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13 | 2008

UBS | BERNHARD Burgener | ceo-rATING | jÜRG bUCHER | pIERIN vINCENZ | cHINA | IMMOBILIENMARKT

Das DasSchweizer SchweizerWirtschaftsmagazin Wirtschaftsmagazin

13/08 00/08

china

18. Juli–28. 00. – 00.August Monat CHF CHF9.– 9.–// €Euro 6.– 6.– www.bilanz.ch www.bilanz.ch

ende Der

euphorie Der harte Kampf der Schweizer Firmen. Seite 54 •

UBS-Krise

So führte Bradley Birkenfeld seine Bank hinters Licht. Seite 26 •

IMMOBILIEN

Hier lohnt sich ein Kauf – der nationale Preisvergleich. Seite 64

Rating: die besten schweizer chefs 1 3 9 771023 135000


Karikatur: Peter Gut

bonjour peter gut

13 | 2008 | BILANZ 


inhALT •

start

11 H  iestand. Ein Aktionär fordert für die Fusion mit IAWS mehr Geld. 13 Ottmar  Hitzfeld. Sponsoringmillionen für den neuen Nati-Coach. 14 K  antinen. Schlechte Hygienenoten in New York für UBS, gute für CS. 14 PHilippe  Gaydoul. Der DennerChef zügelt an die Zürcher Goldküste. 16 Wie bitte?  Michel Charbonnet über die Exportpläne der Migros. 17 cAPRI-sONNE.  Der Getränkehersteller plant den Börsengang. 18 Albergo Giardino.  Das Vorzeigehotel Asconas steht zum Verkauf. 20 Machtnetz.  Claude Béglé, neuer Post-Präsident. unternehmen 25 Jorge Lemann. Neuer Bierkönig. 26 UBS.  Wie Bradley Birkenfeld die

UBS hinters Licht führte – und den Finanzplatz Schweiz bedroht. 32 bernhard  BURGENER. Der scheue Basler will den führenden ­Medienkonzern Europas aufbauen. 38 KMU-Serie.  Swisspor, das Baustoff­ imperium von Bernhard Alpstäg. 40 CEO-Rating.  Ex-ABB-Chef Fred Kindle hat 2007 für die Aktionäre am meisten Wert geschaffen. 46 bilanz-gESPRÄCH.  PostFinanceChef Jürg Bucher und Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz über die Erteilung der Banklizenz für die PostFinance. •

Trends

53 V  R-Gremien. Mangel an Frauen. 54 •    Titel. China. Der Arbeitsmarkt

ist leergefegt, die Lohnkosten steigen: Der Ruf Chinas als Eldorado für Westfirmen bröckelt. Olympische Spiele.  Werbeplattform für Schweizer Firmen. Schweiz.  Das Volumen des Handels mit China wächst rasant.

61 Lesen. «Zum Entscheiden

geboren» von Ernst Pöppel.

 BILANZ | 13 | 2008

32

Bernhard Burgener baut in Basel am führen­ den Medien­ konzern Europas.

54

Firmen wie Prime alloy ­erleben in china harte Zeiten.

26

Wie Bradley Birkenfeld zum Albtraum der UBS wurde.

40

Fred Kindle, Johannes de Gier und Rolf Dörig (v.l.) waren 2007 die Bes­ ten Chefs der Schweiz.

Titelbild: The Image Bank / Getty Images (Montage: BILANZ); Fotos: Andrew Rowat, Gian Marco Castelberg, Strates, Express, PR; Ausriss: SonntagsZeitung


46

invest

63 B  örsenaktien. Im Sinkflug. 64 Immobilien.  In der Region rund um Genf stiegen die Hauspreise schweizweit am stärksten. 68 Service.  3× gefragt; Depotanalyse mit René Weibel; Experten beantworten Leserfragen; Jan-Egbert Sturm über Inflation; Vorsorge bei KMU. 72 Inside  Bahnhofstrasse. Japan hechelt dem grossen Aufschwung hinterher; schlechte Performance von Euro-08-Anlagen.

PostFinance-Chef Jürg Bucher (l.) und Pierin Vincenz, Chef der Raiffeisen Gruppe, im Streitgespräch.

64

Genf ist ­derzeit die ­Region mit den am stärksten steigenden Immobilienpreisen.

luxus

75 F  erretti. IPO des Yachtbauers. 76 Kristall.  Namen wie Daum oder Lalique machen Kristall zu Kunst – und zum Muss für Stilbewusste. 81 Safari.  Das Shamwari-Reservat beherbergt fast alle Tierarten Südafrikas und bietet erstklassige Lodges. 84 Selection.  Vom edlen Flitzer bis zum futuristischen Golfschuh. 86 Essen.  Kulinarische Weltreise: Park Hotel Vitznau. 87 Auto.  Tanzender Bomber: BMW X6 35D. 88 Business Traveller.  Die besten Adressen in Berlin.

Fotos: Jos Schmid, Hans Schürmann, PR; Illustration: www.tnt-graphics.ch

81

Das Shamwari-Reservat ist ein Para­ dies für Touristen und Dickhäuter.

Standards

76

vasen von Lalique sind Exklusiv – und Hoch begehrt.

3 7 13 16 18 89 90

Bonjour Editorial Was macht bloss? Die Reichsten smalltalk  Auftritt der chef service

8 index 22 d  ialog/rückspiegel/ Impressum

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Editorial dirk schütz

•  Dirk

Schütz

Chefredaktor Bilanz dirk.schuetz@bilanz.ch

Schlechte Regeln Liebe Leserin, lieber Leser

Dass die einstige Ikone UBS statt Bewunderung heute vor allem Mitleid hervorruft, ist für den Finanzplatz Schweiz schon blamabel genug. Da war es bislang ein Trost, dass zumindest die Wächter über das System, die Schweizerische Nationalbank und die Eidgenössische Bankenkommission (EBK), Kompetenz ausstrahlten. Nach ihren letzten Vorschlägen bleibt jedoch festzuhalten: Auch das ist nicht mehr sicher. Die Grossbanken sollen laut EBK ihre schon sehr hohen Eigenmittel noch weiter erhöhen. Und die Nationalbank will den Anteil von Fremdmitteln, die sogenannte «leverage ratio», begrenzen. Für beide Vorschläge gilt: Leider nur gut gemeint.

Foto: Gian Marco Castelberg

Das Fiasko hätte mit diesen Massnahmen nicht verhindert werden können. Als die UBS die Subprime-Papiere kaufte, war sie schon eine der höchstkapitalisierten Banken der Welt. Und hätte es damals eine Obergrenze für die Verwendung von Fremdmitteln gegeben, hätte sie nichts genützt. Bei einer Bilanzgrösse von mehr als 2700 Milliarden Franken standen die Desaster-Papiere mit nicht einmal 100 Milliarden in den Büchern, und einige wurden sogar ausserhalb der Bilanz geführt. Wären die Fremdmittel nur halb so hoch gewesen, hätte die Bank sich theoretisch dennoch viel stärker mit Hochrisikopapieren eindecken können. Die Ursache des Debakels waren die fatalen Markteinschätzungen der verantwortlichen Händler, die vor allem ihre Boni im Auge hatten. Sie wird mit den neuen Regeln nicht beseitigt.

Schweiz-BILANZ am 29. August BILANZ geht in die ­­ Sommerpause. Unsere nächste Ausgabe erhalten Sie am 29.  August. Dann erwartet Sie die Schweiz-BILANZ, unsere jährliche Spezialausgabe zu den Stärken der Schweizer Wirtschaft. •

Zudem: Die Vorschläge sind prozyklisch und verstärken deshalb die Krise. Schon jetzt fahren die Banken ihre Kapitalmarktgeschäfte massiv herunter. Beide Massnahmen würden das Gewinnpotenzial der gebeutelten Grossbanken für die nächsten Jahre noch weiter senken und sie damit gegenüber den Konkurrenten deutlich benachteiligen. Das kann nicht im Interesse der Schweiz liegen. Dass die Wächter nach dem Unglück, das sie nicht verhindern konnten, publikumswirksam neue Regeln vorschlagen, ist wenig überraschend. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn sie in der Hochkonjunktur eingeschritten wären, als die Banken die gefährlichen Geschäfte eingingen. Doch da war von den Regulatoren nur Applaus zu hören. 13 | 2008 | BILANZ 


Index

Personen und Firmen

Die folgenden Seitenzahlen verweisen auf die erste Seite des Artikels, in dem die betreffende Firma oder Person erwähnt ist. A ABB, 14, 40, 68, 89 Acosta, R. Alexander, 26 Adecco, 40 Adidas-Salomon, 75 African Collection Tours, 81 Aigrain, Jacques, 40 Akermann, Markus, 40 Alpstäg, Bernhard, Georges, 38 Amacher, Peter, 89 Anheuser-Busch, 25 Anschutz, Philip, 26 Aproz, 16 Arrigoni, Antonio, 32 Art & Fragrance SA, 76 Aryzta, 11 Atag Asset Management, 68 Audi, 84 Auermann, Nadja, Berlin, 88 Aust, Stefan, 32 Axa Private Equity, 76 Axa, 25 Axel Springer, 32 B Baccarat, 76 Bailly, Jean-Paul, 20 Bâloise, 40 Banco Garantia, 25 Bankiervereinigung, 89 Barclays, 26 Baschmakoff, Thierry, 76 Basler Kantonalbank, 72 Basler Zeitung, 32 Bass, Albert, 18 Baukork, 38 Bear Stearns, 46 Béglé, Claude, 20 Bencivenga, Bruno, 14 Berggruen, Heinz, Nicolas, 63 Bevag Better Value, 68 Bibus, 89 Biffi, Riccardo, 54 Birkenfeld, Bradley, 26 BMW, 87 Bocca di Bacco, Berlin, 88 Borchardt, Berlin, 88 BP, 13 Brabeck, Peter, 20, 40 Brandenburger Hof, Berlin, 88 Bucher, Jürg, 46 Bührer, Gerold, 89 Bürgi, Beat, 54 Bulcke, Paul, 20, 40 Burgener, Bernhard, 32 Bush, George W., 26 Bushmans Kloof, 81 C Camenzind, Reinhold, 32 Canepa, Heliane, 40 Carl F. Bucherer, 54 Castrol, 13 Centerpulse, 68 Charbonnet, Michel, 16 Chevrillon, 76 Ciba, 40 Citigroup, 46 Clariant, 40 Clement, Wolfgang, 89

Cleven, Dieter, 18 CNC, 84 Coffee, John, 26 Colgate-Palmolive, 76 Compass Group, 14 Constantin, 32 Contrinex, 54 Crantz, Benoît, 76 Crystal Eyewear, 84 CS, 13, 14, 25, 26, 40, 63, 69

D Daniel Swarovski, 84 Daniel, José, 20 Daum, 76 Daum, Jean, 76 Demaré, Michel, 40 Denner, 14 Denz, Silvio, 76 Deutsche Post, 20 Die Post, 20, 46 DKSH, 14 Dörig, Rolf, 40 Dougan, Brady, 40 DPD, 20 Dr. Oetker, 17, 32 Druecker, 32 DSF, 32 Dubois, Gérard, 54 E Eckert, Jan, 64 Economiesuisse, 89 Eglin, Walter, 54 Eichinger, Bernd, 32 Ellington, Berlin, 88 EM.Sport, 32 Ernst & Young, 26 Erste Bank, 72 European Professional Women’s Network, 51 EZB, 70 F Facil, Berlin, 88 Fendt, Jacqueline, 13 Ferfecki, Robert, 64 Ferragamo, 75 Ferretti, 75 Ferretti, Norberto, 75 Focus, 11 Forbes, 26 Frankfurter Allgemeine, 32 Frayn, Michael, 61 Friedli, Matthias, 13 Fuhrer, Rita, 89 Furrer, Gregor, 18 G Gallé, Emile, 76 Gardiner, Adrian, 81 Gaydoul, Philippe, 14 Gier, Johannes de, 40 Givaudan, 40 Götz, Torsten, 86 Gothaer, 40 Greater China, 54 Grete, Ulrich, 26 Grill Royal, Berlin, 88 Grübel, Oswald J., 40 Grünberg, Hubertus von, 40 Guzella, Lino, 89 Gygi, Ulrich, 20

H Hämisegger, Kuno, 89 Hagl, Wolfgang, 68 Hahn, Ivo, 54 Haier, 54 Hainer, Herbert, 75 Haribo, 17 Havel, Vaclav, 20 Hayek, Nick jr., 40 Hedge Fund Atticus, 63 Heim, Lorenz, 64 Heimlicher, Peter, 54 Henley & Partners, 64 Hess, Geny, 86 Hiestand, 11 Highlight Communications, 32 Hilton, 54 Hitzfeld, Ottmar, 13 Hoffmann-La Roche, 32 Holcim, 40, 72 Homm, Florian, 32 Horváth, Susan, 54 Hostettler & Partner, 40 Hostettler, Stephan, 40 Hotelbetriebs-AG, 18 House of Switzerland, 54 Huber, Deborah, 64 Huber, Werner, 68 Hublot, 84 Hug, Rudolf, 89 Humer, Franz, 40 HypothekenZentrum, 64

Lalique, René, 76 Laube, 90 Laube, Paul, 90 Lehner, Peter, 11 Lemann, Jorge Paulo, 25 Leuenberger, Moritz, 20 Leuthard, Doris, 89 Liebherr, 54 Liechti, Martin, 26 Lindt & Sprüngli, 54 Lion Capital, 11 Lonza, 40 Lux Eleven, Berlin, 88

I IAWS, 11 IKRK, 20 Immobilien-AG, 18 Inbev, 25 Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien, 64 Instinet, 63 Interfood, 20 Interims, 40 International Center for Economic Growth, 13

N NanoDimension, 25 Napoleoni, Loretta, 61 Navyboot, 14 Nestlé, 17, 20, 40, 54 New York Times, 26 Newton Bar, Berlin, 88 Newton, Helmut, 88 Nobel Biocare, 40 Nomura, 63 Novartis, 11, 40 Nukaga, Fukushiro, 72

J Jelmoli, 72 Jelzin, Boris, 26 Julius Bär, 40 K Kaufmann-Kohler, Gabrielle, 51 Keefe, Bruyette & Woods, 26 Kessi, Martin, 25 KF 15, 32 Kindle, Fred, 14, 40 Kirch-Gruppe, 32 Kirch, Leo, 32 Klatten, Werner, 32 Kraft Foods, 17 Kudelski, 72 Küng, Daniel, 54 Kunz, Michel, 20 Kurer, Peter, 26, 40 L L’Oréal, 76 La Poste française, 20 Lalique, 76

M Madonna, 51 MAN, 89 Marazzi, Anouk, Bruno, Negar, Renato, 16 Maria, Enrico De, 16 Marmet, Dieter, 64 Maserati, 84 Masip, Ramón, 20 Maucher, Helmut, 20 Maurer, Peter, 89 Maurer, Rolf, 68 Maxon Motor, 54 Mercedes, 84 Merkel, Angela, 20 Merrill Lynch, 46 Meyer, Armin, 40 Migros, 16 Mubarak, Hosni, 20 Mythen Center, 32

O Odermatt, Karl, 32 Oeri, Gisela, 32 Oetker, Arend, 32 Olen Properties, 26 Olenicoff, Igor, 26 OLZ & Partners, 64 Orange County Business Journal, 26 Orsinger, Michel, 40 Ospel, Marcel, 40 P Papermate, 54 Paramount, 32 Park Hotel Vitznau, Vitznau, 86 Parker, 54 Peninsula, Shanghai, 76 Petroschka, Wladimir, 25 Pfister, 13 Philip Morris, 20 Philips, 84 Platt, Norbert, 40 Plazamedia, 32 Pöppel, Ernst, 61

PostFinance, 46 Power Plate, 13 Prada, 75 Pragnell, Michael, 40 Premec, 54 Premiere, 13 PricewaterhouseCoopers, 11 Prime Alloy, 54 Proftech International, 54 ProSieben, 32 Puma, 84

R Raiffeisen, 46, 89 Rey, Jean-Noël, 20 Ricci, Nina, 76 Richemont, 40 Rist, Pipilotti, 13 Robba, Emilio, 76 Roche, 32, 40, 51 Rohner, Marcel, 40 Roos, Oliver, 54 Rudolf, Edwin, 54 Ruimin, Zhang, 54 RWE Power, 89 S SAB Miller, 25 Sal. Oppenheim, 64, 68 Samuelsson, Hakan, 89 SaraSelect, 11 Sarasin, 11 Sat.1, 32 SBB, 20 SBG, 26 Scala, Domenico, 40 Schadeberg, Jürg, 61 Schäuble, Rolf, 40 Scheiff, Dieter, 40 Schindler, 54 Schiro, James, 40 Schloter, Carsten, 40 Schmid, Samuel, 18 Schmidli, Christian, 54 Schneider-Ammann, Johann, 89 Schnewlin, Frank, 40 Schütz, Dirk, 89 Schulz, Ekkehard, 51 Schwan, Severin, 40 Schwarzenraben, Berlin, 88 Séchas, Alain, 76 Secher, Jan, 40 SF DRS, 54 SGS, 40 Shamwari, 81 Shiro i shiro, Berlin, 88 Sicupira, Carlos Alberto, 25 Sirius, 32 Sjöström, Michael, 68 SNB, 7, 46, 70 Spar- und Leihkasse Thun, 46 Speedel, 11 Spiegel, 32 Spindler & Klatt, Berlin, 88 Sport1, 32 Staggl, Mario, 26 Staiblin, Jasmin, 89 Stanton Chase, 54 Starwood, 76 Steinmeier, Frank-Walter, 20

Sternlicht, Barry, 76 Sturm, Jan-Egbert, 70 Swatch, 40 Swiss Business Hub China, 54 Swiss Life, 13, 40 Swiss Re, 14, 40 Swiss Securitas, 54 Swissair, 46 Swisscom, 40, 72 Swissmem, 89 Swisspor, 38 Syngenta, 40, 54 Synthes, 40

T Taittinger, Anne-Claire, 76 Tanneur, Sophie Le, 76 Taurus Film, 32 Team, 32 Telles, Marcelo, 25 Thaler, Paul, 54 The Children’s Investment, 63 Thumann, Jürgen R., 89 ThyssenKrupp, 51 Titlis Rotair, 54 TNT, 20 Trump, Donald, 76 Tswalu Kai Reserve, 81 U UBS, 7, 14, 26, 40, 51, 54, 63, 64, 72, 76 Uefa, 32 Unilever, 17 Union Charter, 26 Universal, 32 V Vasella, Daniel, 40 Victorinox, 54 Vincenz, Pierin, 46, 89 W Wagner, Martin, 32 Walesa, Lech, 20 Weder di Mauro, Beatrice, 51 Weibel Hess & Partner, 69 Weibel, René, 69 Wenfei Attorneys-at-Law, 54 Werlé, Wolfgang, 11 WGT, 75 Wild, 17 Wild, Hans-Peter, 17 Wolle, Jörg, 14 Wüest & Partner, 64 Wuffli, Peter, 40 Wyss, Hansjörg, 40 Y Yamaha, 84 Z ZertifikateJournal Schweiz, 68 Zimmer, 68 ZKB, 64 Zraggen, Pius, 64 Zürich, 40 Zumwinkel, Klaus, 20

Inserentenverzeichnis A Abacus, 31, www.abacus.ch Amag, 6, www.audi.ch, www.porsche.ch, www. volkswagen.ch Arwa, 39, www.arwa.ch

D Deurocos, 12, www.deurocos.ch

H Hewlett-Packard, 92, www.hp.com/ch

E Energie Ouest Suisse, 51, www.eos.ch

B Julius Bär, 15 + 17, www.juliusbaer.com

F Ford, 24, www.fordkuga.ch

K Kaupthing Bank, 45, www.kaupthing-edge.ch Zürcher Kantonalbank, 52, www.zkb.ch

C Clarins, 19, www.chromelegend.com Coop, 9, www.coop.ch

G General Motors, 74, www.opel.ch Graphax, 91, www.graphax.ch, www.konicaminolta.ch

 BILANZ | 13 | 2008

M Mercedes-Benz, 10, www.mercedes-amg.com O Omega, 2, www.omegawatches.com

S Eugen W. Schmid & Partner, 70, www.executive-coach.ch Singapore Airlines, 62, www.singaporeair.com U Unique, 83, www.uniqueairport.com www.flughafen-zuerich.ch V Bank Vontobel, 67, www.derinet.ch


start •

Hiestand

Fünfer und weggli

Fotos: Keystone, RDB

Hiestand-Minderheitsaktionär Peter Lehner fordert die Nach­ besserung des Umtauschangebots von Hiestand und IAWS.

Anders als zuletzt bei der Übernahme von Speedel durch Novartis werden die Aktionäre beim Backwarenhersteller Hiestand nicht mit den gleichen Ellen gemessen. Für die Fusion mit der irischen IAWS zum Nahrungsmittelhersteller Aryzta soll die englische Beteiligungsgesellschaft Lion Capital für ihr 32-Prozent-Paket an Hiestand gegenüber den Minderheitsaktionären einen Preisaufschlag von fast 20 Prozent erhalten. Fondsmanager Peter Lehner ist mit dieser Ungleichbehandlung nicht einverstanden. Deshalb will er den Preis von einem Gericht überprüfen lassen, wie dies das Fusionsgesetz vorsieht. Pikant: Lehner, der über 5 Prozent der Hiestand-Aktien vertritt, führt den Schweizer Nebenwertefonds SaraSelect der Privatbank Sarasin. Ausgerechnet Sarasin hat für die Fusionspartner das Angebot begutachtet und als fair befunden. Mit dem Umstand, dass sich seine Klage gegen die Arbeit der eigenen Bank richtet, hat der umtriebige Zuger Vermögensverwalter kein Problem: «Das beweist unsere Unabhängigkeit.» Geht Lehners Kalkül auf, wird es gar nicht erst zum Prozess kommen, sondern noch vor der GV zu einer preislichen Nachbesserung. Weder Hiestand noch IAWS sind schliesslich darauf erpicht, ihr Projekt mit einem latenten Prozessrisiko den Aktionären unterbrei-

Klage gegen die Backwaren­ hersteller: Peter Lehner.

ten zu müssen. Hiestand-Präsident Wolfgang Werlé will denn auch schon bald das Gespräch mit Lehner suchen. Auch Hiestand-Mehrheitsaktionärin ­Lion Capital will sich den Deal nicht entgehen lassen. Sie hat ihre Anteile an Hiestand erst im Februar aus dem Notverkauf des Hedge Fund Focus Capital zu 1900 Franken erworben. Nun kann sie gemäss den Kursen vom 7.  Juli STURZ DURCH NOTVERKAUF 2900

in Franken

2600

Hiestand

2300 2000 1700 1400 2007

2008

Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

Juli

2258.78 Franken lösen, was einer aufs Jahr hochgerechneten Rendite von über 50 Prozent entspricht. Das wurmt Lehner ganz besonders. Schliesslich hat er einst den Focus-Managern die Tür zu Hiestand geöffnet. Mit viel Kredit haben diese dann die Aktien zusammengekauft und den Kurs bis Ende 2007 auf fast 2900 Franken hochgetrieben. Während Lehner an seiner Beteiligung festgehalten hat, verkauften Management und Verwaltungsrat den Grossteil ihrer Aktien rechtzeitig vor dem Kurssturz – und geben sich im Nachhinein ahnungslos. Dass die Übernahme des Focus-Pakets durch Lion gar abgekartet gewesen sein könnte, ist für Lehner durchaus denkbar. IAWS konnte die Hiestand-Aktien nämlich nicht direkt von Focus übernehmen. Sonst hätten die Iren, die ebenfalls bereits 32 Prozent besassen, sogleich ein Angebot machen müssen und allenfalls nicht genügend Aktien erhalten, um die beiden Unternehmen – wie nun ge­ plant – zu fusionieren. Oder dann hätte der Angebotspreis so hoch sein müssen, wie ihn die Prüfgesellschaft Pricewa­ terhouseCoopers (PwC) errechnet hat, nämlich bis zu 2823 Franken pro Hiestand-Aktie – wie bei vergleichbaren Transaktionen – statt der nun offerierten 1811 Franken, die laut PwC-Gutachten sogar noch unter dem fairen Preis von 1865 Franken liegen. Hansjörg Ryser 13 | 2008 | BILANZ 11


Start

Was macht bloss?

Jacqueline Fendt (56) Die frühere Madame Expo lehrt in Paris Studenten Unternehmertum. Die Medien meidet sie, wo sie nur kann.

Ottmar hitzfeld

Der rubel rollt Der Coach der Nationalmannschaft gründet

eine Firma – Sponsorverträge mit CS, Swiss Life oder Premiere bringen ihm drei Millionen ein. Ottmar Hitzfeld, Hoffnungstrainer

Fotos: RDB

der Fussballnation, ist in der Schweiz angekommen. Genauer im steuermilden Engelberg. Am 7.  Juli hat er in der Obwaldner Enklave eine Einzelfirma gegründet mit dem schlichten Namen: Ottmar Hitzfeld. Firmenzweck gemäss Handelsregister: Werbeveranstaltungen – worunter wohl hoch dotierte Sponsoring-Aktivitäten fallen. Und da hat Hitzfeld nichts an Strahlkraft eingebüsst. So steht er kurz vor dem Abschluss eines überaus lukrativen Werbevertrages: mit der Credit Suisse. Die Kooperation beinhalte Seminarteilnahme, Golfspiele mit Kunden oder

Werbekampagnen, heisst es. Und soll ihm 600  000 Franken einbringen, pro Jahr. CS-Sprecher Matthias Friedli bestätigt Verhandlungen: «Als Hauptsponsor der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bis 2012 sind wir auch an einer Zusammen­arbeit mit dem Trainer der A-Nationalmannschaft, Ottmar Hitzfeld, interessiert, und sind diesbezüglich gegenwärtig mit ihm im Gespräch.» Weitere Schweizer Firmen bauen auf den Lörracher, darunter der Sportartikelhersteller Power Plate oder das Möbelhaus Pfister. Ebenso gefragt ist der Ex-Bayern-Trainer in Deutschland, wo er als Markenbotschafter der BP-Tochter Castrol und als Fussballexperte beim Pay-TVSender Premiere agiert. Auch für Swiss Life ist er im Norden unterwegs, für Imagekampagnen und ein Online-Bundesliga-Tippspiel. Im Herbst wird er gar zum Dienstleistungs-Promotor, dann nämlich wird Swiss Life Deutschland unter dem Namen Swiss Life Champion ein neues Versicherungsprodukt lancieren. Bei der deutschen Länderor­ganisation dürfte der passionierte Golfer 300  000 Franken pro Jahr kassieren. Mit PR-Auftritten wird Hitzfeld insgesamt gegen drei Millionen Franken jährlich einspielen. Dazu nimmt sich die Million, die er beim Hauptarbeitgeber, dem Schweizerischen Fussballverband, kassiert, schon fast bescheiden aus. BAR

Sponsorenmagnet: Ottmar Hitzfeld.

Rampenlicht? Bloss nicht! Jacqueline Fendt hat bis heute genug davon. Pro memoria: 1997 wurde sie Direktorin der Expo.01. 1998 stellte sie zusammen mit ihrer künstlerischen Leiterin Pipilotti Rist die Projekte vor. Es folgten turbulente Zeiten: etwa weil das Duo das Budget massiv überzogen hatte und die Sposorengelder nicht wie geplant sprudelten. 1998 trat Rist zurück, Fendt wurde von den Medien erst demontiert, dann 1999 vom Bundesrat entlassen. Aus der Expo.01 ist die Expo.02 geworden. Als diese am 14. Mai 2002 schliesslich eröffnet wurde, war Jacqueline Fendt definitiv von der Bildfläche verschwunden, und sie will es auch bleiben. Fendt hat ihr Stolpern als Madame Expo bestens verkraftet: Dr. Jacqueline Fendt, PhD, MBA, leitet neu als Professor of Strategy and Entrepreneurship den Lehr- und Forschungsstuhl für Unternehmertum an der Pariser Grande Ecole ESCP-EAP European School of Management. Daneben ist sie Verwaltungs­ rätin diverser Biotech-Unternehmen und ­Aufsichtsrätin des International Center for Economic Growth in Kalifornien. Die Medien meidet sie – bis aufs Unvermeidbare: 2003 kündigte sie «wegen unterschiedlicher Auffassung über die strategische Ausrichtung» den Posten als Rektorin der Zürcher Wirtschaftshochschule GSBA. 2006 machte sie mit ihrem Buch «The CEO in PostMerger Situations» sichtbar, worüber sie im Sold der Universität Leiden in Holland geforscht hatte. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung ­ihres Buches wurde Fendt dort zum Dr. math. (cum laude) gekürt. Iris Kuhn-Spogat •

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Philippe Gaydoul

Gold statt Pfnüsel Mit dem Denner-Chef erhält die

Wirtschaftselite am rechten Zürichseeufer prominente Verstärkung.

Kantinen

Mäuse in der Küche Test in New York: schlechte Noten für UBS, gute für Credit Suisse und Swiss Life.

Die New Yorker Gesundheitsbehörden lassen nichts anbrennen. Regelmässig und überfallartig werden sämtliche Gastro­ küchen der Weltmetropole unter die ­Lupe genommen, auf Einrichtungsstandards und Hygiene überprüft. Wer bei den Prü­ fungen zu viele Strafpunkte verbucht, setzt die Wirtelizenz aufs Spiel. Schlecht bekamen die jüngsten Tests der UBS. In der Mitarbeiterkantine UBS Café an der Park Avenue 299 monierten die New Yorker Behörden nach der Inspek­ tion vom 5.  Juli: schlechte Beleuchtung, Anlage nicht ungeziefergeschützt, Hin­ 14 BILANZ | 13 | 2008

bestehenden Lot­ terhäuschens eine kantige Immobilie hochziehen. Weil freie Flächen in der Bauzone äusserst rar sind, bleibt vielen Bauherren nichts an­ deres übrig, als ein bestehendes Haus zu kaufen und dieses durch einen Neubau zu ersetzen. Auf diese Weise geht auch Den­ ner-Chef Philippe Gaydoul vor, der ­Bruno Bencivenga eben 90 Prozent des Schuh­ labels Navyboot abgekauft hat. Gaydoul zieht es mit seiner Familie von Wollerau SZ an der sogenannten Pfnüselküste ans

Auf Shoppingtour: Philippe Gaydoul (r.) ­kaufte von Bruno Bencivenga Navyboot und in Küsnacht ein Grundstück.

weise auf lebende Mäuse («evidence of mice»). Macht 20 Strafpunkte (violation points). Glück gehabt: Bei 28 Punkten wäre der Hygienetest nicht bestanden, und die Stadtbehörden würden Mass­ nahmen verlangen. Selbst der noble UBS Executive ­Dining Room an der Park Avenue, wo das Topka­ der zu Tische sitzt, bot Anlass zur Kritik. Nach der jüngsten Inspektion vom 6.  Juni mäkelten die Gesundheitsbehörden: Die Erste-Hilfe-Instruktionen fehlten, keine Latex-Handschuhe und keine Maske zur Mund-zu-Mund-Beatmung im Notfall­ fach. Resultat: vier Strafpunkte. Ein blank geputzter Gourmet-Tem­ pel scheint auch die UBS-Kantine an der 6th Avenue nicht zu sein. Dort seien die WC nicht sauber genug, Toilettenpapier oder Abfallbehälter fehlten, notierten die akribischen Aufseher im Inspection Re­ port. Weiter sei das stille Örtchen nicht mit den verlangten selbstschliessenden Türen ausgerüstet. Mit zwei Strafpunk­

ten kam die Bank an der 6th Avenue al­ lerdings noch glimpflich davon. Die Grossbank wird von der Behör­ denkritik ohnehin nur partiell tangiert, denn ihre Kantinen in New York werden vom Gastrokonzern Compass Group im Auftragsverhältnis betrieben. Ungleich besser schneidet die Küchen­brigade des Konkurrenten Cre­ dit Suisse ab. Das Mitarbeiter-Restau­ rant an der Madison Avenue ging am Prüftag flott durch – «violation points: zero». Am Sitz der Investmentbank, ­Madison Avenue 11, wo die Behörden letztmals am 16.  November 2007 auf­ tauchten, waren bloss «gewisse Nah­ rungsmittel ungenügend verpackt». Ähnlich milde tönt die Rüge bei der Swiss Re, die in Manhattan an der 52nd Street domiziliert ist: Hier seien nur einzelne Materialien, die mit Nahrungs­ mitteln in Kontakt kommen, inakzep­ tabel. Macht drei Strafpunkte. Eigent­ lich akzeptabel. BAR

gegenüberliegende Seeufer. In Küsnacht hat er an bevorzugter Hanglage Land mit einem Abbruchobjekt gekauft, das er nun durch ein Einfamilienhaus mit Swim­ mingpool ersetzt. CA

Foto: Keystone

Am rechten Zürichseeufer ist die Nachfra­ ge nach Immobilien so hoch, dass sich die Prominenten bereits die Klinken ihrer un­ gebauten Häuser in die Hand geben. Fred Kindle hatte sich in Erlenbach ein Grund­ stück an bester Aussichtslage gesichert, als er noch ABB-Chef war, entschied sich dann aber doch gegen einen Umzug von Winterthur an die Goldküste. Der neue Besitzer von Kindles Parzelle heisst Jörg Wolle, operativer Chef des Handelskon­ zerns DKSH sowie Verwaltungsrat der Grossbank UBS. Wolle, der bislang in der Nachbargemeinde Herrliberg wohnte, wird auf dem Land an der Stelle des


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Die Reichsten

SAILING FOR GOLD

Bruno Marazzi setzt bei den Olympischen Spielen auf Sohn Flavio als Medaillengewinner.

wie bitte, Michel Charbonnet?

