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Schweizer Landtechnik

Februar 2008

Fahrkurs G40

LT extra: Typenvielfalt bei G端ller端hrwerken


n Editorial

n Inhalt

Titel Landwirtschaft Titel Titel hat Zukunft Titel Titel Titel Titel

LT extra Rührwerke machen müde Güllen munter..................... 5

Februar

Traktortechnik Lenken per Knopfdruck.............................................. 11 LT aktuell Agrimesse Thun, AP 2011 Verordnungen, Landmaschinen-Verband, Melkroboter-Moratorium, Rücknahmepreise 2008 ............................................ 13 «Die Menschen müssen etwas zu essen haben, bevor sie sinnlose Plastikartikel produzieren können.» Diesen Satz habe ich vor über 20 Jahren aufgeschnappt und ihn seither häufig zitiert. Für mich zeigt er, dass die Sonderstellung der Landwirtschaft in Politik und Wirtschaft gerechtfertigt ist. In den Jahrzehnten des Überflusses ist fast vergessen gegangen, dass Essen neben Trinken und Atmen eine Grundbedingung zum Leben sind. In den letzten Monaten wächst dieses Bewusstsein wieder. Jürg Minger, Präsident des Schweizerischen LandmaschinenVerbandes, stellte an der Mitgliederversammlung fest, die Landwirtschaft sei eine Zukunftsbranche. Agrarrohstoffe seien im Hoch, stolze Ähren, nicht mehr Mauerblümchen Die Landtechnikbranche werde davon profitieren. SVLT-Direktor Willi von Atzigen meinte an der Generalversammlung der Sektion Solothurn: «Ohne Landtechnik können die Menschen weder mit genügend Essen noch mit genügend Energie versorgt werden.» In diesem Sinn bleibt die «Schweizer Landtechnik» am Ball, informiert ebenso über überzeugende technische Lösungen wie über die Kosten der Landtechnik. Die Februarausgabe gibt Ihnen Tipps, damit Ihnen das Licht nicht ausgeht (Seite 38). Sie zeigt, was beachtet werden muss beim Einbau einer Greiferanlage, insbesondere bei Altbauten (Seite 33), und Lohnunternehmer erhalten Hinweise für Kalkulation und Kontrolle ihrer Kosten (Seite 14). Und weil es zum Leben mehr braucht als Technik, als Nahrung fürs Gemüt und das bäuerliche Selbstbewusstsein ein Zitat des österreichischen Physikers und Soziologen Johann Millen­ dorfer: «Die Bauern sind nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen.» Edith Moos-Nüssli

Betriebswirtschaft Kalkulieren und kontrollieren..................................... 14

Sektionsnachrichten Generalversammlungen Lohnunternehmer, ZG, FR, BL/BS Kurse AG, BL/BS, GR, LU, SO, Reise ZG GV-Berichte: SH, SO, SG/GL/AI/AR, ZH ...................... 18 Sous la loupe Technik für Träume.................................................... 24 SVLT Neue Dimension der Ladungssicherung...................... 21 Fahrkurs G40: Neues Merkblatt.................................. 27 Kursprogramm Riniken.............................................. 31 Hoftechnik Greifer: Gut investiertes Geld..................................... 33

AgroSpot Sparen beim Bauen.................................................... 36 Werkstatt Es werde Licht............................................................ 38 Impressum............................................................... 40 ART-Bericht 693 Lohnt sich das Wachstum in der Milchproduktion?..... 41

Titelbild: Anton à Portas Sicherheit im landwirtschaftlichen Zuversicht im Hochtal Strassenverkehr: (Bild Ueli Zweifel). SVLT-Fahrkurse G40 mit neuem Merkblatt zum 10. Geburtstag, inklusive Kursdaten auf Seite 30. (Foto: Jürg Fischer).

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LT extra n

Schaufelrührwerk Fankhauser: Die Schöpfbewegung, die die Gülle durch eine wellenförmige Bewegung in Zirkulation versetzt, bedingt eine sehr massive und robuste Konstruktion (Bild: Ueli Zweifel).

Rührwerke machen müde Güllen munter Ein Beispiel: Im luzernischen Ebersecken investierten Alois Müller und Sohn Patrick in einen neuen Milchviehlaufstall für 70 Kühe. Der Güllekasten kam unter dem Laufhof zu liegen: 60 Meter lang, 5 Meter breit und 4 Meter tief. Zum Güllerühren fiel der Entscheid auf ein Schaufelrührwerk. Die Palette an Güllerührwerken aber ist sehr vielfältig. Ihre Wirksamkeit lässt sich nicht so leicht, beziehungsweise erst nach Jahren erkennen. Ueli Zweifel*

Zwei Hauptaufgaben muss ein Güllerührwerk erfüllen. Die eine betrifft die physikalische Rührwirkung, um die Sinkschicht am Grubengrund und die Schwimmschicht an der Gülleoberfläche mit der dünnflüssigen Gülle dazwischen möglichst homogen zu vermischen und pumpfähig zu machen. Die andere betrifft die Unterstützung der mikrobiellen Abbauprozesse des organischen Material durch den Sauerstoffeintrag aus der

*Der Beitrag basiert auf Informationen von Hans Fankhauser und Hans Felder von der Fankhauser AG in Malters sowie sowie von weiteren Anbietern

Luft, damit die Schadgasentwicklung eingedämmt und die Gülle pflanzenverträglich wird. Beim Bau eines neuen Güllelagers ist es wichtig, sich schon in der Planungsphase mit der Wahl der Güllerührwerks auseinanderzusetzen. Grubenform, Tiefe, Abmessung, Gülleart, Platzierung der Rührwerks, Aufwand für das Einrichten, Antriebsart, Anschlussleistung, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit sind Faktoren, die die Rührwerkswahl beeinflussen.

Güllegrubentypen Was den Güllegrubentyp betrifft, so werden heute nicht mehr so oft runde Güllesilos gebaut wie noch vor einigen Jahren. Neue Güllebehälter müssen zwingend gegen Ammoniakverdunstung

abgedeckt sein. Ist die Abdeckung eine Betondecke, dann seien die preislichen Unterschiede zu rechteckigen Güllegruben nicht mehr so gross, bemerkt Hans Felder von der Firma Fank­hauser AG in seiner Infoschrift zu den Güllerührwerken. Zudem könne die Grube in Form von Schwemmkanälen und eines wenig tiefen Güllekastens zum Teil als Fundament bei einem Hallenneubau innerhalb des Stallbereichs dienen oder ausserhalb der gedeckten Stallanlage unter dem Laufhof zu liegen kommen. Die Bauform ist auch von der Topographie abhängig. Bei einer Hanglage bietet sich die Positionierung des Güllekasten auf der Talseite eines Stallneubaus an, weil es dann nur wenig Aushub gibt und die bergseitige Grubenwand hinterfüllt werden kann.

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n LT extra Tabelle 1: Wirtschaftlichkeitsvergleich verschiedener Rührsysteme ohne Berücksichtigung der Unterhaltskosten (Quelle H. Fankhauser) Tauchmotor­ rührwerk Maschineninvestition CHF Antriebsleistung kW Amortisation (Jahre) Amortisationsaufwand (CHF pro Jahr) Rühraufwand (h pro Jahr) Energiekosten (CHF pro kWh) Rühraufwand in (CHF pro Jahr) Einrichtungsaufwand (h pro Jahr) Einrichten/Verstellen (CHF pro Jahr) Traktorkosten gemäss ART (CHF 30.00) variable Kosten CHF Traktoraufwand (CHF pro Jahr) Traktor Einrichtungsaufwand (CHF pro Jahr) Total Betriebskosten pro Jahr Total Betriebskosten in 15 Jahren

Die Grubenform bestimmt die Wahl Um das passende Rührwerk einzusetzen, muss man wissen, auf welche Distanz die Gülle aufgerührt werden soll, welche Strömungsverhältnisse zu erwarten sind und wie Säulen oder Zwischenwände die Strömung beeinflussen. Ein wichtiges Merkmal ist im Weiteren die Tiefe und damit das Volumen einer Güllegrube. Ein weiteres Kriterium ist die Frage, bis zu welchem Niveau die Gülle noch gerührt werden soll. Tauchmotorrührwerke und Traktormixer entwickeln ihre volle Rührleistung nur, wenn das Aggregat ganz in der Gülle eingetauchen ist, d. h. die Gülletiefe muss mindestens 80–90 cm betragen. Schaufel- und Haspelrührwerke arbeiten hingegen auch bei noch tieferem Gülleniveau. Dies kann wichtig sein, wenn bei geringer Tiefe die Bodenfläche der Güllegrube gross ist und wenn während der Vegetationsperiode Gülle aus der wenig gefüllten Grube für eine gezielte Hofdüngergabe, z. B. als Fussdüngung zu Mais, aufgerührt werden soll. Oftmals erweist es sich als Vorteil, wenn ein Güllerührwerk fahrbar ist (Gülle­ mixer) oder aber die Elektro- und Antriebseinheit von einem (Haspel-)rührwerk aufs andere Rührwerk gezügelt werden kann. Welches Rührwerk in Frage kommt, ist auch von dessen Platzierung abhängig.



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9000 11 20 450.00 120 0.28 369 10 150

Elektromixer für Zirkulations­ system 8000 15 15 533.33 365 0.28 1 533 0

Traktormixer

Axialrührwerk

Schaufel­ rührwerk

6000 40 15 400.00 100

10 000 7.5 20 500.00 120 0.28 252 0

11 000 7.5 20 550.00 120 0.28 252 0

752.00 11 280.00

802.50 12 037.50

15 14 1400 225

990.00 14 840.00

2066.33 30 995.00

2025.00 30 375.00

Beim Gülleeinlauf ist der Feststoffanteil am grössten, während in der Nähe von Melkstand und Milchraum die Gülle durch die Einleitung von Brauchwasser verdünnt wird. Bei dickflüssiger Gülle (hohem TS-Gehalt) nimmt die Güllewirkung vom Zentrum der Rührwirkung zur Peripherie sehr schnell ab. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn von der Gülle mit hohem Feststoffanteil in Richtung der verflüssigten Gülle gerührt wird. Im Weiteren geht es auch um den Automatisierungsgrad, den man sich beim Güllerühren wünscht. Fest installierte Güllerührwerke lassen sich mit eingebauter Anfahrsicherung per Knopfdruck

bedienen. Mobile Systeme müssen aufund abgebaut werden. Oft braucht es noch ein Hilfsperson, damit bei offener Güllegrube niemand durch Unvorsichtigkeit zu Schaden kommt. Gewisse Rührwerke (Güllemixer an Traktor oder elektrisch) sind zwar in der Investition günstiger, schneiden aber bei den Betriebskosten schlechter ab als andere (Haspelrührwerk, Schaufelrührwerk). Siehe dazu Tabelle 1.

Tauchmotorrührwerk: Universell in Rundund Viereckgüllebehälter einsetzbar (Werkphoto. A. Wälchli, Maschinenfabrik Brittnau).

Für den variablen und überbetrieblichen Einsatz: Güllemixer an der Traktorhydraulik für grosse Leistungen (Werkphoto Bauer importiert durch AgriBuchs, SA Yverdon)

Verschiedene ­Rührwerksysteme Je nach Rührwerkssystem sind Strömung, Rührwirkung und Rührenergie verschieden. Deshalb muss sorgfältig ge-


Flügelrührwerk mit 6,5m Durchmesser ohne Zwischenwand. Die Firma Mai AG in Huttwil hat sich auf den Bau dieses Typs Rührwerk spezialisiert. Jedes Rührwerk wird auf die besonderen Verhältnisse vor Ort abgestimmt (Werkbild Mai)

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Schaufelrührwerk

Herstellung, Vertrieb Fankhauser AG, Malters Schweizer AG, Schwarzenbach SG Meyer AG, Rothenburg Kohli AG, Gisikon, Hochdorfer Technik AG, Küssnacht am Rigi AgriBuchs SA , Yverdon A. Wälchli, Maschinenfabrik Brittnau Kolb, Stallbau AG, Güttingen Ernest Roth SA, Porrentruy Walter Mai, Huttwil**

Haspelrührwerk

Tauchmotorrührwerke werden an einem drehbaren Kranarm aufgehängt, der fest montiert oder auf einem Fahrgestell aufgebaut sein kann. Während der Antriebsmotor für die Rührflügel, zweiund dreifach abgedichtet, in die Gülle eintaucht, ist dieser beim traditionellen Güllemixer ausserhalb der Gülle auf der Bedienerseite montiert oder die Rührflügel erhalten das Drehmoment über die Zapfwelle. Vor- und Nachteile: Tauchmotorrührwerke zeichnen sich durch eine kompakte Konstruktion aus. Sie eignen sich insbesondere für runde Güllebehälter, vor allem wenn diese sehr tief sind. Eine gute Güllewirkung wird bis 15 Meter Reichweite erzielt. Die Tauchmotoren mit den angeflanschten Rührflügeln können im Güllebehälter auf einem Halbkreis von links nach rechts geschwenkt werden. Der Stromverbrauch ist wegen der schnell drehenden Rührflügel im Verhältnis zur Rührwirkung als hoch zu bezeichnen. Unter ca. einem Meter Gülletiefe ist die optimale Rührwirkung nicht mehr gewährleistet. Mixer: Güllemixer haben mit ihrer «Schiffsschraube» eine ähnliche Wirkung wie Tauchmotorrührwerke. Diese werden entweder über die Zapfwelle oder durch angeflanschte Elektromotoren angetrieben und haben nebst geringen Investitionskosten die Vorteile hoher Mobilität, grosser Rührwirkung und des universellen Einsatzes in runden und viereckigen Behältern. Hier gibt es

Axialrührwerk

¸ im Programm

Rührwerke für Spaltenböden

Tauchmotorrührwerke

Güllemixer*

Tabelle 2: H  ersteller und Lieferanten von Güllerührwerken (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) Tauchmotorrührwerk / stationär / fahrbar

prüft werden, welches System bei welcher Grubenform optimal funktioniert.

Delphin Rührwerk

LT extra n

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* Bei den Mixern gibt es einen fliessenden Übergang zum Pumpensektor z. B. mit Tauchschneidpumpen (Wälchli Brittnau) und Rührmixpumpen (Meyer Rothenburg, Kolb Güttingen). Bei AgriBuchs und Roth Porrentruy sind sog. «Messermixer» im Angebot. Fix installierte Zirkulationsmixer in Endloskanälen sind mit Tauchmotor (z. B. AgriBuchs SA) ausgerüstet oder funktionieren als Stabmixer mit Elektromotor unter Umständen sogar verstärkbar durch einen Zapfwellenantrieb (z. B. Fankhauser AG). ** Die Firma Walter Mai in Huttwil baut speziell grosse, an die Raumverhältnisse angepaste Haspelrührwerke.

einen fliessenden Übergang zu Tauchschneidpumpen und ähnlichen Mixer­ aggre­gaten, die nicht nur einen Mischeffekt haben, sondern gröbere Anteile auch noch zerkleinern. Als Spezialität unterstützen Zirkulationsmixer den Güllefluss in Schwemmkanälen, während sogenannte Stabmixer so konstruiert sind, dass sie mit ihrem zusammengeklappten Mixeraggregat durch Spaltenböden

Axialrührwerk mit speziell geformten Flügelkörpern und Schwimmer (Meyer AG, Rothenburg)

eingefahren werden können. Wie die Tauchmotorrührwerke brauchen auch Güllemixer eine verhältnismässig grosse Antriebsleistung von der Zapfwelle oder vom Elektromotor.

Axialrührwerke Axialrührwerke heissen auch Propellerund Flügelrührwerke und ein Spezialfall ist hier das Haspelrührwerk. Dabei handelt sich um langsam rührende Geräte, die beim Energieverbrauch besser sind als die Tauchmotorrührwerke. Axialrührwerke sind nicht nur an der Oberfläche, sondern auch auf dem Grund der Güllegrube verankert. Zum einen laufen diese rotierenden Geräte als Haspelrührwerke aus einer Chromstahl/Holzkonstruktion um eine Vertikalachse. Mit abnehmendem Gülleniveau nimmt bei diesen auch der Widerstand und die Rührwirkung ab. Zum andern haben die eigentlichen Axialrührwerke ein Flügelpaar in Bodennähe und eines schwimmend auf der Höhe des Gülleniveaus. Bei gleichbleibender Angriffsfläche auf den Rühraggregaten bleibt damit der Leistungsbedarf für deren Antrieb konstant. Fortsetzung Seite 9

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LT extra n Vor- und Nachteile: Axialrührwerke werden mit sehr kompakten Antriebseinheiten ausgerüstet. Deshalb können diese z. B. in einer Durchfahrt sogar versenkt montiert werden. Damit der Motor gar nicht in die Quere kommt, gibt es für die Übertragung des Drehmomentes auch die Lösung mit einem Winkelgetriebe. Diese Rührwerke sind einerseits in der Lage, die Schwimmschicht ohne heftiges Aufwühlen aufzureissen und bleiben andererseits auch in der Tiefe bis auf ein Gülleniveau von ca. 50 cm noch wirksam. Die Flügel sind je nach Hersteller unterschiedlich geformt und generell quer gestellt, damit die Gülle nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung strömt und die Sedimente auch in Bodennähe aufgewirbelt werden. Axialrührwerke können nur im leeren Zustand des Güllebehälter eingebaut und gewartet werden. Bei unsachgemässem Vorgehen besteht Lebensgefahr durch die Schadgase. Um die Fliessrichtung der Gülle zu brechen, ist im Allgemeinen der Einbau einer Zwischenwand notwendig. Das Verhältnis von Breite zu Länge des Güllekastens sollte bei Axialrührwerken im Bereich von 1 : 3 bis 1 : 5 sein. In langgezogenen Güllegruben ist an den Einbau von zwei Geräten zu denken, wobei die Antriebseinheit von einem zum anderen gezügelt werden kann, wenn man bei den Investitionskosten sparen will. Bei beschränkter Grundfläche und einem engen Verhältnis von Breite zu Länge zwischen 0,5 und 1 kommt noch das Vertikalrührwerk «Delphin» (Fank­ hauser, Roth SA Porrentruy) in Frage. Dieses kommt ohne Bodenverankerung und ohne Getriebe aus. Schnelllaufende Rührflügel bewirken nebst der Rotationseine starke Vertikalbewegung der Gülle, verbunden wieder mit überproportional grossem Energiebedarf. Erwähnt sei an dieser Stelle auch noch das Tangential-Silorührwerk, das mit schräggestellter Achse insbesondere in runden Biogas-Fermentern und in quadratischen Gruben zur Anwendung kommt. Die Montage ist aufwendig. Doch werden hier punkto grosser Rührwirkung bei kleiner Antriebsleistung die grössten Anstrengungen gemacht. Dies ist klar, wenn man bedenkt, dass in einer Biogasanlage das Rührwerk rund um die Uhr läuft.

