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Religiöse Fanatiker

SVA 05 BWZT

Michael Sina

Bahnhofstrasse 29 !

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Andreas Honegger

9630 Wattwil!

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Thomas Wirz

03. März 2oo5 !

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Emont 4b


SVA 05

MICHAEL SINA ANDREAS HONEGGER

Inhaltsverzeichnis

THOMAS WIRZ

• Vorwort - Teilaspekte - Begründungen der Themenwahl

• Sekten -

Was ist eine Sekte Kriterien sektiererischer Gruppen Die Liste der meist bekannten sektenhaften Gruppierungen Lea Laasner, die Flucht aus der Sektenhölle

• Interview - Interview mit Pfarrer Martin Scheidegger vom Sektenberatungszenter Luzern

• Der Fanatiker -

Begriffserklärung Fanatismus Der Schatten der Gewalt Hilflose Konfliktbewältigung Ein Sonderfall Islam Unsere Sichtweise

• Das Experiment - Besuch bei icf - Zürich - Zeugen Jehovas mit versteckter Kamera

• Schlusswort

SVA 2005 - Religiöse Fanatiker - Autoren M. Sina / A. Honegger / T. Wirz


Begründungen der Themenwahlen Sekten Bei unseren Recherchen über das Thema Religiöse Fanatiker sind wir schnell über das Thema Sekte gestolpert. Da es mit dem Oberthema sehr verknüpft ist, gehört dies zwingend in die Arbeit. Interview

Vorwort Als das Oberthema Fanatismus in der Klasse bestimmt wurde, begannen unsere kreativen Ideen zu wirken! Schon bevor die eigentlichen Arbeiten in der Schule begannen, hatten wir schon mehrere passende Themen gefunden! Durch mehrere Vor-Recherchen und einige Diskussionen fixierten wir uns schlussendlich auf das Thema Religion! So entstand unser Thema “religiöse Fanatiker!” Ausschlaggebend für diese Themenwahl war vor allem, dass wir bei diesem Thema auf diverse E-Mails sofort Antworten bekamen! Wir merkten, dass dieses Thema sehr umfangreich ist! Daher dachten wir, dass wir eine gute Note erzielen könnten, wenn der Einsatz stimmt.

Teilaspekte

Ich habe mir schon von Anfang an gedacht, dass es ein arbeitsintensives Thema ist. Allerdings ist es mir den Einsatz wert, um eine gute Note zu erzielen! Michael Sina: Durch meine kritische Haltung zur Religion besteht für mich hier eine Möglichkeit, die verschiedenen Aspekte von religiösen Gruppierungen kennen zu lernen! Durch meine Recherchen werde ich hoffentlich profitieren können. Auf die verschiedenen “Experimente” freue ich mich besonders! Es würde mich freuen, wenn in dieser Zeit eine gute Zusammenarbeit in der Gruppe entsteht und sich die Kontakte auch auf der privaten Seite verstärken. Andres Honegger: Das Thema hat mich deswegen fasziniert, da es meiner Meinung nach immer aktueller in der Gesellschaft wird.

Hier sind unsere Stellungnahmen bzw. Erwartungen von unserer Selbständige-Vertiefungs-Arbeit, die jeder von uns erreichen will.

Die ständige Zunahme der fanatischen Gruppierungen finde ich gefährlich und ich möchte diesen Gedanken in dieses Dossier einfliessen lassen.

Thomas Wirz:

Gemeinsamer Gedanke:

Da das Thema sehr weitläufig ist und unsere Gruppe auch die Möglichkeit hat seine eigenen Ideen einwirken zu lassen, war ich sehr überzeugt von dem Thema.

Wenn wir etwas machen, dann richtig! Wir möchten ein Endprodukt abliefern, auf das wir stolz sein können!

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Bei den Recherchen über die Sekten sind wir mit Pfarrer Scheidegger in Kontakt getreten. Da dachten wir, es wäre eine gute Idee ein Interview mit ihm zu führen. Fanatiker Der Fanatismus an der Religion hat uns sehr interessiert. Die Recherchen waren schwierig. Rar waren die Informationen! Experiment Zeugen Jehovas Die Idee zum Experiment brachte Andreas. Der genaue Hergang wie die Idee entstand, ist uns selber nicht mehr klar. Experiment icf - Zürich Mitschülerin Isabelle S. macht uns Aufmerksam auf icf - Zürich. Wir wollten uns mal vor Ort erkundigen.


Sekten

Was ist eine Sekte? Das Wort Sekte kommt von dem lateinischen sequi, was soviel heisst wie folgen oder nachfolgen! In unserem Sprachgebrauch wird das Wort oft für eine Gruppe, die auf irgendeine Weise gefährlich ist, verwendet. Ein solcher Gebrauch des Begriffs ist jedoch sehr problematisch, da er selten objektiv begründet wird! Vielmehr bezeichnet man damit eine religiöse Gruppierung, die im Widerstreit mit ihrer Umgebung sowie insbesondere etablierten Religionen steht. Wissenschaftlich wird das Wort kaum mehr verwendet! Der Begriff wurde weitgehend durch neutralere Umschreibungen wie religiöse Sondergemeinschaft, neureligiöse Gemeinschaft oder konfliktträchtiger Anbieter am Lebenshilfemarkt ersetzt! Sekten gab es aber schon früher. So wurden zum Beispiel die Protestanten wurden früher auch als Sekte (secta lutherana) bezeichnet. Heute hat sie sich zur Religion Etabliert. Nicht alle Sekten haben sich wie die Protestanten etabliert, viele sind untergegangen.

Kriterien Sektererischer Gruppen Absolutheitsanspruch Behauptet die Gruppe, die einzige wirksame Heilmethode, den einzigen oder besten Weg zur geistigen oder religiösen Läuterung zu haben? Führerfigur Steht der Organisation ein Führer, Gründer, Guru, Prophet oder Messias vor, der die absolute Wahrheit darstellt oder als deren Mittler auftritt und von den Anhängern entsprechend verehrt wird?

bekannten sektenhaften Gruppierungen

Missionierungsdrang Werden die Mitglieder (mit moralischen Druck) angehalten oder gedrängt, neue Mitglieder zu werben und das Heilskonzept in die Welt zu tragen? Gehört die Weiterverbreitung der Lehre zu den zentralen Tätikeiten? Soziale Abkapselung Finden sich in der Gruppe die Guten, während die draussen zu den Bösen zählen? Werden Eltern und Angehörige gemieden, weil sie wenig Verständnis für die „wahre Sendung“ haben und nur als Versuchung verstanden werden können, den Anhänger wieder vom „rechten Weg” abzubringen?

