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SWisslife 3. Jahrgang // Ausgabe 2 // Fr. 6.50

Sommer 2012 // 1750 m 端. M.


Fast so viele Käsesorten wie Gipfel Das Schweizer Berggebiet ist auch das Schweizer Käsegebiet. Fast jede Alp macht ihren eigenen Käse. Wobei man wissen muss: Alpkäse ist auch Bergkäse. Aber Bergkäse ist nicht Alpkäse. Denn Bergkäse stammt aus Milch, die im Berggebiet produziert wurde. Alpkäse dagegen stammt aus Milch von der Alp und muss zudem auf der Alp hergestellt werden. Vorderseite: Der Appenberger ist ein Bergkäse, der von den Bauern um den Appenberg (BE) aus Rohmilch gewonnen wird. Rückseite: Das Mutschli ist ein kleiner, halbharter Alpkäse, der auf praktisch allen Alpbetrieben der Schweiz hergestellt wird. Nebenan: Gut und gerne 13,5 Tonnen würziger Alpkäse wurden 2011 in nur acht Wochen auf der Engstlenalp (BE) produziert.


Editorial // 3

Grüezi Was gibt es Schöneres, als an einem prächtigen Sommer­ wochenende in die Berge zu fahren, Hügel oder gar Gipfel zu erklimmen und das unbeschreibliche Panorama zu geniessen? Das denke ich mir jeweils, wenn ich mich von meinem Heimetli im Sörenberg in Richtung Brienzer Rothorn aufmache. Die Weitsicht in der Höhe erfreut jedoch nicht nur unser Auge. Sie belebt auch unsere Sinne, lässt die Gedanken schweifen und verwurzelt uns jedes Mal aufs Neue: Im Hier und Jetzt unserer hastigen Zeit eröffnet uns der Blick auf Hügel und Berge nicht nur schöne Aussichten, sondern auch neue Einsichten. Auf 1750 Meter über Meer, dem Thema dieses Heftes, präsentiert sich die Schweiz aber nicht nur als landschaft­ liches Idyll. Ob im Höhentrainingszentrum St. Moritz oder allein – aber nicht einsam! – auf der Alp: Die Gründe für ein Leben oberhalb der Nebelgrenze sind vielfältig. Wagen Sie mit uns den Aufstieg, er lohnt sich!

SWISSLIFE Sommer 2012

Ivo Furrer, CEO Swiss Life Schweiz: «Auf 1750 Meter über Meer eröffnet uns die Schweiz nicht nur schöne Ausblicke, sondern auch neue Einsichten.»


06

Swiss Photo Selection:

«Embrüf, embri»

An den Hängen um den Aletschgletscher findet jedes Jahr die grosse Schafwanderung statt. Den wagemutigen Schafabtrieb auf den schmalen Wegen nach Belalp hat der Fotograf Thomas Schuppisser in eindrücklichen Bildern festgehalten. 16 Zwei Seiten:

20

Flugschau im Thurgau

Schwerpunkt:

Das Erfolgsklima

Freizeithirten und Schwarznasenschafe Das herbstliche Einsammeln der Schafe auf über 3000 m ü. M. ist eine uralte Walliser Tradition. Für ihren gefährlichen Job werden die freiwilligen Helfer mit dem Schäferfest belohnt.

28 Zahlensalat:

Bild: Christof Sonderegger

Das Oberengadin bringt die roten Blutkörperchen zum Tanzen – und Spitzensportler in Olympiaform. Läufer wie Viktor Röthlin schwören auf das Höhentraining. Nach über 40 Jahren wird das Erfolgsrezept nun erstmals in Frage gestellt. Gipfeltreffen auf 1750 m

31 Bergführerinnen:

So fängt Zukunft an. Natürliches Doping Je ambitionierter ein Ausdauersportler, desto beliebter das Höhentraining. Mekka der Elite ist das Engadin: Auf rund 1800 m ü. M. werden mehr rote Blutkörperchen produziert.

Gesamtverantwortung: Swiss Life Public Relations, Martin Läderach Redaktionskommission: Ivo Furrer, René Aebischer, Thomas Bahc, Monika Behr, Thomas Langenegger, Christian Pfister, Hans-Jakob Stahel, Paul Weibel Redaktionsleiter UPDATE: Dajan Roman Redaktionsadresse: Magazin SWISSLIFE, Public Relations, General-Guisan-Quai 40, 8022 Zürich, magazin@swisslife.ch Projektleitung: Mediaform, Christoph Grenacher, Ittenthal Konzept und Gestaltung: Festland Werbeagentur, St.Gallen/Zürich Übersetzung: Swiss Life Language Services Druck und Versand: Heer Druck AG, Sulgen Erscheinungsweise: 3 x jährlich; Frühling, Sommer, Herbst Auflage: 100 000 Anzeigenverkauf: Mediaform, Baumgärtli, 5083 Ittenthal, mediaform@mediaform.ch Adressänderungen/Bestellungen: Magazin SWISSLIFE, GeneralGuisan-Quai 40, 8022 Zürich, magazin@swisslife.ch Rechtlicher Hinweis: In dieser Publikation vermittelte Informationen über Dienstleistungen und Produkte stellen kein Angebot im rechtlichen Sinne dar. Über Wettbewerbe wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gedruckt auf FSC-Papier.


Inhalt // 5

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A Swiss Life:

Corina Hefti

Wenn ihre Freundinnen nach Gran Canaria oder Ibiza in die Ferien fahren, steigt Corina Hefti zur Alp Chüetal auf. Zuhinterst im Glarnerland verbringt sie den Sommer mit Pia, ihrer Kuh. Wir haben die beiden besucht. 51 Küchenfreuden: 53 Beni Frenkel: Tierisch gute Freundin Pia geht ihre eigenen Wege, steht auf der Wiese oft abseits, kommt als Schlusslicht in den Stall. Auch deshalb ist sie für Corina Hefti das Wichtigste in ihrem Leben auf der Alp.

54 Beilage:

SWISSLIFE Sommer 2012

Entzauberte Berghütte

Heben Sie ab und gewinnen Sie einen Alpenrundflug mit der legendären Ju 52.

56 Zugabe:

Mit Swiss Life zu den eigenen vier Wänden Die Hypozinsen sind verlockend tief, der Traum vom Eigenheim erschwinglich wie selten zuvor. Bei der Finanzierung gibt es verschiedene Optionen. Swiss Life stellt sie Ihnen vor und sagt Ihnen, was es dabei zu beachten gilt.

Sonne im Gaumen, Meer im Mund

Wettbewerb:

Marc Lynn über den Song «Starlight»

UPDATE

Lesen Sie, was Sie bei der Finanzierung von Wohneigentum wissen müssen, wie Swiss Life Sie dabei unterstützt, wie Kader­ leute die Anlagestrategie für ihr Vorsorgegeld selbst wählen können und wie Jérôme Cosandey von Avenir Suisse die BVGZukunft sieht.


«Embrüf, embri» Oder auf Deutsch «Hinauf, hinunter»: Jedes Jahr im Herbst steigt ein Dutzend Freizeithirten in die steilen Berghänge über dem Aletschgletscher, um hunderte von Schafen zusammenzutreiben, die dort einen Sommer lang frei und unbehütet weiden.

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In «Swiss Photo Selection» präsentiert SWISSLIFE Arbeiten von Schweizer Fotografen, die von der internationalen Jury des «Swiss Photo Award – ewz.selection» ausgezeichnet wurden. www.ewzselection.ch


Swiss Photo Selection // 7

Eine Augenweide: Die Aussicht auf den l채ngsten Eisstrom der Alpen ist den Schafen zwar egal. Ihr ausschweifendes, wildes Leben aber geniessen sie.

