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elg – e volutionen l eicht g emacht

Leitfaden zur Einführung von Evolutionen im Blasmusikverein Anita Spielmann-Spengler


Inhaltsverzeichnis

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Vorwort Andreas Oestreicher, BKMV Die Autorin stellt sich vor 1. «elg» – evolutionen leicht gemacht

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2. Reglemente «elg»: Tipp 1

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3. Literaturauswahl & Stückvorbereitung Literatur & Reglemente Musik & Motorik: Schwierigkeitsgrad der Literatur Musikauswahl, «elg»: Tipp 2 Motto als Ideenquelle Ein einzelnes Musikstück oder ein Medley wählen? Übergänge Erholungsinseln einbauen Auswendig spielen oder ab Noten? Mitmachen: Freiwillig oder obligatorisch? «elg»: Tipp 3

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4. Choreografie entwickeln Wichtige Vorbemerkungen «elg»: Tipp 4 Woher die Ideen? Augen offen halten Notationsweise der Evolutionen Jedes Jahr eine neue Choreografie? «elg»: Tipp 5 Roter Faden einer Evolution «elg»: Tipp 6

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5. Struktur-/Taktgruppenanalyse als Basis für Formen «elg»: Tipp 7 Arbeitsbeispiel am Marsch «Arosa» Form- und Taktgruppenanalyse & Grafik

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6. Figuren: Basiselemente und erweiterte Elemente Begriffe «elg»: Tipp 8 Basiselemente Stop and Go «elg»: Tipp 9 Drehen «elg»: Tipp 10 Elemente für Fortgeschrittene Kolonnenanzahl verändern Corpsbreite verdoppeln «elg»: Tipp 11 Geometrische Figuren Verschiedene Schritttempi Effektschritte Körperebenen betonen Effekte und Showelemente «elg»: Tipp 12

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7. Aufstellung, Probeplan & -struktur Aufstellung Aufstellungsplan «elg»: Tipp 13

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Probeplan/Probestruktur Anzahl der Marschmusikproben Probedauer Probestruktur Teilnehmende, «elg»: Tipp 14

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8. Evolutions-Notation 38 Wichtige Vorbemerkungen 38 Hilfsmittel 38 «elg»: Tipp 15 38 Notationsbeispiele (Gesamtübersichten) 39 Darstellung von Evolutionen mit Worten 40 Darstellung von Evolutionen mit Worten als Tabelle 42 Darstellung von Evolutionen m. Worten & Zeichnungen 43 Unterlagen für die Jury 47 «elg»: Tipp 16 47 Vorbemerkungen zur Evolution (Ausschnitt) 48 Übersicht über ganzen Weg (Figurenplan) 49 Detailzeichnungen von Aufstellungen und Schritten 50 Länge der Evolution überprüfen 51 9. Noten im Verein einrichten «elg»: Tipp 17 Noten durch Direktion eingerichtet Noten durch Musizierende eingerichtet Spezielle Querflöten-Notenständer für Evolutionen

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10. Probenmethodik: Vom Üben bis zur Aufführung von Evolutionen Ausgangslage Üben im Dunkeln Trockenübungen im Lokal, «elg»: Tipp 18

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«elg»: Tipp 19 Die erste Freiluft-Probe Anweisungen in der Mitte des Corps geben Übertitel für einzelne Teile zur Orientierung Singen/spielen 1. Durchgang: Teil für Teil durchgehen Wenden des Corps 2. Durchgang: Ganze Evolution laufen Geplante Streckenlänge überprüfen Kreide einsetzen 3. Durchgang und weitere Durchgänge: Auf ein Element fokussieren Weitere Proben «elg»: Tipp 20 «elg»: Tipp 21 Übergänge üben – ein Schwerpunkt Sich selbst kritisch betrachten Videovisionierung Die halbe Formation führt auf, Rest schaut zu Angehörige zur Probe einladen Aufführung der Evolution «elg»: Tipp 22 Probedurchlauf einplanen Anhang Anhang 1: Schnupper-Evolution Arosa Anhang 2: Weiterführende Literatur/Websites, nützliche Programme Anhang 3: Inspirationen Anhang 4: Takatom-Kurse und Materialien

