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nie immer genug CollagenMalerei 1997–2007

BE RNA DETT E RO SA M Ü L L E R never always enough CollagePaintings 1997–2007

Rosen über Rosen, Dahlien, Lilien und kleine Eroten – in unendlich scheinender Vielfalt und „nie immer genug” – sprießen aus Schichten farbiger Seidenpapiere und überziehen großformatige Collagen-Gemälde. Ausschnitte von Reproduktionen alter Meister und Buchillustratoren überwuchern den Bildgrund nicht naturgesetzlich, sondern gehorchen den Setzungen einer strengen Gartenarchitektin: Bernadette Rosa Müller verbindet in ihrer umfangreichen Serie Natur-Gärten „verkünstelte” Natürlichkeit mit rational strukturierter Künstlichkeit – und ihre seriellen Werke erzählen viele Geschichten: über die Sicht des Menschen auf die Natur, über Abbild und Original, über Aufmerksamkeit und Schnelllebigkeit, über Schönheit und Vergänglichkeit.

Roses on roses, dahlias, lilies, and little cupids sprout from layers of colored tissue paper covering large format collage paintings in a seemingly endless diversity, and “never always enough”. The picture ground is overgrown with excerpts of reproductions of Old Masters and book illustrators; not in a natural way, but according to the designs of a strict landscape architect. In her extensive series Nature-Gardens, Bernadette Rosa Müller combines “over-done” naturalness with rationally structured artificialness. Her series of works tells a variety of stories: about the way that people view nature, about copy and original, attentiveness and a fast-pace, and about beauty and transience.

never always enough

BE RNA DETT E RO SA M Ü L L E R

CollagenMalerei 1997–2007

ISBN 978-3-902612-53-3

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N IE IMM ER GEN UG

Bernadette Rosa Müller CollagenMalerei 1997 –2007

N E V E R A LWAY S E N O U G H

Bernadette Rosa Müller CollagePaintings 1997 –2007

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I N H A LT

Christine Humpl E S GIBT NIE IMMER GENUG

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Fensterläden „Röntgen“-Collagen Natur-Gärten Himmelblumen Lucas Gehrmann N U NQUA M S E M P E R S AT I S , ODER: EINE ROSE IST KEINE ROSE …

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Muttergottes Natur-Gärten rot Natur-Gärten orange Natur-Gärten gold Natur-Gärten hell Toni Oberhauser NACH WORT

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Biografie

C ON T E N T

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Christine Humpl T H E R E I S N E V E R A L WAY S E N O U G H

15 18 27 59 62

Shutters “X-Ray”-Collages Nature-Gardens Heaven Flowers Lucas Gehrmann N U NQUA M S E M P E R S AT I S , OR: A ROSE IS NOT A ROSE …

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Blessed virgin Nature-Gardens red Nature-Gardens orange Nature-Gardens gold Nature-Gardens light Toni Oberhauser E PI L O GU E

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Biography

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Christine Humpl

„ E S GIBT NIE IMMER GENUG“ D I E NAT U R - GÄ RT E N VO N B E R NA D E T T E R O S A MÜLLER Der Beginn: Von der Reduktion zur Fülle Mit einem breiten Pinsel setzt Bernadette Rosa Müller spontan Striche auf die eine Hälfte eines grauen Seidenpapierblatts im Format 50 + 75 cm. Sie faltet das Blatt in der Mitte und „kopiert“ dadurch das Motiv auf die andere Seite. Statt Farbe verwendet sie aber Chlor. Die Künstlerin kehrt den traditionellen Malvorgang also um, fügt dem Träger nicht Farbe hinzu, sondern entzieht sie ihm. Dadurch entstehen Werke mit der Ästhetik von Röntgenbildern. Bald schon kaschiert die Künstlerin jedoch die schwarzgrauen Seidenpapierblätter rasterartig auf Leinwände, klebt Blütenmotive aus Papier darauf und bearbeitet diese Motive spontan mit Öl- und Acrylfarbe. Bernadette Rosa Müller verwendet nun immer öfter helles Seidenpapier und kehrt die bei ihren dunklen Collagen verwendete Arbeitsweise wieder um: Dem Papier wird keine Farbe mehr entzogen, sondern es wird von Hand bemalt und bedruckt. Auf die schwarzgrauen Bilder (1997 –2000) folgen helle Leinwandarbeiten. Die Arbeitsphase der hellen, verklärt wirkenden Collagen beginnt 2001 und dauert bis heute an. Für die knallroten Blumenbilder (2006 –2007) arbeitet Bernadette Rosa Müller mit Großformaten von bis zu 2,2 + 1,6 m. Die aktuellen Arbeiten (ab

Aus der Serie Grau | from the Series Grey | 50 × 40 cm | 1997

Christine Humpl

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“ T H E R E I S N E V E R A L WAY S E N O U G H ” T H E NAT U R E - GA R D E N S OF B E R NA D E T T E ROSA MÜLLER The Beginning: from reduction to abundance With a broad brush, Bernadette Rosa Müller makes spontaneous strokes on one half of a grey 50 x 75 cm sheet of tissue paper. She folds the sheet in the middle and thereby “copies” the motif onto the other side. But instead of paint, she is using chlorine. The artist in effect reverses the traditional painting process, not adding colour to the paper, but extracting it. In this way, works with the aesthetic of x-ray images are created. Soon, though, the artist mounts the grey-black tissue paper onto canvases in a grid-like pattern, pastes flower motifs made of paper on top, and spontaneously works on these motifs with oils and acrylics. Bernadette Rosa Müller now applies more and more light tissue paper, reversing the way she worked with the dark collages: colour is no longer extracted from the paper, instead, it now is painted and printed by hand. Light-coloured works on canvas follow the grey-black pictures (1997 –2000). The phase of working with light, seemingly transfigured collages begins in 2001 and continues until today. For the bright red flower pictures (2006 –2007), Bernadette Rosa Müller works in formats as large as 2.2 + 1.6 m. The current works (since