SWISSLIFE Sommer 2012


Moderne Technik trifft auf Jahrhunderte alte Tradition – und erleichtert nicht nur den Hirten, sondern auch dem Fotografen die Arbeit.


Swiss Photo Selection // 9

Für einmal ist beim Schäfchenzählen ein wacher Geist gefordert: Hilfsmittel wie Fernglas und Funkgerät sind erst seit kurzem erlaubt. Nächste Doppelseite: Der Abstieg von den Hängen auf 3000 Metern nach Belalp ist auch für die Schafe eine Gratwanderung.

SWISSLIFE Sommer 2012


Nach dem Sommer in den Bergen sind die Schafe bei der Schafscheid, der Ăœbergabe der Tiere an ihre Besitzer, nur schwer zu bändigen.


Swiss Photo Selection // 13

Walliser Spezialit채t: Schwarznasenschafe liefern bis 4,5 Kilo Wolle pro Jahr, sind gen체gsam und beweiden als gute Kletterer auch steile H채nge.

SWISSLIFE Sommer 2012


Archaisches Ritual: Nach dem gefahrvollen Einsammeln der Schafe folgt der ein- bis zweit채gige Abstieg ins Tal.


Swiss Photo Selection // 15

Thomas Schuppisser: «Mich berührt die Erlebnisvielfalt auf dieser Welt.» Nach seinem Engagement als Haute-Cuisine-Koch in verschiedenen Zürcher Fünfsternehotels erliegt Thomas Schuppisser dem Reiz der Fotografie. Unter anderem beteiligt er sich am Aufbau der Firma Professional Photographic Systems, seit 1995 arbeitet er als Porträt- und Reportagefotograf. Seine Auftraggeber sind national und weltweit tätige Unternehmen, Medien und internationale Institutionen. Thomas Schuppisser lebt mit seiner Familie in Zürich. Im Buch «embrüf, embri: Die Heimkehr der Schafe» dokumentiert Thomas Schuppisser auf 144 Seiten mit beeindruckenden Bildern die Schafwirtschaft im Wallis. Der Abtrieb der Schafe von den Berghängen nach Belalp und die darauf folgende Schafscheid sind Jahrhunderte alte Bräu­ che, ein lebendiges Kulturgut – und für Schuppisser das ideale Thema, um seiner Passion als Reporta­ ge-fotograf zu frönen. Das Buch ist für 58 Franken im Buchhandel erhältlich.

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Prägen wir unsere Umgebung oder prägt sie uns? In seinem Langzeitprojekt «On Duty – Porträts» fotografiert Thomas Schuppisser Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld. Der Blick liegt auf der formalen Gewalt des scheinbar Selbstverständlichen, unserer Rolle darin und unserer Befindlichkeit. Lebensraum und Persönlichkeit scheinen geheimnisvoll verbunden zu sein oder im Widerspruch zu stehen. Natürliche Landschaften und durch Menschen gestaltete Orte führen zu neuen Erfahrungen und verändern die Selbstwahrnehmung. www.thomasschuppisser.com


1750 m ü. M.

Kartause Ittingen (Warth-Weiningen): Exakt auf 1750 Meter zieht die Cessna 206 D-EIHW eine von 40 Schlaufen über den Thurgau. Ihr einziges Ziel: den Kanton bis ins letzte Detail festzuhalten – mit 4000 digitalen Aufnahmen, von denen jede die Oberfläche naturgetreu, verzerrungsfrei und massstabsgenau abbildet. Dank dem messerscharfen «Orthofoto» kann man jeden Ort bis auf 30 Zentimeter heranzoomen. Bei den im Auftrag der Swissphoto AG ausgeführten Flügen wurde jede Sekunde ein Bild geschossen, jedes einzelne mit einer

416 m ü. M.


Zwei Seiten // 17

Datenmenge von 600 Megabytes. Das «Orthofoto» eignet sich unter anderem für dreidimensionale Darstellungen, die sich auch animieren lassen. Gebraucht werden die hochaufgelösten Orthofotos als Informationsquelle von kantonalen Ämtern aus den Bereichen Umwelt, Bau oder Archäologie. Oder bei Arbeiten im Zusammenhang mit Raumplanung, Landschaftsentwicklung oder Bauvorhaben. Den Thurgau aus der Vogelperspektive gibts im Internet: www.geo.tg.ch


BEK ANNTMACHUNG

BEFR EIEN SIE SICH

VON LAN GW EIL IGE N SO MM ERFERI EN .

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Bild: Giancarlo Cattaneo


Schwerpunkt // 21

Text: Martin Born

Dünne Luft für Rekorde Es geht um die roten Blutkörperchen. Darum, sie zu vermehren und den Sauerstofftransport im Körper zu verbessern: Im Engadin wärmen sich wieder Dutzende Spitzensportler für die Olympischen Spiele auf. Doch der Nutzen des Höhentrainings ist umstritten.

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und tausend Athleten pro Jahr suchen ihr Glück im Engadiner Höhentraining. Entsprechend lang ist die Liste jener, die sich in der dünnen Luft von St. Moritz auf grosse Erfolge vorbereitet haben: Weltmeister und Olympiasieger wie Ed Moses, Carl Lewis, Wilson Kipketer und Kenesisa Bekele. Tour-de-France-Sieger wie Eddy Merckx, Bernard Hinault und Lance Armstrong. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in London setzen auch Schweizer Medaillenhoffnungen auf die bewährte Vorbereitung auf 1750 Meter: die Mountainbiker um Gold-Anwärter Nino Schurter etwa. Oder die Langstreckenläufer um Viktor Röthlin. Nur: Warum ist das so? Warum haben sich vor den letzten Olympischen Spielen Leichtathleten aus über 30 Nationen im Engadin vorbeitet? Das Zauberwort heisst Epo und ist die Kurzform für Erythropoietin. Das Hormon kurbelt, bedingt durch die dünne Luft, die Produktion roter Blutkörperchen an und steigert damit auf natürliche Art das Leistungsvermögen (siehe Box Seite 25). Epo existiert auch in künstlicher Form und übertrifft in seiner Wirkung das Höhentraining bei weitem: Es hat den Ausdauersport in den letzten beiden Jahrzehnten total verfälscht. Denn nie war ein Dopingmittel wirkungsvoller. Nicht nur im Radsport wurden Maulesel zu Vollblütern. Auch in andern Ausdauersportarten grassierte Epo als Seuche. In den letzten Jahren hat sich die Situation dank effizienten Kontrollen verbessert, die Blutwerte sind auf normalere Werte geschrumpft. Trotzdem erstaunt es, dass St. Moritz selbst während der Epo-Hochblüte seine Anziehungskraft für Ausdauerath-

leten nie verlor. Das mag daran liegen, dass es auch in der schlimmsten Zeit noch Sportler gab, die den ehrlichen Weg zum Erfolg wählten. Offensichtlicher aber ist, dass St. Moritz und das Engadin mehr zu bieten haben als nur dünne Luft. Gian Gilli, Chefcoach der Schweizer Olympiadelegation, kennt als Einheimischer das Geheimnis. «Es ist die Umgebung und das einzigartige Licht», sagt er, «das animiert jeden Sportler zum Training. Das Reizklima

die schönste Berglandschaft deutlich an Aufmerksamkeit verliert. Sportler als Touristenattraktion In St. Moritz werden jedes Jahr rund eine Million Logiernächte registriert. 25 000 davon entfallen auf Sportler, die dem Nobelkurort mit seinen Schönen und Reichen, seinen Luxusboutiquen und Fünfsternehotels einen alternativen und sympathischen Touch geben. Wenn im Sommer vor Titelkämpfen Hochbetrieb herrscht und über hun-

