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© Dokumentation Sylwia Marschalkowski Unter der Dächern der Margarethenhöhe


Impressum

Diplomarbeit von Sylwia Marschalkowski Mediendesign / Grafikdesign Fachbereich Design Fachhochschule Münster Betreuer: Fotografie | Prof. Hermann Dornhege, Grafik | Prof. Hartmut Brückner © 2011 Sylwia Hanna Marschalkowski Fotografien, Grafik, Gestaltung, Satz, Text Schrift: DTL Documenta Druckerei: Frank und Franke Münster Papier: 100 g / m2 Printed in Germany

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© 2011 Sylwia Marschalkowski


© Sylwia Marschalkowski

Dokumentation | Unter den Dächern der Margarethenhöhe


Inhalt

Vorwort Recherche Von der Idee zum Konzept Geschichtlicher Hintergrund

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Architektur

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Kontakte

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Entscheidung

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Zeitplan

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Zeitplan

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Ausrüstung

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Licht

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Motivziele auf der Margarethenhöhe

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Fototermin bei dem Ehepaar Popall

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Motivwahl

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Buchgestaltung

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Außenwelt

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Details

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Danke

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Fazit

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Quellen

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© Christel Katharina, 64, früher Arztsekretärin, heute Autorin und Manfred Kaczerowski, 68, Architekt und Fotograf.

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Vorwort

Über die Margarethenhöhe ist schon viel geschrieben worden, unser Stadtteil ist sicherlich der am häufigsten fotografierte in der ganzen Stadt Essen. Zum 100-jährigen Bestehen dieser Siedlung im Jubiläumsjahr 2006 erschien ein weiterer Bildband »Das Jahrhundertwerk «, der die Baukultur in den Vordergrund rückte. Ebenfalls zum Jubiläum leistete mein Mann Manfred Kaczerowski seinen Beitrag mit dem Bildband »Menschen der Margarethehöhe «, in dem er Menschen, die hier leben, in den Fokus stellte und vor ihren Häusern portraitierte. Sylwia Marschalkowski hat mit ihrer Diplom-Arbeit diesen Werken noch eine weitere Facette hinzu gefügt. » Unter den Dächern der Margarethenhöhe « sagt schon im Titel aus, die Bewohner unseres Stadtteils haben ihr nicht nur die Haustür geöffnet. Viele haben auch ihre Herzen geöffnet, ihre ganz private Umgebung gezeigt und sehr persönliche Dinge erzählt. Sylwia hat mit feiner Beobachtungs-

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gabe charakteristische Details erfasst, und sie hat den besonderen Geist dieses Stadtteils und seiner ganz unterschiedlichen Bewohner gespürt und eingefangen. Mein Mann und ich zollen ihrer Leistung großen Respekt. Sie hat das, wie wir anfangs glaubten, Unmögliche geschafft, mit fast täglichen Anreisen aus Münster immer wieder ihren riesigen Gerätekoffer durch unsere Straßen zu tragen und große Lampen in kleinen Zimmern aufzubauen. Chapeau, Sylwia! Ich wünsche Ihnen den Erfolg, den Sie sich erarbeitet und verdient haben. Mit dieser bemerkenswerten Leistung werden Ihnen hoffentlich auch weiterhin viele Türen geöffnet! Christel Katharina Kaczerowski (Autorin, lebt seit 40 Jahren auf der Margarehtenhöhe und wurde in Münster geboren. Siehe S. 6)

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Recherche

In Münster bin ich hauptsächlich an Material über die Universitätsbibliothek gekommen und hier über die Zentralbibliothek, die Fakultäten Geografie und die Fakultät Vergleichende Städtegeschichte, wo ich das Buch »Georg Metzendorf 1874 - 1934, Siedlungen und Bauten« von dem Enkel Rainer Metzendorf fand. Rainer Metzendorf ist Bauingenieur und hat eine Buch über die Arbeit seines Großvaters Georg Metzendorf verfasst. Das Buch beleuchtet die Lehrjahre des Architekten in Darmstadt und seine Ausbildung bei seinem Bruder Heinrich Metzendorf. Die Arbeit der Gebrüder hatte in Darmstadt viele Höhepunkte. Später holte Margarethe Krupp Georg Metzendorf nach Essen, wo er seine innovativen auf der Margarethenhöhe verwirklichte und den Stadtteil konzipierte – davor waren hier nur Felder und ein Bauernhof, der heute als Hüllsmannshof bekannt ist. Das Buch ist eine Quelle an detailrei-

chen Informationen über die Häuser, Straßen, bis hin zu Möbeln, die Metzendorf entworfen hat. Selbst die Bepflanzung der Margarethenhöhe wurde von Georg Metzendorf geplant. Die Baulichen Aktivitäten werden im Buch im Kontext der politischen Situation (Kreisen und Kriegsjahre) geschildert. Das Buch hat mir sehr geholfen, mich in das Thema einzuarbeiten und das komplexe Thema und sein Hintergrundwissen zu begreifen. Während meiner Recherche habe ich natürlich auch andere Bücher gesichtet und mit den Bewohnern, sowie mit der Margarethe-Krupp-Stiftung kommuniziert. Ein Besuch des Brückenkopfmuseums war ebenfalls sehr informativ. Auch die Bauforum hat schon von der Margarethenhöhe berichtet (Bild).

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Von der Idee zum Konzept

Als ich im Grundstudium war, wurde von Prof. Dornhege ein Seminar angeboten, welches das Thema „Zuhause“ fotografisch visualisierte. Die Fotografien glichen einer Charakterstudie und in den Fotos konnte man vieles über die einzelnen Personen durch die Einrichtung, Dekoration, Körpersprache und den Ausdruck lesen. Das Gesamtbild aus verschiedenen Portraits der Kursteilnehmer war sehr beeindruckend. Da ich noch im Grundstudium war und an dem Projekt nicht teilnehmen konnte, nahm ich mir vor für mich so ein Thema später im Studium umzusetzen. Im Diplom machte ich mir viele Gedanken und sammelte Ideen für ein Thema. Ich kam zu dem Ergebnis, dass ich folgende Vorgaben für mich abdecken möchte:

mich auf den Weg nach Essen, um mir die Margarethenhöhe in Natura anzuschauen. Vielleicht würde ich hier Menschen für meine Portraitreihe finden? Ich bekam den wunderbaren Stadtteil und die grüne Farbenpracht zu sehen. An den Wänden wuchs der wilde Wein und ergaben ein sattes grün. Die malerischen und vielfältig gestalteten Häuser beeindruckten mich sehr. Bei der Gelegenheit verteilte ich einige Flyer mit meiner Idee in die Briefkästen der grünen Haustüren, um zu schauen, ob ich mit meinem Thema auf Interesse stoße. Es ist ja eine sehr persönliches Thema, was in den einzelnen Haushalte stattfinden würde. Das ist nicht jedermanns Sache. Es galt, Menschen mein Projekt nahe zu bringen und zu erklären. Ich entwickelte den Flyer weiter und erarbeitete Aushänge um diese in Verschiedenen Einrichtungen vor Ort anzubringen.

