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Der Newsletter für Kapitalanleger. Mit Wissen zu Werten.

Dez 2014

Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014

Gold

Vermögensschutz und Krisenwährung Seite 4

Interview

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach Geschäftsführer Degussa Goldhandel Seite 10

Rohstoffe

Riskante Gleichung mit vielen Unbekannten Seite 16


Inhalt

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2   Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014   

Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG Nobbenburger Straße 4a 49076 Osnabrück · Germany


EDITORIAL

An Glanz verloren? Liebe Leserinnen und Leser, seit seinem historischen Höchststand von über 1.900 US-Dollar im Sommer 2011 hat Gold stark an Glanz verloren. Aktuell notiert das Edelmetall bei 1.224 USDollar und damit ca. 36 % unter seinem Höchststand. Am Tag nach der Schweizer Volksabstimmung zur Goldinitiative sank der Goldpreis erst um 2 % und stieg dann urplötzlich um 4 %. Mit der Änderung der physischen Nachfrage hatte diese Kursentwicklung sicher nichts zu tun. Hier waren spekulative Elemente am Werk. Darin zeigt sich auch die ganze Ambivalenz des gelben Edelmetalls im aktuellen Umfeld. Gold ist nach wie vor DIE klassische Krisenwährung. Wer darauf setzt, der legt sich Gold in physischer Form mit langfristigem Anlagehorizont zu. Dieser Anlegertypus freut sich derzeit über wieder günstigere Einkaufspreise und dank negativen Realzinsen auch über geringe Opportunitätskosten des gelben Edelmetalls. Und die Krisenszenarien, die ihm als Kaufargument dienen, nehmen aktuell eher zu als ab: die UkraineKrise ist weiterhin nicht gelöst, wahnsinni-

ge IS-Horden destabilisieren den eh schon von Bürgerkriegen zerfressenen Nahen Osten, Ebola grassiert in Westafrika, die Studentenproteste in Hongkong fordern den großen Chinesischen Bruder heraus und mit vorgezogenen Wahlen in Griechenland steht die Eurokrise plötzlich wieder im Blickpunkt. Dazu kommt die weltweit ausufernde Staatsverschuldung, die weiterhin ungelöste Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa mit Massenarbeitslosigkeit und Rezessionsängsten und die expansive Geldpolitik der Zentralbanken.

informieren wir Sie in dieser Sonderausgabe der AnlegerPlus News, in der auch der Geschäftsführer von der Degussa Goldhandel zu den künftigen Aussichten des Edelmetalls Stellung bezieht. Übrigens, wer ein absolutes Untergangsszenario spielt, der sollte sich einen größeren Vorrat an Silbermünzen anlegen, die gelten in Krisenzeiten als allgemein anerkanntes Verrechnungsmittel. Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit unserer „Goldausgabe“.

Doch mit Gold lässt sich inzwischen auch trefflich kurzfristig spekulieren. Und die Akteure dieser Anlegerspezies wetten derzeit offenbar trotz der angedeuteten Krisenszenarien auf einen fallenden Goldpreis. Auch hierfür gibt es zahlreiche Argumente. Die expansive Geldpolitik konnte die Auswirkungen der Finanzkrise bisher mildern und befeuert gleichzeitig die Nachfrage nach Aktien. Aktien bringen vergleichsweise hohe Renditen ein und erhöhen die Opportunitätskosten eines Goldinvestments. Die weltweite Konjunkturschwäche führte zu sinkenden Rohstoffpreisen und zu sinkenden Produktionskosten, die goldpreisfördernde Inflationsfurcht wurde zumindest in den europäischen Krisenstaaten vom Deflationsgespenst verdrängt. Und die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA angesichts einer möglichen Rückführung der expansiven Geldpolitik, verbunden mit einer Aufwertung des US-Dollar, treibt die spekulative Nachfrage ebenfalls aus Gold heraus. Gold als Krisenwährung hat aber keinesfalls ausgedient. Wer auf Nummer sicher gehen will, der erwirbt Gold in physischer Form, und wer eine leichte Handelbarkeit und Verwahrung bevorzugt, der findet in ETCs, Index- oder Goldfonds eine Anlagealternative. Über die unterschiedlichen Goldanlageformen, Tipps zu Edelmetallinvestments, interessante Goldinformationen und Rohstoffinvestments im Allgemeinen

Harald Rotter Chefredakteur

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G Vermögensschutz und Krisenwährung


Edelmetalle

EDELMETALLE Kriege allerorten, expansive Geldpolitik und der stark gesunkene Goldpreis macht dennoch keine Luftsprünge wie bei früheren Krisen. Hat Gold als Krisenwährung ausgedient? Mit Sicherheit nicht, Anleger weltweit sehen nur derzeit offenbar kein abzusicherndes Krisenszenario für ihre Vermögenspositionen. Das könnte ein Trugschluss sein, Gold bietet als Sachwert Sicherheit und ist deshalb hierzulande weiter sehr beliebt.

nleger, die zum Goldpreishöchststand im September 2011 bei etwa 1.900 US-Dollar eingestiegen sind, mussten bei einem aktuellen Kurs von 1.224 US-Dollar je Feinunze (rund 983 Euro) seitdem Verluste über 35 % verbuchen (gerechnet in US-Dollar). Wohl dem, der jetzt nicht verkaufen muss, sondern sein Investment als eine ­Beimischung zu einem ausgewogenen, langfristig ausgerichteten Depot sieht. Denn hier zeigt sich die Stärke des Edelmetalls: als Inflations- und Krisenschutz – gerade in Zeiten hoher Staatsverschuldung und politischer Unwägbarkeiten. Politische Krisen gibt es derzeit viele und die Preissteigerungen verharren in Deutschland und Europa auf niedrigem Niveau … noch. Gebrannte Kinder Die Hyperinflationen des 20. Jahrhunderts haben in Deutschland ihre Spuren bis heute­hinterlassen. Dies zeigt die Ende 2010 veröffentlichte Studie der SteinbeisHochschule Berlin zum „Goldbesitz der Privatpersonen in Deutschland“. Die ­Autoren Jens Kleine und Matthias Krautbauer erstellten die erste repräsentative Analyse des Goldbesitzes in Deutschland. Laut der Studie horten hierzulande Bundesbank und Privatanleger mit rund 12.000 Tonnen 8 % der weltweiten Goldmenge, wobei Letztere rund 9.000 Tonnen besitzen – insbesondere in Form von ­Münzen oder Barren (26,2 %) und Schmuck (63 %). Traditionell ist größter Abnehmer der geförderten Goldmenge die Schmuckindustrie.

Bei der Goldanlage präferieren die Deutschen ganz klar den physischen Erwerb. Indirekt, über Goldminenaktien, ETFs oder Zertifikate, wird Gold hierzulande nur zu 11,3 % gehalten. Dagegen besitzt jeder vierte erwachsene Deutscher physisches Gold. 3 % des Gesamtvermögens der Deutschen entfallen auf Goldanlagen. Vor allem – wenig überraschend – vermögende Personen halten größere Goldmengen. Barren und Münzen sind relativ teuer Wer Gold physisch erwirbt, sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass der Kauf von Barren und Münzen bezogen auf den Materialwert unter allen Goldinvestments am teuersten ist, insbesondere bei kleineren Mengen. Der Anleger muss je nach Stückelung mit einem Aufgeld zwischen 1 und 8 % kalkulieren. Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs bei einem Gramm Gold liegt mitunter bei 40 %, bei einer Unze hingegen nur noch bei rund 2,5 % und bei einem Kilogramm schweren Barren bei ca. 1 %. Wer seinen „Goldschatz“ nicht unter dem Kopfkissen horten will – und das ist angeraten –, auf den kommen noch Kosten für Lagerung in einem Tresor oder Bankschließfach (ab zirka 60 Euro im Jahr erhältlich), Transport und Versicherung hinzu. Laufende Einnahmen in Form von Zinsen oder Dividenden gibt es keine, nur die Hoffnung auf einen Wertzuwachs. „Silber ist keine vernünftige Alternative­zu Gold“, erklärt Thorsten Proettel, Edelmetallanalyst bei der Landesbank 

