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Schweizer Landtechnik

September 2008

Ladewagen: Technik und Vielfalt


n Inhalt

n Editorial

LT extra Breites Lade- und Erntewagenspektrum....................... 4

Früchte ernten

Feldtechnik Umsatzwachstum führender Landtechnikhersteller..... 10

Aktuell Lohnunternehmen aktiv im Berggebiet...................... 15 Liebegg, Renexpo Augsburg, WTO Traktorstatistik..... 16 Herbst ist Erntezeit: Zeit um Äpfel zu pflücken, Kartoffeln zu graben und Gras zu silieren. Die Ernte war zu allen Zeiten der wichtigste Zeitraum eines landwirtschaftlichen Jahres. Nur wer genügend Getreide, Gemüse und Obst einbringen konnte, überlebte den nächsten Winter. Gerade in unseren Regionen, in denen pro Jahr nur einmal geerntet werden kann, bedeu­ teten Missernten oft Hungersnot, Armut und Tod. Die Ernte wurde deshalb schon bei den Griechen und Römern durch besondere Feierlichkeiten abgeschlossen. Dank Reichtum und Welthandel müssen wir heute bei Miss­ ernten nicht mehr hungern. Dennoch bleibt die Ernte wich­ tig. Nur gute Ernten sichern die Zukunft der Bauernfamilien. Neben Saat und Pflege, fruchtbaren Böden und günstiger Wit­ terung braucht es dafür geeignete Erntemaschinen. Maschinen für die Grünfutterernte zeigt die «Schweizer Landtechnik» ab Seite 4. Ernten bedeutet auch, die Früchte seiner Arbeit zu geniessen. Die Früchte der SVLT-Arbeit werden im Jahresbericht (ab Seite 18) und an der Delegiertenversammlung sichtbar. Dieses Jahr lädt die Sektion Solothurn nach Grenchen. Die Stadt erhielt 2008 den Wakker-Preis für den respektvollen Umgang mit den zahlreichen Bauten der Nachkriegszeit, die sorgsame Weiter­ entwicklung der Stadt und die Aufwertung des öffentlichen Raumes. Die Landwirtschaft des Kantons wird durch den Jura geprägt. Er schafft unterschiedliche Regionen (Details ab Seite 20). Die Gründer des Schweizerischen Traktorenverbandes be­ mühten sich Ende der Zwanzigerjahre intensiv um eine Sektion im Kanton Solothurn (Details ab Seite 22). Ich freue mich auf persönliche Begegnungen in Grenchen und wünsche bis dahin viel Genuss bei der Lektüre dieser reich­ haltigen Ausgabe und gute Ernten.

Agro-Spot Sehende Spritze spart Handarbeit und Herbizid.......... 17 SVLT Jahresbericht: Stabübergabe in Riniken ..................... 18 Solothurn: Jura bringt Vielfalt.................................... 20 Zurückhaltend und zuverlässig................................... 22 Anhänger ist nicht gleich Anhänger........................... 24 Fach- und Ferienreise Brasilien.................................... 25 Kursprogramm........................................................... 27 Leserreise EIMA.......................................................... 31

Sektionen SG/AI/AR/GL, Kurse SZ/UR, Maschinendemo ZG......... 26 Sous la loupe Offene Tradition......................................................... 32 Traktortechnik Gut gefedert.............................................................. 34 Hoftechnik Gussasphalt als Laufflächenbelag............................... 36 An vorderster Front.................................................... 38 Energieforum Gas aus Gülle und Grüngut tanken............................ 41 Biodiesel ist verantwortbar......................................... 42 Maschinenmarkt Claas Axos – für alle Fälle........................................... 44

Edith Moos-Nüssli

Titelbild: Starke Ladewagentechnik sichert wirtschaftliche Raufutter­ ernte. (Bild: Ruedi Hunger)

Joskin, CaseSteyr, Schiltrac......................................... 45 Impressum............................................................... 46 ART-Bericht.............................................................. 47 September 2008  Schweizer Landtechnik

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n Ladewagen

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Abb. 1: Die Prinzipien des Ladeaggregates (am Beispiel der Agrar-Ladewagen). Jumbo: Ladewagen mit Förderelevator oder Rechenförderer, Bison: Schwingenrotor mit gelenkten Förderschwingen (andere Hersteller erreichen die Schwingenbewegung durch eine Kurvenbahnsteuerung). Leon: Silierwagen mit Laderotor und spiralförmig angeordneten Zinkenreihen. (Bilder aus Prospekt Agrar Ladewagen)

Breites Lade- und Erntewagenspektrum Kurzschnittladewagen mit und ohne Dosiergeräte passen bestens in die moderne Raufutterernte und Siliertechnik. Nicht nur beim Eingrasen und bei der Dürrfuttergewinnung erfreuen sie sich deshalb grosser Beliebtheit. Ausgerüstet mit Schneidwerk und Entladedosierung werden sie auch zur bevorzugten Maschine beim Einsilieren von Grünfutter in Flach- und Hochsilos. Hier liefert die Schweizer Landtechnik (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) eine Übersicht über das gegenwärtige Ladewagenangebot.

Ueli Zweifel

Anfangs 1960 wurde auf der DLGAusstellung in Köln zum ersten Mal ein Ladewagen vorgestellt. Er entwi1 Agrar Bison 402, 24 DIN-m3, VierfachFörderschwinge, Gesamtgewicht Grundausrüstung 7 Tonnen ab CHF 43 700.– inkl. Mwst. 2 Silierwagen Bergmann Royal 21 S, 21 DINm3, Förderaggregat: Schneid- und Pressrotor, zulässiges Gesamtgewicht 11 Tonnen. Brutto-Preis ab Fr. 82 500.– 3 Quantum 3800 K, 31,8 DIN-m3 (Klappbarer Dürrfutteraufbau), Laderotor, zulässiges

ckelte sich dann nach einer zögerlichen Startphase und langwierigem Streit um Patentrechte zur wichtigsten Landmaschine in der Ernte von Grünund Dürrfutter. Nachdem die Konstruktion und die Antriebsaggregate

entsprechend verstärkt worden waren, setzte er sich auch für die Grassilage durch. Stichworte waren: Verstärkung des Fahrwerks, stabile Aufbauten und Antriebs aggregate, Erhöhung der Messerzahl der Kurzschnittladewagen

Gesamtgewicht 11 Tonnen, Listenpreis: CHF 89 308.– inkl. MwSt.

6 Pöttinger Primo 400 L, 25,5 DIN-m3, Sechsfach-Förderschwinge, zulässiges Gesamtgewicht 11,5 Tonnen, Listenpreis CHF 48 250.– inkl. MwSt

4 Silierwagen Krone AX 250 GD, 5 DIN-m3, Laderotor, zulässiges Gesamtgewicht 12,9 Tonnen ab CHF 71 500.– inkl. Mwst. 5 Mengele Garant 537, 24,5 DIN-m3, Fünffach-Förderschwinge, zulässiges Gesamtgewicht 8 Tonnen, Listenpreis CHF 55 800.–

7 Silierwagen Strautmann Super-Vitesse II, 28 DINm3, Laderotor, Listenpreis Brutto: Fr. 65 420.– 8 Deutz-Fahr Rotomaster 5520 (resp. Vicon Rotex 552) Neunfach-Laderotor, 35 DIN-m3, zulässiges Gesamtgewicht 22 Tonnen. CHF 119 000.– inkl. MwSt.

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LT extra n und die hydraulische Knickdeichsel. Dosierwalzen und Querförderbänder verbesserten die Arbeitsqualität und erleichterten die Arbeit. Dank der enorm angewachs­enen Ladevolumina hat der moderne Lade- und Erntewagen im Vergleich zum Häcksler in der Grasernte nunmehr die Nase vorn. Sie haben sich zu veritablen Lohnunternehmermaschinen entwickelt, um die Flachsiloanlagen auf gut strukturierten Milchwirtschaftbetrieben rasch und ­sicher zu befüllen.

Ladewagenklassierungen Rainer Frick unterscheidet in seiner Übersicht zu den Lade- und Erntewagen (FAT-Bericht 576/2001) vier Ladewagenkategorien: Eingras-Ladewagen sind gekennzeichnet durch ein bescheidenes Ladevolumen zwischen 9 und 16 DINKubikmetern. Der Laderaum ist in der Regel zwischen der Achse mit tief gelegtem Chassis gebaut. Das Förderorgan besteht aus Zwei- oder Dreifachförderschwingen. Nur auf Agrarladewagen werden zum Teil auch noch Rechenförderer aufgebaut. Dank des

tiefen Schwerpunkts sind diese Lade­ wagentypen für die Bergmechanisierung geeignet, zum Beispiel auch als Triebachsanhänger. In der Regel ist der Ladewagenaufbau zur Vergrösserung des Ladevolumens klappbar. Vielzweckladewagen verfügen über ein grösseres Ladevolumen zwischen 15 und 22 DIN-Kubikmetern mit klappbarem Aufbau. Vier- bis Achtfachförderschwingen sind die üblichen Förderorgane. Nebst den üblichen Grundmessern kommt nun in der Regel ein Silierschneidwerk mit bis max. 25 Messern hinzu. (Diese Zahl hat sich in-

Ladevolumen gemäss DIN 11741 Das Ladevolumen wird korrekt und vergleichbar gemäss DIN 11741 ermittelt Es ergibt sich aus den Abmessungen innerhalb der festen Punkte des Ladewagenaufbaus. Bei Wagen mit Entladedosierung verstehen sich die DIN-m3 für den Raum bis Vorderkante Dosierwalzen und Oberkante oberste Walze. (Aus FATBericht 576).

zwischen auf über 30 Messer erhöht.) Grossraumladewagen sind relativ leicht gebaute Ladewagen mit sehr grossen Ladevolumina zwischen 20 und 40 DIN-m3. Die Hochgänger verfügen zum Teil nur über die Grundmesser (z. B. 8 beim Vicon K 7,50 TA, einem ausgesprochen leicht gebauten Wagen) und eignen sich mit festen und klappbaren Wänden für die Bergung von Dürrfutter. Als Ladeorgane sind Fünf- bis Achtfachförderschwingen montiert. Ernte- und Silierladewagen sind eigentliche Lohnunternehmermaschi­ nen bzw. im überbetrieblichen Einsatz, ausgerichtet auf höchste Ladevolumina und Bergeleistungen. Die Hochgänger haben einen festen Aufbau mit massiver Konstruktion. Als Förderorgan sind durchwegs Laderotoren mit 8 oder 9 Zinkenreihen eingebaut. Die Fahrzeuge weisen im Vergleich zum Grossraumladewagen höhere Leergewichte auf, können aber dank grösserem Doppelachsabstand 20 bzw. 22 Tonnen und mehr Gesamtgewicht aufweisen. Die hy­draulische Knickdeichsel, zum Teil mit Federung, gehört in dieser Kategorie zur Standardausrüstung.

Ladewagenübersicht In unserer produktbezogenen Übersicht in alphabetischer Reihenfolge folgen wir der Ladewageneinteilung nach Frick. Doch haben sich die Grenzen zwischen den Kategorien verwischt und die durchschnittlichen Transportleistungen sind insgesamt stark gestiegen. Bei den Abbildungen (Seite 4) steht – ohne Gewähr – der Listenpreis zum abgebildeten Lade- oder Erntewagen. Beim Preisvergleich ist grosse Vorsicht geboten, weil Konstruktion, Materialwahl und optionale Ausstattung unterschiedlich sein können.

Agrar, Verkauf: GVS-Agrar, Schaffhausen Der einzige ver­blei­ bende Schweizer La­ de­wagenhersteller fabriziert die Modellbaureihen «Montana», «Mammut», «Jumbo», «Bison» und neu «Leon».

Die 4 Montana-Modelle 172, 222, 262 und 302 sind als Tiefgänger sehr niedrig gebaut und bestens geeignet für Hang­ lagen. Die vorderen beiden Ziffern geben, wie bei den anderen Agrar-Modellreihen, das Fassungsvermögen von «leicht gepresstem Dürrfutter» an. Die DIN-m3 Masse liegen zwischen 11,6–20,2. Die Mammut-Ladewagen von denen es 5 Modelle (von 302 bis 482) gibt, sind ebenfalls Tiefgänger. Als Besonderheit unter sämtlichen Ladewagen besitzen sie zusammen mit den Jumbo-Ladewagen als Förderorgan einen Rechenförderer mit durchgehend 5 Schwingen. Diese altbewährte Konstruktion wird für das Eingrasen und die Dürrfutterernte als äusserst futterschonend bezeichnet, verlangt nur einen geringen Kraftbedarf und erlaubt ein sehr lockeres Beladen. Unter die beiden grössten Modelle ist eine Tandemachse gebaut. Die Jumbobaureihe (nunmehr alles Hochgänger) umfasst 7 Modelle (von

302–652). Auch sie sind mit einem Rechenelevator (20–40 DIN-m3 ) ausgerüstet. Es können bis zu 11 Messer eingebaut werden. 452, 502 und 552 haben eine Doppelachse, das Modell 652 eine gefederte Tandemachse. Die Bison-Reihe (302–652) ist bau­gleich zur Jumbo-Baureihe. Die Vier- oder Sechsfachförderschwinge als Ladeorgan funktioniert aber mit einer Lenkerstatt Kurvenbahnsteuerung und die Messerzahl erhöht sich bis auf 35. Neu im Programm sind die beiden Typen Leon 402 und 452 je mit Doppelachse. Bei diesen Modellen haben die AgrarKonstrukteure einen Schneidrotor mit 6 spiralförmig angeordneten Zinkenreihen aufgebaut. Diese Maschine der obersten Leistungsklasse eignet sich als Kurzschnittladewagen mit 35 Messern besonders zum Silieren. Die Ladewagen der Baureihe Bison und Leon sind auch als Dosierladewagen mit 2 oder 3 Dosierwalzen und Querförderband lieferbar.

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n LT extra Bergmann, Import: Beeler Traktoren und Landmaschinen, Hüttwilen TG Die Bergmann Ladewagen gibt es in den drei Baureihen Royal, Raptor und Shuttle. Alle Modelle weisen eine hochliegende Ladefläche auf. Royal: Die Baureihe mit 6 Modellen zeichnet sich durch ein zweiphasiges Förderorgan mit Schneidrotor (4 Zinkenreihen) und Pressrotor (2 Zinkenreihen) aus. Dies soll die schonende Beladung ohne Musen oder Quetschen unterstützen. Die Bezeichnungen 21S / 24K, 23S / 24K und 28S / 30K entsprechen den Fassungs­vermögen in DIN-Kubikmeter. Die zulässigen Gesamtgewichte liegen für die Modelle 21S und 23S bei 11 Tonnen mit Dosierentladung. Die grössten Modelle dieser Serie (Royal 28S bzw. 30K) können mit einer Breitbereifung 620/45 ausgerüstet werden und erreichen dann ein maximales Gesamtgewicht von 16 beziehungsweise 18 Tonnen. Die Raptor- und Shuttlemodelle sind mit einem Laderotor (8 bzw. 9 Zinkenreihen) ausgerüstet. Sie weisen eine noch stärkere Konstruktion, Gesamtgewichte von bis 20 bzw. 22 Tonnen auf und haben verschiedene optionale Zusatzausrüstungen bei den Bereifungsmöglichkeiten, Zwangslenkung, klappbare Stirnwand, usw. Als Fassungsvermögen reicht die Palette bei den Raptor von 31–36 DIN-m3 und

Abb. 2: Zweiphasiges Förderorgan mit Schneid- und Pressrotor (Bergmann Royal)

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bei den Shuttle-Modellen von 35–44 DIN-m3. Neu ist der Shuttle als LadeHäckselwagen (Kombiwagen) im Angebot.

Claas, Import: Serco, Oberbipp BE Bei Claas haben alle Ladewagen die Bezeichnung «Quantum». Die Modelle 3500 und 3800 mit 28 und 33 DIN-m3 sind leichter gebaut als die Lohnunternehmermaschinen 4700 / 5700 und 5800 / 6800 (32–38 DIN-m3 ). Als Förderorgan funktioniert bei allen Modellen der Laderotor Roto Cut mit 9 Doppelzinkenreihen. Die S-Wagen sind mit Dosierwalzen für die gleichmässige Futterablage im Silo ausgerüstet. Bei den S-Wagen kann der Kratzbodenvorschub unabhängig von der Motordrehzahl gewählt werden. Die P-Wagen ohne Dosierwalzen haben höchste Ladevolumina und maximale Transportkapazitäten, während die K-Wagen mit einem klappbaren Dürrfutteraufsatz besonders beim Einfahren von Dürrfutter einerseits und beim Passieren von niedrigen Hofdurchfahrten von Vorteil sind.

Krone, Import: GVS-Agrar, Schaffhausen Bei Krone beginnt die Palette bei den Titan-Ladewagen, die in leichten Lund massiver gebauten GL-«all in»-Versionen für den überbetrieblichen Einsatz erhältlich sind. Das Fassungsvermögen (Dürrgut) reicht von 32 bis 48 m3 (22–26 DINm3 ). Als Förderorgan verfügen sie über Vier- und Sechsfachförderschwingen. Das Modell 6/42 GD verfügt über eine Dosierentleerung. Die Krone 5XL R/GL und 5XL R/GD sind Grossraumladewagen mit zulässigen Gesamtgewichten von 20 Tonnen zusätzlich Stützlast für Untenoder Obenanhängung. Sie zeichnen sich durch die EasyFlow-Pick-up aus, die ohne eine Kurvenbahnsteuerung auskommt und hohe Umdrehungsgeschwindigkeiten erlaubt. Die neuen AX-Ladewagen mit den beiden Grundmodellen 250 (25 m3

Fassungsvermögen) und 280 (28 m3 Fassungsvermögen) haben als Förderorgan einen Schneidrotor und ebenfalls die EasyFlow Pick-up. Beide Typen sind ohne und mit Dosierentladung (optional 3 Walzen) im Angebot. Neu verfügen diese Modelle über einen nach vorne hin abgesenkten Kratzboden, so dass sich der Förderkanal verkürzt, was sich auf das Futter schonend auswirkt. Bemerkenswert ist auch der werkzeuglose Messerwechsel (bis 32 Stück) am ausgeschwenkten Schneidwerk. Die Normalversionen von AX 250 und AX 280 haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 8 beziehungsweise 12 Tonnen, die GL- und GD-Versionen kommen auf 12,9 beziehungsweise 15,5 Tonnen. Das Ladewagenprogramm schliesst nach oben mit den ZX-Modellen ab, die der neuen Generation der Kombiwagen als Kurzschnittladewagen und Silierwagen höchsten Durchsatz- und Transportleistungen gerecht werden. Die ZX-Baureihe trägt die Nummern 350, 400, 450 und 550, wobei die ersten Ziffern in etwa den DIN-m3 entsprechen. Es werden Gesamttonnagen von 21 bis 30 Tonnen (Tridemfahrwerk) erreicht.

Mengele, Import: Samuel Stauffer & Cie, Les Thioleyres VD Mengele führt die Ladewagenreihe Garant mit den LW-Typen 334, 534, 537 und 548. Die Typen 334 und 534 haben ein Fassungsvermögen von 34 m3 (22 DIN-m3 ) und verfügen über 3 bzw. 5 Förderschwingen. Sie sind auch als Tiefgänger (T) im Programm. Der 534 sowie die Typen 537 und 540 sind mit einer Tandemachse ausgerüstet. Die Silierwagen tragen die Bezeichnungen Rotobull 5000, 6000, 7000 und 8000, und haben zwischen 45 und 68 m3 Fassungsvermögen (30– 40 DIN-m3 ). Alle Typen können mit Dosierwalzen ausgerüstet werden und erhalten mit den Optionen Kratzbodenvorschubregelung, Überlastabschaltautomatik und Bordhydraulik die Bezeichnung LAW. Sie sind ausser Typ 5000 mit einem garantiertem Gesamtgewicht von 20 Tonnen ausge­ stattet.


LT extra n Pöttinger, Import: Pöttinger AG, Birmenstorf AG Pöttinger teilt seine Ladewagenpalette in Modelle mit Förderschwingen und solche mit Laderotor ein und bezeichnet letztere als Silierwagen. Förderschwingen transportieren das Futter in den Modellen Boss junior und Boss LT sowie in den Modellen Euroboss und Primo. Die Juniormodelle (17T und 22T) haben max. 12 Messer. Bei den Modellen Boss L 22T bzw. 28T können 16 Messer eingebaut werden. T und H stehen für Tief- bzw. Hochlader. Die Zahlen geben die Kubikmetermasse bei «mittlerer Pressung» an. Die Juniormodelle sind wenig kleiner als die Boss-L-Modelle. Die Euroboss-Serie ist die nächsthöhere Baureihe. Vom kleinsten Euroboss 250 (25 m3 Fassungsvermögen, 16,1 DINm3) bis zum grössten 370 (37 m3 / 23,9 DIN-m3) gibt es je eine T- und eine HVersion mit grösserer bzw. kleinerer Spurbreite. Beim Modell 330 ist eine Entladedosierung verfügbar. Viele Ausstattungsoptionen kommen hinzu. (bsp. seitlich ausschwenkbares Schneidwerk für ­Wartungszwecke). Die Baureihe Primo umfasst die Modelle von 350 bis 500 zwischen 35 und 50 m3 (22–31,5 DIN-m3) mit 31 Messern und schliesst das Modell 630 mit nur 6 Messern, aber dafür sehr grossem Transportvolumen (38 DIN-m3) mit ein. In der Primo-Klasse sind die Ladewagenfunktionen über Direct-control oder PowerControl (isobusfähig) zu bedienen. Bei den Rotorladewagen (EuromaticRotor mit 7 oder 8 Zinkenreihen) beginnt die Palette mit der Baureihe FARO 3500, 4000 und 4500 (35 bis 45 m3, bzw. 22 bis 28,5 DIN-m3 ) je in Versionen ohne (3500, 4000, 4500) und mit Entladedosierung (3500, 4000) und 27 Messern, ergänzt durch die beiden Grossraummodelle 6300 und 8000 mit nur 6 Messern. Letzteres erreicht eine Gesamthöhe von fast 4 Metern. Die Europrofibaureihe umfasst die drei Modelle 4000, 4500 und 5000, wiederum ohne oder mit Entladedosierung. Ihr schliesst sich die Torro-Baureihe mit den Modellen 4500, 5100 und 5700 (45, 51, 57 m3 beziehungsweise 27,5, 31 und 34 DIN-m3 ) gefolgt von der Jumbo-Baureihe von 6000 bis 10000 ohne oder mit Entladedosierung. Neu

ist der Jumbo in der Version Combiline als Silier- und Häckselwagen erhältlich. Die Messerzahl wächst auf 45 an und die absoluten Spitzenmodelle erreichen bis 100 m3 Fassungsvermögen (bis 51,5 DIN-m3 ). Verschiedene Fahrwerksvarianten wie Boogie-Fahrwerk, hydropneumatisches Fahrwerk und Tridemachse können gewählt werden. Die zulässigen Gesamtgewichte betragen bis 30 Tonnen.

Schuitemaker, Import: Romatec, Butisholz LU Es handelt sich bei dieser Marke um Kurzschnitt-Grossraumladewagen mit der Baureihe Rapide. Die Ladekapazitäten liegen zwischen 34 und 63 DIN-m3. Als Förderaggregat ist eine gezogene Pick-up mit 5 oder 6 Zinkenreihen eingesetzt, die mit einem 8- oder 9-FachFörderrotor kombiniert ist. Alle Typen sind auch mit einer Entladedosierung erhältlich und als Kombifahrzeuge (Kurzschnitt- und Silierwagen) im Einsatz.

Strautmann, Import: Agro-Technik Zulliger GmbH, Reisiswil BE Im StrautmannLadewagen- Pro gramm implizieren die Namen Vitesse, Super Vitesse und Giga Vitesse die Leistungssteigerung der drei Baugruppen. Die Vitesse-Typen 230 (Einachsfahrzeug) und 260 sind in einer E-Version mit einem Kettenantrieb von Pick-up und Vierfach-Förderschwinge erhältlich und mit Zahnradantrieb in Kombination mit einer Fünffachförderschnecke inklusive ein Model 320 mit 32 DIN-m3 Fassungsvermögen. Die Silierwagen 230 und 260 können mit zwei Dosierwalzen kombiniert werden. Die Palette Super Vitesse (SV) enthält die drei Grundmodelle I, II, III zwischen 20 und 33 DIN-m3 mit einem VierfachDoppelzinkenrotor mit beidseitigem Antrieb als Förderorgan. Jeder Grundtyp lässt sich mit zwei oder drei Dosierwalzen aufrüsten und H-Versionen verfügen dank verstärktem Aufbau über zusätzliche Ladekapazitäten bei grösserem garantiertem Gesamtgewicht bis 18 Tonnen. Die Giga-Vitesse-Versionen verfügen über Achtfachrotoren und bis zu 45 Messern. Passende Reifen-

dimensionierungen bis 800/40-26,5 (auch als Tridem-Achse) erlauben in der Giga-Vitesse-Serie Luftdruckabsenkungen bis 1,5 bar und verringern also den spezifischen Bodendruck und den Rollwiderstand der Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 30 Tonnen.

Vicon und Deutz-Fahr, Import: Bucher Landtechnik, Niederweningen ZH Alle Ladewagen sind sowohl in den Farben von Vicon als auch DeutzFahr im Handel. Die Palette beginnt bei den beiden Tiefgängern TL 22 und 28 mit 22 resp. 28 m3 (14 m3 resp. 17,5 DIN-m3), Dreifach Förderschwinge für kleinere Betriebe und niedrige Durchfahrten. Die vier Grundmesser können auf ein 16-Messerschneidewerk umgerüstet werden. In der Palette folgen fünf Grundmodelle K 7.30–K 7.44. Trotz Hochgängern weisen die K 7.30 und 7.36 als Einzelachsfahrzeuge dank klappbarem Dürrfutteraufbau niedrige Gesamthöhen auf. Ab dem Modell K 7.36, das es in einer Einzel- und als Tandemachsversion gibt, folgen sich standardmässig nur noch ­Doppelachsfahrzeuge. Die Leergewichte (3–5  Tonnen) und die zulässigen Gesamtgewichte zwischen 6 und 8 Tonnen bleiben vergleichsweise tief. Die Modelle K 7.44 ohne und FE 7.42 mit Dosiereinrichtung sind als 12-Tonnen-Anhänger baugleich gebaut und werden serienmässig mit einer Komfortbedienung PilotBox-C ausgerüstet.. Das Modell 7.50 mit Vierfachförderschwinge und 8 Messern ist ein typischer Grossraumladewagen (32 DIN-m3 bzw. 53 m3 mit festem Aufbau). Zu erwähnen ist im Übrigen der neue Rotex 552 (bzw. Rotomaster 5520 bei Deutz-Fahr). Das Modell verfügt über einen Laderotor mit 9 Zinkenreihen, serienmässige Deichselfederung und Tandemachsaggregat mit Nachlauflenkung. Serienmässig ist auch die Breitbereifung 600/55 R 22.5 und die hydraulische Bremse (Druckluftbremse auf Wunsch). Zur Maschine gehört eine isobusfähige Bedienbox. Bei einem Leergewicht von 7100 kg weist der Rotex 552 ein zulässiges Gesamtgewicht von 20 Tonnen auf.  n

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n Feldtechnik

Forschung und Entwicklung sind grundlegende Faktoren für ein nachhaltiges (Umsatz-)Wachstum. (Foto: Ueli Zweifel)

Umsatzwachstum führender Landtechnikhersteller Anhand von Umsatz und Wachstumsraten machen wir uns ein Bild von den heutigen Kräfteverhältnissen im europäischen Landmaschinenmarkt. Das Unternehmenswachstum wird einerseits mittelfristig im Vergleich des Geschäftsjahres 2007 zum Referenzjahr 1999 betracht und zum anderen kurzfristig durch den Vergleich der Umsätze im durchschnittlich besonders umsatzstarken Geschäftsjahr 2007 mit den Umsätzen 2006.

