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Vo R o R T Zu nah am Wasser und auf Schlamm gebaut – doch wohin sollen Menschen ziehen, die vom Fischfang leben?

Schulkinder lernen, nicht in Panik auszubrechen und sich im obersten Stockwerk in Sicherheit zu bringen

aufs Wasser. Dort stand einst sein Haus, in dem er zwölf Jahre lang mit seiner Familie lebte. Er hatte es aus Holz und Palmblättern selber gebaut. «Die Flut stieg immer höher, schliesslich drang das Wasser ins Haus. Es wurde unmöglich, zu bleiben», erzählt Nguyen Van Cuong. Er und seine Familie wurden zu Umweltflüchtlingen. Hart sei es gewesen, dieses Stück Heimat aufzugeben. Beim Abschied sammelte er noch ein paar Holzpflöcke des versinkenden Hauses ein, die nun am neuen Ort seinen kleinen Schweinestall umzäunen. Nguyen Van Cuong gehört zu jenen fast 50 Prozent der Menschen im Mekong-Delta, die unter oder nahe der Armutsgrenze leben. «Die Ärmsten sind die Verletzlichsten, wenn die Natur verrückt spielt», sagt Umweltexperte Ton That Khanh. Sie besitzen keine stabilen Häuser, deshalb sind sie besonders verwundbar gegenüber Taifunen. Die meisten sind zudem von der Fischerei abhängig und wohnen direkt am Wasser – was sie noch verletzlicher macht. In Ca Mau, der südlichsten Provinz Vietnams, gibt es während der Regenzeit von Oktober bis

Januar viele tropische Stürme. Dann können die Fischer nicht aufs Meer und verdienen nichts. Viele Familien leiden deshalb an Hunger. Neben dem einstigen Zuhause von Nguyen Van Cuong sind im Mekong-Delta weitere Zehntausende Häuser im Wasser versunken. In den letzten zwei Jahrzehnten

siedelte der Staat mit internationaler Hilfe über eine Million Menschen um. Auch das Schweizerische Rote Kreuz half mit. Es hat 1300 einfache, flut- und sturmresistente Häuser errichtet. Auch jenes von Nguyen Van Cuong. Er wohnt jetzt wenige Bootsminuten vom alten Ort entfernt. Der Staat schenkte jeder betroffenen Familie 270 Quadratmeter Land. Der sturmsichere Rotkreuz-Neubau misst etwa 25 Quadratmeter, die Familien können ihn durch eigene, einfache Anbauten ergänzen und so den Wohnraum erweitern. Um Platz für die grossflächige Krevettenzucht zu schaffen, wurden in der Region riesige Flächen von Mangrovenwäldern abgeholzt – mit verheerenden Folgen. Mangroven brechen grosse Wellen und schützen vor Fluten, die Erosionen verursachen. Sie halten Sedimente auf und

nguyen Van Cuong (2. v. l.) und seine Familie – erleichtert, dass sie durch das SrK einen Ersatz für das frühere Zuhause erhalten haben Humanité 3/2014

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Magazin Humanité 3/2014: Kostbares Gut für die Ärmsten  

Humanité ist das Magazin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) und richtet sich an Menschen, die das SRK und sein humanitäres Engagement u...

Magazin Humanité 3/2014: Kostbares Gut für die Ärmsten  

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