«Das Reizklima hier oben setzt unheimlich viel Energie frei. Das kann dazu führen, dass man im Training zu viel macht.» hier oben setzt unheimlich viel Energie frei. Das kann sogar dazu führen, dass man im Training zu viel macht.» Viktor Röthlin, der Marathon-Europameister, der sich aus Überzeugung in St. Moritz auf Grossanlässe vorbereitet, drückt es so aus: «Das Engadin ist ein Erlebnis und ein Trainingsparadies. Überall sind Sportler unterwegs. Jogger und Biker. Gruppen oder gar ganze Vereine im Trainingslager, die sich hier wie eine grosse Familie treffen. Es ist einfacher, sich zu bewegen, wenn es andere auch tun.» Natürlich bewegen sich nicht alle so extrem wie Röthlin mit seinen 200 Laufkilometern pro Woche; 75 Prozent davon auf Sparflamme mit genügend Sauerstoff, die restlichen 25 Prozent im Sauerstoffmangel. Spätestens dann wird das Training so hart, dass auch

dert Athleten gemeinsam trainieren, wird die Leichtathletikbahn beim See zur Touristenattraktion. «Die Leichtigkeit, mit der die Afrikaner über die Bahn fliegen, ist faszinierend», sagt beispielsweise Martin Berthod, der ehemalige Skirennfahrer, der in St. Moritz seit 30 Jahren für den Sportbetrieb zuständig ist – und dafür sorgt, dass sich die Sportler bei ihm wohl fühlen. Die Infrastruktur ist erfrischend einfach und zum grossen Teil ein Geschenk der Natur. Die Athleten trainieren auf der 400-Meter-Kunststoffbahn beim See, sie laufen und biken auf den teilweise mit Distanzangaben markierten Waldwegen im Tal, sie bezwingen mit dem Rennrad die Pässe bis hin zum Stilfserjoch, sie schwimmen im Hallenbad von Pontresina, sie rudern und segeln auf dem Silvaplanersee, sie


Bild: Giancarlo Cattaneo

Schwerpunkt // 23

Auch in einem Trainingsparadies wie dem Engadin f채llt es den Athleten leichter, sich mit andern zu bewegen, zu 체berwinden, zu qu채len. SWISSLIFE Sommer 2012


haben an den seltenen Regentagen in Samedan eine Dreifach-Turnhalle zur Verfügung. Und sie stemmen im kleinen Kraftraum bei der alten offenen Eisbahn Gewichte, während holländische und russische Eisschnellläufer Start- und Kurventrainings absolvieren und froh sind, dass die Banden mit Sicherheitsmatratzen geschützt sind. Wer medizinische Betreuung benötigt oder Tests machen will und den eigenen Arzt nicht dabei hat, kann dies

Die Wertschöpfung der Werbung durch den Trainingsbetrieb wurde allerdings nie untersucht und lässt sich auch nicht abschätzen. Berthod drückt es so aus: «Wenn einer nach einem Rennen in einem Fernsehinterview sagt, er habe sich in St. Moritz vorbreitet, so ist das bestimmt nicht schlecht fürs Engadin.» Wer von der Infrastruktur und einem Pauschalarrangement für eine Unterkunft profitieren will, meldet sich bei

«Wenn einer in einem Fernsehinterview sagt, er habe sich in St. Moritz vorbereitet, ist das bestimmt nicht schlecht fürs Engadin.» im Medical Center der Klinik Gut tun. Es besitzt das «Gold Label» von Swiss Olympic und mit Andi Grünenfelder einen Arzt, der sich mit Ausdauersport auskennt. 1988 gewann er an den Olympischen Winterspielen von Calgary im Langlauf Bronze über 50 Kilometer. Der Betrag, der Berthod jährlich für den gesamten Sportbetrieb zur Verfügung steht, würde bei einigen Gästen des Badrutt’s Palace oder des Suvretta House höchstens die Portokasse belasten: Zwei Millionen Franken müssen für alles genügen, ausser für Investitionen in neue Anlagen wie etwa das geplante Hallenbad mit Kraftraum und Wellness-Bereich. Berthod finanziert mit diesem Budget die ganze Bandbreite von der Organisation des Trainingsbetriebs bis zum Internetauftritt. Zum Vergleich: Das Werbebudget von St. Moritz beträgt sieben Millionen Franken.

Berthod. Der Sportdirektor hat mit vielen Hotels Spezialbedingungen ausgehandelt und hat kaum je ein Problem, die Gäste unterzubringen. Als das Sportlerhotel schlechthin gilt das «Laudinella» in St. Moritz-Bad. Es ist beliebt, weil genügend Raum vorhanden ist, um Trainingsmaterial zu lagern, aber auch wegen seines vielfältigen Verpflegungsangebots, das dazu beiträgt, die geleerten Energiespeicher wieder bis zum Rand zu füllen. «Wir sind eines der wenigen Hotels, die während des ganzen Jahres geöffnet sind», sagt Vizedirektor Dominic Zurbrügg. «Dank den Sportlern haben wir auch in den Monaten April, Mai oder November eine gute Auslastung.» Das Beispiel des Hotels Laudinella zeigt: Es hat sich vieles eingespielt in den 45 Jahren, seit es in St. Moritz ein Höhentraining gibt. St. Moritz und die

Athleten haben gelernt, gegenseitig von einander zu profitieren und zu einer Einheit zu werden, die beiden nützt. Eine ganz natürliche Entwicklung in einem Ort, der in Sachen Sport fast immer der erste war und gar als Geburtsort des Wintersports gilt. Das Debakel löste einen Boom aus Das war im September 1864, als Johannes Badrutt vier britischen Sommergästen das Angebot machte, über den Winter in St. Moritz zu bleiben. Sollte es ihnen nicht gefallen, bezahle er ihre Reisekosten. Es gefiel ihnen, und nach Ostern kehrten sie braungebrannt ins regnerische London zurück. Das war die Erfindung des Wintertourismus. Seither gab es in St. Moritz das erste Curling-Turnier auf dem Kontinent (1880), die erste Eislauf-EM (1882), die erste Skeletonbahn (1885), das erste Golfturnier in den Alpen (1889), die erste Bobbahn (1890), das erste Pferderennen auf Schnee (1906), den ersten Motorflug auf Schweizer Boden (1910), die erste Schweizer Skischule (1929), zweimal Olympische Winterspiele (1928/1948), vier alpine Ski-Weltmeisterschaften (1934, 1948, 1974, 2003) und über 30 Bob-Weltmeisterschaften. St. Moritz drängte sich also regelrecht auf, als es 1964 darum ging, sich auf die Herausforderung der Olympischen Sommerspiele in der dünnen Luft von Mexiko vorzubereiten. Die Schweiz hatte eben das Debakel der medaillenlosen Winterspiele von Innsbruck hinter sich, die Sportnation stand noch immer unter Schock. Ähnliches sollte kein zweites Mal passieren. Diese Einsicht führte zur Gründung des Nationalen Komitees für Elitesport (später «Sporthilfe») und lieferte den


Schwerpunkt // 25

Der Glaube versetzt Berge Die roten Blutkörperchen sind für Spitzensportler Gold wert – als Transportmittel für den Sauerstoff. Gut 25 Billionen davon haben wir in unserem Blut, zwei Millionen werden jede Sekunde erneuert. Ihr Wachstum wird durch das Hormon Erythropoetin (Epo) getrieben – in synthetischer Form ein beliebtes Dopingmittel.

