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03/2015

NEWS

Inklusive P채dagogik:

Kindergarten Foto: Patrick Foto/Shutterstock.com

f체r Weltkinder


Foto: Barbara Nidetzky

Liebe Leserinnen und Leser, während unsere Smartphones ständig upgedatet werden, ist das Grundkonzept unseres aktuellen Bildungssystems immer noch im 18. Jahrhundert verhaftet. In einer Zeit des globalen Wandels – Stichwort: Flüchtlingsproblematik – ist es mehr denn je von Interesse, unseren Kindern ein Höchstmaß an Bildung zu ermöglichen, um ihnen die nötige Basis für ihren späteren Berufsweg mitzugeben. Bildung ist Zukunft! Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung des Lebens, und daher freut es mich sehr, dass im Zuge der aktuellen Bildungsreform das zweite Kindergartenjahr verpflichtend eingeführt wird. Gerade hinsichtlich der Sprachförderung und der Integration von ausländischen Kindern ist das ein erster wichtiger Schritt. Einen kleinen Überblick hinsichtlich der pädagogischen KindergartenKonzepte (Montessori, Waldorf etc.), präsentieren wir Ihnen in dieser Ausgabe. Am Ende des Jahres ist es wieder an der Zeit, Danke zu sagen. Natürlich in erster Linie meinem Produktionspartner taco media und dessen Team, aber auch den vielen kleinen Helferlein im Hintergrund, den zahlreichen Pädagoginnen und Pädagogen, die „bambini.cc“ inhaltlich so wertvoll mitgestalten, und nicht zuletzt meiner Familie, ohne die „unser Bambini“ gar nicht möglich wäre. Ihnen allen wünsche ich ein paar geruhsame Tage im Kreise Ihrer Liebsten und ein erfolgreiches, vor allem aber ein gesundes neues Jahr 2016. Für uns Eltern – Für unsere Kindergärten – Für unsere Kinder Herzlichst, Ihr Robert Holzhacker

Impressum: Herausgeber: taco media gmbh Chefredaktion: Eva Sorantin Redaktionelle Mitarbeit: Mag. Petra Autherid, Katharina Wallner Grafik: Rycom

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Herbst/Winter 2015


tiptoi® Starter-Set mit Stift und Buch:

Wieso? Weshalb? Warum? Unsere Jahreszeiten

Die Frühlingssonne lässt Pflanzen sprießen, im Sommer zirpen die Grillen, raschelndes Laub kündigt den Herbst an. Warum verändert sich die Natur? Wie bereiten sich Tiere auf den Winter vor? tiptoi® macht den Jahreslauf mit authentischen Geräuschen, Liedern zum Mitsingen und Dialogen lebendig. Jetzt mit neuem Stift mit integriertem Audio-Player. tiptoi® Starter-Set mit Stift und Jahreszeitenbuch, die Audiodatei ist vorinstalliert, für Kinder von 4 bis 7 Jahren, ca. 55 Euro

Rauf und Runter In der Savanne sind die Erdmännchen los! Jedes möchte seine Freunde besuchen und bahnt sich den kürzesten Weg durch die Sanddünen. Ist der Besuch beendet, heißt es wieder ab zum nächstgelegenen Erdloch. Aber Achtung: Kaum ist eins im Erdloch verschwunden, wird der Spielplan gedreht und gewendet. Jetzt ist oben, was eben noch unten war, und die Erdmännchen stehen Kopf: Alle Wege haben sich verändert! Mal zur Freude, mal zum Ärger der Spieler. Da heißt es cool bleiben, den Überblick behalten und seine Superkräfte geschickt einsetzen, um das spannende Kopf-an-Kopf-Wettrennen zu gewinnen.