Schaufelrührwerke Schaufelrührwerke benötigen eine massive Konstruktion, um den Keilriemenantrieb sowie Getriebe und Kurbelwelle aufzunehmen. Das Getriebe und der Rührarm sind durch die wippende Bewegung sehr hoher Beanspruchung ausgesetzt. Deshalb legt zum Beispiel die Firma Fankhauser hier grossen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei diesem Rührwerk um eine hundertprozentige Eigenfabrikation handelt und auch nach Jahren eine Liefersicherheit für die Verschleissteile (namentlich Zahnräder) besteht. Speziell ist auch der Rührbalken, der bei Fankhauser aus einem besonders harten Tropenholz gefertigt wird. Vor- und Nachteile: Die Vorteile des Schaufelrührwerks betreffen die hohe Flexibilität bei der Platzierung desselben. Da keine Fixation am Grund besteht, ist eine Montage bei voller Güllegrube möglich. Wie das Axialrührwerk setzt auch das Schaufelrührwerk die Gülle schonend in Bewegung, wobei sich Zirkulations- und Wellenbewegungen überlagern. Deshalb erübrigt sich auch der Einbau einer Zwischenwand. Das Rührwerk kann in schmale beziehungsweise speziell lange Güllegruben bis zu einem Verhältnis (Breite zu Länge) von 1 : 15 eingesetzt werden. Es ist bis zu einer Tiefe von 4 Metern einsetzbar und wirksam auch bei sehr geringem Gülleniveau. Schaufelrührwerke werden auf einem Drehkranz aufgesetzt, auch als

«Rotationsschaufelrührwerk» gebaut. Als Nachteile können der Platzbedarf auf dem Laufhof angeführt werden und auch der Schadgasaustritt beim Rührwerk. Fazit: Auch wenn namentlich von der Biogastechnik, wo wegen des Dauerbetriebs im sauren Milieu in jeder Beziehung rigorose Qualitätsanforderungen gefordert sind, neue Impulse auf die Güllerührwerke hinüberschwappen, so handelt es sich bei den Güllerührwerken doch um eine Technik, die man gut kennt und im Griff hat. Dennoch ist es wichtig, sich mit dieser Technik schon während der Planung auseinanderzusetzen, um die wirksamste und wirtschaftlichste Lösung zu finden. Für die Wirtschaftlichkeit aber muss man sich sowohl Gedanken machen über die Investitions- als auch über die Betriebskosten (siehe Tabelle 1). Noch diese Schlussbemerkung: Gülle ist eine sehr heterogene Mischung von Flüssigkeit unterschiedlicher Konsistenz, mit Feststoffen unterschiedlicher Dichte durchsetzt. Zwar kann man auf der Gülleoberfläche die Rührwirkung gut beobachten, doch was in der Tiefe geschieht, bleibt weitgehend im Verborgenen. So sind u. U. Ablagerungen erst viel später (ein, zwei, drei Jahren nach der Installation) zu erkennen. Es ist deshalb wichtig, vom Rührwerklieferanten Garantien für die langfristige positive Rührwirkung zu erhalten.  n

Gefahren durch Güllegase Bei der anaeroben Vergärung (also bei Sauerstoffmanko) entstehen nebst Stickoxiden vor allem Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Ammoniak (NH3). Diese Gase sind in der Gülle gelöst und entweichen beim Abfliessen, Rühren oder Umpumpen. Die Gase sammeln sich dann namentlich auch im Luftraum über dem Gülleniveau und unter dem Güllegrubendeckel an und vermischen sich zum toxisch-explosiven Gasgemisch. Zudem ist namentlich Schwefelwasserstoff ein hochgiftiges Nervengas, das bei ungefährlicher Konzentration nach faulen Eier riecht, aber schon bei einer Konzentration von 0,2 l/m3 Luft (200 ppm) nicht mehr wahrgenommen wird, weil der Geruchssinn versagt.

Aufgerührte Gülle setzt grosse Mengen Schadgase frei. Schwefelwasserstoff ist als gefährlichstes Güllegas rasch in tödlicher Konzentration vorhanden. (Aus BUL-Broschüre 7 «Gasgefahren in der Landwirtschaft»)

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Traktortechnik n Vorteile des Systems ForCon (Force control):

Steuerungsdisplay

• Spurhaltung auch in schwierigem Gelände • Lenkstabilität auf der Strasse • Ruhiger Nachlauf bei hoher Geschwindigkeit • Bessere Verteilung des Bodendrucks (Hundegang) • Engere Kurvenradien bei geringem Verschleiss • Bessere Rückfahreigenschaften in allen Situationen • Reduzierte Gefahr beim Ankuppeln (keine Hilfsperson) • Notlaufeigenschaften bei Ausfall des Systems

Lenkbarkeit an diesem Tridem-Achs-Anhänger lässt keine Wünsche offen

Lenken per Knopfdruck Die Vorzüge einer Zwangslenkung können neu ohne Abstriche genutzt werden. Möglich macht es das System «ForCon» von Fliegl. Der Winkel zwischen Zugfahrzeug und Anhänger wird neuerdings von einem Sensor ermittelt. Die Bordelektronik auf dem Anhänger wertet die Daten laufend aus und steuert den Lenkeinschlag der Achsen eines Tridem-Anhängers. Dominique Berner*

lenkte Anhängerachsen, die der Spur des Schleppers folgen.

Hoher Verschleiss

Die neue Dimension der Aktivsteuerung

Wer beim Manövrieren eines beladenen Anhängers schon neben einer starren Doppel- oder Dreifachachse gestanden ist, hat eine Vorstellung über die Reibkräfte, die bei Richtungsänderungen auftreten. Dann ist auf befestigter Unterlage der Pneuverschleiss regelrecht hörbar, während im Gelände die hinterlassenen Spuren von der Krafteinwirkung zeugen. Ausscherkräfte können sich auch bei der Kurvenfahrt unangenehm bemerkbar machen und die Lenkbarkeit des Anhängerzugs beeinträchtigen Techniker haben sich des Problems angenommen. Das Resultat sind aktiv ge-

«Bewegungsmelder»: Sensor an der Kugelkopfkupplung misst alle Abweichungen vom direkten Zug zwischen Traktor und Anhänger. * Leiter des technischen Dienstes SVLT

Fliegl stellte an der Agritechnika ein revolutionäres System für Tridem-AchsAnhänger vor. Der Auslenkwinkel der Räderpaare auf allen Achsen wird neu nicht mehr mit Seilen oder Stangen verändert, sondern mittels Sensor in der Kugelkupplung registriert und übertragen. Empfänger der Signale ist ein Jobrechner des Anhängers, dieser steuert über elektrohydraulische Steuerventile die Räderpaare auf den Achsen an. Es gibt keine Spurstangen mehr, was das Ankuppeln leichter und sicherer macht. Zudem entsteht bei Kurvenfahrt keine störende Kraftübertragung auf den Traktor.

Intelligenz auf dem Anhänger Die Elektronikbox auf dem Anhänger berechnet aus den Messdaten des Sensors den optimalen Lenkwinkel der Anhängerachsen und leitet die Befehle an den Steuerblock auf dem Anhänger weiter. Die Lenkung selbst erfolgt hydraulisch, die Kraft kann traktorseitig sowohl von einer Konstantpumpe wie

auch von einem «Load-Sensing»-System kommen. Dass an die Sicherheit gedacht worden ist, beweist nebst der Messung des Rücklaufdruckes auch der Einbau eines Druckspeichers. Dadurch wird im Notfall, beim Abriss der Hydraulik oder einem Fehler in der Elektronik sichergestellt, dass sich die Achsen in Mittelstellung zentrieren. Dies garantiert dann eine Geradeausfahrt ohne Auslenkung der Räder.

Lenken nach Bedarf Vom Fahrer können die verschiedenen Lenkarten vorgewählt werden. Am Bedienerpult in der Kabine entscheidet er, wie sein Anhänger hinter dem Traktor nachlaufen soll: geradeaus auf der Strasse, im Hundegang bodenschonend im Acker, in einem vorgegebenen Lenkradius oder manuell. Die manuelle Steuerung macht sich dort bezahlt, wo beim Rückwärtsfahren enge Radien passiert werden müssen.

Ausgezeichnete Technik Für das System ForCon erhielt die Firma Fliegl eine Agritechnica-Silbermedaille. Genannt wurden die folgenden Gründe: «ForCon verbessert mit geringstem konstruktiven aber hohem innovativen Aufwand Fahrverhalten und Manövrierfähigkeit von Tandem- und Tridemwagen auf der Strasse, in schwierigem Gelände und in beengten Lagen deutlich. Dies führt im Gesamten zu positiven Auswirkungen in der Logistik landwirtschaftlicher Transporte hinsichtlich Betriebs- und Arbeitswirtschaft, Arbeitserleichterung und Arbeitssicherheit sowie Umwelt- und Energiesituation.»  n

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LT aktuell n n Agrimesse Thun

Produktion gestärkt, schreibt der SBV in einer Medienmitteilung. Auch bei diesen

Technik und Erlebnisse mo. 166 Aussteller präsentieren sich vom 28. Februar bis 2. März an der Agri­ messe Thun. 16 000 Quadratmeter Flä­ che belegen sie auf dem Ausstellungs­ gelände Thun Expo. Damit etabliert sich die Ausstellung in der letztjährigen Grösse. «Erlebniswelt Landwirtschaft» ist das Thema der diesjährigen Sonder­ schau. Neben «Schlaf im Stroh» und der Dachorganisation «Bed and Breakfast» präsentieren verschiedene Bauern ihre Erlebnisangebote. Trekings mit Lama, Ziegen und Esel sind ebenso auf dem Programm wie Kurse rund um Schaf­ wolle. Das Inforama Berner Oberland zeigt Kursangebote und Material für die Öffentlichkeitsarbeit. Ideen und Anstösse für die Diversifizierung von Landwirtschaftlichen Betrieben sind das Ziel dieser Sonderschau, so die Messe­ leitung. Zu sehen sind zudem mobile Sägewerke in Aktion und eine TraktorOldtimer-Show mit täglichen Vorfüh­ rungen. Veranstalter der Agrimesse ist die Schweizerische Agrotechnische Ver­ einigung (SAV) unter Ausstellungsleiter Bernhard Frunz.

Direktzahlungssätze im Überblick

Die Agrimesse ist vom 28. Februar bis am 2. März täglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Franken, für Jugendliche bis 16 Jahre gratis. Ausstel­ lerliste im Internet: www.agrimesse.ch

n AP 2011 Umstrittene Direktzahlungsansätze mo. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat am 21 Januar die Anhörung zum zweiten Verordnungspaket zur AP 2011 eröffnet. Kernelement sind die Anpassungen der Direktzahlungs­ ansätze. Der Schweizerische Bauern­ verband (SBV) kritisiert, die Vorschläge des BLW würden die Nahrungsmittel­ produktion weiter schwächen. Zudem fehle das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Produktionsrichtungen. Zusammen mit den betroffenen Produ­ zentenorganisationen hat der SBV einen finanzneutralen Vorschlag ausgearbeitet, der laut eigenen Angaben den Anliegen der Landwirtschaft besser Rechnung trägt. Der Flächenbeitrag wird leicht stärker gekürzt, die Ökobeiträge weni­ ger erhöht, dafür Ackerbau und tierische

Allg. Flächenbeitrag Beitrag offene Acker­ fläche RGVE-Beitrag Rindvieh RGVE-Beitrag Fleisch­ schafe RGVE-Beitrag Verkehrsmilchkuh Extensive Wiesen, ­Streueflächen, Hecken, Feld- und Ufergehölze Brachen; Acker­ schonstreifen

Vorschlägen bleibe es attraktiv, ökolo­ gische Flächen zu bewirtschaften.

Vorschlag BLW Vorschlag SBV gemäss Anhörungsunterlagen 1040 Fr./ha 1030 Fr./ha 600 Fr./ha 650 Fr./ha 660 Fr./RGVE 500 Fr./RGVE

650 Fr./RGVE 550 Fr./RGVE

430 Fr./RGVE

450 Fr./RGVE

Tal: 1500; Hügel: 1200; BZ I+II 700; BZ III + IV: 450

Tal: 1200; Hügel: 1000; BZ I+II 600; BZ III + IV: 450

Buntbrachen: 2800; Rotationsbrachen: 2300; Ackerschonstreifen:1300 Saum auf Ackerfläche: 2300

Buntbrachen: 2200; Rotationsbrachen:1700; Ackerschonstreifen: 700 Saum auf Ackerfläche: 1700 GVE-Faktor für Mutterkühe von 0,8 auf 1 erhöhen

BTS/RAUS-Beiträge

n Landmaschinen-Verband Landwirtschaft ist Zukunftsbranche mo. Optimistisch blickt Jürg Minger, Präsident des Schweizerischen Landma­ schinen-Verbandes (SLV) in die Zukunft. «Agrarrohstoffe sind im Hoch», sagte er an der Mitgliederversammlung in Schön­ bühl BE. Statt Mauerblümchen seien sie wieder stolze Ähren. Vor zwei Jahren wäre noch darüber gelacht worden, dass man mit Agrarrohstoffen Geld verdienen könne. Minger geht davon aus, dass die Preise in den nächsten Jahren weiter stei­ gen. Zudem werde es wieder wichtig, dass Getreide produziert werden. Die AP 2011 setzt da seiner Meinung nach falsche Anreize. «Die Ackerbaufläche wird in der Schweiz wieder ein Thema werden, wegen der Selbstversorgung», ist der SLV-Präsident überzeugt. Für die Landtechnikbranche werde sich die Entwicklung positiv auswirken. «Es wird wieder investiert», prophezeite Minger. Komfort, Sicherheit sowie Ar­ beitsbreite und -gewicht würden wich­ tige Themen. Traktoren würden nicht mehr verkauft, jedoch grössere und komfortablere – und neue Traktoren zögen entsprechende Maschinenkäufe nach sich. Bei den ordentlichen Traktanden wurde nur die Wiederwahl von Präsident Jürg Minger thematisiert. Die Vorstandsmit­ glieder wurden jedoch alle in globo be­ stätigt, der Sitz des zurückgetretenen Philippe Schwob nicht wieder besetzt. Jahresbericht, Rechnung und Budget wurden einstimmig genehmigt. Trotz eines Defizits von gut 58 000 Franken wurden die Mitgliederbeiträge nicht er­

höht. «Bei einem Vermögen von knapp 900 000 Franken macht es keinen Sinn, mehr Einnahmen zu generieren», fand SLV-Geschäftsführer Urs Hofer. n Gruyère Melkroboter-Moratorium ­verlängert mo. Lieferanten von Milch für die Gru­ yère-Fabrikation dürfen weiterhin keine neuen Melkroboter installieren. Das be­ stehende Moratorium wurde um sechs Monate verlängert. Dieses wurde erlas­ sen, weil in einer Käserei in der Waadt Qualitätsprobleme auftauchten. Die Interprofession Gruyère hat die For­ schungsanstalt Agroscope Liebefeld-Po­ sieux beauftragt, die Ursachen zu analy­ sieren. Aufgrund der Zwischenergebnisse wurde das Moratorium verlängert. n ARMA/ASMA Rücknahmepreise 2008 mo. Die neue Ausgabe der Einkaufs- und Tauschliste der Landwirtschaftstraktoren ist erschienen. Sie enthält Angaben über die Rücknahmetarife aller Marken und Modelle im Handel, mit den technischen Daten sowie den Rechnungsmethoden für die Mehr- oder Minderpreise bezüg­ lich der benützten Stunden, der Ausstat­ tung sowie des allgemeinen Zustands des Fahrzeuges. Die Tarifskala kann für 50 Franken (Mitglieder ARMA/ASMA 45 Franken) bestellt werden bei: Sekretariat der ARMA, Case postale 1215 1001 Lausanne, Tel. 021 796 33 32 Fax 021 796 33 52.

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n Betriebswirtschaft

Wirtschaftlich vorteilhaft für Lohnunternehmen ist eine mittlere bis gute Auslastung. Dazu gehört Termine einhalten, Mitarbeiter und Maschinen schonen sowie mit regelmässiger Maschinenpflege die Kosten minimieren. (Fotos: Ueli Zweifel)

Kalkulieren und kontrollieren Methodische Grundlagen zur Kalkulation der Kosten des Maschinen- und Personaleinsatzes verspricht eine Schrift des deutschen KTBL. Die «Schweizer Landtechnik» hat sie gelesen und mit Schweizer Lohnunternehmern und Forschern besprochen, was für hiesige Verhältnisse übertragbar ist.

Edith Moos-Nüssli

Technisch ist heute fast alles möglich, ob es auch organisatorisch machbar und ökonomisch sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Kostenkalkulation und laufende betriebliche Kontrollen sind Mittel, dies zu überprüfen. Die Schrift «Kalkulation und Kostenanalyse im Lohnunternehmen» des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) liefert dazu Grundsätze und Formeln. Zudem gibt sie Anregungen, wie man von den kalkulierten Kosten zu einem marktgerechten Angebotspreis gelangt.

Kosten analysieren Autor Alfred Schmid, Geschäftsführer des deutschen Bundesverbandes Lohnunternehmer, kommt zum Schluss, dass

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zwar jeder Lohnunternehmer im eigenen Interesse bemüht sei, seine Kosten zu kennen und zu senken. Vergleiche in der Praxis zeigten jedoch, dass es zwischen den Lohnunternehmern enorme Kosten­unter­schiede gebe. Deshalb lohne es sich, mögliche Fehlerquellen zu überprüfen, eingefahrene Systeme und Vorgehensweisen zu hinterfragen und die betrieblichen Kosten mit den Ergebnissen anderer Unternehmer zu vergleichen. Helmut Ammann von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) bezweifelt, dass sich Schweizer Agrounternehmer in die Karten schauen lassen: «Ich kenne keine solchen Fälle.» Der Berner Lohnunternehmer Markus Schneider meint jedoch auf Anfrage, er wäre sofort bereit, bei einem anonymisierten Vergleich mitzumachen.

Personalkosten weit unterschätzt­ «Die tatsächlichen Personalkosten sowie die anfallenden Neben- und Vorbereitungszeiten werden in der Regel weit unterschätzt», konstatiert Schmid. Bei Markus Schneider bestätigte sich das durch die elektronische Betriebsdatenerfassung: Die Hälfte der anfallenden Arbeitsstunden kann er nicht verrechnen (wir berichteten in der Ausgabe 11/2007). Zudem beurteilt Schmid pauschale Prozentsätze für die Fixkosten als unzureichend. «Das kommt lediglich als Ersatzlösung für eine unzureichende Datenerfassung in Betracht.» Gleiches gelte für die Reparaturkosten. In Deutschland würden 10 bis 15 Prozent der reinen Maschinenumsätze für Reparaturen aufgewendet. In der Schweiz sind es laut ART-


Betriebswirtschaft n Buchhaltungsauswertung in Talbetrieben im Schnitt 22 Prozent. Markus Schneider empfindet das als viel zu hoch. Seine Reparaturkosten lagen in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt bei 14 Prozent des Maschinenumsatzes.

