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neutral Drucksache No. 01-10-516051 – www.myclimate.org © myclimate – The Climate Protection Partnership

IMO-COC-025036


© Caspar Martig

editorial rubrik

Suchdienst SRK – Informationen von unbezahlbarem Wert Liebe Leserin, lieber Leser Wovor haben Sie am meisten Angst? Vielleicht denken Sie jetzt: «Dass ich einen geliebten Menschen durch einen Unfall oder durch eine Krankheit verlieren könnte.» Einen Menschen durch Verschwinden zu verlieren, daran denken die wenigsten. Aber Angehörige von vermissten Personen bringen es in einem Satz auf den Punkt: «Die Ungewissheit ist am schlimmsten.» Diese endlose Verzweiflung hat für mich das Gesicht einer Mutter, die ihren Sohn sucht. Als ich nach meiner Studienzeit in Sri Lanka als Delegierter beim Interna­ tionalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gearbeitet habe, stand sie allwöchentlich am Strassenrand, um mich zu fragen, ob ich ihren Sohn gefunden hätte. Die Frau muss oft lange gewartet haben, um mir immer wieder diese eine Frage zu stellen. Leider musste ich sie immer enttäuschen. Ihr Gesicht werde ich nie vergessen. So unnachgiebig wie die Angehörigen selber suchen, recherchieren auch die Mit­ arbeitenden des Suchdienstes SRK. Aber sie tun dies strukturiert und können auf das globale Netz unserer Rotkreuz-Organisationen zurückgreifen. Der Rotkreuzund Rothalbmondbewegung wird weltweit Vertrauen, Beachtung sowie Respekt entgegengebracht. Das ist die Basis für viele erfolgreiche Familienzusammenfüh­ rungen. Der Suchdienst SRK hat entscheidend zu einer Wendung im Leben von zwei haiti­ anischen Kindern beigetragen. Lesen Sie die bewegende Geschichte von Michel und Nastasie ab Seite 4. Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten eine sorglose und schöne Weihnachtszeit. Herzliche Grüsse

Markus Mader Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes

Humanité 4/2010

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HumanitĂŠ 4/2010

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Report

G

ibt es hier auch Erdbeben?», fragt Michel als erstes, kaum ist er in der Schweiz gelandet. Seine Mutter drückt ihn an sich. Das Wiedersehen im Flug­ hafen Basel kommt ihr unwirklich vor. Während Tagen und Wochen wusste sie nicht, ob ihre Kinder noch am Leben sind.

Sport überwindet die Sprachbarriere, denn Fussballfan Michel spricht Französisch, seine neuen Kollegen sind Deutschschweizer

Carrefour, Haiti, 12. Januar 2010 Es war ein gewöhnlicher Dienstagnach­ mittag nach der Schule. Nastasie befand sich im oberen Stockwerk des Hauses. Ihr Bruder Michel lernte mit seinem Freund Christoph am Küchentisch Algebra. «Ich

Michel erzählt vom Tag des Bebens, als wäre es gestern gewesen.

Zur gleichen Zeit im Berner Seeland Benita Millien wurde abrupt aus dem Schlaf gerissen: «In Haiti ist alles kaputt, alle sind tot!», schrie ein Freund verzwei­ felt am Telefon. Benita Millien war erst am Tag zuvor von ihrem einmonatigen Besuch in Haiti zurückgekehrt. Sie arbei­ tet schon seit fünf Jahren in der Schweiz, um für den Lebensunterhalt der Familie in Haiti aufzukommen. Sie stand unter Schock, schloss sich in ihrem Zimmer ein, probierte wie besessen jede Person in Ha­ iti anzurufen, die sie kannte. Sie konnte nicht essen, nicht schlafen, nicht arbeiten. «Ich wusste nicht, ob meine Kinder noch lebten, ich wusste nicht, wie es meinen Verwandten ging, nichts!» 6

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Im Chaos nach dem Erdbeben Nachdem sie ihr Haus und ihre nächsten Verwandten verloren hatten, waren die beiden Kinder auf sich alleine gestellt. Sie schlugen sich mit dem bisschen Bargeld durch, das Michel noch in seiner Jeans

Die Freude über das Wiedersehen am Flughafen Basel war überwältigend © SRK

stand kurz auf, um etwas zu holen. Auf einmal wackelte das ganze Haus so stark, dass ich neben dem Kühlschrank zu Boden fiel. Mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass alles zusammenbricht. Ich wusste, dass ich ganz schnell ins Freie kriechen muss, sonst ist es aus.» Michel erzählt von dem Tag, als wäre es erst ges­ tern gewesen. Er ist ernst, spricht über­ legt, erinnert sich an die Details. Seine Schwester fand er vor dem Haus. Wie durch ein Wunder war sie unver­ sehrt geblieben. Christoph, Michels bes­ ter Freund, wurde tot aus den Trümmern geborgen. Auch die zwei Tanten, bei denen die Kinder gewohnt hatten, waren umgekommen.

gefunden hatte. Sie schliefen auf Matrat­ zen am Strassenrand oder in verlassenen Autos. Michel hatte keine Möglichkeit, die Mutter zu informieren, dass er und «Tasi», wie er seine kleine Schwester lie­ bevoll nennt, am Leben waren.


report

Kurz befragt Zur aktuellen Lage in Haiti Karl Schuler Der Kommunikationsleiter der Internationalen Zusammenarbeit SRK war auf einem Arbeitseinsatz in Haiti und steht in Kontakt mit unseren Mitarbeitenden vor Ort.

Ist die Zerstörung immer noch sichtbar? Ja, sogar im Stadtzentrum liegen vie­ lerorts noch Trümmer und Schutthaufen des Erdbebens vom Januar. Man hat berechnet, dass es bei täglich 300 Lkws sechs Jahre dauert, bis sämtlicher Schutt weggeräumt sein wird.

Eines Tages begegneten Michel und Nas­ tasie im Chaos von Carrefour der Mutter eines Schulfreundes. Die Frau nahm sich spontan der Kinder an, obwohl ihr eige­ nes Haus stark beschädigt war. Endlich, nach Tagen der Ungewissheit, klingelte bei Benita Millien das Telefon: Michel und Nastasie sind am Leben!

derjährige und informierte das Internationa­ le Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Haiti über deren Aufenthaltsort. Das IKRK klärte sofort ab, ob sich die Kinder in einer – den Umständen entsprechend – sicheren Umge­ bung und Betreuung befanden. Dann machte sich das Rote Kreuz mit Be­ nita Millien an die Arbeit: Gesuche und Formulare mussten ausgefüllt und fristge­

Das Rote Kreuz schaltet sich ein Kaum waren die ersten Tränen der Freu­ de abgewischt, meldete sich Benita Mil­ lien beim Suchdienst des SRK: Sie wollte ihre Kinder so schnell wie möglich in die Schweiz holen. Sie hatten in Haiti keine Verwandten mehr und würden sonst in ein

recht bei Bundesämtern in der Schweiz und in der Botschaft in Haiti eingereicht werden, damit die Kinder Pässe, ein Ein­ reisevisum und Flugtickets erhielten. Ein neues Leben in der Schweiz

bäude ist so gross.» Das Trauma des Erd­

Braucht es weiterhin Spenden? Ja, für den längerfristigen Wieder­ aufbau. Das SRK beispielsweise baut 600 erdbebensichere Behausungen für obdachlose Bauern auf. In Léo­ gane wurde die zerstörte Primarschu­ le in provisorischen Holzbauten unter­ gebracht, und in unseren Zelten ist die einzige Tuberkulose-Klinik des Landes vorübergehend stationiert. Aber das ist nur der Anfang, der ei­ gentliche Wiederaufbau wird Jahre dauern.

bebens sitzt noch tief.

➥ redcross.ch ➞ Spenden+Helfen

Dank der Hilfe des SRK konnte Benita Millien alle Formalitäten trotz der emotio­

Der weltweite Suchdienst des Roten Kreuzes berät und betreut Angehörige, bis die Suche abgeschlossen ist.

nalen Belastung der Situation bewältigen. Mittlerweile leben die Kinder seit einigen Monaten in der Schweiz und gehen hier zur Schule. Sie müssen jetzt Deutsch ler­ nen, Französisch sprechen sie fliessend.

