „Hautsache“ (2006) zu Fragen der Identität folgt 2007 „Szia – eine Tanzinstallation für sieben Tanzende“ über Informationsvermittlung und ihren Einfluss auf Denken, Fühlen, Handeln von Sendern und Empfängern.

Ilona Pászthy was born in Hanover in 1964, completed her dance training there and at the Dansacademie Rotterdam and studied illustration and painting. She worked for municipal theaters and with independent companies such as Johann Kresnik, Tanztheater Irina Pauls and Maja Lex Tanzensemble. In 1995 she started choreographing her own work with her company iptanz. Her duet “Das Wohnzimmer“ (2000) was awarded at the International Choreography Competition in Belgium. She received the Cologne Dance Theater Award in 2003 for her piece “TAUSENDhertz“. Her choreographic collages combine sound, objects (made by the sculptor MiegL) and movement. And humor. From 2001 to 2005, she made the pentology “Sinnesverschiebungen“ about touch, sight, hearing, taste, smell. These pieces include “Lippenbitter“ and “...No.“ and were made for three to five dancers. After creating “Hautsache“ (2006), which dealt with issues of identity, her work in 2007 “Szia – eine Tanzinstallation für sieben Tanzende“ takes on as its subject the conveyance of information and its impact on the thinking, feeling, and acting of its transmitters and recipients.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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CHRISTINE BRUNEL Tanztheater Christine Brunel

www.tanztheater-christine-brunel.de „assemblage” F: Wilfried Krüger

„Solange ich Raum unter den Füßen habe, kann ich tanzen“, sagte Christine Brunel in einem Interview. Schon in „solange“ verbinden sich die beiden Phänomene, die sie stets von neuem mit ihrem Tanz erforscht und bearbeitet: Es bezeichnet Zeit, aber deutet – im Ursprung – auch auf RäumlichDingliches. Der Kontakt der Füße mit dem Ort des Tanzes ist ein weiteres Merkmal ihrer Choreographien: das Auf-dem-Boden-Sein bewusst zu gestalten, ebenso den Kontakt von Körpern und Material und das Hören auf Musik und Stille. Die Intensität ihrer Tänze – Soli, Duette, einige Quintette, ein Oktett – beruht auf Reduktion. Das kann Verlangsamung sein, aber auch Vermeiden von Zuviel an Zeichen oder spektakulärem Ausdruck.

”As long as I have space under my feet, I can dance”, claimed Christine Brunel in an interview. And the “as long” unites the two phenomena that she always explores and processes with her dance: it describes time, but also makes reference – in its origins – to the spatially objective. The contact of the feet with the place of dance is a further feature of her choreography: consciously creating the being-on-the-ground, as well as the contact of body and material and the listening to music and silence. The intensity of her dances – solos, duets, several quintets, an octet – is based on reduction. This can be a slowing down, but also the avoidance of too many symbols or too much spectacular expression.

Ortswechsel – geographisch und kulturell – prägten die Jugend der Französin Christine Brunel. 1951 in Afrika geboren, ging sie 17jährig nach Paris, um Tanz zu studieren. Die Wigman-Schülerin Karin Waehner war ihre Lehrerin, und danach zog sie nach Essen. Nach dem Studium an der Folkwang Hochschule erhielt sie Engagements in Ulm, Paris, beim Folkwang-Tanzstudio und in Wuppertal bei Pina Bausch. „Ich mochte Essen vom ersten Tag an. Ich habe immer gefühlt, dass ich mich hier gut konzentrieren und gut arbeiten kann“, sagt sie heute, denn ihr 1985 gegründetes Tanztheater Christine Brunel bringt dort seitdem ein bis zwei Produktionen pro Jahr auf die Bühne. Mit etlichen davon gastierte sie in deutschen Städten und in den USA, Brasilien, Kolumbien, Italien, Portugal, Russland, Polen, den Niederlanden, Frankreich. Gastchoreographin war sie beim Ensemble Theatre Provincial Dances in Ekaterinburg und beim Silesian Dance Theatre im polnischen Bytom. Das Trio „Farbe“ von 1998 war für sie eine wichtige Produktion, ebenso das mehrteilige Solo „assemblage“ (2003) zu Musik des koreanischen Komponisten Kunsu Shim. Das Prinzip der Abwechslung oder Fortführung von Tönen und Bewegungen galt auch in den Tanzabenden mit (teilweise) improvisierenden Musikern: Peter Kowald (Bass), Scott Roller (Cello). Beim für Herbst 2007 geplanten Soloabend „Ein Husch aus der Ewigkeit“ werden es literarische Intermezzi sein, die auf die Bewegungen ihre zarten Schatten werfen.

Forever moving and over great distances – both geographically and culturally – characterised Christine Brunel’s youth. The French national was born in Africa in 1951, where she grew up before departing for Paris to study dance. The Wigman student Karin Waehner was her teacher. She then moved to Essen. After her studies at the Folkwang Hochschule, she worked in Ulm, Paris, at the Folkwang Tanzstudio and with Pina Bausch in Wuppertal. “I loved Essen from day one. I always feel that I can concentrate and work well here”, she claims today, as the Tanztheater Christine Brunel, founded in 1985 still exists in Essen, staging one to two productions a year. She has toured with many of these in cities throughout Germany and at venues in the USA, Brazil, Columbia, Italy, Portugal, Russia, Poland, the Netherlands and France. She has been a guest choreographer with the Theatre Provincial Dances ensemble in Yekaterinburg and with the Silesian Dance Theatre in the Polish city of Bytom. The “Farbe” (“Colour”) trio from 1998 was an important production for her, as was the multi-part “assemblage” solo (2003) with the music of the Korean composer, Kunsu Shim. The principle of the change or continuation of sound and movement has also characterised the dance evenings with (in part) improvising musicians: Peter Kowald (bass), Scott Roller (cello). For the “Ein Husch aus der Ewigkeit” (“A Shoo from Eternity”) solo evening planned for autumn 2007, these will be literary intermezzi, which will cast their delicate shadows on the movement.

Die Flüchtigkeit von Tanz und Zeit nicht verleugnend, kümmert sich Christine Brunel seit 1998 auch ums Nachwachsen von Tanzbegeisterung: Die „Werkstatt der Tänzer“ trägt ihre Werke in Schulen und vermittelt den Kindern und Jugendlichen dort das sensible Tanzbetrachten und -verstehen.

Without denying the transience of dance and time, Christine Brunel has been dedicated to sustaining the enthusiasm for dance since 1998: the “Dancers’ Workshop” transports her works to schools and conveys the sensitive observation and understanding of dance among children and youngsters.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Double C CHUN-HSIEN WU UND CHRYSTEL GUILLEBEAUD

„Self-made“ F: Chun-Hsien Wu

„Sind wir es, die sich bewegen, oder werden wir bewegt?“ Diese elementare Frage stellt sich der Choreograph Wu bei der neuesten Produktion. Vor ein paar Jahren kreuzten sich weitgereiste Wege zweier Tänzerleben in Wuppertal, und seit 2001 bewegen sie zusammen das Produktionsteam Double C: Chrystel Guillebeaud und Chun-Hsien Wu.

“Do we move ourselves or are we moved?“ The choreographer Wu poses this basic question in his newest production. A few years ago the paths of two dancers from distant lands crossed in Wuppertal and since 2001 they have been moving the production team Double C together: Chrystel Guillebeaud and Chun-Hsien Wu.

Die Französin Chrystel Guillebeaud wurde 1971 geboren und studierte Tanz bei Daniel Franck und Gilbert Meyer vom Ballett der Pariser Oper, nahm Unterricht in Modern Dance, Improvisationstechniken sowie Musik, Bildender Kunst und Tai Chi. Von 1988 bis 1994 tanzt sie u.a. bei Philippe Découflé und Maurice Béjart, von 1995 bis 2000 beim Tanztheater Wuppertal von Pina Bausch. Nach einer Arbeit für Dance Nova in Taiwan entwickelt und tanzt sie 2001 gemeinsam mit Chun-Hsien Wu „Couleur Encre“ in Wuppertal beim Festival Meeting Neuer Tanz. Prinzipien der Kalligraphie setzen sie in Bewegung um, Tusche in unsichtbare Körperspuren.

The French choreographer Chrystel Guillebeaud was born in 1971 and studied dance with Daniel Franck and Gilbert Meyer from the Paris Opera Ballet. She then went on to train in modern dance, improvisation technique, music, visual arts and Tai Chi. From 1988 to 1994 she danced with Philippe Découflé and Maurice Béjart among others and from 1995 to 2000 she danced with Pina Bausch‘s Tanztheater Wuppertal. After working for Dance Nova in Taiwan, she developed and danced with Chun-Hsien Wu in “Couleur Encre“ in Wuppertal at the Meeting Neuer Tanz festival in 2001. They transposed the principles of calligraphy into movement and ink into invisible body traces.

Chun-Hsien Wu wurde 1967 im taiwanesischen Ping-Dong geboren und studierte bis 1992 Ballett, Modern Dance und Bewegungen der Peking-Oper am National Institute of Art in Taipeh sowie Tai Chi Chuan. Von 1994 bis 2000 ist er als Solist engagiert bei dem von Lin Hwai-Min geleiteten Cloud Gate Dance Theater in Taipeh, u.a. bei den auch verfilmten „Songs of the Wanderers“ und „Moon Water“. Seit 2000 arbeitet er mit Chrystel Guillebeaud und erhält mit ihr 2005 den Eduard von der Heydt Förderpreis. Sie empfinden gerade das Land NRW als sehr offen für Tanz, wo sie bisher in Köln, Düsseldorf und Wuppertal gastierten.

Chun-Hsien Wu was born in 1967 in Ping-Dong Taiwan and until 1992 he studied ballet, modern dance and the movements of the Peking Opera at the National Institute of Art in Taipeh as well as Tai Chi Chuan. From 1994 to 2000 he worked as a soloist at the Cloud Gate Dance Theater under the direction of Lin Hwai-Min in Taipei in works such as “Songs of the Wanderers“, which was also filmed, and “Moon Water”. Since 2000 he has been working with Chrystel Guillebeaud and in 2005 they received the Eduard von der Heydt sponsorship award together. They currently experience North Rhine-Westphalia as being very open to dance and have thus far given guest performances in Cologne, Düsseldorf and Wuppertal.

Unter den gemeinsam choreographierten und getanzten Produktionen ist das Duo „776 v. Chr.“, das der Anspannung von zielgerichteter Handlung nachgeht: sich hinwenden oder sich abwenden. „Self-made“ choreographiert Chun-Hsien Wu 2004 für Chrystel Guillebeaud und I-Fen Lin mit Füßen in Klötzen. Dieses Duett sucht den Zusammenhang zwischen der Erdanziehungskraft und dem Gewicht der Gedanken. Phantasie und Lebensgefühl aber könnten emporfliegen – „We’ll all go to heaven“ (ein Quartett von 2005) – stünde nicht oft etwas oder jemand der Fortbewegung im Weg. „Reflex“ von 2006, für vier Tänzerinnen, verzahnt unterbewusste Bewegungen wie das Mitgehen in einer Gruppe, Ausweichen, Aushalten, Gesten und Übungsroutinen. Die Grenzen des Willens verwischen und, vielleicht typisch für Double Cs Art der Bewegungen: Es scheint sich der Aggregatzustand der Körper zu verändern.

Their jointly choreographed and danced productions include the duo “776 v. Chr.“, which examines the tension of targeted action: to turn towards or to turn away. Chun-Hsien Wu choreographed “Self-made“ in 2004 for Chrystel Guillebeaud and I-Fen Lin with feet in blocks. This duet seeks out the relationship between gravity and the weight of thoughts. But fantasy and attitude toward life could take off – “We’ll all go to heaven“ (a quartet made in 2005) – if something or someone wasn‘t often standing in the way. “Reflex,“ which was created in 2006 for four dancers, intertwines subconscious movements such as going along with a group, avoidance, endurance, gestures and exercise routines. The boundaries of the will blur and, perhaps typically for Double C’s type of movement, the body‘s physical condition seems to change.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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RAFAËLE GIOVANOLA COCOONDANCE

www.cocoondance.de www.theater-im-ballsaal.de „You‘re dead without a story” F: Klaus Fröhlich

Jeder hat Macken. Persönlichkeiten stoßen mit ihren Kanten an andere Kanten. Man steht sich selbst im Weg oder dem anderen, und doch ist ein haltbarer Mensch auch mal gut zum Anlehnen. So entstehen holperige, verquirlte und kunstfertige Muster des Umgangs miteinander, die sich nie festlegen lassen auf eine einzige Berechnung der Linien: Sie sind in Bewegung. Diese verfolgt COCOONDANCE mit seinem Tanztheater seit dem Jahr 2000 in immer neue Verästelungen: Mal sind die Gebilde luftig, mal schwerer, oft haben sie von beidem etwas. „Gesellschaftliche Themenkomplexe werden sorgfältig als Denkspiele des Narrativen inszeniert und in abstrakte Bilderzählungen gefasst“, heißt es programmatisch.

Everyone has their faults. The rough surfaces of personalities rub against other rough surfaces. We get in our own way or in the way of others and yet a stable person is good to lean on. What we are left with are bumpy, whisky, skillful patterns of dealing with one another, which can never be determined by simply calculating the parts of the whole. They are in motion. COCOONDANCE has been tracking this motion in its ever-changing ramifications with its dance theater since 2000. Sometimes the dancers float lightly through the air, sometimes more heavily near the floor or they snap back and forth. The program‘s through-line consists of “meticulously presenting social issues as narrative mental games and capturing these in stories of abstracted imagery.“

Im Leitungsduo von COCOONDANCE arbeitet die Choreographin und Tänzerin Rafaële Giovanola mit dem Dramaturgen Rainald Endraß zusammen; für jede Produktion wird das Team um Tänzer, Musiker, Bühnenbildner ergänzt. Gegründet wurde das Ensemble damals, um am Off-Festival in Avignon teilzunehmen mit „Jigaboo – Fight for your right to be white“, das Giovanola mit Marcelo di Melo tanzte. „Freie Szene“ war für sie ein künstlerischer Freiraum neben dem Festengagement bei der städtischen Kompanie in Bonn.

The choreographer and dancer Rafaële Giovanola co-directs COCOONDANCE with the dramatic adviser Rainald Endraß. The team is extended to include dancers, musicians and stage designers for each production. The ensemble was originally founded to participate in the Off Festival in Avignon with its piece “Jigaboo – Fight for your right to be white“, which Giovanola danced with Marcelo di Melo. For them the “independent scene“ was a free artistic terrain aside from their jobs in the city-funded dance company in Bonn.

Die 1960 in Baltimore/USA geborene Schweizerin studierte in Monte Carlo, war Solistin in Turin. Egon Madsen holt sie ans Frankfurter Ballett, wo sie klassisches Repertoire und Werke u.a. von Jíří Kyliàn, Uwe Scholz und William Forsythe, dem späteren Leiter, tanzt. Nach acht Jahren wechselt sie 1990 nach Freiburg, als Pavel Mikuláštik dort sein Choreographisches Theater gründet. Mit dieser Kompanie zieht sie auch nach Bonn und nach seiner Auflösung 2003 wird die Arbeit mit der eigenen Gruppe aus ehemaligen Kollegen und Neuzugängen verstärkt. 2004 erhält COCOONDANCE eine städtisch unterstützte Bleibe im Theater im Ballsaal in Bonn. Von 2000 bis 2006 entstehen 13 abendfüllende Produktionen für meist zwei bis fünf Tänzer. Darunter sind das düster-irrsinnige „Silent Running“, „Wait to be seated“, „Cover Me“, das Paarstück „Lovers and other Strangers“ (2005), dessen Kurzvideoversion den 1. Preis beim side-by-side-Internetwettbewerb 2007 erhält, und „Editions of You“. Das Ensemble gastiert seit Jahren europaweit auf Festivals und verfügt über ein Netz von Kooperationspartnern. Die neuen, fünfköpfigen „Real Lies“ (2006) stehen für die Frage nach dem Sinn von Inszenierung, wo doch kaum mehr etwas unverstellt wirklich ist. Außer den Macken vielleicht.

The Swiss dancer was born in 1960 in Baltimore, studied in Monte Carlo and was a soloist in Turin. Egon Madsen hired her for the Frankfurt Ballet, where she danced classical repertory and works by Jíří Kyliàn, Uwe Scholz and the subsequent company director William Forsythe among others. After eight years, she switched to Freiburg in 1990 when Pavel Mikuláštik founded his Choreographic Theater there. She also moved to Bonn with this company and, after it was disbanded in 2003, she began focusing more intently on the work with her own group consisting of former colleagues and newcomers. In 2004 COCOONDANCE obtained a city-funded artistic home in the Theater im Ballsaal in Bonn. 13 evening-length productions were created from 2000 to 2006 and usually employed two to five dancers each. These include the dark and zany “Silent Running“, “Wait to be seated,“ “Cover Me,“ the couple-focused piece “Lovers and other Strangers“ (2005), the short video version of which was awarded first place in the 2007 sideby-side Internet competition, and “Editions of You.“ The ensemble has given guest performances at festivals throughout Europe for several years and maintains a network of co-operation partners. The new “Real Lies“ (2007) with five performers poses questions as to the sense of staging performance in a world in which hardly anything remains undisguised and real. Except perhaps the faults.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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DANIEL GOLDIN TANZTHEATER DER STÄDTISCHEN BÜHNEN MÜNSTER

www.stadttheater.muenster.de „Myriaden“ F: Matthias Zölle

The son of eastern-European immigrants, Daniel Goldin was born in Buenos Aires in 1958, where he studied drama, music, painting, ballet and contemporary dance. The Wigman student Renate Schottelius sharpened his senses for dance and choreography, which he took up in 1982. In 1987 Daniel Goldin traveled to the native country of Renate Schottelius, studying at the Folkwang Hochschule, dancing at the Folkwang Tanzstudio and with Pina Bausch in Wuppertal. So, he stays in Germany and choreographs such works as the Spain-inspired “Cuentos del Camino – Wegerzählungen” with which he tours throughout Germany, France and Italy. “Papierene Kinder – Ein choreographischer Roman” (Children of Paper – A Choreographic Novel) from 1995 seeks out the images and tranquil moods of a lost world, a European culture brutally destroyed by the Nazis. The piece is invited to such far-flung places as Los Angeles, Budva, Budapest and Bolzano over the following years. The continual collaboration with an ensemble since 1996 has enabled Goldin to secure his position as head of the Münster Municipal Stages Dance Theatres. Since 1996, he has staged two full-length productions for eight to ten (in exceptions, sixteen) dancers each year, sometimes for the small stage, sometimes for large venues, and sometimes in partnership with actors, singers and orchestras. Goldin exploits the openings and limitations of stage sets. These constructions, the costumes, lighting and also the music – give his works approximate places and atmosphere. The ambiguous, constantly being in search of a time and a place, seem to inspire the people on stage to movement. The dance style is very much in keeping with the Folkwang tradition, juxtaposing élan and silence and implying feelings without shouting them out. The images of this dance theatre frequently appear somewhat surreal. In addition to music, history and landscapes, Goldin is inspired by literature and the fine arts, for example Felix Nussbaum and Käthe Kollwitz. To this end, choreographies have been dedicated to the likes of Milena Jesenská and Federico Garcia Lorca. Goldin regards “In Öl und Nebel” (In Oil and Fog) from 2002, with references to Egon Schiele, as one of the most important works. Also causing quite a stir were his “Winterreise” with Schubert songs (2003) and “L’espace de Ravel” (2006) with symphonic live music, which also features in the new Satie evening “(t)SchLU(ü)S(ß)S!?!”. In “Myriads” (2006), we hear Bach’s recorded Goldberg variations. The accompanying dance listens to the music and delves into it, with the dance claiming a nocturnal reality somewhere between consciousness and dream. At a place somewhere in space.

Der Sohn osteuropäischer Einwanderer wurde 1958 in Buenos Aires geboren und studierte dort Schauspiel, Musik, Malerei, Ballett und zeitgenössischen Tanz. Die Wigman-Schülerin Renate Schottelius schärfte seine Sinne für Tanz und fürs Choreographieren, das er 1982 begann. 1987 reist Daniel Goldin in die Heimat jener Lehrerin, studiert an der Folkwang Hochschule, tanzt beim Folkwang Tanzstudio und in Wuppertal bei Pina Bausch. Er bleibt also und choreographiert Stücke wie die Spanien-inspirierten „Cuentos del Camino – Wegerzählungen“ mit denen er Deutschland, Frankreich, Italien bereist. „Papierene Kinder – Ein choreographischer Roman“ von 1995 sucht nach Bildern und leisen Stimmungen einer verlorenen Welt, einer von den Nazis brutal zerstörten europäischen Kultur, und wird in den folgenden Jahren bis nach Los Angeles, Budva, Budapest und Bozen eingeladen. Eine kontinuierliche Arbeit mit einem Ensemble ermöglicht Goldin seit 1996 seine Position als Leiter des Tanztheaters der Städtischen Bühnen Münster. Für acht bis zehn (ausnahmsweise sechzehn) Tänzer macht er seitdem zwei abendfüllende Stücke pro Jahr, für die kleine Bühne, manchmal auch für die große und mitunter gemeinsam mit Schauspielern, Sängern, Orchester. Die Bühnenbilder mit ihren Öffnungen und Begrenzungen, die Kostüme, Licht und Musik geben seinen Stücken ungefähre Orte und Atmosphäre. Das Uneindeutige, stets auf der Suche nach einer Zeit und einem Platz zu sein, scheint die Menschen auf der Bühne in Bewegung zu versetzen. Der Tanzstil vertraut der Folkwang-Tradition, platziert Schwünge neben Stille und deutet Gefühle an, ohne sie herauszuschreien. Die Bilder dieses Tanztheaters wirken oft surreal. Neben Musik, Geschichte und Landschaften lässt Goldin sich von Literatur und Künstlern wie Felix Nussbaum oder Käthe Kollwitz inspirieren. So widmeten sich Choreographien Milena Jesenská und Federico Garcia Lorca. „In Öl und Nebel“ von 2002, mit Bezug zu Egon Schiele, ist für Goldin eines der wichtigen Werke. Aufsehen erregte auch seine „Winterreise“ zu Schubert-Liedern (2003) und „L’espace de Ravel“ (2006) mit sinfonischer Live-Musik, die auch beim neuen SatieAbend „(t)SchLU(ü)S(ß)S!?!“ zum Einsatz kommt. Bei „Myriaden“ (2006) erklingen Bachs Goldberg-Variationen vom Band. Der Tanz dazu hört auf die Musik und taucht durch sie hindurch, er behauptet eine nächtliche Wirklichkeit zwischen Wachen und Träumen. An einem Ort irgendwo im All.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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MARCUS GROLLE

www.duesseldorfer-schauspielhaus.de „Schöne neue Welt“ F: Sebastian Hoppe

For many years now, Marcus Grolle has been working in areas where dance combines with the question of reality: in cooperation with acting or with inspiration from movies, literature and life. “In my work, I am interested in the creative discourse between the art of dance/movement and the art of the word, of dance abstraction with a concrete situation.” The dancer and choreographer describes his approaches as follows: “With the help of deconstruction, I split performance situations into text and movement parts, which I then place in a new context.” Grolle was born in 1962; after studying dance and choreography in Düsseldorf and New York, he graduated from the European Dance Development Center EDDC at Arnheim Art School. In addition to this, he also trained in the martial arts of Aikido and Kung Fu. As a dancer and actor, he has worked for choreographers and directors, including Mitsuru Sasaki, Frey Faust, Timothy Buckley, Katja F.M. Wolf, Volker Hesse and Johannes Brandrup since 1985. As a choreographer, he has – since 1998 – been involved in drama productions at municipal and state theatres in Göttingen, Wilhelmshaven, Neuss, to name but a few, and – since the 2004/2005 season – he has worked regularly at the Junge Schauspielhaus, the youth division of the Düsseldorfer Schauspielhauses, staging “Ich knall Euch ab“(I’ll Shoot You Dead), “Helden für einen Tag“ (Heroes for a Day) and “Ikarus fliegt” (Icarus Flies) and the Musical “Brave New World” based on the novel by Aldous Huxley (March 2007). He has also collaborated with youngsters at school in developing dance theatre works. Grolle has been staging his own productions since 1989, at venues including Arnheim, Nijmegen and Düsseldorf. At the tanzhaus nrw, he produced “parfois l’amour, alphaville, hans lucas lebt” in 2003, based on movies by Jean Luc Godard, whereby cinematographic methods and techniques were transferred to choreography and the hovering Godard atmosphere was translated into body movement. “Blackbox Germany: Happiness” from 2006, created in collaboration with director Christine Knecht, unites video and live music with what is happening on the stage. The way various people see happiness and their search for it or their concept of a search, the urge, the lust, the failure, each forging its own path in word and movement. Grolle’s dances frequently seem to pass by the figures on the stage, like a continuation of existence with sharpened means. The handling of risk, which demands that the performer is alert without freezing with a stare on his face, is constantly in the air and seems to have become light. Grolle’s motto: “Now is a good time to decide whether you want to start. – Now? – Yes, now! – But now is so soon. – Life is so soon.”