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Edelmetalle

­aden-Württemberg (LBBW). Dazu ist B der Erwerb auch noch umsatzsteuerpflichtig. Sogenanntes Anlagegold dagegen, dazu gehören handelsübliche Goldbarren und Goldmünzen, die nach 1800 geprägt wurden, gesetzliche Zahlungsmittel sind ­ oder waren und deren Marktpreis sich vor allem nach dem Goldpreis richtet, können mehrwertsteuerfrei erworben werden. Zuletzt gab das Bundesfinanzministerium (BMF) per Schreiben vom 26.5.2014 ein aktualisiertes Verzeichnis von mehrwertsteuerfreien EU-Goldmünzen bekannt (Az.: IV ­ D1-S7068/07 / 10001-05). Erstmals aufgelistet hat das BMF hier die Goldmark­stücke aus der deutschen Kaiser­ zeit zwischen 1871 und 1915, die somit nun ebenfalls umsatzsteuerfrei gekauft werden können. Wird Anlagegold nach mehr als einem Jahr Haltefrist gewinnbringend ­verkauft, so ist der Spekulationsgewinn steuerfrei.

Edelmetallanleger nicht in erster Linie. Für ihn steht der Vermögensschutz in Krisenzeiten (beispielsweise vor Inflation oder Währungsreformen) im Vordergrund und er muss beim physischen Erwerb vor allem im Blick haben, keinem Betrüger aufzusitzen. Denn sonst bleibt er im Fall des Falles auf seinem wertlosen „Goldschatz“ sitzen. Physisches Edelmetall erwirbt man am besten bei einem zuverlässigen Fachhändler. Kaufen sollte man nur weltweit anerkannte Anlagemünzen und Goldbarren bekannter und von der London Bullion Market ­ Association zertifizierter Anbieter. Ein Preisvergleich sollte dabei immer voran­gestellt werden. Empfohlen wird von den Experten außerdem, nur Goldmünzen und -Barren mit dem höchsten Fein­ gewicht von 999/1000 zu erwerben. Innerhalb der EU kann man bis zu 15.000 Euro Gold grenzüberschreitend in bar und ohne Ausweiskontrolle kaufen.

„Bei der Goldanlage präferieren die Deutschen den physischen Erwerb.“

Spekulativer Anlageansatz Wer bei der Anlage eher die Wertsteigerung und damit das spekulative Element im Blick hat, für den bietet sich die indirekte Anlage in Gold an. Hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Sehr spekulativ und volatil ist ein Investment in Goldminenaktien, auf die wir im Rahmen dieses Beitrags aber nicht näher eingehen werden. Etwas ruhiger schläft, wer diversifiziert und mehrere Goldminenaktien über Goldfonds, beispielweise den BGF World Gold Euro (ISIN LU0171305526) oder Indexfonds, wie z. B. den iShares Gold Producers (ISIN IE00B6R52036), abdeckt.

Der Einschätzung des Experten der LBBW in Sachen Silber folgt die Redaktion von AnlegerPlus nicht uneingeschränkt. Über eine Beimischung von Silber zur gehaltenen Edelmetallposition sollte man durchaus nachdenken. Aufgrund der industriellen Nutzung holt man sich mit Silber neben der Werterhaltungskomponente noch die (spekulativere) Wertsteigerungskomponente ins Depot. Gerade jüngere Anleger, die noch nicht über große finanzielle Möglichkeiten verfügen, starten ihr Edelmetalldepot häufig mit einer Silber­ position. Negativ wiegt natürlich die steuer­lich bedingt hohe Differenz zwischen An- und Verkaufspreis. Im Kauf liegt der ­Vermögensschutz Doch um Spekulationsgewinne geht es dem langfristig und sicherheitsorientierten

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Edelmetallexperte Proettel empfiehlt physisch besicherte Wertpapiere, die einen Anspruch auf Goldlieferung verbriefen. ­ Vor nicht besicherten Wertpapieren warnt Proettel. Für Anleger interessant sind in diesem Zusammenhang sogenannte Exchange Traded Commodities, ETCs. ­ ­Wobei man immer bedenken muss, dass ETCs Inhaberschuldverschreibungen sind und das bedeutet, dass die hinterlegten Edelmetallbestände nicht wie bei Fonds als Sondervermögen gelten, sodass trotz

Anlageformen

In welcher Form in Gold oder Silber investiert werden soll, hängt von den Anforderungen ab.

ff Um für alle Krisen gewappnet zu sein, bietet sich physisches Gold oder Silber in Form von Barren oder Münzen an. Das ist zwar handfest, allerdings ist hier der Aufwand für Lagerung und S ­ icherung am größten.

ff Wem eine leichte Handelbarkeit wichtig ist, der greift am besten zu Exchange ­ Traded Commodities (ETCs), Schuldverschreibungen, die im Idealfall mit dem jeweiligen Edelmetall hinterlegt sind. Diese sind leicht über die Börse zu erwerben und auch wieder einfach zu veräußern. Der Markt für ETCs wird ­immer größer, Anleger können somit zwischen mehreren Produkten wählen.

ff Nicht nur Silber, sondern inzwischen auch Gold, beide Edelmetalle sind mehr oder weniger starken Kursschwankungen unterworfen und eignen sich daher für sehr risikofreudige ­Anleger auch für kurzfristige Spekula­tionen. Das kommt auch in der Zusammensetzung der Preise zum Ausdruck. Experten schätzen, dass der Goldpreis nur zu einem geringen Teil von der physischen Nachfrage bestimmt wird und der größte Teil spekulativer Natur ist. Die zuvor beschriebenen ETCs oder Optionsscheine bieten sich hier als Investitionsmöglichkeit an, ebenso Goldoder Goldindexfonds.


Edelmetalle

­bsicherung ein Emittentenrisiko im A Insol­venzfall besteht. Ein Blick in die jeweiligen Wert­ papierprospekte sollte für interessierte Anleger obligatorisch sein. Neu auf den Markt gekommen sind im ­ April 2014 die Edelmetall-ETCs der Ophirum ETP GmbH, die – je nach Produkt – zu 100 % mit Gold (ISIN DE000A11QDW6), Silber (ISIN DE000A11QDX4), Platin (ISIN DE000A11QDY2) oder Palladium (ISIN DE000A11QDZ9) besichert sind. Die Einlagerung und Verwahrung der physisch hinterlegten Edelmetalle erfolgt laut Emittent in einem Hochsicherheitslager nach höchstem Sicherheitsstandard bei der Firma Brink’s Global Services Deutschland GmbH. Anleger können diese ­Papie­re­­­­­­ täglich an verschiedenen Börsen und außer­ börslich bei fast allen Onlinebrokern