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Für 2 bis 4 Spieler ab 5 Jahren, von Inka und Markus Brand, Spieldauer 20 bis 25 Minuten, ca. 35 Euro

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„Vielfalt ist Bereicherung“ In der Hoffnung auf ein besseres Leben strömen jeden Tag tausende Familien nach Europa. Sie aufzunehmen ist Herausforderung und Chance zugleich. Besonders elementaren Bildungseinrichtungen kommt hier eine bedeutende Rolle zu. Schließlich ermöglichen sie ein behutsames Hineinwachsen in die neue Heimat. Zudem sind in der Welt der Kinder Herkunft und Kultur Nebensache. Es zählt, „was sie für andere Kinder empfinden“, so Karin Bauer in einem Gespräch mit „bambini.cc“. Für die Leiterin des Kindergartens Ausstellungstraße der Wiener Kinderfreunde ist „inklusive Pädagogik“ täglich gelebte Praxis …

Foto: Rawpixel/Shutterstock.com

Autorin: Petra Autherid | Fotos: www.shutterstock.com

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Dezember 2015

KARIN BAUER, Kindergartenleiterin

Foto: Fotostudio Monika Grilnberger

Kindergärten für Weltkinder


„bambini.cc“: Wie gehen Kinder mit fremdsprachigen Kindern in der Gruppe um? Karin Bauer: Mit Interesse und Neugierde. In unseren Kindergärten und Horten wissen wir, dass die Förderung der Erstsprachen der Kinder die Basis für das Erlernen von Deutsch und anderen Sprachen ist. Aus diesem Grund ermuntern wir die Eltern, mit ihren Kindern in ihrer Erstsprache zu sprechen, zu lesen, zu spielen etc. Bei uns gibt es die Regel, dass auf die gemeinsame Sprache Deutsch umgeschwenkt wird, sobald jemand dabei ist, der eine andere Sprache spricht – damit sich niemand ausgegrenzt fühlt. Die Kinder lernen Deutsch schnell, sie lieben es aber auch, voneinander Sprachen zu lernen. „bambini.cc“: Wie erleben sie anderes Aussehen, das Kopftuch, eine andere Hautfarbe und Sprache? Karin Bauer: Ebenso mit Interesse und Neugierde. Für Kinder ist es wichtig, was sie für andere Kinder empfinden; sie sind vorurteilsfrei, solange sie nicht anderweitig geprägt werden. Welche Hautfarbe oder welche anderen äußeren Kennzeichen sie aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit haben, ist Kindern egal. Die Kinderfreunde sehen Vielfalt als Bereicherung und leben das in ihren Kindergärten.

„bambini.cc“: Welche Möglichkeiten haben Pädagoginnen und Pädagogen, den Kindern Verständnis für die Lebensweise des jeweils anderen näher zu bringen? Karin Bauer: Unsere Grundhaltung der Wertschätzung von Vielfalt und Individualität ist die Basis. Wir feiern auch JahreskreisFeste der anderen Kulturen, die Kinder erzählen viel, wir haben entsprechende Bücher, singen Lieder in verschiedenen Sprachen und traditionelle Lieder aus unterschiedlichen Ländern. Eltern werden eingeladen, über die Besonderheiten ihrer Kultur und Herkunftsländer zu erzählen. Sie bringen traditionelle Kostüme mit und die Kinder verkleiden sich. Wir bitten Eltern auch dezidiert, spezielle Rezepte für gemeinsame Feste mitzubringen, und vieles, vieles mehr. „bambini.cc“: Wie werden traditionell christliche Feste gestaltet? Karin Bauer: Traditionelle Feste wie das Nikolausfest oder das Laternenfest sind wichtiger Teil der Bildungsarbeit: Die Rituale schaffen eine besondere Verbundenheit und sind schöne Gemeinschaftserlebnisse! Feste vermitteln gerade in der heutigen Zeit viele wichtige Botschaften: zu teilen, Freude und Anerken-

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nung zu bereiten sowie zu schenken – im Sinne eines freundlichen Umgangs miteinander. Jeder Kindergarten gestaltet Feste individuell nach den Bedürfnissen, dem Alter und den Erwartungen der Kinder. Wesentlich sind dabei immer das gemeinsame Gestalten und die Freude der Kinder. „bambini.cc“: Wie sind Ihre Erfahrungen bezüglich der Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Gruppe? Gibt es sozusagen eine vertretbare Höchstzahl? Karin Bauer: Nein, solange die genannten Prinzipien umgesetzt werden. Jede Leiterin, jeder Leiter sollte sich bei der Konzepterstellung für den Kindergarten überlegen, welche pädagogischen Schwerpunkte zu setzen sind und welche speziellen Förderungen die Kinder brauchen. „bambini.cc“: Wir groß sind die Gruppen? Karin Bauer: In der Kinderstube haben wir 15 Kinder, die Familiengruppe (0–6 Jahre) umfasst 20, die Kindergartengruppe (3–6 Jahre) 25 und die Hortgruppe jeweils 25 Kinder.