«Wie guter Wein»

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Mineralwasser der Migros wird in die USA exportiert – unter dem Markennamen Valais. Barmettler und Marc Kowalsky Interview

Migros will Mineralwasser in die USA exportieren. Ist das sinnvoll? Michel Charbonnet: Auf jeden Fall. Wir haben eine Wachstumsstrategie definiert, die sich allein in der Schweiz nicht ­realisieren lässt. Wir brauchen zusätzliche Volumen, speziell im Premium-Bereich. Und: Aproz braucht neue Absatzmärkte, um die Arbeitsplätze im Wallis sichern zu können. Die ökologische Gesamtbilanz muss miserabel ausfallen. Das Wasser geht per Zug nach Basel und wird verschifft. Wir engagieren uns stark für die Ökologie. In der Schweiz werden über 90 Prozent unserer Produkte über die Schiene transportiert. Ausserdem ist die Migros beim Recycling sehr aktiv – 85 Prozent der verkauften Flaschen werden zurückgenommen. Wie soll das Getränk in den USA heissen? Valais. Wir stellen die Swissness in den Vordergrund und vermarkten ein Qualitätswasser aus den Walliser Alpen. Auch die Verpackung ist speziell – in der Flasche ist die Form des Matterhorns erkennbar. Mineralwasser ist ein Massengeschäft, der Markenaufbau ­teuer. Wo will man da verdienen? Hier geht es nicht um Masse, sondern um ein hochwertiges Produkt im Premium-Bereich. Das hat auch Heidiwasser versucht, ohne grossen Erfolg, ­obwohl die Marke mit Swissness wirbt. Wir sind von unserem Produkt überzeugt. Über den Erfolg oder Nichterfolg von Heidiwasser können wir nichts sagen. Die Migros-Industrie liefert bereits Produkte nach Nordamerika. Ihre Erfahrungen? Sehr positiv. Ein weiterer Ausbau ist geplant. Die MigrosIndustrie will ihren Exportumsatz verdoppeln – von 350 auf 700 Millionen Franken. In den USA wächst eine Bewegung gegen abgefülltes Wasser. Sie wollen jetzt trotzdem ihr Produkt lancieren? Man muss unterscheiden zwischen Tafelwasser, also gereinig­ tem Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz, das abgefüllt wird, und Mineralwasser. Mineralwasser erfüllt ganz andere Bedürfnisse als Hahnenwasser. Eine ältere Person wählt am besten ein stark mineralisiertes Produkt wie Aproz. Für Kleinkinder sind mineralstoffarme Wasser geeignet. Auch der ­Geschmack der Wasser ist unterschiedlich – ein gutes Wasser wählt man aus wie einen guten Wein. Wann starten Sie in den USA? Diesen Herbst. In einem ersten Schritt wollen wir mehrere Millionen Flaschen verkaufen. BILANZ:

16 BILANZ | 13 | 2008

Michel Charbonnet (39) führt die Seba Aproz SA in Sion, die Mineralwasser-Tochter der Migros-Gruppe. Sie füllt Aproz, Aquella und Valvita ab.

Für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking besitzen der Berner (Stadion-)Baumeister Bruno Marazzi (61) und seine Ehefrau Elisabeth längst Eintrittskarten. Schon am nächsten Tag aber ­werden die frischgebackenen, gleich zweifachen Gross­eltern in die Hafenstadt Qingdao weiterreisen, das Revier der Segelwettbewerbe. Bruno Marazzi, VR des Swiss Sailing Team, das bereits Welt- und Vizeweltmeister in der Klasse der 5,5-Meter­Segelyachten war, geht selber nicht an den Start, sondern drückt seinem Stammhalter Flavio Marazzi (30) den Daumen. Mit seinem Vorschoter, dem Alinghi-­gestählten ­Enrico De Maria (31), geht der aktuell Dritte im World Ranking in der Starbootklasse an den Start. Er sei sehr optimistisch, sagt der Senior zuversichtlich, dass der Junior bei seiner dritten Olympia-Teilnahme nach Sydney und Athen («Da hat Flavio ganz knapp eine Medaille verpasst») nun den Schritt aufs Treppchen schaffe. «Er hat sich sehr, sehr seriös vorbereitet.» Auf der Homepage von Marazzi Sailing jedenfalls wird das Ziel klar anvisiert: Gold. Edelmetall bei Olympia wäre für den Marazzi-Clan die Krönung eines sowieso schon glückseligen Jahres: Nachdem zunächst Sohn Renato und dessen Gattin Negar die Geburt einer Tochter gemeldet hatten, brachte Ende Juni auch Flavios Gattin Anouk ein Mädchen zur Welt. SL

Gold im ­Visier: Flavio Marazzi.

VERMÖGEN DER FAMILIE: 200–300 MILLIONEN FRANKEN

Fotos: PR, RDB

•  Stefan

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start

Wild-Gruppe

Fruchtige Gewinne Hans-Peter Wild, Besitzer der Capri-Sonne, steuert seinen Konzern aus Zug – und plant den Börsengang. Steuerliche Aspekte dürften Hans-Peter Wild an seinem Wohnsitz in Zug derzeit intensiver beschäftigen als auch schon. Denn der promovierte Jurist (Disserta­ tion: «Das marktbeherrschende Unter­ nehmen im französischen Recht») bas­ telt am Börsengang der Familien­firma, wie er gegenüber BILANZ ­bestätigt. Seine Wild-Gruppe besitzt 18 Pro­ duktionsbetriebe in aller Welt – von den USA über China bis hin nach Sisseln im Aargau, wo bei der dortigen Wild ­Flavors speziell (Cola-)Aromen gemischt wer­ den. Bekannter ist zwar das Fruchtsaft­ getränk Capri-Sonne, von dem jährlich gegen fünf Milliarden Beutel in rund 100 Ländern verkauft werden; den we­ sentlichen Teil des auf mehr als eine Mil­ liarde Euro geschätzten Umsatzes schaf­

fen die weltweit 2500 Mitarbeitenden allerdings unverändert mit Aromen so­ wie Grund- und Farbstoffen für die ­Lebensmittelindustrie. Wilds Kundenliste liest sich wie das Who’s who der Markenwelt: Nestlé, Unilever, Haribo, Dr. Oetker. Und na­ türlich Kraft Foods, Firmen­mutter unter anderem der Schweizer Schoggi-Ikonen Milka und Toblerone. Gerade von Kraft Foods sprudeln die Lizenzgebühren immer üppiger. Da dürfte es sich auszahlen, dass der Pa­ tron frühzeitig an der Neugasse in Zug seine Holding Wild Group Manage­ ment einrichtete und da auch sämtliche «immateriellen Rechte» der Capri Sun AG einbrachte. Selbst versierter Steu­ erexperte, hatte der deutsche Familien­

Geht in 100 Ländern auf: Capri-Sonne.

unternehmer nicht nachvollziehen kön­ nen, dass Gewinne, die er zum Beispiel in den USA bereits versteuert hatte, in der Heimat Heidelberg nochmals beim Finanzamt deklariert werden mussten. Also siedelte er in die Schweiz über. Der Fiskus in Zug übt sich da in Ent­ haltsamkeit. An seinen ersten Kontakt mit dem Chef des kantonalen Steuer­ amts erinnert sich der Ehrensenator der Heidelberger Universität gern. «Der wünschte mir, dass ich 150 Jahre alt werde.» WP

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Start

Ein Bijou der Tessiner Hotellerie: «Giardino».

Tessin

60 Millionen fürs «Giardino»? Ballack, Schweinsteiger & Co. sind abgereist, doch ruhig wird es im Albergo Giardino in Ascona nicht. Die Immobilie steht zum Verkauf. Als luxuriöses EM-Lager des Deutschen Fussball-Bundes erhielt das Fünf­ sternehotel Giardino viel Publicity. Offenbar nutzen die Besitzer die Gunst der Stunde und suchen diskret einen Käufer für dieses Bijou der Schweizer Hotellerie. «Es gab lose Gespräche, aber es ist noch kein Letter of Intent unterschrieben», bestätigt Albert Bass, VR-Präsident der Immobilien-AG, der das Luxushotel gehört. Es gebe zwar keinen definierten Zeitplan, aber «erhärtetes Interesse von mehreren Investoren». Nicht zum Verkauf steht dagegen die Giardino-Betriebsgesellschaft, sagt Gregor Furrer, VR-Präsident der ­ Ho-

telbetriebs-AG. Unter Verkaufsdruck sind die Besitzer und Betreiber des Hotels, Albert Bass, Gregor Furrer und Dieter Cleven, nicht. Schliesslich habe das Hotel in den vergangenen 26 Jahren immer schwarze Zahlen geschrieben, und auch aktuell sei mit einem «hervorragenden Ergebnis» (Bass) zu rechnen. Absicht ist es, die «Giardino»-Immobilie separat zu verkaufen und sich als Betreiber gleichzeitig einzumieten. Zwei bis drei Millionen Franken dürften für deren Pacht realistisch sein, dies bei einem Umsatz von rund 14 Millionen Franken. Der Verkauf des Hotels sollte

einen Erlös von 60 Millionen Franken bringen – im Minimum. Das Interesse, gerade aus Deutschland, sei gross, sagt Mitbesitzer Albert Bass. Der Abschluss könnte in den nächsten Wochen erfolgen, sagt der Walliser Treuhänder, der gemeinsam mit Gregor Furrer und Dieter Cleven sowohl an der Hotelbetriebs- als auch an der Immobi­ lien-AG je 87 Prozent der Aktien hält. Der Deutsche Cleven besitzt den grössten Anteil und hat sich privat zwei Häuser neben das «Giardino» bauen lassen. Diese will er behalten, ansonsten bestätigt auch er: «Ich beabsichtige, die Immobiliengesellschaft zu verkaufen.» SW

SmallTalk

samuel schmid (61)

«Ich hätte den Bundesrat bei der Wahl des Armeechefs getäuscht, ich verriete die SVP, meine Offiziere gefährdeten die Soldaten  ...»

«Deshalb habe ich mir ein neues gepanzertes Dienstfahrzeug zugelegt.»

WAS ER WIRKLICH NICHT GESAGT HAT! 18 BILANZ | 13 | 2008

Fotos: Keystone

«Vor all diesen Angriffen muss man sich wirklich schützen.»


Machtnetz Claude Béglé

seine Weggefährten

Peter Brabeck (o.), Paul Bulcke.

In seinen 14 Jahren beim Nahrungsmittelmulti Nest­lé genoss Béglé zwei Generaldirektoren als Ziehväter: Südamerika-/Asienchef José Daniel sowie Europachef Ramón Masip. Vermutlich hätte Béglés Karriere bei Nestlé weiter nach oben geführt als bis zur Station des Länderchefs Tschechoslowakei, wenn Masip, wie von Helmut Maucher geplant, dessen Nachfolger als Konzernchef geworden wäre. Mit Peter Brabeck, der nach dem Krebstod Masips zum Handkuss kam, war Béglé weniger eng verbunden, auch wenn er ein Jahr nach ihm in Venezuela arbeitete und dessen Freundeskreis teilweise übernahm. Auch den heutigen Nestlé-Chef Paul Bulcke traf Béglé in Lateinamerika.

auslandssendung Der neue Post-Präsident Claude Béglé ist so gut vernetzt, dass er nicht weniger als drei Handys am Hosengurt trägt. Kowalsky Text

Seine Berufung war eine überraschung – doch

im Nachhinein betrachtet eigentlich logisch. Schliesslich gibt es keinen anderen Schweizer, der so viel Führungserfahrung in der Postbranche hat wie der in Bern geborene und im Waadtland aufgewachsene Claude Béglé. Dass vorher trotzdem kaum einer auf den 58-Jährigen als neuen Präsidenten der Schweizerischen Post getippt hat, liegt an Béglés Werdegang: Quasi seine gesamte Karriere verbrachte er im Ausland, lebte in 15 Ländern, flog – und fliegt – pro Jahr rund eine Million Meilen ab. Als seine Hauptaufgabe sieht Béglé die Erhaltung und Verbesserung der Servicequalität der Post an. Zudem muss er sie 20 BILANZ | 13 | 2008

auf den Eintritt der Konkurrenz vorbereiten, wenn 2012 das Briefmonopol fällt. Auch Wachstums­gelegenheiten im Ausland will er prüfen – «sofern dies politisch und öffentlich ­gewünscht wird». Dringlichste Aufgabe freilich ist die Ernennung eines Nachfolgers für den operativen Post-Chef ­Ulrich Gygi, der selber gerne das Präsidium übernommen hätte, jetzt aber zu den SBB wechselt. Als heissester Anwärter wird der Chef der Brief- und Paketpost, Michel Kunz, gehandelt. An seine Funktion ausserhalb des operativen Managements wird sich Béglé erst gewöhnen müssen, sitzt er doch in keinem anderen Verwaltungsrat: «Ich bin ein Macher, kein Berater.»

Fotos: Marco Zanoni, Ex-Press, Keystone

•  Marc


Die vertrauten seine Post-Connections Klaus Zumwinkel (l.), Jean-Paul Bailly. Da seine Frau im sonnigen Barcelona leben wollte und ihm die holländische TNT dort im richtigen Moment einen Job anbot, wechselte Béglé 1997 in die Postindustrie. Nur vier ­Monate später wurde er verantwortlich für 56 Länder und musste nach Paris zügeln. 1999 wechselte er zum Allianzpartner La Poste française. Bis heute hat Béglé einen engen Draht zu La-Poste-Chef Jean-Paul Bailly. Um die Deutsche Post einzuholen, entwickelte Béglé eine aggressive Wachstumsstrategie: Er tätigte 40 Akquisitionen im Wert von drei Milliarden Franken und war am Schluss Herr über 25  000 Mitarbeiter. Als Schweiz-Chef für die Tochter DPD stellte er Jean-Noël Rey ein, seines Zeichens Vorgänger von Ulrich Gygi bei der Schweizerischen Post. 2005 wechselte Béglé ausgerechnet zum Erzrivalen Deutsche Post: «Klaus Zumwinkel machte mir ein Angebot, dem man nicht widerstehen konnte.» Auch nach dessen Steueraffäre hat Béglé «weiterhin höchsten Respekt vor ihm».

Seine Polit-Kontakte Angela Merkel, Vaclav Havel (o.), Lech Walesa (u.l.), Moritz Leuenberger. Von Nestlé wurde Béglé zunächst nach Ägypten geschickt, um mit Präsident Hosni Mubarak über den Aufbau einer Sojamilchfabrik zu verhandeln. Nach dem Mauerfall zog es ihn nach Osteuropa, wo er als Länderchef Tschechoslowakei mit Staatspräsident Vaclav Havel den Verkauf von 15 Milchfabriken aushandelte – die grösste Privatisierung Osteuropas. Darauf warb ihn Philip Morris ab: Für den US-Tabakmulti akquirierte Béglé die staatlichen Zigarettenfabriken Polens. Sein Verhandlungspartner war Lech Walesa. Via den Staatsbetrieb Deutsche Post geniesst Béglé heute beste Verbindungen in die Spitzen der deutschen ­Politik. Mit Aussenminister Frank-Walter Steinmeier trat er im Juni in der chinesischen 32-Millionen-Stadt Chongqing an einem Kongress zum Thema Urbanisation auf. Auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hält er Kontakt. In der Schweiz ist er politisch nicht verbandelt. Während Noch-Post-Konzernleiter Ulrich Gygi SP-Mitglied ist, gehört Béglé keiner Partei an: «Ich bin ein freier Mann. Ich habe keine Probleme, mir eine eigene Meinung zu bilden.» Den gleichen Charakterzug schätzt er an Bundesrat Moritz Leuenberger, dessen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) die Post unterstellt ist und von dem sich Béglé «absolut begeistert» zeigt: «Er ist einer der Gründe, warum ich den Job angenommen habe.»

Sein privatleben

Seine Familie

Fotos: Keystone (2), AFP (2), Laif, Ex-Press, PR

René Béglé

Beim IKRK vermittelte Béglé im Bürgerkrieg von Rhodesien (heute Simbabwe); in Libanon wurden einige seiner Mitarbeiter gar in einem Hinterhalt getötet. Auch privat ist Béglé ein Abenteurer: Mit dem Auto fuhr er in jungen Jahren von Lausanne nach Nepal, um dort schliesslich den König zu beraten; in Nigeria wurde er zum Stammeshäuptling gekürt, ­ in Indien lebte er ein halbes Jahr in einer Jainistenfamilie. «Mein Leben war nie lang­ weilig», sagt er.

Béglé ist Offizier der Schweizer Armee – «wie wir alle in der Familie». Onkel Henry war Schweizer Botschafter in Peru und Bolivien, Vater René über zwei Jahrzehnte VR-Delegierter des Lausanner Schokoladenherstellers Interfood (Suchard-Tobler) mit 1,2 Milliarden Umsatz – «von ihm habe ich das Arbeiten gelernt». Er ging, als sich Klaus J. Jacobs 1982 die Mehrheit angelte. Claude war in erster Ehe verheiratet mit der Schwester des Lausanner Immobilienmaklers Bernard Nicod. Seine jetzige Frau, Ana Maria, eine kolumbianische Chirurgin, lernte er zu Nestlé-Zeiten kennen. Mit ihr will er nach dem Berufsleben in der Dritten Welt Entwicklungshilfe leisten. Zwei der sechs Kinder wohnen noch bei der Familie in Pully VD. 13 | 2008 | BILANZ 21


unternehmen •

newcomer

PANAGIOTIS SPILIOPOULOS (38) Wechsel im Research der Bank Vontobel: Neu steht Panagiotis Spiliopoulos an der Spitze. Der an der ETH Zürich diplomierte Informatik-Ingenieur arbeitet seit acht Jahren für Vontobel. Zuletzt führte er das IndustrieTeam des Research. Seine ­Hobbies: Bücher und guter Wein. Er ersetzt Mark Browne, der Vontobel verlassen hat.

MARTIN KESSI (34) Dank Jorge Lemann (kl. Bild) in neuen Händen: der US-Biergigant Anheuser-Busch.

Bierfusion

Jorge Lemann trinkt mit

Axa Private Equity, die Beteiligungskapitaltochter der französischen Axa Group (ihr gehört auch die «Winterthur»-Versicherung), eröffnet ein Office in ­Zürich, das siebte weltweit. Geleitet wird es von Martin Kessi, der von NanoDimension kommt. ­Davor hatte Kessi für diverse ­Zürcher Anwaltskanzleien gear­ beitet. Axa PE verwaltet Beteiligungen von 22 Milliarden Franken.

Der grösste Deal aller Zeiten in der Konsumgüterindustrie ist perfekt.

Fotos: Landov, PR (3)

Die brasilianisch-belgische Inbev-Gruppe kauft die amerikanische Anheuser-Busch, die nach 156 Jahren ihre Selbständigkeit verliert. Treibende Kraft bei Inbev ist der Schweiz-Brasilianer Jorge Paulo Lemann. Der Sohn von Schweizer Emigranten, dessen Vorfahren aus Langnau im Emmental stammen, verdiente ein Milliardenvermögen als Investment Banker, baute die Banco Garantia auf und verkaufte die Firma vor zehn Jahren an die Credit Suisse. Jetzt hat der Investor mit seinen beiden Compagnons – den Milliardären Marcelo Telles und Carlos Alberto Sicupira – den globalen Biermarkt aufgemischt. Die transatlantische Biergruppe Anheuser-Inbev hält neu einen Marktanteil von 23,6 Prozent, fast doppelt so viel wie Konkurrent SAB Miller. Mit Bud Light, Budweiser und Brahma Biermarkt weltweit hat die Gruppe um Grossaktionär LeDie meistverkauften Biere Mio. mann drei der am meisten getrunkenen der Welt, 2006 Barrel Biere im Sortiment. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Bud Light Budweiser Skol Snow Corona Brahma Heineken Miller Lite Coors Light Asahi Super Dry

41,1 33,7 28,6 25,9 25,6 21,6 21,4 18,4 16,8 14,8

Die grössten Brauereigruppen 1. 2. 3. 4.

Inbev Anheuser-Busch Bel/USA SAB Miller GB Heineken NL Baltic Bev. / Carlsberg Russ/DK

* Weltbierproduktion 2007. Quelle: Modelo, Barth-Report.

in Prozent* 23,6 13,4 8,5 6,1

Management

Kosten als Challenge Häufigste ManagementHerausforderungen, in Prozent Kostenstruktur

36

Fehleinschätzung bei der Geschäftsentw.

31

Schwächen im Produktportfolio

25

Margenerosion

19

Verlust von Marktanteilen

13

Fehlende Finanzierung

9

Bilanzierungsfehler

9

Verluste im Beteiligungsportfolio

7

Forderungsausfälle

6

Gescheiterte Akquisitionen

3

Unterschlagung/ Betrug

3

Quelle: Roland Berger, Wirschaftswoche. © BILANZ-Grafik

13 | 2008 | BILANZ 25


dialog

Impressum Axel Springer Schweiz AG BILANZ Förrlibuckstrasse 70 Postfach 8021 Zürich Redaktion: Tel. 043 444 55 20, Fax 043 444 55 21 E-Mail Redaktion: redaktion@bilanz.ch E-Mail Personen: vorname.name@bilanz.ch Internet: www.bilanz.ch Bestellungen: aboservice@bilanz.ch Um unsere Mitarbeiter/-innen direkt zu erreichen, wählen Sie 043 444 und die Ziffer in Klammern. Chefredaktor: Dirk Schütz (5454) Stellvertretende Chefredaktoren: Stefan Barmettler (5452), Marc Kowalsky (5462) Redaktionssekretariat: Cornelia Meyer (5456), Michelle Cueni (5455) Redaktion: Stefan Lüscher (5464), Dirk Ruschmann (5468), Hansjörg Ryser (5463), Stefan Waldvogel (5450) Autoren: Jörg Becher (5459), Erik Nolmans (5465) Ständige Mitarbeiter/-innen: Corinne Amacher, Dominik Flammer, Harald Fritschi, Peter Hossli, Martin Kilchmann, Iris Kuhn-Spogat, Francis Müller, Walter Pellinghausen, Bernhard Raos, Dirk Rheker (Florida), Monique Rijks, Markus Schneider, Claus Schweitzer, Brigitte Ulmer, Maja Wyss Produktion: Christian Wapp (Leitung, 5475), Patrick Imper (5483) Art Director: Wernie Baumeler (5479) Layout: Katrin Nidzwetzki (stv. AD, 5478), Regina Kriewall, Markus Odermatt, Eric Studer, Daniel Karrer (Infografik, 5476), Bildredaktion: Monika Polyvas (Leitung, 5480), Varinia Speissegger (5481), Susanne Borer (5482) Korrektorat: Thomas Basler (5473), Andreas Ritter (5473), Andrea Schärer (5474) Partner: «Fortune», New York, «WirtschaftsWoche«, Düsseldorf BILANZ-Expertenteam: Werner Räber (Steuern), Donato Flavio Scognamiglio (Immobilien), Martin Wechsler (Vorsorge), OLZ & Partners ALM AG (Finanzmanagement, Aktienanlagen), Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG (Teledata Business Information, www.teledata.ch) Verlag: Daniel Truttmann (Leitung, 5870), Michael Ebnöther (5505), Martina Hofmann (5501) Anzeigen: Sandra Jabornik (Leitung, 5513), Rolf Fischer (5510), Oliver Haab (5511), Jda Hess (5518), Nicole Kälin (5514), Severin Verardo (5512) Ombudsmann der Axel Springer Schweiz AG: Karl Lüönd, c/o Axel Springer Schweiz AG, Postfach, 8021 Zürich (Reglement der Ombudsstelle: www.bilanz.ch) Titelschutz: Schweizer Wirtschafts Revue, Politik und Wirtschaft. Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. ISSN 1022-3487

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BILANZ 12/08: Blochers Kinder – «Vorbild Vater»

Rappenspalter Mit grossem Interesse habe ich den Artikel über Blochers Kinder gelesen. Langfristig wird Magdalena Martullo mit der Ems-Chemie mehr Erfolg haben. An der Generalversammlung spürt man ihre Ausstrahlung, ist als Aktionär willkommen, und die Dividendenrendite stimmt. Ganz anders bei Markus Blocher an der Dottikon-GV. Er führt lange, selbstherrliche Monologe, schüttet keine Dividende aus, bietet einen «Apéro pauvre» und lässt die Aktionäre spüren, dass er nur eine lästige Pflicht absolvieren muss. Ehrlicher wäre ein Going private, aber das würde ja auch etwas kosten. Hans-Ulrich Wanzenried, Zürich

BILANZ 12/08: Blochers Kinder – «Vorbild Vater»

BILANZ 12/08: Auto –­ «Scharfe Katze»

Zu Viel Blocher

Zu blechig

Wie lange werden BILANZ-Leser noch mit dieser Story der Blocher-Family gefüttert? Es scheint in der Schweiz an wichtigen Themen zu fehlen. 106 Seiten, davon 34 Seiten Werbung. Von den redaktionellen 72 Seiten sechs wieder einmal mit Blochers zu füllen, geht zu weit. Paul Meiler, St.  Gallen

Der Jaguar XF war für mich Abneigung auf den ersten Blick. Statt eines eigenständigen, von Eleganz geprägten Charakters ein opportunistischer Verschnitt aus Lexus, Audi und Bentley Continental. Hoffe sehr, den XK ereile nicht dasselbe Schicksal. Dem augenzwinkernden Hinweis Beat Imwinkelrieds auf die Aludose kann ich beipflichten; Aludosen sind diszipliniert zu sammeln und zu entsorgen. Hans-Jacob Heitz, Männedorf

BILANZ 12/08: Landwirtschaft – «Jubeln statt jammern»

Zu Klischeehaft Da ich Experte in Landwirtschaftsfragen bin (Ingenieur Landwirtschaft und langjährige Erfahrung im Treuhandbereich), ist es für mich leicht zu erkennen, dass Ihr Artikel «Jubeln statt jammern» eine billige Klischeereiterei ist. Sie haben in keiner Art recherchiert, was wirklich ­abläuft in der Landwirtschaftsbranche. Schauen Sie sich die Fotos in Ihrem ­Artikel einmal genau an. Sind das wirklich reiche Leute? Im Moment laufen verschiedene interessante Trends in ­unserer Branche, die haben Sie leider ­alle nicht mitbekommen. Rolf Sahli, Rüti bei Büren

BILANZ 11/08: UBS – «Bradleys Auftritt»

Zu weit gehend Bradley Birkenfeld war von 2001 bis 2006 Direktor bei der UBS-Filiale in Genf. Gemeinsam mit dem Liechtensteiner Mario Staggl soll er 200 Millionen Dollar am US-Fiskus vorbeigeschleust haben. Wo viel Geld fliesst, können auch die Grenzen zwischen legalen Steuersparmodellen und Steuerbetrug schnell einmal fliessend werden. Dass man Birkenfeld und Konsorten für Gesetzesübertretungen zur Rechen-


dialog

schaft zieht, ist in Ordnung. Dass man jedoch bei dieser Gelegenheit der bereits angeschlagenen UBS den Gnadenstoss versetzen und gleichzeitig das Schweizer Bankgeheimnis knacken will, geht mir entschieden zu weit. Ich hoffe, dass hier die Schweizer Behörden auch noch ein Wörtchen mitreden werden. Bradley Birkenfeld ist nicht UBS. Ich erinnere daran, dass die UBS rund 84  000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Einige schwarze Schafe lassen sich bei dieser Grössenordnung nur schwer ­vermeiden. Albert Schafflützel, Wauwil

BILANZ 11/08: Substanzwerte – «Verkannte Perlen»

Zu Grosszügig Als langjähriger Abonnent und eifriger Leser der BILANZ stelle ich fest, dass Sie in Ihrem Artikel «Verkannte Perlen» die Firma Dätwyler doch etwas zu grosszügig darstellen. Sie schreiben von einer direkten Rendite von 6,4 Prozent und erwähnen den Grund dieser hohen Ausschüttung nicht. Wenn Sie genauer hingeschaut hätten, wüssten Sie, dass der Grund darin liegt, dass es sich um eine Nennwertrückzahlung handelt und der Gewinn eines Teilverkaufes darin enthalten ist. Die durchschnittliche Bruttodividende der letzten Jahre liegt zwischen 2 und 2,5 Prozent. Meine Zahlen können Sie aus dem Informationsblatt für Investoren der Firma Dätwyler entnehmen. Heiner Jeker-Meier, Büsserach Die BILANZ freut sich über Ihren Leserbrief (leserbriefe@bilanz.ch), der sich auf unsere Artikel beziehen muss. Kürzungen behalten wir uns vor. Vergessen Sie nicht, uns Ihren Vornamen, Namen und Wohnort mitzuteilen.

Rückspiegel Nestlé ist das Unternehmen, welches für seine Anleger am meisten Wert schafft: Das berichtet das Wirtschaftsmagazin ­ BILANZ in seiner neusten Ausgabe. Zürich, 20.  Juni 2008

Peter Spuhler tönte ­ einen Rücktritt aus dem UBS-VR an. Nun vermutet die ­ BILANZ, dass gleich drei Mitglieder gehen: neben Spuhler Ex-CibaChef Rolf Meyer und Lawrence Weinbach. Zürich, 20.  Juni 2008

Bei der Übernahme des BackwarenHerstellers Hiestand Holding AG durch die irische IAWS regt sich ­Widerstand. Fondsmanager Peter Lehner will gemäss BILANZ juristisch gegen das Übernahmeangebot vorgehen. Zürich, 3.  Juli 2008

Der frühere Swissfirst-Chef Thomas Matter will den juristischen Kampf gegen die «NZZ am Sonntag» bis zum Gerichtsurteil durchziehen, erklärt er der BILANZ. Rapperswil, 23.  Juni 2008

Gerichtsurteil Die erste Zivilkammer des Tribunale d’appello des Kantons Tessin hat im Urteil vom 22.  Mai 2007 in Sachen Franco Masoni, Lugano, gegen Marc Frey, Zürich, Jean Frey AG, Zürich, Andreas Z’Graggen, Zürich, und Hanspeter Peyer, Zürich, betreffend Persönlichkeitsschutz erkannt: 1.    Es wird festgestellt, dass Marc Frey, Jean Frey AG, Andreas Z’Graggen und Hanspeter Peyer mittels der folgenden nicht erwiesenen Äusserungen, die in der Monatszeitschrift BILANZ vom Mai 1986 unter dem Titel «Will (schon lange) nach oben» (Seiten 59, 60, 63 und 64) erschienen, die Persönlichkeit von Franco Masoni widerrechtlich verletzt haben. –    In Bezug auf die Opposition seitens von Franco Masoni zum sogenannten «Projekt einer Erdölleitung auf dem Rhein» («Oleodotto

del Reno»): «Es stellte sich dann ­heraus, dass er die Interessen jener ­ grossen Erdölgesellschaften vertrat, die es ­nicht gerne sahen, dass die halbstaatliche ­ italienische ENI mit dieser Pipeline ihr Business in den Norden Europas ausdehnen wollte.» –    In Bezug auf die Position der Fulcro AG, Tochtergesellschaft der Fulcro Holding AG (deren Verwaltungspräsident Franco Masoni war), im Konkursverfahren des EuroprogrammeFonds: «Als 1985 der milliardenschwere Europrogramme-Fonds mit Einlagen von 75  000 italienischen Sparern ins Schleudern kam und mangels flüssiger Mittel die Liquidation beschlossen wurde, bot eine gewisse Fulcro AG ihre Dienste als Liquidatorin an.» Und: «Die Bankenkommission lehnte das allzu freundliche Angebot ab, denn es machte den Anschein, dass die Fulcro in Wirklichkeit ein verlängerter Arm der ‹Europrogramme› war.» 2.    Als Schadenersatz zugunsten von Franco Masoni werden Marc Frey, Jean Frey AG, Andreas Z’Graggen und Hanspeter Peyer als Solidarschuldner aufgefordert, die Summe in der Höhe von 50  000 Franken zuzüglich 5 Prozent Zinsen ab 1.  Juli 1990 zu bezahlen.

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Archiv: Artikel ab Juli 1998: Originalheft zum Einzelverkaufspreis erhältlich beim Aboservice, Tel. 043 444 55 22. Einzelne Artikel können über www.swissdox.ch bestellt werden (kostenpflichtig).