Heilversprechen Werden Versprechungen gemacht und grosse Erwartungen geweckt? Z. B.sicherer Platz im Himmel oder Heilung von schwerer Krankheit?

Aussergewöhnliche Kulthandlungen Pflegt die Gruppe seltsame oder masslose Rituale?

Gruppendruck Übt die Gruppe einen starken Einfluss auf die Mitglieder aus, müssen sich diese unterordnen? Glauben die Anhänger, Auserwählte

Die Liste der meist

Gruppenstruktur Ist die Organisation nach einer straffen Hierarchie aufgebaut? Wird von den Untergebenen Gehorsam und Disziplin verlangt?

Erlösungsrezept Bietet die Gruppe ein einfaches Heilrezept oder eine einfache Heiltheorie an? Wird den Mitgliedern Erleuchtung oder Erlösung, die persönliche Vollkommenheit oder gar die absolute geistige Freiheit versprochen?

Totalitärer Anspruch Verträgt die Gruppe Kritik? Totalitäre Gruppen und „absolute Wahrheiten“ dulden keine Zweifel und keine Kritik.

(Bild: Uriella bei der Zermonie)

zu sein, einer Elite anzugehören, die das Heilsprinzip verwirklichen muss?

Wirtschaftliche Ziele Sind Geld (auch „Sammeln“) oder Häuser und andere materielle Dinge wichtig – insbesondere für die Führerfigur? Werden die Mitglieder ausgenützt, arbeiten sie für die Gruppe überdurchschnittlich viel gegen geringe Entlöhnung?

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1863 - Neuapostolische Kirche 1870 - Zeugen Jehovas 1927 - Mormonen 1950 - Scientology 1952 - Bruno Gröning Bund !

1957 - Transzendentalen Meditation 1963 - EST – Centers Network 1965 - Eckankar 1966 - ISKON (Hare Krishna) 1969 - CoG – Children of God 1980 - Reki

Quellenangaben Text: Aus diversen Recherchen sowie von den Informationsblatt von der Ökum. Beratung Relig. Sondergruppen und Sekten, Luzern, Pfr. M. Scheidegger. Was ist eine Sekte: www.wikipedia.ch Bild: www.fiat-lux.ch


Lea Laasner, die Flucht aus der Sektenhölle Lea Laasner (24) war 9 Jahre in der Sekte der „Rathma-Gruppe“. Durch eine Fluchtaktion hat sie den Ausstieg geschafft. Über Ihre Erinnerungen hat sie nun ein Buch geschrieben. Die Mutter der damals 12-jährigen Lea Lassner versuchte ihre damaligen Bauchschmerzen mit Medikamenten zu lindern. Da sie mit der Wirkung der Medikamente nicht zufrieden war, probierte sie es vorerst mit Yoga. Später lernte sie Rathma das Medium kennen. In tagelangen Besuchen in den Wäldern suchte sie die heilende Kraft der Natur. Sie widmete sich immer mehr der Gruppe, die ihr Heilung und Erleuchtung versprach. Fasziniert von dem, zog sie die ganze Familie mit ein. Lea berichtet in ihrem Buch über ein Medium, einen Allwissenden, der ihnen in Trance erklärte, dass in zwei Jahren die Auserwählten in Form von Licht von diesem Planeten verschwinden würde. Die Mutter entschloss, sich der Sekte anzuschliessen, stellte der Familie ein Ultimatum: “Entweder kommt ihr mit mir auf Portugal zu unserem Guru, oder ich verlasse euch!” Der Vater wollte die Familie nicht zerstören und trat der Sekte bei. Sie verkauften ihr ganzes Hab und Gut. Über eine Million Schweizer Franken überwiesen sie dem Guru. Die Gruppe wurde dermassen unter psychischen Druck gesetzt. Alle waren überzeugt, dass dies der einzige Weg zur Erleuchtung sei. Mit verschiedenen Methoden wurden sie gefügig gemacht. Zum Beispiel hatten alle Toiletten keine Türen. Niemand durfte eine Privatsphäre haben! Lea und ihr Bruder wurden immer mehr von Ihren Eltern distanziert. Es wurden auch ein sexueller Partnertausch angeordnet, damit sich keine engen Zweierbindungen bilden konnten. Eines Tages wandte

sich der Sektenguru an Lea. “Liebend gern würde ich dich einmal vögeln.” Lea war zuerst fassungslos! Der Guru erklärte ihr aber, dass sie somit in eine neue spirituelle Ebene eindringen würde. So liess sie das zu! Zum gleichem Zeitpunkt und im gleichen Raum wurde auch ihr Bruder von dem Medium missbraucht! Dann, der Guru lag noch nackt auf Lea, trat plötzlich ihr Vater herein. Er war zuerst geschockt. Darauf wurde ihm dann aber erklärt, dass dies nötig sei und es der Geist Rathma so wünsche! Nach langem Einreden auf den Vater konnten sie ihn dann überzeugen. Als Lea dann 14 war, zog die Sekte um nach Belize, einem Land etwa halb so gross wie die Schweiz. Die Rathma - Gruppe kaufte dort eine Ranch mit 25 Quadratkilometer Land. Nach Aussen gaben sie sich dann als Hilfswerk zu erkennen. Auch dort wurden Lea und ihr Bruder etliche Male vergewaltigt. Für sie unerträglich geworden, häuften sich die Gedanken an Selbstmord. Mit Hilfe eines Polizisten von Nachbardorf konnte Lea endlich nach neun Jahren aus der Sekte flüchten. In der Schweiz fand sie Zuflucht bei ihrer Verwandtschaft. Die Gruppe hatte sich nach Leas Flucht gesplittet. Der Guru, ihre Mutter und acht weitere Anhänger sind danach untergetaucht. Der Vater versucht, eine neue Existenz als Architekt in Belize aufzubauen. Der Bruder hat vor einigen Wochen in Belize geheiratet. Das war Leas erstes Wiederkehren nach Belize. Ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens begleitete sie. Mit dem Sektenexperten Hugo Stamm schrieb Lea ein Buch über die Qualen der letzten Jahre. So kann sie Erlebnisse verarbeiten. Während der Zeit in der Sekte machte sie keinen Abschluss in der Oberstufe. Nun holt Lea die fehlende Schulzeit und versucht, sich in der Gesellschaft zurecht zu finden.

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Diese Meldung in den Medien hat uns schockiert. Da der Vorfall gut aufzeigt, welche Gefahren die religiösen Gruppierungen mit sich bringen können, wollten wir dieses sehr aktuelle Thema in unserer SVA mit einbinden.

