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Schweizer Landtechnik

Juni/Juli 2010

Dossier Streifenfr채ssaat


Trelleborg TM800. Der Landwirtschaftsreifen für jeden Boden. Mit außergewöhnlichen Leistungen im Feld und auf der Straße, entwickelt für Traktoren bis 260 PS. Seine hervorragende Traktion, die höchste Tragfähigkeit bei höchsten Geschwindigkeiten, eine geringe Bodenverdichtung, der Fahrkomfort und die -sicherheit sowie eine herausragende Lebensdauer unter allen Einsatzbedingungen spiegeln die Qualität und Leistungsfähigkeit von Trelleborg Reifen wider. TM800: der zuverlässige Landwirtschaftsreifen.

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n Editorial

n Inhalt LT extra Effizientes Bewässern – Gebot der Stunde .................. 5

Das Namensschild Das unten abgebildete Namensschild besticht durch die Sorgfalt, mit der es gestaltet worden ist und durch seine Aussagekraft. Beim satten Grün kann der geneigte Leser dreimal raten und findet dann wohl heraus, bei welcher Firma die Schweizer Landtechnik hier zu Gast war. Die Dauerhaf­ tigkeit des Namensschildes mit polyvalenter Aufhängung lässt in der Tat auf die Qualität der Erntetechnik schliessen, wie sie die Firma Krone baut (ab Seite 26). Es gibt Namensschilder in wieder verwertbaren Plastikhalte­ rungen. Zu letzteren könnte die Mais­Streifenfrässaat passen, weil sich dieses Verfahren bei aller Effizienz durch seine Ressourcenschonung auszeichnet. Aus Anlass des runden Geburtstags des Streifenfrässaat­Clubs und seiner Integration bei «Lohnunternehmer Schweiz» bringt die Schweizer Land­ technik ein Dossier in der Heftmitte. Zum Testtraktor Kubota M9540, den wir ab der Seite 42 porträtieren, würde sich ein selbsthaftendes Namensschild eignen. Die einfache Bedienung und die Beschränkung auf das Wesentliche bei der Ausstattung machen den Japaner zu einem sehr praktisch und wirtschaftlich einsetzbaren Traktor. Zu besonderen Anlässen erhalten die Gäste ein schmuckes Namensschild. Ein solches sei mit den beiden Beiträgen zum Wettpflügen (Seite 18) und zu Mélanie Stadlers Erinnerungen an den G40­Fahrkurs (Seite 23) in Verbindung gebracht. Sie machen die besonderen Farbtupfer aus in unserer vorsom­ merlichen Ausgabe. Diese schliesst mit dem ART­Bericht 721 zur Biodiversität. Darin geht es nicht darum, jemandem (bzw. der Landwirt­ schaft) den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Artenvielfalt erhalten und gefördert werden kann. Zu einer einschlägigen Veran­ staltung würde man dann das Namens­ schild etwas bunter machen als hier abgebildet.

PS: Dies ist eine Doppelnummer. Die nächste Ausgabe erscheint als Nummer 8 am 5. August 2010.

LT aktuell Öga 2010 ..................................................................10 Vielfältiger Technikeinsatz auf einer Achse .................11 Selbstfahrende Futterkrippe .......................................13

Interview mit Ueli Ryser: Agridea ...............................14 Landtechnik im Alpenraum ........................................16 Sektionsnachrichten SZ/UR, LU ..................................................................17 Sport und Freizeit Wettpflügen: Reportage mit Toni Stadelmann ...........18 Schweizer Meisterschaft vom 22. August 2010 ..........19 SVLT Werkstattkurs: Herbst 2010, K25 ...............................21 G40: ein Erlebnisbericht, Kursdaten .....................23, 25 Neuer Mitarbeiter: Bündelung der Weiterbildung ...... 25 Feldtechnik Raufuttersilage: Qualität und Quantität..................... 26 Dossier

Mais­Streifenfrässaat ..............................................I–VIII Betriebswirtschaft Serie: Überbetriebliche Mechanisierung .................... 38

Traktortest Kubota M9540 ................................... 42 Maschinenmarkt Lemken: innovative Technik ...................................... 48 Joskin: Unternehmen auf Erfolgskurs ........................ 50 Impressum .............................................................. 52

Titelbild: Schlechtes Wetter verzögerte die Maissaat. Auch für Streifenfrässaat gab es nur wenige günstige Zeitfenster. (Bild: Bruno Sticher, Lohnunternehmen Thomas Estermann AG, Eschenbach LU)

ART-Bericht 721 Biodiversität .............................................................. 53

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LT extra n

Tiefe Luftfeuchtigkeit und Wind lassen bei heissem Wetter grosse Wassermengen verdunsten, bevor sie in den Boden eindringen können.

Effizientes Bewässern – Gebot der Stunde Seit der Mensch den Boden bebaut, beschäftigt er sich auch mit Möglichkeiten, den Pflanzen zusätzliches Wasser anzubieten. Unter dem Eindruck eines ständig steigenden Wasserbedarfs steht heute mehr denn je eine wassereffiziente Bewässerung im Vordergrund.

Ruedi Hunger

Ein ununterbrochener «Wasserstrom» durchfliesst die Pflanze und stellt damit sicher, dass die Gewebespannung, die Nährstoffaufnahme sowie der Stofftrans­ port und der Wärmehaushalt aufrechter­ halten bleiben. Der Wasserverbrauch einer Pflanze ist eng verbunden mit deren Ertragsleistung. Nebst dem Wasserver­

brauch eines Pflanzenbestandes nimmt mit der Jahreszeit auch die Wasserver­ dunstung zu. Ein Boden trocknet aus, wenn die Wasserbilanz negativ ist, das heisst, wenn der Entzug und die Ver­ dunstung grösser sind als die Summe von Bodenvorrat und Niederschlag. Eine ne­ gative Wasserbilanz lässt Pflanzen zuneh­ mend unter Wassermangel leiden. Wenn Pflanzen welken, schliessen sich die Spaltöffnungen auf den Blättern und

unterbinden damit die Verdunstung von Wasser, gleichzeitig endet die Assimila­ tion. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, wird die Pflanze irreversibel (dauer­ haft) geschädigt.

Verdunstungsverluste und Kälteschock Natürlicher Regen fällt nach langsamem Ansteigen der Luftfeuchtigkeit auf die volle Sättigung, die auch nach dem

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n LT extra Regen nur langsam absinkt. Verduns­ tungsverluste treten während des Regens nicht auf. Künstlicher Regen feuchtet den Boden nur vorübergehend und ohne Mitwir­ kung der Witterung an. Namentlich bei trockenem und heissem Wetter sind die Verdunstungsverluste bei künstlichem Verregnen von Wasser sehr hoch. Natürlicher Regen fällt üblicherweise bei bereits sinkenden oder niedrigen Tempe­ raturen, oder er ist bereits selbst warm. Dies verhindert, dass plötzlich eine starke Abkühlung von Boden und Pflanzen eintritt. Künstliche Bewässerung führt zu einer starken und oft nachwirkenden Abküh­ lung, auch wenn das Wasser auf dem Weg durch die Luft leicht erwärmt wird. Das Verschieben des Beregnens in die Nacht­ und frühen Morgenstunden ver­ kleinert die Schockwirkung, weil die Luft nachts kühler, feuchter und weniger bewegt ist als am Tag.

Bedarf 170 Millionen Kubikmeter Auch im «Wasserschloss Schweiz» kann festgestellt werden, dass das Bewusst­

Bewässerungstechnik im Beerenanbau Auf mehr Bewässerungseffizienz setzt die Beiner AG in Landquart. Der grösste Himbeerproduzent der Schweiz baut im Churer Rheintal neben 10 Hektaren Himbeeren auch 19 Hektaren Erdbee­ ren und 7 Hektaren Zwetschgen an.

Geschäftsführer Jürg Beiner investierte in eine computergesteuerte Bewässerung, um Erdbeeren mit einer Topqualität zu produzieren.

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sein zum Wassersparen zunehmend vorhanden ist. Laut einem Bericht zur Umfrage 2006 über den Stand der Be­ wässerung in der Schweiz schätzt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), dass etwa 43 000 Hektaren regelmässig und in Trockenjahren weitere 12 000 Hektaren zusätzlich bewässert werden. Das BLW schätzt den gesamten Wasser­ bedarf aufgrund der Flächen­ und Mengenangaben aus den Kantonen auf 144 Millionen Kubikmeter. Weiter geht das BLW davon aus, dass mit den anste­ henden Begehren auf neue Bewässe­ rungsprojekte der Wasserbedarf für landwirtschaftliche Bewässerungen in den nächsten Jahren auf etwa 170 Mil­ lionen Kubikmeter ansteigt.

Messstation Bodenfeuchte Ein durchschnittlicher Boden besteht zur Hälfte aus fester Substanz und zu einem gleichen Teil aus Bodenporen, die mit Luft oder Wasser gefüllt sind. Durch grosse Poren fliesst das Wasser ab, kleine hingegen halten es zurück. Je kleiner die Poren sind, desto mehr Kraft braucht die Pflanze, um Wasser aus den Poren zu holen. Diese Kraft wird als Wasserspan­

Jürg Beiner, Geschäftsinhaber, kennt die Problematik Bewässerung mit all ihren Facetten. Für die Nachernteperio­ de vom 15. Juni bis Ende September hat Beiner auf 7 Hektaren eine Neuan­ lage mit Erdbeersubstratanbau einge­ richtet. Der Erdbeerprofi hofft mit dieser anspruchsvollen Produktionsart in der Nachsaison auf eine hohe Lieferfähig­ keit mit Topqualität. Die mit Folie ausgekleidete Bodenrinne enthält einen Entwässerungsschlauch zum Abführen von überflüssigem Me­ teorwasser. Ein Wurzeltuch, das den Entwässerungsschlauch überdeckt, wird mit Substraterde aufgefüllt. Die im Treibhaus vorkultivierten Erdbeerpflan­ zen werden anschliessend in das Subs­ trat gepflanzt. Ein druckkompensieren­ der Schlauch für die Tropfbewässerung wird ebenfalls in die Substraterde eingebettet. Dieser NETAFIM­Tropf­ schlauch gibt die Wasser­Dünger­Lö­ sung in minimalen Mengen bis sieben­ mal pro Tag ins Substrat ab. Das Feld ist in 31 Sektoren à 24 Aren aufgeteilt. Die in den einzelnen Sektoren ausgelegten Tropfschläuche werden computerge­

nung bezeichnet, gemessen wird sie mit einem Tensiometer. Mit Einzelstationen kann kleinräumig, mit einem Netz von Messstationen auch grossräumig, eine Aussage zur Verfügbarkeit von Wasser gemacht werden.

Bewässerungswürdigkeit Die jährliche Niederschlagsmenge allein ist kein ausreichendes Kriterium für die Beurteilung, ob eine ergänzende Bewäs­ serung richtig und zweckmässig ist. Entscheidende Bedeutung kommt der Effektivität des Niederschlages zu. Nebst der jahreszeitlichen Verteilung steht die Verdunstung im Vordergrund. Diese wird in ihrer Intensität sehr stark durch die herrschende Temperatur, die Luftfeuch­ tigkeit und den Wind bestimmt. In einer Projektstudie zur Ermittlung der Bewässerungsbedürftigkeit landwirt­ schaftlicher Nutzflächen (Rebecca Göp­ fert; 2007) wird festgehalten, dass gewisse Bodenarten die Bewässerungs­ würdigkeit nicht erfüllen. Es sind dies flachgründige Böden, die zwar eine hohe Bewässerungsbedürftigkeit auf­ weisen, aber aufgrund ihres schlechten Speicherungsvermögens nur bedingt für

Mit der von Werkstattchef Christian Berther in vielen Arbeitsstunden konstruierten Maschine werden gleichzeitig Dämme geformt und Schlauchmaterial verlegt.

steuert mit Druck beaufschlagt. Bei 2,5 bar Systemdruck öffnen die Tropf­ ventile. Dank Druckkompensation ent­ leert sich der Schlauch nicht, und ein bestimmter Systemdruck bleibt bis zum nächsten Bewässerungszyklus erhalten. Der zweitgrösste Schweizer Erdbeer­ produzent betont, dass er dieses Be­ wässerungssystem gewählt habe, weil für ihn eine Topqualität der Beeren erste Priorität habe. Die Ertragsmenge spiele erst an zweiter Stelle eine Rolle. Beiner beziffert die Grundinvestitionen auf 70 000 bis 80 000 Franken pro Hektare.


LT extra n Grafik 1: Messstation Bodenfeuchte Landquart 90

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Nr. 1-5 Oberboden

Ende April erreichte die Wasserspannung im Oberboden (bis 30 cm) einer Naturwiese über 80 (!) Centibar.

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Nr. 6-10 Unterboden

Selbst in einer Tiefe bis 60 cm erreichte die Wasserspannung im Unterboden der Naturwiese über 55 Centibar.

Bewässerungstechnik im Obstanbau Nur einen Steinwurf von den Zwetsch­ genanlagen der Beiner AG entfernt stehen auf 450 Aren Äpfel­, Birnen­, Aprikosen­ und Kirschbäume des Landwirtschaftlichen Bildungs­ und Beratungszentrum (LBBZ), Plantahof, in Landquart. Nicht nur zur Frostbe­ regnung hat der Obstbauchef, Franz Deck, im vergangenen Frühjahr seine Bewässerungsanlage in Betrieb ge­ setzt. Im Monat April sind im Bündner Rheintal lediglich 30 mm Niederschlag, davon meistens unter 5 mm täglich, gefallen. Anlass genug, dass Deck die Äpfel­ und Birnbäume zu jenem Zeit­ punkt bereits einmal rund 30 mm be­ wässert hat. Für die Äpfel­ und Birn­ bäume steht eine zwanzigjährige Überkronenbewässerung mit einem dichten Sprinklernetz zur Verfügung. Eingesetzt wird sie fast ausschliesslich in der Nacht. Damit eine hohe Fruchtqualität erzielt wird, sind die Kirschen des LBBZ

Mit Tensiometern wird die Wasserspannung im Boden gemessen. Mit einem Netz von Messpunkten kann eine Aussage zur Verfügbarkeit von Wasser gemacht werden.

eine künstliche Beregnung geeignet sind. Ebenso wenig geeignet sind Flä­ chen mit einer Hangneigung, die grösser ist als 35 bis 50 Prozent.

Plantahof in den letzten Jahren abge­ deckt worden. Eine Überkronenbe­ wässerung kommt daher während der abgedeckten Phase nicht mehr in Frage. Gleichzeitig erreicht auch das Wasser des natürlichen Regens die Bäume nicht mehr. Laut Deck wird der Wasserbedarf der Kirschbäume dann über eine Tropfbewässerung mit wö­ chentlichen Gaben von 12 mm sicher­ gestellt. Junge Bäume erhalten erhöhte Wassergaben. Eine eigene Quelle mit einem Leitungsdruck von drei bis vier bar reicht dafür aus. Die Himbeerkul­ turen (25 Aren) bewässert Deck mithil­ fe hängender Spraydüsen, die gezielt den Pflanzbereich der Kultur befeuch­ ten. «Im Vergleich zur Tropfbewässe­ rung wird mit diesem System wesent­ lich mehr Wasser benötigt», sagt der Obstbauspezialist.

Die überdeckten Kirschbäume werden bei Bedarf über eine Tropfbewässerung mit Wasser versorgt.

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n LT extra Begriffe zur Verdunstung von Wasser Verdunstung Definiert jene Flüssigkeitsmenge, die in der Zeiteinheit pro Flächeneinheit verdampft Evaporation Verdunstung von einer leblosen Substanz (Boden, Schnee, Wasser) Transpiration Verdunstung von einer belebten Substanz (z.B. Pflanzen) Evapotranspiration Evaporation und Transpiration: Vorgang, bei dem Wasser in Form von Wasserdampf an die Atmosphäre abgegeben wird Bei Trockenheit weisen die meisten Kulturen eine Bewässerungsbedürftigkeit auf, allerdings besteht nicht überall eine Bewässerungswürdigkeit.

Tabelle: Wasserbedarf landwirtschaftlicher Kulturpflanzen Kulturpflanze Getreide Mais (C4­Pflanze) Zuckerrübe Kartoffeln Sojabohnen Grünland

Wasserbedarf (mm) 350–650 500–800 550–750 550–700 450–700 550–650

Transpirationskoeffizient (mm je kg TS) 400 350 350 500 750 800

Kritische Entwicklungsstadien Schossen Ende Schossen Blüte Reihenschluss Blüte Knollenbildungsphase Samenbildung (Quelle: FAO; Ehlers & Geisler)

Bewässerungsbedürftigkeit* Der Kornertrag von Gerste, Hafer und Weizen wird durch die Wasserversor­ gung während des Schossens bestimmt. Bei Kartoffeln entscheidet die Wasser­ versorgung vier bis fünf Wochen nach dem Austrieb über die Anzahl Knollen und somit über die Ertragshöhe. Rund 50 Prozent des Gesamtwasserbedarfs entfallen bei Mais auf den rund fünf Wochen umfassenden Vegetationsab­ schnitt «Ende Schossen Fahnenschieben Blüte». Wobei kurz vor und während dem Fahnenschieben der wichtigste Be­ wässerungszeitpunkt ist. Der Wasserbe­ darf von Mais wird stark durch die Be­ standesdichte beeinflusst. Eine Erhöhung der Bestandesdichte um 1000 Pflanzen je Hektare erfordert zusätzlich 20 mm Niederschlag. Zuckerrüben werden als besonders bewässerungswürdig angese­ hen. Allerdings ist eine Wassergabe bis 80 Tage nach dem Auflaufen zwecklos oder kann gar ertragsmindernd sein. Naturwiesen weisen eine grosse Anzahl * (Quelle: Achtnich; Bewässerungslandbau)

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verschiedener Pflanzen auf. Die in ihren Standortansprüchen unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften passen sich im Laufe der Jahre wechselnden Witte­ rungsverhältnissen an. Auf grössere Wassergaben reagieren Pflanzen unter­ schiedlich und nicht nur positiv. Die Wirtschaftlichkeit ist nicht in jedem Fall gegeben. Zwei bis drei Wochen vor dem Schnitt ist eine Beregnung am er folg­ reichsten.

Fazit Bewässerungsprojekte mit einer hohen Effizienz kosten viel Geld. Ein zuneh­ mender Wasserbedarf verpflichtet aber jeden Bewirtschafter zur sorgfältigen Prüfung optimierter Bewässerungssyste­ me. Das künstliche Bewässern einer Kultur ist auf den optimalen Zeitpunkt der Bewässerungsbedürftigkeit auszu­ richten. Den Verdunstungsverlusten ist besondere Beachtung zu schenken. Wenn die Bewässerungswürdigkeit nicht gegeben ist, sind Investitionen sinn­ los. n

Äussere Verdunstungsbedingungen Bedingungen, die durch meteorologische Elemente bestimmt werden Innere Verdunstungsbedingungen Eigenschaften, die durch den Verdunstungs­ träger, beispielsweise Boden, bestimmt werden Voraussetzungen für Verdunstung •  Vorhandensein von festem oder flüssigem  Wasser •  Zufuhr von Energie (Strahlung oder Wärme­ vorrat der Luft, des Bodens oder Gewäs­ sers) •  Es  muss  ein  Sättigungsdefizit  bestehen,  bzw. bereits gesättigte Luft muss abgeführt werden (Wind) Feldkapazität (nFK) Darunter versteht man jene Menge Boden­ wasser, die im Boden festgehalten wird, wenn das überschüssige Wasser in einem Zeitintervall von zwei bis drei Tagen entwäs­ sert wurde und die Abwärtsbewegung auf­ gehört hat. Verfügbares Wasser Das verfügbare Wasser errechnet sich aus der Feldkapazität – permanenter Welkepunkt. Permanenter Welkepunkt Der Welkepunkt entspricht dem Wasserge­ halt eines Bodens, bei dem eine Pflanze irre­ versible Welkeerscheinungen bei sonst opti­ malen Standortbedingungen zeigt. Für einen permanenten Welkepunkt wird der Wasser­ gehalt bei einer Wasserspannung von 15 bar angeführt.