Waisenheim kommen. Der weltweite Such­ dienst des Roten Kreuzes hilft Familien, die Angehörige aus den Augen verloren haben und unterstützt die Betroffenen bei der Fami­ lienzusammenführung. Als erstes registrierte Jeanne Rüsch, Mitarbeiterin des Suchdiens­ tes SRK, die Kinder in der internationalen Rotkreuz-Datenbank als unbegleitete Min­

Wie leben die Menschen in Haiti heute? Mich beeindruckt die Lebenskraft und Improvisationsfähigkeit der Haitianer. Noch leben schätzungsweise 1,2 Mil­ lionen Menschen in Zelten oder unter Planen, die den starken Regenfällen kaum standhalten. Mit Drainagen und der Verteilung von weiterem Material für eine trockene provisorische Unter­ kunft versucht man das Schlimmste zu verhindern. Das Rote Kreuz sorgt auch für sauberes Trinkwasser. Das ist im­ mer etwas vom Wichtigsten, um Seu­ chen wie die Cholera zu vermeiden.

Michel ist im Fussballverein, wo er Freund­ schaften geschlossen hat. Auf die Frage, ob es ihm in der neuen Schule gefällt, meint er nachdenklich: «Nein, ich habe oft Angst im Unterricht, denn … das Schulge­

➥ redcross.ch/haiti Humanité 4/2010

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Report

Interview

«Jedes Schicksal berührt mich auf seine Weise» Trotz Internet ist die Suche nach Vermissten für Privatpersonen fast unmöglich. Es braucht eine vertrauens­ würdige, neutrale Organisation, die international vernetzt ist wie das Rote Kreuz. Im Interview erzählt Nicole Windlin, die Leiterin vom Suchdienst SRK, wie ihre Arbeit das Leben vieler Menschen verändern kann. Interview: Christina Williamson

Woher sind die Menschen, die ihre Angehörigen suchen?

Viele haben einen Migrationshinter­ grund. Aber wir erhalten auch Anfragen aus dem Ausland, weil eine Person in der Schweiz gesucht wird. Und natürlich gibt es Fälle, wo Schweizerinnen und Schwei­ zer jemanden suchen, zum Beispiel den leiblichen Vater. Manchmal auch in der Schweiz selber. Viele Menschen sind seit dem Konflikt in Ex-Jugoslawien bis heute verschollen. Welche Chance haben diese Angehörigen noch?

Nicole Windlin hat Einblick in Schicksale von Menschen, die keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen haben

Wieso braucht es den Suchdienst?

Noch heute ist es so, dass im abgelegends­ ten Dorf irgendwo im Kongo ein Bote mit einem Velo einer Familie eine RotkreuzNachricht von einer vermissten Person überbringt. Wir erreichen dank unserem weltweiten Netz auch schwer zugängliche Winkel der Welt, selbst wenn es dort we­ der Telefon noch Internet gibt. Wir arbei­ ten eng mit dem IKRK und den nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften zusammen. So erhalten wir Informationen, die sonst niemand erhalten würde, wie bei­ spielsweise Informationen über registrierte 8

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Gefangene. Wir arbeiten alle mit demsel­ ben Emblem und den gleichen Grundsät­ zen. Darin liegt die Kraft der weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

Nach so vielen Jahren wissen die meisten Angehörigen, dass die vermisste Person mit grösster Wahrscheinlichkeit tot ist. Aber ohne Beweis können sie nicht los­ lassen. Sie warten auf die Ausgrabung von Massengräbern. Anhand von so­ genannten «Ante Mortem-Daten», also Vortodesdaten, werden die Toten identi­

«Unsere Nachrichten erreichen sogar Orte, in denen es weder Telefon noch Internet gibt.»

Mit welchen Anliegen kommen die Leute zu Ihnen?

Die meisten suchen ein Familienmitglied, das sie durch Krieg, auf der Flucht oder wegen einer Naturkatastrophe aus den Augen verloren haben. Manchmal geht es aber auch darum herauszufinden, welches Schicksal eine verstorbene Person zum Bei­ spiel im Zweiten Weltkrieg erlitten hat.

fiziert. Dabei können Zähne, aber auch verheilte Knochenbrüche oder Eheringe wichtige Hinweise geben. Müssen Sie auch traurige Nachrichten überbringen?

Ja, leider. Viele Familien sind jedoch da­ rauf gefasst. Oft ist es für sie sogar be­


report verzweiflung bei der tamilischen Bevölke­ rung in der Schweiz hat mich psychisch gefordert. Die Erwartungen an uns, die Hoffnung, die das Rote Kreuz für diese Menschen bedeutete, übten einen un­ glaublichen Druck aus. Was überwiegt?

Das Gute! Wenn es bei einem Fall ein Hap­ py End gibt, dann ist dieser positive Aspekt so gut, dass er all die negativen und schwe­ ren Momente unserer Arbeit ausgleicht. Eine Familienzusammenführung wie im Fall der haitianischen Familie Millien ist wahn­ sinnig schön! (siehe S. 4–7)

➥ redcross.ch/suchdienst

© CICR/SPOERRI, Priska

APROPOS

Das weltumspannende Netzwerk des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes erreicht auch abgelegene Orte freiend, endlich die Wahrheit zu erfahren. Eine junge Frau, deren Vater schon seit Jahren verschwunden ist und die selbst an seinem ungewissen Schicksal fast ver­ zweifelt, sagte mir einmal: «Manchmal wünsche ich mir zu wissen, dass er tot ist. Dann könnte ich einen Monat lang wei­ nen. Aber danach könnte ich mich wieder aufraffen und anfangen, zu leben.»

ich mich an einen Fall, bei dem uns die Sterbebegleiterin einer betagten Dame anrief. Die Sterbende suchte ihre ehemals beste Freundin, mit der sie sich vor Jahren zerstritten hatte. Wir konnten diese Freun­ din ausfindig machen und erfuhren spä­ ter, dass die beiden über zwei Stunden am Telefon intensiv gesprochen und sich versöhnt haben.

Gibt es Geschichten, die Sie

Wann wird die Arbeit zu belastend?

besonders berühren?

Als letztes Jahr der Konflikt in Sri Lanka sehr akut war, meldeten sich Hunderte von Menschen bei uns. Diese Massen-

Jedes Schicksal berührt mich auf die eine oder andere Weise. Spontan erinnere

Der Suchdienst SRK braucht Ihre Spende Der Suchdienst SRK sucht weltweit nach Vermissten, hilft bei der Zusam­ menführung von Familien und spielt eine zentrale Rolle bei der Aufarbei­ tung von persönlichen Schicksalen in Kriegen. Nichts kann ein Leben positiver wen­ den, als einen geliebten Menschen wiederzufinden. Aber selbst die Ge­ wissheit, dass ein Mensch verstorben ist, kann bei der Verarbeitung seines Schicksals und bei der Trauer helfen. Die vier Mitarbeiterinnen bearbeiten pro Jahr über 400 Fälle. Aufgrund des Konfliktes in Sri Lanka wurden zudem im vergangenen Jahr über 2600 Suchanfragen von in der Schweiz lebenden tamilischen Fami­ lien gestellt. Die Nachfrage nach den Angeboten des Suchdienstes ist gross. Das SRK stellt den Dienst allen in der Schweiz wohnhaften Personen kostenlos zur Verfügung. Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch – unabhängig von sei­ ner finanziellen Lage – die Möglich­ keit haben soll, ihm nahe stehende, vermisste Personen ausfindig machen zu können. Um den weltweiten Such­ dienst weiterhin zu ermöglichen, sind wir auf Ihre Spende angewiesen.