Seit Jahren arbeitet Marcus Grolle an den Stellen, wo sich Tanz mit der Frage nach Realität kombiniert: in Kooperation mit Schauspiel oder mit Inspiration aus Film, Literatur, dem Leben. „In meiner Arbeit interessiert mich die kreative Auseinandersetzung von Tanz-/Bewegungskunst mit Wortkunst, von tänzerischer Abstraktion mit konkreter Situation. Mit Hilfe der Dekonstruktion spalte ich Spielsituationen in Text- und Bewegungsanteile, die ich anschließend neu in Beziehung setze“, beschreibt der Tänzer und Choreograph seinen Ansatz. Er wurde 1962 geboren; nach Tanz- und Choreographiestudien in Düsseldorf und New York machte er sein Diplom an der Kunsthochschule Arnheim beim European Dance Development Center EDDC. Außerdem ließ er sich in den Kampfkünsten Aikido und Kung Fu ausbilden. Als Tänzer und Schauspieler arbeitete er seit 1985 für Choreographen und Regisseure wie Mitsuru Sasaki, Frey Faust, Timothy Buckley, Katja F.M. Wolf, Volker Hesse, Johannes Brandrup. Als Choreograph ist er seit 1998 tätig für Schauspielproduktionen an städtischen und Landestheatern unter anderem in Göttingen, Wilhelmshaven, Neuss und seit der Spielzeit 2004/2005 regelmäßig am Jungen Schauspielhaus, der Jugendsparte des Düsseldorfer Schauspielhauses: bei „Ich knall Euch ab“, „Helden für einen Tag“ und „Ikarus fliegt“ und beim Musical „Schöne Neue Welt“ nach Aldous Huxleys Roman (März 2007). Auch an Schulen hat er gemeinsam mit Jugendlichen Tanztheaterstücke entwickelt. Eigene Produktionen zeigt Grolle seit 1989 unter anderem in Arnheim, Nimwegen, Düsseldorf. Am tanzhaus nrw produziert er 2003 „parfois l’amour, alphaville, hans lucas lebt“ nach Filmen von Jean Luc Godard, wobei filmische Mittel und Technik in Choreographie übertragen und die schwebende Godard-Stimmung in Körperbewegung übersetzt wird. „Blackbox Germany: Glück“ von 2006, mit der Regisseurin Christine Knecht erarbeitet, führt Video und Live-Musik mit dem Bühnengeschehen zusammen. Die Vorstellungen unterschiedlicher Leute vom Glück und ihre Suche danach oder ihre Idee von einer Suche, der Drang, die Lust, das Scheitern, alles bahnt sich seinen Weg in Wort und Bewegung. Grolles Tänze scheinen den Figuren auf der Bühne oft unmittelbar zu passieren wie eine Fortsetzung des Daseins mit verschärften Mitteln. Der Umgang mit Risiko, der vom Darsteller Wachheit erfordert, ohne starrend zu erstarren, liegt ständig in der Luft und scheint leicht geworden. Grolles Motto: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu entscheiden, ob du beginnen willst. – Jetzt? – Jawohl, jetzt! – Aber jetzt ist schon so bald. – Das Leben ist so bald.“

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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ANGIE HIESL ANGIE HIESL PRODUKTION

www.angiehiesl.de „...und HAAR und HAAR und HAAR und...“ F: Roland Kaiser

Angie Hiesl Produktion projects deal with stories of everyday life: floating non-dramatic occurrences or states, which she seems to uncover rather than invent with her action installations in spaces and with people. Time and again, the clearly defined (routines, rocks) is confronted with freedom, peculiar ideas and water. Feet in the air, hair on the floor, duplicated bodies, grass fur on tiles, trumpeters in a pool, apartments on the sidewalk. Very consciously designed at a specific position, the animated images are open for associations in several directions. One of the numerous site-specific performances was “x-times people chair,” which was mounted on house fronts in Cologne’s city center in 1995 and which has since hung over the heads of passers-by in 29 cities in Europe and South America. “TILE SKIN” premiered in Essen in 1997 and was adapted to frigid walls in Munich, Dortmund and Cologne. After “TWINS – how do I know I am me ...” (2001), which was performed inside one of Cologne’s Rhine bridges, “Family and Home – A Visit in Several Parts” (2003) was released in the Severin district of Cologne and in Warsaw. The joint venture with Schauspiel Köln “… and HAIR and HAIR and HAIR and …”, which was created in 2006, connected the former hospital ward Villa Kalk with the former industrial building Halle Kalk. Angie Hiesl was born in 1954 in the Upper Palatinate area of Germany. She grew up in Venezuela, Peru and Bonn, trained in various theater and dance methods and then studied dance and movement theater at the German Sport University Cologne from 1978 to 1982, during which time she co-founded a theatrical circus. Since 1983 she has been performing in her own solo and group performances. Cologne: In the Maschinenhalle (machine shop) and on the facade of the Stollwerck factory, in the old bath house Neptunbad, on the South Rhine bridge, in the central station. Her performances have also been seen on the banks of the Rhine, in museums, in closed coalmines, in South American cities, in Warsaw, Paris and Shangha: “I follow the necessity of a space”. They are an offer to change perspectives: home becomes foreign, and the foreign becomes a bit more familiar. Angie Hiesl develops and realizes concepts together with Roland Kaiser, who trained in pedagogics before studying theater forms and dance. He has contributed to the performances since 1997. Musicians like Gerno Bogumil, dancers and people from outside the profession are hired for each of the action installations.

Die Projekte von Angie Hiesl Produktion sind Geschichten des Alltags verwandt: schwebend undramatische Begebenheiten oder Zustände, die sie mit ihren Aktions-Installationen in Räumen und mit Leuten eher freizulegen scheint als hinzu zu erfinden. Immer wieder begegnet das Festgelegte – Routine, Steine – der Freiheit, sonderbaren Einfällen und dem Wasser. Füße in der Luft, Haare am Boden, verdoppelte Körper, Graspelz auf Kacheln, Trompeter im Pool, Wohnungen auf dem Bürgersteig. Sehr bewusst gestaltet an einem bestimmten Standpunkt, sind die belebten Bilder offen für Assoziationen in mehrere Himmelsrichtungen. Unter den zahlreichen Orts-Inszenierungen ist „x-mal Mensch Stuhl“, das 1995 an Fassaden in der Kölner Innenstadt montiert wurde und seitdem in 29 Städten Europas und Südamerikas über den Köpfen von Passanten hing. „KACHELHAUT“ startet 1997 in Essen und wird kühlen Wänden in München, Dortmund, Köln angepasst. Nach „ZWILLINGE – how do I know I am me ...“ im Deutzer Brückenkopf (2001) wird „Familie und Zuhause – Ein Besuchsprojekt in mehreren Teilen” im Kölner Severinsviertel (2003) und in Warschau an die Luft gesetzt. Das Gemeinschaftsprojekt mit dem Schauspiel Köln, „… und HAAR und HAAR und HAAR und …” von 2006 verbindet die ehemalige Krankenstation Villa Kalk mit der ehemals industriellen Halle Kalk. Angie Hiesl wurde 1954 in der Oberpfalz geboren. Sie wuchs in Venezuela, Peru und Bonn auf, studierte verschiedene Theater- und Tanzmethoden und von 1978 bis 1982 Elementaren Tanz und Bewegungstheater an der Sporthochschule Köln, währenddessen sie einen Theaterzirkus mitbegründete. Seit 1983 tritt sie in eigenen Solo- und Gruppenperformances auf oder leitet sie als Autorin. Köln: In der Maschinenhalle und an der Fassade der Stollwerck-Fabrik, im Neptunbad, an der Südbrücke, im Hauptbahnhof. Auch am Rheinufer, in Museen, auf stillgelegten Zechen und in südamerikanischen Städten, in Warschau, Paris, Shanghai siedeln sich ihre Performances an: „Ich folge der Notwendigkeit eines Ortes“. Ein Angebot auch, die Perspektive zu wechseln: Das Zuhause wird fremd, das Fremde ein bisschen gewohnter. Angie Hiesl erarbeitet Konzepte und ihre Realisierungen im Team mit Roland Kaiser nach einer pädagogischen Ausbildung experimentelle Theaterformen und Tanz studierte und seit 1997 an den Performances beteiligt ist. Zu den Aktions-Installationen werden jeweils weitere Musiker wie Gerno Bogumil, Tänzer und Branchenfremde engagiert.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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RAIMUND HOGHE

www.raimundhoghe.com „36, Avenue Georges Mandel“ F: Rosa Frank

Einfachheit, Klarheit und Knappheit,(...) noch immer voller Lebenshunger, Offenheit, Wunden, so beschrieb er die Gedichte von Rose Ausländer, die damals nur noch liegen konnte. Die Worte des Journalisten Raimund Hoghe, mit denen er von Gesprächen mit Zeitgenossen berichtete, scheinen zu passen zum Blick auf seine späteren choreographischen Werke – wo es außer ums Betrachten auch um das Erspüren der Schatten von Körpern und Dingen geht und das Entziffern von Zeichen, Bezügen. Peter Handke sah er beim Beobachten zu: Er wirkt ganz offen – als sei da keine Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt. Den Boxer Rocchigiani fragte er nach Verletzungsgefahren, und vom Aids-kranken Andreas nahm er Abschied: unter dem T-Shirt sind seine Knochen zu spüren. Die Haut scheint ganz dünn. Für „Die Zeit“ schreibt der 1949 geborene Hoghe diese Porträts (1982 – 1991). Er erhält Preise als Autor. Außerdem ist er von 1980 bis 1990 Dramaturg bei Pina Bausch, schreibt Bücher und bereist mit dem Tanztheater Wuppertal die Kontinente. In Japan sieht er Bilder von Zärtlichkeit und Gewalt im Butohtanz von Ushio Amagatsu, bei ihm sei immer auch eine große Sehnsucht zu spüren – nach direkten Erfahrungen, nach Schönheit und Veränderungen des Bestehenden. Ich denke immer an eine Zeremonie, bei der Leute für ein, zwei Stunden zusammenkommen (...) nur fünf Leute spielen, aber es ist dieselbe Zeit und derselbe Raum – und in dieser Zeit entsteht vielleicht eine Veränderung, zitiert er Amagatsu. Für den Film „Lebensträume“ sammelt Hoghe 1994 Sehnsüchte und geht im selben Jahr selbst auf die Bühne: „Meinwärts“. In 11 Stücken „spielt“ er seitdem allein, zu zweit, mit mehreren – zu Themen der deutschen Geschichte, Tanzgeschichte; Lebensgeschichten und Körperträume. Objekte und Gesten: Es sollte immer selbstverständlich und beiläufig sein und zugleich präzise und klar, sagt er 2002. Rituale. „Another Dream“, „Tanzgeschichten“, „Sacre - The Rite of Spring“, „Swan Lake, 4 Acts” und andere reisen durch Europa. In meinen Stücken benutze ich Musik, die ich als sehr schön empfinde, und Materialien, die ich schön finde. Als Kontrast setze ich meinen Körper, den man im Allgemeinen als nicht schön empfindet (2006). Klänge sind Berührung am Ohr. Nach „35, Avenue Georges Mandel“ über Maria Callas (2007) folgt ein Stück mit Ravels „Bolero“. Rose Ausländer sprach vom Warten auf Wunder, (...) die kommen müssen / wenn sich / Musik erfüllt / zur Zeit / der nackten Blüten.

Simplicity, clarity and brevity,(...) yet always full of zest for life, openness, wounds. This is how he described the poems of Rose Ausländer, who was bedridden at the time. The words of the journalist Raimund Hoghe, which he used to report on discussions with his contemporaries, seem to fit his later choreographic work. It deals not only with observing, but also with sensing the shadows of bodies and things as well as decoding signs and references. He watched Peter Handke observing: He appears very open – as if there is no boundary between the internal and the external world. He asked the boxer Rocchigiani about risks of injury and he bid farewell to the AIDS patient Andreas: his bones can be felt under the T-shirt. The skin seems very thin. Hoghe, who was born in 1949, wrote these portraits for the German newspaper “Die Zeit” between 1982 and 1991. He received awards as an author. In addition to this, he was a dramatic adviser for Pina Bausch from 1980 to 1990, he wrote books and traveled over the continents with the Tanztheater Wuppertal. In Japan he saw images of tenderness and violence in the Butoh dance of Ushio Amagatsu. Watching him, one could also always feel a great longing – for direct experience, for beauty and changes to the existing. I am always reminded of a ceremony, in which the people come together for one or two hours (...) only five people playing, but it is the same time and the same space – and in this time a change might occur,”he quoted Amagatsu as saying. For the film “Lebensträume” (24 short films about the dreams of people), Hoghe collected aspirations in 1994 and entered the stage himself that same year with the piece “Meinwärts.” Since then he has “played” in 11 pieces alone, in duets and with several others about aspects of German history, dance history, life stories and body dreams. Objects and gestures: “It should always be natural and casual while at the same time precise and clear” he said in 2002. Rituals. “Another Dream”, “Tanzgeschichten”, “Sacre - The Rite of Spring”, “Swan Lake, 4 Acts” and other trips through Europe. “In my pieces, I use music that I find very beautiful and materials that I find beautiful. As a contrast, I include my body, which is generally perceived as not being beautiful” (2006). Sounds are touch to the ear. After “35, Avenue Georges Mandel” about Maria Callas (2007), a piece with Ravel’s “Bolero” follows. Rose Ausländer spoke about waiting for miracles, (...) that have to come / when / music fulfills / at the time / of naked blossoms.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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HENRIETTA HORN FOLKWANG TANZSTUDIO (FTS)

www.folkwang-tanzstudio.de .Blauzeit. F: Georg Schreiber

In „.Blauzeit.“ wirft ein Tänzer Krabbeltierchen aus Plastik auf eine Glasscheibe und schaut ihnen zu: Durchs eigene Gewicht gezogen, lösen sich mit leisem Schmatzen einzelne Saugnapffüße, schleudern den Körper herum, finden wieder Halt, fallen ein Stück weiter, fangen sich. Rhythmus und exakte Bewegungsfolge sind nicht vorhersagbar, deshalb saugt sich der Blick an ihnen fest.

In “.Blauzeit.“, a dancer throws plastic crawling creatures on a glass pane and looks at them. Pulled down by their own weight, each little suction cup foot comes undone with a quiet smacking sound, the bodies are flung around, then they take hold again, fall a bit further and catch themselves once more. The rhythm and precise movement sequence are not predictable, which is why the gaze becomes fixed on them.

Das Unvermutete, das den Zuschauerblick staunen macht, ist eines der Merkmale von Henrietta Horns Choreographien. Doch die Aufmerksamkeit des Staunens scheint auch der Ansatz ihrer Bewegungserfindungen zu sein. Als ihr momentanes Motto nennt sie denn auch das afrikanische Sprichwort „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Wer kann es wachsen hören? Tatsächlich haben ihre Choreographien viel mit Musik zu tun – als Impulsgeberin und respektierte Mitspielerin. Mitunter tritt sie, bestehend etwa aus Mundharmonika, Rasseln oder einem Musiker-Oktett („ESHI – der Maler“), auch mit auf die Bühne. Dynamik und Rhythmus sind auch die grundlegenden Elemente des Tanzes selbst, der oft die Leichtigkeit alltäglicher Bewegungen, ihre Unmittelbarkeit, mit einer partiturähnlichen Komplexität und Präzision paart. Das neue Stück von 2007, eine Zusammenarbeit mit dem Musiker Jens Thomas, fragt nach der Planbarkeit von Unvorhersagbarem: „Welche Strukturen sind möglich und nötig, um allen Beteiligten größtmögliche Freiheit zu gewähren?“ Ohne dass diese zum Selbstzweck werde: „Denn auf der Bühne geht es nicht um einen selbst, sondern darum, dass der Zuschauer etwas bekommt“, wie es Henrietta Horn einmal formulierte.

The unexpected, that which dazzles the audience‘s gaze, is one of the characteristics of Henrietta Horn‘s choreographies. But the concentration of amazement also seems to be the approach she takes to inventing movement. She says her current motto is the African saying, “the grass won‘t grow faster if you pull it.“ Who can hear it growing? In reality her choreographies have a lot to do with music – as a provider of impulses and respected member of the team. It sometimes even enters the stage as a harmonica, rattle or a musician octet (“ESHI – der Maler“). Dynamics and rhythm are also basic elements of the dance itself, which often couples the lightness of everyday movement, its immediacy, with a score-like complexity and precision. The new piece for 2007, which is a collaboration with the musician Jens Thomas, questions the ability to plan the unpredictable. “Which structures are possible and necessary to grant all participants the greatest possible level of freedom?“ Without this becoming an end in itself: “Because on stage it‘s not about oneself, but about whether the audience receives something,“ as Henrietta Horn once said. She was born in Berlin in 1968 and studied dance at the German Sport University Cologne. She won first prizes for short solo works there. After her studies at the Folkwang Hochschule from 1992 to 1996, she worked as a freelance choreographer. Since that time, her work has been shown around the world from Reykjavik to Kyoto. Since 1999 she has been directing the Folkwang Tanzstudio together with Pina Bausch and she develops a choreography each year with this ten-person ensemble. Some of these pieces include the mystical/ceremonial “Itambé“ from 1999, “Auftaucher“ from 2001 on a thin interpersonal layer of ice, “ESHI – der Maler“ with dancers as Bunraku puppets and puppeteers (2002), the lively “Artischocke im Silbersee“ and “.Blauzeit.“ (2006), in the held breath of which four-legged and two-legged creatures move across the stage like bugs, iridescent with anticipation.

Sie wurde 1968 in Berlin geboren und studierte Elementaren Tanz an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort bekam sie für kurze Soli erste Preise. Nach dem Studium an der Folkwang Hochschule von 1992 bis 1996 arbeitet sie als freie Choreographin. Ihre Werke werden seitdem weltweit, von Reykjavik bis Kyoto, gezeigt. Seit 1999 leitet sie, mit Pina Bausch, das Folkwang Tanzstudio, mit dessen zehnköpfigem Ensemble sie jährlich eine Choreographie erarbeitet. Darunter sind das mystisch-zeremonielle „Itambé“ von 1999, „Auftaucher“ von 2001, auf dünner zwischenmenschlicher Eisdecke, „ESHI – der Maler“ mit Tänzern als Bunraku-Figuren und -Figurenspielern (2002), die muntere „Artischocke im Silbersee“ und „.Blauzeit.“ (2006), eine Art heure bleue, in deren angehaltenem Atem vier- und zweifüßige Wesen über die Bühne treiben wie Käfer, schillernd vor Erwartung.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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IN-JUNG JUN COMPANY BLUE ELEPHANT

„Gift“ F: Hyun-Jun Lee

It is no coincidence that she has named her new production “Gift.“ And if it should refer to the German word “Gift“, which means poison, then it refers to the type found in fairy tales, the effect of which can be broken by the kiss of a Prince. In-Jung Jun sees her pieces as gifts to the audience and she would prefer not to offer a product but the development process itself, which she deems so precious. Since 2002 she has been creating work with an ever-changing team of similarly thinking artists from various genres as the Company Blue Elephant. She has been combining elements like this ever since the beginning of her artistic development in Korea. Born in 1972 in Seoul, she went to the Sunhwa High School of the Arts and the Seongkyunkwan University where she studied ballet, contemporary and traditional dance to then work for two years as a freelance dancer and choreographer. In 1995 she received a scholarship to attend the American Dance Festival in Durham. From 1996 to 2000 she danced in the ensemble SPAC (Tadeshi Suzuki‘s cultural center) in Japan with Jean-Claude Galotta. Then she choreographed “Swell – 6 Frames“ and other pieces in Seoul before moving to Germany “in hopes of expanding my horizon,“ she says.

Es ist wohl kein Zufall, dass sie die neue Produktion „Gift“ nennt: Geschenk. Und falls es sich doch um deutsches Gift handeln sollte, dann ein märchenhaftes, dessen erstarrende Wirkung der Kuss eines Prinzen aufheben kann. In-Jung Jun versteht ihre Bühnenwerke als Geschenke ans Publikum und würde am liebsten kein Produkt darbieten, sondern den Entstehungsprozess, der ihr selbst so kostbar ist. Mit ähnlich denkenden Künstlern verschiedener Sparten arbeitet sie, in wechselnder Besetzung, seit 2002 in ihrer Company Blue Elephant zusammen. Dieses Kombinieren suchte sie schon bei ihren künstlerischen Anfängen in Korea. 1972 in Seoul geboren, besuchte sie dort die Sunhwa High School of the Arts und die Seongkyunkwan University, wo sie Ballett, zeitgenössischen und traditionellen Tanz studierte, um danach zwei Jahre freischaffend als Tänzerin und Choreographin zu arbeiteten. 1995 erhält sie ein Stipendium des American Dance Festivals in Durham. Von 1996 bis 2000 tanzt sie in Japan im Ensemble SPAC (des Kulturzentrums von Tadeshi Suzuki) bei Jean-Claude Galotta. In Seoul choreographiert sie dann u.a. „Swell – 6 Frames“, bevor sie nach Deutschland zieht, „in der Hoffnung, meinen Horizont zu erweitern“. 2001 assistiert sie Rodolpho Leoni und Vera Sander und bringt ihr Solo „Aufgezogenes Uhrwerk“ am tanzhaus nrw heraus, das fortan Koproduktionspartner für alle folgenden Stücke ist. „O2 – Hole, 2 meters deep“ choreographiert sie für vier Tänzer. „This or That“ für sich selbst als Solistin. Die Duos „Boxring“ und „you&me“ zeigt sie in Düsseldorf, am Corzo Theatre in Den Haag und letzteres beim Pusan Dance Festival in Korea. 2005 erarbeitet sie „Golden Helmet“ – auf den Spuren eines unbändigen Lebensgefühls in Koreas Hauptstadt – mit fünf Tänzern und drei Musikern, das sie nach der Premiere in Düsseldorf in Frankfurt a.M., Hagen, Bern und Seoul zeigt. Im selben Jahr erhält sie den Förderpreis darstellende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen und 2006 denjenigen der Stadt Düsseldorf.

In 2001 she assisted Rodolpho Leoni and Vera Sander and released her solo “Aufgezogenes Uhrwerk“ at tanzhaus nrw, which would become her coproduction partner for all of her subsequent work. She then choreographed “O2 – Hole, 2 meters deep“ for four dancers. And then “This or That“ for herself as a soloist. She presented the duets “Boxring“ and “you&me“ in Düsseldorf, at the Corzo Theatre in Den Haag and the latter one at the Pusan Dance Festival in Korea. In 2005 she created “Golden Helmet“ based on the unruly attitude towards life felt in Korea‘s capital city with five dancers and three musicians. After the premiere in Düsseldorf, she went on to show this work in Frankfurt a.M., Hagen, Bern and Seoul. In the same year she received the award for performing arts from North Rhine-Westphalia and then from the City of Düsseldorf in 2006.

Es gebe nichts Neues, aber stets neue Herausforderungen, sagt In-Jung Jun. Die Zusammenarbeit mit Tänzern, Schauspielern, Musikern in „Gift“ hat ihren Ursprung im internationalen interdisziplinären Künstlerlabor COLINA 2005 am tanzhaus nrw. Aus der Lust am Probieren, an eigenwilligen Figuren und überraschenden Begegnungen schnürt die Choreographin ein Päckchen, aus dem, geöffnet, ein Reigen spielerischer Szenen über die Bühne weht.

“There is nothing new, but there are always new challenges,“ says In-Jung Jun. The collaboration with dancers, actors and musicians in “Gift“ has its roots in the international interdisciplinary artistic laboratory COLINA 2005 at tanzhaus nrw. The choreographer harnesses the joy of experimenting, the idiosyncratic characters and surprising encounters to present a package which, when opened, releases a dance of playful scenes across the stage.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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RODOLPHO LEONI RODOLPHO LEONI DANCE

www.leoni-dance.de „Mesh” F: Ursula Kaufmann

“The most basic visual entity is the point. The point has no size, but it has a location.” This is how Rodolpho Leoni describes the starting point for his latest production “Mesh”, which premiered at the PACT Zollverein in April 2007. A point is not standstill. As when you patiently and closely observe concrete items or relationships and discover that the structures move and the molecules are in motion, Leoni finds an infinite number of ways to combine movements in the finite limbs and joints of humans. “There is simply more air here” is the reason why he works in NRW and not, for example in Berlin. And it is precisely the airiness of a room, a distance between dancers, between parts of the body, bones and small bones that characterise what is so special about many of his choreographies. The joints between speeds, the synapses between shapes. In Brazil, where he was born in Campo Grande in 1963, Rodolpho Leoni began studying dance, before continuing his training in New York from 1985 onwards at the Martha Graham School for Contemporary Dance and with teachers for classical ballet and studying the Muller technique. While in New York, he danced for various companies and moved to Germany in 1988. In the following years, he performed for Mark Sieczkarek among others, had guest appearances in Robert Wilson’s “Doctor Faustus lights the lights” and toured with his solo “Verdi Prati” to the Festival d’Avignon and to Vienna, among other places. With “Foggy”, which celebrated its world premiere at the 1996 Dance Platform Germany in Frankfurt am Main, he established rodolpho leoni dance, the ensemble with which he has staged a full-evening choreography once a year ever since, including “The Thread”, “Kess Keton”, “Baud”, “Speak”, all having their world premieres at tanzhaus nrw. “The trust of long-term collaboration continually brings out new impulses and qualities,” Leoni states with regard to his company and dancers who are regular performers in his troupe. In 2005/2006, Leoni received the 5th German Producer Award for Choreography. Leoni has also been in demand as a commissioned and guest choreographer with municipal companies in Detmold, Greifswald, Nuremberg, St. Gallen and Bremen among other places, as well as for the Palucca School Dresden and, in 2006, for the Folkwang Tanzstudio. He has also been a permanent member of the staff in Essen-Werden since December 2006, where he is Professor for Contemporary Dance and Choreography at the Folkwang Hochschule.