Nutzungsdauer beachten Ein wichtiges Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg eines Lohnunternehmers ist, in welcher Zeit die Maschinen abgeschrieben werden. Mit älteren Maschinen, die zum grössten Teil amortisiert sind, lässt sich eher Geld verdienen als mit neuen, heisst es in der KTBL-Schrift. Dies gelte selbst dann, wenn die älteren Maschinen weniger Leistung erbrächten. Allerdings werden neue Maschinen gebraucht, um technisch auf dem neusten Stand zu bleiben. «Ältere Maschinen können nur kombiniert mit neuen Maschinen eingesetzt werden, sonst droht ein Imageverlust», meint Geschäftsführer Schmid.

Problem», findet Albert Brack. Ein zehnjähriger Mähdrescher arbeite so gut wie ein neuer. Dagegen sei in der Rübeerntetechnik die Entwicklung in den letzten zehn Jahren enorm gewesen. Markus Schneider kalkuliert nicht auf der Basis von Jahren, sondern von geleisteten Stunden, geernteten Flächen. Mit den Worten von KTBL-Autor Schmid: «Die Maschine wird durch die technische Veralterung schneller wertlos als durch den jährlichen Einsatzumfang.» Je spezieller und leistungsfähiger eine Maschine, desto vorsichtiger sollte der Restwert kalkuliert werden.

Strassenfahrten einbeziehen Ein wesentlicher Faktor sind die Distanzen. «Bei zunehmenden Entfernungen

werden die Kosten unterschätzt», stellt KTBL-Autor Schmid fest. Wer zum Beispiel bei der Gülleausbringung keine Entfernungszuschläge berechne, realisiere umgerechnet pro Stunde einen viel zu niedrigen Preis. Ammann präzisiert, dass die Entfernung ins Gewicht fällt, wenn pro Flächeneinheit viele Fahrten gemacht werden. Während fürs Mähen einer Grasparzelle der Arbeitszeitbedarf mit grösserer Entfernung kaum steigt, schlägt er beim Einführen der Futters zu Buche. Bei einer Distanz von 500 Metern zwischen Betrieb und Parzelle werden fürs Einführen pro Hektare laut ART 1,1 Arbeitskraftstunden (AKh) benötigt. Bei einer Entfernung von 5 Kilometern muss mehr als das Doppelte gerechnet werden, 2,5 AKh/ha.

Auslastung bringt nicht alles ins Lot Berechnungen der KBTL zeigen, dass es kaum möglich ist, einen niedrigeren Arbeitspreis durch eine verbesserte Maschinenauslastung auszugleichen. Wird bei Saisonarbeiten der Arbeitspreis unter sonst gleichen Bedingungen um 10 Prozent gesenkt, muss die Auslastung im Schnitt um rund 20 Prozent verbessert werden, um den gleichen Gewinn zu erzielen, berechnet Schmid. Wird der Preis weiter reduziert, steigt die erforderliche Auslastung nicht linear, sondern progressiv. Denn eine hohe Auslastung verkürzt die Nutzungsdauer der Maschinen und erhöht die Fixkosten. Bei Preiserhöhungen ist es umgekehrt: Wird der Preis um 10 Prozent erhöht, braucht es 15 Prozent weniger Auslastung für gleichen Gewinn. Auch hier sind Faustzahlen nicht allgemeingültig. «Die erwähnten Prozentsätze gelten für die Getreide- und Zucker­rüben­ernte», bemerkt Ammann aufgrund der ART-MaschinenkostenBerechnungen. Bei Arbeiten mit einem hohen Anteil an variablen Kosten, zum Beispiel Rundballen pressen, könnten weit grössere Unterschiede entstehen. Auslastung und Nutzungsdauer hängen zusammen. Ist die Auslastung gering, sollte die Nutzungsdauer und damit die Abschreibung um einige Jahre verlängert werden. «Bei Mähdreschern ist das kein

Mit älteren Maschinen lässt sich Geld verdienen, auch wenn die Leistung geringer ist. Fürs Image braucht es aber auch neue Maschinen.

Ein tieferer Preis kann durch eine bessere Auslastung kaum ausgeglichen werden, vor allem wenn die variablen Kosten hoch sind.

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Betriebswirtschaft n Beim Mähdrusch und anderen Ernteverfahren können durch eine geschickte Planung oder durch zentrale Disposition verschiedener Agrounternehmer Strassenfahrten und damit Kosten reduziert werden. Letzteres hat Markus Schneider mit zwei Kollegen gestartet.

Mischpreise Weil Strassenfahrten, Gesamtfläche sowie Parzellengrösse und -form die Arbeitsleistung beeinflussen, schlägt KTBLExperte Schmid eine Mischung zwischen Flächen- und Stundentarif vor. Grund: Die für eine Kostendeckung erforderlichen Stundenpreise können oft aus psychologischen Gründen nicht realisiert werden. Bei einer flächenabhängigen Abrechnung ohne Staffelpreise besteht die Gefahr, die grössten Kunden mit den besten Erntebedingungen zu verlieren. Wer seine Preise nach Parzellengrösse staffelt, kann die unterschiedlichen Flächen- und Organisationsstrukturen der einzelnen Kunden ausgleichen, und das psychologische Problem von Stundentarifen vermeiden. «Wer als Kunde gute Rahmenbedingungen schafft, profitiert von besseren Staffelpreisen. Der Lohnunternehmer hat weniger Aufwand», bilanziert der Autor. Somit profitieren letztlich beide Seiten von einer gestaffelten Preisgestaltung. Beim Mähdrusch wird laut KTBL ab einer Parzellengrösse von rund fünf Hektaren eine optimale Flächenleistung erreicht. ART-Experte Ammann betont, dass die Preise für jede Arbeit und jedes Verfahren anders gestaffelt werden müssen, abhängig vom Verhältnis Arbeitszeit und Arbeitsleistung vor Ort zu Neben‑, Rüstund Wegzeiten. Er stellt fest, dass in der Praxis viele Agrounternehmer abgestufte Preise eingeführt haben. «Es besteht die Gefahr von willkürlichen Abstufungen», warnt er. Auch dürften Stundentarife nicht dazu führen, dass langsamer gefahren werde als zweckdienlich für eine gute Arbeitsqualität. Lohnunternehmer Schneider bemerkt, dass der Termindruck bei Erntearbeiten verhindert, dass zu langsam gefahren werde.

Rentabilität und Liquidität Mähdrescher, Feldhäcksler, leistungsstarke Traktoren sind kapitalintensiv. Neben der Rentabilität ist deshalb entscheidend, wie der Kauf finanziert wird. «Aus dem Gefühl heraus, Kredite so schnell wie möglich zurückzuzahlen,

werden oft zu kurze Amortisationszeiten vereinbart», meint Schmid. In Betrieben mit einem hohen Fremdkapitalanteil führe das zwangsläufig zu Liquiditäts­ eng­pässen. Er postuliert deshalb, dass die Sicherung der Liquidität Vorrang hat vor der Rentabilität. Ferner hält er fest, dass ein Lohnunternehmen falsch finanziert ist, wenn es nicht gelingt, mindestens einmal jährlich das laufende Konto auszugleichen. Ausserdem weist er darauf hin, dass noch lange nicht Pleite machen muss, wer seine Preise falsch kalkuliert. Denn die Arbeitszeiten von Betriebsleiter, Ehefrau, Kindern, etc. werden oft nicht entlöhnt. «In Extremfällen kann ein Lohnunternehmen 20 bis 25 Prozent unter Kostendeckung arbeiten, ohne dass der Betrieb effektiv Verluste ausweist oder Eigenkapital verliert, meint Schmid. Ammann fügt an, dass Arbeiten für Dritte unternehmerisch nur interessant sind, wenn mittel- und langfristig die Kosten gedeckt sind.

Die technisch Veralterung kann Maschinen schneller wertlos machen als die gefahrenen Stunden.

Optimum statt Maximum Insgesamt erhöht laut Schmid eine mittlere bis gute Auslastung zu geringsten Kosten die Wahrscheinlichkeit, einen Gewinn zu erzielen. «Keineswegs eine sehr hohe Auslastung,» betont der Geschäftsführer der deutschen Lohnunternehmen. Angemessene Auslastung heisst für ihn, Termine einhalten, Mitarbeiter und Maschinen schonen sowie mit geordnetem Maschineneinsatz und regelmässiger Maschinenpflege die Kosten minimieren. Und das ist «Chefsache». Den Lohnunternehmer vergleicht Schmid mit einem Kapitän. Der Erfolg eines Unternehmens hängt davon ab, ob es dem Chef gelingt,

Je weiter gefahren werden muss, desto höhere Kosten. Ohne Distanzzuschläge geht die Rechnung nicht auf.

den Markt zu beobachten und richtig zu interpretieren, die Preise entsprechend zu gestalten, die Organisation und die Kosten in den Griff zu bekommen sowie die Kunden fachlich zu beraten und zufriedenzustellen.  n

Anregungen aus Deutschland mo. «Kalkulation und Kostenanalyse im Lohnunternehmen» heisst die KTBLSchrift 452. Sie verspricht methodische Grundlagen zur Kalkulation der Kosten des Maschinen- und Personaleinsatzes. Lohnunternehmer sollen unterstützt werden bei der Festlegung ihrer Preise. Die Zahlen, auch im Internet, können für Schweizer Verhältnisse nicht verwendet werden. Die Formeln und die Grundsätze können jedoch dies- und jenseits des Rheins zu einer zukunftsgerichteten Kalkulation anregen. Das KTBL ist als Verein organisiert. «Seit mehr als 80 Jahren bündeln wir durch ein einzigartiges interdisziplinäres Expertennetzwerk Fachinformationen für die Landwirtschaft», beschreibt KTBL-Präsident Thomas Jungbluth die Aufgabe. Die KTBL-Schrift «Kalkulation und Kostenanalyse im Lohnunternehmen» kann zum Preis von 20 Euro bestellt werden bei Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Land­ wirtschaft e.V. (KTBL), Bartningstr. 49, D-64289 Darmstadt, Tel: ++49 6151 7001 189, Fax: ++49 6151 7001 123, E-Mail: vertrieb@ktbl.de, Internet-Shop: www.ktbl.de

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n Sektionsnachrichten Generalversammlungen

Freitag, 29. Februar 2008, Strickhof Wülflingen, Winterthur

9.15 Uhr: Generalversammlung mit ordentlichen Traktanden «Unternehmer-Maschinenpark-Risiko-Versicherung», Hans Nydegger, Die Mobiliar, Bern, anschliessend Mittag­essen (25 Franken für Begleitpersonen, für Mitglieder offeriert) 14 Uhr: «Wie bekämpfe ich Brände in ihrer Entstehung, Handeln unter Druck», Demonstration und praktische Übungen im Zivilschutzzentrum Andelfingen, anschliessend gemütlicher Ausklang in der Kantine des Zivilschutzzentrums. Anmeldung und Anträge bis 20. Februar 2008

Dienstag, 4. März, 19.45 Uhr Restaurant Brandenberg, Zug Mittwoch, 12. März 2008, Bahnhofbuffet, Estavayer-le-Lac

  9.30 Uhr GV Silovereinigung Freiburg 10.30 Uhr G  V Freiburger Vereinigung für Landtechnik 11.30 Uhr Preisverleihung der Freiburger Siliermeisterschaft 12.30 Uhr Mittagessen (offeriert, ohne Getränke) 14.00 Uhr Besuch der Betriebe von Albert Bachmann und Hans Zimmermann, mit Schwerpunkten Milchvieh, Silage, Wartestiere und Maschinenpark Wir danken folgenden Firmen für die Unterstützung: Pétrol-Charmettes AG, Freiburg / Celsa Produits Pétroliers SA, Bulle-Fribourg-Romont / Landi, Düdingen / Société Agricole Basse-Broye, Avenches. Der Vorstand empfiehlt, die Firmen bei Bestellungen im 2008 zu berücksichtigen.

Mittwoch, 12. März 2008, 13.15 Uhr LZ Ebenrain, Sissach

Aargau Traktorenkurs für Frauen Ein Kurs für Frauen, die sicher mit dem Traktor, Anhänger und Anbaugeräten manövrieren wollen, Gefahren erkennen und meistern können. Keine Vorkenntnisse nötig, hingegen PWoder Traktorführerinnen-Ausweis. Datum: Freitag, 14. März oder Samstag, 15. März 2008 Zeit: 9 bis 16 Uhr Ort: Liebegg, Gränichen Leitung: Paul Müri, Liebegg Kosten: 60 Franken (wenn Ehemann, Partner, Freund Mitglied) 80 Franken (für Nichtmitglieder), exkl. Mittagessen Anmeldung bis 25. Februar 2008: Fachstellen Landwirtschaft Liebegg, Yvonne Dätwyler, 5722 Gränichen, Tel. 062 855 86 15, Fax 062 855 86 88, E-Mail: kurse@liebegg.ch

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Beide Basel

Führerausweis Traktoren und Mofa Wer im Jahre 2008 14 Jahre oder älter wird (Jahrgang 1994 oder älter), kann sich zur theoretischen Führerprüfung Kat. F/G anmelden. Der Verband für Landtechnik beider Basel und Umgebung organisiert Vorkurse und Prüfungen. Kursorte und -daten: Die Vorkurse finden nachmittags statt. Die Prüfungen finden vormittags an der Motorfahrzeugprüfstation in Münchenstein, in Laufen nachmittags in Wahlen statt. Liestal: Laufen:

Vorkurs: Sa. 15. 03. 2008 Sa. 01. 03. 2008

Prüfung: Sa. 29. 03. 2008 Mi. 12. 03. 2008

Kurskosten: 30 Franken für Mitglieder, 60 Franken für Nichtmitglieder, plus Lernunterlagen Anmeldung (gewünschter Kurs und Geburtsdatum angeben) mit Postkarte bis spätestens 10 Tage vor Kursbeginn an: Verband für Landtechnik beider Basel und Umgebung, Hannes Niklaus, Fichtenhof, 4242 Laufen

Solothurn Vorbereitung für Fahrausweis F/G Die Vorbereitungskurse für die Theorieprüfung F/G findet jeweils am Mittwochnachmittag von 13.30 bis 16.30 Uhr statt. Die Prüfung kann neu frühestens einen Monat vor dem vierzehnten Geburtstag auf der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle absolviert werden. Büren, Kreisschule Dorneckberg, 5. März 2008 Balsthal, Schulhaus Falkenstein, 12. März 2008 Solothurn, Schulhaus Hermesbühl, 19. März 2008 Kurskosten: 30 Franken für Mitglieder, 40 Franken für Nichtmitglieder, plus 10 Franken für das Theorieheft. Die Prüfungsgebühr (80 Fr.) wird direkt am Prüfort erhoben. Anmeldung: Beat Ochsenbein, Geschäftsführer, Mobile: 076 302 77 42

Graubünden Gesund arbeiten

Ergonomie bedeutet «menschengerechte Arbeitsplatzgestaltung». Das Ziel ist, dass der Arbeiter eine Erleichterung erfährt und seine Leistungsfähigkeit verbessert wird. Im Kurs werden die Grundkenntnisse der ergonomischen Arbeit vermittelt und Lösungen für den Alltag im Landwirtschaftsbetrieb vorgestellt. Datum/Ort: 25. Februar 2008, 9 bis 16 Uhr, Plantahof Kursleitung: Jacqueliene Pieper Kosten: 100 Franken


Sektionsnachrichten n Sicheres Arbeiten in der Höhe

In der Landwirtschaft stehen Unfälle durch Stürze weit vorne. Im Gebäudebereich schützen Geländer. Für Arbeiten auf Dächern oder Hochsilos können Systeme aus dem Bergsport- und Handwerkerbereich eingesetzt werden. Die Kursteilnehmer lernen verschiedene Systeme kennen und setzen diese praktisch ein. Datum/Ort: 10. März 2008, 9 bis 16 Uhr, Plantahof Kursleitung: Marcel Bäni und Peter Caprez Kosten: 180 Franken Informationen und Anmeldung für beide Kurse: Konrad Merk, Plantahof, Telefon 081 307 45 35 oder E-Mail: konrad.merk@plantahof.gr.ch.

Luzern Aktuelles Kursangebot: Mofa- und Traktorenprüfung Die Vorbereitungskurse für die Mofa- und die Traktor-Prüfung finden jeweils am Mittwoch Nachmittag statt. Kurskosten: 40 Franken für Mitglieder. Die nächsten Termine: 27. Februar in Willisau, 5. März in Sursee, 12. März in Emmenbrücke Roller- und Autoprüfung Der Basistheoriekurs als Vorbereitung für Roller- und Autoprüfung. Die nächsten Kurse: 1. März 2008 in Sursee und Schüpfheim Praktische Grundschulung für Roller finden jeden Samstag in Sursee statt. Autoanhänger Prüfungsvorbereitungskurs 8. März 2008 in Sursee Lastwagenprüfung Der Lastwagentheoriekurs dauert 32 Lektionen, während vier Wochen jeweils einen Tag pro Woche. Der Kurs ist modular aufgebaut und der Einstieg ist jede Woche möglich. Der nächste Kurs beginnt am 15. Februar in Luzern. Infos und Anmeldung: Arthur Koch, Geschäftsstelle LVLT, Tel. 041 467 39 02, Internet: www.lvlt.ch

Zug

Pauschalpreis: 850 Franken Auskünfte und Anmeldung: Geschäftsstelle VLT-Zug, Hausheer Thomas, Tel. 041 741 78 26 oder Albisser-Reisen AG Tel. 041 750 22 22

Schaffhausen Zwei Schweizer Meisterschaften 2009 RoMü. Erstmals werden 2009 die Schweizer Meister im Traktor-Geschicklichkeitsfahren und im Wettpflügen gleichzeitig ermittelt. Die Wettkämpfe finden am Samstag/Sonntag, 22./23. August 2009 in Gächlingen SH statt, organisiert von der SVLT-Sektion Schaffhausen. Das Wettkampfgelände mit den notwendigen Infrastrukturen sei gesichert worden, betonte OK-Präsident Bruno Gnädinger an der Generalversammlung in Schaffhausen. «Diese Ausgangslage hat mich bewogen, nicht wie geplant zurückzutreten», informierte Präsident Bernhard Neukomm. Die Anwesenden bestätigten ihn ebenso wie die übrigen Vorstandsmitgliedern: Bruno Gnädinger, Stefan Sauter, Hanspeter Neukomm und Christian Meier. Neu in den Vorstand gewählt wurde Geschäftsführerin Katja Item. Ihre Anstellung und Wahl bezeichnete Neukomm als Glücksfall. «Engagiert und pflichtbewusst hat sie sich in ihre vielseitigen Aufgaben eingearbeitet und ist für uns bereits eine wertvolle Stütze geworden», betonte er. Der Schaffhauser Sektion gehören wie im Vorjahr 508 Mitglieder an. Für 2008 plant die Sektion Schaffhausen Aktivitäten wie im Vorjahr: eine eintägige Reise ins Baselbiet im Februar, einen Traktor­ fahrkurs für Frauen, Kurse für die Fahrprüfung Kat. F/G, einen Kurs für das richtige Einstellen des Pfluges sowie Spritzentests.