­ andeln. Für eine schlanke Kostenstrukh tur soll die Zusammenarbeit zwischen der Baader Bank und dem Edelmetallhändler Ophirum Commodity GmbH sorgen. So müssen Anleger keine Managementfees, Ausgabeaufschläge, Verwahrungsoder Versicherungskosten zahlen. Der Gold-ETC verbrieft außerdem das Recht auf physische Auslieferung, für die laut Ophirum­keinerlei Auslieferungskosten bei der Erstauslieferung innerhalb Deutschlands anfallen. Schon länger am Markt ist EUWAX Gold (ISIN DE000EWG0LD1), auch eine Inhaberschuldverschreibung, in diesem Fall von der Boerse Stuttgart Securities GmbH, die ebenfalls zu 100 % mit Gold unterlegt ist und einen Anspruch auf physische Lieferung eines Goldbarrens verbrieft. Jede dieser Schuldverschreibungen verbrieft ein Gramm Gold in der Form eines Kleinbar-

rens. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten kann der Investor eine physische Auslieferung ab 100 Inhaberschuldverschreibungen oder einem ganzen Vielfachen davon verlangen. Die Auslieferung ist kostenlos. Und am längsten am Markt ist der ETC Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0), der Ende Dezember 2007 von der Deutsche Börse Commodities GmbH auf den Markt gebracht wurde und auf Xetra in Euro gehandelt wird. Xetra-Gold ist laut Emittentenangaben jederzeit zu 100 % durch Gold gedeckt. 95 % des Goldes werden in physischer Form in den Tresoren der Clearstream eingelagert, über die restlichen 5 % bestehen Lieferansprüche. Wie bei den anderen Produkten besteht auch hier ein Auslieferungsanspruch, allerdings ist die Auslieferung nicht kostenlos. Fortsetzung auf Seite 14  Anzeige

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Edelmetalle

Staatliche­ Gold­reserven

Gold- und Silberkurs im Vergleich

2013 kritisierte der Bundesrechnungshof, dass die deutschen Goldbestände­ im Ausland nur mangelhaft geprüft würden. Daraufhin entbrannte in der öffentlichen Diskussion die Frage, warum die deutschen Goldbestände ­ überhaupt im Ausland lagern, immerhin 1.500 Tonnen (t) davon in New York. Die Bundesbank entschied in der Folge, dass bis zum Jahr 2020 300 t aus New York und 374 Tonnen aus ­ Paris abgezogen ­ werden sollen. Doch der Rückholprozess stockt, 2013 ­wurden nur 37 t Gold nach Frankfurt zurückgeholt.

420 % 386 % 352 % 318 % 284 % 250 % 216 % 182 % 148 % 114 % 80 %

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Anmerkungen: 1.1.2009 = 100 %, Basis sind die Kurse in US-Dollar Quelle: finanzen.net | Stand: 08.12.2014

Der Goldwert des FIFA-WM-Pokals Länder mit den größten Goldreserven USA

8.134 Deutschland

3.384 Italien

2.452 Frankreich

2.435 Russland

1.105

Ob die frischgebackenen Weltmeister aus Deutschland wussten, welchen Wert Sie am 13. Juli 2014 in Händen hielten? 114.654 Euro! Diesen reinen Materialwert ermittelte die Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (BWF). Entworfen wurde der Pokal vom italienischen Künstler Silvio Gazzangia und im Jahr 1974 wurde er erstmals dem Fußballweltmeister, der damals wie heute Deutschland hieß, übergeben. Seit 1974 steigerte sich der Materialwert nach Berechnungen der BWF um fast 400 %. Der 36,8 cm hohe Pokal hat ein Gewicht von insgesamt 6,2 kg. Darin verarbeitet ist ein ca. 1,3 Kilo schwerer Halbedelstein Malachit. Bei den verbleibenden 4,9 kg handelt es sich um eine Legierung aus Gold und einem anderen Metall. Der Pokal besteht aus 18-Karat-Gold, auch 750er Gold genannt. Dieses wiederum hat eine Feinheit von 750/1000. Umgerechnet auf die o.g. 4,9 kg bedeutet dies, dass der WM-Pokal aus einer Reingoldmenge von 3,675 kg besteht. Nachdem der Pokal bei den jüngsten Feierlichkeiten Schaden genommen haben soll, liegt die Reingoldmenge heute vielleicht ein wenig drunter. Übrigens, für die WM-Siegprämie von 300.000 Euro hätte sich jeder deutsche Spieler 9,4 kg Reingold leisten können.

China

1.054 Schweiz

1.040

DE

AG

IT

AG

DE

BR

FR

BR

IT

SP

DE

114.654 € 105.778 €

Japan

765 58.551 €

51.172 € +123,5 %

Niederlande

613

22.893 € -5,5 %

+55,2 %

45.924 € -10,3 %

36.806 € 35.900 € +2,5 % -21,8 %

Indien

+8,4 %

+80,7 %

24.224 €

37.736 € +21,5 %

31.047 € -15,7 %

558

Goldreserven in Tonnen Stand: September 2014 | Quelle: statista.de

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1974

1978 1982 1986 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 Quelle: Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (www.bwf-gold.de)


Edelmetalle

Was Sie noch nicht über Gold wussten ff Mit 8.200 Tonnen halten die Deutschen im Herbst 2014 mehr Gold in ihrem Privatbesitz als die USA Goldreserven besitzt. ff Gold ist unter allen bekannten Metallen das am besten form- und dehnbare. Aus einem Gramm Gold kann ein Draht hergestellt werden, der mehr als 3 Kilometer lang und dünner als ein menschliches Haar ist. ff Der bisher größte Goldnugget, der jemals ausgegraben wurde, war der „Welcome Stranger“ mit 10 x 25 Zentimetern. ff Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Goldmedaillen bei Olympischen Spielen noch aus massivem Gold. Aufgrund der gestiegenen Goldpreise sind sie nur noch vergoldet. ff Seit Jahrtausenden wird Gold eine heilende Wirkung nachgesagt. Mit Goldspritzen oder –tabletten wird auch heute noch Rheuma behandelt. Allerdings kann eine Goldtherapie zahlreiche Nebenwirkungen hervorrufen. ff Innerhalb von einer Stunde wird weltweit eine größere Menge an Industriestahl produziert als bis heute insgesamt an Gold gefördert worden ist. Quelle: BWF-Stiftung

Wo wird Silber gebraucht?

Früher war die wichtigste Verwendung von Silber die Herstellung von Silbermünzen als Zahlungsmittel. Heutzu­ tage ist Silber, im Gegensatz zu Gold, vor allem ein wichtiger Werkstoff für die Industrie.

54%

Ein goldener Würfel

Industrie In unserer Erdkruste stecken geschätzte 30 Mrd. Tonnen (t) Gold. Allerdings teilweise in einer so geringen Konzentration, dass sich der Abbau nicht lohnt. Im Jahr 2013 wurden nach ­Angaben des World Gold Council weltweit 3.000 t Gold gefördert, insgesamt liegt die Summe der bisher auf der Erde ­geförderten Goldmenge bei 177.200 t. Ende 2013 entsprach das einem Wert von 6,85 Billionen US-Dollar. Würde man diese Goldmenge zu einem riesigen Würfel zusammenschmelzen, hätte­dieser eine Kantenlänge von 20,9 Metern.­ Der größte Anteil des geförderten Goldes ist zu Schmuck ­ver­arbeitet.

23% Münzen und Barren

Andere 25.200 t 14,2 %

20,9 m

18% Schmuck 20,9 m

5% Silberwaren

Quelle: Thomson Reuters CFMS, US Geological Survey, World Gold Council

Quelle: World Silver Survey 2014

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Edelmetalle

„Wer Gold als Vermögensversicherung ansieht, der sollte es lieber physisch kaufen.“ Wolfgang Wrzesniok-Roßbach Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH

Interview

Goldpreis wieder deutlich gefallen ist. Meiner Meinung nach war die eine wie die andere Entwicklung übertrieben. Welche spekulativen Faktoren beeinflussen den Goldpreis an der Börse?