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1. «elg» – evolutionen leicht gemacht

Evolutionen einzuführen fühlt sich an wie Autofahren lernen: Zuerst beschäftigt man sich mit der Theorie, danach folgen die ersten Fahrversuche auf der Geraden, dann eine Fahrt mit Passagieren und später die ersten anspruchsvolleren Wendemanöver. Mit jedem Jahr Fahrpraxis gewinnt man an Geschicklichkeit und Routine. Bei den Evolutionen verhält es sich gleich: Zuerst braucht es eine seriöse Vorbereitung der musikalischen Leitung sowie profunde Kenntnis der jeweils gültigen Festreglemente. Der Verein erwirbt sich ein erstes, einfaches Bewegungsrepertoire, das nach und nach ausgebaut und vielfältiger gestaltet werden kann. Damit im übertragenen Sinne möglichst wenig Lackschäden und Beulen entstehen, stellt der vorliegende Leitfaden namens «elg – evolutionen leicht gemacht» die mehrschichtigen Aufgabenstellungen für ausgebaute Evolutionen vor. Themen wie Reglemente, Literaturauswahl, eine Choreografie entwickeln und notieren, Notenmaterial einrichten sowie didaktische Tipps und Tricks für die Probearbeit werden ausführlich behandelt. Eine Schnupper-Evolution ermöglicht ein erstes Ausprobieren mit dem Verein. Der vorliegende Leitfaden bildet die praktische Arbeit mit Blasmusik-Vereinen ab. In zehn Kapiteln werden die verschiedenen Facetten der Evolutionen-Entwicklung, Erarbeitung und Einführung ausgeleuchtet. Für die Notationsbeispiele stellten



Daniel Willi, Aarau, Josef Fink, Arisdorf, Markus Rhyner, Elm, Röbi Wernli, Asp, sowie Heinz Müller, Safenwil, freundlicherweise Auszüge aus ihren Materialien zum Abdruck zur Verfügung. «elg» erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt eine riesige Bandbreite an dargebotenen Evolutionen, die alle wiederum Impulse zu einer eigenständigen Kreation liefern können. Evolutionen bereichern die Proben, brauchen aber auch Vorbereitung, Übezeit und Geduld auf allen Seiten. Wagen Sie diesen Schritt einmal mit ihrem Verein – und sei es nur probehalber anhand der «Schnupper-Evolution» zum Marsch Arosa, die in diesem Leitfaden im Anhang 1 detailliert beschrieben wird! Unterschiedliche Stabführung, Jurierungs-Modi sowie regionale, kantonale, eidgenössische oder deutsche/österreichische Reglementierungen werden nicht behandelt oder kommentiert. Und nun wünsche ich Ihnen viel Lesevergnügen und dass Sie nach der Lektüre motiviert zum Stift greifen, um Ihre eigene Evolution zu kreieren. Mit musikalischen Grüssen