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n LT aktuell Öffnungszeiten: 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr (Freitag bis 16 Uhr) Eintrittspreise: Einzeleintritte CHF 20.–, Lehrlinge CHF 8.– Anreise: •  mit der Bahn bis Burgdorf und von  dort mit dem Gratisbus bis zum öga­Messegelände. (Railbon CHF 10.– auf www.oega.ch her­ unterladen). •  mit dem Auto: Autobahn A1 Zürich/Bern Ausfahrt Kriegstetten bis P&R, dann mit Gratisbus aufs öga­ Messegelände.

durch die Spezialpräsentation finden an den Folgetagen um 11 und um 14 Uhr statt. Die traditionelle Schweizer Meisterschaft der Landschaftsgärtner findet zum siebten Mal als Attraktion und Anzie­ hungspunkt an der öga statt. Es nehmen insgesamt zwölf Zweierteams aus allen Fachsektionen der Schweiz daran teil. Prämierung: Donnerstag, 1. Juli 2010, 17.15 Uhr. n

Attraktives Maschinenprogramm an der öga.

öga 2010 Vom 30. Juni bis 2. Juli findet die öga 2010 in Oeschberg-Koppigen statt. Die Fachmesse für Gartenbau, öffentliche Grünflächen sowie Obst-, Beeren- und Gemüsebau ist die grösste Ausstellung der grünen Branche in der Schweiz.

Die Nettoausstellungsfläche von 37 000 m2 ist in neun Sektoren aufge­ teilt, in denen die Aussteller nach Bran­ chen zusammengefasst werden. Die überdachte Fläche (Zelte, Massivbauten) umfasst ca. 6000 m2. Das Freigelände von 31 000 m2 teilt sich in Rasen­ und Wiesenflächen sowie befestigten Wegen und Plätzen auf. Ausgestellt ist eine Vielfalt an noch un­ bekannten oder weiter gezüchteten Pflanzen in den Bereichen Sträucher, Bäume, Schnittblumen, Topfpflanzen, Sommerflor, Stauden, Obst und Beeren, Gemüse. Zu den an der öga präsentier­ ten Innovationen und Weiterentwicklun­

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gen gehören u.a. Bewässerungssysteme, Bau­ und Bodenbearbeitungsmaschinen, Kleinfahrzeuge und Geräte für die Ra­ senpflege und den Kommunalbereich. Maschinendemonstrationen zur Rasen­ pflege finden täglich um 10.30 Uhr und um 15 Uhr statt. Schon aus Kostengründen ist es nötig, Energie einzusparen. Jeder Betrieb ist deshalb interessiert, so wenig wie mög­ lich Energie einsetzen zu müssen. In einer Spezialpräsentation werden dazu Systeme, Materialien und Maschinen für alle Fachbereiche der grünen Branche gezeigt. Diese wird am Mittwoch, 30. Juni, um 14 Uhr eröffnet. Führungen

Junge Leute aus dem Beruf Landschafts­ gärtner stellen ihr Können unter Beweis.


LT aktuell n

Stufenloser Fahrantrieb, hydrostatische Lenkung, hydraulische Kraftübertragung: Die Einachsmäher haben die meisten Entwicklungen auf dem Traktor auch mitgemacht. Im Bild der neue Rapid REX (Foto: zVg).

Vielfältiger Technikeinsatz auf einer Achse Als grösste Fachmesse der Grünen Branche in der Schweiz ist die Öga auch ein wichtiger Treffpunkt der Hersteller von Einachsertraktoren und anderen Maschinen für den Landschafts- und Strassenunterhalt oder für Spezialkulturen. Die Schweizer Landtechnik zeichnet die Entwicklung im Einachserbau nach.

Gaël Monnerat

Auch die Einachsertraktoren haben wie die Zweiachsertraktoren seit ihrem Er­ scheinen auf dem Markt eine grosse Entwicklung durchgemacht. Dank des erreichten Komforts und der Leichtigkeit in der Handhabung sind sie mit der Zeit in der Bodenbearbeitung, in den Gemü­ sekulturen wie auch für den Unterhalt von Grünflächen zu Geräten geworden, auf die man nicht mehr verzichten kann. Dazu beigetragen hat insbesondere der Wandel von der reinen Mähmaschine in der Landwirtschaft zum universellen Geräteträger. In ihrem Aussehen unterscheiden sich die heutigen Einachser wenig von ihren

Vorgängern, doch insbesondere bei der Sicherheit sowie beim Nutzungskomfort stehen sie ganz anders da als jene. Mit der Entwicklung neuer Geräte für die Einachser wurde ihr Aktionsfeld erheb­ lich ausgeweitet. Sie lassen sich in aller Regel durch Schnellverschlüsse und inte­ grierten Zapfwellenanschluss rasch wechseln. Die Motorleistungen liegen zwischen 4 und 20 PS. Die leistungs­ stärksten Modelle haben oftmals einen Dieselmotor.

Hersteller stellen auch Geräte zur Verfü­ gung, die speziell hierfür angepasst wurden: Pflüge (auch Drehpflüge), Grubber und Häufelgeräte. Für eine leichtere Verwendung gibt es wie bei den Zweiachsertraktoren auch Vorrich­ tungen zum Austarieren der Geräte mit Ballastierung der Räder und Gegenge­ wicht an der Frontseite. In Ergänzung zu den Bodenbearbeitungsmaschinen ste­ hen auch Kreiseleggen und Bodensepa­ ratoren zur Verfügung.

Bodenbearbeitung

Unterhalt der Grünflächen

Eines der häufigsten Einsatzgebiete der Einachser ist die Bodenvorbereitung für die Aussaat im Gemüsebau und in den Baumschulen. Die Fräse ist als Zubehör schon lange bekannt, doch gewisse

Die Eignung für eine präzise Gerätefüh­ rung sowie der sehr tief liegende Schwerpunkt der Einachser macht diese zum idealen Werkzeug für den Unterhalt von Grünflächen am Hang sowie für die

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n LT aktuell

Unersetzbare Einachser im Gemüsebau und beim Grünflächen­ unterhalt.

Arbeit an schwer erreichbaren Stellen. Von sämtlichen herkömmlichen Ausrüs­ tungen gibt es auch eine Einachserversi­ on. Eine sehr grosse Vielfalt findet sich bei den Schneidewerkzeugen, vom ein­ fachen Schnittbalken über Scheiben­ mähwerk bis zum Schlegelmäher. Für die Futterernte in der Kleinvieh­ und Pferde­ haltung gibt es auch Anbaumöglichkei­ ten von Rundballenpressen und Ballen­ wicklern.

Stalltechnik Mit dem Wechsel von Anbinde­ zu Frei­ laufställen sind neue Bedürfnisse etwa für die Entmistung, die Reinigung der Krippen und das Heranschieben des Futters entstanden. Auch im Hinblick auf diese Arbeiten haben die Einachser an Bedeutung gewonnen. Anfänglich haben manche Landwirte für diese Ar­ beiten einfach ihre Motomäher umge­ baut, doch inzwischen bieten die Her­ steller mit neuen Entwicklungen die dafür adäquaten Lösungen. Weniger verbreitet sind die Ausrüstungen für das Spritzen, die Bewässerung und das Häckseln sowie die Stromgeneratoren auf dieser Grundlage. Es handelt sich aber auch hier um Aufgaben, für die Einachser geeignet sein können.

Sicherheit am Hang Bei einer Verwendung in der Bergland­ wirtschaft werden die Einachser vielfach auch auf extremen Steillagen eingesetzt. Um unter diesen Bedingungen eine bessere Bodenhaftung zu gewähren, sind die Motormäher oft mit Zwillingsrä­

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Neue Nutzungsmöglicheit für den Motormäher dank der grossen Zahl von Zusatzgeräten. (Foto: EMS)

dern oder auch mit Rädern aus Stahl versehen, damit sich das Gerät nicht überschlägt. Damit der Schwerpunkt möglichst tief liegt, bauen gewisse Her­ steller sogar den Motor in den breiten Stollenrädern ein. Sicherheit und Kom­ fort erfordern eine adäquate Verteilung des Gewichts: Zu diesem Zweck werden Gegengewichte angebracht, doch diese Massnahme erhöht das Gesamtgewicht, was wiederum eine gewisse Gefahr des Überschlagens birgt. Elegante Lösungen zur Stabilitätsverbesserung betreffen die Möglichkeit, das Gerät entlang der An­ triebsachse quer zum Hang zu verschie­ ben. Die so angepassten Maschinen lassen sich aber nicht so einfach führen, vor allem in schwierigem Gelände. Für eine bessere Manöverierbarkeit sind ge­ wisse Modelle im oberen Segment mit Griffen versehen, welche auf die hydro­ statische Übertragung einwirken. Mit einer Beschleunigung des äusseren Rads wird das System entlastet, und das Ma­ növieren geht mit höherer Sicherheit vor sich. Ungeachtet ihrer Verwendung müssen die Geräteträger mit sogenann­ ten «Totmann»­Sicherheitsgriffen verse­ hen sein, die gegebenenfalls ein Anhal­ ten des Motors gewährleisten. Das alte Bild der Einachsertraktoren als nostalgische Mechanik entspricht nicht der Realität. Vielmehr ist ihre Handha­ bung durch die neuen Entwicklungen bei den hydrostatischen Übertragungen und elektronischen Steuerungen we­ sentlich leichter geworden. Ihre grosse Stärke liegt in der vielseitigen Verwend­ barkeit vom Mähen, Schlegeln und

Häckseln über die Stallarbeiten bis zur Bodenbearbeitung im Gemüse­ und Gartenbau. Die Vielfalt zeigt sich auf den einschlägigen Ständen an der Öga: Folgenden Firmen sind laut Ausstellerverzeichnis an der ÖGA vertreten. AGRIA Landmaschinen AG, Sektor 10.2 Stand 554 EMS Ersatzteil­ und Maschinen­Service AG, Sektor 10.3 Stand 570 Hans Althaus AG, Sektor 4.1 Stand 728 Köppl GmbH, Sektor S10.3 Stand 566 Rapid Technic AG, Sektor 4.5 Stand 792 Robert Aebi AG, Sektor 10.5 Stand 518 SILENT AG, Sektor 4.5 Stand 808 SPERIWA, Sektor 10.2 Stand 42 stema MOTORGERÄTE, Sektor 4.5, Stand 825 Stohler AG, Sektor 4.5. Stand 800 n

Motormäher: Unentbehrliche Helfer der Bergmechanisierung. (Foto: Aebi Schmidt)


LT aktuell n

Futterkrippe, Attraktivität auf der Weide, verschiebt sich phasen­ weise auf einem Kreisumfang. (Foto: Philipp Freimann)

Der Akku ist voll, nun kann die mobile Futterkrippe beladen werden. (Foto: Gaël Monnerat)

Selbstfahrende Futterkrippe Philipp Freimann setzt seine autonome Futterkrippe mit Fahrantrieb in der zweiten Weidesaison ein. Er ist mit seiner Erfindung sehr zufrieden.

Gaël Monnerat

Am Stadtrand von Zug hat Philipp Frei­ mann einen Mutterkuhhaltungsbetrieb. Dabei kennt er den Nachteil, in unmittel­ barer Nähe nur wenige Weideflächen zu haben. Weil es im Sommer sehr um­ ständlich ist, die Tiere täglich von der Weide zu holen, bringt Philipp Freimann Silage als Ergänzungsfutter mit Traktor und Futterwagen zu den Tieren hin. Nun hat er einen Futterwagen realisiert, der mehr kann als nur Silage transportieren. Die Lösung mit einem Futterwagen, den Philipp Freimann bis vor zwei Jahren mit Traktor auf die Weide stellte, hatte den grossen Nachteil der Trittschäden durch die Tieransammlung. Anfänglich ver­ schob er den Futterwagen mehrere Male am Tag. Doch dies war unbefriedigend, vor allem auch weil es jedes Mal den Traktor brauchte. Nun hatte Philippe Freimann die Idee, dass sich der Futter­ wagen auf der Weidefläche selber ver­ schieben sollte. Vergeblich sucht Philipp Freimann ein seinen Vorstellungen entsprechendes Gerät auf dem Markt. So hat er das Konzept, mobile «Futterkrippe» mit Fahrantrieb, selbst an die Hand genom­ men. Er kontaktierte die Firma H. Althaus AG in Kernenried BE, die Erfahrungen mit Milch­ und Raufutterfahrzeugen mit Elektroantrieb hatte. Das Berner Unter­ nehmen entwickelte also ein Antriebs­ konzept.

Die Herausforderungen bestanden darin, eine genügende elektrische Autonomie zu erzielen und eine Geschwindigkeit zu wählen, bei der die Tiere beim Bewegen sich problemlos in Sicherheit begeben konnten. Weil man eine stetige Vor­ wärtsbewegung bei sehr kleiner Ge­ schwindigkeit technisch nicht realisieren konnte, musste man phasenweise vor­ fahren und dann für eine gewisse Zeit anhalten. Diese Lösung, obwohl gewiss sehr vielversprechend hinsichtlich Ver­ hinderung von Trittschäden, führte zu einem anderen Problem. Steuerungssys­ teme dieser Art arbeiten in der Regel nur bei 12 oder 220 Volt, während der Motor 24 Volt benötigte. Doch letztendlich hat die selbstfahrende «Futterkrippe» das Licht der Welt er­ blickt. Sie verschiebt sich auf einem Kreis mit rund 30 Metern Durchmesser. Ein Programm schaltet über neun Stunden nicht nur den Phasenwechsel, sondern beeinflusst diesen auch: Zu Beginn be­ trägt er zehn Minuten, da die Anzahl Tiere, die Futter holen wollen, gross ist. Weil in der Folge die Futterkrippe weni­ ger stark frequentiert wird, vergrössern sich die Phasenabstände.

kratzen sich gerne an der Deichsel, so­ dass sie sich verbiegen kann. Auch musste der Abstand zwischen Futterbehälter und Boden erhöht wer­ den. In der Praxis zeigten sich noch an­ dere Unzulänglichkeiten. Die Pneuluft­ ventile musste man durch Kappen vor Trittschäden schützen, und eine Motor­ belüftung sollte die Kondenswasserbil­ dung in der Ummantelung verhindern. Und zu guter Letzt musste Philipp Frei­ mann in der städtischen Umgebung auch noch die Tafeln «Langsames Fahr­ zeug» anbringen und die Höchstge­ schwindigkeit «30 km/h» signalisie­ ren. n

Kennzahlen: Zeitaufwand für Konstruktion und Bau: ca. 40 Std. Materialkosten ca. CHF 5500.– Antrieb mit CHF 4500.– Blech, Schrauben usw. CHF 300.– Bretter: CHF 300.– Farbe: CHF 120.– Achse gebraucht

Tücken des Objekts Der Apparat erreicht eine Autonomie von zehn Tagen und läuft auf dem Be­ trieb nun in der zweiten Saison. Während des Winters musste man noch verschie­ dene Anpassungen vornehmen. So wurde die Deichsel verstärkt. Die Tiere

Das Herz der Futterkrippe ist die elektroni­ sche Steuerungseinheit.

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n LT aktuell

Ueli Ryser: ab 1. Juli 2010 neuer AGRIDEA­Direktor der Beratungszentrale im «grünen Zentrum Eschikon­Lindau ZH» (links) und der Beratungszentrale dans la «Maison du paysan» in Lausanne (rechts).

bündelt die Kräfte Ueli Ryser übernimmt ab 1. Juli die Gesamtleitung der AGRIDEA. Nach innen hat er den Auftrag, die Voraussetzungen zu schaffen, um die beiden Beratungszentralen ab dem 1. Januar 2011 zwar nach wie vor an beiden Standorten, aber doch als sprachübergreifende Einheit zu führen. Nach aussen will er sich mit Herzblut für die Landwirtschaft einsetzen. Dazu braucht es das Netzwerk «AGRIDEA». Zu diesem gehört auch der SVLT als Mitglied und Partnerorganisation.

Interview: Ueli Zweifel

Schweizer Landtechnik: Sie sind mit Stellenantritt am 1. Juli zum Direktor der AGRIDEA gewählt worden. Was reizt Sie an dieser Aufgabe? Ueli Ryser: Aufgewachsen auf einem Landwirtschaftsbetrieb im Kanton Schaffhausen schlägt mein Herz von Kindesbeinen an für die Landwirtschaft.

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Ich bin ein Mensch, der offen ist für neue Ideen, und ich will dazu beitragen, diese in der landwirtschaftlichen Praxis umzu­ setzen. Die Zusammenführung der bei­ den Beratungszentralen ist in dieser Hinsicht eine faszinierende Aufgabe. Sie wurde mit einer Statutenrevision 2006 eingeleitet. Gemeinsam und aufgrund landesweit klarer Strukturen können die Dienstleistungen effizient und noch zielgerichteter erbracht werden. Regio­

nale Besonderheiten werden aber wei­ terhin ihren Platz haben. Ich freue mich auf die Herausforderung, die AGRIDEA als schlagkräftige und effi­ ziente Organisation zu führen und zu stärken. Ihre zentrale Aufgabe bleibt der Informationsaustausch von der ange­ wandten Forschung an die Basis und umgekehrt. Durch ihre Beratungsfach­ leute und Dokumentationen hat sie in Zusammenarbeit mit den regionalen


LT aktuell n Beratungsdiensten eine grosse Breiten­ wirkung. Das Doppelmandat mit der Reorganisation nach innen und dem «Networking» nach aussen ist sehr anspruchsvoll. Wo holen Sie die Kraft und die Ressourcen zur Bewältigung der Aufgaben her? Das fachliche Rüstzeug holte ich mir nach der landwirtschaftlichen Ausbil­ dung als Absolvent an der Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen. Als Lei­ ter der Abteilung Treuhand und Schät­ zung des Schweizerischen Bauernver­ bandes gab es viele Fragestellungen sowohl der betriebswirtschaftlichen Ausrichtung als auch der menschlich­ sozialen Natur. An der Hochschule St. Gallen erlangte ich einen «Executive MBA» (Master of Business Administration) in Business En­ gineering. Zentrales Thema: bestmögli­ che Strategie entwickeln, um einen Be­ trieb oder eine Organisation von einem Ist­Zustand in einen Soll­Zustand über­ zuführen. Im Zentrum stehen die Men­ schen als Mitarbeitende im eigenen Un­ ternehmen und als Partner, mit denen man zusammenarbeitet. Technik­ und Informationssysteme müssen angepasst werden, und für alles stehen einem nur begrenzte finanzielle Mittel zur Ver fü­ gung. Das Wissen und die Erfahrungen kamen mir als Geschäftsführer bei der Reorga­ nisation des LBA Architekturbüros zu­ statten und werden mir bei der AGRIDEA als Direktor der beiden Beratungszentra­ len von grossem Nutzen sein. Wie hat sich die «Offizialberatung» in den letzten Jahren entwickelt, und warum braucht es diese auch in Zukunft? Eine grosse Stärke der Beratung der öf­ fentlichen Hand ist, dass der Gesamtbe­ trieb und nicht nur der spezialisierte Be­ triebszweig allein angeschaut wird. Zudem hat die Beratung im ländlichen Raum generell eine grosse Bedeutung bekommen. Bei der einzelbetrieblichen Beratung ist es so, dass diese sehr viel spezialisierter geworden ist. Oft ist diese auch Teil eines generellen Projektes, das den ländlichen Raum in einer Region als Ganzes erfasst. Es braucht die Unterstüt­ zung im ländlichen Raum, und die Landwirt ist dort ein wichtiger Player.