AnlegerPlus News: Herr Wrzesniok-Roßbach, trotz zahlreicher geopolitischer Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheiten entwickelt sich der Goldpreis verhalten. Verliert Gold etwa seinen Status als Krisenwährung? Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Ganz sicher nicht. Dies zeigt schon die massive Nachfrage, die wir zurzeit von Seiten unserer Kunden verspüren. So hatten wir im vergangenen Monat den höchsten Goldabsatz seit unserem Start im Jahr 2011. Die Menschen spüren, dass die Finanz- und Schuldenkrise im Moment zwar aus den Schlagzeilen verschwunden ist, dass all die Gefahren für staatliche und private Vermögen aber immer noch latent vorhanden sind. Wie andere Märkte auch, ist Gold aber trotz seiner Rolle als Krisenmetall nicht frei von spekulativen Einflüssen. Diese haben den Preis bis 2011 über Gebühr nach oben schießen lassen und dann gerade im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass der

Spekulanten versuchen oft, aus den Entwicklungen auf anderen Märkten auf die nächste Bewegung des Goldpreises zu schließen: Steigt oder fällt der Dollar; was macht der Ölpreis (und mit ihm die Inflation); wie läuft es auf den Aktienmärkten? Aber auch fundamentale und politische Entwicklungen sind wichtig: Was macht die weltweite Schmucknachfrage; kaufen oder verkaufen die Zentralbanken; wie sieht die Lage bei den Minengesellschaften bzw. in den Produktionsländern aus; wie entwickelt sich der Markt für Altgold? All das beeinflusst den Goldpreis jeden Tag aufs Neue. Was ist Ihre Einschätzung zur mittelfristigen Entwicklung des Goldpreises? Wir haben seit dem Erreichen des Höchstkurses von über 1.900 US-Dollar/ Unze nach der Finanzkrise eine beinahe zweijährige Normalisierung beim Goldpreis gesehen. Meines Erachtens bleibt für weitergehen-

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de Kursverluste jetzt kein großer Raum mehr: die Finanzkrise ist nicht vorbei; die Schuldenpolitik vieler Länder wird mit einer immer größeren Geldflut seitens der Zentralbanken bekämpft. Die Schmucknachfrage nimmt auf dem niedrigeren Niveau zu, die Verkäufe von Altgold ab. Gleichzeitig scheint die zuletzt gewachsene Neuproduktion nicht weiter zu steigen; alte Minen sind mehr und mehr ausgebeutet; neue Projekte werden wegen des nun niedrigeren Goldpreises verschoben. Und die Produktionskosten der existierenden Minen liegt oft genug nahe oder in einigen Fällen sogar über dem aktuellen Preisniveau. Auch das kann nicht ohne Folgen auf die langfristige Entwicklung der Ausbringung bleiben. Für mich geht es in diesem Umfeld für den Goldpreis eher wieder nach oben als nach unten. 10 % Minus mögen bei einer neuerlichen Schwächephase zwar noch immer möglich sein, das wären dann aber endgültig Kaufkurse. Nach oben wären selbst in einem ruhigen Markt 30 % Kurssteigerung keine Überraschung. Nicht zu reden von einer möglichen neuen Verschärfung der Schuldenkrise. In einem solchen Fall wäre sicher noch weit mehr Luft nach oben. ETCs, Barren, Münzen – es gibt viele verschiedene Arten der Goldanlage. In welcher Form sollten Privatanleger in Gold investieren?


Edelmetalle

Seit 2011 leitet Wolfgang Wrzesniok-Roßbach als Geschäftsführer den Auf- und Ausbau der Degussa Goldhandel GmbH. Zuvor war er sechs Jahre verantwortlich für die Salesund Marketing-Aktivitäten der Heraeus Metallhandelgesellschaft mbH mit den Schwerpunkten Beratung von Firmenkunden und Banken bei der Preissicherung und Beschaffung von Edelmetallen. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach kam von der Dresdner Bank und später der Investmentbanktochter Dresdner Kleinwort Wasserstein, bei der er den Edelmetall- und Rohstoffhandel geleitet hat. Dort betreute er weltweit industrielle Kunden, Produzenten, Zentralbanken sowie institutionelle Investoren beim Risikomanagement im Bereich Edelmetalle. Einen Teil der über zwanzig Jahre bei der Frankfurter Bank arbeitete Wolfgang Wrzesniok-Roßbach in deren Handelsbüros in Singapur und Sydney.

Die Wahl des richtigen Investments hängt stark von den Motiven der Anleger ab. Wer kurzfristig spekulieren möchte und keinen Wert darauf legt, dass er das Gold im Ernstfall auch physisch in den Händen halten kann, für den könnte ein ETC die richtige Wahl sein. Wer dagegen Gold als Vermögensversicherung ansieht, der sollte es lieber physisch kaufen. Ob in Barren- oder Münzform, ist dabei eine Frage der persönlichen Vorliebe. Im Geschäft mit unseren Kunden haben Barren beim Gold einen Anteil von knapp 70 %. Andererseits befriedigen Münzen mit ihren teils jährlich wechselnden Motiven auch ein bisschen die Sammelleidenschaft. Beim Silber ist das Verhältnis übrigens umgekehrt, hier sind die Münzen deutlich beliebter als Barren. Physischer Edelmetallbesitz bietet übrigens auch steuerliche Vorteile gegenüber einem ETC-Investment: bei einer Haltedauer von über einem Jahr sind Kursgewinne bei Barren und Münzen steuerfrei.

Immer wieder weisen wir darauf hin, dass sich Gold nicht als Alleinanlage eignet, sondern ausschließlich als Beimischung. Wie groß sollte Ihrer Meinung nach der Goldanteil im Depot sein? Gold und teils auch die anderen Edelmetalle sollten immer nur einen überschaubaren Anteil in einem Vermögen ausmachen. Wir bezeichnen Gold ja nicht umsonst als Vermögensversicherung. Ich denke, dass in ruhigeren Zeiten 10 % Goldanteil im Portfolio ausreichen, in echten Krisenzeiten kann man das auch schon mal auf 15 bis maximal 20 % aufstocken. Wichtig für Neueinsteiger ist, nicht den gesamten Anteil auf einmal zu kaufen, sondern erst einmal einen Teil der Position. Sollte der Goldpreis später noch einmal fallen, ergibt sich die Möglichkeit, günstiger nachzukaufen und so einen vorteilhafteren durchschnittlichen Einstandskurs zu erzielen.

Worauf sollten Anleger beim Edelmetallkauf achten? Zunächst sollte man beim Material darauf achten, dass der Stempel auf dem Barren einen anerkannten Namen trägt. Barren von exotischen Herstellern aus dem Ausland werden beim Kauf manchmal günstiger angeboten, allerdings werden sie beim Rückkauf nur noch zum Schmelzwert angenommen. An dieser Stelle verliert ein Anleger deutlich mehr, als er am Anfang vielleicht gespart hat. Dass ein Goldbarren die höchste Feinheit von 99,99 % Goldanteil haben sollte, versteht sich von selbst. Nur bei Silber und den Platinmetallen darf die Feinheit Richtung 99 % gehen, das hat technische Gründe bei der Herstellung. Allerdings sollte auch hier der Hersteller weltweit anerkannt sein. Ein wichtiger Punkt ist auch die Wahl des richtigen Händlers. Unabhängige Edelmetallhändler wie die Degussa sind in der Regel günstiger als Banken. Auch haben sie, wenn sie ein Ladengeschäft haben, die

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Edelmetalle

Metalle gleich zum Mitnehmen da, Banken verkaufen dagegen meistens nur auf Bestellung und in der Regel ohnehin nur an eigene Kunden.

Gold dagegen nicht. Wenigstens haben die Silbermünzen einen ermäßigten Steuersatz, der „Verlust“ ist hier also etwas geringer als bei Barren.