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- Portraits zuhause bei einzelnen Personen - eine eingegrenzte Gegend / Ort (Gezieltes Arbeiten) - ein exotischer / nicht alltäglicher Ort. - ein Zeitzeugnis für diesen besondern Ort erstellen - dokumentarisches Arbeiten Durch eine Dokumentation bin ich auf die Margarethenhöhe in Essen aufmerksam geworden. Ich hatte die malerischen Häuschen der Gartenstadt noch Jahre später in Erinnerung, als es darum ging, mir das Diplomthema zu überlegen. Ich machte

Die Menschen

Die Menschen

auf der Margarethenhöhe

auf der Margarethenhöhe

Ich studiere Fotografie am Fachbereich Design in Münster und würde sehr gerne im Rahmen meiner Diplomarbeit, ein Fotografieband und eine Ausstellung zum Thema: „Die Menschen auf der Margarethenhöhe“ ins Leben rufen. Dabei soll eine serielle PortraitReihe entstehen, welche die Menschen in ihren einzigartigen Häusern zeigt.

Ich studiere Fotografie am Fachbereich Design in Münster und würde sehr gerne im Rahmen meiner Diplomarbeit, ein Fotografieband und eine Ausstellung zum Thema: „Die Menschen auf der Margarethenhöhe“ ins Leben rufen. Dabei soll eine serielle PortraitReihe entstehen, welche die Menschen in ihren einzigartigen Häusern zeigt.

Kontaktdaten: Sylwia Marschalkowski Telefon 0251 - 380 582 0 Handy 0176 - 800 42 888 E-Mail s.marschalkowski@googlemail.com Webseite: www.sylwiamarschalkowski.de

Kontaktdaten: Sylwia Marschalkowski Telefon 0251 - 380 582 0 Handy 0176 - 800 42 888 E-Mail s.marschalkowski@googlemail.com

Der Flyer

Webseite: www.sylwiamarschalkowski.de

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Die Menschen

auf der Margarethenhöhe

Die Menschen

auf der Margarethenhöhe


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Die Margarethenhöhe setzt sich aus zwei großen und in unterschiedlichen Zeiträumen realisierten Siedlungsbereichen zusammen: der »Alten« Margarethenhöhe (Bauzeit 1909 - 1934 / 38, Prof. Dr. Georg Metzendorf) und der »Neuen« Margarethenhöhe (Bauzeit 1962 - 1966, 1971 - 1980) nach Plänen von Dr. Wilhelm Seidensticker. Der Architekt Georg Metzendorf konzipierte für die Einfamilienhäuser innovative und funktionale Standardgrundrisse mit einer Mauerlänge von 6 - 7 Metern. Die einzelnen seriellen Bauelemente und Ausbaudetails wurden vorgefertigt und vor Ort zusammengebaut (Beispiel S. 50). Im ersten Stockwerk war eine Toilette (um 1909!) eingebaut. Der Kachelofen gab seine warme Luft nicht nur in den Wohnraum ab, sondern durch den Kamin und entsprechende Lüftungsöffnungen auch in das obere Geschoss das bedeutete Heizkostenersparnis. Den Herd in der Wohnküche nützten die Frauen zum Zubereiten der Speisen. Mit einer Rohrleitung wurde vom Herd heißes Wasser in die Spülküche geleitet und zum Spülen, Waschen und Baden genützt. Georg Metzendorf hatte in viele Richtungen gedacht und entwickelte die Häuser zusammen mit additiven und in Serie produzierten Möbeln.

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Kontakte

Bei meiner ersten Fahrt zum Essener Stadtteil Margarethenhöhe verteilte ich einige Flyer. Am Tag dadrauf meldete sich niemand. Nach drei Tagen begann ich, das Projekt anzuzweifeln. Dann kam die erste Mail. Es war der 10. Juni 2010. Ich war überrascht und erfreut. Britta Roth aus der Metzendorfstraße schrieb: » Vor einigen Tagen fand ich ihren Flyer im Briefkasten und würde gerne mehr über ihr Projekt erfahren (...) «. Es folgten täglich weitere Mails und Anrufe von anderen Bewohnern. Ich verteilte weitere Flyer in anderen Straßen der Margarethenhöhe. Ungefähr die Hälfte der Häuser habe ich mit Flyern »angesprochen«. Hilfe bekam ich von der sehr engagierten Bewohnerin, Melanie Dittmer, welche ebenfalls meine Flyer in die Geschäfte brachte und Aushänge an verschiedenen Gebäuden machte. Anschließend kam ich fast nur noch über die bereits bestehenden Kontakte an weitere Bewohner interessanter Häuser. Kannte ich einen Einwohner / Familie eines bestimmten Hauses nicht, welches mir jedoch gut gefiel, so habe ich geklingelt und nachgefragt (wie z.B. bei Familie Kallidat und dem Ehepaar Trappmann). Als ich im Haus niemanden angetroffen und der Flyer keine Kontaktaufnahme erbrachte, ließ ich einen persönlichen handschriftlichen Brief im Briefkasten, da ich mir vorstellte, man wirft eher einen Flyer weg, aber

bei einem Handschriftlichen Brief wird man aufmerksam, da es sich auch um eine Notiz vom Nachbarn etc. handeln kann. Erfolg hatte ich mit dieser Vorgehensweise u.a. bei Familie Giebkes. Die Einwohner der Margaretnehöhe wohnen laut eigener Aussage »sehr dörflich«. Jeder kennt jeden und zwar seid Kindertagen an. Man kennt sich durch Kindergarten, Schule und Vereine. Durch dieses starke Gemeinschaftsgefühl, Kontakte und den Stolz, in diesem besonderem Stadtteil zu wohnen, war es für mich einfacher, die Leute kennen zu lernen und von meinem Projekt zu überzeugen sowie für die Fotos zu gewinnen. Heute kann ich mir vorstellen, dass es in anderen Stadtteilen und anderen Städten schwieriger gewesen wäre über 70 Portrais in so einer kurzen Zeit zusammen zu tragen. Da es schon einige Literatur über die Margarethenhöhe gibt und ich ein ganz individuelles Konzept vorgestellt habe, war es mir möglich die Menschen von meiner Idee zu überzeugen.