Was ist ein Punkt? Er hat keine Ausdehnung, keine Größe, nur einen Ort. „The most basic visual entity is the point. The point has no size, but it has a location.” Damit beschreibt Rodolpho Leoni die Anfangsidee seiner neuesten Produktion „Mesh“, die im April 2007 auf PACT Zollverein Premiere hatte. Ein Punkt ist nicht Stillstand. So wie man beim nahen und geduldigen Betrachten fester Dinge oder Beziehungen feststellt, dass die Strukturen sich bewegen und die Moleküle wimmeln, so findet Leoni in den abzählbaren Gliedern und Gelenken eines Menschen unzählbar viele Möglichkeiten Bewegungen zu kombinieren. „Hier ist einfach mehr Luft“, so begründet er, warum er gerade in NRW und nicht, zum Beispiel, in Berlin arbeite. Und eben die Luftigkeit eines Raums, einer Entfernung zwischen Tänzern, zwischen Körperteilen, Knochen und Knöchelchen macht die Besonderheit vieler seiner Choreographien aus. Die Gelenke zwischen Geschwindigkeiten, die Synapsen zwischen Formen. In Brasilien, wo er 1963 in Campo Grande geboren wurde, begann Rodolpho Leoni sein Tanzstudium, das er ab 1985 in New York fortsetzte: an der Martha Graham School for Contemporary Dance und bei Lehrern für klassisches Ballett und Muller-Technik; und wo er auch in einigen Kompanien tanzte. 1988 zieht er nach Deutschland, tanzt in den folgenden Jahren u.a. für Mark Sieczkarek, spielt als Gast in Robert Wilsons „Doctor Faustus lights the lights“ und reist dem Solo „Verdi Prati“ u.a. zum Festival d’Avignon und nach Wien. Mit „Foggy“, das auf der Tanzplattform Deutschland 1996 Premiere hat, gründet er rodolpho leoni dance, das Ensemble, mit dem er seitdem jährlich eine abendfüllende Choreographie produziert, darunter „The Thread“, „Kess Keton“, „Baud“, „Speak“, alle uraufgeführt im tanzhaus nrw. „Das Vertrauen der langjährigen Zusammenarbeit bringt immer wieder neue Impulse und Qualitäten hervor“, sagt er in Bezug auf seine Kompanie und Tänzerinnen, die immer wieder dabei sind. 2005/2006 erhält er den 5. Deutschen Produzentenpreis für Choreographie. Gefragt ist Leoni auch als Auftrags- und Gastchoreograph für städtische Kompanien u.a. in Detmold, Greifswald, Nürnberg, St. Gallen und Bremen sowie für die Palucca Schule Dresden und 2006 fürs Folkwang Tanzstudio. In Essen-Werden ist er seit Dezember 2006 auch fest engagiert: Er hat die Professur für Zeitgenössischen Tanz und Choreographie an der Folkwang Hochschule inne.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Claudia Lichtblau

www.claudia-lichtblau.de

„carne - vale” F: Georg Schreiber

Feet on debris, steps on tracks, hands on steel and words into the void. Those who see this are also in the landscape of man-made and used terrain, in the ruins of an industry that once drilled into the inside of the earth. At some point it was over and it was shut down. The choreographer Claudia Lichtblau plumbs the depths of this shut-down unearthed substrata in her pieces. And she taps into people, and into the inhospitality seeping out of them, in this environment that is also their own. Claudia Lichtblau was one of the first in the region to do what is now called site-specific work. She studied dance at the Folkwang Hochschule in Essen and names Jean Cébron, who further developed the Jooss-Leeder method, as her true teacher. She danced with the Folkwang Tanzstudio, created her own solo and ensemble choreographies and started collaborating with the dancer Matthias Hartmann, who continues to dance in her pieces, sometimes alone and sometimes with other performers. After projects with Chandralekha in Madras, she taught at the Folkwang Hochschule. She has been working independently with her ensemble since 1990. In 1991 she kicked off the first Festival Meeting Neuer Tanz NRW with her production “SchwarzRotGold.“ In 1992 she discovered the former coal mine Zeche Zollverein in Essen and, without previously having planned to do so, she has since made 13 productions (“Zyklus/Zeche“) there at many of the halls, buildings, stockpiles, waste land and then later in the buildings renovated for cultural use. Among these was the night performance “rothegang/untergrund“ shown in 1994 as part of the first international dance fair NRW, “Unmoored – Nachspiel“ and “Arktisches Tryptichon. Projektionen für zwei Personen”, in which the human form becomes entirely unreal as projections on tile walls. In “Anthropologoi. Szenisches Geschehen für einen Solisten und Apparaturen“ (2003), a single dancer is exposed to the ruinous encroachment of screen media on his existence. She created the pieces “carne – vale. Spiel im Raum für zwei Personen“ (2004) and “Palimpseste“ (2005) for the salt storage building of the Kokerei Zollverein coking plant. In 2007 she is presenting “subscripts 1 gewölle“ and, for Hall 5 of the cultural heritage site Zollverein, she is creating “Neuer Titel: Lotus.Belhaven.Blue Point. Bühnenstück für einen Solisten”. Claudia Lichtblau has also been working on commission for other unusual locations since 1994.

Füße auf Geröll, Schritte an Schienen, Hände auf Stahl und Worte ins Leere. Wer sich das ansieht, ist auch mit drin in der Landschaft, im von Menschen geschaffenen und abgenutzten Gelände, in den Ruinen einer Industrie, die sich einst ins Innere der Erde bohrte. Irgendwann war Schluss und sie wurde still gelegt. In das Stillgelegte auf dem durchwühlten Untergrund horcht die Choreographin Claudia Lichtblau mit ihren Werken hinein. Und sie horcht in den Menschen hinein und wie aus ihm in dieser Umgebung etwas von der Unwirtlichkeit herausquillt, die ja auch seine ist. Claudia Lichtblau war eine der ersten, die in der Region das machte, was heute als site-specific work bezeichnet wird. Sie studierte Tanz an der Folkwang Hochschule Essen und nennt unter ihren Dozenten Jean Cébron, der die JoossLeeder-Methode weiterentwickelte, ihren eigentlichen Lehrer. Sie tanzte beim Folkwang Tanzstudio, schuf auch eigene Solo- und Ensemblechoreographien und begann die Zusammenarbeit mit dem Tänzer Matthias Hartmann, der bis heute mal solo, mal mit anderen Tänzern in ihren Werken auftritt. Nach Projekten mit Chandralekha in Madras unterrichtet sie an der Folkwang Hochschule. Seit 1990 arbeitet sie freischaffend mit ihrem Ensemble. 1991 eröffnet ihre Produktion „SchwarzRotGold“ das erste Festival Meeting Neuer Tanz NRW. 1992 entdeckt sie das Areal der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen, und es entstehen dort, ohne anfänglich geplant zu sein, bisher 13 Inszenierungen („Zyklus/Zeche“) an etlichen Orten, Hallen, Halden, Brachen und später auch in den für Kulturnutzung aufbereiteten Gebäuden. Darunter sind 1994 die Nachtperformance „rothegang/untergrund“ zum Programm der ersten Internationalen Tanzmesse NRW, „Unmoored – Nachspiel“, „Arktisches Tryptichon. Projektionen für zwei Personen“, in dem die menschliche Gestalt gänzlich unwirklich, zur Projektion auf Kachelwänden, wird. In „Anthropologoi. Szenisches Geschehen für einen Solisten und Apparaturen“ (2003) ist ein einzelner Tänzer dem ruinösen Eingriff der Bildschirmmedien in sein Dasein ausgeliefert. Für das Salzlager der Kokerei Zollverein werden 2004 „carne – vale. Spiel im Raum für zwei Personen“ und 2005 „Palimpseste“ geschaffen. 2007 folgen „subscripts 1 gewölle“, und für Halle 5 des Weltkulturerbes Zollverein entsteht „Neuer Titel: Lotus.Belhaven.Blue Point. Bühnenstück für einen Solisten“. Daneben nimmt Claudia Lichtblau seit 1994 auch Inszenierungsaufträge für andere ungewohnte Orte an.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Amanda Miller pretty ugly tanz köln

www.pretty-ugly.de „Oberon‘s Flower” F: Joachim Hirschfeld

Placing the feet in fresh-fallen snow. Sometimes her dances look like this. Wherever someone goes, something is already there. An imaginary line connects two people and is intersected by a third. The new connection is itself traversed. Braided paths, running through the gaps – Amanda Miller integrated these awareness games in her piece “Pretty Ugly“ in 1988. She was later to name her company after this piece. Movement makes these spaces visible and changes them at the same time: where there is nothing, something is dancing. There is no grounding here. Even the bodies seem to be made up of the fluffy substance and to squirm and oscillate in their own gaps. Thus dance becomes casual instead of representing and asserting something definite. Its tracks will soon be whisked away. Amanda Miller was born in 1961, received her dance training in North Carolina and New York, and then danced with the Chicago Lyrical Opera Ballet and from 1980 to 1982 at the Deutsche Oper Berlin. In 1984 William Forsythe hired her for Ballett Frankfurt, for which she went on to create choreographic work. She collaborated with composers such as Heiner Goebbels and Fred Frith and established her own company in 1992, with which she toured worldwide. In 1994 her piece “Night by Itself” and her ensemble received the first-place awards at the Rencontres Choréographiques de Bagnolet. As a choreographer, she has continued to work for other companies such as Batsheva Dance Company, Gulbenkian Ballett, Balletto di Toscana and Scapino Ballet Rotterdam, with which she staged “Four for nothing” and won the choreographer award Zwaan in 2003. The cooperation between her Pretty Ugly Dance Company and the municipal theater of Freiburg from 1997 to 2004 provided a temporary home and, during this time, she premiered 21 reopenings and new productions. In 2005 the ensemble became a limited liability company and entered a similar agreement with the theater of Cologne, where she has staged “Oberon’s Flower – Who do you love?” based on Shakespeare’s “A Midsummer Night’s Dream”, “Four for Nothing” to Bach’s Brandenburg concertos, the Miller solo “Paralipomena”, “Pretty Ugly” and “Kunst der Fuge”. Her most recent works include “Giselle – on love and other difficulties”, “Signs on Fire” and two projects developed with Tibetan monks “Debates for Ganden” and “Inimitable”. Her duet “Fair is foul and foul is fair” deals with friendships, losses and the lives of dancers. Passing through has an apekt of permeability.

Die Füße in Neuschnee setzen. Manchmal sehen ihre Tänze so aus. Wohin jemand geht, da ist schon etwas. Eine imaginäre Linie verbindet zwei Leute und wird vom Dritten gekreuzt, die neue Verbindung wird wiederum durchquert. Wegeflechten, durch Zwischenräume laufen – dieses Aufmerksamkeitsspiel baut Amanda Miller 1988 in ihr Stück „Pretty Ugly“ ein, nach dem sie später ihre Kompanie benennt. Bewegung macht diese Räume sichtbar und verändert sie sogleich: Wo nichts ist, tanzt etwas. Hier gibt es keinen Halt. Auch die Körper scheinen aus der flockigen Substanz zu bestehen und sich in ihre eigenen Zwischenräume zu winden und zu schwingen. So wird der Tanz beiläufig, statt etwas Bestimmtes darzustellen und zu behaupten. Seine Spuren, weiß er, verwehen sofort. Amanda Miller, geboren 1961, tanzte, nach ihrer Ausbildung in North Carolina und New York, beim Chicago Lyrical Opera Ballet und von 1980 bis 1982 an der Deutschen Oper Berlin. 1984 engagiert William Forsythe sie ans Ballett Frankfurt, für das sie später auch choreographiert. 1992 gründet sie, die auch mit Komponisten wie Heiner Goebbels und Fred Frith kooperiert, ihre eigene Kompanie und gibt weltweit Gastspiele. 1994 erhalten ihr „Night by Itself“ und ihr Ensemble die Ersten Preise bei den Rencontres Choréographiques de Bagnolet. Als Choreographin arbeitet sie bis heute auch für andere Kompanien, wie Batsheva Dance Company, Gulbenkian Ballett, Balletto di Toscana und Scapino Ballet Rotterdam, für dessen Einstudierung von „Four for nothing“ ihr 2003 der Choreographenpreis Zwaan zugesprochen wird. Die Kooperation ihrer Pretty Ugly Dance Company mit dem Stadttheater Freiburg von 1997 bis 2004 bietet eine temporär feste Bleibe, und sie bringt in dieser Zeit 21 Premieren mit Wiederaufnahmen und Neuproduktionen heraus. Ab 2005 ist die Kompanie als GmbH auf ähnliche Weise mit den Bühnen Köln verbunden, wo sie „Oberon’s Flower – Who do you love?“ nach Shakespeares „Sommernachtstraum“, „Four for Nothing“ zu Bachs Brandenburgischen Konzerten, das Miller-Solo „Paralipomena“ und „Pretty Ugly“ sowie die von einem Streicherensemble begleitete „Kunst der Fuge“ neu einstudiert. Neu sind „Giselle – on love and other difficulties“, „Signs on Fire” und die mit tibetischen Mönchen erarbeiteten „Debates for Ganden“ und „Inimitable“. Im Duett „Fair is foul and foul is fair“ geht es um Freundschaften, Verluste, Tänzerleben. Hindurchgehen ist wie Hindurchlassen.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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MOVINGTHEATRE.DE ACHIM CONRAD MASSIMO GERARDI EMANUELE SOAVI

www.movingtheatre.de „POP EYE“ F: www.bildautor.de

Established in 1997 as movingtheatre.de, the company has been including dance in its productions since 2003. The Cologne-based ensemble without a home venue of its own produces theater pieces (in touring form), music and film projects, and the area of dance is its “biggest and most aspiring,“ as actor, director and head of the ensemble Achim Conrad says. He manages the company with the choreographers Massimo Gerardi and Emanuele Soavi. In 2006 they won both the Cologne Theater Award and the Cologne Dance award. Conrad, who was born in 1965, performed in theater plays and musicals at the Volkstheater and Burgtheater in Vienna, at theaters in Dortmund, Mainz, Wuppertal and in dance theater productions in the Netherlands. Massimo Gerardi, who was born in Italy in 1966, danced with Teatro La Fenice in Venice and with ATERballetto. At the age of 21, he danced with Stadttheater Augsburg and then went on to perform in Nuremberg, Dortmund, Linz and Oldenburg. As a choreographer, he worked for municipal theaters in Oldenburg, Stralsund-Greifswald, Kiel, Prague and Paris and he won competitions in Hanover, Florence and Treviso. The Italian native Emanuele Soavi, who was born in 1973, worked as a dancer with Teatro Opera di Roma, Teatro La Fenice, Balletto di Toscana, Ballett Dortmund and at Introdans and also worked as a choreographer. The dancers in their productions are often concurrently members of other permanent ensembles. movingtheatre.de is on an ongoing exploration of the interface between language and dance, a dynamic contemporary style with many partnering elements. In 2003 they launched a four-part production series about the senses. In “Can you hear me?“- a piece for four dancers and one actor, the focus was placed on hearing. It deals with the audibility of movement, how individuals get others to hear them in their own ways and for various reasons as well as the successes and failures of making contact. “Detailed Fingerprints,“ which dealt with the sense of touch, placed four dancers and two actors on, under and in between washable plastic foil. A contrast of surfaces: impersonal plastic and individual skin, which feels and allows the body to respond. After “Intense,“ which dealt with smell and taste, the sense of sight was observed in “POP EYE“ (2006). This piece explored concealment by showing - poses, virtuosity - and the exposure of secret feelings. “TEARS,” which is a co-production with the Theater Aachen (2006), brings a dancer, a singer and video projections together and lets the dance flow. “Pinocchio‘s journey in the new world,“ which premiered in January 2007, is the first children’s piece.

In dem, was seit 1997 movingtheatre.de heißt, steckt seit 2003 auch Tanz. Das Kölner Ensemble ohne feste Spielstätte produziert Schauspielstücke (im tourfähigen Format), Musik- und Filmprojekte, und ihre Tanzsparte ist „die größte und aufstrebendste“, wie Schauspieler, Regisseur und Ensemblechef Achim Conrad sagt, der sie mit den Choreographen Massimo Gerardi und Emanuele Soavi leitet. 2006 gewinnen sie gleich zwei Preise, den Kölner Theater- und den Tanzpreis. Conrad, geboren 1965, wurde für Schauspiel und Musicals engagiert u.a. in Wien am Volkstheater und Burgtheater, an Bühnen in Dortmund, Mainz, Wuppertal und bei Tanztheaterproduktionen in den Niederlanden. Massimo Gerardi, 1966 in Italien geboren, tanzte am Teatro La Fenice in Venedig und beim ATERballetto, mit 21 Jahren am Stadttheater Augsburg, danach in Nürnberg, Dortmund, Linz, Oldenburg. Als Choreograph arbeitete er für Stadttheater in Oldenburg, Stralsund-Greifswald, Kiel und in Prag und Paris, gewann Wettbewerbe in Hannover, Florenz und Treviso. Der Italiener Emanuele Soavi, Jahrgang 1973, war als Tänzer beim Teatro Opera di Roma, Teatro La Fenice, Balletto di Toscana, Ballett Dortmund und bei Introdans engagiert und arbeitete auch choreographisch. Die Tänzer in ihren Produktionen sind oft gleichzeitig Mitglieder anderer fester Ensembles. Stets sucht movingtheatre.de eine Verbindung von Sprache und Tanz, einen dynamisch zeitgenössischen Stil mit vielen Partnering-Elementen. 2003 beginnen sie eine vierteilige Produktionsreihe über die Sinne. Bei „Can you hear me?“ für vier Tänzer und einen Schauspieler steht das Hören im Vordergrund, auch die Hörbarkeit von Bewegung, wie sich Menschen auf je eigene Weise und aus verschiedenen Gründen bei anderen Gehör verschaffen und wie Kontaktaufnahme gelingen oder scheitern kann. „Detailed Fingerprints“ zum Tastsinn stellt vier Tänzer und zwei Schauspieler auf, unter und zwischen abwaschbare Folie. Ein Kontrast der Oberflächen: unpersönliches Plastik und individuelle Haut, die fühlt und den Körper reagieren lässt. Nach „Intense“ zum Riechen und Schmecken geht es beim Sehen in „POP EYE“ (2006) ums Verbergen durch Zeigen – Posen, Virtuosität – und das Entblößen von heimlichen Gefühlen. „Tears/Tränen. Anleitung zum Glücklichsein“, eine Koproduktion mit dem Theater Aachen (2006) bringt Tänzer, eine Sängerin und Videoprojektionen zusammen und lässt den Tanz fließen. „Pinocchios Reise in die neue Welt“ von 2007 ist das erste Stück für Kinder.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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MORGAN NARDI LUDICA

www.ludica.de „Koko Doko” F: Wiebke Rompel

There are fantasies that permeate walls and skulls. You think you are standing in front of a Vermeer painting, but then a camera travels through the old masters gallery of a house with toy proportions and the house is a depiction of the room in which the audience finds itself looking at the depiction and at the video projection and at a surreal couple with animal masks eating cookies shaped like speech balloons. The doors to this room of images consist of puzzles, even though (or even because) they seem familiar at first glance. LUDICA playfully combines movement and visual art. They enter a symbiosis without losing their specific perceptions. 1 + 1 = 4. It‘s about the dialog between the artists and the arts in light of the idea which reveals a significant twist. The ideas behind the doors are rooted in literature, film, architecture, philosophy, and in the movement and visual arts themselves.

Es sind Phantasien, die sich durch Wände und durch Schädeldecken bohren. Man meint, vor einem Vermeer-Bild zu stehen, doch wandert eine Kamera durch die Alte-Meister-Galerie eines Hauses im Spielzeugformat, und das Haus ist ein Abbild des Raumes, in dem sich der Zuschauer befindet, der auf das Abbild schaut und auf die Video-Projektion und auf ein unwirkliches Paar mit Tiermasken und dabei sprechblasenförmige Kekse verspeist. Die Türen zu diesen Bilderräumen bestehen aus Rätseln, obwohl – oder weil – sie auf den ersten Blick bekannt anmuten. Bewegung und visuelle Kunst verbindet LUDICA auf spielerische Weise; sie gehen eine Symbiose ein, ohne dabei ihre präzise Wahrnehmung zu verlieren. Aus 1+1 werde 4. Es geht, heißt es, um den Dialog der Künstler und der Künste im Angesicht der Idee, deren einer entscheidender Dreh zu finden ist. Jene Ideen hinter den Türen wurzeln in Literatur, Film, Architektur, Philosophie und in der Bewegungsund Bilderkunst selbst.

Established in 2001, LUDICA is made up of the dancer/choreographer Morgan Nardi and the visual artist Naoko Tanaka and is extended to include performers and musicians depending on the production. Nardi was born in 1963 and obtained his dance training in Ascoli Piceno, Florence and Cannes. After two years dancing in shows for the Italian television broadcaster RAI, he started working in municipal theaters and independent companies starting in 1986. Among other places, his career path has included Florence, Bologna, Berlin, Cologne and Düsseldorf. From 1995 to 1998 he worked as a dancer with NEUER TANZ. Naoko Tanaka was born in 1975, studied painting in Tokyo and came to the Düsseldorf Arts Academy on a scholarship in 1999. Among other places her work has been shown in individual and group exhibitions in Tokyo, Amsterdam, Berlin and Düsseldorf since 1995. The LUDICA production “Von Rosen, da beißt sie ab“ (2001) was shown in Düsseldorf and Cologne and received the first place Tendances 2002 award at the festival Cour de Capucins in Luxemburg. They presented “Das Orchideenzimmer“ in 2003 at tanzhaus nrw among other places. “1, (eins Komma)“ for one and a half performers was selected for the series “Tanzstraße 2004 – contemporary dance in North Rhine-Westphalia“ and was performed within the context of “Germany in Japan“ in Tokyo in 2005. “songofmyself“ and “W double you“ premiered in 2004 in Luxemburg. “Koko Doko“ (where is here?) was created in 2006 in collaboration with Kubilai Khan investigations from Toulon and shown in Düsseldorf und Paris as part of the festival TEMPS D’IMAGES. LUDICA installed “the Corner“ with Sven Kuntu in Tallinn in 2007.

LUDICA besteht seit 2001 aus dem Tänzer und Choreographen Morgan Nardi und Naoko Tanaka, visual artist, und wird, je nach Produktion, mit Performern und Musikern ergänzt. Nardi, Jahrgang 1963, erhielt seine Tanzausbildung in Ascoli Piceno, Florenz und Cannes; nach zwei Jahren Engagement als Tänzer in Shows des RAI-TV-Senders arbeitet er ab 1986 in städtischen Theatern und freien Kompanien u.a. in Florenz, Bologna, Berlin, Köln, Düsseldorf, darunter 1995 bis 1998 bei NEUER TANZ. Naoko Tanaka, 1975 geboren, studierte Malerei in Tokio und kam mit einen Stipendium 1999 an die Kunstakademie Düsseldorf. In Einzel- und Gruppenausstellungen sind ihre Arbeiten seit 1995 u.a. in Tokio, Amsterdam, Berlin und Düsseldorf zu sehen. Die LUDICA-Produktion „Von Rosen, da beißt sie ab“ (2001) wird in Düsseldorf und Köln gezeigt und beim Festival Cour de Capucins in Luxemburg mit dem 1. Preis Tendances 2002 ausgezeichnet. In „Das Orchideenzimmer“ laden sie 2003 u.a. im tanzhaus nrw ein. „1, (eins Komma)“ für eineinhalb Darsteller nimmt teil an der „Tanzstraße 2004 – zeitgenössischer Tanz in NRW“ und gastiert im Rahmen des „Deutschland in Japan“-Jahres 2005 in Tokio. „songofmyself“ und „W double you“ haben 2004 Premiere in Luxemburg. „Koko Doko“ (Wo ist hier?) von 2006, eine Kooperation mit Kubilai Khan investigations aus Toulon, wird im Rahmen des Festivals TEMPS D’IMAGES in Düsseldorf und Paris gezeigt. Mit Sven Kuntu installiert LUDICA 2007 in Tallinn „the Corner“.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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LORCA RENOUX RENEGADE THEATRE

www.renegade-theatre.de „Cage” F: Wiebke Rompel

He has always done a lot of sports and his first contact with art was at the beginning of his activity in the graffiti scene when he was 13 he says. Lorca Renoux was born in Evry, France in 1971 and later moved to Montreuil on the outskirts of Paris. He studied sports education in Paris and started dancing there. He quit his studies to focus entirely on dance and switched to the Folkwang Hochschule “to learn techniques to loosen my shoulders“, he says. He worked with Malou Airaudo and danced for Pina Bausch‘s Wuppertaler Tanztheater in the 1997/1998 season. After completing his studies, he concentrated on socio-cultural work with the artist collective TVEAC/Tiens voilà encore autre chose, which he established together with the Chilean expatriate painter Vladimir Cruells and with whom they have been offering yearly workshops to Palestinians in Hebron since 2001, among other things. He was also involved in founding the company les petits poissons with Samir Akika and Alexandru Catona. From 1997 to 2000, he choreographed three pieces for the company including “Caulerpa taxifolia“. In France he collaborated with storytellers and puppeteers. In 1999 he was hired for an opera project by Yoshi Oida in Rouen. He has also danced in productions by Markus Michalowski and Magyar Éva. In 2003 he started his collaboration with the Renegade Theatre, which was established that year at the Flottmann-Hallen in Herne by Zekai Fenerci and the theater director Markus Michalowski. The four productions created thus far have been characterized by a combination of hip-hop, dance performance, artistry, acting, video and graffiti with an ever-changing international ensemble. In the Romeo and Juliet piece “Rumble“ (2003), the conflict between clans was performed as a hip-hop battle. The piece obtained awards at the Edinburgh Fringe Festival among other places and went on tour through Europe and to Africa. In “Cage“ (2006), Renoux and Michalowski staged the fight for the right way of life: properly blending in with the masses, conforming to market economics or dancing freely. The heart of hip-hop includes resisting unjust constraints and expressing oneself as an individual against social prejudices. Projects like those made by Renegade Theatre are based on the conviction that the style, strength, skill, and maybe even the humor and sense of community embodied by street dance should have its place on the stages alongside other dance forms.