Quellenangaben Blick Ausgabe vom Samstag dem 26. Februar 05. SFDRS Quer Sendung vom 25. Februar.


Interview mit Pfarrer Martin Scheidegger vom Sektenberatungszenter Luzern

Bildergalerie

Was ist eigentlich eine Sekte? Es kommt auf die Definition an. Der Begriff Sekte kommt aus dem Lateinischen sequi und heisst jemandem Nachfolgen oder von secare – etwas trennen. Eine Gruppe löst sich sozusagen aus einer grösseren Gruppe heraus. Doch das sagt nichts darüber aus, was wir heute unter Sekte verstehen. Wenn man den Begriff Sekte braucht, dann werten wir ihn negativ. Doch heutzutage ist man vorsichtig mit dem Wort. Die sektenhaftigen Aspekte findet man ihn jeder Gruppe. Es hat einfach ein bisschen mehr oder weniger, darum sprechen wir heute eigentlich von sektiererischen Tendenzen oder abhängig machende Tendenzen. Dazu haben wir ein paar Kriterien die wir genauer anschauen (siehe Untertitel Sekte). Zum Beispiel hat eine Gruppe einen Guru, der seine Autorität beansprucht. Wie wird denn der Begriff Sekte in der Bevölkerung gewertet? Er geniesst einen schlechten Ruf. Wenn jemand anruft und fragt: „Ist dies eine Sekte?“ und ich beantworte die Frage mit Ja, dann heisst es: „Danke, jetzt weiss ich’s.“ Doch das Problem ist damit nicht gelöst. Die Leute haben häufig das Bild, es sei gefährlich und grenzen es aus. Es wird aber für die Menschen viel schwieriger, wenn ich jedoch sage: „Nein, dies ist keine Sekte, passen sie aber trotzdem auf, denn es kann doch fragwürdige Aspekte haben.“ Wie denken Sie, kommt man in eine Sekte? Die meisten suchen den Sinn des Lebens und die Sekten geben ihnen die Antworten. “Was kannst du machen? Wie wird es besser?” In diesem Sinn haben alle Gruppierungen so, auch die Weltreligionen, solche Abspekte. Einige Gruppen versuchen dich einzuschüchtern. Jetzt kommt es drauf an, wie du dich entwickelt hast. Wie sicher bist du? Wenn du Angst bekommst und nicht selbst- und eigenständig denken kannst, dann passt du dich der Gruppe an. Generell sind Menschen die sich in einer Krise befinden oder die kein Selbstbewusstsein gebildet haben, stärker gefährdet. Es hat jede Gruppen gute und schlechte Seiten. Was ist der Unterschied zu den fünf Welt Religionen? Sie sind grösser, existieren schon länger und umfassen eine grosse Menschenmenge. Zeugen Jehovas werden als Sekte betrachtet. Hört man, was sie über Sexualethik meinen, erkennt man gewisse Parallelen zur katholische Kirche. Der Unterschied ist, dass der Papst Richtlinien setzt, doch wir müssen sie nicht befolgen. So kannst du deine eigene Meinung haben. Bei den Zeugen Jehovas kommt der Bruder, der für euch zuständig ist und schaut, ob du nach dem lebst was sie dir vorgeben. Wenn du nicht so lebst, wirst du von der Gruppe ausgestossen. Wie wird man abhängig in einer Sekte? Diese Menschen finden in dem vorgegebenen System Halt. Ihr ganzer sozialer Kontakt ist dort. Ein schwacher Mensch mit Problemen findet dort sein Leben wieder. Oft können sich diese Menschen nicht zu einer reifen Persönlichkeit entwickeln, weil sie zum Beispiel nichts selbständig entscheiden dürfen und immer zuerst andere fragen müssen.

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Pfarrer Martin Scheidegger im Interview.


Was sind die Auswirkungen gegenüber den Angehörigen? Das ist immer das Schwierigste, es gibt oft sehr viele Probleme. Es ist vielfach so, dass die Angehörigen nicht damit umgehen können. Sie verstehen oft nicht, wieso der andere in eine Sekte geht. Vielmals schotten sich beide Seiten voneinander ab. Was soll man machen, wenn man jemanden kennt, der sich einer Sekte anschliesst? Ihr könnt den Betreffenden nicht einfach erlösen und retten. Ihr müsst schon mit demjenigen reden. Was in an der Sekte interessiert oder was er dort findet, das er sonst nicht bekommt. Ihr müsst euch mit dem befassen was ihn dort so fasziniert. Vielleicht auch mal mit ihm mitgehen und sich das Ganze mal genauer anschauen. Dann kann man die Sache erst beurteilen und mit demjenigen mal kritisch über die Sache reden. Das ist eigentlich der beste Weg, mit einem Betroffenen umzugehen. Wer wendet sich eher an die Beratungsstelle, der Betroffene oder die Angehörigen? Es ist natürlich schon so, dass mehr Angehörige kommen. Es gab schon Fälle, dass Betroffene auf mich zu kamen. Sie sagten: “ich war jetzt zwei Jahre bei den Zeugen Jehovas. Vorher war ich drei Jahre bei den Scientology und ich habe beide Male etwas gelernt. Aber es wurde mir immer zu eng.” Die hilfesuchenden Personen wollen wissen, wie sie am besten vorgehen sollen, damit sie nicht wieder in eine solche Gruppe geraten. Was sagen Sie speziell zu den Freikirchen, welche sehr viele Anhänger haben? Wie es der Name Freikirche sagt, sind dies freiwillige Kirchen. Es sind eigentlich christliche Bewegungen. Der Unterschied zur Landeskirche ist der, dass diese einen bestimmten Sitz hat, wie zum Beispiel die katholische Kirche im Vatikan. Wir werden in die Kirche hineingeboren. Es gehören alle dazu, die nicht den Austritt geben. In der Freikirche gehört man erst dazu, wenn man sich auch für diesen Schritt entschlossen hat und nach den Regeln dieser Gemeinschaft lebt. Sie stehen also tendenziell der Sekte näher. Bei den Freikirchen ist die Gefahr gross, dass sie nach einem fundamentalistischen Denkmodell predigen. Nur so musst du glauben! Obwohl es auch bei den Freikirchen sehr viele verschiedene Modelle gibt.