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13 | 2008 | BILANZ 23


unternehmen Ceo-rating w

kindle 1. Fred CEO ABB bis februar 2008 PerformaNce pro jahR 63%

de 2. johannes CEO julius bär Performance pro jahr 46%

die besten Sollen Aktionäre ihr Geld auf eine Firma setzen – oder auf eine Person? Bei Anlagefonds gibt es längst einen Personenkult um die besten Manager. Wir zeigen, welche Schweizer CEO für ihre Aktionäre am meisten Wert geschaffen haben. •  dirk

ruschmann Text

Die Getränke waren gut gekühlt, die Ergebnisse herausragend, und dennoch flossen Tränen. Als Mitte Februar die ABB-Beschäftigten in der Kantine am Hauptsitz in Oerlikon auf ihren Rekordgewinn anstossen sollten, herrschte bedrückte Stimmung. Nur Tage zuvor war der beliebte CEO Fred 40 BILANZ | 13 | 2008

Kindle abgetreten. Als er selbst vor die Mitarbeiter trat, was kaum einer erwartet hatte, und sich für die schöne Zeit bedankte, wurden zahlreiche Augen feucht – auch seine eigenen. Zügig verschwand Kindle wieder. Kindle, der sich im vergangenen Jahr an die Spitze unserer CEO-Liste hoch-

gearbeitet hat, nennt bis heute keine Gründe für den Rückzug. Das Pressecommuniqué berichtete wolkig von «unüberbrückbaren Differenzen» in der Führung des Unternehmens. So hört es sich an, wenn Ehepartner eine zackige Scheidung durchziehen.


gier

dörig 3. rolf CEO swiss life bis mai 2008 Performance pro jahr 29%

Fotos: Strates, PR, Ex-Press

chefs Überhaupt war es ein Jahr der Abschiede. Und wer bisher nicht an Déjà-vus gelitten hatte, den befiel die Krankheit spätestens beim Beobachten des Köpferollens in den Schweizer Teppichetagen. Fred Kindle, ­Peter Wuffli bei der UBS, Bâloise-CEO Frank Schnewlin – alle drei sind an ähnlichen Konstellationen gescheitert: an strategischen Meinungsverschiedenheiten und Machtkämpfen mit ihren Präsidenten. Trennung trotz Leistung. Peter

Wuffli konnte oder wollte nicht deutlich machen, dass die verheerenden Spielwiesen für die UBS-Investment-Bankers vor allem

Marcel Ospel zu verantworten hatte, der unbedingt «die Nummer eins» werden wollte. Frank Schnewlin arbeitete sich bei der Bâloise-Versicherung im Tagesgeschäft ab, konnte diese aber nicht aus dem strategischen Niemandsland zwischen Regionalanbietern und Grossver­sicherungen befreien. Bis dem Präsidenten und Alphamännchen Rolf Schäuble der Geduldsfaden riss. Er verscheuchte Schnewlin und versuchte, die Bâloise durch Zusammenspannen mit der deutschen Gothaer zu vergrössern – ohne Erfolg. Für Fred Kindle schliesslich begann der Stuhl zu wackeln, als die Aktionäre Anfang Mai Hubertus von

Grünberg zum Präsidenten wählten. Die atmosphärischen Missklänge waren schon nach einigen Monaten so schrill, dass weder der geschäftliche Erfolg noch der absehbare Trennungsaufruhr hinreichten, Kindle und von Grünberg aneinanderzuketten. Drei CEO mussten sich verabschieden, deren operative Verdienste unbestritten sind, die ihren Aktionären anständige Wertsteigerungen verschafften – denen aber vielleicht die Lust zum Visionären etwas abging und auch das Quäntchen Brutalität und der Wille zur Macht. Gute Arbeit allein jedenfalls, das zeigt das BILANZ-Rating, reicht nicht, um sich im Chefsessel zu halten. • 13 | 2008 | BILANZ 41


unternehmen Ceo-rating w

Jacques aigrain

markus akermann

peter brabeck

CEO swiss re

CEO holcim

Performance –21%

PerformaNce 18%

CEO nestlÉ bis april 2008 Performance 9%

michel orsinger

Norbert platt

michael pragnell

CEO Synthes

CEO richemont Performance 18%

CEO syngenta bis dezember 2007 Performance 16%

Fred Kindle hat sogar sehr gut gearbeitet. Er steigerte den Wert der ABB im Durchschnitt um 63 Prozent pro Dienstjahr – dank einer «Kombination aus operativen Verbesserungen und einem hervorragenden Marktumfeld», wie ihm Interims-CEO Michel Demaré bescheinigt. Kindle hat der ABB, einst ein Sammelsurium kleiner Königreiche, Disziplin eingeimpft, sie «führbarer gemacht» und «ein motiviertes Team zusammengestellt, diesem vertraut und es arbeiten lassen», sagt Demaré: «Er war keine One-ManShow.» Eindrücklich hat ABB unter Kindle die Renditen gesteigert, weit über den Schnitt der Branchenfirmen, und dies bei sinkendem Kapitaleinsatz. Die Investoren bedanken sich mit einem «Future Growth Value» von fast 29 Milliarden Franken: So hoch sind die Wachstumserwartungen des Marktes, die den gesamten Unternehmenswert nach oben schiessen lassen (siehe «Wert und Wachstum» auf Seite 44). «Kindles finanzielles Vermächtnis ist so gut, dass auch sein Nachfolger noch davon profitieren wird», bestätigt Stephan Hostettler. Mit seiner Beratungsfirma Hostettler & Partner ist er auf wert­ orientierte Unternehmenssteuerung spe42 BILANZ | 13 | 2008

zialisiert. Er berechnet für BILANZ die Wertschöpfungsanalysen. Der Zweitplatzierte, Johannes de Gier, hat mit der Privatbank Julius Bär dem Abwärtstrend der Branche getrotzt. Die Anleger trauen den Banken praktisch kein Wachstum mehr zu, ausser eben Julius Bär, die sich als reiner Vermögensverwalter auf keine Investment-Banking-Abenteuer einlässt. «Diesem einfachen Geschäftsmodell werden wir ohne Kompromisse treu bleiben», versichert de Gier. Seinem Freund

Gute Arbeit alleine reicht nicht, um sich im Chefsessel zu halten. •

Marcel Ospel wollte de Gier allerdings keine Schmähungen nachrufen: Zwar, so de Gier, schaffe Fokussierung meist Mehrwert, «aber es können nicht alle dasselbe tun». Diejenigen, die tatsächlich etwas anderes tun, nämlich ein Investment Banking

unterhalten, haben jedoch kräftig dafür bezahlt. Insbesondere die UBS, deren innerer Firmenwert implodierte. Der Ertrag auf das eingesetzte Kapital (ROE) fiel sogar ins Negative. Damit verglichen kam die Credit Suisse noch glimpflich weg, wurde aber von Anlegern mit Misstrauen bestraft: Negative Wachstumserwartungen drückten auf den Unternehmenswert und zeigten an, dass die Stabilität des Gewinnwachstums in Frage gestellt wurde. Da waren bei der UBS die niederschmetterndsten Nachrichten schon längst im Markt. Low profile statt kult. Nun ha-

ben auf beiden Seiten eher unspektakuläre Figuren das Ruder übernommen. Wuffli, der mit seinem biederen Auftreten bei­ nahe Kultformat entwickelte, sowie Fasnachtsexperte Ospel sind Geschichte. Nun lässt sich der Karrierebanker Marcel Rohner von Rechtsanwalt Peter Kurer bewachen. Den kantigen Oswald J. Grübel bei der CS ersetzt Brady Dougan, der seine Redaktionsbesuche bei der «Neuen Zürcher Zeitung» sympathischerweise zu Fuss erledigt. Auf dem Weg durch die Bahnhofstrasse, mit Slippern und einer etwas zu kurz geschnittenen Hose, bedarf

Fotos: Keystone (2), Remotephoto, Strates, PR, AFP

Performance 3%


brady dougan

nick hayek jr.

Franz humer

CEO credit suisse Performance –16%

ceo swatch group Performance 22%

CEO roche bis märz 2008 Performance 0%

Domenico scala

dieter scheiff

james j. schiro

CEO NObel biocare Performance –13%

CEO adecco

CEO «zÜrich»

Performance –21%

Performance 26%

die performance der smi-unternehmen Geschaffene Firmenwerte, unabhängig vom CEO, gemessen von Anfang 2000 bis Ende 2007

Unternehmen

134 535

49 397

266 838

UBS

76 064

3 505

169 144

Novartis

69 396

–111 039

194 706

ABB

52 390

5 075

84 146

Richemont

27 712

12 559

43 418

Holcim

26 726

4 221

59 728

Syngenta

19 066

12 571

29 805

Julius Bär

17 536

13 092

22 848

Credit Suisse

13 126

–59 875

100 393

Swatch

12 166

4 187

23 040

Synthes

11 971

7 453

17 862

Nobel Biocare2

6 155

4 557

8 762

Roche

3 256

–204 374

210 851

Zurich Financial Services

2 405

–66 980

58 027

Bâloise

1 057

–5 035

8 338

885

–35 316

58 639

Nestlé

Fotos: PR (2), Rezo, Bildhaus, Strates, RDB

Geschaffener Wert in Mio. Fr.

Geschaffener Wert, Gesamter Firmenwert1 verglichen mit (Total Wealth) Renditeerwartungen per Ende 2007 in Mio. Fr. in Mio. Fr.

Swisscom

–709

–9 050

9 991

–7 417

–46 074

37 485

Adecco

–8 811

–35 218

16 539

Clariant

–11 479

–23 160

5 997

Swiss Life Swiss Re

1 Inklusive Dividenden, Aktienrückkäufen. 2 Gemessen ab 2003. Quelle: Hostettler & Partner AG

der «low profile»-Mann Dougan allerdings der Flankierung von zwei Schlips tragenden Zuarbeitern, um Bedeutung zu verströmen. Seine schwache Performance, verglichen mit Wuffli, hat Dougan vor allem seinem späten Amtsantritt kurz vor Ausbruch der Bankenkrise zu verdanken. Im zweiten Grossduell der Schweizer Wirtschaft sind die Unterschiede noch deutlicher. Roche-Chef Franz Humer beschert seinen Eigentümern eine Kapitalrendite, die mehr als doppelt so hoch liegt wie beim Erzkonkurrenten Novartis, der innere Firmenwert ist mit gut 150 Milliarden sogar dreimal so hoch. Im Branchenvergleich behauptet sich Novartis zwar gut, Roche ist aber in fast allem besser. ­Lediglich die Produkte-Pipeline ist bei Novartis etwas vielversprechender bestückt. Ausserdem tut Franz Humer, der Österreicher in Roche-Diensten, der guten Unternehmensführung Genüge und hat kürzlich Severin Schwan als CEO nachfolgen lassen. Humer beschränkt sich aufs Präsidieren, während das Ego von «SuperDan» Vasella weiterhin zwei Stühle einnimmt. Dass der Novartis-Doppelchef prozentual besser als Humer abschneidet, liegt an unserem Rechenmodus: Die • 13 | 2008 | BILANZ 43


w

unternehmen Ceo-rating

Total-Wealth-Ansatz

Wert und Wachstum

Wie die Leistung der Chefs der SMI-Konzerne ermittelt wurde. • 

44 BILANZ | 13 | 2008

carsten schloter

frank schnewlin

CEO swisscom Performance 13%

CEO bÂloise bis dezember 2007 Performance 17%

daniel vasella

peter wuffli

CEO novartis

CEO ubs bis juli 2007 Performance 9%

Performance 6%

Erwartungen des Marktes an den Konzern, die beim Amtsantritt des CEO bestehen, lasten wie eine Hypothek auf diesem. Und diese Erwartungen waren im Fall Roche bei Humers Antritt so exorbitant, dass Humer sie trotz seinen beachtlichen Leistungen bei weitem verfehlen musste. Solche Probleme kennt der andere grosse alte Gastarbeiter aus Österreich nicht: Peter Brabeck war bei Nestlé nie mit übersteigerten Hoffnungen konfrontiert und konnte sich in relativer Ruhe dem Umbau des Nahrungsmittel-Supertankers widmen. Brabeck, der sich gern auf Motorrädern und in den Bergen herumtreibt, trieb die Renditen auf Branchenniveau hoch und band die zahlreichen Geschäftseinheiten neu zusammen. Dennoch begleitete Brabeck über Jahre hinweg die Skepsis der Investoren, wohl ausgelöst durch Mängel in der Krisenkommunikation (siehe Babymilch-Skandal), den «Cailler-Effekt» und zuletzt steigende Rohstoffpreise. Die daraus folgenden Bewertungsabschläge hat Brabeck aber im vergangenen Jahr komplett auflösen können, sodass Nachfolger Paul Bulcke ein kerngesundes Haus übernimmt. Insofern wird es Brabeck verschmerzen können, dass er im CEO-Rating nie ganz nach vorne kommen

konnte: Auf Schnellbooten wie Julius Bär oder in Turnaround-Situationen wie bei ABB lassen sich nun einmal höhere Wachstumsraten realisieren als auf einem Flugzeugträger wie Nestlé. Rote Laterne für Secher. In der

Versicherungsbranche schlägt sich Rolf Dörig mit seiner Swiss Life, die den Aktionären allerdings praktisch keine Dividenden ausschüttet oder mit Aktienrückkäufen dem Kurs unter die Arme greift, am besten. Dafür muss Dörig kaum Bewertungsabschläge der Investoren hinnehmen, während diese «Zürich»-CEO James Schiro jedes Jahr mehr Misstrauen entgegenbringen. Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain fällt zurück, weil er sein Amt erst 2006 übernahm – zu einer Zeit, als die Profitabilität des Rückversicherers sehr hoch war. Damit verglichen sieht die Bilanz des schweizerisch-französischen Doppelbürgers unschön aus. Zum letzten Mal im Rating taucht der Brite Michael Pragnell auf. Ohne Lärm und Skandale hat der Syngenta-CEO eine respektable Performance abgeliefert und verabschiedet sich nun altershalber. Bereits abgegangen und damit nicht mehr

Fotos: RDB, PR, Remotephoto, Pixsil, Ex-Press

Der Total-Wealth-Ansatz bringt fundamentale Kriterien, die in Firmenbilanz und Branchenvergleichen sichtbar sind, mit börsenrelevanten Grössen zusammen. In die Unternehmensbewertung fliessen folgende Faktoren ein: Aktienrückkäufe, Dividendenausschüttungen, liquide Mittel, Veränderungen der Einschätzungen der Investoren über künftige Erträge sowie Veränderungen beim inneren Wert des ­Unternehmens, der auf Basis des Value Added (VA) ermittelt wird. Dieser VA beschreibt den Mehrwert, den ein CEO für seine Aktionäre über eine branchenübliche, quasi also ­risikolose Mindestver­zinsung hinaus schafft. Diesen Branchenwert ermitteln Hostettler & Partner mittels einer Vergleichsgruppe von 20 Wettbewerbern. ­Diese «Peers» sind betreffend Risikobewertung und Kapitalkosten vergleichbar. Wer also sein eingesetztes Kapital am effizientesten bewirtschaftet, wird im Value-Added-­Vergleich ­vorne liegen. •  Der GESAMTWERT des Konzerns (die Summe aus Börsenkapitalisierung und Fremdkapital) setzt sich zusammen aus dem inneren Firmenwert (Current Operations Value, COV) sowie dem von Investoren ­unterstellten Potenzial, künftig Mehrwert zu erwirtschaften, dem Wachstumswert (Future Growth Value, FGV). FGV plus COV ergeben also den Gesamtwert. Sind die Anleger skeptisch, kann der FGV im Minus liegen, was für einen Bewertungs­ abschlag sorgt – Beispiel: Credit ­Suisse. Hier liegt der Gesamtwert des Konzerns unter dem Wert des operativen Geschäfts. Nicht vollständige Arbeitsjahre der CEO, etwa bei Amtsantritt erst im Mai, haben wir rechnerisch so berücksichtigt, dass die Bewertungen fair und vergleichbar bleiben.


BASLER VERGLEICH 20

in Prozent

Roche

15

Median

10

Novartis

5 0

jan secher

–5

CEO clariant

02

Performance –25%

bei vielen ­chefwechseln dachten ­Beobachter, sie erlebten ein dÉjÀ-vu.  •

Roche 2005 2006 2007

Novartis 2005 2006 2007

03

04

05

06

07

ROIC 16,1% 19,8% 23,1%

Value Added in Mio. Fr. 4166 5849 7609

ROIC 15,4% 13,5% 10,5%

Value Added in Mio. $ 2215 1798 598

Die Gewinnkraft der Pharmamultis unterscheidet sich beträchtlich. Die Grafik zeigt, wie Roche beim Schaffen von Ertrag oberhalb einer branchenüblichen Rendite den Durchschnitt der Wettbewerber hinter sich lässt und wie Novartis dagegen abrutscht. Unten zum Vergleich: der Ertrag auf dem eingesetzten Kapital (ROIC) und der Mehrwert (Value Added) für die Aktionäre. Quelle: Hostettler & Partner AG

vertreten sind der langjährige Synthes-Patron Hansjörg Wyss sowie die MarketingHaubitze Heliane Canepa von Nobel Biocare. Neben den berüchtigten «heliazentrischen» Führungsmethoden, die sie letztlich den Rückhalt der Verwaltungsräte kosteten, hinterliess sie ihrem Nachfolger

Domenico Scala einige Störungen in der Kommunikation mit staatlichen Zulassungsbehörden sowie organisatorische Mängel, die Scala lautstark öffentlich beklagte. Im Geschäft mit Zahnimplantaten agiert der jungdynamische Ex-Finanzchef von Syn­genta einstweilen noch glücklos.

Am unteren Ende der Skala tummelt sich neben Aigrain auch Adecco-Chef Dieter Scheiff. Die rote Laterne hält ClariantCEO Jan Secher, der es aber nicht einfach hat. Die Chemiebranche ist stark zersplittert, und entsprechend machtlos sind Lieferanten wie Clariant, sodass Secher den Anstieg der Rohstoffkosten nur zu einem Bruchteil an die Kunden weiterreichen kann. Also kappt er die Kosten, verstärkt das Engagement in Asien und will sich durch «aktives Portfoliomanagement», so ein Sprecher, an der Konsolidierung beteiligen. Pech für Secher, dass sich auch der Börsenindex SMI, den unser Rating abbildet, auf 20 Titel konsolidiert hat. Damit sind nicht nur Givaudan, Lonza und SGS aus unserem Radarbereich verschwunden, sondern auch Ciba – und damit Armin Meyer, in dem Secher einen Leidensgenossen für die Chemie-Aversion der Anleger hatte. Nun steht Secher allein im trüben Rampenlicht, was ihn derzeit kräftig ärgern dürfte: Während Clariant an der Börse seit Jahresbeginn rund 10 Prozent verloren hat, büsste Ciba fast 50 Prozent ein. Kein schöner Abschied für Meyer, der nach Jahren massiver Kritik sein Doppelmandat bei Ciba zum Jahreswechsel aufgegeben hat. Dagegen hat sich der Ex-CEO der ABB mit einer herausragenden Performance verabschiedet. Insofern gebührt Fred Kindle die letzte Ölung für den besten der zahlreichen Ausscheider des Jahres 2007. • Mehr Analysen zum CEO-Rating: www.bilanz.ch ANZEIGE


Unternehmen UBS

Albtr Birk Der Kronzeuge Bradley Birkenfeld bekannte sich der Beihilfe zu Steuerflucht und -betrug schuldig. Für sein ­Geständnis hofft er auf Strafmilderung.

Barmettler und Peter Hossli Text

Über dem Eingangstor das Sternenbanner und ein Schwur: «Erwarte Herausforderungen, sei besser als alle anderen.» Die Norwich University ist eine traditionsreiche Militärakademie in Vermont, zur Vorlesung trägt man Uniform, Disziplin und Sport gehören zum Alltag. An dieser Kaderschmiede schloss Bradley Birkenfeld 1988 in Ökonomie ab. «Wir Norwich-Absolventen sind enttäuscht», sagt Daniel B., Mitstudent der «Class of 88». Brad habe den Ehrenkodex der Militärakademie – «kein Betrug, kein Diebstahl, keine Lüge» – gebrochen. Am 10. Juni unterschrieb der einstige Banker ein Schuldbekenntnis. Er habe einem UBS-Kunden zur Steuerflucht und zum Steuerbetrug verholfen. Am Urteilstag Mitte August drohen ihm gemäss der Klageschrift von US-Staatsanwalt R. Alexander Acosta Gefängnis bis zu fünf Jahren, ein Berufsverbot und eine saftige Busse. Im schlimmsten Fall. 26 BILANZ | 13 | 2008

Damit die Strafe milder ausfällt, haben ihn die Anwälte zum Kronzeugen gegen das Swiss Banking gemacht. Je mehr er sich als Teil eines vermeintlichen Steuer­ betrugssystems bekennt, je mehr pikante Interna er auftischt oder erfindet, desto glimpflicher kommt er weg. Keine US-Trips. Die perfide Strategie

belastet die UBS massiv und treibt jeden Private Banker im Lande um. Wer nicht ­risikieren will, in die Fänge der amerikanischen Steuer- und Justizbehörden zu ­geraten, meidet derzeit selbst harmlose Ferienreisen in die USA.Geheimnisträger aus dem US-Private-Banking werden von Bank und Bankiervereinigung angehalten, bis auf weiteres auf US-Trips zu verzichten. Ihnen soll nicht das Schicksal von UBS-Direktor Martin Liechti, Leiter Wealth Management International Americas, widerfahren. Er wurde Ende April

bei der Durchreise in die Karibik auf dem Flugplatz in Miami festgenommen, seither sitzt er mit elektronischen Fussfesseln als Zeuge fest. Ohne Anklage. Ein Heer von Anwälten und Spezialisten für Steuer- und Rechtshilfefragen arbeitet derweil in der Schweiz daran, den Druck aus den USA abzufedern. «Wir fürchten um die Zukunft des Bankkundengeheimnisses», sagt ein Genfer Privatbankier. Das juristische Gerangel ist das eine, der Kampf um die öffentliche Meinung das andere. «Der Reputation ist der Fall Birkenfeld sicher nicht zuträglich», meint ein UBS-Topbanker. «Speed is key», ein anderer. So rasch wie möglich aus den Schlagzeilen raus. Kundenberater sind seit Wochen damit beschäftigt, die Klientel des weltgrössten Vermögensverwalters zu beruhigen. Nie mehr seit der Debatte um die Holocaust-Gelder standen Schweizer Banken derart im Visier der Weltöffent-

Ausrisse: SonntagsZeitung; Fotos: Paul Rodriguez / OCR / SwissPress

•  Stefan

Der Kunde Igor Olenicoff hat 200 Millionen Dollar am Fiskus vorbeigeschleust. Der Immobilienmagnat erwies sich für Birkenfeld als Karrierenbeschleuniger.


raum rkenfeld Wie Banker Bradley Birkenfeld die UBS hinters Licht führte – und den Finanzplatz Schweiz bedroht.

lichkeit. Wer in der Google-Suchmaske die Begriffe «UBS Birkenfeld» eintippt, findet mehr Einträge als bei «UBS Peter Kurer», dem Präsidenten der Bank. Schon einmal kreuzten sich deren ­Wege. Birkenfeld prozessierte 2005 vor Arbeitsgericht gegen die Bank, weil er den ihm offerierten Bonus als zu mickrig befand. 2006 einigte man sich aussergerichtlich auf eine Abfindung von 500  000 Franken. Kurer war damals General Counsel, oberster UBS-Rechtsvertreter. Über Birkenfeld, diesen Albtraum der Schweizer Bankenwelt, ist nur wenig be-

Birkenfelds ­perfide Strategie belastet die UBS massiv. •

kannt. Seine ehemaligen Mitschüler beschreiben den 43-Jährigen als «smart», als«go-getter», als Draufgänger. Stets habe er ein gut verdienender Banker werden wollen, erinnert sich ein Norwich-Student. Gemäss Aussagen vor dem Richter dürfte er dreifacher Millionär sein. Bei der Einvernahme gibt er weiter preis, dass er in Genf wohne, in Zermatt eine Ferienwohnung besitze (Wert: eine Million Franken), einen 50  000 Franken teuren BMW fahre. In North Weymouth bei Boston teilt er mit seinem Bruder eine exklusive Wohnung mit Tennisplatz und Blick auf den Hafen. Sein Vater ist Neurologe. Dieser und Birkenfelds Stiefmutter bürgen mit Haus und Pension für die Zwei-Millionen-Dollar-Kaution. Amerikas Steuerfahnder glauben, mit Birkenfeld und seinem Milliardärskunden, Igor Olenicoff, zwei Whistleblowers der Sonderklasse an der Angel zu haben. 200

Millionen Dollar soll der Immobilienmagnat mit Hilfe des UBS-Bankers am Fiskus vorbeigeschleust haben, heisst es im Geständnis, das Birkenfeld unterschrieb. «Die Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) ist auf den Fall UBS aufgesprungen, weil es sich hier nicht um einige hunderttausend Dollar, sondern um ein paar hundert Millionen Dollar handelt», sagt Rechtsprofessor John Coffee von der Columbia University. Offenkundig wollen die Behörden wissen, ob Birkenfelds Dienste einem Einzelnen entspringen oder ob sich dahinter womöglich ein Geschäftsmodell der UBS verbirgt, wie Birkenfeld behauptet. Auf dem Prüfstand steht damit der QIStatus der UBS. Das Qualified-Intermediary-Abkommen (siehe «UBS riskiert ihren Sonderstatus» auf Seite 30) regelt das Steuerprozedere bei US-Kunden, die im Ausland Konten unterhalten. Zimperlich sind die Behörden Amerikas nicht, der Fiskus • 13 | 2008 | BILANZ 27


Bankkonten in London � Salomon Smith Barney

Hin und her

Scheinfirma in Dänemark

Wohin die Millionen des Immobilientycoons Olenicoff flossen. • 

60 Mio. $ 89,4 Mio. $

118 Mio. $ 38 Mio. $

Bankkonten in Liechtenstein � Neue Bank

40 Mio. $

Genf. 2001 wurden 89,4 Millionen Dollar auf ein ­Unternehmenskonto bei der UBS überwiesen. •  Liechtenstein. 2005 traf sich UBS-Berater Birkenfeld mit Kunde Igor Olenicoff. Gemäss Anklage war es Absicht, sämtliche Gelder in Liechtenstein zu parkieren.

Bankkonten auf den Bahamas � Barclays Bank Scheinfirmen auf den Bahamas � Sovereign Bancorp Ltd. � National Depository Corp. Ltd.

© BILANZ-Grafik

Bank

Scheinfirma

will verlorenes Steuersubstrat repatriieren. Die Steuerkürzungen unter George W. Bush haben den Staatshaushalt in Schieflage gebracht. Nun gilt bei der IRS die Direktive, Grossverdiener härter anzufassen. Zu ihnen gehört Philip Anschutz, der mit Filmen, Sport und Immobilien ein Vermögen verdiente. In dieses Jagdklima passt der Fall Birkenfeld/UBS bestens. Geschickt beliefern US-Beamte Leitmedien wie die «New York Times» mit brisanten Details. aufgepumpte Vita. Selbst der einfluss-

reiche Senator und Ex-Präsidentschaftskandidat John Kerry gerät beim Namen Birkenfeld ins Schwitzen. «Kürzlich überwiesen wir eine Summe im Umfang von Birkenfelds Spende einer Veteranenorganisation», bestätigt eine Kerry-Mitarbeiterin. 4300 Dollar spendete Birkenfeld den Demokraten. In den Formularen gab er sich als «Director UBS AG» und als «freischaffender Investment Banker» aus. Erstaunlich. Im Frühling präsentierte er sich in Unterlagen zuhanden der Börsenaufsicht SEC als «Finanzberater von weltweit führenden Privatbanken wie UBS und Credit Suisse». Es trifft zwar zu, dass er von 1996 bis 1998 bei der CS arbeitete, allerdings nur im Backoffice des 28 BILANZ | 13 | 2008

Bankkonten in der Schweiz (Genf) � UBS � Barclays Bank

getätigte Transaktionen geplante Transaktionen

Meetings in Miami, Genf und Vaduz (FL)

Private Banking, ohne Kundenkontakt und auf Projektbasis. Finanzberater oder Investment Banker war er nicht. Gegenüber der SEC gab er sich auch als gefragter Gastdozent aus – zum einen an der Managementschule IMD in Lausanne, zum andern an der Thunderbird School of Inter-

BirkenFeld arbeitete auch für die Credit Suisse.  •

national Management im französischen Archamps. Auch hier: Geflunker. Am IMD kennt man keinen Dozenten namens Bradley Birkenfeld, und auch ein Schüler mit diesem Namen ist unbekannt. Thunderbird, wo Birkenfeld angeblich ebenfalls doziert, schloss den Management-Campus vor drei Jahren. «Wir haben keinen Hinweis, dass Herr Birkenfeld je als Gastdozent von uns Geld bezog», sagt eine Schulsprecherin. Fürs 20-Jahr-Jubiläum der Alma Mater Norwich University liess er sich kürzlich entschuldigen, weil er, wie er prahlte, mit

potenten Bankkunden ans Oktoberfest nach München reise. Ehemalige UBSKollegen bezeichnen den Blender als «geldgierig», «faul», «unkontrollierbar», stets für ein Party zu haben. An der Türe seiner Genfer Wohnung klebt ein Plakat mit dem Spruch «Strong ales – loose women» (Starkes Bier – lockere Frauen). Birkenfelds Karrierturbo hiess Igor Olenicoff, den er 2001 zur UBS brachte. Mit dessen Millionen im Rücken konnte er sich «einen fetten Bonus» aushandeln, heisst es. Knapp unter einer Million soll er gelegen haben, weit über dem Durchschnitt der ­Abteilung. Die abgemachten Zielvorgaben erreichte er allerdings nicht, was man ihm im Jahresgespräch darlegte. Der Bonus für 2005 wurde massiv zusammengestrichen. Birkenfeld ging vor Arbeitsgericht, erstritt eine halbe Million und wechselte als Partner zum Finanzberater Union Charter in Genf. Zuvor kopierte er interne Manuals, Kundenbriefe, Telefonlisten und übergab das vertrauliche Material den US-Behörden. Den rauchenden Revolver haben sie mit dem gestohlenen Material nicht zur Hand, dafür einen Serienbrief an den «Dear ­Client», den die Bank nach Abschluss des QI-Abkommens der verunsicherten USKundschaft schrieb: «Bitte beachten Sie,


Unternehmen UBS

dass unsere Bank einen Leistungsausweis («successful track record») beim erfolgreichen Anfechten von Ausdehnungstendenzen der US-Behörden hat.» Unvorsichtig war die Bank im Umgang mit Birkenfeld und Olenicoff allemal. Als Igor mit den Eltern von Moskau nach Kalifornien auswanderte, war er 15 und mittellos. 2006 tauchte er auf Rang 236 der «Forbes»-Reichstenliste auf. Geschätztes Vermögen: 1,7 Milliarden Dollar. Falsch, meinte Olenicoff: Olen Properties, die von ihm präsidierte Immobilienfirma, gehöre gar nicht ihm, sondern russischen Geldgebern um Ex-Präsident Boris Jelzin. Diese hätten in der Karibik investiert, ­ergo sei Olen Properties von einer russischen Finanzgesellschaft auf den British Virgin Islands beherrscht. Hochrisikokunde Olenicoff. Rus-

sische Finanzgesellschaft, British Virgin Islands – das musste den Argwohn der Steuerbeamten wecken. Mit Olenicoff hatte man ohnehin seit zehn Jahren eine Rechnung offen. Steuererklärungen reichte er mit jahrelanger Verspätung ein, korrekte Zahlen waren Glückssache, wohlfeile Erklärungen stets zur Hand. 2002 forderte die IRS 148 Millionen Dollar von Olen Properties nach. Es kam zum Vergleich, Olenicoff zahlte Nachsteuern und eine Busse von 272  024 Dollar. 2003 klopfte die IRS neuerlich an. Diesmal waren 32 Millionen Dollar ausstehend. Ende 2004 kam die nächste Steuerforderung, nun waren 60,3 Millionen Dollar fällig. Das «Orange County Business Journal» titelte: «Olenicoff hit with another tax claim», «Forbes» spottete über den «Milliardär mit den leeren Taschen». Der Dauerstreit mit den US-Steuerbehörden erschien erstaunlicherweise auf keinem Radar des UBS Risk Management. Auch sein Finanzberater sah keinen Anlass zur Sorge. Immerhin dürfte er mit den 200 Millionen, die er für Olenicoff verwaltete, gegen drei Millionen pro Jahr verdient haben. Auch hatte keiner Verdacht geschöpft, als Birkenfeld mit seinem Hochrisikokunden von Barclays zur UBS in Genf wechselte. Im Sommer 2001 schloss Barclays mit dem US-Fiskus ein QI-Abkommen ab. Die britische Bank soll darauf die US-Kundenliste gesäubert und Olenicoff durch die Hintertür verabschiedet haben. Ab 2001 stand das Hochrisiko auf der UBS-Kundenliste. Dann begann ein hektisches Verschieben unversteuerter •

UBS-Aktie

Spielball der Hedge Funds

Warum der Aktienkurs der Grossbank weiter unter Druck bleiben wird. Die Affäre um den Anlagebera-

ter Bradley Birkenfeld macht deutlich, wie verletzlich die Grossbank UBS geworden ist. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs. Abgesehen von kurzen Zwischenerholungen kennt der Titel seit Monaten nur eine Richtung und hat in diesem Jahr deutlich mehr verloren als vergleichbare Konkurrenten. Selbst nach den Ankündigungen eines ausgeglichenen Ergebnisses im zweiten Quartal und der Erneuerung des Verwaltungsrates blieb der Kurs unter Druck. Für Ulrich Grete, ehemaligen Spitzenbanker der SBG und Leiter des milliardenschweren AHV-Ausgleichsfonds, ist dies nicht erstaunlich: «Diese Mitteilungen haben nur neue Unklarheiten geschaffen.» Zwar wurde bekanntgemacht, wer aus dem Verwaltungsrat ausscheidet, ohne dass jedoch Nachfolgekandidaten präsentiert wurden. Ohnehin ist Gretes Meinung nach für die UBS die Krise noch lange nicht ausgestanden. «Das kann noch zwei bis drei Jahre dauern.» Er zweifelt daran, dass inzwischen alle Probleme in ihrer ganzen Tragweite erfasst seien. Stets hat er den Abbau des Eigenkapitals durch Aktienrückkäufe in den goldenen Jahren kritisiert. «Mit einer zu schmalen Decke geht es in der Krise besonders rasch nach unten», sieht er sich nun bestätigt. Auch wenn die geplante Verschär­ fung der Eigenkapitalvorschriften durch die Schweizer Bankenaufsicht in dieser Form kaum durchsetzbar ist, macht der Bank trotz zweimaliger Kapitalerhöhung das magere Eigenkapital zu schaffen. Darüber vermag die komfortable Kernkapitalquote Tier 1 Ratio nicht hinwegzutäuschen. Gemessen am Verhältnis von Eigenkapital und Bilanzsumme, beträgt die Leverage Ratio der UBS nur etwa zwei Prozent. Ihre ameri­ kanischen Konkurrenten verfügen ­gemäss Bloomberg durchwegs über

mehr als die vorgeschriebene Quote von mehr als fünf Prozent. Um auf das gleiche Niveau zu kommen, müsste die UBS das Eigenkapital um rund 40 Milliarden Franken erhöhen oder, wie die Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods errechnet hat, die Bilanzsumme um 500 Milliarden Franken abbauen. Andererseits ist der Aktienkurs nach dem jüngsten Taucher noch immer deutlich höher als der Buchwert von rund 13 Franken pro Aktie, während vergleichbare Banken 52

in US-Dollars Dow Jones Global Leading Banks ex Asia (angeglichen)

44 36 28

UBS

20 2007

2008

Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

in den USA und auch in Europa knapp über oder gar unter Buchwert gehandelt werden. Das hat längst Hedge Funds

auf den Plan gerufen, die auf diese Differenz spekulieren. Aus dem Investment-Bereich der UBS wird bestätigt, dass die UBS-Aktie in Europa mit Abstand der am meisten leer verkaufte Titel sei. Mit solchen Short-Positionen spekulieren Hedge Funds auf weiter sinkende Kurse. Da wenigstens 100 Millionen Franken nötig sind, um den UBS-Aktienkurs zu beeinflussen, ist davon auszugehen, dass es sich um einen oder mehrere mächtige Funds handeln muss. Dem Vernehmen nach soll Hedge-Fund-Manager John Paulson, der mit seiner Spekulation gegen die Hypothekarblase in den USA bereits Milliarden verdient hat, gegen die UBSAktie gewettet haben. ry 13 | 2008 | BILANZ 29


ressort Catch

UBs riskiert Ihren Sonderstatus

Das Qualified Intermediary (QI) Agreement regelt, wie die USA mit Anlegern steuerrechtlich verfahren. Im Fall Birkenfeld besteht der Verdacht, dass der Banker gegen dieses Abkommen verstossen hat.