Bei uns kommen ungefähr drei Viertel aller Kunden in eine unserer Niederlassungen, um Edelmetalle persönlich zu kaufen, das restliche Viertel kauft online. Diese Kunden schätzen es, wenn sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr Gold & Co. kaufen können. Davon holt aber wiederum ein Drittel die Ware später in einer Niederlassung selbst ab, unter anderem, weil sie z. B. bei größeren Bestellsummen nicht zuhause einen Geldtransporter vorfahren haben möchten.

Es gibt aber einen klaren Vorteil: beim Silber kann man schon mit kleineren Summen ein schönes Edelmetallvermögen ansparen: Für den Gegenwert eines Gramms Gold gibt es schon zwei sehr ordentliche Silbermünzen mit einem Gewicht von jeweils einer Unze zu kaufen.

Im Online-Geschäft gilt bei allen Händlern Vorkasse. Hier ist es wichtig, dass man bei einem vertrauenswürdigen und kapitalstarken Händler kauft, der außerdem mit einem eigenen Warenlager arbeitet. In der Regel sollte das Gold unmittelbar nach der Bezahlung geliefert werden. Längere Wartezeiten sind außer in den verhältnismäßig seltenen Zeiten eines echten Kaufrauschs ein Zeichen, dass der Händler nur durchhandelt und selbst keinen Bestand hat. Ist Silber eine sinnvolle Alternative zu Gold? Ganz sicher ist Silber keine Alternative, sondern höchstens eine Ergänzung zum Gold. Der Preis des Silbers unterliegt nämlich deutlich stärkeren prozentualen Schwankungen. Das ist ein Vorteil, wenn der Preis nach oben geht, aber ein offensichtlicher Nachteil im Falle sinkender Kurse. Ein Nachteil ist auch, dass Silber (aber auch Platin, Palladium und Rhodium) beim Kauf mit Mehrwertsteuer belegt ist,

Welche Form der Lagerung sollten Privatanleger wählen, wenn sie in physische Edelmetalle investieren möchten? Zunächst hängt dies stark von dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. Viele Anleger bevorzugen die Lagerung zuhause und damit den direkten Zugriff auf ihre Edelmetalle. Daneben lagern Kunden ihr Gold oft auch in einem Schließfach bei ihrer Bank ein. Hier ist allerdings oft in den Statuten die Lagerung von Bargeld und Edelmetallen eigentlich ausgeschlossen, auch sind die Versicherungssummen je Schließfach häufig sehr gering. Wir bieten in den meisten unserer Niederlassungen ebenfalls Schließfächer an. Sie haben aber eine deutlich höhere Versicherungssumme, außerdem spüren wir bei einem Teil der Kundschaft ein starkes Interesse an einer Schließfacheinlagerung außerhalb des Bankensektors. Hier wirken die langen Bankenschließungen in Zypern auf dem Höhepunkt der dortigen Bankenkrise auch bei deutschen Kunden noch immer nach. Eine weitere Möglichkeit, die von Edelmetallkäufern verstärkt in Anspruch ge-

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nommen wird, ist die zentrale Lagerung in einem Wertlager, wie es zum Beispiel die Degussa anbietet. Im Unterschied zur Lagerung im privaten Haushalt sind die Edelmetalle hier nach neustem Stand der Sicherheitstechnik gelagert und abgesichert und dazu in vollem Umfang versichert. Die Metalle werden dabei nach dem Kauf direkt unter dem Namen des Kunden eingelagert und sind auf Wunsch auch jederzeit auslieferbar. Auch bereits vorhandene und anderswo gekaufte Edelmetalle können bei der Degussa zur Lagerung eingereicht werden. Hier nehmen wir bei der Einlieferung eine Echtheitsprüfung vor und sorgen für den Transport in das Lager. Bei den Weißmetallen besteht zusätzlich die Möglichkeit, neuerworbene Bestände in Deutschland in einem Zollfreilager einzulagern. Die zu entrichtende Mehrwertsteuer fällt erst dann an, wenn sich Kunden ihre Metalle auch tatsächlich physisch ausliefern lassen. Herr Wrzesniok-Roßbach, vielen Dank für das Interview. Das Interview führte Carolyn Friesl


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Edelmetalle

Ähnlich wie die genannten ETCs funktioniert auch das Platino Gold-Zertifikat (ISIN DE000A1KK980), das eine Luxemburger Gesellschaft der LBBW ausgibt. Wichtiges Urteil für Goldanleger Höchstrichterlich vom Bundesfinanzhof noch zu klären ist die Frage, ob die oben erwähnte Auslieferung von Gold an den Anleger infolge einer Einlösung der Inhaberschuldverschreibung steuerpflichtig ist. Nach einem Urteil des Finanzgerichts Münster (Az. 12 K 3284/13 E) ist dies nicht der Fall – e­rst nach einer Veräußerung des ausgelieferten Golds innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist ist Einkommensteuer fällig. Fazit Wann ist nun der beste Zeitpunkt, um in Gold zu investieren? Goldexperten prognostizieren aufgrund der derzeitigen Zinsanhebungen in den USA, dass der Goldpreis weiter fallen könnte.­Ein noch stärkerer Rückgang sei eher unwahrscheinlich, weil Minen kosten­deckend arbeiten müssten. Sie würden dann eher das Angebot verknappen, sodass es nach dieser Bodenbildungsphase wieder Preissteigerungspotenzial im zweiten Halbjahr 2015 gäbe. Die geopolitischen Krisen, der zunehmende Wohlstand in China und Indien sowie die Tatsache, dass etliche ­Zentralbanken Gold kaufen würden, könnten sich zudem als Preistreiber erweisen. Dagegen spricht allerdings der sich aufwertende Dollar. Auch der aktuelle Goldnachfragerückgang um 16 % im letzten Quartal nach dem Rekordhoch im Jahr 2013 mahnt zur Skepsis. Möglicherweise sollten spekulativ orientierte Anleger also noch etwas­ abwarten, bevor sie in ein Gold-ETC oder einen ETF investieren. 2013 flossen nach Zahlen des World Gold Councils 881 Tonnen Gold aus börsengehandelten Fonds ab – insbesondere aus Europa und Amerika. Anleger, die Gold rein aus Überlegungen der Krisenabsicherung und des Vermögensschutzes präferieren, ficht das nicht an. Sie bauen ihre Edelmetallbestände peu à peu unabhängig vom Preisniveau auf. Udo Reuß freier Wirtschafts- und ­Steuerjournalist, www.udoreuss.de

14  Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014   

Physischer Edelmetallerwerb

Beim Kauf von Gold oder Silber gilt: Je größer die Gewichtseinheit, desto kleiner ist das Aufgeld gegenüber dem reinen Edelmetallpreis. Preiswert kauft also, wer große Stückelungen ordert. Gold Aufgeld:

1,56 % 1,91 % 2,25 %

2,46 %

1 oz

50 g

100 g

250 g

Gold Art Gewicht

Verkauf Kauf Goldpreis Aufgeld (netto) in %

Goldbarren 1 kg 31.094,00 31.653,00 31.316,40 1,07 Goldbarren 500 Gramm 15.537,00 15.857,00 15.658,20 1,27 Goldbarren 250 Gramm 7.781,00 7.951,00 7.829,10 1,56 100 Gramm 3.110,00 3.191,50 3.131,64 1,91 Goldbarren Goldbarren 50 Gramm 1.561,00 1.601,00 1.565,82 2,25 Goldbarren 1 Feinunze 971,00 997,90 973,94 2,46 Krügerrand 1 Feinunze 969,00 1.013,40 973,94 4,05 China Panda ½ Feinunze 483,50 526,00 486,97 8,01 Anmerkungen: Stand 08.12.2014 | Angaben in Euro, 1 Unze = 31,1 Gramm, Aufgeld bei Kauf ggü. Goldpreis, Quelle: Degussa Goldhandel, eigene Berechnungen