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21 000 Mitarbeitende 4500 Volunteering-Tage im Jahr 2009 Eine Bank, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt Wir sind stolz auf das soziale Engagement unserer Mitarbeitenden. Im Rahmen unserer Partnerschaft mit dem Schweizerischen Roten Kreuz unterst체tzen wir dessen gemeinn체tzige Projekte mit Freiwilligeneins채tzen. credit-suisse.com/volunteering


kurz & bündig

Überraschungspaket für Facebook-Fans des SRK Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) nutzt die neuen Medien, um so möglichst zeit­ nah und direkt zu informieren. Deshalb ist es auf Facebook präsent. Facebook-User finden uns auf facebook.com/swissred­ cross und können dort nur noch «Gefällt mir» anklicken, um ihre Solidarität zu zei­ gen. Mit etwas Glück gewinnen Sie eines von fünf Überraschungspaketen, wenn Sie sich bis am 31. Dezember 2010 registrie­ ren. Das Los entscheidet. Die Gewinnerin­ nen und Gewinner werden über ihr Face­ book-Profil kontaktiert. Wer noch nicht auf Facebook ist, kann sich hier informieren:

➥ redcross.ch/facebook

Schulklasse sammelte für Kinder in Not Die Klasse 9c aus dem Schulhaus Worb­ boden in Worb engagierte sich vor­ bildlich. Sie hat in ihrer Freizeit Kuchen gebacken und diese am freien Samstag­ morgen vor dem lokalen Einkaufszentrum verkauft. Ihre Lehrerin Rebekka Reusser: «Es war eine gute Erfahrung für die gan­ ze Klasse. Schön, dass unser Einsatz vom Schweizerischen Roten Kreuz so

geschätzt wurde und man uns am Stand unterstützt hat.» Der gesamte Erlös floss in die Patenschaft des SRK für Kinder in Not. Eliane Boss, Verantwortliche für die Patenschaft, sagt: «Ich freue mich, wenn sich Jugendliche zugunsten von Kindern in Not engagieren. Die Schüler der Klas­ se 9c haben dies mit viel Elan und Herz­ blut getan.»

Unsere Bestätigung für Ihre Grosszügigkeit

© Patrick Lüthy, Olten

Spenden an das Schweizerische Rote Kreuz sind gemeinnützige Zuwendungen und können von den Steuern abgezogen werden. Eine Spendenbestätigung erhal­ ten alle, die im Laufe des Jahres 2010 dem SRK mindestens ein Mal gespendet haben. Auf dieser Bestätigung sind alle Spenden an das SRK aufgelistet. Die Spendenbestätigung des SRK wird Mitte Januar 2011 verschickt.

Jedem Kind die gleichen Chancen Das Rote Kreuz Baselland hat zusammen mit dem Baselbieter Bündnis für Familien das Frühförderungsprogramm «schrittwei­ se» lanciert. Es richtet sich an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Familien mit Kindern im Alter von eineinhalb bis drei Jah­ ren. Eine Hausbesucherin besucht die Fami­ lien regelmässig während 18 Monaten. Sie spielt mit den Kleinen und zeigt der Mutter,

wie sie ihr Kind in seiner Entwicklung unter­ stützen und fördern kann. Damit wird das Kind frühzeitig auf die Spielgruppe oder den Kindergarten vorbereitet. So werden Integrationsprobleme von Anfang an über­ wunden. Das Ziel ist es, dass später in der Schule alle Kinder die gleichen Chancen ha­ ben. Elterntreffen runden das Angebot ab. 

➥ srk-baselland.ch/integration Humanité 4/2010

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erlebt Rubrik

Jede Form von Ablenkung könnte helfen

Chronische Schmerzen

Frieden schliessen mit dem Feind Wer Schmerzen hat, kann kaum an etwas anderes denken. Man wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Schmerzen weggehen. Chronische Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität massiv. Was wenn die Ursa­ che unfassbar schlimmer ist als die Schmerzen selber? Text: Tanja Pauli  Bilder: Caspar Martig

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erlebt

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s ist wie beim Puzzeln. Man versucht verschiedene Teile zu einem Bild zu­ sammenzusetzen», beschreibt Anna Hir­ schi ihre Arbeit mit traumatisierten Patien­ tinnen und Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden. Was sich aus den Ge­ sprächen ergibt, ist leider ein grausames, schreckliches Gesamtbild. Denn Men­ schen, die zu ihr kommen, haben nicht einen Unfall oder einen schweren Schick­ salsschlag erlitten. Ihnen ist noch Gra­ vierenderes geschehen. Sie wurden von anderen Menschen gefoltert, gedemütigt, vergewaltigt oder vertrieben. Das Ambu­ latorium für Folter- und Kriegsopfer des SRK hilft diesen Menschen mit verschie­ denen Therapieformen, damit sie ihren Alltag wieder bewältigen können. Denn das Leid von Folteropfern drückt sich oft in Form von körperlichen Schmerzen aus, die einem Arzt unerklärlich erscheinen. Weil die Opfer keine Worte finden für die Gewalt, die ihnen angetan wurde. «Was die Folter für mich an Schmerz bedeutet, können Worte nicht beschreiben; die Erinnerung an das Geschehene hat sich tief in meine Seele, aber auch in meinen Körper eingegraben.» Das erste offene Gespräch Die furchtbaren Erlebnisse werden ver­ drängt und niemandem anvertraut. Die Fachleute im Ambulatorium des SRK wissen: Das Vertrauen von Menschen,

Die Balance im Leben wieder finden – wortwörtlich und im übertragenen Sinn

Wie oft die Patienten einen Termin im afk brauchen, ist unterschiedlich

die gefoltert wurden, zu gewinnen ist sehr schwer. Noch nie zuvor haben die Betroffenen mit jemandem über die dun­ kelsten Stunden ihre Lebens gesprochen. Die Fachleute des Ambulatoriums bleiben meist die einzigen, welche die grausame Wahrheit je erfahren und diese Geschich­ ten ernst nehmen. Sie reagieren mit Mit­ gefühl, nicht mit Mitleid. Mit Gesprächen, die in die Vergangenheit führen, ver­ suchen sie den wahren Hintergrund der Schmerzen auszuloten. Die Therapeuten und Therapeutinnen des Ambulatoriums SRK gehen einfühlsam, aber ganzheitlich vor. Wie beim Puzzeln fügen sie aus den Symptomen – z.B. den chronischen Schmerzen selber – dem Er­ lebten und den Emotionen das Gesamt­ bild zusammen. Erst wenn sie die genau­ Humanité 4/2010

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erlebt

APROPOS Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK (afk) Überlebende von Folter, Krieg und Vertreibung erhalten im afk medizini­ sche und psychotherapeutische Hilfe sowie Sozialberatung. Während der Bürozeiten beantwortet das afk-Team auch telefonische Anfragen. Es erteilt allgemeine Auskünfte und bietet kurze Beratungen an. Bei Bedarf erfolgt eine vertiefte Situationsanalyse. Seit der Eröffnung des Ambulatoriums 1995 stieg die Zahl der Patienten stetig an. 2009 wurden über 2738 Konsulta­ tionen durchgeführt. Die Patienten stam­ men aus rund 50 Ländern, in denen die Menschenrechte nicht respektiert wer­ den. Das afk leistet auch Öffentlichkeits­ arbeit und sensibilisiert die Bevölkerung für die Anliegen der Folteropfer. Das afk wird zu einem grossen Teil über Mittel des SRK finanziert. Spen­ den sind herzlich willkommen. Post­ konto 30-9700-0, Vermerk «afk» Anna Hirschi zeigt dem Patienten einfache Übungen für zu Hause en Zusammenhänge verstanden haben, versuchen sie zusammen mit der Patientin oder dem Patienten eine geeignete Stra­ tegie zu finden, die sich bewährt. Eine enorme Herausforderung Leider kann bei chronischen Schmerzen auch die beste Therapie kein schmerz­ freies Leben ermöglichen. Zu tief sitzt das Trauma bei Menschen, die gefoltert wurden. «Mein Körper ist sehr, sehr müde. Schmerzen meiner Hände begleiten mich andauernd, bei jeder Arbeit und bei allem, was ich tue. Aber ich kämpfe immer, jeden Tag, in jedem Augenblick, in jeder Sekunde, dagegen. Sogar im Schlaf habe ich Schmerzen in meinen Händen und Beinen. Das Gefängnis und die Folter haben in meinem Körper schlimme Erinnerungen hinterlassen. Auch wenn ich diese ignoriere und aus meinem Gehirn verbanne, melden sie sich und erinnern mich an die schlimmen Erlebnisse.» 14