Vorbereitungen Über die Internetseite der Ökumenischen Beratungsstelle Luzern konnten wir Kontakt mit Herrn Scheidegger per Email herstellen. Bald wurde uns klar, dass wir den richtigen Interviewpartner gefunden haben. Nach einigen Emails mit Herrn Scheidegger vereinbarten wir einen Besuch am 24. Januar 2005 in Luzern. An diesem Montag musste leider Michael seinen beruflichen Pflichten nachgehen und konnte nicht mit nach Luzern. Während der Zugfahrt bereiteten wir uns intensiv für das Interview vor. Bei frühzeitigem Ankommen in Luzern beschlossen wir, bei einem gemütlichen Kaffe die Fragen ein letztes Mal durchzugehen. Später stellte sich heraus, dass dieses Lokal ein “Vergnügungsort für ältere Männer” ist. Nach dem Verlassen des Lokals machten wir uns auf den Weg zur Beratungsstelle. Mit Herrn Scheidegger führten wir schliesslich das Interview durch. . Uns wurde dessen Aufzeichnung auf Video gewährt.

Was denken Sie, wieso haben die Freikirchen immer mehr...? Wenn ihr in einer Gruppe seid, die verbindlich lebt, ist das immer attraktiver. Weil man dort mehr mitmachen kann und auch gezielt für die Jugendlichen etwas geboten wird. So ist natürlich klar, dass diese Freikirchen generell attraktiver sind. Das kann eine Landeskirche nie bieten. Aber es gibt viele, welche sagen: “Die Freikirche engt mich zu stark ein, darum geh ich in die Landeskirche.” Glauben Sie, dass es schädlich ist, wenn man zu religiös ist?

Quellenangaben Bild/Text:

Natürlich. Alles was im Übermass ist, ist schädlich. Ich meine, die schlimmste und gefährlichste Sekte in dieser Zeit ist George W. Bush. Nur wollen es viele Menschen nicht wahr haben. Mit dieser Religiosität und dieser fundamentalistische Vorstellungen, mit der er zurzeit die Welt regiert und das Wort Freiheit versteht.

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Interview mit Pfarrer Martin Scheidegger Ökumenischer Verein Beratung Religiöse Sondergruppen u. Sekten Neustadtstrasse 7 6002 Luzern


Der Fanatiker Begriffserklärung Fanatismus Als Fanatismus (von fr: fanatique oder lat. fanaticus; göttlich inspiriert) bezeichnet man das unbedingte Festhalten an einer Idee oder theoretischen Vorgabe weitgehend ohne Rücksicht auf praktische Konsequenzen für ihn oder andere. Fanatismus kennzeichnet sich durch Intoleranz gegenüber jeder anderslautenden Meinung oder Anschauung. Fanatismus kann in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft auftreten wie zum Beispiel Politik, Religion und in ihnen auch zur massenhaften Erscheinung werden. Der Fanatiker ist oft aggressiv seiner Idee verhaftet und einer vernünftigen Argumentation wenig zugänglich. Die Verwendung des Begriffes unterliegt oft großem Streit, da in einer Auseinandersetzung oft der jeweilige Gegner als Fanatiker bezeichnet wird. Auch heute allgemein hoch angesehene Gestalten der Vergangenheit wie der amerikanische Revolutionär Paul Revere (Freiheitskämpfer) ("Give me liberty or give me Death") oder Martin Luther würden wohl nach heutigen Maßstäben als Fanatiker gelten.

Der Schatten der Gewalt Wo immer in der Geschichte und Gegenwart religiöse Fanatiker zuschlagen, ruft der Chor «der vernünftigen Gläubigen»: Die gehören nicht zu uns. Die Islamisten in Algerien, die halbe Dörfer niedermetzeln, sind keine Muslime. Die serbischen Kriegsverbrecher in Exjugoslawien sind keine orthodoxen Christen. Die Protestanten und Katholiken in Nordirland sind keine Protestanten und Katholiken. Die Hindus und Buddhisten, die sich in Sri Lanka in periodisch auftretende Ausbrüche von Gewalt hineinziehen lassen, sind keine Hindus und keine Buddhisten. Die Fanatiker werden zwar in allen Religionen insgeheim gefördert. Ich kenne keine Religion, die sich nicht im stillen über bedingungslosen Einsatz für die eigene Wahrheit freut. Aber wenn dann die Maschinengewehre ballern, dann gehören die Fanatiker plötzlich nicht mehr zu uns. Dass sich bei dieser Einstellung zum Thema gewalttätige Religion nichts ändern kann und wird, liegt auf der Hand. Religionen kanalisieren Gefühle Religionen sind – neben vielem anderen – auch kollektive Kanäle für menschliche Gefühle. Angst, Trauer, Wut, Sehnsucht, Hoffnung, Liebe – die besten und die schwierigsten Möglichkeiten der menschlichen Seele werden in Religionen aufgegriffen, eingedämmt, kanalisiert und wenn immer möglich dem einzelnen und seiner Gemeinschaft dienlich eingesetzt. Religiöse Führer, Mullahs, Priester, Prediger, Gurus versuchen, die manchmal nur sanft fliessenden, manchmal wild sprudelnden Ströme menschlicher Emotionen in die richtige Richtung zu lenken. Bei all dieser Emotionsregulierungsarbeit erweist sich aber, dass bei grossem Geschick im Umgang zum Beispiel mit Trauer und manchmal auch mit Angst die religiösen Führer meistens völlig überfordert sind, wenn Wut und Aggressionen Menschen überschwemmen. Solange wie möglich suchen die Religionen Dämme gegen zerstörerische emotionale Kräfte aufzubauen. Aber wenn der Aggressionsstau zu gross wird, dann kenne ich keine Religion, die nicht die wilde Flut sofort in die rechte Richtung leitet: hin auf den Andersdenkenden, den Glaubensfeind.