Silber Art Gewicht

Verkauf Kauf Silberpreis Aufgeld (netto) in %

Silberbarren 15 kg 6.225,00 7.950,39 6.390,68 24,41 Silberbarren 5 kg 2.075,00 2.650,13 2.130,23 24,41 Silberbarren 1 kg 415,00 544,90 426,05 27,90 Silberbarren 500 Gramm 207,50 280,20 213,02 31,54 Silberbarren 100 Gramm 41,50 66,69 42,60 56,55 Silberbarren 1 Feinunze 13,20 25,55 13,25 92,83 Maple Leaf 1 Feinunze 13,21 16,52 13,25 24,68 Kookaburra 1 Feinunze 13,20 17,46 13,25 31,77 Anmerkungen: Stand 08.12.2014 | Angaben in Euro, 1 Unze = 31,1 Gramm, Aufgeld bei Kauf ggü. Silberpreis, Kaufpreis inkl. MwSt. Quelle: Degussa Goldhandel, eigene Berechnungen


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BullionArt Edelmetalle

S i l b e r k u n s t

Goldlagerung

Der Heimtresor Der Tresor in den eigenen vier Wänden ist die beste Alternative, wenn man einen schnellen Zugriff auf seine Edelmetallbestände haben möchte. Je nach Größe und Qualität belaufen sich die Anschaffungskosten auf knapp über 100 Euro bis zu mehreren tausend Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für den Einbau und die Versicherung. Denn die üblichen Versicherungsgrenzen in der Hausratversicherung werden nicht für den „Goldschatz“ ausreichen.

Der Klassiker In einem Bankschließfach ist das erworbene Edelmetall sicher gelagert und zu den üblichen Öffnungszeiten – manchmal auch darüber hinaus –zugänglich. Aber nicht jede Bank hat freie Fächer. Kleinere Schließfächer (3,5 Liter) sind ab etwa 30 Euro pro Jahr zu mieten. Für größere Schließfächer zahlt man deutlich mehr. Für ein 550-LiterFach hat die Stiftung Warentest Kosten bis zu 500 Euro pro Jahr ermittelt. Prüfen müssen Edelmetallbesitzer, ob und in welcher Höhe der Inhalt des Schließ­ faches gegen Raub oder Naturkatastrophen versichert ist. Häufig wird eine zusätzliche Versicherung gegen Aufpreis notwendig sein. Und zu bedenken ist auch, dass im Krisenfall – und genau für den Fall hat man ja Gold oder Silber erworben – der Zugang zum Schließfach verwehrt sein könnte, wenn die Bank geschlossen bleibt. Einen möglichen Zugriff des Gesetzgebers auf die Lagerbestände im Krisenszenario sollte man auch auf der Rechnung haben.

Golddepots und Zollfreilager Alternativen zu den oben erwähnten finden Edelmetallbesitzer bei Edelmetallhändlern wie beispielsweise der Degussa Goldhandel, Ophirum oder pro aurum. Die Degussa bietet ihren Kunden an, kleinere Edelmetallmengen, Dokumente und andere Wertgegenstände in Schließfächern der eigenen Niederlassungen einzu­ lagern. Je nach Größe des Schließfaches und Standort variieren die Kosten p. a. zwischen 267 und 600 Euro (inkl. MwSt.). Die Einlagerungen können nach persön­ lichem Wunsch versichert werden. Auch pro aurum hat Schließfächer im Angebot. Die jährlichen Kosten je nach Größe und Standort betragen zwischen 286 Euro und 714 Euro (inkl. MwSt. und Versicherung über 30.000 Euro). Die günstigste Variante dürften jedoch die Wertlager oder Depotlösungen der Händler sein. Die Edelmetalle sind dort laut Angaben der Händler im vollen Umfang abge­ sichert, Mindestmengen sind häufig nicht erforderlich und bei Käufen über die ShopLösungen der Händler kann die Einlagerung direkt vorgenommen werden. Über die genaue Ausgestaltung der Depotlösungen müssen sich Interessenten jedoch direkt an die Händler wenden. Die Kostenmodelle p. a. sind sehr unterschiedlich. Bei Degussa bezahlt man beispielsweise nach Gewicht des eingelagerten Edelmetalls (je angefangenen Kilogramm ­Silber 7,90, je angefangenen 100 Gramm Gold 11,90 Euro. Bei Ophirum orientieren sich die Kosten am eingelagerten Warenwert und betragen derzeit 0,5 % (mindesten 8,90 Euro). Auch pro aurum erhebt die Gebühren nach Depotwert. Unterteilt in verschiedene Größenklassen und eingelagertes Edelmetall ergeben sich Gebühren in Höhe von 0,4 % bis 1,75 %, zzgl. MwSt.Und wer vor allem Weißmetalle lagern möchte, für den bieten sich Zollfreilager an, die einige Händler im In- und/oder Ausland im Angebot haben. Der Vorteil dieser Lagerung ist, „dass die zu entrichtende Mehrwertsteuer erst dann anfällt, wenn sich die Kunden das Metall auch physisch ausliefern lassen“, erklären die Experten von Degussa Goldhandel.

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Edelmetalle

Anlagetipps Edelmetalle

Kauf und Verkauf – Gold

ff Beim Kauf: Der Erwerb von handelsüblichen Goldbarren und -münzen ist von der Mehrwertsteuer befreit.

Risiken

#1

Gold gilt zwar als die Krisenwährung schlechthin, allerdings ist der Goldpreis alles­andere als stabil. Deshalb sollte Gold (das gilt auch für Silber) lediglich eine Depotbeimischung ­ darstellen. ­Maximal 10 % des Vermögens sollte in Edel­metallen angelegt werden.

#2

Der Gold- und Silberpreis wird in US-Dollar berechnet. Daraus ergibt sich neben dem Kursrisiko auch noch ein Währungsrisiko – denn wie viel die Edelmetalle dann hierzulande wert sind, hängt auch vom Wechselkurs ab.

#3 #4

Beim Kauf von physischem Gold oder Silber sollten die Preise und Gebühren verschiedener Anbieter verglichen werden.

Wer physisches Edelmetall erwirbt, sollte das in der größtmöglichen (händelbaren) Stückelung tun, also z. B. ein Barren zu 100 Gramm anstatt 10 Barren zu 10 Gramm. Je größer die Stückelung, desto günstiger ist der Preis.

#5

Exchange Traded Products (ETCs), also Schuldverschreibungen, die den Edelmetallpreis abbilden, sind zwar leicht zu handeln. Allerdings sollte dabei das Emittentenrisiko nicht vergessen werden – wird der Emittent, der das Wertpapier ausgegeben hat, zahlungsunfähig, ist das Geld u. U. weg.

#6

Vorsicht vor Fälschungen! Der Erwerb von Edelmetallen sollte nur über vertrauens­ würdige Händler oder Banken erfolgen.

16  Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014   

ff Beim Verkauf: Auch der Verkauf von Goldmünzen und Goldbarren ist steuerfrei – zumindest dann, wenn der Erwerb mehr als ein Jahr zurückliegt. Bei kürzerer Haltefrist wird Einkommensteuer auf die eventuelle Wertsteigerung fällig. ff Erträge aus Wertpapiertransaktionen mit dem Goldpreis als Basiswert sind dagegen immer steuerpflichtig. 25 % Abgeltungssteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer werden beim Verkauf fällig. Der Erwerb ist dagegen steuerfrei.

Kauf und Verkauf – Silber

ff Beim Kauf: Für Silberbarren sowie seit Ende 2013 auch für Silbermünzen wird die volle Mehrwertsteuer von 19 % fällig. ff Günstiger kauft, wer differenzbesteuerte Münzen erwirbt. ff Beim Verkauf: Wie beim Gold gilt auch hier: Nach einer Haltefrist von ­einem Jahr ist der Verkauf von Barren und Münzen steuerfrei, bei einem ­ früheren Verkauf wird die Wertsteigerung versteuert. Bei Kursgewinnen von ­Zertifikaten, die den Silberpreis abbilden, zieht der Fiskus beim Verkauf 25 % Abgeltungssteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer ein.