Solothurn SVLT-Delegierte empfangen mo. «Die Landwirtschaft stand unter einem guten Stern», meinte Präsident Andreas Schluep an der Generalversammlung der SVLT-Sektion Solothurn. Die Mitglieder brillierten an der

Naturpark Bayerischer Wald entdecken «Tradition, Natur und Genuss» ist das Motto der diesjährigen Fronleichnamsreise des Verbands für Landtechnik Zug. Vom 19. bis 23. Mai 2008 besuchen die Reiseteilnehmerinnen und ‑teilnehmer den Bayerischen Wald. Zwischen Donau und dem Böhmerwald gelegen, besticht diese dünn besiedelte Region durch ihre weitgehend ursprüngliche Natur, sanft gewellte Hügellandschaften, kleine Kirchdörfer und sehenswerte Städte wie Passau. Logieren werden wir für vier Nächte im 4-Sterne-Romantik­ hotel. Viele Lorbeeren ernten die delikaten Verführungskünste der kreativen Hotelküche. Alle Zimmer sind geschmackvoll, geräumig und bestens ausgestattet. Entspannen Sie sich im Wellnessbereich mit Sauna und Hallenbad.

Vizepräsident Heinz Gautschi (2. v. l.) organisiert zusammen mit dem Vorstand die SVLT-Delegiertenversammlung.

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n Sektionsnachrichten Jubiläumsveranstaltung des Bildungszentrums Wallierhof. Die Erfahrungen können die Solothurner Mitglieder für den Höhepunkt des laufenden Geschäftsjahres gebrauchen. Der Vorstand unter Führung von Vizepräsident Heinz Gautschi organisiert die SVLT-Delegiertenversammlung. Als Tagungsort wurde Grenchen gewählt. Die frühere Uhrenstadt wurde vom Schweizer Heimatschutz wegen des sorgfältigen Umgangs mit ihren Nachkriegsbauten mit dem Wakkerpreis 2008 ausgezeichnet. Daneben sind die üblichen Aktivitäten geplant: ein Traktorfahrkurs für Frauen, Feldspritzentests an vier Standorten und eine Reise im November. Auch die Kurse für den Fahrausweis F/G werden weitergeführt, obwohl die Teilnehmerzahl stark zurückgegangen ist. In Riedholz dabei war der neue SVLT-Direktor Willi von Atzigen. «Er hat einen fliessenden Übergang geschafft», rühmte der Solothurner Präsident. Willi von Atzigen präsentierte die «Schweizer Landtechnik» im neuen Kleid und betonte: «Ohne Landtechnik kann die Welt weder mit Essen noch mit Energie genügend versorgt werden.»

SG/GL/AI/AR

«Gesund und genug» statt «Geiz ist geil» mo. «Ziele erreichen ist für Skifahrer deutlich einfacher als für Landwirte», begann Sektionspräsident Felix Düring seinen Jahresbericht an der Generalversammlung des Verbandes für Landtechnik St. Gallen Glarus Appenzell (VLT-SG). Ein Skifahrer müsse in einem Rennen nur ein Ziel verfolgen: der Schnellste zu sein. Ein Landwirt muss die Umwelt schützen, das Tierwohl beachten und die Konsumierenden befriedigen, führte er aus. Alle Ziele können nicht gleichzeitig und auf einmal erreicht werden. Als Alternative zitierte er das Motto von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad: «Das Glück besteht nicht darin, sein Ziel zu erreichen, sondern auf dem Weg dorthin zu sein.» Auch auf die aktuelle Entwicklung auf den Agrarmärkten ging Düring ein. Beim Essen müsse gelten «Gesund und genug» statt «Geiz ist geil». Umweltanliegen müssten jedoch ernst genommen werden. «Wenn wir das Heft nicht selber in die Hand nehmen, werden wir in die Hand genommen», bemerkte er. Wichtig ist der Sektion, dass die Mitglieder in Sicherheit investieren, entsprechend wird in diesem Winter zum zweiten Mal eine Mitgliederaktion lanciert. Ausserdem kläre der VLT-SG ab, ob er im Rahmen des Umbaus der landwirtschaftlichen Bildung neue Aufgaben übernehmen soll.

Lorenz Egli, Heinrich Schmid und Geschäftsführerin Irma Del Vecchio erneuern die Crew der Sektion St. Gallen Glarus Appenzell.

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Jahresbericht, Rechnung und Budget wurden ohne Gegenstimme genehmigt. Hans Ueli Bodenmann und Theo Pfister traten aus dem Vorstand zurück. Ihre Aufgaben übernehmen Grossrat Lorenz Egli, Rossrüti SG, und Gemeindepräsident Heinrich Schmid, Bilten GL. Die verbleibenden Vorstandsmitglieder wurden bestätigt. SVLT-Direktor Willi von Atzigen betonte gegenüber den Anwesenden, dass Landtechnik beim SVLT Programm bleibe.

Zürich Enge Zusammenarbeit mit Strickhof mo. «Rund gelaufen», bezeichnete Präsident Willi Zollinger das Geschäftsjahr 2007 an der Generalversammlung der Sektion Zürich des SVLT. Insbesondere lobte er die Zusammenarbeit im Vorstand. Trotz besserer Preise dürften sie nicht vergessen, dass die Kosten auch stiegen, warnte Zollinger die Anwesenden. Maschinen werden zwischen fünf und zehn Prozent teurer, ebenso Diesel und Pflanzenschutzmittel. Zudem ermunterte er sie, verschmutzte Strassen umgehend zu putzen (dazu Beitrag «Saubere Strassen für Image und Gesetz» in Nummer 9/2007). Das sei auch ein Beitrag zur Unfallverhütung.

Aufmerksame Delegierte in Wülflingen. (Fotos: mo)

Im Jahresbericht informierte er über einen erfolgreichen Ackerbautag und Grünlandtag zusammen mit dem Bildungszentrum Strickhof. Weniger erfreulich sei die Entwicklung bei den Kursen für den Fahrausweis F/G. 2007 verzeichnete man noch 204 Teilnehmende, ein Fünftel weniger als im Vorjahr. «Mofafahren ist nicht mehr in», erklärte Zollinger die Entwicklung. Jahresbericht, Rechnung und Budget wurden von den anwesenden Mitgliedern diskussionslos genehmigt. Für 2008 sind in Zusammenarbeit mit dem Strickhof ein Kartoffel- und ein Rebbautag geplant. Zudem wird die Fachstelle Landtechnik und Unfallverhütung einen Traktorfahrkurs für Frauen anbieten und Spritzentests durchführen. Robert Kaufmann überbrachte die Grüsse der Forschungsanstalt Reckenholz-Tänikon (ART). Er betont die traditionell guten Beziehungen zur Zürcher Sektion. Zudem informiert er, dass das neu gegründete Agrartechnik-Forum Schweiz gut gestartet ist (wir berichteten in Nummer 1/2008). SVLT-Direktor Willi von Atzigen informierte über seine Ist-Analyse des Verbandes und seine Vision (wir berichteten in der Nummer 10/2007). Er versprach, dass der SVLT dem Namen Landtechnik auch in Zukunft gerecht werden wird. Allerdings brauche der Verband für eine zukunftsgerichtete Arbeit im Dienst der Mitglieder mehr Geld.


SVLT n

Schwierige Ladung sicher vertäut. (Foto: SVLT)

Neue Dimension der Ladungssicherung «Guet bunde isch halb gfahre», ist der Leitsatz von manchem Chauffeur. Um die Ladung sicher ans Ziel zu bringen, sind neben geeigneten Fahrzeugen und angepasster Fahrweise auch gut angebrachte, zweckmässige Zurrmittel nötig. Deshalb fördert der SVLT die Ladungssicherung auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen und lanciert eine dreiteilige Spanngurte. Dominique Berner*

Im Strassengesetz (Art.30 SVG) steht: «Fahrzeuge dürfen nicht überladen werden. Die Ladung ist so anzubringen, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann.» Es gehört daher zur Verantwortung des Fahrers, ob und wie er seine Ladung sichern will.

Etwas Physik Auf eine bewegte Ladung, etwa eine Silorundballe, wirken die Schwerkraft und dynamische Kräfte. Die Schwerkraft drückt die Ladung auf die Ladefläche und fixiert sie darauf fest. In Bewegung wirken nun aber auf unsere Siloballe plötzlich noch andere Beschleunigungs- und Verzögerungskräfte. Bei einer Bremsung oder in einer schnell befahrenen, engen Kurve können die auftretenden Kräfte grösser sein als die Schwerkraft, und die Balle rutscht von der Ladefläche, je nach Oberflächenbeschaffenheit des Ladeguts und der La-

debrücke (Reibbeiwert) langsamer oder schneller. Eine gängige Massnahme zur Ladungssicherung setzt bei der Gewichtserhöhung an. Die Spanngurte, eine Kette oder ein Seil drückt auf das Ladegut und presst dieses auf die Ladefläche. Die beiden Oberflächen machen eine «Mikroverzahnung»; die Reibung wird erhöht.

Niederzurren Die für landwirtschaftliche Zwecke wichtigste Ladungssicherung ist das Niederzurren, früher in der Regel mittels Seilen,

Die Vorspannkraft (Fv)des Zurrgurtes resultiert aus den beiden Kräften F1 und F2. Diese sind aber meistens nicht gleich gross, was zu Seitenzug führt.

neuzeitlich meistens mit den speziellen Zurrmitteln der sog. Spanngurten (Bild). Das System ist einfach in der Anwendung. Ein Ende der Gurte wird an geeigneter Stelle an der Ladefläche fixiert, das andere von der gegen­über­ lie­genden Seite mit der Rätsche gespannt. Die Problematik dieser Art der Niederzurrung ist, dass die Kräfte der Gurte ungleich verteilt sind. Auf der Seite gegenüber der Rätsche wirkt im ungünstigsten Fall nur die Hälfte der Kraft. Der Grund dafür liegt bei der Kraftübertragung in den Auflagepunkten (Kanten). Beobachten lässt sich dieses Phänomen deutlich beim Abspannen von Ballen in mehreren Lagen.

Schafft Abhilfe: dreiteilige Spanngurte Nach deutschem Muster hat der SVLT zusammen mit der Firma SpanSet die Aktion mit den dreiteiligen Spanngurten gestartet. Ein Set besteht aus zwei Rätschen und einem Gurtband (siehe auch die hier abgebildete Werksskizze der Firma SpanSet). Es ist in zwei Stärkeklassen mit oder ohne ABS-Rätsche erhältlich. ABS steht für «Anti-BeltSlip» und erlaubt es, die Spannung auf die Gurte Schritt für Schritt abzubauen. So lassen sich Gegenmassnahmen einleiten, wenn sich eine Ladung während des Transports verschoben hat und beim Lösen der Gurte ins Rutschen kommt. Der Vorteil der dreiteiligen Gurte liegt darin, dass die Ladung gleichmässig von beiden Seiten gesichert werden kann. Die Vorspannkraft der beiden Rätschen wird grösser und verteilt sich gleichmässig über den Gurt auf die Ladung. Ein seitlicher Zug während des Spannens wird vermieden. Das Ladegut bleibt auch nach dem Spannen so auf der Anhängerbrücke, wie es geladen wurde. Dadurch, dass nun die Gurte auf zwei Rätschen aufgerollt werden kann, ist das Nachspannen und Aufrollen leicht möglich, ohne die Gurte gänzlich zu lösen und neu zu spannen. Die Zurrgurten können als Set beim SVLT bestellt werden. Im Angebot sind die zwei Rätschen, in einer Economy- und einer ABS-Ausführung, zusammen mit einer 8 m langen Gurte. Bestelltalon siehe Seite 40. * Technischer Dienst SVLT

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n Sous la loupe

Landtechnik ist da, um die Arbeit zu erleichtern: Hansjörg und Milena Uhlmann (rechts) mit ihren Söhnen Adam und Jonas sowie Mitarbeiter Dominik Hofmann. (Fotos: mo)

Technik für Träume Ein Hof so gross, dass er mit einem Festangestellten arbeiten kann: Dieses Ziel hat Hansjörg Uhlmann erreicht. Die Landtechnik erleichtert die Arbeit auf dem 53-Hektar-Betrieb und schafft Freiraum für die Familie.

Edith Moos-Nüssli

1988 wurde der Hof Neugrüt im Rahmen der Güterzusammenlegung gebaut. Die zwei Betriebsgebäude und das Wohnhaus bilden ein U in der Thurebene von Bonau TG. Hans Uhlmann plante sie für einen 17-Hektar-Ackerbaubetrieb. Als Oberrichter, Thurgauer Ständerat und SVLT-Zentralpräsident war er häufig unterwegs, der Betrieb entsprechend arbeitsextensiv ausgerichtet. Sein Sohn Hansjörg jedoch wollte schon immer Landwirt werden und sich einen Hof aufbauen, der neben der Familie einen Festangestellten beschäftigen kann. Freizeit und Ferien seien so einfacher zu organisieren und der Betrieb laufe auch noch, sollte er mal krank sein, begründet der Präsident des Thurgauer Verbandes für Landtechnik dieses Ziel. 1991 hat er erstmals einen Mitarbeiter angestellt. Seit April 2007 arbeitet der St. Galler Landwirt Dominik Hofmann

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auf dem Neugrüt. Ihm gefallen der vielseitige Betrieb und der umgängliche und sympathische Chef. Für Milena Uhlmann war es Wahl auf den ersten Blick. Sie wollte sich gar keine anderen Bewerber mehr ansehen, nachdem sich Dominik Hofmann vorgestellt hatte. Zudem arbeiten bei Uhlmanns saisonale Arbeitskräfte aus der Region, vor allem Frauen. Zurzeit denkt Hansjörg Uhlmann über eine Arbeitskraft aus Osteuropa nach.

Von 17 auf 53 Hektaren Mitte der Achtzigerjahre begann Hansjörg Uhlmann sein Ziel zu verwirklichen. Er arbeitete als Angestellter seines Vaters und zeitweise 40 Prozent bei einem Zimmermann im Dorf. Später hat er zwei Kilometer vom Neugrüt entfernt einen Betrieb gepachtet und 1998 den elterlichen Hof übernommen. Aktuell bewirtschaftet er 53 Hektaren, davon wachsen auf je 10 Hektaren Kartoffeln und Zuckerrüben, ferner Weizen sowie Spinat, Bohnen und Rüebli für die In-

dustrie. Kunstwiesen und 12 Hektaren Naturwiesen liefern das Grünfutter für die 47 Kühe. Die Grundlagen für die Betriebsführung holte sich der Meisterlandwirt in zwei landwirtschaftlichen Lehrjahren in der Ostschweiz und der Winterschule auf dem Arenenberg TG. Die zwei Sommer zwischen der Schule hatte er auf Ackerbaubetrieben in Holland und Finnland gearbeitet.

Füttern und Melken automatisiert­ Die Kühe werden seit dem Stallneubau im Jahr 2000 automatisch gefüttert und gemolken. Während der Melkroboter kaum Probleme machte, ging es rund ein Jahr, bis die automatische Fütterung auf Heubasis funktionierte. Der eingesetzte Futtermischer war nicht für eine Totalmischration auf Heubasis konzipiert. Seither läuft die Anlage gut, versorgt das Vieh zehnmal im Tag mit Futter. Das


Sous la loupe n Heu wird einmal pro Tag mit dem Kran in ein Dosiergerät gefüllt, das auf der einen Seite des Futtermischers steht, die Kartoffeln einmal pro Woche in ein Silo auf der anderen Seite. Die übrigen Komponenten kommen automatisch aus den entsprechenden Lagerbehältern in den Mischer. Von dort transportiert ein Förderband die Ration in die Futterkrippe.

Freiräume dank Technik Möglichst viel Erleichterung mit geringem finanziellen Aufwand, ist das Motto von Hansjörg Uhlmann für Investitionen in Landtechnik. Arbeiteten sie im alten Stall mit Rohrmelkanlage und 30 Kühen pro Tag acht Stunden, sind es heute noch drei Stunden für 47 Kühe. «Durch das automatische Füttern und Melken entfallen 80 Prozent der strengen Arbeiten», bilanziert der Landwirt. Ausserdem konnte der Stall schmaler gebaut werden, weil die Durchfahrt entlang der Futterachse entfällt. «Wenn Arbeitszeit und Freizeit etwas wert sind, lohnt sich der Melkroboter schon heute», findet er. Ihm ist Freiraum wichtig, nicht nur für seine diversen Verpflichtungen, sondern auch für seine Familie. «Er ist der beste Vater, den ich mir vorstellen kann», sagt seine Frau Milena. Sie sind seit gut sieben Jahren verheiratet. Milena Uhlmann hatte 14 Jahre lang im Aussendienst Kopierer verkauft. In den letzten Jahren ist das Neugrüt ihr Lebensmittelpunkt geworden. Da sind der 4-jährige Adam und der 2½-jährige Jonas, welche die Eltern auf Trab halten. Ihre Erfahrungen bei der Adoption der beiden Jungs bewegte sie ferner, sich als Präsidentin und Aktuar in einer Vermittlungsstelle für Ausland­ adoptionen zu engagieren.

Offen für Neues Das Neugrüt ist nicht nur äusserlich gewachsen, es verändert sich laufend. Manchmal überlegt Hansjörg Uhlmann lange vor einem Entscheid. So hatte er schon vor einiger Zeit gelesen, dass die Kühe positiv auf Licht im Stall reagieren: Sie werden besser stierig, fressen mehr und sind aktiver. Unter dem Strich ist von zwei bis drei Liter mehr Milch pro Tag und Tier die Rede. «Dann würden sich die Investition und die Stromkosten rechnen», bemerkt der 44-Jährige. Da er die Leuchten erst zehn Tage vor dem Besuch der «Schweizer Landtechnik» installiert hat, besitzt er noch keine eigenen Werte.

