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Region

Zürichsee-Zeitung Linth-Zeitung Donnerstag, 16. Oktober 2008

3 Zu Gast

Big is beautiful...

Tanya König*

Die prozentualen Erhöhungen, mit denen ein durchschnittlicher Haushalt ab Januar 2009 zu rechnen hat. Die schraffierten Flächen erklären sich dadurch, dass in vielen Gemeinden nebst lokalen Elektrizitätswerken auch Grossverteiler Strom zu eigenen Preisen verkaufen (Elektrizitätswerke Kanton Zürich, EKZ, und St. GallischAppenzellische Kraftwerke, SAK). Die Karte ist nicht für einen direkten Vergleich zwischen den Werken geeignet, da sich die Grundtarife unterscheiden.

Strompreise Der Strom wird teurer – je nach Elektrizitätswerk sind die Zuschläge aber unterschiedlich

«Könnte noch viel mehr kosten» Die meisten Haushalte rund um den Zürichsee werden ab 2009 mit höheren Strompreisen leben müssen. Die Betreiber der lokalen Elektrizitätswerke weisen jegliche Schuld von sich. Martin Steinegger Liberalisierung des Marktes führt zu freier Wahl des Anbieter führt zur Schonung des Kunden-Portmonnaies: Diese Gleichung wird häufig zitiert, wenn es darum geht, die Folgen einer Marktöffnung in der Wirtschaft aufzuzeigen. Zumindest in der Theorie ist das durchaus korrekt. Dass es aber in der Praxis nicht immer so kommt, zeigt die Entwicklung auf dem Strommarkt. Ab 2009 werden den Bewohnern der Zürichseeregion Stromrechnungen in die Briefkästen flattern, die im Extremfall bis zu 20 Prozent höher sein werden als heute. Allerdings werden die Preise je nach Gemeinde und Elektrizitätswerk unterschiedlich stark steigen. Der Grund dafür: Die unabhängigen Elektrizitätswerke in der Region können ihre Tarife selber festlegen (siehe Kasten unten). Sie sind die sogenannten Endverteiler. Das heisst, sie «verkaufen» den Strom, den sie aus dem nationalen Netz der Stromgesellschaft Swissgrid beziehen an ihre Kunden weiter: an Privathaushalte und Wirtschaftsbetriebe.

Den schwarzen Peter wegen der Preiserhöhungen wollen sich die Elektrizitätswerke aber nicht zuschieben lassen. «Diese Entwicklung entspricht den politischen Vorgaben», sagt Ernst Gossweiler, Direktor des Elektrizitätswerks Jona-Rapperswil. «Wir haben die Preisstrukturen den neuen gesetzlichen Anforderungen angepasst», beteuert Christoph Eberhard, Geschäftsführer von Energie und Wasser Meilen. Und Walter Pfyl, Geschäftsführer der EW Höfe, verweist auf höhere Kosten, die den Werken aufgrund neuer Abgaben an den Bund und Swissgrid entstehen. «Der grösste Teil der Zuschläge wird dadurch verursacht», betont er.

Zuerst Industrie, dann Private Doch wie lassen sich die Preisaufschläge erklären? «Es liegt daran, dass ein Systemwechsel vorgenommen wird», sagt Ernst Gossweiler. Zu Beginn des Jahrtausends beschlossen Parlament und Bundesrat, den Schweizer Strommarkt etappenweise zu öffnen. Das Kernziel dieser Liberalisierung, von der zuerst die Industrie und später auch Privathaushalte profitieren sollen, ist die Entflechtung von Netz und Energie. Künftig sollen die Konsumenten selber entscheiden können, von welchem Elektrizitätswerk sie Energie beziehen. Nicht wählbar ist der Netzzugang – dieser bleibt auf das nationale Netz beschränkt. Ein Konsument kann also seinen Endverteiler auswählen; er darf aber seinen Strom nicht von einem anderen Netz, zum Beispiel aus dem Ausland, beziehen. Vor diesem System-

wechsel teilten sich sieben Gesellschaften die Kontrolle über das Schweizer Stromnetz – unter anderem die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK) und die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ). Seit 2006 trägt nur noch ein Unternehmen die Verantwortung über das Netz – die Swissgrid in Laufenburg. Die bisherigen Netzbetreiber sind «nur» noch Aktionäre der Swissgrid.