Anita Spielmann-Spengler Musikerin MH/Rhythmikerin MH

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3. Literaturauswahl & Stückvorbereitung Die Auswahl der Literatur ist entscheidend für eine erfolgreiche, stimmige Evolution. Deshalb sollte dieser Punkt mit Sorgfalt behandelt werden. In diesem Kapitel sind die wichtigsten Aspekte unter einzelnen Stichworten aufgeführt. Literatur & Reglemente Die Rahmenbedingungen der Reglemente gelten als gegeben (siehe Kapitel 2). In Bezug auf die Stückauswahl herrscht grosse Freiheit. Achtung: In einigen Fällen wird ein (Schweizer) Marsch (oder wenigstens ein Teil davon) zwingend verlangt. Musik & Motorik: Schwierigkeitsgrad der Literatur Evolutionen aufzuführen heisst, (Marsch-)Musik auf der Strasse oder auf einem Platz mit diversen Bewegungen verknüpft zu zeigen. Diese Kombination stellt an Musikantinnen und Musikanten höhere Anforderungen, als wenn sie konventionelle Marschmusik darbieten. Die intellektuelle Verarbeitung und die motorische Verankerung eines Bewegungsablaufs im Körper lässt sich nur über einen langsamen Aufbau und mehrfache Wiederholung erreichen (wie in einem Tanzkurs). Dazu noch zu musizieren, fordert den Ausführenden viel ab und braucht zusätzliche Zeit, dies einzuüben. Was dies für das Erstellen eines Probeplans unter Einbezug eines Evolutionstrainings bedeutet und auf welche methodisch-didaktischen Hilfen zur Evolutions-Einführung zurückgegriffen werden kann, wird im Kapitel 10 «Probenmethodik: Vom Üben bis zur Aufführung von Evolutionen» erläutert.

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Musikauswahl Was bedeuten diese anfänglich ungewohnten und auch komplexen Anforderungen in Bezug auf die Musikwahl? Ganz einfach: Schlichtheit in der Musik befreit in der Bewegung. Natürlich hat es seinen Reiz, eine Evolution mit anspruchsvoller Musik aufzuführen. Wenn es sich um eine Formation der ersten oder Höchstklasse handelt, ist dieser Anspruch mehr als gerechtfertigt und lässt sich auch qualitativ befriedigend umsetzen. Ab der zweiten Klasse und tiefer empfiehlt es sich, musikalisch eher einfache Stücke zu wählen und diese vor der Marschmusik-Saison sauber und klangvoll einzuüben, damit auch genügend Spielraum und «Speicher» für das Einüben der Evolutionen bleibt.

«elg»: Tipp 2 Evolutionen beanspruchen den Kopf: Wählen Sie einfache Literatur. Das Stück muss vor der Marschmusiksaison sitzen. Gut geplant ist halb geprobt: Planen Sie 8 bis 10 Proben pro Evolution ein. Was gefällt, kommt an: Wählen Sie publikumswirksame Literatur.


Schlagzeugset-Variante für die Marschmusik: Snare, Tom-toms und Ride sind an einem Gestell ohne Rollen montiert, das über die Schultern gehängt werden kann. Aus Gewichtsgründen beschränkt sich der Spieler auf vier Elemente. Foto: Lucy Hügli.

Für jede Evolution – die passende Percussion!

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Ein Wort zur Perkussion Die Perkussion nimmt bei Evolutionen mit Medleys häufig eine Schlüsselrolle ein. Das heisst, sie muss fähig sein, diverse Tempiwechsel teilweise selbständig zu vollziehen und auch sauber zu musizieren. Es sollten also gute Musikantinnen und Musikanten eingesetzt werden. Und noch eine Anmerkung zum Klang der Perkussion: Vermehrt kommen Guggenmusik-Schlagwerke zum Einsatz. Natürlich sind diese effektvoll und laut und ermöglichen es den Spielenden, viele Schlaginstrumente gleichzeitig dabei zu haben. Häufig passt ihr Klang aber nicht zur Literatur, weil sie zu hell klingen und Plastikglocken, Plastikfelle oder andere, etwas billig klingende Elemente verwendet werden. Klang hat mit Stil zu tun, und es soll stilvoll musiziert werden. Das heisst konkret: Warum nicht ein Waschbrett für einen Dixie verwenden? Aber bitte keine Chinabecken, nur weil es Spass macht und «räblet». Oder warum nicht mit historischen Trommeln auftreten, wenn der Basler Marsch aufgeführt wird? Die Tragevorrichtungen der Guggenmusik-Schlagwerke können in einem Fachgeschäft auch mit eigens gewählten Schlagwerk-Kombinationen bestückt werden, die durchaus gut klingen und dem Stil der Aufführung entsprechen. Preislich bewegen sich diese Vorrichtungen im erschwinglichen Bereich. Erholungsinseln einbauen Es ist sinnvoll, dem Corps während der Aufführung mentale Pausen zu gönnen. An einer Evolution an einem Kantonalen Musikfest von angenommenen sechs bis sieben Minuten Dauer sind alle auf der ganzen Linie gefordert. Erholungsinseln einzubauen ist sinnvoll, damit sich alle wieder sammeln und neu konzentrieren können. Solch beruhigende Momente können Überleitungen, gerades Marschieren oder ein kurzes Stillstehen sein.