Wolfgang Kutschenreiter

Anhand der mittelfristigen Betrachtung lässt sich ermessen, wie nachhaltig das Unternehmenswachstum in den letzten acht Jahren gewesen ist. Wir nutzen dazu die von den Unternehmen bilanzierten Zahlen (nicht inflationsbereinigt). Das Bilanzjahr der einzelnen Unternehmen stimmt nicht in allen Fällen mit dem Kalenderjahr überein. Für den Dollar-Raum erfolgte die Umrechnung in Euro für die Jahre 2006 und 2007 gemäss Wechselkurs der EZB (Europäische Zentralbank). Starkes Umsatzwachstum ist nicht immer gleichzusetzen mit starkem Renditewachstum. Langfristiges Umsatzwachstum ist trotzdem ein Indi-

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kator für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens – denn ohne entsprechende Renditen kann ein Unternehmen nicht nachhaltig wachsen!

Kategorien Unsere tabellarische Übersicht ist limitiert auf Unternehmen mit einem Landtechnik-Jahresumsatz ab 50 Mio. Euro. Die Mehrzahl dieser Unternehmen gibt ihre Umsatzergebnisse verdankenswerter Weise bekannt. Unternehmensumsätze, die nicht zur Sparte «Landtechnik» gehören, sind nach bestem Wissen herausgefiltert worden. Vier Unternehmenskategorien tragen zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse bei: Kategorie I: Die so genannten «Longliner» mit Traktoren, Erntetechnik und

weiteren Landtechniksparten. Diese Unternehmen sind global tätig. Kategorie II: Drei Gerätespezialisten, die in grossem Umfang Technik sowohl für das Grünland als auch für den Ackerbau entwickeln und anbieten. Kategorie III: Spezialisten für den Ackerbau. Kategorie IV: Spezialisten, die überwiegend Technik für die Grünfutterernte und die Strohbergung produzieren. In der zusätzlichen Kategorie V (Tabelle) nehmen wir einige weitere Traktoren- bzw. selbstfahrende Erntetechnikspezialisten von europäischer Bedeutung auf. Die Unternehmen sind innerhalb jeder Kategorie in der Reihenfolge ihrer Umsatzgrösse in 2007 aufgelistet.


Feldtechnik n Einflussfaktoren und Perspektive des Unternehmenswachstums Insgesamt hat sich das Unternehmenswachstum seit 2006 exponentiell beschleunigt und ist der stark wachsenden internationalen Nachfrage gefolgt. Ursachen dafür sind die weltweite Verknappung von Nahrungsmitteln, der steigende Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen für die Energienutzung und infolgedessen steigende Einkommen der Landwirte. Auch für 2008 zeichnet sich ein weiterhin sehr starkes Umsatzwachstum ab. Allerdings klaffen die mittelfristigen Wachstumsraten der einzelnen Unternehmen, sogar innerhalb der einzelnen Kategorien, seit Beginn dieses Jahrzehnts ziemlich weit auseinander. Profitiert haben vor allem diejenigen, die nach den Umbrüchen im vorigen Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende die neuen Herausforderungen innovativ und oftmals mit neuen Führungskräften in Angriff nehmen konnten. Seit mehreren Jahren erweitern die wachstumsstarken Unternehmen stetig ihre eigenen Produktionskapazitäten, lassen viele Komponenten durch Outsourcing auswärts fertigen, setzen nebst dem Aufbau ihrer Stammbelegschaft Zeitarbeitskräfte ein und verkürzen in der Produktion die Durchlaufzeiten. Das stellt höchste Anforderungen an eine gute Planung und Koordination der Produktionsabläufe. Lieferlücken der Zulieferbetriebe können sich dabei gravierend auswirken. Mit Prognosen für 2009 tut sich die Industrie zurzeit noch schwer, auch angesichts der starken Erhöhungen der Rohstoffpreise, der Energiekosten und bevorstehender Lohnabschlüsse der Metallindustrie – die sich auch bei den landwirtschaftlichen Kunden niederschlagen. Die Ziellinie für 2009 und darüber hinaus dürfte generell ein Umsatzniveau sein, das den stark erweiterten Fertigungskapazitäten im Jahr 2008 entspricht.

Umsatz in der gleichen Zeitspanne von schätzungsweise 400 Mio. Euro auf schätzungsweise 820 Mio. Euro ebenfalls verdoppelt. Mit seinen Hauptmarken Landini, McCormick und Laverda musste die Argo-Gruppe in den letzten zwei Jahren aufgrund verschiedener Umstrukturierungen sowohl im Jahresumsatz als auch in der Umsatzrendite zurückstecken. Das stärkste mittelfristige Wachstum (1999/2007) hatte Agco zu verzeichnen (+155%). Dafür verantwortlich ist zum einen die Akquisition von Valtra, zum andern verfolgt der Konzern von innen heraus eine straff geführte Wachstumsstrategie mit der Technologieführerschaft von Fendt in Europa und dem schrittweisen Ausbau der Erntetechnik. Claas verzeichnet gleichfalls ein hohes Mittelfristwachstum (+138%) sowohl durch die dazugekaufte Traktorlinie, als auch durch die stetige Erweiterung als führendes Unternehmen in der europäischen Erntetechnik. John Deere verzeichnet ein gesundes Mittelfristwachstum (+113%) und nutzt seine starken Finanzergebnisse vor allem zum weiteren Ausbau seiner Führungsposition – mit besonderem Nachdruck auf «intelligente» Technik und wegweisende Dienstleistungskonzepte. Das Mittelfristumsatzwachstum von CNH ist mit 58,5% vergleichsweise moderat, da die seit 2000 neu formierte Gruppe zumindest bis 2005 grosse Restrukturierungsarbeiten zu bewältigen hatte. Mit neuen Produkten und neuer Markenstra-

tegie holt die Gruppe jetzt auf und hat in 2007 im Vergleich zum Vorjahr das stärkste Wachstum innerhalb der Kategorie I. Auch die Same Deutz-Fahr Gruppe verzeichnet ein vergleichsweise moderates Mittelfrist-Umsatzwachstum (+35,6%). Zu den Pluspunkten der letzten Jahre gehört hier vor allem die Rückkehr zu einer geordneten Vorwärtsstrategie, der Einstieg in die Dieselmotorenproduktion der Deutz AG, die Festigung der Marke Deutz-Fahr und die Stärkung der Nettorendite.

II Gerätehersteller für Ackerbau und Grünland: Mittelfristig (1999/2007) haben sich bei den bedeutenden Herstellern in unserer Kategorie II starke Verschiebungen ergeben. Pöttinger, als innovatives Familienunternehmen mit besonders starken Wurzeln im Grünland, hat sein Umsatzvolumen mittelfristig verdoppelt und lässt nicht nach, seine Position in Sparte Ackerbau auszubauen. 33 Mio. Euro kommen jetzt bereits aus der Sparte Bodenbearbeitung & Sätechnik. Kuhn hat seit einigen Jahren Kverneland an der Führungsspitze in dieser Kategorie der kombinierten Gerätehersteller abgelöst und konnte im Mittelfristzeitraum ein Wachstum von 66,5% erreichen. Das Unternehmen ist solide geführt, ertragreich und qualitätsorientiert. 2005 und 2006 verzeichnete Kuhn ein etwas reduziertes Wachstum, infolge grosser

I Longliner verdoppelten mittelfristig ihren Umsatz Die fünf global und transnational führenden «Longliner»(Kategorie I) haben ihren kumulierten Umsatz von 12,6 Mrd. Euro in 1999 auf eine Grösse von 24,9 Mrd. Euro in 2007 fast verdoppelt. Nicht aufgelistet ist hier die italienische Argo-Gruppe, die ihre Ergebnisse nicht veröffentlicht. Immerhin hat sich deren

Das stärkste Umsatzwachstum unter den global agierenden Longlinern hatte AGCO: Stark mitverantwortlich war die Akquisition von VALTRA-Traktoren. (Werksbild)

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n Feldtechnik Tabelle: Unternehmenswachstum in fünf Unternehmenskategorien Mittelfristiges Umsatzwachstum 2007 im Vergleich zu 1999 (100%) Kurzfristiges Umsatzwachstum 2007 im Vergleich zu 2006 (100%) Berücksichtigt sind Unternehmen mit einem Umsatzvolumen 2007 von mehr als 50 Mio. Euro (1 Euro = ca. CHF 1.60). Unternehmen** Mitelfristiges Umsatzwachstum %Wachstum (nur Landtechniksparte) 2007:1999

Kurzfristiges Umsatzwachstum %Wachstum (nur Landtechniksparte) 2007:2006

Mio.Euro 07

Mio.Euro 99

Mio.Euro 07

Mio.Euro 06

John Deere *** 9134

4283

113.3

9134

8183

11.6

CNH ***

7259

4580

58.5

7259

6218

16.7

Agco ***

4982

1951

155.4

4982

4329

15.1

Claas

2468

1038

137.8

2468

2164

14.0

SDF

1101

812

35.6

1101

1037

6.2

Kategorie I: Globale «Longliner»

Kategorie II: Gerätespezialisten Grünland & Ackerbau Kuhn

576

346

66.5

576

495

16.4

Kverneland

504

457

10.3

504

475

6.1

Pöttinger

199

99

101.0

199

171

16.4

116.4

290

240

20.8

201

188

6.9

Kategorie III: Gerätespezialisten Pflanzenbau Amazone

290

134

Exel-Gruppe

201

n.a.*

Lemken

181

71

154.9

181

138

31.2

Maschio

130

69

88.4

130

117

11.1

Väderstad

130

45

188.9

130

112

16.1

Horsch

103

19

442.1

103

70

47.1

Kongskilde

97

83

16.9

97

87

11.5

Vogel & Noot

56

n.a.*

56

49

14.3

158.5

305

265

15.1

68

60

13.3

55.9

53

50

6.0

Kategorie IV: Gerätespezialisten Grünland Krone

305

Welger

68

n.a.*

Fella

53

34

118

Kategorie V: Andere westeuropäische Hersteller von Traktoren & selbstfahrender Erntetechnik Grimme

185

94

96.8

185

129

43.4

Holmer

106

39

171.8

106

99

7.1

Sampo

72

41

75.6

72

76

-5.3

Lindner

58

n.a.*

58

55

5.5

Legende: * n.a. = nicht angegeben ** Unternehmen gelistet nach Umsatzgrösse je Kategorie *** Umrechnungskurs 2007: 100 Euro = 137.05 US$; in 2006 100 Euro = US$ 125.56 (nach EZB)

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September 2008  Schweizer Landtechnik


Feldtechnik n

Unternehmen profitieren von einem hervorragenden Investitionsklima für hoch effiziente und doch energie- und bodenschonende Mechanisierungssysteme (Werksbild).

Werkserweiterungen nahe am Stammsitz Saverne, Produktionsverlagerungen innerhalb der französischen Werke und Aufgabe der Produktion von Feldspritzen. Kverneland, die grosse Wachstumslokomotive der 1990er-Jahre, durchlief von 2000 bis 2007 eine Periode nur geringen Wachstums und finanzieller Schwächephasen. Dieser Zeitraum war gekennzeichnet von Werksschliessungen, Verlagerung von Produktionsstandorten, Aufgabe der Sparte Weinbautechnik und mehrerer Strategiewechsel. Kverneland meldet nach Abschluss des 1. Quartals 2008 stark gestiegenen Auftragseingang, aber immer noch unzureichende Deckungsbeiträge.

III Gerätespezialisten für den Pflanzenbau, mit besonders starkem Wachstum In dieser Kategorie III sind diejenigen Unternehmen aufgeführt, die sich ausschliesslich auf Gerätesparten für den Pflanzenbau spezialisieren – darunter Bodenbearbeitung, Sätechnik, Düngestreuer und Feldspritzen. Hierin sind Unternehmen mit mittelfristig (1999/2007) und kurzfristig (2006/2007) extrem hohen Wachstumsraten. Neu hinzugekommen ist in 2007 Vogel & Noot, erstmals mit einem Jahresumsatz von über 50 Mio. Euro. Rauch, führender Spezialist für Düngerstreuer und neu entwickelten pneumatischen Drillmaschinen, überschreitet

gleichfalls die 50 Mio. Euro Umsatzgrenze, mit 33% Umsatzsteigerung auf 56 Mio. Euro im neuen Geschäftsjahr 2007/2008, mit Abschluss Ende Juli 2008. Mittelfristig (1999/2007) wachstumsstärkster Hersteller ist Horsch, der Spezialist für konservierende Bodenbearbeitungs- und Sätechnik (+440%), gefolgt von Väderstad mit einer ähnlichen Produktstrategie (+189%). Sehr starkes Mittelfristwachstum weisen auch Lemken (+155%) und Amazone (+116%) aus. Ähnlich stark entwickelt sich das Wachstum in 2008 weiter – beispielsweise bei Horsch mit einem erwarteten Umsatzsprung um 50% und bei Lemken mit plus 38% im Vergleich zu 2007. Ein äusserst starker Umsatzsprung wird im Geschäftsjahr 2008 (Geschäftsjahr Sept. 2007 bis August 2008) beim europäischen Feldspritzen-Markführer Exel erwartet: Vorwiegend aufgrund der im November 2007 vollzogenen Übernahme des Wettbewerbers Hardi verdoppelte sich der Exel-Umsatz in den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres im Vergleich zu den ersten 9 Monaten in 2007!

IV Spezialisten für die Grünfutterernte und Strohbergung Insgesamt ist das Angebot von Maschinen und Geräten für die Grünfutter- und die Strohernte auf die so genannten «Longliner» (Kategorie I), die kombi-

nierten Gerätehersteller (Kategorie II) und die ausschliesslichen Spezialisten (Kategorie IV) verteilt. Eine herausgehobene Stellung in dieser Sparte nimmt die Maschinenfabrik Krone ein: Dieser Spezialist fokussiert sich ausschliesslich auf Entwicklung, Produktion und Distribution von Maschinen und Geräten für die Grünfutter- und die Strohernte. Dazu gehört die gesamte Palette der selbstfahrenden, gezogenen oder aufgesattelten Futtererntemaschinen – für alle in Europa gängigen Futterwerbungs- und Futterbergungssysteme. Der hohe Spezialisierungsgrad hat dem Unternehmen eine Vorreiterrolle verschafft, verbunden mit den höchsten Wachstumsraten in diesem Segment. Der Aufsammelpressen-Spezialist Welger hat in diesem Jahrzehnt zwei Eigentümerwechsel bewältigt und befindet sich jetzt erneut in guten Händen – unter dem Dach des Grünlandspezialisten Lely. Fella hatte ebenfalls in diesem Jahrzehnt zwei Eigentümerwechsel zu verkraften, befindet sich jetzt unter dem Dach der Argo-Gruppe und konnte in 2007 mit seinem Angebot für die Futterbergung ein vergleichsweise moderates Umsatzwachstum erreichen.  n Wolfgang Kutschenreiter Agrartechnik Strategiepartner strategie@kutschenreiter.net

September 2008  Schweizer Landtechnik

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LT aktuell n Arbeiten am Hang Im Talgebiet setzen 44 Prozent eine Hangmechanisierung ein, im Berggebiet 67 Prozent. Am weitesten verbreitet sind Zwillingsbereifungen. Der Zweiachsmäher ist die einzige, speziell auf extreme Hanglagen zugeschnittene Maschine, die eine gewisse Bedeutung erlangt hat. In der Hangmechanisierungsstatistik mauserte sich der auf Hangflächen spezialisierte Hangmähdrescher weit nach vorne, obwohl dieser nicht eine spezielle Berggebietmaschine ist. Im Talgebiet wenden 17 Prozent der Lohnunternehmer einen Spezialtarif am Hang an. Dieser kommt besonders beim Mähdrusch zum Einsatz. Dabei wird der Hangeinsatz pauschal oder mit abgestuftem System nach Neigung verrechnet. Im Berggebiet wenden 23 Prozent der Lohnunternehmer Hangtarife an. Diese werden ebenfalls pauschal z. B. mit Fr. 2.– pro Rundballe oder nach Zeit abgegolten. Werden kombinierte Tarife angewendet, die Menge und Zeit berücksichtigen, werden Spezialtarife hinfällig.

Standardtraktor mit Doppelrädern und AS-Bereifung an der Arbeitsmaschine für eine verbesserte Standfestigkeit beim Pressen am Hang.

Lohnunternehmer im Berggebiet

Schlussfolgerungen Die Mechanisierung in den Lohnunternehmen des Tal- beziehungsweise Berggebietes unterscheiden sich zwar, doch nicht so stark wie man annehmen könnte. Im Tal sind diese tendenziell spezialisierter und grösser und sie erwirtschaften mehr Umsatz aus dem Betriebszweig Lohnunternehmen. Die Einsatzmöglichkeiten von Transporter und Zweiachsmäher sind im Lohnunternehmen beschränkt. Die Technik – vor allem diejenige der Transporter – scheint im Lohnunternehmen zu wenig leistungsfähig zu sein.   n

Wie stark unterscheiden sich die Lohnunternehmer aus dem Talgebiet von den Kollegen im Berggebiet? Dazu wurden alle Mitglieder des Verbandes «Lohnunternehmer Schweiz» und 24 Lohnunternehmer aus dem Bündner Berggebiet befragt. Michael Schläpfer*

Zur Auswertung gelangten 139 Fragebögen. Die Lohnunternehmer wurden für die Auswertung in die zwei Klassen Berg- und Talgebiet unterteilt. Als Kriterium galten die prozentualen Anteile der Kundschaft nach Produktionszone. Wer angab mehr als 50 Prozent seiner Kunden in der Hügel- oder in den folgenden Bergzonen zu haben, wurde ins Berggebiet eingeteilt.

40 Prozent Umsatz aus der Landwirtschaft Die Umsatzbereiche (Landwirtschaft, Wald- und Forstwirtschaft, Kompostierung, Kommunalarbeiten, Tiefbau, mech. Werkstätte und Andere) unter-

scheiden sich kaum zwischen den zwei Gebieten. Im Schnitt erwirtschaftet der Lohnunternehmer um die 40 Prozent aus der Landwirtschaft. Die restlichen Bereiche machen alle je ca. 10 Prozent aus.

Grafik: Lohnunternehmer und ihre Dienstleistungen. Diverses Obstbau Gemüsebau Pflege Grünland Forst Transporte Maisernte Grünfutteraufbearbeitung Pflege Ackerbau Ausbringen von Fest- und Flüssigdünger Innenwirtschaft Kommunal und Unterhalt Bodenbearbeitung und Saaten

* Michael Schläpfer hat die Befragung im Rahmen einer Semesterarbeit zur Aus­bildung zum Agrotechniker HF am Strickhof Lindau verfasst.

Grasernte Ernte anderer Ackererzeugnisse 0%

10%

20%

30%

40% Tal n = 105

50%

60%

70%

80%

90%

100%

Berg n = 34

September 2008  Schweizer Landtechnik

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n LT aktuell n Liebegg Landtechnik in Frauenhand pm. Seit August 2008 ist Astrid Böll, dipl. Ingenieur Agronom FH, auf der Liebegg tätig. Ab Oktober wird sie die Bereiche Landtechnik und Unfallverhütung des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg, Gränichen alleine betreuen.

Unter dem Motto «regional und dezentral» wird der Bereich Kraft-Wärme-Kopplung 2008 ausgebaut. Solartechnik wird in Augsburg ebenfalls gross geschrieben. Heizen und Kühlen mit höchster Effi­zienz ermöglicht die Wärmepumpe. Auf der «Wärmepumpenwelt» und dem begleitenden 4. Bundeskongress Wärmepumpe treffen sich Hersteller, Installateure und Anwender jährlich in Augsburg zum Erfahrungsaustausch. Der Messebereich interGreenBuilding thematisiert energieeffizientes Bauen, Modernisieren und Sanieren. Hersteller und Dienstleister bieten einen Überblick über Haustechnik, Lüftung, Fenster und Dämmung sowie über komplette Passivhäuser in Massiv- und Holzbauweise. Zusätzlich zu Messe und Kongress wird den Besuchern ein breites kostenloses Vortragsprogramm geboten. Weitere Informationen unter www.renexpo.de

n WTO Astrid Böll übernimmt die Nachfolge von Paul Müri im Bereich Landtechnik und Unfallverhütung am Bildungszentrum Liebegg. (Foto: zvg)

Die 28-jährige Agronomin absolvierte nach der Matura ein landwirtschaftliches Praktikum und entdeckte dabei ihr «Feuer» für die Landtechnik. Während dem Studium an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (Fachrichtung Internationale Landwirtschaft und Vertiefung Landtechnik) war sie nebenbei in einer Landmaschinenfachwerkstatt tätig. Nach der Diplomierung arbeitete sie während drei Monaten bei der Firma Schaad AG in Subingen. n Renexpo Augsburg Messe zu erneuerbarer Enerige mo. Vom 9. bis 12. Oktober 2008 wird sich in der Augsburger Messe bereits zum 9. Mal alles um erneuerbare Energien und Energieeffizienz bei Bau und Sanierung drehen. Die Themenpalette der Renexpo reicht von Altbausanierung über Heizen mit Sonne und Holz bis hin zu Passivhäusern, Blockheizkraftwerken, Mobilität, Wärmepumpe, Wasserkraft und Windenergie. Eines der Highlights ist mit der IHE HolzEnergie, eine Spezialmesse zur Energiegewinnung aus Holz. Die gesamte Wertschöpfungskette der Holzenergie sowie Neuheiten und Trends der Holzenergie-Branche werden in Augsburg präsentiert.

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September 2008  Schweizer Landtechnik

Verhandlungen abgebrochen mo. Die WTO-Verhandlungen in Genf wurden Ende Juli ohne Ergebnis abge-

brochen. Sie scheiterten an der Frage, ob und wie stark Entwicklungsländer ihre Kleinbauern durch Ausnahmen beim Zollabbau vor billigen Importen schützen dürfen. Während Indien darauf beharrte, dass die so genannte Schutzklausel für die ländliche Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern von existenzieller Bedeutung sei, befürchteten die USA, dass diese Regelung den normalen Handel stören würde. Nicht geklärt waren auch Fragen rund um die amerikanischen Baumwollsubven­ tionen, die geografischen Herkunftsbezeichnungen oder den Dienstleistungsbereich. Bundesrätin Doris Leuthard zeigte sich «sehr enttäuscht» über den Abbruch der Verhandlungen. Erleichtert ist der Schweizerische Bauernverband. Kein Resultat sei besser als ein schlechtes. Der Vorschlag im Agrardossier sei «einseitig und ungerecht» gewesen, heisst es in einer Medienmitteilung. Nötig sei nun ein Neuanfang, der die in der Zwischenzeit veränderte Situation auf den Weltmärkten berücksichtige.

Zulassungen von Traktoren, Transportern und Zweiachsmähern im ersten Halbjahr 2008 (Januar bis Juni) 2006

2007

2008

199 210 116 153   67   64 107   58   61   52   32   35   30   32    6    3

203 187 120 171   99   88 116   59   49   53   30   32   25   24    9    8

   5    2

   4    2

198 196 146 134   94   90   90   82   67   51   48   30   24   21   13    8    1    1    1

Traktoren New Holland John Deere Deutz-Fahr Fendt MF Claas Hürlimann Steyr Same Case-IH Valtra Lindner Landini McCormick Rigi Trac Zetor De Pietri Carraro Lamborghini

Total

2006

2007

2008

  61

  38    4

Transporter

1232 1279 1295

Die Traktorimmatrikulationen ­bewegten sich im ersten Halbjahr auf erfreulich hohem Niveau, sogar mit leicht steigender Tendenz. An der Spitze liefern sich NH und JD das traditionelle Kopf- an Kopf-Rennen. Bemerkenswert gut disponiert ist die Same

Aebi Caron Carraro Lindner Reform Schiltrac

   7   85   16

  42    2    1   12   67   13

Total

169

137

148   81

  18   77   11

Zweiachsmäher Aebi Aebi Rasant BCS A. Carraro Reform

  69    2    1   35 105

  92    1    2   16   84

   3   21 108

Total

212

195

213

Deutz-Fahr Gruppe namentlich mit dem Zuwachs bei Deutz-Fahr. Aber auch Same hat einen Zuwachs, während Hürlimann eine Einbusse verzeichnete. Durchzogen ist die Bilanz in der Agco-Gruppe, wo Fendt mit seiner Traktorpalette stückzahlenmässig einbüsste. Sehr gut im Rennen liegt hingegen Valtra. Eine erstaunlich gute ­Bilanz kann auch der einheimische RigiTrac ausweisen.   n


AgroSpot n Abb. 1. Versuchfahrzeug mit Kasten für die Bilderkennung/Elektronik und angebautem Präzisionsspritzbalken

Sehende Spritze – spart Handarbeit und Herbizid Die sehende Spritze, die nur dort das Unkraut bekämpft, wo es welches hat, und selbstständig Gräserherbizid auf Gräser beziehungsweise Kräuterherbizide auf Kräuter appliziert, ist ein Wunschtraum jedes Landwirts. Eine Steigerung dieses Traums ist die automatische Spritze, welche die Einzelstockbekämpfung der Blacken übernehmen würde. Visionen, deren Verwirklichung bereits begonnen hat!