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Und hier lauert die ganz grosse Heraus­ forderung: Die Patientin oder der Patient soll lernen, sich nicht auf die Schmerzen zu konzentrieren. Im Gegenteil, wie ein ständiger Begleiter sollen die Schmerzen akzeptiert werden. Das mag zuerst schon fast höhnisch klingen, macht aber Sinn, wenn man sich genauer überlegt, dass Körper und Psyche untrennbar sind. So sind Schmerzen oft Ausdruck einer De­

«Die Schmerzen tun mir jetzt weniger weh.» pression, und die Depression wiederum kann das Schmerzempfinden ins Un­ erträgliche verstärken. Ein Patient, dem es psychisch besser ging nach einer Gesprächstherapie, hat gesagt: «Die Schmerzen tun mir jetzt weniger weh.» Diese Aussage verdeutlicht den Zusam­ menhang präzis. Anna Hirschi weiss aus Erfahrung: «Wenn man nicht mehr gegen den Schmerz an­ kämpft ist das schon viel. Kombiniert mit

einer gezielten Körperübung, kann man lernen, sich von den Schmerzen nicht besiegen zu lassen.» Die Behandlung chronischer Patienten beinhaltet immer auch Hilfe zur Selbsthilfe. In der Therapie lernen die Patienten auch verschiedene Körperübungen, die sie in akuten Stress­ situationen selber anwenden können. Sie werden auch motiviert, lieber ein Freu­ debuch anstatt Schmerzbuch zu führen. Jeder Mensch ist anders und findet mit der Fachperson seine persönliche Lö­ sung, die das Schmerzempfinden senkt. Die Herausforderungen und die persön­ liche Belastung in Anna Hirschis Beruf sind gross. Aber sie weiss: «Nur nichts tun ist schlimmer. Diese Menschen haben Hilfe verdient und brauchen sie wirklich dringend. Für viele wäre das Leben sonst nicht mehr lebenswert.»

➥ redcross.ch/ambulatorium Die kursiv gedruckten, anonymen Zitate stammen aus Patien­ tendossiers des afk und stammen nicht von der abgebildeten Person.


Überzeugt

Das Rote Kreuz und die Schweiz

Ein Geschenk an die Welt

© Emanuel Ammon/AURA

Das Rote Kreuz wurde in der Schweiz gegründet. Dafür wird unser Land international immer bewundert. Henry Dunants Gedan­ ken beeinflussten die Schweizer Aussenpolitik. Gilt dies auch noch heute und morgen? Text: Philippe Bender

Ausschnitt aus dem Bourbaki-Panorama von Luzern: 1871 nahm die Schweiz 87 000 französische Soldaten auf, darunter 16 000 Verwundete. Dadurch verbreitete sich das Ideal des Roten Kreuzes. Die Schweiz entwickelte daraus eine der Maximen ihrer Aussenpolitik: Neutralität, verbunden mit Menschlichkeit.

I

m Jahr, in dem sich Henry Dunants To­ destag (30.10.1910) zum hundertsten Mal jährt, ist es nicht abwegig, wichtige Fragen zu stellen: Soll stolz hervorgehoben werden, dass zwi­ schen der Schweiz und dem Roten Kreuz Verbindungen bestehen? Ist es angebracht, weiterhin verherrlichend auf das gemeinsa­ me Symbol – das Zeichen des roten und des weissen Kreuzes – hinzuweisen? Ein so starkes Symbol, dass es als Ausdruck ech­ ter Menschlichkeit unsere Nation unter den Nationen der Welt hervorhebt? Schon 1963 hatte Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen mit Stolz erklärt: «Das Rote Kreuz ist das schönste Geschenk, das die Schweiz der Völkergemeinschaft gemacht hat.» Einige Jahre darauf dop­ pelte sein Kollege Hans-Peter Tschudi nach: «Falls man die Existenz der kleinen Schweiz rechtfertigen muss, ist das Rote Kreuz – das seit über einem Jahrhundert zum Wohl aller Menschen dieser Erde zuverlässig geführt worden ist – allein schon eine ausreichende Rechtfertigung. Unsere Landesflagge ist seit mehr als hundert Jahren eng mit dem Gedanken der Wohltätigkeit und der Barmherzigkeit verbunden.»

Aber eine Minderheit würde dies gerne ausblenden. Statt Not auszumerzen sei die humanitäre Arbeit nur darauf ausge­ richtet, Leid zu lindern. Aber vertuscht eine solche Behauptung nicht die Tatsache, dass in der Welt tagtäglich Menschen ge­ rettet werden, gegen Unrecht angekämpft und Hilfe geleistet wird, wo es nötig ist? Nun, es ist eine Tatsache, dass das Rote Kreuz in der Schweiz entstanden ist und es hat sich von hier aus entwickelt. Dies vor allem dank dem «Geist von Genf» und der Neutralitätspolitik. Aber dies ist auch dem Schweizer Volk zu verdanken, welches in schwierigen Zeiten seine Grosszügigkeit be­ wiesen hat. Es fanden sich glücklicherweise stets beherzte Männer und Frauen, um die humanitäre Schweiz zu verkörpern. Der Zweite Weltkrieg liefert uns einige bewun­ dernswerte Beispiele dieser «Gerechten»: «Sie stellten die Liebe zu den Menschen und zum Leben nötigenfalls über die Gesetze des Staates», schrieb Jean-Claude Favez, Profes­ sor für Geschichte an der Universität Genf. Selbstverständlich darf die enge Verbin­ dung zwischen der Schweiz und dem Roten Kreuz kein Vorwand sein, um einen humani­ tären Nationalismus zu kultivieren. Vielmehr

sollte sie die Diskussion beleben, über die Rolle, die unser Land auf internationalem Parkett zu spielen hat. Die Diskussion auch darüber, was unsere Pflicht ist, wenn wir dem Ideal von Henry Dunant treu bleiben wollen. Nämlich die Solidarität gegenüber den Schwächsten fördern, für die Unver­ sehrtheit aller Menschen eintreten, auf Frie­ den hinarbeiten, ungeachtet des Kampfes der Kulturen und der Interessen. Schliesslich wirft diese Debatte die zent­ rale Frage auf, welchen Platz unser Land in der Welt einnehmen soll: Will die Schweiz nur ein Kleinstaat im Europa sein? Oder eine Nation, die nach höhe­ ren Werten strebt? Nämlich genau des­ halb, weil sie verbunden ist mit dem Roten Kreuz und dem humanitären Völkerrecht, das sich wie ein letzter Schutzwall gegen die Unmenschlichkeit erhebt.

Philippe Bender Er ist Historiker und Mitarbeiter des Kommunikationsdienstes SRK. Humanité 4/2010

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? r ? r e e r h e L r e e L Lerer?


konkret

M

aria Cantieni* ist keine Analphabetin. Mit diesem Begriff werden Menschen bezeichnet, die nie eine Schule besucht ha­ ben. Aber Maria Cantieni hat in Graubün­ den alle Schuljahre durchlaufen, und ihre Schwäche wird als Illettrismus bezeichnet. Sie war eine schlechte Schülerin, doch dar­ über hat sich leider nie jemand Gedanken gemacht. Die Dreissigjährige hat Mühe, im Telefonbuch einen Namen zu finden, die Packungsbeilage eines Medikaments zu le­ sen oder einen Bancomaten zu benutzen. Sie braucht immer jemanden, der ihr hilft.