4. Choreografie entwickeln Wichtige Vorbemerkungen Evolutionen sind vielfältig und auf mannigfache Weise aufführbar. Das Repertoire an Figuren ist unendlich und auch nicht einfach in einem Leitfaden fassbar. Einige Figuren brauchen zuvor Einleitungsfiguren, damit sie überhaupt durchführbar werden. Die Kreativität der musikalischen Leitung ist schliesslich ausschlaggebend, ob sie verschiedene Ideen in eine runde Form bringen kann. Wichtig dabei ist, die Erwartungen an das Corps realistisch zu halten. Es gibt Figuren, welche zu einem Grundrepertoire gehören und die eine gute Basis bilden, um weitere, schwierigere Figuren darauf aufzubauen. Dann gibt es Figuren, die sich eher für fortgeschrittene Corps eignen. Das Signet mit Pauke und der Inschrift «SG plus»(= Schwierigkeitsgrad plus) ist ein Hinweis darauf, dass diese Figur eher für fortgeschrittene Corps in Frage kommen könnte. Natürlich gibt es auch hier ganz individuelle Abstufungen von Verein zu Verein. Jeder Zuschauer, jede Zuschauerin an der Marschmusikstrecke hat das Recht darauf, etwas von einer dargebotenen Evolution zu sehen. Dies bedingt, dass auf der ganzen Marschmusikstrecke Interessantes passieren sollte! Wenn sich die Planung an diesem Punkt orientiert, ist der Publikumserfolg gesichert.

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Die Solisten lösen sich aus der Formation und stellen sich allen voran in einer Linie auf. Foto: MG Unterentfelden (Leitung Dani Willi).

Zur Illustration ein schlechtes Beispiel: Ein Corps spielt im ersten Drittel der Marschmusik einen Marsch, traditionell gehend. Vor dem Jurywagen stoppt die Formation, stellt sich in Konzertforma-


tion auf, spielt einen Samba, geht einmal in die Knie dabei, stoppt. Sie stellt sich ohne Überleitung und ohne ersichtlichen Plan erneut in Marschmusikformation auf und marschiert das letzte Drittel in traditioneller Marschmusikformation. Weil der Marsch zu lange ist, spielt das Corps stehend den Marsch fertig, der Spielwechsel erfolgt auch stehend und das Corps geht schliesslich aus dem Stand von der Marschmusik-Strecke. Bei dieser Evolution wurden zwei Grundsatzfehler gemacht: Erstens dominierten statische Elemente und passierte nur auf einem ganz kleinen Teil der Strecke wirklich etwas; zweitens passten Streckenlänge und Spieldauer nicht zueinander. Beides muss seriös im Voraus geplant werden!

«elg»: Tipp 4 Alle Zuschauerinnen und Zuschauer an der Marschmusikstrecke haben das Recht, die Evolution zu sehen. Bieten Sie dem Publikum auf der ganzen Strecke etwas! Vermeiden Sie statische Elemente vor dem Jurywagen; bleiben Sie in der Bewegungsdynamik. Stimmen Sie die Streckenlänge und die Spieldauer unbedingt aufeinander ab.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte: Die MV Bubendorf (Leitung Josef Fink) an der Musikparade der Nationen in Hannover 2004 mit der Darstellung des Schweizerkreuzes als eidgenössisches Symbol. Foto: MV Bubendorf.