Im Gerichtsfall Birken-

feld dreht sich alles ums ­Qualified Intermediary (QI) Agreement. Banken, die in der Vermögensverwaltung mit US-Kunden aktiv sind, schliessen mit der US-Steuerbehörde IRS ein QI-Abkommen ab. Weltweit haben dies 7000 Finanzinstitute getan. Zu ihnen gehören seit 2001 die meisten Schweizer Banken, auch UBS. Das Abkommen regelt en ­détail, wie mit Anlegern aus den USA steuerrechtlich verfahren wird. US-Personen bei Schweizer Banken sind unter dem QI-Regime verpflichtet, ein Steuerformular W-9 auszufüllen und ihre Vermögensverhältnisse gegenüber der IRS offenzulegen. Diese Deklara­ tion erlaubt es, auch US-Wertschriften ausserhalb der USA zu halten. Wenn der Kunde dagegen seine Identität nicht offen­ legen will, verlangt das QI ­Agreement, dass der Kunde keine US-Aktien halten darf. Ein sogenannter Non-W-9Kunde darf bei einer Schweizer Bank jedoch weiter ein Konto unterhalten und nichtamerikanische Wertschriften kaufen. Die Bank hat bei nicht­ amerikanischen Einkünften nur dann eine Quellensteuerpflicht, wenn Zins- und Dividendenerträge von Nicht-­ US-Wertschriften auf ein US-Konto des Kunden überwiesen werden oder der ­Kunde Verkaufsaufträge für nicht amerikanische Aktien 30 BILANZ | 13 | 2008

regel­mässig direkt aus den USA an eine Schweizer Bank weiterleitet. Die Anonymität des NonW-9-Bankkunden bleibt – in Übereinstimmung mit den QI-Vorschriften – gewahrt, dafür erhält die US-Steuer­ behörde Gewähr, dass Steuervorschriften weitgehend um­ gesetzt werden. Ein externer Auditor einer QI-berechtigten Bank – bei der UBS ist es Ernst & Young – liefert der IRS regelmässig einen Statusbericht ab. Dabei werden die Konten von US-Bürgern daraufhin geprüft, ob ihre Anlagen den IRS-Vorschriften respektive dem QI-Abkommen

Ein Entzug des QI-Status wäre für Die UBS verheerend. •

entsprechen. Allenfalls wird auf Unter­lassungen oder Mängel hingewiesen, der Auditor liefert aber keine Kunden­ namen an die IRS. Die US-Steuerbehörden sind demnach über die internen Abläufe und Reglemente der UBS bestens im Bild. Die Bank ihrerseits hat ein eminentes Interesse, dass ihr Wealth Management den Vorschriften der Amerikaner entspricht. Im Fall Birkenfeld vermuten die Steuerbehörden, dass die UBS gegen das QI-

Abkommen verstossen habe, indem sie US-Kunden half, Offshore-­Gesell­­schaften in Drittstaaten ausserhalb der Schweiz und der USA zu gründen, um indirekt US-Wertschriften und andere Vermögenswerte zu halten. Noch gereizter reagiert der US-Fiskus, wenn Offshore-Konstrukte wie Stiftung oder Trust in Steuerparadiesen ausschliesslich zur Verwedelung des wirtschaftlich Berechtigten dienen und die Bank bei diesen Vertuschungskonstrukten mithilft. Dies wird als ­ Steuerbetrug klassifiziert – und ist illegal. Hat die IRS gar den Eindruck, eine Schweizer Bank biete im grossen Stil diesen Steuerminimierungs-Service an, drohen einschneidende Konsequenzen – bis zum Entzug des QI-Status. Für die UBS wäre dies veheerend, denn es würde ihr das Geschäft mit US-Kunden massiv erschweren oder gar verunmöglichen. Ziel der US-Behörde ist

es im Fall Birkenfeld auch, die legalen, aber in den Vereinig­ ten Staaten verpönten NonW-9-Kunden zu verunsichern und dazu zu bringen, ihr Vermögen voll zu deklarieren oder gar in die USA zu repatriieren. Darauf weist das konzertierte Vorgehen von Justiz und Steueramt hin. Der oberste Steuer­kommissär der USA, Douglas Shulman, hat den Fall Birkenfeld/UBS zur Chefsache erklärt. Im Communiqué des Justizdepartements meinte

er: «Dieser Fall wird ein starkes Signal an all jene senden, die ihr Vermögen in OffshoreBankkonten verstecken, um die Steuerpflicht zu um­gehen.» Die UBS ist an einer ­raschen Lösung des Konflikts interessiert. Zu gross das Risiko, dass ihre globalen Kunden weiter verunsichert werden und Vermögenswerte abziehen. Zudem besteht die Gefahr, dass die QI-Abkommen mit Banken aus steuermilden ­Gegenden zur Spielwiese von Politikern in Washington werden – ein Worst-Case-Szenario, an dem kein Schweizer Bankier Interesse hat. Gut möglich, dass die

UBS darauf hinarbeitet, die heiklen Non-W-9-Kunden mit einer Offshore-Gesellschaft loszuwerden. Wie viele der mutmasslichen 20  000 US-Kunden bei der UBS tangiert sind, ist schwer abzuschätzen. In diesen Fällen müsste die UBS respektive die Schweizer Steuerverwaltung prüfen, ob Steuerbetrug nach Schweizer Recht vorliegt. ­Träfe dies zu, müsste die Bank den Amerikanern im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs Hand bieten. Die UBS muss künftig ihre internen Vorschriften und das QI-Abkommen rigoros durchsetzen, mithin auf Risikokunden verzichten und den US-Behörden für entgangenes Steuersubstrat und die QIVerfehlungen im Fall Birkenfeld einen happigen Geld­ betrag bezahlen. Bar


Unternehmen UBS

Vermögenswerte, Endstation waren meist Konten bei Offshore-Banken auf den Ba­hamas. Im Dezember 2001 landeten 89,4 Millionen Dollar bei der UBS, darauf stellte Birkenfeld fünf UBS-Kreditkarten aus und lieferte sie nach Kalifornien. Weitere Millionen wurden auf Firmenkonten in Liechtenstein transferiert, lautend auf eine dänische Finanzgesellschaft.

Der Experte. Der Treuhänder Mario Staggl soll ­Bradley Birkenfeld beim Aufbau von Gesellschaften für Igor Olenicoff unterstützt haben.

Fotos: Reuters, PR

Via Karibik in die Schweiz. Gemäss

der Aktenlage dürfte Bradley Birkenfeld gegen UBS-Reglemente, gegen amerikanische und Schweizer Zoll- und Steuergesetze verstossen haben. Allzu genau schien es der umtriebige Banker bei seiner Arbeit nicht zu nehmen: Ohne die notwendige SEC-Lizenz beriet er Bankkunden in den USA, schmuggelte Bargeld, Checks und Diamanten über die Grenzen, bewirtschaftete Konten, die offenbar mit Scheinkonstrukten verbunden waren. Laut US-Justiz war ihm Mario Staggl (43), Treuhänder aus Schaan, zu treuen Diensten. Das Trio – UBS-Banker Birkenfeld, Treuhänder Staggl, Milliardär Olenicoff –- kommunizierte gemäss Gerichts­ unterlagen fleissig per Fax, E-Mail oder Kurierdienst. Die Steuerbehörden fingen die Unterlagen ab und merkten schnell: Hier wurden unversteuerte Millionen von Dollars nach Liechtenstein und in die Schweiz verschoben. Als Relaisstation dienten karibische Briefkastenfirmen mit Fantasienamen wie Sovereign Bancorp Ltd. oder Guardian Guarantee Corporation, die ihrerseits Konten bei der UBS hielten. Am 4. Dezember 2001 riet Staggl Olenicoff, er solle auf den British Virgin Islands, in Panama oder Gibraltar eine zusätzliche Firma gründen. So würde «unter Steuer-

Der Ankläger. Alexander Acosta führt die Anklage gegen Birkenfeld. Der Staatsanwalt bot dem Ex-Banker eine Strafreduktion an – gegen die Preis­ gabe von Informationen über die UBS.

und Anonymitätsaspekten eine weitere Sicherheitsstufe» eingebaut. Als Millionen zu ­einer Finanzgesellschaft in Liechtenstein flossen, wurde Olenicoff misstrauisch, weil sein Name als wirtschaftlich Berechtigter nirgends in den Dokumenten auftauchte. Am 5. Mai 2002 beschwerte er sich per Mail bei Staggl und Birkenfeld und verlangte, dass auch sein Name aufscheinen müsse. Staggl schrieb zurück und dozierte, wenn

sein Name im Liechtenstein-Konstrukt auftauche, sei «die Struktur in Gefahr». Zudem, erinnerte er den Amerikaner, habe er Blankovollmachten unterschrieben. Nicht nur ums Bargeld und ums Aktienportfolio Olenicoffs waren die Finanzverwalter besorgt, auch seine 40-MeterYacht sollte in einem Steuerparadies vor Anker gehen. Als geeignet wurde Gibraltar befunden. Gemäss Gerichtsunterlagen habe Staggl die Sache mit ortskundigen Anwälten vorbesprochen. Am 19. Mai 2003 kabelte er in die USA: «Alles wurde vorbereitet, um die Eigentumsrechte der Yacht nach Gibraltar zu übertragen.» Am 12. Juni 2005 traf sich das Trio zum Gipfeltreffen in Liechtenstein und einigte sich offenbar darauf, alle Vermögenswerte an Stiftungen im Fürstentum zu überschreiben. Finanzberater Birkenfeld dürfte kaum geärgert haben, dass Kapital von seinem Arbeitgeber abfloss. Längst war er mit der UBS über Kreuz, sein Absprung vorgespurt. Die UBS will sich zum Fall Birkenfeld nicht äussern, betont aber, im Rahmen der Schweizer Gesetze mit den US-Behörden zu kooperieren. Mario Staggl, in den USA gesucht, und sein Anwalt halten die Anschuldigungen der Amerikaner für «mehr als absurd», konkrete Fragen beantworten sie nicht. Für Treuhänder Staggl gilt die Unschuldsvermutung, angeklagt ist er nicht, ein Rechtshilfegesuch bis dato nicht in Vaduz eingetroffen. Birkenfeld ist abgetaucht. Eine persönliche E-Mail beantwortete sein Anwalt Danny Onorato innert Minuten. «Mr Birkenfeld is unable to do any interviews, sorry», tippte er in den Betreff. Die Mail-Adresse hatte Birkenfeld auf der Website eines Bestattungsinstitutes hinterlassen. •

Foto: XXXXXXXXX

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13 | 2008 | BILANZ 31


Unternehmen Highlight Communications

Jäger Und Gejagter

Furore machte er schon mit der Produktion von Filmen wie «Der Untergang» oder «Das Parfüm». Doch jetzt will der scheue Basler Bernhard Burgener mehr: den führenden Medien­konzern Europas aufbauen. •  jörg

becher Text / Gian Marco Castelberg fotos

Im zweiten Stock einer gesichtslosen Geschäftsimmobilie in der Basler Vorortsgemeinde Pratteln lauert die Riesenspinne. «Spiderman», in hautengem FCB-Dress, hockt als Plastikskulptur sprungbereit ­neben dem Schreibtisch von Bernhard Burgener, dem Geschäftsführer von Highlight Communications. Die Filmfigur mit einer sozialen Ader und den Fähigkeiten einer Tarantel lässt vielerlei Assoziationen zu – hinsichtlich Burgeners Fanverhalten etwa, seines beruflichen Kletterinstinkts, seiner Fortüne als Kaufmann und der ­erstaunlichen Metamorphose vom Betreiber einer Videothek zur treibenden Kraft in einer international verschachtelten Firmengruppe für Filmproduktion, Handel mit Fernsehrechten und Vermarktung von hochkarätigen Sport- und Kulturanlässen. Burgener sei ein verdeckter Statthalter des deutschen Film- und Fernsehmoguls Leo Kirch, wurde über den stillen, drahtigen Mann seit Beginn seiner wundersamen Karriere oft gemunkelt. Eine Art «Strohmann» oder produktiv vernetzter Günstling mit privilegiertem Zugang zum skandalträchtigen Münchner Medien­ 32 BILANZ | 13 | 2008

tycoon. «Gute Beziehungen ins Reich von ‹Onkel Leo› spielten zu seinen Gunsten und schürten Gerüchte», umriss die «Basler Zeitung» den Dunstkreis, in dem der gelernte Spediteur zu einem der einflussreichsten Film- und TV-Unternehmer Europas heranwachsen konnte. Burgener sei «so unscheinbar wie Mister Zelig, die Woody-Allen-Figur, die sich unbemerkt in bedeutende Fototermine der WeltgeIM SOG DES MARKTES Highlight Communications konnte sich in letzter Zeit der allgemeinen Börsenbaisse nicht widersetzen. 10 8

in Euros

Highlight Communications

6 4 2 03

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Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

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schichte schlich», schrieb «Das Magazin» 2001 über den leicht zu unterschätzenden Highlight-Chef: «Faktisch ist er ein Trabant des Marktbeherrschers Kirch.» Burgener stammt aus einfachen, katholisch geprägten Verhältnissen. Seine Eltern waren aus dem Wallis in die Nordwestschweiz gezogen, wo sein Vater in einem Basler Architekturbetrieb als Hilfsarbeiter und seine Mutter in der Kantine von Hoffmann-La Roche ein Auskommen fanden. Bernhard, ältestes von drei Kindern, wollte als Bub Archäologe oder Goldgräber werden. Er verschlang die Abenteuerromane von Karl May, debütierte als Gitarrist in einer Basler Rockband, investierte seinen Lohn als KV-Stift grösstenteils in Kinoeintritte und machte schliesslich sein Hobby – die Liebe zum Film – zum Beruf. Mit 25 Jahren eröffnete er in Allschwil im Baselland eine erste Videothek, traf damit eine Marktlücke, expandierte zügig und war drei Jahre später bereits Millionär. Schwere Schicksalsschläge, von denen seine Familie damals heimgesucht wurde, sorgten dafür, dass der junge Glücksritter mit beiden Beinen auf dem Boden blieb. Und sie haben ihn gelehrt, jenseits aller •


«Ich bin kein Manager, sondern ein Unternehmer»: Highlight-Geschäftsführer Bernhard ­Burgener.

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Unternehmen Highlight Communications

greifbaren Dinge an eine andere, tiefere Wahrheit zu glauben. «Ich bin Katholik und gebe etwas auf die Kirche», deklariert der Selfmade-Unternehmer ­ ohne Umschweife. «Dazu stehe ich.» Bur­gener eilt der Ruf eines grosszügigen Chefs und psychologisch geschickten Verhandlers voraus. Im Umgang mit exzentrischen Individuen aus dem Showgeschäft – Filmproduzenten, Regisseuren und Sportgrössen – gilt er als Meister. Instinktiv findet der zurückhaltende Basler bei Verhandlungen den richtigen Ton. Er weiss, wie man Stars an der langen Leine führt, und er versteht es, ihre kreativen Launen produktiv zu kanalisieren. Burgeners langjährige Beziehung zum Münchner Erfolgsproduzenten Bernd ­Eichinger ist hierfür exemplarisch. Nach der Kino­premiere des Süskind-Bestsellers «Das Parfüm», die im Herbst 2006 in Basel über die Bühne ging, holte Eichinger den publikumsscheuen Netzwerker aufs Podest und stellte ihn dem Publikum mit den Worten vor: «Der sieht aus wie ein Schulbub, aber er hats faustdick hinter den ­Ohren. Er hat mir einfach die Firma weggenommen. Und das Verrückte ist: Ich ­arbeite immer noch für ihn» (siehe auch «Der Duft des Geldes» auf Seite 35). Aufstieg. Durch die Fügung glücklicher

Umstände war dem stillen, aber zupackenden Schaffer Mitte der neunziger Jahre der Aufstieg in die erste Liga des deutschsprachigen Filmrechtehandels geglückt. Zusammen mit dem befreundeten Schwyzer Reinhold Camen­zind, der als Betreiber des Mythen Center reich geworden war, brachte Burgener die in finanziellen Nöten steckende Film- und Videohandelsfirma Highlight Com­muni­ca­tions unter Kontrolle. Auf dem Höhepunkt der Goldgräberstimmung, welche die Medienbranche damals erfasst hatte, führte er Highlight 1999 am Neuen Markt in Frankfurt an die Börse. Die Drähte zur Kirch-Gruppe liefen in jener Phase schon heiss, wie Burgener rückblickend offen zugibt. «Ohne gute Kontakte wäre es gar nicht gegangen», bekräftigt der helvetische Film- und TV-Magnat. Schliesslich sei es kein Geheimnis, dass die Kirch-Sender Sat.1 und ProSieben in den neunziger Jahren die mit Abstand grössten HighlightKunden gewesen seien. Kurz nach dem Börsengang markierte Burgener mit der Übernahme der Luzerner Sportvermarktungsagentur TEAM bereits seinen nächsten, überaus glücklichen Treffer. Für 170 Millionen Franken 34 BILANZ | 13 | 2008

KREUZWEISE VERFLOCHTEN Aus EM.Sport Media und Highlight Communications, die gegenseitig aneinander beteiligt sind, soll Bernhard Burgener einen europaweit führenden Medienkonzern bauen. 100%

KF 15

Sport1

München

Leo Kirch

Internetportal

Sirius

Vermarktung DFL-Rechte

17,1%

51%

EM.Sport Media

Sirius Sport Media

Produktion Bundesliga-Formate

(DFL)

Plazamedia

Sportproduktion

5,8% 37,6%

49%

Deutsche Fussball-Liga

100%

Bernhard Burgener

Deutsches Sportfernsehen

Highlight Communications

(DSF)

80%

>96%

100%

TEAM

Constantin Film

Rainbow

Uefa Champions League / Uefa Cup

Film-/TV-Produktion, -Verleih

Home Entertainment

20%

Uefa

Quelle: Stocks. © BILANZ-Grafik

Leo Kirch feilt an seinem Comeback – und stösst wegen der angestrebten Doppelrolle bei der Fussball-Vermarktung auf Kritik.

konnte Highlight von einer Investorengruppe um Arend Oetker (Dr.-OetkerPudding) die Mehrheit der TEAM-Aktien übernehmen. Die Agentur mit Sitz in Luzern kümmert sich exklusiv um die Vermarktung des grössten jährlich wiederkehrenden Sport-Events der Welt, der Uefa Champions League, und lässt sich vom Europäischen Fussballverband dafür eine Kommission von gut fünf Prozent der Gesamterlöse gutschreiben (2007: 1,3

Die Drähte zur Kirch-gruppe liefen schon 1999 heiss.  •

Milliarden Franken). Daneben mischt die Highlight-Tochter auch bei der Vermarktung des Uefa Cup (ab Saison 2009/10), des Concours d’Eurovision und der Wiener Philharmoniker mit. Für den erfolgreichen Geschäftsgang der HighlightGruppe sind die Royalties aus der Fussballvermarktung entscheidend, tragen sie doch dazu bei, das mit erheblichen Risiken behaftete und entsprechend volatile Filmgeschäft ertragsmässig zu stabilisieren. Stammten im vorigen Jahr rund 85

Prozent des Gruppenumsatzes von 481 Millionen Franken aus dem Filmgeschäft, so steuerte der Sportvermarkter TEAM (Umsatzanteil: 15 Prozent) mehr als die Hälfte des Betriebsgewinns von 52,9 Millionen Franken bei. Nicht nur weil sich die Uefa mit 20 Pro­ zent an der Highlight-Tochter beteiligt und den lukrativen Vertrag bis ins Jahr 2012 verlängert hat, gilt die Allianz als nahezu unzerbrechlich. Dafür sorgt in erster Linie eine Vertragsklausel, die der Uefa einen unbürokratischen Ausstieg erlaubt, falls es im Aktionariat der Muttergesellschaft zu neuen Kontrollverhältnissen kommen sollte. Faktisch ist Highlight Communications somit gegen feindliche Übernahmen immun. Wegen dieser «Giftpille» erscheint auch die Möglichkeit, dass Kirchs KF 15 auf eine Stimmenmehrheit bei Highlight abzielen könnte, wenig pausibel. Abgesehen davon: Warum sollte Kirch, läge ihm eine Übernahme von Highlight tatsächlich am Herzen, ein mehrheitsfähiges Paket aus der Hand geben, um es zugunsten einer Barauszahlung gegen eine wesentlich kleinere, nur noch indirekte Beteiligung zu tauschen? Zur ersten persönlichen Begegnung zwischen Burgener und dessen schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordenem Partner kam es angeblich im Frühjahr 2002,

Foto: Keystone (1)


Risikokapital

Der Duft des Geldes

Wie die Milliardärin Gigi Oeri dank Burgeners Vermittlung zur Co-Produzentin von «Das Parfüm» avancierte.

Fotos: Keystone

Die Münchner Filmproduk-

als Kirch eines schönen Nachmittags in Pratteln anrief und Burgener bat, noch gleichentags in sein Büro nach München zu kommen. Von seinen Gläubigern unter Druck gesetzt, steckte Kirch damals arg in der Klemme. In der Not bot er dem helvetischen DVD- und Filmrechtehändler, der seinerseits rund 45 Millionen Franken bei der Kirch-Gruppe ausstehend hatte, eine Beteiligung am Münchner Filmproduktionsbetrieb Constantin an. Die renommierte Traumfabrik von Bernd Eichinger schrieb zu jener Zeit rote Zahlen, derweil der Aktienkurs auf einen Bruchteil seines Ausgabewertes zusammengeschmolzen war. Highlight dagegen sass seit dem Börsengang von 1999 auf einer prallvollen Kasse. Nach zähem Feilschen einigten sich Kirch und Burgener auf einen Übernahmepreis von knapp 30 Millionen Euro für 23 Prozent der Constantin-Aktien – aus heutiger Sicht ein veritables Schnäppchen. Darüber hinaus zeigte sich Kirch bereit, einen Teil des vereinbarten Transaktionspreises in Form von Highlight­Aktien zu verrechnen, womit der bayrische Medienmogul vor sechs Jahren erstmalig zu einer rund zweiprozentigen Beteiligung am Pratteler Erfolgsunternehmen kam. «Seit diesem Tag halten wir den Kontakt aufrecht», bestätigt • Burgener.

tions- und -verleihfirma Constantin, heute eine Tochterfirma der Highlight Communications von Burgener, ist Deutschlands Traumfabrik Nummer eins. Unter der Ägide des Erfolgsproduzenten Bernd Eichinger feierte Constantin mit der Verfilmung von Titeln wie «Der Name der Rose», «Die unendliche Geschichte» oder mit dem HitlerStreifen «Der Untergang» mehr als einmal beachtliche kommerzielle Erfolge. Über 100 Millionen Besucher vermochten die von Eichinger produzierten Filme bis dato in die Kinosäle zu locken. 2001 sicherte sich Eichinger beim Schweizer Dio­ genes Verlag die Rechte für die Verfilmung des Bestsellers «Das Parfüm» von Patrick Süskind. Doch mangels Finanzierung kam die Produktion lange nicht aus den Start­ löchern. Erst als mit der Roche­Erbin Gisela «Gigi» Oeri eine kapitalkräftige Risikokapitalgeberin auf den Plan trat, konnte Eichinger die Klappe fallen lassen. Zusammengebracht hatte die beiden Bernhard Burgener anlässlich eines Heimspiels des FC Basel in einer VIP-Loge des Sankt-JakobParks. Gigi, von Eichingers Charme angetan, erklärte sich bereit, als CoProduzentin rund zehn Millionen

Franken in die Verfilmung zu stecken. Dafür genoss die Geldgeberin unter anderem das Privileg, an 22 von insgesamt 69 Drehtagen persönlich auf dem Set zugegen zu sein – und sich so wie eine echte Produzentin zu fühlen. Gefilmt wurde in den Münchner Bavaria Studios, in Barcelona und im provenzalischen Grasse. Insgesamt soll die bislang teuerste Constantin-Produktion rund 80 Millionen Franken ver­ schlungen haben. Im September 2006 war es dann endlich so weit: Zu Ehren der Co-Produzentin fand die Premiere in Basel statt. Nachdem ihm Burgener die

Tür zur Realisierung seines lang gehegten Filmprojekts geöffnet hatte, erklärte sich Eichinger auch bereit, seine Sperrminorität bei Constantin Film (25,1 Prozent) an Highlight Communications zu verkaufen. Trotzdem bleibt er dem Unternehmen langfristig verbunden und hat seinen Produzentenvertrag erst kürzlich bis ins Jahr 2014 verlängert. Zuletzt arbeitete Eichinger, unterstützt vom langjährigen «Spiegel»-Chef Stefan Aust, an der Verfilmung von dessen Buch «Der Baader-MeinhofKomplex» – einer weiteren Con­ stantin-Produktion, die im Herbst in die Kinos kommen wird.

Co-Produzentin Gigi Oeri wird von Bernd Eichinger (rechts), dem Regisseur Tom Tykwer (ganz links) und dem Drehbuchautor Andrew Birkin auf Händen getragen.

13 | 2008 | BILANZ 35


Unternehmen Highlight Communications

Beteiligungen

Gepflegtes ­Doppelpass-Spiel Karriere-Highlights von Bernhard Burgener. •

1984: Universal und Paramount t­ rennen sich vom deutschen Medien­ unternehmer Leo Kirch. Bernhard Burgener erhält die Vertriebsrechte der beiden US-Filmstudios für die Schweiz. • 1985: Burgener übernimmt die Taurus Film (Österreich) und damit Kirchs österreichische Videohandels-Aktivitäten. • 1994: Burgener beteiligt sich an Highlight Communications, zu deren wichtigsten Kunden die Kirch-Sender Sat.1 und ProSieben gehören. • Mai 1999: Erstkotierung von Highlight an der Frankfurter Börse. • Juni 1999: Highlight übernimmt die Mehrheit der TEAM-Gruppe, des Vermarkters der Uefa Champions League. • Mai 2002: Highlight erwirbt von Kirch 23 Prozent der Münchner Produktions­ gesellschaft Constantin Film. Im Rahmen der Transaktion beteiligt sich Kirch mit zwei Prozent an Highlight. • April 2003: Highlight erwirbt weitere 16,4 Prozent an Constantin Film vom deutschen Lizenzvermarkter EM.TV. • September 2003: Via Constantin Film sichert sich Highlight eine Mehrheit an der Kirch Media Entertainment. • November 2005: Die Finanz­ boutique Drueker & Co. übernimmt vom Hedge-Fund-Spezialisten Florian Homm rund 25 Prozent der Highlight-Aktien. • Januar 2006: Der Münchner Filmproduzent Bernd Eichinger verkauft seine Constantin-Aktien an Highlight. • November 2006: Highlight beteiligt sich mit 5,8 Prozent an EM.Sport Media, Nachfolgefirma der konkursiten EM.TV. • Juni 2007: Der Aufsichtsrat von EM.Sport wird auf sechs Mitglieder er­ weitert. Bernhard Burgener und Martin Wagner ziehen in das Gremium ein. • September 2007: Kirch outet sich als Grossaktionär von Highlight und reicht einen Teil seiner Aktien an EM.Sport weiter. Im Gegenzug beteiligt sich Kirch mit 11,5 Prozent an EM.Sport. • März 2008: Kirch verkauft die zweite Tranche seiner Highlight-Aktien an EM.Sport. Seine Beteiligung an EM.Sport steigt dadurch auf 17,1 Prozent. • September 2008: Burgener übernimmt die operative Führung von EM.Sport. Deren bisheriger Chef, Werner Klatten, wird VR-Präsident von Highlight. 36 BILANZ | 13 | 2008

Als der europäische LichtspielGrossist etwas später in akute Zahlungsschwierigkeiten geriet und mit dem Konkurs seines Firmenimperiums für die grösste Nachkriegsinsolvenz Deutsch­ lands sorgte, war es mit der privilegierten Geschäftsbeziehung fürs Erste vorbei. Freilich liess der nimmermüde Filmhändler schon Anfang 2003 im Münchner Handelsregister eine neue Firma registrieren: die KF 15 Verwaltungs GmbH, benannt nach Kirchs Sekretariat in der Kardinal-Faulhaber-Strasse 15. Von dort aus betreibt er seither sein Comeback. Kreuzbeteiligung. Gerüchte über

ein subtiles Doppelpassspiel mit dem Highlight-Strategen flammten neu auf, als der zwischenzeitlich in der Versenkung verschwundene Münchner sich im September letzten Jahres als Grossaktionär von Burgeners Holdingfirma mit Sitz in Pratteln zu erkennen gab. Noch gleichentags reichte Kirch die Beteiligung an das Münchner Medienunternehmen EM.Sport weiter, mit dem Highlight seither in einer Kreuzbeteiligung steht. Im Zuge einer zweistufigen Transaktion, die Kirch nebst einer Barauszahlung von 100 Millionen Euro auch eine massgebliche Beteiligung an EM.Sport einbrachte, stieg Letztere mit 37,6 Prozent zum bestimmenden Highlight-Teilhaber auf. War zuvor in der Branche gewitzelt worden, Highlight sei eine Art börsenkotierter «Staubsauger», mit dem Burgener die Überbleibsel des früheren Kirch-Imperiums einsammle, so hatte es der mittlerweile 81-jährige TV-Veteran geschafft, das Gebläse noch einmal umzudrehen. Von einem Tag auf den anderen wurde Highlight – zumindest auf dem Papier – vom Jäger zum Gejagten. Die fraglichen Aktien, die somit in Besitz der EM.Sport gelangten, gehen auf die Bestände des deutschen Hedge-FundStrategen Florian Homm zurück. Als dieser im Sommer vor drei Jahren einsehen musste, dass er mit seinen Forderungen bei Highlight nicht durchdringen würde, blies er seine Übernahmeattacke ab und zeigte sich geneigt zu verkaufen. Burgener gelang es, das Aktienpaket bei der Frankfurter Finanzboutique Drueker & Co. zu platzieren, die es im Sinne eines FinanzInvestments halten wollte, um es bei ­Gelegenheit mit Gewinn wieder abzustossen. Allerdings vergingen nur ein paar Wochen, bis das Paket diskret zu Kirchs KF 15 verschoben wurde.