„bambini.cc“: Wie wirken sich Traumatisierungen aus? Welche Beobachtungen oder Erlebnisse haben Sie im Kindergartenalltag damit? Karin Bauer: Traumatisierte Kinder brauchen wie alle anderen Kinder auch eine beständige Bezugsperson, die ihnen Zeit schenkt, ein offenes Ohr für ihre Anliegen hat und ihnen Halt im Kindergarten gibt. Eine Verallgemeinerung dahingehend, dass traumatisierte Kinder vermehrt Waffen bauen, Krieg spielen, mehr kämpfen würden etc., ist aus meiner Erfahrung nicht zulässig! „bambini.cc“: Wie werden Pädagoginnen und Pädagogen bei den Wiener Kinderfreunden auf diese Herausforderungen vorbereitet? Welche Maßnahmen setzt man zur Unterstützung des Personals? Karin Bauer: Jede Pädagogin kann bei Bedarf individuelle Unterstützung von der oben genannten Erziehungsberatung erhalten. Weiters habe ich als Kindergartenleiterin die Möglichkeit, eine Teamschulung mit Spezialisten zu organisieren, oder die Kolleginnen und Kollegen können Weiterbildungen besuchen. „bambini.cc“: Wie gestaltet sich die Elternarbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund? Karin Bauer: Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, allen Eltern 58

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Herbst/Winter 2015

Inklusive Pägagogik ist von Toleranz geprägt und bereitet die Kinder auf die Diversität der Gesellschaft vor. Elementarpädagogische Einrichtungen sind ein wichtiger Teil des Integrationsprozesses.

Offenheit und Interesse gegenüber ihrer Person, Familie und Kultur zu signalisieren. Wenn dieses Interesse wirklich spürbar ist, fühlen sich die Eltern wahrgenommen, wissen ihr Kind gut aufgehoben, und einer guten Zusammenarbeit steht nichts mehr im Weg. „bambini.cc“: Und mit Eltern österreichischer Herkunft? Karin Bauer: Da auch die Eltern österreichischer Herkunft von Anfang an unseren Schwerpunkt der inklusiven Pädagogik kennen, gibt es diesbezüglich keine Probleme. Viele Eltern schätzen es sehr, dass ihre Kinder auf Diversität in der Gesellschaft vorbereitet werden. Und manche lernen mit dem Freund oder der Freundin ihres Kindes ein paar Brocken von dessen oder deren Familiensprache. „bambini.cc“: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Inklusive Pädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung und Anerkennung von Unterschiedlichkeit in Bildung und Erziehung ist. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Verb „includere“ („beinhalten, einschließen“) ab.

Foto: Robert Kneschke/Shutterstock.com

„bambini.cc“: Braucht es mehr Personal? Karin Bauer: Das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse ist besser, je geringer der Schlüssel Kind/Pädagogin ist, keine Frage! Für die Sprachförderung ist es hilfreich, dass Sprachförderinnen und -förderer der Stadt Wien in die Kindergärten kommen. Die Elternarbeit wird durch muttersprachliche Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter und unsere mehrsprachig geführten ElternCafés in einigen Kindergärten leichter. Außerdem haben wir ein mobiles Erziehungsberatungsteam, das sowohl den Eltern als auch unseren Teams zur Verfügung steht.


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Dezember 2015

Foto: Monkey Business/Shutterstock.com


Blumen im Kindergarten Die bunte Vielfalt pädagogischer Konzepte Die lang ersehnte Bildungsreform ist da. Sie sieht ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr vor. Doch welche Pädagogik soll es für den eigenen Nachwuchs sein? Im Waldorf-Kindergarten den Namen tanzen oder versonnen mit Montessoris Sinnesmaterial spielen? „bambini.cc“ räumt mit solchen Klischees auf und stellt pädagogische Konzepte näher vor. Autorin: Katharina Wallner | Fotos: www.shutterstock.com