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2007) entstehen auf orangefarbenem, weißem und goldenem Hintergrund mit einem maximalen Format von 2,9 + 1,9 m – eine Größe, die gerade noch durch die Ateliertüre passt. Was mit einer starken Reduktion begonnen hat, ist heute, zehn Jahre später, ein riesiger Werkblock aus mehreren hundert Arbeiten mit dem Titel Natur-Gärten. Die Oberfläche: Schönheit, die verführt Im Jahr 2005 bin ich im Zuge einer Ausstellungsvorbereitung das erste Mal im Atelier von Bernadette Rosa Müller. Es ist eine überwältigende Begegnung mit Farben und Materialien: Auf Leinwänden und Papier, an den Atelierwänden, in Büchern, auf Objekten und Installationen, selbst auf Gebrauchsgegenständen befinden sich Abbildungen von Blütenpflanzen. Damals wie heute fühle ich mich spontan von der Oberfläche und „Schönheit“ dieser Blütenbilder angezogen. Die direkte Begegnung mit einem Kunstwerk und die damit verbundene ästhetische Erfahrung stellen einen wichtigen Zugang für den Kunstbetrachter dar. Roger M. Buergel hat das ästhetische Erlebnis sogar in seinen Leitmotiven für die documenta 12 (2007) beschrieben: „KünstlerInnen bilden sich selbst, indem sie Formen und Inhalte durcharbeiten; das Publikum bildet sich, indem es Dinge ästhetisch erfährt. […] Heute erscheint ästhetische Bildung

als die einzig tragfähige Alternative zu Didaktik und Akademismus auf der einen und Warenfetischismus auf der anderen Seite.“1 Die „Schönheit“ der Arbeiten von Bernadette Rosa Müller ermöglicht einen leichten Zugang. Rosen und Liliengewächse, die von der Künstlerin am häufigsten verwendeten Blütenpflanzen, stehen nicht zuletzt für Schönheit, Liebe, Leben und verbreiten einen unvergleichlich feinen Duft. Die Technik der Collage erzeugt eine fast dreidimensionale Oberfläche, und damit geht ein Realismus einher, der auf den Kunstbetrachter anziehend wirkt. Die Natur-Gärten sind visuell verführerisch und lassen den Betrachter ihre „Aura“ spüren. Alles, was wir über das Bild wissen könnten, tritt zunächst zurück. Werke, die den Betrachter über die Ästhetik ihrer Oberfläche fesseln, riskieren, schnell beurteilt zu werden. So mancher könnte nur diese Oberfläche sehen und die Bilder deshalb als kitschig oder dekorativ abtun. Zweifellos besteht bei den Natur-Gärten von Bernadette Rosa Müller diese Gefahr. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass sie polarisieren: Die einen lieben die Arbeiten, die anderen können mit ihnen gar nichts anfangen. Die Betrachtung: Ebenen, die sich erschließen Jenen Betrachtern, die den Einstieg in die Leinwandcollagen von Bernadette Rosa Müller über die „oberflächliche“ Ästhetik schaf-

Ohne Titel | untitled | 190 × 140 cm | 1997

2007) are being created on orange-coloured, white and golden backgrounds with a maximal format of 1.9 + 2.9 m – a size that just about passes through the doors to her studio. What began with austere reduction is today, ten years later, a huge body of work, consisting of several hundred pieces, entitled Nature-Gardens. The Surface: beauty that seduces In 2005, while preparing an exhibition, I am in the atelier of Bernadette Rosa Müller for the first time. It is an overwhelming encounter with colours and materials: on canvases and paper, on the walls of the studio, in books, on objects and installations, even on utensils, there are pictures of flowering plants. Then as now I feel myself spontaneously drawn to the surface and “beauty” of these flower images. The direct encounter with a work of art, and the aesthetic experience connected with this, present an important means of access for art viewers. Roger M. Buergel even described the aesthetic experience in his leitmotifs for documenta 12 (2007): “Artists educate themselves by working through form and subject matter; audiences educate themselves by experiencing things aesthetically […] Today, education seems to offer one viable alternative to the devil (didacticism, academia) and the deep blue sea (commodity fetishism).”1

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The “beauty” of the works of Bernadette Rosa Müller makes them easily accessible. After all, roses and lilies, the flowering plants the artist most often uses, stand for beauty, love, and life and exude an incomparably fine scent. The collage technique generates a nearly three-dimensional surface, which engenders a sense of realism that draws the viewer in. The Nature-Gardens are visually seductive and allow the viewer to sense their “aura”. Everything else that we could know about the picture recedes, to begin with. Works that grip the beholder through their surface aesthetics risk being quickly judged. Someone or other might see only these surfaces, and so dismiss the pictures as kitschy or decorative. Doubtless this danger exists for the Nature-Gardens by Bernadette Rosa Müller. It is therefore not surprising that these works are polarizing: some people love them, while others don’t know what to make of them. Contemplation: levels that bloom For those viewers who do find access to Bernadette Rosa Müller’s collaged canvases via their “surface” aesthetic, many additional levels open up. These involve visual, formal, technical and thematic aspects, and extend to an inquiry into the limits of painting as a medium and to themes such as originality and authorship.

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fen, erschließen sich viele zusätzliche Ebenen. Es handelt sich um visuelle, formale, technische und inhaltliche Aspekte, bis hin zur Frage nach den Grenzen des Mediums Malerei oder zu Themen wie Originalität und Autorschaft. Reproduktion und Serielles Ausgangspunkt der Leinwandcollagen von Bernadette Rosa Müller sind Pflanzendarstellungen anderer Künstler, Kunsthandwerker und Grafiker. Mit einem Farbkopierer werden die Blütenmotive beliebig vervielfältigt und vergrößert, eine künstlerische Praxis, die an die Pop-Art erinnert. Die Autorschaft ist nicht mehr ersichtlich und die Motive werden in einen neuen, von der Künstlerin bestimmten Kontext gestellt. Im Laufe ihrer langjährigen künstlerischen Tätigkeit hat Müller ein großes Archiv mit Pflanzenabbildungen angelegt. Fündig wird sie auf der ganzen Welt, in kunstvollen Bildbänden und Kupferstichen berühmter Buchillustratoren und Blumenmaler (bevorzugt Pierre-Joseph Redouté, Les Liliacées, Paris 1802 – 1816, und Les Roses, Paris 1817 – 1824), aber durchaus auch im Papiergeschäft um die Ecke, das Geschenkpapier oder Servietten mit Blütendruck anbietet. Diese Abbildungen sind häufig sehr naturalistische Wiedergaben der Pflanzen, manchmal aber auch künstlerisch freie Umsetzungen, die bis hin zum Kitsch reichen. Viele der von Müller