Beim verdeckten Aufbau seiner Beteiligung hatte sich der ehemalige deutsche Mediengigant geschickt einer Gesetzes­ lücke bedient: Demnach muss ein Schweizer Unternehmen wie Highlight, das an der Frankfurter Börse kotiert ist, die Besitzverhältnisse weder nach deutschen noch nach hiesigen Börsenvorschriften offenlegen. Genauso wenig kommt bei ­ einer AG nach Schweizer Recht der deutsche Übernahmekodex zum Tragen. Mit seiner Beteiligung von 9,4 Prozent an Highlight, die ihrerseits gerade einmal 5,8 Prozent an EM.Sport kontrolliert, ist Bernhard Burgener im Gefüge einer ­Gesellschaft, die laut Aussage des lang­jährigen Kirch-Vertrauten Werner Kla­t­ten zu einem europaweit führenden ­Medienkonzern hochgestemmt werden soll, so oder so nur ­einer unter vielen. Um dies zu seinen Gunsten zu ändern, verrät der Schweizer Filmmagnat, habe er ­Gespräche geführt. Wohl mit Erfolg, denn bei aller Bescheidenheit ist Burgener nicht der Typ, der in einem Unternehmen auf längere Zeit die zweite Geige spielen mag. Seiner zielstrebig-verbindlichen Art und seinem beeindruckenden Leistungsausweis als Unternehmer hat es der langjährige Juniorpartner zu verdanken, dass ­er sich innerhalb der verschachtelten ­Beteiligungsgruppe zur dominierenden Figur aufschwingen konnte. Ab September wird Burgener im Vorstand von EM.Sport die Zügel persönlich in die Hand nehmen – im Einvernehmen mit Leo Kirch. Der bisherige Vorstandsvorsitzende, Werner

«Leo Kirch hat mich immer äusserst fair behandelt.»  •

Klatten, räumt für Burgener seinen Sessel und übernimmt im Gegenzug dessen Highlight-Präsidium. Zu EM.Sport mit Sitz im bayrischen Unterföhring gehören das Deutsche Sportfernsehen (DSF), die Produktionsfirma Plazamedia und eine Internetplattform namens Sport1. Die defizitäre Unterhaltungssparte wurde erst kürzlich verkauft. Dass er es virtuos versteht, mit verdeckten Karten zu spielen, hat Kirch im Verlauf seiner schillernden Karriere mehr


Burgener agiert bei EM.Sport aus einer Position der Stärke – mit dem Einverständnis von Kirch.

als einmal unter Beweis gestellt. In Deutschland sorgt «der Alte» derzeit vor allem mit seinen umstrittenen Vermarktungsplänen für die Fussballbundesliga für Aufsehen – ein wettbewerbsrechtlich heikles Milliardengeschäft, das der gesundheitlich angeschlagene Medienveteran über seine Agentur Sirius vorantreibt (siehe Organigramm auf Seite 34). Kartellwächter stören sich an der von Kirch angestrebten Doppelrolle, weil dieser beim Sportkanal DSF, einem potenziellen Abnehmer für die Bundesliga-Übertragungsrechte, gleichzeitig ein gewichtiges Wörtchen mitredet. Alles sei fast wieder so wie in alten Tagen, kommentierte unlängst die «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: «Die Spekulationen um die weiteren Pläne des öffentlichkeitsscheuen Dunkelmanns Kirch beschäftigen die Branche und die interessierte Öffentlichkeit.» Verschmelzung. Wohin EM.Sport

mit der Schweizer Highlight im Gepäck unter Kapitän Burgener steuert und in welchen Geschäftsfeldern allfällige Synergien zu erwarten sind, lässt sich derzeit von aussen nur schwer beurteilen. Klar scheint bisher nur so viel: Die beiden Firmen sollen zusammenwachsen, wobei mit Bernhard Burgener für einmal nicht der

nominelle Angreifer, sondern der kleinere, vordergründig unter Druck geratene Partner den Takt vorgibt. Bemerkenswerterweise scheint seine fragil wirkende Machtbasis Burgener nicht daran zu hindern, bei EM.Sport aus einer Position der Stärke heraus zu agieren. Das Schlüsselressort Finanzen übernimmt mit dem bisherigen Highlight-CFO Antonio Arrigoni ein Vertrauensmann von Burgener, der wiederum bereits seit über einem Jahr im sechs­köpfigen Aufsichtsrat der Firma an der Seite von Highlight-Vizepräsident Martin Wagner, seinem langjährigen Rechtsberater, sitzt. Die Finanzgesellschaft KF 15, über die Leo Kirch seine EM.Sport-Beteiligung hält, sei «mit Sicherheit kein oppositioneller Aktionär», beteuert Wagner, zu dessen Aktivitäten im Medienbereich auch ein VR-Mandat bei Axel Springer Schweiz (Herausgeber der BILANZ) gehört. «Seit ihrer Gründung ist Highlight mit Kirch im Geschäft. Die Zusammenarbeit gehörte gewissermassen schon immer zum Businessmodell», erklärt Wagner. «Wir haben dies auch nie bestritten.» Er habe einen «riesengrossen Respekt vor Kirchs unternehmerischer Leistung», gibt heute auch Burgener ohne falsche Zurückhaltung zu verstehen. «Er hat mir

bei Con­stantin zum Einstieg verholfen und mich auch sonst immer äusserst fair behandelt. Ich kann nichts Schlechtes über ihn ­sagen.» vision. Bei einer Verschmelzung von

Highlight und EM.Sport würde mithin nur zusammenkommen, was zusammengehört. Die verlockende Vision vor Augen, die Rolle des Regionalsatelliten zu sprengen, um künftig auf Augenhöhe mit einem Dynosaurier wie Kirch zu geschäften, könnte Burgener durchaus dazu bewegen, seine Highlight-Aktien ebenfalls gegen solche von EM.Sport einzutauschen. «Ich bin kein Manager, sondern ein Unternehmer und möchte mich an ­einer Firma, die ich führe, langfristig auch beteiligen», betont er. Wenn der film- und fussballbegeisterte Basler sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann ihn nichts mehr davon abbringen, weiss Burgeners langjähriger Freund, Ex-FCB-Spieler Karl Odermatt. «Genau wie ich damals auf dem Fussballfeld lässt er mit seiner Firma nicht locker und steckt jede Niederlage weg», umschreibt der legendäre Mittelfeldstratege die gemeinsamen Stärken. «Er riecht es förmlich, wenn etwas schiefzulaufen droht, und gibt Gegensteuer, bevor es so weit ist.» Nach dem Muster von Highlight, wo es Burgener gelungen ist, Margen und Gewinn über die Jahre hinweg beträchtlich zu steigern, möchte er nun auch die EM.Sport auf Vordermann bringen: ­«Diese Firma ist total unterbewertet», betont er. «Dabei verfügt sie über ein grundsolides Geschäftsmodell.» Befürchtungen, dass er sich beim gleichzeitigen Führen von zwei (mit Constantin Film sind es sogar drei) börsenkotierten Firmen verzetteln oder ihn diese Aufgabe gar überfordern könnte, plagen Burgener nicht. Seine Frau und seine beiden Kinder, mit denen er im ländlichen Aargau ein selbst entworfenes Traumhaus bewohnt, wird er in nächster Zeit jedenfalls eher selten zu Gesicht bekommen. «Ich bin schon jetzt sehr viel mit dem Auto unterwegs und fahre ­jede Woche mindestens einmal nach München», beruhigt er. «Da ändert sich nicht viel.» Um schneller am Ziel zu sein, hat Burgener ein einfaches Rezept: Er fährt mit seinem 600er-Mercedes nur frühmorgens oder tief in der Nacht, immer dann, wenn die Strassen garantiert leer sind. «Wer seinem Hobby nachgeht», sagt er, «schaut nicht auf die Uhr.» • 13 | 2008 | BILANZ 37


Unternehmen  KMU-Serie

ne Mitarbeiter dort die bei Bauherren beliebten Dämmplatten aus Styropor. Noch in der Brandnacht verlegte Alp­ stäg die Exportlogistik für die Dämmplatten in ein österreichisches Werk und sorgte dafür, dass der Produktionsausfall schon ab Dienstag nach Pfingsten von den sechs übrigen Schweizer Swisspor-Standorten aufgefangen wurde. Die 70 Mitarbeiter, die in Steinhausen beschäftigt waren, wurden mit Shuttle-Bussen dorthin gebracht und übernachteten auf Firmenkosten in Hotels. «Wenn die neue Halle im Frühjahr 2009 fertig ist, können alle wieder in Steinhausen arbeiten», verspricht Bernhard Alpstäg. Von 0 auf 700 Millionen. Doch auch

«Binnen vier Jahren packen wir die Umsatzmilliarde»: Swisspor-Patron Bernhard Alpstäg.

Auf Feuerfestem Grund gebaut Mit klugen Zukäufen und innovativen Produkten hat sich Bernhard Alpstäg ein Baustoffimperium ­gezimmert – und trotzt damit selbst Katastrophen. •  Harald

Fritschi Text / Anne Morgenstern Foto

Die Pfingsttage des vergangenen Jahres werden Bernhard Alpstäg noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Das ganze Wochenende stand im Zeichen hektischer Schadensbegrenzung, nachdem ein Grossbrand am Freitagabend vor Pfingsten die Swisspor-Gebäude am Standort Stein­ 38 BILANZ | 13 | 2008

hausen in Schutt und Asche gelegt hatte. Herzstück des Geländes, auf dem sich auch die Logistikzentrale des Baustoffherstellers für die Deutschschweiz und das Tessin befand, war eine Produktionshalle, die Alpstäg vor mehr als 30 Jahren hatte errichten lassen. Zuletzt produzierten sei-

vor dem Brandunglück hat Swisspor bereits eine beeindruckende Stärke bewiesen. Die Keimzelle der heutigen Gruppe legte Bernhard Alpstäg gemeinsam mit seinem Bruder Georges im Jahr 1971. Die damalige Baukork AG hatte gerade mal 14 Mitarbeiter. Heute sind es über 2000 an insgesamt 24 Fabrikationsstandorten, und das Produktespektrum der Gruppe reicht von Dämmstoffen aus Styropor über Dichtungsbahnen aus Bitumen bis hin zu kompletten Fenstern. Die Gruppe mit dem zeitgeistnahen Leitspruch «Saving Energy» dürfte im laufenden Jahr einen budgetierten und konsolidierten Umsatz von über 700 Millionen Schweizer Franken erwirtschaften. Als besonderen Vorzug von Swisspor sieht Alpstäg neben der Kundenorientierung die ständige Weiterentwicklung seiner Produkte an. Je nach Geschäftsfeld investiert er ein bis fünf Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung – unter anderem in die Entwicklung neuer Öko-Dämmtechnologien. Doch vor allem will er eines: zügig weiterwachsen. «Binnen vier Jahren packen wir die Umsatzmilliarde», gibt er die Marsch­ richtung vor. Welche Fähigkeiten braucht einer wie er, dem es gelungen ist, in der schwer umkämpften und margenschwachen Baubranche zu reüssieren? Über unmittelbar unternehmerische Tugenden wie Risikobereitschaft, Einsatzfreude und Hartnäckigkeit hinaus, meint Alpstäg, gehöre in seinem Sektor eine gewisse Bauernschläue einfach dazu. Zudem sei es ganz hilfreich, das Einmaleins zu beherrschen, versichert der Patron und lacht. Dann wird er aber doch noch einmal grundsätzlich: «Mir


Swisspor Hauptsitz: Steinhausen ZG Umsatz: 700 Millionen Franken Mitarbeiter: 2000 Produktionsstandorte: 13 in der Schweiz, 11 im euro­ päischen Ausland Produkte: Dämmstoffe, Fenster, Eternitfassaden, Eternitdachziegel

bisherigen Strukturen und das patronale Durchgriffsrecht dürften kaum mehr ausreichen, um den Swisspor-Konzern mit seinen Tochterunternehmen zu steuern. Also macht sich Unternehmer Alpstäg Gedanken darüber, wie viele Stabsstellen er brauche, wie viele Stellvertreter, Buchhalter und Sekretärinnen – «der ganze Wasserkopf halt». Expansion in den Osten. Und was

sind Qualitätsbewusstsein, Fairness und eine gewisse Weisheit enorm wichtig.» Zu Beginn seiner Laufbahn habe er oft mit dem Kopf durch die Wand gewollt und keine Toleranz für Gegner oder Andersdenkende gehabt. Heute sei das völlig anders. «Inzwischen habe ich zum Beispiel Freude daran, wenn auch meine Mitbe­ werber gute Geschäfte machen», sagt Alpstäg. «Die beschäftigen schliesslich auch Mitarbeiter und kommen damit ihrer sozialen Verantwortung nach.» Die anvisierte Umsatzmilliarde ist daher die Marke, bei der selbst der Patron altbewährte Rezepte in Frage stellt. Die

passiert, wenn das selbst ernannte «Mädchen für alles», der Alleinherrscher Alp­ stäg, eines Tages nicht mehr selbst regieren will? Eine Stiftung, so schwebt ihm derzeit vor, solle dann dafür Sorge tragen, dass der Gedanke der Vereinbarkeit von sozialer Gerechtigkeit und gesundem Wachstum nicht verloren gehe. «Am Geld an sich habe ich kein gesteigertes Interesse», sagt er, und das muss man ihm wohl glauben. Aber darauf, dass sein unternehmerisches Lebenswerk fortbesteht, legt er durchaus grossen Wert. Zunächst kümmert sich der Unternehmer Alpstäg allerdings noch höchstpersönlich darum, dass es mit Swisspor weiter

vorangeht. An seiner Strategie, mit klugen Zukäufen das Portfolio des Unternehmens auszubauen und die Präsenz in Osteuropa zu vergrössern, will er nicht rütteln. In Polen ist Swisspor jetzt schon sehr erfolgreich, und weitere vielversprechende Märkte hat Alpstäg in Rumänien, Bul­ garien und der Ukraine ausgemacht. Weil ihm in Rumänien nicht mehr genug Zeit bleibt, den Markt selbst aufzubauen, will er kleinere Wettbewerber aufkaufen und mit dem eigenen Know-how auf Trab bringen. Die Aufbauarbeit ist anfangs Chefsache, aber wenn die Betriebe einmal funktionieren, überlässt Alpstäg seinen Bereichsleitern das Feld. Lehrgeld hat er in Osteuropa schon viel bezahlt, doch das schreckt ihn nicht. «Jetzt müssen wir eben lernen, in Rumänien und Bulgarien zurechtzukommen. In Polen haben wir es schliesslich auch geschafft.» • Die Auswahl der Schweizer Top-KMU, die in dieser Serie vorgestellt werden, erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Swiss Venture Club (SVC), der in allen sieben Wirtschaftsregionen einen Unternehmerpreis verleiht.

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Trends China

Ende der Euphorie

Chinas Ruf als Eldorado für kostengeplagte Westfirmen bröckelt. Der ­Arbeitsmarkt ist leergefegt, die Lohnkosten steigen. Die schamlose Kopierwut chinesischer Firmen gibt vielen Europäern den Rest.

der Präzise Walter Eglin in seinen Produktionshallen in Shanghai.


•  Stefan

Lüscher Text / Andrew Rowat und Marco Zanoni Fotos

585, Gaomuqiao Road, Sungiao Pudong, 201203 Shanghai, P.R. China. Eine Adresse, die für den steilen Aufstieg ­Chinas steht. Pudong Xin Qu, neuer Stadtbezirk östlich des Huangpu-Flusses. Pudong gilt als aufstrebendes Finanz- und Hightech-Viertel von Shanghai. Tausende von Banken, Finanzhäusern, Versicherungen und Industriefirmen haben sich hier niedergelassen. Wo vor 15 Jahren noch Bauern ihre Reisfelder mit Ochsengespannen gepflügt haben, drängeln sich heute die Wolkenkratzer. Hier steht das 492 Meter hohe Shanghai World Financial Center oder der mit 468 Metern ­Höhe

nicht minder beeindruckende Fernsehturm Oriental Pearl Tower. Der Taxifahrer hat Mühe, die Adresse zu finden. Seit wir das Zentrum von ­Pudong hinter uns gelassen haben, sind weitere 45 Fahrminuten verstrichen. Die Gegend, obwohl noch zu Pudong gehörend, wird ländlich. Zwischen Fabriken und Kleinbetrieben ducken sich zunehmend Bauernhäuser. Walter Eglin ist es gewohnt, dass Besucher Schwierigkeiten haben, seine Fabrik zu finden. Der gebürtige Basler lebt seit 1962 in Fernost, davon 26 Jahre in Japan. Eigentlich wollte er sich mit Mitte fünfzig zur

­Ruhe setzen und zog mit seiner japanischen Frau nach Hawaii. «Das Nichtstun ist mir ziemlich schnell verleidet», ­erinnert er sich. Schliesslich hatte der Schweizer sein ganzes Leben lang hart ­gearbeitet, in verschiedenen Ländern acht Firmen aufgebaut und diese, sobald sie rund liefen, wieder verkauft. Mit 59 Jahren kehrten die beiden der Südseeinsel den Rücken zu und zogen nach China. Weit ausserhalb des Zentrums von Shanghai, eben am Rand Pudongs, gründete Eglin 1997 seine neunte Firma, die Prime Alloy Manufacturing. Er hat wieder bei null angefangen, all sein Geld in die Firma •

«Entscheidungen müssen In ­China mehr aus dem Bauch, weniger aus dem Kopf heraus erfolgen.» Walter Eglin (70), Präsident und Inhaber Prime Alloy Manufacturing, Shanghai Prime Alloy in China Tätigkeitsgebiet Kugelschreiberkugeln in China seit 1997 Beschäftigte 250 Umsatz n.a. Produktion in Shanghai

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Trends China

gesteckt. «Man muss schon etwas verrückt sein, in diesem Alter nochmals etwas völlig Neues auf die Beine zu stellen.» Es ist heiss; schon frühmorgens zeigt das Thermometer 38 Grad an, in der Fabrik ist es nur minim kühler. Es stinkt nach Schmierfett und Maschinenöl. Hier arbeiten 250 Angestellte im Schichtbetrieb, sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Stahldraht wird in kleine Stücke ­geschnitten, mit Diamantstaub geschliffen und immer feiner bearbeitet. Nach mehreren Arbeitsschritten landen die Stücke im Reinheitsraum, wo nur Mitarbeiter in Schutzkleidung Zutritt haben. Nur schon ein Haar könnte das Produkt zu Ausschuss werden lassen. Das Ergebnis: hochpräzis gearbeitete, 0,4 bis 0,8 Millimeter kleine Kügelchen, die in der Spitze von Kugelschreibern eingesetzt werden. Monatlich werden 400 bis 500 Millionen Kügelchen hergestellt. Ein banales Massenprodukt? Eglin winkt heftig ab: «Zuge­ geben, eine Kugel ist eine Kugel. Doch die Qualitätsunterschiede zeigen sich darin, wie

kleinste Toleranzen eingehalten werden, ob die Kugeln korrosionsbeständig sind und wie glatt die Oberfläche ist.» Und dann die Kontrollen: Frauen beugen sich in blauen Arbeitskitteln über Mikroskope, überprüfen in zweihundertfacher Vergrösserung Kugel um Kugel, zwei Kontrolleurinnen überprüfen die Arbeit der Kontrolleurinnen. Kein Wunder, dass 42 Prozent der Herstellungskosten alleine auf die Prüfungen entfallen. Erfolgsfaktor Geduld. Exaktheit

ist das Erfolgsgeheimnis von Eglin. Im Segment der höherwertigen Kugeln hält Prime Alloy weltweit einen Marktanteil von 50 Prozent. Die Produktion geht ausnahmslos in den Export, Hauptabnehmer sind Kugelschreiber­hersteller wie Parker oder Papermate. Millionen von Kügelchen werden auch ins Tessin verschickt, an Premec, den weltgrössten Produzenten von Kugelschreiberspitzen. Von diesen Spitzen geht ein Teil wieder nach China zurück und wird dort zu fertigen Kugelschreibern montiert –

der Feinfühlige Peter Heimlicher in seinem Lager in Givisiez FR und mit Mitarbeitern in Suzhou (Bild rechts).

unter anderem in einer Firma, an der Eglin eine Minderheitsbeteiligung hält. Eglin ist nur einer von vielen «Lang­ nasen», wie in China Ausländer ­ genannt werden, die im Riesenreich ihr Heil suchen. Die meisten sind allerdings nur mit einem Repräsentationsbüro oder einer Verkaufsorganisation vor Ort. In eigene Werke investiert haben dagegen ­lediglich 300 Schweizer Unternehmen, schätzt Susan Horváth von der Swiss-Chinese Chamber of Commerce; dazu kommen nochmals zwei- bis dreihundert Schweizer Firmen in Hongkong. Das Interesse westlicher Unternehmer an China ist gross – ebenso die Angst, sich in der fremden Region nicht zurecht­zufinden. Eine berechtigte Sorge. «Oft kommt es vor, dass ein Unternehmen sich nicht genügend gut vorbereitet und dann in einem schwierigen Markt wie China Schiffbruch erleidet», sagt Daniel Küng, CEO der Osec, des offiziellen Aussenwirtschaftsförderers der Schweiz. Denn China, und dies geht im Westen schnell vergessen, ist nicht ein Ein-


zelmarkt, sondern setzt sich zusammen aus vielen Märkten, nur schon bedingt durch die enorme Ausdehnung des Landes, durch die unterschiedlichen Kulturen, die Bevölkerung oder die verschiedenen Sprachen. Einer der klassischen Fehler: China-Novizen erwarten rasche Erfolge. Beat Bürgi, Leiter des in Peking ansässigen Swiss Business Hub China, gibt Schweizer Interessenten meist den Ratschlag: «Verdoppeln Sie den Zeitrahmen für den Markteintritt, verdoppeln oder, besser noch, verdrei­fachen Sie das Investitionsbudget.» China als vermeintliches Kosteneldorado weist auch sonst viele Tücken auf. Mancher Unternehmer setzt wegen der Tiefstlöhne zum grossen Sprung an. Und ist dann völlig verdattert, wenn er die Realität erkennt: Im Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern steigen die Löhne, ja generell die Kosten steil an, mancherorts um 30 bis 50 Prozent über die letzten drei Jahre. Der vermeintlich unerschöpfliche Arbeitsmarkt ist ausgetrocknet, an Spezialisten herrscht •

«Der wichtigste Schritt in China ist, einen Lokalen Partner zu finden.» Peter Heimlicher (63), Chef von Contrinex, Givisiez

Foto: PR

Contrinex in China Tätigkeitsgebiet Hochleistungssensoren in China seit 1998 Beschäftigte Gruppe 500 – davon 150 in China Umsatz Gruppe 90 Millionen Franken – davon in China 5,1 Millionen Franken Produktion in Suzhou

handelspartner china

Investitionen im Reich der Mitte zahlen sich nicht immer aus Die Schweizer Wirtschaft ist stark globalisiert. Deshalb geht sie den Handel mit China offensiv an. NOch ist China nicht unter

den zehn wichtigsten Handelspartnern der Schweiz. Das Wachstum ist jedoch rasant: ­Importe aus China haben mittlerweile die Grössenordnung der Einfuhren aus Spanien erreicht. Und bei den Exporten ist China der zweitwichtigste asiatische Zielstaat, knapp hinter Japan. Rechnet man Hongkong noch hinzu, dann hat die Schweiz im vergangenen Jahr Waren im Wert von elf Milliarden Franken ins Reich der Mitte geliefert – mehr als nach England. Gegenwärtig sind rund 300 Schweizer Firmen in China präsent. Sie beschäftigen 55  000 Mitarbeiter. Die wichtigsten sind ABB, für die China der grösste Firmenstandort ist, sowie Nestlé. Beide haben je rund 13  000 Leute vor Ort. Für die stark globalisierte Schweizer Wirtschaft ist China ein vergleichsweise gutes Pflaster. Das zeigt sich an zwei Besonderheiten. Die erste: In der Schweiz arbeiten Bundesbern und Wirtschaft Hand in Hand auf ein ­bilaterales Freihandelsabkommen mit China hin, vor dem viele ­andere Staaten zurückscheuen – weil sie befürchten, bei schrankenlosem Handel vom Reich der Mitte überrollt zu werden. Dass die Schweiz offensiver vorgeht, liegt an der zweiten Besonderheit: «Wir haben, was aussergewöhnlich ist, einen Überschuss in der Aussenhandelsbilanz mit China», sagt Gregor Kündig, Chinaexperte beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse: Es werden mehr Güter nach China exportiert als von dort eingeführt. Damit können nur wenige Staaten glänzen. Die Schweiz ist besonders stark im Maschinenbau

– die Chinesen wollen hochwertige Produktionsanlagen und ­zahlen gut dafür. Auch Finanzdienstleister sind in China aktiv und warten auf die stufenweise Öffnung der Märkte, Pharma­ unternehmen haben sogar Forschungseinrichtungen angesiedelt. Ungetrübt ist die Lage aber nicht. Eine unveröffentlichte ­Studie der Beratungsfirma Bain zeigt, dass sich ausländische Direkt­ investitionen in China ­wesentlich langsamer auszahlen als etwa in Russland. Gründe sind der scharfe Wettbewerb, das schnelle Kopieren ausländischer Technologie und der lange Planungshorizont, den Investitionen in China mit sich bringen. Das schmälert die Renditen und ­erhöht das Risiko. Schweizer ­Firmen dürften rund acht Milliarden Franken in China investiert haben. Wie rentabel, dazu existieren keine Daten. Internationale Befragungen legen nahe, dass ­maximal zwei Drittel der investierenden westlichen Firmen ­Profite in China erzielen. Das Problem des Raubkopie-

rens betrifft Schweizer Unter­ nehmen weniger – mit Ausnahme der Uhrenindustrie. Für die ist ­allerdings China ein eminent wichtiger Markt, zumal Kaufkraft und Konsumlust wachsen. ­Insofern beisst die Uhrenindustrie auf die Zähne und hofft auf eine schweizerisch-chinesische ­Arbeitsgruppe, welche die chinesische Kopierfreudigkeit eindämmen möchte. Angesichts der Ausmasse des Riesenstaates und der ungeklärten Frage, ob der ­politische Wille dazu ausreichend vorhanden ist, müssen die Uhrenfirmen wohl sehr viel Geduld aufbringen. Dirk Ruschmann 13 | 2008 | BILANZ 57


Trends China

Mangel. «In Südchina ist der Markt an Facharbeitern und Ingenieuren leergefegt», weiss Ivo Hahn, CEO der Firma Greater China in Hongkong, die zum Headhunter Stanton Chase gehört. Auch an ungelernten Arbeitern herrscht in vielen Provinzen Mangel. Insbesondere im Süden Chinas haben über die letzten Jahre Zehntausende neuer Werke ihre Pforten geöffnet. Alleine im Grenzgebiet zu Hongkong fehlen etwa zwei Millionen Arbeiter. Und die Regierung unternimmt alles, damit China nicht mehr als Billigfabrikant der westlichen Welt herhalten muss. Anfang 2008 wurde ein neues Arbeitsrecht eingeführt, das sich am deutschen orientiert, in vielen Punkten gar noch strenger ist. Dies verstärkt den Lohndruck zusätzlich. So erhofft sich die Zentralregierung in Peking, dass die Produktion von Massengütern in Länder mit tieferen Löhnen, wie Vietnam oder Indien, verlagert wird. Dafür sollen vermehrt Firmen angelockt werden, die in China für höhere Wertschöpfung sorgen.

Die Massnahmen scheinen zu fruchten, bei westlichen Unternehmern findet ein Umdenken statt. Stanton Chase hat im vergangenen Jahr 175 multinationale Firmen gefragt, weshalb sie in China produzieren. Nicht Lohnaspekte standen im Vordergrund – zwei Drittel führten als Hauptgrund an, sie wollten damit einen besseren Marktzugang erreichen. 30 Prozent Fluktuation. Eher aus

Zufall nach China beziehungsweise Hongkong verschlagen hat es Gérard Dubois vor zwanzig Jahren. Der Bäcker und Konditor reiste in Diensten der Hotelkette Hilton um die Welt, arbeitete in London, Tokio, Guam, Seoul, Kuala Lumpur, Jakarta, Singapur, Shanghai und schliesslich in Hongkong. Dort machte sich der gebürtige Walliser 1991 selbständig und eröffnete in einem Einkaufszentrum ein Tearoom namens La Rose Noire. Schnell schuf er sich mit seiner ­Patisserie einen süssen Ruf, die Produk­tion wurde laufend erweitert, zuerst in Hong-

der Kuchenkönig Gérard Dubois präsentiert den Mitarbeitern seine Kreationen für die Bäckerei in Hongkong (Bild rechts).

kong, später folgten Betriebe in Shanghai und Dongguan. Der 46-Jährige steht zwar immer noch selber am Backofen, doch meist ist er als Manager seiner Grossbäckerei mit 530 Beschäftigten unterwegs. Gegen 500 verschiedene Produkte an Feingebäck und Patisserie werden an internationale Hotels, an Starbucks China oder an 18 eigene Läden in Hongkong geliefert. Seit drei Jahren exportiert Dubois seine Backwaren auch nach Indien, Neuseeland, Thailand, Dubai und in die USA. Im Gegensatz zu vielen anderen ausländischen Unternehmern ist er mit den Rahmenbedingungen in Hongkong und China hochzufrieden. Ein Problem dagegen macht ihm zu schaffen: «Der starke Personalwechsel bereitet uns Schwierigkeiten. Während wir in Hongkong eine jährliche Fluktuation von 4 bis 5 Prozent haben, beträgt diese in den beiden Werken in China 20 Prozent.» Damit liegt Dubois sogar noch unter dem Schnitt. Denn die Personalfluktuation


liegt in China durchschnittlich bei jährlich über 30 Prozent, so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. «Nach unseren Erfahrungen bleibt der chinesische Arbeiter im Durchschnitt zweieinhalb Jahre bei einer Firma», sagt Beat Bürgi vom Swiss Business Hub China. Chinesische Manager halten es nach Beobachtungen von Ivo Hahn gar nur 15 Monate in einem Job aus. In einem harten Wettbewerb werben sich die Unternehmen gegenseitig Arbeiter ab. Firmenloyalität zählt kaum etwas, das Salär (fast) alles. Christian Schmidli, dessen Firma Proftech International Schweizer KMU beim Einstieg in Vietnam und China berät: «Der Chinese ist unglaublich pragmatisch, gerade beim Lohn. Er geht oft dahin, wo er mehr verdient.» Auch Contrinex aus Givisiez FR verzeichnete bei ihren 150 Stellen in China lange Zeit starke Wechsel. Der Produzent von Hochleistungssensoren für den Maschinenbau stellt hauptsächlich Frauen ein, weil ­diese bessere Fähigkeiten für die Feinarbeit zeigen als Männer. Die überwiegend aus

ländlichen Gebieten stammenden Angestellten müssen von Contrinex für teures Geld ausgebildet werden. Doch kaum geschult, wurden sie von der Konkurrenz abgeworben. «Der hohe Personalwechsel hat die Funktion des Betriebs stark beeinträchtigt», erinnert sich Peter Heimlicher, Mehrheitsaktionär und CEO. Als Gegenmassnahme wurden die Arbeitsplatzbedingungen verbessert, die Fabrik klimatisiert und das Lohnniveau spürbar erhöht. Der ausschlaggebende Schritt: Contrinex liess eine einheimische Köchin einstellen. Nun können die Angestellten in der Kantine für weniger als einen Franken ein hervorragendes Menu essen. «So konnten wir die Fluktuationsrate weit unter 20 Prozent senken», freut sich der Firmenchef. Den China-Rekord hält wohl Prime Alloy. Walter Eglin reklamiert für sein Unternehmen eine Fluktuation von weniger als einem Prozent. Ein in Diensten des Bundes in China tätiger Berater bestätigt die Angaben und meint: «Das ist noch alte Schule, ein Patron par excellence. Der schaut für seine Angestellten, deshalb bleiben sie.» Eglin zahlt 14 Monatslöhne, stellt seinen Mitarbeitern Wohnungen kostengünstig zur Verfügung, sorgt für ­einen Gratis-Busdienst und lädt die Belegschaft auf Ausflüge ein. Weihnachten wird gemeinsam gefeiert, die Angestellten dürfen ihre Partner mitnehmen. «Wir sind eine Familienfirma, wie man sie in der Schweiz kennt. Hier ist so etwas zwar ungewohnt, kommt bei den Leuten aber gut an», sagt Walter Eglin. Unterschiedliche Träume. Noch

«Ich würde, falls nötig, das ­Geschäft in ­China jederzeit wieder von Null aufbauen.»

Fotos: PR

Gérard Dubois (46), CEO und Besitzer von La Rose Noire, Hongkong La Rose Noire in China Tätigkeitsgebiet Backwaren in China seit 1991 Beschäftigte 530 Umsatz n.a. Produktion in Hongkong, Shanghai, Dongguan

mehr Kopfzerbrechen bereitet den ausländischen Firmen die ungebremste Kopierfreude der Chinesen. «Wer nach China geht, muss damit rechnen, dass seine Produkte kopiert werden», sagt KMU-Berater Schmidli. Gerade europäische Hightech­ firmen wollen nicht akzeptieren, dass ihre Erfindungen und Entwicklungen derart wenig respektiert werden. «Mancher Schweizer Unternehmer stellt sich deshalb die Frage, ob sich wegen der Produktpiraterie eine Expansion nach China überhaupt lohne», sagt Osec-Chef Daniel Küng. Für die Chinesen ist das Kopieren von Gütern oder Produktionsprozessen ein Kavaliersdelikt. «Sie vergleichen die Partnerschaft mit einer ausländischen ­Firma mit einer Ehe», so Ivo Hahn von Greater China. Und über die Ehe sagt der Chinese: Man teilt dasselbe Bett, doch man hat unterschiedliche Träume. «Der Ausländer will in China günstig pro-

duzieren, der Chinese erwartet einen Technologietransfer», erläutert Hahn. Der internationale Druck auf China wegen der Produktpiraterie wächst, und die Regierung hat reagiert. Das Resultat beschreibt Paul Thaler, Partner der auf China spezialisierten Wenfei Attorneys-at-Law in Zürich: «Heute sind die rechtlichen Grundlagen für den Schutz von geistigem Eigentum sehr gut. China hat diesbezüglich sogar mehr internationale Verträge unterschrieben als die Schweiz.» Das Gesetz ist die ­eine, dessen Geltendmachung die andere

Für die Chinesen ist das Kopieren ein ­Kavaliersdelikt.  •

Seite. Thaler muss denn auch relativieren: «In der prozessualen Durchsetzung hinkt China dem Westen weit hinterher.» Und so wird schamlos weiter kopiert. Der in Bulle FR beheimatete Mischkonzern Liebherr etwa ist in China mit seiner Kühlschrankproduktion einem Piraten zum Opfer gefallen: Der damalige Joint-VenturePartner Zhang Ruimin bediente sich nicht nur der Technik, er raubte den Liebherrs auch den in Asien bestens eingeführten Markennamen Haier. Oder ein mittelgrosser Schweizer Maschinenhersteller stellte 2006 an einer Textilmesse in China eine Maschine aus und entdeckte in derselben Ausstellung einen perfekten Doppelgänger davon; die Fälschung musste entfernt werden. Oder ein führendes Schweizer Chemie­ unternehmen liess in China eine neue Fabrik hochziehen. Nach der Fertigstellung wurde der Betrieb von Regierungsbeamten kontrolliert, die Baupläne wurden eingehend studiert. Wenige Monate später entstand 20 Kilometer entfernt eine Kopie des Werks – mit chinesischen Besitzern. Wenn der Staat wegsieht, müssen sich die Firmen selber gegen Kopierer wappnen. Contrinex etwa, deren Produkte immer wieder nachgemacht wurden, hat «spezifische Sensorikschalter mit der Technologie von Mikroprozessoren entworfen, die können von der chinesischen Konkurrenz gar nicht mehr kopiert werden», sagt CEO Heimlicher. Auf ­Innovationskraft setzt auch Eglin von Prime Alloy: «Wir sind mit unseren Innovationen der chinesischen • 13 | 2008 | BILANZ 59


Trends China

Werbeplattform Olympische Spiele

Rösti mit Stäbchen

An den Olympischen Spielen in China präsentieren Schweizer Unternehmen ihre Schokoladenseite. Wenn am 8.8.08 in Peking die

Olympischen Spiele beginnen, werden mehr als 10  000 Athleten miteinander wetteifern – ebenso Hunderte von Unternehmen. Denn Olympia ist nicht nur die grösste Sportveranstaltung der Welt, sondern auch einer der wichtigsten Sponsoren- und Marketinganlässe. Zwölf bekannte Schweizer Unternehmen nutzen die Gunst der

Foto: PR

Modell des House of Switzerland.