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rziehungsvorstellungen sind etwas sehr Individuelles – geprägt von der eigenen Kinderstube und abhängig von unserer Weltanschauung und unseren Wertvorstellungen. Die Erwartungen an die Leistungen des Kindergartens sind meist sehr hoch und durchaus unterschiedlich. Gut also, dass es eine Vielzahl pädagogischer Konzepte gibt, die sich in ihren Grundzügen ganz deutlich voneinander unterscheiden. FRÖBEL: PLATZ FÜR DAS FREIE SPIEL Als Urvater des Kindergartens gilt Friedrich Fröbel (1782– 1852). Er vertrat eine Pädagogik des Wachsen-Lassens und der Förderung vorhandener Fähigkeiten und Begabungen,

ohne Lernerfolge erzwingen zu wollen. Fröbel prägte den Grundsatz: „Bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein.“ Um dies zu erzielen, war einer seiner wichtigsten Bausteine ausreichender Platz für das freie Spiel. MONTESSORI: BETONUNG DER EINZELARBEIT Ganz anders die Einstellung Maria Montessoris (1870–1952): Ihre didaktischen Materialien (Sinnesmaterialien, Sprachmaterialien, mathematische Materialen und jene für die Übung im Umgang mit Dingen des praktischen Lebens) sollen lediglich der Übung und der kindlichen Arbeit dienen. Diese als bloßes Spielzeug zweckentfremden zu wollen, widerspricht dem www.bambini.cc

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FREINET: GEMEINSAMES SPIELEN Auch im pädagogischen Konzept nach Célestin Freinet (1896–1966) übernehmen die Kinder die Verantwortung für ihre eigene Entwicklung weitgehend selbst und gestalten ihren

Die Erwartungen an die Leistungen des Kindergartens sind individuell unterschiedlich. Wie gut, dass es so vielfältige pädagogische Konzepte gibt, die sich deutlich voneinander unterscheiden!

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Dezember 2015

WALDORF: ALLES ZU SEINER ZEIT Manche Eltern würden ihr Kind vielleicht gern nicht nur in einer anderen Gruppe, sondern gar in einem anderen Konzept betreut wissen. Neugierig geworden, was hinter dem Begriff Anthroposophie steckt, könnte sich das Kind im WaldorfKindergarten von Rudolf Steiner (1861–1925) wiederfinden, wo es dem Leitsatz nach liebevolle Aufnahme erfährt: „In Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen, in Freiheit entlassen.“ Grundlage des Konzepts ist die anthroposophische Wissenschaft. Neben dem Wissen über den menschlichen Körper liefert sie auch Erkenntnisse über die Seele und den Geist und lässt ein ganzheitliches Bild des Menschen entstehen. Die Waldorfpädagogik muss immer mal wieder mit dem Image kämpfen, zu verspielt zu sein. Denn eine schnelle Förderung, um neue Leistungen zu erzielen, widerspricht ihren Grundsätzen. Alles zu seiner Zeit, heißt es hier – auf die individuelle Entwicklung und Reife wird besonders geachtet. Auch das Lernen durch Nachahmung sinnvoller Tätigkeiten ist typisch für Steiners Pädagogik. Sprache, Gestik, Mimik und Gefühl sind ganz wichtige Elemente hierfür. Gemeinsames Singen, Tanzen und Reimen fließt regelmäßig in den Tagesablauf ein. Doch auch wenn hauptsächlich handwerkliche, künstlerische und musische Betätigung der Kinder mit Waldorf assoziiert wird, bringt diese Pädagogik nicht nur Künstler hervor. Mit der Anthroposophie groß geworden sind etwa Götz Rehn, der Gründer der innovativen Biomarke Alnatura, Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette DM, und Ferdinand Alexander Porsche, Designer des Porsche 911. Wie konsequent die jeweiligen Ideologien im Kindergartenalltag tatsächlich umgesetzt werden, merken Eltern meist erst bei einem persönlichen Gespräch mit den Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort. Ein Schnuppertag kann bei der Entscheidung helfen – schließlich ist die Wahl des Kindergartens alles andere als ein Kinderspiel!