Hof Neugrüt mo. 53 Hektaren mit Ackerbau, Milch und Reben gehören zum Hof Neugrüt in der Thurebene zwischen Weinfelden und Frauenfeld. Entsprechend vielfältig ist die Mechanisierung. Den Antrieb liefern 3 Traktoren (New Holland M100, Case CS 86, Fendt GT 65 PS). Für der Futterbau setzt Hansjörg Uhlmann ein Front- und Heckmähwerk mit Knicker (5,8 m) ein, einen Kreiselheuer Vicon (7,3 m), einen Doppelschwader Vicon, einen Ladewagen Bucher (32 m3) und Druckfass (10 700 l). Zum Gülleführen nutzt er den Schleppschlauchverteiler des Nachbarn. Die Ackerbaumechanisierung umfasst: 4-Schar-Pflug Onland Ott, Kreiselegge Aeberhard (3 m), Düngerstreuer mit Waage Amazone (21 m), Feldspitze Amazone (21 m), Sämaschine Kleine für Zuckerrüben (12-reihig), Nodet-Sämaschine für Bohnen (6-reihig), Sämaschine Amazone (3 m), 2 Rollomaten für Bewässerung (Kanone, 36-m-Balken), Schar- und Sternhackgerät. Die Dammfräse für Kartoffeln und Rüebli, den 4-reihigen Kartoffellegeautomaten und den Krautschläger hat er mit Kollegen zusammen gekauft. Geerntet wird mit einem AVR-Kartoffelvollernter. Für Transporte hat er drei Kipper von Beck Burgdorf und einen alten Lastwagen, ausgerüstet mit einem Muldensystem für die Kartoffelernte. Für die Reben gibt es einen Holder-Traktor. Das Sprühgerät wird gemietet.

Manchmal packt der Meisterlandwirt eine Chance, die sich bietet: An einem Freitag vor Jahren kam ein Mann auf den Hof mit der Anfrage, Rüebli für Babynahrung anzubauen. Am Montag darauf mussten diese gesät werden. Hansjörg Uhlmann ist eingestiegen. Diesen Auftrag hat er in der Zwischenzeit ins Ausland verloren. Den Anbau von Johanniskraut und Grünspargel gab er auf. Dafür hat er 1988 die Reben eines Onkels im benachbarten Amlikon übernommen, weitere Flächen sind dazugekommen, aktuell sind es 1,1 Hektaren.

Wichtig ist Abwechslung Der vielseitige Betrieb mit Ackerbau, Industriegemüse, Milch, Reben passt zu Hansjörg und Milena Uhlmann. «Ich mache alles gerne, wichtig ist Abwechslung», betont der Meisterlandwirt. Als

«Gemischtwarenladen», bezeichnet er seinen Hof. Er sei nicht spezialisiert, sondern breit abgestützt. Das zu ändern, überlegt er sich. Das würde aber heissen, einzelne Zweige aufzugeben – und da kann er sich noch nicht entscheiden. Er befürchtet, dass es schwierig sein würde, wieder einzusteigen, wenn er einen Betriebszweig aufgeben würde, vor allem dort, wo Anbauverträge Pflicht sind. Der Betrieb soll aber auch etwas abwerfen. «Für das, was wir machen, bleibt wenig», bilanziert er. Klar ist, dass er die 65 Plätze im Stall ab 2009 ausnutzen will, um die Fixkosten pro Liter Milch zu senken. Dafür brauche er jedoch mehr Grünland. Erst gilt es, Freiraum für Neues zu schaffen. «Zurzeit bin ich ziemlich verstrickt in anderes», findet er. Was nicht heisst, dass er eine sich bietende Chance verpassen würde.  n

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Merkblatt n

Unterstützt vom Fond für Verkehrssicherheit

Fahrkurs G40 Zum Lenken der meisten neu eingelösten landwirtschaftlichen Fahrzeuge (40 km/h) wird nebst der theoretischen Führerprüfung Kat. F/G der praktische Fahrkurs G40 verlangt. Die Teilnahme kann ab dem 14. Altersjahr erfolgen; der bestandene Kurs wird im Führerausweis eingetragen. Die Kursbestätigung zum G40-Fahrkurs gilt als Ausweis, mit dem ein 40-km/h-Traktor (ohne Anhänger) zu Übungszwecken für die Dauer von einem Monat gefahren werden darf.

Es gibt mehr Strassenfahrten und die Transportdistanzen nehmen zu. Zudem verfügen neue Traktoren über ein hohes Zugvermögen sowie über grosse hydraulische Hebekräfte. Die Aus- und Weiterbildung für Lenkerinnen und Lenker von

Eintrag im Führerausweis Die Kursleitung stellt nach erfolgreicher Teilnahme den Kursausweis aus und sendet den Führerausweis an das zuständige kantonale Strassenverkehrsamt. Dieses erteilt die Berechtigung zum Lenken von landwirtschaftlichen 40-km/h-Traktoren und Ausnahmefahrzeugen mit dem Vermerk «G40 / Datum des Eintrags» im Führerausweis.

landwirtschaftlichen Fahrzeugen wird also immer wichtiger. Der Fahrkurs G40 trägt wesentlich dazu bei, das Bewusstsein für die Verantwortung am Lenkrad zu schärfen und das Unfallrisiko zu senken. Wichtige Voraussetzungen für die wirtschaftliche und sichere Erledigung landwirtschaftlicher Transporte sind • gute Kenntnisse der Verkehrsregeln und der Gefahren, • eine sichere Beherrschung des Fahrzeugs und • ein Fahrzeug in technisch einwandfreiem Zustand.

Der Fahrkurs G40 bietet Personen jeden Alters eine umfassende Ausbildung für das sichere Lenken von landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen. Er verbessert das verkehrsgerechte Verhalten mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen im Strassenverkehr.

Anmeldung und Auskunft Schweiz. Verband für Landtechnik Ausserdorfstrasse 31 5223 Riniken Tel. 056 441 20 22 Fax 056 441 67 31 E-Mail: zs@agrartechnik.ch Internet: www.G40.ch

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n Merkblatt Ziele Wer den G40-Fahrkurs besucht hat • kennt die theoretischen Grundlagen für das Lenken von landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen, • kennt die Besonderheiten des landwirtschaftlichen Strassenverkehrs • ist mit den Fahreigenschaften des Traktors vertraut • bedient und lenkt vorausschauend landwirtschaftliche Fahrzeuge im Strassenverkehr Kursinhalte Der Fahrkurs besteht aus praktischen Fahrübungen, die systematisch aufgebaut in 20 Lektionen angeboten werden. Die Gruppengrösse beschränkt sich auf maximal fünf Teilnehmende. • Erster Arbeitstag: Fahrübungen mit dem Traktor • Zweiter Arbeitstag (im Abstand von ca. einer Woche zu ersten): Fahrübungen mit Traktor und leerem Anhänger Themen • «Vorbereiten und Manövrieren» auf Plätzen abseits der Strasse. • «Lenken auf verkehrsarmen Strassen» mit zunehmend wachsendem Schwierigkeitsgrad. • «Lenken im Verkehr»: Schulung eines defensiven und vorausschauenden Fahrstils. Attraktive Demonstrationen vermitteln umfassendes Zusatzwissen. • Die «Schlussübungen» vertiefen die erworbenen Fähigkeiten. Kursorte in der Region In der ganzen Schweiz sind die zu befahrenden Parcours sorgfaltig ausgesucht worden. Informationen über Kursorte und Daten sind bei vorstehender Adresse erhältlich. Sie werden auch in der «Schweizer Landtechnik», in der landwirtschaftlichen Presse und auf der Internetseite www.g40.ch publiziert.

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Teilnahmebedingungen • Führerausweis Kategorie G (oder höher), d. h. Mindestalter 14 Jahre. • Traktor mit Fahrerschutz (Höchstgeschwindigkeit 30 oder 40 km/h) für den ersten Kurstag und • Anhängerzug für den zweiten Kurstag müssen von der teilnehmenden Person selber bereitgestellt werden. Die Versicherung der Fahrzeuge ist Sache der Teilnehmer.

Kursbestätigung Angemeldete Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer erhalten eine Kursbestätigung. Diese berechtigt zum Len-

ken eines landwirtschaftlichen Traktors mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h zu Ausbildungszwecken. Bitte beachten: Die Berechtigung ist eine auf einen Monat befristete Ausnahmebewilligung. Sie gilt nur zum Lenken des Traktors. Anhänger dürfen ausschliesslich auf dem direkten Weg zum Kurs und im Kurs selbst mitgeführt werden.

Kursaufgebot Etwa zwei Wochen vor dem Fahrkurs wird das Kursaufgebot versandt. Das Aufgebot, Führerausweis, Fahrzeugausweis, Abgaswartungsdokument und dieses Merkblatt sind unbedingt an den Kurs mitzubringen.


Merkblatt n Betriebssichere Fahrzeuge Für den Fahrkurs G40 werden nur betriebssichere Fahrzeuge zugelassen. Vor dem Kurs ist die Betriebssicherheit zu überprüfen und allfällige Mängel sind zu beheben. Traktor: • Zweckmässige Fahrerschutzeinrichtung • Saubere, einstellbare Aussenspiegel • Funktionstüchtige Beleuchtung und Blinkanlage • Runde Rückstrahler Anhänger: • Funktionstüchtige Beleuchtung und Blinkanlage • Dreieckige Rückstrahler • Ordnungsgemässe und nachgestellte Feststell- und Betriebsbremse

Kompetente Instruktoren Die Instruktoren besitzen den Fahrlehrerausweis der Kategorie II (Lastwagenfahrlehrer) und ein Diplom des Schweiz. Verkehrsicherheitsrats. Sie sind mit den Besonderheiten von landwirtschaftlichen Fahrzeugen vertraut und befähigt, den

Gruppenunterricht mit den in der Regel jugendlichen Fahrerinnen und Fahrer attraktiv und lehrreich zu gestalten.

Gute Betreuung • Die Gruppen zählen maximal 5 Teilnehmende • Funkkontakt mit dem Instruktor während der Fahrübungen

• Sicherheit durch die Verwendung gut sichtbarer und reflektierender Gilets • Kennzeichnung der Fahrzeuge mit der Affiche «Fahrkurs» • Sorgfältig rekognoszierte und vom schweizerischen Verkehrssicherheitsrat VSR geprüfte Fahrstrecken  n

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SVLT n

Kursprogramm 2007/2008 Werkzeuge

Werkzeuge schärfen und härten WSH 1 Tag, CHF 110.– (150.–) Meissel, Pickel, Metall- und Steinbohrer instand stellen. Schleifen von Baum- und Gartenscheren, Holzbearbeitungswerkzeuge, Hand- und Maschinen­messer. Schleifgeräteauswahl. 4.3.2008

Elektrik und Beleuchtung

Fahrzeugelektrik EFZ 1 Tag, CHF 110.– (150.–) Anhängerbeleuchtung nachrüsten und instand setzen, Richtungsanzeiger und Lichtanlage am Traktor reparieren. Störungen an Anlasser und Vorglühanlage beheben. 4.3.2008

Weiterbildungszentrum Riniken Te l . 0 5 6 4 41 2 0 2 2 F a x 0 5 6 4 41 6 7 31 info @ agrar technik.ch Hoflader instand stellen THL 3 Tage, CHF 270.– (360.–) Wartungsarbeiten an Motor und Hydraulikanlage. Öllecks abdichten. Reparaturarbeiten an Ladeschwinge und Anbaugeräten. 18.–20.2.2008 A Zu reparierende Maschinen und Bauteile unbedingt mitbringen. (Auf Anmeldetalon vermerken)

Kommunalbetrieb und Gartenbau

Elektrodenschweissen SES 2 Tage, CHF 280.– (330.–) Stahl in verschiedenen Stärken und Positionen schweissen. Kenntnisse über Metalle, Elektroden- und Hartauftragschweissen. 3.–.4.3.2008

Unterhalt von Maschinen mit  1 Tag, CHF 110.– (150.–) Dieselmotoren MDM Wartungsarbeiten am Motor und an den übrigen Maschine wie Rasen­ traktor, Häcksler, Plattenvibrator, Grabenstampfer, Raupendumper. Warten der Hydraulikanlage. Messer schärfen. Stilllegungsarbeiten. 6.3.2008; 12.6.2008

Schutzgasschweissen SMS 2 Tage, CHF 280.– (330.–) MAG-Schweissen an Profilen von 3 bis 8 mm und Blechen von 1 bis 2 mm, in verschiedenen Positionen. Kenntnisse über Metalle, Drahtelektroden und Schutzgase. 26.–27.3.2008; 4.–5.6.2008

Unterhalt von Motorsensen,  1 Tag, CHF 110.– (150.–) Kettensägen und Heckenscheren MGK Wartungsarbeiten am Motor. Pflege von Antriebswelle und Schwert. ­Schärfen der Kette, Mähscheibe, Heckenschere. Störungen beheben. Still­ legung für die Winterpause. 20.6.2008

Schweissen / Metallkonstruktionen

Gebäudeunterhalt

Elektroinstallationen 230V BAU7 1 Tag, CHF 150.– (190.–) NIV-Vorschriften. Eignung und Schutzarten von Installationsmaterial. Ausführen von einfachen Installationen. Kursleitung durch Elektrofachmann. 3.3.2008

Traktoren und Hoflader

Traktoren zur MFK–Nachprüfung  5 Tage, CHF 450.– (550.–) instand stellen TNP Lenkung, Vorderachse, Bremsen, Kupplung und Beleuchtung instand stellen. Abdichten bei Ölverlust am Motor oder Getriebe. 18.–22.2.2008

Oldtimer restaurieren

Traktoren und Einachser TOZ  5 Tage, CHF 450.– (550.–) Einstell- und Abdichtarbeiten an Motor und Getriebe. Reparatur­ arbeiten an Vorderachse, Lenkung, Bremse und Kupplung. Elektrische Anlage und Beleuchtung instand stellen. 25.–29.2.2008

Über 40 Kursorte in der ganzen Schweiz führen den Fahrkurs G40 durch. Den Plan mit den aktuellen Kursdaten finden Sie auf Seite 30.

Mähdreschertechnik für angehende  2 Tage CHF 280.– (330.–) Fahrer LMD Kennenlernen von Aufbau und Funktion der wichtigsten Mähdrescherkomponenten, ihre Einstellung und Wartung. 17.–18.3.2008

Kursanmeldung Kurstyp (Buchstabenfolge)

Kursdatum

Mitglied-Nr.

Name Adresse PLZ, Ort Telefon

Fahrkurs G40

Unterhalt von Geräten mit 1 Tag, CHF 110.– (150.–) 4-Takt-Motoren MRG Wartungsarbeiten an Motor, Rasenmäher, Bodenfräse. Messer schärfen. Kommunalmähbalken einstellen. Störungen beheben. Stilllegung für die Winterpause. 10.6.2008

Fax

E-Mail Datum und Unterschrift ® Ich will von den Tarifen für Mitglieder profitieren und werde Mitglied. ® Ich bringe folgende Maschinen/Geräte mit zum Kurs: Einsende oder faxen: SVLT, 5223 Riniken, Fax 056 441 67 31

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Hoftechnik n

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Krananlagen sind fßr die innerbetriebliche Logistik zu unentbehrlichen Helfern geworden. Knacknuss Altgebäude: Eingezogene Stahlträger verstärken den Dachstuhl. (Bild: Ueli Zweifel)

Gut investiertes Geld Schweisstreibende Muskelarbeit wie z.B. beim Einbringen von Futter im Sommer gehÜren grossmehrheitlich der Vergangenheit an, denn Dosieranlagen, FÜrdergebläse und Krananlagen haben eine wesentliche kÜrperliche Erleichterung gebracht. Neue Krananlagen stossen sowohl in Alt- als auch in Neubauten auf grosses Interesse.

Ruedi Hunger

     

       

    

Während bei einem Stallneubau der Einbau eines Auslegerdrehkrans oder einer Brßckenkrananlage von Anfang an in die statischen Berechnungen ein-

bezogen werden kann, gestaltet sich der nachträgliche Einbau im Altbau als besonders anspruchsvoll. Dabei ist technisch heute mit Drehkranversionen und spezieller Ausrßstung wie beispielsweise verschiebbaren Kabinen, Kurven- oder Seitenfahrwerken oder einer Funksteu-

erung fast alles wenn auch nicht immer bezahlbar, so doch lĂśsbar.

Knacknuss Altgebäude In ihrer Funktion als Lagerraum und ßberdachte Abstellfläche absolut intakt, weisen Altgebäude oft steile Dachkons-

iĂƒĂ•VÂ…i˜ -ˆi Ă•Â˜Ăƒ >˜ `iĂ€ /ˆiĂ€ Âł /iV…˜ˆŽ ˆ˜ -ĂŒÂ° >Â?Â?i˜] >Â?Â?i ™°£] -ĂŒ>˜` ™°£°ÎÓ iĂƒĂ•VÂ…i˜ -ˆi Ă•Â˜Ăƒ >˜ `iĂ€ /ˆiĂ€ Âł /iV…˜ˆŽ ˆ˜ -ĂŒÂ° >Â?Â?i˜] >Â?Â?i ™°£] -ĂŒ>˜` ™°£°ÎÓ

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n Hoftechnik truktionen auf. Damit auch nach dem Einbau einer Krananlage der vorhandene Raum optimal ausgenßtzt werden kann, bieten sich in diesem Fall Auslegerdrehkrane an. Fßr die Kräfte, die auf die Dachkonstruktion einwirken, ist nebst dem Krangewicht, der Nutzlast sowie der Reichweite des Auslegers vor allem auch der Schienenabstand wichtig. Je grÜsser dieser ist, desto kleiner ist die punktuelle Belastung einzelner Teile der Dachkonstruktion. Es bedarf einer grßndlichen Abklärung, ob eine bestehende Dachkonstruktion zusätzlich zum eigenen Gewicht sowie Schneelast und Winddruck den statischen und dynamischen Kräften eines nachträglichen Kraneinbaus gewachsen ist.

Beim Neubau wird’s einfacher Auch bei einem Neubau bieten sich verschiedene KranlÜsungen an. Brßcken­

Neubau: Krananlagen sind Standard Seit mehr als einem Vierteljahrhundert stehen Krananlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben im täglichen Einsatz. Dank ihrer Vielseitigkeit werden Menschen von harter kÜrperlicher Arbeit entlastet. Dennoch gibt es sie, die Bergbetriebe oder Kleinbetriebe, die das Einlagern von Heu noch nicht durchgehend mechanisiert haben und diesen Schritt wohl auch nie vollumfänglich werden tun kÜnnen. Gemäss der landwirtschaftlichen Betriebszählung aus dem Jahre 1990 waren damals knapp 5000 Greiferanlagen im Einsatz. In den letzten achtzehn Jahren ist die pneumatische FÜrderung (Gebläse) von Heu und Welkheu anteilsmässig stark zurßckgegangen. Heute gehÜrt bei einem Neubau mit Heubelßftung die Krananlage zur Standardausrßstung eines Gebäudes.