Die Beratung der öffentlichen Hand kann ihre Arbeit firmenunabhängig wahrneh­ men. Sie hat die Möglichkeit, alternative oder gänzlich neue Produktionsrichtun­ gen sehr genau anzuschauen. Erinnert sei an Projekte wie Hirschhaltung, Gäste­ bewirtung, Biogasproduktion und ande­ re Projekte rund um das Thema «Erneu­ erbare Energien». Die AGRIDEA ist Teil des «Wissenssys­ tems Landwirtschaft» und betreut ver­ schiedene Informationsplattformen wie im Ackerbau, in der Tierhaltung und der Landtechnik. Dort erhalten Berater und Beraterinnen die neusten Informationen. Auf den Plattformen kann die AGRIDEA auch auf die Fachkompetenzen ihrer Partner zurückgreifen. Vor allem in Zeiten eines starken Wandels braucht es den einfachen Zugang zu einer gut strukturierten und kompeten­ ten Beratung. Wie finanziert sich die AGRIDEA? Ungefähr die Hälfte der finanziellen Mittel kommt aus einer Leistungsverein­ barung mit dem Bund. Zudem finanziert sich die AGRIDEA durch die Einnahmen aus dem Kursangebot und den Verkauf der Publikationen sowie durch die Ab­ geltung von Dienstleistungen für Dritte und durch die Mitgliedsbeiträge der an­ geschlossenen Organisationen. Falls die Gelder des Bundes in dem Aus­ masse gekündigt werden, wie das laut Sparbeschlüssen des Bundesrates vorge­ schlagen wird, hätte dies einen empfind­ lichen Leistungsabbau zur Folge. Die AGRIDEA und ihre Mitglieder wie die Kantone und die bäuerlichen Organisati­ onen werden die Sparvorschläge vehe­ ment bekämpfen. Welchen Beitrag leistet die AGRIDEA, damit sich der technische Fortschritt in der landwirtschaftlichen Praxis umgehend niederschlägt? Wir befassen uns intensiv mit dem tech­ nischen Fortschritt und nehmen Kenntnis von neuen Maschinen und neuen Tech­ nologien. Ob diese in der Praxis Einzug halten, hängt nicht zuletzt von der Ren­ tabilität ab. Dabei geht es um eine dyna­ mische Betrachtungsweise der Be­ triebsentwicklung in einer Gesamtschau aller Faktoren. Neue Formen der Produktionstechnik verbunden mit einem grossen Kapitalein­ satz bedingen genaueste Kalkulationen und die intensive Nutzung der überbe­

trieblichen Zusammenarbeit und speziell auch des überbetrieblichen Maschinen­ einsatzes. Hier liegt meiner Meinung nach noch mehr drin, von der einfachen Nachbarschaftshilfe über Maschinenge­ nossenschaften und Maschinenringe bis zu den Lohnunternehmern. Gibt es Sektoren, in denen die Zusammenarbeit zwischen SVLT und AGRIDEA verstärkt werden kann? Ich habe schon auf die verschiedenen Plattformen hingewiesen. Im Speziellen gibt es das Agrartechnikforum. Darin ist auch der Schweizerische Verband für Landtechnik vertreten. Er unterstützt den Wissenstransfer und ist als Fachor­ ganisation am Ball bei der Landtechnik und im landwirtschaftlichen Strassenver­ kehr. Umgekehrt nehmen Mitarbeitende der AGRIDEA Einsitz in Fachkommissio­ nen des SVLT. Bei Vernehmlassungen und Vorstössen ist es auch wichtig, diese zwar zu koor­ dinieren, aber auch auf verschiedenen Kanälen einzubringen. So wachsen die Chancen, dass sie etwas bewirken. Was für eine Haltung haben Sie in der konkreten Frage der Zonenkonformität von Lohnunternehmen in der Landwirtschaftszone? Diese Frage zielt auf meine bisherige Tätigkeit beim Schweizerischen Bauern­ verband ab. Dazu hier meine persönliche Meinung. In diesem Bereich muss drin­ gend eine Lösung gefunden werden. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Lohnunternehmen wurde bei den letzten Revisionen der Raumplanungsgesetzge­ bung nicht oder zu wenig erkannt. Die lohnunternehmerische Tätigkeit hat sich oftmals nach und nach aus der landwirt­ schaftlichen Tätigkeit entwickelt. Es ist in der Tat so, dass ein spezialisiertes Lohnunternehmen nach geltendem Recht in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform ist. Die meisten Kantone legen diesbezüglich die gesetzlichen Grundlagen zum Glück recht grosszügig aus. Einer Klage z.B. im Falle einer Bau­ bewilligung für eine spezifische Lohnun­ ternehmer­Maschinenhalle würde vom Richter aber mit Sicherheit stattgege­ ben. Die Lohnunternehmer brauchen für ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten in der nächsten Revisionsrunde dringend eine Lösung. n

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n LT aktuell rung» der Schweizer Landwirtschaft aus der Milchkontingentierung auf Interesse. Ebenso intensiv diskutiert wurden die verschiedenen Massnahmen zur Erhal­ tung und Förderung der Kulturlandschaft im Alpenraum. Automatisierte Fütte­ rungstechnik und automatische Melk­ systeme halten auch auf Bergbetrieben Einzug. Die Automatisierung verschiede­ ner Betriebsabläufe bietet Möglichkeiten, der zunehmenden Arbeitsbelastung zu entgehen. Aber auch eine gute Arbeits­ planung, insbesondere auch der Details, hilft, die Arbeitszeit weiter zu reduzie­ ren.

Neues aus der Landtechnikindustrie Am 5./6. Mai wurde in Feldkirch die zehnte Auflage der 2­Länder­Fachtagung «Landtechnik im Alpenraum» gefeiert.

Landtechnik im Alpenraum Im Mai 1992 wurde die erste Fachtagung «Landtechnik im Alpenraum» durchgeführt. Die spezielle Themenmischung dieser Tagung bewährt sich so gut, dass sich alle zwei Jahre eine illustre Runde aus Praxis, Forschung, Entwicklung sowie der Beratung und der Landmaschinenindustrie in Feldkirch (Vorarlberg) trifft.

Ruedi Hunger

Die langjährige Zusammenarbeit der Bundeslehr­ und Forschungsanstalt Francisco Josephinum (BLT) in Wiesel­ burg (Österreich) und der Forschungsan­ stalt Agroscope Reckenholz­Tänikon (ART) in Tänikon (Schweiz) hat sich auch an der 10. Tagung von Anfang Mai wieder bewährt. Unter der Leitung von Robert Kaufmann, ART, und Johann Schrottmaier, BLT, wurde dem interes­ sierten Fachpublikum eine vielfältige Themenmischung vorgestellt.

Zunehmend Unfälle mit sicheren Fahrzeugen Laut Ruedi Burgherr, Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), ist die Landwirtschaft jene Bran­ che mit der dritthöchsten Unfallhäufig­ keit bezogen auf 1000 Arbeitnehmende. Unfallursachen sind zunehmend der fal­ sche Umgang mit sicheren Fahrzeugen

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und Maschinen. Vor allem bei Betriebs­ störungen und Stresssituationen würden die einfachsten Sicherheitsregeln miss­ achtet, sagte der Referent: «Immer wieder kommt es vor, dass Fahrerinnen und Fahrer mit ihren Fahrzeugen zu hohe Risiken eingehen, dies insbesondere in Hanglagen.» Trotz 35 Jahren Fahrerschutz bei Traktor­ stürzen werden in Österreich durch­ schnittlich sechs schwere und tödliche Traktorunfälle registriert. Auch wenn der Rückgang seit den 60er­Jahren mehr als 90 Prozent beträgt, ist jeder tödliche Unfall einer zu viel! In Österreich stellt man ebenfalls fest, dass bei mehr als 80 Prozent aller Traktorstürze ein ursäch­ licher Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Menschen und dem Unfall besteht.

Automatisierung auch auf dem Bergbetrieb Neben dem Schwerpunktthema Unfall­ verhütung stiess die «Ausstiegserfah­

Die Firma Paul Forrer AG, Zürich, stellte das neue Trailer­Drive­System (TDS) vor. Immer wenn mit schweren Lasten in unwegsamem Gelände oder in Hangla­ gen Traktionsprobleme entstehen, kann dieses hydraulische Triebachssystem weiterhelfen. Die Reform­Werke in Wels (Österreich) haben mit der Metrac­X­Baureihe eine neue Zweiachsmäher­Generation reali­ siert. Besondere Beachtung schenkten die Entwickler sicherheitsrelevanten As­ pekten und einer grossen Bedienungs­ freundlichkeit. Stefan Lindner vom gleichnamigen Traktorhersteller in Kundl (Tirol) betonte, dass Innovationen und Tradition keine Gegensätze sein müssten. Die GeoTrac­ Traktoren der vierten Baureihe haben keine klassischen Anzeigeinstrumente, sondern ein Grafikdisplay. Lindner be­ tonte, dass das Tiroler Unternehmen bei der Entwicklung der Serie 4 intensiv auf seine Kunden gehört habe. Pöttinger rüstet seine neusten Ladewa­ gen mit «Intelligenz» aus. Durch eine permanente Ermittlung des Ist­Zustandes beim gesamten Ladeprozess kann der

Die Bergmechanisierung ist technisch aufwendig und wird in relativ kleinen Stückzahlen hergestellt. (Foto: Koni Merk)


LT aktuell n Ladewagen mithilfe des ISOBUS­ Standards selbstständig mit dem Traktor kommunizieren. Diese intelligente Trak­ tor­Ladewagen­Kombination wurde zu­ sammen mit dem Traktorhersteller John Deere entwickelt und ist die erste am Markt. 2010 entsteht eine Vorserie. Im Rahmen der Agritechnica 2009 wurde Fendt für seine vollständig ins Fahrzeug­ konzept integrierte Reifendruckrege­ lungsanlage mit einem silbrigen Innova­ tionspreis ausgezeichnet. Laut Edward

Snieder, AGCO Marktoberdorf (Deutsch­ land), erleichtert die Lieferung ab Werk dem Käufer den Entscheid für eine bo­ denschonende Reifendruckregelung. Hydrostatische Fahrantriebe bewähren sich laut Christian Koblet, Aebi­Schmidt, Burgdorf, seit Jahren in der Landwirt­ schaft. Laut Koblet liefert Aebi heute den weitaus grössten Teil der Terratracs mit hydrostatischen Fahrantrieben aus. n

Transporter: bewährte Technik für eine sichere Futterbergung in Hanglagen. (Foto: Ruedi Hunger)

Sektionsnachrichten n Schwyz 9. Schwyzer Traktorengeschicklichkeitsfahren Sonntag, 4. Juli 2010 Markthalle Rothenthurm SZ Anmeldung vor Ort zwischen 9 und 14 Uhr Das Team «Traktoren Oldtimer Treffen Gross am Sihlsee» und der Verband für Landtechnik (Sektion SZ/UR) sorgen für ein attraktives Geschick­ lichkeitsfahren. Insbe­ sondere sei dabei auch auf Festwirt­ schaft, Kinderspiel­ platz, Traktorenrou­ lette mit Oldtimern und die musikalische Unterhaltung hinge­ wiesen. Fahrerinnen und Fah­ rer sind herzlich einge­ laden. Kategorien: Damen, Herren, Junio­ rinnen und Junioren. Die Wippe gehört zu jedem attraktiven Es winken schöne Geschicklichkeitsfahren. Preise.

Graubünden Plantahof Feldtag Donnerstag, 5. August 2010 9 bis 16 Uhr am LBBZ Plantahof Kunstfutterbau mit Ansaat­ und Übersaattechnik, Mischungs­ wahl, Zwischenfutter und Stoppelbearbeitung. Weitere Infor­ mationen unter www.plantahof.ch.

Luzern Aktuelles Kursangebot Die Vorbereitungskurse für Mofa- und Traktor-Prüfung finden jeweils am Mittwochnachmittag statt. Kurskosten inklu­ sive Lernplattform im Internet: CHF 50.– für Mitglieder. Die nächsten Termine: 23. Juni in Hochdorf, 30. Juni in Willisau, 7. Juli in Schüpfheim und 18. August in Sursee. Für die Basistheorie als Vorbereitung für Roller­ und Auto­ prüfung wird ein Internetzugang für CHF 27.– abgegeben. Online lernen und Prüfungsfragen beantworten! Praktische Grundschulung für Roller findet jeden Samstag in Sursee statt. Auch unter der Woche werden vereinzelt Fahrkurse angeboten. Infos unter www.lvlt.ch Der Lastwagentheoriekurs dauert 32 Lektionen, während vier Wochen jeweils einen Tag pro Woche. Der Kurs ist modular aufgebaut, und der Einstieg ist jede Woche möglich. Der nächs­ te Kurs beginnt ab 26. August jeden Donnerstag in Luzern.

Futterbautagung für Hang- und Grenzlagen Zusammen mit dem BBZN Schüpfheim organisiert der LVLT am Donnerstag, 12. August (19. August Verschiebungsda­ tum bei schlechtem Wetter), in Willisau auf dem Betrieb von Thomas und Bernhard Kurmann Scheimatt, eine Fut­ terbautagung für Hang­ und Grenzlagen. Anmeldung unter: BBZN Schüpfheim Inhalt der Tagung: •  Wie soll ich Hangweiden für meine Tiere organisieren,  und wie kann ich Trittwege und Erdrutsche verhindern? •  Wie erkenne ich schlechte Wiesen- und Weidebestände,  und wie lassen sich diese verbessern? •  Sind Raigras-Wiesen in Grenzlagen längerfristig tragbar,  oder sind Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras die rich­ tigen Leitgräser? •  Welches ist die richtige Mechanisierung für meine Hanglagen? Infos und Anmeldung: Geschäftsstelle LVLT, 6276 Ho­ henrain, Tel. 041 467 39 02, E­Mail: info@lvlt.ch, Internet: www.lvlt.ch

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n Sport und Freizeit mann: «Im Wettkampf entscheidet jedes Detail.»

Die Erfahrung zählt

An der letzten WM in Neuseeland belegte Toni Stadelmann den 14. Schlussrang. Auf Rang 13 landete sein Teamkollege Peter Ulrich (Bild zVg).

«Im Wettkampf entscheidet jedes Detail» Toni Stadelmann ist vielfacher Regionalmeister, Schweizer Meister 2007, viermaliger Teilnehmer an Europameisterschaften (4. Platz in Tschechien 2009) und fünfmaliger WM-Teilnehmer (7. Rang in Litauen 2007). Was er betreibt, ist Spitzensport. Wir besuchten ihn zu Hause in Roggenburg BL.

Peter Belart

Plötzlich steht er da, auf dem Kiesplatz vor seinem Haus. Er scheint sich darüber zu amüsieren, dass wieder einmal ein Fremder Mühe hatte, die Eingangstüre seines Hauses zu finden. Und so macht er den «Pfadfinder» und geht voraus: ums Haus herum, hinten in einen offe­ nen Vorraum, die Treppe hinauf ins erste Stockwerk, dort über die Holzdiele nach links zur etwas verborgenen Wohnungs­ türe.

Nulltoleranz im Wettkampf Wie wohltuend: Hier wird gelebt! Keine steril wirkende Ordnung, kein auf Hoch­ glanz poliertes Musterhaus, kein zwang­ haftes Kaschieren jeglicher «Spuren», sondern ein Zuhause, das Zeugnisse verschiedenartigster Tätigkeiten auf­ weist: Ordner, Hefte, Bücher, Bastelma­

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terial. Und mitten drin – die Familie. Die beiden kleinen Kinder beleben das Ge­ schehen, dringen auch mal auf den Vater ein, der sich aber in keiner Art und Weise aus der Ruhe bringen lässt. Er hört ihnen zu, antwortet erheitert und kommt zu­ rück zum Gesprächsgegenstand. Und dieser Mann, der hier ein gewisses Mass an unstrukturierter «Kreativität» zulassen kann, dieser Toni Stadelmann ist doch in seiner Freizeit, in der Aus­ übung seines Hobbys, ein 100­prozenti­ ger Perfektionist. Seit mehr als 20 Jahren hat er sich seiner Sportart verschrieben, dem Wettpflügen. Und da gilt die Null­ toleranz. Ein paar mickrige Zentimeter können über Sieg und Niederlage ent­ scheiden. Eine kleine Abweichung nur vom Idealkurs, und weg ist der Titel. Ein Zurückblicken im falschen Moment, ein schier unmerkliches Zögern, eine geringe Fehleinschätzung des Bodens – und schon kannst du es vergessen. Stadel­

Zum Wettpflügen braucht es mehrere hoch ausgeprägte Eigenschaften, versi­ chert Stadelmann: Konzentrationsfähig­ keit, technisches Verständnis, Geduld, eine ruhige Hand und vor allem viel, viel Erfahrung. Und er fährt fort: «Natürlich kann es auch mal sein, dass ein junger Teilnehmer ein Spitzenresultat erreicht. Aber das ist nicht die Regel.» Und darin ist eine der herausragenden Qualitäten dieser Sportart zu sehen: Sie kann von Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren betrieben werden, ohne dass jemand daraus einen zwin­ genden Vorteil ableiten könnte. Stadel­ mann holt als Beleg für diese Aussage das Wettkampf­Programm der Welt­ meisterschaften hervor. Da ist unter den Teilnehmenden die Floristin Margareta Heigl aus Österreich aufgeführt, eine bildhübsche 18­Jährige und etwas weiter hinten im Heft der 70­jährige Landwirt Bryan Brenig aus Wales. Er wird sein Können auf der Erfahrung aufbauen, seine junge Wettkampfkollegin vielleicht auf ihrer jugendlichen Un be ­ kümmertheit.

Reich wird man nicht dabei Auch Toni Stadelmann ist im Programm als einer von zwei Schweizer Wettkämp­ fern aufgeführt. Zusammen mit Peter Ulrich, einem Coach, einem WM­Vertre­ ter und einem Helfer reiste er im April nach Neuseeland. Bereits zum fünften

Toni Stadelmann: «Zum Wettpflügen braucht es Konzentrationsfähigkeit und viel Geduld.» (Bild Peter Belart)


Sport und Freizeit n Mal nahm er an einer Weltmeisterschaft teil. Monate zuvor wurde das Sportgerät, ein Zweischarpflug, sorgfältig verpackt und – zusammen mit Traktorrädern in der vertrauten Grösse – in Basel aufge­ geben und per Schiff ans andere Ende der Welt verschickt. Die Traktoren wur­ den über einen Händler in Neuseeland resp. Australien organisiert. «Fallen da nicht enorme Kosten an?» – «Bisher gelang es uns immer, die Ausgaben durch Sponsorenbeiträge weitgehend zu decken. Wir fragen in unserem Bekann­ tenkreis und bei den entsprechenden Firmen an. Da ein Zwanziger, dort ein Hunderter oder ein Fünfziger, ein be­ achtlicher Betrag vom Lotteriefonds Ba­ sel­Landschaft, und wenn man alles zu­ sammenlegt, kommen wir jeweils knapp heraus.» In andern Sportarten verdienen sich die Protagonisten eine goldene Nase. Im Wettpflügen ist alles Hobby, Leidenschaft. Die guten Resultate verhel­ fen Toni Stadelmann weder zu einem Staatsempfang noch zu Reichtum. Und doch lässt ihn der Virus nicht los. «Ei­ gentlich wollte ich schon vor Jahren aufhören. Auf nationaler Ebene resul­ tierten anfangs keine Spitzenränge; ich kam nie auf einen grünen Zweig. Doch dann kaufte ich mir einen eigenen Pflug, und es ging aufwärts.»