Die erhöhte Produktion roter Blutkörperchen wird durch das Hormon Epo ausgelöst. In der Höhe führt der tiefere Sauerstoffgehalt des Blutes zu einer erhöhten Epo-Ausschüttung.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt auf gut 1750 Meter über Meer,

überein, dass Höhentrainings als Vorbereitung auf Wettkämpfe

der Effekt soll ebenso einfach wie wirkungsvoll sein: Trainiert ein

in hoch gelegenen Regionen notwendig sind.

Sportler mehrere Wochen auf dieser Höhe, wird (bedingt durch

Ob sich mit Höhentrainings die sportliche Leistungsfähigkeit

den niedrigeren Sauerstoffpartialdruck in der Luft und im Körper)

jedoch auch im Flachland verbessern lässt, ist zunehmend

die Atmung beschleunigt und die Bildung der roten Blutkörper-

umstritten. Neuste Studien, unter anderem von der Universität

chen (Erythrozyten) angekurbelt. Das führt zu einer verbesserten

Zürich, belegen, dass Höhentrainings nicht die erhoffte Wirkung

Sauerstoffzufuhr ins Gewebe, was wiederum eine Steigerung des

bringen. Selbst die neuste Variante des Höhentrainings «Live high,

Leistungsvermögens zur Folge hat.

train low» (oben leben, unten trainieren), welche die negativen

Erstmals wurden Höhentrainings im Vorfeld der Olympischen

Effekte des Höhentrainings vermeidet, wirkt nicht wie angenom-

Spiele 1968 durchgeführt. Grund dafür war die Höhe der

men. Fachleute sagen, dass auch im Sport der Glaube an die

Sportstätten von Mexiko, die zum Teil auf 2240 Meter lagen.

Wirkung von grosser Bedeutung sei. Wie bei Krankheiten auch,

In der Folge wurde das Training in höheren Lagen in allen

spiele der Placeboeffekt eine wichtige Rolle.

Ausdauersportarten als wirkungsvolles Mittel zur Förderung der Leistungsfähigkeit empfohlen. Fachleute stimmen heute

SWISSLIFE Sommer 2012

Sport ist Psychologie und Siege oder Niederlagen entstehen oft im Kopf.


Bild: Duri Zisler Martin Berthod ist seit 30 Jahren zuständig für den Sportbetrieb in St. Moritz: «Von Lance Armstrongs Anwesenheit wusste ich nichts. Und ich war froh darüber.»


Schwerpunkt // 27

Anstoss zum Bau des Höhentrainingszentrums von St. Moritz. Beim See entstand die Leichtathletikbahn, über den Silvaplanersee glitten Melch Bürgin und Martin Studach, die Weltmeister im Doppelzweier, auf der Corviglia trainierten Jack Günthards Kunstturner, im Gelände verfeinerten die Mili-

Livigno und Bernina. Begleitet wurde er oft von Michele Ferrari, dem umstrittenen Arzt mit dem Übernamen «Dottor Epo», der früher mit seinem Wohnmobil hier im Engadin «Ferien» machte. «Ohne, dass wir ihn bemerkt hätten», wie Berthod versichert. «Auch von Armstrong wusste ich nichts. Und

Wer Könige, Prinzessinnen und Filmstars beherbergt, weiss, was Diskretion ist. Genau das schätzen auch die Top-Athleten. taryreiter ihre Technik. Melch Bürgin ist heute 68 Jahre alt, rudert noch immer im Engadin und ist überzeugt, dass jeder, der gut auf das Höhentraining anspricht, an den Tatort Engadin zurückkehrt: Von den Athleten, die sich hier auf London vorbereiten, sei nur einer ein Neuling, sagt Berthod. Es waren ziemlich harmonische Jahre, die St. Moritz und die Prominenz der Ausdauerathleten miteinander verbrachten. Wer Könige, Prinzessinnen und Filmstars beherbergt, weiss, was Diskretion ist. Das schätzen auch die Athleten. Einer, der im Engadin jeweils besonders diskret trainierte, war Lance Armstrong. Er legte falsche Fährten, sprach vom Training in den französischen Alpen und pflegte im schwarzen Leibchen durch die Gegend zu fahren. Zu seinem Programm gehörten Einheiten auf der Rolle auf der CorvatschMittelstation und naürlich auch die einst von Bernard Hinault «erfundene» Monsterfahrt über die Pässe Ofen, Stilfserjoch, Foscagno, Eira, Forcola di

SWISSLIFE Sommer 2012

ich war froh darüber. So konnte ich mit den Schultern zucken, wenn jemand nach ihm fragte oder sich Dopingkontrolleure nach ihm erkundigten.» Ein Skandal erschüttert St. Moritz Einer, der alle wichtigen Rennen seiner Karriere in St. Moritz vorbereitete, war Dieter Baumann, der 5000-MeterOlympiasieger von Barcelona 1992. Das perfekte Aushängeschild für das Trainingszentrum. Man nannte ihn den «weissen Kenianer». Baumann profilierte sich als Kämpfer für einen sauberen Sport, machte sich für effizientere Dopingkontrollen stark und legte sich mit Dopingärzten an. Um so grösser war der Schock, als Baumann im November 1999 als Dopingsünder überführt wurde. In seinem Urin waren Spuren von Nandrolon gefunden worden. Baumann beteuerte stets seine Unschuld, unterzog sich allen möglichen Tests, beschäftigte Polizei und Gerichte und konnte schliesslich nachweisen,

dass eine Zahnpasta manipuliert wurde, die er stets in seinem Laufgepäck dabei hatte. Die Staatsanwaltschaft und das deutsche Sportgericht glaubten Baumann. Vom internationalen Verband wurde er trotzdem gesperrt. Täter wurden keine gefunden. Dieter Baumanns Vermutung, sie seien im Umkreis von Doktor Ferrari zu finden, liess sich nicht erhärten. Es war der einzige Skandal in der langen Geschichte des Höhentrainings von St. Moritz. Einer Geschichte, die in den nächsten Jahren ziemlich turbulent werden könnte. Seit klar ist, dass St. Moritz zusammen mit Davos für die Olympischen Winterspiele kandidiert, herrscht Aufbruchstimmung. Für Gian Gilli, der die Kandidatur als operativer Leiter anführt, sind Olympische Spiele nicht einfach eine gigantische Veranstaltung. Er sieht sie als grosse Chance, um dem Sport in der Region neuen Schwung zu verleihen. Mit Olympia sollen wieder mehr Kinder in den Schnee gebracht werden. Mit Olympia soll es auch Anlagen geben, von denen der Schweizer Sport profitiert. Dazu gehört ein Skisprungzentrum, dessen Realisierung gegenwärtig geprüft wird. Die alte, seit ein paar Jahren brach liegende Schanze soll erneuert und olympiatauglich gemacht werden. Neben ihr soll es drei Kinder- und Anfängerschanzen geben, auf denen 15, 30 und 60 Meter weit gesprungen wird – selbst im Sommer. Damit es auch in Zukunft wieder einmal einen Simon Ammann geben kann. Martin Born war Sportredaktor beim Tages-Anzeiger und arbeitet heute als freier Journalist und Buchautor.


Gipfeltreffen auf 1750 m Die Durchschnittshöhe der Schweizer Alpen liegt gerade mal bei 1700 Meter. Würde der Meeresspiegel um 1750 Meter steigen (aus welchen Gründen auch immer), bliebe von unserer schönen Schweiz nur noch dieses Gipfelpanorama. Übrigens: Die Alpen wachsen heute nicht mal mehr einen Millimeter pro Jahr in die Höhe.