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Da jeder jeden kennt, entstanden oft solche und ähnliche Dialoge wie: S. Marschalkowski: »Zu der Uhrzeit kann leider nicht, da bin ich mit der Konny Horst verabredet.« Gina Fischella: »Ach wie schön, die fotografierst du auch? Das ist die Mutter meines Freundes.«


Entscheidung

Ich entschied mich für mein Diplomthema, welches heute den Titel trägt »Unter den Dächern der Margarethenhöhe«, da nach meiner Recherche mir dieses am besten zusagte. Die Margarethenhöhe ist nicht nur architektonisch eine besondere Gartenstadt sondern liegt zu dem in der Kulturhauptstadt des Jahres, in dem ich Diplom mache. Ich konnte unterschiedlichste Portraits machen, was ich mir als Konzept vorgenommen habe. Zudem habe ich die Margarethenhöhe vielseitig in den unterschiedlichsten Zeiten (Tag, blaue Stunde, Abend) fotografiert und mit den Fotos die Innenaufnahmen ergänzt. Zusätzlich nahm ich in mein Konzept Detailaufnahmen auf, da so manches, was im Portrait untergeht, als einzelne Aufnahme in den Vordergrund geholt wird. Es entwickelte sich ein vielschichtiges Thema, was ich mir auch erhofft habe. Ein weitere Beweggrund für das Projekt, war das öffentliche Interesse an der Margarethenhöhe (stündliche Führungen, eine Musterwohnung für die Touristen, Reisebusse zwängen sich mehrmals am Tag durch die engen Straßen). Natürlich möchte ich mit meinem Buch auch Touristen ansprechen. Sie können durch mein

Werk hinter die Fassaden der Margarethenhöhe Blicken, Interessante Geschichten und Anekdoten der Bewohner lesen und die wunderschönen Straßen und Häuser Seite für Seite anschauen. Das Buch habe ich etwas kleiner gehalten, als es das »Jahrhundertwerk« ist, damit die Touristen und Interessierte ein Handliches Buch kaufen können, was man in die Tasche stecken kann. Die Möglichkeit zum verlegen des Buches gibt es über den SchmitzVerlag in Essen. Die Verhandlungen werde ich jedoch nach dem Diplom führen. Weiter möchte ich meine Fotografien vor Ort in der Zeche Carl (Kontakt über eine Bewohnerin der Höhe) und ich würde natürlich gerne eine oder zwei Ausstellungen auf der Margarethenhöhe ausrichten. Hier habe ich bislang die Möglichkeit meine besten Fotos im Klubhaus des Tennisvereins TUSEM-Essen auszustellen. Über Kontakte zur Bürgerschaft-Margarethenhöhe werde ich nach weiteren Ausstellungsräumen schauen. Ein weiteres Ziel für mich ist es ein Zeitzeugnis in Form eines Buches schaffen, was die Menschen und den Stadtteil mit Hilfe meiner Fotos und Texte für die späteren Generationen bewahrt.

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Zeitplan

Juni 2010 – Juli 2010 Juli 2010  –  Aug. 2010 Sep. 2010  –  31. Nov. 2010

Nov. 2010  –  Jan. 2011 Mitte Jan. 02.02.2011

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– Themenfindung, Recherche, Zeche Zoll Besichtigung, Kontakte zu den Bewohnern der Margarethenhöhe – Recherche, Kontakte, Einzelhandel etc., erste Probefotos, Interviews – Kontakte, Interviews – Fototermine mit Studioblitzanlage (ggf. Aufsteckblitz) – Layoutideen für das Buch Am Ende habe ich doch noch die erste Dezemberwoche für Fototermine genutzt, da einige meiner Models zwischen durch krank wurden. – Gestaltung des Diplom-Buches »Unter den Dächern der Margarethenhöhe « und der Dokumentation – Prints für die Diplomausstellung, – Buch- und Dokumentationdruck – Diplomprüfung

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Konzept

Innenwelt der Person: – dokumentarisch – ggf. Blitz – ganzkörper Portrait im Wohnraum – Bei Platzmangel ggf. halbe Figur – Querformat bei Portraits – Wohnraum als Kulisse / Motiv – Tageskleidung (keine Jacke etc.) – Blick in die Kamera – Augen scharf – Kamera auf Bauchhöhe, wirkt neutral

Außenwelt der Person: – Haus / Gebäude – Gebäudedetail – Stimmungsfoto der Außenwelt Technik: – Brennweite ca. 55 mm – ca. 100 bis 400 ISO – Belichtungszeit zwischen 1/30 und 1/60 sec. – Automatischer Weißabgleich - Farbraum: Eci-rgb

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Ausrüstung

– Canon EOS 400 D – Speicherkarten von Compact Flash und Kingston mit Speicherkapazität – 8 Akkus – Belichtungsmesser Variosix F2 von GOSSEN – Canon Remote Controler RC-1 – Manfrotto Stativ 055 x PROB Pro Tripod black – Manfrotto Kugelkopf 488RC2 Midi Ball – Metz 48 AF – 1, Aufsteckblitz – Profoto D1 Air Studioblitzanlage mit Koffer – Pocket Wizard Plus II Set Innenaufnahmen: – Normalobjektiv 18 - 55 mm von Canon Außenaufnahmen: – Normalobjektiv 18 - 55 mm von Canon – Teleobjektiv 70 - 300 mm von SIGMA

Zusätzlich zum Belichtungsmessen, habe ich mir beim Fotografieren das Tonwert-Histogramm anzeigen lassen, um sicher zu gehen, dass das Foto nicht über/unterbelichtet ist. Bei meiner fotografischen Arbeit habe ich bevorzugt mit dem normalen Objektiv 18 - 55mm fotografiert. Das Stativ war sehr wichtig bei meiner Arbeit und daher hatte ich es stets dabei. So konnte ich auch bei Belichtungszeiten von 1 / 30 sec. und länger, eine sehr gute Schärfe bekommen. Oft musste ich in den Abendstunden bei den Außenaufnahmen auf der Höhe auf meine Fernbedienung für die Kamera zurückgreifen, da bei den hohen Brennweiten und langer Belichtungszeit das Bild durch die Auslösung an der Kamera verwackelt werden könnte.

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© Meine Ausrüstung ergänzte ich im Diplomsemster durch den Studioblitzkoffe der Fachhochschule Münster was es mir erlaubte, selbst in den Wintermonaten, bei wenig Licht qualitativ Hochwertige Fotografien zu machen.