Stunde und präsentieren sich im House of Switzerland (HoS), das während der Spiele in einer Fabrikhalle im Pekinger Künstlerviertel Dashanzi für drei Wochen Unterschlupf gefunden hat. Seit den Winterspielen 1988 in Calgary ist die Schweiz bei Olympia jeweils mit einem Nationenhaus vertreten. Bisher wurden dort lediglich kulinarische Spezialitäten aus helvetischen Landen angeboten. In diesem Jahr jedoch kommt es erstmals zu einer «Ehe aus Interessen zwischen Wirtschaft und Sport», so Edwin Rudolf, Vizepräsident House of Switzerland 2008. Die Organisation des Schweizer Nationenhauses übernimmt traditionell «Präsenz Schweiz», zusammen mit jeweils einem Kanton – in diesem Jahr Luzern. Dem Innerschweizer Kanton fiel es auch zu, Firmen zu suchen, die sich auf dem 2000 Quadratmeter grossen ExpoPark des HoS darstellen wollen. 60 BILANZ | 13 | 2008

Dem Publikum in China präsentieren werden sich Carl F. Bucherer, Lindt & Sprüngli, Nestlé, Maxon Motor (Miniaturmotoren), UBS, Victorinox, Syngenta, Titlis Rotair, Swiss Securitas, Schindler sowie die Luzerner Wirtschaftsförderung. Im Vordergrund stehen dabei eher wirtschaftliche Interessen als Olympia und Sport. Die Schweizer Unternehmen lassen sich den Werbeauftritt etwas kosten: Jeder der zwölf Expo-Partner muss einen Beitrag von 150  000 Franken leisten. Die Differenz zu den Gesamtkosten von 4,6 Millionen tragen Präsenz Schweiz respektive der Bund mit einem Drittel sowie Luzern Tourismus mit zwei Dritteln. Im House of Switzerland hat sich ausserdem SF DRS ein Fernsehstudio eingerichtet, die Medaillenfeiern und Medienkonferenzen von Swiss Olympic sollen hier abgehalten werden. Und im Restaurant kann die chinesische Bevöl­ kerung Schweizer Spezialitäten probieren – mit Stäbchen. «Das Haus soll explizit eine Plattform sein, auf der sich die Schweiz der chinesischen Bevölkerung präsentiert», so Olivier Roos, Projektleiter von Präsenz Schweiz und für das House of Switzerland vor Ort. Ob mit Uhren, Sackmessern

oder Confiserie – für viele Schweizer Firmen geht es darum, sich in China Anteile am Konsumgütermarkt zu sichern. Denn das fernöstliche Riesenreich ist hinter Japan der zweitgrösste Markt für Luxusgüter. Nicht umsonst betont das House of Switzerland in seinen Statuten, dass es mit seinen Aktivitäten anlässlich der Olympischen Spiele auf chinesische Geschäftsleute und überhaupt die für den Markt bedeutungsvolle «obere Kaufkraftklasse Chinas» abzielt.  Kristina Reiss, Shanghai

Konkurrenz immer einige Schritte voraus. So kann sie unsere Qualität gar nicht kopieren.» Schindler wiederum, seit Jahrzehnten Zielscheibe von Kopisten, geht einen anderen Weg. «Heute haben wir das Problem besser im Griff. Das ist nicht zuletzt eine Folge davon, dass wir in China die Joint Ventures zu 100 Prozent übernommen haben», sagt Firmensprecher Riccardo Biffi. Ein anderes Problem des Aufzugs- und Fahrtreppenherstellers ist dagegen nicht aus der Welt: Inzwischen wird an völlig fremden Liften und Rolltreppen einfach das bekannte Blechschildchen von Schindler montiert. Das kann dem Konzern nicht egal sein, denn nun stellt sich die Haftungsfrage. Trotz allen Problemen kann es sich kaum eine grössere Firma heute erlauben, China links liegen zu lassen. «Denn das ist ein Markt mit enormem Potenzial», sagt Susan Horváth von der Swiss-Chinese Chamber of Commerce. Für manchen Schweizer ­Unternehmer, der in China eigentlich nur eine neue Produktionsstätte hochziehen

Für manchen ­unternehmer ist China zuR neuen Heimat geworden.  •

wollte, ist das Land sogar zur neuen Heimat geworden. Für Gérard Dubois von der Grossbäckerei La Rose Noire beispielsweise ist eine Rückkehr ins Wallis undenkbar. Auch Walter Eglin, der Produzent von Kugelschreiberkugeln, kann sich den Umzug in die Schweiz nicht mehr vorstellen. Zwar hat er mittlerweile die Prime Alloy an ein japanisches Unternehmen verkauft, doch amtiert er weiterhin als Geschäftsführer und Präsident – und zwar auf Lebzeiten. «Das habe ich mir beim Verkauf ausbedungen», sagt der 70-Jährige und grinst dabei spitz­ bübisch. Von Ruhestand jedenfalls will der Baselbieter nichts wissen. «Ein chinesischer Wahrsager hat mir prophezeit, ich würde 103 Jahre alt. Da kann ich doch jetzt nicht schon aufhören zu arbeiten.» • Mitarbeit: Kristina Reiss, Shanghai

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Hilfreiche Adressen für den Einstieg in China: www.bilanz.ch •  Hören Sie diesen Text auf www.bilanz.ch/hoerbilanz


trends •

Verwaltungsräte

Frauen bleiben Rar Die Schweiz bleibt Entwicklungsland, was den Frauenanteil in

den Verwaltungsräten betrifft. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Quote kaum verbessert, wie eine Untersuchung des European Professional Women’s Network in Zusammenarbeit mit dem Headhunter Egon Zehnder ergibt. Die Galionsfiguren wie Gabrielle Kaufmann-Kohler, Leiterin des Personalausschusses im UBS-Verwaltungsrat, oder Roche-VR Beatrice ­Weder di Mauro stehen weiterhin ziemlich alleine da. Von 2006 bis 2008 hat sich die Frauen im Verwaltungsrat, in Prozent 2008 2006 Frauenquote in Schweizer VR gemäss der Untersuchung nur Norwegen marginal bewegt, von 5,9 auf Schweden Finnland aktuell 6,6 Prozent. Lediglich Dänemark süd­europäische Firmen sind Niederlande noch frauenaverser – wobei Grossbritannien Spanien inzwischen die Österreich Deutschland Schweiz eingeholt hat. ÖsterFrankreich reich dagegen wurde sogar Schweiz männerlastiger. Den grössten Spanien Sprung nach oben machte HolItalien Portugal land, aber auch das ohnehin an 0 10 20 30 40 50 der Spitze liegende Norwegen erhöhte die Frauenquote eindrückBasis: 300 grösste Unternehmen Europas, pro Land lich – dank neuen Gesetzen zur mindestens sechs Firmen. Quelle: Egon Zehnder, BoardEx. © BILANZ-Grafik Frauenförderung.

Stehen allein: Beatrice Weder di Mauro (Roche) und Gabrielle KaufmannKohler (UBS, rechts).

Fotos: Keystone, PR, Dukas, Visum

Madonnas Sticky & Sweet Tour

o-Ton

GEwaltige Preisspanne • 

Am 23. August startet das ­ aterial Girl ihre Welttournee M in Cardiff, eine Woche später landet sie auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Mrs. Ritchies Nettovermögen wird auf 800 Millionen Dollar geschätzt.

Wo New York, M.S. Garden Amsterdam, Arena

«bis zum Jahr 2020» Preise in Fr. 93–376 95–174

Paris, Stade de France

100–303

Rom, Stadio Olimpico

111–231

Frankfurt, CB Arena

122–329

London, Wembley

133–326

Düsseldorf, LTU Arena

133–313

Zürich, Dübendorf

150–319

Cardiff, Millennium Stad.

152

Berlin, Olympiastadion

161–313

Wien, Donauinsel

161–455

Ekkehard Schulz (66), Chef des deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp, litt anfangs unter den strengen deutschen Umweltauflagen. Jetzt profitiert auch sein Konzern davon, die umwelteffizientesten Anlagen der Welt zu haben. Sie sind rund um den Globus gefragt. Nach Meinung von Schulz kann die Umwelttechnologie die Automobilbranche gar als Leitindustrie ablösen – bis zum Jahr 2020. • 

13 | 2008 | BILANZ 53


trends lesen

Die besten neuen deutschsprachigen Wirtschaftsbücher

Denkhilfe für Manager

1. (1.) Patrick Rohr Reden wie ein Profi Beobachter, Fr. 45.– Reden lernen vom erfahrenen TV-Moderator.

«Hirnforschung für Manager» lautet der Untertitel dieses Buches. Wer sich nun fragt, was die beiden Dinge miteinander zu tun haben, sitzt schon in der Falle. Manager, sagen Manager, hätten stets das Interesse ihres Unternehmens im Auge. Sie müssen herausfinden, wohin sie dieses steuern wollen. Sie müssen zu ­jeder Zeit wissen, wo es steht; und sie müssen – zum Überbrücken der beiden Aggregatszustände – die richtige Strate­ gie entwickeln. Dass dies ohne Denken unmöglich ist, liegt auf der Hand. Mana­ gen ohne Hirn wäre mithin ein ziemlich verwegenes Vorhaben. Wie das Hirn funktio­niert, erklärt uns die Hirnfor­ schung – soweit sie es denn schon weiss. «Wir treten mit offenen Program­ men, die genetisch vorgegeben sind, in die Welt hinein», sagt der Hirnforscher Ernst Pöppel, «und wir werden in den kulturellen Rahmen hineingeprägt, in den wir hineingeboren sind.» Das gene­ tische Muster und die kulturelle Prä­ gung bescheren uns ein paar Stolper­ steine beim sinnvollen Entscheiden: Wir suchen meist eine Lösung für ein Pro­ blem (obwohl es fast immer mehrere

3. (7.) Max Otte Der Crash kommt Ullstein, Fr. 16.90 Spätestens 2010 platzt die Globalisierungsblase.

2. (2.) Norbert Winistörfer Ich mache mich selbständig Beobachter, Fr. 54.– Schritt für Schritt in die berufliche Selbständigkeit.

Was die Hirnforschung zur Unternehmensführung beitragen kann.

Ernst Pöppel Zum Entscheiden geboren Hanser Verlag, München, 247 Seiten, Fr. 36.–

4. (10.) Robert Sutton Der ArschlochFaktor Heyne, Fr. 14.90 Wie man mit Intriganten und Des­ poten im Unternehmen umgeht.

Lösungen gibt), wir lieben die einfachen Bilder (obwohl die PowerPoint-Welt nicht real ist), wir sind auf die Sprache angewiesen (obwohl sich damit nicht ­alles ausdrücken lässt), und wir ziehen schnelle Lösungen vor (weil wir Schnel­ ligkeit mit Kompetenz verwechseln). ­Indem uns die Hirnforschung solche Stolpersteine aufzeigt, hilft sie uns, diese zu vermeiden. Sie hilft den Managern, Distanz zu sich selber zu halten. Und das kann nicht schaden. Maja Wyss Gesamtnote: Erkenntniswert:

9 10

Stil:

9

Nutzwert:

8

Fotos: PR

bestseller

Michael Frayn Gegen Ende des Morgens Dörlemann Verlag, Zürich, 319 Seiten, Fr. 38.– Vor 40 Jahren auf Englisch erschienen, jetzt erstmals in deutscher Übersetzung: der satirische, selbstironi­ sche Roman über die unter­ gegangene Pressewelt der Londoner Fleet Street, die den Maxwells und Murdochs zum Opfer gefal­ len ist. Reinstes Lese­ vergnügen.

Loretta Napoleoni Die Zuhälter der Globalisierung Riemann Verlag, München, 382 Seiten, Fr. 33.90 Von den rus­ sischen Oli­ garchen über dubiose Hedge Funds bis zur ’Ndran­ gheta – das ungezügelte Walten des globalen Marktes bringt auch viele Sumpfblüten zum Blühen. Die renommierte Journalis­ tin zeigt ein exakt recher­ chiertes Bild der globalen «Schurken-Ökonomie».

Jürgen Schadeberg Jürgen Schadeberg Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 285 Abbildungen, Fr. 97.90 Eine foto­ grafische Dokumen­ tation, meist von den äus­ sersten Rändern der Gesellschaft. Die Schauplätze sind Süd­ afrika, mit und ohne Apart­ heid, Berlin, Glasgow, ­London und New York. Mit etlichen Bildern, die zu ­Klassikern der fotografischen ­Reportage geworden sind.

5. (3.) Anja Förster, Peter Kreuz Alles, ausser gewöhnlich Econ, Fr. 39.90 Nur wer einzigartig ist, bleibt kon­ kurrenzfähig. 6. (–) Gerald Reischl Die Google-Falle Überreuter, 34.80 Wie Google zum Big Brother wird. 7. (–) Gloria Beck Verbotene Rhetorik Piper, Fr. 18.90 Über die Kunst der skrupellosen Manipulation. 8. (9.) Hans Kissling Reichtum ohne Leistung Rüegger, Fr. 26.– Über die Feudalisierung der Schweiz. 9. (–) Trudy Dacorogna-Merki Stellensuche mit Erfolg Beobachter, Fr. 36.– Das praktische Handbuch für die Jobsuche. 10. (6.) Gabriele Stöger Wie führe ich meinen Chef? Orell Füssli, Fr. 29.80 7. Auflage – und die Chefs sind immer noch da.

Diese Rangliste wurde in Zusammenarbeit mit folgenden Buchhandlungen erstellt: Thalia (Basel), Orell Füssli (Zürich/ Luzern), Stauffacher (Bern), Rösslitor (St. Gallen), Meissner (Aarau), Krebser (Thun).

13 | 2008 | BILANZ 61


Invest Immobilien

Im Westen viel Neues

Trotz schlechten News vom internationalen Immobilienmarkt lassen sich Schweizer nicht vom Bauen abhalten. Am gewinnträchtigsten taten sie dies jüngst in der Region Genf.

So veränderten Sich die Hauspreise Ein durchschnittliches Musterhaus mit sechs Zimmern und 155 Quadratmetern Wohnfläche dient als Vergleich (Bild oben). Je nach Farbe in der Grafik haben sich die Preise für das Einfamilienhaus zwischen dem ersten Quartal 2003 und dem ersten Quartal 2008 in den Gemeinden ganz ­unterschiedlich entwickelt.

64 BILANZ | 13 | 2008


•  Stefan

Waldvogel Text

Aktiencrash und Angst vor einer hartnäckigen Inflation, dazu wiederkehrende Horrormeldungen von internationalen Immobi­ lienmärkten aus den USA, Spanien bis England. Viele Eigenheimbesitzer überlegen sich, was dies für sie selbst bedeuten könnte. Schliesslich ist das eigene Heim für viele das Wertvollste. Anders als bei Aktien weiss man eigentlich nur beim Verkaufen genau, wie viel die eigenen vier Wände aktuell wert sind. «Viele Leute sind sich nicht bewusst, dass die Preise nicht nur nach oben gehen können, und viele denken beim Kaufen eines Objekts auch nicht an eine spätere

Veräusserung», sagt Deborah Huber vom Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien (IAZI). In den vergangenen Jahren hat sich eine eigene Immobilie als Anlage für die allermeisten Besitzer gelohnt. Das IAZI analysiert die tatsächlich erfolgten Handänderungen und errechnet daraus Preisentwicklungen für jede Gemeinde der Schweiz. Das so entstandene Relief der Schweizer Immopreise der vergangenen fünf Jahre zeigt ein eindrückliches Bild: Speziell rund um Genf stiegen die Preise für ein durchschnittliches Einfamilienhaus in den vergangenen fünf Jahren teilweise um mehr als 70 Prozent. Spitzenreiter sind die Ge-

meinden direkt am See. Eher ein statistischer Ausreisser ist die kleine Walliser Gemeinde Grimentz, wo die Preise ähnlich nach oben schossen, aber nur wenige Transaktionen stattfanden. Einzelne Prestigeobjekte mit Fantasie- oder Liebhaberpreisen sind in der Übersicht nicht berücksichtigt. Insgesamt zeigt die Schweizer Karte die ungleiche Preisentwicklung. Mikrolage entscheidend. In der

Deutschschweiz sind es nur wenige Gemeinden rund um den Zürichsee, die deutlich nach oben schossen. Hier stechen insbesondere Zollikon, Kilchberg und etwas weiter weg Wollerau hervor (siehe Karte). Grosse Flächen sind hellgelb (0 bis 15 Prozent höhere Preise), und in den grün eingefärbten Gemeinden ist das IAZI-Musterobjekt in den letzten fünf Jahren gar günstiger geworden. «Viele unterschätzen die regionalen Unterschiede, die sich etwa durch Nachfrage, Lage, Steuern und diverse andere Faktoren ergeben», sagt Huber. Je nach Lage gibt es aber auch innerhalb der einzelnen Gemeinden grosse Unterschiede. Die Fachleute sprechen dabei von einer Mikrolage: Diese definiert den Charakter des Quartiers, die direkte Umgebung und Nachbarschaft, die Strassen- und Ver- •

Illustration: www.tnt-graphics.ch

Veränderung der Immobilienpreise seit 2003 (in Prozent) unter –10 –10 bis 0 0 bis 15 15 bis 25 25 bis 40 40 bis 55 55 bis 70 über 70

13 | 2008 | BILANZ 65


Invest Immobilien

Hypotheken

«Basar» an der Zinsfront

Die fünfjährigen Hypotheken sind derzeit deutlich zu teuer. Besser fährt man mit kurzfristigen Angeboten. Dabei gibt es auch klassische Lockvögel. Nun leiden auch die Hypothe-

mit kurzfristigen Libor-Zinsen abzuschliessen, die vergleichbar günstig wie variable Hypotheken sind. «Mit einer Libor-Hypothek profitiert man aber auch schneller, wenn die Zinsen im Herbst zurückgehen sollten.»

karschuldner unter der Banken­krise. Vorab die Zinsen für die klassischen fünfjährigen Festhypotheken sind in den vergangenen Monaten stark angestiegen und liegen mittlerweile deutlich über vier Prozent. Lorenz Heim vom HypothekenZentrum spricht von einer «speziellen Situation», bei der die langen und mittleren Laufzeiten praktisch gleich teuer sind (siehe Grafik unten). Aktuell spricht für ihn fast nichts für einen konventionellen Fünfjahresabschluss. Die Sätze dürften sich laut Heim im Herbst wieder etwas nach unten anpassen. Er beobachtet derzeit einen kleinen Run auf die Pensionskassen. Immer mehr Leute verschulden sich bei ihrer PK statt bei der Bank. So zahlen etwa Luzerner Staatsangestellte derzeit lediglich 3 Prozent auf variable Hypotheken, öfters liegt der Satz bei immer noch günstigen 3,5 Prozent. Bis September dürfte sich dieser Zins nicht mehr gross ändern, erwartet Heim. Mit den relativ langen Kündigungsfristen von variablen Hypotheken ist man als Schuldner derzeit am günstigsten, dafür etwas weniger flexibel. Das HypothekenZentrum empfiehlt deshalb, einen Teil der Schulden

Klar sei aber, dass der Kampf

um gute Schuldner dazu führe, dass die offiziellen Sätze längst nicht mehr überall gelten. Speziell die UBS gelte derzeit als «Preisbrecher», beobachten mehrere Hypotheken-Broker. Sie hat Angst um ihre Kunden und versucht, diese mit allen Mitteln zu halten. Für Heim ist der Markt aktuell «wie ein Basar», man muss bloss weglaufen, und die Bank läuft mit einem besseren Angebot hinterher. Mit einem marktschreierischen Lockvogelangebot etwa. «Ab 2,9 Prozent Hypozins» wirbt auch die Staatsbank ZKB um neue Kunden. Allerdings gilt das Angebot bloss für ein Jahr und nur unter Bedingungen. Da kann man von einem Lockvogelangebot sprechen, das die wenigsten Kunden auch tatsächlich erhalten. Und weil die Libor-Zinsen bei gut 2,8 Prozent liegen, muss man laut Heim spätestens in einem Jahr draufzahlen. SW

6

in Prozent

5 4 3 2 3 Monate 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre

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Quelle: HypothekenZentrum. © BILANZ-Grafik

66 BILANZ | 13 | 2008

05

06

07

08

Höhenluft Trotz heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten zeigen die Hypozinsen in den vergangenen Monaten deutlich nach oben. Die fünfjährigen sind mittlerweile fast so teuer wie zehnjährige.

kehrsanbindung oder die Immissionen, etwa durch eine stark befahrene Hauptstrasse. Schliesslich ist jede Immobilie ein Unikat und nur indirekt mit anderen zu vergleichen. Immerhin hilft nun ein neues Vergleichsmittel von Comparis dabei, genauer hinzuschauen: Der Internet-Vergleichsdienst macht die Inseratedaten von Immobilien der letzten 48 Monate öffentlich und kostenlos zugänglich. Damit ist erstmals auch für private Immobiliensuchende nicht nur ein aktueller, sondern auch ein historischer Vergleich von Preisen für Miet- und Kaufobjekte in der ganzen Schweiz möglich. So kann man seine eigene oder eine Wunschadresse anklicken und direkt auf der Karte sehen, wie viel eine Wohnung im letzten Inserat oder früher gekostet hat. Das war bisher Profis vorbehalten. Wissen, was die Häuser kosten, ist das eine, sie selber zu kaufen, eine ganz andere Entscheidung. Bisher haben sich Herr und Frau Schweizer jedenfalls kaum von den international schlechten Nachrichten aus dem Häusermarkt aufschrecken lassen. Die Hypothekarausleihen nahmen bis zum April nochmals leicht zu. Laut Zahlen der Nationalbank beanspruchten allein die Privathaushalte zuletzt mehr als 507 Milliarden Franken an Hypotheken. Die Baugesuche gingen zwar kurzfristig zurück, aber im ers-

Rund um Genf ­stiegen die Preise für Einfamilienhäuser zum Teil um über 70 PRozent.  •

ten Quartal 2008 ist die Zahl der neuen Projekte wieder um gut 20 Prozent gestiegen. «Alle erwarten den Abschwung, aber er ist noch nicht zu spüren», fasst Dieter Marmet, Volkswirt beim Beratungsunternehmen Wüest & Partner, zusammen. Allerdings erwartet auch er weiterhin einen Trend hin zu grossen Zentren. «Der Weg von einer Industrie- zur Wissensgesellschaft führt international zu einer Konzentration auf gewisse Gebiete und dem Abzug aus den Randregionen mit den bekannten Folgen.» Er rät allerdings, in erster Linie auf persönliche Bedürfnisse zu achten. Niemand wisse, ob das Landleben nicht plötzlich wieder im Trend liege und die Städte zu teuer oder gar «vergiftet» würden, so der Fachmann. Das


gelte auch für den Zins: «Vergessen Sie den aktuellen Hyposatz, und schauen Sie, ob die Schulden auch im langfristigen Mittel von fünf oder gar sechs Prozent tragbar sind.» Und er fügt an: «Wenn Ihnen ein Objekt persönlich passt, kaufen Sie es, unabhängig von Investitionsüberlegungen.» Schliesslich wird ein Haus auch hierzulande nicht mehr gekauft, um darin das ganze Leben zu verbringen: Bei Einfamilienhäusern sind es im Schnitt 20 Jahre, bei Eigentumswohnungen derzeit 14 Jahre.

Foto: XXXXXXXXX

Zürich favorisiert. Unabhängig von

der Haltefrist sieht Pius Zgraggen von OLZ & Partners Immobilien öfters als ein Klumpenrisiko. «Bei vielen sind sie ein sehr grosser, aber auch nicht liquider Teil ihres Gesamtvermögens und dazu noch oft mit viel Fremdkapital finanziert», beobachtet der Finanzspezialist. Dabei sind auch für ihn Immobilien nicht a priori ein sicherer Wert. «Die Immopreise können sich schnell ändern, wie nicht zuletzt die Fluglärmdebatte rund um Kloten zeigte.» Anderseits dürfte sich an den grossen Trends auch künftig nur wenig ändern: So rät etwa Jan Eckert, Managing Director bei Sal. Oppenheim Real Estate, weiterhin auf die Zentren zu setzen. «Dort, wo sich die wirtschaftlich stärksten Wachstumsparameter zeigen und damit das stärkste Bevölkerungswachstum stattfindet, soll man auch Wohneigentum kaufen. Damit gelten Zürich und Genf mit ihren unmittelbaren Agglomerationen als meine Favoriten.» Die meisten Ausländer kennen nur Zürich und Genf und ein paar Skiorte, beobachtet auch Robert Ferfecki, der für Henley & Partners sehr reichen Menschen hilft, sich in der Schweiz niederzulassen. Der Sog nach Zürich ist laut Ferfecki «ungebrochen», und schliesslich seien auch die Top­ lagen «im Vergleich zu London immer noch relativ günstig». Allerdings versucht er immer wieder, seine Kunden von attraktiven Alternativen zu überzeugen: «Von Weesen am Walensee ist man in 35 Minuten am Bellevue, hat immer Sonne und ein eigenes fast subtropisches Mikroklima. Im Angebot steht zurzeit beispielsweise gerade ein 12  000 Quadratmeter grosses Grundstück mit fantastischem See- und Alpenpanorama. «Da hat man wirklich die gewünschte Privacy», sagt Ferfecki. Der Kostenpunkt: bescheidene fünf Millionen Franken. • • 

Hören Sie diesen Text auf www.bilanz.ch/hoerbilanz

Immobilienpreise weltweit Preisveränderung in verschiedenen Ländern seit 2003 in Prozent Estland Polen Frankreich Spanien Dänemark Belgien Schweden Norwegen Grossbritannien Italien Griechenland Malta Finnland Irland Österreich Niederlande Schweiz Portugal Deutschland

179,55 128,80 74,21 70,77 63,75 63,10 58,71 54,85 49,55 47,46 47,44 44,19 36,50 33,16 23,93 20,91 17,03 13,17 1,34

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50

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Quelle: www.globalpropertyguide.com. © BILANZ-Grafik

Preisexzesse im Osten Im internationalen Vergleich sind die Immobilienpreise in der Schweiz in den vergangenen fünf Jahren nur sehr ­moderat gestiegen: Im Schnitt waren es insgesamt gut 17 Prozent. Laut einer Übersicht von Global Property Guide schossen die Preise für Häuser und Wohnungen speziell im Osten nach oben: Spitzenreiter ist Estland mit 180 Prozent, vor Polen mit knapp 130 Prozent. Diese Länder sind aber von deutlich tieferen Preisniveaus aus gestartet, und insgesamt sind die Märkte dort viel risikoreicher als jener der Schweiz. Grosse Rückschläge werden vorab dort erwartet, wo die grössten Preisexzesse stattgefunden haben.

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invest •

6727 FRanken

nach 20 Jahren SMI

Von neuen Konkurrenten umzingelt: Die Aktie der Deutschen Börse ist unter Druck.

Börsenaktien

Sinkflug geht weiter 140

in US-Dollars

Deutsche Börse

Fotos: Getty Images, Martin Lengeman / Intro

Börsenaktien sind massiv getaucht und nun ver-

meintlich günstig bewertet. Doch beziehen sich die Bewertungen auf die rosige Vergangenheit. Die Perspektiven indes sind düster. Manche dieser Aktien wurden durch Übernahmespekulationen hochgetrieben. Die wichtigsten Karten jedoch sind inzwischen verteilt. Zudem droht den etablierten Börsen neue Konkurrenz: Am 15.  August starten neun Grossbanken, darunter UBS und Credit Suisse, ihre eigene Handelsplattform Turquoise im Testlauf, ehe dann ab Anfang September 50 Mitglieder 1500 Titel ­handeln können. Über die paneuropäische Börsenplattform in Amsterdam soll nach einem halben Jahr ein Fünftel des europäischen Aktienhandels abgewickelt werden. Eine weitere Konkurrentin ist die von der Nomura-Tochter Instinet betriebene Plattform Chi-X. Die beiden Plattformen werden die Handelsvolumen der etablierten Börsen, die durch die Finanzkrise bereits stark rückläufig sind, zusätzlich unter Druck setzen und die bis anhin satten Margen erodieren lassen. Die Aktie der Deutschen Börse wird zusätzlich durch den drohenden Ausstieg der Hedge Funds Atticus und The Children’s Investment belastet. RY

• Vor 20 Jahren wurde an der Schweizer Börse der Leitindex SMI (Swiss Market Index) ins Leben gerufen, gebildet aus den 20 grössten und liquidesten Firmen. Wer in diesen Jahren genau nach dem Index investiert hat, erzielte aus 1000 Franken einschliesslich einer Dividendenrendite von zwei Prozent einen Ertrag von 6727 Franken. Rentabler war eine Anlage in den gleich alten deutschen Leitindex DAX: Aus 1000 Franken wurde über die Jahre ein Guthaben von 10  550 Franken. Nicht nur war die Performance besser, auch die reinvestierte Dividende ist höher ausgefallen. RY

110 80 50

Bloomberg-Index Finanzdienstleister (angeglichen)

20 06

07

08

SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

Im Keller Die Deutsche Börse ­leidet seit Jahresbeginn überdurchschnittlich ­unter der Börsenkrise.

Zitiert

Nicolas Berggruen (46)

«Ich habe mein Geld im Finanzsektor gemacht. Jetzt investiere ich in die reale Welt – in Grund, in Dinge, die für Genera­ tionen bestehen.» Milliardär und Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen 13 | 2008 | BILANZ 63


Invest  Service

3× gefragt AktIen, Fonds und Zertifikate Aktien-Tipp

Fonds-Tipp

Zertifikate-Tipp

«Nachfrageimpulse»

«Grosse Erfahrung»

«Doppelter Vorteil»

80

in US-Dollars

Zimmer

70

340

in Franken

Pictet Fund (Lux) Biotech

95

2008 Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

Herr Huber, welche Aktie halten Sie für die nächsten zwölf Monate für besonders attraktiv? • Zimmer Holdings (Valoren-Nr. 1  262  932). Warum? • Die US-Medtech-Firma engagiert und entwickelt, produziert und vertreibt ­orthopädische Implantate. Zimmer ist in über 70 Ländern tätig und erwirtschaftet rund 45 Prozent des Umsatzes ausserhalb der USA. Dadurch kann sie auch von der tiefen Dollarbewertung profitieren. Sie ist exzellent positioniert im Bereich der Hüft- und Gelenkprothesen. Mit einem überwiegenden Teil der Produkte hält sie weltweit die Marktführerschaft. Zimmer profitiert von der Alterung der Gesellschaft und der dadurch steigenden Nachfrage nach künstlichen Gelenken. Auch liefert die zunehmende Fettleibigkeit in Industrie- und Entwicklungsländern starke Nachfrageimpulse. Zimmer ist gegenüber den Konkurren­ ten und dem S&P 500 attraktiv bewertet. Was ist das grösste Risiko? • Klagen im Zusammenhang mit fehlerhaften oder verunreinigten Implantaten dürften zu enormen Schadenersatzansprüchen führen. Dies musste auch die von Zimmer akquirierte Centerpulse (ehemals Sulzer Medica) auf schmerzliche Weise erfahren.

ABB

75

250

Amex Biotech (angeglichen)

220 2005

2006

2007

55

2008

Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik

Herr Maurer, welchen Fonds halten Sie für die nächsten zwölf Monate für ­besonders attraktiv? • Wir sehen gute Chancen für den Pictet Fund (Lux) Biotech-P Cap (Valoren-Nr. 891  431). Warum? • Das überdurchschnittliche Potenzial des Sektors und die Qualität des Fondsmanagements überzeugen. Die historisch tiefen Bewertungen des ­gesamten Sektors und die anhaltend hohen Wachstumsraten untermauern die Chancen. Zudem ist der Sektor wenig konjunktursensitiv und hilft der Diversifikation in einem Aktienport­ folio. Der zweite Grund, das hervorragende Fondsmanagement, stellt sicher, dass man von diesen Chancen auch profitieren kann. Michael Sjöström und sein Team verfügen über einen Leistungsausweis, wie man ihn nur selten findet. Der Fonds hält sich seit seiner Lancierung Ende 1995 regelmässig an der Spitze. Die grosse ­Erfahrung der Manager, die seit Auf­ legung für den Fonds verantwortlich zeichnen, lassen eine Weiterführung des Erfolges erwarten. Was ist das grösste Risiko? Abgesehen vom generellen Trend an den Aktienmärkten ist die Stabilität des Management-Teams wichtig. Rolf Maurer, Partner der Bevag Better Value AG

65 Franken

24.60

28.32 30.98

© BILANZ-Grafik

Herr Hagl, welches Zertifikat halten Sie für die nächsten zwölf Monate für besonders attraktiv? • Das Discount-Zertifikat auf ABB von Sal. Oppenheim (ValorenNr. 3  771  177). Warum? • Rabattpapiere spielen in der Schweiz noch keine grosse Rolle, obwohl sie aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten heraus überzeugen und zudem steuerliche Vorzüge bieten. Das konkrete Produkt gewährt einen Abschlag von gut einem Fünftel auf den Kurs der ABB-Aktie. Solange der Valor den Discount bis zum Laufzeitende nicht aufbraucht, sind Verluste ausgeschlossen. Zugleich ist eine Rendite von 9,4 Prozent möglich. Vorausgesetzt, dass der Basiswert am 20.  März 2009 auf oder über dem Maximalbetrag von 24.60 Franken schliesst. Damit hat ABB gut 13 Prozent Spielraum nach unten. Wegen der unterjährigen Laufzeit sind alle Erträge als steuerfreier Kapitalertrag klassifiziert. Was ist das grösste Risiko? • Der Elektronikkonzern zeigte sich bisher immun gegen die Eintrübung der globalen Konjunktur. Sollten der starke Auftragseingang und die enorme Gewinndynamik nachlassen, drohen dem nicht mehr allzu günstigen Blue Chip Rückschläge. Wolfgang Hagl, Chefredaktor «ZertifikateJournal Schweiz» Fotos: PR

Werner Huber, Head of Research Atag Asset Management (AAM)

in Prozent

DiscountZertifikat

85

280

S &P 500 (angeglichen)

115 105

310

60 50

360

68 BILANZ | 13 | 2008


Depotanalyse

Sorgenlos geniessen Eine komfortable Vermögenssituation erlaubt den Verzicht auf gewagte Anlagen. Das Inflationsrisiko aber bleibt bestehen.

Finanziell abgesichert. Bei dieser

komfortablen Ausgangslage kann auf Anlagen mit erhöhtem Risiko vollständig verzichtet werden. Auch ohne Aktienanlagen und ohne komplizierte strukturierte Produkte mit ungewissen Steuerfolgen kann das Anlageziel Werterhaltung erreicht werden. Steuerfallen umgehen. Alle kapi-

talgeschützten Produkte haben Obligationencharakter. Es wird indirekt einkommenssteuerpflichtiger Zins vereinnahmt. Wenn immer möglich sollten diese Anlagen vor Verfall veräussert werden. Überraschungen vermeiden. Ver-

meintlich hochrentable Obligationenanlagen – wie Kick-in Goals – werden bei fal-

lenden Kursen plötzlich zu riskanten Aktienanlagen mit hohen Einstandspreisen und entsprechenden Buchverlusten. Schreckgespenst Inflation. Die

Inflation ist eine ernst zu nehmende Gefahr. Nach einer inflationsfreien Phase von beinahe 15 Jahren kommt die Inflation zurück. Sie ist der grösste Feind für ältere Perso­nen mit Renteneinkommen und Obligationenanlagen. Als Alternativanlage kommt Gold bis zu fünf Prozent des Vermögens in Frage. Wie weiter? Neben dem sukzessiven

Verkauf der Aktienposition und der kapitalgeschützten Produkte vor Endverfall liegt das Hauptgewicht bei einer geschickten Staffelung der Obligationenlaufzeiten. Da die Zinskurve momentan noch sehr flach ist, fällt der Entscheid für Laufzeiten von zwei bis drei Jahren nicht schwer. Kurze Laufzeiten senken das Verlustrisiko bei steigenden Zinsen. Auch Anleihen und Obligationenfonds mit Inflationsschutz bieten sich an. Bei den Fondsprodukten sind jedoch die Kosten genau zu beachten.