Rigi 1798 Pilatus 2119

Schratteflue 2092

Niederhorn 1963

Gantrisch 2175 Kaiseregg 2185

Le Moléson 2002

Schilthorn 2970 Doldenhorn 3638

Giferspitz 2542

Rochers de Naye 2042

Wildstrubel 3243

La Pare 2540

Cornettes de Bise 2432

Schynige Platte 2100

Männliflue 2652

Ritzlihorn 3282

Chandolin

Albrunhorn 2885

Simplonpass 2009

Gruben

Dents du Midi 3257 Mont Gelé 3023

Pic d'Artsinol 2998

Weisshorn 4506 Dent Blanche 4357

Petit Combin 3663

Arolla

Grand Combin 4314

Col du Grand Saint-Bernard 2469

Saas Fee Dom 4545 Rimpfischhorn 4199

Matterhorn 4478 Breithorn 4164

Dammastock 3630

Schreckhorn Furkapass Eiger 4078 2429 Grimselpass 3970 Mönch 2164 4107 Gletsch Jungfrau 4158 Finsteraarhorn 4274 Galmihorn Nufenenpass 3517 Aletschhorn 2478 4193

Helsenhorn 3272

Grand Muveran 3051

Mont Dolent 3820

Wetterhorn 3692

Bietschhorn 3934

Wildhorn 3248

Les Diablerets 3210

Titlis 3238 Sustenpass 2224

Niesen 2362

Dent de Ruth 2236

Huetstock 2676

Brienzer Rothorn 2350

Dufourspitze 4634

Weissmies 4017

Pizzo Quadro 2792


Zahlensalat // 29

Säntis 2502

Speer 1950

Churfirsten 2306

Fluebrig 2093

Falknis 2562

Spitzmeilen 2501 Glärnisch 2914

Fronalpstock 1921

Pizol 2844

Piz Segnas 3099

Ringelspitz 3247

Klausenpass 1948 Selbsanft 3029 Tödi Gross Windgällen 3614 3187 Oberalpstock 3328

Oberalppass 2043

Passo del San Gottardo Passo 2091 del Lucomagno 1915

Piz Terri 3149

Passo dello Spluga 2115

Piz di Strega 2912

Pizzo Cramalina 2322

Flüelapass 2383

St. Moritz Bivio Juf Pass dal Güglia 2284 Maloja

Cima di Castello 3379 Piz de Cressim 2575

Piz S-chalambert Dadaint 3031

Piz Nuna 3124

Piz Quattervals 3165

Pass d'Alvra 2312

Piz Corbet 3025

Pizzo di Claro 2727 Pizzo di Vogorno 2442

Preda

Muttler 3293

Piz Lischana 3105

Piz Kesch 3418

Piz Arblatsch 3203

Avers

Fluchthorn 3398 Piz Buin 3312

Pischahorn 2980

Arosa

Piz Curvér 2972

Surettahorn 3027

Pianca Bella 2163

Hochwang 2533

Piz Beverin 2998

Bärenhorn 2929

Rheinwaldhorn 3402

Monte Zucchero 2735

Calanda 2805

Aroser Rothorn 2980

Piz Tomül 2946

Samnaun

Madrisahorn 2826

Stätzer Horn 2574

Piz Mundaun 2064

Piz Medel 3211

Sulzfluh 2817

Piz Vaüglia 2974

Pass dal Fuorn 2149 Piz Murtaröl 3180

Pontresina Passo del Bernina 2328 Piz Palü 3900

Piz Sena 3075

Piz Combul 2901

Corno di Gesero 2227 Monte Tamaro 1962

SWISSLIFE Sommer 2012

Quelle: Bundesamt für Landestopografie

Gridone 2188


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Bergführerinnen // 31

Bild: Giorgio von Arb

So fängt Zukunft an. Sie werden erst seit 1986 zur Ausbildung zugelassen und arbeiten in einer ausgesprochenen Männerdomäne: die 25 patentierten Schweizer Bergführerinnen. Wie ihre rund 1400 männlichen Kollegen bringen sie ihre Gäste sicher auf den Gipfel – und zurück. Giorgio von Arb hat die sechs Aspirantinnen und drei erfahrene Führerinnen am Berg fotografiert. Sie können sie unter ihrer Mail- oder Webadresse für eine Tour buchen.

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SWISSLIFE Sommer 2012


Elli Meyer, 44, Bergführerin, Brienzwiler BE «Die Präsenz einer Bergführerin bietet dem Gast den grösstmöglichen Genuss in einer ursprünglichen Natur.» www.ellimeyer.ch


Angela Weibel, 32, Aspirantin, Büren NW «Am Berg sind alle den gleichen Bedingungen ausgesetzt. Egal, ob Mann oder Frau.» angela.weibel@gmx.net

SWISSLIFE Sommer 2012


Sina Böckli, 30, Aspirantin, Bern «Ich will Bergführerin werden, weil ich gerne Menschen motiviere und ihnen meine Begeisterung für die Berge weitergeben möchte.»


Rhea Matter, 33, Aspirantin, Bern ÂŤIch liebe die Herausforderung, mit Menschen am Berg zu sein.Âť www.rheamatter.ch

SWISSLIFE Sommer 2012


Barbara Lechner, 37, Aspirantin, Hergiswil NW «Null Risiko gibt es nicht. Mein Job als Bergführerin ist es, das Risiko möglichst klein zu halten.» lechner.barbara@bluewin.ch


Andrea Lorenz, 30, Aspirantin, Engelberg OW «Sonne, Wind, Schnee, Regen und Wärme: All das am Körper zu spüren, macht Freude und fordert heraus.» andrea.lorenz@gmx.ch

SWISSLIFE Sommer 2012


Andrea Peter, 37, Bergführerin, Fribourg «Meine Faszination für die Berge möchte ich gerne teilen und an andere Menschen weitergeben.» www.seilschaft.ch


Angelina Huwiler, 30, Aspirantin, Wilen OW «Mich fasziniert die ursprüngliche, wilde Bergwelt, die sich uns auf verschiedenste Art zeigt – und uns gnadenlos die Kraft der Natur spüren lässt.» angelinahuwiler@yahoo.de

SWISSLIFE Sommer 2012


Stefi Käppeli, 42, Bergführerin, Hochdorf LU «Der Job als Bergführerin fasziniert mich, weil ich tiefe Freude und Zufriedenheit empfinde, wenn meine Gäste überglücklich auf einem Gipfel stehen.» kaeppeli@datazug.ch


Guten Start lieber Herr Bögli hat uns leider wieder verlassen. Das Leben ist voller Wendungen. Unsere Vorsorge passt sich an. Ob Sie Ihre Firma ausbauen, sie an die nächste Generation übergeben oder die Pensionskassenlösung optimieren wollen: Bei Swiss Life werden Sie kompetent beraten. www.swisslife.ch/standorte


A Swiss Life // 43

I love Pia

Text und Bilder: Giorgio Hösli

Ein Sommer auf der Alp ist kein Zuckerschlecken. Schon gar nicht für einen 15-jährigen Teenager. Trotzdem würde Corina ihren Alltag ohne Zögern gegen das Bergleben tauschen. Dann wäre sie Tag und Nacht bei Pia, ihrer geliebten Kuh.