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Hilflose Konfliktbewältigung Grundsätzlich hält jede Religion zu Wohlverhalten an. Wenn wir aber davon ausgehen, dass sich in jedem Menschen und in jeder Gesellschaft ein tüchtiges Mass an potentieller Angst und Gewalt verbirgt, so zeigt sich erstens, dass alle Religionen versuchen, über weite Strecken dieses Gewaltpotential zu bändigen und zweitens, dass auf die Dauer alle diese Versuche nichts taugen, weil sie die Aggressionen nur anstauen und nicht verwandeln. Wirkliche Verwandlung von Aggression zum Beispiel in Kreativität oder in Liebe gelingt den Religionen nur in Ausnahmefällen, und zwar nur dort, wo Menschen imstande sind, die Schatten der eigenen Seele und der eigenen religiösen Organisation zu erkennen und diese Schatten in Gebet, Seelsorge, Meditation, in gemeinsamem Leben und Gottesdienst, das heisst in einer Art religiöser Psychotherapie, zu bearbeiten. Wo aber die zu dieser Verwandlung notwendige kritische Reflexion fehlt, da reissen periodisch die Dämme der angestauten Aggression, und es bleibt den religiösen Führern nichts anderes übrig, als heilige Kriege auszurufen. Ein Sonderfall Islam? Im Moment steht in den Augen der westlichen Welt der Islam auf Platz 1 in der Weltrangliste der aggressiven Religionen. Das hat zwar seinen doppelten Grund; aber das muss nicht so bleiben. Die islamische Welt gehört – anders als ein grosser Teil der christlichen Welt – zu den eigentlichen Armutsgebieten der Erde. Bevölkerungsexplosion, Ausbeutung durch Eliten und Korruption gehören zur traurigen Tagesordnung. Die in dieser Situation sich anstauenden Aggressionen sind fürchterlich. Zum andern Teil leidet der Islam wie kaum eine andere Religion immer noch an der Unfähigkeit, die eigenen Traditionen und Wahrheiten zu hinterfragen. Eine kritische Beschäftigung mit Mohammed und dessen Umgang mit dem Phänomen der Gewalt – Mohammed war auch Staatschef mit politischem Sinn für Realitäten und General mit Sinn für Strategie – ist für die meisten Muslims tabu. Wie kann aber eine religiöse Gemeinschaft das Problem der auch in ihr verborgenen Aggression bearbeiten, wenn selbstkritische Überlegungen tabuisiert werden? Ein liberaler Islam könnte mit dem Phänomen der eigenen potentiellen Gewalt anders umgehen. Aber der überzeugend liberale, selbstkritische Islam ist – wenn ich richtig sehe – in vielen Teilen der islamischen Welt auf dem Rückzug. Überbordende kollektive Aggression wird sich so lange über die Andersdenkenden ergiessen, bis sich eine Gemeinschaft selbst zu hinterfragen vermag. Wir sind weit davon entfernt zu behaupten, dass wir Christen oder Angehörige anderer, nichtislamischer Religionen dies könnten. Aber einige versuchen es. Es wäre mehr als nur sinnvoll, wenn sich vermehrt auch islamische Glaubensgemeinschaften ohne Rücksicht auf Tabus auf diesen Versuch einlassen würden.

Unsere Sichtweise Es ist sehr bedenklich und gleichzeitig beängstigend zu wissen, dass Leute auf der Welt herumlaufen, die sich für die Religion opfern würden. Schockierend dazu ist es auch, was für Auswirkungen dies auf die betroffenen Menschen sowie auf die Welt hat. Man betrachte dazu den aktuellen Fall von Lea Laasner, bei dem deutlich wird, wie stark betroffene Menschen oft leiden müssen.

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Quellenangaben Begriffserklärung Fanatismus von www.wikipedia.ch Bei Anfrage bei George Schmid erhielten wir per Email diesen Text. Da nach unserer Meinung keine Kürzungen notwendig sind, ist der Text vollständig übernommen.


Zürich 25.02.05 Maag Areal Besuch bei icf celebrationhalle

Experiment - Hirnwäsche? Kurzinformation über icf - Zürich Der oder das icf, ausgeschrieben International Christian Fellowship, auch icf Movement oder (früher) ICF Church genannt, ist eine vergleichsweise neue Freikirchen-Bewegung, die durch separate Gottesdienstangebote für unterschiedliche Altersgruppen insbesondere junge Menschen anspricht. Durch unsere Mitschülerin Isabelle S. wurden wir auf icf (auf Deutsch übersetzt Internationales Christian Stipendium) aufmerksam. Neugierig besuchten wir die Internetseite vom icf - Zürich. Unser Interesse stiess auf den Jugendgottesdienst am Freitagabend. So entschieden wir uns, am selben Abend noch vorbeizuschauen. Folgende Fragen stellten wir uns vor dem Besuch bei icf in Zürich. -

Wie ist die Lokalität? Wie werden wir dort begrüsst? Was für Jugendliche besuchen einen Gottesdienst am Freitagabend? Wie sind die Jugendlichen zur icf gekommen? Wird überhaupt in ein Gespräch mit einigen Jugendlichen stattfinden? Wie ist das Programm des Gottesdienstes? Wie lange dauert das Ganze? Werden wir als Aussenseiter erkannt? Dürfen wir Bilder / Video im Lokal machen?

Freitag 25. Februar 2005 19:30 Maag Areal Zürich Direkt nach der Berufsschule begleitete Andreas Michael nach Hause, um sich für den Abend vorzubereiten. Mit einer Digitalkamera ausgerüstet machten wir uns auf den Weg nach Zürich-Hardbrücke. Im Maag Areal ankommen war von weitem ein grosses “icf - celebration” Plakat ersichtlich. Vor dem Eingang schon standen wenige Jungendliche. Beim Betreten der grossen Halle wurden wir schon an der Eingangstür höflich begrüsst, nach wenigen Metern von mehreren Jugendlichen gleich nochmals. An einem der mehreren Garderobenständer deponierten wir unsere Sachen. Per Zufall wurde in der Lounge ein Sofa frei. Wir nutzen die Gelegenheit und sassen nun in der Sofaecke. Beste Voraussetzungen, um erste Kontakte zu knüpfen. Während wir uns unterhielten, drehte sich ein blondes Mädchen zu uns, das hinter uns ebenfalls auf einem Sofa sass. Verblüfft schaute sie Andreas mit grossen Augen an. Sie sprach ihn sogleich an und fragte, ob er nicht von Wald ZH sei.