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Licht Bei meinen Fototerminen nutzte ich wahlweise meinen Aufsteckblitz oder die Studioblitzanlage, bestehend aus zwei Kompaktblitzgeräten. Wenn es das Motiv erforderte, setzte ich zusätzlich zwei Schirme ein. Vorzugsweise nutzte ich das Licht der Blitzlampen indirekt. Diese Vorgehensweise ermöglichte ein weiches Licht. Das Blitzen mit den Schirmen führte zu Schlagschatten, daher nutzte ich diese nur, wenn es nicht anders ging. In der ersten Abbildung stelle ich ein Beispiel meiner Arbeit mit Aufsteckblitz vor. Das Foto von Wilhelm Scholz entstand am Anfang meines Projektes und fand im Sommer statt. Ich hatte genug Licht aus dem Fenster hinter mir und erhellte das Motiv durch den indirekt gesetzten Aufsteckblitzlicht. Das Foto und die Abbildung Nr. 2 entstanden bei dem Ehepaar Schwinning. Nachdam ich verschiedene Lichtvarianten ohne Schirm ausprobiert habe, musste ich hier den Schirm verwenden. Im Raum befand sich hinter mir einen Tür, daher war das indirekte Blitzen gegen einen Wand nicht möglich. Die Lampe konnte ich nicht weiter nach links stellen, da sie sich sonst im Fenster spiegeln würde. Hier erkennt man daher den Schlagschatten hinter den Personen, welcher sich aus der Beleuchtung mit dem Schirm ergibt. Das dritte Foto und die dazugehörige Grafik, entstanden bei im Haus des Ehepaares Raub. Das Ehepaar wohnt in einem der Häuser, die von dem Architekten G. Metzendorf mit dem seriellen Grundriss (Wohn- und Waschküche und “Gute Stube“) konzipiert wurden. Das Motiv ergab sich aus dem Wissen, der Fensterschrank ist noch ein

Foto und Abb.1

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Foto und Abb.2

Foto und Abb.3


Original aus der Erbauungszeit und einer der von Georg Metzendorf entworfenen Möbelstücken. Ich setzte zwei Lampen mit indirekter Beleuchtung ein um eine Schattenbildung zu verhindern. Da hier sich zwei Fenster im Motiv befinden, musste ich die beiden Lampen so positionieren, dass sie sich nicht spiegeln. Die Lösung war, dass die Lampen links neben mir blitzten. Foto und Abb.4

Das Foto und die Grafik Nummer vier zeigen meine Raumsituation und Anordnung der Lampen in der Wohnung von Peter Krüger. Hier habe ich in dem kleinen Flur links den Blitz im ausgeschaltet und nur mit dem Einstelllicht gearbeitet, da der Blitz für den kleinen Raum zu Lichtintensiv war. Krüger so wie sein Wohnzimmer mit der offenen Küche, werden von einem Blitz mit Schirm erhält. Hinter mir gab es gelbgetönte Wände. Der Schirm verhinderte einen Gelbstich, der sonst beim indirekten Blitzen gegen die Wand entstanden wäre. Die Wohnung von Uwe Wittig und Heike Lindemann sowie ihrer Tochter wurde mit der Nachbarwohnung erweitert. Auf dem Foto steht das Paar in der ursprünglichen Wohnung, während der Bereich hinter ihnen und der Flur mit dem antiken Schrank im Hintergrund schon zur ehemaligen Nachbarwohnung gehören. Dies wollte ich in meinem Foto festhalten. Bei dem Motiv war es mir wichtig, die Personen im Vordergrund, aber auch die zwei Wohungsbereiche optimal zu beleuchten. Die Lampe rechts neben mir warf indirektes Licht auf die Personen, da neben mir keine Wand zum Beleuchten war.

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Foto und Abb.5

Die größte Schwierigkeit, war es den hinteren Breich und Flur zu beleuchten. Ich entschied mich die Lampe auf die niedrigste Beleuchtungsstufe zu drehen und die Küchenzeile anzustrahlen. Die entgegengesetzte Richtung war zu grell. Da meine Ausrüstung keine Softbox beinhaltete, musste ich aus dem was mir zur Verfügung stand das beste Ergebnis rausholen. Durch den straffen Terminplan, den ich mir im Semester gesetzt hatte, habe ich nur zwei Termine wiederholt. Das Licht hinter Heike Lindemann ist weiterhin etwas stark, aber es ist überall Zeichnung im Motiv. 19


Motivziele auf der Margarethenhöhe Menschen

Berufe Institutionen /Einzelhandel

– verschiedene Altersgruppen (am Ende sind es Menschen im Alter von 3 Monaten bis ins stolze Alter von 96 Jahren) – verschiedene Familienkonstellationen – unterschiedliche Einrichtungsvarianten z.B. Mehrköpfige Familien, allein erzihende Eltern, Singels – ältere Ehepaare und alleinlebende ältere Menschen – vielseitig (auch lesbar in der Einrichtung) – das Brückenkopf Museum – Kindergarten – ehemaliger kruppsche Konsum (heute Edeka) – das ehemalige Gasthaus Margarethenhöhe, heute »Mintrops MM Hotels«, Foto Nr. 1, Seite 21 – Raumausstatter am Kleinen Markt – der Kultladen der Margarethenhöhe mit dem Namen » Kloidt-Laden « – Tabbak und Lottoladen »Galezka « – Bäcker Holtkamp, Eiscafé Marabus, Nähstube (Laubenweg) – Buchhandlung Schmitz (Schmitz Verlag möchte mein Buch rausbringen) und Finlix Foto Nr. 2, Seite 21 – Kuddels (seit 12 Jahren vor Ort. Laut einer Bewohnerin: » Kuddel gehört zur Margarethenhöhe « – Goldschmied (einer Woche nach dem Foto hat Herr Zeitz seine Werkstatt und Ladenlokal geschlossen), Foto Nr. 3 – Seniorenwohnhaus Stensstraße 2 – Kfz-Werkstatt (seit 1945 im Lehnsgrund) – Atelier und Galerie, Manfred Raub und Marcus Freise – Adolph-Gustav-Haus (ev. Gemeinde) – TUSEM Sportverein – Wohung über dem Torbogen des Brückenkopfhauses (Siehe Foto auf der Seite 18. Bewohnerin ist leider körperlich Behindert und hat einen schwerst kranken Mann im Krankenhaus. Sie würde sich gerne von mir fotografieren lassen, der Zeitraum war jedoch Im Diplomsemster sehr ungünstig), Foto Nr. 4, Seite 21

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Nicht realisierte Motive (Material für Band 2)

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Foto 3: das ehemalige Gasthaus Margarethenhöhe, heute Sitz des »Mintrops MM Hotels«

Foto 2: Der zweigeteilte Laden, Buchhandlung Schmitz und Finlix Geschenkeartikel. Die Eröffnung war kurz vor Ende meiner fotografischen Arbeit.