Illettrismus ist in der Schweiz häufiger, als man vermuten würde. Valeria Seglias nimmt den Teilnehmenden die Schwellenangst und stärkt deren Selbstvertrauen

Maria Cantieni hält sich mit unqualifizierten Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Über die Jahre hat sie Strategien entwickelt, um ihr Handicap zu verbergen: Wenn sie lesen muss, hat sie gerade ihre Brille vergessen. Wird sie aufgefordert, etwas zu schreiben, schützt sie einen dringenden Anruf vor. Doch noch immer verursachen ihr derartige Situationen Schweissausbrüche. So ergeht es den meisten der rund 800 000 Erwach­ senen, die in der Schweiz an einer Schreibund Leseschwäche leiden. Maria Cantieni hat dieses Versteckspiel bis zu jenem Tag gespielt, an dem sie eine Familie gründete. Genauer gesagt, bis sie ihre beiden Töch­ ter baten, ihnen eine Geschichte vorzule­ sen. Als gute Mutter möchte Maria ihnen diesen Wunsch erfüllen. Daher besucht sie nun den Kurs Lesen und Schreiben, den das Rote Kreuz Graubünden im September in Chur und Sargans lanciert hat.

Schlaflose Nächte und Herzrasen Vor der definitiven Anmeldung trifft sich Valeria Seglias mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kurse. Schon jetzt sind einige nervös oder haben gar pani­ sche Angst: Einer hat die ganze Nacht kein Auge zugetan, eine Frau hat nicht ein­ mal ihren Mann in ihre Pläne eingeweiht. Das zeigt, wie sehr diese Menschen unter ihrem Problem leiden. «Viele Leseschwa­ che haben einen Minderwertigkeitskom­ plex, fühlen sich wertlos, manchmal schon seit ihrer Kindheit», erklärt Valeria Seglias. Seit September bringt sie zwei Frauen und drei Männern Lesen und Schreiben bei. Da deren Kenntnisstand dem von Viert­ klässlern entspricht, werden sie mehrere Monate brauchen, um sich von ihrer Bür­ de zu befreien. Doch sie werden es schaf­ fen, denn sie haben ein klares Ziel: Maria

Valeria Seglias war früher Primarlehrerin und leitet die Kurse

Urs Chiara, Leiter des Projekts: «Der Kurs kann die gesamte Lebenssituation verbessern.»

möchte ihren Töchtern eine Geschichte vorlesen, Patrick eine Lehrstelle finden. «Es ist sehr befriedigend, ihnen zu helfen, sich das Leben einfacher zu machen», betont Valeria Seglias, die früher als Primarlehre­ rin gearbeitet hat. Der Kurs «Besser Lesen und Schreiben» des Roten Kreuzes ist das einzige derar­ tige Angebot in Graubünden. Er richtet sich an Personen deutscher Muttersprache

In Graubünden bietet das Schweizerische Rote Kreuz Kurse an, in denen diese Menschen Lesen und Schreiben lernen und wieder Vertrauen fassen können. mit einer Lese- und Schreibschwäche. Das sind etwa die Hälfte der 20 000 Personen, die im Kanton von Illettrismus betroffen sind. Das Rote Kreuz engagiert sich für sie, weil Menschen mit Lese- und Schreib­ schwierigkeiten in mehrfacher Hinsicht be­ nachteiligt sind: Sie werden ausgegrenzt und haben geringere Chancen, einen Ar­ beitsplatz zu finden, wie Urs Chiara, Leiter und Initiant des Projekts, festhält. Daraus können sich auch gesundheitliche Prob­ leme ergeben. Für Eltern ist die Situation noch schwieriger. Da sie ihre Kinder bei den Schulaufgaben nicht richtig betreuen können, besteht die Gefahr, dass diese in den gleichen Teufelskreis geraten. *Fiktiver Name

➥ srk-gr.ch Humanité 4/2010

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kurz & bündig

Stars singen für das Rote Kreuz Als musikalisches Dankeschön an die 100 Millionen Rotkreuz-Freiwilligen auf der gan­ zen Welt entstand das Rotkreuz-Lied «Drea­ min’ of the Day» mit Stars wie Paul Young, The Commodores, Christina Stürmer, Lou Bega, Udo Jürgens, Peter Maffay, Udo Lindenberg und vielen mehr. Geschrieben

wurde der Titel vom Musikproduzenten Pe­ ter Wolf. Rechtzeitig zum Jahr der Freiwilli­ gen 2011 erscheint das Lied in einer deut­ schen und englischen Version. Der Song wird ab sofort auf CD und online im Internet in den üblichen Musikshops verkauft. Der Verkaufserlös geht an das Rote Kreuz.

Grundwissen im Bereich Gesundheit

© shutterstock

Die Internetplattform migesplus.ch infor­ miert über das schweizerische Gesund­ heitswesen und über alle grundlegenden Gesundheitsthemen. Zum Beispiel über

Ernährung, Psyche, Bewegung, Prävention oder über die Gesundheit von Kindern und im Alter. Besonders Migrantinnen und Mig­ ranten sollen sich auf der mehrsprachigen Website in ihrer Muttersprache informieren können. Leicht verständlich wird erklärt, was man tun kann, um gesund zu bleiben oder an welche Stellen man sich wenden kann, wenn gesundheitliche Probleme auf­ treten. Mit diesen Informationen schliesst das Schweizerische Rote Kreuz eine Infor­ mationslücke und entwickelt die Internet­ plattform laufend weiter. Ein Newsletter in­ formiert dreimal jährlich über die neuesten Publikationen und kann abonniert werden:

➥ migesplus.ch

Mitarbeitende von Swiss Re übten mit REDOG

© Swiss Re

Die Hunde von REDOG müssen im Katast­ rophenfall Verschüttete zielsicher aufspüren können. Für Ausbildung und Prüfungen brauchen die Hunde möglichst realitätsge­

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Humanité 4/2010

treue Gegebenheiten und «echte Opfer». Für einen Tag spielten 50 Mitarbeitende von Swiss Re diese Opfer und liessen sich dafür an den beiden Einsatztests für Katastrophen­

Welche Eltern wünschen sich nicht, einen verlässlichen Babysitter zu finden? Das Schweizerische Rote Kreuz kommt diesem Wunsch entgegen: Jedes Jahr bringt es rund 7500 Jugendlichen die Finessen der Kinderbetreuung bei. Die ausgebildeten Babysitter wissen, worauf es ankommt beim Schoppen geben, kennen altersgerechte Spiele und sind für die Gefahren sensibilisiert, die Klein­ kindern drohen. Eltern können ihnen so­ mit ihren Nachwuchs unbesorgt anver­ trauen. Die Rotkreuz-Kantonalverbände bilden die Jugendlichen nicht nur aus, sondern vermitteln ihre Adressen auch an Eltern, die sich einen unbeschwerten Abend gönnen möchten.

➥ redcross.ch/babysitting

© Thomas Wüthrich

© pro omnia

© pro omnia

© pro omnia

Ausgebildete Babysitter

hunde in Epeisses GE und Wangen a.d.A. unter Trümmern «begraben». Am Einsatz­ test stellten die Katastrophenhunde-Teams ihr Können unter Beweis. Der Rückversiche­ rungskonzern hatte seine Mitarbeitenden für diesen Sozialeinsatz einen Tag von der Arbeit freigestellt. «Swiss Re ist einer langen Tradition verpflichtet, sich sozial zu engagieren. In unserer Unternehmenskultur nimmt das soziale Engagement eine wichti­ ge Stellung ein», kommentiert Angela Marti von Swiss Re. Für Martin Österreicher, Mit­ glied des Group Management Board, Leiter der Division Casualty, war es eine eindrück­ liche, spannende Erfahrung: «Wenn auch nur einer dieser Hunde einen Menschen im Ernstfall retten kann, war es diese Übung mehrere Tausend Mal wert.»


engagiert

Das SRK will symbolisch 50 000 Mal «Danke» sagen und den Freiwilligen seine Anerkennung zeigen