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Andreas war sich zuerst gar nicht sicher sie zu kennen. Doch bald stellten beide fest, das sie vor Jahren im gleichen Verein tätig gewesen waren. Zu unserem Glück, so hatten wir bereits eine Kontaktperson gefunden. Mit Johanna und mit deren Kollegin Christina begannen wir ein intensives Gespräch über den bevorstehenden Abend. Zuerst fragte Johanna uns neugierig, wie wir zu icf gekommen seien. Andreas erklärte, dass unsere Mitschülerin Isabelle S. uns über icf erzählt hatte. Im Gegenzug interessierten wir uns auch, wie Johanna und Christina zu icf gekommen sind. Beide sind vor eineinhalb Jahren über eine Kollegin zu icf gelangt. Regelmässig besuchen sie nun am Freitagabend den Gottesdienst. Da wir keine Informationen über das Abendprogramm hatten, erkundigten wir uns bei den beiden Mädchen. Ein spezieller Abend sei heute. Ein schwedischer Gast Prediger werde um 20 Uhr auftreten. Kurz vor 20 Uhr begaben wir uns alle in die grosse Nebenhalle. Am Eingang zur grossen Halle waren grosse Aufkleber. Keine Fotoapparate, kein Essen und keine Natels war erwünscht. Die Halle war mit einer grossen Showbühne, runden kleinen Tischen und mit drei grossen Tribünen ausgestattet. Auf der Showbühne waren mehrere junge Leute mit Instrumenten. Mit Johanna und Christina nahmen wir an einem runden Tisch platz. Auf dem Tisch standen eine Schale mit schwedischem Gebäck. Das Licht wurde gedämpft, ein junger Mann kam auf die Bühne mit seiner Gitarre und begrüsste uns. Er und seine Band begannen zu spielen. Durch Christina erfuhren wir, dass der Sänger Dave heisst. Nun motivierte Dave das Publikum, sich vor die Bühne zu begeben. Andreas und Michael schauten sich lächelnd an. Wer würde schon freiwillig auf die menschenleere Fläche vor der Bühne gehen? Doch getäuscht! Dutzende von Jugendlich standen auf und begaben sich zur Bühne, fingen an zu tanzen, klatschen und zu singen. Wir waren sprachlos! Doch wie wir sind, gingen auch wir nach vorne. Johanna und Christina blieben jedoch zurück am kleinen runden Tisch. Wir mussten unser Schmunzeln unterdrücken. Wir gaben vollen Einsatz, klatschen mit und sangen zumindest den Refrain mit. Uns war es jedoch ein bisschen peinlich. Nach ungefähr vier religiösen Musiktiteln wurden alle gebeten, auf die Plätze zurück zu gehen. Ein junger Moderator namens Andy kam auf die Bühne. Wie Johanna uns schon in der Lounge erklärte, war heute ein spezieller Abend und der schwedische Gastprediger Magum Perrson sollte in Kürze auftreten. Passend zum Abend wurde zuerst jedoch ein schwedisches Kampfspiel gezeigt. Das Prinzip des Spiels war einfach. Es wurden vier Harassen auf den Kopf gestellt und vier mit Schaumstoff versehene Bestenstiele auf die Bühne gebracht. Man brauchte nur noch vier freiwillige Kämpfer! Ein junger schlanker Mann trat nach vorn. Noch fehlten drei Kämpfer. Aus Blödsinn meldete sich Michael und schrie nach vorn: „Mir zwäi!“ Na gut, jetzt waren wir dabei...! Nachdem ein vierter Kämpfer gefunden war, ging’s los. Das Ziel war es, alle anderen von den Harassen zu stossen. Michael versagte kläglich und schied als Erster aus. Andreas konnte sich immerhin den zweiten Platz sichern. Nach dem Wettkampf begann die Band wieder zu spielen. Nach 2 Musiktiteln betrat Andy der Moderator und Magum Perrson der schwedische Gastprediger die Bühne. Mit einem lauten langen Klatschen wurde Perrson begrüsst. Michael wunderte sich, dass Perrson in Englisch sprach. Nun begann er zu referieren. Andy übersetze nach jedem Satz vom Englischem ins Deutsche. Einerseits wurde teilweise falsch übersetzt und anderseits war es sehr unangenehm zuzuhören. Als Einleitung motivierte Perrson alle, an sich selber und an Jesus zu glauben! Uns fiel schon nach wenigen Minuten auf, dass Perrson ein perfekter Rhetoriker ist. Er brachte viele Bespiele aus seiner Kindheit, wie er mit Hilfe von Glaube und Jesus Probleme bewältigen konnte. Das Publikum,

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das mehrheitlich aus jungen Frauen zwischen 16 und 20 Jahren bestand, verfolgten die Rede konzentriert. Es herrschte Totenstille! Der Inhalt bezog sich immer wieder auf die Gotteskraft. Mit den vielen Beispielen und seiner guten Mimik und Gestik war seine Überzeugungskraft gewaltig! Eine wahre Hirnwäsche! Während den langen 60 Minuten mussten wir uns immer wieder begreiflich machen, warum wir hier sind! Ein leichtgläubiger Mensch wäre sicherlich überzeugt worden von Perrson. Es wurde lang und laut geklatscht, als er sich vom Publikum verabschiedete. Zum Abschluss des Gottesdienstes spielte die Band noch 3 Musiktitel. Danach wurde mit einem Gebet die Messe beendet. Direkt nach der Messe begaben wir uns zu Perrson, der ebenfalls das Ende der Messe mitverfolgte. Wir wollten gerne ein Foto von ihm machen. Andy der Moderator stand daneben und fragte, wofür wir die Fotos machen wollten, da ja in der Halle das Fotografieren eigentlich verboten war! Wir gaben an, sie seien für unser Erinnerungsalbum. Nach dem Foto wandten wir uns wieder an Johanna und ihre Kollegin Christina. Die beiden jungen Frauen wollten wissen, wie wir den Gottesdienst miterlebt haben. Plötzlich wollte Johanna von Andreas wissen, ob er überhaupt an Gott glaube. Andreas meinte dazu: „Generell gibt es für mich schon einen Gott, doch ich glaube nicht alles genauso wie es in der Bibel steht.“ Johanna reagierte empört. Jesus sei für uns gestorben! Ohne weitere Worte lief sie davon. Wir verliessen die Halle und gingen zurück in die Lounge. Wir setzen uns neben Christina, die in der Sofaecke sass. Wir plauderten ein bisschen und fragten nach, wie sie zum Glauben gekommen sei. Sie erklärte uns: „Ich war ursprünglich eigentlich Katholikin, aber ich glaubte lange nicht an Gott. Nachdem ich vor eineinhalb Jahren bei icf beigetreten bin, habe ich meinen Glauben wiedergefunden.“ Leider konnten wir das Gespräch nicht lange führen. Christina musste auf den Zug. Michael hatte in der selben Zeit noch einige Fotos von der Lounge und der Haupthalle gemacht. Kurz danach setzten sich zwei junge hübsche Frauen zu uns. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die Eltern von Rebekka am Aufbau des icf beteiligt waren, jedoch seit einiger Zeit nicht mehr tätig sind bei icf. Nun war es bereits 22:30 Uhr, wir beschlossen uns auf den langen Heimweg zu begeben. Das Experiment war erfolgreich!

Quellenangaben icf - Zürich Prospekte Fotos selber gemacht und den Text selber berarbeitet.