Ohne Titel | untitled | 200 × 140 cm | 1997

Reproduction and serial works Depictions of plants created by other artists, artisans and graphic designers are the starting point for the collage canvases of Bernadette Rosa Müller. The flower motifs are reproduced and enlarged as desired with a colour copier, an artistic practice reminiscent of Pop Art. Authorship is no longer apparent and the motifs are placed into a new context that the artist determines. During the course of her many years of artistic activity, Müller has assembled a large archive of botanic images. She finds them all over the world, in elaborate coffee-table books and the copperplate engravings of famous book illustrators and flowers painters (favourites are Pierre-Joseph Redouté, Les Liliacées, Paris 1802 – 1816, and Les Roses, Paris 1817 – 1824), but also in the stationery store around the corner that sells gift-wrap and napkins with flower prints. These depictions are often quite naturalistic renderings of the plants, but they can also be artistically free interpretations that verge on kitsch. Many of the botanic portrayals Müller uses were done by watercolourists in painstaking work that often took months or years. The artist notes: “What I appropriate here is the ‘time factor’ of the bygone era, and [I] transfer this, as it were, into the present. From a critical point of view, I see this as a kind of temporal phenomenon that reacts to today: fastmoving, one takes things over, short-lived and consumed.”2

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verwendeten Pflanzendarstellungen wurden in mühevoller, oft monate- oder jahrelanger Arbeit von Aquarellisten angefertigt. Dazu die Künstlerin: „Was ich hier übernehme, ist der ‚Zeitfaktor‘ der vergangenen Zeit, und [ich] übertrage dies sozusagen in die jetzige Zeit. Kritisch betrachtet, sehe ich dies wie eine Art Zeiterscheinung, die reagiert auf das Heute: schnelllebig, man übernimmt Dinge, kurzlebig und konsumiert.“2 Alle Bilder aus der Serie der Natur-Gärten folgen einer bestimmten „mathematischen“ Ordnung oder Logik, wie die Künstlerin selbst schmunzelnd formuliert. Die Papiercollagen werden nach einem von Müller für jedes Bild eigens festgelegten Raster auf die Leinwand aufkaschiert. Am Rand der Leinwand wird das Seidenpapier einfach abgeschnitten – als würde eine Druckmaschine plötzlich stoppen. Der Untergrundraster in den Natur-Gärten könnte also endlos laufen – die Leinwand von Bernadette Rosa Müller ist endlos. Auch die Arbeitsweise der Künstlerin ist seriell, denn sie fertigt von jedem Bild mindestens 10 Stück an, bei den kleineren Arbeiten im Format 30 x 30 cm kann eine Serie auch aus 100 Stück bestehen. Einmaligkeit und Visuell-Formales Bernadette Rosa Müller verwendet in ihren Natur-Gärten immer wieder ähnliche Motive. Die Blüten wiederholen sich in verschie-

Der Weg | The Way | 180 × 140 cm | 1997

All the pictures from the series Nature-Gardens obey a certain “mathematical” order or logic, as the artist herself says with a smile. The paper collages are mounted onto the canvas according to a grid Müller plots for each picture. At the edge of the canvas, the tissue paper is simply cut off – as if a printing machine suddenly stopped. The subterranean grid in Nature-Gardens could thus go on forever – Bernadette Rosa Müller’s canvas is endless. The artist’s way of working also is serial, for she makes at least 10 of each picture; a series of the smaller works, formatted 30 + 30 cm, can consist of 100 pieces. Uniqueness and visual-formal elements Bernadette Rosa Müller uses similar motifs time and again in her Nature-Gardens. The flowers recur in various pictures, the same plants also appear several times within a given work. Despite this “technical reproducibility” of the individual elements, every work is different. The motifs are cut out by hand, never in exactly the same way; the flowers are arranged differently, sometimes they have leaves, a piece of the stem, but never thorns. Then they are additionally worked on, spontaneously, with paint – usually white, black or a colour that goes with the blossom. The motifs are mounted in a multistage procedure on hand-painted, handprinted tissue paper. This creates a texture that could not be

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denen Bildern, die gleichen Pflanzen treten auch innerhalb eines Werks mehrfach auf. Trotz dieser „technischen Reproduzierbarkeit“ der einzelnen Elemente ist jede Arbeit anders. Die von Hand ausgeschnittenen Motive weisen nie dieselben Schnittstellen auf, die Blüten werden unterschiedlich angeordnet, sie bekommen manchmal Blätter dazu, ein Stück des Stiels, niemals jedoch Dornen. Zudem werden sie spontan malerisch nachbearbeitet, meist mit weißer, schwarzer oder zur Blüte passender Farbe. Die Motive werden in einem mehrstufigen Verfahren auf von Hand bemaltes und bedrucktes Seidenpapier montiert. Dadurch entsteht eine Textur, die durch reine Malerei nicht erzeugt werden könnte. Die Blumencollagen von Bernadette Rosa Müller verändern sich visuell sehr stark, je nachdem, zu welcher Tageszeit sie betrachtet werden. In der Früh, wenn die ersten Sonnenstrahlen von Osten her auf die Arbeiten fallen, wirken diese sehr verklärt und laden den Betrachter zur Hingabe an die Schönheit ein. Wenn die Sonne langsam nach Süden und dann nach Westen wandert, wirken die Bilder realistischer – dies ist die Zeit, über die Schichten unter der Oberfläche nachzudenken. Dann aber, wenn es dämmert und das Naturlicht schwindet, merkt der Betrachter vielleicht zum ersten Mal, wie „entwurzelt“ die Motive wirklich sind, formale Aspekte treten plötzlich ins Zentrum der Betrachtung. So sind die Blüten weder durch den Stängel noch durch Blätter und erst recht nicht