Europäisches Jahr der Freiwilligenarbeit 2011

Freiwillig. Engagiert. Menschlich. Freiwilligenarbeit hat viele Formen und Gesichter. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist im Hintergrund bleiben. Wer im Hintergrund wirkt, bleibt oft verkannt. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) weiss, wie viel es seinen Freiwilligen verdankt. Es will seine Anerkennung sichtbar machen. Text: Beat Wagner  Bilder: Andri Pol

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ür das SRK stehen tagtäglich fast 50 000 Freiwillige im Einsatz bei Rettung, Betreuung, Entlastung, Unter­ stützung und Integration. Ohne sie wäre die Hilfe für die verletzlichsten Menschen unserer Gesellschaft undenkbar. Sie leis­ ten einen unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren des Gesundheits- und So­ zialwesens der Schweiz. Um die Freiwil­ ligenarbeit zu koordinieren, braucht es aber eine Organisation wie das SRK. Es bietet in seinem Kompetenzgebiet Wei­ terbildungsmöglichkeiten an und ist eine

wichtige Drehscheibe sowie Anlaufstelle für die Freiwilligen. Das SRK wird im Verlauf des nächsten Jah­ res der Bevölkerung zeigen, wie vielfältig, spannend und lehrreich das freiwillige En­ gagement ist. Anlass dafür ist das Europäi­ sche Jahr der Freiwilligenarbeit 2011. Das SRK gehört zusammen mit anderen Partnern zur Trägerschaft «Freiwilligenjahr 2011». Ein Schwerpunkt bildet eine Sensibilisie­ rungskampagne. Dafür werden aus jedem Bereich des SRK Freiwillige fotografiert bei ihrem jeweiligen Engagement. Diese

zwölf Personen stehen stellvertretend für alle rund 50 000 Freiwilligen des SRK. «Humanité» wird berichten über ihre Er­ lebnisse, über die Schicksale, denen sie begegnen, über die Freuden und Leiden, die sie teilen. Die erste solche Geschichte finden Sie auf der Folgeseite. Freiwillige schenken anderen ihre Anteil­ nahme – aus Liebe zum Menschen. Sie leben Solidarität in unserer Gesellschaft und geben damit ein Vorbild. Wir alle schulden ihnen dafür Dank.

➥ freiwilligenjahr2011.ch Humanité 4/2010

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engagiert

W

enn man die heute 20-Jährige von ihrem «Sozialeinsatz» erzählen hört, kommt einem dieses Wort seltsam unpassend vor. Es ist mehr damit ver­ bunden, nämlich echte Freundschaft. Aus Respekt spricht Rea Ammann zwar ganz professionell von ihren beiden «Klienten», aber man spürt mit jedem Satz, dass es für sie keine Arbeit im eigentlichem Sinne ist. Viel mehr eine andere Art von Frei­ zeit, bei der beide Seiten profitieren. Für Rea Ammann war von Anfang an klar, dass sie sich am liebsten für Gleich­ altrige einsetzen möchte. Das Jugendrot­ kreuz verfügt über eine Datenbank, um Menschen, die einen Freiwilligeneinsatz leisten möchten und solche, die einen Sozialeinsatz brauchen, zusammenzu­ bringen. So hat sie zuerst einen eben­ falls 16-jährigen jungen Mann mit einer geistigen Behinderung kennengelernt. Seine Mutter hat sie aufgeklärt über die Besonderheiten, welche die Behinderung mit sich bringt. Auch heute noch haben sie regelmässig Kontakt. Wenn der junge

Ein gutes Gespräch von Frau zu Frau, davon profitieren beide

zusammen. Sie gehen in eine Bar etwas trinken, ins Kino oder shoppen. Auch an der Herbstmesse Basel alle schnellen und verrückten Achterbahnen auszuprobieren, war möglich. «Das hätte ich zuerst nicht gedacht. Aber es ging einfach! Alle ha­ ben uns sofort geholfen mit dem Rollstuhl und um in die Bahnen einzusteigen. Es war toll!» Sie erzählt, dass sie schon ganz automatisch in Gedanken einen Ausflug vorausplant. Wo könnte es für den Roll­ stuhl Hindernisse geben? Woran ist sonst

«Viele meinen vermutlich, man müsse etwas Besonderes können und trauen es sich nicht zu.» Mann neue Kleider braucht, ist Rea Am­ mann die ideale Modeberaterin. «Das ist doch was ganz anderes, ob ich als Gleichaltrige ihn begleite oder seine Mut­ ter», meint sie. Die heute 20-Jährige klingt lebenserfah­ ren und reif. Es erstaunt nicht, dass sie, die mit ihrer offenen, sympathischen Art leicht auf Menschen zugehen kann, sich zur Sozialarbeiterin ausbilden lassen will. Sie spricht schnell und wirkt stets gut ge­ launt, ohne überschwenglich zu werden. Sie weiss, was sie sagt und hat auf alles eine schnelle, umfassende Antwort. Nur auf die Frage, ob es an ihrem Freiwilli­ genengagement auch negative Aspekte gibt, kommt ihr nichts in den Sinn. Alles klingt fast selbstverständlich und einfach, dass man sich zwangsläufig fragt, war­ um sich nicht mehr Jugendliche für ande­ re engagieren. «Ich denke, viele meinen vermutlich, man müsse etwas Besonderes können und trauen es sich nicht zu. Oder sie wissen nicht, an welche Stelle sie sich

Rea Ammann (links) und Manuela Saladin haben sich dank dem SRK BaselStadt kennengelernt und sind enge Freundinnen geworden wenden können. Aber das Jugendrot­ kreuz berät uns ja und bietet auch Wei­ terbildungen an.» Rea Ammann weiss aus Erfahrung: «Be­ hinderte Menschen wissen selber am bes­ ten, wo ihre Grenzen liegen und sagen, was möglich ist.» Schon öfters erstaunt war sie über Manuela Saladin, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Seit andert­ halb Jahren unternehmen Rea Ammann und Manuela Saladin regelmässig etwas

noch zu denken? «Einkaufen ist meist pro­ blemlos, ins Kino zu kommen ist schon ein bisschen umständlicher.» Ihr starkes Verantwortungsbewusstsein kommt trotz­ dem unverkrampft rüber. Man kann sich gut vorstellen, wie die beiden Frauen zu­ sammen ihre Freizeit geniessen und dabei die Gehbehinderung von Manuela in den Hintergrund rückt. Eine wie Rea Ammann hat man gerne zur Freundin.

➥ redcross.ch/freiwillige Humanité 4/2010

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der letzte wille kann ein neuer anfang sein.

Bitte senden Sie mir gratis den Testament-Ratgeber Bitte nehmen Sie Kontakt mit mir auf Name Vorname Strasse/Nr. PLZ/Ort Tel.

Geburtsdatum

Bestellung Schweizerisches Rotes Kreuz, Eliane Boss, Rainmattstr. 10, Postfach, 3001 Bern, E-Mail: aboservice@redcross.ch Postkonto 30-9700-0, www.redcross.ch/legat

Mit einer letztwilligen VerfĂźgung stellen Sie sicher, dass Ihr VermĂśgen in Ihrem Sinn und Geist verteilt wird. Der kostenlose Testament-Ratgeber des Schweizerischen Roten Kreuzes hilft Ihnen dabei. Damit Ihre Werte weiter leben.


konkret

M

an könnte den 50­jährigen Razek Fazely äusserlich für einen Schwei­ zer Bauern halten, würde er nicht die ty­ pische Mütze der Paschtunen tragen. Auf unseren Vergleich hin lächelt der Mann mit den blauen Augen verschmitzt und meint, der Bart eines Schweizers in sei­ nem Alter sei wohl noch nicht so ergraut vor lauter Kummer. Und wer könnte ihn nicht verstehen, seinen Kummer, wenn man seine Geschichte gehört hat? Sie steht stellvertretend für viele Kleinbauern in Pakistan. Die Geschichte von Razek Fazely Das Überleben war schon vor der Natur­ katastrophe schwierig für den Pachtbau­ ern. Er lebt mit seiner Frau und den sieben Kindern im Dorf Agra in der Nähe von Charsadda (s. Karte). Sein Hof liegt über

Die Flut zerstörte das Haus und vernichtete die Existenzgrundlage der Bauernfamilie. einen Kilometer entfernt von einem Ne­ benfluss des Indus. Dennoch wurde dieser Ende Juli überflutet. Dies bedeutete für ihn den Verlust seiner ganzen Existenzgrund­ lage. Die Familie brachte sich auf dem Flachdach in Sicherheit. «Meine Frau und die jüngeren Kinder wurden nach vier

dieser Gegend so ganz direkt, damit der Wiederaufbau überhaupt möglich wird. Zusätzlich braucht Razek Fazely Getrei­ de­Saatgut, damit er wenigstens nächstes Jahr wieder ernten kann.