Umweltschutz kostet Geld Für die regionalen Elektrizitätswerke hat diese Änderung Konsequenzen. Sie dürfen das Stromnetz der Swissgrid zwar benutzen; allerdings müssen sie der Gesellschaft im Gegenzug eine finanzielle Entschädigung, die sogenannte «Systemdienstleistung» (SDL), bezahlen. Diese wird jährlich von der Swissgrid festgelegt. Für die meisten EWs in der Region entstehen so Mehrkosten von 0,5 bis 1 Rappen pro Kilowattstunde. Zusätzlich müssen die EWs noch eine Gebühr an den Bund entrichten: die «Kostendeckende Einspeisevergütung» (KEV). Diese Gebühr wird jährlich vom Bund neu festgelegt und bewegt sich ebenfalls in einem Bereich zwischen 0,5 und 1 Rappen pro Kilowattstunde. Mit dieser Gebühr subventioniert der Bund die Erzeugung von Energie aus Windkraft, Solarkraft oder Geothermie. Den Elektrizitätswerken entstehen alleine durch diese Abgaben erhebliche Zusatzkosten. Aus eigener Tasche berappen können und wollen sie diese nicht – also werden sie in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben. «Glauben Sie ja nicht, dass wir

glücklich sind mit dieser Situation», beteuert Toni Küng, Geschäftsführer des EW Schmerikon. In den Augen vieler Kunden stünden die EWs als Sündenböcke da. «Dabei setzen wir nur das um, was uns verordnet wurde», beteuert er. So wie Toni Küng sehen es die meisten EW-Betreiber rund um den Zürichsee. Sie werden demnach auch nicht müde zu beteuern, dass die «Hauptschuld» an der Preiserhöhung nicht bei ihnen, sondern bei Swissgrid liege.

Es drohen noch höhere Preise Die per 2009 drohenden Preiserhöhungen könnten aber erst der Anfang sein. Im europäischen Vergleich herrschen in der Schweiz nämlich paradiesische Zustände. «Wir sind noch weit weg von Marktpreisen», betonen viele EWBetreiber unisono. Und tatsächlich: In Italien zahlt ein Kunde fast doppelt so viel für den Strom wie in der preislich (noch) geschützten Schweiz. Ernst Gossweiler dazu: «Wenn die Liberalisierung weiter vorangeht, wird man sich früher oder später auch an den europäischen Marktpreisen orientieren.» Und dann könnte der Strom noch teurer werden. «Statt sich nun mit kurzfristigen Massnahmen um Schadensbegrenzung zu bemühen, sollten die Politiker dafür sorgen, dass die Schweiz auf ein solches Szenario vorbereitet ist», rät er. Oder konkret ausgedrückt: Die Grundversorgung soll über den Aufbau zusätzlicher Energiequellen sichergestellt werden, damit der Import von teurem Strom aus dem Ausland verhindert werden kann.

«Reine Pflästerchen-Politik»

Werke passen die Tarife an

Nicht nur in der Bevölkerung, auch in politischen Kreisen wächst der Unmut über die Strompreiserhöhungen. Diverse Vertreter aus National- und Ständerat haben bereits angekündigt, die Erhöhungen nicht einfach so hinnehmen zu wollen. Im Zentrum der Kritik steht die neu gegründete Netzbetreiberin Swissgrid. Eine der Forderungen: Die Swissgrid soll die Systemdienstleistung (SDL), die sie den Endverteilern ab 2009 in Rechnung stellt, reduzieren oder zurückziehen. Erzwingen könnte derartige Forderungen die ebenfalls neu geschaffene Elektrizitätskommission des

Völlig hilflos sind die Elektrizitätswerke bei der Gestaltung ihrer Preise trotz der Verteuerung nicht. Sie können ihrer Kundschaft zum Beispiel die Möglichkeit geben, Strom zu sparen, indem sie das Preisverhältnis zwischen Hochtarif und Niedertarif verändern. So kann ein EW seine Hochtarife heraufschrauben; gleichzeitig kann es aber die Niedertarife reduzieren und die Anzahl Stunden pro Tag, an denen der Niedertarif gilt, erhöhen. Mehrere EW in der Zürichseeregion versuchen, durch solche Rabatte die Preiserhöhungen abzufedern. Das Elektrizitätswerk Herrliberg wird bei-