Tagesform ist immer auch eine Portion Losglück dabei. Vielleicht erwischst du einen besonders günstigen Boden, viel­ leicht bekommst du ein leicht unebenes Geländestück, vielleicht bereitet dir ein verdichteter Grund gewisse Probleme, und vielleicht bekommst du ein Areal gleich neben demjenigen eines Neulings zugewiesen, der wenig exakt arbeitet. Auch dies kann ein Nachteil sein.» – «Welche Nationen sind denn für starke Pflüger bekannt?» – «Die Nordländer und die Vertreter aus dem britischen Raum. Man kann sagen, das sind Halb­ profis, die weit häufiger als wir an Wettkämpfen teilnehmen. Etwas weni­ ger hoch sind die Südländer einzuschät­ zen. Und manchmal stossen auch neue Nationen dazu, die erst einmal Erfahrun­ gen sammeln müssen.»

Nichts anderes als Perfektion Stadelmann legt Fotos mit bearbeiteten Ackerparzellen auf den Tisch. Unglaub­ lich: alles wie mit dem Lineal gezogen, nicht die geringste Abweichung. Die Spaltfurche: perfekt. Der Rückschlag: perfekt. Die Anschlussfurche: perfekt. Das Auspflügen des Keils: perfekt. Das

Auspflügen des Restbeetes: perfekt. Die Schlussfurche: perfekt. Alles perfekt. Selbstkritisch weist Stadelmann aber mit dem Zeigefinger auf den Anfang einer Furche und sagt: «Sehen Sie, da hatte ich kleine Fehler, und schon sieht mans. Sehen Sies? Da!» Ehrlich gesagt sehe ich überhaupt nichts anderes als Per fek­ tion. «Sie werden wohl jede freie Minute ihre Felder umpflügen, nicht wahr?» Stadel­ mann lacht gutmütig. «Erstens betreiben wir hier in diesem hügeligen Gelände nur wenig Ackerbau. Die Böden sind steinig und deshalb nur bedingt geeignet für ein gutes Training. Ich muss also immer das Land eines Kollegen weiter entfernt beanspruchen, wenn ich trainie­ ren will, und das bedeutet natürlich einen grösseren Aufwand. Und zweitens hat es gar keinen Wert, zu trainieren, wenn man nicht mindestens einen hal­ ben Tag zur Verfügung hat. Man muss dranbleiben können, gewisse Elemente nochmals und nochmals und nochmals ausprobieren. Nur so kommt man weiter, wird sicherer und damit besser.» Eine Einsicht, die gewiss nicht nur auf das Wettpflügen zutrifft. n

Eine beeindruckende Karriere Angefangen hat alles ganz simpel. Der Vater nahm den kleinen Toni mit an Pflüger­Wettkämpfe. Und irgendwann fragte ihn ein älterer Kollege: «Hättest du nicht Lust, es auch mal auszuprobie­ ren?» Toni: «Wieso nicht?» – «Ich erin­ nere mich genau: Es war ein regnerischer Tag, als ich meine ersten Versuche unter­ nahm, begleitet von einem erfahrenen Pflüger. Dieser ging neben dem Pflug her, unterstützte mich, korrigierte, half.» Offenbar mit Erfolg, denn schon als 18­Jähriger wurde Toni Achter bei der Laufentaler Ausscheidung von 22 Teil­ nehmern. 1992 gewann er diese zum ersten Mal. Der dritte Rang an der Schweizer Meis­ terschaft 2001 legitimierte ihn, an der EM in Österreich teilzunehmen, und 2003 reiste er erstmals an eine WM nach Kanada. Es resultierte ein sehr beachtli­ cher 8. Rang. In Neuseeland lief es den beiden Schweizern übrigens etwas we­ niger gut. Ulrich wurde Dreizehnter, Stadelmann Vierzehnter von 58 Teilneh­ menden. «Nebst dem Können und der

Schweizer Meisterschaft 2010: Pflügen Zürcher Traktorgeschicklichkeitsfahren Samstag/Sonntag, 21./22. August, in Wallisellen In sehr guter Erinnerung bleibt das erste Traktorenfest vom letzten Jahr im schaffhausischen Gächlingen. Auch dieses Jahr wird es ein eindrückliches Trak­ torenfest geben, das sowohl die Schweizer Wettpflüger als auch die Teilnehmen­ den am Zürcher Traktorgeschicklichkeitsfahren vereint. Samstag, 21. August 2010 ab 9 Uhr Traktorgeschicklichkeitsfahren für jedermann 11 Uhr Start Kantonalmeisterschaft im Wettpflügen 13 Uhr Trainingspflügen für Schweizer Meisterschaft ab 18 Uhr folgen Festrede, Rangverkündigung sowie Fest­ und Barbetrieb Sonntag, 22. August 2010 9 Uhr Start Kantonalmeisterschaft im Traktorgeschicklichkeitsfahren 10 Uhr Prämierung geschmückter Traktoren 11 Uhr Start Wettpflügen Schweizer Meisterschaft 12.20 Uhr Schweizer Meisterschaft Wettpflügen 2. Teil 15 Uhr Ende Schweizer Meisterschaft Wettpflügen ab 16.30 Uhr Festrede Rangverkündigung Geschicklichkeitsfahren und Schweizer Meisterschaft TGF Rangverkündigung Schweizer Meisterschaft

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SVLT ASETA

Kurszentrum Riniken, Herbstkurse Tel. 056 441 20 22, info@agrartechnik.ch (in Klammern: Preise für Nichtmitglieder)

n e n a l p t Jetz und anmelden

Werkstattlehrgang K25 15. November bis 17. Dezember 2010 Der Werkstattlehrgang K25 im Kurszentrum des schweizeri­ schen Verbandes für Landtechnik bedeutet eine umfassende Aus­ und Weiterbildung in Schweisstechnik, Metallkonstruktion sowie Wartungs­ und Reparaturdienst. Das Know­how, das sich die Teilnehmenden im fünfwöchigen Kurs zu eigen machen, zahlt sich insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aus. Nebst der gründlichen Ausbildung mit viel praktischer Schulung mag dies mit ein Grund gewesen sein für das sehr grosse Interesse am Kurs in der letzten Saison. Der Kurs kostet für SVLT­Mitglieder CHF 2300.– (Nichtmitglieder CHF 2500.–). Der K25 gliedert sich in acht Kursmodule, die zum Teil auch einzeln belegt werden können: • Elektroschweissen und MAG-Schutzgasschweissen •  Autogenschweissen, -schneiden und -hartlöten  •  Metallkonstruktion nach eigenem Bedarf anfertigen  •   Bremsen, Beleuchtungen instand stellen und Schweisstechnik  bei Aufbauten und Konstruktionen anwenden •   Gelenkwellen, Bodenbearbeitungs-, Futtererntemaschinen  und andere Geräte warten und reparieren •  Dieselmotoren warten und reparieren •  Traktoren, Hoflader warten und reparieren •  Fahrzeugelektrik reparieren und nachrüsten  Zum K25 gibt es beim Zentralsekretariat einen ausführlichen Kursbeschrieb.

Schweissen Schutzgasschweissen SMS 2 Tage, CHF 580.– (780.–) MAG-Schweissen an Profilen von 3–8 mm und Blechen von 1–2 mm, in verschiedenen Positionen. Kenntnisse über Metalle, Drahtelektroden und Schutzgase. 7.–8.9.2010; 28.–29.10.2010 Elektrodenschweissen SES 2 Tage, CHF 580.– (780.–) Stahl in verschiedenen Stärken und Positionen schweissen. Kenntnisse über Metalle, Elektroden und Hartauftragschweissen. 10.–11.11.2010

Kommunalbetrieb und Gartenbau Unterhalt und Reparatur von Maschinen mit 2 Tage, CHF 430.– (630.–) Hydraulikanlagen MHR  Wartung der Hydraulikanlage an Minibagger, Radlader, Raupendumper. Gelenklager in Ausleger und Ladeschwinge ersetzen. Zylinder und Leitungen reparieren. Öllecks abdichten. Wartungsarbeiten am Motor. 19.–20.10.2010 Unterhalt von Motorsensen, Kettensägen und 1 Tag, CHF 235.– (335.–) Heckenscheren MGK  Wartungsarbeiten am Motor. Pflege von Antriebswelle und Schwert. Schärfen der Kette, Mähscheibe, Heckenschere. Störungen beheben. Stilllegung für die Winterpause. 1.9.2010; 26.10.2010 Unterhalt von Motorgeräten 1 Tag, CHF 235.– (335.–) mit 4-Takt-Motoren MRG  Wartungsarbeiten an Benzin- und Dieselmotoren, Rasenmäher, Rasentraktor, Bodenfräse. Messer schärfen. Kommunalmähbalken einstellen. Störungen beheben. Stilllegung für die Winterpause. 3.9.2010; 21.10.2010

Elektrik und Beleuchtung Fahrzeugelektrik EFZ  1 Tag, CHF 235.– (335.–) Anhängerbeleuchtung nachrüsten und instand setzen, Richtungsanzeiger und Lichtanlage am Traktor reparieren. Störungen an Anlasser und Vorglühanlage beheben. 16.9.2010

Kursanmeldung Kurstyp (Buchstabenfolge) Kursdatum

Mitglied-Nr.

Name

Oldtimer restaurieren Traktoren und Einachser TOZ  5 Tage, CHF 950.– (1150.–) Einstell- und Abdichtarbeiten an Motor und Getriebe. Reparaturarbeiten an Vorderachse, Lenkung und Bremse. Elektrische Anlage und Beleuchtung instand stellen. 1.–5.11.2010

 Zu reparierende Maschinen unbedingt mitbringen (auf

Adresse PLZ, Ort Telefon

Fax

E-Mail Datum und Unterschrift q Ich will von den Tarifen für Mitglieder profitieren und werde Mitglied q Ich bringe folgende Maschinen, Geräte mit zum Kurs:

Anmeldetalon vermerken)

Einsenden oder faxen an SVLT, Ausserdorfstrasse 31, 5223 Riniken, Telefon 056 441 20 22, Fax 056 441 67 31


SVLT n Fahrkurs G40 Der Fahrkurs G40 umfasst 20 Lektionen verteilt auf zwei Tage. Er kann nach bestandener Führerprüfung Kat F/G besucht werden und berechtigt zum Lenken von landwirt­ schaftlich eingelösten Fahrzeugen. Für den ersten Kurstag braucht es einen Traktor (30 oder 40 km/h) mit Fahrer­ schutz. Im Funkkontakt mit dem Instruktor (Lastwagen­ fahrlehrer) erhält man durch die intensive Fahrschulung mehr Routine und Sicherheit im Strassenverkehr. Am zweiten Kurstag kommt die Fahrschulung und das Manö­ vrieren mit einem Anhänger hinzu.

Mélanie: «Wir sind viel gefahren; das fand ich gut». (Bild: Peter Belart)

G40: Mélanie Stadler erinnert sich Vor knapp sechs Jahren hat Melanie Stadler vom Menziker Kasernhof den G40-Kurs in Riniken absolviert. Die Schweizer Landtechnik wollte wissen, was ihr davon in Erinnerung geblieben ist, und wie sie den Kurs aus zeitlicher Distanz einschätzt.

Peter Belart

Sie ist erfrischend unkompliziert. Strahlend streckt sie die Hand entgegen und bittet den Gast in die Stube. Während die Mutter in der Küche das Mittagessen zubereitet, versucht sich Melanie zu erinnern: «Ich stand damals mitten in der Berufsausbildung zur Landwirtin. Mein zweites Lehrjahr sollte ich auf dem Bäch­ lihof der Familie Käser in Oberflachs AG absolvieren.» Ihr zu­ künftiger Lehrmeister, Stefan Käser, wies sie darauf hin, dass er in seinem Betrieb einen 40er­Traktor habe. «Den kannst du nur fahren, wenn du den G40­Kurs absolviert hast», habe er gesagt, und fügt lachend an: «Weil wir in unserem eigenen Betrieb ebenfalls vor der Beschaffung eines solchen Traktors standen, hatte ich mich schnell entschlossen. Ich meldete mich sofort an und besuchte den Kurs in den Ferien.»

mit angekuppeltem Anhänger absolvierten. «Wir verbesserten unsere Fahrtechnik und lernten so elementare Dinge wie die Bedeutung des Bremswegs kennen.» Einen Einwand hat Me­ lanie: «Meiner Meinung nach wäre es wichtig gewesen, nicht nur mit leerem, sondern auch mit beladenem Anhänger zu fahren. Das Verhalten des ganzen Gefährts ist ja nochmals anders, wenn ein grosses Gewicht zu bewegen ist.»

Grosse Verantwortung Auf dem Bächlihof wurde ihr dann der schwere Traktor tat­ sächlich anvertraut. Melanie frischte die Theorie nochmals auf und gab sich Rechenschaft darüber, wie die Maschine reagiert, insbesondere beim Bremsen. Und noch etwas: «Mir ging in Riniken auf, wie gross die Verantwortung ist, die ich bei der Arbeit mit diesem Gerät habe.» Dieses Bewusstsein hält Mela­ nie denn auch für etwas vom Wichtigsten, das sie damals ge­ lernt hat. Und so erstaunt es nicht, wenn sie sagt: «Ich würde aus der Rückschau jedem und jeder Jugendlichen empfehlen, einen G40­Kurs zu besuchen, wenn er oder sie in der Land­ wirtschaft tätig sein möchte. Meine Erinnerungen daran sind zwar nicht mehr allzu differenziert, aber durchaus positiv.» Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung ist Melanie nun längst wieder zu Hause auf dem Kasernhof. Gegenwärtig betätigt sie sich schwerpunktmässig mit Kindern im Vorschulalter. Als Spielgruppenleiterin bringt sie ihnen die Tiere, die Pflanzen und die ganzen Vorgänge auf dem Bauernhof näher. Trotzdem hat sie das Interesse an der Technik keineswegs verloren. Beim Abschied sagt sie: «Eigentlich möchte ich schon gern wissen, ob das Kursprogramm noch gleich aussieht wie damals.» n

Nur mit leerem Anhänger Am ersten Kurstag ging es um die Beherrschung der Maschine. «Mir gefiel das sehr gut. Das Praktische hatte einen grossen Stellenwert, und so kamen wir viel zum Fahren.» Desgleichen am zweiten Tag, als die Kursteilnehmer ihre Übungen zusätzlich * Peter Belart ist freischaffender Mitarbeiter bei der Schweizer Landtechnik

Wer den G40-Fahrkurs erfolgreich besucht hat, erhält von den Vaudoise Versicherungen einen Gutschein im Wert von CHF 100.– (Gültigkeitsdauer zwei Jahre). Dieser kann beim Abschluss einer Motorfahrzeughaftpflichtversicherung für sich selbst oder für ein Familienmitglied im gleichen Haushalt eingelöst werden.

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n Fahrkurs G40: Saison 2010

Bereichsleiter Weiterbildung

SVLT / ASETA 056 441 20 22

Kursorte und Kursdaten 2010 (Neuer Kursort: Sursee)

Aarberg BE 09.07 + 13.07 13.08 + 19.08 26.08 + 31.08 Bazenheid SG 05.08 + 10.08 11.11 + 16.11 Biberbrugg SZ 24.06 + 28.06 07.10 + 12.10 Brunegg AG 24.06 + 29.06 23.09 + 28.09 12.08 + 17.08 21.10 + 26.10 Bülach ZH 01.07 + 06.07 04.11 + 09.11 Bulle FR 22.07 + 27.07 21.10 + 26.10 26.08 + 31.08 04.11 + 09.11 09.09 + 14.09 Claro TI 22.10 + 25.10 Corcelles-près-Payerne VD 05.08 + 09.08 07.10 + 11.10 Courtételle JU 08.07 + 13.07 28.10 + 02.11 09.09 + 14.09 Düdingen FR 26.08 + 31.08 04.11 + 09.11 Frauenfeld TG 01.07 + 06.07 23.09 + 28.09 15.07 + 20.07 14.10 + 19.10 05.08 + 10.08 04.11 + 09.11 Gossau ZH 22.07 + 27.07 28.10 + 02.11 23.09 + 28.09 Hohenrain LU 10.08 + 16.08 Ilanz GR 08.07 + 13.07 09.09 + 14.09 Interlaken BE 12.08 + 17.08 Kägiswil OW 14.10 + 19.10 La Sarraz VD 24.06 + 29.06 16.09 + 21.09 26.08 + 30.08 11.11 + 16.11 Landquart GR 12.08 + 17.08 14.10 + 19.10 09.09 + 14.09 Langnau i.E. BE 29.07 + 03.08 16.09 + 21.09 05.08 + 10.08 14.10 + 19.10 26.08 + 31.08 Les Hauts-Geneveys NE 29.07 + 03.08 02.09 + 07.09 Lindau ZH 22.07 + 27.07 21.10 + 26.10 26.08 + 31.08 Lyss BE 15.09 + 22.09 21.10 + 26.10

SVLT n

Lyssach BE 02.09 + 07.09 23.9 + 28.09 09.09 + 14.09 21.10 + 26.10 Marthalen ZH 24.06 + 29.06 12.08 + 17.08 15.07 + 20.07 Mettmenstetten ZH 22.07 + 27.07 21.10 + 26.10 10.08 + 18.08 Moudon VD 19.08 + 24.08 28.10 + 01.11 16.09 + 23.09 Niederurnen GL 24.06 + 29.06 30.09 + 05.10 08.07 + 13.07 Nyon VD 02.09 + 07.09 18.11 + 23.11 Oensingen 15.07 + 20.07 07.10 + 12.10 26.08 + 31.08 Saanen BE 07.10 + 12.10 Salez SG 26.08 + 31.08 21.10 + 26.10 Schöftland AG 02.09 + 07.09 Schwarzenburg BE 13.07 + 21.07 19.10 + 25.10 12.08 + 17.08 04.11 + 09.11 16.09 + 21.09 Schwyz 01.07 + 06.07 23.09 + 28.09 Sion VS 01.07 + 06.07 Sissach BL 01.07 + 06.07 16.09 + 21.09 19.08 + 24.08 28.10 + 02.11 Sitterdorf TG 07.07 + 12.07 19.08 + 24.08 08.07 + 13.07 30.09 + 05.10 29.07 + 03.08 Sursee LU 08.07 + 13.07 28.10 + 02.11 16.09 + 21.09 04.11 + 09.11 Tramelan JU 24.06 + 29.06 15.07 + 20.07 Tuggen SZ 20.07 + 29.07 14.10 + 19.10 11.08 + 17.08 Visp VS 07.07 + 14.07 Willisau LU 15.07 + 20.07 09.09 + 14.09 Zweisimmen BE 22.07 + 27.07 19.08 + 24.08 Zwingen BL 16.09 + 21.09

Weiterbildungsangebote sind ein Kern­ geschäft des SVLT. Insbesondere haben die Werkstattkurse an den beiden Kurs­ zentren in Riniken und in Grange­Verney eine langjährige Tradition. Seit zwölf Jahren führt der SVLT nun auch die be­ währten G40­Fahrkurse durch, in denen jugendliche Lenkerinnen und Lenker eine intensive Schulung und Fahrpraxis auf Franz Nietlispach. landwirtschaftlichen Traktoren mit und ohne Anhänger erhalten. Für die dezentral durchgeführten Kurse sind speziell ausgebildete Lastwagenfahrlehrer zustän­ dig, für die Administration und Qualitätssicherung in den Kursen das SVLT­Zentralsekretariat. Um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden und weitere zertifizierte Kursangebote zum Beispiel im Rahmen der Chauffeurenzulassungsverordnung (CZV) anbieten zu können, hat der SVLT eine neue Stelle «Bereichsleiter Weiterbildung» geschaffen. In dieser Funktion hat Franz Nietlispach (48), Busslingen AG, im Zentralsekretariat Anfang Mai seine Tätigkeit aufgenommen. Franz Nietlispach wird sich beim SVLT speziell mit der Pflege des G40­Fahrkursangebotes befassen und im Weitern vor­ dringlich die Neuauflage der CZV Kurse des SVLT an die Hand nehmen. Weitere Kursangebote im landwirtschaftlichen Um­ feld sind in Bearbeitung. Wir heissen Franz Nietlispach im Team des SVLT­Zentralsekre­ tariates herzlich willkommen. Max Binder, Zentralpräsident Willi von Atzigen, Direktor n

Unterstützt durch den Fonds für Verkehrssicherheit

Kursgebühr: CHF 550.–, abzüglich Rückerstattung von CHF 100.– durch den Fonds für Verkehrssicherheit.