Brßckenkrananlagen stßtzen sich an den Seitenwänden des Gebäudes ab und belasten die Dachkonstruktion kaum. (Bild: Ruedi Hunger).

kran­anlagen stĂźtzen sich auf den Seitenwänden ab und belasten die Dachkonstruktion nicht direkt. FĂźr das gleiche Lagervolumen benĂśtigt ein BrĂźckenkran aber hĂśhere Seiten- und Giebelwände als ein Hängedrehkran. Weil aber ein Hängedrehkran grĂśssere Binderquerschnitte in der Dachkonstruktion erfordert, sind schlussendlich die bauseitigen Kosten f��źr einen bestimmten Lagerraum etwa gleich hoch. Elektromechanische BrĂźckenkrane (Elektro = Antrieb; mechanisch = Winde/ Aufzug) heben auf der ganzen Laufbahnlänge die gleiche Masse. Ihr Leistungsbedarf fĂźr den Antrieb ist kleiner als jener von Dreh- und Teleskopkranen, die mit mehreren Hydraulikkomponenten ausgestattet sind. Neue kompakte Bauweisen mit Doppelträger und integrierter Laufkatze verschenken weniger Lagerraum. Auch bei Drehkrananlagen ist die DachraumausnĂźtzung unterschiedlich gut. Am besten ausgenutzt wird er durch eine schmale Laufbahnkonstruktion im Giebelbereich. Dank Teleskoparm sind grosse Reichweiten und grosse LagerhĂśhen mĂśglich. Die Belastung der Dachkonstruktion ist aber

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Der am Seil hängende Greifer benÜtigt eine Stromversorgung und beinhaltet eine Hydraulikpumpe samt Antriebsmotor und Ölvorrat. Brßckenkrananlagen mit einem Träger kÜnnen, bedingt durch ihre Konstruktion, den Lagerraum schlechter ausnßtzen. (Bild: Ruedi Hunger)

sehr viel hĂśher als bei breit abgestĂźtzten Krananlagen mit Seitenfahrwerk. Was seinerseits aber wieder weniger LagerhĂśhe bedeutet.

Futter einlagern ‌ Welkheu einlagern, Dßrrfutter entnehmen. Dies sind die Stärken einer Krananlage. Dabei hält sie unter Umständen auch einem Kostenvergleich mit Dosieranlage/Gebläse (Vollvariante) stand. Ihre Leistungsfähigkeit wird einzig durch längere Schienenfahrten reduziert. Um die Leistungsfähigkeit zu beurteilen, mßssen die zurßckgelegte Wegstrecke (10, 20 oder 30 Meter), die Fahrgeschwindigkeit (70, 100 oder 130 m/min) und das FassungsvermÜgen des Greifers definiert werden. Der Energiebedarf hydraulischer

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Hoftechnik n Greiferanlagen liegt zwar über demjenigen einer elektromechanischen Anlage, doch mit 2 bis 3 kWh je Tonne geförderten Futters noch wesentlich unter dem Energiebedarf einer Gebläseanlage (4 bis 10 kWh/t)*. Das Befüllen von Siloanlagen, insbesondere mit Silomais, zählt eher zu den Schwächen einer Krananlage. Die Leistungsfähigkeit von Maissilagefördergebläse wird im Allgemeinen nicht erreicht. Zwar wird mit Maisfördergebläsen kurzfristig sehr viel Antriebsenergie abverlangt. Dank wesentlich höherer Leistung sinkt aber der Energiebedarf je Tonne auf rund 0,5 kWh.* Die Leistung reicht dort aus, wo mit der eigenen (und gemeinschaftlichen) Mechanisierung Mais geerntet wird. Zudem besteht bei Kran­ anlagen der grosse Vorteil, dass genügend Zeit zum Verteilen und Stampfen im Silo vorhanden ist. Eine ganz wesentliche Voraussetzung für gute Silage.

Preisbeispiele

… und entnehmen

Regelmässiger Unterhalt

Keine Dosieranlage, kein Fördergebläse kann zur Entnahme aus dem Silo oder dem Heustock eingesetzt werden. Zur Entnahme aus dem Heustock bietet sich neben dem Kran nur die Handentnahme an. Dies ist zwar eine seit Jahrhunderten angewandte Methode, die sich aber nicht mehr grosser Beliebtheit erfreut. Zur Entnahme von Silage müssen Krananlagen zum Vergleich mit der Silofräse antreten. Silage, ob Gras- oder Maissilagen, erfordert höchste Disziplin bei der Entnahme. Beide Konserven reagieren mit Erwärmung und Nachgärungen, wenn die Oberfläche zu stark gelockert bzw. wenn zu wenig Futter entnommen wird. Für Maissilagen werden Entnahmeschaufeln angeboten. Mit ihrer Hilfe wird wesentlich weniger Silage gelockert. Die Entnahmeleistung sinkt aber etwas. Wenn man aber diese Probleme kennt, kann man bei sorgfältiger Entnahme den Kran erfolgreich zur Silageauslagerung einsetzen. Nebst der Nutzlast sind die Losreisskräfte vor allem bei der Grassilage nicht zu unterschätzen. Zangenbreiten von über 80 cm erfordern sehr hohe Werte.

Sturz vom Kran, verlorene Schrauben, eingeklemmt und gequetscht – die Liste der Unfallursachen ist lang. Laut BUL (Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft) müssen landwirtschaftliche Greiferanlagen die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der EG-Maschinenrichtlinien erfüllen. Ein Merkblatt der BUL weist auf die kritischen Punkte hin und dient dem Landwirt als Checkliste. Besonderes Augenmerk wird dem Übergang/Aufstieg in die Kabine geschenkt. Die Kabine soll übersichtlich bleiben, benötigt aber eine zweckmässige Schutzvorrichtung damit in keiner Situation Körperteile gequetscht oder eingeklemmt werden können. Die Hersteller haben mehrheitlich das Gefahrenpotenzial erkannt und treffen die notwendigen Vorkehrungen. So wird beispielsweise eine Einstiegstür mit einem Endschalter gesichert, damit der Kran erst in Betrieb genommen werden kann, wenn die Türe geschlossen ist. Es ist anschliessend Pflicht des Anwenders, mit Wartungs- und Servicemassnahmen den Sicherheitsstandard zu erhalten. Serviceverträge haben zwar ihren Preis, sind aber bei Krananlagen in der Landwirtschaft gerechtfertigt. Damit wird sichergestellt, dass die Anlagen regelmässig durch einen Fachmann kon­ trolliert und gewartet werden. Beschädigte Hydraulikschläuche oder verletzte Drahtseile sind unverzüglich zu ersetzen.

Universell einsetzbar Quaderballen, Rundballen, Big Bag und Paloxen. Beim Umschlag von Gütern in

* (FAT-Bericht 458/1995)

Betriebseinrichtung

Neuwert

Hallen-Greiferanlage (1530 m) Drehkrangreifer (1530 m) Teleskopverteiler* (1430 m) Obenentnahmefräse** ( 3 m)

Fr. 42 000.– Fr. 55’000.– Fr. 14 000.– Fr. 25 000.–

Quelle: ART-Bericht Nr. 688 / 2008

vorgenannter Form steht der Kran in Konkurrenz zu den üblichen «Helfern» auf dem Hof. Stapler, Kompaktlader, Hoflader oder Teleskoplader sind die eigentlichen Spezialisten für den innerbetrieblichen Umschlag dieser Güter. Ist nur eine kleine Anzahl zu bewältigen oder sind hinterste Gebäudewinkel und Bühnen zu beschicken, so kann der Kran die richtige Lösung sein. Dies vor allem dann, wenn eine zusätzliche Anschaffung eines dieser Geräte hinfällig wird.

Nutzungsdauer 20 Jahre 20 Jahre 15 Jahre 10 Jahre

Jährliche Kosten Fr. 3 570.– Fr. 4 675.– Fr. 1 442.– Fr. 4 025.–

*nur Futtereinlagerung Heustock **nur Futterentnahme Hochsilo

Wenn man seiner Anlage regelmässig Beachtung schenkt, können lose Schrauben und Anlageteile erkannt und Mängel sofort behoben werden. Fazit: Gut investiertes Geld lässt keine Kompromisse zu, erst recht nicht bei Krananlagen. Sind die baulichen Voraussetzungen erfüllt, können heute technisch fast alle Lagergebäude mit Krananlagen erschlossen werden. Gut investiertes Geld bedingt eine minimale Unfallgefährdung und verlangt vom Anwender die Einhaltung aller Schutzvorkehrungen.  n

Drehkrane hängen an der Dachkkonstruktion und belasten diese unterschiedlich stark. Die auf dem Kran mitfahrende Bedienperson hat sowohl zur Entnahme, wie auch zur Übergabe in den Mischwagen eine gute Übersicht. (Bild: Patrizia Wolf)

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n AgroSpot

Extensive Tierhaltung im Folienstall: geschützt und trocken im Winter.

Sparen beim Bauen – aber wie? Auf der Suche nach kostengünstigen Baulösungen stehen oft Folienställe zur Diskussion. Die ART Tänikon sucht nach einem ganzheitlichen Ansatz. Michael Zähner, Robert Kaufmann*

Vor allem kurzfristige Kostenüberlegungen mögen für die Folienstalllösung sprechen. Weitere Gründe sind die flexible Nutzungsmöglichkeit, die rasche Realisierbarkeit und der mobile Einsatz, beispielsweise für die Freiland-Hühnerhaltung. Manch ein Betrieb möchte mit einem Folienstall seine Betriebsaufstockung oder die Anpassungen an die aktuellen Tierschutzanforderungen auf einfache Weise lösen. Für die extensive Tierhaltung sind Folienställe einfache Alternativen zu massiven Stallbauten. Auch für die Milchviehhaltung sind sie möglich. Ausländische und einige wenige Schweizer Beispiele belegen dies. * Unter der Rubrik AgroSpot berichtet die Schweizer Landtechnik über aktuelle Forschungsprojekte der Forschungsanstalt Agro­scope ART, Tänikon. Im Vordergrund stehen Themen zur Technik in der Innenund Aussenwirtschaft.

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Eine Erhebung der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART auf Praxisbetrieben sowie bei kantonalen Ämtern und Feuerversicherungen zeigt, dass die häufigste in der Schweiz und in Süddeutschland in Folienställen gehaltene Tierart Schafe sind, gefolgt von Aufzuchtrindern, Mutterkühen und Legehennen. Knapp 90% der Betriebe mit Folienställen halten die Tiere auf Tiefstreu oder beim Geflügel in Bodenhaltung. Für 60% der Ställe wurde eine Baueingabe eingereicht. Mit der Baubewilligung waren teilweise unterschiedliche Auflagen verbunden. Diese beinhalten neben dem Gewässer- und Tierschutz noch weitere Vorschriften wie: das Einhalten von Mindestabständen zu anderen Gebäuden und Strassen, das Verstellen des Folienstalls und Wegräumen des Mists innerhalb vorgegebener Zeiträume, grüne Folienfarbe und/oder Begrünen der Umgebung. 82% der untersuchten Folienställe wurden ohne Fundament erstellt. Allgemein taxieren zuständige Behörden diese

Lösungen aus Sicht der Kosten als gut, bezüglich Brand- und Gewässerschutz, Statik und Lebensdauer eher als mittelmässig und für das Landschaftsbild als schlecht. Ein Vergleich mit Investitionen für Konstruktion und Dach mit Wänden einer zweireihigen Liegehalle zeigt, dass Folienställe mit anderen Systemen in Leichtbauweise mit 700 bis 800 Franken pro Kuhplatz vergleichbar sind. Bezüglich der jährlichen Kosten beziehungsweise der Abschreibungsdauer für die Folie als Dach- und Wandverkleidung liegen bisher keine Erfahrungswerte vor. Auf Grund der nun vorliegenden Erfahrungen ist der Frage nachzugehen, ob sich diese Bauweise auf einige Spezialfälle der Kleintierhaltung beschränkt oder ob sie auch eine ernstzunehmende Zukunftslösung für Milchviehbetriebe sein kann. Die Bauforschung von ART erachtet die Suche nach geeigneten kostengünstigen Stallbausystemen als wichtigen Leistungsauftrag. Dabei spielt der ganzheitliche Ansatz eine wichtige Rolle. Ein von ART gestartetes Projekt entwickelt eine Methode zur Bewertung von Haltungssystemen mit Blick auf Mensch, Tier, Technik, Umwelt, Kosten und Akzeptanz von Praxis und Gesellschaft. Auch in Bezug auf Arbeitsplatzqualität sind nebst Kosten weitere Bewertungskriterien mit zu berücksichtigen wie Arbeitszeitbedarf und -belastung sowie Verfahrenstechnik. Innovative Ansätze sind bei der Optimierung heute verbreiteter Systeme und für Neukonzeptionen mit Blick auf Umwelt- und Landschaftsverträglichkeit notwendig. Am Freitag, 22. Februar 2008, findet an der Tier & Technik in St. Gallen unter dem Patronat von Profi-Lait das «UFA-RevueForum» zum Thema Innovativer Stallbau statt (10.30 bis 11.30 Uhr, Forum Halle 9.1).

Je nach Region passt sich ein Folienstall gut oder schlecht in das Landschaftsbild ein.


n Werkstatt

Scheinwerfer-Glühbirnen müssen genau in der richtigen Position eingesteckt werden, dazu dienen Führungsnocken am Sockel der Birne.

Es werde Licht Als zuverlässiger Fahrer machen Sie vor jeder längeren Fahrt und auch unter Zeitdruck eine Lichtkontrolle an Zugfahrzeug und Anhänger. Wenn nun ein Licht oder Blinker den Dienst versagt, fehlt die Zeit, um eine Fachwerkstatt aufzusuchen. Eine durchgebrannte Sicherung oder eine defekte Glühbirne ist schnell ausgetauscht, vorausgesetzt, der Ersatz ist in der passenden Stärke zur Hand.

Hansueli Schmid*

Die Sicherungen und Relais sind bei diesem Traktor (Deutz-Fahr Agrotron) in der gleichen Leiterplatte eingesteckt. Die Relais erkennt man an ihren würfelförmigen, hellen oder dunkeln Kästchen. Die Kennfarbe der Sicherungen steht für eine bestimmte Amperezahl, diese ist bei Flachstecksicherungen aufgedruckt (z. B. 10 Amp.).

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Unter 30 bis 40 Sicherungen im Sicherungskasten die defekte zu finden und zu ersetzen, kann seine Tücken haben. Diese sind im Sicherungskasten dicht zusammengedrängt, weil in der Fahrerkabine immer mehr Armaturen und Bedienelemente Platz finden müssen. Flachsteck-Sicherungen stehen so eng nebeneinander, dass sie oft nur mit einer schmalen Greifzange gefasst werden können. Tipp: Die Glühbirnen für Schlusslicht, Blinker und Markierlicht in den Grössen 5, 10 und 21 Watt sollen für den Notfall vorrätig sein. Bei älteren Fahrzeugen muss darauf geachtet werden, dass auch die Form des Lampensockels passt. Im Allgemeinen empfiehlt es sich nicht, Reserve-Glühbirnen auf dem Fahrzeug mitzuführen – es sei denn, eine separates Ablagefach schützt diese vor Beschädigungen.

Sicherungen Die Sicherungen für Beleuchtung und Blinker weisen im Allgemeinen die Stromstärken von 10, 15, 20, 30 und 7,5 Ampere auf. Zu den heute üblichen Flachsteck-Sicherungen gibt es im Sicherungskasten eine Halterung für die wichtigsten Reservesicherungen. Es empfiehlt sich, von Zeit zu Zeit nachzuschauen, ob noch alle vorhanden sind. Beispielgebend sind jene Hersteller, die das Verzeichnis für die Zuordnung und Stärke der Sicherung gleich auf dem Deckel des Sicherungskastens aufgedruckt haben. Das erleichtert die Suche nach der passenden Sicherung, wenn eine defekte ersetzt werden muss. Tipp: Reservesicherungen in einem kleinen Plastikbeutel in den Sicherungskasten legen. * Leiter Kurszentrum Riniken


Werkstatt n Störung an Scheinwerfern des Zugfahrzeugs

Saubere Kontaktflächen an den Steckverbindungen gewährleisten einen vollen Stromdurchgang.

Nur bei Scheinwerfer-Glühbirnen muss darauf geachtet werden, dass der Glaskolben nicht berührt wird, bei den Schlusslichtern ist dies nicht von Bedeutung.

Das Verzeichnis der Sicherungen aus der Betriebsanleitung kopieren und auf die Innenseite des Deckels des Sicherungskasten kleben.

Lampen des Anhängers geöffnet werden, weil hier erfahrungsgemäss die häufigste Ursache für den Ausfall von Schlusslicht und Blinker liegt. Als wirkungsvollste und schnellste Massnahme erweist sich das vorsichtige Aufweiten der geschlitzten Stifte des Anhängersteckers, mittels eines scharfen Gegenstandes (Messer).

Wichtig: Keinesfalls eine durch­ gebrannte Sicherung durch eine ampèrestärkere Sicherung ersetzen, sonst riskiert man Schäden am elek­ trischen System. Systematisches Vorgehen bei der Suche nach der Ursache einer Störung führt auch bei der elektrischen Anlage am schnellsten und sichersten zum Erfolg. Oft vergisst man, dass die Masseverbindung eines Verbrauchers genauso wichtig ist wie die Stromzuleitung. Nur so bleibt der Stromkreis in sich geschlossen. Tipp: Störungssuche bei der Sicherung beginnen. Ist diese durchgebrannt, so muss zuerst ein allfälliger Kurzschluss behoben werden, bevor die Reservesicherung «geopfert» wird. Ein Kurzschluss tritt meistens in der Lampe selbst oder am Kabel in unmittelbarer Nähe der Lampe auf. In der geöffneten Lampe ist nebst der Glühbirne und ihrer Kontaktflächen, vor allem der Masseanschluss auf sicheren Stromdurchgang zu prüfen. Kontrollieren Sie unbedingt auch das Massekabel, das aus der Lampe hinausführt, an jener Stelle wo dieses am Fahrzeug befestigt ist, auf saubere Kontaktflächen.