Bundes, die ElCom. Sie überwacht den Strommarkt und damit auch die Preise. Die regionalen EW-Betreiber unterstützen die Forderungen, manche haben sogar bereits gegen die Swissgrid Klage eingereicht. Kaum jemand rechnet aber ernsthaft damit, dass innerhalb nützlicher Frist viel passieren wird. «Das ist reine Pflästerchen-Politik», sagt der Betreiber eines lokalen Elektrizitätswerks, der nicht namentlich genannt werden möchte. Um wirklich etwas zu ändern, bräuchte es eine Gesetzesrevision. Und eine solche lässt sich in der Regel nicht in ein paar Monaten umsetzen. (mst)

spielsweise seine Niedertarifzeiten ab 2009 um 14 Stunden pro Woche erhöhen. So gut wie alle Werke, die nur geringe Preiserhöhungen ankündigen, verfahren auf vergleichbare Weise. Sie versuchen, ihre Kunden von den durch KEV und SDL anfallenden Kosten zu verschonen. Die Gemeindewerke Zollikon haben sogar angekündigt, dass ihre Preise 2009 stabil bleiben werden. Allerdings müssen die EW bei diesem Vorgehen selber finanzielle Einbussen in Kauf nehmen. Möglich ist es vor allem für EW, die bisher eher tiefe Preise hatten oder bei denen keine hohen Investitionen anstehen. (mst)

Nun habe ich meine ersten Nordatlantikflüge hinter mir und somit Gelegenheit, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennen zu lernen. Wobei sich die Unbegrenztheit wiederum vor allem auf die Grössen begrenzt. Als ich in Boston mein Hotelzimmer betrete, staune ich nicht schlecht. Ich habe tatsächlich ein Doppelzimmer, das zwei Ehebetten aufweist. Meine Erklärung: In einem Land, in dem big beautiful ist, passen halt nicht immer zwei Personen in ein Doppelbett. Beim Mittagessen in der Cheesecake Factory bestelle ich mir einen gemischten Salat auf einer Tortilla. Etwas für den kleinen Hunger, denke ich mir, bis die Kellnerin auftaucht. Auf meinem Teller liegen zwei Salatberge, die mich an die Oberweite von Pamela Anderson erinnern. Die Salatberge sind so gross, dass ich nichts von der Tortilla sehen kann. Ich beginne zu essen und habe das Gefühl, dass die Menge einfach nicht kleiner werden will. Anderntags in New York gehe ich als Erstes zum Times Square. Auf dem Weg dorthin muss ich aufpassen, dass ich nicht stolpere, da ich ständig nach dem Ende der Wolkenkratzer suche. Ich komme mir richtig winzig vor. Ein riesiger Truck fährt an mir vorbei. Der Fahrer, ein riesiger Kerl, ist gerade dabei, einen riesigen Bagel zu verschlingen, dem er auch noch einen Liter Cola aus einem Pappbecher folgen lässt. Es regnet. Die Leute laufen mit grossen Schirmen herum, unter denen glatt eine ganze Familie Platz hätte. Am Times Square kann ich meinen Augen fast nicht trauen. Da gibt es doch tatsächlich einen «m&m’s World Shop». Ein dreistöckiger Laden, wo sich alles nur um eine Erdnuss im Schokomantel dreht. In den USA kann Schokolade «in» sein. Hier wird alles ver- und gekauft, T-Shirts, Topflappen, Taschen, Pins, Schmuck, Bilderrahmen und nicht zuletzt die überteuerten m&m’s, die man an einer meterlangen Säule abzapfen kann. Am nächsten Morgen hole ich mir einen Cappuccino. Der Latino an der Theke fragt mich: «Do you want it small, medium or large?» Ich frage ihn, ob er mir den kleinen Becher zeigen kann. Als ich diesen sehe, kann ich nur noch staunen. Big is beautiful… aber nicht immer besser. Sometimes less is enough. *Tanya König (21) ist Flugbegleiterin bei der

Swiss und lebt in Rapperswil. Sie schreibt regelmässig eine Kolumne für die «ZSZ».


Big is Beautiful  

Über die kleinen oder eben grossen Unterschiede zwischen Amerikaner und Europäer...

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