durch Erde im Bild verankert. Alle Elemente schweben gleichsam auf eigenen Ebenen im Malraum. Wenn dann später das natürliche Licht komplett verschwunden ist, wirken die Blüten oft wie dunkle Flecken, verwelkt, aus dem Kontext gerissen, fast bedrohlich. Natur und Künstliches Bernadette Rosa Müller arbeitet meist mit sehr naturalistischen Blumenmotiven. Trotzdem wirken ihre Leinwände künstlich. Ihre Blumengärten und -landschaften sind künstliche Schönheiten, die es so nicht gibt. Vielleicht sind wir es als Betrachter schon gewohnt, Künstliches als schön zu betrachten. Kritisch merkt Müller dazu an, die Künstlichkeit ihrer Arbeiten weise „auf eine Art ‚Natur-Denaturalisierung-Künstlichkeit‘ hin, in der wir uns teilweise in unserer täglichen Umgebung bewegen, wo sich der Mensch der Natur wohl schon enthoben sieht“.3 Martin Seel hat die Natur nicht nur als Ort der Kontemplation und mit dem eigenen Leben korrespondierenden Ort, sondern auch als Schauplatz der Imagination beschrieben: „Ich werfe einen dritten Blick aus dem Fenster: vor mir liegt eine malerische Szenerie. Das Fenster wird zum Rahmen eines lebenden Bildes. Jetzt korrespondiert der See nicht mit dem Leben, er korrespondiert mit der Kunst. Gestern waren es Lorrain und Watteau, heute ist es Turner und dann Hodler, mit denen der See Zwiesprache hält“.4 Die Natur kor-

Linolschnitt-Collage | Lino-cut-Collage | 145 × 145 cm | 2000

generated by painting alone. The flower collages of Bernadette Rosa Müller look very different depending on the time of day one views them. Early in the morning, when the first rays of the sun from the east fall on the works, they seem quite transfigured and invite beholders to abandon themselves to the beauty. When the sun slowly moves to the south and then to the west, the pictures appear more realistic – this is the time to think about the layers under the surface. But then, when it becomes dusky and the natural light fades, a viewer notices perhaps for the first time how “uprooted” the motifs really are; formal aspects suddenly come to the centre of observation. The flowers are anchored in the picture by neither stems nor leaves, and certainly not by the earth. All of the elements float, as it were, on their own levels of the picture plane. Later on, when the natural light has completely disappeared, the flowers often seem like dark blotches, withered, torn from their context, almost menacing. Nature and artificiality Bernadette Rosa Müller usually works with very naturalistic flower motifs. Nevertheless, her canvases have an element of artificiality about them. Her flower gardens and landscapes are artificial beauties that do not exist as such. Perhaps we as observers are already used to seeing artificial things as beautiful. Müller critically

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notes in this regard that the artificiality of her works points “to a kind of ‘nature-denaturalization-artificiality’ that we to some extent are negotiating in our daily surroundings, where individuals probably already see themselves as set apart from nature.”3 Martin Seel has described nature as not only a locus of contemplation and a place that corresponds with one’s own life, but also as a staging ground for the imagination: “I glance a third time out the window: picturesque scenery lies before me. The window becomes the frame for a living picture. Now the lake doesn’t correspond with life, it corresponds with art. Yesterday it was Lorrain and Watteau, today it’s Turner and then Hodler with whom the lake is conversing.”4 Accordingly, nature also corresponds with art, and with the aesthetic experiences we have had with works of art. Objects and scenery in nature can “seem like works of art, although they are neither art nor artificial.”5 Perhaps the point of Bernadette Rosa Müller’s works lies precisely here, in that the artist takes this imaginative perception of nature as her central theme, thus anticipating the assumptions involved in the reception of her works. Abundance: where does it go from here? What could possibly come after the enormous cycle of NatureGardens? An increase in format is hardly possible, technically or

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respondiert demnach auch mit der Kunst und unseren anhand von Kunstwerken gemachten ästhetischen Erfahrungen. Objekte und Szenerien der Natur können „wie Kunstwerke erscheinen, obwohl sie weder Kunst noch künstlich sind“.5 Vielleicht liegt die Pointe der Arbeiten von Bernadette Rosa Müller gerade darin, dass die Künstlerin diese imaginative Wahrnehmung der Natur thematisiert und damit die Voraussetzungen für die Rezeption ihrer Werke mitdenkt. Die Fülle: Wie geht es weiter? Was kann noch kommen nach dem enormen Zyklus der NaturGärten? Eine Formatsteigerung ist technisch und logistisch kaum mehr möglich – Farbnuancen und Blütenspielarten gäbe es hingegen noch viele. Die Arbeits- und Installationsweise von Bernadette Rosa Müller weist auf einen anderen Weg hin. Die Bilder werden immer mehr in Situationen einbezogen, greifen in den Raum hinein. Die Künstlerin denkt an Rauminstallationen mit handgemalten Blütentapeten. All das ist sehr konsequent und es könnte Bernadette Rosa Müllers Natur-Gärten jetzt genauso gehen wie damals dem grauen Blatt Papier. Die Leinwandcollagen könnten ihre Eigenständigkeit verlieren und Teil eines neuen Werkzyklus werden. Vielleicht fotografiert die Künstlerin die Natur-Gärten und verwendet sie in dieser Form für neue Arbeiten?

Eines ist spürbar: Das Thema der Natur-Gärten setzt sich fort und ist für Bernadette Rosa Müller längst noch nicht ausgeschöpft. „Es gibt nie immer genug“ hat sie kürzlich mit roter Farbe auf ein auf dem Boden liegendes Seidenpapier gepinselt. Auf einer großformatigen Leinwandcollage, die sich bereits im Lagerraum des Ateliers befindet, steht mit ähnlichem Pinselstrich geschrieben: „Dein wundervolles Leben“. Wundervoll schön geht es weiter. 1

Roger M. Buergel, Leitmotive, Dezember 2005, www.documenta12.de/leitmotive.html?&L=0 [7. 2. 2008].

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Bernadette Rosa Müller in einem unveröffentlichten Gespräch mit Kurt Lüthi, Galerie Arthouse, Dornbirn, Oktober 2004

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ebenda

4

Martin Seel, Eine Ästhetik der Natur, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, S. 135 ff.

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ebenda, S. 136

Christine Humpl hat Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und Chicago studiert und arbeitet seit 2000 als Kuratorin im Essl Museum in Klosterneuburg bei Wien.