Er machte schon immer viel Sport, sein erster Kontakt mit Kunst war, mit 13 Jahren, der Beginn seiner jahrelangen Aktivität in der Graffitiszene, sagt er. Lorca Renoux wurde 1971 in Evry in Frankreich geboren, wohnte später in Montreuil am Rande von Paris. Er studierte Sportpädagogik in Paris und begann dabei mit dem Tanz. Er brach das Studium ab, um nur noch zu tanzen und wechselte zur Folkwang Hochschule, „um Techniken zu lernen und meine Schultern zu lockern“. Er arbeitet mit Malou Airaudo und tanzt 1997/1998 im Wuppertaler Tanztheater bei Pina Bausch. Nach dem Studium konzentriert er sich auf die soziokulturelle Arbeit mit dem Künstlerkollektiv TVEAC/Tiens voilà encore autre chose, das er mit dem aus Chile ausgewanderten Maler Vladimir Cruells gegründet hatte und das u.a. mit Palästinensern in Hebron seit 2001 jährlich Workshops durchführt. In Deutschland ist er mit Samir Akika und Alexandru Catona an der Gründung von les petits poissons beteiligt, für die er von 1997 bis 2000 drei Stücke choreographiert, u.a. „Caulerpa taxifolia“. In Frankreich probiert er die Zusammenarbeit mit Geschichtenerzählern und Puppenspielern. 1999 wird er für ein Opernprojekt von Yoshi Oida in Rouen engagiert. Außerdem tanzt er in Produktionen von Markus Michalowski und Magyar Éva. Als 2003 an den Flottmann-Hallen in Herne das Renegade Theatre von Zekai Fenerci und dem Theaterregisseur Markus Michalowski gegründet wird, beginnt er dort seine Zusammenarbeit. Kombinationen aus HipHop- und Bühnentanz, Artistik, Schauspiel, Video- und Graffitikunst prägen auf je eigene Weise und mit wechselnden internationalen Ensemblemitgliedern die bisher vier Produktionen. In der Romeo-und-Julia-Geschichte von „Rumble“ (2003) wird der Konflikt der Clans als HipHop-Battle ausgetragen. Das Stück erhält u.a. Preise beim Edinburgh Fringe Festival und tourt durch Europa und nach Afrika. In „Cage“ von 2006 inszenieren Renoux und Michalowski den Streit um die richtige Lebensform: ordentlich kuschend, marktwirtschaftlich konform oder tanzend, in Freiheit. Sich ungerechten Zwängen zu widersetzen und als Individuum gegen gesellschaftliche Abwertungen zu behaupten, steckt im Kern des HipHop. Projekten wie denen des Renegade-Theatres liegt die Überzeugung zugrunde, dass Stil, Kraft und Können, vielleicht auch der Witz und der Gemeinschaftssinn des street dance ihren Platz auf den Bühnen haben sollten, neben und gemeinsam mit den anderen Formen des Tanzes.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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BEN J. RIEPE

www.benjriepe.com

„Happy End – Dealing Night again” F: Ursula Kaufmann

“To be reborn as a temple rat is a guarantee for a safe, sheltered, carefree life.“ This is one of the many things one can learn at www.planet-wissen. de. One of the other things is that (still worried) Indians believe that white rats are a sign of good luck and try to lure them with all sorts of treats for hours on end. For the choreographer Ben J. Riepe, who named one of his pieces “Weiße Ratte” (White Rat), people seem as if they have become lost in underground passageways somewhere along the way to the temple. They have also lost the treats, but they seem to be oblivious to their losses - or maybe not. Do they have fits of memory that may not be their own? Appearance doesn’t lie, because this is all there is in the www.future. And the fragments or parts of events – stumbling and buckling in, the aimless looking around, scaling walls, repeating, moving in subdued slow motion – do not hint at the whole, the ideal. Perhaps this only exists in the eye of the beholder. “I am not interested in what moves a dancer, but rather in how the dancer moves and especially what, of this, moves the observer. According to the motto “reduce to the max”, I develop images and scenes that are reduced to their essence. I work with dance, because it communicates on a non-verbal level and has an impact at subconscious depths”, says Riepe, who seeks to avoid all that is narrative and names, as his inspiration the impressions of the clubs and subculture of the megalopoles cities, visual art, literature, film, music videos, hypermedia and comics. Born in 1979, he studied dance at the Folkwang Hochschule in Essen from 1997 to 2003 and then completed a two-year post-graduate program there. He was invited several times to dance as a guest performer with Wuppertal Tanztheater Pina Bausch and was contracted by VA Wölfl to dance in “winged nightmare left wing” with NEUER TANZ in 2003. He then went on to dance with Morgan Nardi / Ludica in 2004. His first evening-length choreography, “Anderland”, for eight professional dancers premiered at the Folkwang Hochschule at the end of 2004 and “Weiße Ratte” was shown for the first time at the end of 2005. He developed “Happy End – dealing night again” as an international co-production, which premiered at tanzhaus nrw in the autumn of 2006 and was then shown in Bremen, Wuppertal, Witten, Paris and Lausanne. The production that Riepe is choreographing for his fiveperson ensemble in 2007 will be called “amour espace” and will again be accompanied by live electronic music.

„Als Tempelratte wiedergeboren zu werden ist der Garant für ein sicheres, behütetes und sorgenfreies Leben.“ Das lernt man auf www.planet-wissen. de. Auch, dass (noch besorgte) Inder glauben, weiße Ratten bringen Glück, und in jenen Tempeln stundenlang versuchen, sie mit Leckereien anzulocken. Beim Choreographen Ben J. Riepe, der eines seiner Stücke „Weiße Ratte“ nannte, sehen die Menschen aus, als seien sie irgendwo auf dem Weg zum Tempel in unterirdischen Gängen verloren gegangen. Die Leckereien sind ihnen auch abhanden gekommen, aber von den Verlusten scheinen sie nichts zu wissen, oder doch? In Anfällen von Erinnerung, die wahrscheinlich nicht ihre eigene ist? Der Schein trügt nicht, weil es in der www.zukunft nur noch ihn gibt; und die Scherben oder Ereignisteile – das Stolpern und Einknicken, das ziellose Umherschauen, Wändehochlaufen, Wiederholen, das Gedämpfte der slow motion – haben keine Ahnung eines Ganzen, Heilen. Die liegt vielleicht nur im Auge des Zuschauers. „Es interessiert mich nicht, was einen Tänzer bewegt, sondern wie er sich bewegt, und besonders, was dadurch den Betrachter bewegt. Nach dem Motto ‚reduce to the max’ erarbeite ich Bilder und Szenen, die auf ihre Essenz reduziert sind. Ich arbeite mit Tanz, weil er auf nonverbaler Ebene kommuniziert und in unbewussten Tiefen wirkt“, sagt Riepe, der alles Narrative vermeiden will und als Inspirationsquellen Eindrücke aus der Clubund Untergrundkultur der Molochstädte nennt, Bildende Kunst, Literatur, Film sowie Musikvideos, Hypermedia und Comics. 1979 geboren, studiert er von 1997 bis 2003 Tanz an der Folkwang Hochschule Essen und schließt ein zweijähriges Postgraduiertenstudium Choreographie dort an. Als Gast tanzt er mehrfach beim Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch, wird 2003 von VA Wölfl zu „winged nightmare left wing“ von NEUER TANZ engagiert sowie 2004 von Morgan Nardi, Ludica. Seine erste abendfüllende Choreographie für acht professionelle Tänzer, „Anderland“, hat 2004 an der Folkwang Hochschule Premiere, „Weiße Ratte“ Ende 2005. „Happy End – dealing night again“ erarbeitet er als internationale Koproduktion, die im tanzhaus nrw im Herbst 2006 Premiere hat und in Bremen, Wuppertal, Witten, Paris und Lausanne gezeigt wird. Die Produktion, die Riepe 2007 für sein fünfköpfiges Ensemble choreographiert, wird „amour espace“ heißen und wieder von elektronischer Live-Musik begleitet werden.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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JEAN LAURENT SASPORTES CAFÉADA DANCETHEATRE

www.jsasportes.com „Autant en emporte le vent“ F: D. Karagiannidis

Filling time by letting it flow. Rooting oneself in the moment, walking with the wind. A new beginning: in 2005 Jean Laurent Sasportes established the dance performance series Ikonoklaste in Wuppertal for choreographers from the region and guests. In 2007 he founded a dance theater ensemble named after the location that is home to the series: CaféADA. Together with Malou Airaudo, he developed “Autant en emporte le Temps“ with six dancers of varying ages including the two artists themselves. Being alone and with others breezily shifts back and forth in the semi-private, quiet melancholic atmosphere of a café, the counter and chairs of which have seen so many people come and go, encounters and farewells. Sit down. Leave.

Die Zeit vertreiben, in dem man sich ihr nicht entgegen stellt. Sich in den Moment pflanzen, mit dem Wind gehen. Neues beginnen: Im Jahr 2005 etabliert Jean Laurent Sasportes in Wuppertal eine Aufführungsreihe für Tanz – Ikonoklaste – für Choreographen der Region und Gäste. Nach der Spielstätte nennt er auch sein 2007 gegründetes Tanztheaterensemble: CaféAda. Mit Malou Airaudo erarbeitete er hierfür „Autant en emporte le Temps“ – ungefähr übersetzt: von der Zeit verweht – mit sechs Tänzerinnen und Tänzern verschiedenen Alters, einschließlich den beiden selbst. Luftig wechseln Für-sich-sein und Mit-anderen in der halbprivaten, leise melancholischen Atmosphäre eines Cafés, dessen Tresen und Stühle schon so viele Menschen haben kommen und gehen sehen, Begegnungen und Abschiede. Hinsetzen. Aufbrechen.

Jean Laurent Sasportes was born in Casablanca in 1952 and studied math, physics and philosophy in Marseille before deciding to learn dance at the age of 23. He took classes in modern dance, jazz dance and ballet in Paris with Anne Marie Porras, Hans Züllig and Jean Cebron among others. In 1979 he auditioned for Pina Bausch and stayed on until 1996 for 17 productions as a soloist in her dance theater. Since then he has remained a guest soloist for reopenings of “Café Müller“, “Nelken“, “Viktor“ and “Bandoneon“ among other productions. He had started collaborating with the contrabass player Peter Kowald in 1989, thus entering the world of structured dance improvisation. He also performed these duets with other music improvisation artists - close to the audience, indoors or outdoors. A series of short pieces about certain shy, nervous, dubious and archaic characters resulted and were shown as the packages “Short Pieces I“ and “Short Pieces II“ around the world.

Jean Laurent Sasportes wurde 1952 in Casablanca geboren und studierte Mathematik, Physik, Philosophie in Marseille, bevor er sich mit 23 Jahren entschied, tanzen zu lernen: Modern Dance, Jazz und Ballett in Paris u.a. bei Anne Marie Porras, Hans Züllig, Jean Cebron. 1979 tanzt er Pina Bausch vor und bleibt, 17 Produktionen lang, bis 1996 Solist in ihrem Tanztheater, seitdem Gastsolist bei Wiederaufnahmen etwa von „Café Müller“, „Nelken“, „Viktor“, „Bandoneon“. 1989 hatte er mit dem Kontrabassisten Peter Kowald eine Zusammenarbeit begonnen und damit seine Beschäftigung mit strukturiert improvisiertem Tanz. Auch mit anderen Musikimprovisationskünstlern führt er diese Art Duos auf, nah am Publikum, drinnen oder draußen. Eine Reihe kurzer Stücke um bestimmte schüchterne, nervöse, dubiose und archaische Charaktere entsteht, die gebündelt als Programme „Short Pieces I“ und „Short Pieces II“ weltweit aufgeführt werden.

From 1996 to 1998, Sasportes worked as a choreographer for theater and opera productions by the director Yoshi Oida at the Schaubühne in Berlin and in Rouen. He choreographed dance theater pieces in 1998 and 1999 with students from the Folkwang Hochschule and the Arnhem Dance Academy/EDDC and then again in 2005 for the Japanese company Mademoiselle Cinema. He was commissioned for productions by Burkhard C. Kosminski at the Düsseldorf city theater and in 2001 he choreographed the musical “Dancer in the Dark“ and dance scenes in other pieces. As an actor he has, among other things, performed under Kosminski‘s direction in Tschechow‘s “Platonow“ and in Moritz Rinke‘s “Café Umberto“ (2005), in which he plays the quiet constant in the crazy life of the waiting room: he serves the coffee.

Von 1996 bis 1998 arbeitet Sasportes als Choreograph für Schauspiel- und Operninszenierungen des Regisseurs Yoshi Oida an der Schaubühne in Berlin und in Rouen. Tanztheaterstücke choreographiert er 1998/1999 mit Studenten der Folkwang Hochschule und der Arnhem Dance Academy/EDDC und 2005 für die japanische Kompanie Mademoiselle Cinema. Er wird für Inszenierungen von Burkhard C. Kosminski am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert, choreographiert 2001 das Musical „Dancer in the Dark“ und tänzerische Szenen in weiteren Stücken. Als Schauspieler spielt er unter Kosminskis Regie u.a. in Tschechows „Platonow“; und in Moritz Rinkes „Café Umberto“ von 2005 ist er die leise Konstante im Wartezimmerlebenswahnsinn: Bei ihm gibt’s den Kaffee.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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SABINE SEUME :SABINE SEUME. ENSEMBLE.

www.sabine-seume.de

„Die Königin der Farben“ F: Wolfgang Weimer

“Only putting the necessary steps on stage“ is her desire, says Sabine Seume. She was born in 1963, trained in classical and modern dance at the Folkwang Hochschule, performed in Essen and Switzerland and then went to Japan. For six years she danced in Carlotta Ikeda‘s all-female Butoh company Ariadone and occupied herself with the forms of artistic expression in Asian culture. Since 1992 she has been making her own productions: 18 solos, duets and group pieces, many of which have toured throughout Germany and abroad.

„Nur die notwendigen Schritte auf die Bühne zu bringen“, sei ihr Wunsch, sagt Sabine Seume. Geboren 1963, ging sie nach der Ausbildung in klassischem und modernem Tanz an der Folkwang Hochschule sowie Engagements in Essen und in der Schweiz nach Japan. Sechs Jahre tanzte sie in der rein weiblich besetzten Butoh-Kompanie Ariadone von Carlotta Ikeda und beschäftigte sich mit künstlerischen Ausdrucksformen asiatischer Kulturen. Seit 1992 macht sie eigene Produktionen: 18 Soli, Duos und Gruppenstücke, von denen etliche deutschlandweit und international auf Gastspielreise gingen.

Necessary steps could include placing one foot in front of the other, turning the head, opening the hand or taking a breath – the fluctuation between empty and full, silence and sound, destruction and creation as Seume describes it. Butoh, the dance of darkness or the transformation, is not is focused on showing beauty, but takes a look beneath the shell of that which presents itself as human in the world. Feelings and images at depths that could be as old as the earth‘s history. Adaptability and mobility are the result of the distress and the necessity, which move the body from the inside with a fine yet tremendous force.

Ein notwendiger Schritt kann der Fuß sein, der vor den anderen gesetzt wird, die Wendung des Kopfes, das Öffnen der Hand oder ein Atemzug – der Wechsel von Leere und Fülle, Stille und Klang, Zerstörung und Erschaffung, wie Seume ihn beschreibt. Butoh, der Tanz der Finsternis oder der Verwandlung, ist nicht auf schöne Formen aus, sondern er sucht unter der Hülle dessen, was sich als Mensch in die Welt stellt. Gefühle und Bilder in Tiefen, die alt wie die Erdgeschichte sein können. Wandelbarkeit und Wendigkeit entspringen der „Not“, dem einen Müssen, das den Körper von innen bewegt mit einer immensen Kraft, die gleichzeitig filigran wirkt.

Her solo productions include “Tengu oder Der Baum des Ikarus“, “the god‘s supper“ (1997) and most recently “Onnagata“ (2000), which deals with mythical creatures, ancient but newly born. The solo “Body landscapes“ will premiere in the autumn of 2007 with the objective of detecting emotions in various areas of the body. In deserts of the skin, canyons of the organs and lakes of the eyes perhaps. Long-term artistic collaborators Radovan Matijek (stage design), Lutz Wernicke (composition) and Naoko Tanaka (video art) will be accompanying her on this journey. Sabine Seume has also created several ensemble pieces including “the flight of the fish“ and “fallen angel“ (2001), which dealt with the topic of violence. Dancers on ropes, bound but capable of flying - the differentiation the perpetrator and the victim loses its coherence in the relentless relationship between the two. Co-produced by tanzhaus nrw, Sabine Seume also makes dance theater pieces for children such as “wilder land“ and “The queen of the colours“ (2006). These stories connect the joy of fantasy with the joy of movement, as children can fully relate to.

Unter ihren Solo-Produktionen sind „Tengu oder Der Baum des Ikarus“, „Götterspeise“ von 1997 und zuletzt „Onnagata“ von 2000, die sich mythischen Wesen widmen, uralt, doch soeben erst geboren. Zum Herbst 2007 entsteht wieder ein Solo, „Body landscapes“, das Emotionen in verschiedenen Körperregionen aufspüren soll. In Wüsten der Haut, Schluchten der Organe, Seen der Augen vielleicht. Langjährige künstlerische Partner wie Radovan Matijek (Bühnenbild), Lutz Wernicke (Komposition) und Naoko Tanaka (Videokunst) werden die Wanderung begleiten. Sabine Seume erarbeitet auch Ensemblestücke, darunter „Der Flug der Fische“ oder „Gefallene Engel“ (2001), das sich Gewalt zum Thema setzte: Tänzer an Seilen, gebunden und doch flugfähig; die Unterscheidung zwischen Täter und Opfer wird lose bei dem unerbittlichen Miteinander. Koproduziert vom tanzhaus nrw, macht Sabine Seume außerdem Tanztheaterstücke für Kinder wie „Wilderland“ und „Die Königin der Farben“ (2006). Diese Geschichten verbinden, für junge Zuschauer nachvollziehbar, die Lust an Phantasie mit der an Bewegung.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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YOSHIE SHIBAHARA

www.shibahara.kulturserver-nrw.de „KOGAKURE – meeting in between trees” F: Wolfgang Weimer

„Die Essenz des Tanzes stellt für mich die ‚Begrifflosigkeit’ der Bewegung dar. Ich versuche den Ausdruck zu finden, der das Wort übertrifft“, sagt Yoshie Shibahara, die alles Tanztheatrale vermeiden möchte, in ihren Choreographien auf Stilisierung setzt und die „Darstellung universell erfassbarer Emotionen“ sucht. Ihre Stücke scheinen sich dem Zuschauer höflich anzubieten, nie anzubiedern. Sie entfalten sich in klaren Formen, die derart reduziert sind, dass ein kleiner Handknick ganz groß wirkt.

“To me, the essence of dance is movement‘s lack of terms. I attempt to find expression which extends beyond words,“ says Yoshie Shibahara. She seeks to avoid the dramatic in dance, places emphasis on stylization in her choreographies and seeks the “presentation of universally ascertainable emotions.“ Her pieces seem to politely offer themselves to the au-dience and never curry favor with it. They unfold in clear forms, which are reduced so much that a slight twist of the wrist seems grand.

Yoshie Shibahara wurde 1972 in Shimane in Japan geboren. Ab 1992 erhielt sie eine Tanzausbildung in Osaka, zog erst nach Berlin, dann Köln, schloss eine Fortbildung in Tanztherapie ab und studierte Elementaren Tanz bei Graziela Padilla an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Nach kürzeren Duetten wie „Blut und Wasser – chi to mizu“ und „Tinitus“ choreographiert sie 2004 „Isa – ultima thule“ für vier Tänzerinnen. Wie in etlichen ihrer Stücke ist die japanische Tänzerin Sachie Tanaka beteiligt sowie sie selbst als Tänzerin. Die Produktion wird mit dem Kölner Tanztheaterpreis ausgezeichnet für ihre Art, wie sie, laut Jury, ihre „Qualität aus der Spannung zwischen kontemplativer Ruhe und japanischer Video-Clip-Ästhetik bezieht“. Isa, in altgermanischer Runenschrift ein senkrechter Strich, bedeutet Eis, aber auch Winter, Stille, Konzentration. So sucht die Choreographin Bewegung auf der Linie zwischen Gegensätzen wie Ordnung und Chaos, Licht – Schatten, Diesseits – Jenseits.

Yoshie Shibahara was born in Shimane Japan in 1972. She started her dance education in 1992 in Osaka, then moved to Berlin, then to Cologne, completed further education in dance therapy and studied dance with Graziela Padilla at the German Sport University in Cologne. After making short duets such as “Blut und Wasser – chi to mizu“ and “Tinitus,“ she choreographed “Isa – ultima thule“ for four dancers in 2004. As in a number of her pieces, the choreographer herself dances along with the Japanese dancer Sachie Tanaka. The production received the Cologne Dance Theater Award for what the jury considered her “quality of tension between contemplative calm and Japanese video clip esthetics.“ In the ancient Germanic runes, Isa was indicated by a vertical line and meant ice, but also winter, silence and concentration. The choreographer searches for movement at the boundary between opposites such as order and chaos, light and shadow, this world and the world be-yond.

Ein Wesen zwischen Natur und Mensch, es hat Licht und Linien von Bäumen auf sich und wirft einen menschlichen Schatten auf den Wald; eine zarte Zwiesprache von Bewegungen, von Aktion und Stille, Tanz und Videokunst, zu der sich die Kommunikation mit dem Klang gesellt: Bei „Kogakure“ (2006) kooperiert Shibahara mit der Medienkünstlerin Tessa Knapp und den Musikern und Soundkünstlern Matthias Mainz und Frank Schulte. „Karyatiden“ erringt beim Choreographen-Wettbewerb „no ballet“ in Ludwigshafen 2006 den 2. Platz. In Bezug auf jene altgriechischen weiblichen Stützfiguren werden Frauen, die im kollektiven Bewusstsein statuenhaft erstarrt sind – wie die Geisha, griechische und ägyptische Göttinnen oder hüft- und schulterverschiebende Modetanzdamen – von zwei Tänzerinnen erweckt zu einer Art Leben aus der Konserve. Das neue Duett „Tribute“ (Juni 2007) wird eine Hommage an die japanische Popmusik und ihre inszenierten Idole der 1970er-Jahre.

A being between nature and human, it has light and the lines of trees on it and casts a human shadow on the forest. A soft dialogue of movements, of action and tranquility, dance and video art, in which communication associates with sound. In “Kogakure“ (2006) Shibahara collaborated with the media artist Tessa Knapp as well as the musicians and sound artists Matthias Mainz and Frank Schulte. “Karyatiden“ won the second prize at the choreography competition “no ballet“ in Ludwigshafen in 2006. With reference to the ancient Greek female pillar statues, women that have become frozen in the collective consciousness (like the geishas, the Greek and Egyptian goddesses or hip-thrusting, shoulder-shifting pop dancers) are woken from their “canned“ existences by the two dancers. The new duet “Tribute“ (June 2007) will pay homage to Japanese pop music and its idols of the 1970s.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Geraldo Si x.x.y. Theater

www.geraldosi.de „SichtLaut” F: Dennis Scharlau

Geraldo Si Loureiro was born in Aquidauana in the Brazilian Mato Grosso in 1961. At the age of 17, he began ballet training and established the dance ensemble Pantanaliadança together with colleagues in 1981. He studied math and art education, took classes in modern dance and ballet in Sao Paulo and worked in dance companies such as Neon Cia de dança, Teatro Brasileiro de Dança and Marzipan as well as in theater and children’s theater productions and television series. In 1990, Pina Bausch hired him as a soloist for her Wuppertaler Tanztheater, in which he was involved in 12 pieces before going independent in 1994 to develop his own projects. He has continued working as a dancer and performer for other productions by Vera Sander, In-Jung Jun, Raimund Hoghe and CocoonDance to name a few. In 2000 Rodolpho Leoni choreographed the solo “Caipirinha & Chipa” for him and in 2006 Carlos Maria Romero made “White In ... information information” for him. Geraldo Si has directed and choreographed several pieces including “Geraldo’s Solo” (directed by Raimund Hoghe) and “Von Engel zu Engel”, which have been premiered most often in his “second home Wuppertal”. He established his x.x.y. theater in 1996, for which he stages theater productions such as “Kaleidoskopisches Geschlecht – der dritte Märchenwald” and “PAULA” and produces dance pieces. In 2005 his choreography “Mein Land ich – Tales from the depth of our soul” for two men was premiered at tanzhaus nrw. Si has directed and co-directed projects with adolescents and has been directing the “Sommertanz junge Talente” project, which runs for several weeks each year with professional choreographers, since 2004. For the past several years, he has also been initiating improvisation encounters under the heading “SichtLaut”, which serve to explore the possibilities of cross-genre improvisation. His dance theater piece “Babel 1” (2006) brings together four female dancers “and one man”, who have different mother tongues, and includes their stories, opinions, indignations and amusements. In his new project planned for 2007, the choreographer will be working with approximately 30 amateurs of various different ages. There seems to always exist a strong belief that understanding between people is possible and even necessary and enriching. As in improvisation: dancers and musicians have to act with openness, awareness and resolution. A way of being together, which is as intuitive as a smile or a tone of voice, regardless of the language used.

Im brasilianischen Mato Grosso, in Aquidauana, wird Geraldo Si Loureiro 1961 geboren. Mit 17 Jahren beginnt er eine Ballettausbildung und gründet 1981 mit Kollegen das Tanzensemble Pantanaliadança. Er studiert Mathematik und Kunstpädagogik, belegt Kurse in Modern Dance und Ballett in Sao Paulo und arbeitet mit Tanzkompanien wie Neon Cia de dança, Teatro Brasileiro de Dança und Marzipan sowie für Schauspiel- und Kindertheaterproduktionen und TV-Serien. 1990 engagiert Pina Bausch ihn als Solisten an ihr Wuppertaler Tanztheater, wo er in zwölf Stücken mitwirkt, bis er sich 1994 selbstständig macht, um eigene Projekte zu realisieren. Bis heute wird er als Tänzer und Darsteller für Produktionen engagiert, u.a. von Vera Sander, In-Jung Jun, Raimund Hoghe, CocoonDance; Rodolpho Leoni choreographiert für ihn 2000 das Solo „Caipirinha & Chipa“ und Carlos Maria Romero 2006 „White In ... information information“. Geraldo Si führt Regie und choreographiert vor allem in Deutschland, oft in seiner „zweiten Heimat Wuppertal“, darunter „Geraldo’s Solo“ (unter der Leitung von Raimund Hoghe) und „Von Engel zu Engel“. Mit seinem 1996 gegründeten x.x.y.-theater inszeniert er Theaterstücke wie „Kaleidoskopisches Geschlecht – der dritte Märchenwald“ und „PAULA“ und produziert Tanzstücke. 2005 hat seine Choreographie für zwei Tänzer „Mein Land ich – Tales from the depth of our soul“ am tanzhaus nrw Premiere. Si führt Regie und Co-Regie bei Projekten mit Jugendlichen und leitet seit 2004 das jährliche mehrwöchige Projekt „Sommertanz junge Talente“, das mit professionellen Choreographen kooperiert. Außerdem initiiert er seit Jahren Improvisationsbegegnungen unter dem Titel „SichtLaut“, die Möglichkeiten der Improvisationskunst spartenübergreifend erkunden sollen. Sein Tanztheaterstück „Babel 1“ von 2006 lässt vier Tänzerinnen „und einen Mann“ verschiedener Muttersprachen samt ihren Geschichten, Meinungen, Empörungen und Belustigungen aufeinander treffen. Das für 2007 geplante neue Projekt wird der Choreograph mit etwa 30 Amateuren verschiedenen Alters durchführen. Immer scheint da ein Optimismus zu sein, ein Glaube, dass Verständigung unter Menschen möglich und außerdem notwendig und bereichernd ist. Wie bei der Improvisation: Offen, sehr wach und entschieden müssen Tänzer und Musiker agieren. Ein Miteinander, unmittelbar wie ein Lächeln oder der Klang einer Stimme, egal welcher Sprache das gesprochene Wort entstammt.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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MARK SIECZKAREK MARK SIECZKAREK COMPANY

www.sieczkarek.de

„Garten der Ordnung“ F: Detlef Erler

Auf Glas – gibt es das? Dinge sind hinter Glas, zwischen oder unter oder sind aus Glas gemacht. Doch hier geht jemand auf Glas. Er tanzt. Das Glas könnte für die besondere Verbindung von Durchsichtigkeit und Helligkeit mit beharrender kristalliner Stärke und mit Zerbrechlichkeit stehen. Für Glitzer und Wunden schneidende Kanten. Damit wären grob einige der Atmosphären, Gefühle, Bilder beschrieben, die der Tänzer und Choreograph Mark Sieczkarek in seinen über 30 Stücken, Tanztheater und Tanz, geschaffen hat. „Auf Glas“ heißt eine seiner neueren Choreographien; sie entstand 2006 in Essen in Kooperation mit dem Glaskünstler Ralph Matthis, von Sieczkarek selbst getanzt – auf Glas.