Martin Holpp, Robert Kaufmann*

Erste praxisreife Produkte wie z.B. der Weed-Seeker sind bereits auf dem Markt. Via folgenden Link lässt sich eine Demonstration der Funktion abrufen: http://www.ntechindustries.com/demo. html. Mit Hilfe von sensorisch angesteuerten Spritzdüsen ist es schon heute * Unter der Rubrik AgroSpot berichtet die Schweizer Landtechnik über aktuelle Forschungsprojekte der Agroscope ART Tänikon.

möglich, grüne Pflanzen auf Strohstoppeln oder nacktem Boden zu erkennen und gezielt zu behandeln. Diese Technik wird in Übersee angewandt, wo Unkraut während Bracheperioden systematisch bekämpft wird, um die Wasserverdunstung tief zu halten. Jede einzelne Düse am Balken wird erst aktiviert, wenn ein Unkraut im Erfassungsbereich der elektronischen Optik erscheint. Die Uni Bonn hat einen SpritzbalkenPrototypen entwickelt, der mit drei unterschiedlichen Wirkstoffen gleichzeitig arbeiten kann. Während der Überfahrt werden verschiedene Unkrautgruppen

erkannt, bewertet und angepasst bekämpft. Agroscope Reckenholz-Tänikon ART spielt zusammen mit der Zürcher Hochschule in Winterthur in derselben Liga. Mit dem Projekt «Detektion der Blacken mittels 3-D Bildanalyse» hat sie sich ein sehr hohes Ziel gesetzt, nämlich die Erkennung von grünen Blacken im Wiesland und damit auf einem ebenfalls grünen Hintergrund. In einer Überfahrt soll die erkannte Blacke punktgenau, einzelstockweise bekämpft werden. Die unspezifische Flächenspritzung, mit Nachteilen wie höherer Spritzmitteleinsatz und unnötiger Umweltbelastung soll von einem kombinierten Erkennungs- und Bekämpfungsgerät abgelöst werden. Die automatische Detektion, im Moment noch eingebaut in einem Prototypfahrzeug (Abb. 1), basiert auf 3D-Bildern, erstellt mit einem Lasersensor. In einem 3D-Prozess wird die Geometrie der verschiedenen erkannten Pflanzen nach Kriterien wie Grösse, Konturen und Musterung der Blattflächen verglichen. Dies erlaubt letztlich die Unterscheidung der diversen Pflanzenarten und z.B. auch der Blacke vom übrigen Grün (Abb. 2). Sobald somit die Koordinaten der Blacke bekannt sind, kann diese mit Herbizid punktgenau bekämpft werden. Die ersten Resultate sind vielversprechend. Die Systemweiterentwicklung zielt in Richtung höherer Robustheit der Bild-Sensortechnik und eine Verfeinerung der Informationsverarbeitung. Für die Zukunft wäre dann auch ein flexibler Einsatz bei anderen Pflanzenarten oder Kulturen denkbar. Man sieht, dem Ziel der «sehenden Spritze» kommt man langsam aber stetig näher.  n

Abb 2. Eine mittels Bildanalyse erkannte Ampfer.

September 2008  Schweizer Landtechnik

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n SVLT

Zentralpräsident Max Binder flankiert den Stabwechsel von Jürg Fischer an Willi von Atzigen (Mitte). (Fotos: Ueli Zweifel)

Stabübergabe in Riniken Im Mai 2007 hat Willi von Atzigen die Führung des Zentralsekretariates übernommen, im Herbst läutete er den nächsten Entwicklungsschritt des SVLT ein. Der abtretende Direktor Jürg Fischer konnte noch die Früchte ernten für seinen Einsatz für korrekte Zahlen zum Dieselrussausstoss der Landwirtschaft. Die G40-Kurse verzeichneten mehr Teilnehmer, die Kurstage in Riniken gingen zurück, die «Schweizer Landtechnik» bot mehr Lesestoff. 2007 stand beim SVLT im Zeichen des Wechsels an der Spitze des Zentralsekretariats. An seiner Sitzung im März hat der Zentralvorstand Willi von Atzigen zum neuen SVLT-Direktor gewählt. Im Mai übernahm er nach einer kurzen Einführungsphase die Verbandsleitung offiziell. Und ab Oktober konnte er die Leitung des technischen Dienstes an seinen Nachfolger Dominique Berner übergeben. Die Herbstsitzung des Zentralvorstandes und die Delegiertenversammlung organisierte die Sektion Graubünden. Am landwirtschaftlichen Bildungszentrum Plantahof in Landquart boten sich viele Gelegenheiten für den Erfahrungs- und Gedankenaustausch, und ein attraktives Rahmenprogramm begeisterte die Teilnehmenden.

Entwicklungsschritt eingeleitet Diskutiert wurde in Landquart neben den statutarischen Geschäften, wie sich die Entwicklungen in der Agrarpolitik

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September 2008  Schweizer Landtechnik

und der landwirtschaftlichen Berufsbildung auf den SVLT auswirken werden. Zentralpräsident Max Binder bekräftigte, dass die Erfolge des SVLT im Bereich Treibstoffsteuer-Rückerstattung und Dieselrussausstoss die Schweizer Bauern nicht in eine sorgenfreie Zukunft führen. Direktor Willi von Atzigen gab sich überzeugt, dass der Verband die anstehenden Fragen nur mit zusätzlichen personellen Ressourcen bewältigen kann. Um erste Gedanken zum Entwicklungsschritt 2008/2009 zusammenzutragen, trafen

sich Geschäftsausschuss und Angestellte Mitte November zu einer Klausurtagung, moderiert von Peter Reinhard von der Beratungsorganisation Agridea Lindau.

Voller Erfolg beim Feinstaub Im März 2007 wurde der Einsatz des abtretenden SVLT-Direktor Jürg Fischer für realistische Zahlen zum DieselrussAusstoss der Landwirtschaft belohnt: Das Bundesamt für Umwelt bezifferte den Ausstoss für 2005 neu auf 400 Tonnen. Die frühere Berechnungsmethode

Schweizer Landtechnik/Technique agricole in Zahlen (Seiten) Inserate + PR

2005

Redaktionelle ­Beiträge LT TA 339 305,5

ART-Berichte

Total

LT 109

TA 74,5

LT 64

TA 60

LT 512

TA 440

2006

346.5

289.5

115.5

79.5

66

47

528

416

2007

357

296

108

80

95

88

560

464

März 2008/Zw


SVLT n hatte noch 1200 Tonnen ergeben. Die neue Zahl entspricht der Schätzung von Jürg Fischer. Das Medienecho auf die Meldung war sehr gross. Unter anderem brachte die Nachrichtensendung «10 vor 10» einen längeren Beitrag zum Thema.

Im Interesse der Mitglieder Auch in den Bereich Interessenvertretung fallen Stellungnahmen des SVLT zu Änderungen der technischen Anforderungen an Strassenfahrzeugen und der Verkehrszulassungsverordnung. Die Standpunkte zum ersten Verordnungspaket zur Agrarpolitik 2011 beschränkten sich auf die Themen Pflanzenschutz und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Für die Nachrüstung der Pflanzenschutzgeräte mit Spülwassertank konnte ein praxistaugliches Vorgehen mit einer vernünftigen Übergangsfrist erreicht werden. Der Text der im November verabschiedeten Direktzahlungsverordnung deckt sich im Wesentlichen mit dem Vorschlag des Verbandes. Ab 2011 wird ein Spülwassertank bei allen Geräten ab 350 Liter Nenninhalt obligatorisch.

Spitzentests und Beratung Das Konzept Spritzentest hat der Verband in den letzten 20 Jahren in der Schweiz etabliert. In der Saison 2007 wurden von den vom SVLT betreuten Prüfstellen gut 3300 Feldspritzen und knapp 900 Sprühgeräte für den Obstund Weinbau geprüft. Der technische Dienst ist in seiner Rolle als beratende Stelle am Puls der Mitglieder. Pro Tag kommen zwei bis drei Anfragen. Bei fast der Hälfte handelt es sich um Fragen zum Strassenverkehr, ge-

folgt von Beratungsgesprächen zu landtechnischen Themen wie Kriechströme, Heubelüftungen, Versicherungen, Mehrwertsteuer und überbetrieblicher Maschineneinsatz.

Schweissen und Fahren In Grange-Verney und Riniken organisierte der Verband auch 2007 ein vielseitiges Angebot an landtechnischen Kursen, die den Teilnehmenden im Einzelfall einen hohen Nutzen bringen. Am beliebtesten waren die Unterhaltskurse für Maschinen und Traktoren, gefolgt von den Schweisskursen, welche seit Jahren die stabilsten Teilnehmerzahlen aufweisen. In Riniken liegt die Anzahl der durchgeführten Kurse mit 42 etwas über dem Durchschnitt von 40 Kursen in den letzten sechs Jahren, die Kurse waren jedoch im Schnitt weniger gut besucht als im Vorjahr. Mit über 700 Teilnehmenden an 39 Kursorten war beim Fahrkurs G40 erneut ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, insbesondere in der Westschweiz. Die Instruktoren sind Fahrlehrer der Kat. 2 «Lastwagen» und vom Schweiz. Verkehrssicherheitsrat (VSR) diplomiert. Sie müssen regelmässig einen Ausbildungs- und Tätigkeitsnachweis erbringen. Interne Weiterbildungen und konsequente Kursentwicklung bieten Gewähr für die hohe Qualität der G40Fahrkurse. Dennoch ereignete sich im Herbst im Rahmen eines G40-Fahrkurses ein tödlicher Unfall. Der getötete Jugendliche fuhr zwar einen gesetzeskonform immatrikulierten Traktor, jedoch ohne Sturzsicherung. Der SVLT bedauert diesen Unfall zutiefst. In der Folge hat er die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Viel Medienecho für die korrigierten Zahlen zum Dieselrussausstoss der Landwirtschaft.

Mehr Inhalt Die zweisprachige Verbandszeitschrift «Schweizer Landtechnik/Technique agricole» konsolidierte ihre gute Position im landwirtschaftlichen Pressemarkt. Die Anzahl redaktioneller Seiten wurde durch mehr selbst recherchierte Beiträge weiter erhöht (siehe Tabelle). Ein grosser Kreis an internen und externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützte die Arbeit der Redaktion. In Zusammenarbeit mit der Fachkommission 6 und der Benteli-Hallwag Druck AG wurde Ende 2007 das Layout erneuert und mit der Ausgabe vom Januar 2008 umgesetzt. Zudem wurde die Vereinbarung zwischen der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) und dem SVLT über den Abdruck der ART-Berichte erneuert.

Ausgeglichene Rechnung Die Jahresrechnung schloss bei einem Ertrag von gut 1,8 Millionen Franken mit einem Überschuss von 2500 Franken ab. Die Einnahmen gingen leicht zurück, weil die Zahl der Mitglieder weiter abnahm, etwas weniger stark als die Zahl der Landwirte. Einem höheren Personalaufwand und sonstigem Betriebsaufwand standen geringere Ausgaben beim Posten Büro und Verwaltung gegenüber. Ausserdem fielen die Liegenschaftskosten niedriger aus, und der Verband zahlte weniger Steuern. Die weitere Entwicklung des SVLT wurde mit der Klausurtagung im November eingeleitet. Ziel bleibt, die Mitglieder im Bereich Landtechnik kompetent zu unterstützen und ihre Interessen im Bereich Strassenverkehr und Maschinen gegenüber Bund und Kantonen zu vertreten.  n

Der neue Direktor Willi von Atzigen informiert die Delegierten über die Neuausrichtung des Verbandes.

September 2008  Schweizer Landtechnik

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n SVLT

Der Jura schafft im Kanton Solothurn unterschiedliche Landwirtschaftszonen: Ackerbau am Südfuss, Viehwirtschaft auf den Jurahöhen, Kirschenanbau am Nordfuss. Das Bildungszentrum Wallierhof ist der gemeinsame Treffpunkt. (Fotos: Alfred Brand)

Solothurn: Jura bringt Vielfalt Äcker, Wiesen und Wald bedecken 90 Prozent der Fläche des Kantons Solothurn – überdurchschnittlich viel für Schweizer Verhältnisse. Die beiden Juraketten teilen Solothurn in drei unterschiedliche Regionen: Äcker und Wiesen auf der Südseite, Weiden auf den Jurahöhen und Kirschbäume auf der Nordseite.

Edith Moos-Nüssli

In drei Regionen mit unterschiedlichem Klima teilen die Juraketten den Kanton Solothurn. Am Jurasüdfuss liegen fruchtbare Äcker und Weiden, hier dominiert der Getreidebau. Die Jurahöhen bilden das Solothurner Berggebiet. Der Boden ist dort flachgründiger, die Landwirtschaft extensiver, die Betriebe entsprechend grösser. Milchwirtschaft und Viehzucht sind auf diesen Betrieben die wichtigsten Einnahmequellen. Auf dem flacheren Tafeljura prägen Kirsch- und Zwetschgenbäume das Landschaftsbild. Daran schliessen sich gegen Norden Ausläufer der oberrheinischen Tiefebene mit fruchtbaren, ackerfähigen Böden. Im Mittelland ist es einfach, einen Nebenerwerb ausserhalb der Landwirt-

20

September 2008  Schweizer Landtechnik

schaft zu finden. Auf den Jurahöhen bieten Agrotourismus und Bergrestaurants Zusatzeinkommen. Gesprengt wird diese Aufteilung durch die Region Bucheggberg, die sanft hügelige Region zwischen Solothurn und Bern. Sie liegt abseits der Wirtschaftszentren und der Tourismusströme und ist geprägt durch eine klein strukturierte Landwirtschaft.

Schweine-, Legehennen- und Pouletmastställe sind wenig vertreten. Einzig die Rindviehhaltung ist von grosser Bedeutung. Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind gut die Hälfte Naturwiesen und Weiden, ein Drittel offene Ackerfläche und ein Sechstel angesäte Wiesen. Bei den Ackerkulturen dominiert das Getreide.

Viel Getreide, wenig Tiere

Von der Kornkammer zum Logistik-Valley

Die Hälfte der Kantonsfläche ist landwirtschaftlich nutzbar – im schweizerischen Mittel ist es gut ein Drittel. Zwei Fünftel sind Wald, ebenfalls deutlich mehr als in den übrigen Kantonen. Bei den Nutztieren verhält es sich genau umgekehrt: Im Vergleich zur übrigen Schweiz gibt es im Kanton Solothurn verhältnismässig wenig Nutztiere.

Traditionell galt das Gebiet rund um das Autobahndreieck Härkingen als Kornkammer Solothurns. Jetzt fressen sich dort immer mehr Hallen von Transporteuren und Verteilzentren von Detailhändlern in die Landschaft. «Logistik-Valley heisst das Gebiet heute», sagt Samuel Keiser, Präsident des So-


SVLT n lothurner Bauernverbandes. Die fruchtbarsten Böden wurden und werden hektarweise zubetoniert. Das führe zu Konflikten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und innerhalb der Landwirtschaft, erklärt er. Baulandverkäufe machten einige Landwirte reich – und diese können mehr bezahlen für Bodenkauf oder -pacht als Kollegen, die ihr Einkommen vor allem in der Landwirtschaft erwirtschaften. Das Problem kennt auch die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler. «Wir kämpfen dafür, dass die Landwirtschaft in diesem Gebiet nicht unter die Räder kommt.» Im Gespräch betont sie, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Teil der Volkswirtschaft sei, wichtig für die Versorgung mit Lebensmitteln und für Arbeitsplätze. Im Kanton Solothurn sind insbesondere zwei grosse Schlachtbetriebe eng mit der Landwirtschaft verbunden. Um den Druck auf Äcker und Wiesen zu verringern, hat der Kanton zusammen mit der Handelskammer ein Programm entwickelt, um Industriebrachen wieder zu beleben. «Der Kanton wurde früh industrialisiert», erklärt Esther Gassler. Viele Pionierunternehmen seien später verschwunden, die Gebäude stünden teilweise leer.

Fortschrittlich und beharrlich Die Anliegen der Acker,- Vieh- und Obstbauern unter einen Hut zu bringen ist laut Keiser nicht einfach. Er bezeichnet die Aufgabe jedoch nicht als schwierig, sondern als interessant. Zumal die Solothurner Bauer und Bäuerinnen angenehme Menschen seien, «gäbig» zum Zusammenarbeiten und bereit, sich Veränderungen anzupassen. Ausserdem würden sie fortschrittlich denken, seien offen für unkonventionelle Vorschläge. So diskutierten die Solothurner einen EU-Beitritt oder schlugen vor, die Milchkontingentierung abzuschaffen, als das noch kein Thema war. «Manchmal sind wir vielleicht zu forsch», meint Samuel Keiser. Beim Freihandelsabkommen mit der EU will er nicht gerade mit dem Referendum drohen. «Wir wollen mitdenken, mitreden und mitentscheiden, nicht abblocken», ist seine Maxime. Gleichzeitig hängen die Solothurner Bäuerinnen und Landwirte an ihren Höfen. Das Beharrungsvermögen sei gross, findet Bauernpräsident Keiser. Um sich besser zu profilieren, schuf der

Bauernverband Ende 2001 eine eigenständige Regionalmarketinggesellschaft. Ihr Credo: «Der Erfolg liegt in der hohen und stabilen Qualität unserer Produkte und der Natürlichkeit.» Die grosse Herausforderung war, im vielfältigen Kanton für alle Regionalmarketingaktivitäten ein einheitliches Logo zu schaffen, das einen gemeinsamen Auftritt ermöglicht. Geeinigt haben sich die Beteiligten auf «SO natürlich». Einige engagierte Personen investierten viel Arbeit, Fleiss und guten Willen, was dem Image diene, ohne das grosse Geld abzuwerfen, bemerkt der Bauernpräsident. Seit drei Jahren ist das Solothurner Regionalmarketing unter dem Dach von «Das Beste der Region», eine Initiative der Berner. Der Solothurner Bauernsekretär Peter Brügger präsidiert den Verein mit Sitz im emmentalischen Bärau.

Intakte Zukunftsperspektiven Keiser ist optimistisch für die Zukunft der Solothurner Landwirtschaft, auch wenn für ihn klar ist, dass weitere Bauernhöfe verschwinden werden. Der Strukturwandel soll im Rahmen des Generationenwechsels stattfinden: «Es wäre fatal, Bauern im besten Alter aus der Landwirtschaft zu drängen». Regional sieht er Unterschiede: Die Betriebe im Mittelland sind logistisch gut erschlossen und werden sich behaupten, auch wenn in der Landwirtschaft weniger Einkommen erwirtschaftet wer-

den könne. Ausgenommen das Gebiet Bucheggberg mit seinen kleinflächigen Strukturen. Dort sieht Keiser die grössten Probleme. Im Jura werde es kaum weniger Betriebe geben, er erwartet jedoch mehr Zusammenarbeit. Gute Chancen sieht er für diejenigen Obstbauern am Juranordfuss, die sich spezialisiert haben. «Wer vorwärts schaut, hat eine Chance», findet Keiser – es werde aber nicht einfacher. Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler sieht ebenfalls Zukunftsperspektiven. «Nahrungsmittel werden wir immer brauchen», argumentiert sie. Im Kanton werde hohe Qualität produziert. Zudem würden die Landwirte die Landschaft gestalten. Eine Öffnung der Grenzen müsse deshalb «mit grösster Sorgfalt» angegangen werden, postuliert sie. «Wir müssen genau prüfen, was wir uns einhandeln.» Ausserdem wolle der Kanton die Bauernfamilien eng und sorgfältig begleiten. Die Landwirtschaftsdirektorin betont die enge und gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Bauernverband und Regierung. «Die Regierung ist immer zu den Bauern gestanden», betont sie. Ein Zeichen dafür sei das Bildungszentrum Wallierhof, das der Kanton bis jetzt behalten hat – und auch in Zukunft erhalten will. Es ist das Zentrum, an dem sich die Solothurner Landwirte und Bäuerinnen aus den unterschiedlichen Regionen treffen.  n

Solothurner Landwirtschaft in Zahlen (2007) mo. 32 300 Hektaren bewirtschafteten die 1425 Solothurner Landwirte, das sind im Schnitt 22,7 Hektaren. Dazu kommen 65 Alpbetriebe auf den Jurahöhen. Rund 30 Prozent sind Nebenerwerbsbetriebe, 126 Höfe werden biologisch bewirtschaftetet. Auf den Betrieben arbeiten rund 5000 Personen, drei Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Von der Nutzfläche liegen drei Fünftel in der Talzone (18 417 ha) ein knappes Fünftel in der Hügelzone (5330 ha), das letzte Fünftel in der Bergzone (6223 ha). 4300 Hektaren gelten als Hanglage (18–35%,) 466 Hektaren als Steillage (über 35%). Zehn Prozent sind ökologische Ausgleichsflächen (3219 ha). Knapp ein Drittel sind offene Ackerfläche (10 500 ha) davon 3223 ha Brotgetreide, 2987 ha Futtergetreide, 908 ha Ölsaaten (Raps, Sonnenblumen, Soja), 623 ha Zuckerrüben, 433 ha Kartoffeln. Dazu kommen 141 ha Dauerkulturen und 101 300 Hochstamm-Feldobstbäume Die Viehzählung 2007 ergab: 44 615 Rindvieh, davon 16 619 Milchkühe, 3184 Mutterkühe, 2972 Pferde, 4883 Schafe, 653 Ziegen, 17 189 Schweine, 31 559 Legehennen, 138 930 Mastpoulets.

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n SVLT

Sie führen die Sektion Solothurn: Präsident Andreas Schluep, Vizepräsident Heinz Gautschi, Aktuar Martin Studinger sowie Geschäftsführer Beat Ochsenbein und die Beisitzer Konrad Flury, Hansruedi Scheurer und Paul Müller. (Fotos: mo)

Zurückhaltend und zuverlässig Ins Parktheater Grenchen lädt die Sektion Solothurn zur Delegiertenversammlung 2008. Der Vorstand unter Präsident Andreas Schluep vertritt die Mitglieder und verbindet Landwirte und Lohnunternehmer. Gegründet wurde die Sektion am 19. Januar 1929, um die Schweizerische Vereinigung der landwirtschaftlichen Traktorbesitzer regional besser zu verankern. Edith Moos-Nüssli

Innerhalb des SVLT gehören die Solothurner zu den Zurückhaltenden. In den Sektionsnachrichten ist das rot-weisse Wappen selten vertreten. Das war schon so in den ersten Jahren der Verbandszeitschrift «Der Traktor», die 1938 lanciert wurde. Auch in den Protokollen der ersten Vorstandssitzungen und Generalversammlungen finden sich selten Voten der Solothurner Vertreter. So zurückhaltend die Solothurner sind, so zuverlässig erledigen sie die ihnen übertragenen Aufgaben im Kanton und organisieren einmal pro Generation eine Delegiertenversammlung. Im Kanton haben sie sich zusammen mit dem Nutzfahrzeugverband Astag dafür eingesetzt, dass die Strassenkreisel für schwere Traktoren gut befahrbar sind. Auch bei den Begleitmassnahmen im Zusammenhang mit dem Bau der Na-

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tionalstrasse A5 hat sie ihr Mitspracherecht wahrgenommen. Zudem bieten die Solothurner Kurse für die Fahrprüfung Kategorie G an und zusammen mit der Sektion beider Basel organisieren sie Feldspritzentests sowie einen Traktorkurs für Frauen. Zu aktuellen Themen werden nach Bedarf Maschinenvorführungen und Werkstattkurse durchgeführt. Ein wichtiger Bestandteil des Jahresprogramms ist eine Sektionsreise, meist ein- bis zweitägig, alle drei, vier Jahr viertägig. Das fördert den Zusammenhalt und den Austausch. Nicht zuletzt organisiert die Sektion zusammen mit der Kantonalen Landjugend alle drei Jahre eine kantonale Meisterschaft im Traktorgeschicklichkeitsfahren. Über diese Zusammenarbeit wurde Andreas Schluep von seinem Vorgänger Fredy Tschumi entdeckt und 1993 als Sek­ tionspräsident vorgeschlagen und gewählt.

Geschickter Schachzug Gegründet wurde die Sektion Solothurn am 19. Januar 1929 aus bisherigen Einzelmitgliedern der Schweizerischen Vereinigung landwirtschaftlicher Traktorbesitzer (heute SVLT). Es war die neunte Sektion. Lanciert wurde sie, um den Ende 1924 gegründeten Verband regional besser zu verankern und neue Mitglieder zu gewinnen. «Es ist überall recht schwierig, die Traktorbesitzer zur Mitgliedschaft zu bewegen», heisst es im Vorstandsprotokoll vom November 1927. Ein Jahr später wurde festgehalten, dass die Vereinigung danach trachtet, auch in Kantonen eine Sektion zu gründen, wo heute noch keine bestehe. Neben Solothurn werden Basel, St. Gallen und Neuenburg erwähnt. Initiant der Sektion Solothurn war Albin Jäggi aus Fulenbach. Er wurde im Oktober 1928 zusammen mit Samuel Nussbaumer aus Reinach BL in den Vorstand gewählt. Die beiden Traktorbesitzer


SVLT n

hatten sich in der Diskussion gemeldet und bereit erklärt, «bei der Gründung einer kantonalen Sektion behilflich zu sein». Um die Wahl zu ermöglichen, mussten zuerst die Statuten geändert werden, da diese nur Sektionspräsidenten als Vorstandsmitglieder vorsahen. Das Vorgehen war erfolgreich: Keine drei Monate später ist die Sektion Solothurn gegründet und Basel folgt Ende 1929.

Harziger Start Die ersten Jahre im Kanton Solothurn verlaufen harzig, die Mitgliederzahl pendelt um 30 Personen, obwohl der Zentralpräsident an jeder Sitzung mahnt, «zielbewusst Mitglieder zu werben», «die Reklameglocke energisch zu ziehen». 1941 wird die Marke von 100 Mitgliedern überschritten, ein kontinuierliches Wachstum setzt nach dem Zweiten Weltkrieg ein. 1950 sind es 283 Mitglieder, zehn Jahre später 688 und es dauert nur weitere drei Jahre bis die 1000er-Grenze erstmals überschritten wird. Bis 1970 liegt die Zahl immer über 1000, der Höchstbestand wird 1966 mit 1059 Mitgliedern erreicht. In den Siebzigerjahren macht sich der Rückgang der Landwirtschaftsbetriebe bemerkbar, jedoch nur leicht. Bis Anfang der Neunzigerjahre pendelte der Mitgliederbestand um die 900 Landwirte. Ende 2007 zählte die Sektion 626 Mitglieder, das entspricht 44 Prozent aller Solothurner Landwirtschaftsbetriebe.

Effektiv ist der Anteil höher, denn die Sektion Solothurn umfasst nicht das ganze Kantonsgebiet, sondern nur die Landwirte am Jurasüdfuss, vom Niederamt um Olten bis zum Bucheggberg zwischen Solothurn und Bern. Die Landwirte am Juranordfuss, die Schwarzbuben, sind Mitglied der Sektion beider Basel. Das wurde 1935 im Vorstand der Schweizerischen Vereinigung beschlossen. Die Basler schlugen damals vor, die Traktorbesitzer im Jura zu bearbeiten und zu gewinnen, weil sie ihnen am nächsten gelegen seien. Solothurner und Berner Vertreter waren damit einverstanden.

Eng verbunden mit dem Wallierhof Albin Jäggi, der erste Sektionspräsident, bemerkte im September 1930, dass es wichtig sei, die landwirtschaftlichen Schulen für die Sache der Vereinigung zu gewinnen, die «gegenüber der Anwendung von Traktoren eher eine ablehnende Stellung eingenommen haben». Das ist gelungen, Jäggi hat es aber nicht mehr erlebt. Er starb zwei Monate später. Die Sektion Solothurn ist seit Jahrzehnten eng mit dem kantonalen Bildungszentrum Wallierhof verbunden. So übernahm Fredy Tschumi 1977 von seinem Vorgänger Sury nicht nur die Stelle als Werkführer am Wallierhof, sondern auch das Präsidium der Sektion Solothurn.

Aktuell garantiert Geschäftsführer Beat Ochsenbein die Verbindung. Er ist gelernter Landwirt und Landmaschinenmechaniker, führt in Etziken einen Betrieb mit Schwerpunkt Schweinezucht und Mutterkuhhaltung und gibt seit 1993 Werkstattunterricht am Solothurner Bildungszentrum. Beim SVLT hat er als Kursleiter Kategorie G begonnen und vor zehn Jahren die Geschäftsführung übernommen.