Foto 1: das Ehepaar Zeitz im Laden der Goldschmiedewerkstatt.

Foto 4: Der Torbogen des Brückenkopfhauses mit der Brücke im Hintergrund. Die Brücke führt in die Innenstadt und überspannt das Mühlbachtal.

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Fototermin bei dem Ehepaar Popall

Als Beispiel meiner Arbeitsweise möchte ich den Fototermin bei dem Ehepaar Popall beleuchten. Zunächst stellte ich meinen Models die Fragen aus meinem Fragenkatalog. Es folgte die Besichtigung der Räumlichkeiten. Anschließend bestimmte ich meine Motive und baute die Blitzanlage auf. Die Models wurden von mir angewiesen, bestimmte Plätze einzunehmen, die mir für das Motiv am sinnvollsten erschienen. Ggf. habe ich die Haltung der

Models korrigieren lassen. Nach der Lichtmessung folgte die Fotoreihe in der ich verschiedene Ausschnitte ausprobierte. Nachdem das beste Motiv im »Kasten« war, stellte ich alles für die Detailaufnahme ein. Hier war es ein Foto der Ahnengalerie der Familie Popall. Nach den Fototermin gab es dann bei allen Teilnehmern noch zur Stärkung etwas Warmes, oder Kaffee und Kuchen. Die meisten Teilnehmer waren über aus gastfreundschaftlich.

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© Die Endergebnisse des Fototermins. Die Digitalaufnahme zeigt die Ahnengalerie der Familie Popall. Zum Foto gehört folgender Text: » Ich habe als kleines Mädchen am Gartenzaun gestanden und davon geträumt, auch mal in einem Wohnhaus mit so einem großen Garten zu wohnen. Als Kind war ich immer etwas aussen vor, während die anderen Kinder im Garten zusammen spielten. Heute wohnen wir in dem Haus, von dem ich einst träumte. Ich hatte riesiges

Glück « erzählt mir Kerstin Popall im Interview, während eine Träne ihre Wange runter kullerte. Ein besonderer Blickfang im Esszimmer der Familie ist die liebevoll gestaltete » Ahnengalerie « des Ehepaares und seiner Vorfahren, auf der auch der Vater von Kerstin Popall, Kurt Pützstück, zu sehen ist. Er wohnt auf der Sommerburgstraße unweit des Ehepaares Popall. 23


Motivwahl

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Bei der Auswahl der Portraits habe ich zunächst die besten Motive nach Kriterien wie Räumlichkeit, Auschnitt, Qualität, Körpersprache und Farbigkeit ausgewählt. Ich habe in Adobe Bridge CS3 die einzelnen Portraits gesichtet und hier die besten Fotos herausgefiltert. Melanie Dittmer fotografierte ich »stehend« und »sitzend«. Ich entschied mich für das Portrait in »stehend«, da man hier mehr von der Person sehen kann (Fotomontage S. 20). Auf dem Foto links oben ist das Model im Gesicht deutlich neutraler als im Bild rechts oben. Da ich dokumenta-

risch fotografiere, fiel hier meine Wahl auf das linke Foto. Das Kinn von Melanie Dittmer ist im rechten Bild sehr hoch und signalisiert eine eher herausfordernde Körpersprache. Auch die Katze Nepomuk sitzt im linken Foto besser. Durch die verschlossenen Augen von Nepomuk, signalisiert das Foto Ruhe und Ausgeglichenheit. Der Betrachter kann sich besser auf das Bild konzentrieren und wird nicht irritiert. Diese Bildbeispiele sollen verdeutlichen, dass es bei der Bildwahl teilweise um »Millimeter« und minimale Veränderungen im Ausdruck ging.

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Motivwahl

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Natürlich fand ich »Unter den Dächern der Margarethenhöhe « viele interessante Motive. Da ich aber nur ein Foto aus der Innen- und Außenwelt der Bewohner zeige, musste ich eine Wahl treffen. Im Beispiel von Julia und Max Buchbender: die Bildwahl fiel mir hier sehr schwer. Das rechte Bild zeigt die beiden Bewohner der Dachgeschosswohnung eines Nachkriegsbauwerk am Giebelplatz in ihren beiden Wohnungsfluren. Die Models und ich stehen in der ehemaligen Nachbarwohnung, während der Durchbruch, durch den Julia Buchbender in die Kamera schaut erst nachträglich geschaffen wurde. Hinter ihr der Flur in der zweiten Wohnung. Hier fand ich das Motiv besonders spannend, da ich zeigen konnte, wie Wohnungen auf der Höhe heute modernen Standards angepasst werden.

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In der Nachkriegszeit herrschte Wohnungsnot und daher mussten damals Menschen mit sehr wenig Platz auskommen. Heute sind die Ansprüche anders und da mein Buch ein Zeitzeugniss ist, wie man heute auf der Margarethenhöhe lebt, fand ich das linke Foto ansprechender. Auch wenn ich das Foto rechts ebenfalls als gelungen empfand, habe ich mich für das linke entschieden. Hier wird die Besonderheit, die ehemals zwei Wohnungen visualisiert und war mir hier wichtiger. Das rechte Bild entstand im Wohnzimmer der beiden und gefällt mir von der Komposition, wie auch von der Körpersprache und Haltung. Auch die Dachschräge ist sehr interessant, da man diese abgerundeten Schrägen in vielen Wohungen im Stadtteil wiedertrifft.


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Als weiteres Beispiel für die Portrait-Motivwahl möchte ich zwei Fotos aus dem Fototermin mit Britta Roth zeigen. Die beiden Bilder zeigen Britta links in der Küche und rechts im Wohnzimmer. Hier fiel die Wahl auf das linke Foto, da dieses viel aufgeladener mit persönlichen Gegenständen ist und daher viel ausdrucksstärker. Auf engstem Raum erzählt das Foto viel mehr über die Person und ihren Stil. Der Eingang schafft zusätzlich einen Rahmung für das Portrait. Da man nicht immer alles persönliche in einem Foto vereinigen kann, habe ich hier zusätzlich die Küchenwand als Detailaufnahme mit dem » Queen of the Kitchen « Schild fotografiert, welche im Portrait nicht zu sehen ist. Durch die ins Bild hängende Lampe findet sich der Betrachter in der Küchenlandschaft zurecht. Weitere Details, wie

das Herz am Fenster, oder die Anordnung der Gegenstände auf der Fensterbank wurden verändert oder hinzugefügt. Das »Hello Kitty « Telefon im rechten Foto ist mir bei dem ersten Gespräch mit Britta aufgefallen. Beim Fototermin hat es nicht mehr funktioniert und wurde von Britta weggeräumt. Da ich es klasse fand, haben wir es wieder ins Wohnzimmer und damit ins Bild geholt. Auf diesem Wege wurden einige Motive inszeniert und damit bereichert. Meist stießen meine Vorschläge Sachen ins Bild zu holen, die normal woanders standen und sonst nicht im Motiv wären, auf Begeisterung, teilweise blieben sie sogar. Im Februar 2011 wird Britta aus ihrer Wohnung ausziehen. Damit ist das Motiv schon bald geschichtlich.