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5. Struktur-/Taktgruppenanalyse als Basis für Formen Für das Entwickeln von Evolutions-Formen ist es unabdingbar, dass das einzelne Stück oder die verschiedenen Teilstücke im formalen Aufbau analysiert wurde(n). Das heisst konkret: Aus wie vielen Takten bestehen die einzelnen Teile? Werden die Teile komplett wiederholt? Gibt es eine Coda? Werden die wiederholten Teile mit derselben Dynamik oder mit verschiedenen Abstufungen notiert? Über wie viele Takte formen sich die einzelnen Phrasen? Wo ist grundsätzlich piano, wo forte geschrieben? Wo gibt es markante Tutti-Stellen? Wo läuft die Begleitung mal in Vierteln, mal in Achteln? Welcher musikalische Ausdruck lässt sich ableiten (leicht, federnd, schwer, schleppend, traurig, froh). Der Ausdruck bestimmt die Bewegungsform mit. Ein praktisches Beispiel für die Taktgruppenanalyse finden Sie auf den folgenden drei Seiten. Aus all den so gesammelten Fakten lassen sich Formen und Figuren ableiten. Auch ein Brainstorming auf einem Blatt Papier mit allen Ideen, losgelöst von der Form und Ansprüchen, kann weitere Ideen auslösen, die dann konkret umsetzbar sind.

«elg»: Tipp 7 Eine saubere Struktur- und Taktgruppenanalyse bildet die Basis für alle Figuren und bringt formale Übersicht.

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Mit den Elementen Anhalten (Stop), Losmarschieren (Go) und Drehen eröffnen sich bereits unzählige Möglichkeiten, die Formation in irgend einer Weise zu bewegen. Spielen Sie einfach mit allen Varianten und lassen Sie sich vom Resultat überraschen! Stop and Go Eines der Basiselemente, die ein Corps unbedingt beherrschen sollte, ist das Anhalten und Abmarschieren («Stop and Go»). Das klingt einfach, braucht aber einige Zeit, bis dies ein Corps sauber und entspannt beherrscht. Randbemerkung: Klären Sie mit dem Corps, ob beim Stop mit geschlossenen Füssen oder (wie in der «Richten»-Stellung) im 60-Grad-Winkel stillgestanden wird. Dieses Detail bringt dem optischen Erscheinungsbild unwahrscheinlich viel, wenn es synchron ausgeführt wird. Sektoren unterteilen mit Stop and Go Stop and Go kann auf ganz verschiedene Art und Weise angewendet werden. Schon alleine das Spielen mit diesen zwei Bewegungselementen eröffnet eine Vielfalt von Möglichkeiten. So kann ein Corps zum Beispiel in verschiedene Sektoren unterteilt werden. Diese Sektoren marschieren unterschiedlich getimt ab und halten auch unterschiedlich getimt wieder an. Wenn nun die einzelnen Sektoren ihre Vorwärtsbewegung gleichzeitig mit einem Effekt kombinieren (Schrittfolge, Effekthaltung usw.), gewinnt das Ganze sofort an Ausdruck und Raffinesse.

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Marschrichtung –>

Basiselemente


Kolonnen staffeln mit Stop and Go Ein Corps kann sich, als zweite Bewegungsidee mit Stop and Go, in einzelnen Kolonnen versetzt bewegen. Die unterschiedliche Staffelung von Kolonnen ergibt verblüffende Effekte. Wie diese Staffelung vonstatten geht, ist der Kreativität frei überlassen. So können beispielsweise die Kolonnen um je zwei Takte versetzt losmarschieren. Nach einer gewissen Anzahl Takte hält die erste Kolonne an, die zweite zwei Takte später usw. So löst sich die Versetzung wieder in die Grundaufstellung auf. Für einen Soloteil können sich die Solisten vor der Formation in einer Linie aufstellen, damit sie mehr im Rampenlicht stehen (siehe auch Fotos der MG Unterentfelden auf Seite 14).