Razek Fazely hat wie Millionen Bauern alles verloren Tagen von einem Helikopter gerettet», er­ zählt er. «Ich habe mit den älteren Söhnen ausgeharrt und den Hausrat bewacht.» Heute türmt sich der kompakte Schlamm fast bis zum Dach des langgezogenen Hauses aus Lehm und Ziegelstein. Um vor der Instandstellung diese feste Schutt­ masse abzutragen, muss bei einem Bau­ geschäft ein Bagger gemietet werden. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) übernimmt dafür die Kosten und unter­ stützt ihn und die anderen Kleinbauern in

Kleinbauern sind auf Nahrungshilfe angewiesen Der Bezirk Charsadda liegt in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Norden Pakis­ tans und wurde zusammen mit dem be­ nachbarten Swat­Tal besonders stark von den Überschwemmungen heimgesucht. Hier leben eine Million Menschen, die hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig sind. Die grosse Mehrheit als kleine Pacht­ bauern wie Razek Fazely. Über die Hälfte der Bevölkerung ist von den Fluten betrof­ fen, indem sie entweder Land und Ernte verloren haben oder ihr Haus ganz oder teilweise zerstört wurde. Mais und Reis haben sie vor allem angebaut, um sich selber zu versorgen. Die Zuckerrohrfelder waren ihre Einkommensquelle. Nun ist alles zerstört. Um die Not zu lindern, ent­ schloss sich der lokale Rote Halbmond mit Unterstützung des SRK, die bedürftigsten 20 000 Familien während zwei bis vier Monaten mit Nahrungsrationen zu un­ terstützen. Monatlich erhält jede Familie insgesamt 30 Kilo Mehl, Linsen, Speiseöl, Zucker, Salz und Gewürze. «Sämtliche

apropoS

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GilgitBaltistan Charsadda

KhyberPakhtunkhwa

Peschawar Islamabad

Indu s

Waziristan AFGHANISTAN

FLUT IN PAKISTAN

Indus

Punjab

Belutschistan

us

IRAN

Sukkur-Damm Sukkur

Sindh 180 km

Karatschi

Hyderabad Grafik: Loris Succo, © Neue Luzerner Zeitung

Mässig betroffen Stark betroffen

Multan

Staudämme

INDIEN

Ind

Indus – von der Lebensader zur Bedrohung Mit dem Amazonas oder dem Nil, die mit über 6500 Ki­ lometern als die längsten Flüsse der Welt gelten, kann er zwar nicht mithalten. Trotzdem ist der 3180 Kilometer lan­ ge Indus der grösste Fluss des indischen Subkontinentes. Er entspringt im Tibet und fliesst bei Karachi in das Arabische Meer. Dabei durchquert er Pakistan der Länge nach von Norden bis zum Süden. Er sorgt für fruchtbaren Boden und somit für reiche Ernten von Weizen, Reis, Zuckerrohr und Baumwolle. Durch die ausserordentlich heftigen Monsunre­ gen überflutete der Indus ab Ende Juli ganze Landstriche. Vor allem in den Provinzen Punjab und Sindh im Süden des Landes ist der Fluss auf eine Breite von bis zu 20 Kilome­ tern angeschwollen und hat Millionen von Menschen in die Flucht getrieben. Landlose Bauern, die in einem feudalen System von den Grossgrundbesitzern abhängen, verloren ihre Existenzgrundlage. Auch die Pacht­ und Kleinbauern im Norden des Landes sind stark betroffen.


konkret

APROPOS

Noch ist das Haus von Adnan unbewohnbar – das SRK setzt Bagger ein, die den Schutt abtragen

Rotkreuzhilfe in Pakistan Die Fluten in Pakistan machten 12 Mil-­ lionen Menschen obdachlos und zerstörten grossflächig die Felder. Tausende von Freiwilligen des Pakis­ tanischen Roten Halbmondes leiste­ ten Überlebenshilfe für die Flutopfer. Das SRK setzte für die Soforthilfe 2,5 Millionen Franken ein. Dabei ar­ beitete das logistische und medizini­ sche Team vor Ort eng mit dem lokalen Roten Halbmond zusammen. In den am stärksten betroffenen Provinzen des Sindh im Süden, Punjab im Zentrum und Khyber Pakhtunkhwa im Norden, er­hielten 30 000 Familien alle zwei Wochen eine Nahrungsration aus 30 Kilo Linsen, Mehl, Speiseöl, Salz, Zucker und Tee. In mehreren Camps verteilte das SRK ausserdem 700 Zelte sowie Haushaltsortimente und hygienische Artikel. Für die nächsten zwei bis drei Jahre beteiligt sich das SRK vor allem im nördlichen Distrikt Charsadda am Wiederaufbau der Existenzgrundlage von Pachtbauern sowie an der Infrastruktur im Gesund­ heitsbereich.

Die Menschen sind in ihre Dörfer zurückgekehrt und improvisieren ihr Leben draussen Nahrungsmittel beschaffen wir im Land selber. Wir geben den Leuten das, was sie kennen und schätzen», meint der SRKLogistiker Franz Lankeshofer. Ein Winter-Camp beim Bahnhof In den Sommermonaten fanden viele Flut­ opfer ein vorübergehendes Obdach in Schul- und Spitalgebäuden. Ab Oktober mussten sie diese jedoch verlassen, da der Schulbetrieb wieder aufgenommen

re auch – ein zerstörtes Haus vorfand. Viele aber liessen sich am Strassenrand oder auf freiem Feld nieder, wo sie an­ gesichts des hereinbrechenden Winters von der Kälte bedroht sind. Deshalb hat das engagierte Team des lokalen Paki­ stanischen Roten Halbmondes beschlos­ sen, auf dem Gelände des stillgelegten Bahnhofes der Stadt ein Camp mit Zelten

Das SRK versorgte die Menschen im provisorischen Camp mit Zelten, Decken, Öfen und Haushaltartikeln. wurde und die Spitäler den Platz für ihre Patienten beanspruchten. Die meisten zogen in ihre Dörfer zurück. So wie Ra­ zek Fazely, der – wie so manche ande­

Dr. Nakash vom Roten Halbmond behandelt die Patienten im stillgelegten Bahnhof

und Trinkwasser für 150 Familien einzu­ richten. Das SRK lieferte die Zelte, Decken, Öfen und Haushaltsortimente. Im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofgebäudes werden Patientinnen und Patienten des Camps und der umliegenden Wohnviertel von einem medizinischen Team betreut. «Wir behan­ deln vorwiegend Durchfallerkrankungen und Hautentzündungen», sagt der zustän­ dige Arzt Dr. Nakash. «Ebenso wichtig ist jedoch die Information der Bevölkerung darüber, wie sich Krankheiten durch bes­ sere Hygiene vermeiden lassen. Viele Frauen sind auch am Thema Familienpla­ nung interessiert.» Das seit Jahren stillge­ legte Bahnhofgelände von Charsadda ist auf unerwartete Weise neu belebt worden. Es wurde zum grossen Wartesaal, in dem alle auf einen besseren Frühling hoffen.