Natur-Gärten hell | Nature-Gardens light | 190 × 290 cm | 2007

logistically – but there still would be many nuances of colour and kinds of flowers to play with. The way Bernadette Rosa Müller works and composes her installations seems to indicate another path. The pictures are becoming more and more integrated into situations, extending into the space. The artist is thinking about room-size installations with hand-painted flower wallpaper. All this is quite logically consistent, and what once happened to that grey sheet of paper could now happen to Bernadette Rosa Müller’s Nature-Gardens as well. The collages on canvas could lose their independence and become part of a new cycle of works. Perhaps the artist will photograph the Nature-Gardens and use them in this form for new works? One senses that the Nature-Gardens theme will continue and is nowhere near being exhausted, as far as Bernadette Rosa Müller is concerned. “There is never always enough”, she recently daubed onto some tissue paper lying on the floor in red brushstrokes. On a large-format canvas collage, which has already made its way to her atelier storeroom, is written in a similar hand: “Your wonderful life”. Wonderfully beautiful, it goes on.

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1

Roger M. Buergel, Leitmotive, December 2005, www.documenta12.de/leitmotive.html?&L=0 [February 7, 2008].

2

Bernadette Rosa Müller in an unpublished conversation with Kurt Lüthi, Vienna 2000

3

ibid.

4

Martin Seel, Eine Ästhetik der Natur, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, p. 135 ff.

5

ibid., p. 136

Christine Humpl studied art history and economics in Innsbruck and Chicago and has worked since 2000 as a curator in the Essl Museum in Klosterneuburg near Vienna.

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Dein Wundervolles Leben | Your wonderfull Life | 180 Ă— 140 cm | 2007

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Fensterläden | Shutters | 145 × 145 cm | 1997

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Fensterläden | Shutters | 145 × 145 cm | 1997

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Natur-Gärten dunkel | Nature-Gardens dark | 200 × 150 cm | 1997

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Natur-Gärten dunkel | Nature-Gardens dark | 200 × 150 cm | 2000

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Natur-Gärten dunkel | Nature-Gardens dark | 200 × 150 cm | 2000

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Lough | Live | Love | 30 Ă— 30 cm | 2007

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Ohne Titel | untitled | 145 x 145 cm | 1997

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Portrait | Portrait | 145 Ă— 145 cm | 1997

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Ohne Titel | untitled | 180 Ă— 140 cm | 1998

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Ohne Titel | untitled | 200 × 140 cm | 1997

Ohne Titel | untitled | 190 × 140 cm | 2000

Ohne Titel | untitled | 200 × 140 cm | 2000

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 200 × 140 cm | 1998

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 200 × 140 cm | 2000

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Natur-Gärten dunkel | Nature-Gardens dark | 200 × 140 cm | 2000

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Natur-Gärten dunkel | Nature-Gardens dark | 200 × 150 cm | 2000

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Grau | Grey | 50 × 40 cm | 1997

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 30 × 30 cm | 2007

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2001

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Natur-Gärten | nature-gardens | 145 × 145 cm | 2005

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2003 Natur-Gärten hellblau | Nature-Gardens lightblue | 145 × 145 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2000

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2000

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2001

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2002

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2002

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2002

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Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2002

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Ohne Titel | untitled | 30 Ă— 30 cm | 2007

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Himmelblumen | Heaven Flowers | 180 Ă— 140 cm | 2005

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Himmelblumen | Heaven Flowers | 145 Ă— 145 cm | 2005

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Himmelblumen | Heaven Flowers | 180 Ă— 140 cm | 2005

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Lucas Gehrmann

N U NQUA M S E M P E R S AT I S , ODER: EINE ROSE IST KEINE ROSE … „Man denke an einen Rosenstrauß: ich lasse ihn meine Leidenschaft bedeuten. Gibt es hier nicht doch nur ein Bedeutendes und ein Bedeutetes, die Rose und meine Leidenschaft? Nicht einmal das, in Wahrheit gibt es hier nur die ‚verleidenschaftlichten‘ Rosen. Aber im Bereich der Analyse gibt es sehr wohl drei Begriffe, denn diese mit Leidenschaft besetzten Rosen lassen sich durchaus und zu Recht in Rosen und Leidenschaft zerlegen. Die einen ebenso wie die andere existierten, bevor sie sich verbanden und dieses dritte Objekt, das Zeichen, bildeten. Sowenig ich im Bereich des Erlebens die Rosen von der Botschaft trennen kann, die sie tragen, so wenig kann ich im Bereich der Analyse die Rosen als Bedeutende den Rosen als Zeichen gleichsetzen: das Bedeutende ist leer, das Zeichen ist erfüllt, es ist ein Sinn.“B Bernadette Müller collagiert Bilder von Rosen (und anderer Blumen/Blüten) zu Bildern, die auf den ersten Blick das „Zeichen“ – die „verleidenschaftlichen“ Rosen – zu zeigen vermeinen. Geschürt wird diese Prima-vista-Rezeption durch die Aura, die manche eingesetzten Versatzstücke wiedergegebener Natur umgibt: Dürers Rasenstück zum Beispiel oder Darstellungen aus Linnés Systema Naturae. Ikonen der Naturbetrachtung also. Auf den zweiten Blick, den langsameren und um so wichtigeren Blick auf alles, was

Natur-Gärten | Nature-Gardens | 180 × 140 cm | 2001

Lucas Gehrmann

N U NQUA M S E M P E R S AT I S , OR: A ROSE IS NOT A ROSE … “Take a bunch of roses: I use it to signify my passion. Do we have here, then, only a signifier and a signified, the roses and my passion? Not even that: to put it accurately, there are here only ‘passionified‘ roses. But on the plane of analysis, we do have three terms; for these roses weighted with passion perfectly and correctly allow themselves to be decomposed into roses and passion: the former and the latter existed before uniting and forming this third object, which is the sign. It is as true to say that on the plane of experience I cannot dissociate the roses from the message they carry, as to say that on the plane of analysis I cannot confuse the roses as signifier and the roses as sign: the signifier is empty, the sign is full, it is a meaning“ (Roland Barthes).* Bernadette Rosa Müller collages images of roses (and other flowers/blossoms) into pictures that at first glance seem to show the “symbol” – the “passionified” rose. This prima vista reception is stoked by the aura emanating from several inserted background bits of nature depictions: Dürer’s Rasenstück, for example, or representations from Linné’s Systema Naturae. Icons of reflection on nature, that is. On second glance, that is, with the slower and hence more important gaze at everything that awaits us symbolically, we might possibly be able to recognize something else: the