So sieht das depot aus Bezeichnung Obligationen und ähnliche Anlagen

Fotos: PR

aktienähnliche Anlagen diverse Fonds

Kurswert in Franken

CHF Obligationen kurze Laufzeiten

369  000

EUR Obligationen kurze Laufzeiten

81  000

NZD Obligationen kurze Laufzeiten

Aktien und Aktienfonds

104  000

Total Obligationen und ähnliche Anlagen

638  000

Einzelpositionen Schweiz

236  000

Aktienfonds Ausland

245  000

Total Aktien

481 000

Strukturierte Produkte auf Index und Aktien Total aktienähnliche Anlagen

47,19

80 000 80 000

Total Aktien und aktienähnliche Anlagen

561 000

Anlageziel- und Immobilienfonds

153 000

Total Anlagen

in %

84  000

Produkte mit Kapitalschutz

Total diverse Fonds

Eher abbauen als aufstocken BILANZ-Experte Michael Frei über Fondsgewichtung.

René Weibel von Weibel Hess & Partner (r.weibel@whp.ch)

Ausgangslage. Die Eheleute S. und

S.W. sind mehr als 80 Jahre alt und haben eine Tochter. Sie verfügen über ein jährliches Renteneinkommen von 240  000 Franken. Dazu kommen Wertschriften­ erträge von 90  000 Franken. Neben dem Wertschriftendepot von 1  350  000 Franken verfügt das Ehepaar über ein Sparguthaben beim ehemaligen Arbeitgeber von 1  700  000 Franken, verzinst zu 3,5 Prozent. Das selbst bewohnte Einfamilienhaus und eine kleine Ferienwohnung sind bei einem Verkehrswert von rund 1  300  000 Franken unbelastet. Das Gesamtvermögen beträgt 4  350  000 Franken. Die Anlagepolitik ist konservativ, auf Werterhaltung ausgerichtet.

Frage & Antwort

41,49

153 000

11,32

1  352 000

100,00

Frage: Ich habe zwölf Prozent meines Depots in 100 Anteile des CS Equity Fund Global Pharma (Valoren-Nr. 277  265) investiert. Der aktuelle Kurswert liegt bei etwa 100  000 Franken, gegenüber 180  000 im Jahr 2000 und 91  600 Franken beim Kauf vor zehn ­Jahren. Soll ich aussteigen oder gar aufstocken? Erich J. aus L. Antwort: Die Performance des Fonds lag in den letzten fünf Jahren bei –0,9 Prozent in Franken gerechnet und damit hinter dem MSCI World Health Care Index, der 2,3 Prozent zulegte. Seit August 2007 gelang zwar der neuen Managerin Anne ­Marieke Ezendam diesbezüglich die Trendwende, doch dem allgemeinen Abwärtssog vermochte sie den Fonds auch nicht zu entziehen. Den Entscheid sollten Sie aber nicht nur aufgrund der Leistung des Fonds fällen. Grundsätzlich scheint mir der Anteil des Fonds am Gesamtwert Ihres Depots mit zwölf Prozent etwas hoch zu sein. Ein weiterer Ausbau ist deshalb nicht ratsam. Eher sollten Sie die Diversifikation ­Ihrer Vermögensaufteilung und Ihrer Aktienanlagen überprüfen und allenfalls ­diese Fondsposition verringern. Kostenloser Leserservice. Ihre Fragen zu Anlagefonds oder struk­­ turierten Produkten können Sie online unter www.bilanz.ch/investberatung an unsere Experten Heinz Kubli und Michael Frei einreichen. Für die Depotanalyse senden Sie eine Kopie Ihres Depotauszuges mit Angabe von Alter, Zivilstand, ungefährem Einkommen und übrigem Vermögen sowie einer Kontaktadresse an: WH&P Weibel Hess & Partner AG, René M. Weibel, BILANZ-Depot, Postfach, 6371 Stans. 13 | 2008 | BILANZ 69


INVEST SERVICE

Jan-Egbert Sturm über Inflation

Spitze im Sommer erreicht Löst die aktuelle Inflationswelle keine Lohn-Preis-Spirale aus, dürften die Teuerungsraten diesen Sommer den Zenit erreichen. Jan-Egbert Sturm, Leiter KOF Konjunktur­ forschungsstelle ETH Zürich

Die höheren Brenn- und Treibstoff-

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Linie dazu genutzt werden, die Produktivitätsfortschritte gerecht zwischen Arbeitnehmern und -gebern zu verteilen. Zusätzliche Inflationskompensation birgt die Gefahr, eine Lohn-Preis-Spirale auszulösen. Nur wenn dies vermieden werden kann, wird die jetzige Inflationswelle auf Einmaleffekte der gestiegenen Erdöl- und Nahrungsmittelpreise beschränkt bleiben.

Die Glaubwürdigkeit von EZB und SNB und von deren Einsatzbereitschaft im Falle einer virulenten Inflationsgefahr hat ihren Niederschlag in der jüngsten KOF-Prognose gefunden: Die KOF geht davon aus, dass die Teuerungsraten diesen Sommer ihren Zenit erreichen werden und danach eine Normalisierung eintritt. Natürlich tragen hierzu auch die Beruhigung der Wirtschaftsdynamik und der leichte Anstieg des Frankens mit der damit verbundenen Milderung der importierten Inflation bei. Schliesslich hilft auch der steigende internationale Wettbewerbsdruck, der es zumindest für den nicht geschützten Teil der Schweizer Wirtschaft schwierig macht, Kostenerhöhungen auf die Preise zu überwälzen.

langfristzinsen steigen Zins- und Währungsprognosen von Jan-Egbert Sturm aktuell 1 Schweiz

EU

USA

Japan

CHF Dreimonatszins2 Bundesobligationen 10-jährig CHF/Euro Dreimonatszins2 Staatsobligationen 10-jährig (Euroland) CHF/Dollar Dreimonatszins2 10-jährige Treasury Bonds CHF/Yen Dreimonatszins2 Staatsobligationen 10-jährig

1 Gemäss Bloomberg. 2 Euromarkt.

– 2,80% 3,13% 1.62 4,96% 4,39% 1.03 2,79% 3,80% 0.96 0,93% 1,58%

in 3 Mt.

in 12 Mt.

Foto: Anne Morgenstern

preise sind nicht ohne Folge für die Inflation geblieben. Für die Schweiz müsste schon ein kleines Wunder geschehen, wenn die durchschnittliche Teuerung für 2008 unter zwei Prozent bleiben sollte. Gleichzeitig schwächen sich die BIP-Wachstumsraten ab. Schlittern wir damit wieder in eine Stagflationsphase, wie wir sie aus den siebziger und den frühen achtziger Jahren kennen? Nein. Inflationsraten um zehn Prozent wie 1973/74 oder über sechs Prozent wie 1981/82 werden wir – trotz Verfünffachung des Ölpreises in den vergangenen fünf Jahren – wohl kaum erleben. Dies ist in erster Linie dem Verhalten der Zentralbanken zu verdanken. Damals wurden die relativen Preis­erhöhungen der Energieprodukte vorwiegend über die Lohnentwicklung in allgemeine Preissteigerungen umgesetzt. Wie wir heute wissen, hat dies nicht zum erhofften Kaufkrafterhalt geführt, sondern die Inflation noch mehr ­angekurbelt. Damit wurden notwendige Anpassungsprozesse verzögert, arbiträre Umverteilungseffekte ausgelöst und allgemeine Planungsunsicherheiten kreiert. Diese Zweit­rundeneffekte sollten unbedingt vermieden werden. Die EZB ist mit ihrer Rhetorik schon seit Jahren hierauf ausgerichtet und predigt Lohnmoderation und Wettbewerb. Langsam, aber sicher folgt jetzt auch die SNB: Die Lohnabschlüsse sollten in erster


Gewinnbezug – Besser in die PK statt Barauszahlung

Foto: Getty Images

Das neue Steuergesetz macht Gewinn­entnahmen für KMU steuerlich attraktiver. Mit ­negativen Folgen für die Vorsorge. Die Unternehmenssteuer­ reform II tritt am 1.  Januar 2009 in Kraft, und die meisten Kantone setzen ähnliche Vorlagen um. Das Ziel sind klare Steuererleichterungen für die Kleinen. Bisher müssen AG und GmbH ihre Gewinne vollständig versteuern. Zudem bezahlen die Gesellschafter Steuern für ihre Dividenden. Deshalb beziehen die meisten KMU-Inhaber lieber einen höheren Lohn, als grosse ­Unternehmensgewinne auszuweisen. Dadurch sind ­regelmässige Diskussionen mit den Steuerbehörden ­programmiert. Attraktive Löhne wecken allzu leicht den Verdacht einer verdeckten Gewinnausschüttung. Dank der Steuerreform gelten tiefere Steuersätze für die Unternehmensgewinne und für die ausbezahlten ­Dividenden der Hauptteil­ haber. Dies sind Gesellschafter mit einer Beteiligung von mehr als zehn Prozent am Grundkapital. KMU-Inhaber, die zudem ihre Steuern ­optimieren möchten, entscheiden sich künftig besser für einen ­Gewinnbezug als für einen hohen Lohn. Damit verlagern vermutlich auch die Steuerbehörden ihre Aufmerksamkeit: Sie werden ­prüfen, ob sich die KMU­Inhaber angemessen hohe Löhne ausbezahlen.

Wer so Steuern optimiert, sollte auch die Auswirkungen auf die Vorsorge berücksichtigen. Ein Inhaber eines KMU, der seinen Lohn zugunsten des Gewinns reduziert, vermindert die Vorsorgeleistungen für sich und seine Hinterbliebenen. Denn für die Pensionierung sowie im Todes- oder Invaliditätsfall bestimmt der versicherte Lohn die Leistungen. Damit wird ein kurzfristig positiver Effekt längerfristig zu einem Bumerang. Im Gegensatz zum privaten ­Vermögen sind die Pensionskassen-Guthaben genauso ­unantastbar wie ­private ­ Lebensversicherungspolicen: Sie bleiben immer im persönlichen Besitz des Inhabers. Zudem bringen die Vorsorgegelder einen garantierten ­Ertrag. Denn die Pensionskasse verzinst das Kapital zum gesetzlichen Mindestsatz. Selbst bei einem Konkurs ­geniessen die Pensionskassengelder ­einen ­besonderen Schutz. Und auch steuerlich rechnet sich der «Pensionskassen-Lohn»: je höher der versicherte Lohn (maximal 795  600 ­Franken), umso grösser das Einkaufspotenzial. Dies bringt erhebliche Steuerersparnisse. Die Einkäufe in die Pensionskasse können vom steuerbaren ­Einkommen vollständig abgezogen werden. Für Kapitalauszahlungen gilt ein vergünstigter Steuersatz. Und weil das Pensionskassenkapital keine Vermögenssteuer kostet, entsteht über die Jahre gar noch ein weiterer Steuervorteil. Martin Wechsler, BILANZ-Vorsorgeexperte, www.alters-vorsorge.ch

Besitzer kleiner Betriebe bezahlen höhere Gewinnentnahmen mit einer schlechteren Vorsorge im Alter.

Links zur KMU-Steuerreform • 

Die Unternehmenssteuerreform II wurde am 24.  Februar 2008 mit einer hauchdünnen Differenz von 20  000 Stimmen angenommen. Der Bundesrat setzt die Reform auf den 1.  Januar 2009 in Kraft. Die Kantone müssen die Anpassungen innert zweier Jahre vornehmen. Der Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse führt ein eigenes Dossier zur KMU-Steuerreform. Weitere Infos unter «Dossiers» auf www.economiesuisse.ch. • 

Als KMU gelten Unternehmen mit weniger als 250 Arbeit­ nehmenden. Sie bilden das Rückgrat der schweizerischen Wirtschaft. In der Schweiz gibt es zurzeit mehr als 300  000 KMU. Der Bund führt ein spezielles Portal für KMU-Themen: www.kmu.admin.ch. Neben der Behandlung von Steuerfragen bietet der Bund dort unter anderem einen virtuellen Schalter für Firmengründungen. 13 | 2008 | BILANZ 71


invest Inside Bahnhofstrasse

Frank Goldfinger

Das land des hechelns Wenn Sie diese Zeilen lesen, weile ich bereits

in Japan. Ich reise so alle eineinhalb bis zwei Jahre ins Land des Lächelns – und wundere mich jedes Mal, wie geschäftig es überall zu- und hergeht, wie die Japaner in altbekannter Manier Überstunden leisten, meist unbezahlt, auch am Samstag ins Büro hetzen, auf ­einen Teil ihrer Ferien verzichten – selbstverständlich zugunsten ihres Arbeitgebers. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass vieles Fassade ist. Japan geht es zwar recht gut, doch das Land hat sich nie mehr richtig ­erholt von den Folgen der gewaltigen Spekulationsblase, die Anfang der neunziger Jahre platzte. Was damals in Japan folgte, war ein verlorenes Jahrzehnt, geprägt vom geringsten Wirtschaftswachstum aller OECD-Länder sowie von einer zerstörerischen Deflation. Japan ist in den letzten zwei Jahren wieder etwas forscher gewachsen, doch hinkt das Land den USA und Europa hinterher. Dennoch ist Japans Börse Mitte März unversehens zu frischem Leben erwacht, hat innert weniger Wochen um beachtliche 20 Prozent haussiert – und plötzlich ist die halbe (In-

Seit Jahren rennt Japan einem nachhaltigen Konjunkturaufschwung vergeblich hinterher. 72 BILANZ | 13 | 2008

vestoren-)Welt heiss auf Nippons Aktien, die vorher niemand haben wollte. Auch Börsenauguren zuhauf empfehlen die Titel. Unter allen ins Feld geführten Kaufgründen kann ich nur ein zugkräftiges Argument ausmachen: Japanische Aktien sind mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 günstig bewertet. Eine Unterbewertung alleine reicht jedoch nicht aus, die Börse ausdauernd zu beflügeln. ­Aktien können noch so billig sein: Wenn ein kräftiges Wirtschaftswachstum und damit die Aussicht auf höhere Unternehmenserträge fehlen, hält sich die Nachfrage nach Dividendenpapieren in Grenzen. Eine Konjunkturbelebung allerdings ist nicht auszumachen. Sogar Finanzminister Fukushiro Nukaga spricht von einer Stagnation. Diverse Frühindikatoren deuten nun sogar auf eine ­klare Abschwächung der Wirtschaft hin. Bereits in den vergangenen Monaten wurden die Gewinnprognosen für Unternehmen zurückgenommen, weitere Korrekturen sind zu erwarten. Auch sonst sind kaum positive Nachrichten zu vernehmen. Und als exportorientierte Nation wird Japan die globale Konjunkturabkühlung überdurchschnittlich stark zu spüren bekommen. Es wäre erfreulich, wenn das Inselreich endlich wieder aus dem Kriechgang herausfinden würde. Ich befürchte jedoch, Japan wird in diesem und wohl auch im nächsten Jahr weiterhin einem spürbaren Wirtschaftsaufschwung hinterher-

Foto: Keystone

Japan hechelt dem grossen Wirtschaftsaufschwung seit Jahren hinterher; die Holcim-Aktien wurden zu Unrecht in den Keller geprügelt; miese Performance von Euro-08-Anlagen.


hängt. Das Wunder von Córdoba, von dem sich das Produkt den Namen gelie140 in Franken hen hat, ist auf dem Fussballfeld ebenso ausgeblieben, wie das PerformanceSMI (angeglichen) HOLCIM HALTEN. «Ende 2007 haben Wunder wohl auch für die Anleger nicht 120 Sie die Holcim-Aktien zum Kauf empin Erfüllung gehen wird. Ja, diese könfohlen. Doch seither ist der Kurs stark nen sogar froh sein, wenn sich die Ver100 gefallen. Nun verliere ich langsam die luste dank dem Kapitalschutz im RahNerven. Soll ich den Schaden begrenzen men halten. Holcim und aussteigen?» Ich verstehe den Ärger Noch schlimmer ergeht es jenen In80 des Lesers. Der enttäuschende Kursvervestoren, die sich das Zertifikat der Baslauf von Holcim ist erstaunlich. Sicher, ler Kantonalbank ins Depot gelegt haJuli 2007 2008 Juli an den Börsen herrscht seit Monaten ben. Auch hier wird auf einen besonderen Quelle: SmallCharts, Bloomberg. © BILANZ-Grafik Jammerstimmung. Die Papiere des Effort von 15 Aktien gewettet, die mit Schweizer Zementkonzerns dagegen stegrosszügiger Interpretation etwas mit hen überdurchschnittlich unter Druck: Seit Anfang dieses Jah- der Euro 08 zu tun haben. Die Rendite des Zertifikates richres haben sie 36 Prozent an Wert verloren, der Börsenindex tet sich nach der durchschnittlichen Performance dieses SMI dagegen büsste «nur» 20 Prozent ein. Korbes, der Schweizer Aktien wie Kudelski oder Jelmoli entDer Verkaufsdruck lässt sich teilweise erklären. So hat sich hält. Die Anleger können nur hoffen, dass wenigstens der bisdas konjunkturelle Umfeld etwas bewölkt. Zudem bekommt her in gerade mal zwei Monaten aufgelaufene Verlust von fast Holcim als mächtiger Energieverbraucher die stark gestiege- 40 Prozent bis in einem Jahr, dem Ende der Laufzeit, aufgenen Preise für Erdöl, Gas oder Strom zu spüren; von den Her- holt sein wird. stellungskosten entfallen gut zwei Fünftel auf die Energie. In der Schweiz wurden glücklicherweise weiter gehende SpieDennoch hat die Börse in meinen Augen überreagiert. Dafür lereien der Finanzbranche eingeschränkt. Im Vorfeld der Fusssind die Titel heute billig zu haben. Auch wenn ich die Gewinn- ballweltmeisterschaft 2006 war die Credit Suisse gebüsst worschätzung für 2008 reduziere, stellt sich das Kurs-Gewinn- den wegen eines Produktes, das dem Córdoba-Zertifikat glich. Verhältnis auf interessante 7,3. Wer Geduld hat und Blue Deshalb haben sich die Banken auf harmlosere Prognosen einChips bevorzugt, ist mit Holcim gut beraten, zumal das War- gelassen. Allerdings ebenfalls mit nur mässigem Erfolg. Die ten auf bessere Zeiten, sprich Kursgewinne, durch eine attrak- Ökonomen der UBS zum Beispiel haben berechnet, welches tive Dividendenrendite von 4,3 Prozent verkürzt wird. Team Europameister werden sollte. Demnach hätte Tschechien den Pokal geholt, und die Schweiz wäre bis in die Halbfinals ENTTÄUSCHENDE EURO 08. Das grösste Fussballfest der vorgestossen. Beide Mannschaften haben bekanntlich die VorSchweiz ist vorbei. Nun wird analysiert, bilanziert, lamentiert. runde nicht überstanden. Wenn die wirtschaftlichen PrognoLetztgenanntes auch von Anlegern, die sich von den eupho- sen ähnlich windschief ausfallen, dann muss man sich über die risch klingenden Finanzprodukten verleiten liessen, sich allzu aktuellen Probleme der Grossbank nicht weiter wundern. früh als Performance-Sieger sahen. «Chance auf 18,2 Prozent Ertrag bei nur 18 Monaten Laufzeit», warb etwa die österrei- FRANK IM NETZ. Wenn ich über Unternehmen oder Finanzchische Erste Bank. Sie hat einen Aktienkorb von 15 Spon- produkte schreibe, verweise ich immer wieder auf ältere Kosoren der Euro 08 zusammengestellt, darunter UBS und lumnen. Nun haben mich mehrere Leser darauf aufmerksam Swisscom, einen komplizierten Auszahlungsmodus darüber­ gemacht, es wäre ihnen gedient, wenn BILANZ ältere Artikel gestülpt und noch einen Bonus mit Aussicht auf einen Sieg von Frank Goldfinger im Internet aufschalten würde. Eine ­gute ­Österreichs über Deutschland – wie einst in Córdoba – ange- Idee. Seit kurzem sind denn auch die letzten paar Ausgaben von «Inside Bahnhofstrasse» auf unserer Homepage. Das Mini­Archiv finden Sie auf www.bilanz.ch, und zwar verlinkt mit der aktuellen Kolumne. In den nächsten Wochen werden wir zusätzliche Artikel aus früheren Tagen aufschalten.

Foto: EQ Images

hecheln. Aktien von japanischen Unternehmen bergen für meinen Geschmack zu hohe Risiken.

IM TIEFFLUG

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch Euro-Anlagen enttäuschten ebenso wie das Schweizer Team.

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Hören Sie diesen Text auf www.bilanz.ch/hoerbilanz 13 | 2008 | BILANZ 73


luxus •

Ferretti group

Kurs auf die Börse gerade erst feierte der italie-

nische Yachtbauer Ferretti sein 40-JahrJubiläum. Nun kündigt sich Grosses an am Firmensitz in Forlì: Das Unternehmen will an die Börse. Die nötigen Unterlagen hat die Ferretti Group, der auch Marken wie Riva und Pershing gehören, bei der italienischen Börsenaufsicht eingereicht. Von der kippenden Konjunktur hat der Schiffsbauer noch nicht viel mitbekommen; für das im August zu Ende gehende Geschäftsjahr rechnet Firmengründer Norberto Ferretti mit einem zweistelligen Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr, als man Boote für 933 Millionen Euro verkaufte. Ferretti ist nicht der einzige italienische Luxusgüterkonzern, der Kurs auf die Börse nimmt. Auch die Modelabels Prada und Ferragamo arbeiten an einer Publikumsöffnung. Voraussetzung für alle drei dürfte jedoch sein, dass sich die Lage an den internationalen Finanzmärkten wieder beruhigt. Denn gerade die Kurse der Luxus­ güterkonzerne haben in den letzten Monaten stark gelitten. Wenn sich der Wind nicht dreht, wird es für Ferretti eine äusserst stürmische Fahrt Richtung Börse werden.

Norberto Ferretti: Nachdem ihm sein Vater vor 40 Jahren ein 5,7 Meter langes Boot geschenkt hatte, begann er selbst, Yachten. zu bauen.

Statussymbol

schöner planschen

Fotos: PR, Keystone (1)

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Ein Whirlpool kann heute in keinem Badezimmer mehr Eindruck machen. Ausser es ist der Red Diamond des italienischen Herstellers WGT. Er ist mit Unterwasserbeleuchtung und zwei versenkbaren Fernsehern in HD-Qualität ausgestattet. Das Kontrollmodul ist aus 18-karätigem Gold, der Champagnerkühler mit Swarovski-Kristallen verziert. Dank GSM-Modul lässt sich das Wasser per Handybefehl einlassen. Preis: um 50  000 Franken. www.wgtidromassaggio.it

das letzte wort

Herbert Hainer «Mein Ziel war es schon immer, eines Tages den Papst mit drei Streifen zu sehen. Die Chancen waren noch nie so gut wie mit einem deutschen Papst.» Herbert Hainer (54) ist Chef des Sportartikelherstellers Adidas-Salomon. 13 | 2008 | BILANZ 75


luxus Kristall

Neuer Patron Silvio

Foto: XXXXXXXXX

Denz nennt eine inter‑ national anerkannte Sammlung von 650 Parfumflacons sein Eigen. Und nun auch eine ganze Kristallerie: Seit vier Monaten ist der erfolgreiche Unter‑ nehmer Inhaber der Glasmanufaktur Lalique.

76 BILANZ | 13 | 2008


Markenzeichen ­Satiniertes Kristallglas

Weit Mehr als Glas

mit figürlichen Moti­ven im Stil der 1920er Jahre – unver‑ wechselbar Lalique.

Namen wie Daum, Lalique oder Baccarat machen Kristall zu Kunst – und zum Muss für Stilbewusste. •  IGNAZ

Foto: XXXXXXXXX

Z

Miller Text / Hans Schürmann Fotos

ur Begrüssung des neuen Patrons zog die Belegschaft die Schweizer Fahne auf. Die Liebeserklärung kam an. Seither zeigt sich ­Silvio Denz jede Woche im nord­elsässischen Wingen-sur-Moder, einem abgeschiedenen Nest an der Eisenbahn­linie zwischen Haguenau und ­Sarreguemines. Seine Solidaritätsbekundung gegenüber den «Büezern»: Er fängt wie sie morgens um sechs Uhr an. Seit vier Monaten ist Denz über die von ihm kontrollierte und an der Berner Börse kotierte Art & Fragrance SA Inhaber der Glasmanufak­tur Lalique. Seine freimütige Zwischenbilanz: Den Hauptsitz in Paris würde er am liebsten schliessen und den ganzen Betrieb in dem Elsässer Dörfchen konzentrieren. Aber einstweilen bleibt es bei «Lalique Paris» statt «Lalique Wingen-sur-Moder». Der erfolgreiche Unternehmer Silvio Denz, der seine Alrodo-Discountparfümerien vor acht Jahren an Marionnaud veräusserte und sich nun der Glaskunst zugewandt hat, will bei Lalique das schaffen, was ­anderen mythischen Namen der grossen Kristallerie bereits gelungen • 13 | 2008 | BILANZ 77


luxus Kristall

ist: wieder zur begehrten Luxusmarke zu werden. Als Anne-Claire Taittinger aus der gleichnamigen Champagner-Dynastie 1994 Baccarat übernommen hatte, fasste sie ihre Bestandsaufnahme in einem ernüchternden Satz zusammen: «Hier regieren die Toten!» Sie musste wegkommen vom angestaubten Image des Aussteuerlieferanten für Frischvermählte. Also verordnete die willensstarke Unternehmerin Baccarat eine Frischzellenkur. Dafür holte sie moderne Designer an Bord und lancierte eine Schmuckkollek­ tion. Gleichzeitig platzierte die elegante Blonde gezielt Homestorys in den Inneneinrichtungsmedien. Damit erreichte sie eine neue Wahrnehmung der ehrwürdigen Kristallfabrik, die ihren Namen der unweit von Lunéville in Lothringen ge­ legenen Gemeinde Baccarat verdankt. Gegründet hatte die Manufaktur 1764 der Bischof von Metz. Er wollte Arbeitsplätze für seine armen Bistumskinder. Die Anlage der Fabrik mit ihren Arbeiterhäuschen und der Kapelle verrät bis heute ungefiltert den sozialen Geist hinter dem grossen Luxus.

Den Namen Daum zitiert jeder Sammler schöner Jugendstilvasen mit verklärten Augen.  •

Namen Baccarat Hotels and Resorts ein Hotelprojekt auf der Karibikinsel Anguilla hoch. Und das ist wohl erst der Anfang. Auch Daum in Nancy hat bewegte Zeiten hinter sich – und wieder gute vor sich. Den Namen Daum zitiert jeder Sammler schöner Jugendstilvasen mit verklärten Augen. Dies bewahrte das Traditionsunternehmen zwar nicht davor, 2003 die Bilanz deponieren zu müssen. Das aber war nicht das Ende. Axa Private Equity, der Investitionsarm des Pariser Versicherers, und Chevrillon, eine Tochter der UBS, wagten als Grossinvestoren einen Neuanfang. Sie holten mit Sophie Le Tanneur vor drei Jahren einen Marketingprofi an Bord. Ihr Auftrag: aus Daum eine Weltmarke im Luxus zu machen. Die 45-jährige Mutter von sechs Kindern in einer «famille recomposée», einer Patchwork-

Familie, hatte sich bei Colgate-Palmolive und L’Oréal bewährt und den zusätzlichen Vorteil, aus Nancy zu stammen. Sie erfand für Daum die Devise «Kunst ist der ultimative Luxus» und entrümpelte die Kristallerie von allem, was nicht dazugehörte. Das waren vor allem die Gläser und anderes Tafelzubehör, auf das sich Daum zwischenzeitlich verlegt hatte. Stattdessen engagiert sie gezielt Künstler und produziert deren Kreationen in kleinsten Serien. Damit knüpft Daum – «die künstlerischste unter den Luxusmarken», so Sophie le Tanneur – wieder entschlossen an die Firmenvergangenheit an. Als der Notar Jean Daum 1878 sein Geld in eine serbelnde Glasfabrik am Stadtrand von Nancy steckte, verpflichtete er gezielt Künstler wie den Jugendstilmeister Emile Gallé. In den 130 Jahren seit der Gründung der Manufaktur

Kleinstserien. 2005 verkaufte die

Familie Taittinger Baccarat an Barry Stern­ lichts Starwood-Hotelkette. Der Superhotelier (Motto: «We are going to make each hotel obscenely rich and obscenely beautiful») erkannte, dass sich mit dem mythischen Namen mehr als Kristallglas machen liess. Derzeit zieht er unter dem

Vermächtnis

Frauen, Fauna und Blumen waren die grosse Passion des Fimengründers René Lalique. Seine Vase Bacchante von 1927 ist bis heute die am meisten verkaufte Kreation.

Handarbeit Produziert wird bei

Lalique wie zu Grossvaters Zeiten. 78 BILANZ | 13 | 2008


haben bisher insgesamt 350 Artisans für Daum gearbeitet. Derzeit setzen Leute wie Emilio Robba oder Alain Séchas mit seiner Love Collection die Akzente. René Lalique (1869–1945) dagegen hatte als gelernter Silberschmied selber eine künstlerische Begabung und war ein grosser Gestalter, der nicht zuletzt den Orient-Express und den legendären Atlantikdampfer «Normandie» einrichtete. Seine ultimative Berufung fand er schliesslich 1902 im Glas. Exklusivität. So lebt die Firma Lalique

bis heute stark vom reichen künstlerischen Vermächtnis ihres Gründers, dessen Kinder mehrheitlich ausserehelich zur Welt kamen. Laliques Passion waren die drei F: Femmes, Faune, Fleurs – Frauen, Fauna, Blumen. Typisch für die Erzeugnisse der Firma Lalique ist ein satiniertes Kristallglas mit figürlichen Motiven im Stile der zwanziger Jahre. Berühmteste und bis heute Jahr für Jahr am meisten verkaufte Kreation ist die Vase Bacchante von 1927. Der Titel war nicht zufällig gewählt. In der römischen Mythologie waren die Bacchantinnen die ekstatischen Frauen im Gefolge des Weingottes Bacchus und als solche unabdingbar für die rauschenden Feste. Es war keine einfache Aufgabe, für ein Haus von solch starker Identität einen künstlerischen Direktor mit der Bereitschaft zu behutsamer Weiterentwicklung aufzutreiben. Silvio Denz löste sie vor wenigen Wochen mit der Berufung des in der Parfumbranche bestens eingeführten Thierry de Baschmakoff.

Potenzial ortet der systematisch explorierende Unternehmer für den «sculpteur des lumières» auf fünf Ebenen. Da wäre erstens die Kapazitätserweiterung, leidet Lalique doch unter einem Nachfrage­ überhang, seit der Vorbesitzer – die Industriegruppe Pochet – nach den Anschlägen vom 11.  September 2001 gleich 100 Fachkräfte entlassen hatte. Viel verspricht man sich auch vom Parfumgeschäft, denn Lalique arbeitete schon häufig für die Parfümerie; Nina Ricci hielt bis 1990 gar eine stille Beteiligung am Unternehmen. Beim Schmuck sieht Baschmakoff ebenso Entwicklungsmöglichkeiten. «Lali­que kommt vom Schmuck her», sagt er. «Wir wollen eine Kollektion aufbauen mit Stücken zu Preisen von 300  000 bis 500  000 US-Dollar.» Auch die Wachsschmelztechnik (cire perdu) für Einzelfertigungen soll wieder kommen. «Es gibt einen wachsenden ­Bedarf an Exklusivität», sagt Thierry de Basch­makoff. Als fünftes Wachstums­ gebiet hat er die Innenarchitektur ausgemacht. «Da sehe ich grosses Potenzial.» Bereits hat Lalique mit ihren Tischen, Glasverkleidungen und Türgriffen ein ­Casino in Las Vegas und das Luxushotel Claridge’s in London eingerichtet. Für das «Pen­insula» in Shanghai liefert Lalique derzeit die Paneele und Lampen für die Zimmer und die Lobby. Jüngster Coup sind die acht Lalique-Towers, die der New Yorker Liegenschafteninvestor Donald Trump hochziehen will. Für den Namen zahlt er Royalties; gleichzeitig verpflichtet er sich, Lampen, Spiegel •

Adressen

Verkauf: •    Meister Silber Kristall und Porzellan Bahnhofstrasse 28a / Paradeplatz 8001 Zürich •  Aux arts du feu Alpenquai 28, 6002 Luzern PRoduktion/Vertrieb: •  Lalique, Quartier Lalique F-67290 Wingen-sur-Moder Hauptsitz: 11, Rue Royale 75008 Paris www.lalique.com •  Daum, Rue des Cristalleries 54000 Nancy Hauptsitz: 27/29, rue des Poissonniers 92522 Neuilly-sur-Seine www.daum.fr •  Baccarat, 2, Rue des Cristalleries 54120 Baccarat Hauptsitz: 11, place des Etats-Unis 75116 Paris www.baccarat.fr

Qualität Jedes

einzelne Stück erfordert zahllose Stunden der Nachbearbeitung. Das hat seinen Preis.