Wer Gold hat, hat immer Geld! (Alan Greenspan, ehem. Notenbankchef USA)

Gold erhält den Wert Ihres Vermögens Beispiel: Wohnungsmiete für 50 qm 1990

300 Euro oder 50 g Gold

2014

500 Euro oder 20 g Gold

Entwicklung: Während die Mieten in Euro immer höher wurden, sind sie in Gold sogar gesunken.

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Rohstoffe

Riskante Gleichung mit vielen Unbekannten ROHSTOFFE  Die letzten Jahre waren keine Rohstoffjahre. Ob Gold und Silber nun unterbewertet ist und sich der Einstieg lohnt oder der Weizenpreis angesichts einer bevorstehenden Dürreperiode rasant steigen könnte: In der Tat eröffnet der Handel mit Rohstoffen Investitionsmöglichkeiten, die in vielfacher Hinsicht interessant sind. Zugleich sind Rohstoffgeschäfte aber auch mit Risiken und Unwägbarkeiten behaftet, die jedem Rohstoffinvestor unbedingt klar sein müssen.

Gold und Silber lieb ich sehr, könnt es auch gebrauchen, hätt ich nur ein ganzes Meer, mich hinein zu tauchen.“ Was das volkstümliche Lied aus dem 19. Jahrhundert ausdrückt, gilt nach wie vor – wenn nicht sogar mehr denn je. Obschon beide Edelmetalle von den bisherigen historischen Höchstständen momentan noch weit entfernt sind, dürfte eines absolut feststehen: Wer sehr langfristig in Gold und Silber investiert, kann nur gewinnen. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sich diese Vermögenswerte in zehn, 20 oder gar 30 Jahren zu „Ramschware“ entwickelt haben könnten, wenngleich es zwischendurch immer mal wieder so aussieht, als sollte auf dem Wege der Marktbeeinflussung genau dies erreicht werden. Politik als Dauerrisiko Damit wären wir allerdings schon bei dem Kernproblem, das über Gold und Silber wie auch allen anderen Edelmetallen, seltenen Erden, landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen wie Öl, Erdgas oder Mangan quasi permanent ein Damoklesschwert schweben lässt: Roh­ stoffe bilden vom Grundsatz her nicht nur

Lebensgrundlagen, sondern (leider und inzwischen beinahe vor allem) auch geopolitische Verfügungsmasse. Wie sich das auswirken kann, lässt sich seit Monaten allerorten gut beobachten. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Börse nicht nur auf Gerüchte, sondern auch auf bedeutende politische Entwicklungen umgehend reagiert, und so stieg beispielsweise der Erdgaspreis angesichts der Lage in der Ukraine im vergangenen Frühjahr sprunghaft nach oben. Der Ölpreis zeigte sich damals ­davon weitgehend unbeeindruckt – denn der Rohstoff Öl spielt in Zusammenhang mit der Ukraine und Russland keine so große Rolle, kam dafür aber seit Ende Juni 2014 aufgrund diverser Faktoren gehörig unter Druck. Die Kurse von Gold und Silber verliefen parallel zur Kursentwicklung von Erdgas, und es bedarf keiner schwarzen Magie, die weiteren Kursentwicklungen je nach politischer Lage vorherzusagen. Jüngst setzte der Goldpreis zum Sinkflug an, als sich in den USA eine positive konjunkturelle Entwicklung andeutete. Damit verbunden erwarten die Anleger einen Zinsanstieg in den USA und ein Einschränken der lockeren Geldpolitik der

  18  Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014

Fed. Beides setzte dem Goldkurz stark zu. Die Beispiele offenbaren das Dilemma, in dem Investoren zu jedem Zeitpunkt stecken, wenn sie sich mit dem Thema Rohstoffe beschäftigen: Mehr als bei allen anderen Anlageformen können unvorhersehbare (politische und konjunkturelle) Entwicklungen Erwartungen in nervenaufreibende Ping-Pong-Spiele verwandeln. Wer sich gerade noch an der erfreulichen Entwicklung ­ einer Long-Term-Position (welcher Art auch immer) auf Getreide erfreute, wird etwas sparsam dreinschauen, wenn sich ein sofortiger und dramatischer Wetterumschwung einstellt. Zugegeben, das Beispiel ist konstruiert. Aber eben auch nicht absolut unwahrscheinlich. Moralische Rechtfertigung nicht ausgeschlossen Getreide, Mais, Reis und Sojaöl: Neben der Politik werden Agrarrohstoffe eben auch durch die Unwägbarkeiten der ­Natur beeinflusst, was Entscheidungen zur voraussichtlichen Entwicklung der damit verbundenen Börsenkurse nicht unbedingt erleichtert. Dennoch bilden etwa Warentermingeschäfte mit Orangensaft oder ­Kakao, Kaffee oder Baumwolle traditionell


Rohstoffe

Zeit wurde das allenfalls vereinzelt und ohne weitere Auswirkung infrage gestellt. Die in diesem Sinne seit alters her und damit längst betriebene Globalisierung wird nun aber – dank Internet – von der Globalisierung der Meinungsströme eingeholt. Die Deutsche Bank bekam das jüngst zu spüren. Ob des massiven öffentlichen Drucks durch Verbraucherschützer musste sich das Institut für Profite aus Börsen­ geschäften mit Agrarrohstoffen rechtfertigen. Und auch wenn es nicht mehr die täglichen Schlagzeilen bestimmt, sieht es nicht so aus, als wäre das Thema „Lebensmittelspekulation“ inzwischen zu den ­Akten gelegt. Der Freundeskreis entscheidet mit Das Beispiel der Agrarrohstoffe macht deutlich, welcher Faktor die Wertentwicklung – neben Politik, Wetter, Angebot und Nachfrage – noch bestimmt: die Moral. Noch komplizierter als Wettervorhersage und Börsenprognose zusammengenommen ist die Frage, wie sich wann und an welcher Stelle mit welchen Konsequenzen die Moralvorstellungen ändern. Was heute noch als bewundernswert gilt, kann morgen schon verwerflich sein. Anleger, die vor einem Vierteljahrhundert ob ihrer Erfolge mit Spekulationen auf die Entwicklung des Weizenpreises noch gefeiert wurden, sollten heute erst einmal darüber nachdenken, mit wem sie ihre Freude teilen können. Ansonsten droht der Freundes- und Bekanntenkreis schnell zu schrumpfen, ganz zu schweigen von drohenden „Shitstorms“ und aggressiven Social-Media-Kampagnen mit globalem Nachhall. Das mag man als absurd betrachten – doch es entspricht nun mal der Realität. Andererseits sind „Spekulanten“ ja traditionell nicht unbedingt gesellschaftlich hoch angesehen, und so kann die Aussicht auf Gewinne auch eventuelle moralische Skrupel überwinden – letztlich bleibt das aber eine höchst individuelle Entscheidung.