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Motivwahl

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Bei Wilhelm Scholz habe ich im Erdgeschoss, so wie im ersten Stock seines Hauses fotografiert. Das Foto aus dem ersten Stock war dann mein Favorit. Wilhelm Scholz war sein Leben lang Kriminalbeamter und man findet überall im Haus Spuren seiner Arbeit, wie die Polizeimützen-Sammlung, Abzeichen, Übungspatronen oder Handschellen die im Bücherregal hängen. Das Portrait links war daher ideal um die Person vorzustellen. Die Tür bildet hier eine schöne Rahmung für Wilhelm Scholz. Im Buch rundet der Text und Zitate das Gesamtbild ab.

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Aus dem Text: »Die Erkerfenster sind einfach verglast. Daher sind diese Zimmer im Winter sehr kalt. (...) Ich richte mir im Winter immer eine Winterresidenz im Lesezimmer (Foto links) ein.« Das rechte Foto ist natürlich ebenfalls interessant, da man hier den Blick in die einst von G. Metzendorf entworfene Waschküche hat. Passend zu diesem Wissen ist die im Anschnitt gezeigte Waschmaschine. Jedoch konnte ich nicht beide Bilder nehmen und verzichtete auf die rechte Fotografie.


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Es wäre natürlich sehr überraschend gewesen, zwischen den 57 Portraits im Buch, mit eingerichteten Räumen, ein Portrait zu haben, indem der Bewohner der Margarethenhöhe gerade auszieht. Das Foto von Janine Janssen (linkes Foto) wäre hier ideal. Allerdings habe ich das Foto verworfen, da es ein sehr spontanes Treffen war, zwischen zwei Fototerminen. Es war nicht viel Zeit für die Studioblitzanlage und daher habe ich es mit dem vorhandenen Licht und meinem Aufsteckblitz fotografieret. Im Raum waren alle Lampen abmontiert, daher gab es nur das natürliche Licht eines herbstlichen Regentages. Wegen der hohen ISO und der langen Belichtungszeit entsprach das Foto nicht der

gängigen Qualität meiner Fotos und musste qualitativ besseren Aufnahmen weichen. Auch das Foto von Karsten Lindner (rechtes Foto) habe ich nicht ins Buch genommen. Hier habe ich bessere Fotos in Küchen anderer gleichaltriger Bewohner der Margarethenhöhe gemacht und mich daher gegen das Foto entschieden. Es ist vom Aufbau und Lichtstimmung zwar ansprechend, jedoch kamen in mein Buch nur die besten Fotos rein. Andere habe trotz der vielen Mühe und Zeit, die ich in sie gesteckt habe, leider verworfen. Mein Bildband sollte mit individuellen und spannenden Fotografien gefüllt sein.

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Das Titelfoto ist nach oben und unten 2 cm größer retuschiert, damit der »Bezug« ohne Probleme beim Erstellen des Hardcovers umgeklappt werden kann.

Unter den Dächern der Margarethenhöhe

Buchgestaltung

Unter den Dächern der Margarethenhöhe

Verlag

Das Hardcover für mein Buch hat die Maße 230 x 190 mm sowie einen 7 mm starken Buchrücken. Es ist in weiß gehalten, wie auch das Buch. Nach einigen Varianten mit Portraits auf dem Hardcover habe ich mich für ein Foto der Sommerburgstraße entschieden. Die Menschen in ihren Wohnräumen drängten das Buch immer in eine bestimmte, persönliche und stilistische Richtung. Ich empfand das Bild der Sommerburgstraße als neutral. Es stellt den Bezug zur Margarethenhöhe her, da die Sommerburgstraße jedem bekannt ist, der diesen Stadtteil schon mal besucht hat. Sie ist mit ihren weinbewachsenen Fassaden genauso prägnant, wie der Brückenkopf. 30

S. Marschalkowski

© Verlag

Das Buch » Unter den Dächern der Margarethenhöhe « zeigt exemplarisch die Bewohner im Alter von drei Monaten bis 96 Jahren in ihren Häusern oder Wohnungen der Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen sowie die Außenansichten. Es entstand ein Gesamtportrait der unterschiedlichen Bewohner und ein fotografisches Zeitzeugnis ihrer Außen- und Innenwelt. In späteren Jahren wird es dokumentieren wie man heute, im Kulturhauptstadtjahr 2010 bis ins Jahr 2011 hinein in den Häusern und Wohnungen der Margarethenhöhe wohnt und lebt. Die Geschichten und Anekdoten der Menschen haben im Buch Raum erhalten. Zusammen mit den Portraits dokumentieren sie Vergangenheit und Gegenwart für kommende Generationen. Seite für Seite erschließt sich dem Leser immer detailreicher die Margarethenhöhe in Essen mit ihren sehr unterschiedlichen Bewohnern.

Sylwia Marschalkowski

Unter den Dächern der Margarethenhöhe

Da in der 100 jährigen Geschichte der Margarethenhöhe schon einige Publikationen mit dem Brückenkopf auf dem Cover erschienen sind, habe ich mich gegen dieses Motiv entschieden. Die Struktur des Fotos lässt es nicht zu gut lesbare Schrift darüber zu legen, daher habe ich einen weißen Freiraum unterhalb des Fotos für den Titel freigehalten. Hier befinden sich mein Name, darunter der Titel »Unter den Dächern der Margarethenhöhe «. Die Schriftgröße auf dem Cover variiert von 11 pt für den Fließtext, 16 pt für die Überschrift und Name, sowie 12 pt für den Buchrückentext und 29 pt für den Titel des Buches.


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Stensstraße Beate und Manfred Raub

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Überall auf der Höhe findet man Mauern und Gartenzäune, welche den dörflichen Charakter unterstützen.

Beate Lohmann-Raub, 54, Verlagskauffrau und Manfred Raub, 57, Mediengestalter.