Das Abblend- und Fernlicht ist für die linke und rechte Fahrzeugseite mit je einer separaten Sicherung versehen, also mit insgesamt 4 Sicherungen. Weitere 2 Sicherungen können hier noch hinzukommen, wenn das Relais für Abblendlicht und jenes für Fernlicht in ihren Steuer­ leitungen ebenfalls nochmals abgesichert sind. Die Relais sind im Sicherungskasten untergebracht und ihre Zuordnung findet man in der Betriebsanleitung im gleichen Verzeichnis wie die Sicherungen. Tipp: Ersetzt man die ScheinwerferGlühbirnen, ist darauf achten, dass diese nicht mit blossen Händen berührt werden, denn Fettspuren am Glaskolben beeinträchtigt die Lichtausbeute betr��chtlich. Beim Betätigen des Lichtschalters ist ein deutliches «Klicken» als Schaltgeräusch der Relais hörbar. Dieser Schaltimpuls ist auch am Gehäuse der Relais gut spürbar. So kann man die ScheinwerferRelais abtasten, um herauszufinden, ob diese funktionieren.  n

Funktion des Relais (nach Hella) Ohne Relais: Der lange Weg des Leistungsstroms von der Batterie über den Schalter zu den Schweinwerfern bewirkt einen Spannungsverlust und damit eine Leistungsminderung. Dies bedingt die Verwendung eines Leiters mit grossem Querschnitt (4–5 mm2). Die Gefahr einer Überlastung des Schalters ist ebenfalls gegeben. Mit Relais: Der Leistungsstrom fliesst auf direktem Weg zu den Scheinwerfern. Diese erhalten nahezu die volle Leistung und die Spannungsverluste sind unerheblich, so dass der Leiterquerschnitt auf 2,5 mm2 reduziert werden kann. Vom Schalter zum elektromagnetisch funktionierenden Relais genügt eine Steuerleitung von 0,75 mm2 (Stromverbrauch Betriebsspannung Lichtstärke zur Relaisschaltung 150 mA). 100% 100% Die Bedeutung einer optimalen Be95% 83% triebsspannung z. B. für den Licht90% 67% strom der Glühlampen verdeutlicht 85% 53% die Tabelle:

Störungen an der Anhänger­ beleuchtung Bei Störungen an der Anhängerbeleuchtung kontrolliert man als erstes die Kontaktflächen der Buchsen und Stifte in Steckdose und Stecker, noch bevor die

Relais haben genau definierte Anschlüsse an ihrer Unterseite. Je nach Funktion sind sie mit 4 oder 5 Steckkontakten versehen.

Schaltbild mit Kennzeichnung der Kontakte im Relaisgehäuse eingeprägt.

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n SVLT

Die Ausgabe 3/2008 ­ erscheint am 13. 3. 2008

Ladungs­sicherung:

Themen:

SVLT-Mitgliederaktion zusammen mit der Firma SpanSet

LT extra

Schleppschlauchverteiler

Feldtechnik

Ballen aus Heu, Stroh oder Silage können in Fahrtrichtung an der Frontwand oder an Rungen formschlüssig geladen und gesichert ­werden. Quer zur Fahrtrichtung sind in der Regel Zurrgurten erforderlich.

Maissätechnik

Traktortechnik Sparsam fahren

Sous la loupe

Bericht aus dem Kanton Schaffhausen

3-teilige Zurrgurten Auf beiden Seiten der Ladung steht am Kurzteil eine Ratsche zur Verfügung, so dass eine gleichmässige Vorspannung ­erreicht wird.

ART-Bericht 694

Fotovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben

Inserate:

Büchler Grafino AG, Fachmedien Agrar, 3001 Bern, Telefon 031 330 30 17 Fax 031 330 30 57 E-Mail: inserate@agripub.ch

ABS-Zurrgurten Das «Anti-Belt-Slip-System» baut die Gurtspannung sukzessive ab. Stückzahl

Impressum

Bestellung Economy – Zurrgurte – Set 3-teilig (CHF 55.– inkl. MWST): 2 Kurzteil LT 40 cm zu AK40, orange, 50 mm breit, mit Ratsche und Hacken, Gurtband orange, 49 mm breit, LT 8 m LC 2000 / 4000 daN Spanset ABS – Zurrgurte – Set 3-teilig (CHF 90.– inkl. MWST): 2 Kurzteil LT 40 cm zu ABS 50, gelb, 50 mm breit, mit Ratsche und Hacken, Gurtband gelb, 49 mm breit , LT 8 m, LC 2500 / 5000 daN

Name

Vorname

Adresse PLZ

Ort

Datum

Unterschrift

Adresse: SVLT, Ausserdorfstrasse 31, 5223 Riniken

Bestellformular /Berufsbekleidung Kinder-Kombi, 100% Baumwolle blau-rot kombiniert

Alter Grösse CHF Anzahl Kinder-Latzhose, 100% Baumwolle Alter blau-rot kombiniert Grösse CHF Anzahl Kombi, rot, CHF 78.– Grösse 75% Baumwolle, 25% Polyester Anzahl Latzhose, rot, CHF 58.– Grösse 75% Baumwolle, 25% Polyester Anzahl T-Shirt, grau meliert, CHF 18.– Grösse 100% Baumwolle Anzahl SVLT-Armbanduhr, CHF 55.– Anzahl

2 3 92 98 38.–

4 6 8 10 12 14 104 116 128 140 152 164 43.– 48.–

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Unsere Preise verstehen sich ohne Versandkosten. Zahlung 30 Tage netto. Name Adresse Einsenden an SVLT, Postfach, 5223 Riniken, Fax 056 44167 31

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70. Jahrgang Herausgeber Schweizerischer Verband für Landtechnik (SVLT), Willi von Atzigen, Direktor Redaktion Ueli Zweifel: red@agrartechnik.ch Edith Moos: edith.moos@agrartechnik.ch Mitglieder- und Abodienste, Mutationen Postfach, 5223 Riniken Tel. 056 441 20 22, Fax 056 441 67 31 Internet: www.agrartechnik.ch Inserate Büchler Grafino AG, Fachmedien Agrar Dammweg 9, Postfach, CH-3001 Bern Barbara Gusset, Tel. 031 330 30 17 Fax 031 330 30 57 E-Mail: inserate@agripub.ch, www.agripub.ch Anzeigenverkauf Erich Brügger, Tel. 034 495 58 68 E-Mail: info@mbveb.ch Simone Gasser, Tel. 031 330 3018 E-Mail: s imone.gasser@agripub.ch Daniel Sempach, Tel. 034 41510 41 E-Mail: d aniel.sempach@agripub.ch Anzeigentarif Es gilt Tarif 2007 Kombinationsrabatt: 25% bei ­gleichzeitigem Erscheinen in «Technique Agricole» Druck und Spedition Benteli Hallwag Druck AG Seftigenstrasse 310, CH-3084 Wabern-Bern Produktionskoordination Kurt Hadorn Erscheinungsweise 11-mal jährlich Abonnementspreise Inland: jährlich CHF 80.– (inkl. 2,3% MwSt.) SVLT-Mitglieder gratis. Ausland: CHF 105.–,  75.– Nr. 3/2008 erscheint am 13. März 2008 Anzeigenschluss: 20. Februar 2008


ART-Berichte

Nr. 693 2007

F r ü h e r : F AT - B e r i c h t e

Lohnt sich das Wachstum in der Milchproduktion? Dynamische Simulation für 30 Jahre Christian Gazzarin und Markus Lips, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon, CH-8356 Ettenhausen E-Mail: christian.gazzarin@art.admin.ch

Auf einem typisierten 20-Kuh-Betrieb werden vier verschiedene Wachstumsstrategien für die Dauer von 30 Jahren simuliert. Bei allen erfolgt ein Neubau in Verbindung mit einer Ausdehnung der Produktionsmenge, was den Zukauf von Liefervertragsmengen erfordert. Zur Beurteilung, ob sich ein solcher Wachstumsschritt lohnt, müssen dessen Kosten dem Wachstumserlös gegenübergestellt werden. Der daraus resultierende Gewinn oder Verlust wird auf die Arbeitsverwertung, also den resultierenden Stundenlohn, umgerechnet. Bei einem Milchpreis von 55 Rappen unter Berücksichtigung der Agrarpolitik 2011 erreichen alle Wachstumsstrategien eine Steigerung der Arbeitsverwertung. Beträgt die Arbeitsverwertung beim 20-Kuh-Betrieb

Fr. 12.50 pro Arbeitskraftstunde (Akh), steigt sie um Fr. 2.70 beim Ausbau auf 45 Kühe. Wird zusätzlich die Produktionstechnik optimiert, kann eine Steigerung von Fr. 4.60 (Maximierung Milchleistung) bis Fr. 7.20 (Maximierung Weideanteil) erzielt werden. Die entscheidende Grösse, ob sich ein Wachstumsschritt lohnt, ist jedoch der künftige Milchpreis. Langfristig erwartete Preise unter der Agrarpolitik 2011 müssen 50 Rappen betragen, um die Arbeitsverwertung konstant zu halten. Eine Erhöhung der Arbeitsverwertung auf den Verrechungsansatz unter Landwirten (volle Kostendeckung) benötigt einen langfristigen Milchpreis von 68–70 Rappen, sofern keine weiteren Kostensenkungen realisiert werden.

Inhalt 

Seite

Problemstellung

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Einleitung

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Grundlagen für die  Simulationsrechnungen

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Ergebnisse

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Schlussfolgerungen

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Literatur

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Abb. 1: Die Investition in ein neues Stallgebäude kann sich nur lohnen, wenn innert nützlicher Frist die Milchproduktion deutlich gesteigert wird.  (Fotos: Christian Gazzarin, Agroscope ART)

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n ART-Bericht 693 Problemstellung Für eine wettbewerbsfähige Milchproduktion sind tiefe Produktionskosten eine unabdingbare Voraussetzung. Auf dem Einzelbetrieb wird eine Senkung der Kosten massgeblich über die Ausdehnung der Produktionsmenge erreicht. So sagt es zumindest die Theorie der positiven Skaleneffekte, indem teure Produktionsfaktoren wie Gebäude, Maschinen und Arbeit auf mehr Liter Milch verteilt werden können. In der Praxis ist der Weg zu einem höheren Produktionsoutput jedoch mit Wachstumskosten verbunden, die insbesondere in statischen Betrachtungen nur ungenügend berücksichtigt werden können. In dieser Studie interessiert die Frage, ob die Arbeitsentlöhnung nach einem Wachstumsschritt gesteigert werden kann und wann die Wachstumskosten von den zusätzlichen Erlösen kompensiert werden.

Einleitung Wenn jemand beabsichtigt, in neue Produktionskapazitäten wie zum Beispiel in einen neuen Laufstall zu investieren, muss er die Erwartungen für die Zukunft möglichst seriös abschätzen können. Angesichts des Investitionsumfangs geht es dabei um einen Zeithorizont von 30 Jahren, was in etwa einer Generation entspricht. Gazzarin und Lips (2006) zeigten anhand eines dynamischen Simulationsmodells die ökonomischen Auswirkungen auf typisierte Betriebe während der Dauer von zehn Jahren bis ins Jahr 2013 auf (FAT-Bericht 651). Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn die gleichen Betriebstypen auf 30 Jahre projiziert werden?

Grundlagen für die Simulationsberechnungen Basisbetrieb Als Basisbetrieb dient der Talbetrieb mit 20 Kühen (20-tma, siehe Tab. 1). Die Datengrundlage stammt im Wesentlichen von einer Betriebsgruppe der Zentralen Auswer-

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Abkürzungen / Begriffe

AKh Arbeitskraftstunde Arbeitsverwertung Arbeitseinkommen pro eingesetzte Arbeitskraftstunde in der Milchproduktion (Stundenlohn) Fr. Schweizer Franken Rp. Rappen (1/100 Franken) ZA Zentrale Auswertung der Buchhaltungsdaten, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART

tung mit 89 Betrieben (ART-Grundlagenbericht 2006). Dabei wurde eine Typisierung vorgenommen, die hinsichtlich Struktur, Kosten und technischer Ausstattung eine bestmögliche Repräsentativität anstrebt (siehe Gazzarin und Lips 2006). Neben dem Anbindestall aus dem Jahre 1986 hat der Betrieb in den 90er-Jahren weitere Investitionen für das Jungvieh und die Kälber getätigt. Unter der Annahme einer Abschreibungszeit von 20–30 Jahren sind damit die Altgebäude heute noch nicht abgeschrieben.

Wachstumsstrategien Eine Wachstumsstrategie ist definiert als eine Strategie, welche die Milchproduktion und damit auch den Milchverkauf ausdehnt. Eine wesentliche Produktionsausdehnung erfolgt über die Steigerung der Einzeltierleistung und über die Aufstockung des Kuhbestandes. Hierzu müssen in der Regel die Produktionskapazitäten erweitert werden, das heisst, der Stall muss vergrössert und modernisiert und die Futterfläche muss ausgedehnt oder «importiert» (Futterzukauf) werden. Geht man davon aus, dass die Produktionsmenge zumindest vorläufig

noch beschränkt ist – sei es über eine öffentlich-rechtliche Kontingentierung oder eine privatrechtliche Mengenbeschränkung – müssen zusätzliche «Lieferrechte» erworben werden. Für die Simulation werden die bereits im FAT-Bericht 651 erwähnten Wachstumsstrategien des 20-Kuh-Betriebes angewendet (Gazzarin und Lips 2006). Hierbei erfolgt eine Spezialisierung in einen 45-Kuh-Betrieb (45-tm) mit unterschiedlichen Produktionsstrategien, die mit einer Investition in einen Laufstall mit 45 Kuhplätzen im Jahre 2007 verbunden ist. Neben der einfachen Bestandesaufstockung werden auch ergänzende produktionstechnische Massnahmen geprüft, die sich in einer konsequenten Vereinfachung in Richtung Vollweide (45-tm-weidemax) beziehungsweise in einer massiven Intensivierung in Richtung Milchleistungssteigerung und Ganzjahressilage (45-tm-milchmax) auszeichnen. Im Zuge der Bestandesaufstockung und der Spezialisierung werden Marktfruchtkulturen sukzessive in Futterflächen umgewandelt. Die Landwirtschaftliche Nutzfläche bleibt konstant. Ebenfalls vergleichbar bleibt der Arbeitszeitbedarf für die Familie

Tab. 1: Wesentliche Kennzahlen des Basisbetriebs Betriebstyp Typ ZA Datenbasis Stall GVE LN / HF (ha) Ausgewiesene Arbeitszeit Marktfrüchte Milchleistung Landw. Einkommen Nebenerwerb Privatverbrauch

20-tma (Tal-Milch-Acker) Komb. Verkehrsmilch – Ackerbau 89 Referenzbetriebe Anbindestall, Baujahr 1986 30 25,5 / 14 5276 AKh (davon Familie: 3584 AKh) Winterweizen, Wintergerste, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben 7279 kg/Kuh 73 256 Fr./a 11 250 Fr./a 59 724 Fr./a

Tabelle 2: Untersuchte Wachstumsstrategien (Talbetrieb) Kürzel 20-tma 45-tm 45-tm_weidemax 45-tm_milchmax 60-tm

Anzahl Kuhplätze 20 Kühe 45 Kühe 45 Kühe 45 Kühe 60 Kühe

Ausrichtung Verkehrsmilch-Ackerbau Verkehrsmilch Verkehrsmilch, Strategie «Weidemaximierung» Verkehrsmilch, Strategie «Milchmaximierung» Verkehrsmilch

Fläche Konstant Konstant Konstant Konstant + 8,5 ha


ART-Bericht 693 n von rund 3500 AKh pro Jahr, wobei diese Werte je nach Strategie leicht voneinander abweichen. Die Stallplätze werden schrittweise belegt, wobei der Betrieb erst im Jahre 2011 eine volle Auslastung mit 45 Kühen erreicht. Analog dazu wird nun mit einer Aufstockung auf 60 Kühe eine weitere Variante betrachtet. Der Stall mit 60 Kuhplätzen wird ebenfalls im Jahre 2007 erstellt, wobei der Betrieb erst im Jahre 2014 eine volle Auslastung – das entspricht einer Verdreifachung des Kuhbestandes – erreicht. Bis dann müssen auch 8,5 ha zusätzliche Futterflächen hinzugepachtet werden. Der Arbeitszeitbedarf bleibt für die Familie ebenfalls konstant, wobei der Mehraufwand über einen verstärkten Einsatz von Angestellten und über ein vermehrtes Auslagern von Feldarbeiten (Lohnunternehmer) bewältigt wird. In Tabelle 2 sind die verschiedenen Wachstumsstrategien zusammengefasst.

Annahmen für die 30-Jahre-Simulation Grenzen von Prognosen Jede Prognose basiert auf unvollständigen Informationen. Die Lücken der Informationen nehmen jedoch mit einer Ausdehnung des Prognosezeitraums deutlich zu. Während die Prognose über den Milchpreis des nächsten Monats mit einiger Wahrscheinlichkeit zutreffen mag, kann der Milchpreis in 30 Jahren kaum prognostiziert werden. Trotzdem muss jeder Betrieb, der in Wachstum investiert, eine Abschätzung der Rahmenbedingungen für die nächsten 30 Jahre machen. Und wie alle Schätzungen und Prognosen stützt er diese auf Informationen ab, die von vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen geprägt sind. Überlegungen zur Milchpreisentwicklung Die Entwicklung des Milchpreises ist insbesondere im Talgebiet der wichtigste Bestimmungsfaktor, ob eine Investition rentabel ist oder nicht. Mit zunehmendem Erschwernisgrad in der Produktion steigt der Anteil an agrarpolitisch motivierten Direktzahlungen, womit der Einfluss des Milchpreises auf das Einkommen verringert wird. Dies trifft in erster Linie für die Milchviehbetriebe im Berggebiet zu (siehe ART-Bericht 674; Gazzarin und Lips 2007). Der Schweizer Milchpreis ist zudem über marktpolitische Massnahmen gestützt (Verkäsungszulage, Importzölle mit Ausnahme von Käse) und damit abhängig vom politischen Konsens, gleich wie die Entwicklung der Direktzah-

lungen. Folgende Entwicklungen sprechen nachfrage- und angebotsseitig für einen steigenden Weltmarktpreis: – Die Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln wie Milch dürfte in den aufstrebenden Schwellenländern (China, Indien etc.) bei steigendem Wohlstand weiter stark zunehmen (IFCN 2007). – Mit steigender Weltbevölkerung steigt auch die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln und konkurriert damit Flächen der Milchproduktion, wodurch eine Angebotsausweitung grundsätzlich begrenzt ist. – Ein hoher Erdölpreis macht die Produktion von Energiepflanzen wirtschaftlich (Isermeyer und Zimmer 2006). Diese konkurriert wiederum mit den Flächen für die Produktion von Grundnahrungsmitteln (zum Beispiel Weizen) und Futtermitteln (zum Beispiel Mais, Gerste). Daraus resultieren höhere Produktionskosten für die Milchproduktion (Opportunitätskosten, Ergänzungsfutterpreise), die deren Produktionsausdehnung hemmen. Diese Entwicklungen von Angebot und Nachfrage betreffen in erster Linie die langfristige Entwicklung des Milchpreises. Mittelfristig ist jedoch bei steigendem Weltmarktpreis mit einer Reaktion des Marktes (angebotsseitig) zu rechnen: – Die Europäische Union (EU) als weltweit grösster Milchproduzent produziert aufgrund der Kontingentierungsregelung unter ihren Kapazitäten. Mit dem absehbaren Ausstieg aus der Milchkontingentierung und der Schwierigkeit, eine privatrechtliche Mengenregelung EU-weit durchzusetzen, ist eine deutliche Steigerung der Produktion auf EU-Betrieben, insbesondere bei steigendem Milchpreis, wahrscheinlich. – Verschiedene Regionen in Südamerika, Südafrika, im Osten Europas, in den ehemaligen GUS-Staaten (Russland, Ukraine), aber auch in den USA haben grosse Potenziale zur Ausdehnung der Milchproduktion. Für die mittelfristige Preisentwicklung stellt sich damit die Frage, inwiefern die Angebotslücken und die steigende Nachfrage von bedeutenden milchproduzierenden Ländern aufgefüllt beziehungsweise befriedigt werden können (IFCN 2007). Wäre dies der Fall, dürfte der Weltmarktpreis stabil bleiben. Doch auch bei einem steigenden Weltmarktpreis wäre es zu optimistisch, von einer Steigerung des Einkommens auf Schweizer Milchviehbetrieben auszugehen.