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SWISSLIFE Sommer 2012


P

ia ist nicht besonders beliebt in der Herde und bei der Hirtin Lisi. Denn Pia geht ihre eigenen Wege, steht auf der Weide oft abseits und kommt als Schlusslicht in den Stall. Ein Original eben. Doch Corina liebt Pia. Wenn sie von ihr erzählt, von ihren Eigenheiten und den damit verbundenen Ärgernissen und Abenteuern, bekommt sie feuchte Augen. Corina hat Pia von ihren Eltern bekommen, anstelle eines Chilbibatzens. Pia ist das Wichtigste für Corina. Was wird aus ihr, wenn Pia nicht mehr ist? Corina Hefti ist 15 Jahre alt, zu Hause in Betschwanden, einem kleinen und weltweit gesehen unbedeutenden Ort im südlichen Glarnerland. Ein paar Dörfer weiter ist man ganz zuhinterst, und es geht 3000 Meter senkrecht die Tödiwand hinauf. Endstation Süden. Im Nachbardorf Linthal gibt es eine Schule, die verhindert, dass Corina den ganzen Sommer z’Alp kann. Sechs Wochen müssen reichen. Da nützt es nichts, dass Corina lieber in die Ferne schaut als an die Wandtafel, die vollgekritzelt mit Entgleisungen deutscher Rechtschreibreformen und unlösbaren Mathematikaufgaben schwer im Kopf rumort. Auch auf dem Kontrollgang bei den Rindern ist Arithmetik gefragt, aber das Gesamtergebnis ist um einiges konkreter und befriedigender als die Lösung der Variablen x. Vorausgesetzt, Corina hat alle Rinder gefunden. Die Alp Chüetal liegt auf 1974 Meter, eingebettet zwischen Rot Ärd, Bützistock, Heuerstöck und dem Grat vom Schattenstock zum Chli Chärpf; gegen Osten thront der Kärpf, der morgens die Sonne für sich behält. Eine strenge Alp für die Tiere und die Älplerfamilie. Die Weiden sind steil und verzettelt, Gott scheint beim Bau der Alpen sein übrig gebliebenes Steinmaterial ins Chüetal gestreut und sich bei den Quellen verzählt zu haben. Überall fliesst Wasser, das sich in Sümpfen verliert. Wer ins Chüetal will, muss 1400 Meter Höhe überwinden, das treibt die Schweisstropfen aus den Poren und jagt die Endorphine in den Kopf, so dass man glücklich die Alp erreicht. Oberhalb der Alphütte hat Vater Werner einen improvisierten Melkstand installiert. Wenige Pfosten reichen, um die Kühe anzubinden, ein kleiner Unterstand schützt die Melkmaschine. Die Anlage erinnert in ihrer Einfachheit an eine Wasserstelle im tibetischen Hochland. Die Milch wird in Kannen auf dem Rücken zur Hütte gebracht. Hier kommt der Älpler zur Kuh, anderswo müssen die Kühe lange Wege zum Stall auf sich nehmen.

Während des Melkens liegt Corina noch zwischen den Laken. Sie würde gerne melken, aber im Moment macht das ein Gehilfe. Also die Nase nochmals ins Kissen stecken. Ein paar weitere Züge nehmen von der abgestandenen Luft der engen Stube, wo sechs Betten die Älpler beherbergen. Beim Frühstück dann wird nicht viel geredet. Die Zunge klebt am morgentrockenen Gaumen. Das Zischen des heissen Wassers aus der Thermoskanne in die Tasse mit dem Häufchen löslichen Kaffees dominiert die Geräuschkulisse. Corinas Eltern Werner und Priska sind keine Leute der vielen Worte. Sie kennen ihre Arbeiten, und die erledigen sich nicht mit Geschwätzigkeiten. Werner ist ein ruhiger und stiller Schaffer, keiner, dem es den Deckel lupft, nur weil es im Kopf drin kocht.

Corina muss heute nach den Rindern schauen. Sie packt Feldstecher, Wundspray und Salz in den Rucksack, das Handy kommt in den Hosenbund. Ohne Handy geht Corina nirgendwo hin. Priska übernimmt sämtliche Arbeiten in der Sennerei, in der Küche und im Käsekeller, die Werner, die Hirtin Lisi oder die wechselnden Gehilfen nicht erledigen. Manchmal macht sie sich Sorgen über Corinas schlechte Schulnoten oder schaut, dass es Sohn Martin nicht langweilig wird. Corina hat heute die Aufgabe, nach den Rindern zu schauen, ob alle da sind, ob alle gesund sind, ob der Zaun noch durchgängig schlägt. Sie packt Feldstecher, Wundspray und Salz in den Rucksack, das Handy kommt in den Hosenbund. Ohne Handy geht Corina nirgendwohin. Heute ist sie missmutig, ärgert sich über den ständigen Wechsel bei den Alpgehilfen. Drei sind es jetzt schon in diesem Sommer. Etwas Hilfe bei der Arbeit kann nicht schaden, sagt sich Werner gutmütig und lässt per Internet kommen, was auf die Alp will. Da braucht einer einen Therapieplatz,


Auf die Klauen schauen: Der Gesundheitscheck ist auch dann Pflicht, wenn die Rinder in den Stacheln stehen.

F端r heute ist genug: Nach dem Abendmelken suchen sich die K端he ein bequemes Nachtlager. SWISSLIFE Sommer 2012


Eine Älplerin ist ständig unterwegs: Corina bringt den Tieren auf den obersten Weiden Mineralsalz.


A Swiss Life // 47

um seine kaputte Beziehung und den verlorenen Job zu verarbeiten, die andere versucht am Tisch Gebete zu verbreiten, und der Dritte will gar nicht, aber sein Vater hat ihn geschickt. Perfekte Voraussetzungen, um bei Tisch den eigenen Gedanken nachzuhängen, aber etwas lustiger und leichter hätte es Corina schon gerne. Ihre Arbeit macht Corina gewissenhaft. Beim Rumtoben mit dem jüngeren Bruder Martin noch ein Mädchen, ist sie bei den Rindern eine Frau. Sie schaut ihnen genau auf die Klauen, schaut, ob sie den Niggel haben, eine Art Umlauf mit Schwellung und Eiterauswurf.

Eine Lehrstelle? Sicher kein zehntes Schuljahr und nicht bei den Eltern hocken bleiben. Einen Bauern heiraten? Eher nicht. Aber Scheisse, was soll man da als 15-Jährige schon antworten? Weil Corina jetzt allein ist und die Tiere nicht festhalten kann, sprayt sie Desinfektionsmittel auf die Wunden. Zusammen mit Lisi wird sie später den Erkrankten homöo­ pathische Kügelchen verabreichen. Wenn es nicht bessert, bekommen die Tiere Antibiotika. Mit Lisi ist Corina nicht immer einer Meinung. Wenn sie sich aneinander reiben, lässt Corina Lisi einfach stehen. Sie streitet nicht gerne. Lisi weiss eben manches anders und vieles besser. Wenn Corina doch Recht behält, freut sie sich im Stillen. Corina kann sich auch wehren, mit Witzen, die stechen. Im Winter sagt sie zu Lisi, man könne den Käse nicht verkaufen, weil er missraten sei, und die Lisi müsse für den Schaden aufkommen. Auch wenn Lisi das kaum glaubt, rutscht ihr doch für einen Moment das Herz in die Hose und Corina freut sich über ihren gelungenen Scherz. Aber erstmal die 70 Rinder zählen. Ab Mitte Ferien kann Corina das auswendig, kommt ohne den Rodel, eine Auflistung der Tiere, zurecht. Die Rinder weiden meist in Grup-