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luxus Kristall

und Paneele von Lalique in die Appartements einzubauen. Produziert wird all das in Wingen noch wie zu Zeiten der Grossväter. Seit der Betrieb 1923 eingerichtet wurde, hat sich am Arbeitsablauf nicht viel geändert. An den Schmelzöfen in der Verrerie chaude hantieren ausgewachsene Schwingergestalten in Unterhemd und kurzen Hosen. Die trockene Hitze fordert ihren Tribut. Mit der 1,5 Meter langen Pfeife nehmen die Glasbläser einen Kristallposten aus der Schmelze, den sie in der immer feuchten Motze, einer Holzform, drehen und schwenken – alles mit grosser Routine und sicheren Bewegungen. Blasen und Unregelmässigkeiten haben sie schon vorher mit der Zange abgezwackt. Nach kurzem Anblasen gibt der Glasbläser den Posten in die Gussform mit den beiden langen Holzgriffen, die der Gehilfe sofort schliesst. In der Verrerie chaude regieren reine Hand- und harte Muskelarbeit. Die Gusseisenformen wiegen bis zu 600 Kilo. Angesammelt haben sie sich seit den Zeiten von René Lalique, die älteste stammt aus dem Jahr 1913. Mittlerweile sind es über 2000 Stück – ein einmaliges Erbe, das vier Mechaniker sorgfältig hüten. Nach einer Woche im Kühlofen fängt die Nachbearbeitung in der Verrerie froide an. Hier arbeiten die meisten der insgesamt 260 Mitarbeiter in Wingen. Zahllose Stunden gehen bei jeder Schale oder jeder Vase in die Nachbearbeitung mit dem ­Diamantfräser, die Satinierung im Säure-

bad, das Schleifen und Polieren bis zur finalen Signatur nach der Qualitätsprüfung. Lalique ist am Ende nicht zufällig 30 Prozent teurer als Baccarat. Wobei Baccarat traditionell stark auf Leuchter, Karaffen, Gläser und andere Tafelausstattung ausgerichtet ist. Lalique dagegen hat, etwa mit ihren Tischen, die bis weit über 100  000 Franken kosten, ein starkes Bein in der Inneneinrichtung. Individuelle Form. Ganz anders ar-

beitet Daum, deren Markenzeichen farbiges Kristallglas in reicher, häufig floraler Form ist. Die Kristallerie konzentriert sich, wie Atelierchef Benoît Crantz auf einem Rundgang erläutert, ganz auf die Cire-perdu-Technik, bei der jedes Stück in einer individuellen Form einzeln gegossen wird. Die derzeit drei Formen­ bauer im modernen Atelier an der traditionsreichen Rue des Cristalleries nehmen vom Modell einen Abdruck und machen vom Abdruck wiederum eine Wachsform, die sorgfältig nachbearbeitet wird. Die Wachsform wird ihrerseits in einen Block eingegipst und erhitzt. Das Wachs schmilzt, und es bleibt die Negativform für den Kristallguss. Diese wird gefüllt mit

zerkleinertem farbigem Kristallglas aus der eigenen Kristallschmelze im nahen Vannes-le-Châtel mit ihren gut 100 Mitarbeitern. Daum produziert Kristall in 40 verschiedenen Farben. Die Formen werden 7 bis 21 Tage lang bei maximal 900 Grad Celsius geschmolzen und kontrolliert gekühlt. Der erhitzte Gips bröckelt ab, und aus der Form schält sich ein Kristallguss, der mit Bläschen durchsetzt ist. Sie sind das untrügliche Zeichen eines Einzelgusses. Durch geduldige Nachbearbeitung mit dem Diamantfräser, Sablieren mit dem Sandstrahler sowie Polieren zunächst an der Korkscheibe und in letzter Etappe mit den rotierenden Filzlappen entstehen bemerkenswerte Stücke. Die meisten liegen preislich zwischen 2000 und 15  000 Franken, und ihre handwerkliche Perfektion lässt höchstens die Frage offen, warum sie nicht teurer sind. Die Sammler unter den Liebhabern schätzen die Erzeugnisse und decken sich ein. Es muss nicht nur Daum sein. Silvio Denz beispielsweise hat eine international an­erkannte Sammlung von 650 Parfum­ flacons zusammengetragen. Und fortan hat er eine ganze Kristallerie. •

Ihre Perfektion lässt höchstens die frage offen, warum die STücke nicht teurer sind.  •

FarbReigen Der

Grosser Luxus Kristallleuchter

von Baccarat. 80 BILANZ | 13 | 2008

Vollendete Form

Bei Daum erhält jedes Objekt – hier ein Flacon mit menschenähnlicher Silhouette – ein einzigartiges Aussehen.

Fotos: PR (2); Keystone

Lampenfuss Violette Iris ist typisch für Daum – buntes Glas in floraler Form.


Luxus  Safari

Auf Du und Du mit Dickhäutern (links): Die Nähe zu Elefanten und anderen Tieren beschert den Gästen eindrückliche Erlebnisse. Südafrikanisches Flair (unten): Die Lobengula Lodge mit ihren luxuriösen Zimmern ist zurückhaltend in die Natur eingebettet.

gARANTIERT ohne Sticheleien Das private Wildschutzgebiet Shamwari beherbergt fast alle Tierarten Südafrikas – im Unterschied zu den bekannteren Safari-Reservaten im Krüger-Park oder in Kenia fehlt allerdings die Anophelesmücke.

•  CLAUS

Fotos: PR

I

SCHWEITZER Text

n Afrika kann man durchaus von den Pranken eines Löwen zerfleischt, von den Hörnern eines Büffels aufgespiesst oder vom Biss einer Schwarzen Mamba vergiftet werden. Viel wahrscheinlicher aber ist das Unheil in Form eines kleinen Stichs, verursacht durch die leise summende Anophelesmücke. Sie steckt jährlich rund 500 Millionen Menschen mit Malaria an, wovon 4 Millionen die Krankheit nicht überleben. Auch ein paar hundert europäische Touristen trifft es jedes Jahr. Nicht viele, wohl wahr; aber warum das Risiko auf sich nehmen? Zum Glück gibt es in Südafrika eine wachsende Zahl von malariafreien Grosswildreservaten, wo man weder auf die «big five» (Elefant, Löwe, Leopard, Büffel und Nashorn) noch auf eindrucksvolle Naturschauspiele oder auf fantastische

Lodges verzichten muss. Vielleicht das beste ist das Shamwari Game Reserve in der östlichen Kapregion in der Nähe der Garden Route. Das riesige private Safariland ist der Realität gewordene Traum von Adrian Gardiner. Sechs unterschiedliche Lodges verteilen sich über das Shamwari-Wild­ reservat mit seinen 25 000 Hektaren, darunter die besonders stilvolle Lobengula Lodge. Sie umfasst sechs luxuriöse Bungalow-Suiten im feinsinnig gestalteten Ethnolook und versprüht genügend südafrikanisches Flair, damit man sich nicht ganz wie zu Hause fühlt. Mit den Augen auf der Jagd. Die

Lodges sind nur ein Teil des WildlifeTraums. Zwei mehrstündige Safari-Exkursionen täglich sind im Preis inbegriffen, mit Picknicks und Teepausen unterwegs.

Die Trips finden frühmorgens und am späteren Nachmittag statt, wenn die Tiere am aktivsten und die Temperaturen am angenehmsten sind. Ein Fährtensucher (Tracker) und ein Ranger begleiten jeweils die offenen Geländewagen mit maximal sechs Gästen. Für die ortskundigen Gastgeber ist die Natur voller Zeichen. Unscheinbare Dellen auf der Staubpiste sind wie Botschaften. Das Auto stoppt: Eine Gepardin ist unterwegs; ihre Spur kreuzt ein paar Mal diejenige eines Warzenschweins, das sie verfolgt hat. Dann steuert der Ranger den Jeep ins Feld, und der Tracker geht mit den Augen auf die Jagd. Schliesslich liegt sie im Gras – die Gepardin, schön wie eine Sphinx. Einen Katzensprung entfernt bleibt der offene Wagen stehen. Obschon der Ranger die Mitfahrer beruhigt, dass die Tiere den Jeep nur als geschlossenen Körper • 13 | 2008 | BILANZ 81


luxus  Safari

Shamwari

Reise ins Paradies • 

Luxuriös: Lounge (oben) und Bad der Lobengula Lodge.

wahrnähmen und die Menschen darin nicht als leichte Beute erkennten, scheinen die Touristen bei der kleinsten Bewegung der Gepardin zu gefrieren. Nach rund zehn Minuten holpriger Weiterfahrt bietet sich ein nächster unverhoffter Anblick: Eine Herde Nashörner arbeitet sich Mähdreschern gleich in paralleler Formation durchs Gras. Das Reservat könnte keine besseren Landschaftspfleger anheuern. Der Ranger wagt sich noch ein bisschen dichter heran, bleibt dann jedoch stehen. Es geht ja auch gar nicht darum, den Wildtieren so nah wie möglich zu kommen, wie er betont. Es geht darum, ihren Lebensraum mit ihnen zu teilen, selbst in der Landschaft aufzugehen, kein Fremdkörper zu sein, sondern Bestandteil. Wohl zwanzig Minuten lang bleibt die Safari-Gruppe bei den Nashörnern, dann geht es zurück in die Lodge, beflügelt von der Aussicht auf ein spätes, wohlverdientes Frühstück. Wen nicht der Jagdinstinkt in den frühen Morgen hinaustreibt, der findet in der Lobengula Lodge genug zum Glücklich­ sein. Eine ausgedehnte Outdoor-Dusche mit Blick in die Urlandschaft etwa. Oder ein exotisches Spa Treatment. Man könnte 82 BILANZ | 13 | 2008

zeichnen, fotografieren, nur dasitzen und den Tieren zusehen. Oder über die Anlage schlendern und staunen, mit welch wohltuender Zurückhaltung sie sich in die Umgebung fügt. Trotz Hotelbetrieb scheint sich hier wenig am Leben in der Wildnis verändert zu haben. Nervenkitzelsuchende lassen sich vor dem Lunch für eine «Walking Safari» begeistern und folgen einem bis auf die Zähne bewaffneten Ranger in die ungezähmte und entsprechend unkalkulierbare Natur. Jenseits von Afrika. Am späten

Nachmittag ist Aufbruch zur SundownerSafari: Impalas, Kudus (zwei AntilopenArten), Giraffen, Zebras und Elefanten werden beobachtet – und wenig später in der «South Africa Animal & Bird Checklist» befriedigt abgehakt. Veränderung bringt der Moment, wenn die Sonne, riesengross und blutrot, untergeht und für wenige Minuten dicht über den Baumkronen hängt. Dann scheint der Busch in Flammen zu stehen. Bei der Rückkehr in die Lobengula Lodge prasselt bereits ein Feuer auf der plattform­artigen Panoramaterrasse. Vor dem Abendessen taucht man in den Pool oder bestaunt bei einem Drink an der Bar den klaren Sternenhimmel. Beim afrikanischen Gourmetdiner schliesslich, inmitten festlich aufgedeckter Tische in der in einen kerzenfunkelnden Märchenpalast verwandelten Anlage, fühlt man sich endgültig «jenseits von Afrika». •

Weitere malariafreie Safari-Reservate in Südafrika: •  Tswalu Kalahari Reserve Weite Horizonte und eine Landschaft von überirdischer Schönheit. Die neun Luxusvillen sind wie eigene kleine Lodges. Nur mit privatem Charterflugzeug ab Johannesburg erreichbar. 975 Fr. pro Person und Tag inkl. Vollpension und Safaris, www.tswalu.com •  Gorah Elephant Camp Elf luxuriöse Zelte im Stil der ­klassischen Abenteuerexpeditionen gruppieren sich um ein nostalgisches Kolonialgebäude im Addo Elephant National Park. 400–750 Fr. pro Person und Tag inkl. Vollpension und Safaris, www.hunterhotels.com •  Bushmans Kloof Im kapholländischen Stil erbaute Edel-Lodge am Fusse der Cederberg Mountains. Liebenswerter ­Service, ausgezeichnete Küche. 210–500 Fr. pro Person und Tag inkl. Vollpension und Expeditionen, www.bushmanskloof.co.za

Fotos: PR

Risikolos: Leoparden betrachten Jeeps als geschlossene Körper.

Beratung und Buchung: African Collection Tours, Küsnacht ZH, Tel. 044 912 38 50, www.african-collection.ch. Oder ­direkt beim Shamwari Game Reserve, www.shamwari.com •  Preise: In der Lobengula Lodge 825–985 Fr. pro Person und Tag inkl. Vollpension, aller Getränke (mit Tischweinen) und Expeditionen. •  Beste Reisezeit: November bis März. •  Anreise: Mit Swiss nach Johannesburg. Von dort täglich zahlreiche Flüge mit South African Airways nach Port Elizabeth. Shamwari vermittelt einen Chauffeur-Transfer vom Flughafen Port Elizabeth zum Wildreservat (rund 60 Minuten Fahrzeit).


Luxus Selection

AudioLuce

ohrensessel Der Audioluce ist ein Relaxsessel mit eingebauten Lautsprechern auf Ohrhöhe. Sie erlauben Hörgenuss, ohne den Partner zu stören. Über einen kleinen Sender kann die Musik sogar drahtlos von der Stereoanlage oder dem TV-Gerät übertragen werden. Auch eine Leseleuchte lässt sich einbauen. Und damit kein Kabel das Wohnzimmer stört, kommt der Strom vom Akku. •

Maserati Quattroporte S

eingebaute vorfahrt

Erhältlich im Fachhandel. In Leder ab 7847 Franken. www.franksitzmoebel.de

Als Maserati 2003 den ersten von Pininfarina entworfenen Quattroporte vorstellte, avancierte er sofort zum Lieblingsdienstwagen in den von Mercedes und Audi gelangweilten Teppichetagen. Jetzt hat man in Modena die Sportlimousine aufgefrischt: das Design leicht aggressiver (aber immer noch aus dem Hause Pininfarina), der Motor noch kraftvoller (in der S-Version mit 430 PS), die Bordelektronik auf dem neusten Stand, die Federung komplett neu entwickelt und sehr komfortabel. Das Interieur ist mit Edelhölzern und feinem Leder in Handarbeit komplettiert und so stilvoll, wie man es von einem Maserati erwartet. Geblieben ist der für ein Auto dieser Ausmasse zu kleine Kofferraum. Dafür aber auch der gewaltige Fahrspass und das Gefühl, auch jenseits der 250 km/h wie auf Schienen ­unterwegs zu sein. Benzinverbrauch? Ja. CO2-Ausstoss? Auch.

Erhältlich ab September. Preis ab 180  400 Franken. www.maserati.ch •

CNC Solarbag

schicke Ladestation

Erhältlich in CNC-Läden. Preis nur auf Anfrage. www.costumenational.com

84 BILANZ | 13 | 2008

big bang King

Unterwasserglamour Die Big Bang war entscheidend für die Auferstehung von Hublot. Nun gibt es den Urknall auch als Taucheruhr – das Gehäuse aus Rotgold, die Lünette besetzt mit 72 Diamanten, Saphiren und Rubinen. Damit man auch die Fische mal so richtig beeindrucken kann. •

Im Uhrenfachhandel. 98  000 Franken. www.hublot.ch

Fotos: PR

Jetzt kommt auch die Modebranche nicht mehr um den Solarboom herum: In den Solarbag von CNC sind auf der Seite Sonnenkollektoren eingenäht. Mit dem daraus gewonnenen Strom lässt sich im Inneren der Tasche das Handy oder der iPod aufladen; die notwendigen Adapter werden mitgeliefert. Endlich mal ein Grund für lange Spaziergänge. •


philips BTM630

für ton und phone Dockingstationen für den iPod gibt es fast von jedem UnterhaltungselektronikHersteller. Der BTM630 von Philips kann ein bisschen mehr als die anderen: Er spielt auch von USB und Speicherkarte. Dann schluckt er auch noch diese altmodischen Silberscheiben – CD, wie man dem früher sagte. Vor allem aber fungiert er dank integriertem Bluetooth und Mikrofon auch als Freisprechanlage für ihr Handy – ein Druck auf die Fernbedienung genügt, um Gespräche ­anzunehmen oder zu wählen. Musizieren und telefonieren funktioniert auch mit dem ­neuen iPhone – zwar nicht offiziell, aber tatsächlich. Und die Tonqualität? Bei moderater Zimmerlautstärke klingt die Soundstation gefällig, danach geht dem 2×15-Watt-System ­allerdings ein bisschen die Puste aus. Aber Sie wollen von Ihren Gesprächspartnern ja auch nicht angeschrien werden. •

Erhältlich im Elektronikfachhandel. 499 Franken. www.philips.ch

yamaha vMax

ampelkiller

1985 lancierte Yamaha mit der V-Max einen Kulttöff: radikal gestylt, brachial leistungsfähig. 23 Jahre später kommt die Neuauflage des ­Macho-Bikes: Der 200-PS-Motor zieht dem Fahrer beim Ampelstart die Arme lang, die giftigen ABS-Bremsen stauchen sie wieder zusammen. Die Topspeed hat man zur Sicherheit auf 220 km/h begrenzt. Wiekannmannur? •

crystal eyewear

augenweide Wenn der Sommer nichts hergibt, braucht es andere Gründe, um eine Sonnenbrille zu tragen. Bei der Avenue of Light von Daniel Swarovski sind es die funkelnden Glaskristalle. Sie blenden das Gegenüber so, dass es auch eine Sonnenbrille braucht. Fotos: PR

Im Optikfachhandel. 984 Fr. www.daniel-swarovski.com

Puma C-Hopper

Erhältlich nur via Website www.new-vmax.com, 32  640 Franken.

tout terrain

Der C-Hopper von Puma in futuristischem Sibergrün ist nicht nur ein modischer – und wasserdichter – Golfschuh; er hat ausserdem die Besonderheit, dass sich die Spikes ganz einfach herausnehmen lassen. Damit ist man auch im 19.  Loch gut unterwegs. •

Erhältlich im Sportfachhandel oder bei golf.puma.com. 326.50 Franken.

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Luxus  Essen

Nicht nur die Aussicht ist grandios: Duett aus ­philippinischem Tuna und bretonischem Hummer, ­gezaubert von Torsten Götz.

Die Wanderjahre füllten seinen Rucksack mit den unterschiedlichsten kulinarischen Erfahrungen. Kreativ, diszipliniert und intelligent schöpft er nun aus diesem Fundus. Angetan haben es ihm die Gewürze, die auch in einer scheinbar einfachen Kombination überraschenden Geschmack entfalten. Götz spielt mit indischen, thailändischen und orientalischen Aromen. Er hat sich in Vitznau und Hertenstein zwei Kräutergärten anlegen lassen. Nie zerstört er dabei die Integrität des Produkts oder überfordert das Aufnahmevermögen des Gastes. Önologisches Glück. Götz’ Kü-

Park Hotel Vitznau

Aroma der Welt

Die Lage könnte urschweizerischer nicht sein. Und doch führt Torsten Götz im Park Hotel seine Gäste auf eine kulinarische Weltreise. •  Martin

Kilchmann Text / Franca Pedrazzetti fotos

Hinter dem Park Hotel Vitznau montieren Spezialisten jeweils zu Sommerbeginn die mit 30 Meter Seitenlänge grösste Schweizer Fahne des Landes an der Felswand, die zur Rigi hochsteigt. Vor dem Fünfsternehaus senkt sich wie eine mächtige Echse der Bürgenberg zum Wasser hin. Die Stadt Luzern winkt in der Ferne, der Pilatus begrenzt den Horizont, und der Vierwaldstättersee gibt sich mal milde lächelnd, dann wieder finster dräuend. Vitznau ist die pure Urschweiz. Schwer vorzustellen, wie da die grosse Welt hereinbricht. Anschauungsunterricht gibt Torsten Götz, Küchenchef des Park Hotels. Er ist ein Zugvogel. Mit Leichtigkeit überfliegt er die eherne Landschaft mit seiner Gewürzküche. 86 BILANZ | 13 | 2008

Der 40-Jährige leitet das nur über das Sommerhalbjahr geöffnete, zur Oetker-Hotelgruppe gehörende Park Hotel Vitznau in der dritten Saison. Bestimmt, aber umgänglich und mit grosser natürlicher Ausstrahlung führt er die 24-köpfige Brigade. Torsten Götz’ Charisma spüren auch die Gäste, wenn der gross gewachsene Koch im A-la-carte-Restaurant Quatre Cantons spätabends die Tour macht und dabei, wie er sagt, seine Batterien auflädt. Ergiebige Wanderjahre. Götz

stammt aus Süddeutschland. In einem Schwarzwälder Familienhotel genoss er eine sattelfeste Ausbildung. Danach zog er in die Welt. Auf fast allen Kontinenten arbeitete er in kapitalen Hotelküchen.

che lernt man am besten mit seinem Amuse-Bouche-Menu kennen: einer präzis aufgebauten kulinarischen Weltreise in 14 Etappen entlang der klassischen Menufolge. Wie stark sich der Koch zugunsten des Produkts zurücknehmen kann, zeigt eine Tagesempfehlung: Den wild gefangenen Steinbutt und die mit Lardo-Speck umhüllte Jakobsmuschel brät er sanft in kaum wahrnehmbarer Currybutter. Zusammen mit frischem Spinat und zwei, drei Tomätchen ist das die perfekte Inszenierung des Eigengeschmacks. Den letzten Stein zum wunderbaren Gesamterlebnis Vitznau vermag der Wein zu setzen. Die fabelhafte Karte beruht auf einem starken Schweizer Auftritt und führt souverän in die Weinwelt jenseits der Landesgrenze hinaus. Zu verdanken ist dieses önologische Glück Geny Hess jr. •

Park Hotel Vitznau 6354 Vitznau, Tel. 041  399  60  60, www.parkhotel-vitznau.ch • Menus 98 bis 146 Franken, 16 «Gault Millau»-Punkte, 1 «Guide Michelin»Stern. Geschlossen von Ende Oktober bis Mitte April.


Luxus Auto

BMW X6 35D

Tanzender Bomber

mOTOR: 3,0 Liter leistung: 286 PS / 210 KW Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h beschleunigung: 6,9 Sekunden richtpreis: 91 200 Franken

Foto: PR

•  beat

imwinkelried Text

In den Pionierjahren haftete den Automobilisten eine Aura der Mutigen und Verwegenen an. Der Mensch als Bändiger von tierischer Kraft; Kraft, die er in einen Motor sperrt, um sie dort zu zügeln und dann wohldosiert wieder freizulassen. Die polarisierendste Art, tierische Kraft zu entfesseln, gelingt zurzeit dem neuen BMW X6. Fallen Sie gerne auf? Mögen Sie spontane Gespräche an Tankstellen? Und fühlen Sie sich gerne beobachtet? Dann kaufen Sie einen X6. Aber stellen Sie sich darauf ein: Eine Kreuzung zwischen SUV und Coupé lässt sich nicht in ein, zwei Worten erklären. Als Geländewagen will sich der BMW auf keinen Fall positionieren lassen. Verständlich, denn kaum ein X6 wird jemals anspruchsvolles Gelände sehen. Höchstens mal eine Rampe beim Weinhändler in der Toskana oder ein bisschen Neuschnee bei der Talstation der Parsenn-Bahn. In solchen Fällen stehen dem X6-Fahrer aber die üblichen elektronischen Helfer wie Bergabfahrhilfe zur Verfügung. Als Coupé kann man

den neuen BMW aber auch nicht bezeichnen, obwohl man sich im Innern des Wagens durchaus sportlich fühlt. Fahrspass pur. Das sauber verarbei-

tete Interieur ist X5-Fahrern bereits wohlbekannt. Auch die Komfortsitze sind ein perfekt anpassbarer und rückenstreichelnder Traum. Nicht ganz so komfortabel lässt es sich auf den Rücksitzen mitfahren. Aufgrund der Coupé-Form muss man hier auf jeden Fall Abstriche machen. Mitfahrer mit einer Grösse über 1,90 Meter sollten deshalb vorne Platz nehmen. Dafür reist das Gepäck standesgemäss im teppichbezogenen Heckabteil. Wichtig zu wissen für das Zielgruppensegment des BWM X6: Der Kofferraum fasst vier Golfbags. Neben den engen Sitzverhältnissen im hinteren Teil schränkt die atemberaubend schnittige Karosserieform auch die Sicht etwas ein. Ohne Rückfahrkamera oder Park Distance Control empfehle ich, nur vorwärts zu parkieren. Obwohl auch das angesichts der Breite des X6 oftmals kein leichtes Unterfangen ist.

Die Stunde des X6 schlägt eigentlich erst richtig, wenn er übers Land donnert. Da bietet der Lifestyle-Bomber Fahrspass pur. Zum bekannten BMW-Fahrkomfort kommt beim X6 noch ein fantastischer Federungskomfort hinzu. Und der Dieselmotor weist einen traumhaften Antrieb auf. Der Reihensechszylinder verfügt über 286 PS und ein Drehmoment von 580 Nm. Die hohe Laufkultur unterstreicht denn auch den bayrischen Führungsanspruch im Motorenbau. Für einen SUV ist das gesamte Handling erstklassig und lässt manchen Mitbewerber alt aussehen. Fazit: Die eigenwillige Karosserieform

des X6 fordert zwar einige Kompromisse, die aber dank der hervorragenden Fahrleistung und dem souveränen Handling schnell vergessen sind. BMW schaffte es im Falle des X6, einem Bomber präzises Tanzen beizubringen. Beeindruckend. • Beat Imwinkelried ist CEO der Auto-Interleasing AG 13 | 2008 | BILANZ 87


Luxus  Business traveller

Stets am Puls der Zeit: Deutschlands Hauptstadt Berlin.

berlin

dauerhafter aufbruch

Die Wundertüte Berlin übt eine ungebrochene ­Anziehungskraft aus und gibt sich vifer als Restdeutschland. Die Shortlist für Business-Reisende. schweitzer Text

«Das Schicksal Berlins ist es, niemals zu sein, sondern immer zu werden», sagt das Starmodel Nadja Auermann. Die unge­ brochene Aufbruchstimmung sowie die Spannung zwischen West und Ost gehö­ ren bis heute zum hiesigen Lebensgefühl, und die beiden Stadthälften liefern sich ­einen Wettbewerb um beste Architektur, tonangebende Galerien und Shops sowie angesagteste Restaurants und Clubs. Im Konkurrenzkampf der 20 Berliner Fünfsternehotels nimmt der Brandenburger Hof am Ku’damm die Nische eines be­ sonders intimen, serviceorientierten Hau­ ses ein. Das subtil moderne Wohlfühldesign im charmanten Jugendstilgebäude erfreut das Auge, in der wunderschönen Lounge mit Blick in den begrünten Innenhof kann man sich zwischen Business und Freizeit bestens entspannen. Wie kein zweites Hotel versteht es das neue Ellington nahe dem KaDeWe, den Stil der zwanziger Jahre aufleben zu lassen. Durch grosse Fenster fällt das Licht auf ein nüchternes, Art-déco-geprägtes Ambi­ 88 BILANZ | 13 | 2008

ente. In den weitläufigen Räumen und auf der prächtigen Hofterrasse gibt der aufre­ gende Puls Berlins den Takt an. Im Osten – und just in dem Gebäude, in dem früher der russische Geheimdienst KGB sein Unwesen trieb – ist das schnee­ weisse Designhotel Lux Eleven die Stil­ destination für junge Manager, die nach einem Tag voller Meetings noch etwas er­ leben wollen – etwa im hauseigenen asia­ tischen Trendlokal Shiro i shiro. die adressen •

Hotels: Brandenburger Hof, www.brandenburger-hof.com, DZ ab 270 Euro Ellington, www.ellington-hotel.com, DZ ab 118 Euro Lux Eleven, www.lux-eleven.com, DZ ab 160 Euro • Lunch: Bocca di Bacco, www.boccadibacco.de, Tel. 030 2067 2828 Borchardt, Französische Strasse 47, Tel. 030 8188 6262 Facil, www.facil-berlin.de, Tel. 030 590 051 234 Dinner: Schwarzenraben, Neue Schönhauser Strasse 13, Tel. 030 2839 1698 Grill Royal, www.grillroyal.com, Tel. 030 2887 9288 Shiro i shiro, www.lux-eleven.com, Tel. 030 936 2800 • Nightlife: Spindler & Klatt, www.spindlerklatt.com, Tel. 030 695 667 75 Newton Bar, www.newton-bar.de, Tel. 030 2029 540

Foto: Visum

•  claus

Eine Strassenecke weiter, rund um die Hackeschen Höfe, lockt eine immense Auswahl an Restaurants, Bars und Mode­ läden – ob über Mittag oder nach Feier­ abend, hier ist immer etwas los. Selbst weit gereiste Stadtmenschen haben in Lokalen wie dem Schwarzenraben das Gefühl, etwas Einzigartiges geboten zu kriegen: ein bisschen Entdeckung, eine Prise Aben­ teuer, ein ungewöhnliches Erlebnis. Ein weiteres Epizentrum der Restau­ rantszene liegt rings um den nimmermü­ den Gendarmenmarkt. Die beiden Promi­ nentenlokale sind hier das Bocca di Bacco und das Borchardt, das erste mit italienischer, das zweite mit französischer Brasserie-Küche. Stilbewusste Feinschme­ cker buchen ihren Tisch im Facil, einem ästhetischen Ruhepol hoch über dem na­ hen Potsdamer Platz. Das Restaurant der Stunde ist das Grill Royal. Ein weitläufiger Raum mit JamesBond-Flair, Sicht auf die Spree und ge­ mütlichen Nischen aus gepolsterten Bän­ ken. Spezialität: bestes Rindfleisch aus drei Regionen der Welt. Ebenfalls direkt an der Spree, in einer ehemaligen Lagerhalle in Kreuzberg, liegt das Spindler & Klatt. Es bietet neben einem puristisch-schicken Restaurant übers Wochenende exquisites Clubbing bis zur Morgendämmerung. Ein Fels in der Brandung ständig neuer Loca­ tions ist die Newton Bar am Gendarmen­ markt, die als Tribut an den Fotografen Helmut Newton eröffnet wurde. Langbei­ nige, nackte Models blicken – schwarz­ weiss, lebensgross und gestochen scharf – von den Wänden in die Gläser. •


auftritt 

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ENGAGIERT Bundesrätin Doris Leuthard referiert zu «Industrie, Energie und Staat im post­ industriellen Zeitalter» – auf Deutsch und Französisch.

CINCIN! Mit Kuno Hämisegger, Public- Affairs-Delegierter Bankiervereinigung (l.), und Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz (r.) waren dieses Jahr auch Banker da.

Eloquent Joschka Fischer, deutscher Aussenminister und Vizekanzler a.D. Präsent Swissmem-Präsident Johann Schneider-­Ammann lobt Doris Leuthards Rede und schenkt ihr einen ­hölzernen Fussballer fürs Büro.

swissmem-industrietag

mITTEN INS hERZ •  iRIS

kUHN-sPOGAT Text / mARKUS sENN Fotos

Hochkarätiger Abschluss Podiumsgespräch mit: (v.l.n.r.) Peter Maurer, Vertreter der Schweiz bei der UNO in New York, Joschka Fischer, Aussenminister und Vizekanzler a.D., Dirk Schütz, Chefredaktor BILANZ und Diskussionsleiter, Rudolf Hug, Vorstandsausschuss Swissmem, Wolfgang Clement, Bundesminister a.D. und Aufsichtsrat RWE Power, Bonn, sowie Hakan Samuelsson, Präsident MAN, München.

Revanche Jürgen R. Thumann, Präsident Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), am Swissmem-Indust­rietag. Kurz davor hatte Schneider-Ammann bei den Deutschen einen Auftritt.

Gut gelaunt Gerold Bührer, Economiesuisse, und Rita Fuhrer, Zürcher Regierungsrätin. BIS AUF DEN LETZTEN PLATZ BESETZT Publikum am Swissmem-Industrietag.

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2. Swissmem-Industrietag in Zürich (26. Juni). ­Johann Schneider-Ammann, Präsident des Branchenverbandes Swissmem, will die Maschinen-, Elektro- und ­Metallindustrie neu profilieren. Eine Übung dazu heisst Swissmem-Industrietag. Mit dem einstigen deutschen Aussenminister und Vizekanzler Joschka Fischer und Bundesrätin Doris Leuthard hatte er Persönlichkeiten mit Mag­ netwirkung am Rednerpult: Über 1000 Gäste lockten ­diese ins Messezentrum nach Zürich Oerlikon. Den Höhepunkt – stimmungsmässig – lieferte ein anderer: Lino Guzzella, Dozent der ETH Zürich und Erbauer des energieeffizientesten Gefährts namens PAC-Car. Der 59-Jährige weckte die dösenden Zuhörer mit Bemerkungen wie: der heutige Lebensstandard sei der Naturwissenschaft und der Technik, nicht den Juristen, Bankern und Poeten zu verdanken. Damit traf Guzzella das Publikum mitten ins Herz. Information

5

Networking

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Unterhaltung

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Börsenkapital

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Rar Sie war eine der wenigen Frauen, die dafür sorgten, dass die Männerquote nicht 100 Prozent war: Jasmin Staiblin, Chefin ABB Schweiz, im Gespräch mit Höhepunkt Lino Guzzella, Peter Amacher, Bibus AG. ETH Zürich, sorgte mit seiner Präsentation für Leben und Lachen. 13 | 2008 | BILANZ 89


Der Chef

Paul Laube (54) Inhaber Laube + Co., Mellikon Branche: Apparatebau und Skikantenbearbeitung Anzahl Mitarbeiter: 33 Jahreseinkommen: genug für einen angenehmen Standard Ausbildung: eidg. dipl. Elektroinstallateur.

Wie viele Sitzungen haben Sie pro Woche? 20. Wie werden Ihre Meetings effizient? Mit klarer Struktur, in der jedes Thema Was schätzen Sie am meisten an Mitarbeitern? Flexibilität und Mitdenken. Thema am letzten Business Lunch? Rechnet sich das Risiko China? Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche? 60. Wie erholen Sie sich am schnellsten? Vor meinem Haus am Teich

mit Koi-Karpfen.

In welchem Job möchten Sie pensioniert werden? Nicht als operativer Chef,

sondern als Stratege auf der Suche nach der Idee von morgen. 90 BILANZ | 13 | 2008

Foto: Oliver Bartenschlager

nach exakter Vorgabe diskutiert wird.

BILANZ 13-2008  

BILANZ – Das führende Schweizer Wirtschaftsmagazin Ausgabe Nr. 13 vom 18. Juli 2008

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