Spezialisiert wie die Landwirtschaft Der Vorstand rund um Präsident Andreas Schluep präsentiert sich als gutes Team. «Ich finde es spannend, zu wissen, was läuft», erzählt Gemüseproduzent Paul Müller. Aktuar Martin Studinger findet, der SVLT und seine Sektionen seien eine Organisation, die für die Bauern einstehe. Ausserdem sei Landwirtschaft ohne Maschinen heute nicht mehr denkbar. «Unsere Aufgabe ist spezialisiert wie die Landwirtschaft», betont Geschäftsführer Beat Ochsenbein. So hat sich das Tätigkeitsprogramm laufend den Bedürfnissen der Mitglieder angepasst. Eine SVLT-Delegiertenversammlung zu organisieren sei mit viel Arbeit verbunden, erzählt OK-Präsident Heinz Gautschi. Es mache aber auch Spass. «Neu ist für mich, mit Nicht-Landwirten zu verhandeln und etwas anders als den Maschineneinsatz zu organisieren.»  n

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n SVLT aufweisen. Wird die Breite von 2,55 m überschritten, braucht es aber ebenfalls eine Sonderbewilligung als Ausnahmefahrzeug. Das Zugfahrzeug kann weniger breit als der Arbeitsanhänger sein. Auf einem Arbeitsanhänger dürfen grundsätzlich keine Güter transportiert werden. Eine Ausnahme bilden Werkzeuge und Betriebsmittel, die für den Einsatz der Maschine benötigt werden. Unter diesen Begriff fallen Wickelfolien, Ballennetze und Pressgarne; die letzte Siloballe darf aber weder in der Presskammer noch auf dem Wickeltisch nach Hause transportiert werden.

bremsen

Transportanhänger mit Überbreite als Ausnahmefahrzeug eingelöst (Bild: Ueli Zweifel).

Anhänger nicht gleich Anhänger Landwirtschaftliche Anhänger unterscheiden sich nach ihrer Verwendung und Bauart. Wer einen Traktor vor seinen «Anhänger» spannt, muss sich im Klaren sein, was dies aus Sicht des Strassenverkehrsrechts bedeutet. Anhänger ist nicht immer gleich Anhänger.

Dominique Berner, Stephan Berger

transportieren Die meisten Anhänger in der Landwirtschaft sind strassenverkehrsrechtlich sogenannte Sachentransportanhänger. Je nach Bauart sind sie universell (Brückenwagen) einsetzbar oder für eine spezielle Art von Ladegut vorgesehen wie beispielsweise ein Druckfass, Mistzetter oder Viehwagen. Aufgebaute Aggregate wie Pumpen, Kipperhydraulik oder Pick-up dienen nur zum Be- oder Entladen des Anhängers. Hauptverwendungszweck bleibt der Transport von Gütern. Zwei Transportanhänger dürfen zusammen gekoppelt werden. Dies aber nur, wenn der erste Anhänger über eine genügend hohe Anhängelast verfügt und der gesamte Lastenzug die erlaubte Dominique Berner, Technischer Dienst SVLT / Stephan Berger, Fachstelle Landtechnik und Unfallverhütung Strickhof

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Länge von 18.75m nicht überschreitet. An landwirtschaftlichen Anhängern dürfen vorübergehend erforderliche Zusatzgeräte bis zu einer Breite von 3 m montiert werden, z.B. Schleppschlauchverteiler an Güllefass. Das gleiche gilt für Doppelräder. Ist aber der Transportanhänger mit Breitreifen ausgerüstet und wird das Mass von 2,55 m in der Breite überschritten, so ist eine Sonderbewilligung nötig. Der Anhänger erhält dann ein braunes Kontrollschild. Da das Zugfahrzeug in jedem Fall mindestens die Breite des Anhängers aufweisen muss, drängt sich in diesen Fällen eine Doppel- oder Breitbereifung auf.

arbeiten Im Gegensatz zum «Sachentransportanhänger» ist ein «Arbeitsanhänger» eine Maschine auf Rädern. Klassische Beispiele für Arbeitsanhänger sind Pressen, Futtererntegeräte mit grossen Arbeitsbreiten und gezogenen Kartoffeloder Zuckerrübenroder. Arbeitsanhänger dürfen eine Breite von maximal 3,5 m

Landwirtschaftliche Anhänger verfügen in der Regel über hydraulische Anhängerbremsen. Druckluftsysteme sind aber zunehmend auf grösseren Zugfahrzeugen und entsprechenden Transportanhängern aufgebaut, vor allem auch wenn es sich um Occasions-Fahrzeuge aus dem Transportgewerbe handelt. Beide Druckluftbremssysteme funktionieren gleichzeitig auch als Abreissbremse: Wenn sich der Anhänger unbeabsichtigt vom Zugfahrzeug trennt, löst der Druckabfall in der unterbrochenen Verbindungsleitung eine Vollbremsung aus. Bei der hydraulischen Bremsanlage muss hierfür am Anhänger eine Auslösevorrichtung mit Druckspeicher montiert werden. Für die Frage, wann ein Anhänger über welches Bremssystem verfügen, ist die Geschwindigkeit relevant. Zieht ein Traktor mit Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h einen Anhänger, so muss dieser ab 3 Tonnen Garantiegewicht eine Betriebsbremse aufweisen. Bis 6 Tonnen Garantiegewicht genügt eine Auflaufbremse als Betriebsbremse. Soll mit einem Anhängerzug 40 km/h gefahren werden, so ist eine Betriebsbremse bereits ab 0,75 Tonnen Garantiegewicht vorgeschrieben, eine Auflaufbremse darf nur bis 3,5 Tonnen eingesetzt werden. Zusätzlich muss ab 1,5 Tonnen Garantiegewicht die Bremsanlage so konstruiert sein, dass sie den Anhänger selbständig zum Stillstand bringen kann (Abreissbremse). Übrigens: Nach wie vor sind bekanntlich die meisten landwirtschaftlichen Anhänger nicht immatrikuliert. Dann gilt auch mit einem 40 km/h Traktor als Zugfahrzeug die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h des nicht eingelösten ­Anhängers.  n


SVLT n Zusammensein mit den hier ansässigen Schweiz-Brasilianern. 8. Tag: Kurze Fahrt nach Itaiba und Besuch des Zooparks von Ueli Furrer. Mittagessen in «Furrers Restaurant». Flug nach Rio. 9. Tag: Der heutige Tag gehört Rio de Janeiro, einer der schönsten Städte der Welt. 10. Tag: Rund 130 km ausserhalb von Rio befindet sich Nova Friburgo, das 1812 von aus Fribourg stammenden Siedlern gegründet wurde. Auf dem Programm steht auch ein Besuch der Molkerei ­«Frialp». 11. Tag: Der letzte Tag steht in Rio de Janeiro zur Verfügung.

Zuckerhut: Wahrzeichen von Rio. Der Besuch der Traumstadt gehört zum Reiseprogramm.

SVLT Fach- und Ferienreise 2009: Brasilien Der Süden des Riesenlandes ist das Ziel der SVLT Fach- und Ferienreise. Klimatisch schon etwas gemässigt, bietet es eine üppige Vegetation und grosse Möglichkeiten für die landwirtschaftliche Nutzung. Die Reise hat durch die Begegnungen mit ausgewanderten Familien, die Fahrt durch reizvolle Landschaften und die Besuche auf Landwirtschaftsbetrieben sehr viel zu bieten. Das Reiseprogramm gibt davon einen Einblick:

Reiseprogramm 1. Tag: Flug nach Curitiba im Süden des Landes. 2. Tag: Ankunft gegen Mittag und am Nachmittag kurze Stadtrundfahrt. 3. Tag: Fahrt zur Witmarsum Kolonie, so benannt nach dem friesischen Geburtsort des Täuferführers Menno Simons. Heute umfasst die mennonitische Gemeinde 250 Mitglieder, die in erster Linie Landwirtschaft betreiben. Reisebegleiter ist Josef Lötscher, seines Zeichens «Swiss-Cheese-Maker». 4. Tag: Besuch beim aus Luzern stammenden Hans Nick. Er ist Spezialist für den Anbau von Kaffee und betreibt

Fleisch­rinderzucht mit Nelore- und Limousin-Rindern. 5. Tag: In Guaimbé befindet sich die Farm von Arthur Baumgartner. Sein Grossvater stammte aus Solothurn und wanderte 1910 nach Brasilien aus. Nebst dem Zuckerrohranbau und der Rinderzucht hat sich die Familie einen Namen in der Herstellung von Kautschuk gemacht.

12. Tag: Am frühen Nachmittag Fahrt zum Flughafen und Rückflug in die Schweiz. 13. Tag: Ankunft in Zürich.

Reisedaten: Reise 1: 05.01. bis 17.01.09; Reise 2: 12.01. bis 24.01.09; Reise 3: 19.01. bis 31.01.09; Reise 4: 26.01. bis 07.02.09; Reise 5: 02.02. bis 14.02.09; Reise 6: 09.02. bis 21.02.09; Reise 7: 23.02. bis 07.03.09; Verlängerung: Badeferien direkt am Meer im bekannten Badeort Buzios. Änderungen vorbehalten! Ausführliches Reiseprogramm und ­Prospekt ab Ende September bei: Bischofberger Info Reisen, Dufourstr. 157, 8034 Zürich, Tel. 044 384 93 93 info@bischofberger-reisen.ch  n

6. Tag: Panoramafahrt nach Indaiatuba vorbei an riesigen Soja-, Mais- und Orangenplantagen, Begegnung mit einem brasilianischen Veterinär schweizerischer Abstammung. 7. Tag: Das heutige Reiseziel heisst «Helvetia». Der Ort wurde 1888 von Schweizern gegründet, die teilweise bereits 1854 ausgewandert waren. Ein Besuch beim Kaffeeproduzenten Leo Ming darf nicht fehlen. Vieles ist über die Pionierzeit zu erfahren und mit etwas Glück gibt es ein gemütliches

Augenschein in der südbrasilianischen Landwirtschaft mit ihrem enormen Potential.

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n Sektionsnachrichten  

St. Gallen, Appenzell, Glarus Spezialkonditionen für Krankenversicherung Mitglieder des Verbands für Landtechnik St. Gallen erhal­ ten bei der Swica Krankenversicherung Spezialkonditionen. Zudem versichert Swica im Rahmen der «Kollektivverträge für die Landwirtschaft» auch die in den landwirtschaftlichen Betrieben tätigen Aushilfen gegen Unfallfolgen. Die Aus­ hilfen sind für Unfälle automatisch mitversichert, wenn der Betriebsinhaber oder dessen Ehefrau bei Swica mindestens über die gesetzliche Krankenpflegeversicherung sowie die Ergänzungsversicherung Completa Top verfügen. Die Swica zählt 600 000 Versicherte und bietet nach eige­ nen Angaben als einzige Krankenversicherung ein flächen­ deckendes Netz an alternativen Versicherungsmodellen an, mit dem bereits in der Grundversicherung Prämien gespart werden können. Informationen bei der Swica Agentur in Ihrer Nähe und bei der Swica Regionaldirektion St. Gallen, Vadianstrasse 26, ­Telefon 071 226 81 11 sowie unter der Gratisnummer 0800 80 90 80 und unter www.swica.ch

Zug

Gelenkte Triebachse am Steilhang Laufend werden neue Maschinen mit verbesserter Technik angeboten. Der Verband für Landtechnik Zug organisierte deshalb eine Vorführung mit hangtauglichen Heuernte­ maschinen auf dem Bergbauernhof von Josef und Anton Henggeler in Oberägeri. Gezeigt wurden Vorteile und ­Grenzen neuester Entwicklungen. Der Tag war ein voller Er­ folg, ­b estätigt durch den grossen Aufmarsch interessierter ­Besucher. Willi Gut von der landwirtschaftlichen Schule Cham nahm Stellung zu den aktuellen Problemen, Sicherheit, Bereifung und Manövrieren mit schweren Maschinen am Hang. Zum Aufladen des angewelkten Silofutters kamen Standard­ ladewagen sowie Wagen mit gelenkter Triebachse zum Ein­ satz. Thematisiert wurde auch die richtige Bereifung von der Agro-Räder AG Ruswil, wobei eine gute Doppelbereifung die grösste Sicherheit bietet. Verschiedene Modelle lassen sich in kürzester Zeit und im Einmannbetrieb montieren. Ein gut aus­ gerüsteter Hangtraktor rutscht eher ab als dass er kippt, vor­ ausgesetzt, er stösst nicht seitwärts an einen ­Widerstand.

Schwyz / Uri

Führerschein Kategorie F/G erwerben In Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Verkehrsamt Schwyz organisiert die Sektion Schwyz/Uri 1 ½-tägige Kurse um den Fahrausweis Kategorie F und G zu erwerben. Einsiedeln, Gasthaus Seehof (Tel. 055 412 21 89) Mittwoch, 24. Sept. und Freitag, 10. Okt. 2008 Ibach, Restaurant Rose (Tel. 041 811 48 42) Mittwoch, 17. Sept. und Freitag, 3. Okt. 2008 Wangen, Restaurant Hirschen (Tel. 055 440 11 49) Mittwoch, 10. Sept. und Donnerstag, 2. Okt. 2008 Erster Kurstag jeweils von 14 bis 17 Uhr Zweiter Kurstag jeweils von 9 bis 16 Uhr (inkl. Prüfung am Nachmittag) Kurskosten: 30 Franken für Mitglieder, 60 Franken für Nicht-Mitglieder plus ca. 10 Franken für die Kursunterlagen. Auskünfte und Anmeldung bei: Regina Reichmuth-Betschart, Geschäftsstelle SVLT, Sektion Schwyz/Uri, Fluofeld, 6414 Oberarth, Tel. 041 855 31 69

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Die Besucher zum Staunen brachte ein Transporter Reform Muli mit dem Zusatzgerät Speed Rake von der Landmaschi­ nenfirma Schuler Steinen. Dabei wird bis zu einer Arbeits­ breite von sechs Meter das Schwaden und Laden in einem Arbeitsgang erledigt. Mit Triebachse versehene Ladewagen wurden vorgeführt von der Firma Kurmann Landtechnik und Schmid Land­ maschinen Littau. Bei gesenktem Pick-up wird der Knick­ deichsel über einen Sensor so gesteuert, dass die Tast­rollen immer Boden­kontakt haben und somit einen optimalen Ladevorgang gewährleisten. Bei aktiver Lenkung fährt der Ladewagen immer in der Spur des Schleppers. Kein Stos­ sen bei eingeschalteter Triebachse und das Lenk- und An­ triebssystem schalten bei Strassenfahrten automatisch aus. Die Bedienung aller Elemente erfolgt über einen einfach zu ­bedienenden ­Computer. Willi Gut ist überzeugt, dass nicht jede Maschine für jeden Betrieb geeignet ist und individuell abgeklärt werden muss. Neuinvestitionen seien sorgfältig zu prüfen und Maschinen wenn immer möglich überbetrieblich einzusetzen. Auch eine nach neuester Technik ausgerüstete Maschine könne den Menschen nicht ersetzen, auch dürfte die modernste Errungenschaft am Traktor und Ladewagen den Fahrer nicht zu riskantem Manövrieren verleiten.  Josef Michel


SVLT ASETA

Kurszentrum Riniken 2008 / 2009 Angebote: Werkstattkurs K25 Umfassende Aus- und Weiter­ bildung in Schweisstechnik, ­Metallkonstruktion sowie ­Wartungs- und Reparaturdienst. Kursdauer 25 Tage Kurse Landtechnik Wartungs- und Reparaturdienst, Schweisstechnik (autogen, ­elektrisch, Schutzgasschweissen), Fahrzeugelektrik Haustechnik Sanitäre und elektrische ­Installationen Fahrkurs G40 2 Tage à 10 Lektionen Verlangen Sie die ausführliche Kursinformationen: zs@agrartechnik.ch www.agrartechnik.ch

Erfolgreicher Kursbesuch: Heute ist Res Röthlisberger im Lohnunternehmen zuständig für den ­Wartungsund Reparaturdienst und für Konstruktionsschweissen.

Schweizerischer Verband für Landtechnik – Fachorganisation für Land, Wirtschaft und Technik

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Name Adresse PLZ, Ort Telefon

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E-Mail Datum und Unterschrift q Ich will von den Tarifen für Mitglieder profitieren q Ich bringe folgende Maschinen, Geräte mit zum Kurs: Einsenden oder faxen an SVLT, Ausserdorfstrasse 31, 5223 Riniken, Fax 056 441 67 31


Werkstattkurse (Preise in Klammern gelten für Nichtmitglieder)

Werkstatt-Lehrgang K25

Ausbildung in Schweisstechnik, Metallkonstruktionen, Wartungs- und Reparaturarbeiten an Maschinen, Traktoren K25 25 Tage, CHF 1750.– (1950.–) 5 Wochen intensive Praxis in der Werkstatt, aufgeteilt in 8 Module: • MAG-Schutzgas- und Elektrodenschweissen • Autogenschweissen, Schneidbrennen, Hartlöten • Metallkonstruktionen nach eigenem Bedarf anfertigen • Bremsen, Beleuchtung und Aufbauten von Anhängern reparieren oder umändern • Gelenkwellen, Bodenbearbeitungs- und Futtererntemaschinen usw. reparieren • Dieselmotoren warten, Hydraulikzylinder reparieren • Traktoren, Hoflader warten und reparieren • Fahrzeugelektrik reparieren und nachrüsten Verlangen Sie den ausführlichen Kursbeschrieb. 17.11. – 19.12.2008; 9.3.–9.4.2009 * Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)

Schweissen

Schutzgasschweissen SMS 2 Tage, CHF 540.– (740.–) MAG-Schweissen an Profilen von 3–8 mm und Blechen von 1–2 mm, in verschiedenen Positionen. Kenntnisse über Metalle, Drahtelektroden und Schutzgase. 9.–10.9.2008; 1.–2.10.2008; 7.–8.1.2009; 5.–6.2.2009; 23.–24.6.2009 Elektrodenschweissen SES 2 Tage, CHF 540.– (740.–) Stahl in verschiedenen Stärken und Positionen schweissen. Kenntnisse über Metalle, Elektroden und Hartauftragschweissen. 17.–18.11.2008; 2-.3.2.2009; 9.–10.3.2009 Autogenschweissen/Hartlöten SAL  2 Tage, CHF 540.– (740.–) Feinbleche und Röhren schweissen. Verzinkten Stahl, Kupfer und Messing hartlöten. Schneidbrenner bedienen für Schneiddicke bis 50 mm. 19.–20.11.2008; 11.–12.3.2009

Kommunalbetrieb und Gartenbau

Unterhalt von Maschinen mit Dieselmotoren MDM 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Wartungsarbeiten am Motor und an der übrigen Maschine wie Rasentraktor, Häcksler, Plattenvibrator, Grabenstampfer, Raupendumper. Warten der Hydraulikanlage. Messer schärfen. Stilllegungsarbeiten. 22.10.2008; 11.6.2009

Unterhalt von Motorsensen, Kettensägen und Heckenscheren MGK 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Wartungsarbeiten am Motor. Pflege von Antriebswelle und Schwert. Schärfen der Kette, Mähscheibe, Heckenschere. Störungen beheben. Stilllegung für die Winterpause. 2.9.2008; 10.10.2008; 10.2.2009; 18.6.2009 Unterhalt von Motorgeräten mit 4-Takt-Motoren MRG 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Wartungsarbeiten an Motor, Rasenmäher, Bodenfräse. Messer schärfen. Kommunalmähbalken einstellen. Störungen beheben. Stilllegung für die Winterpause. 20.10.2008; 12.2.2009; 9.6.2009 Kettensägen MSK 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Ketten- und Schwertpflege, Motorservice und Vergaserregulierung, Störungen beheben, Seilstarter reparieren, Stilllegungsarbeiten. 5.1.2009

* Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)

Werkzeuge

Werkzeuge schärfen und härten WSH 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Meissel, Pickel, Metall- und Steinbohrer instand stellen. Schleifen von Baum- und Gartenscheren, Holzbearbeitungswerkzeuge, Hand- und Maschinenmesser. Schleifgeräteauswahl. 24.10.2008; 5.6.2009

Traktoren und Hoflader

Dieselmotoren warten und reparieren TDM 2 Tage, CHF 400.– (600.–) Einstell- und Reparaturarbeiten an Zylinderkopf, Kühl- und Kraftstoffanlage, Störungssuche, Servicearbeiten zum Überwintern. 11.–12.12.2008; 1.–2.4.2009 Traktoren zur MFK-Nachprüfung instand stellen TNP 5 Tage, CHF 900.– (1100.–) Lenkung, Vorderachse, Bremsen, Kupplung und Beleuchtung instand stellen. Abdichten bei Ölverlust am Motor oder Getriebe. 15.–19.12.2008; 3.–9.4.2009 Hoflader instand stellen THL  3 Tage, CHF 540.– (740.–) Wartungsarbeiten an Motor und Hydraulikanlage. Oellecks abdichten. Reparaturarbeiten an Ladeschwinge und Anbaugeräten. 17.–19.12.2008

* Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)


Elektrik und Beleuchtung

Fahrzeugelektrik EFZ 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Anhängerbeleuchtung nachrüsten und instand setzen, Richtungsanzeiger und Lichtanlage am Traktor reparieren. Störungen an Anlasser und Vorglühanlage beheben. 16.9.2008; 3.11.2008;  16.12.2008  6.4.2009

Maschinen und Anhänger

Mähwerke und Aufbereiter reparieren LMA  2 Tage, CHF400.– (600.–) Mähscheiben, Messerhalter und Antrieb von Scheiben- und Trommelmäher reparieren. Aufbereiter, Anbaurahmen und Schutzvorrichtung instand stellen. Lager ersetzen. 26.–27.3.2009 Gelenkwellen und Kupplungen LGW  1 Tag, CHF 220.– (320.–) Schutzteile, Schieberohre, Kreuz- und Weitwinkelgelenke reparieren, Überlast- und Freilaufkupplungen prüfen und instand stellen. 5.12.2008; 30.3.2009 Mähdreschertechnik für angehende Fahrer LMD 2 Tage CHF 400.– (600.–) Kennenlernen von Aufbau und Funktion der wichtigsten Mähdrescherkomponenten, ihre Einstellung und Wartung. 4.–5.3.2009 Pressen und Knüpfer LPK 1 Tag, CHF 220.– (320.–) Messer schleifen, Kolbenführung und Synchronlauf der Antriebe einstellen. Knüpfereinstellung nach Zugspannungsmethode, Bindefehler beheben. 5.11.2008

* Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)

Hydraulik

Hydraulikzylinder und –Armaturen HFZ  1 Tag, CHF 220.– (320.–) Wartung von Hydraulikanlagen, Zylinder reparieren, montieren von Stahlrohr- und Schlauchleitungen. Pumpen, Ventile, Hydromotoren. 7.11.2008; 25.3.2009 Hydraulische Anhängerbremsen HAB  2 Tage, CHF 400.– (600.–) Einbauen und abstimmen vorbereiteter Bausätze an mitgebrachten Anhängern, Druckfässern und weiteren Anhängermaschinen. 1.–2.12.2008; 23.–24.3.2009

* Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)

Gebäudeunterhalt

Mauern und verputzen BAU1 2 Tage, CHF 540.– (740.–) Steinmaterialien und Mörtelarten. Arbeitstechnik beim Mauern. Grundputz aufziehen. Kursleitung durch Baufachmann. 8.–9.1.2009 Abrieb und Edelputz BAU2  1 Tag, CHF 290.– (390.–) Verarbeiten von Reibe-, Kunstharzund Gipsputz. Arbeitsmethoden für dekorative Oberflächenstruktur. Kursleitung durch Baufachmann. 12.1.2009

Trockenausbau mit Gipskartonplatten BAU3  1 Tag, CHF 290.– (390.–) Trennwand-Ständerwerke und Türzargen einbauen. Isolation und Gipskartonplatten anbringen. Kursleitung durch Baufachmann. 13.1.2009 Wand- und Bodenplatten BAU4 1 Tag, CHF 290.– (390.–) Flächeneinteilung durch attraktives Fugenbild. Qualitätsanforderungen. Unterschiedliche Verlegearten. Schneiden und ausfugen der Platten. Kursleitung durch Baufachmann. 14.1.2009 Elektroinstallationen 230V BAU7 1 Tag, CHF 290.– (390.–) NIV-Vorschriften. Eignung und Schutzarten von Installationsmaterial. Ausführen von einfachen Installationen. Kursleitung durch Elektrofachmann. 2.3.2009

Oldtimer restaurieren

Traktoren und Einachser TOZ 5 Tage, CHF 900.– (1100.–) Einstell- und Abdichtarbeiten an Motor und Getriebe. Reparaturarbeiten an Vorderachse, Lenkung und Bremse. Elektrische Anlage und Beleuchtung instand stellen. 10.–14.11.2008

Allgemeine Hinweise: • Preise in Klammern für Nichtmitglieder • Die Kurseinladung mit Liste der Teilnehmenden und Rechnung wird spätestens eine Woche vor Kursbeginn verschickt. • Eigene Maschinen, Geräte und Werkzeuge können in den Kursen gewartet und repariert werden. Diese sind für eine erfolgreiche Kursgestaltung wichtig. Besprechen Sie Fragen betreffend Maschinen mit dem Kursleiter (056 441 20 22) • Mittagessen im Restaurant (im Kursgeld nicht inbegriffen), für mitgebrachte Speisen steht ein Mikrowellengerät im Aufenthaltsraum zur Verfügung, dort gibt es auch einen Kaffeeautomaten • Kursausweis bzw. Kurseintrag im Berufsausweis (mitbringen) • Allfällige Kursannulation mangels genügender Teilnehmerzahl: Die Angemeldeten werden nach Möglichkeit bis fünf Tage vor Kursbeginn benachrichtigt. • Bei Abmeldung innerhalb von 14 Tagen vor Kursbeginn wird ein Unkostenbeitrag von Fr. 60.– verrechnet, sofern keine zwingenden Gründe vorliegen. Unbegründetes Nichterscheinen am Kurs berechtigt den SVLT, das volle Kursgeld zu verlangen.