Wald ZH 29.02.05 bei Andreas Zuhause Zeugen Jehovas mit versteckter Kamera Experiment - Mit Herrn Z. mehr als 90 Minuten über die Zeugen Jehovas. Tatort: Bei Andreas Zuhause (Wald ZH) mit Michael und Thomas am Küchentisch. Zeitpunkt: An einen grauen kalten Samstagmorgen um ca. 10:01 Uhr. Experiment: Wurde mit einer versteckten Kamera aufgezeichnet! Eingeladener Gast: Ein Mitarbeiter bzw. Anhänger der Sekten Zeugen Jehovas. Der Name ist uns bekannt. Da Herr Z. bis heute nicht erfahren hat, dass unser Gespräch heimlich aufgezeichnet wurde, müssen wir ihn aus rechtlichen Gründen unerkennbar auf dem Bildmaterial zeigen. Equipment: Für unser Gespräch mit Herrn Z. benötigten wir eine digitale Kamera, welche die ganze Zeit direkt mit einem Laptop verbunden war. Zudem stellten wir Herrn Z. eine Mineralflasche und ein Glas zum Trinken zur Verfügung. Damit ihm ja nicht die Luft ausging beim Gespräch!

Der erste Kontakt Andreas wünschte einen privaten Besuch von Herrn Z. bei sich zuhause. Als Begründung erklärte Andreas, sein Interesse an den Zeugen Jehovas sei in letzter Zeit gewachsen. Seine jetzige Konfession wolle er verlassen. Ausserdem hätten seine guten Kollegen Michael und Thomas das gleiche Interesse. Ohne zu zögern bot Herr Z. verschiedene Termine für ein Gespräch an. Dass alle drei Lehrlinge unter der Woche wenig Zeit haben, leuchtete Herrn Z. ein. Andreas vereinbarte einen Termin auf den 29. Januar 2005 auf 10 Uhr morgens. Unser Experiment konnte beginnen! Vorbereitungen Anfangs war unklar, ob ein solches Experiment überhaupt zustande kommt. Die Freude war deshalb riesig, dass es funktionierte. Doch durch den entstandenen Zeitdruck blieb nicht viel Zeit um anzustossen. Knappe 6 Tage bis zum abgemachten Termin! Es brach bereits eine neue Arbeitswoche an. Täglich wurden Gespräche per Telefon oder per Internet geführt - für uns die einzige Möglichkeit unter der Arbeitswoche miteinander zu planen. Bis zum unserem Schultag am Freitag in der Berufsschule konnten wir einige Fragestellungen vorbereiten. Am Schultag besprachen wir noch die letzen Kleinigkeiten.

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Achtung, versteckte Kamera! Im Voraus machten wir ab, uns Samstags bereits um 9 Uhr bei Andreas zu treffen. Jeder von uns spürte an dem kalten Morgen den langsam kommenden Nervenkitzel. Wir räumten den Küchentisch frei, Mineralwasser und 3 Trinkgläser standen nun bereit für das Gespräch. Nun richteten wir die versteckte Kamera ein. Nur wo? Wir standen ratlos in der Küche. Schlussendlich fanden wir eine Lösung: der Küchenschrank!

Begrüssung Ziemlich genau um 10 Uhr traf Herrn Z. bei Andreas ein. Wir sahen Herrn Z. zum ersten Mal. Er wirkte sehr freundlich. Als wir uns alle Richtung Küchentisch begaben, hatte unsere Vorbereitung bereits einen kleinen Erfolg erzielt. Herr Z. setzte sich ohne Fragen zu stellen auf an den richtig Stuhl. Zuerst boten wir ihm ein Glas Mineral an. Dann stellten wir uns gegenseitig vor. Wir merkten auch eine sehr grosses Selbstbewusstsein hatte Herr Z. Als erstes stellten wir Fragen über den Aufbau die Organisation der Zeugen Jehovas. Mit einem verständnisvollen Nicken begann sein Dialog.

Das Gespräch “Das Grundprinzip basiert auf der Bibel, die für uns das Hauptlehrbuch ist.” Er zog die Bibel aus der grossen schwarzen Aktentasche. “Das Leitbild der Menschen! Gott hat sich einen Namen gegeben, nämlich Jehovas.” Nun zog Herr Z. wieder etwas aus der Aktentasche. Die Broschüre “Wachturm”. Er erklärte im Detail, wie sich der Name Jehovas aus den Hebräischen Buchstaben ergeben hat. Ob dieser Name auch die richtige Übersetzung hat ist fraglich, da seit Jahrhunderten einfach “Jehovas” in Gebrauch ist. Da nahm Herr Z. die Bibel zur Hand, schlug eine Seite auf und begann zu lesen aus einem Kapitel. „Die für Gott einstehen, und dafür, was Gott will, das sind die Zeugen Gottes. In den 30er Jahren hat sich eine kleine Organisation zusammengesetzt und sich mit der Bibel befasst. Man suchte für die sogenannten Bibelforscher einen passenden Namen. Gott ist unser Allmächtiger, Herrscher und Führer. Daher wurde versucht, den Namen mit unserer Arbeit zu verknüpfen. So entstand schlussendlich der Name Zeugen Jehovas.“ Zum gleichem Zeitpunkt blätterte Andreas mit vorgespieltem Interesse in der Broschüre Wachturm. Herr Z. schwenkte nun zum Organisatorischen der Zeugen Jehovas. “Die Wirkungszelle sind die regelmässigen Versammlungen. Pro Versammlung sind ca. ein paar Dutzend Leute anwesend. Wenn alle anwesend sind beziffert sich die Zahl über Hundert. Wir treffen uns in Jona SG, nicht in einer Kirche sondern in einem Bürogebäude. Ein Stockwerk ist eingerichtet für die Versammlungen, die wöchentlich stattfinden.” Thomas unterbricht Herrn Z. und fragt genauer nach, wie oft in einer Woche Versammlungen stattfinden. Es seien fünf an drei Abenden. Die Zielgruppe ist von Jung bis Alt. Ganze Familien, Paare ohne Kinder oder auch interessierte Einzelpersonen besuchen die öffentlichen Versammlungen. Jeden Donnerstag wird die Zusammenkunft auch in Italienisch gehalten. Zudem wird die Sprachtechnik gelernt! Man wolle mit jemanden auf beste Art kommunizieren können. Jeden Samstag, ausgenommen das erste Wochenende im Monat, findet eine Versammlung statt. Das erste Wochenende im Monat ist die Versammlung jeweils am Sonntag. Das ganze wird mit einem Vortrag eingeleitet. Aber kein Dialog wird gehalten, da bei jeder Zusammenkunft ein Thema im Vordergrund steht. “Sich mit Glaub und Gut der Zukunft stellen” ist das aktuelle Thema bei den Zeugen Jehovas erklärt Herr Z. mit Freude. SVA 2005 - Religiöse Fanatiker - Autoren M. Sina / A. Honegger / T. Wirz

Kamera! Hinter diesen Pflanzen wurde der Laptop von Michael versteckt. Die Kamera wurde bei der roten Markierung platziert und mit zusätzlichen Pflanzen getarnt.