Anmeldung Fahrkurs G40 Kursort

Kursdatum

Name/Vorname Geburtsdatum Adresse PLZ, Wohnort Telefon Ich habe von den Teilnahmebedingungen Kenntnis genommen. Datum und Unterschrift Unterschrift der Eltern oder des Lehrmeisters Einsenden an: SVLT, Postfach, 5223 Riniken, Telefon 056 441 20 22, Fax 056 441 67 31, E-Mail: info@agrartechnik.ch

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n Feldtechnik

Kreiselzettwender: Zwei Finger breit Abstand vom Boden sichert sauber gewendetes Futter. (Fotos: Ueli Zweifel)

Raufuttersilage: Qualität und Quantität Die Holländer sind bekannt für ihren intensiven Futterbau, abgestimmt auf eine nicht weniger intensive Milchproduktion. Deshalb lud der Futtererntespezialist Krone die Fachpresse auf einen Betrieb in Lievelde in der holländischen Provinz Gelderland ein. Thema der Veranstaltung: Verbesserung von Futterqualität und Futterquantität durch professionellen Maschineneinsatz.

Ueli Zweifel

Zwar rennt man mit der Botschaft auf jedem fortschrittlichen Schweizer Milch­ wirtschaftsbetrieb offene Türen ein, es sei besonders wirtschaftlich und mit Blick auf den Wiederkäuermagen auch physiologisch sinnvoll, möglichst viel Milch aus dem Grundfutter zu produzie­ ren. Doch kann man dies nicht genug betonen, weil die Futterkosten an den Produktionskosten ein wesentlicher Faktor sind.

Beste Futterqualität Die Futterbauspezialistin Christine Kal­ zendorf von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wies auf die Bedeutung

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Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

des optimalen Schnittzeitpunktes hin und belegte anhand zahlreicher Unter­ suchungen und Beobachtungen, dass angewelktes Futter häufig nicht etwa zu nass sondern vielmehr zu trocken ein­ siliert werde. Damit verzögert sich eine rasche und vollständige Milchsäurever­ gärung. Eine wichtige Massnahme gegen Futter­ verschmutzungen ist im Weiteren die Wahl der richtigen Schnitthöhe. «Wider besseres Wissen» werde oft zu tief ge­ mäht. Zwar kann man dann im Augen­ blick mit einer etwas grösseren Futter­ masse rechnen. Eine Faustzahl besagt, dass man pro Zentimeter Schnitthöhe im dichten Bestand pro Hektare mit einer Dezitonne Trockenmasse rechnen kann. Demgegenüber steht die längere Phase,

die verstreicht, bis die Gräser nach dem Schnitt wieder austreiben. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich im lückigen Bestand Unkräuter breit machen. Verschmutzun­ gen beeinträchtigen den Gärverlauf, was zu unerwünschter Bildung von Essig­ und sogar Buttersäure führt. Infolge dessen nehmen Bekömmlichkeit und Geschmack der Silage ab.

Technikeinsatz Die Technik bietet viele Möglichkeiten, um das angewelkte Futter bei idealem Trockenmassegehalt (zwischen 22 und 25%) einzusilieren. Dabei hat die Leis­ tungsfähigkeit der Maschinen in den letzten Jahren enorm zugenommen, was der Vergrösserung der Betriebe, der Er­ ledigung der Mäharbeit durch Lohnun­


Einfluss des Futter-Werbeverfahrens auf den Trocknungsverlauf

Richtig eingestellte Futtererntetechnik Wegen der Verschmutzungsgefahr und des verzögerten Nachwachsen ist man gut beraten, das oder die Mähwerke eher hoch, d.h. auf ca. 7 cm Schnitthöhe, einzustellen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Messer geschärft und intakt sind, weil damit der Kraftaufwand für das Mähen sinkt und die Gräser dank sauberer Schnittfläche rasch wieder aus­ treiben. Die Sorgfaltspflicht setzt sich bei der Heuwerbung mit dem richtigen Einstell­ winkel der Kreisel und einem zwei Finger

Big M400 mit Trippelmähwerksaufbereiter zeigt die Möglichkeit der Teilbreitablage des Futters. Es sei vermerkt, dass der Futterauf­ wuchs anlässlich der Demonstration schwach war, weil es zu wenig geregnet hatte.

Einfluss des Futter-Werbeverfahrens auf den Trocknungsverlauf Einfluss des Futter-Werbeverfahrens auf den Trocknungsverlauf

28 24

28 22 26 20

Tag 1 ca. 10.00 Uhr Tag 1 ca. 15.00 Uhr

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Schwaden Mähaufbereiter + Trockensubstanz % Teilbreitabalge / Mähaufbereiter + Schwaden Teilbreitabalge /

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breiten Abstand zum Boden fort. Der Einstellwinkel, so man ihn denn verstellt, ist bei grünem Futter und grosser Masse grösser als bei schon angewelktem Fut­ ter, das zu Belüftungs­ oder Bodenheu werden soll. Während die Mäharbeit mit hoher Ge­ schwindigkeit bis 20 km/h erfolgt, ist das Kreiseln und Schwaden ein delikates Geschäft, bei dem die beschauliche Ar­ beitsintensität einem strukturreichen Futter mit hohem Blattanteil förderlich ist. Weil die Mähgeschwindigkeit rund dreimal so hoch ist wie die Vorwärtsge­ schwindigkeit beim Zetten, soll im Sinne der gleichmässigen Abtrocknung und Breitablage des Futters der Kreiselzett­ wender im Prinzip dreimal so breit sein wie das Mähwerk. Die ähnlich grosse Flächenleistung ist im Verbund der über­ betrieblichen Mechanisierung übrigens auch aus arbeitswirtschaftlicher Sicht wichtig. Gleiches gilt natürlich auch für den Schwadereinsatz, der sich an die Leis­ tungsfähigkeit der Erntemaschine wie Häcksler, Ladewagen oder Ballenpresse messen und zudem seine Arbeit im Lichte des gleich bleibenden optimalen Trockenmasseanteils über die ganze Fläche in relativ kurzer Zeit erledigen soll. In logischer Konsequenz sind die Dop­ pelkreiselschwader auf den Markt ge­ kommen, die beim Grossflächeneinsatz (im Ausland) inzwischen Vierkreisel­ schwadern und noch grösseren Geräten Platz machen. Während man bei Getreide, Mais und Hackfrüchten den Ertrag ohne Um­ schweife ermitteln kann, ist dies für eine Futterfläche erstaunlicherweise sehr viel weniger klar, trotz des hohen Anteils der Raufutterkosten an den gesamten Pro­ duktionskosten. Es lohnt sich in jedem

Tag 1 ca. 15.00 Uhr

Mähaufbereiter + Direktschwadablage

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Tag 1 ca. 10.00 Uhr

Mähaufbereiter + Breitverteilung / Schwaden

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Schwaden Mähwerk ohne Mähaufbereiter + Aufbereiter / Direktschwadablage Schwaden Mähaufbereiter + Direktschwadablage Mähwerk ohne Aufbereiter / Wenden / Schwaden

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Wenden / Schwaden Mähaufbereiter + Breitverteilung / Mähaufbereiter + Schwaden Breitverteilung /

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Schwaden Mähwerk ohne Aufbereiter / Mähwerk ohne Wenden / Schwaden Aufbereiter /

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Tag 1 ca. 15.00 Uhr

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Mähwerk ohne Aufbereiter / Mähwerk ohne Schwaden Aufbereiter /

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Tag 1 ca. 10.00 Uhr

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Mähaufbereiter + Teilbreitabalge / Schwaden

Trockensubstanz %

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Trockensubstanz %

ternehmen und Maschinenringe entge­ gengekommen ist. Eine Konsequenz davon sind Mähwerks­ kombinationen mit Front­ und Seiten­ mähwerk oder sogar in «Trippelkombi­ nation» am Traktor oder am Selbstfahrer (z.B. Krone Big M), in aller Regel kombi­ niert mit einem Mähaufbereiter. Am Presse­Workshop wurden zu fünf mög­ lichen Verfahren Messungen zum Trocknungsverlauf gemacht. Die Verfah­ ren und Tendenzen des Trocknungsver­ laufs sind in der Grafik wiedergegeben. Die Kombinationsmöglichkeiten haben zum Ziel, in Abhängigkeit der Futter­ menge und Beschaffenheit sowie der Wetterbedingungen die besten Voraus­ setzungen zu schaffen, um das Futter zum Einsilieren optimal zu konditionie­ ren. Das Spektrum reicht von Breitablage über Teilbreitenablage bis zur breiten Schwadablage für die direkte Weiterver­ arbeitung mit Feldhäcksler und Ballensi­ lage und auch Ladewagen. Die Teilbreit­ ablage ist dabei ein Verfahren, das die Trippelmähwerkstechnik mit teilweise Schwad­ und teilweise Breitablage bietet.

Feldtechnik n

Fall, bei der Raufuttergewinnung höchste Sorgfalt an den Tag zu legen und die technischen Möglichkeiten auszuschöp­ fen. Für beste Futterqualität und ­quan­ tität braucht es dann immer noch etwas Wetterglück. n

Mähtod vermeiden: mähen von innen nach aussen Die Mähwerkstechnik hatte und hat namentlich durch die enorme Leis­ tungssteigerung ein veritables Prob­ lem, das man zu verdrängen geneigt ist: In steigendem Masse kommen beim Mähen Jungwild und am Boden brütende Vögel zu Schaden, weil sie die Flucht nicht ergreifen können und sich ins hohe Gras du­ cken. Beim Presse­Workshop wurde dieser Sachverhalt in offener Art und Weise als Problem angespro­ chen und anerkannt. Es gibt dage­ gen keine Patentlösung. Doch sind die einfachen Vergrämungsmetho­ den mit auffälligen Tüchern, Planen usw. dazu geeignet, dass sich die Tiere zurückziehen. Doch auf eine Gegenmassnahme wurde noch sehr deutlich hingewie­ sen. Tiere, die sich in einer zu mä­ henden Fläche aufhalten, haben eine wesentlich grössere Chance, die Flucht zu ergreifen, wenn die Mäharbeit von der Feldmitte oder von einer Seite her nach aussen er­ ledigt wird. Auf alle Fälle sollte man nicht auf einem Rundkurs von aus­ sen nach innen mähen. Ob man das kann, hängt natürlich davon ab, ob die eingesetzte Mähtechnik fahr­ richtungsunabhängig eingesetzt werden kann.

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Innovative Bauern in Diessbach Im Herbst 2009 hatten sich rund zehn Landwirte aus Diessbach und der näheren Umgebung zusammen geschlossen und sich für den Kauf zweier Güllefässer mit Schleppschlauchverteiler entschieden. Die

innovativen Landwirte entschieden sich für zwei identische Fässer der Marke AGRAR. Die beiden Vakuumfässer haben einen Inhalt von je 8000 Liter und sind mit einer bodenschonenden grossen Bereifung und einem Tandemfahrwerk (Nachlaufgelenkt) ausgerüstet. Weiter sind die Fässer mit einer Deichselfederung/ Knickdeichsel, Luftrührwerk und viel weiterem Zubehör ausgerüstet. Das Zentrale ist jedoch der neun Meter breite AGRAR-Schleppschlauchverteiler mit dem Verteilkopf von Vogelsang mit 30 Abgängen. Die beiden Fässer entsprechen den Boden-

schutzrichtlinien des Kantons Bern und sind für das Förderprogramm zugelassen. Beim Kaufentscheid für die zwei Fässer der GVS Agrar AG standen sicher die grosse Erfahrung der Marke AGRAR in der Güllentechnik sowie die Langlebigkeit der AGRAR-Fässer im Vordergrund. Zudem zeichnen sich die Fässer durch ihre Kompaktheit und die durchdachten Konstruktion aus, so Hansueli Baumann aus Diessbach. Weiter überzeugte uns die bedienerfreundliche Fass- und Schleppschlauchsteuerung die für jedermann leicht verständlich ist, so Baumann weiter. Die beiden AGRAR Vakuumfässer wurden Mitte März in Betrieb genommen. Mit einer praktischen Einführung durch den Händler und das Verkaufspersonal der GVS Agrar AG übernahmen die Landwirte der Güllenfassgemeinschaft oberes Bürenamt die beiden Fässer.

GVS Agrar AG Land- u. Kommunalmaschinen Im Majorenacker 11 8207 Schaffhausen SH Tel. 052 631 19 00 Fax 052 631 19 29 info@gvs-agrar.ch www.gvs-agrar.ch


Dossier n

20 Jahre Streifenfrässaatclub – mit Lohnunternehmer Schweiz zu neuen Horizonten Dienstag, 22. Juni 2010, 11.30–16.30 Uhr Firma Althaus AG, Ersigen BE Anmeldung sofort: bei Althaus AG, Ersigen Telefon 034 448 80 00 oder info@althaus.ch

11.30 Uhr Mittagessen (CHF 15.–) und Begrüssung durch die Firma Althaus 13.00 Uhr Referate •   Streifenfrässaat gestern–heute–morgen:  20 Jahre   •   Strip-Till: Streifenlockerung in 2 Durchgängen   •  Streifenfrässaat im Raps 15.00 Uhr Besichtigungen   •   Streifenfrässaatkombinationen:  Neue Oekosem­4   •  Bodenstruktur: Schlüssel zum Erfolg   •  Pflanzenschutz und Düngung   •  Ressourcenprogramm Kanton Bern

Lohnunternehmer Schweiz

Das Dossier wurde auf Initiative der Schweizer Landtechnik mit Unterstützung von Thomas Anken, Forschungsanstalt Agro­ scope ART Tänikon, zusammengestellt.

Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

I


n Dossier

Streifenfrässaat: keine Erosion, tragfähiger Boden, hohe Erträge.

20 Jahre Streifenfrässaatclub – 20 Jahre der Zusammenarbeit Der Erfinder und Konstrukteur Walter Witzig aus Feldbach ZH prägte die Entwicklung der Streifenfrässaat als neues Verfahren im Maisanbau. Seit den Anfängen hat sich das Verfahren stark weiterentwickelt und nimmt heute einen festen Platz unter den Maisanbauverfahren ein. Für viele war die Streifenfrässaat wegweisend für den effizienten und bodenschonenden Ackerbau.

Thomas Anken, Christian Bohren*

«Mais, der Bodenkiller schlechthin» war ein Schlagwort, das Ende der 1980er­ Jahre die Medien bewegte. Bodenero­ sion, hohe Atrazin­ und Nitratgehalte in Gewässern, resistente Unkräuter und Optimierung der Arbeitsabläufe waren Probleme des Maisanbaus, die es zu lösen galt. In diesem Umfeld entwickelte * Thomas Anken, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz­Tänikon ART, Tänikon, 8356 Ettenhausen Christian Bohren, Forschungsanstalt Agroscope Changins­Wädenswil ACW, Changins, 1260 Nyon

II

Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

Walter Witzig in Feldbach ZH die Idee zur Streifenfrässaat parallel zu anderen findigen Köpfen wie Hans Stierli vom städtischen Gutsbetrieb Juchhof Zürich.

Starke technische Entwicklung Was ursprünglich mit zwei getrennten Arbeitsgängen, dem Fräsen und Säen, begann, wurde später mit grossen ar­ beitswirtschaftlichen Vorteilen in einer Bestellkombination vereinigt. Zahlreiche Details wurden im Verlaufe der Zeit verfeinert. Bald wurde klar, dass sich verdichtete, vernässte Böden schlecht für die Strei­ fenfrässaat eignen und eine intakte Bo­ denstruktur eine wichtige Voraussetzung für das gute Gelingen der Streifenfräs­

saat ist. Schonendes Befahren der Böden mit grossvolumigen Reifen und tiefen Luftdrücken erwies sich als wichtig. Auf Flächen, auf denen heute vollwertige Erträge mit über 10 Tonnen Körnermais geerntet werden, musste man in den Anfängen wegen Bodenverdichtungen wohl gegen 50 Prozent Ertragsausfälle hinnehmen.

Die Herbologie entwickelte sich stark Auf die Unkrautspezialisten kam Anfang der 1990er­Jahre keine leichte Aufgabe zu. Die Maissaat in zuvor abgeerntetes Grünland führte in den Saatreihen zu gelblich verfärbten und und schwachen


Dossier n

Bodenverdichtungen können empfindliche Ertragsausfälle bewirken.

Pflänzchen, während daneben die Na­ turwiese kräftig weiterwuchs. Doch die Qualität der Bodenbearbeitung verbes­ serte sich. Ins gefräste Band wurden Handelsdünger eingearbeitet und auf Streifenfräselemente Bandspritzaggrega­ te montiert. Mit Nachauflaufherbiziden gegen Gräser wurden die Voraussetzun­ gen geschaffen, um effiziente Unkraut­ bekämpfungsstrategien und Methoden für die Lenkung der Grünbedeckung zu entwickeln. Es galt, genügend wirksame und verträgliche Herbizide zu finden und diese richtig einzusetzen. Neue Wirk­ stoffe aus der Familie der Sulfonylharn­ stoffe erwiesen sich als sehr wirksam gegen die lästigen Raigräser. Diese

«Lohnunternehmer Schweiz»: Synergien nutzen: «Von Profis für Profis»

Streifenfrässaatclub und Lohnunternehmer Schweiz – ein starkes Duo

Oft sind es die Lohnunternehmer, die im landwirtschaftlichen Umfeld den techni­ schen Fortschritt vorantreiben. Zu Letzte­ rem gehören gewiss die Pioniere der Streifenfrässaattechnik als Antwort auf akute Bodenverdichtungs­ und Erosions­ probleme in der Maiskultur. Sie haben bis dato den Informationsaustausch im losen «Club für Streifenfrässaat» gepflegt und sind nunmehr willkommene Gäste und Mitglieder bei «Lohnunternehmer Schweiz». Formell hat die diesjährige Ge­ neralversammlung einstimmig einen ent­ sprechenden Be­ schluss gefasst. Die Mais­Streifen­ frässaat leistet einen wesentlichen Bei­ trag zum nachhalti­ gen Schutz des Bo­ dens und eröffnet durch die minimale Bodenbearbeitung grosse wirtschaftli­ Fritz Hirter, che Vorteile. «Von Bauern für Präsident Lohn­ Bauern – Erfolgsge­ unternehmer schichten für eine Schweiz und schonende Boden­ Mitglied des nutzung» heisst die SVLT­Geschäfts­ DVD, die man bei ausschusses. Agridea bestellen kann. «Von Profis für Profis» heisst die In­ tegration des Streifenfrässaatclubs in Lohnunternehmer Schweiz.