Fahrkurs G40 SVLT / ASETA 056 441 20 22

www. Der Fahrkurs G40 ist vom Bundesamt für Strassen anerkannt und wird im Füh­rer­ausweis eingetragen. Er kos­tet CHF 540.–, abzüglich eine Rück­erstattung von CHF 100.– aus dem Fonds für Verkehrs­sicherheit. Der zweitägige Fahrkurs G40 mit 20 Lektionen ist von Fachleuten sorgfältig konzipiert worden. Pro Kurs können fünf Teilnehmende

Kursorte

Aarberg BE • Bazenheid SG • Biberbrugg SZ • Brunegg AG • Bülach ZH • Bulle FR • Claro TI • Corcelles p.P. VD • Coutételle JU • Düdingen FR • Erstfeld UR • Frauenfeld TG • Gossau ZH • Hohenrain LU • Ilanz GR • Interlaken BE • Kägiswil OW • La Sarraz VD • Landquart GR • Langnau i.E. BE • Les Hauts-Geneveys NE • Lindau ZH • Lyss BE • Lyssach BE • Marthalen ZH • Mettmenstetten ZH • Moudon VD • Niederurnen GL • Nyon VD • Oensingen SO • Pfäffikon SZ • Salez SG • Schöftland AG • Schwarzenburg BE • Schwyz SZ • Sion VS • Sissach BL • Sitterdorf TG • Tramelan BE • Visp VS • Willisau LU • Zweisimmen / Saanen BE • Zwingen BL

Unterstützt durch den Fonds für Verkehrssicherheit (FVS)

berücksichtigt werden, die zusammen mit dem speziell ausgebildeten Fahrlehrer eine intensive und abwechslungsreiche Schulung erleben. Folgende Kursziele werden konsequent umgesetzt: Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fahrkurs G40 . . . •  beherrschen das Grundwissen in Theorie und Praxis zum Lenken eines landwirtschaftlichen Motorfahrzeuges mit Anbaugeräten oder Anhänger •  kennen die besonderen Verkehrsvorschriften für landwirtschaftliche Motorfahrzeuge •  kennen die Fahreigenschaften von Traktoren mit und ohne ­Anhänger •  sind sich der vergleichsweise geringen Beschleunigung und Verzögerung von Traktoren und der damit verbundenen Gefahrenquellen im Strassenverkehr be­wusst •  lenken ein landwirtschaftliches Motorfahrzeug verantwortungsbewusst und vorausschauend •  reagieren korrekt auf unerwartete Verkehrssituationen. Die Teilnehmenden bringen zum Fahrkurs G40 am ersten Kurstag den Traktor (30 oder 40 km/h) mit Fahrerschutz und am zweiten Tag Traktor und Anhänger mit. Das Kursaufgebot berechtigt zur Fahrt mit dem 40-km/h-Traktor zum Kursort. Mehr zum Fahrkurs G40 auf www.agrartechnik.ch. Bedingungen: Bestätigung über die Durchführung eines ausgewählten Kurses und Versand der Rechnung erfolgen ca. zwei Wochen vor dem ersten Kurstag. Bei Abmeldung weniger als 14 Tage vor Kurs­beginn wird ein Unkostenbeitrag von CHF 60.– erhoben. Nichterscheinen am Kurs berechtigt den SVLT, das volle Kursgeld zu verlangen.

Maschinenkurs Im Winter 2009 startet der erste Maschinenkurs für angehende Facharbeiter Lohnunternehmer. Ziel ist, dass Teilnehmende ihre Maschinen kennen, optimal einsetzen und Wartungsarbeiten übernehmen können. Organisiert wird der 20-tägige Kurs vom SVLT im Auftrag von Lohnunternehmer Schweiz.

Kursdetails

140 Lektionen Theorie und Praxis in 20 Kurstagen 19.–30. Januar 2009; 16.–27. Februar 2009 Themen: • Hydraulik • Elektronik • Dieselmotor • Fahrzeugelektrik • Fahrwerkstechnik • Triebwerkstechnik • Verbindungstechnik • Werk- und Betriebsstoffe • Flurförderfahrzeuge-Einsatz • Praktischer Maschinen-Einsatz Information: Sekretariat Lohnunternehmer Schweiz, 5223 Riniken, Tel: 056 441 20 22; E-Mail: zs@agrartechnik.ch


SVLT n Gotthard-Tessin oder Bern-Brig. Ab Zürich Fahrt mit direktem Cisalpino nach Padua, ab Bern Fahrt mit Umsteigen in Mailand. Abfahrt Zürich: 13.09 Uhr, Abfahrt Bern 13.35 Uhr, Ankunft Padua 19.00 Uhr Hotelbezug in Bahnhofsnähe, gemeinsames Nachtessen Mittwoch, 12. November 09:00 Uhr Werksbesichtigung 11:30 Uhr Mittagessen, offeriert von A. Carraro und Bucher Landtechnik 12:30 Uhr Direkte Busfahrt (ca. 1 ½ h) nach Bologna zum Besuch der EIMA 18:15 Uhr Busfahrt nach Imola (ca. 1 h), Hotelbezug und Nachtessen

Leserreise EIMA, Bologna Vom Dienstag, 11. bis Donnerstag, 13. November bietet die Schweizer Landtechnik eine informative Leserreise zur grössten italienischen Landtechnikausstellung EIMA in Bologna. Zum Rahmenprogramm gehört als besondere Attraktion die Besichtigung des Antonio Carraro Werks in Campodarsego (Nähe Padua). A. Carraro ist nach Firmenangaben der grösste Hersteller von Spezial­traktoren für die Landwirtschaft, für den Kommunaleinsatz und für Spezialkulturen wie Obst- und Weinbau. Seit dem Herbst 2007 importiert bekanntlich Bucher Landtechnik, Niederwenigen, diese Wendetracs, wie diese berggängigen Maschinen auch bezeichnet werden.

Auf der italienischen Landtechnikfachmesse EIMA sind praktisch alle Landtechnikhersteller vertreten, die in der Branche Rang und Namen haben, unter ihnen auch die Rapid Technic AG, Dietikon. Das Unternehmen präsentiert an dieser wichtigen internationalen Ausstellung echte Schweizer Qualität und zeigt seine ganze Breite der Motormäher und Geräteträger für die Landwirtschaft und den Kommunalbereich. Die Rapid Technic AG ist weltweit die Nummer 1 in der Entwicklung und Produktion der hydrostatischen Fahrantriebe. Die Schweizer Firma lädt die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer EIMA-Leserreise einmal mehr zu einem Apéro ein. Die EIMA ist im weitern bekannt dafür, dass hier die innovativen Entwicklungen der italienischen Landmaschinenfirmen vorgestellt werden. Dabei geht es immer wieder um ideenreiche Lösungen in der Gerätetechnik, u. a. für die Bodenbearbeitung und Sätechnik sowie für die Bewässerungs- und Pflanzenschutztechnik. Zudem umfasst ein grosser Sektor die Maschinen und Geräte zur NahrungsmittelKonfektionierung für die Direktvermarktung und den Handel.

Reiseprogramm (A. Carraro) Rahmenprogramm mit Besichtigung des A. Carraro Werks in Campodarsego

Dienstag, 11. November Individuelle Anreise zu den GruppenAbfahrtsorten auf der Strecke Zürich-

Donnerstag, 13 November 08:00 Bustransfer zur EIMA 11:00 Apéro auf dem Stand von Rapid Technic AG 15:30 Bustransfer zum Bahnhof Bologna und Rückreise nach Zürich (16.33 Uhr bis 22.29 Uhr) – direkter CIS-Zug – mit Verpflegungs-Möglichkeiten! nach Bern (16.33 bis 23.23 Uhr) – umsteigen in Mailand, beide Strecken direkte CISZüge – mit Verpflegungs-Möglichkeiten!

Im Pauschalpreis von CHF 650.– pro Person sind inbegriffen: Bahnreise in 2. Kl. mit Halbtax-Abo ab Wohnort über die Gotthard-Strecke nach Italien und zurück sowie Busfahrten – gemäss Programm / 2 Übernachtungen inkl. Frühstück und Nachtessen / Fachbesuch mit Mittagessen / Messebesuch / Landtechnik-Reiseleitung. Nicht inbegriffen sind weitere Mahlzeiten, Getränke, Reiseversicherungen, Zuschläge für Einzelzimmer sowie für Bahnreise ohne HalbtaxAbo und über andere Strecken.

Wichtige Hinweise Das detaillierte Reise-Programm mit ausführlicheren Angaben zu den Fahr­plänen, Leistungen und Zuschlägen sowie mit den Reisebedingungen und einem Anmeldetalon finden Sie unter www.agrar-reisen.ch (> Leserreisen) oder kann unverbindlich ­bestellt wer­den bei AGRAR REISEN, 062 834 71 51 Anmeldeschluss: 8. Oktober 2008 Organisation und Durchführung AGRAR REISEN, Rohrerstr. 100, 5001 Aarau Tel. 062 834 71 51, Fax 062 834 71 00 groups@agrar-reisen.ch www.agrar-reisen.ch  n

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n Sous la loupe

Andreas und Mösi Schluep (hinten Mitte) mit Matthias, Julia, Stefanie und Michelle bewirtschaften mit Angestellten einen gemischten Betrieb. Der Betriebsleiter ist verantwortlich für Ackerbau und Mutterschweine, Mösi Schluep für die Administration, Angela Rohrbach für den Kuhstall und Mutter Käthi Schluep (2.v.r) kocht am Mittag für alle. (Fotos: Schluep, mo)

Offene Tradition Auf der einen Strassenseite ein bhäbiges Bauernhaus, auf der anderen ein imposantes Bachsteinhaus: So unterschiedlich die Häuser, so vielfältig ist der Betrieb von Andreas und Mösi Schluep im solothurnischen Bucheggberg mit Ackerbau, Milchkühen, Mutterschweinen und Grossfamilie.

Edith Moos-Nüssli

Die Kaffeetassen und ein Teller Guetzli stehen auf dem Tisch, das Wasser kocht: Es ist halb zehn auf dem Bauernhof von Andreas und Mösi Schluep in Balm bei Messen im Kanton Solothurn. «Wer da ist, trifft sich um halb zehn zum Kafi», erklärt Mutter Käthi Schluep. Sie hat diese Idee von einem Landjugendaustausch in Holland mitgebracht. Ausserdem hat sie so fasziniert von ihren Erlebnissen dort erzählt, dass Andreas Schluep nach den zwei landwirtschaftlichen Lehrjahren im Kanton Solothurn ein halbes Jahr in Holland verbrachte, organisiert von der Austauschorganisation IFYE. Kaffee getrunken wird im Parterre eines imposanten Backsteinhauses, in der Küche der Eltern Käthi und Peter

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September 2008  Schweizer Landtechnik

Schluep. Dort essen auch alle gemeinsam Zmittag, Käthi Schluep kocht. In den zwei Stöcken darüber wohnen Mösi und Andreas Schluep mit ihren vier Kindern Matthias, Michelle, Julia und Stefanie sowie während neun Monaten pro Jahr ein polnischer Angestellter. Zum Hof, an der Hauptkreuzung des kleinen Dorfes im Limpachtal, am Fuss des Bucheggbergs, gehören ferner ein traditionelles Bauernhaus, ein Speicher, ein Schweinestall und eine Lagerhalle.

Lieblingskultur Kartoffeln An Holland hat den Präsident der Sektion Solothurn auch die Saatkartoffelproduktion interessiert. Kartoffeln sind seine Lieblingskultur. Dieses Jahr hat er sechseinhalb Hektaren gepflanzt, bei total 31 Hektaren offener Ackerfläche, 12 Hektaren Kunstwiese und 5 Hektaren

Naturwiese, vorwiegend ökologische Ausgleichsflächen. Es ist das erste Jahr, dass Andreas Schluep so viel Fläche beackert. Auf Anfang 2008 konnte der Meisterlandwirt einen Nachbarbetrieb mit 19 Hektaren Land pachten, inklusive Pächterinventar. Deshalb hat er zurzeit einen umfangreichen Maschinenpark, den er schrittweise reduzieren wird. Maschinen sind für ihn Arbeitsgeräte. Er sei nicht von Landtechnik angefressen und auf keine bestimmte Traktormarke fixiert. Landini fährt er, weil der Garagist von Balm diese Marke führt. Der Hof liegt ebenfalls an der Strassenkreuzung und war schon einmal in der Hand der Familie Schluep, deren Stammbaum sich in Balm bis Anfang des 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Das ganze Land ist verteilt auf einige Parzellen im Umkreis von einem Kilometer.


Sous la loupe n Leidenschaftlicher Landwirt Dass Andreas einmal den elterlichen Hof übernimmt, war vorgespurt. Er bereut es bis heute nicht. «Bauer sein gefällt mir immer noch», betont er. Anstatt zu jammern hat er sich einen Weg gesucht. «Ein leidenschaftlicher Landwirt», anerkennt seine Frau. Die Pacht sieht der Meisterlandwirt als Chance, eine Basis für zwei Familien und mehr Lebensqualität zu schaffen, zum Beispiel freie Wochenenden. Sohn Matthias will diese packen. Er hat sich zum Landwirt ausgebildet und wird ab August zu Hause mitarbeiten. «Nicht jeder hat so eine gute Ausgangslage», erzählt er am Kaffeetisch.

Starke Frau im Hintergrund Als Käsertochter war sich Mösi Schluep gewohnt, dass man nicht frei nehmen kann, wenn man will. Als sie 1987 heiratete, war es noch üblich, dass die Frauen bei allen Arbeiten auf dem Hof dabei sind, auch mit Kindern. Heute beschränkt sie sich aufs Aushelfen, zum Beispiel wenn ihr Mann als Hagelschätzer unterwegs ist. In den Stall geht sie nur in den drei Monaten, in denen sie keinen polnischen Angestellten haben. Dafür managt sie die sechsköpfige Familie und erledigt die Korrespondenz für Andreas zahlreiche Ämter. «Er steht vorn in den Ämtern, ich stehe hinter ihm», fasst die gelernte Kauffrau die Arbeitsteilung zusammen – und das stimme für sie, solange das Ausmass begrenzt sei. Präsident der SVLT-Sektion Solothurn ist Andreas Schluep seit 1991. In den Vorstand kam er über sein Amt als Kantonalpräsident der Landjugend, Partner bei der Organisation eines Traktor-Geschicklichkeitsfahrens. Zudem ist er seit 12 Jahren Gemeinderat in Balm, ist Rechnungsrevisor bei der Landi und Kassier bei der Viehzuchtgenossenschaft. «In unserer Familie haben wir immer politisiert», erzählt er. Wer sich engagiere, dürfte auch sagen, wenn ihm etwas nicht passe.

Milchkühe und Mutterschweine Beim Besuch der Schweizer Landtechnik sitzen neben drei Generationen der Familie Schluep der polnische Angestellte Zbigniew Kozyra und Melkerin Angela Rohrbach am Kaffeetisch. Angela Rohrbach ist mit ihrem Mann Ruedi 1965 auf den Hof gekommen und hat mit der Zeit dessen Aufgabe als Melker über-

nommen. Die heute 76-jährige Frau aus Österreich melkt immer noch täglich die 32 Red Holstein-Kühe, dank Melkstand. Rohrbachs haben ihr Zuhause im Bauernhaus, so lange sie das wollen. Es sei schon toll, dass die Kühe jetzt zu ihr kämen, hält sie fest. Sie war als einzige von Anfang an begeistert, als Andreas Schluep mit der Idee kam, einen Laufstall zu bauen. Weil der Bauernhof unter Heimatschutz steht, wurde kein Neubau neben dem Hof bewilligt. Die Fressplätze und der Tandem-Melkstand wurden unter dem alten Hofdach realisiert, eine 20-plätzige Liegehalle in der Fortsetzung des Bauernhofes. Der Bau war 1994 der Anlass, den Hof zu kaufen, nach vier Jahren Pacht. Im Kuhstall hilft der Betriebsleiter nur aus, zum Beispiel beim Füttern. Das ist dank der Silogemeinschaft Messen, die er mitinitiiert hat, stark vereinfacht. Einmal pro Woche wird Silo entnommen, die Quader auf Paletten geladen, die jeder der acht beteiligten Landwirte selber zu sich transportiert. Die 33 Mutterschweine managt er. Er lässt sie in drei

Gruppen abferkeln, möglichst gleichzeitig, damit er jeweils über 100 Ferkel auf einmal verkaufen kann.

Multifunktional und international Der Hof in Balm ist ein Zuhause für viele. Angela Rohrbach gefällt, dass immer wieder Menschen aus anderen Ländern auf den Betrieb kommen. Mösi und Andreas waren bis vor kurzem IFYE-Gastfamilie. Alle zwei Jahre beherbergten sie einen Gast für drei Wochen – so wie es Andreas Schluep in Holland erlebt hat. «Es ist gut, mit Menschen verschiedener Kulturen in Kontakt zu sein», findet er. Das baue Vorurteile ab, vermittle Weitblick. Die gepflegte Umgebung trägt die Handschrift von Mösi Schluep. «Ich habe es gerne schön», erzählt sie. Und sie schaut auch, dass die Arbeit sie nicht auffrisst. In der Freizeit singt sie, Andreas jasst am liebsten, gemeinsam besuchen sie gerne Musicals, machen Skiferien und so bald als möglich eine Reise nach Australien.  n

Kartoffeln, Milch und Ferkel mo. 48 Hektaren Land bewirtschaften Andreas und Mösi Schluep mit ihrer Familie, einer Melkerin und einem saisonalen Angestellten. 31 Hektaren sind Acker mit Gerste, Weizen, Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben. In den Ställen stehen 32 Red Holstein-Kühe (250 000 Liter Milch pro Jahr) und 33 Mutterschweine. Gearbeitet wird mit 3-Schar-Pflug, Kreiselegge (3 m), Bodenfräse (2,6 m), Grubber (2,5 m), Klingenrotor (3 m), Sämaschine Nodet mit Schleppschar (3 m, aufbaubar auf Egge und Rotor) sowie Feldspritze, Düngerstreuer Rauch. Für die Kartoffeln ein halbautomatisches Pflanzgerät, ein 4-reihiges-Häufelgeräte und ein Samro-Vollernter. Die anderen Erntearbeiten erfolgen im Lohn, das Pressen mit der eigenen Hartballenpresse. Für die Futterernte sind im Einsatz ein Mähwerk (3 m), ein Kreiselheuer (4,5 m), ein Schwader (3 m) und ein Ladewagen. Die Siloernte erfolgt mit der Silogemeinschaft Messen. Gefahren werden zurzeit fünf Traktoren (3 Landini [10 000, Vision 85 PS, 8630] 2 Fendt [309, 201]), dazu ein Kran mit Mistzange, Heugabel, Silozange und ein Stapler, für den Transport zwei Marolfwagen und zwei Tanner-Zweiachskipper. Pflug, Grubber, Feldspritze, Mähwerk und Druckfass (Hadorn 5000 Liter) werden mit Kollegen geteilt.

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n Traktortechnik

Eine möglichst grosse Sitzfläche, verstellbare Lehnen und eine gute Federung schonen den Rücken beim Traktorfahren. (Foto: zvg)

Gut gefedert Traktor fahren kann die Gesundheit gefährden. Neben gefederten Kabinen und Achsen vermindert ein gefederter Sitz Schwingungen, vorausgesetzt er ist richtig eingestellt. Die «Schweizer Landtechnik» zeigt, worauf es sich zu achten lohnt.

Edith Moos-Nüssli

Landwirte fahren Stunden auf dem Traktor, dem Mähdrescher und dem Hoflader. Entsprechend lohnt es sich, bequem und gesund zu sitzen. Sitzen ist nicht schädlich, ausser über längere Zeiträume in Zwangshaltung und unter Ganzkörperschwingungen. Besonders beim Traktor fahren ist der Körper Schwingungen in alle Richtungen ausgesetzt: Vertikal, horizontal und seitlich. Dazu kommt, dass der Fahrer nicht nur nach vorn blicken muss, sondern auch nach hinten, sich kaum bewegt und auf unbefestigtem Untergrund fährt.

Die Unterschiede liegen im Detail Grundlage für gesundes Sitzen ist der Sitz. Er sollte Bewegungsfreiheit bieten

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und Schwingungen dämpfen, vertikale und allenfalls auch horizontale und seitliche. Dazu sollte der Bezug robust und pflegeleicht sein (siehe Kasten «Kriterien für den Traktorsitz»). Stefan Frick, Geschäftsführer der Oscar Fäh AG, rät genau hinzusehen, was ein Sitz bietet: Wie gross ist die Sitzfläche? Bietet er Horizontalfederung? Wie funktioniert die Steuerung? Die Firma ist Werksvertreterin des Fahrersitzanbieters Grammer. Dieser gilt bei Traktorsitzen als Leader im Bereich Ergonomie. «Die Sitze sehen zum Teil äusserlich gleich aus, unterscheiden sich jedoch entscheidend im Innenleben, bei Polsterdicke, Stoffart oder Sitz- und Armlehnenbreite.» Ein Test der Zeitschrift «Agrartechnik» im Jahr 2004 stellt den drei untersuchten Modellen von Grammer ein gutes Zeugnis aus. Die beste vertikale Dämp-

fung hat jedoch der Active Seat von Sears. Sears-Sitze gibt es exklusiv für die Baureihen 7030, 8030 und 9030 von John Deere. Das Spitzenmodell von Grammer bietet neben Vertikalfederung, Horizontalfederung automatischer Gesichtseinstellung auch eine aktive Sitzklimatisierung. Konstruiert ist es für schwere Traktoren. Der Listenpreis dieses Sitzes, des Maximo Evolution, beträgt 3300 Franken.

Luft federt individuell Natanael Burgherr von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) betont zwei Punkte. Der Sitz sollte luftgefedert sein und so viele Einstellmöglichkeiten haben, dass der Landwirt mit optimaler Körperhaltung fahren kann. «Ein luftgefederter Sitz hat den Vorteil, dass die Federung


Traktortechnik n einfach dem Körpergewicht angepasst werden kann», erklärt Natanael Burgherr. Dafür pumpt der eingebaute Kompressor die Federung mehr oder weniger auf. Bei einigen Fabrikaten geschieht dies automatisch. Ein weiterer Vorteil ist die progressive Federung: Je grösser der Druck, desto härter wird die Federung. Deshalb schlägt die Luftfederung nicht, im Gegensatz zu einer mechanischen Federung. Immer vorausgesetzt, der Sitz ist dem Fahrer entsprechend eingestellt. Bei vielen Marken sind die typischen Grünlandtraktoren standardmässig mit einem mechanisch gefederten Sitz ausgestattet. Stefan Frick empfiehlt schon ab 50 PS eine Horizontalfederung, vor allem wenn Geräte angebaut werden, die Schläge verursachen. Auch bei Fahrgeschwindigkeiten über 30  Stundenkilometer findet er sie ein Muss. Für Ackerbaubetriebe empfiehlt er in jedem Fall Horizontalfederung. Neben der Sitzfederung beeinflussen die Armlehnen den Fahrkomfort. Auf ihnen kann sich der Fahrer abstützen und – besonders bei Schrägfahrt – den Rücken entlasten.

Die Einstellung entscheidet Auch der beste Sitz entfaltet seine Vorteile nur, wenn ihn der Fahrer so einstellt, dass er eine gute Körperhaltung einnehmen kann: Position des Sitzes, Neigung der Rückenlehne und der Sitzfläche, (siehe Kasten «So sitzen sie bequem»). Bei Schulungen zu Ergonomie für Lastwagenfahrer hat Frick bemerkt, dass es einen Effort braucht, eingefleischte Gewohnheiten zu überwinden.

Beim Fahren auf wenig komfortablen, schlecht eingestellten Sitzen entstehen Muskelverspannungen, Bandscheibenschäden, Durchblutungsstörungen und der Fahrer schwitzt übermässig. Schwingungen belasten den sitzenden Fahrer besonders, weil sie über Gesäss und Becken auf die Wirbelsäule übertragen werden und dort Bandscheibenschäden hervorrufen können. Hitze, Kälte, Zugluft und eine statische Körperhaltung können die Gefährdung noch erhöhen. «Wenn ich mit meinem 25-jährigen Traktor zügig gefahren bin, habe ich es am Abend im Rücken gespürt», erzählt der Aargauer Landwirt Christoph Koch. Er hat in einen neuen Sitz investiert und spürt die Schläge nicht mehr.

Platz schränkt Wahl ein Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) rät, alte Sitze unbedingt auszutauschen. Oft genüge es, Feder und Dämpfungselemente zu erneuern, heisst es in den DLG-Mitteilungen 9/2005. Landwirt Ruedi Wick entschied sich für einen neuen Sitz bei seinem Fiat 666DT, Jahrgang 1993. Den Maximo-Fahrersitz konnte er problemlos montiert. Er kannte das Modell von seinem neuen Fendt-Traktor. Es schätzt besonders, dass die Rückenlehne verstellbar und der Sitz leicht drehbar ist. Damit sitze er bequemer bei Arbeiten, bei denen er häufig zurückblicken müsse. Nicht jeder Sitz passt in jede Traktorkabine. So erhöht zum Beispiel die Horizontalfederung die Sitzfläche um einige Zentimeter. Die Hersteller bestätigen, ob der bevorzugte Sitz für

Kriterien für den Traktorsitz Ein bequemer, körpergerechter Sitz für Traktor und Hoflader erfüllt folgende Voraussetzungen: • Möglichst grosse Sitzfläche • Sitztiefe und Lehnenlänge lassen sich individuell an die Körpergrösse und -haltung anpassen • Die Lehne ist in Höhe und Neigung verstellbar. • Armlehnen, Becken-/Lendenstütze und Nacken-/Kopfstütze (letzteres nur bei neueren Modellen) sind verstellbar • Dämpft vertikale Schwingungen wirksam • Dämpft horizontale Schwingungen • Alle Elemente lassen sich einfach einstellen • Wasserdurchlässige Bezugsstoffe verbessern das Mikroklima im Sitzbereich • Sitzheizung und Klimatisierung erlauben, auf sommer- und winterliche Temperaturen zu reagieren

den vorhandenen, beziehungsweise den neu gekauften Traktor oder Hoflader passt. Neben dem Sitz und der Schwingungsdämpfung sorgt auch Schalldämpfung für Komfort bei der Arbeit mit dem Traktor. Nicht zuletzt erleichtert es die Arbeit, wenn die Bedienungselemente gut erkennbar und erreichbar sind. Gutes Sitzen dient nicht nur der Gesundheit. Wer einen bequemen Arbeitsplatz hat, kann mehr leisten. Der Sitz sollte deshalb beim Traktorkauf nicht ausser Acht gelassen werden. Jedoch bringen auch teure Komfortsitze nur dann einen Nutzen, wenn sie richtig eingestellt sind.  n

So sitzen Sie bequem mo. Beim Traktorfahren spielt nicht nur die Wahl des Sitzes eine Rolle. Genauso wichtig für einen gesunden Rücken ist die richtige Sitzposition. Diese ist laut DLG in fünf Schritten zu erreichen: •D  ie Rückenlehne bildet einen Winkel von etwa 110 Grad zum Sitz, ist also etwa 20  Grad aus der Senkrechten nach hinten geneigt. • Setzen Sie sich und rutschen Sie ganz nach hinten an die Lehne. Stellen Sie die Sitzneigung so ein, dass die Oberschenkel locker aufliegen. Die Sitzfläche sollte zwei bis drei Fingerbreit vor der Kniekehle enden, damit die Blutzirkulation in den Beinen nicht behindert wird. • Lehnen Sie sich an und strecken Sie die Arme aus. Sie sollten das Lenkrad mit leicht angewinkelten Armen erreichen können. Die Schultern müssen Kontakt zur Lehne haben. • Treten Sie das Kupplungspedal voll durch, ohne dabei nach vorne zu rutschen. Ihr linkes Bein sollte jetzt immer noch leicht angewinkelt sein. • Hat der Sitz eine Kopfstütze, stellen Sie diese so ein, dass sie sich ungefähr auf Augenhöhe befindet und zum Hinterkopf nur wenige Zentimeter Abstand hat. Quelle: DLG-Mitteilungen 9/2005

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n Hoftechnik

Abb. 1: Die Ausführung von Laufflächenbelägen in Rinderställen muss Anforderungen wie hohe Standfestigkeit und chemische Beständigkeit erfüllen.