Foto: Shapiro/Shutterstock.com

Alltag. Auf diese Weise sollen sie ihre eigenen Stärken herausfinden. Denn, so die Überzeugung des Pädagogen: „Der Geist ist keine Scheune, die man füllt, sondern eine Flamme, die man nährt.“ In der Praxis sieht das so aus: Jedes Kind fertigt morgens eine Zeichnung darüber an, worauf es an diesem Tag Lust hat. In einem Morgenkreis werden diese Vorschläge dann besprochen. Von der Mehrheit angenommene Beschäftigungen stehen danach den Rest des Tages zur Verfügung. Ganz anders als die Montessori-Pädagogik und ihre markante Einzelbeschäftigung legt das Konzept großen Wert auf Gruppenzusammengehörigkeit und das gemeinsame Spielen mit anderen. Alle Kinder sollen sich einer Gruppe als zugehörig empfinden. Fühlt man sich nicht mehr wohl, ist ein Wechsel erlaubt.

pädagogischen Ansatz Maria Montessoris, der immer wieder auch Kritik ausgesetzt ist. Anders als der verspielte Fröbel, der Fantasie und Spiel viel Raum gab, sah Montessori in der Fantasie fehlende Erfahrungen in der Realität: „Ein Kind spielt nur deshalb mit einem Sessel, als wäre er Auto, weil es noch keine Gelegenheit hat, tatsächlich mit einem Auto zu fahren.“ Auch die emotionale Dimension steht in ihrem Konzept eher im Hintergrund. Vor allem durch die Betonung der Einzelarbeit wird zwar Individualität stark gefördert, soziale Beziehungen werden aber weniger berücksichtigt. Im Zentrum des pädagogischen Alltags stehen Ordnung, Stille, Konzentration, schöpferisches Lernen, Selbstentfaltung und Selbständigkeit. Vieles davon scheint, den Kritikern zum Trotz, eine gute Basis für ein erfolgreiches Leben abzugeben. Das beweisen die Lebensgeschichten bekannter „Montessori-Kinder“ wie der Google-Gründer, George Clooneys und Prinz Williams, die Großes erreicht haben – vielleicht, weil sie nach dem Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ lernen konnten. Geholfen und unterstützt wird nicht, um Schwierigkeiten zu vermeiden, sondern um diese zu überwinden.


ADVERTORIAL

Die Initiative NEUSTART SCHULE bringt Bewegung in die Bildungspolitik:

Fotos: Neustart Schule

Kindergärten endlich als Bildungseinrichtungen verstehen!

Zu den prominenten Unterstützern von NEUSTART SCHULE zählen u. a. Othmar Karas, Hannes Androsch und IV-Präsident Georg Kapsch.

NEUSTART SCHULE ist eine Initiative der Industriellenvereinigung und zahlreicher Partner (darunter Caritas, Rotes Kreuz, EduCare, ÖDKH u. v. m.). Bereits über 20.000 Unterstützer fordern auf dieser „Plattform der vielen“ eine Neukonzeption des österreichischen Bildungssystems mit gerechten Bildungschancen, individueller Förderung und Bildungsqualität auf höchstem Niveau. NEUSTART SCHULE sammelt auf Tour durch österreichische Bildungseinrichtungen die Wünsche der Betroffenen.

Die Initiative setzt sich für eine umfassende Neuordnung des heimischen Bildungswesens ein und konzentriert sich dabei auf die Reform der Pflichtschule und der Elementarbildung. „Wir wollen dem jahrelangen Stillstand in der Bildungspolitik ein Ende setzen. Die Zeit des Reparierens, Korrigierens und Nachjustierens ist vorbei. Was es in Österreich braucht, sind keine Reförmchen, sondern ein grundlegend neues Konzept des Bildungssystems und eine Aufwertung für elementare Bildungseinrichtungen. Diese müssen endlich in ein modernes Bildungsmanagement eingebettet werden“, so Tina Dworschak, die Koordinatorin der Initiative. JETZT DEN NEUSTART UNTERSTÜTZEN! FÜR MEHR BEWEGUNG IN DER BILDUNGSPOLITIK BRAUCHT ES EINE KRÄFTIGE STIMME DER ZIVILGESELLSCHAFT! WEITERE DETAILS ZU DEN AKTIVITÄTEN UND DIE MÖGLICHKEIT ZUR UNTERSTÜTZUNG GIBT ES UNTER: WWW.NEUSTART-SCHULE.AT ODER WWW.FACEBOOK.COM/NEUSTARTSCHULE.