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uns zeichenhaft entgegenblickt, vermögen wir womöglich etwas anderes zu erkennen: die Kopie/Reproduktion des „Zeichens“, dessen Multiplikation und seine subjektive Interpretation. Was nämlich technisch in Bernadette Müllers Arbeiten als Kombination von Monotypie und Collage beschrieben werden kann, kommt bei ihr als „Malerei“ in einem erweiterten Begriff zum Ausdruck. Die Künstlerin schichtet und arrangiert ihre Materialien und Motive nach gleichsam konstruktivistisch-malerischen Prinzipien und derangiert die so entstehende strenge Bild-Ordnung zugleich mittels tachistisch-spontaner Eingriffe, die ihrerseits der Malerei entstammen. Die durchwegs „naturalistischen“ Einzelbild-Motive erfahren dadurch eine mehrfache „De-Naturalisierung“ – sie werden zu Farb- und Formelementen eines insgesamt konstruierten Bild-Gebäudes, ohne im Detail ihre verführerisch schöne Natürlichkeit einzubüßen. Die Sprachen der Natur und der Technologie geraten – wenn auch jede für sich vernehmbar – hier nicht in den uns aus der Realität bekannten Konflikt, da die Sprache der Kunst sie übersetzend verbindet. Bernadette Rosa Müllers Natur-Gärten lassen das Konfliktpotenzial aber deutlich erahnen, was diese Arbeiten nicht zuletzt weit weg von jeder Idealisierung von (natürlicher) Wirklichkeit führt. Mehrfach deutbar ist auch der Titel, der gedruckten Versammlung ihrer Natur-Gärten. „Nie immer genug“, gelesen wie „nie genug

oder immer genug“, spricht über die Fülle, die Überfülle, das Verlangen nach Mehr ebenso wie über die Sättigung, Übersättigung. Eine Anspielung auf unsere Konsum- und Leistungsgesellschaft? Als eine „Devise“ der Künstlerin gelesen, könnte sie aber auch besagen, dass es (ihr) weniger darum geht, dem Prinzip des horror vacui zu folgen als zu einem bestimmten plus ultra zu gelangen – zu einer die Grenzen zwischen Natur und Zivilisation überschreitenden concordatio. 1

„Die große Familie der Menschen“, in: Roland Barthes, Mythen des Alltags.

Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1964, S. 90 f. Lucas Gehrmann studierte Kunstgeschichte und Archäologie in Wien, leitete von 1995 bis 2004 den Triton-Verlag, war von 1997 bis 2005 Kurator an der Kunsthalle Wien und ist seither als freier Kurator und Kunstpublizist in Wien tätig.

Natur-Gärten | Nature-Gardens | 145 × 145 cm | 2002

copy/reproduction of the “symbol”, its multiplication and subjective interpretation. In Müller’s works, that which can, namely, be described technically as a combination of monotype and collage, comes through as “painting” in an expansion of the term. The artist collages and arranges her materials and motifs according to constructivist-painterly principles to subsequently disrupt the resulting image organisation by spontaneous tachist interventions. The consistently “naturalistic” individual motifs are thus guided through several steps of “denaturalisation” – they are turned into elements of colour and shape in the context of a constructed image without losing the details of their natural allure. In this way, the idioms of reason and intuition do not conflict in the way we are familiar from everyday reality. While still individually perceptible, they instead enter into a harmonious relationship with one other. And yet, the harmony clearly remains; a harmony of opposites, which also preserves the potential for conflict, ultimately guiding Bernadette Müller’s Nature-Gardens beyond any idealised depiction of (natural) reality. The title that the artist gives to the printed collection of her Nature-Gardens, “Never always enough” can be interpreted in a number of ways. Read as “never enough or always enough,” it speaks about abundance, overabundance, the desire for more as well as about saturation and over-saturation. Is it a jibe at our

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culture of consumption and achievement? Read as a “devise” of the artist, it could also mean that for her, the point is to arrive at a certain plus ultra – a concordatio, crossing the border between nature and civilization – rather than following the principle of the horror vacui. *

Roland Barthes, Mythologies, “Myth Today“, p. 113

Annette Lavers, transl., copyright 1972 Jonathan Cape; New York, The Noonday Press, division of Farrar, Straus & Giroux, 1991 (pb) Lucas Gehrmann studied art history and archaeology in Vienna. From 1995 to 2004 he was editor-in-chief at Triton-Publishers, Vienna. From 1997 to 2005 he worked as a curator at the Kunsthalle Wien. Since 2005 he has worked as a freelance curator and art critic in Vienna.

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Ohne Titel | untitled | 30 Ă— 30 cm | 2007

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Muttergottes | Blessed Virgin | 145 Ă— 145 cm | 2005

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Muttergottes | Blessed Virgin | 145 Ă— 145 cm | 2005

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Ohne Titel | untitled | 30 Ă— 30 cm | 2007

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Natur-Gärten rot | Nature-Gardens red | 220 × 160 cm | 2007

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Natur-Gärten rot | Nature-Gardens red | 220 × 160 cm | 2007

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Natur-Gärten rot | Nature-Gardens red | 220 × 160 cm | 2007

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Natur-Gärten orange | Nature-Gardens orange | 150 × 150 cm | 2007

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Natur-Gärten orange | Nature-Gardens orange | 150 × 150 cm | 2007 Natur-Gärten orange | Nature-Gardens orange | 145 × 145 cm | 2007

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Natur-Gärten gold | Nature-Gardens gold | 220 × 160 cm | 2007

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Natur-Gärten gold | Nature-Gardens gold | 190 × 290 cm | 2007

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Natur-Gärten hell | Nature-Gardens light | 200 × 150 cm | 2007

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Natur-Gärten hell | Nature-Gardens light | 190 × 290 cm | 2007

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Natur-Gärten hell | Nature-Gardens light | 200 × 150 cm | 2007