Gussasphalt als Laufflächenbelag Zukünftig sollen Rezepturen von Gussasphalt besser auf die Stallbedingungen abgestimmt werden. Die neuesten Forschungsergebnisse der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART beinhalten Verbesserungen an Gussasphaltmischungen und eine optimierte Oberflächenbearbeitung. Diese wirken sich positiv auf die Tiergerechtheit und Haltbarkeit der Laufflächenbeläge aus.

Beat Steiner *

Auf Praxisbetrieben wies Gussasphalt als Laufflächenbelag bisher erhebliche Unterschiede in der Haltbarkeit auf. Die Auswertung von Daten aus 52 Praxisbetrieben in der Schweiz und in Süddeutschland zeigt Vorzüge und Probleme: Während bei der Mehrheit der Betriebe die Vorzüge von Gussasphalt zum Tragen kommen, gibt es eine Reihe von Betrieben mit zu hohem Klauenabrieb und/ oder Vertiefungen an der Fressachse. Die Ursachen solcher Schäden sind in der mangelnden chemischen Beständigkeit * Forschungsanstalt Agroscope ReckenholzTänikon ART

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September 2008  Schweizer Landtechnik

und Wärmestandfestigkeit zu suchen. Die Anwendung von Gussasphalt in Kalt- und Aussenklimaställen sowie höhere Anteile ölhaltiger Futtermittel erfordern angepasste Rezepturen. Ziel der Untersuchungen war es, wichtige Eigenschaften des Gussasphalt wie eine über die ganze Nutzungsdauer bleibende hohe Rutschfestigkeit, Reinigungsfreundlichkeit, Dichtigkeit der Oberfläche, Isolationseigenschaften und Befahrbarkeit (Abb. 1) zu erhalten.

dass die Gesteinskörnungen vollständig von Bindemittel ummantelt sind. In den Untersuchungen wurde ein beschleu-

Geeignete Bindemittel einsetzen Asphalt ist ein Gemisch aus Bitumen, Füllstoffen (Bindemittel) und unterschiedlich grossen Gesteinskörnungen. Gussasphalt ist so zusammengesetzt,

Abb. 2: Eine optimierte Oberflächenbearbeitung mit rundkörnigen Sanden soll zu starken Klauenabrieb verhindern und eine hohe Rutschfestigkeit sicherstellen.


Hoftechnik n nigter Verschleiss simuliert. Im Vergleich von sechs unterschiedlich konzipierten Gussasphalt-Platten zeigten sich grosse Unterschiede bezüglich Abtrag des Bindemittels (Grafik). Neben der Rezeptur beeinflusste auch die Bearbeitung der Oberfläche durch das Abstreuen mit unterschiedlichen Sanden den Abtrag. Mit optimierten Gussasphalt-Mischungen und entsprechender Oberflächenbearbeitung gelang es, die Standzeit bis zur Freilegung der Kornstruktur zu verdoppeln. Gussasphalt sollte nebst einer hohen chemischen Beständigkeit eine hohe Wärmestandfestigkeit aufweisen. Um dies und gleichzeitig eine gute Verarbeitbarkeit zu erzielen, bietet sich die Verwendung eines polymermodifizierten Bitumens (PmB Typ E mit geeigneten Additiven) an.

deshalb unzulässig. Andererseits besteht die Gefahr von zu glatten Flächen, wenn feinkörnige Sande zu wenig in die Oberfläche eingebunden sind. Daher sind entsprechende Fluss-, See- oder Natursande in der Korngrösse 1–2 mm auszuwählen (Abb. 2), die möglichst kein Unterkorn beziehungsweise keinen Staub enthalten.

Nutzung und Pflege Im Hinblick auf eine gute Rutschfestigkeit und Sauberkeit, müssen Laufflächen je nach Verschmutzungsanfall mehrmals täglich gereinigt werden. Bei reiner Stallhaltung sind mindestens 4–6 Entmistungsvorgänge nötig. Wie auch andere Materialien, hat Gussasphalt im Stall die beste Griffigkeit bei sauberen, nassen Oberflächen. Hohe Sauberkeit setzt eine effiziente stationäre Entmistungsanlage voraus. Diese muss an die Bodenausführung angepasst sein. Eine regelmässige Reinigung mit Hochdruck-Reinigern und/oder Desinfektionsmitteln schadet den Gussasphalt-Laufflächen und ist deshalb zu vermeiden. Oft ist in frei belüfteten Ställen ein gezieltes Einweichen vor dem Entmisten angezeigt, damit sich keine Schmierschichten bilden. Besonders gut bewähren sich dabei fest installierte Sprühdüsen, mit denen das Befeuchten automatisiert werden kann.

Gesteinskörnungen und Oberflächenbearbeitung Die durch Bindemittelverlust an der Oberfläche freigelegte Kornstruktur soll keinen überhöhten Klauenabrieb verursachen. Um den Anteil scharfkantiger Gesteinsteile zu reduzieren, empfiehlt sich der Einsatz von Flusssplitten und -sanden. Für Ställe ergibt sich in der Regel eine Einbaudicke des Asphalts von 30 mm mit einem Grösstkorn des Zuschlags von 8 mm. Grosse Aufmerksamkeit ist auf die Behandlung der frisch verlegten, noch heissen Oberflächen zu legen. Einerseits wirkt das Abstreuen mit gebrochenen, scharfkantigen Quarzsanden auf die Klauen wie eine Schleifscheibe und ist

Die Erfahrungen mit GA zeigen eindrücklich, dass die Ausführung von Laufflächenbelägen in Rinderställen spezifisch auf die Nutzungsansprüche ausgerichtet

Gewichtsverlust (%)

7 6

n

5 u

4

1 0    0

5 s

n u 5 s

2 n u – 5 s

50

100

Gussasphaltflächen sanieren Vertiefungen und Ausbrüche in einem GA-Belag erfordern das komplette Ausbrechen und Erneuern solcher Teilflächen. Ein zu rauer Guss­ asphalt kann mit einem Schleifgerät bearbeitet werden, das mit einem Korundschleifring und niedriger Drehzahl arbeitet (Abb. 3).

Schlussfolgerungen

Gewichtsverlust von GA-Probeplatten mit unterschiedlichen Rezepturen und Oberflächen

3

sein muss. Mit den neuen Erkenntnissen lassen sich die Standfestigkeit und die chemische Beständigkeit von zukünftigen Gussasphaltflächen verbessern. Mit einem neu entwickelten Verfahren kann die Beständigkeit von GA geprüft werden. Das Verfahren dient zur Erstprüfung. An der ART ist ein Merkblatt zum Thema „Ausführung von Bodenbelägen aus Gussasphalt für Rinderställe“ erhältlich: www. art.admin.ch>Dokumentation>ART-Publikationen im Online-Shop.  n

150

200

250

300

350

Beanspruchung (h) u Platte  1 n  Platte  2 s  Platte  3   Platte  4 5  Platte  5 ­—  Platte  6 GA-Probeplatten mit unterschiedlichen Rezepturen und Oberflächen zeigten erhebliche Differenzen bezüglich Abtrag des Bindemittels (gemessen in % Gewichtsverlust).

Abb. 3: Zu rauh gewordene GA-Beläge lassen sich durch gezieltes Abschleifen mehrmals sanieren.

Dabei werden freiliegende Gesteinskörner abgetragen, ohne dass sich die Oberfläche und damit das Bindemittel des Gussasphalts erwärmt. Anschliessend ist der abgeschliffene Sand sorgfältig zu entfernen. Guss­ asphalt kann mit dieser Methode wiederholt saniert werden. Gussasphalt-Beläge, deren Oberfläche keine Vertiefungen und Ausbrüche aufweisen, können auch mit elastischen Gummimaterialien belegt werden. Die Belegung von Teilbereichen des Stalls kann das Klauenwachstum regulieren. Dabei sind bevorzugt schwierige Passagen wie Quergänge, Stufen, Sackgassen, Zutrieb zum Melkstand und angehobene Fressplätze mit Gummi zu belegen.

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n Hoftechnik

Front-, Hof- oder Teleskoplader: Bei der Wahl sollte mehr als die Hubhöhe berücksichtigt werden. (Fotos: Ruedi Hunger)

An vorderster Front Ein Hubgerät ohne Werkzeug ist wie ein Elefant ohne Rüssel – nämlich nicht brauchbar. Damit die Werkzeuge optimal eingesetzt werden kann, sind einige technische Besonderheiten des Hebefahrzeuges zu beachten. Das zeigte der Plantahof-Feldtag 2008.

Ruedi Hunger

Wer an maximale Hubhöhe denkt, der will hoch hinaus. Das ist richtig und wichtig, wenn hoch geschichtet werden muss, beispielsweise beim Einlagern von Ballen auf eine Bühne. Bekanntlich findet aber die Arbeit meistens am Boden statt. Folglich sind auch andere Kriterien massgebend. Prospekte enthalten oft verwirrende Angaben zu Begriffen wie maximale Hubkraft, Kipplast und Überladehöhe.

(zu) kleiner Frontlader an einen grossen Traktor gebaut wird. In diesem Fall hebt der Frontlader aufgrund seiner Grösse weniger, als der Traktor zulässt. Es macht eben einen Unterschied, ob der Hubzylinderdurchmesser 70, 80 oder

90 mm beträgt. Ein grösserer Zylinder ist in der Regel gleichbedeutend mit einer höheren Hubkraft. Da durch den grösseren Durchmesser das Ölvolumen im Zylinder grösser wird, nimmt aber die Hubgeschwindigkeit ab.

Heben bis zum Limit Mit der maximalen Hubkraft ist ein Wert gemeint, der vielfach gar nicht erreicht werden kann. Denn maximale Kräfte kann ein Lader nur heben, wenn seine vier Räder am Boden fixiert sind. Der Begriff maximale Hubkraft kommt am ehesten noch zum Tragen, wenn ein

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Die grösste Kraft ist erreicht, wenn der Kippzylinder mit maximaler Kraft die Schaufel um den Drehpunkt an der Ladeschwinge dreht.

Hubkraft ist nach DIN 24094 eine nach oben wirkende Kraft im Schwerpunkt der Last, die der Lader über den gesamten Hubweg mindestens erreicht.


Hoftechnik n Bei Hof-, Kompakt- und Teleskoplader ist also die Hubkraft in der Regel grösser als die Standfestigkeit der Fahrzeuge auf allen vier Rädern. Der Begriff Kipplast sagt aus, welche Last ein Lader anheben kann, ohne dass die Hinterachse den Bodenkontakt verliert. Durch eine geänderte Anlenkung der Schwinge (Kinematik des Hubgerüstes) kann beispielsweise bei Kompaktladern die Kipplast erhöht werden.

Hoffen, dass die Achse hält Die Last, welche der Lader vom Boden losreissen kann, wird als Losreisskraft bezeichnet. Wieder liefert eine DIN-Norm (24086) die Definition. Die Wirklinie (der Kraft) geht durch die Zahnspitze, dabei kann sich das Hubgerüst auf dem Boden abstützen oder das Werkzeug durch Ankippen allein ein Losreissen bewirken. Stützt sich das Werkzeug nicht auf dem Boden ab, können bei grossen Frontladern Vorderachsbelastungen von weit mehr als zehn Tonnen auftreten. Ein undichter Simmerring ist dann wohl das kleinste Problem. Bei grösseren Achs­ schäden wird es teuer und weder der Traktorhersteller, noch der Frontladerlieferant werden sich freiwillig an diesen Kosten beteiligen. Die Baukonzepte der Hof-, Rad- und Teleskoplader sind auf diese Belastungen ausgelegt.

Ausschütt- und Überladehöhe Um einen Mistzetter, einen Kipper oder einen Futtermischwagen zu beladen, muss erst dessen Überladehöhe er­reicht werden. Das heisst, ein Arbeitsgerät muss in waagrechter Stellung mindestens deren Bordwandhöhe erreichen. Ob das Ladevolumen ausgenutzt und die Last entleert werden kann, hängt

von der Ausschütthöhe ab. Gemessen wird bei ausgekippter Ladeschaufel an der Schürfkante. Lange Schaufeln redu­ zieren die Ausschütthöhe. Dieses Mass bezieht sich auf den Abstand der Schürfkante einer Ladeschaufel zu den Vorderrädern des Fahrzeuges. Dies bei maximaler Hubhöhe und ausgekippter Schaufel. Besonders bei Hof­­ la­dern, die einen Mistzetter beladen sollten, erhält dieses Mass eine grosse Bedeutung. Zu beachten ist: Je mehr Überladeweite ein Fahrzeug erreicht, desto grösser wird die Kippgefahr. Damit man klebrige Erde und Laufstallmist wieder vom Arbeitswerkzeug entfernen kann, ist ein genügender Auskippwinkel erforderlich. Er sollte grösser als 45 Grad sein. Auch die Kons­truktionsmerkmale haben Einfluss, wie schnell sich eine Ladeschaufel leert. Eine leicht konische Form (3° nach vorne) soll sich schneller entleeren.

Parallel heben Eine Palettengabel oder eine Ladeschaufel voll Getreide sollte über den ganzen Hubbereich möglichst waagrecht bleiben. Deshalb ist das Hubgerüst der Hebefahrzeuge mit einer mechanischen oder hydraulischen Parallelführung ausgerüstet. Dennoch bleibt das Werkzeug teilweise nicht über den ganzen Hubbereich parallel. Dies spielt für das Ballenhandling keine Rolle, kommt aber beim Einsatz einer Palettengabel oder einer Ladeschaufel zum tragen. Die Pa­ lette kann wegrutschen oder Ladegut von der Schaufel rieseln. Nicht vergessen werden darf, dass auch das Abfederverhalten der Reifen die Parallelführung beeinflusst. Von einem Au-

topiloten, der das Arbeitsgerät auch bei unebener Fahrbahn, bzw. bei Steigungen oder Gefälle waagrecht hält, war seit der Agritechnica 2003 wiederholt zu lesen, die Markteinführung lässt aber auf sich warten. Gerade bei kleineren und mitt­ leren Hoflader, die auf den Betrieben nur gelegentlich mit der Palettengabel einge­setzt werden, ist eine funktionie­ rende Neigungsanzeige ebenso wichtig wie die eigentliche ­Parallelführung.

Schwingungen dämpfen Kräftige Schläge und Schwingungen des Frontladers oder im Hubgerüst von Hofund Radlader schränken den Fahrkomfort stark ein und belasten verschiedene Fahrzeugteile. Damit Lastspitzen abgefangen werden können und keinen Schaden anrichten, können Schwin­ gendämpfungen eingebaut werden. Das Abfedern der Schwingungen übernehmen Stickstoffblasen im passiven System. Für Ladearbeiten können diese Dämpfungsspeicher manuell geschlossen werden. Aktive Systeme dämpfen die auftretenden Stösse und Schwin­ gungen vergleichbar der Schwingungstilgung an der Heckhydraulik. Dämpfer schonen Mann und Maschine und der erforderliche Aufpreis (wenn das System nicht zur Grundausrüstung zählt) ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Wenn über Hebefahrzeuge disku­tiert wird, sollte man deshalb nicht allein die Fahrzeugbauweise beachten, sondern auch die Anbauwerkzeuge unter die Lupe nehmen. Diese greifen an vorders­ ter Front ein.  n

Traktor-Vorderachsbelastung mit Stoll HDPM 71F 16 000 13 000

Kilogramm

12 000

10 500

10 500

10150

8 000

4 450 4 000

0

leer

max Reisskraft Hubhöhe 90 cm Hubhöhe 190 cm Hubhöhe 355 cm

Im passiven System übernehmen Stickstoffblasen die Dämpfung.

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Energieforum n

Das Biogas reinigen, aufkonzentrieren und in die Erdgasleitung einspeisen: Das ist auch für Landwirte möglich. (Foto: BiomassEnergie)

Gas aus Gülle und Grüngut tanken Drei Landwirte aus Widnau im St. Galler Rheintal betreiben seit Dezember 2007 gemeinsam die Rhy Biogas AG. Dies ist die erste landwirtschaftliche Anlage in der Schweiz, welche das Biogas ins Erdgasnetz einspeist. Am 25. September kann die Biogasanlage besichtigt werden.

Katharina Serafimova*

Heute produzieren die meisten landwirtschaftlichen Biogasanlagen Strom und Wärme. Die effiziente Nutzung der anfallenden Wärme ist dabei häufig eine Herausforderung. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es sinnvoller sein, das Biogas aufzubereiten und ins Erdgasnetz einzuspeisen. Dadurch können fossile Treib- und Brennstoffe ersetzt werden. Dies reduziert CO2 -Emissionen und schützt das Klima. Paul Nüesch, Stefan Britschgi und Manfred Baumgartner haben mit 500 Grossvieheinheiten eine gute Grundlage für eine landwirtschaftliche Biogasanlage. Zu den 10 000 Tonnen Hofdünger pro Jahr kommen noch etwa gleich viel Gemüsereste, Grüngut und Gastronomie-Abfälle aus der Umgebung. Diese Biomasse wird heute zu mehr als einer Million Kubikmetern Rohgas pro Jahr vergärt. Das Rohgas hat einen Methangehalt von 50 bis 70 Prozent. Es wird getrocknet, entschwefelt und über ein PSA-Verfahren (Druckwechsel-Adsorptionsverfahren) aufkonzentriert. Dabei durchströmt das Rohgas unter erhöhtem Druck ein Molekularsieb aus Aktivkohle, wo Kohlendi* Katharina Serafimova arbeitet bei der Informationsstelle BiomassEnergie

oxid und rund 5 Prozent des Methans zurückgehalten werden. Um die Aktivkohle zu reinigen, wird der Vorgang einfach umgedreht: Der Druck wird reduziert, das adsorbierte Kohlendioxid sowie das Methan entweichen von der Aktivkohle. Dieses Abfallgas wird verbrannt und heizt den Fermenter. Das Produktgas besteht zu fast 99 Prozent aus Methan. Um die Qualitätsanforderungen zur Einspeisung ins Erdgasnetz zu erfüllen, werden die Hauptkomponenten regelmässig gemessen. Anschliessend wird das Biogas verdichtet und dem Erdgasnetz zugeführt. Das Gasgemisch im Erdgasnetz kann als Brenn- und Treibstoff verwendet werden.

Wirtschaftlich nur bei Grossprojekten

die Fermenterheizung und der Strom für den Anlagenbetrieb schlagen zu Buche. Ob ein Biogas-Projekt für die Aufbereitung und Gaseinspeisung geeignet ist, hängt auch von der Grösse ab. Minimalanforderungen sind rund 10 000 Tonnen Biomasse pro Jahr und höchstens einige hundert Meter Entfernung zur nächsten Einspeisestelle. Die Rhy Biogas AG ersetzt fossiles Erdgas durch Klima schonendes Biomethan und reduziert damit 968 Tonnen CO2 pro Jahr, die sie der Stiftung Klimarappen verkauft. Damit wird ein Teil der Mehrkosten der Gaseinspeisung gedeckt. Auch andere Biogasprojekte mit Gaseinspeisung können von der Stiftung Klimarappen profitieren. Projekten müssen bis zum 31. Oktober 2008 eingegeben werden.  n

Die Gaseinspeisung ist im Vergleich zur Stromproduktion teurer: Aufbereitungsanlage, Gasleitungen, Wärmetechnik für

Kontakt: www.stiftungklimarappen.ch.

Tagung: Biogasanlagen mit Gaseinspeisung Donnerstag, 25. September 2008, 9 bis 13 Uhr in St. Gallen • Möglichkeiten und Bedingungen für die Gaseinspeisung • Projekterfahrungen aus dem In- und Ausland • Perspektiven aus Sicht der Erdgaswirtschaft Anschliessend Mittagessen und Betriebsbesichtigung der Rhy Biogas AG. Informationen und Anmeldung www.biomasseenergie.ch, Tel. 044 395 11 11, Fax 044 395 12 34, E-Mail: ­biomasse@ebp.ch.

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n Energieforum

Früher wuchs auf einem Teil der Äcker Hafer für die Pferde, heute ist es Rapsöl für Traktoren und Erntemaschinen. Biogene Treibstoffe sind verantwortbar, wenn sie nachhaltig produziert werden und wenn gleichzeitig Energie gespart wird. (Fotos: Gautschi, Liebegg)

Biodiesel ist verantwortbar «Biodiesel ist schuld», heisst die aktuelle Kurzformel. Treibstoffe vom Acker wurden in kurzer Zeit vom Liebkind zum Sündenbock. Zwei deutsche Experten versachlichen die Diskussion und plädieren für nachhaltiges Produzieren und Sparen.

Edith Moos-Nüssli

Biotreibstoffe sind nicht schuld am Hunger. Das belegen Bernhard Wid­ mann und Edgar Remmele in «Bio­ kraftstoffe – Fragen und Antworten», herausgegeben vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzent­ rum für Nachwachsende Rohstoffe im deutschen Straubing. Die Unterversor­ gung mit Nahrungsmitteln habe viel­ fältige Ursachen. In vielen betroffenen Ländern seien es nicht mangelnde Bodenfruchtbarkeit oder klimatisch ungünstige Bedingungen, welche die Menschen am Bebauen der Böden hin­ dern würden.

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Hinderlich seien oft die dort herrschen­ den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Da viele südliche Länder landwirtschaftlich geprägt seien, sei die theoretisch mögliche Eigenver­ sorgung hoch. Entsprechend wichtig sei es, dass dort gute Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft geschaffen wür­ den, solide politische Rahmenbedin­ gungen, aber auch Bildung und Wis­ senstransfer.

Essen hat Vorrang Biotreibstoffe sind laut den beiden deutschen Autoren auch nicht Haupt­ grund für höhere Lebensmittelpreise. Das Argument der deutschen Forscher: Der Getreidepreis bestimmt den Brot­

preis nur zu rund vier Prozent, beim Schweinepreis macht der Rohstoff sie­ ben Prozent aus. Dagegen ist der Preis von Bioethanol zu 36 Prozent abhängig vom Weizenpreis, der Preis von Bio­ diesel sogar zu 64 Prozent vom Öl­ saatenpreis. Der Preis für Biokraftstoffe reagiere damit empfindlicher auf die Kosten von Agrarprodukten als der Preis vieler Nahrungsmittel. Das garantiere, dass die Versorgung mit Essen vorrangig bleibe, vor der Versorgung mit Treib­ stoffen.

Biodiesel statt Hafer Widmann und Remmele argumentie­ ren auch, dass schon immer Wald- und


Energieforum n Ackerfläche für die Energieversorgung verwendet wurde. Wo früher Hafer für das Pferd wuchs, werde heute Raps für den Traktor angebaut. Der Anteil der Ackerflächen an der Biotreibstoffpro­ duktion sei regional unterschiedlich. In Deutschland beträgt er knapp acht Pro­ zent, in Brasilien rund 5 Prozent. Falsch sei auch die Behauptung, Re­ genwälder würden für Biotreibstoffe abgeholzt. «Regenwälder werden vor allem gerodet, um aus dem Holzverkauf Gewinne zu erzielen», sagen die Auto­ ren. Zudem würden nur 5 Prozent des Palmöls für energetische Zwecke ver­ wendet. Palmöl werde zu drei Vierteln im Nahrungsmittelbereich verwendet, ein Fünftel diene der Herstellung von Konsumartikeln.

Kein Persilschein

Koppelprodukte verändern die Bilanz

Essen und Energie bleiben gefragt

Sehr unterschiedlich sind die Ökobi­ lanzen von Biotreibstoffen. Bilanziert wurden sie schon von verschiedenen Autoren. Ein wichtiger Faktor für die Differenzen ist laut Widmann und Remmele, ob die Koppelprodukte der Energieproduktion als Gutschrift ange­ rechnet werden. Bei der Produktion von Diesel aus Raps, Ethanol aus Getreide oder Zuckerrüben fallen neben dem Treibstoff Extraktionsschrot, Pressku­ chen, Glycerin, usw. an, also teilweise eiweisshaltige Futtermittel. «Bei der Bilanzierung sind alle Stoffflüsse zu be­ rücksichtigen», fordern sie. Wird eine Hektare mit Raps für Treib­ stoff bebaut (1400 Liter Treibstoff pro Hektare), werden netto nur 35 bis 40 Prozent der Fläche für die Treibstoffpro­ duktion benötigt, denn zwei Drittel des Ertrags gelangen in Form von Rapspress­ kuchen in den Futtertrog. Die bereinigte spezifische Flächeneffizienz liege daher bei 3 700 Litern Rapsöl pro Hektare. Der Zusammenhang gelte ebenso für Etha­ nol aus Getreide. In der Schweiz hat die Studie der EMPA hohe Wellen geworfen. Diese vernach­ lässigt unter anderem die Koppelpro­ dukte und vernachlässigt die Umwelt­ schäden, die durch den Transport von Öl verursacht werden (wir berichteten in der Juni/Juli-Ausgabe 2007).

Unabhängig davon, wie die Rolle der Biotreibstoffe bewertet wird, werden die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie sowie Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zum Klimaschutz die wichtigsten Her­ ausforderungen in den nächsten 100 Jahren sein. Nahrung und Energie sind Lebens-Mittel, betonen die Experten. Sowohl Essen als auch Energie seien nur so weit verfügbar, wie sie produziert werden könnten. Neben Essen sei auch Mobilität immer notwendig und zumin­ dest mittelfristig würden Verbrennungs­ motoren eine wichtige Rolle spielen. Dass Biotreibstoffe vermehrt gefragt

Das ist kein Persilschein für die Produk­ tion von Biotreibstoffen. Auf Acker­ flächen Biotreibstoffe zu produzieren, ist für die Autoren nur sinnvoll, wenn gleichzeitig der Verbrauch deutlich ge­ senkt wird. Sparsamere Motoren und andere Mobilitätsgewohnheiten sind die wichtigsten Massnahmen. «Der Trans­ port einer einzelnen Person mit Hilfe eines zwei Tonnen schweren Autos mit unnötig hoher Leistung für den Einkauf von Brot beim Bäcker um die Ecke ist weder mit fossilen noch mit biogenen Treibstoffen dem hungernden Teil der Weltbevölkerung zu vermitteln.» Da­ neben sei es nötig, den endlichen Ener­ gieträger Mineralöl schrittweise durch erneuerbare Energien zu ersetzen.

sind, erklären die Experten damit, dass der Preis für Erdöl in den letzten zehn Jahren um 550 Prozent gestiegen ist und mit den Klimaschutzzielen.

Biodiesel bringt Impulse Würde darauf verzichtet, Biotreibstoffe zu nutzen und weiterzuentwickeln, würden weder das Problem des Hun­ gers noch die Herausforderungen des Klimaschutzes und der Energieversor­ gung gelöst. Im Gegenteil, sagen Wid­ mann und Remmele: Die Produktion von Treibstoffen vom Acker gebe po­ sitive Impulse für die Landwirtschaft, fördere die technische Entwicklung. Zu beachten sei auch, dass sich Treibstoffe vom Acker «hinsichtlich ihrer techni­ schen Entwicklung noch in der Start­ phase befinden». Voraussetzung sei, dass die landwirt­ schaftliche Produktion nachhaltig ge­ staltet werde, unabhängig ob der Ertrag auf den Teller und in den Tank gelange. Entsprechend postulieren sie Nachhal­ tigkeitskriterien für die Produktion bio­ gener Energieträger. «Die Umwidmung von Regenwälder in landwirtschaftliche Nutzflächen sei auszuschliessen.» n

Quelle: Biokraftstoffe; Fragen und Antworten, Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe, Straubing; Bernhard Widmann, Edgar Remmel; Das Positionspapier findet sich zum Download im Internet unter www. tfz.bayern.de in der Rubrik «Aktuel­les».