SWISSLIFE Sommer 2012

pen, wie sie es vom heimischen Hof gewohnt sind. Manche gleichen charakterlich ihren Besitzern. Es gibt welche, die bekommen nie genug, weiden immer bei den besten Gräsern, andere bleiben den ganzen Sommer durch scheu, wieder andere liegen am liebsten gemütlich in der Sonne. Mit den Rindern wie den Bauern versteht Corina sich gut. Spricht dieselbe Sprache und kann Sprüche landen. Ein Bauer, der bei Regenwetter auf Besuch war, meinte zu ihr, Regen schade nicht, der mache schön. Worauf Corina konterte, warum er denn am Schermen stehe. Ein Bauer bleibt auf seiner Scholle, ein Älpler ist ständig unterwegs. Wechselt vom Tal zum Berg, wechselt vom Untersäss zum Obersäss und wieder zurück, zäunt den Kühen voraus die Weiden, treibt sie von Stafel zu Stafel, von Koppel zu Koppel. Für Corina ist das eine lehrreiche Erfahrung. Man kann irgendwo daheim sein und muss doch immer weiter. Zum Beispiel nach der Schule in die Lehre. Irgendwas mit Tieren wünscht sich Corina, oder Köchin, am liebsten in der Nähe. Doch der schmale Talboden des Glarnerlandes bietet nicht viele Lehrstellen. Sicher kein zehntes Schuljahr und nicht bei den Eltern hocken bleiben. Dann einen Bauern heiraten? Eher nicht. Aber Scheisse, was soll man da als 15-Jährige schon antworten? Die Eltern haben Vertrauen in Corina, haben ihr schon angedeutet, dass sie später den Hof übernehmen könnte. Obwohl, da gibt es noch den fünf Jahre jüngeren Bruder Martin, der die Kühe kennt wie andere Buben Automodelle. Doch Stallarbeit ist ihm nicht das Liebste und die Badi würde er der Alp vorziehen. Einen Lohn erhält Corina auf der Alp nicht, sonst müsste sie im Gegenzug auch Futtergeld für Pia bezahlen. Ab und zu gelangt etwas auf ihr Konto, macht es zwar nicht fett, aber Corina hat ein topmodernes SonyEricsson mit Kamera und MP3-Player. SMS und Chat ist das Kommunikationsmittel zwischen den Freunden, auch wenn die Lehrerin das als verlorene Zeit sieht. Manchmal gibt es Herbst- oder Winterferien oder ein Saisonabo fürs Skifahren. Als Kind einer Bauernfamilie hat man sich in Bescheidenheit zu üben. Es gehört dazu, dass es viele Dinge gibt, die andere haben und man selbst nicht. Corina nimmt das nicht so wichtig. Sie hat Pia, und keine ihrer Freundinnen hat eine Kuh. Giorgio Hösli ist Grafiker, Publizist und Fotograf, am liebsten in den Bergen. Das Porträt von Corina stammt aus dem Buch «Hirtenstock und Käsebrecher: Älplerinnen und Älpler im Portrait» (74 Franken, www.zalpverlag.ch)


Ablegen. Aufleben.


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Küchenfreuden // 51

Leicht, luftig und lukullisch: Dieses betörende Gericht verbindet die Sonne des Südens mit exotischer Würze und zaubert die Magie des Meeres in den Mund. Timbale von Peperoni und Zucchini mit Scampi an Madras Curry 1) Peperoni und Zucchini in Stücke schneiden, separat in gesalzenem Wasser weich kochen. // Abtropfen. // Je 2 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen, die Gelatine separat mit der Peperoni und der Zucchini mit etwas Kochflüssigkeit mixen, durch ein feines Sieb streichen, im Kühlschrank eineinhalb Stunden erkalten lassen. 2) 3 dl Rahm schlagen. // Die Hälfte des Rahms unter die Peperonimasse heben, in vier runde Förmchen geben, im Kühlschrank eine Stunde erkalten lassen, den Rest des geschlagenen Rahms unter die Zucchinimischung heben, auf die Peperonimasse giessen, erneut in den Kühlschrank stellen. 3) Scampi schälen, Darm entfernen, 8 Köpfe rasch auskochen, zur Seite stellen. 4) Gehackte Schalotte anschwitzen, mit Weisswein ablöschen, Currypulver und Bouillon zufügen; reduzieren. Rahm und Butter zufügen. 5) In einer Bratpfanne Olivenöl erhitzen, Kaisergranat leicht salzen. 20 Sekunden auf der einen Seite, 10 Sekunden auf der andern anbraten. // Sauce aufwärmen. 6) Stürzen Sie die Timbale auf einen Teller, setzen Sie einen ScampiKopf zur Dekoration dazu, richten Sie die gebratenen Scampis auf dem Teller an, giessen Sie etwas Sauce an und garnieren Sie nach Belieben mit etwas Sommerkräutern oder Sprossen. Illustration: Sylvia Geel

Julien Retler über die Kunst der Natürlichkeit

Zutaten für 8 Personen: 24 Stück Scampi (Kaisergranat), 1 rote Peperoni, 1 Zucchini, 1 Schalotte, 1dl Weisswein, 1dl Olivenöl, 1dl Gemüsebrühe, 4 dl Rahm, 30 g Butter, 4 Blatt Gelatine, 5 g Madras Currypulver.

SWISSLIFE Sommer 2012

Für mich als Koch ist der Respekt eine ganz wichtige Sache. Nicht nur der Respekt gegenüber den Gästen, die sich bei uns wie Könige fühlen sollen. Mein ganzer Respekt gilt auch den Produkten, die wir in der Küche verarbeiten: ihrem ursprünglichen Geschmack, ihrer Farbe, ihrer Saisonalität. Zuerst muss es ein gutes Produkt sein, das heisst, man muss die Produzenten kennen, ihnen vertrauen können und ständig neue Produkte entdecken wollen. Doch entscheidend ist auch, dass ich es fertig bringe, dass der Gast noch weiss, was er isst – oder zu essen bekommt. Es beginnt mit dem ersten Eindruck des angerichteten Tellers, der Gast isst ja auch mit den Augen. Alles muss zueinander passen, alles aufeinander abgestimmt sein: Die verschiedenen Geschmäcker, die Konsistenz, das Ensemble auf dem Teller darf nicht in Einzelteile zerfallen, es muss harmonieren. Das erreicht man nur, wenn man den Produkten ihre Natürlichkeit lässt. Der Gastroführer Gault&Millau feiert ihn als die «Entdeckung des Jahres 2012» in der Romandie: Julien Retler ist Küchenchef der Hostellerie Le Petit Manoir in Morges (VD). Erst 30-jährig, gilt er als eines der ganz grossen Talente der Schweiz. www.lepetitmanoir.ch


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Illustration: Sarah von Blumenthal

Beni Frenkel // 53

Vor genau 25 Jahren war ich zum ersten Mal in einer SAC-Hütte. Ich war damals zehn Jahre alt und besuchte die fünfte Primarklasse in Baden. Unser Lehrer war so ein eingefleischter Bergsteiger. Wollte unbedingt mit uns klettern gehen und wählte die Rotondohütte im Kanton Uri aus. Die Hütte liegt auf über 2500 Meter. Ich weiss gar nicht, ob der Lehrer heute noch lebt, schon damals war er ziemlich alt. Er war ein Deutscher und führte unsere Klasse nach einem strengen Regiment. In Andermatt stiegen wir aus dem Zug. Der Aufstieg dauerte lange, die Mädchen begannen zu weinen und wir Jungen mussten ihre Rucksäcke tragen. Röbi, der Stärkste von uns, musste zwei tragen, den von Sybille und den von Janine. Der Lehrer forderte uns auf zu singen, damit wir den Regen, der jetzt einsetzte, besser ertragen würden. Es schiffte den ganzen Tag. Irgendwann am Abend erreichten wir die blöde Hütte und wärmten unsere steifen Finger an einem alten Ofen auf. Wir waren so erschöpft, dass wir in der ersten Nacht nicht einmal zum Mädchenzimmer schlichen. Am nächsten Morgen verkündete unser Lehrer, dass der Mülibach, unten im Tal, über die Ufer getreten ist und wir uns wahrscheinlich länger als eine Woche hier oben aufhalten müssten. Wieder begannen die Mädchen zu weinen. Dann erklärte er uns, wo sich die Toiletten befinden. Nämlich draussen, auf einem Plumpsklo. Neben dem Klo lag ein Gletscher, ich weiss seinen Namen leider nicht mehr. Doch an den Namen des Berges, der sich hinter der Hütte erhob, kann ich mich noch gut erinnern: Leckihorn oder wie wir Schüler sagten: Leck-mich-Arsch-Horn. Da es immer noch regnete, mussten wir zum Glück nicht nach draussen gehen und den Kletterkurs absolvieren. Unser Lehrer hatte dafür etwas anderes vorbereitet. Er unterrichtete