On glass – is that possible? Things are behind glass, between glass, under glass or made of glass. But someone is on glass here. He‘s dancing. The glass could stand for the special relationship between transparency and brightness with persisting crystalline strength and fragility. For glitter and wounds of cutting edges. This would roughly describe some of the atmospheres, feelings and images that the dancer and choreographer Mark Sieczkarek has created in over 30 pieces of dance theater and dance. One of his latest choreographies is titled “On Glass.“ It was created together with the glass artist Ralph Matthis in Essen in 2006. Sieczkarek dances it himself – on glass.

Er wurde 1962 in Schottland geboren und studierte von 1973 bis 1981 an der Royal Ballet School in London. Er war Tänzer am Scapino Ballet in Amsterdam und schuf dort seine ersten fünf Choreographien. Nach zwei Jahren bei der Rotterdamer Gruppe Penta Theater kommt er 1985 zum Tanztheater Wuppertal von Pina Bausch. 1988 macht er sich selbstständig. Bis 1997 choreographiert er vier Stücke fürs Folkwang Tanzstudio, u.a. „Return to sender“ und „Red Hot“, tanzt Soli und in Duetten. Für zehn Tanzstudenten choreographiert er 1995/96 „Drops of rain in perfect days of June“ und „Funky Drummer“. 1996 erhält er den Förderpreis des Landes NRW, 1999 den Wolfgang-Max-Faust-Preis beim 7. Deutschen AIDSKongress in Essen. 1998 gründet er die Mark Sieczkarek Company; für sie choreographiert er bislang zehn Stücke, u.a. die flatterige „Butterfly world“, die lebensbejahende „Shirley Valentine“, den surrealen „Tagtraum – Men’s solos“ und den empfindsamen „Macbeth“ (2002). Fast alle werden im Ringlokschuppen in Mülheim a. d. Ruhr uraufgeführt, wo Sieczkarek seit 2001 Hauschoreograph ist.

He was born in Scotland in 1962 and studied at the Royal Ballet School in London from 1973 to 1981. He was a dancer at Scapino Ballet in Amsterdam and created his first five pieces there. After two years with the Rotterdam-based group Penta Theater, he joined Pina Bausch‘s Tanztheater Wuppertal in 1985. He started his independent career in 1988. Up to 1997 he choreographed four pieces for Folkwang Tanzstudio including “Return to sender“ and “Red Hot.“ He also continued dancing solos and duets. He choreographed “Drops of rain in perfect days of June“ and “Funky Drummer“ for ten dance students in 1995/96. In 1996 he received the award for performing arts from North Rhine-Westphalia and in 1999 he received the Wolfgang-Max-Faust award at the 7th German AIDS symposium in Essen. In 1998 he established the Mark Sieczkarek Company, for which he has choreographed ten pieces thus far including the fluttering “Butterfly world,“ the life-affirming “Shirley Valentine,“ the surreal “Daydream – Men’s solos“ and the sensitive “Macbeth“ (2002). Almost all of them were premiered at Ringlokschuppen in Mülheim a. d. Ruhr, where Sieczkarek has been the choreographer in residence since 2001. In 2000 he traveled with his company to Accra in Ghana on invitation from the Goethe-Institut to perform “Drops of rain“ and provide classes for dancers there. A year later he developed “Living with AIDS“ there together with Dance Factory, which the group performed together with his company at the Ruhr triennial in 2002. In 2003 he choreographed “Broke,“ which dealt with the encounter between rich and poor, garbage and roses, for the combined ensemble. After making “Spartacus III,“ in which he dealt with sexual self-determination and freeing oneself from constraints, for his own company, he went on to create “Garden of Order,“ which was inspired by Herman Hesse‘s “Steppenwolf“ in 2005. In 2007 he is creating a new solo as well as a large-scale project with students in Costa Rica.

Mit seiner Kompanie reist er 2000 im Auftrag des Goethe-Instituts nach Accra in Ghana, wo er „Drops of rain“ zeigt und Tänzer unterrichtet. Ein Jahr darauf erarbeitet er dort mit Dance Factory „Living with AIDS“, was die Gruppe 2002 im Rahmen der Ruhrtriennale zusammen mit seiner Kompanie aufführt. 2003 choreographiert er für die kombinierten Ensembles „Broke“: die Begegnung von Arm und Reich, Müll und Rosen. Nach „Spartakus III“ für seine Kompanie, zu sexueller Selbstbestimmung und Befreiung aus Zwängen, folgt 2005 „Garten der Ordnung“, inspiriert von Hesses „Steppenwolf“. 2007 macht er ein neues Solo und ein Großprojekt mit Studenten in Costa Rica.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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STEPHANIE THIERSCH MOUVOIR

www.mouvoir.de www.freihandelszone.org „beautiful me“ F: Stephanie Thiersch

In dem wahnsinnigen Durcheinander der Realität – Doch lauert nicht hinterm Auge im Hirn der Wahn und projiziert seine Bilder vor sich auf die Welt? Wo genau beginnt denn die Verwirrung zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit? Der Körper mit seinen Sinnen, seinem Verstand, seiner Form und seinen Gefühlen ist durchlässig und jener Realität, auch der menschengemachten, ausgesetzt. – suche ich (...) Zustände der Schwerelosigkeit. Statt etwas festzuhalten, soll die Bewegung dazwischen freigelegt werden, das Zweifelhafte, Peinigende sowie das träumerisch Schöne. Tanz, Videokunst, Musik und Computersteuerung verbünden sich für einen Forschungsauftrag, der seinen Blick wirft auf Gesten, Tanz, Persönlichkeit und Künstlichkeit, auf die Welt und gleichzeitig aufs eigene künstlerische Tun.

In the maddening mix-up of reality – but isn‘t craziness lurking behind the eyes in the brain and projecting its images on the world in front of it? Where exactly does the mix-up between perception and reality begin? The body, with its senses, its intellect, its form and its feelings, is permeable and exposed to that reality, even the reality created by humans. – I search for (...) conditions of weightlessness. Instead of holding on to something, the movement in between is to be revealed, the questionable tormenting as well as the dreamily beautiful. Dance, video art, music and computer control were combined for a research assignment which observes gestures, dance, personality and artificiality, the world and the own internal artistic workings.

In Wiesbaden lernte Stephanie Thiersch, 1970 geboren, klassischen Tanz. In Frankreich traf sie auf zeitgenössische Stile, arbeitete in freien Gruppen und kehrte nach zwei Jahren zurück, studierte Kulturwissenschaften in Mannheim mit einer Abschlussarbeit über Videotanz; an der Kunsthochschule für Medien in Köln absolvierte sie das Aufbaustudium Medienkunst. Da hatte sie ihre Kompanie mouvoir bereits gegründet (1997), mit der sie fortan Bühnenstücke, Filme und Installationen produziert, die bundes- und weltweit gastieren, unter anderem in Berlin, Paris, Rom, Lissabon, Helsinki, Singapur, Costa Rica, Jakarta und Ramallah. „MOUVOIR“, sagt sie, „ist ein Aufruf zur vielschichtigen Wahrnehmung, zur Aufmerksamkeit auf Körper und Zustände, die nicht eindeutig lokalisierbar sind und die über den in ihren Grenzen definierten Ort hinausgehen.“

Stephanie Thiersch was born in 1970 and trained in classical dance in Wiesbaden. In France she discovered contemporary styles, worked in independent groups and returned after two years to study cultural sciences in Mannheim. She turned in her final project on video dance and then went on to complete her postgraduate studies in media art at the Academy of Media Arts, Cologne. At that point, she had already established her company mouvoir (1997), with which she then produced stage works, films and installations that have been shown throughout Germany and around the world in Berlin, Paris, Rome, Lisbon, Helsinki, Singapore, Costa Rica, Jakarta and Ramallah to name a few. “MOUVOIR“, she says “is a call for a multi-leveled sense of perception and focusing one‘s attention on bodies and conditions never quite located with certainty, but which aspire to surpass their own demarcated locations.“

Ihr Film „Georgia“, angesiedelt im poetisch durchwehten Paris, erhält 2001 den Deutschen Videotanzpreis, das Rasenstück „Under Green Ground“ 2005 den Kölner Tanztheaterpreis und die Einladung zur Deutschen Tanzplattform 2006 in Stuttgart. „Helter Skelter“ für eine Gesellschaft aus vier Tänzerinnen wird 2006 in Dortmund beim Theaterzwang-Festival ausgezeichnet und geht überarbeitet als „helterskelter vol#2“ auf Gastspielreise. Das nach „beautiful me“ (2006) neue Solo „living room“ eröffnet, mit anderen, das Festival Les Repérages 2007 in Lille; und für sechs Tänzer, eine DJane, einen Musiker wird Stephanie Thiersch „bonnie’s aide“ erarbeiten, weiterhin auf der Spur von Sehen und Sehnsüchten.

She received the German Video Dance Award in 2001 for her film “Georgia“, which is set in the poetically pervaded Paris. In 2005 she received the Cologne Dance Theater Award for her turf piece “Under Green Ground“, which was subsequently shown as part of Tanzplattform 2006 in Stuttgart. Her piece “Helter Skelter“ for four dancers was awarded one of the prizes at the Theaterzwang festival in Dortmund in 2006 and was then toured in its revised version “helterskelter vol#2“. After “beautiful me“ (2006), she opened the festival Les Repérages 2007 in Lille together with others with her new solo “living room“. Stephanie Thiersch will be developing “bonnie’s aide“ for six dancers, a DJane and a musician - remaining close on the heels of perception and aspiration.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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Alexandra Waierstall Noema Dance Works

www.alexandrawaierstall.com

„Crossing Borders” F: Sandeep Mehta

The title of her new production sounds like an agenda: “Crossing Borders“. It deals with the lines that people have forced on geography, placed between themselves and others, and with the movement that overcomes this separation. Or with the utopia: of being able to overcome it. Or, in another interpretation, the borders that cut through one another and make patterns. The interesting thing about this is not only the disparate, but the point on the line, the crossing in space and time. The simultaneity of here and there, above and below. The five dancers here inhabit and traverse the stage like waifs exuding an aura of engrossed presence, a futile decisiveness, as if they carry an irrecognizable past and a blind future around with them in circles. An eternal in-between state, as is familiar from living with the consequences of war and constant threat (real or imagined). She is not looking for theatrical presentation, but she wants to permeate the borders to the audience using a composition of sound, video imagery and movement, says Alexandra Waierstall of her work. She attempts to capture the moment just before intellectual understanding. This is how she develops her own dance vocabulary for her body-time-space sculptures. Born in London in 1979, she grew up in Cypress as the daughter of a Cypriot mother and a German father. Since 1998 she has been living mainly in Düsseldorf. She received her B.A. in dance and choreography from The European Dance Development Center EDDC/DA Arnhem/Düsseldorf in 2002 and her Masters in choreography at Dance Unlimited in Arnhem in 2006. She has worked as a dancer for various different choreographers and has shown her own work in Munich, Prague, London, Zagreb, New York and Sao Paulo among other places. She received awards from the Cultural Ministry three times at the Cypress dance platforms: in 2001 for “Deep Rise“, in 2004 for “Deeper than Skin Deep“ and in 2005 for “Shifts in Traces“. After having worked under her mother Arianna Economou‘s label Echo Arts, she established her own company Noema Dance Works in 2005. She has been invited as an artist in residence to the Urban Fetishes Lab at the Tanzquartier in Vienna among other places. After having created the solo “Affect“ in 2006, in 2007 she is developing the duet “Between“ as the second part of a planned trilogy. Here the dancers‘ movements will be based on the transition from inside to outside, from one to the other and on transforming structures.

Der Titel ihrer neuen Produktion ist wie ein Programm: „Crossing Borders“. Er spricht von Linien, die der Mensch der Geographie aufgezwungen, zwischen sich und die Anderen gezogen hat, und von der Bewegung, die diese Trennung überwindet. Oder von der Utopie: sie überwinden zu können. Oder, in der anderen Lesart, von den Grenzen, die einander durchschneiden und Muster bilden. Das Interessante daran scheint nicht nur das Disparate zu sein, sondern der Moment auf der Linie, der Übergang in Raum und Zeit. Die Gleichzeitigkeit von hüben und drüben, oben und unten. Die fünf Tänzer hier bewohnen und durchqueren die Bühne wie Heimatlose, mit der Ausstrahlung einer entrückten Anwesenheit, einer aussichtslosen Entschiedenheit, als trügen sie eine unkenntliche Vergangenheit und blinde Zukunft mit sich im Kreis. Ein ewiges Dazwischen, wie es das Leben mit Folgen von Krieg und ständiger – realer oder imaginierter – Bedrohung kennt. Sie suche nicht die theatrale Darstellung, sondern wolle die Grenze zum Zuschauer öffnen mit einer Komposition aus Klang, Videobild und Bewegung, sagt Alexandra Waierstall. Den Moment versuche sie zu fassen, der kurz vor dem verstandesmäßigen Begreifen liegt. So entwickelt sie für ihre Körper-Zeit-Raum-Skulpturen ihr eigenes Tanzvokabular. 1979 in London geboren, wuchs sie in Zypern als Tochter einer Zypriotin und eines Deutschen auf. Seit 1998 lebt sie hauptsächlich in Düsseldorf. Beim European Dance Development Center EDDC/DA Arnheim-Düsseldorf macht sie 2002 ihren BA in Tanz und Choreographie und 2006 ihren Master-Abschluss in Choreographie bei Dance Unlimited in Arnheim. Sie arbeitet als Tänzerin für verschiedene Choreographen und zeigt ihre eigenen Arbeiten u.a. in München, Prag, London, Zagreb, New York und Sao Paulo. Dreimal erhält sie bei den Tanzplattformen von Zypern für ihre Choreographien Auszeichnungen des Kultusministeriums: 2001 für „Deep Rise“, 2004 für „Deeper than Skin Deep“, 2005 für „Shifts in Traces“. Nachdem sie vorher unter dem Label Echo Arts von Arianna Economou, ihrer Mutter, arbeitete, leitet sie ab 2005 ihre eigene Kompanie Noema Dance Works. Sie wird zu Residenzen eingeladen, u.a. zum Urban Fetishes Lab am Tanzquartier Wien. Nach dem Solo „affect“ von 2006 folgt 2007 als zweiter Teil einer geplanten Trilogie das Duett „Between“. Der Übergang vom Innen nach außen, von einem zu anderen, transformierende Strukturen liegen hier den Bewegungen der Tänzer zugrunde.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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VA Wölfl NEUER TANZ

www.neuertanz.com

Skulptur von VA Wölfl: „Handlauf Treppe runter[engl.]: restroom downstairs“ F: NEUER TANZ

That which can be seen is only that which can be seen. To ask what else it is, why it‘s there and what “there“ is leads to shaky ground. That it shakes and slips and is at least double is all part of perception. The person with the eye has to struggle for a sense of balance. Those who watch NEUER TANZ may experience their own thoughts stumbling and getting caught up in repetitive patterns. They may experience a little idea sometimes presenting itself as a star, but having no context. They may experience enlightenment being beaten by darkness or noise. They may experience mute formulations that only exist as vague suppositions due to extensive dissection. Thus approximately that which takes place on stage in the hollow space with eight or more people, who move in it or not, and things that are moved or that dance themselves.

Was da zu sehen ist, ist nur das, was zu sehen ist. Zu fragen, was es sonst noch ist, wozu es da ist und was „da“ ist, führt auf schwankenden Grund. Dass der schwankt und glitscht und mindestens doppelt ist, gehört zum Sehen dazu. Der Mensch mit dem Auge muss seinen Gleichgewichtssinn bemühen. Wer NEUER TANZ anschaut, kann erleben, dass das eigene Denken dabei stolpert, sich in wiederholten Sinngängen verfängt, dass sich eine kleine Idee mal wie ein Star präsentiert, aber keinen Zusammenhang hat, dass die Erleuchtung von Dunkelheit oder Gelärm erschlagen wird oder stumme Formulierungen vor lauter Zerrupfung nur als Ahnung existieren. Also ungefähr das, was auch auf der Bühne vor sich geht – in dem hohlen Raum mit den acht oder mehr Leuten, die sich drin bewegen oder nicht, und Dingen, die bewegt werden oder von selbst TANZen. Zwischen un- und kenntlich: das Zeigen verbergen, das Geschehenlassen gestalten, das kichernd Erhabene, sehr real, entschieden in Zeit und Raum platziert. Mit den Worten von VA Wölfl: „Der Rhythmus der Bewegung stellt das Theater in Frage, indem er den Raum in einer Weise bewohnt, der das Sehen vereitelt.“ Das nennt der Verursacher „Stück“ oder „Chor(e)ographie“. VA Wölfl studierte Malerei bei Oskar Kokoschka, der von 1953 bis 1963 die „Schule des Sehens“ betrieb und sich so gegen Akademisches und gegen „Weltfluchtkunst“ wandte; und er lernte an der Folkwangschule für Gestaltung bei Otto Steinert, der bekannt dafür war, das „Gestaltungsmoment“, die kreative Aufgabe des Fotografen zu betonen. Als Bildender Künstler machte Wölfl u.a. Fotocollagen, Videoinstallationen und Skulpturen, stellt bis heute Werke in Galerien, Museen und anderen Orten aus. Er arbeitet seit vielen Jahren mit dem 1986 gegründeten Ensemble NEUER TANZ im MARSTALL Schloss Benrath.1995 erhalten Wölfl und die Mitbegründerin Wanda Golonka den Mouson-Award und er nimmt den 1. Deutschen Produzentenpreis für Choreographie in Empfang. Unter den für Wölfl erwähnenswertesten Werken sind „Leitz, dem Nachlaß verfallen.“ (1988), „RCA/going to work“, „xyz“ (1996), „Adieu à Dieu“, „Greenspans Aktentasche“, „EVE OHN E“, „REVOLVER“. Nach „Das Chrom + & Du“ von 2005 erhält er den Kritikerpreis 2006 für Tanz. Die Produktion von 2007 heißt „12“ / „... im linken Rückspiegel auf dem Parkplatz von Woolworth“ MITTELALTER EDITION. Oder auch nicht – gemäß dem gleichlautenden Motto des Künstlers.

Between unknowable and knowable: hiding what is being shown, designing what is allowed to happen, the giggly sublime, very real, decisively positioned in time and space. In the words of VA Wölfl: “The rhythm of movement questions the theater by inhabiting the space in a way that thwarts seeing.“ This is what the instigator calls “piece“ or “choreography“. VA Wölfl studied painting with Oskar Kokoschka, who ran the “School of Seeing“ from 1953 to 1963, thus turning away from the academic and from “escapist art“. He also studied at the Folkwangschule for Design with Otto Steinert, who was known for emphasizing the “design moment“ as the photographer‘s creative task. As a visual artist, Wölfl made photo collages, video installations and sculptures and continues to exhibit work in galleries, museums and other locations. He works for years with the ensemble NEUER TANZ established with Wanda Golonka in 1986 at Marstall Schloss Benrath. In 1995 Wölfl and Golonka received the Mouson Award and he accepted the first German Producers Award for Choreography. The most notable works for Wölfl are “Leitz, dem Nachlaß verfallen.“ (1988), “RCA/going to work“, “xyz“ (1996), “Adieu à Dieu“, “Greenspans Aktentasche“, “EVE OHN E“, “REVOLVER“. After making “Das Chrom + & Du” in 2005, he received the critic’s award for dance in 2006. The 2007 production is called “12” / “... im linken Rückspiegel auf dem Parkplatz von Woolworth” MITTELALTER EDITION. Or maybe not – according to the artist‘s own motto.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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SILKE Z. RESISTDANCE

www.resistdance.com

„alife“ F: Wolfgang Weimer

What happens between people? What happens with the one and with the other and in the space that connects them? The back and forth and against each other and with each other. Look, touch. All kinds of contact – it happens on stage, but the performers and audience also make contact. For years now, everyone in Silke Z.‘s pieces have been struggling to come to terms with themselves and with others – a steadfast endeavor with a zest for physicality. And the choreographer also sees the audience members as integral parts of the show: whether they just sit there or decide to do something else. The step from audience to performer or player, in both senses of the word, is one of her current artistic interests.

Was spielt sich ab zwischen Menschen? Was passiert beim einen und beim anderen und auf der Strecke, die beide verbindet? Das Hin und das Her und Gegeneinander und Miteinander. Anschauen, Anfassen. Kontakt in jeglicher Form – er findet auf der Bühne statt, aber auch Darsteller und Publikum treten in Beziehungen zu einander. Silke Z., in deren Choreographien seit etlichen Jahren jeder darum ringt, mit sich und dem anderen ins Reine zu kommen – eine unentwegte Anstrengung mit Lust an Körperlichkeit –, sieht auch im anwesenden Publikum Mitspieler: Ob jemand nur still da sitzt oder sich zu etwas anderem entscheidet. Der Schritt vom Zuschauer zum Darsteller oder Akteur, im doppelten Sinn, ist zur Zeit Untersuchungsobjekt ihrer Arbeiten.

Silke Z. was born in 1970. She studied at the German Sport University Cologne and the European Dance Development Center (EDDC) in Arnhem and Düsseldorf. During this time she was also a guest student at Moving On Center - School for Participatory Arts and Research in San Francisco and worked with Carol Swan, Jess Curtis and Eszter Gál. In 1997 she established the production collective resistdance in Cologne with EDDC graduate Lincoln Giles. In 2004 she initiated the performance series tanzkonkret together with the Orangerie theater and Cologne‘s Cultural Office. And in 2007 Silke Z. is launching a new collaborative project under the label alles.ausser.gewöhnlich (everything but usual) with choreographers Morgan Nardi, Felix Marchand and Caroline Simon.

Silke Z., Jahrgang 1970, studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln sowie am European Dance Development Center EDDC in Arnheim/Düsseldorf, gastweise am Moving On Center/School for Participatory Arts and Research in San Francisco und arbeitete mit Carol Swan, Jess Curtis, Eszter Gál. In Köln gründet sie 1997 mit dem EDDC-Absolventen Lincoln Giles das Produktionskollektiv resistdance. 2004 gründet sie mit der Orangerie und dem Kulturamt der Stadt Köln die Aufführungsreihe tanzkonkret; und 2007 beginnt Silke Z. unterm Label alles.ausser.gewöhnlich mit den Choreographen Morgan Nardi, Felix Marchand und Caroline Simon eine Zusammenarbeit.

She received the Cologne Dance Theater Award and the Theaterzwang Award respectively for her two duets “fractured I“ and “fractured II“ (1999 and 2000). She went on to show these works in Braunschweig, Stuttgart, Den Haag, Vilnius and London among other places. She then won the Theaterzwang Award again in 2004 with her piece “Look“. She developed the piece “Alife“, which was co-produced by Eisfabrik Hanover and tanzhaus nrw, for five dancers in 2004. In addition to these two co-producers, Ludwigforum Aachen and CounterPulse San Francisco stepped in for the fivepart “Mutproben“ (Dare) project 2005/2006. Created in 2006, “überMut“ was the culmination of these relatively open performances with various different casts, all of which dealt with the issue of risk - including the risk of visibility on stage and overcoming it as well as crossing over into the uncontrolled. “mach.Mut“ is an ensemble piece with dancers and adolescents planned for September 2007 at tanzhaus nrw. Using the issue “private space and public body“ as a point of departure, Silke Z. will launch “private. spaces“ at Kanuti Gildi Saal in Tallinn, Estonia at the end of 2007.

Die Duos „fractured I und II“ von Silke Z. (1999 und 2000) erhalten den Kölner Tanztheaterpreis und den Theaterzwang-Förderpreis des Festivals Freier Theater NRW, werden zu Gastspielen u. a. nach Braunschweig, Stuttgart, Den Haag, Vilnius und London eingeladen. Das Duo „Look“ gewinnt 2004 wieder einen Theaterzwang-Förderpreis. „Alife“ für fünf Tänzer erarbeitet sie 2004 in Koproduktion mit der Eisfabrik Hannover und dem tanzhaus nrw, die fünfteilige Serie „Mutproben“ 2005/2006 außerdem noch mit dem Ludwigforum Aachen und dem CounterPulse San Francisco. „überMut“ von 2006 bildet den Abschluss dieser relativ offen gehaltenen Aufführungen, die sich in unterschiedlicher Besetzung der Gefahr widmen, auch der Gefahr der Sichtbarkeit auf der Bühne und ihrer Überwindung sowie dem Grenzübertritt ins Unkontrollierte. „mach.Mut“ wird eine Ensemblearbeit mit Tänzern und Jugendlichen für September 2007 am tanzhaus nrw heißen. Zum Thema privater Raum und öffentlicher Körper wird Silke Z. Ende 2007 am Kanuti Gildi Saal im estnischen Tallinn „private.space“ herausbringen.