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Toni Oberhauser

NAC H WORT Auf die Frage: „Wem gehörst du?“ hat Bernadette Rosa schon als Kind mit großem Stolz geantwortet: „Ich gehöre mir selbst“. Dieses Selbstverständnis durchzieht ihr ganzes Wirken und Schaffen. Kaum in der Masse der Menge zu finden hat Bernadette eigene Empfindungen und Formen entdeckt, ja oft sogar eigenes Denken mit eigener Sprache. Sie liebt es im taufrischen Gras die Blumen zu sehen, ist geradezu empfindlich gegenüber der Natur und bezeichnet nicht ungern jeden Bauaushub als Verletzung der Schöpfung und trauert den gefällten Bäumen nach. Ihre Philosophie und Theologie ist zwar nicht weltfremd jedoch harmoniegebunden indem sie der harten Wirklichkeit beinahe lieblich wirkende Bilder gegenüberstellt. In großflächigen Formaten scheint Bernadette geradezu Platz gewinnen zu wollen für das Wohlwollende und Gütige im Leben. Verletzbar wie Blumen und engelhafte Gestalten deutet sie das Leben ähnlich einem Rosenkreuz, das die Schönheit wahrnimmt und zugleich die Dornen kennt. Mit viel persönlichem Einsatz und oft ohne die Sicherheit des materiellen Reichtums geht Bernadette beinahe unbeirrt ihren persönlichen familiären und künstlerischen Weg. Nach wie vor scheint für sie zu gelten: „Ich gehöre mir selbst“. Toni Oberhauser ist Dekan des Dekanats Rankweil und Pfarrer von Götzis und Altach, Vorarlberg.

Lebe! | Live! | 70 × 50 cm | 2006

Toni Oberhauser

E P I L O GU E Already as a child, when Bernadette Rosa was asked to whom she belonged, she proudly answered: I belong to myself. This self perception runs throughout her entire oeuvre and creation. Rarely to be found among the mass of a crowd, Bernadette discovered her own feelings and forms, even her own thoughts with her own language. She loves to see flowers in the dewy grass, is practically fragile when it comes to nature. She doesn’t hold back from labeling every building excavation an injury to creation, and she mourns the felled tree. Her philosophy and theology, while not unworldly, is, however, bound to harmony as she contrasts harsh reality with images that appear practically sweet and delightful. It almost seems as though with her massive formats Bernadette wants to claim space for the benevolent and gracious things in life. Vulnerable like flowers and angelic forms, she interprets life similar to a rose cross that is aware of the beauty and at the same time, knows the thorns. With great personal engagement and often without the security of material wealth, Bernadette proceeds nearly unwaveringly along her artistic path. It seems that for her, the same motto as before still applies: I belong to myself. Toni Oberhauser is Dean of Deanery Rankweil and Clergyman at Götzis and Altach, Vorarlberg.

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1967 1990 – 1993 1993 – 1997

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B IO GR A F I E

geboren in Hohenems, Vorarlberg/A Arbeitstätigkeit Pfarre Altach, Vorarlberg/A Studium der Kunstpädagogik (Malerei, Textil) an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (Meisterklasse Tasquil, Oberhuber, Moosmann) Doktoratsstudium der Kunstwissenschaft/Philosophie an der Universität Wien (Kurt Lüthi) Unterrichtstätigkeit am Gymnasium Maria Regina, Wien 19 Lebt und arbeitet in Wien und Vorarlberg

AT E L I E R A DR E S S E

Margaretenstraße 8/12, 1040 Wien www.bernadette-mueller.at

B IO GR A P H Y

1967 1990 – 1993 1993 – 1997

1997 – 1999

1998 / 1999

Born in Hohenems/Vorarlberg, A worked at the Parish of Altach, Vorarlberg University of Applied Arts in Vienna Studied art pedagogy (painting, textiles) Master classes Tasquil, Oberhuber, Moosmann University of Vienna, Doctoral program in art theory and philosophy (Kurt Lüthi) Teacher at the Gymnasium Maria Regina, Vienna, 19th district Lives and works in Vienna and Vorarlberg

S T U D IO -A DR E S S

Margaretenstraße 8/12, A 1040 Vienna www.bernadette-mueller.at

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AU S S T E L LU NGE N

„Offenes Atelier“, kuratiert von Christine Humpl, Essl Museum, Klosterneuburg Emerging Artists „Hot Spots“, Essl Museum, Klosterneuburg Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz Charity-Auktion „Künstler helfen Frauen in Afrika – Chancen für Frauen im ländlichen Kenia“, Kunsthaus Graz Eröffnungsausstellung art position Galerie, Wien „Flora versus Fauna“, Galerie Wolfrum, Wien „art position – Jahresüberblick zur jungen Kunst in Österreich“, Ottakringer Brauerei, Wien Charity-Auktion „Österreichische Authistenhilfe“, Palais Harrach, Wien „Kunst Belebt“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz „Bernadette Rosa Müller“, Galerie Art-House, Dornbirn Galerie Wolfrum, Wien Galerie M-Art, Ausstellungsbeteiligung, Wien Charity-Auktion „Kinder im Irak“, Galerie M-Art, Wien Charity-Auktion „neunerHAUS für obdach- und wohnungslose Menschen“ „kunst wien 03“, Kunstmesse, Museum für angewandte Kunst, Wien „Netz für Kinder“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz „Neue Mitglieder“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz „art bodensee 01“, Kunstmesse, Dornbirn „kunst wien 01“, Museum für angewandte Kunst, Wien „favorite items“, Galerie Plank, Wien Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz Kulturzentrum Pecs, Ungarn Schloss Hofen, Lochau Klassengemeinschaftsausstellung der Hochschule für angewandte Kunst Wien, Heiligenkreuzerhof, Wien