Das Haus von Familie Raub hat eine Fassade aus Mauerwerk und Putz. Während der wilde Wein im Sommer eindrucksvoll das Haus umhüllt und die jungen Ranken von der Dachkante niederhängen, kommen im Winter die schmückenden Elemente

Seit 1984 wird das Haus von Familie Raub bewohnt. Das Haus von Manfred und Beate Raub zeichnet sich durch teilweise original erhaltene Inneneinrichtung aus: dazu gehören neben einem von Georg Metzendorf entworfenen Fensterschrank auch gut erhaltene Dielen im Wohnzimmer sowie die ursprüglichen Kacheln im Eingangsflur.

der Fassade nach Vorbild der englischen Gartenstädte zum Vorschein. Auf dem Foto kann man zudem die typischen Mauern aus Naturstein sehen, welche die Höhenunterschiede zu den Gärten der Nachbarhäuser ausgleichen und festigen.

Mein Layout konstruierte ich aus verschieden Hilfslinien, welche mir ermöglichten bei den Außenaufnahmen auf der linken Seite zwischen Hochund Querformat zu variieren und es mir links möglich machten, das kleinen Detialfoto im Hoch- und Querformat hinzufügen zu können. Die Schriftwahl fiel auf die DTL Documenta, welche den dokumentarischen Charakter des Buches (Zeitzeugnis) unterstützt. Ich wählte für mein Buch die serifenlose Schrift »Sans Serif Regular« um die Aktualität des Buches zu unterstützen. Bei den relativ kurzen Textblöcken mit den Maßen 77 x 31mm ist eine gute Leserlichkeit gegeben. Das Leitsystem hat die Schriftgröße 11 pt. Für den Fließtext und Grafikbeschriftungen benutzte ich die

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Schriftgröße 10 pt und für die Bildunterschrift verwendete ich die 9 pt große Schrift. Der Zeilenabstand liegt bei 12,6 pt. Den Text setzte ich im Rauhsatz. Ich entschied mich für den Rauhsatz, da dieser kompakter ist als der Flattersatz und wenige Raum einnimmt, aber dennoch sich rechts locker einwenig flattert. Das Endformat des Buches ist 230 x 190 mm, da ich ein Handliches Buch erstellen wollte, welches gerne von Touristen mitgenommen wird und nicht zu schwer ist. Das Format schien am sinnvollsten . Das Leitsystem am oberen linken Rand besteht aus Informationen über die Bauperiode, Erbauungsjahr, Straße und Name der Familie oder Person. 31


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Grafik

Die Grafiken im Buch unterstützen den Leser. Eine der erklärenden Grafiken ist ein Lageplan auf dem man alle Straßen der Margarethenhöhe erkennen kann. Das Leitsystem auf jeder Seite beinhaltet Informationen über die Bauperiode, das Erbauungsjahr, die Straße und den Namen der Familie/Person.

Auf dem Lageplan kann man alle Straßen überschauen. Die Grafik rechts visualisiert den Grundriss der Häuser auf der Margarethenhöhe, welche heute oft verändert wird. Damals um 1909 war er jedoch sehr innovativ. Die Grafiken illustrieren theoretische Seiten mit Hintergrundinformationen.

Farbwahl

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Layout

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1911 Winkelstraße Ingo, Astrid und Mads Kohn

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Das kleine » Hexenhäuschen « wird noch kernsaniert. Die Familie freut sich schon auf den Einzug im Februar 2011.

Ingo, 39, Bautechniker und Astrid, 36, Grundschullehrerin mit Baby Mads, 3 Monate.

Als ich durch die Höhe ging, fiel mir das kleine Haus an der Ecke Winkelstraße - Steile Straße auf. Schade nur, dass es kernsaniert wurde und ich keinen Bewohner fragen konnte, ob ich ihn für meine Portraitreihe fotografieren dürfte. Ich sollte die zukünftigen Mieter jedoch bald kennen lernen.

Bis zum Einzug in das neue Haus wohnen die Kohns in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung mit einer Größe von 45 m2 in der Metzendorfstraße. Der Stolz ist der kleine Mads. » Wir hatten überlegt, ob wir unseren Sohn Mads oder Mats nennen. Als ich die Tasse gekauft hatte, war es klar, wie wir unseren Sohn nennen werden. « Astrid Kohn

In meinem Diplom-Buch sind, das Foto der Außenwelt und das Portrait »gleichwertig«. Daher stehen die Fotos sich in gleicher Größe von 159 x 106mm gegenüber. Ergänzend sind 53 x 35mm große Detailfotos platziert, welche den Text zusätzlich illustrieren oder Details in den Vordergrund holen, welche im Portrait untergehen.

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Am Beispiel oben: das Ehepaar Kohn stand vor der Frage, wie sie ihren Sohn nennen sollen. Mads oder Mats? Nachdem die Tasse im Urlaub gekauft war, war es klar, wie der heute drei Monate alte Sohn heissen wird. Es war mir sehr wichtig, solche persönlichen Geschichten und Anekdoten in meinem Buch zu verewigen, da diese den Foto noch mehr Persönlichkeit und Tiefe verleihen.

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Layout

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1914 Metzendorfstraße Britta Roth

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Britta Roth, 29, Lehrerin.

Als der Architekt Georg Metzendorf die Margarethenhöhe plante, ahnte er wohl noch nicht, dass hier 100 Jahre später alle Straßen mit Autos zugestellt werden. Was sonst meine Arbeit oft behinderte, ist auf diesem Foto gut gelungen. Eines der vielen Autos, die sonst eher den Blick auf die schönen Bauten versperren, konnte hier ins Motiv integriert werden. 76

Bei den Außenaufnahmen variierte ich und machte hier, wenn es für das Motiv günstiger war ein Hochformat. Hier war das Hochformat viel kompakter als das Querformat und zeigt einen viel größeren Farbverlauf der Weinblätter im Herbst. Die Hochund Querformate der Außenaufnahmen haben die Größe von 159 x 106 mm. Die hochformatigen Detailaufnahmen mit der Größe von 46 x 31 mm habe ich rechts neben dem

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Das Haus von Britta Roth ist ein Nachkriegsbauwerk, welches über Zwei-Raum-Wohnungen verfügt. Die Räumlichkeiten haben einen genormten Grundriss, den man oft auf der Margarethenhöhe wieder trifft. Die kleine Küche ist ein besonderer Blickfang. » Am Anfang war nur die Wand rosa angestrichen. Später kamen viele Geschenke in rosa dazu. « 77

Portrait platziert. Das hatte den Grund, dass ich so mehr Raum für den Text gewonnen habe, aber das Gesamtbild nicht gestört wird. Hier ist das Detailfoto ein »Queen of the Kitchen« Schild, welches über dem Küchentisch von Britta Roth hängt und im Portrait nicht sichtbar ist. Es ist sehr überraschend und steht im Kontrast zu Brittas aussage: » eigentlich koche ich nicht besonders gerne «.