Einfaches Stop-and-Go-Element auf der Marschmusikstrecke: Die dritte Kolonne marschiert los, Kolonnen zwei und vier folgen zwei Takte später, Kolonnen eins und fünf nochmals zwei Takte später. Diese Staffelung ergibt eine Pfeilform des Corps. Foto: MG Bleienbach.

«elg»: Tipp 9 Sobald Teile des Corps oder das ganze Corps stehen bleiben, müssen sich alle sofort korrekt ausrichten. In diesen Momenten kann die Jury sehr gut sehen, ob die Aufstellung der Figuren genau ist.

Einfaches Stop-and-Go-Element auf einer Fläche: Aus der Grundaufstellung läuft Kolonne eins weg, in regelmässigen Abständen versetzt gefolgt von Kolonne zwei, drei, vier und fünf. Auch das Anhalten verläuft gestaffelt (Kolonne 1 steht bereits wieder). Foto: MV Bubendorf.

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Effekte und Showelemente Marschordnung auflösen und wieder herstellen Ein Effekt, der eine tolle Wirkung hat. Von der Ordnung zum Chaos zur Ordnung. Blasmusikfremde Acessoires integrieren Blasmusikfremde Instrumente sind Farbtupfer, die aber sehr sorgfältig integriert werden sollen. Beispiele: Alphorn, Dudelsack... Die Körperebene zu verschieben ist sehr effektvoll. Allein das Gehen in den Knien verblüfft die Zuschauerinnen und Zuschauer gleichermassen. Foto: MV Bubendorf.

Ein Beispiel: Das ganze Corps steht still. Nur diejenigen, die am Rand stehen, stellen ihre Hand, die nach aussen zeigt, aus dem Handgelenk wie Flügel waagrecht auf. Eine minimale Bewegung, die aber durch die Synchronität eine eindrückliche Wirkung erhält. Andere Effekte können mit Kopfneigen, anderen Kopfbewegungen, Händen, Füssen, Hüften, Oberarmen, Knien erzeugt werden. Man kann auch die Raumebene als gesamtes Corps verändern. So können alle gleichzeitig die Skifahrerhocke einnehmen. Dadurch «sinkt» das Corps eine Ebene tiefer. Wenn diese Bewegung synchron ausgeführt wird, wirkt sie enorm. Diese Raumebenen lassen sich beliebig verändern (zum Beispiel liegen, knien, verbeugen, in die Höhe springen). Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Accessoires Den guten Geschmack bei der Wahl von Accessoires walten lassen. Beispiele: Handschuhe, Manschetten, Gamaschen, spezielle Hüte, Foulards und Gegenstände, die zum Motto passen. Humor soll seinen Platz haben Witzige Elemente kommen beim Publikum immer sehr gut an. Achtung: Die Grenze zwischen Humor und Lächerlichkeit/ Plumpheit ist manchmal fliessend. Es empfiehlt sich, eine Rohfassung der Evolution einem kritischen Testpublikum (Angehörige der MG) vorzustellen, um zu testen, ob die Gags greifen. Und nun viel Spass beim persönlichen Brainstorming nach diesen vielen Anregungen!

«elg»: Tipp 12 Der Grat zwischen Humor und Lächerlichkeit in einer Darbietung ist manchmal schmal. Ein Testpublikum kann im Vorfeld der eigentlichen Aufführung Rückmeldung geben. Guter Geschmack ist beeindruckender als billige Effekthascherei.

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Variante 2: Alle strecken einen Arm Richtung vorderes Glied aus und fügen gedanklich etwa 20 cm dazu. Nun drehen sich alle um 90 Grad nach rechts und machen nochmals das Gleiche. Effekt: Die Diagonalen sollten durch die Drehung stimmen. Bitte überprüfen. Ausgerichtet wird die ganze Formation auf die Person rechts aussen (z.B. A5, siehe Aufstellungsplan rechte Spalte). • 5er-Kolonnen: Die 1. Variante des Aufstellens ist nur anwendbar, wenn die Auftritts-Strecke vorher begangen wurde und diese Aufstellung überhaupt umsetzbar ist. Gehen Sie auf Nummer sicher, falls die Veranstalter sich noch nicht entschieden haben und sie bereits mit den Proben beginnen, und wählen Sie lieber die zweite Variante.