Text Copyright 2007 Melanie Suchy

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TANZPRODUZENTEN-KONFERENZ-NRW (TpK) VERANSTALTER TANZ NRW 07

tanzhaus nrw, Düsseldorf

tanzhaus nrw, Düsseldorf

Im Jahr 1998 bezog das tanzhaus nrw ein ehemaliges Straßenbahndepot und hat sich seitdem mit zwei Bühnen und acht Tanz- und Probenstudios zu einem internationalen Zentrum für zeitgenössischen Tanz entwickelt. Auf 4.000 Quadratmetern Fläche ist es zugleich Aufführungsort, Produktionsstätte und anerkannte Weiterbildungsstätte mit mehr als 3.000 Besuchern wöchentlich. Hervorgegangen aus der 1978 gegründeten Werkstatt präsentiert das Haus heute den zeitgenössischen Tanz in seiner ästhetischen und kulturellen Bandbreite. Der ganzjährige Spielbetrieb mit mehr als 200 Aufführungen folgt verschiedenen Programmlinien in konzentrierten Festivals, thematisch motivierten Reihen, internationalen Gastspielen und experimentellen Plattformen. Ein besonderer Akzent liegt in der Förderung ausgewählter Choreographen im Rahmen von Koproduktionen und Residenzprogrammen. Als anerkannte Weiterbildungsstätte richtet sich das Haus in wöchentlich mehr als 250 Kurs- und Workshopangeboten generationsübergreifend an Anfänger, Fortgeschrittene und professionelle Tänzer. Seit dem Jahr 2006 verfolgt das tanzhaus nrw als Träger des Projektes „Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Düsseldorf“ gemeinsam mit einer Reihe von Düsseldorfer Partnern aus Kultur und Politik die nachhaltige strukturelle und künstlerische Stärkung der bislang in Deutschland vernachlässigten Sparte Tanz für Kinder und Jugendliche.

In 1998 tanzhaus nrw moved into a former tram depot and since then it has developed into an international center for contemporary dance with two stages and eight rehearsal studios. The 4000 square meters are home to a performance location, a production site and an acclaimed training center all under one roof with over 3000 visitors each week. Evolving from Die Werkstatt, which was founding in 1978, the house now presents the full esthetic and cultural bandwidth of contemporary dance. The year-round season with more than 200 performances includes various program concepts in concentrated festivals, thematically motivated series, international guest performances and experimental platforms. A special emphasis is placed on promoting selected choreographers within the context of co-productions and residency programs. As an acclaimed training center, the house caters to beginners, advanced and professional dancers with more that 250 course and workshop offerings per week. Since 2006 tanzhaus nrw has been actively promoting the sustained structural and artistic strengthening of the previously neglected area of dance for children and youth by sponsoring the program “Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Düsseldorf” together with several cultural and political partners in Düsseldorf.

PACT Zollverein, Essen

PACT Zollverein, Essen

PACT Zollverein, gegründet 2002, ist in der ehemaligen Waschkaue auf Schacht 1/2/8 der Essener Steinkohlenzeche Zollverein beheimatet, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Das Kürzel „PACT“ bedeutet Performing Arts Choreographisches Zentrum NRW Tanzlandschaft Ruhr; es ist ein Ort für zeitgenössische, internationale Kunst mit den Schwerpunkten Tanz und Choreographie. Hier verbindet sich die Idee eines internationalen Theaters, eines Künstlerhauses sowie einer Agora für Theorie und Praxis. Als internationaler Veranstaltungsort zeigt PACT Zollverein Eigenproduktionen, internationale Koproduktionen und Gastspiele, als Künstlerhaus vergibt PACT Zollverein Residenzen und bietet Trainings sowie Workshops an, in der Agora für Theorie und Praxis werden in enger Verbindung zu den Veranstaltungen verschiedene Plattformen, Symposien und Vorträge initiiert, die sich mit gesellschaftlich relevanten Strömungen, Fragen und Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst auseinandersetzen. Die drei Bereiche – präsentieren, entwickeln und forschen – bilden den Raum für einen lebendigen Austausch innerhalb der künstlerischen Disziplinen und für einen Dialog zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen Künstler und Publikum.

PACT Zollverein (Performing Arts Choreographisches Zentrum NRW Tanzlandschaft Ruhr, founded in 2002) is an international theatre venue and interdisciplinary research foundation for the arts. It offers artists and the wider general public alike, opportunities to gain insights into current tendencies, developments and artistic debates in contemporary art and in particular, dance and performance. PACT presents a mixed genre programme of its own productions, co-productions and guest performances. These are in turn all closely linked to its key activities in the area of development which include providing residencies for regional and international artists, holding workshops, professional open classes and ateliers and facilitating symposiums, laboratory research projects and university exchange platforms.

www.tanzhaus-nrw.de

www.pact-zollverein.de

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NRW DANCE PRODUCERS CONFERENCE (TpK) PRESENTER TANZ NRW 07

Kulturamt Köln

The Cultural Office of Cologne

Köln besitzt eine lebendige und blühende Tanzszene. Mehr als dreißig freie Tanzensembles sind hier aktiv und zeigen in unterschiedlichen Zusammensetzungen ihre Produktionen in Köln und den umliegenden NRWStädten. Dennoch sind die Arbeitsbedingungen für die Tanzschaffenden in Köln alles andere als einfach. Vor allem das Fehlen einer professionellen Produktions- und Aufführungsstätte erweist sich immer wieder als großer Nachteil. Als Kölner Spezifikum ist jedoch die große Dichte von Institutionen zu betrachten, die sich mit dem Tanz befassen. Zu nennen sind u.a. die drei Kölner Hochschulen für Musik/Bühnentanz, Sport und Medien, das Deutsche Tanzarchiv Köln, das Landesbüro Tanz NRW, die Gesellschaft für zeitgenössischen Tanz, sowie eine Vielzahl freier Kunstinitiativen und Veranstalter, die sich auch dem Tanz widmen. Die freie Tanzszene wird von städtischer Seite aus durch das Kulturamt betreut, das als Mitglied der Tanzproduzenten-Konferenz-NRW einer der Mitveranstalter des Festivals tanz nrw 07 ist. Gerade für die Kölner Tanzensembles, die auf ein eigenes Tanzzentrum in ihrer Stadt verzichten müssen, ist die landesweite Kooperation durch tanz nrw 07 besonders wichtig. Köln entwickelt im Rahmen des Festivals ein eigenes Programmprofil, das das oben beschriebene Spezifikum seiner vielen Einrichtungen herausstellt und darüber hinaus versucht, ein freudiges Tanzfest für das Publikum zu organisieren.

Cologne is home to a lively and blossoming dance scene. More than thirty independent dance ensembles are active here, presenting their productions in Cologne and the surrounding cities of North Rhine-Westphalia in various different constellations. Nonetheless, the working conditions for dancemakers in Cologne is anything be easy. The lack of a professional production and performance location proves time and again to be one of the primary shortcomings. However, Cologne is unique in that it is home to a plethora of institutions that deal with dance. Among others, the institutions here include three academies for music/dance performance, sports and media, the German Dance Archives, the NRW Office for Dance and numerous independent arts initiatives and presenters that also support dance. The independent dance scene is supported by the city’s Cultural Office, which is a co-presenter of the festival tanz nrw 07 as a member of the NRW Dance Producers Conference. The regional partnership set up by tanz nrw 07 is especially important for the Cologne-based dance ensembles, which have to do without a dance center in their own city. Within the framework of this festival, Cologne is developing its own program profile, which highlights the institutions mentioned above and seeks to organize a dance festival that is enjoyable for its audience.

www.stadt-koeln.de Kulturbüro der Stadt Wuppertal

The Cultural Office of Wuppertal

Das Kulturbüro der Stadt Wuppertal sieht seine Hauptaufgaben in der Literaturförderung, Rockförderung, der Förderung der bildenden und darstellenden Künste, sowie in der Betreuung von Musik- und Interkulturprojekten, die zum Teil auch vom Kulturbüro veranstaltet werden. Ziel ist es, einen Nährboden für eine lebendige und bunte freie Kunstszene zu schaffen, so dass Künstler und Künstlerinnen gerne in dieser Stadt leben und arbeiten. Ganz besonders verpflichtet fühlt sich das Kulturbüro der freien Tanzszene. Seit über 30 Jahren verleiht die Kreativität und Internationalität des Pina-Bausch-Ensembles der Stadt eine feinsinnige und weltoffene Geisteshaltung und trägt den Ruf Wuppertals als Tanzstadt um die ganze Welt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in diesem fruchtbaren Umfeld zahlreiche freie Tanzschaffende ansiedeln und eine künstlerische Heimat gefunden haben. Der Kulturort Café Ada hat sich, neben der Börse, nicht zuletzt durch die Ikonoclaste–Tanzreihe, um den freien Tanz sehr verdient gemacht. Das Café Ada ist ein in den letzten 15 Jahren aus der Subkultur natürlich gewachsenes Kulturzentrum, dem es gelungen ist, seinen ursprünglichen Charme und sein inspiratives und nonkonformistisches Potenzial zu erhalten. Es bietet ein Forum für Jazz, bildende Kunst, Literatur und die Tango- und Salsaszene. Das Café Ada ist ein Ort gelebter Integration.

The Cultural Office of Wuppertal is primarily concerned with the promotion of literature, rock music, visual arts and performing arts as well as sponsoring music and intercultural projects, some of which the Cultural Office itself presents. Its objective consists of creating a breeding ground for a lively and colorful arts scene in the hope that artists will enjoy living and working in this city. The Cultural Office feels a special sense of responsibility for the independent scene. For more than 30 years, the creativity and international acclaim of the Pina Bausch Ensemble has bestowed a subtle cosmopolitan mentality on the city and made Wuppertal known as a city of dance around the world. Therefore it is no wonder that numerous independent dancemakers have settled and made their artistic homes in this fertile environment. Along with Die Börse, the cultural center Café Ada has made a name for itself in the independent dance scene, not least due to the Ikonoclaste dance series. Café Ada is a cultural center that has organically developed from the subculture in the last 15 years and which has succeeded in retaining its original charm as well as its inspirational, non-conformist potential. It provides a forum for jazz, visual art and literature as well as the tango and salsa scene. Café Ada is a living example of arts integration.

www.wuppertal.de

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TANZPRODUZENTEN-KONFERENZ-NRW (TpK) VERANSTALTER TANZ NRW 07

Fabrik Heeder, Krefeld

Fabrik Heeder, Krefeld

Die Fabrik Heeder – 1906 als Tapeten- und Wachstuchfabrik errichtet – wurde 1989 als Kulturzentrum der Stadt Krefeld eröffnet. Das Haus des Kulturbüros wird von verschiedenen Veranstaltern und Institutionen bespielt. Das Kulturbüro selber präsentiert „im eigenen Haus“ neben Angeboten im Bereich Film und Fotografie vor allem zeitgenössischen Tanz der professionellen freien Szene. Seit 1994 findet regelmäßig die Reihe MOVE! – Krefelder Tage für modernen Tanz statt. In 2006 wurde mit fused – TanzKunst in Krefeld ein weiteres Format geschaffen. In der Vergangenheit beteiligte sich das Kulturbüro regelmäßig an den landesweiten Reihen Meeting Neuer Tanz, Internationales Tanzfestival und tanzstrasse. In den letzten Jahren hat das Kulturbüro Wert darauf gelegt, über die Rolle der reinen Abspielstätte hinaus, die Fabrik Heeder verstärkt als Produktionsort für die nordrhein-westfälische Tanzszene anzubieten. Krefeld ist derzeit die wichtigste Spielstätte für den zeitgenössischen Tanz der professionellen freien Szene am linken Niederrhein und verortet so den zeitgenössischen Tanz nachhaltig auch in der Peripherie.

Fabrik Heeder was built in 1906 as a wallpaper and oilcloth factory and then reopened as a cultural center for the city of Krefeld in 1989. The home of the city’s Cultural Office is filled with performances by various presenters and institutions. In addition to film and photography offerings, the Cultural Office itself primarily presents contemporary dance from the professional independent scene in its own building. The series MOVE! – Krefelder Tage für modernen Tanz has taken place regularly since 1994. An additional format was created in 2006 with the title fused - TanzKunst in Krefeld. The Cultural Office has regularly participated in series such as Meeting Neuer Tanz, Internationales Tanzfestival and tanzstrasse in association with other cities in North Rhine-Westphalia. In the past few years, the Cultural Office has placed emphasis on extending the function of Fabrik Heeder from solely being a performance center to being a production location for the dance scene in North Rhine-Westphalia. Krefeld is currently the most important venue for contemporary dance in the professional independent scene in the Western Lower Rhine region, thus helping sustain contemporary dance in surrounding area as well.

www.krefeld.de/kulturbuero

Stadt Viersen – Kulturabteilung

The City of Viersen – Cultural Department

Die Stadt Viersen genießt einen hervorragenden Ruf als Ort kultureller Veranstaltungen am Niederrhein. Zentrum des kulturellen Lebens der Stadt ist die Festhalle, die 1913 als Schenkung des Fabrikanten Kaiser eröffnet wurde. Hier findet u.a. das Internationale Jazz-Festival Viersen statt, aber auch die zahlreichen Programme der Sparten Schauspiel, Oper, Operette, Musical, Kabarett, Ballett und Tanztheater haben hier ihren Ort. Die herausragende Akustik der Festhalle hat zudem dazu geführt, dass besonders klassische Konzerte hier immer wieder für überregionale Aufmerksamkeit sorgen. Internationale Größen der Musikwelt kehren gerne zu konzertanten Aufführungen hierher zurück. Auch für Rundfunk- und CDAufnahmen wird die Halle oft genutzt. Kontinuierlich wird das Viersener Publikum für modernen Tanz erschlossen. Im Rahmen des Kulturprogramms gastierten beispielsweise das Nederlands Dans Theater, die Hubbard Street Company oder die Juniorkompanie des Zürcher Balletts in Viersen und fanden begeisterten Zuspruch. Die Stadt Viersen bietet durch ihre Teilnahme an tanz nrw 07 dem nordrhein-westfälischen Tanz eine Plattform und baut so ihr Profil als Aufführungsstätte für zeitgenössischen Tanz am linken Niederrhein weiter aus.

The city of Viersen enjoys an excellent reputation as a cultural event hub in the Lower Rhine region. Cultural activities center around the Festhalle (festival hall), which was donated by the manufacturer Kaiser in 1913. It is home to the International Jazz Festival Viersen as well as numerous programs from the areas of theater, opera, operetta, musical, cabaret, ballet and dance theater. The exceptional acoustics of the Festhalle also has the effect that especially classical concerts attract attention from outside the region. International greats of the music industry are happy to return here for operatic performances. The concert hall is also used frequently for radio and CD recordings. The audience in Viersen is exposed to modern dance on an ongoing basis. Nederlands Dans Theater, the Hubbard Street Company, the Zürich Ballet junior company and other renowned dance companies have found an enthusiastic audience within the framework of Viersen’s cultural program. As part of its participation in tanz nrw 07, Viersen is offering the dance scene in North Rhine-Westphalia a platform and thus developing its profile as a performance center for contemporary dance in the Western Lower Rhine region.

www.viersen.de

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Dance Producers Conference NRW

Theater im Pumpenhaus, Münster

Theater im Pumpenhaus, Münster

Das in Münster beheimatete Theater im Pumpenhaus gehört zu den guten Adressen in der deutschen Tanz- und Theaterszene. Die Gästeliste im Tanzbereich ist lang. Hier einige Auszüge: Kazuo Ohno und Dumb Type aus Japan, das Big Dance Theatre aus New York, aus Seoul kamen das Laboratory Dance Project, das Dance Theater Ccadoo und die Gamblerz Crew, aus Afrika Mutoto Chaud und die Compagnie Gàara, aus der Sowjetunion gastierten Olga Pona mit ihrem Ensemble und die Provincial Dances. Enge Beziehungen bestehen mit Meg Stuart, Jan Fabre, Jérôme Bel, Victoria und NEUER TANZ. Koproduktionen wurden mit Sascha Waltz, Helena Waldmann, Samir Akika und dem langjährigen Weggefährten Raimund Hoghe realisiert. 

The Theater im Pumpenhaus in Münster is among the top addresses in the German dance and theater scene. The guest list in the area of dance is long. Here is an excerpt: Kazuo Ohno and Dumb Type from Japan, Big Dance Theatre from New York, Laboratory Dance Project from Seoul, Dance Theater Ccadoo and Gamblerz Crew, Mutoto Chaud and Compagnie Gàara from Africa, and from the Soviet Union it hosted Olga Pona with her ensemble and the Provincial Dances. It maintains close relations with Meg Stuart, Jan Fabre, Jérôme Bel, Victoria and NEUER TANZ. Co-productions have been realized with Sascha Waltz, Helena Waldmann, Samir Akika and the long-term companion Raimund Hoghe. 

Bayer Kulturabteilung Leverkusen

Bayer Leverkusen Cultural Department

In der Spielzeit 2007/08 begeht die Bayer Kulturabteilung ihren hundertsten Geburtstag! Seit 1907 werden in Leverkusen und inzwischen auch an anderen Bayer-Standorten Kulturveranstaltungen durchgeführt, die die Kulturabteilung fest in der Region verankert haben. Neben den großen Bereichen Musik mit mehreren Konzertringen, einem breit gefächerten Theaterprogramm und Ausstellungen, spielt auch der Tanz schon seit über 70 Jahren eine wesentliche Rolle: Den Anfang macht Harald Kreutzberg, der 1936 im BayerErholungshaus auftritt. Nach zunächst vereinzelten Gastspielen nationaler und auch internationaler Kompanien wie den Ballets Janine Charrat Paris (1953), dem Berliner Ballett (Tatjana Gsovsky, 1957), Het Nationale Ballet (erstmals 1958), NDT und Batsheva Dance Company (beide ab 1969) werden 1987 die Veranstaltungen gebündelt im Ballett- und Tanzring, der das Publikum aus der ganzen Region in die beiden Spielstätten Erholungshaus und Forum anzieht. Seit einigen Jahren initiiert die Kulturabteilung auch neue Produktionen, die in Leverkusen zur Premiere kommen: u.a. von Jochen Ulrich (Tanzforum Köln), Henrietta Horn (Folkwang-Tanzstudio), Germaine Acogny (Jant-Bi).

The Bayer Cultural Department is celebrating its 100th birthday in the 2007/08 season! Cultural events have been organized since 1907 in Leverkusen and, in the meantime, also in other Bayer locations and have served to solidly anchor the Cultural Department in the region. In addition to the large areas of music with several concert subscription series, a comprehensive theater program and exhibitions, dance has also played an important role for over 70 years. Harald Kreutzberg, who performed in Bayer‘s Erholungshaus (recreation hall) in 1936, started the tradition. After several isolated guest performances by national and international companies such as Ballets Janine Charrat Paris (1953), Berliner Ballett (Tatjana Gsovsky, 1957), Het Nationale Ballet (for the first time in 1958), NDT and Batsheva Dance Company (both starting in 1969), the events were bundled in the ballet and dance series in 1987, which attracted an audience from the entire region to the two theaters Erholungshaus and Forum. For several years, the Cultural Department has been initiating new productions, which have their premieres in Leverkusen: among others by Jochen Ulrich (Tanzforum Köln), Henrietta Horn (FolkwangTanzstudio) and Germaine Acogny (Jant-Bi).

www.pumpenhaus.de

www.kultur.bayer.de

tanz performance köln

tanz performance köln

tanz performance köln wurde 1989 von Madeline Ritter als Interessenvertretung für den Tanz in Köln gegründet. Mittlerweile ist es ein internationales Organisations- und Produktionsbüro für zeitgenössischen Tanz in Köln. tanz performance köln initiiert, konzipiert und produziert als unabhängige Kulturinstitution auf nationaler und europäischer Ebene und realisiert zahlreiche Veranstaltungsreihen, Festivals und europäische Netzwerkprojekte, die neue Entwicklungen des zeitgenössischen Tanzes repräsentieren. Ein Schwerpunkt ist die Projektentwicklung für spezifische Orte, die neue Formen und Formate des Tanzes fördern. Insbesondere experimentelle Produktionen mit interdisziplinärem Ansatz bilden das Profil von tanz performance köln. In den letzten Jahren hat tanz performance köln u.a. in Koproduktion mit dem Schauspiel Köln drei internationale Festivals in der Halle Kalk in Köln realisiert.

tanz performance köln was established by Madeline Ritter in 1989 as a lobby for dance in Cologne. In the meantime it has become an international organization and production agency for contemporary dance in Cologne. tanz performance köln initiates, conceives and produces as an independent cultural institution at the national and European level, producing numerous performance series, festivals and European network projects, which represent new developments in contemporary dance. One of its focuses consists in project development for specific locations that promote new dance forms and formats. Especially experimental productions with interdisciplinary approaches make up the profile of tanz performance köln. Among other projects tanz performance köln produced three international festivals in the past three years in Cologne’s Halle Kalk in collaboration with Schauspiel Köln.

www.tanzperformance.net

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PARTNERPARTNERSTANZ NRW 07

Deutsches Tanzarchiv Köln

Deutsches Tanzarchiv Köln (German Dance Archives Cologne)

Das Deutsche Tanzarchiv Köln/SK Stiftung Kultur, 1948 von dem Tänzer und Pädagogen Kurt Peters gegründet, ist mit seiner umfangreichen Bibliothek und Videothek, seinen einzigartigen Archivbeständen und seinem Museums- und Ausstellungsbereich eines der profiliertesten Informations-, Dokumentations- und Forschungszentren für Tanz in Westeuropa. Es versteht sich als aktives Archiv, als lebendiges Bindeglied zwischen der Geschichte und der Gegenwart des Tanzes. Initiativen für die Etablierung der Tanzwissenschaft prägen sein Gesicht ebenso wie das Engagement für die Vielfalt der Tanzlandschaft. Neben der Bewahrung von Zeugnissen der Tanzkunst widmet sich das Deutsche Tanzarchiv Köln verstärkt der Aufarbeitung und Präsentation dieser Dokumente in Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen. In Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen schreibt das Archiv alle fünf Jahre den Tanzwissenschaftspreis NRW zur Förderung der tanzwissenschaftlichen Forschung in Deutschland aus.

The Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur, which was established in 1948 by the dancer and teacher Kurt Peters, is one of the most prominent information, documentation and research centers for dance in Western Europe with its extensive library of books and videos, its unique archives, and its museum and exhibition space. It is conceived as an active archive, a living interface between dance of the past and the present. Initiatives for promoting dance studies characterize the organization as much as its commitment to the variety of the dance landscape. In addition to conserving testimonials to the art of dance, Deutsches Tanzarchiv Köln places emphasis on preparing and presenting these documents in exhibitions, publications and events. In collaboration with the federal state of North Rhine-Westphalia, Deutsches Tanzarchiv Köln presents the NRW dance studies award every five years to promote dance research in Germany.

NRW Landesbüro Tanz

NRW Landesbüro Tanz (The NRW Office for Dance)

Tanz zu fördern, eine Lobby für den zeitgenössischen Tanz zu schaffen sowie der bundesweite und internationale Austausch – so lauten die Aufgaben des in Köln ansässigen NRW Landesbüros Tanz. 1995 wurde es im Auftrage des Landes NRW von Anne Neumann-Schultheis und der Gesellschaft für Zeitgenössischen Tanz NRW e.V. ins Leben gerufen. Das NRW Landesbüro Tanz informiert über den Tanz in NRW, berät bei der Durchführung von Projekten und unterstützt die Arbeit der Tanzschaffenden durch Seminare und Konferenzen sowie durch eigene Projekte. Hier sind hervorzuheben: Tanz in Schulen als Integration kreativer Tanzprojekte in den Schulalltag; die internationale tanzmesse nrw und die verschiedenen Internetportale, die zur Vernetzung der Tanzszene beitragen. Die internationale tanzmesse nrw wird biennal mit dem Land NRW und der Landeshauptstadt Düsseldorf veranstaltet und von Tanzschaffenden, Promotern, Veranstaltern und vielen Tanzinteressierten aus aller Welt besucht. Die Besucher können sich über aktuelle Tanztendenzen der verschiedenen Weltregionen anhand der Präsentationen auf den Bühnen und Messeständen informieren, persönliche Netzwerke können geknüpft und – last but not least – Kooperationsvereinbarungen getroffen werden.

Promoting dance and creating a lobby for contemporary dance as well as an exchange at a national and international level are the tasks of the NRW Office for Dance, which is situated in Cologne. It was established in 1995 by Anne Neumann-Schultheis and the Gesellschaft für Zeitgenössischen Tanz NRW e.V. as commissioned by North Rhine-Westphalia. NRW Landesbüro Tanz provides information pertaining to dance in North RhineWestphalia, consultation in carrying out projects, and support for the work of dancemakers by organizing seminars and conferences as well as projects of its own. Its achievements include the Dance in Schools program for integrating creative dance projects as part of regular school curricula, the international dance fair nrw and various Internet portals intended to help network the dance scene. The international dance fair nrw is organized biannually together with the state of North Rhine-Westphalia and the regional capital of Düsseldorf. Its visitors include dancemakers, promoters, presenters and dance enthusiasts from around the world. The visitors are given the opportunity to obtain information pertaining to current dance trends in the various regions of the world by way of presentations on the stages and at the trade fair booths. This serves as a platform for personal networking and, last but not least, a place where cooperative agreements can be made.

www.sk-kultur.de/tanz

www.tanzserver-nrw.de www.dance-germany.org

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AdressenAdresses Choreographen und KompanienChoreographers and companies Die Adressdaten wurden auf der Basis der Datei der Tanzplattform Deutschland erstellt, die fortlaufend durch das Internationale Theaterinstitut ITI und das Goethe Institut überarbeitet werden und auch über die Internet-Seite www.goethe. de/tanzadressen zu finden sind. Für die Publikation tanz nrw aktuell 07 wurde die Adressdatei redaktionell bearbeitet. Die Daten werden in dieser Form dem GoetheInstitut und der Tanzplattform Deutschland 2008 zur Verfügung gestellt.