E X H I B I T ION S 2007 2005

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“Offenes Atelier“, curated by Christine Humpl, Essl Museum, Klosterneuburg Emerging Artists “Hot Spots”, Essl Museum, Klosterneuburg Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz Charity-Auction “Künstler helfen Frauen in Afrika – Chancen für Frauen im ländlichen Kenia”, Kunsthaus Graz Opening exhibition of the art position Galerie, Vienna “Flora versus Fauna”, Galerie Wolfrum, Vienna “art position – Jahresüberblick zur jungen Kunst in Österreich”, Ottakringer Brauerei, Vienna Charity-Auction “Österreichische Authistenhilfe”, Palais Harrach, Vienna “Kunst belebt”, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz “Bernadette Rosa Müller”, Galerie Art-House, Dornbirn Galerie Wolfrum, Vienna Galerie M-Art, Ausstellungsbeteiligung, Vienna Charity-Auction “Kinder im Irak“, Galerie M-Art, Vienna Charity-Auction “neunerHAUS für obdach- und wohnungslose Menschen“ Museum of Applied Arts, Vienna “Kunst Wien 03”, Kunstmesse, Museum of Applied Arts, Vienna “Netz für Kinder”, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz “Neue Mitglieder”, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz “art bodensee 01”, Kunstmesse, Dornbirn “Kunst Wien 01”, Museum of Applied Arts, Vienna “favorite items”, Galerie Plank, Vienna Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz Cultural center Pecs, Ungarn Schloss Hofen, Lochau Class exhibition, University of Applied Arts, Vienna, Heiligenkreuzerhof, Vienna

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IMPRE S SUM

KO N Z E P T, GE S TA LT U N G

Kurt Dornig, Dornbirn, A

M I T F R E U N DL IC H E R U N T E R S T Ü T Z U NG

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© 2008 BUCHER Verlag Hohenems

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Bei den AutorInnen

Printed in Austria

L E K T O R AT

BMUKK Kunstsektion Wien Land Vorarlberg Raiffeisenbank Altach Gemeinde Altach

Brigit Trinker, Wien, A (Humpl) 1. Auflage 1.500, Mai 2008

Lucas Gehrmann (alle anderen Texte) Ü B E R S E T Z U N GE N

ISBN

978-3-902612-53-3

DA N K

Andrea Lerner, Berlin, D (Humpl) Lisa Rosenblatt, Wien, A (alle anderen Texte) WERKREPROS, BILDBEARBEITUNG

Günter König, Weiler, A AT E L I E R AU F NA H M E N

Günter König, Weiler, A (S. 3/12/90) Wolfgang Simmlinger, Wien, A (S. 34) Bernadette Rosa Müller, Wien, A (S. 74)

Günter Bucher Kurt Dornig Lucas Gehrmann Christine Humpl Günter König Cornelia Kolb-Wieczorek Toni Oberhauser

P O RT R A I T

Martin Andorfer, Wien, A DRU C K VOR S T U F E

Reinhard Schwärzler, Bruno Reis, Hohenems, A DRUC K E R

Herbert Thurnher, Hohenems, A AU S S TAT T U N G

Buchbinderei Eibert, Eschenbach, CH PA P I E R

Aconda 150 g

IMPRINT

C O N C E P T, G R A P H I C D E S I G N

AC K NOW L E D GM E N T S

Kurt Dornig, Dornbirn, A A S S I S T E N C E GR A P H I C D E S I GN

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BMUKK Kunstsektion Wien Land Vorarlberg Raiffeisenbank Altach Gemeinde Altach

Brigit Trinker, Vienna, A (Humpl) 1. Edition 1.500, May 2008

Lucas Gehrmann, Vienna, A (all other texts) T R A N S L AT I O N S

ISBN

978-3-902612-53-3

Andrea Lerner, Berlin, D (Humpl)

P E R S ONA L AC K NOW L E D GM E N T S

Lisa Rosenblatt, Vienna, A (all other texts) R E P R O DUC T I O N

Günter König, Weiler, A S T U D I O P H O T O GR A P H S

Günter König, Weiler, A (pps. 3/14/90) Wolfgang Simmlinger, Vienna, A (p. 34) Bernadette Rosa Müller, Vienna, A (p. 74) P O RT R A I T

Günter Bucher Kurt Dornig Lucas Gehrmann Christine Humpl Günter König Cornelia Kolb-Wieczorek Toni Oberhauser

Martin Andorfer, Vienna, A PREPRESS

Reinhard Schwärzler, Bruno Reis, Hohenems, A PRINTER

Herbert Thurnher, Hohenems, A BINDING

Buchbinderei Eibert, Eschenbach, CH PA P E R

Aconda 150 g

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24.04.2008 13:36:02 Uhr


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22.04.2008 10:05:26 Uhr


nie immer genug CollagenMalerei 1997–2007

BE RNA DETT E RO SA M Ü L L E R never always enough CollagePaintings 1997–2007

Rosen über Rosen, Dahlien, Lilien und kleine Eroten – in unendlich scheinender Vielfalt und „nie immer genug” – sprießen aus Schichten farbiger Seidenpapiere und überziehen großformatige Collagen-Gemälde. Ausschnitte von Reproduktionen alter Meister und Buchillustratoren überwuchern den Bildgrund nicht naturgesetzlich, sondern gehorchen den Setzungen einer strengen Gartenarchitektin: Bernadette Rosa Müller verbindet in ihrer umfangreichen Serie Natur-Gärten „verkünstelte” Natürlichkeit mit rational strukturierter Künstlichkeit – und ihre seriellen Werke erzählen viele Geschichten: über die Sicht des Menschen auf die Natur, über Abbild und Original, über Aufmerksamkeit und Schnelllebigkeit, über Schönheit und Vergänglichkeit.

Roses on roses, dahlias, lilies, and little cupids sprout from layers of colored tissue paper covering large format collage paintings in a seemingly endless diversity, and “never always enough”. The picture ground is overgrown with excerpts of reproductions of Old Masters and book illustrators; not in a natural way, but according to the designs of a strict landscape architect. In her extensive series Nature-Gardens, Bernadette Rosa Müller combines “over-done” naturalness with rationally structured artificialness. Her series of works tells a variety of stories: about the way that people view nature, about copy and original, attentiveness and a fast-pace, and about beauty and transience.

never always enough

BE RNA DETT E RO SA M Ü L L E R

CollagenMalerei 1997–2007

ISBN 978-3-902612-53-3

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24.04.2008 13:49:18 Uhr

Profile for Martin Wohlmuth

Bernadette Rosa Mueller  

Bernadette Rosa Mueller never always enough Bernadette Rosa Müller nie immer genug Collagen Malerei 1997–2007

Bernadette Rosa Mueller  

Bernadette Rosa Mueller never always enough Bernadette Rosa Müller nie immer genug Collagen Malerei 1997–2007

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