04 1913

Schöngelegen Wilhelm Scholz

Das Eckhaus der künstlerisch gestalteten Häuserreihe in der Straße » Schöngelegen «.

In sein Haus ist Wilhelm Scholz mit seiner Familie 1969 eingezogen. Herr Scholz war sein Lebenlang Kriminalbeamter. Seine Freude am Beruf spiegelt sich an vielen Stellen in der Einrichtung wider. » Die Erkerfenster sind einfach verglast. Daher sind diese Zimmer im Winter sehr kalt. Das ist ein großer Nachteil dieser wunderschönen Räume. 62

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Ich richte mir im Winter immer eine Winterresidenz im Lesezimmer ein. Trotz dieser Strapazen wohne ich hier sehr gerne. Man hat hier viel Ruhe und kann nach seiner Fasson leben « berichtete mir Wilhelm Scholz während » seines Verhörs « (so nannte Herr Scholz vergnügt unser Interview). Foto rechts: Wilhelm Scholz, 81, Pensionär.

Besonders ausdrucksstarken Fotos der Außen oder Innenwelt der Bewohner habe eine ganze Seite gewidmet. So konnte ich diese Fotos in der maximalen Größe von 230 x 150mm zeigen. Hier am Beispiel von Wilhelm Scholz. Es wird im Buch jedoch immer nur ein Foto und zwar, dass der Außenwelt oder das Zuhause groß gezeigt. Nie beide auf einer Doppelseite.

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Außenwelt Das Foto der Außenwelt jeder von mir fotografierten Person / Familie zeigt ein Detail des Hauses, ein Ausschnitt aus der Fassade, das Haus oder Bauwerk oder ein Stimmungsfoto aus der Straße bzw. direkten Umgebung. Hier habe ich auf Personen auf den Fotos verzichtet. Der Leser soll sich hier allein auf die Außenumgebung konzentrieren. Ohne diese Außenaufnahmen wäre der Ort beliebig, da die Innenaufnahmen nur selten was über den Stadtteil verraten. Die Außenaufnahmen entstanden über das Semester verteilt und zeigen die Margarethenhöhe im Sommer, Herbst und Winter. Bei der Wahl meiner Models habe ich sehr auf die Außen-landschaft der Person geachtet. Gezielt habe ich Personen angesprochen, deren Haus mir besonders gefiel, um facettenreiche Innen- und Außenauf-

nahmen machen zu können und damit den Charakter der Personen aber auch die vielfältige Umgebung in meinem Bildband zeigen zu können. Ganz besonders achtete ich auf die harmonische Zusammensetzung der Außen- und Innenaufnahmen. Im Beispiel unten zeige ich den Platz vor der Tanz- und Musikschule mit dem Denkmal, welches dem Architekten Georg Metzendorf gewidmet ist. Die Schule im Anschnitt. Es war mir wichtig die besonderheiten der Umgebung und der Räumlichkeiten harmonisch im einklang zu zeigen. Hier habe ich es über die Farbgebung gelöst. Beim durchblättern des Buches soll der Leser immerwieder überrscht werden und sich sein Gesamteinbild der Margarethenhöhe und ihrer Einwohner mit meinen Aufnahmen vervollständigen.

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Das Denkmal vor der Tanz- und Musikschule

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Details Die Fotografien links zeigen ausgewählte Detailaufnahmen, welche in den einzelnen Haushalten, und dem Einzelhandel auf der Margarethenhöhe entstanden sind. Die Fotos sollen interessante Details, welche im Ganzkörper-Portrait untergehen würden in den Vordergrund holen. Sie harmonieren zumeist mit dem Portrait der Person, wie im Beispiel unten, da sie den Stil und die persönlichkeite der Person zusätzlich wiedergeben und illustrieren. Ich habe pro Portrait eine Detailaufnahme gewählt, oft auch da sie zum Text passte. Detailaufnahmen von Gegenständen, die im Portrait bereits gut erkennbar sind (z.B. der rote Messer-ständer) habe ich weggelassen. Durch die gute Präsenz im Portrait trat eine Doppelung im Gesamtbild auf, die störend wirkte.

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Gina Fischella in eihrer ersten eigenen Wohnung.


Š Bei meinem Projekt haben mich viele Bewohner vom Keller bis unter das Dach gefßhrt.

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Fazit Abschließend kann ich sagen, dass mich dieses Projekt an Erfahrungen im Umgang mit der Technik, der Fotografie und dem Umgang mit den verschiedensten Menschen bereichert hat. Was die Fotos nicht verraten ist, »es war harte Arbeit«. Teilweise habe ich fünf Tage die Woche Fototermine von Morgens bis Abends umgesetzt. Das Erste Foto war dann schon mal um 10 Uhr und das letzte um 21 Uhr Abends. Ich ging sehr diszipliniert an die Sache und habe dadurch heute ein große Bandbreite an verschiedensten Portraits vorzuweisen, die besten davon in meinem Buch »Unter den Dächern der Margarethenhöhe«. Die Arbeit hat sich sehr gelohnt. Ein Verlag wartet auf das Werk. Ausstellungen im Essener Raum werde ich über die gewonnen Kontakte bewerkstelligen können. Ich habe viele Erfahrungen darin gesammelt, meine Idee »an den Mann« zu bringen und auch bei den Fototerminen war es eine besondere Erfahrung in so

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viele Haushalte zu gehen und das beste an Bildmaterial rauszuholen. Im Projekt habe ich anders als sonst, sehr viele Kinder fotografiert. Da muss man lernen auch mal streg zu werden. Besonders war die Offenheit der Einwohner des Stadtteils. Man führte mich vom Keller bis ins Dachgeschoss. Von der Küche bis ins Schlafzimmer. Gärten, Partyräume, Lesezimmer, Atelier. Da musste ich meine Schüchternheit zuhause lassen. Die Bildmotive sind so vielseitig, wie die Menschen die mein Projekt unterstützt haben. Ohne die bereitwilligen Bewohner wäre es nicht möglich ganz besonders persönliche und erzählerisch Bilder zu machen. Am Schluss möchte ich nochmal meinen Gefühl ausdruck verleihen: »jeder Fototermin war wie Weihnachten. Man weiß nie was man bekommt und ist anschließend sehr glücklich über die Ergebnisse«.

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Dokumentation