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Bildung Grenzenlos Bundesjugendvertretung Caritas Österreich COOL – Cooperatives Offenes Lernen • Das Wiener Kindertheater • Diakonie Österreich

• Hilfswerk Österreich • Industriellenvereinigung • Initiative Neues Lernen – Köck Privatstiftung • Jedes Kind • Junge Industrie • Leonardino + Galilea

• ÖDKH – Österreichischer Berufsverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen • Österreichisches Rotes Kreuz • PBÖ • Plattform EduCare • Talentify.me

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Teach for Austria Verein Wirtschaft für Integration Volksbegehren Bildungsinitiative Wissensfabrik zoom Kindermuseum

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NEUSTART SCHULE IST EINE INITIATIVE VON:

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M O M ‘ S FA M I LY

Kinderfreunde Eltern-Tipps:

Kindergarteneingewöhnung: „Die Zusammenarbeit und das notwendige Vertrauen, das die Erziehungsberechtigen sowie Pädagoginnen und Pädagogen einander entgegenbringen, bilden die Basis für eine erfolgreiche Bildungspartnerschaft, die aus dem Kindergartenalltag nicht mehr wegzudenken ist.“

Peter Korp/Wr. Kinderfreunde

Auch für Eltern nicht immer leicht

Margit Tauber, Bereichsleitung Kindergarten und Hort, Wiener Kinderfreunde

Der Eintritt in den Kindergarten verändert nicht nur das Leben des Kleinkindes, sondern bedeutet auch für die Eltern eine große Umstellung und ein erstes Loslassen. Es ist wichtig, dass auch sie sich im Kindergarten wohlfühlen und die Zusammenarbeit mit dem Kindergartenteam gut funktioniert. Der erste Schritt des gegenseitigen Kennenlernens dient dazu, Vertrauen aufzubauen und wichtige Informationen, das Kind betreffend, auszutauschen. Denn das Kindergartenteam kann umso besser auf ein Kind eingehen, je mehr es bereits im Vorfeld über dessen Eigenheiten und Gewohnheiten weiß.

In der Folge sind erste Trennungsversuche möglich, wobei wichtig ist, das Kind immer über das kurze Weggehen zu informieren! Es darf nicht plötzlich feststellen, dass es „allein gelassen“ wurde. Dass das Vertrauen zwischen Eltern und Kind in dieser Phase nicht an Stabilität verliert, ist von großer Bedeutung. Die Pädagogin bzw. der Pädagoge übernimmt zunehmend die Betreuung des Kindes und versucht, langsam dessen Vertrauen zu gewinnen. Um das zu ermöglichen, ist es wichtig, dass die Bezugsperson sich möglichst zurückhält und „passiv“ bleibt. Es bewährt sich auch, wenn das Kind ein Kuscheltier oder einen anderen Lieblingsgegenstand von zu Hause mitbringt, der zum tröstenden Weggefährten wird. 64

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Dezember 2015

Foto: Serhiy Kobyakov/Shutterstock.com

Für das Kind wiederum ist es wichtig, so viel Zeit zu bekommen, wie es braucht, um sich gut in der Gruppe einzuleben. Hier bewähren sich sogenannte Schnuppertage vor dem Eintritt, an denen das Kind den Kindergarten, den Gruppenraum, die anderen Kinder und das Kindergartenteam kennenlernt. An den ersten Tagen der Eingewöhnung ist es dann wichtig, dass die Bezugsperson zwar ständig im Raum bleibt, sich aber gleichzeitig nicht zu sehr aktiv am Geschehen beteiligt, da sich das Kind ja von ihr lösen soll.

Die Wiener Kinderfreunde führen in Wien 160 Kindergärten und Horte mit rund 12.000 Kindern. Den Kindergarten verstehen sie als Bildungseinrichtung, in der sie die Kinder in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen – mit den Eltern als Partnern. In vier Familienberatungsstellen stehen die Expertinnen und Experten der Kinderfreunde Eltern auf Wunsch beratend zur Seite.

BAMBINI NEWS 04 2015  
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