Der hohe Entwicklungsstand der Streifen­ frässaat, der in den vergangenen 20 Jahren erreicht worden ist, resultiert aus einer in­ tensiven Zusam­ menarbeit auf allen Stufen. Maschinen­ konstrukteure, Her­ b o l o g e n, D ü n ­ gungsfachleute und vor allem der inten­ sive Erfahrungsaus­ tausch zwischen den Lohnunterneh­ Thomas Anken, mern hat das Ver­ Verfahrenstechnik fahren zum Erfolg und Geräte im geführt. Die Integ­ Ackerbau, Agro­ ration des Streifen­ scope ART. Er ist frässaatclubs bei Hauptinitiant der «Lohnunternehmen Integration des Schweiz» stellt den Streifenfrässaat­ intensiven Erfah­ clubs bei «Lohn­ rungsaustausch für unternehmer die Zukunft in idea­ Schweiz». ler Weise sicher. Gemeinsam wollen wir die Streifenfrässaat und andere Bodenbearbeitungsverfahren weiterentwickeln. In Anbetracht der künf­ tig zu erwartenden Ressourcenverteuerun­ gen in den Bereichen Energie und Dünge­ mittel sind wir alle gefordert, mit weniger Input hohe und stabile Erträge zu erzielen. Die durch den Klimawandel vermehrt zu erwartenden extremen Witterungsereig­ nisse stellen eine zusätzliche Herausforde­ rung dar. Thomas Anken

wurden anfänglich oft zu spät bekämpft, sodass sie durch ihre Konkurrenz hohe Ertragsausfälle verursachten. Mehrmaliges Mulchen nach der Saat zwischen den Maisreihen erwies sich als teuer und stellte sehr hohe Ansprüche an den Traktorfahrer. Die beiden Haupt­ gründe für das weitgehende Verschwin­ den des Mulchens zwischen den Reihen sind der hohe Wasserverbrauch der Zwischenbegrünung und der rasche Wiederaufwuchs der Raigräser.

wurden von diesen kreativen Köpfen weiterentwickelt, in der Praxis umgesetzt und dann weiterverbreitet. Ohne diese Offenheit und die Begeisterung hätte die Streifenfrässaat nie ihren heutigen hohen Stand erreicht.

Praxis und Forschung Hand in Hand

Der Streifenfrässaatclub fördert den Erfahrungsaustausch.

Die regelmässigen Treffen des Streifen­ frässaatclubs bieten, damals initiiert von Hansueli Ammon von der Forschungsan­ stalt Reckenholz, eine wichtige Plattform für den Erfahrungsaustausch aller Inter­ essierten. Die Kooperation zwischen Forschung und Praxis führte zu manch kreativer Lösung. Den Erfahrungsaus­ tausch unter den Lohnunternehmern gilt es besonders hervorzuheben. Viele Ideen und Details aus Forschung und Praxis

Streifenfrässaat ist Türöffner Die Streifenfrässaat diente vielen Lohn­ unternehmern und Betriebsleitern als Türöffner zur Mulch­ und Direktsaat. Das grundlegende Wissen dieses Verfah­ rens ist problemlos auf andere Kulturen wie Getreide, Raps und Zuckerrüben übertragbar. Es erstaunt deshalb nicht, dass in vielen Lohnunternehmen nebst Streifenfräsen auch Mulchsaatkombina­ tionen und Direktsämaschinen anzutref­ fen sind. Die Entwicklung ist nach 20 Jahren keineswegs abgeschlossen, sie beginnt erst. Es warten noch über 50 Prozent der Ackerfläche auf boden­ schonende und kostensparende Anbau­ verfahren! n

Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

III


n Dossier

Vier Inputs zur Streifenfrässaat Gute Bodenstruktur verlangt Aufmerksamkeit Unsere Ackerböden entwickelten sich während Jahrtausenden aus Gestein und organischer Substanz zu belebten Natur­ räumen. Pflanzen und unzählige Orga­ nismen können diesen Lebensraum nur bei intakter Bodenstruktur optimal nutzen. Ein guter Ackerboden sollte: •  tiefgründig  sein,  d.h.  einen  grossen  Wurzelraum haben, um viel Nieder­ schlagswasser und Nährstoffe zu speichern und den Pflanzen abgeben zu können; •   eine für Wasser und Luft durchgängige  poröse Bodenstruktur aufweisen, damit einerseits Niederschlagswasser einsickern kann und andererseits Wurzeln und Bodenlebewesen mit genügend Sauerstoff versorgt wer­ den. Wie ein Ackerboden strukturiert ist, hängt hauptsächlich ab von seinem Ton­

und Humusgehalt, der Witterung und der Bewirtschaftung. Eine stark geschä­ digte Bodenstruktur äussert sich fast immer in vermindertem Pflanzenwuchs und in Ertragsausfällen. Um eine intakte Bodenstruktur zu erhalten, gilt es Belas­ tungen durch Befahren und Bearbeiten zu minimieren. Auf Ackerböden können Anbautechniken wie Streifenfräs­ oder Direktsaat einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. n Urs Zihlmann, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz­Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich Die Spatenprobe zeigts: Bei regelmässig gepflügten lehmigen Böden ist zwischen dem Ober­ und dem Unterboden oftmals eine gräulich gefärbte, verdichtete Zone erkennbar (hier zwischen 23 und 30 cm), welche die Wassersickerung, den Luft­ austausch und die Tiefenwurzelung behindert.

Pflanzenschutz und Düngung Neben der gekonnten Fräsarbeit, Saat und Düngung stellt die Regulierung des Bewuchses den wichtigsten Baustein der Streifenfrässaat dar. Die zeit­ und sach­ gerechte Ausführung bedingt für die Unkrautregulierung ein gutes Fachwissen und viel Erfahrung. •  Glyphosat  mit  wenig  Wasser  (ca.  100 l/ha) direkt auf Stoppeln bis max. 2–3 Tage nach dem Schnitt spritzen. Sind die Stoppeln vernarbt, dann ist abzuwarten, bis das Gras ca. 8–10 cm nachgeschossen ist. •   Die Verunkrautung ist im Nachauflauf  frühzeitig bei Grashöhe 8–10 cm konsequent zu regulieren. •   Düngung zur Saat gehört zum System.  30–50 kg N in Form von Harnstoff oder Mg­Ammonsalpeter ausbringen.

IV

Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

Einsatz von P (Mischdünger) ist in gut versorgten Böden grundsätzlich nicht notwendig. •  Gülle kann gut nach der Saat ausge­ bracht werden und eignet sich bes­ tens. Mist entweder vor der Saat oder danach streuen. n Tipps der Lohnunternehmer J. Berweger, Eschlikon, J. Krummenacher, Dietwil

Reihendüngung und Bandspritzung sind wesentliche Pfeiler der Streifenfrässaat.


Dossier n

Dem Boden nicht zu viel Druck aufsetzen Eine intakte, verdichtungsfreie Boden­ struktur ist Voraussetzung, wenn Syste­ me mit minimaler Bodenbearbeitung funktionieren sollen. Der Kanton Bern verlangt deshalb im Rahmen seines «Förderprogrammes Boden» eine redu­ zierte Druckbelastung des Bodens beim Güllen. Die steigenden Radlasten und unange­ passte Bereifungen überfordern den Boden zunehmend. Im «Förderpro­ gramm Boden» wird ein maximaler

Druck von 1 bar in 15 cm Bodentiefe angestrebt, mit folgender Begründung: Bei Belastungen über 1 bar steigt das Risiko für Bodenverdichtungen stark an, und bei der konservierenden Bodenbe­ arbeitung wird der Boden nicht tiefer als 15 cm bearbeitet. Im Feld muss der Reifendruck unter 1 bar betragen, wenn man die Ziele im Förder­ programm erreichen will. Weil schnelle Strassenfahrten mit so niedrigem Reifen­ druck oft nicht zulässig sind, bietet sich

Dieses Beispiel zeigt den enormen Einfluss des Reifendrucks für einen Breitreifen mit 4 Tonnen Radlast. Links die Boden­ druckzwiebeln bei hohem Reifendruck (> 2 bar), rechts bei tiefem Reifendruck (< 1 bar).

OekoSem in 4. Generation Mit der Einführung der ersten Streifen­ fräse OekoSem­1 wurde 1990 Pionierar­ beit geleistet. Seit den Anfängen hat sich diese Maschine stetig weiterentwickelt. Zum runden Geburtstag des Streifen­ frässaatclubs wird erstmals eine Oeko­ Sem­4 vorgestellt. Der OekoSem­1 legte den Grundstein für die innovative Idee, Fräsen und Säen zu vereinigen. Diese Maschine wurde in den darauffolgenden Jahren technisch stark weiterentwickelt, und der Nachfol­ ger OekoSem­2 wurde lanciert. Dieser zeichnete sich vor allem durch seine kompakte Erscheinung aus. Vor fünf Jahren wurde die Streifenfräse speziell für grosse Traktoren (180 PS) aufgerüstet und somit die dritte Ausführung in den letzten Jahren auf den Markt gebracht. Nun kann man auf die Neuerungen auf der OekoSem­4 gespannt sein. n Armin Brönimann, Althaus AG, Ersigen

Die Integration des Grubbers (links) und das Eingreifen des Packers in den Fräskasten (rechts) stellt zwei wichtige Weiterentwick­ lungen dar, die verstopfungsfreies Arbeiten ermöglichen.

der Einsatz von Reifendruckregelungsan­ lagen an. Ihr Einsatz lässt sich bei ausrei­ chender Maschinenauslastung auch wirtschaftlich rechtfertigen, da Einspa­ rungen bei Treibstoffverbrauch, Feldar­ beitszeit und Reifenkosten erzielt werden. Auf der Website des «Förderprogrammes Boden» des Kantons Bern lässt sich ein Excel­Programm zur Berechnung des Bodendruckes bei verschiedenen Reifen, Radlasten und Reifendrücken gratis her­ unterladen (www.vol.be.ch/site/home/ lanat/landwirtschaft/bodenschutz.htm > Förderprogramm Boden). n Matthias Stettler, Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft, 3052 Zollikofen

Althaus AG Ersigen BE: Innovatives Unternehmen setzt auf Streifenfrässaat Seit jeher bekannt als Bodenbearbei­ tungsspezialist, engagierte sich die Alt­ haus AG Ersigen schon früh für die Ent­ wicklung von Maschinen für die

Die Geschäftsführer Franz Fankhauser (links) und Adrian Schürch.

Streifenfrässaat. Es wurde viel Pionier­ arbeit geleistet, von Beginn weg mit dem Ziel, in einem Arbeitsgang fräsen und säen zu können. Den Durchbruch schaffte das Prinzip Streifenfrässaat nach einer Kooperation von Althaus mit dem Lohn­ unternehmer Walter Witzig. Von der gemeinsam entwickelten Strei­ fenfräse OekoSem­1 sind noch heute viele Exemplare in Betrieb. Mit der Oeko­ Sem­2 wurde die Kombination wesentlich kompakter und arbeitete nun weitgehend verstopfungsfrei. Die heute aktuelle Baureihe, OekoSem­3, fräst nach dem gleichen Prinzip, erhielt jedoch einen wesentlich stärkeren Antriebsstrang. Seit Gründung des Streifenfrässaatclubs vor 20 Jahren ist Althaus stets in engem Kontakt mit den Anwendern. Man darf gespannt sein auf die brandneue Streifen­ fräse OekoSem­4, welche anlässlich des Geburtstags des Streifenfrässaatclubs am 22. Juni 2010 in Ersigen Premiere feiert. Weitere Informationen: www.althaus.ch Franz Fankhauser, Geschäftsführer Althaus AG, Ersigen

Juni/Juli 2010

Schweizer Landtechnik

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n Dossier die guten Erfahrungen mit Einzelkorn­ saaten von Raps.

Bodenstruktur nach Weizen ideal

Die intensive Stroheinarbeitung führt zu sicherem Auflaufen. Raps reagiert unempfindlich auf ungleichmässige Standraumverteilung.

Streifenfrässaat: neue Perspektive bei Raps Die zusätzliche Nutzung der Streifenfräse für die Ansaat von Raps ermöglicht eine gute Auslastung der Maschine und weist den Vorteil auf, dass die Fräse Stroh intensiv einarbeitet. Dies ermöglicht die Saat in einem Durchgang und garantiert eine gute Jugendentwicklung der Pflanzen.

Bruno Sticher, Thomas Estermann und Oskar Schenk*

Raps ist eine Pflanze, die sehr empfind­ lich auf Strohabbauprodukte reagiert. Aus diesem Grund gilt der Pflug nach wie vor als das Standardverfahren in der Praxis. Falls das Strohproblem sicher be­ herrscht wird, kann ohne Ertragseinbusse

auf den Pflug verzichtet werden. Die Streifenfräse bietet mit den grossen Si­ chelmessern und einer Arbeitstiefe von ca. 8 cm den Vorteil, dass Stroh intensiv eingearbeitet wird und dem Rapskorn ein Saatbett mit wenig störendem Stroh zur Verfügung gestellt werden kann. Wie die positiven Erfahrungen in der Praxis zeigen, sichert dies einen raschen und gleichmässigen Auflauf und eine zügige Jugendentwicklung.

Die Bodenstruktur nach Weizen ist in der Regel ideal und lässt sich leicht bearbei­ ten. Aus diesem Grund kann mindestens 10% schneller gefahren werden als auf Wiesen für die Maisbestellung. Die krü­ melige Bodenstruktur nach Weizen bleibt so erhalten und wird nicht durch das Pflügen gestört. Die Tragfähigkeit des Bodens und die Wasserversorgung der Keimlinge bleiben gewährleistet. Dies ist die beste Voraussetzung dafür, dass nach Raps mit minimalster Boden­ bearbeitung wieder eine neue Kultur gesät werden kann.

Fazit Die Streifenfrässaat von Raps in einem Durchgang bietet eine interessante Al­ ternative zu den herkömmlichen Bestell­ verfahren. Es können mehrere Arbeits­ gänge miteinander kombiniert werden. So zum Beispiel: Grubber, Bodenbear­ beitung, Düngung, Saat, Pflanzenschutz und Schneckenkörnerstreuen. Dadurch lassen sich die Anbaukosten senken. Bodenerosion und Nährstoffabschwem­ mung werden sicher verhindert, und die Sicherheit der Feldaufgänge ist hoch. Im Vergleich zu gezogenen Verfahren stösst einzig die Leistungsfähigkeit an gewisse Grenzen. In einigen Kantonen ist dieses Verfahren, im Rahmen verschiedener Förderpro­ gramme, wie beim Mais, beitragsbe­ rechtigt. n

Raps reagiert wenig auf Standraum Im Gegensatz zur herkömmlichen Saat mit 12,5 cm Reihenabstand bietet die Saat von zwei Reihen im Abstand von 25 cm pro gefrästes Band keinen Nach­ teil. Die gefrästen Bänder ihrerseits liegen 50 cm auseinander (75 cm Reihenab­ stand bei Mais). Raps kann den Stand­ raum auch bei unterschiedlichen Abstän­ den gut kompensieren und reagiert nicht mit Mindererträgen. Dies zeigen auch

Pro gefräster Streifen werden zwei Reihen Raps im Abstand von 25 cm gesät.

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Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

* Bruno Sticher und Thomas Estermann, Lohnunternehmer in Eschenbach LU, und Oskar Schenk, Lohnunternehmer in Schwarzenburg BE

In Hanglagen bietet das Verfahren einen sicheren Erosionsschutz.


Dossier n

Abb. 1: Streifenlockerer Horsch Focus (links), Yetter (rechts).

Strip-Tillage: Streifenlockerung in zwei Durchgängen Die Streifenlockerung (Strip-Tillage) verbindet die Vorteile der Direktsaat mit den Vorteilen der konventionellen Bodenbearbeitung. Es werden nur die Streifen gelockert, in die später die Kulturpflanzen gesät werden, der Rest des Feldes bleibt unbearbeitet.

Wilfried Hermann und Markus Pflugfelder*

Eine Stoppelbearbeitung nach der Ernte der Vorfrucht ist bei ebenen Feldern und exakter Strohverteilung nicht erforder­ lich. Ausfallgetreide und Unkräuter werden mit Glyphosat kontrolliert. Der Termin der Streifenlockerung orientiert sich am üblichen Termin der Grundbo­ denbearbeitung. Die Streifenlockerung kann ideal mit einer gleichzeitigen Rei­ hendüngung kombiniert werden. Leichte Sandböden, die zur Selbstverdichtung neigen, werden im Frühjahr gelockert, * Dr. Wilfried Hermann und Markus Pflug­ felder, Universität Hohenheim, Versuchs­ station Ihinger Hof, D­71272 Renningen, hermann.wilfried@uni­hohenheim.de

Abb. 2: Streifenlockerung im Herbst nach Getreidevorfrucht mit Strohdüngung.

schwere tonreiche Böden sollten im Herbst gelockert werden, um die Frost­ gare auszunützen. Ideale Voraussetzung für dieses Verfahren ist ein mit einem automatischen Lenksystem ausgerüste­ ter Schlepper mit RTK­Genauigkeit (+– 2,5 cm), mit dem die A­B­Linie bei der Streifenlockerung aufgezeichnet, abge­ speichert und bei der Aussaat wieder abgerufen werden kann. Das Strip­Till­Verfahren wird auf der Versuchsstation Ihinger Hof der Univer­ sität Hohenheim (Landkreis Böblingen, 500 m NN, 685 mm Niederschlag, 9,2 °C Durchschnittstemperatur, stark schluffi­ ger Ton) seit 2007 bei Zuckerrüben und Raps jeweils bei einem Reihenabstand von 50 cm und Einzelkornsaat sowie bei Mais (Reihenabstand 75 cm) erfolgreich getestet und mit dem betriebsüblichen Mulchsaatverfahren verglichen. Die

Streifenlockerung auf 18–20 cm Tiefe erfolgt Ende September bis Mitte Okto­ ber mit einem Horsch­Focus­Prototyp bzw. mit einem Streifenlockerer der US­ Firma Yetter (Abb. 2). Frost und Regen tragen über Winter zur Schaffung eines «Saatbetts» bei. Bei der Streifenlockerung werden die Ernterück­ stände aus der späteren Reihe geräumt, wodurch tagsüber die Bodentemperatu­ ren im gelockerten Streifen stärker als unter Mulch ansteigen (Abb. 2). Bei Zu­ ckerrüben stellten wir fest, dass bei Streifenlockerung die Bodentemperatur in Saattiefe vor der Aussaat im Vergleich zur Mulchsaat um bis zu 1,5 °C höher war. Hierdurch trockneten die gelocker­ ten Streifen schneller ab, sodass frühe Saattermine vergleichbar mit konventio­ neller Bodenbearbeitung realisiert wer­ den konnten. Im dreijährigen Vergleich wurden bei Zu­ ckerrüben im Praxisvergleich höhere Er­ träge und im Parzellenversuch statistisch nicht signifikant unterschiedliche Zucker­ erträge bei erheblicher Kosten­ und Dieselersparnis festgestellt (Abb. 3). Erste Ergebnisse bei Körnermais im Jahr 2009 belegen mindestens gleichwertige, bei Raps (2008–2009) höhere Erträge als bei Mulchsaat. Durch die hervorra­ gende Wasserinfiltration in Kombination mit der Strohmulchauflage in den unbe­ arbeiteten Zwischenräumen trat bei Zu­ ckerrüben und Mais keinerlei Bodenero­ sion auf. Gleichzeitig schützt die Mulchauflage zwischen den Reihen vor Verdunstung, sodass den Pflanzen in Kombination mit der verbesserten Was­ serinfiltration ein höherer Bodenwasser­ vorrat zur Verfügung steht, was in Tro­ ckenjahren zusätzliche Vorteile erwarten lässt. Weitere Informationen auf www.strip­ till.de n

Abb. 3: Strip­Till bei Zuckerrüben (links) und Raps (rechts).