Address information has been created based on the file from Tanzplattform Deutschland, which is updated on a regular basis by the Internationale Theaterinstitut ITI and the Goethe Institut and is also available at the web site www.goethe.de/tanzadressen. The address file has been edited for the publication tanz nrw aktuell 07. This revised data will be provided to the Goethe Institut and the Tanzplattform Deutschland 2008.

Die Adressdaten sind in zwei Teile gegliedert: 1. Teil: Choreographen und Kompanien, welche in NRW arbeiten (alphab. Ordnung) 2. Teil: Institutionen mit Sitz in NRW (Gliederung nach Städten, innerhalb der Städte besteht eine alphabetische Sortierung nach dem Namen der Institution)

The address data is divided into two parts: Part 1: Choreographers and companies, who work in North Rhine-Westphalia (in alphabetical order) Part 2: Institutions located in North Rhine-Westphalia (organized by city and in alphabetical order by the name of the institutions within each city)

M: Management GF: Geschäftsführung

M: Management GF: Administration

Sabine Adams Am Zaarshäuschen 12 51427 Bergisch-Gladbach T:+49 2204 427424 bine.adams@gmx.net Samir Akika Les Petits Poissons M: Joachim Goldschmidt Am Kreuztor 6 48147 Münster T:+49 177 3266389 jgkultur@freenet.de Takao Baba E-motion M: Joachim Goldschmidt Am Kreuztor 6 48147 Münster T:+49 177 3266389 jgkultur@freenet.de Pina Bausch Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH GF: Koza Tamdogan Postfach 20 18 13 42218 Wuppertal T:+49 202 5634253 info@pina-bausch.de www.pina-bausch.de Irene Borguet-Kalbusch Compagnie Irene Kalbusch ArtSinnThese e.V. M: Alena Deckers Nerscheider Weg 38 52076 Aachen T:+32 87 555575 irene.k@skynet.be www.irenek.be

Christine Brunel Tanztheater Christine Brunel M: Tonja Wiebracht Brunostr. 23 45130 Essen T:+49 201 770184 T:+49 201 7495630 tonja-wiebracht@gmx.de christine-brunel.tanz@gmx.de www.tanztheater-christine-brunel.de Jost Budde Teatro Tango Gerresheimerstr. 241 40721 Düsseldorf T:+49 2103 259155 jost.budde@t-online.de www.teatrotango.de Felix Bürkle Kirchhofsallee 37 45239 Essen T:+49 178 7294714 felix@felixbuerkle.net www.felixbuerkle.net Wara Cajías Bulubú ChoreographischesTheater Ensemble Lübecker Str. 26 50670 Köln waracajias@hotmail.com www.bulubu-tanztheater.de www.waracajias.com

Černá & Vanek Dance Eva Černá, Karel Vanek Wolfsgasse 3 53225 Bonn T:+49 228 440619 CernaVanekDance@gmx.com www.cernavanekdance.com Cognigni / Reinecke Ana Cognigni & Mirko Reinecke Designstadt No. 1 Martin-Kremmer-Str. 12 45237 Essen T:+49 201 756247 figur@aol.com Paula C. Collins Paula C. Collins Modern Dance Theatre Unterstr. 10 44892 Bochum T:+49 234 293946 paula.collins@web.de Leonard A. Cruz Leonard Cruz Tanztheatre Heckstr. 79 45239 Essen T:+49 201 4087966 cruzlc@cs.com www.leonard-cruz.com

Cantadoras Janin Roeder Adriana Kocijan Morsehofstr. 14 45138 Essen T:+49 201 494717 info@cantadoras.de www.cantadoras.de

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Alexandra Dederichs S.E. Struck SEE! M: Astrid Lutz Tieckstr. 102 50825 Köln T:+49 2204 482825 alex@seeindeinerstadt.de contact@arts-org.de www.seeindeinerstadt.de

Lina do Carmo Compagnie Lina do Carmo M: Klara Weber Titusstr. 26 50678 Köln T:+49 221 384686 info@linadocarmo.de www.linadocarmo.de Double C Chrystel Guillebeaud Chun-Hsien Wu M: Katharina Matthes Brillerstr. 7a 42105 Wuppertal T:+49 202 316305 chr-wu@versanet.de Zekai Fenerci Renegade Theatre Wibbelt Str. 7 44649 Herne T:+49 163 8101410 zekai.fenerci@gmail.com info@renegade-theatre.de www.renegade-theatre.de Ricardo Fernando Theater Hagen Elberfelder Str. 65 58095 Hagen T:+49 2331 2073210 ricardo.fernando@stadt-hagen.de www.theater.hagen.de Jacqueline Fischer Theater der Klänge Jörg Lensing Winkelsfelder Str. 21 40477 Düsseldorf T:+49 211 462746 info@theater-der-klaenge.de www.theater-der-klaenge.de


Adressen

Choreographen und Kompanien Sonia Franken Regina Rossi Bauchladen Monopol Siegfriedstr. 6-8 50678 Köln T:+49 177 3266389 blm@kulturserver-nrw.de www.blm.kulturserver-nrw.de Barbara Fuchs tanzfuchs Florastr. 1 50733 Köln T:+49 221 7021782 mail@tanzfuchs.de www.tanzfuchs.de Catharina Gadelha Catharina Gadelha Dança M: Julia Reinhardt/Spezialgast Godorfer Str. 61 50997 Köln T:+49 2236 336943 T:+49 172 6487656 gadelha@gmx.de www.spezialgast.de www.catharina-gadelha.org

Eva Geueke POWer Productions Unterberg 52 42799 Leichlingen T:+49 2175 2631 eva@ewahine.com

Sebastian Gibas Velberterstr. 72 45239 Essen T:+49 178 1446334 Sebastian_Gibas@web.de www.sebastian_gibas.de Rafaële Giovanola Rainald Endrass COCOONDANCE M: Alexandra Schmidt Goethestr. 31 53113 Bonn T:+49 228 265685 T:+49 173 7421357 cocoondance@aol.com www.cocoondance.de

Daniel Goldin Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster Ardan Hussain Neubrückenstr. 63 48143 Münster T:+49 251 5909193 Tanztheater@stadt-muenster.de www.stadttheater.muenster.de

Suna Göncü YOLtanz Bernhard-Letterhaus-Str. 18 50670 Köln T:+49 221 17933860 info@yol-tanz.de www.yol-tanz.de

Jelena Ivanovic Ivanovic Clan An der Apostelkirche 1 45145 Essen T:+49 173 6086076 ijtanztheater@aol.com www.Ivanovic-Clan.com

Torsten Konrad Neukircherstr. 11 45239 Essen T:+49 151 11568430 performance@torstenkonrad.com www.torstenkonrad.com

Birgit Götz Immermannstr. 39 44147 Dortmund T:+49 231 982120 b.goetz@theaterimdepot.de www.theaterimdepot.de

André Jolles NUDEANTS-PROJECTS Kunsthaus Rhenania Bayenstr. 28 50678 Köln T:+49 221 9385301 andrejolles@hotmail.com www.at-koeln.de

Marcus Grolle Ruhrallee 34 45138 Essen T:+49 173 9033712 marcusgrolle1@gmx.de

In-Jung Jun Blue Elephant Company M: Andreas Becker Albertstr. 100 40233 Düsseldorf T:+49 221 9526491 boulanger@gmx.de

Susanne Helmes SusaHee Performance Bismarkstr.44 50672 Köln T:+49 221 4504216 info@susahee.de www.susahee.de

Avi Kaiser M: Dagmar Grasshoff Springwall 4 47051 Duisburg T:+49 203 3467984 dagmar.grasshoff@cityweb.de

Angie Hiesl Angie Hiesl Produktion Severinstr. 28 50678 Köln T:+49 221 325887 angie.hiesl@netcologne.de www.angiehiesl.de

Yun Jung Kim YJK Dance Düsseldorf T:+49 211 4542039 yjkdance@hanmail.net www.dance-web.org/yjkdance/

Jennifer Hoernemann Hoernemann Produktionen Rheindorfer Str 40 53225 Bonn T:+49 228 4038681 jenniferhoernemann@web.de www.theaterszene-koeln.de/kuenstler

Gabriele Koch dance-fields productions Am Werth 14 45527 Hattingen T:+49 2324 903424 T:+49 160 5258336 g_f_koch@yahoo.de www.dance-fields.de

Raimund Hoghe M: Arnaud Antolinos rh.company@gmx.net arnaud.antolinos@club-internet.fr www.raimundhoghe.com

Gerda König DIN A 13 tanzcompany Gereonshof 4 50670 Köln T:+49 221 136153 dina13@gmx.de www.din-a13.de

Henrietta Horn Folkwang Tanzstudio Claudia Lüttringhaus Klemensborn 39 45239 Essen T:+49 201 4903189 FTS@folkwang-hochschule.de www.folkwang-tanzstudio.de

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Peter Krauss 0110move Martinsfeld 17 50676 Köln T:+49 172 9050990 0110move@culturebase.org www.0110move.culturebase.org Johann Kresnik Theater Bonn Am Boeselagerhof 1 53111 Bonn T:+49 228 778250 michael.kahleyss@bonn.de www.theater-bonn.de

Claudia Küppers Lalun Ensemble Goethestr. 12 40237 Düsseldorf T:+49 211 665238 lalun96@yahoo.de

Rodolpho Leoni rodolpho leoni dance M: Anke Schinka Friedrich-Ebert-Str. 13 A 42103 Wuppertal T:+49 202 312949 leoni@leoni-dance.de www.leoni-dance.de

Claudia Lichtblau M: Matthias Hartmann Dudenstr. 3a 45239 Essen T:+49 201 8156650 mail@claudia-lichtblau.de www.claudia-lichtblau.de Britta Lieberknecht Piccoloministr. 316 51067 Köln T:+49 221 631571 T:+49 160 96813763 britta@lieberknecht.de www.theaterszene-koeln.de


Adresses Choreographers and companies Richard Lowe Landestheater Detmold Theaterplatz 1 32756 Detmold T:+49 5231 97460 info@landestheater-detmold.de www.landestheater-detmold.de

Andrea Lucas Joachim von der Heiden Monteure Rochusstr. 56 50827 Köln T:+49 221 5103016 T:+49 163 9719837 bureau@theater-monteure.de www.theater-monteure.de

Eloisa Mirabassi Schubertstr. 13 45128 Essen T:+49 2017267324 T:+49 170 5473925 eloisamirabassi@web.de Sônia Mota Sônia Mota Danças Klerschweg 11 50969 Köln T:+49 221 371826 sonia3mota@arcor.de www.quaadriduuo.tanzproduktion.de

movingtheatre.de Achim Conrad, Massimo Gerardi, Emanuele Soavi Goebenstr. 3 50672 Köln T:+49 177 2366 926 info@movingtheatre.de www.movingtheatre.de

Guido Markowitz Guido Markowitz Dance Wormser Str. 55a 50677 Köln T:+49 221 3400948 markoaut@gmx.net www. gm-dance.de

Morgan Nardi Naoko Tanaka LUDICA M: Martin Brüggemann Hoffeldstr. 18 40235 Düsseldorf T:+49 211 460760 kontakt@ludica.de mabrueggemann@aol.com www.ludica.de

Frieder Mann x-motion Augustastr. 50 53173 Bonn T:+49 228 3698708 Frieder.Mann@web.de www.Friedermann.de

Bernd Uwe Marszan Sophienstr. 3 42103 Wuppertal T:+49 178 46079 07 koerpertexte@arcor.de www.koerpertexte.de Carlo Melis Heerweg 24a 40789 Monheim am Rhein T:+49 2173 1019267 carlomelis@t-online.de Amanda Miller pretty ugly tanz köln GF: Uwe Möller M: Hanna Koller Offenbachplatz 50667 Köln T:+49 221 2572430 info@prettyugly.de www.prettyugly.de

Dyane Neiman c/o Barnes Crossing, Choreographen- Netzwerk Köln/Bonn e.V. Industriestr. 170 50999 Köln T:+49 2236 963588 info@barnescrossing.de www.barnescrossing.de Eduardo Castro Neves Giselle‘s Cottage at the Bolshoi c/o Mascher Vondelstr. 60 50677 Köln T:+49 178 540 3640 eduardocastroneves@t-online.de Helena Nicolao Himmelgeister Str. 107d 40225 Düsseldorf T:+49 177 2982972 helenanicolao@hotmail.com www.helena.nicolao.de

Cordula Nolte Tanztheater Cordula Nolte Paulinenstr. 2 44137 Dortmund T:+49 231 147916 c.nolte@tanztheater-cordula-nolte.de www.tanztheater-cordula-nolte.de

Robert North Theater Krefeld/Mönchengladbach Silke Meier Odenkirchener Str. 78 41236 Mönchengladbach T:+49 2166 6151123 meier@theater-kr-mg.de

www.theater-krefeld-moenchengladbach.de

Ilona Pászthy IP-tanz Schwerinstr. 27 50733 Köln T:+49 221 410860 ip-tanz@miegl.com www.ip-tanz.com

POGOensemble Dilan Ercenk, Denise Temme, TessaTemme Köln T:+49 177 2537463 pogoensemble@yahoo.de www.pogoensemble.dance-germany.org

Uta Püttmann UtaPüttmannProduktion Bonn utanz@gmx.de

Manuel Quero Compagnie Manuel Quero M: Ardan Hussain Rothenburg 47 48143 Münster T:+49 172 5867803 m.quero@web.de www.compagnie-manuel-quero.de

Günther Rebel Rebel Dance Company Am Hohen Ufer 12 48167 Münster T:+49 2506 1485 guenther.rebel@bodylanguage.de www.rebeldancecompany.de

61

Benedetta Reuter Kunsthaus Rhenania Bayenstr. 28 50678 Köln T:+49 221 9385301 benerr@hotmail.com

Ben J. Riepe T:+49 179 4544117 benjriepe@benjriepe.com www.benjriepe.com

Julia Riera Lindenthalgürtel 77 50935 Köln T:+49 221 2826263 juliariera@hotmail.com Susi Rosenfeld Neusser Str. 30-32 50670 Köln T:+49 221 1397327 susirosenfeld@web.de Gitta Roser Vondelstr. 34 50677 Köln T:+49 221 9875525 T:+49 163 5286587 gitta.roser@gmx.de Vera Sander VeraSanderArtConnects Gut Horbell 50858 Köln T:+49 2234 271261 verasanderartconnects@web.de www.verasanderartconnects.de

Mônica Santos Gira-Girô TanzTheater Annaberger Str. 31 53175 Bonn T:+49 228 311572 santos-kuenkel@tronet.de www.ndh.net/home/kuenkel

Mitsuru Sasaki Sasaki Dance Co. T:+49 202 2624170 mitsuru_sasaki@web.de

Jean Laurent Sasportes CafeAda DanceTheatre Mirker Str. 43 42105 Wuppertal jsasportes@aol.com www.jsasportes.com


AdressesAdressen

Choreographers and companiesChoreographen und Kompanien Bernd Schindowski Ballett Schindowski Musiktheater im Revier Kennedyplatz 45881 Gelsenkirchen T:+49 209 4097138

ballett.schindowski@musiktheater-im-revier.de

www.musiktheater-im-revier.de

Eva Schmale Triftweg 35 50226 Frechen T:+49 2234 691860 Eva.Schmale@web.de Gerlind O. Schweppe Gerlind O. Schweppe & Guests Erpeler Str. 27 50939 Köln T:+49 221 414209 GOSchweppe@aol.com www.theaterszene-koeln.de Katharine Sehnert Katharine Sehnert productions St. Apern Str. 14-18 50667 Köln T:+49 221 2570803 KatharineSehnert@aol.com www.mediantics.com/sehnert

Sabine Seume :Sabine Seume. Ensemble. Ritastr. 5 40589 Düsseldorf T:+49 211 7883445 sabine-seume@t-online.de www.sabine-seume.com

Yoshie Shibahara Hansaring 82-86 50670 Köln T:+49 221 2053826 sweetpoint29@yahoo.com www.shibahara.kulturserver-nrw.de Geraldo Si x.x.y. theater Wiesenstr. 12 42105 Wuppertal geraldosi@gmx.de www.geraldosi.de Mark Sieczkarek Mark Sieczkarek Company Schreinerstr. 10 42105 Wuppertal info@sieczkarek.de www.sieczkarek.de

Andreas Simon Blumenstr. 63 47798 Krefeld T:+49 2151 67108 Teipel-Simon@t-online.de www.andreas-simon.kulturserver.de

Mohan C. Thomas Tanzmoto M: Bernd Mayer Heidhauser Str.221 45239 Essen T:+49 201 4087035 info@tanzmoto.com www.tanzmoto.com

Caroline Simon c/o Studio 11 Gravenreuthstr. 11 50823 Köln T:+49 221 2226663 cali_simon@hotmail.com

Karin Trodler Holzstr. 35 52349 Düren T:+49 2421 941014 T:+49 163 7185586 Karin.Tro@gmx.de

Anneliese Soglio Talbogen 6 45133 Essen anneliese@soglio.net www.soglio.net

Youri Vàmos Ballett d. Deutschen Oper am Rhein M: Oliver Königsfeld Heinrich-Heine-Allee 16a 40213 Düsseldorf T:+49 211 8925340 ballett@deutsche-oper-am-rhein.de www.rheinoper.de

Gabrielle Staiger Herwarthstr. 25 50672 Köln T:+49 177 2763661 gabriellestaiger@gmail.com www.gabriellestaiger.com

Ricardo Viviani mammut Tanzproduktion Grosse Str. 19 47533 Kleve T:+49 2821 4609663 T:+49 177 2814587 mammut@tanzproduktion.de www.mammut.tanzproduktion.de

Sabina Stücker An der Apostelkirche 1 45145 Essen T:+49 201 7495084 mail@sabina-stuecker.de www.sabina-stuecker.de

Tanztheater Entre Pasos Pavlina Cerna Alexeider Abad Gonzalez Witteringstraße 1 45130 Essen T:+ 49 163 2048316 info@entrepasos.com www.entrepasos.com

Alexandra Waierstall Noema Dance Works Cantadorstr. 20 40211 Düsseldorf T:+49 173 5176499 info@alexandrawaierstall.com www.alexandrawaierstall.com

Tchekpo Dance Company Ulla u. Tchekpo Dan Agbetou Am Bach 11 33602 Bielefeld T:+49 521 175656 info@dansart.de www.dansart.de

Xin Peng Wang Ballett Dortmund M: Tobias Ehinger Theater Dortmund Kuhstr. 12 44137 Dortmund T:+49 231 5026856 tehinger@theaterdo.de www.theaterdo.de

Stephanie Thiersch MOUVOIR M: Christine Florack Weidengasse 58 50668 Köln T:+49 221 4694519 info@mouvoir.de www.mouvoir.de

62

Gregor Weber body in crisis Alteburger Str. 40 50678 Köln T:+49 221 8705981 bodyincrisis@gmx.de www.bodyincrisis.com

Gudrun Wegener Hermannstr. 102 53225 Bonn T:+49 228 477170 Gudrun.Wegener@t-online.de Rahel Weissmann Nettengasse 9 50859 Köln T:+49 2234 949468 Erika Winkler Tanzwink Niehlerstr.187 50733 Köln T:+49 221 7158741 erikawi@netcologne.de www.tanzwink.de

Katja F.M.Wolf T:+49 179 1300982 kontakt@katja-f-m-wolf.de www.katja-f-m-wolf.de VA Wölfl NEUER TANZ M: Snezana Golubovic Marstall, Schloss Benrath Urdenbacher Allee 10 40593 Düsseldorf T:+49 211 7187777 neuertanz@neuertanz.com www.neuertanz.com

Silke Z. silke.z:resistdance. M: Andrea Bartsch c/o Studio 11 Gravenreutherstr. 11 50823 Köln T:+49 221 2226663 info@resistdance.com www.resistdance.com Hana Zanin Siemensstr. 9 40227 Düsseldorf T:+49 175 6273449 hanuskap@centrum.cz Gregor Zöllig Tanztheater d. Theaters Bielefeld M: Christine Grunert Brunnenstr. 3-9 33602 Bielefeld T:+49 521 518435 christine.grunert@bielefeld.de www.theater-bielefeld.de


AdressenAdresses InstitutionenInstitutions Aachen Kulturbetrieb der Stadt Aachen Veranstaltungsmanagement Rick Takvorian Ludwig Forum für Internationale Kunst Jülicher Straße 97-109 52070 Aachen T:+49 241 1807112 Rick.Takvorian@mail.aachen.de www.ludwigforum.de

Bergisch Gladbach Theater im Bürgerhaus Bergischer Löwe Volker Aurich Konrad Adenauer Platz 51465 Bergisch Gladbach T:+49 02202 38999 theater@bergischgladbach.de www.bergischerloewe.de

Bielefeld DansArt Tanznetworks Tchekpo und Ulla Dan Agbetou Am Bach 11 33602 Bielefeld T:+49 521 175656 info@dansart.de www.dansart.de

Tanzfestival Bielefeld Kulturamt der Stadt Bielefeld Karin Rietdorf Neues Rathaus Niederwall 23 33602 Bielefeld T:+49 521 518589 karin.rietdorf@bielefeld.de www.tanzfestival-bielefeld.de

Tanztheater des Theaters Bielefeld Gregor Zöllig M: Christine Grunert Brunnenstr. 3-9 33602 Bielefeld T:+49 521 518435 christine.grunert@bielefeld.de www.theater-bielefeld.de Theaterlabor im Tor 6 Siegmar Schröder Hermann-Kleinewächter-Str. 4 33602 Bielefeld T:+49 521 287856 info@theaterlabor.de www.theaterlabor.de

Bonn Bundesministerium für Bildung und Forschung Referat Kulturelle Bildung Dr. Gisela Steffens Heinemannstr. 2 53175 Bonn T:+49 228 99573516 gisela.steffens@bmbf.bund.de www.bmbf.de

Choreographisches Theater Johann Kresnik Theater Bonn Am Boeselagerhof 1 53111 Bonn T:+49 228 778250 michael.kahleyss@bonn.de www.theater-bonn.de

Kunst- und Ausstellungshalle d. Bundesrepublik Deutschland Stephan Andreae Friedrich-Ebert-Allee 4 53113 Bonn T:+49 228 9171236 forum@kah-bonn.de www.kah-bonn.de www.bundeskunsthalle.de

Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der BRD Jürgen Kasten Lennéstr. 6 53113 Bonn T:+49 228 5010 kultur@kmk.org www.kmk.org

Stadt Bonn / Kulturamt Andreas Bomheuer Kurfürstenallee 2-3 53177 Bonn T:+49 228 774467 amtsleitung.amt41@bonn.de www.bonn.de

die bühne in der brotfabrik Ulrike Dümpelmann Kreuzstr. 16 53225 Bonn T:+49 228 4213122 duempelmann@brotfabrik-theater.de www.brotfabrik-theater.de

Fonds Darstellende Künste e.V. GF: Günter Jeschonnek Dr. Amina Tall Weberstr. 59a 53113 Bonn T:+49 228 2804857 T:+49 228 2804858 info@fonds-daku.de www.fonds-daku.de

Internationale Tanzwerkstätten Fred Traguth In den Bieshecken 8 53229 Bonn T:+49 228 96963951 T:+49 177 3356380 traguth@gmx.de www.dance-pro.de

kulturbüro Jürgen Ruppert Am Stadtwald 87 53177 Bonn T:+49 228 619650 info@kulturbuero.info www.kulturbuero.info

Stiftung Mitteldeutscher Kulturrat Graurheindorferstr. 79 53111 Bonn T:+49 228 655138 Info@Mitteldeutscher-Kulturrat.de www.Mitteldeutscher-Kulturrat.de Theater im Ballsaal Frongasse 9 53121 Bonn T:+49 228 797901 info@theater-im-ballsaal.de www.theater-im-ballsaal.de Zentrum für Kulturforschung Prof. Dr. Andreas Wiesand Dahlmannstr. 26 53113 Bonn T:+49 228 211058 zentrum@kulturforschung.de www.kulturforschung.de

Burscheid Tanz und Bewegungslabor Köln TabLab Tom Geilich Berringhausen 10 51399 Burscheid T:+49 2174 61787 info@tablab.de www.tablab.de

63

Detmold Landestheater Detmold / Ballett Richard Lowe Theaterplatz 1 32756 Detmold T:+49 5231 97460 info@landestheater-detmold.de www.landestheater-detmold.de

Dortmund Art in Media Ursula Popp Märkische Str. 194 a 44141 Dortmund T:+49 231 478412 ursula.popp@part-in-media.de www.part-in-media.de Theater Dortmund / Ballett Xin Peng Wang M: Tobias Ehinger Kuhstr. 12 44137 Dortmund T:+49 231 5026856 tehinger@theaterdo.de www.theaterdo.de Kulturbüro Stadt Dortmund Kurt Eichler Kleppingstr. 21-23 44135 Dortmund T:+49 231 5022419 kulturbuero@dortmund.de www.dortmund.de/kulturbuero

nrw landesbüro freie kultur Dr. Judith Krafczyk Alexandra Schmidt Güntherstr. 65 44143 Dortmund T:+49 231 55752111 info@nrw-landesbuero-kultur.de www.nrw-landesbuero-kultur.de

off limits Festival Rolf Dennemann Güntherstr. 65 44143 Dortmund T:+49 231 55752115 post@do-offlimits.de www.do-offlimits.de


Adressen INstitutionen Tanz in St. Reinoldi c/o akku.Kirche und Kultur Projekte Dortmund Michael Küstermann Ostenhellweg 2 44135 Dortmund T:+49 231 8823009 post@akku-dortmund.de www.akku-dortmund.de