SWISSLIFE Sommer 2012

uns wie man Briefe schreibt: Datum, Anrede, Vorwort, Hauptteil, Ende, Viele Grüsse, Name. Wir sassen im kleinen Speisesaal und mussten schon am ersten Tag einen Brief schreiben. Unser Lehrer verlangte von uns, dass er jeden Brief zuerst einmal durchliest und genehmigt. Wir durften also nicht schreiben: «Hier ist es schrecklich: Manuel schnarcht, das Plumpsklo stinkt und es regnet mir bis in die Unterhose rein.» Unser Lehrer mochte es lieber so: «Liebes Mami, lieber Papi, Hier ist es wunderschön. Wir geniessen die Aussicht auf das Leckihorn (3068 m ü. M.) und das spannende Programm von unserem Lehrer. Liebe Grüsse, Euer Beni.» Das Unwetter schmiedete uns zusammen. Wir tauschten Socken und Schokolade untereinander aus. Und wir lernten, dass es tatsächlich zwei Wochen lang regnen kann. Unser Lehrer fragte jeden Tag den Hüttenwart, ob man wieder nach Andermatt runtersteigen kann. Doch der schüttelte immer den Kopf und freute sich wahrscheinlich auf die Mehreinnahmen. Nach zwei Wochen blickte endlich die Sonne mal durch. Unser Lehrer peitschte uns zusammen und wir stiegen ab. Den Abstieg empfinde ich noch bis heute als die schönste Wanderung in meinem Leben. Mir war so wohl, dass ich ein Liedchen singen wollte. Doch mein Lehrer strafte mich mit einem bösen Blick. Beni Frenkel ist Primarlehrer und arbeitet als freier Journalist unter anderem für die NZZ am Sonntag. In SWISSLIFE schreibt er über alltägliche Erlebnisse unvergesslicher Art.


Gewinnen Sie einen Alpenrundflug. Die Schweiz ist das Land der Berge – und der Pässe: Sie verbinden Täler, Regionen, Länder, Kulturen und Sprachen. Wie zum Beispiel der höchste ganz in der Schweiz gelegene Pass, der vom Tessin ins Wallis führt. Doch wie heisst dieser Pass? Machen Sie mit bei unserem Wettbewerb. Falls Sie gewinnen, heben Sie zu zweit ab: mit der guten alten Junkers Ju 52 – damit Sie unsere Berge einmal in aller Ruhe von oben geniessen können. Nehmen Sie im Internet (www.swisslife.ch/magazin) an diesem Wettbewerb teil oder beantworten Sie die Frage auf der Antwortkarte (Lasche der hinteren Umschlagseite). Teilnahmeschluss ist der 15. August 2012. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird im nächsten SWISSLIFE bekannt gegeben, der Gewinnerflug ist erst 2013 möglich. Wir gratulieren Herrn Olivier Kramer aus Siviriez zum Gewinn des letzten SWISSLIFE-Wettbewerbs. Die richtige Antwort lautete «Lugano».

Quelle: www.luftbilder-der-schweiz.ch; Institut für Bildungsmedien der PHBern; © Schweizer Luftwaffe, 2002


Wettbewerb // 55


56 // Zugabe

Bassist Marc Lynn von Gotthard über den Song «Starlight»

Ein «Starlight» namens Nic Marc Lynn (ganz rechts) über Nic Maeder (2. v. l.): «Zu ihm können wir stehen.»

Starlight, I don’t even know your name Starlight, you sure you wanna play my game? «Starlight» ist stark mit unserem neuen Sänger Nic Maeder verbunden. Bei der Suche nach einem Ersatz für den tödlich verunglückten Steve Lee tauchte irgendwann Nic auf. Er war uns sehr sympathisch, es lief gut mit ihm. Darum fragten wir ihn, der aus Australien kam, ob er noch etwas länger in der Schweiz bleiben könne, damit wir intensiver zusammenarbeiten können. Dabei entstanden drei Songs, die nun auch auf dem Album sind. Der Erste, «Remember It’s Me», ging als erste Single raus und war auch das Debüt von Nic als neuer Sänger. Der Zweite – und die zweite Single – ist «Starlight». Der Song handelt von all den Castingshows im Fernsehen, wobei der Titel für Gotthard natürlich auch eine tiefere Bedeutung hat: Wir haben ein neues Licht gefunden, das uns nach dem Tod von Steve den Weg in die Zukunft weist. Es gibt Leute, die zwar sehr motiviert sind, denen aber nach zwei, drei Tagen die Luft ausgeht. Ganz anders bei Nic: Einer von uns sagte, «Ist noch ein guter Typ, der Nic», ein anderer «Ja, stimmt, und kreativ ist er auch noch.» Und wieder ein anderer meinte «Hey, jetzt haben wir in einer Woche vier Songs geschrieben – mega». Irgendwann bist du sicher: Das ist er, zu diesem Mann können wir stehen. Mit Nic war das alles sehr intensiv. Wir sassen zusammen und

fragten uns: Was haben wir für Ideen? Welche Idee ist stark genug für einen Song? Und wie setzen wir sie am besten um? Dazu stelle man sich eine weisse Leinwand vor, und einer nach dem andern leistet einen Beitrag. Zuerst einen Baum in Grün, dann die Sonne in Gelb und schliesslich die Wiese auch in Grün, aber ein wenig heller – etwa so ist das, wenn wir einen Song «bauen». Meist steht der Song zuerst musikalisch, die eigentliche Melodie zu finden, ist einiges schwieriger, die Melodie ergibt die Rhythmik von Text und Wörtern. An ihnen wird gefeilt, bis sie sich gut singen lassen. Da Nics Muttersprache Englisch ist, hat er ein besonderes Flair fürs Texten, das geht bei ihm ruck, zuck. So hat er auch «Starlight» geschrieben. Balladen haben wir in der Vergangenheit ja genug gemacht. «Starlight» ist mal wieder ein klassisches Rockstück, ein ziemlich harter Song, der in seiner Original- und Singleversion zu extrem ist für die Radios. Darum haben wir einen zusätzlichen Radiomix gemacht, der mehr akustische Elemente enthält. Das neue Gotthard-Album «Firebirth» ist ohnehin etwas rauer, etwas ungeschliffener, etwas frischer und frecher als die Vorgänger: Mit einem neuen «Starlight» namens Nic – und einem Stern namens Steve, der für immer über Gotthard leuchten wird.»

«Starlight» ist nach «Remember It’s Me» die zweite Singleauskopplung aus dem aktuellen Gotthard-Album «Firebirth» mit dem neuen Sänger Nic Maeder. Gotthard ist nach einer ausgedehnten Tour durch Südamerika diesen Sommer in Europa unterwegs und spielt unter anderem am 7. Juli in Locarno (TI), am 3. August in Avenches (VD) und am 20. September in Schupfart (AG).


www.swisslife.ch/magazin

Bild: Armin Zogbaum /www.renehauser.com


Sommer 2012 // 1750 m. ü. M.