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n Dossier Fehler gemacht, die zu einem schlechten Ruf bei Maschine und Technik führten. Ich aber wollte weitermachen. Die erste Maschine konnte ich noch problemlos zwei weitere Jahre sehr erfolgreich ein­ setzen.

Jeremy Wilson zu Besuch beim Streifenfrässaatclub in der Schweiz. (Bild: Thomas Anken)

Streifenfrässaat: Erfahrungen in UK Nachdem Jeremy Wilson die Streifenfrässaattechnik in der Schweiz kennengelernt hat, wendet er dies erfolgreich auf seinem Betrieb in Elham, Grafschaft Kent, Südostengland an. Sie bringt ihm ökonomische und ökologische Vorteile. Interview Ueli Zweifel

Wie sieht die Fruchtfolge in Ihrem Betrieb aus? Bevor wir die Streifenfrässaat angewen­ det haben, bestand der Fruchtwechsel aus Winterweizen, gefolgt von Italie­ nisch­Raigras und Mais. Seit wir die Oekosem haben, machen wir nun nach Winter weizen eine Gründüngung (Senf) für die Überwinterung des Bodens. Im Frühjahr bringen wir auf den tiefgründi­ gen Böden die Mais­Streifenfrässaat ein. Auf den schlechteren Böden produzieren wir Grassilage auf der Basis von Italie­ nisch­Raigras. Wie sah die normale Bodenbearbeitung aus, und warum haben Sie gewechselt? Im Herbst kam strohreicher Mist auf die Flächen. Im Winter wurde gepflügt, je nachdem sogar gefolgt von ein oder zwei Durchgängen mit dem Untergrund­ lockerer im Frühjahr. Nach einer Starter­ gabe folgte dann die Mais­Einzelkorn­ saat. Dies bedeutet, dass der Boden bei nass­ kaltem Wetter im Winter zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt bearbeitet wer­ den musste. Doch es blieb mir nichts anderes übrig, und die vielen Maschi­ nendurchgänge waren teuer. Zudem musste im Frühjahr gar manches gleich­ zeitig erledigt werden mit viel Stress, wenn man noch ans englische Wetter denkt.

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Schweizer Landtechnik

Was waren die Gründe, um auf Streifen­ frässaat umzustellen? Ich war Vorstandsmitglied und im Um­ weltausschuss der Maize Growers Asso­ ciation (MGA). Dort wurde klar, dass in Zukunft Regeln aufgestellt würden, um der Bodenverdichtung und der Erosion sowie der Nitratauswaschung und Her­ bizidresistenz Einhalt zu gebieten. Bei meinem ersten Besuch in der Schweiz hatte ich die Gelegenheit, die neue Drilltechnik als eine Alternative zu her­ kömmlichen Verfahren zu beobachten. Die ersten Kontakte hatte ich mit Chris­ tian Bohren (damals bei Agroscope ART Reckenholz) und dann auch sehr intensi­ ve mit Thomas Anken von der Agroscope ART Tänikon. Rasch wurde mir das Potenzial klar, das in der Technik steckte, vor allem auch für Betriebe unserer Grösse in UK. Leider muss ich feststellen, dass ich mit dieser Meinung nach wie vor der einzige bin. Warum haben Sie ein OekoSem­Streifen­ frässämaschine gekauft? Es gab im Umweltausschuss der MGA genug Leute, die vom Nutzen einer Streifenfrässämaschine überzeugt waren, sodass wir den Kauf einer Occasionsma­ schine OecoSem­1 durchsetzen und diese in England für Versuche einsetzen konnten. Die Versuche in meinem Betrieb waren erfolgreich, und es wurden auch welche in anderen Betrieben durchgeführt. Dabei wurden in mancherlei Hinsicht

Welches ist Ihr vorläufig abschliessendes Urteil zur Streifenfrässätechnik? Aufgrund der guten Erfahrungen haben wir uns dann für den Kauf einer Oeko­ Sem­3 entschieden. Der Kauf einer neuen Maschine drängte sich auf, um von entscheidenden Verbesserungen zu profitieren und bei der Streifenfrässä­ technik weiterhin am Ball zu bleiben. Wir hofften mit Blick auf eine bessere Aus­ lastung auch noch mehr Aufträge zu bekommen. Dieses Jahr haben wir ca. 120 ha gesät. In unserem Betrieb ist das System nun gut eingeführt. Und dem Boden geht es besser und besser, sodass die Arbeit mit der Maschine heute spürbar leichter geht und wir Treibstoff sparen können. Jetzt säen wir locker eine Hektare pro Stunde inklusive Pausen für den Saatgut­ und Düngernachschub sowie Leerfahrten. Die Streifenfrässaat schont den Boden und spart Zeit und Geld – was will man mehr! n

The Ottinge Court Farm in der Nähe von Canterbury (Grafschaft Kent, Südosteng­ land) ist 83 ha gross. Die Ackerkulturen umfassen 22 ha Weizen, 14 ha Silomais, 18 ha Italienisch­Raigras und 29 ha Weideflächen. Die Tierhaltung besteht aus 70 Holstein Friesian und 40 Aufzuchtrinder. Hinzu kommen 30 Aberdeen­Angus­Rinder. (Bild: zVg)


Seppi M. – Mulchgerät für jeden Einsatz! Der bekannte Südtiroler Mulchgerätespezialist Seppi M. zählt zu den Weltmarktführern im Bau von Mulchgeräten und blickt auf eine über 70-jährige Erfahrung zurück. Die hohe Produktequalität und eine durchdachte Bauweise vermögen auch höchsten Ansprüchen im harten Einsatz zu genügen. Forstmulchgeräte Für die unterschiedlichsten Einsätze bietet Seppi M. Forstmulcher in Arbeitsbreiten von 1 bis 2,5 m an. Die leichten Forstgeräte MINIFORST eignen sich dank der kompakten Bau-

Hydraulische Mulchköpfe Für sämtliche Baggergeräte und Forstfahrzeuge bietet Seppi M. hydraulisch angetriebene Mulchgeräte in Arbeitsbreiten von 60 bis 300 cm an. Speziell interessant ist das Modell Miniforst Skid-Steer, zum Anbau an Kompaktlader mit flottierendem Anbaurahmen. Weidemulcher und Böschungs­ mulcher Zur regelmässigen Pflege der Weiden und Brachflächen bietet Seppi M. Rotormulchgeräte in Arbeitsbreiten von 85 cm bis 7,5 m für sämtliche Zweiachsmäher und für Traktoren von 20 bis 200 PS an. Ausgerüstet mit gehärteten Mulcherschlägeln und Gegenschneiden ist ein perfekter Schnitt und eine feinste Zerkleinerung des Mulchgutes gewährleistet.

30.NOV. 2. DEZ. BORDEAUX

2010

Der Import der gesamten Produkte von Seppi M. erfolgt durch die Firma Agro­Technik Zulliger GmbH. Besu­ chen Sie uns an der öga im Sektor 9.1 Stand 356. Wir freuen uns auf Sie!

Erfolgreiche Demo-Tage von Rapid Technic AG auf den Sportanlagen Dornau, Dietikon Killwangen, 14. Mai 2010: Rapid Technic AG führte auch dieses Frühjahr die traditionellen Demo-Tage durch. Händler und Kunden aus der Deutsch- und Westschweiz waren am 5. und 6. Mai 2010 eingeladen, sich das aktuelle Programm der Maschinen und Geräte in den Bereichen Kommunaltechnik, Gartenbau sowie Landwirtschaft anzusehen und vor Ort im Einsatz zu erleben. Es wurden Fahrzeuge und Maschinen der Marken Iseki und Egholm (Geräteträger), Rapid (Einachser) sowie Lindner (Kommunal-Transporter) gezeigt. Eine Neuheit an den diesjährigen Demo-Tagen war der Rapid Rex. Mit nur 89 kg Gewicht (ohne Anbaugerät) ist er der weltweit leichteste, hydrostatische Bergmäher. Er wurde denn auch eingehend von Fachpublikum und Presse begutachtet. Neu ist der Rex wahlweise mit der praktischen Transport-Box erhältlich. Auch das weitere Einachser-

Agro-Technik Zulliger GmbH Dörfli 3 4919 Reisiswil Tel: 062 927 60 05 Fax: 062 927 60 06 www.seppi.com info@agrotechnikzulliger.ch

Sortiment mit den Modellen Swiss, Mondo, Euro und Universo mit verschiedenen Anbaugeräten war vor Ort ausgestellt und zum Testfahren bereit. Die Highlights aus dem Iseki-Kleintrakturenprogramm waren der Rasentraktor SXG 15 (der auch beim Fussballclub Dietikon im Einsatz ist), der seit Jahren meistverkaufte Kompakttraktor TH 4330 oder der ICT 50 mit Breitspurmähwerk. Der Knicklenker Egholm 2200 war in Kombination mit dem Aggregat für ökologische Unkrautvernichtung zu sehen. Von Lindner schliesslich stand ein Kommunaltransporter im Zentrum des Interesses. Auf dem Areal der Sportanlage Dornau fanden sich wiederum ideale Bedingungen für die Demo-Tage der Rapid Technic AG. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem FC Dietikon besteht bereits seit mehreren Jahren. Der Verkaufsleiter Francisco Jiménez, meint rückblickend: «Trotz dem ungünstigen Wetter besuchte eine erfreuliche Anzahl Rapid-Händler sowie Endkunden aus dem Kommunal- und Gartenbau unsere Demo-Tage. Wir werden diesen erfolgreichen Anlass auch nächstes Jahr wieder durchführen!» Rapid Technic AG Industriestrasse 7 Postfach 81 8956 Killwangen Telefon +41 44 743 11 11 Fax +41 44 743 13 56 www.rapid.ch

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weise und des geringen Kraftbedarfs bereits für Traktoren und Zweiachsmäher ab 60 PS zur Pflege von Alpweiden mit starkem Bewuchs und zur Aufarbeitung von Holz bis 12 cm Durchmesser. Als Neuheit zeigen wir an der Messe die neue MULTIFORST mit langsam laufendem Rotor und Gehäuseauskleidung in Hardox.

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n Betriebswirtschaft

Überbetrieblich eingesetzte Futtererntemaschinen sind die «hohe Kunst» der Zusammenarbeit. Genügend Leistung, grosse Disziplin und eine minimale Toleranz müssen vorhanden sein. (Bilder: Ruedi Gnädinger)

Überbetrieblicher Maschineneinsatz – wie alles kam Von der nachbarlichen Aushilfe über Genossenschaften und Maschinenringe bis zu den Lohnunternehmern, nebeneinander haben sich alle Formen des überbetrieblichen Maschineneinsatzes mit ihren Vor- und Nachteilen erhalten. Unser Rückblick illustriert die Facetten der Entwicklung und die Historie der guten Idee.

Ruedi Gnädinger

Nachbarschaftshilfe Bereits zu Zeiten des tierischen Zuges und des Beginns der grossen Mechani­ sierung hat man sich gegenseitig ausge­ holfen. Zusammenspannen mit den Pferden, Traktoreinsatz auf Betrieben, wo es diesen noch nicht gab, und der Einsatz des Bindemähers bei Dritten waren typische Beispiele aus dieser Zeit. Früher wurden die erbrachten Leistungen meistens mit etwa gleichwertigen Ge­ genleistungen «abverdient». Dies hatte den Vorteil, dass jeder, der eine Leistung bezog, sich verpflichtet fühlte, ebenfalls etwas für seine Kollegen zu leisten. In der Dorfgemeinschaft war ein Druck da, sich an solche ungeschriebenen Gesetze

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zu halten. Diese lose Zusammenarbeit unter Berufskollegen ist auch heute noch recht verbreitet, die Leistungen werden aber meistens untereinander verrech­ net.

stützt wurde. Viele der heute noch existierenden Maschinengenossenschaf­ ten haben ihren Ursprung in den Kriegs­ jahren.

Maschinengenossenschaften

Lohnarbeit – Lohnunternehmen

Mit zunehmender Mechanisierung wur­ den aber auch andere Formen des überbetrieblichen Maschineneinsatzes nötig (siehe Kasten). Daran erinnern die Dreschgenossenschaften, die meistens in den Kriegsjahren (Anbauschlacht) gegründet worden sind. Bei grossen In­ vestitionen drängte sich nämlich auch eine überbetriebliche Finanzierung auf, und da war die Genossenschaft die ge­ eignete Rechtsform, besonders wenn sie mit öffentlichen Geldern zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion unter­

Ab den 60er­Jahren kamen immer mehr Maschinen auf den Markt, die sich aufgrund ihrer Leistung sehr gut für den überbetrieblichen Einsatz eigneten. Als typisches Beispiel sei hier das Druckfass erwähnt. Dieses wurde zwecks gemein­ samer Nutzung oft von zwei oder drei Landwirten angeschafft (Kleingemein­ schaft in Form einer einfachen Gesell­ schaft). Es wurde auch üblich, einzel­ betrieblich gekaufte Geräte durch Vermietung an Dritte besser auszulas­ ten.


Betriebswirtschaft n Bei einer kostspieligen Maschine, die auch hohe Anforderungen an den Ma­ schinenführer stellte, war eine begrün­ dete Skepsis für die Vermietung vorhan­ den. Der Eigentümer war nur bereit, diese Maschinen auf anderen Betrieben einzusetzen, wenn er diese auch selbst bedienen konnte. Die Lohnarbeit war geboren und wurde vielfach zum Er­ folgsmodell. Mancher Landwirtschafts­ betrieb baute diesen Betriebszweig aus oder wandelte sich sogar zum professio­ nellen Lohnunternehmen.

Maschinenringe Etwa zur gleichen Zeit kam Dr. Erich Geiersberger, Leiter der Sendung Land­ funk im bayerischen Radio, mit seiner Maschinenring­Idee. Mit der MR­Platt­ form wollte er das Angebot von Maschi­ nen für den Einsatz auf Drittbetrieben besser bekannt machen und koordinie­ ren. Den ersten Maschinenring gründete er 1958 im bayerischen Buchhofen. Auch in der Schweiz wurde diese Idee mit In­ teresse verfolgt, und der erste schweize­ rische Maschinenring wurde 1961 im bernischen Schüpfen und weitere in den folgenden Jahren gegründet. Ein Pionier war Niklaus Wolfisberg, damals Präsident des Luzerner Verbandes für Landtechnik und der zuständigen technischen Kom­ mission des SVLT. Der Maschinenring war damals und ist heute alles andere als ein Selbstläufer. In Deutschland und

Österreich konnte er nur dank erheblicher finanzieller Unterstützung mit öffentli­ chen Geldern gedeihen. In der Deutsch­ schweiz haben die Maschinenringe, abgesehen von gewissen Graswirt­ schaftsgebieten, betreffend landwirt­ schaftliche Lohnarbeiten umsatzmässig eine eher untergeordnete Bedeutung, und in der Westschweiz setzte sich die Maschinenring­Idee nicht durch. Die Stärke der professionell geführten Maschinenringe liegt heute im Personal­ verleih und im para­ oder ausserland­ wirtschaftlichen Bereich.

Von der Hofdüngerkette zur Futterernte Fast auf jedem Betrieb sammelte man seine ersten Erfahrungen des überbe­ trieblichen Maschineneinsatzes beim Ausbringen der Hofdünger. Das Druck­ fass war unproblematisch in der Bedie­ nung und wegen der geringen Termin­ abhängigkeit für die Beteiligten in ausreichender Zeitspanne verfügbar. Ähnlich war die Situation beim Mistzet­ ter und Mistladekran. Hier haben zudem die enorme Leistungssteigerung gegen­ über dem Handladen und ­zetten, in den 60er­Jahren noch gang und gäbe, und die Arbeitserleichterung die überbetrieb­ liche Lösung sehr gefördert. Beim Mist­ führen wurden auch die ersten Arbeits­ einsätze mit dem Mistlader und mehr als einem Mistzetter koordiniert. Der Schritt

Überbetrieblicher Maschineneinsatz – grosse Tradition und Zukunft Erst der überbetriebliche Maschi­ neneinsatz (UeME) ermöglicht auf vielen Betrieben eine rationelle Be­ wirtschaftung. Deshalb wird diese Form der Arbeitserledigung in fort­ schrittlichen Betrieben kontiuierlich ausgebaut und verbessert, denn schon Aristoteles sagte, dass nicht Besitz, sondern der Gebrauch der Dinge den wirklichen Reichtum aus­ mache. Zwar weiss manch gewiefter Be­ triebsleiter unserer Tage, dass es für den Betriebserfolg besser ist, auf preiswert gemietete Maschinen oder auf Lohnarbeit Dritter zu setzen, als stolzer Eigentümer von schlecht ausgelasteten Maschinen zu sein. Trotzdem ist der überbetriebliche Maschineneinsatz kein pflegeleich­ tes Kind, sondern er bedarf der Zu­ neigung durch alle daran Beteiligten. Wird dies unterlassen, hemmen Unstimmigkeiten zwischen den Partnern den weiteren Ausbau, oder es kommt gar zum Stillstand des UeME. Unsere Serie zum «überbetrieblichen Maschineneinsatz» beleuchtet posi­ tive und negative Seiten und nennt Fakten, Haltungen sowie Materialien zum Erfolg. Folgende Schwerpunkte sind geplant: Wie alles kam •  technische,  wirtschaftliche  und  menschliche Voraussetzungen für den Erfolg •  Einfluss auf die Arbeits erledigungskosten •  Formen der überbetrieblichen Zusammenarbeit.

vom Einsatz einer Einzelmaschine zur ganzen Arbeitskette ist ein wesentlicher Meilenstein bei der überbetrieblichen Zusammenarbeit.

Über Bord mit Vorurteilen

Wenn Maschinen wie diese Federzinkenegge mit Krümler nach fast 40 Jahren noch weiterhin zweckmässig eingesetzt werden können, sind die Einsparungsmöglichkeiten durch den überbetrieblichen Maschineneinsatz nur noch gering.

Lange Zeit herrschte in der Praxis und auch an Landwirtschaftsschulen die Meinung vor, nur wenig terminabhängi­ ge Arbeiten, wie etwa beim Ausbringen des Hofdüngers, würden sich überbe­ trieblich regeln lassen. Für die Feldbestel­ lung und bei der Ernte bevorzugte man

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Sonderangebot – CLAAS AXOS 320C, 86 PS Der kräftige Allroundtraktor mit seinen kompakten Abmessungen entspricht genau den Anforderungen, mit welchem alle im Betrieb anfallenden Arbeiten erledigt werden können.

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Die Paul Forrer AG zeigt Neuheiten von ELIET Lassen Sie sich an der diesjährigen öga im Sektor 4.5 bei der Paul Forrer AG die aktuellen Neuheiten präsentieren. ELIET, unser belgischer Hersteller, ist ein führender Anbieter von Maschinen und Geräten für den Gartenbau. Wir zeigen Ihnen mit Eco Cure, Cameleon light, Nachsäkombi und dem Snowbob die Neuheiten des Jahres.