Zu jedem aktuellem Thema leitet jemand anders die Messe. Regional werden zwischen den verschiedenen Standorten der Zeugen Jehovas Themen ausgearbeitet und gegenseitig vorgestellt. Als Beginn wird ein Lied gesungen, Psalmen nennt dies Herr Z. Während der Messe wird aus verschiedenen Kapiteln der Bibel zitiert. Beispiele und Vergleiche werden aufgezeigt. Zur Auflockerung werden Lieder gesungen. Der erste Teil dauert um die 45 Minuten an. Im zweiten Teil des Abends werden Fragen und Erlebnisse ausgetauscht. Damit kein endloses Diskutieren entsteht, wird das Ganze auf 60 Minuten begrenzt. Auch am Schluss wird die Versammlung mit einem Lied beendet. Nun äusserte sich Herr Z. zum Jahresprogramm der Zeugen Jehovas. Dreimal im Jahr findet eine Jugendzusammenkunft beziehungsweise ein Kongress statt. Der dreitägige Hauptkongress findet immer im Juli statt. Die zwei weiteren im kleinerem Rahmen, im Frühling findet der Eintages-und im Herbst der Zweitages-Kongress statt. Die Kongresse sind jedoch kostenpflichtig! Auch private Versammlungen werden durchgeführt. Bis Ein Dutzend Leute treffen sich bei jemanden Zuhause und setzen sich im Kreis. Sie behandeln im kleinerem Rahmen aktuelle Themen und studieren die Bibel. Der grosse Vorteil einer privaten Zusammenkunft ist, dass sich jeder aktiver beteiligen kann. Auch hier wird die Zeit auf 60 Minuten begrenzt. Damit die Ordnung beibehalten wird und kein Open-End entsteht. Herr Z. greift gleichzeitig zur Bibel und zitiert passende Zitate, welche den Umgang miteinander definieren, die auch so eingehalten werden müssen bei Versammlungen! Wir waren noch interessiert, wie dies finanziell bei den Zeugen Jehovas funktioniert. Geschickt erklärte er uns die Finanzierung, ohne die Frage direkt zu beantworten. „Es werden keine Eintritte verlangt. Die Spende ist auf freiwilliger Basis,“ erklärt uns Herr Z. „Bis jetzt hatten wir keine Probleme, die Monatsmiete zu bezahlen, da jeden Monat genügend in die freiwillige Kasse kommt. Jeder spendet nach seinen Möglichkeiten - es wird nicht überwacht, wer welchen Betrag spendet. Der eine hat einen hohen Lohn, aber es gibt auch solche, die arbeitslos sind.“

Unsere Eindrücke Herr Z. hat ein sympathisches Auftreten. Man merkte gleich zu Beginn des Gesprächs, dass seine Sprachtechnik geübt ist. Seine Vorbereitungen war sehr gut. Unserer Meinung nach hat Herr Z. nie probiert, uns für einen Besuch zu überreden. Wir denken, dies liegt daran, dass wir uns schon als Interessierte von den Zeugen Jehovas uns gemeldet haben. Doch wir wurden beim Anschauen des Videomaterials überrascht. Er versuchte doch, uns im Unterbewusstsein für einen Besuch zu überreden. Im Gespräch kamen nur positive Aspekte von den Zeugen Jehovas zur Geltung. Dies kam uns wie eine grosse Propaganda vor.

“Manche erhalten unerwartet einen Bonus von der Firma, den die sie gerne spenden. Da sie ja überrascht waren vom Bonus. Unser Glück besteht darin, dass wir Mitglieder aus allen Berufsgattungen haben. So konnten wir in Jona SG den Bürostock Ausbau mit minimalen Kosten durchführen.” Herr Z. erklärte noch dazu den Innenraum des Bürostockes. Nun merkten alle, dass sich das Gespräch langsam dem Ende zuneigte. Doch Herr Z. zog ein letztes Mal Broschüren aus seiner Aktentasche. Er gab uns die neueste Ausgabe des „Wachtturms“, der regelmässig alle 2 Wochen in über 200 Sprachen und rund 23 Millionen Mal gedruckt wird. Nach genauerem Betrachten der so interessanten Broschüre beendeten wir das Gespräch mit Herr Z. Nun waren 90 lange Minuten vorbei und wir verabschiedeten uns von Herrn Z.

Quellenangabe Eigene Videoaufzeichnung vom Gespräch mit Herrn Z. Bilder von der Videoaufzeichnung.

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Schlussfolgerung Bei uns ziehen alle 3 am gleichen Strick! Die gute Zusammenarbeit bei uns gelingt durch gegenseitiges Vertrauen. Wir können untereinander gut kommunizieren. Wo Probleme entstanden, halfen wir uns gegenseitig soweit wie möglich. Durch die ganze Selbständige-Vertiefungs-Arbeit wurde unser Teamgeist weiter gestärkt. Die verschiedenen Arbeitsabläufe konnten optimiert werden. Das Resultat zeigt sich in diesem Dossier. Jeder von uns hat seine Stärken. In der Vorbereitungsphase konnten wir durch intensive Gespräche untereinander die Arbeiten soweit aufteilen, dass jeder seine Stärken im vollen Umfang anwenden konnten. Andreas kann sehr schnell gute Kontakte knüpfen. In kurzer Zeit standen uns viele wichtige Kontaktpersonen zur Verfügung die für unsere SVA behilflich waren. Die Ideen von den Zeugen Jehovas und icf kamen von ihm. Er war immer dabei. Thomas hat Kontakt mit dem Sektenberater von Luzern aufgenommen und das Interview durchgeführt. Sein organisatorisches Talent brachte uns weiter. Er zeigte grossen Einsatz bei der Recherche! Michael hat sich bei dem Experiment icf beteiligt. Er hat die technische Ausrüstung für das Experiment Zeugen Jehovas zur Verfügung gestellt. Er hat sehr viel Zeit in grafische Oberfläche und Text Anpassungen investiert.

Gruppe meint: Es war eine sehr zeitintensive Arbeit. Trotzdem blieb der Humor. Wegen der sehr ungünstigen Zeitspanne, die wir für die SVA erhielten, mussten wir extra einen Ferientag beziehen um rechtzeitig fertig zu werden.

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Eindrücke Bei Anfragen bei verschiedenen Medien wie zum Beispiel beim SFDRS oder TeleZüri, mussten wir auch harte Worte einstecken. Keine Informationen! Unser Experiment “Zeugen Jehovas” war mit Abstand der grösste Nervenkitzel den wir durchführten für die SVA 2005.

SVA Bwzt 2005  

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