Geringste Aussicht auf „sichere Gewinne“ Von Politik, Wetter und Moral einmal abgesehen, stellt sich bei Investments in Rohstoffe immer auch die Frage der Anlageart. Wer direkt investieren will – etwa in Aktien­von Goldminen –, sollte drei Aspekte berücksichtigen. Erstens setzen solche Investitionen sehr viel Marktkenntnis voraus. Wer „auf blauen Dunst“ eine erkleckliche Summe in eine südamerikanische Goldmine steckt, nur weil sie von einem der zahlreichen „Insider-­Dienste“ für Anleger gerade empfohlen wird, der braucht sich über Verlustgeschäfte nicht wirklich zu wundern, wenn der Goldpreis gerade in den Keller rauscht und die Mine wegen Unwirtschaftlichkeit über Nacht den Betrieb einstellen muss. Also: Rohstoffi nvestments sind nichts für Amateure, denn selbst erfahrene Anleger fassen diesen Bereich nur mit spitzen Fingern an.

haltung niedrig anzusiedeln und das Feld eher unter dem Gesichtspunkt einer „interessant-exotischen Aktivität“ zu betrachten. In Erwartung sicherer Gewinne auf dem Rohstoffmarkt zu agieren, verbietet sich gewissermaßen von selbst. Die Anlegerweisheit „keine Chance ohne Risiko“ gilt hier ganz besonders. Last but not least gibt es ja noch die Möglichkeit, die Investition nicht etwa nur auf dem Papier abzuwickeln, sondern das gewünschte Objekt selbst in der Hand zu halten. Bei Rohöl oder Orangensaft ist das zugegeben schwierig, aber Gold- oder Silber­barren, einige Unzen Palladium oder Anlagemünzen unterschiedlichster Art erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Und langfristig betrachtet kann im Sinne einer ansehnlichen Ergänzung der Altersvorsorge an dieser Stelle auch nichts schief gehen. Was es an Gold, Silber, Palladium & Co. auf diesem Planeten gibt, wird schließlich von Jahr zu Jahr durch bloßen Verbrauch faktisch immer knapper und kann nicht beliebig vermehrt werden – daran können nicht einmal Politik und ­ Moralvorstellungen etwas ändern.

Zweitens: Während bestimmte Anlageformen – etwa in Verbindung mit Immobi­ lien oder bedeutenden Unternehmen – als vergleichsweise „sicher“ gelten könnten, ist bei Rohstoff-Investments überhaupt nichts sicher. Wer (privat) mit dieser Anlageform liebäugelt, tut gut daran, seine Erwartungs-

Lutz Ruminski

Mit ETFs in Rohstoffe investieren Rohstoff-ETFs bilden entweder den Preis für eine sofortige Rohstofflieferung (in ­aller Regel Gold oder Silber) ab – diese Anlageform kommt dem direkten Kauf des entsprechenden Rohstoffs am nächsten – oder in Form von Terminkontrakten oder Optionen. Indexprodukte der zweiten Kategorie repräsentieren den angenommenen Wert ­eines Rohstoffs in der Zukunft und nicht zum heutigen Preis. Dadurch, dass auslaufende Kontrakte in neue umgeschichtet werden müssen, kann die Rendite dieser Indexprodukte von der Kursentwicklung des zugrundeliegenden Rohstoffes negativ ­abweichen. Weiter sollten Anleger ein Augenmerk darauf richten, ob sie tatsächlich einen ETF (einen Indexfonds) erwerben oder einen ETC (eine Inhaberschuldverschreibung). ­ Beide Anlageklassen beinhalten unterschiedliche Risikomerkmale.

Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014   19  


Impressum

Verlag: Kapital Medien GmbH • Hackenstraße 7b • 80331 München Tel: 089 2020846-20 • Fax: 089 2020846-21 E-Mail: info@kapitalmedien.de • Internet: www.kapitalmedien.de Amtsgericht München - HRB 188639 • Steuernummer 143/153/30727 ISSN 2191-5091 Pflichtblatt an den Börsen: München, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Hannover Geschäftsführer: Daniel Bauer, Harald Rotter

Die Kapital Medien GmbH ist nicht verpflichtet, die Informationen zu aktualisieren. Geschäfte mit Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden, die bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Vermögens und in bestimmten Fällen auch zu einem Verlust über das eingesetzte Vermögen hinaus führen können. Wenn ein Finanzinstrument in einer von der des Investors abweichenden Währung gehandelt wird, kann eine Änderung der Währungskurse den Preis oder den Wert des Wertpapiers oder den daraus resultierenden Ertrag nachteilig beeinflussen, und solch ein Investor geht ein effektives Währungskursrisiko ein. Zusätzlich kann ein Ertrag von einer Investition schwanken und der Preis oder der Wert der Finanzinstrumente, die direkt oder indirekt in unseren Reports beschrieben werden, kann steigen oder fallen. Außerdem ist die historische Entwicklung nicht notwendigerweise ein Hinweis auf die zukünftigen Resultate. Haftungsausschluss: Weder der/die Autor(en) noch die Kapital Medien GmbH haften für einen möglichen Verlust, den ein Anleger mittelbar oder unmittelbar erleidet, weil er seine Anlageentscheidungen auf Veröffentlichungen im Magazin „AnlegerPlus“ gestützt hat.

Herausgeber: Kapital Medien GmbH Redaktion: Chefredakteur: Harald Rotter Stellv. Chefredakteur: Daniel Bauer Autoren dieser Ausgabe: Carolyn Friesl, Udo Reuß, Harald Rotter, Lutz Ruminski Lektorat: Katja Utermöller-Staege Grafik, Layout, Produktion: Domenika Bolls Redaktionsschluss: 11.12.2014

Kontakt: Kapital Medien GmbH (Redaktion AnlegerPlus) • Hackenstraße 7b • 80331 München Fax: 089 2020846-21 • E-Mail: redaktion@anlegerplus.de Anrufe an Mitglieder der Redaktion können nicht weitergeleitet werden. Hierfür bitten wir um Verständnis. Copyright: Alle Rechte vorbehalten. Die Rechte für sämtliche Inhalte liegen bei der Kapital Medien GmbH. Sämtliche Inhalte sind nur für die private Nutzung bestimmt. Eine Vervielfältigung und Verbreitung ist nur mit Zustimmung der Kapital Medien GmbH zulässig. Die Veröffentlichung von Leserbriefen behält sich die Redaktion vor, ebenso, diese in gekürzter Form unter Angabe der vollständigen Adresse zu veröffentlichen. Keine Anlageberatung, wichtige Hinweise: Unsere Beiträge dienen nur zu Informationszwecken und haben keinen Bezug zu den spezifischen Anlagezielen, zur finanziellen Situation oder zu bestimmten Notwendigkeiten jedes einzelnen Empfängers. Unsere Publikationen sollen Informationen zur Verfügung stellen, um Anleger zu unterstützen, ihre eigenen Investitionsentscheidungen zu treffen, jedoch nicht um jedem Investor spezifische Anlageberatung zur Verfügung zu stellen. Folglich können die Finanzinstrumente, die hierin behandelt werden, und etwaige Empfehlungen, die hierin ausgesprochen werden, möglicherweise nicht für alle Investoren geeignet sein: Leser müssen sich ihr eigenes unabhängiges Urteil hinsichtlich der Eignung solcher Investitionen und Empfehlungen angesichts ihrer eigenen Anlageziele, Erfahrung, der Besteuerungssituation und Finanzlage bilden. Die Kapital Medien GmbH hält die verwendeten Informationen und Quellen für zuverlässig. Jedoch kann die Kapital Medien GmbH keine Garantie hinsichtlich der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit solcher Informationen übernehmen. Die verwendeten Informationen unterliegen fortwährenden Veränderungen ohne vorherige Benachrichtigung; sie können unvollständig oder zusammengefasst sein und es können möglicherweise nicht alle wesentlichen Informationen hinsichtlich der Unternehmen enthalten sein.

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2. 3. 4. 5. 6.

wicklung des Emittenten oder von von diesem emittierten Finanzinstrumenten abhängt. Bei der SdK und/oder einem mit der SdK verbundenen Unternehmen bestehen Verbindungen zum Emittenten Vertretung im Aufsichtsrat o.ä.).

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20  Sonderausgabe Edelmetallinvestments 2014   

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