➥ redcross.ch/pakistan Humanité 4/2010

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© Shutterstock

2  Weihnachten Weil Schenken Freude macht

«2  Weihnachten» ist eine gemeinnützige Aktion und wird vom 24.12.2010 bis 08.01.2011 bereits zum 14. Mal vom Schweizerischen Roten Kreuz, der Schweizerischen Post und der SRG SSR idée suisse gemeinsam durchgeführt. Spenden Sie während der Weihnachtszeit Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs für bedürftige Menschen im In- und Ausland. So funktioniert es

Tipps für Ihr Paket

Packen Sie Ihre Geschenke in eine ganz normale Kartonschachtel. Das Paket bringen Sie auf die Post und sagen am Schalter, dass es sich um ein «2  Weihnachten» - Paket handelt. Die Post transportiert Ihr Paket kostenlos zum Schweizerischen Roten Kreuz. Oder kaufen Sie Ihr Paket online unter www.2xweihnachten.ch

Besonders erwünscht sind Lebensmittel wie Teigwaren, Reis und Konserven, die noch mindestens sechs Monate haltbar sind. Auch Hygiene- und Toilettenartikel, Schulmaterial und neue Kinderschuhe werden dankbar entgegengenommen. Spenden Sie bitte keine Kleider, da hier der Bedarf bereits durch die Altkleidersammlungen abgedeckt ist. Bei Plüschtieren übersteigen die Gaben immer wieder die Nachfrage.

Eine Aktion von:


Kreuz & quer

Ein bunter Mix Heute nennt es sich trendig «Fusion Kitchen», wenn Kochrezepte aus unterschiedlichen Kulturen abgeändert und kombiniert werden. Dabei ist es nichts Neues, mit verschiedenen Kochrichtungen zu experimentieren. In der Karibik haben seit Hunderten von Jahren die verschiedensten Völker genau das getan. Text: Tanja Pauli

ten und Früchten ergänzt. Auch wenn all­ gemein der Begriff Karibische Küche als Oberbegriff verwendet wird, hat die un­ terschiedliche Geschichte der einzelnen Inseln und Küstenregionen zu eigenen lo­ kalen und regionalen Küchen geführt, die sich trotz vieler Gemeinsamkeiten unter­ scheiden. In Haiti würzt man die Speisen zwar für den europäischen Geschmack recht intensiv, aber weniger scharf als in anderen Regionen. Man nimmt an, dass die haitianische Küche weniger von der indischen beeinflusst wurde. Es darf auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Grossteil der Menschen über die Jahr­ hunderte hinweg arm war. Armut ist heute noch ein Problem in vielen Teilen der Kari­ bik und ganz besonders in Haiti.

In Haiti wird meist unter freiem Himmel gekocht. Im Hintergrund rechts ein sturmsicheres Haus, welches vom SRK errichtet wurde.

D

ie karibische Küche spiegelt die rund 1500-jährige Geschichte der Inselgruppe. Völker aus völlig unter­ schiedlichen Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen: Die Ureinwohner, die diese Region vor der Landung der Europäer besiedelten, die Europäischen Kolonial­ mächte (Grossbritannien, Spanien, Frank­ reich, Niederlande), die Sklaven aus Af­ rika und schliesslich auch Menschen aus Indien, die im 19. und 20. Jahrhundert als Arbeitskräfte geholt wurden. Die tra­ ditionellen Rezepte dieser Völker wurden vermischt und mit karibischen Gemüsesor­

Am Sonntag ein Festmahl Das Rezept mit Poulet, das wir hier vor­ stellen, ist deshalb kein Alltagsgericht, son­ dern ein wahres Sonntagsessen. Es stammt von Myrlande Buendia, die ihre Kindheit in Haiti verbracht hat und sich noch genau erinnert: «Der Sonntag war ein Festtag für alle haitianischen Arbeiterfamilien. Es war der einzige Tag, an dem man es sich leis­ ten konnte, dieses köstliche Pouletgericht zuzubereiten. Die Kinder und die Erwach­ senen sehnten den Tag ungeduldig herbei. Man war immer zu irgendeinem Onkel oder einer Tante eingeladen, um gemein­ sam dieses Festmahl zu geniessen. Ich habe mich immer gefragt, wer eigentlich die Ungeduldigeren waren – die Kinder oder die Erwachsenen!»

➥ magazin-humanite.ch/rezepte

APROPOS Poulet nach haitianischer Art Für 4 Personen Zutaten: 1 Freilandpoulet, ca. 1,7 kg, 1 kleine Limette, halbiert, Salz und Pfef­ fer, 2 Esslöffel (30 ml) Zitronensaft, 3 bis 4 Gewürznelken, 2 Teelöffel (10 ml) scharfe Sauce der Marke «Matouk‘s» oder Tabasco, 2 Knoblauchzehen, gehackt, 2 Zweiglein Petersilie, fein gehackt, 2 Esslöffel (30 ml) Tomatenpü­ ree, ¾ Tasse (180 ml) Wasser, ¼ Tasse (60 ml) Pflanzenöl, 1 Stückchen Butter, 1 mittelgrosse Zwiebel Zubereitung 1. Die Haut des Poulets entfernen. Das Poulet in Stücke schneiden und diese in eine grosse Schüssel legen. Das Poulet mit den Limettenhälften einreiben, mit Wasser spülen und das Wasser weg­ leeren. 2. Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Nelken, Sauce, Knoblauch und Petersilie mi­ schen. Das Poulet mit dieser Marinade gut einreiben und im Kühlschrank zwei Stunden ziehen lassen. 3. Das Tomatenpüree mit Wasser ver­ dünnen. 4. Das Öl in einem Schmortopf erhitzen und die Pouletteile darin anbraten. Den Saft der Marinade auffangen und mit dem Tomatenpüree mischen. Wenn die Pouletstücke rundum gut angebraten sind, die Zwiebel beigeben. Die Toma­ tensauce über das Fleisch geben und ein Stückchen Butter darauf legen. Zu­ gedeckt auf kleinem Feuer eine Stunde lang köcheln lassen. Vor dem Servieren mit Salz und Pfeffer abschmecken. Teigwaren, Reis oder Gemüse dazu servieren.

© bab.ch/Stockfood

Karibische Küche

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kreuz & quer

HUMANITé 3/2010 Lösungswort des letzten Kreuzworträtsels: Friedensnobelpreis Wir gratulieren den Gewinnerinnen und Gewinnern: Erika Baumgartner, Mollis Trudi Clematide, Gossau Lotti Küng, Wohlen Robert Perrinjaquet, Boudry Anne-Marie Riat, Bure Übrige Lösungen der letzten Ausgabe:

Für Humanité zeichnet «Karma» alias Marco Ratschiller. Er ist Cartoonist und Chefredaktor des Satire-Magazins Nebelspalter.

Labyrinth Vom Start bis ans Ziel wird der Weg mit feinen Linien markiert. Den gefundenen Weg ausfüllen – und schon erscheint das Bild.

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Die Lösung zum Sudoku, zum Wort­ suchspiel und zum Labyrinth finden Sie in der nächsten Ausgabe oder im Internet.

➥ magazin-humanite.ch (C) Conceptis Puzzles

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kreuz & quer

kreuzworträtsel

Sudoku 8

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Conceptis Puzzles

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Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3­Blöcke nur einmal vorkommen.

geWinnen

Wortsuchspiel Wir verlosen unter allen korrekt eingeschickten Lösungswörtern des Kreuzworträtsels fünf Armbanduhren mit Rotkreuz­Emblem. Die formschöne Uhr aus Edelstahl mit Lederarm­ band ist bis 100 m wasserdicht. Senden Sie das Lösungswort und Ihre Adresse in einem E­Mail an crosswords@redcross.ch oder auf einer Postkarte an:

Finden Sie die 20 Wörter horizontal, vertikal und diagonal. Die Buchstaben können für mehrere Wörter gelten.

Schweizerisches Rotes Kreuz Magazin «Humanité» Postfach 3001 Bern Einsendeschluss: 10. Januar 2011

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Suchdienst SRK

Ein Vergissmeinnicht – weil wir die Verschwunde­ nen nicht vergessen, sondern nach ihnen suchen. Unsere Hilfe braucht Ihre Spende. Postkonto 30-9700-0


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