Aufstellungsplan Für eine Evolution ist ein fixer Aufstellungsplan eine absolute Notwendigkeit. Der Aufstellungsplan definiert den Platz jedes einzelnen genau. Bei Absenzen werden die Lücken nicht aufgefüllt; jeder nimmt stets seine Position ein! Aufstellungspläne können auf verschiedene Weise erstellt werden. Je nach Evolutionsart kann das eine oder andere Aufstellungssystem von grösserem Nutzen sein. Die Aufstellungspläne werden vor dem Eintragen des Ablaufs in die Noten an alle verteilt.

«elg»: Tipp 13 Viele Corps brauchen bei einer Veranstaltung viel zu lange, um sich aufzustellen. Das kann Abzüge bei der Bewertung geben. Führen Sie ein, dass z. B. alle in der Kolonne 1 für ihr jeweiliges Glied verantwortlich sind und die Fussstellung sowie die einheitliche Instrumentenhaltung selbständig kontrollieren. Jungbläser müssen möglichst neben Kolonne 1 aufgestellt sein oder jemand anders muss im Glied bestimmt werden, der diese Aufgabe übernimmt. Immer nebst der Ausrichtung nach der Seite und vorne die Diagonale überprüfen!

Beispiel 1: Aufstellung nach Schachbrett-Logik: Für die Orientierung kann die Stirnseite des Corps mit Kolonne 1 bis 4 (5), die Längsseite mit Buchstaben A bis z. B. K benannnt werden. Eine Anweisung kann dann lauten: «Kolonne 1 und 5, F bis K, in Teil B „Mixer“ Drehen um 90 Grad.» Grafik: Anita Spielmann-Spengler.

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Länge der Evolution überprüfen Der Erfolg steht und fällt nicht zuletzt mit der richtigen Streckenlänge und Zeitdauer der Evolution. Die Reglemente geben über diese Eckpunkte Auskunft. Steht nun der gesamte Evolutionsplan, muss die Länge der Evolution vor dem Eintragen der Figuren in die Noten unbedingt vor der ersten Probe überprüft werden. Dazu bietet sich folgende Möglichkeit an: Man macht sich (mit Stoppuhr, Kreide und notfalls Stirnlampe ausgerüstet) auf einer geeigneten Strecke auf den Weg. Als Startlinie dient ein Kreidestrich oder ein hingelegter Stein. Nun die Stoppuhr starten, sofort mit der Tamboureneinleitung beginnen, den ganzen Ablauf durchmarschieren, dazu die Musik singen und die Figuren möglichst massstabsgetreu laufen. Zuletzt an den Spielwechsel mit Tambourenschluss denken! Am Ende sofort die Zeit stoppen, einen Kreidestrich ziehen und dann die Strecke in Meterschritten rückwärts ausmessen. Erfahrungsgemäss stimmen die so errechneten Resultate ziemlich genau mit dem Endprodukt überein. Bei den Figuren nicht zu grosse Schritte nehmen! Nun können eventuelle Retouchen in der Form oder Dauer angebracht werden. Durch diese gründliche Vorbereitung strahlen Sie für Ihren Verein Vertrauen aus und stärken damit den Glauben an das Gelingen der Sache!