Theater Fletch Bizzel Horst Hanke-Lindemann Humboldtstrasse 45 44137 Dortmund T:+49 231 142525 hanke-lindemann@fletch-bizzel.de www.fletch-bizzel.de theater im depot Birgit Götz Immermannstr. 39 44147 Dortmund T:+49-231 982120 b.goetz@theaterimdepot.de www.theaterimdepot.de

THEATERZWANG Güntherstr. 65 44143 Dortmund T: +49 231 55752116 info@theaterzwang.de www.theaterzwang.de

Duisburg Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg / Ballett Youri Vàmos M: Oliver Königsfeld Heinrich-Heine-Allee 16a 40213 Düsseldorf T:+49 211 8925340 ballett@deutsche-oper-am-rhein.de www.rheinoper.de

Duisburger Akzente Frank Jebavy Festivalbüro Duisburg Landfermannstr. 6 47051 Duisburg T:+49 203 283 2614 festivalbuero@duisburg-marketing.de www.duisburger-akzente.de

Duisburger Tanztage Bernd Uhlen Duisburg Marketing / Festivalbüro Landfermannstr. 6 47051 Duisburg T:+49 203 2832634 bernd.uhlen@duisburg-marketing.de www.duisburgertanztage.de

Kultur Kommunikation Management Alexandra Schmidt Lindenstr. 223 40235 Düsseldorf T:+49 211 2391907 T:+49 179 5296246 a.schmidt@tanzmanagement.net

Stadt Duisburg, Kulturbüro Ute Saalmann Barbara Wolff Theater Duisburg Neckarstr.1 47051 Duisburg T:+49 203 3009260 b.wolff@stadt-duisburg.de www.duisburg.de

Kulturamt der Landeshaupt- stadt Düsseldorf Marianne Schirge Zollhof 13 40221 Düsseldorf T:+49 211 8996100 kulturamt@stadt.duesseldorf.de www.duesseldorf.de

Düsseldorf altstadtherbst kulturfestival düsseldorf Christiane Oxenfort Andreas Dahmen Bolkerstr. 57 40213 Düsseldorf T:+49 211 322332 info@altstadtherbst.de www.altstadtherbst.de

Kunststiftung NRW Regina Wyrwoll (Generalsekretärin) Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner Roßstr. 133 40476 Düsseldorf T:+49 211 6504070 info@kunststiftungnrw.de www.kunststiftungnrw.de

Bundesdeutsche Ballett- und Tanztheaterdirektorenkonferenz GF: Oliver Königsfeld Niederkasseler Kirchweg 36 40547 Düsseldorf T:+49 211 8908327 info@bbtk.de www.bbtk.de

Marstall Schloss Benrath NEUER TANZ VA Wölfl Urdenbacher Allee 10 40593 Düsseldorf T:+49 211 7187777 neuertanz@neuertanz.com www.neuertanz.com

Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf-Duisburg / Ballett Youri Vàmos M. Oliver Königsfeld Heinrich-Heine-Allee 16a 40213 Düsseldorf T:+49 211 8925340 ballett@deutsche-oper-am-rhein.de www.rheinoper.de

multifusions / kulturmanagement Rut Profe-Bracht Flurstr. 57 40235 Düsseldorf T:+49 211 580020710 rut@multifusions.com www.multifusions.com

Forum Freies Theater Kathrin Thiedemann Jahnstr. 3 40215 Düsseldorf T:+49 211 8767870 info@forum-freies-theater.de www.forum-freies-theater.de

Staatskanzlei des Landes NRW Referat für Tanz- und Theater- förderung Wolfgang Hoffmann Astrid Kafka Fürstenwall 25 40219 Düsseldorf T:+49 211 8371652 T:+49 211 8371619 wolfgang.hoffmann@stk.nrw.de astrid.kafka@stk.nrw.de www.kultur.nrw.de

Junges Schauspielhaus Düsseldorf Amélie Niermeyer Stefan Fischer-Fels Münsterstraße 446 40470 Düsseldorf T:+49 211 8523719 T:+49 211 8523713 junges@duesseldorfer-schauspielhaus.de www.junges-schauspielhaus.de

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Side by Side Art Center e.V. c/o Mario Alfonso Jürgensplatz 66 40219 Düsseldorf info@side-by-side.org www.side-by-side.org tanzhaus nrw Bertram Müller Stefan Schwarz Erkrather Str. 30 40233 Düsseldorf T:+49 211 172710 T:+49 211 1727070 bmueller@tanzhaus-nrw.de sschwarz@tanzhaus-nrw.de www.tanzhaus-nrw.de

Essen aalto ballett theater essen Prof. Martin Puttke Annette El-Leisy Opernplatz 10 45128 Essen T:+49 201 8122241 ballettdirektion@tup-online.de annette.el-leisy@aalto-ballett-theater.de www.theater-essen.de

Deutscher Berufsverband für Tanzpädagogik e. V. Ulrich Roehm Hollestr. 1 45127 Essen T:+49 201 228883 dbftverband@t-online.de www.DBFT.de

Folkwang Hochschule Prof. Lutz Förster Klemensborn 39 45239 Essen T:+49 201 4903119 tanz@folkwang-hochschule.de www.folkwang-hochschule.de

Folkwang Tanzstudio Henrietta Horn Claudia Lüttringhaus Klemensborn 39 45239 Essen T:+49 201 4903189 FTS@folkwang-hochschule.de www.folkwang-tanzstudio.de


Adresses Institutions Gesellschaft zur Förderung der Flamencokunst Rosa Montes, Alberto Alarcón Postfach 164572 45225 Essen T:+49 176 50060782 gpewf.ev@gmx.de www.flamencokunst.de INTERARTES Mediengestaltung Filmproduktion Totaltheater GmbH Prof. Klaus Armbruster Zeche Zollverein Gelsenkirchener Str. 181 45309 Essen T:+49 201 8305000 info@interartes.de www.interartes.de

Kokerei Zollverein Salzlager Ahrendahls Wiese 45141 Essen Kulturbüro der Stadt Essen Dr. Oliver Scheytt Alfons Wafner Hollestr. 3 (Gildehof) 45121 Essen T:+49 201 8841203 alfons.wafner@kulturbuero.essen.de www.essen.de

Maschinenhaus Essen Hans Krabel Wilhelm-Nieswandt-Allee 100 45326 Essen T:+49 201 8378424 maschinenhaus.essen@t-online.de www.maschinenhaus-essen.de

PACT Zollverein Choreographisches Zentrum NRW Stefan Hilterhaus Dirk Hesse Bullmannaue 20 45327 Essen T:+49 201 2894700 info@pact-zollverein.de www.pact-zollverein.de

SCALA 11 Ronald Blum Frielingsdorfweg 11 45239 Essen T:+49 201 406773 info@scala11.de www.scala11.de

Tonja Wiebracht Management / PR / Dramaturgie Eduard-Lucas-Str. 54 45131 Essen T:+49 201 7495630 tonja-wiebracht@gmx.de

Gelsenkirchen Ballett Schindowski Musiktheater im Revier Bernd Schindowski Kennedyplatz 45881 Gelsenkirchen T:+49 209 4097138 ballett.schindowski@ musiktheater-im-revier.de www.musiktheater-im-revier.de Stadt Gelsenkirchen Referat 41 - Kultur Dr. Volker Bandelow Florastr. 28 45875 Gelsenkirchen T:+49 209 1699100 referat.kultur@gelsenkirchen.de www.gelsenkirchen.de

RuhrTriennale Kultur Ruhr GmbH Leithestr. 35 45886 Gelsenkirchen T:+49 209 1671700 service@ruhrtriennale.de www.ruhrtriennale.de

Gütersloh DIE WEBEREI Claudia Kirchhoff Bogenstr. 1-8 33330 Gütersloh T:+49 5241 2347833 claudia.kirchhoff@die-weberei.de www.die-weberei.de

Hagen Theater Hagen/Ballett Ricardo Fernando Dr. Christian Wildhagen Elberfelder Str. 65 58095 Hagen T:+49 2331 2073210 theater@stadt-hagen.de www.theater.hagen.de

Kulturamt der Stadt Hagen Rita Viehoff Hochstr. 71 58095 Hagen T:+49 2331 2073197 rita.viehoff@stadt-hagen.de www.kulturamt.hagen.de

TanzRäume Tanztheaterfestival Hagen Festivalverbund: TanzSpur Emily Thomey c/o Kulturamt der Stadt Hagen Hochstr. 71 58095 Hagen T:+49 2331 2074864 emily.thomey@stadt-hagen.de www.tanzraeume.hagen.de www.tanzspur.de

Herford Stadttheater Herford Karl-Heinz Rohlf Bäckerstr. 30 32052 Herford T:+49 5221 5007 theater@herford.de www.theater.herford.de

Herne Kleines Theater Herne e.V Andreas Zigann Neustr. 67 44623 Herne T:+49 2323 911191 info@kleines-theater-herne.de www.theaterherne.de

Herten Up To Dance Diana Miebach Bahnhofstr. 85 45701 Herten T:+49 209 613048 uptodance@web.de www.uptodance.kulturserver-nrw.de

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Iserlohn Kulturbüro und Parktheater Iserlohn Johannes-Josef Jostmann Alexanderhöhe/Südstraße 58636 Iserlohn T:+49 2371 2171910 kulturbuero@iserlohn.de www.parktheater-online.de

Köln Arkadas Theater Necati Sahin Platenstr. 32 50825 Köln T:+49 221 9559510 info@arkadastheater.de www.arkadastheater.de

artmanagement + public relations Ursula Teich Antwerpener Str. 46 50672 Köln T:+49 221 3366541 T:+49 173 5204894 info@ursulateich.de www.ursulateich.de

Barnes Crossing Choreographen-Netzwerk Köln/Bonn e.V. GF: Beate Sokoll Industriestr. 170 50999 Köln T:+49 2236 963588 info@barnescrossing.de www.barnescrossing.de

Bühnen der Stadt Köln Peter F. Raddatz Offenbachplatz 50667 Köln T:+49 221 28510 schauspiel@buehnenkoeln.de www.buehnenkoeln.de

Bundesverband Tanz in Schulen e.V. Linda Müller c/o NRW Landesbüro Tanz Im MediaPark 7 50670 Köln T:+49 221 2265754 T:+49 221 2265753 L-Mueller@tanznrw.de www.tanzinschulen.de


Adressen INstitutionen Bürgerhaus Stollwerk Waltraud Dressen-Kermany Dreikönigenstr. 23 50678 Köln T:+49 221 99110812

Waltraud.Dressen-Kermany@stadt-koeln.de

www.buergerhausstollwerck.de

Bürgerzentrum Alte Feuerwache Elisabeth Becker Melchiorstr. 3 50670 Köln T:+49 221 97315518 info@altefeuerwachekoeln.de www.altefeuerwachekoeln.de

creaCtive Vera Firmbach Wilhelmstr. 26 50733 Köln T:+49 221 7327970 T:+49 179 2400866 verafirmbach@gmx.net Deutscher Bühnenverein Bundesverband der Theater und Orchester Rolf Bolwin St.-Apern-Str. 17-21 50667 Köln T:+49 221 208120 debue@buehnenverein.de www.buehnenverein.de

Deutsches Tanzarchiv Köln SK Stiftung Kultur Dr. Frank-Manuel Peter Thomas Thorausch Im Mediapark 7 50670 Köln T:+49 221 2265757 tanzarchiv@sk-kultur.de www.sk-kultur.de/tanz Die Deutsche Bühne Detlef Brandenburg St.-Apern-Str. 17-21 50667 Köln T:+49 221 2081218 info@die-deutsche-buehne.de www.die-deutsche-buehne.de Elementarer Tanz e.V Krystyna Plachetka Deutsche Sporthochschule Köln Carl-Diem-Weg 5 50933 Köln post@elementarer-tanz.org www.elementarer-tanz.org

freies rheinland e.V. Georg Dietzler Im Stavenhof 17 50668 Köln T:+49 221 123383 grenzgaenger@dietzlerge.org www.gerngesehen.de

Kulturamt der Stadt Köln Gisela Deckart Richartzstr. 2-4 50667 Köln T:+49 221 22123655 gisela.deckart@stadt-koeln.de www.stadt-koeln.de

Hochschule für Musik Köln Studiengang TANZ Prof. Paul Melis Turmstr. 3-5 50733 Köln T:+49 221 912818270 melis@mhs-koeln.de www.mhs-koeln.de

Kunsthaus Rhenania André Jolles Bayenstr. 28 50678 Köln andrejolles@hotmail.com www.kunsthausrhenania-koeln.de

Kunsthochschule für Medien Köln Fächergruppe Mediengestaltung Prof. Heide Hagebölling Peter-Welter-Platz 2 50676 Köln T:+49 221 20189123 mg-office@khm.de www.khm.de

Institut für Tanz und Bewe- gungskultur an der Deutschen Sporthochschule Köln Prof. Wolfgang Tiedt Carl-Diem-Weg 6 50933 Köln T:+49 221 4982 2660 T:+49 221 49823630 tiedt@dshs-koeln.de www.spielmusiktanz.de www.dshs-koeln.de/ Bewegungskultur

KunstSalon e.V. Dr. Peter Bach Brühlerstr. 11-13 50968 Köln T:+49 221 373391 tanzsociety@kunstsalon.de www.kunstsalon.de

Internationale Sommerakademie des Tanzes – Köln Sebastian Kuth Voigtelstr. 17 50933 Köln T:+49 221 4994684 contact@sommerakademie-tanz.de www.sommerakademie-tanz.de

internationale tanzmesse nrw Kajo Nelles c/o NRW Landesbüro Tanz Im MediaPark 7 50670 Köln T:+49 221 2265752 T:+49 221 2265788 info@tanzmesse-nrw.com www.tanzmesse-nrw.com

NRW Landesbüro Tanz Gesellschaft für Zeitgenössi- schen Tanz e.V. Kajo Nelles Im MediaPark 7 50670 Köln T:+49 221 2265788 T:+49 221 2265754 info@tanznrw.de www.tanznrw.de

SK Stiftung Kultur Dr. Hans-Georg Bögner Im Mediapark 7 50670 Köln T:+49 221 2262433 pr@sk-kultur.de www.sk-kultur.de

SK Stiftung Kultur, Film und Medienkunst Birgit Hauska Im Mediapark 7 50670 Köln T:+49 221 2262906 Hauska@sk-kultur.de www.sk-kultur.de/videotanz

Studiobühne Köln Georg Franke Dietmar Kobboldt Universitätsstr. 16a 50937 Köln T:+49 221 4704513 info@studiobuehne.eu www.studiobuehne.eu

tanz performance köln Heike Lehmke Melchiorstr. 3 50670 Köln T:+49 221 722133 info@tanzperformance.net www.tanzperformance.net

Orangerie Theater im Volksgarten Günther Heitzmann Volksgartenstr. 25 50677 Köln T:+49 221 9522708 info@orangerie-theater.de www.orangerie-theater.de

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Rat für darstellende Kunst und Tanz c/o Deutscher Bühnenverein St. Apern-Str. 17-21 50667 Köln T:+49 221 208120 www.kulturrat.de

Open Space Theatre Torsten Konrad Schweinheimerstr. 54 51067 Köln T:+49 151 1156 8430 welcome@openspacetheatre.de www.openspacetheatre.de

Kölner Tänzerinitiative e.V. c/o Gitta Roser Vondelstr. 34 50667 Köln T:+49 221 9875525 koelnertaenzer@gmx.de www.tanzhautnah.de

pretty ugly tanz köln Amanda Miller M: Hanna Koller Offenbachplatz 50667 Köln T:+49 221 2572430 info@prettyugly.de www.prettyugly.de

TANZhautnah Kölner Tänzerinitiative e.V. Gitta Roser Vondelstr. 34 50677 Köln T:+49 221 9875525 koelnertaenzer@gmx.de www.tanzhautnah.de


Adresses Institutions Tanzproduktion Esther von der Fuhr Genterstr. 23 50672 Köln T:+49 221 525760 esthervonderfuhr@t-online.de

THEATERTRANSFER Michael Hilleckenbach Volksgartenstr. 20 50677 Köln T:+49 221 312088 hilleckenbach@theatertransfer.de www.theatertransfer.de

Zentrale Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) Abteilung Tanz Charles Guillaume Annette Vladar Innere Kanalstr. 69 50823 Köln T:+49 221 55403210 koeln-zav.ballett@arbeitsagentur.de www.zav.arbeitsagentur.de

Krefeld Fabrik Heeder Jürgen Sauerland-Freer Dorothee Monderkamp Virchowstr. 130 47805 Krefeld T:+49 2151 33262 kultur@krefeld.de www.krefeld.de/kulturbuero Kulturbüro der Stadt Krefeld Jürgen Sauerland-Freer Friedrich-Ebert-Str. 42 47799 Krefeld T:+49 2151 583611 kultur@krefeld.de www.krefeld.de/kulturbuero

Leverkusen

Bayer AG, Communications Kulturabteilung Wanda Puvogel 51368 Leverkusen T:+49 214 30 41271 kulturabteilung@bayerindustry.de www.kultur.bayer.de

KulturStadtLev Forum Marion Grundmann Claudia Scherb Am Büchelter Hof 9 51373 Leverkusen T:+49 214 4064112 info@kulturstadtlev.de www.kulturstadtlev.de

Mönchengladbach Kulturbüro Mönchengladbach Herr Dr. Hoeps Judith Wagner Voltastr. 2 41061 Mönchengladbach T:+49 2161 253950 kulturbuero@moenchengladbach.de www.moenchengladbach.de

Ballett des Theaters Krefeld/ Mönchengladbach Robert North Odenkirchener Str. 78 41236 Mönchengladbach T:+49 2166 6151123 meier@theater-kr-mg.de

www.theater-krefeld-moenchengladbach.de

Mülheim a. d. Ruhr Ringlokschuppen Mülheim an der Ruhr Holger Bergmann Am Schloss Broich 38 45479 Mülheim an der Ruhr T:+49 208 9931644 info@ringlokschuppen.de www.ringlokschuppen.de

Münster Kreativ-Haus e.V. Anne von Papen Diepenbrockstr. 21 48145 Münster T:+49 251 8990090 info@kreativ-haus.de www.kreativ-haus.de

kultur + eventmanager Joachim Goldschmidt Am Kreuztor 6 48147 Münster T:+49 177 3266389 jgkultur@freenet.de

Kulturamt der Stadt Münster Klaus Ehling Stadthaus 1 Klemensstr. 10 48143 Münster T:+49 251 4924100 kulturamt@stadt-muenster.de www.muenster.de/stadt/kulturamt

Pulheim

KULTURSCHIENE im Hauptbahnhof Münster David Rebel Berliner Platz 21-23 48143 Münster T:+49 251 47849 info@kulturschiene.de info@rebeltanz.de www.kulturschiene.de www.rebeltanz.de

KulturKontor Walter Palm Junkerburg Manstedtener Str. 21 50259 Pulheim T:+49 2238 842412 info@kulturkontor-palm.com www.kulturkontor-palm.com

Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster Daniel Goldin M: Ardan Hussain Neubrückenstr. 63 48143 Münster T:+49 251 5909193 Tanztheater@stadt-muenster.de www.stadttheater.muenster.de

Theater im Pumpenhaus Ludger Schnieder Gartenstr. 123 48147 Münster T:+49 251 201380 buero@pumpenhaus.de www.pumpenhaus.de

Neuss Kulturamt Neuss/ Internationale Tanzwochen Andreas Giesen Oberstr.17 41460 Neuss T:+49 2131 904113 www.tanzwochen.de www.neuss.de

Osnabrück Tanzboden Gesellschaft zur Förderung des zeitgenössischen Tanz Gregor Zöllig Heger Str. 16 49074 Osnabrück T:+49 541 7600151 info@tanzboden.net www.tanzboden.net

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Recklinghausen Ruhrfestspiele Recklinghausen Dr. Frank Hoffmann Otto-Burmeister-Allee 1 45657 Recklinghausen T:+49 2361 9180 oeffentlichkeitsarbeit@ ruhrfestspiele.de www.ruhrfestspiele.de

Remscheid Akademie Remscheid für Kulturelle Bildung Dr. Ronit Land Küppelstein 34 42857 Remscheid T:+49 2191 794265 land@akademieremscheid.de www.akademieremscheid.de

Deutscher Bundesverband Tanz e.V. Dachverband für den Breiten- tanz in Deutschland Barbara Wollenberg Küppelstein 34 42857 Remscheid T:+49 2191 794241 info@dbt-remscheid.de www.dbt-remscheid.de

Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW e.V. Küppelstein 34 42857 Remscheid T:+49 2191 5922451 post@lag-tanz-nrw.de www.lag-tanz-nrw.de

Teo Otto Theater der Stadt Remscheid Dorothee Stürmer Silke Blankemeyer Konrad-Adenauer-Str. 31-33 42853 Remscheid T:+49 2191 163429 theater@str.de www.teo-otto-theater.de


AdressesAdressen InstitutionsInstitutionen Schwerte Tanztheaterfestival Schwerte Herbert Hermes KulturBüro Schwerte Kötterbachstraße 2 58239 Schwerte T:+49 2304 104811 kulturbuero@kuwebe.de www.rohrmeisterei-schwerte.de

Solingen Kulturbüro der Stadt Solingen Hans Knopper Bahnhofstr. 5 42651 Solingen T:+49 212 231340 0 Kulturbuero@solingen.de www.theater-solingen.de

Viersen

die börse Petra Lücke-Rath Wolkenburg 100 42119 Wuppertal T:+49 202 243220 info@dieboerse-wtal.de www.dieboerse-wtal.de

Ikonoklaste Jean Laurent Sasportes Wiesenstr.6 42105 Wuppertal T:+49 202 4597587 mail@ikonoclaste-tanz.de www.ikonoclaste-tanz.de

Kulturbüro der Stadt Wuppertal Urs Kaufmann Neumarkt 10 42103 Wuppertal T:+49 202 5632957 urs.kaufmann@stadt.wuppertal.de www.wuppertal.de

Festhalle Viersen Hermann-Hülser-Platz 1 41747 Viersen T:+49 2162 501602 T:+49 2162 8167911

Stadt Viersen – Kulturabteilung Tanja Muschwitz Brigitte Baggen Heimbachstr. 12 41747 Viersen T:+49 2162 101465 T:+49 2162 101466 tanja.muschwitz@viersen.de brigitte.baggen@viersen.de www.viersen.de

Windeck SOURCE 4 Klara M. Weber Siegtalstr. 3 51570 Windeck T:+49 2243 842900 T:+49 163 3131717 klara.m.weber@arcor.de

Wuppertal Café ADA / MARE e.V. Wiesenstr. 6 42105 Wuppertal T:+49 202 452717 info@cafeada.de www.cafeada.de

NRW KULTURsekretariat Wuppertal Dr. Christian Esch Martin Maruschka Friedrich-Engels-Allee 85 42285 Wuppertal T:+49 202 5636803 info@nrw-kultur.de www.nrw-kultur.de Sommertanz Junge Talente Almuth Fricke c/o die börse Wolkenburg 100 42119 Wuppertal T:+49 221 7608127 sommertanz@dieboerse-wtal.de www.sommertanz.de

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GF: Koza Tamdogan Postfach 20 18 13 42218 Wuppertal T:+49 202 563 4253 info@pina-bausch.de www.pina-bausch.de

Wuppertaler Werkstatt e.V. Freie Schule für Musik und Tanz Hagenauerstr. 30 42107 Wuppertal T:+49 202 4936294 wwev@arcor.de www.home.wtal.de/werkstatt.e.v

68


ImpressumImprint HerausgeberPublisher

Tanzproduzenten-Konferenz-NRW (TpK) in Kooperation mit dem Deutschen Tanzarchiv Köln NRW Dance Producers Conference (TpK) in cooperation with Deutsches Tanzarchiv Köln (German Dance Archives Cologne)

GefördertFunded

PartnerPartners

RedaktionEditor Heike Lehmke, tanz performance köln www.tanzperformance.net

MitarbeitCollaboration Sandra Nuy, Ariane Kümpel

ÜbersetzungTranslation Lincoln Giles, align media gmbh www.align-media.com

Grafische GestaltungGraphic Design Pellegrino Ritter / Andreas Potthast / Ina Liebmann www.pellegrino.de

DruckPrinting DruckVerlag Kettler AuflageCirculation 7000

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Anz_Kunst_NRW-tanzNRW07

02.03.2007

14:52 Uhr

Seite 1

kunststiftung μ NrW

Roßstraße 133 | 40476 Düsseldorf | Tel.: 0211 - 6 50 40 70 | Fax: 0211- 6 50 40 777 | info@KunststiftungNRW.de | www.KunststiftungNRW.de

ein Zentrum der Tanzkunst … a center for the art of dance Veranstaltungen | events

Archiv | archives Bibliothek | library Museum | museum Videothek | videotheque

Ausstellungen | exhibitions Publikationen | publications

Deutsches Tanzarchiv Köln German Dance Archives Cologne Im Mediapark 7 | D-50670 Köln Tel.: (49) (221) 226 57 57 E-Mail: tanzarchiv@sk-kultur.de Öffnungszeiten | opening hours Tanzmuseum und Sonderausstellungen: täglich außer mittwochs: 14-19 Uhr Archiv und Bibliothek: Di: 10-19 Uhr; Mi, Do: 10-16 Uhr Videothek: nach vorheriger Anmeldung und Sichtplatzreservierung | reservation necessary

Träger: SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn und Stadt Köln, Kulturamt Foto: E.O. Hoppé, Waslaw Nijinsky in „Le spectre de la rose“, © Deutsches Tanzarchiv Köln/SK Stiftung Kultur

ein Gedächtnis der Tanzkunst … an active remembrance of the art of dance

www.sk-kultur.de/tanz

Kunstförderung im internationalen Kontext: Bildende Kunst, Medienkunst, Musik, Theater, Tanz, Literatur in und aus Nordrhein-Westfalen | Projekte, Preise, Stipendien, Ankäufe, Initiativen


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Werden Sie Mitglied des Trägervereins: Gesellschaft zur Förderung des Zeitgenössischen Tanzes e.V. Im MediaPark 7 · 50670 Köln · Germany · Tel. +49 (0)221-226 5750 · info@tanz-nrw.de

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