Das Positionspapier «Biotreibstoffe» in Kürze mo. Es trägt zum Klimaschutz bei und sichert die Energieversorgung, wenn umweltverträgliche und effizient pro­ duzierte Biokraftstoffe massvoll einge­ setzt werden. Diese können im Inland produziert oder importiert werden. Voraussetzung ist, dass gleichzeitig der Treibstoffbedarf deutlich gesenkt wird. Sind alle diese Punkte erfüllt, führt die Produktion von Biotreibstoffen weder zu Hunger, Raubbau und Umweltzer­ störung, noch zu Preisschüben auf den Nahrungsmittelmärkten.

Die Mobilitätsgewohnheiten der Indus­ triegesellschaften sind in der derzei­ tigen Form nicht nachhaltig. Biotreib­ stoffe der ersten und der zweiten Generation werden für die moderne Mobilität eine wichtige Rolle spielen. Dafür braucht es national und inter­ national verlässliche politische Rah­ menbedingungen, eine konzentrierte interdisziplinäre Forschung, die Zusam­ menarbeit zwischen Politik, Forschung, Industrie sowie eine ehrliche Diskussion in Medien und Öffentlichkeit.

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n Maschinenmarkt

AXOS 340 CX, ausgerüstet mit standardmässiger Kabine aus dem Claas-Kabinenwerk in Le Mans (F). Mit weit vorne liegender Vorderachse erhält der 100-PS-Traktor seine kompakte Bauweise für einen polyvalenten Einsatz.

Claas AXOS – für alle Fälle Seine neue Traktorenbaureihe zwischen 70 und 100 PS Leistung stellte Claas zusammen mit neuer Erntetechnik für das Grünland im tschechischen Znojmo beim Claas-Importeur Agrall vor. Sie erhielt den Namen «AXOS».

Ueli Zweifel

Die Axos-Baureihe ersetzt die bisherige Celtis-Baureihe und zeichnet sich durch ihre grosse Vielseitigkeit aus. Mit den Turbomotoren neuerdings von Perkins werden dank teilweiser Abgasrückführung die Emissionsgrenzwerte TIER 3 eingehalten. Das Gesamtkonzept ist dabei auch auf einen niedrigen Treibstoffverbrauch optimiert. Das Hydraulik-System wurde stark verbessert und mit einer 60 l/min-Pumpe ausgestattet, um auch hohe Leistungen vor allem mit einem Frontlader zu erreichen. Für eine effiziente Arbeit verfügt der Motor über höhere DrehmomentWerte. Die Axos-Baureihe umfasst AllroundTraktoren, die sowohl für den Frontladereinsatz wie auch für den Transport und alle gängigen Feldarbeiten geeignet sind. Das Fronthubwerk und die Frontzapfwelle wurden speziell für den AXOS

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entwickelt. Es stehen bis zu drei Zapfwellengeschwindigkeiten zur Verfügung. Dank der Hubleistung lassen sich auch schwerste Frontanbaugeräte nutzen. Die Hubzylinder sind doppelt wirkend und können in Schwimmstellung gefahren werden. Durch die sehr nahe Platzierung des Fronthubwerks an der Vorderachse bleibt eine optimale Gewichtsverteilung erhalten. Somit lassen sich auch höhere Hindernisse störungsfrei überfahren.

Drei Kabinenvarianten Die Axos Kabine bietet einer zweiten Person problemlos Platz. Dank der grosszügigen Verglasung nach vorn und nach hinten sowie einer praktischen Dachluke hat der Fahrer freie Sicht auf alle Bereiche des Traktors. Ein weiteres wichtiges Detail sind die beiden Seitentüren, die sich um 180° nach vorne verstellen und fest arretieren lassen. So hat der Fahrer auch bei Arbeiten mit häufigem Auf- und Absteigen einen schnellen Zutritt zur Kabine. Auch

die Übersichtlichkeit des neu gestalteten Armaturenbretts wurde verbessert. Ein langer Radstand und eine kurze Gesamtlänge sorgen für eine Stabilität und eine sichere Strassenlage. Durch eine optimale Gewichtsverteilung weist der Axos eine noch höhere Hubkraft auf. Der kleine Wendekreis und die kurze Gesamtlänge ermöglichen bequemes und schnelles Arbeiten auf engstem Raum. Für den Axos gibt es drei Kabinenvarianten. Die Hochdach-Kabine mit Glasdachluke hat eine Gesamthöhe von 2,65 m und bietet damit viel Platz nach oben und eine optimale Sicht auf den Frontlader in der Höhe. Mit der Niedrigdach-Kabine bleibt der Axos unter einer Gesamthöhe von 2,50 m und ist auch in niedrigen Gebäuden voll einsatzfähig. Auch dieses Modell hat eine Glasdachluke, die optimale Sicht ermöglicht. Der Axos wird auch in einer Version ohne Kabine, dafür mit einem klappbaren Über-


Maschinenmarkt n rollbügel für den Einatz in Gewächshäusern oder niedrigen Geflügelställen angeboten. Die Plattform besitzt bei eingeklapptem Überrollbügel eine Höhe von 1,99 m.

Frontlader Da die Frontladerkonsole eine serienmässige Hinterachsabstützung besitzt, werden alle Belastungen bei Frontladerarbeiten gleichmässig auf die Maschine verteilt. Die Ladeleistungen der Claas Frontlader werden durch eine Hubkraft

bis zu 2190 kg und eine maximale Hubhöhe von bis zu 4 Metern erreicht. Ein werkzeugloser An- und Abbau ist innerhalb kurzer Zeit leicht möglich. Das Kupplungssystem (Fitlock) bietet den schnellen und komfortablen Anund Abbau des Frontladers. Für die Bedienung stehen zwei komfortable Bedienungsvarianten zur Auswahl: der «Propilot» für die mechanische Einhebelsteuerung und der «Flexipilot», der mit einem wartungsfreien hydraulischen

AXOS Technische Daten Typ 310 320 330 340 Motor (Perkins) 4 Zylinder Turbo, Ladeluftkühlung 4400 cm3 Nenndrehzahl 2300 2300 2300 2200 Leistung ECE R 24 (kW / PS) 54 / 74 63 / 86 66 / 90 74 / 100 Drehmoment­anstieg 34 % 40 % 39 % 26 % Getriebe (Claas) Version C 10 vorwärts / 10 rückwärts Version CL Wendegetriebe 10 / 10 Wendegetriebe, 2-stufige Lastschaltung, Kriechgänge (Option) Version CX Durchgehende ­Hubkraft (kg) 2900 2900 2900 3800 Fronthubwerk (kg) 2800 Hochdach (nur CX) (mm) 2577 2625 2625 2674 Niedrigdach (mm) 2428 2476 2476 2525 Radstand (mm) 2489 Gesamtlänge (mm) 4181

n Joskin Kompaktkipper-Zwischenmodell mo. Joskin hat die Serie der Kompaktkipper Trans-EX erweitert. Der Trans-Ex 7T ergänzt die bisherigen Ausführungen 3T, 4T, 5T. Ziel der Reihe sei Vielseitigkeit vereint mit Robustheit und einfache Bedienung, heisst es in der Medienmitteilung. Das rechteckige Fahrgestell verteilt die Kräfte optimal, die Deichsel ist unterhalb des Fahrgestells verankert, parabelförmige Blattfedern sorgen für deren Federung. Die Seitenwände sind zurückklappbar und abmontierbar. Die innere Kastenbreite beträgt 1,99 Meter und die äussere Kastenbreite 2,10 Meter. Hergestellt werden die Seitenwände aus geschlossenen Profilen, die durch kalt gebildete Biegungen verstärkt werden. Die Firma sieht den Trans-EX 7T als ein Zwischenmodell zwischen den kleinvolumigen Trans-EX und den Muldenkippern Trans-CAP. Der Trans-EX 7T ist auch als Ausführung «dreiseitiges Abkippen» sowie als Boggie-Ausführung mit am Fahrgestell verschraubtem Tisch erhältlich.

Ölniederdrucksystem steuerung läuft.

und

Einhebel­

Motor Die Axos Traktoren liegen in einer Leistungsstärke zwischen 70 und 100 PS. Eingebaut wurde ein Perkins-4-Zylindermotor mit einem Hubraum von 4,4 l. Der Konstantleistungsbereich von 300 U/min und ein Drehmomentanstieg bis zu 40% gewährleisten kraftvolles Arbeiten in jedem Drehzahlbereich. Weitere Entwicklungen im neuen Perkinsmotor sind die mechanische Einspritzung, der Intercooler und Turbolader. Durch die interne Abgasrückführung wird der AXOS mit seinem TIER-3-Motor allen Normen und gleichzeitig auch der Umwelt gerecht.

Getriebe Die AXOS-Baureihe ist in fünf Getriebevarianten verfügbar: AXOS C hat ein voll mechanisches 10+10 Getriebe, der AXOS CL besitzt eine elektrohydraulische Wendeschaltung REVERSHIFT. Der AXOS CX ist zusätzlich zur komfortablen REVERSHIFT-Wendeschaltung mit der elektrohydraulischen Lastschaltung TWINSHIFT ausgerüstet und bietet somit 20+20 Gänge.  n

Aufsatzwände (200 mm oder 400 mm) sind gegen Mehrpreis erhältlich.

2006 den geringsten Dieselverbauch zeigte.

n CaseSteyr

n Schiltrac

Serienmässig mit Biodiesel

Neue Modelle mit TIER 3 Motor

mo. CaseSteyr präsentiert sich als Biodiesel-Pionier. Fast alle Steyr-Traktoren könnten serienmässig mit Biodiesel betrieben werden, heisst es in einer Medienmitteilung. Viele Testläufe am Prüfstand und im Feld zusammen mit der BLT Wieselburg und der ARBE Silberberg hätte die Voraussetzung dafür geschaffen. Österreich hätte zudem die Normung von Biodiesel initiiert und mitgestaltet. Die aktuelle Produktpalette der österreichischen Firma ist mit der neusten Generation an Tier III-Motoren ausgestaltet. Auch Diesel-Russpartikelfilter würden angeboten. Eingesetzt würden sie vor allem im Kommunalbereich. In Erinnerung ruft Steyr, dass das Modell Profi 4115 bei einem Test eines österreichischen Landwirtschaftsmagazins 2006 auf dem Prüfstand der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Täniken im Jahr

mo. Die Schiltrac Fahrzeugbau GmbH präsentiert neu Transporter in der oberen Leistungsklasse. Der preisgünstige Schiltrac 92E, der praxisgerechte 92S und leistungsorientierte 92F deckten die vielfältigen und hohen Ansprüche der Berglandwirtschaft und Kommune ab, heisst es in einer Medienmitteilung. Der neue wassergekühlte Motor mit 92 PS (68 kW), elektronischer Drehzahlregelung und interner Abgasrückführung, entsprechen den heutigen AbgasAnforderungen COM/TIER 3. Besonders auffallend seien die hohen Leistungswerte mit dem durchzugsstarken Drehmoment mit 280 Nm bei einer Motorendrehzahl ab 1400 U/min. Technik und Design wurden teilweise erneuert. Can-Bus-Steuerung, Motorbremse, Vierrad Downhill-Bergparkbremse wie auch das bewährte Sicherheitschassis zählten zu den Erfolgsfaktoren bei Schiltrac, heisst es weiter.

September 2008  Schweizer Landtechnik

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n SVLT

Die Ausgabe 10/2008 ­ erscheint am 1. 10. 2008

Ladungs­sicherung:

Themen:

SVLT-Mitgliederaktion zusammen mit der Firma SpanSet

LT extra

Ballen aus Heu, Stroh oder Silage können in Fahrtrichtung an der Frontwand oder an Rungen formschlüssig geladen und gesichert ­werden. Quer zur Fahrtrichtung sind in der Regel Zurrgurten erforderlich.

SVLT

Markt und Technik Zuckerrübenvollernter Immatrikulation von 40-km/h-Anhängern

Hoftechnik Holzfeuerungsanlagen (technische Neuerungen)

3-teilige Zurrgurten Auf beiden Seiten der Ladung steht am Kurzteil eine Ratsche zur Verfügung, so dass eine gleichmässige Vorspannung ­erreicht wird.

Sous la loupe Waadtländer Betrieb

Feldtechnik Gelenkte Triebachsanhänger

Inserate:

ABS-Zurrgurten Das «Anti-Belt-Slip-System» baut die Gurtspannung sukzessive ab. Stückzahl

Büchler Grafino AG, Fachmedien Agrar, 3001 Bern, Telefon 031 330 30 17 Fax 031 330 30 57 E-Mail: inserate@agripub.ch

Impressum

Bestellung Economy – Zurrgurte – Set 3-teilig (CHF 55.– inkl. MWST): 2 Kurzteil LT 40 cm zu AK40, orange, 50 mm breit, mit Ratsche und Hacken, Gurtband orange, 49 mm breit, LT 8 m, LC 2000 / 4000 daN Spanset ABS – Zurrgurte – Set 3-teilig (CHF 90.– inkl. MWST): 2 Kurzteil LT 40 cm zu ABS 50, gelb, 50 mm breit, mit Ratsche und Hacken, Gurtband gelb, 49 mm breit, LT 8 m, LC 2500 / 5000 daN

Name

Vorname

Adresse PLZ

Ort

Datum

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Bestellformular / Berufsbekleidung Kinder-Kombi, 100% Baumwolle blau-rot kombiniert

Alter Grösse CHF Anzahl Kinder-Latzhose, 100% Baumwolle Alter blau-rot kombiniert Grösse CHF Anzahl Kombi, rot, CHF 78.– Grösse 75% Baumwolle, 25% Polyester Anzahl Latzhose, rot, CHF 58.– Grösse 75% Baumwolle, 25% Polyester Anzahl T-Shirt, grau meliert, CHF 18.– Grösse 100% Baumwolle Anzahl SVLT-Armbanduhr, CHF 55.– Anzahl

2 3 92 98 38.–

4 6 8 10 12 14 104 116 128 140 152 164 43.– 48.–

3 4 6 98 104 116 38.– 43.– 44

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Unsere Preise verstehen sich ohne Versandkosten. Zahlung 30 Tage netto. Name Adresse Einsenden an SVLT, Postfach, 5223 Riniken, Fax 056 44167 31

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März 2008  Schweizer Landtechnik

XL

70. Jahrgang Herausgeber Schweizerischer Verband für Landtechnik (SVLT), Willi von Atzigen, Direktor Redaktion Ueli Zweifel: red@agrartechnik.ch Edith Moos: edith.moos@agrartechnik.ch Mitglieder- und Abodienste, Mutationen Postfach, 5223 Riniken Tel. 056 441 20 22, Fax 056 441 67 31 Internet: www.agrartechnik.ch Inserate Büchler Grafino AG, Fachmedien Agrar Dammweg 9, Postfach, CH-3001 Bern Barbara Gusset, Tel. 031 330 30 17 Fax 031 330 30 57 E-Mail: inserate@agripub.ch, www.agripub.ch Anzeigenverkauf Erich Brügger, Tel. 032 338 31 20 E-Mail: info@mbveb.ch Daniel Sempach, Tel. 034 41510 41 E-Mail: daniel.sempach@agripub.ch Anzeigentarif Es gilt Tarif 2007 Kombinationsrabatt: 25% bei ­gleichzeitigem Erscheinen in «Technique Agricole» Druck und Spedition Weber Benteli AG, Industrie Bernstrasse Nord Bernstrasse 10, CH-2555 Brügg (Biel) Produktionskoordination François Faivre Erscheinungsweise 11-mal jährlich Abonnementspreise Inland: jährlich CHF 80.– (inkl. 2,3% MwSt.) SVLT-Mitglieder gratis. Ausland: CHF 105.–,  75.– Nr. 10/2008 erscheint am 2. Oktober 2008 Anzeigenschluss: 10. September 2008


ART-Berichte

Nr. 700 2008

Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben Lohnt sich eine Investition? Thomas Zumbühl, Christian Gazzarin, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon, CH-8356 Ettenhausen, E-Mail: christian.gazzarin@art.admin.ch Reto Rigassi, Suisse Eole c/o Enco AG, Wattwerkstr. 1, CH-4416 Bubendorf Mit Windkraftanlagen auf Landwirt­ schaftsbetrieben lassen sich regelmäs­ sige Erlöse bei einem vernachlässig­ baren Arbeitsaufwand erzielen. Dem steht jedoch ein sehr hoher Investi­ tionsaufwand gegenüber. Mit der neu­ ­­en Einspeisevergütung für Windstrom stellt sich die Frage, ob Landwirt­ schaftsbetriebe in Windkraftanlagen investieren sollen. Zur Beantwortung dieser Frage wurde anhand eines Kal­ kulationsmodells die Rentabilität von vier Modellanlagen berechnet. Darun­ ter eine Kleinwindanlage von 6,5 kWp und drei Grosswindanlagen in der Grösse von 900, 1300 und 2000  kWp. Unter den gegenwärtigen Einspeise­ vergütungen lässt sich die berechnete

Kleinwindanlage an keinem Standort wirtschaftlich betreiben. Die betreffen­ den Grosswindanlagen können trotz Ausschöpfung des günstigen Investiti­ onskredits von 200 000 Franken erst ab einer mittleren Windstärke von gut 6 m/s rentabel betrieben werden. Diese Standorte sind im Landwirtschaftsge­ biet kaum vorhanden. Aus betriebs­ wirtschaftlicher Sicht ist «Windstrom vom Bauernhof» momentan keine loh­ nende Investition. Erst mit einer deut­ lichen Anhebung der Einspeisevergü­ tung oder mit dem Stromverkauf über private Stromlabels könnten die hohen Anlagepreise kompensiert und die Po­ tentiale der vorhandenen Standorte auch rentabel genutzt werden.

Inhalt 

Seite

Problemstellung

2

Einleitung

2

Übersicht und technische Grundlagen

2

Annahmen für vier verschiedene Modellanlagen

3

Annahmen für die Wirtschaftlichkeitsrechnung

4

Ergebnisse 

5

Schlussfolgerungen

6

Abb. 1: Windkraftanlagen können nur an besten Standorten rentabel betrieben werden  (Foto: Suisse Eole)

September 2008  Schweizer Landtechnik

47


n ART-Bericht 700 Problemstellung Die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen stösst in der Landwirtschaft auf zunehmendes Interesse. Gemäss dem energiepolitischen Ziel, erneuerbare Energien verstärkt zu fördern, werden garantierte Einspeisevergütungen über mehrere Jahre entrichtet. Der Bau von Windkraftanlagen ist, je nach Grösse und Standort, mit hohen Investitionen verbunden, womit auch bei garantierter Einspeisevergütung ein unternehmerisches Risiko besteht. Wie steht es mit der Rentabilität solcher Anlagen und wie wirkt sich die wichtigste Einflussgrösse, der Standort, auf den wirtschaftlichen Erfolg aus?

2008). Der vorliegende ART-Bericht mö­ch­ ­te die Analysen nun auf Windkraftanlagen erweitern. Durch die dezentrale Lage ergeben sich für landwirtschaftliche Betriebe grundsätzlich gute Voraussetzungen für Windkraftan­ lagen. Im Unterschied zum Betrieb einer Biogasanlage verursacht die Nutzung von Windenergie keinen nennenswerten zusätzlichen Arbeitsaufwand. Ausserdem fällt auch keine Prozesswärme ab, die meistens schlecht verwertbar ist. Deshalb eignet sich diese Art der Energieerzeugung vor allem für Betriebe mit hoher Arbeitsauslastung oder geringem Flächenangebot – Merkmale, die für viele landwirtschaftliche Betriebe in der Schweiz zutreffen. Damit besteht die Möglichkeit, über einen neuen arbeitsextensiven Betriebszweig ein Zusatzeinkommen zu generieren.

Übersicht und technische Grundlagen

Einleitung Energieeffizienzmassnahmen und die Förderung von erneuerbaren Energien zählen in der künftigen Schweizer Energiepolitik zu den Schwerpunkten. In der Stromversor­ gungs- und der revidierten Energieverordnung wurden mit der Einführung von garantierten Einspeisevergütungen politische Weichen gestellt (BFE 2007). Im Bereich der erneuerbaren Energien bietet sich für die Landwirtschaft ein beträchtliches Potenzial. Im Vordergrund steht dabei die energetische Nutzung von Biomasse. Die Wirtschaftlichkeit von Biogas- und Photovoltaikanlagen wurden bereits untersucht (Gubler et al. 2007; Gazzarin und Zumbühl

Eine Windkraftanlage nutzt die in den strömenden Luftmassen enthaltene Bewegungsenergie und wandelt sie in elektrische Energie um. Die Bewegungsenergie der Windströmung wirkt auf die Rotorblätter und versetzt diese in eine Drehbewegung. Die Rotationsenergie wird von einem Ge­ nerator aufgenommen und in elektrische Energie umgewandelt, die ins Stromnetz eingespeist wird. Während bei Photovoltaik­ anlagen tagsüber und vor allem im Sommerhalbjahr Strom erzeugt wird, fallen die Erträge von Windkraftanlagen auch nachts und vermehrt ausserhalb des Sommerhalbjahres an.

Abkürzungen & Glossar

48

BK

Bankkredit (in der Regel Hypothek)

IK

Investitionskredit (zinslos)

WKA

Windkraftanlage

kWh

Kilowattstunde

kWp

Kilowatt-Peak, Nennleistung

MWp

Megawatt-Peak

Weibull-Formparameter

Die Weibull-Verteilung zeigt, wie der Wind an einem Standort über eine gewisse Zeit auftritt. Der Formparameter gibt Auskunft über die Form dieser statistischen Verteilung, die als Kurve dargestellt wird.

Rauigkeitslänge

Wert in Meter, der die Höhe über Boden angibt, wo der Wind theoretisch gleich Null ist. Beschreibt den Einfluss der Öberflächenbeschaffenheit einer Landschaft auf die Windverhältnisse.

Rauigkeitsklasse

Die Rauigkeitsklasse wird auf Basis der Rauigkeitslänge definiert. z. B. Rauigkeitslänge = 0,1 m entspricht Rauigkeitsklasse = 2 (Landwirtschaftliches Gelände mit einigen Häusern und 8 m hohen Hecken im Abstand von zirka 500 Meter).

mittlere Windgeschwindigkeit

Durchschnittliche Windgeschwindigkeit an einem Standort.

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In der Schweiz sind zurzeit (Stand, 1.5.2008) rund 12 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von über 100 kW in Betrieb (Suisse Eole, 2007). Gemeinsam haben sie eine installierte Leistung von 11,25 MW, was einer durchschnittlich installierten elektrischen Leis­­­tung von knapp 1 MW entspricht. Dazu kommen fünf Windkraftanlagen zwischen 10 und 100 kW und 14 Anlagen mit weniger als 10 kW Leistung. Die gesamte Stromproduktion beträgt zirka 14 bis 15 GWh/a und deckt den Strombedarf von ungefähr 4000 bis 4300 Haushalten (Suisse Eole, 2007). Im Moment sind zahlreiche Anlagen mit einer Gesamtleistung, die den heutigen Bestand um ein Mehrfaches übertrifft, in Planung. Das Potenzial ist damit aber noch lange nicht ausgeschöpft, sodass in Zukunft wohl weitere grössere Windpärke projektiert werden. Nach den Zielen von Energie Schweiz soll bis 2010 eine Produktion von 50 bis 100 GWh Strom aus Windkraft angepeilt werden, was etwa dem Verbrauch von 15 000 bis 30 000 Haushalten entspricht (Suisse Eole 2007). Gemäss Suisse Eole, der Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, besteht bis 2025 ein Potenzial von 600 GWh, was dem Verbrauch von rund 170 000 Haushalten entspricht. Der Trend geht weltweit zu grösseren Anlagen. Bereits bestehende Windpärke werden durch «Repowering» erweitert. Dies bedeutet, dass bestehende Anlagen durch leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden.

Leistung und Grösse in Entwicklung Das Wachstum der in Serie hergestellten Windkraftanlagen war in den vergangenen 25 Jahren enorm. 1983 betrug der Rotordurchmesser einer typischen Anlage 15 m und die Nennleistung des Generators 55 kW, im Jahr 2005 standen bereits aus­ gereifte Serienmaschinen mit einem Rotordurchmesser von 90 m und einer Nennleis­ tung von 2,5 MW im Einsatz. Die grössten heute betriebenen Windkraftanlagen besitzen eine Nennleistung von bis zu 6 MW und einen Rotordurchmesser von bis zu 125 m. Anlagen mit einer Leistung von 2 MW können heute als Standard betrachtet werden. Die grösste in der Schweiz betriebene Anlage in Collonges von der RhônEole SA hat eine Nennleistung von 2  MW und einen Rotordurchmesser von 71 m.

Leichtwindanlagen Von einer Schweizer Firma werden Leichtwindanlagen entwickelt, die für die Nutzung


ART-Bericht 700 n von leichten, variablen Winden konzipiert ist und durch eine Masthöhe von 18 m und einen Rotordurchmesser von 12,8 m das Landschaftsbild weniger beeinträchtigt als eine konventionelle Starkwindanlage. Als Vertreterin dieser Gruppe hat die Leichtwindanlage Aventa AV-7 eine Nennleistung von 6,5 kW und produziert ab einer Windstärke von 2 m/s bereits elektrische Energie. Diese Anlage eignet sich für Standorte mit einer maximalen mittleren Windgeschwindigkeit von 4,5 m/s. Leichtwindanlagen lassen sich nicht direkt mit Starkwindanlagen vergleichen. Sie stellen vielmehr eine Ergänzung oder Alternative zu Solarstromanlagen dar. Ihre Leistung ist viel geringer, dafür können sie breiter eingesetzt werden, das heisst auch an Standorten, wo eine Starkwindanlage aufgrund geringer Windgeschwindigkeiten keinen Sinn macht. Sie beeinträchtigen die Umgebung dank der geringen Grösse und Geräuschlosigkeit weniger. In Bezug auf die produzierte Strommenge ist die Beeinträchtigung im Vergleich zu den Grosswindanlagen jedoch deutlich grösser. Werden solche

Abb. 2: Windkraftanlage mit offener Maschinengondel (siehe Anhang; Quelle: www.stromonline.ch)

Tabelle 1: Technische Annahmen WKA-1

WKA-2

WKA-3

Aventa AV-7

Nabenhöhe (m)

60

80

100

18

Rotordurchmesser (m)

52

62

76

12,8

Nennleistung (kWp)

900

1300

2000

6,5

Rotorfläche (m2)

2124

3019

4536

129

20

20

20

20

WKA-Typ

Nutzungsdauer (Jahre)

Anlagen auf Landwirtschaftsbetrieben an geeigneten Standorten erstellt, könnten sie sich eventuell als gute Image- und Werbeträger eignen und dementsprechend eine Breitenwirkung erzielen.