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9. Noten im Verein einrichten Die Evolution muss nun für die Musikantinnen und Musikanten verständlich eingerichtet werden. Dazu bieten sich mehrere Möglichkeiten von Seiten der musikalischen Leitung an: Version 1: Die Leitung notiert in allen Noten selbst die Figuren, der Musikant/die Musikantin führen nur noch aus. Version 2: Die Leitung diktiert in einer Probe anhand des Aufstellungsplans die Teile, Übernamen der Teile und Bewegungen. Die Musikantinnen und Musikanten schreiben sich eigenständig die Kommentare in ihre Noten ein. Diese Arbeitsweise erspart der Direktion sehr viel Feinarbeit und ermöglicht den Musizierenden, mit eigenen Worten ihre Noten zu ergänzen. Rechnen Sie für diese Arbeit etwa eine Stunde ein.

«elg»: Tipp 17 Ältere Musikant/innen brauchen zu Beginn eventuell vergrösserte Noten, damit sie alles gut lesen können. Wenn der Ablauf sitzt, können sie auf das normale Format wechseln. Kopieren Sie genügend Exemplare der Einzelstimmen (drei pro Kopf) für das Einschreiben. Meistens erfolgen in den Proben noch Feinkorrekturen, und die Endfassung muss nochmals neu geschrieben werden. Geben Sie den einzelnen Figuren Übernamen, die sich alle hineinschreiben. Diese aktivieren die räumliche Vorstellung mehr als der Hinweis «Teil B».

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Seitliche Präsentation im Stehen. Foto: MG Muhen.


Beispiele: Noten durch Musizierende eingerichtet

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Ampelsystem: Gr端n heisst gehen, rot stehen, gelb drehen. Quelle: MG Bleienbach.


und stellen ihren Notenständer höher, damit die Noten im Blickfeld sind. Nun wird die entscheidende Passage einmal gesungen oder gespielt und dazu an Ort marschiert oder stillgestanden, ganz wie es die Choreografie verlangt. Entscheidend sind die Anschritt- und Halt-Momente. Danach üben Sie diese Stelle mehrmals, bis sie sitzt. Ganz abgesehen davon, dass sich diese Vorarbeit auf der Marschmusik-Strecke sofort auszahlen wird, lockert eine solche Sequenz die Probe auf. Sollte eine Marschmusikprobe wegen Schlechtwetter ausfallen, kann die Evolution auch in Form einer Trockenübung im Probelokal durchgegangen werden. Die komplexeren Teile werden dann mit der Bewegung nur angedeutet, aber mental mitgedacht und so auch mitgeübt.

«elg»: Tipp 19 In jeder Evolution gibt es Passagen, die man bereits im Lokal motorisch einüben und mit der Musik verknüpfen kann. Bei Absenzen werden die Lücken in der Aufstellung offen gelassen. Jede/r steht immer an seinem/ihrem Platz!

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Die erste Freiluft-Probe Grundsätzliche Anmerkungen: Wenn Sie Jungmusikanten oder Neuzugänge im Corps haben, die das erste Mal marschieren werden, empfiehlt es sich, mit diesen eine Vorprobe abzumachen, damit Sie die Regeln des Einstehens, Intrumentenhaltung etc.

Die akustischen Umstände einer Freiluftprobe erfordern das Sprechen in der Corpsmitte. Die Musizierenden tragen ihren Hut, um auszutesten, ob er beim Verbeugen hält. In der Jackentasche sind die Sonnenbrillen, die an einer Stelle aufgesetzt werden, verstaut. Auch dieses Detail sollte motorisch eingeübt werden. Foto: MG Bleienbach. sowie ihre Signale für den Abmarsch und Spielwechsel sowie das Anhalten kennenlernen. Bei Absenzen werden die Lücken in der Aufstellung offen gelassen. Jede/r steht immer am gleichen Platz. Nun kann es losgehen! Die musikalische Leitung ist sehr gut vorbereitet. Sie hat die musikalischen Teile mit den jeweiligen Figuren im Kopf und kann sich ganz auf das Corps einstellen. Nach dem Einspiel stellt sich die Formation in der gemäss Aufstellungsplan festgelegten Grundaufstellung auf.


Schweizer Blasmusikverband

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Schweizer Blasmusikdirigentenverband

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