So dürften bei steigenden Milchpreisen die oft einkommenspolitisch motivierten Preisstützungen zunehmend in Frage gestellt werden, was den Milchpreis wieder unter Druck setzen könnte.

Annahmen für die Berechnungen Preise Aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen und der unvollkommenen Information über die fernere Zukunft werden die Ergebnisse mit unterschiedlichen Milchpreisszenarien dargestellt. Als Referenzentwicklung gilt ein Milchpreis von 60 Rappen/kg ab 2009, der dann im Jahre 2013 auf 55 Rappen absinkt (Ferjani 2007) und dann konstant bleibt (konstanter Endpreis). Diese Referenzentwicklung wird nun so verändert, dass der konstante Endpreis zwischen 40 Rappen und 80 Rappen variiert. Die übrigen Preisdaten (Produkte, Produktionsmittel) werden ab dem Jahre 2015 konstant gehalten. Die Prognosen bis 2015 basieren im Wesentlichen auf den Annahmen für das Silas-Modell (Mack und Flury 2006) und den Annahmen von bestehenden betrieblichen Simulationsrechnungen (Gazzarin und Lips 2006). Der Raufutterverzehrerbeitrag wird ab 2009 auf 300 Franken pro Kuh angesetzt und konstant belassen. Zinsen und Tilgung Eine wesentliche Grösse bei den Wachstumskosten ist die Finanzierung des Fremdkapitals. Die verwendeten Daten gründen auf der Betriebsgruppe in der Buchhaltung (Höhe und Zusammensetzung des Fremdkapitals, Schuldzinsen) und den Investitionen des typisierten Betriebes (20-tma). Das Fremdkapital setzt sich zusammen aus rückzahlbaren, zinslosen Investitionskrediten, Hypotheken und privaten Darlehen. Diese werden ab dem Zeitpunkt der Investitionen über 15 Jahre (Investitionskredite) beziehungsweise über 30 Jahre (Hypotheken, private Darlehen) mit jährlich konstanten Beträgen getilgt. Die 30 Jahre entsprechen der Abschreibungszeit der Gebäudeinvestitionen. Gleich wird mit der neuen Investition im Jahre 2007 verfahren, wobei der Investitionskredit durch einen jährlichen Maximaltilgungsbetrag begrenzt ist, wie er auch von Kreditkassen festgelegt wird. Die Differenz zum modellintern berechneten totalen Kreditumfang muss über Darlehen und Hypotheken abgedeckt werden. Der Einfachheit halber wird allfälliges Eigenkapital gleich wie Darlehen und Hypotheken bewertet. Inwie-

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n ART-Bericht 693 fern und in welcher Höhe übriges Fremdkapital im konkreten Fall überhaupt gewährt wird, ist zwar eine entscheidende Frage, jedoch nicht Gegenstand dieser Studie. Hinsichtlich der Zinsentwicklung wird von steigenden Zinsen ausgegangen. Sowohl in der Schweiz als auch in den Euroländern verharrten die Zinsen jahrelang auf niedrigem Niveau, und es muss daher ein möglicher Anstieg berücksichtigt werden. Ausgehend von einem Zinsniveau von 3,5 % nehmen wir eine Steigerung von 1,2 % an. Anhand dieses Zinssatzes von 4,7 %, des Investitionsbetrages und der entsprechenden Laufzeit von 30 Jahren werden die Kapitalkosten mit Hilfe der Annuitätenformel berechnet (fixer jährlicher Betrag, der die Tilgung und den Schuldzins umfasst). Das heisst, das Fremdkapital wird in 30 Jahren vollständig getilgt. Preise von zusätzlichen Lieferverträgen Ebenfalls in den Investitionsbetrag fällt der Kauf zusätzlicher Liefervertrags- beziehungsweise Kontingentsmengen. Ausgehend von dem in der Buchhaltung erhobenen Preis von Fr. 1.09 für Kontingentszukäufe im Jahre 2006 (ART 2007) wird im Modell mit einem schrittweisen Rückgang der Marktpreise gerechnet, wobei angenommen wird, dass diese im Jahre 2015, also sechs Jahre nach Aufhebung der Kontingentierung, auf null sinken. Der durchschnittliche Preis für zusätzliche Lieferverträge bis 2014 beträgt rund 64–66 Rappen je kg bei der Wachstumsstrategie 45-tm. Beim Wachstum auf 60 Kühe beträgt der durchschnittliche Preis 50 Rappen je kg, weil ein grösserer Anteil der Mehrproduktion auf die späteren Jahre (mit tieferen Preisen) fällt. Die Investition in zusätzliche Vertragsmengen bis 2015 und die damit verbundenen Kapitalkosten werden ebenfalls über eine Laufdauer von 30 Jahren getilgt. Berechnungsmethode Die Kosten und Erlöse, die durch den Wachstumsschritt bedingt sind (Wachstumskosten beziehungsweise Wachstumserlöse), werden über 30 Jahre addiert und dann die Mittelwerte errechnet. In den Wachstumskosten sind die Kosten für zusätzliche Gebäude, zusätzliches Land und zusätzliche Lieferverträge enthalten. Diese müssen dem Wachstumserlös gegenübergestellt werden. Der Wachstumserlös ergibt sich, indem zum neuen landwirtschaftlichen Einkommen (ohne Wachstumskosten, aber mit Kapitalkosten für Altgebäude) die mit dem

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Wachstum verbundenen Kosten (Wachstumskosten) addiert werden und dann von diesem Betrag das hypothetische alte landwirtschaftliche Einkommen abgezogen wird. Die Differenz zwischen Wachstumskosten und Wachstumserlös ergibt schliesslich den Wachstumsgewinn beziehungsweise -verlust, der dann pro aufgewendete Arbeitskraftstunde umgerechnet wird. Die Ergebnisse der einzelnen Jahre werden nicht diskontiert.

Ergebnisse Wachstumsgewinn über 30 Jahre In Tabelle 3 sind die Ausgangsdaten der verschiedenen Wachstumsstrategien aufgeführt, während in Tabelle 4 Wachstumskosten und -erlöse sowie der daraus resultierende Wachstumsgewinn beziehungsweise Wachstumsverlust im Durchschnitt der beobachteten 30 Jahre beziffert sind. Unter der Annahme eines konstanten End-Milchpreises (konstanter Milchpreis ab 2013) von 55 Rappen ergeben sich je nach Strategie durchschnittliche Wachstumskosten von 37 000 bis 51 000 Franken pro Jahr. Diese können einem Erlös von 51 000 bis 83 000 Franken pro Jahr gegenübergestellt werden. Insgesamt ergibt sich so ein Wachstumsge-

winn von rund 13 000 bis 32 000 Franken pro Jahr, wodurch die Arbeitsverwertung pro Stunde je nach Strategie um Fr. 2.70 bis Fr. 7.20 erhöht werden kann (Ausgangswert beim 20-Kuh-Betrieb: Fr. 12.50). Beim Vergleich der Strategien zeigt sich am Beispiel der Weidemaximierung (Vereinfachung und Vollweide), dass eine radikale Effizienzsteigerung in der Produktionstechnik mit 45 Kühen gar erfolgreicher sein kann, als ein durchschnittliches Produktionsmanagement mit 60 Kühen. Dies ist in erster Linie auf tiefere Wachstumskosten (weniger Zukauf von «Lieferrechten») und auf höhere Einkommen infolge tiefer Produktionskosten zurückzuführen. Der Einfluss des Milchpreises auf den Wachstumsgewinn wird mit Abbildung 2 dargestellt. Die vier Linien widerspiegeln den Wachstumsgewinn beziehungsweise -verlust pro AKh für die vier Varianten. Je nach Wachstumsstrategie kann ab einem Milchpreis von 45 bis 52 Rappen pro kg mit einer positiven Veränderung der Arbeitsverwertung gerechnet werden. Um den Verrechnungsansatz unter Landwirten von Fr. 27.– pro AKh (Ammann 2007) zu erreichen, wäre eine Steigerung von rund Fr. 15.– notwendig. Dies bedingt bei den Wachstumsstrategien mit 45 Kühen gepaart mit effizienter Produktionstechnik sowie mit 60 Kühen einen End-Milchpreis von mindestens 68 bis 70 Rappen, während bei einer durchschnittlichen Wachs-

Tab. 3: Kalkulierte Ausgangsgrössen für die Berechnung von Wachstumskosten bzw. Wachstumserlös Kurzbezeichnung Zusätzliche Fläche [ha] Gebäudeinvestition [Fr.] Investitionskredit (IK) [Fr.] Kontingentsmenge Startjahr [kg] Vertragsmenge Milch 2014 [kg] Zukauf Vertragsmenge [kg] Durchschnittlicher Zukaufspreis [Fr./kg] Zusätzlich notwendiges Fremdkapital für Annuitätenberechnung1 [Fr.]

45-tm 0 (konstant) 596 700 200 000 131 585 353 085 221 500 0.66 542 190

45-tm weidemax 0 (konstant) 596 700 200 000 131 585 314 585 183 000 0.66 517 480

45-tm milchmax 0 (konstant) 596 700 200 000 131 585 406 685 275 100 0.64 572 764

60-tm 8.5 720 000 250 000 131 585 471 685 340 100 0.5 640 050

1

Gebäudeinvestion – IK + Investition in neue «Lieferrechte»

Tab. 4: Wachstumsgewinn/-verlust für 45-tm und 60-tm bei einem End-Milchpreis von Fr. 0.55/kg Kurzbezeichnung Wachstumskosten in Fr. pro Jahr Kosten total nach 30 Jahren Wachstumskosten pro Jahr Wachstumserlöse in Fr. pro Jahr Erlöse total nach 30 Jahren Wachstumserlöse pro Jahr Wachstumsgewinn/-verlust total [Fr./Jahr] Wachstumsgewinn/-verlust (Fr./Akh)

45-tm

45-tm weidemax

45-tm milchmax

60-tm

1 144 383 38 146

1 114 288 37 143

1 184 076 39 469

1 534 505 51 150

1 547 101 51 570

2 090 183 69 673

1 863 683 62 123

2 493 927 83 131

13 424 + 2.71

32 530 + 7.20

22 654 + 4.58

31 981 + 5.38


ART-Bericht 693 n tumsstrategie mit 45 Kühen mindestens 75 Rappen benötigt werden.

Abnahme / Zunahme der Arbeitsverwertung bei unterschiedlichen Milchpreisen und Wachstumsstrategien

Dynamische Betrachtung

Wachstumsgewinn/-verlust in Fr./AKh

25 20 15

45-tm 45-tm_milchmax 45-tm_weidemax 60-tm

10 5 0 –5 –10 0.4

0.45

0.5

0.55

0.6

0.65

0.7

0.75

0.8

Erwarteter Milchpreis in Fr./kg

Abb. 2: Einfluss des Milchpreises auf den Wachstumserfolg bei unterschiedlichen Strategien.

60 000 40 000 20 000

2033

2031

2029

2027

2025

2023

2021

2019

2017

2015

2013

2011

2009

–20 000

2007

– 2005

Wachstumsgewinn/-verlust (CHF)

80 000

–40 000 –60 000

45-tm

45-tm_weidemax

45-tm_milchmax

60-tm

Abb. 3: Entwicklung von Wachstumsgewinn beziehungsweise -verlust bei verschiedenen Wachstumsstrategien.

50 000 40 000 30 000

Wachstumsgewinn/-verlust

Eine statische Betrachtung des durchschnittlichen Wachstumsgewinns kann nicht aufzeigen, was tatsächlich im Betrieb vorgeht, wenn ein Wachstumsschritt realisiert wird. Interessanter ist die Entwicklung über den Zeitverlauf wie Abbildung 3 aufzeigt. Nach der Investition im Jahre 2007 rutscht der Betrieb in die «roten Zahlen». Dies ist in erster Linie bedingt durch den höheren Tilgungsbetrag in den ersten 15 Jahren (Investitionskredit) sowie durch die noch ungenügende Auslastung des neuen Laufstalls. Hierbei ist die Frage interessant, ab wann der Betrieb in die «schwarzen Zahlen» gerät. Diese werden unter der Voraussetzung eines End-Milchpreises von 55 Rappen je nach Wachstumsstrategie in den Jahren 2011 bis 2014, also vier bis sieben Jahre später, erreicht. Die grösseren Sprünge in der Gewinnentwicklung sind vor allem auf abgelaufene Tilgungen zurückzuführen, während der Rückgang von 2012 auf 2013 durch einen Milchpreisrückgang von 58 auf 55 Rappen je kg bedingt ist.

20 000 10 000

Referenzstall

Stall –15% Stall +15%

–10 000 –20 000

Einfluss des Investitionsumfangs beim Gebäude Beim Bau eines Laufstalls herrscht ein grosser Spielraum hinsichtlich des Investitionsumfangs. Der Bau eines Offenstalls reduziert im Vergleich zu einem geschlossenen Standardstall die Investitionssumme um gut 15 % (Gazzarin und Hilty 2002). Umgekehrt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Investitionssumme um 15 % zu erhöhen. Was das für die finanzielle Entwicklung eines Wachstumsbetriebes bedeuten kann, ist in Abbildung 4 ersichtlich, wobei auch hier ein End-Milchpreis von 55 Rp. je kg unterstellt wurde. Bei einem kostengünstigen Gebäude erreicht der Betrieb im Vergleich zur Referenzstrategie 45-tm früher die schwarzen Zahlen, während diese bei einer grosszügigeren Investitionssumme von +15 % entsprechend später erreicht werden.

Bemerkungen zur Interpretation der Ergebnisse

–30 000 –40 000

2033

2031

2029

2027

2025

2023

2021

2019

2017

2015

2013

2011

2009

2007

2005

–50 000

Abb. 4: Entwicklung von Wachstumsgewinn beziehungsweise -verlust bei unterschiedlich hohen Gebäudeinvestitionen (45-tm)

Bei den erzielten Ergebnissen wird die Verfügbarkeit des benötigten Fremdkapitals und die benötigte Flächenpacht (Strategie 60-tm) grundsätzlich vorausgesetzt. Das Fremdkapital wird in den 30 Jahren vollständig getilgt, was bei Hypotheken ersten

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n ART-Bericht 693 Ranges nicht üblich ist. Folglich sind in den ersten Jahren in der Kasse auch keine realen Defizite beziehungsweise «rote Zahlen» zwingend zu erwarten. Für die Interpretation ist weiter zu berücksichtigen, dass ein mehr oder weniger grosser Zuschuss an Eigenkapital, unter anderem auch aus betriebsfremden Bereichen wie ausserlandwirtschaftliche Tätigkeit, Baulandverkauf, Erbe, Schenkung von Verwandten usw., die Wachstumskosten entsprechend reduziert, wodurch ein höherer Wachstumsgewinn resultiert. Gleiches gilt für den Fall, dass das übrige Fremdkapital mit weniger als durchschnittlich 4,7 % verzinst werden muss oder die Laufzeit der Tilgung erhöht werden kann.

Schlussfolgerungen Die Simulationsberechnungen eines typisierten Betriebes mit unterschiedlichen Wachstumsstrategien unter aktuellen Vorgaben der Agrarpolitik 2011 lassen folgende Schlussfolgerungen zu: – Ein Wachstumsschritt ist mit erheblichen Kosten verbunden, die jedoch je nach Milchpreisszenario wieder aufgefangen werden können. – Unter einem Referenzpreisszenario von 55 Rappen im Jahre 2013 ist eine Ausdehnung des Kuhbestandes von 20 Kühen auf 45 Kühe in der Talregion kaum lohnend. Erst zusätzliche Optimierungsmassnahmen hinsichtlich einer effizienteren Produktionstechnik bewirken einen nennenswerten Anstieg der Arbeitsverwertung. – Ein Wachstum auf 60 Kühe führt ebenfalls zu einer Steigerung der Arbeitsverwertung, ist jedoch mit höheren Wachstumskosten verbunden. Diese können allenfalls über Kooperationen mit anderen Betrieben reduziert werden. – Unter Berücksichtigung der Wachstumskosten ist eine Vereinfachung der Produktionstechnik im Bereich Futterkonservierung (Weidemaximierung) und Herdenmanagement (zum Beispiel Natursprung) nicht nur einfacher und rascher zu realisieren, sondern auch ökonomisch eher erfolgreich als eine Ausdehnung der Milchmenge über massive Milchleistungssteigerungen. – Infolge der anfänglich ungenügenden Auslastung des Gebäudes und der anfänglich höheren Tilgung ist mit einer «Durststrecke» von mehreren Jahren zu rechnen. Diese kann bei einer möglichst baldigen Auslastung des Stalls erheb-

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Abb. 5: Eine Investition in die Milchproduktion ist bei tiefen Wachstumskosten und einem optimierten Management am ehesten erfolgreich.

lich verkürzt werden. Allerdings können hierzu die Kosten für die benötigten «Lieferrechte» sowie die Verfügbarkeit der Kühe limitierend wirken. – Eine Einsparung in der Gebäudeinvestition kann die «Durststrecke» erheblich verkürzen und erhöht auch den Wachstumsgewinn. – Der Anstieg der Arbeitsverwertung in den Optimierungsstrategien muss im Verhältnis zur Investition kritisch beurteilt werden.

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betriebe unter AP2011 – Investieren, Spezialisieren oder Kooperieren? FAT-Bericht 651, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Ettenhausen. Gazzarin Ch. & Lips M., 2007. Milchproduktion in der Bergregion unter AP2011 – Fliesst die Milch ins Talgebiet? ART-Bericht 674, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Ettenhausen. Ferjani A., 2007. Entwicklung des Milchpreises unter verschiedenen Szenarien, 30. Informationstagung Agrarökonomie 13. September 2007, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Ettenhausen. Mack G. und Flury Ch., 2006. Auswirkungen der Agrarpolitik 2011, Modellrechnungen für den Agrarsektor mit Hilfe des Prognosesystems SILAS, Studie im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Ettenhausen. IFCN 2007. Dairy Report 2007, International Farm Comparison Network, Kiel. Isermeyer F. und Zimmer Y., 2006. Thesen zur Bioenergie-Politik in Deutschland. Arbeitsbericht des Bereichs Agrarökonomie der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL).


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