Bestandteile und Aufbau einer Windkraftanlage Eine Windkraftanlage wird durch ein aufwändiges Fundament im Untergrund be­ festigt, um die nötige Standsicherheit herzustellen. Auf das Fundament wird ein Stahlturm aufgesetzt, an dessen Spitze die Maschinengondel mit Generator, Antriebswelle, Windnachführungseinrichtung und Steuerung drehbar gelagert wird (Abb. 2). An der Nabe befinden sich meist drei Ro­ torblätter, die für den nötigen Antrieb sorgen. Dazu kommen Überwachungs-, weitere Steuerungs- und Regelsysteme, die für einen optimalen Betrieb sorgen. Der erzeugte Strom fliesst über einen Transformator respektive die Netzanschlusstechnik in der Maschinengondel, im Mast oder ausserhalb in einem Betriebsgebäude auf Grund in das Elektrizitätsnetz. Insbesonde­re an dezentralen Standorten ist die Transportzufahrt zu berücksichtigen, die je nach Grösse der Anlage mehr oder weniger grosse Probleme verursachen kann (Abb. 3). Weitere technische Angaben sind im Anhang enthalten.

Annahmen für vier Modellanlagen Anlagegrössen und technische Annahmen Abb. 3: Montage der Anlage mit zwei Kränen. Zu einem geeigneten Standort gehört unter anderem, dass er mit schweren und langen Transportfahrzeugen zugänglich ist (Foto: Bundesverband Windenergie, Deutschland)

Für die Wirtschaftlichkeitsberechnungen wurden vier verschiedene Modellanlagen betrachtet – drei Starkwindanlagen mit je 900 kW, 1,3 MW und 2 MW und eine Leichtwindanlage mit 6,5 kW installierter elektrischer Leistung (Tab. 1). Ein direkter Vergleich der Leichtwindanlage mit den grösseren Anlagen macht wenig

Sinn, denn die unterschiedliche Auslegung der Anlagen in Bezug auf Windverhältnisse und zusätzlich versprochenen Nutzen als Werbe- respektive Imageträger kann nicht eindeutig berechnet werden. Da aber dieses Konzept eine gewisse Verbreitung aufweist, wurde es in die Betrachtung aufgenommen. Für die Leichtwindanlage stammen die Annahmen aus aktuellen Angaben der Firma Aventa AG.

Windstromerträge Zur Berechnung der erwarteten Stromerträ­ ­ge für die vier verschiedenen Windkraft­ anlagen wurde der so genannte LeistungsCalculator auf der Website der Danish Wind Industry Association verwendet (www. windpower.org). Der Leistungs-Calculator enthält bereits vorgegebene Leistungskurven und Angaben für verschiedene Anlagen, die sich beliebig verändern lassen. Für die drei Starkwindanlagen wurden vorgegebene Anlagen im Leistungs-Calculator in angepasster Form verwendet (Tab. 2). Da keine aufgeführte Anlage mit der Leichtwindanlage übereinstimmte, wurde mit den entsprechenden Herstellerdaten ein benutzerdefiniertes Profil erstellt (Tab. 3). Als Höhe für alle Standorte und berechneten Fälle wurden 1000 m ü.M. angenommen. Für die drei Starkwindanlagen gilt ein Referenzstandort, wie er aus der Erläuterung der Stromversorgungsverordnung definiert ist (BFE 2008). Dabei handelt es sich um einen Standort mit einer mittleren Windgeschwindigkeit von 4,5 m/s auf 50 m über Grund mit einem Weibull-Formparameter k = 2, einer Rauigkeitslänge von 0,1 und einer Rauigkeitsklasse von 2 (siehe Glossar). Abbildung 4 zeigt eine Übersichtskarte der durchschnittlichen Windstärken in der Schweiz auf 50 m über Grund. Die guten Windlagen beschränken sich auf die höheren Lagen des Alpenraums, den Jura und Hügellagen südwestlich von Luzern. Eine rentable Windstromproduktion auf Landwirtschaftsbetrieben dürfte somit vorwiegend in letzteren beiden Regionen möglich sein.

September 2008  Schweizer Landtechnik

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n ART-Bericht 700 Für die Leichtwindanlage wurde zusätzlich eine weitere Variante gerechnet mit ei­ner Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe (18 m) statt 50 m über Grund. Wird die mittlere Windgeschwindigkeit am Standort auf Nabenhöhe angenommen – womit grundsätzlich eine höhere Windstärke benötigt wird –, steigen die Erträge markant an.

Tabelle 2: Erwartete Stromerträge der Starkwindanlagen (in kWh pro Jahr) Fall 1

WKA-1

WKA-2

WKA-3

Windstärke Standort (m/s)

erwarteter Ertrag (kWh/a)

erwarteter Ertrag (kWh/a)

erwarteter Ertrag (kWh/a)

Annahmen für die Wirt­ schaftlichkeitsrechnung Erlös Der Erlös aus dem Stromverkauf ist das Produkt aus der verkauften Strommenge (kWh) und dem Strompreis pro kWh. Der Strompreis pro kWh richtet sich nach der Ein­ speisevergütung gemäss Stromversorgungs­ verordnung (StromVV, SR 734.71) vom 1.4.2008. Dabei unterscheiden sich die Regelungen für Klein- und Grosswindanlagen. Für Kleinwindanlagen beträgt die Vergütung für die ganzen 20 Jahre 20 Rp./kWh. Bei Grosswindanlagen ist für die ersten fünf Jahre ebenfalls eine Vergütung von 20 Rp./ kWh vorgesehen. Danach hängt die Vergütung von zwei Einflussfaktoren, nämlich der effektiven Stromproduktion der Anlage und dem Referenzertrag, ab. Der Referenzertrag leitet sich vom Referenzstandort (BFE 2008) ab. Falls die Anlage mehr als 150 % des Referenzertrages produziert, erfolgt ab dem 6. Betriebsjahr eine Senkung der Vergütung auf 17 Rp./kWh. Werden die 150 % des Referenzertrags nicht erreicht, wird weiterhin 20 Rp./kWh ausbezahlt, wobei dies nur für eine begrenzte Zeitdauer gilt. Die Zeitdauer wiederum wird folgendermassen berechnet: Pro 0,75 % Unterschreitung von 150 % des Referenzertrages erfolgt die Anrechnung von 2 Monaten. Nach dieser Zeitdauer beträgt die Entschädigung 17 Rp./kWh für den Rest der 20 Jahre. Zur besseren Ver­­­­ ständlichkeit der Erlösberechnung für Grosswindanlagen soll folgendes Beispiel dienen: Der effektive Stromertrag einer Anlage in den ersten fünf Jahren sei 1 Mio. kWh/a, während der entsprechende Referenzertrag 0,8 Mio. kWh/a beträgt. 150 % des Re­ ferenzertrags würden demnach 1,2 Mio. kWh/a ergeben. Somit erreicht die betrachtete Anlage 83,3 %, bzw. es fehlen 16,7 %, um die 150 % des Referenzertrages zu erreichen. Diese 16, 7% werden nun durch 0,75 % dividiert und anschliessend mit 2 Monaten multipliziert, was 46,7 Monate ergibt. Während dieser Zeit werden 20 Rp./

50

4

539 878

899 816

1 431 598

4,5

781 893

1 270 328

2 028 097

5

1 042 524

1 693 771

2 743 896

5,5

1 340 388

2 143 679

3 499 461

6

1 638 252

2 620 052

4 255 027

6,6

1 954 732

3 069 960

5 010 592

7

2 252 596

3 546 333

5 726 391

Tabelle 3: Erwartete Erträge Leichtwindanlage Standort (m/s)

Fall 1a (18 m): Ertrag (kWh/a)

Fall 1b (50 m): Ertrag (kWh/a)

2,5

5640

3384

3

9024

5640

3,5

13 536

9024

4

16 920

12 408

4,5

21 432

15 792

5

24 816

19 176

Tabelle 4: Angenommene Investitionsbeträge für die Modellanlagen WKA-1

WKA-2

WKA-3

Aventa AV-7

Gesamtinvestition 2008 (CHF)

2 362 500

3 400 000

5 500 000

140 000

Investition pro kWp (CHF/kWp)

2625

2615

2750

21 538

WKA-Typ

kWh ausbezahlt, danach sinkt die Entschädigung auf 17 Rp./kWh. Bezogen auf eine Nutzungsdauer von 20 Jah­ren kann nun die durchschnittliche Vergütung berechnet werden. Während der ersten 5 Jahre (60 Monate) sowie der errechneten 46,7 Monate, also während 106,7 Monaten, werden 20 Rp./kWh ausbezahlt. Für die Restdauer werden nun die 106,7 Monate von 20 Jahren (240 Monaten) abgezogen, was 133,3 Monate ergibt. Die durchschnittliche Vergütung beträgt demnach 18,3 Rp.: (106,7 Monate x 20 Rp.) + (133,3 Monate x 17 Rp.) = 18,3 Rp. 240 Monate

Investitionsbetrag Die Investitionen betragen je nach Anlage gut 140 000 bis 5,5 Mio. Franken (Tab. 4). Berücksichtigt sind die Anlage (Turm, Gondel, Generator, Mast etc.), das Fundament, die Erschliessung, der Netzanschluss und die

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Planung. Je nach Standortbedingungen können die Investitionen für das Fundament, die Erschliessung und den Netzanschluss stark variieren. Für die Modellberechnungen wurden eher günstige Voraussetzungen unterstellt. Es gilt darauf hinzuweisen, dass aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage und der höheren Rohstoffpreise die Investitionen für die Anlagen WKA-1 bis WKA-3 seit 2005 stark gestiegen sind. Ein WKA-Projekt beansprucht bis zur Inbetriebnahme je nach Standort und Bedingungen einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren oder länger, was insbesondere auf die Windmessungen und zunehmende Lieferfristen zurückzuführen ist. Deshalb wurden mittelfristige Annahmen getroffen und die Kosten angepasst.

Abschreibungen, Kapitalkosten, Unterhalt Die Lebensdauer der einzelnen Anlagebestandteile wurde als einheitlich angenommen und für die Abschreibungen eine Zeitspanne von 20 Jahren angesetzt.


ART-Bericht 700 n

Abb. 4: Windstärken in der Schweiz (Quelle: Meteotest 2007, Bern)

Bei der Finanzierung werden 20 % Eigenkapital mit einem Zinsanspruch von 3 % angenommen, was annähernd dem Zinssatz für Bundesobligationen mit 10 Jahren Laufzeit entspricht (3,03 %, Stand März 2008). Als weitere Vorgabe gilt ein zinsloser Investitionskredit (IK) in der Höhe von maximal CHF 200 000 oder 50 % der Gesamtinvestition. Der Restbetrag wird über einen Bankkredit (BK) mit einem durchschnittlichen Zins von 5 % fremdfinanziert. Die jährlichen Betriebs- bzw. Unterhalts­ kosten werden mit durchschnittlich 5,7 % der Gesamtinvestition angenommen (Rigassi 2005). Eigenleistungen bei Unterhalts- und Wartungsarbeiten sind grundsätzlich möglich, wurden hier aber nicht berücksichtigt.

Erfolgsgrössen Die Wirtschaftlichkeit wird mit folgenden vier Erfolgsgrössen gemessen: 1. Der Kalkulatorische Gewinn bzw. Verlust ist die Differenz aus dem Erlös sowie den Totalen Kosten. Ein Gewinn entspricht einer Entschädigung für Management und Risiko.

2. Die Gesamtkapitalrentabilität bzw. Ka­ pitalrendite (entspricht annähernd dem Return on Investment, ROI) ist ein Mass für die Rentabilität einer Investition, in­ dem der Gewinn bzw. der Verlust mit dem investierten Kapital ins Verhältnis gesetzt wird. Von den Totalen Kosten werden die Zinskosten sowohl für Fremdals auch für Eigenkapital abgezogen. Die Differenz zum Gesamterlös wird dann durch die Investitionssumme dividiert. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass allfällige Investitionskredite zwar zum inves­ ­tierten Kapital gehören, jedoch keinen Zins aufweisen. 3. Die Eigenkapitalrentabilität oder Eigenkapitalrendite ist der Gewinn bzw. der Verlust im Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital. Von den Totalen Kosten werden die Zinskosten des Eigenkapitals (Zinsanspruch) abgezogen. Die Differenz zum Gesamterlös wird dann durch das eingesetzte Eigenkapital dividiert. Die Eigenkapitalrentabilität kann mit alternativen Kapitalanlagen verglichen werden. Ein Zinsanspruch von 3 % bei einer Abschreibungsdauer von 20 Jahren gilt als erreicht, wenn die Eigenkapitalrentabili-

tät mindestens 1,72 % beträgt (mittlerer Zinssatz des gebundenen Kapitals). 4. Die Stromgestehungskosten (Rp./kWh) ergeben sich, indem man die Totalen Kosten durch die produzierte Strommenge dividiert. Dabei handelt es sich um den Break-Even-Point oder die Gewinnschwelle, also jenen Strompreis, der für eine Kostendeckung nötig ist (Gewinn = 0). Diese Grösse ist hilfreich für den Quervergleich mit anderen Verfahren der Stromproduktion.

Ergebnisse Tabelle 5 zeigt die Ergebnisse bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 5 m/s auf 50 m über Grund. Gemäss Übersichtskarte (Abb. 4) werden bei dieser Windstärke doch einige landwirtschaftsrelevante Standorte, insbesondere in der Juraregion und Hügellagen südwestlich von Luzern, erfasst. Die Ergebnisse weisen jedoch bei allen Anlagen einen Verlust auf. Bei den Starkwindanlagen betragen Abschreibungen und Zinskosten 57 % der

September 2008  Schweizer Landtechnik

51


n ART-Bericht 700 Tabelle 5: Erlöse, Kosten und Gewinne bei durchschnittlicher Windgeschwindigkeit von 5 m/s auf 50 m über Grund WKA-2

WKA-3

Aventa AV-7

Erlöse

190 840

310 054

500 492

3835

Kosten

311 352

451 015

733 733

9865

Gewinn/ Verlust

–120 512

–140 961

–233 241

– 6030

29,9

26,6

26,7

51,4

400000

300000

200 000

Fall 1 Aventa AV-7 Fall 1 WKA-1 Fall 1 WKA-2 Fall 1 WKA-3

100 000

0 2.5

3

3.5

4

4.5

5

5.5

6

6.5

7

–100 000

-200 000

-300 000 mittl. Windgeschwindigkeit am Standort (50 m über Grund)

Abb. 5: Gewinn/Verlust in Abhängigkeit von verschiedenen Windgeschwindigkeiten

Tabelle 6: Rentabilität der Grosswindanlagen in Abhängigkeit der mittleren Windgeschwindigkeit Kapitalrendite (gesamtes Kapital)

Anhand von vier Windkraft-Modellanlagen erfolgte mit einem Kalkulationsmodell eine Rentabilitätsberechnung aufgrund der aktuell gültigen Einspeisevergütung. Die Kalkulationen lassen, unter Vorbehalt der getroffenen Annahmen, folgende Schlussfolgerungen zu:

52

WKA-1

Gestehungskosten in Rappen

Schlussfolgerungen

– Der Standort ist für die Rentabilität einer Windkraftanlage entscheidend. Erst in zweiter Linie folgen übrige, kostensenkende Optimierungsmöglichkeiten im Bereich der Finanzierung oder bei der Senkung der Investitionssumme. Für Letzteres gibt es hingegen bei der gegenwärtigen Nachfragesituation kaum Spielraum. – Windkraftanlagen können nur an sehr wenigen Standorten der Schweiz rentabel betrieben werden. In Landwirtschaftsgebieten sind allenfalls ein paar wenige Standorte im Jura betroffen, die mittlere

WKA-Typ

kalk. Gewinn/Verlust (CHF)

Gesamtkosten, während 43 % auf die Betriebskosten fallen. Dabei wurden wie er­ wähnt keine Eigenleistungen des Landwirtes eingerechnet. Bei der Leichtwindanlage wurde der Betriebskostenanteil mit 8 % der Gesamtkosten deutlich geringer berechnet. Die Gestehungskosten widerspiegeln den Strompreis, der für eine Kostendeckung bei einer mittleren Windstärke von 5 m/s nötig wäre. Sie liegen mit 27–30 Rappen für Starkwindanlagen bzw. mit 51 Rappen für die Leichtwindanlage doch deutlich über den Tarifen der kostendeckenden Einspeisevergütung. Abbildung 5 zeigt die Entwicklung des Gewinns bzw. Verlusts in Abhängigkeit der mittleren Windgeschwindigkeit. Die Leichtwindanlage ist bei allen Windstärken bei der gegenwärtigen Einspeisevergütung von 20 Rp./kWh nicht kostendeckend und verbucht jährliche Verluste zwischen 5000 und 10 000 Franken. Die Grosswindanlagen erreichen die Gewinnzone erst bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von knapp unter bzw. über 6 m/s. Analog dazu sind in Tabelle 6 die Rentabilitäten für die Grosswindanlagen aufgeführt. Auch hier beginnen die Anlagen erst ab einer mittleren Windgeschwindigkeit von 6 m/s zu rentieren. Ein Blick auf die Karte (Abb.4) zeigt, dass somit nur an äusserst wenigen Standorten in der Schweiz eine kostendeckende Windstromerzeugung möglich ist (dunkelorange/ rote Gebiete).

WKA-1

WKA-2

WKA-3

4 m/s

– 6,1 %

– 5,4 %

– 5,5 %

4,5 m/s

– 4,3 %

– 3,4 %

– 3,5 %

5 m/s

– 2,6 %

– 1,6 %

– 1,6 %

5,5 m/s

– 0,6 %

0,5 %

0,6 %

6 m/s

1,6 %

3 %

3 %

6,5 m/s

4 %

5,3 %

5,5 %

7 m/s

6,2 %

7,8 %

7,8 %

Eigenkapitalrendite 4 m/s

– 41 %

– 38 %

– 39 %

4,5 m/s

– 32 %

– 28 %

– 29 %

5 m/s

– 24 %

– 19 %

– 19 %

5,5 m/s

– 14 %

– 9 %

– 9 %

6 m/s

– 2,6 %

3,8 %

3,7 %

6,5 m/s

9,3 %

15,5 %

15,9 %

7 m/s

20,4 %

28 %

27,4 %

Windgeschwindigkeiten von mehr als 6 m/s aufweisen. – An den eher verbreiteten Standorten mit mittleren Windgeschwindigkeiten von rund 5 m/s ist mit den gegenwärtigen Einspeisevergütungen keine Kostendeckung

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zu erzielen. Die Stromgestehungskosten der Modellanlagen liegen dort über 50 % über den Einspeisevergütungen bei Starkwindanlagen bzw. über 150 % über den Einspeisevergütungen bei Kleinwindan­ lagen.


ART-Bericht 700 n Anhang Technische Grundlagen Moderne Windkraftanlagen nutzen zur Stromerzeugung das Auftriebsprinzip und werden dadurch zu aerodynamisch angetriebenen Anlagen. Die Rotorblätter haben ein aerodynamisches Profil, das ähnlich wie bei einer Flugzeugtragfläche durch Druckunterschied Auftrieb erzeugt. Der Druckunterschied entsteht durch den Geschwindigkeitsunterschied zwischen der Saug- und der Druckseite des Flügels. Der Auftrieb lässt die Rotoren eine Drehbewegung ausführen, diese Rotorendrehzahl lässt sich durch zwei Arten regeln, um eine Überlas­ tung des Generators und der restlichen Maschinenteile zu verhindern. Es wird zwischen dem Stall- und Pitch-Konzept unterschieden. Beim Stall-Konzept wird die Anströmrichtung verändert, der Anstellwinkel vergrössert sich und an der Saugseite der Rotorblätter kommt es zu einer Strömungsablösung (engl. stall), der Auftrieb wird vermindert und der Widerstand erhöht. Das Pitch-Konzept basiert auf einer stärkeren Verstellung des Blattwinkels (engl. to pitch = neigen). Wird die Windgeschwindigkeit zu hoch, wird das Rotorblatt mit der Vorderkante aktiv in den Wind gedreht, dadurch verringert sich der Anstellwinkel, Leistung und Belastung werden begrenzt. Am Markt haben sich heute die pitch-geregelten, drehzahlvariablen Leichtbauanlagen durchgesetzt und die einfachen, robusten Stall-Anlagen praktisch verdrängt. Durch den Einsatz moderner Regelungstechnik geht die Anlage gleitend ans Netz und bei zu starkem Wind wird die Leistung herabgeregelt und eine gleichmässige Einspeisung gewährleistet. Bei Sturm fährt die Anlage sanft hinunter und verhindert so einen abrupten Leistungsausfall. Damit werden Störungen im Übertragungsnetz verhindert und die Netzverträglichkeit der Anlage erhöht sich.

Literatur

Weitere Quellen

Bührke T., Wengenmayr R. (Hrsg.), 2007, Erneuerbare Energie: Alternative Energiekonzepte für die Zukunft,1. Auflage, WILEYVCH, Weinheim. Gazzarin Ch. und Zumbühl Th. 2008: Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben – lohnt sich die Investition? ARTBericht Nr. 694, Forschungsanstalt Agro­ scope Reckenholz-Tänikon, Ettenhausen. Gubler N., Gazzarin Ch., Dux. D. und Engeli H. 2007: Wirtschaftlichkeit von Biogasan­ lagen – wichtige Einflussfaktoren am Beispiel von zwei Modellanlagen. ART-Bericht Nr. 676, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon, Ettenhausen. KTBL, Kuratorium für Landtechnik und Bauwesen in der Landwirtschaft, KTBL-Schrift 420, 2004, Die Landwirtschaft als Energieerzeuger, Darmstadt. Kaltschmitt M., Streicher W. und Wiese A. (Hrsg.), 2006. Erneuerbare Energien Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umwelt­ aspekte, 4. Auflage, Springer Verlag, Berlin Heidelberg.

– Revision der Energieverordnung & Stromversorgungsverordnung (StromVV) – Eröffnung des Vernehmlassungsverfahrens, erschienen: 27.6.2007, Institution: Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) – Paul Scherrer Institut (PSI) für das Bundesamt für Energie (BFE), Final Draft 24 September 2004, BFE Energieperspektiven: Erneuerbare Energien und neue Nuklearanlagen, Kapitel 5: Windenergie. – Rigassi R. für Suisse Eole, Schlussbericht November 2005, Sicherheit von Windkraftanlagen in der Schweiz (Hauptbericht), im Auftrag des BFE. – Millais C., Teske S., Mai 2004, Windstärke 12 (Wind Force 12), Wie es zu schaffen ist, bis zum Jahr 2020 12 % des weltweiten Elektrizitätsbedarfs durch Windenergie zu decken, European Wind Energy Association & Greenpeace. – http://www.windpower.org/de/tour/ wres/pow/index.htm

Suisse Eole 2007. Windenergie in der Schweiz – Zahlen und Fakten, Informationsblatt Stand 12.01.2007, Bubendorf.

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n ART-Bericht 700 Anfragen über andere landtechnische Probleme sind an die unten aufgeführten Berater für Landtechnik zu richten. Weitere Publikationen und Prüfberichte können direkt bei der ART, Tänikon, CH-8356 Ettenhausen angefordert werden, Tel. 052 368 31 31, Fax 052 365 11 90, E-Mail: doku@art.admin.ch, Internet: http://www.art.admin.ch

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Mayer Gerd, Strickhof, 8315 Lindau, Telefon 052 354 98 11 Blum Walter, Strickhof, 8315 Lindau, Telefon 052 354 99 60 Jutzeler Martin, Inforama Berner Oberland, 3702 Hondrich, Telefon 033 654 95 45 Marti Fritz, Inforama Rütti und Waldhof, 3052 Zollikofen, Telefon 031 910 52 10 Hofmann Hans Ueli, Inforama Rütti und Waldhof, 3052 Zollikofen, Telefon 031 910 51 54 Moser Anton, LBBZ Schüpfheim, 6170 Schüpfheim, Telefon 041 485 88 00 Widmer Norbert, LBBZ, Sennweidstrasse, 6276 Hohenrain, Telefon 041 914 30 77 Landw. Beratungsdienst, Aprostr. 44, 6462 Seedorf, Telefon 041 871 05 66 Landolt Hugo, Landw. Schule Pfäffikon, 8808 Pfäffikon, Telefon 055 415 79 22 Müller Erwin, BWZ Obwalden, 6074 Giswil, Telefon 041 675 16 16 Landwirtschaftsamt, St.Antonistr. 4, 6061 Sarnen, Telefon 041 666 63 58 Scheuber Roland, Landwirtschaftsamt, Kreuzstr. 2, 6371 Stans, Telefon 041 618 40 01 Amt für Landwirtschaft, Postgasse 29, 8750 Glarus, Telefon 055 646 67 00 Gut Willi, LBBZ Schluechthof, 6330 Cham,Telefon 041 784 50 54 Furrer Jules, LBBZ Schluechthof, 6330 Cham, Telefon 041 784 50 50

FR Kilchherr Hansruedi, Landw. Schule Grangeneuve 1725 Posieux, Telefon 026 305 58 50 SO Ziörjen Fritz, Landw. Bildungszentrum Wallierhof, 4533 Riedholz, Telefon 061 976 21 21 BL Ziörjen Fritz, Landw. Zentrum Ebenrain, 4450 Sissach, Telefon 061 976 21 21 SH Landw. Beratungszentrum Charlottenfels, 8212 Neuhausen, Telefon 052 674 05 20 AI Landw. Beratungsdienst AI, Gaiserstrasse 8, 9050 Appenzell, Telefon 071 788 95 76 AR Vuilleumier Marc, Landwirtschaftsamt AR, 9102 Herisau, Telefon 071 353 67 56 SG Lehmann Ueli, Landwirtschaftliches Zentrum SG, 9465 Salez, Telefon 081 758 13 19 Steiner Gallus, Landwirtschaftliches Zentrum SG, 9230 Flawil, Telefon 071 394 53 94 GR Merk Konrad, LBBZ Plantahof, 7302 Landquart Telefon 081 307 45 25 AG Müri Paul, LBBZ Liebegg, 5722 Gränichen, Telefon 062 855 86 27 TG Baumgartner Christof, Fachstelle Beratung und Landtechnik, Amriswilerstr. 50, 8570 Weinfelden, Telefon 071 622 10 23 TI Müller Antonio, Ufficio consulenza agricola, 6501 Bellinzona, Telefon 091 814 35 53 AGRIDEA Abteilung Landtechnik, 8315 Lindau, Telefon 052 354 97 00

Impressum Herausgeber: Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon, CH-8356 Ettenhausen Die ART-Berichte erscheinen in rund 20 Nummern pro Jahr. – Jahresabonnement Fr. 60.–. Bestellung von Abonnements und Einzelnummern: ART, Bibliothek, CH-8356 Ettenhausen. Telefon +41 (0)52 368 31 31, Fax +41 (0)52 365 11 90, doku@art.admin.ch, http://www.art.admin.ch Die ART-Berichte sind auch in französischer Sprache als «Rapports ART» erhältlich. ISSN 1661-7568. Die ART-Berichte sind im Volltext im Internet (www.art.admin.ch)

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