Eco Cure ist eine Allzweckmaschine zur Bearbeitung von Sportplätzen und grösseren Rasenflächen, welche von einem Kommunaltraktor gezogen werden kann. Der Allessauger Cameleon light (Bild) mit dem integrierten Häcksler und einem 700-Liter-Auffangcontainer wird überall dort eingesetzt, wo Sträucher geschnitten, Grünabfall

produziert wird oder im Herbst Laub anfällt. An unserem Stand finden Sie aber auch den neuen kleinen Nachsäkombi DZC550 oder die neu entwickelte Schneefräse Snowbob. Lassen Sie sich all diese innovativen Produkte von unseren Fachleuten zeigen. EMAK, ein führender Name aus Italien für Maschinen zur Pflege von Grünflächen, stellt mit dem Modell Efco DSF4200 die leichteste, rückentragbare Motorsense vor. Dank dem kräftigen 40cm3-2Takt-Motor kann diese Motorsense auch im Profibereich eingesetzt werden, weil sie nur 9,4 kg auf die Waage bringt und sich für lange Arbeitseinsätze bestens eignet. Aus der Welt der Hydraulik zeigen wir anwendungsspezifische Entwicklungen wie zum Beispiel eine Planierlöffelsteuerung, welche bei allen Baggern mit on/off-Steuerungen nachgerüstet werden kann.

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Betriebswirtschaft n Die Formen des überbetrieblichen Maschineneinsatzes

Mit der gemeinsamen Mechanisierung der wenig terminabhängigen Düngerkette konnten viele Betriebe erste Erfahrungen sammeln.

die einzelbetriebliche Mechanisierung. Die Ausnahme wurden der Bindemäher und später der Mähdrescher. Die Eigen­ mechanisierung erklärte sich zum Teil mit dem Selbstverständnis der damaligen Bauerngeneration. Die Unabhängigkeit und die sichere Produktion hatten einen hohen Stellenwert. Bei Misserfolgen fürchtete man sich vor einer möglichen Blamage, vor allem wenn man diese mit neuen noch wenig bekannten Lösungs­ ansätzen in Verbindung brachte. Das Ansehen bei Berufskollegen und in der Dorfgemeinschaft war zu wichtig. Nach­ dem man die Vorurteile über Bord ge­ worfen und die enorme Leistungssteige­ rung und Qualitätsarbeit der Maschinen eingesetzt hatte, wurden in zunehmen­ dem Masse auch wetter­ und termin­ empfindliche Arbeiten überbetrieblich ausgeführt.

Zuspruch ohne Geld Die Agrarpolitik war und ist vom Nutzen der überbetrieblichen Arbeitserledigung überzeugt. Doch wurde der Nutzen auch überschätzt: Modellrechnungen fielen zu optimistisch aus, weil man die Ab­ schreibungsdauer der Maschinen als viel kürzer angenommen hatte, als die tat­ sächliche Nutzungsdauer in der Praxis. Meistens wurden in solchen Vergleichen der zusätzliche Aufwand für Administra­ tion, die zusätzliche Koordination und die übrigen Risiken ausgeklammert. Trotz der anerkannten Vorteile hat es nie eine direkte finanzielle Förderung des überbetrieblichen Maschineneinsatzes wie in den umliegenden Ländern gege­ ben. Damals beschränkten sich die For­

schung und Beratung darauf, fachliche Unterstützung und Empfehlungen zur Kostenverrechnung zu geben sowie Hilfsmittel und die Weiterbildung zu fördern. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Beim Verband für Landtechnik bestan­ den über viele Jahre Fachkommissionen, die die Anliegen des allgemeinen über­ betrieblichen Maschineneinsatzes, der Maschinenringe und der Lohnunterneh­ mer betreuten. Heute werden gemeinsa­ me Interessen der Lohnunternehmer als eigene Sektion im Verband für Land­ technik gebündelt. Hauptanliegen dieser Sektion sind die Anerkennung des Beru­ fes «Landwirtschaftlicher Dienstleister» sowie dessen Platz in der Agrarpolitik und in der landwirtschaftlichen Ausbil­ dung. Ein Hauptanliegen ist im Weiteren die sachgerechte Behandlung der land­ wirtschaftlichen Lohnarbeit in der Raum­ planung.

Fazit der letzten 40 Jahre Der überbetriebliche Maschineneinsatz hat sich von der Hilfe in der Not zur Ko­ operation im gleichen Boot gemausert. Leistungsfähige Maschinen und der Wille der Landwirte, die Kosten zu senken, haben diesen Trend massgeblich beein­ flusst. Der Betrag, den der durchschnitt­ liche Landwirtschaftsbetrieb für Arbeiten durch Dritte aufwendet, beträgt etwa CHF 10 000.– (Quelle ART) und hat sich seit 1990 etwa verdoppelt. Der Erfolg des überbetrieblichen Maschineneinsat­ zes muss weitergehen – mehr dazu in den nächsten Folgen. n

Die nachbarliche Aushilfe beruht auf losen Abmachungen. Da die gegenseitigen Leistungen in der Regel nicht ausgeglichen sind, empfiehlt es sich, diese Leistungen nach den Ansätzen der ART zu verrechnen und die Differenz mit Geld auszugleichen. Bei der Kleingemeinschaft kaufen zwei oder mehrere Landwirte ge­ meinsam eine Maschine. Vor diesem Kauf sollte ein Vertrag vorliegen, in welchem die Besitzesverhältnisse, die Rechte und Pflichten der Teilha­ ber, die Aufgaben des Maschinen­ halters, eine Musterabrechnung und Hinweise für den Fall der Auflösung enthalten. Solche Musterverträge sind bei den Beratungsdiensten erhältlich. Das Ziel der Genossenschaft ist die Vermietung genossenschaftseigener Maschinen. Statuten und Handelsre­ gistereintrag sind Bedingung für die Rechtsform Genossenschaft. Der Aufwand zur Führung einer Genos­ senschaft und die Anforderungen an die ausführenden Organe sind hoch. Der Lohnunternehmer erledigt landwirtschaftliche Arbeiten im Werkvertrags­ oder Auftragsverhält­ nis. Der professionelle Lohnunter­ nehmer hat sich vorwiegend auf Grossmaschinen spezialisiert, aber auch Landwirte können ihr Ein­ kommen mit Lohnarbeiten verbes­ sern. Der Maschinenring besitzt keine Maschinen. Als Verein hat er das Ziel, Maschinen, welche im Besitze der Ringmitglieder sind, an andere Mitglieder zu vermitteln. Dabei kann jedes Mitglied frei wählen, welche Maschinen es zur Verfügung stellen will, ohne oder mit Bedienung. Die gegenseitige Verrechnung der Dienstleistungen erfolgt nach Mel­ dung (Rapportformular) durch die Geschäftsstelle. Maschinenringe bieten ihre Dienstleistungen zuneh­ mend bei Kommunalarbeiten, der Betriebshilfe und beim Personalver­ leih an.

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n Traktortest

Prüftraktor Kubota M9540 DTHQ: Die Bedienfreundlichkeit und der einfache Unterhalts­ dienst spielt bei der Konzipierung des Traktor ein zentrale Rolle. (Bild: Agroscope ART, Tänikon)

Kubota M9540: veritable Alternative unter 100 PS In der Schweiz setzten sich die Kubota-Traktoren an der letzten AGRAMA zum ersten Mal in Szene. Die Lancierung wurde zu einem Erfolg, denn 2009 wurden nicht weniger als 22 Fahrzeuge immatrikuliert, sodass sich die japanische Marke von den Stückzahlen her im gleichen Segment wie etwa Rigi Trac und Zetor einordnete. Die Schweizer Landtechnik erklärt die Testresultate, die an der ART für den Kubota M9540 DTHQ erhoben worden sind.

Gaël Monnerat und Ueli Zweifel

Die Kubota­M­Serie umfasst sechs Grundmodelle, wobei die beiden Modelle, d.h. M6040 und M7040 einerseits und M8540 sowie M9540 andererseits, baugleich sind. In allen Modellen arbeiten Kubota­Vierzylinder­4­Ventil­Turbomotoren mit je einem Typ für die beiden kleineren und einem Typ für die beiden grösseren Modelle. Die Modelle M6040 und 7040 haben ein Gruppenschaltgetriebe mit 3× 5 Gängen vorwärts und rückwärts, die Modelle 8540 und 9540 ein Gruppen­ schaltgetriebe mit 3× 6 Gängen vorwärts und rückwärts. Hier kommt jeweils noch je eine Lastschaltstufe dazu.

Motor Der Kubota M9450 DTHQ ist mit einem Vierzylinder­Turbomo­ tor ausgerüstet. Die vom Hersteller angegebene Leistung be­

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Traktortest n

Messungen an der Zapfwelle (20 °C, 954 mbar)

1) 2) 3)

Leistung kW PS 65,3 88,7 65,3 88,7 60,4 82,1

Drehzahl (min -1) Motor Zapfwelle 2600 689 2600 689 540 2036

trägt 73 kW oder 99 PS (EG 97/68 Bruttoleistung mit Luftfilter, aber ohne Kühlung und Ventilator). Der Test an der Zapfwelle ergab einen Wert von 88,7 PS bei Motornenndrehzahl von 2600 U/min. Die Stärke des Motors wiederum ist das Resultat der Gaskompression auf die Kolben. Nun schränkt der geringe Hubraum das Drehmoment beim M9540 relativ stark ein. Die Leistung wiederum ergibt sich aus der Multiplikation von Mo­ tordrehzahl und Drehmoment. Ein Motor mit eher tiefem Drehmoment muss also über eine hohe Nenndrehzahl verfü­ gen, bevor die Abregelung einsetzt. Diese beträgt in unserem Fall 2600 U/min, um die Leistung von 73 kW (EG 97/68) zu entwickeln. Die Kurven aus Zapfwellenmessungen (dargestellt im Dia­ gramm) zeigen eine hervorragende Stabilität des Drehmomen­ tes und eine gleichmässige Zunahme desselben von der Nenndrehzahl bis auf 1600 U/min. Auch der Drehmomentan­ stieg kann sich mit 22% sehen lassen. Doch muss die ideale Kurve relativiert werden, weil das Drehmoment bei Nenndreh­ zahl relativ tief ist. Bei einer Motordrehzahl von 1600 U/min wird die Sparzapf­ welle (540 U/min) beim maximalen Drehmoment und bei mi­ nimalem Treibstoffverbrauch betrieben. Diese Konstellation bietet eine sehr gute Zapfwellenleistung, doch steht vom Motor her keine Leistungsreserve mehr zur Verfügung, was Probleme geben kann, wenn der Leistungsbedarf noch steigen würde.

Treibstoffverbrauch l/h g/kWh 20,7 263 20,7 263 17,0 233

1) Nenndrehzahl; 2) Höchstleistung; 3) Normdrehzahl Zapfwelle

Treibstoffverbrauch bei Teilbelastung 42,5% Zapfwelle 540 min­1 : 265 g/kWh, 8,2 l/h Sparzapfwelle 540E min­1 : 235 g/kWh, 7,3 l/h Max. Drehmoment: 294 Nm, à 1600 min­1 Drehmomentanstieg: 22% Höchste Leerlaufdrehzahl: 2850 min­1

Getriebe nasse Mehrscheibenkupplung 36 Vorwärts­ und 36 Rückwärtsgänge lastschaltbares Wendegetriebe mit 3 Gruppen C, L, H 6 Gänge 2 Lastschaltstufen Hi/Lo

C

L

H

km/h

Getriebe Der M9450 verfügt über ein lastschaltbares Reversiergetriebe mit 36 Vorwärts­ und Rückwärtsgängen, wobei die Rückwärts­ gänge ein wenig schneller sind als die Vorwärtsgänge. Das Getriebe besteht aus den drei Gruppen (C, L, H), in denen die 6 synchronisierten Gänge des Hauptgetriebes schaltbar sind, wobei immer ein lastschaltbarer Halbgang (Hi, Lo) dazukommt. In der Kriechganggruppe C steigt die Fahrgeschwindigkeit nicht über 1,5 km/h, was in einem Gemüsebaubetrieb sehr wichtig sein kann. Im Normalbetrieb wird man sich in der Gruppe L bewegen, die 12 Gangabstufungen im Bereich von 2,5 bis 9,6 km/h bietet, während die H­Gruppe Transportar­ beiten und Pflegearbeiten vorbehalten ist.

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n Traktortest Hydraulik

Zapfwelle und Hydraulik

Ölinhalt: 60 l, inkl. Getriebe für Fernhydraulik verfügbar max. 28 l max. Öldruck: 204,0 bar Fördermenge: 55,5 l/min bei 173,5 bar maximal: 64,5 l/min Dreipunktaufhängung, Kategorie: 2, Regelhydraulik über Oberlenker Durchgehende Hubkraft: 2955 daN (~kp), Hubweg: 640 mm

Der Traktor, der bei der ART getestet worden ist, verfügt se­ rienmässig über die Zapfwellenkombination 540 U/min und eine ECO­Sparzapfwelle, während die Tausender­Zapfwelle optional erhältlich ist. Die Sparzapfwelle erreicht eine Touren­ zahl von 540 U/min bei 1518 U/min am Motor. Die Erfahrungen und das Wissen von Kubota rund um den (Bau­)Maschineneinsatz kommen beim hydraulischen System des M9540 klar zur Geltung. Das heisst Öldruck und Förder­ leistung sind sehr gut, und auch die Fördermenge für die Fernhydraulik ist sehr bemerkenswert für einen Traktor dieser Grössenklasse. Ein Vorbehalt ist bei der Leistungsfähigkeit der Hydraulik zu machen. Mit einer Hubkraft vom 2955 daN ist die maximale Aufsattellast einer schweren Kombination (z.B. einer Sähkombination) rasch erreicht.

Emissionen Lärm am Fahrerohr: 81,0 dB(A) Lärm bei Vorbeifahrt: 86,0 dB(A) Schwarzrauch: 0,35 IN (BOSCH) Abgasmessung nach ISO 8178, C1 mit Boost Kohlenwasserstoffe (HC): 0,38 g/kWh* Stickoxide (NOx): 5,50 g/kWh* Kohlenmonoxid (CO): 0,97 g/kWh* Testverbrauch: 279 g/kWh* *) bezogen auf die Zapfwellenleistung

Fahrerschutz Art: integrierte Sicherheitskabine, Klimaanlage

Allradantrieb Zentralantrieb, lastschaltbar

hinten: 480/70 R 34 verstellbar: 1540 mm bis 2040 mm 1420 mm bis 1900 mm

Gewicht (mit Fahrerschutz) vorne: — kg hinten: — kg Total : — kg Zulässige Vorderachslast: Zulässige Hinterachslast: Zulässiges Gesamtgewicht: Anhängelast gebremst: Anhängelast gebremst mit CH­Umbau:

mit Frontladerkonsole: 1460 kg, 43% 2080 kg 3540 kg 3000 kg 5800 kg 6 800 kg 12 000 kg 25 800 kg

Die Messdaten in der linken Spalte sind Firmenangaben oder Testresultate zum Kubota M9540 aus dem ART-Traktortest Nr. 1954/10. Die Firma Ad. Bachmann in Tägerschen TG importiert KubotaTraktoren und hat den Traktortest in Auftrag gegeben. Der Listenpreis für den M9540 DTHQ beträgt CHF 59 980.– exklusive MwSt. und ohne Räder und Anhängevorrichtung.

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Die Anstrengungen von Kubota, um den Fahrkomfort zu ver­ bessern, namentlich die Kabinenfederung und die Klimatisie­ rung, sind bemerkenswert. Doch bietet die Kabine nur einen geringen Schallschutz, ist doch der Lärm in der Kabine (81 dBA) ähnlich gross wie bei der Vorbeifahrt (86 dBA). Sehr positiv ist der niedrige Treibstoffverbrauch pro kWh zu werten. Und mit der Sparzapfwelle kann man bei Teillast (42%) noch 0,9 l pro Betriebstunde einsparen.

Abmessungen und Gewicht

Bereifung vorne: 360/70 R 24 Spurweite: vorne: 1600 mm hinten: 1700 mm

Emissionen

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Der Kubota M9540 DTHQ ist vorwiegend ein Grünlandtraktor. Seine kompakten Abmessungen, der Wendekreis von weniger als 8 Metern und sein tiefes Eigengewicht aber machen den Traktor zum klaren «Passe­partout», der über eine hohe Nutz­ last von 3260 kg verfügt. Mit 3540 kg und 99 PS ergibt das Verhältnis von Gewicht zu Leistung übrigens den tiefen Wert von 36 kg/PS. Laut Mitteilung von Ad. Bachmann, Tägerschen, wurde die Anhängelast für die Schweiz massiv erhöht und dem schweizerischen Mittel angepasst. Diesbezüglich wurde beim DTC (Dynamic Test Center), angegliedert beim Fachbereich Automobiltechnik der Berner Fachhochschule in Biel, ein Testverfahren durchgeführt.

Fazit Die Serie M der Kubota­Traktoren ist gemäss Konstrukteur für den gemischtwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung, Wein­ und Obstbau und gewiss auch für den Einsatz in Spezialkultu­ ren bestimmt. Die Leistung und die Manövrierbarkeit des M9540 bringen klare Vorteile in engen Raumverhältnissen. Der 9540 ist ein idealer Traktor im Graswirtschaftsgebiet. Alles in allem aber entspricht der Kubota M9540 DTHQ den Erwar­ tungen der Landwirte auf der Suche nach einem praktischen Traktor mit einer guten Grundausrüstung, aber ohne Schnick­ schnack, für den Eigengebrauch. Der japanische Konstrukteur bietet hier einen einfach zu bedienenden und kostengünstigen Traktor an. n


Traktortest n

Sehr zufrieden mit dem Kubota M9540: Hedy und Paul Spahni mit Tochter Brigitte Hurni und Kindern sowie Praktikantin Magdalena Stettler. (Foto: Ueli Zweifel)

Praxisstimme 1 Kubota M9540 – wendiger Alleskönner Auf dem Betrieb von Paul Spahni in Rosshäusern BE ist seit einem Jahr ein Kubota M9540 der M-Serie als Pflegetraktor zu vollen Zufriedenheit im Einsatz. Die Schweizer Landtechnik hat die Familie Spahni besucht und wollte über das japanische Fabrikat Näheres wissen. Es ist, abgesehen von der Motorleistung, baugleich mit dem Modell M8540.

Ueli Zweifel

Der Greyerzer, der in der Käsereigenos­ senschaft Juchlishaus hergestellt wird, ist nach strenger Sonderregelung praktisch zu 100 Prozent für den Export nach Japan bestimmt, erzählt Paul Spahni. Er ist einer der Milchlieferanten in der Ge­ nossenschaft und bewirtschaftet in einer Generationengemeinschaft mit seiner Tochter Brigitte Hurni einen 27­Hektar­ Betrieb mit Milchwirtschaft, Ackerbau und Schweinemast. Im Betrieb trifft man die dazu übliche Mechanisierung an, ergänzt durch den nachbarschaftlichen Austausch verschiedener Maschinen wie Spritzgerät, Mistkran oder Druckfass. «Ich habe aber nicht wegen der Ge­ schäftsbeziehungen beim Käseabsatz

den japanischen Traktor gekauft, wie man meinen könnte, sondern weil mich die erstmals an der letzten AGRAMA ausgestellten Traktoren dieser Marke überzeugten», sagt Paul Spahni und er­ gänzt, für den Markenentscheid sei auch die sprichwörtliche japanische Qualitäts­ arbeit ausschlaggebend gewesen.

Durchdachtes Konzept Paul Spahni demonstriert die ungehin­ derte Zugänglichkeit zur Motor­ und Hydraulikölkühlung: Mit einem Handgriff kann man den Frontschutz vor der Küh­ lerhaube entriegeln und nach unten klappen. So kommt man bei geöffneter Haube nicht nur an die Kühlerwaben samt leicht abnehmbaren Grobfiltern, sondern auch an die zuvorderst montier­ te Fahrzeugbatterie. Auch der Motor mit

Common­Rail­Technik ist sehr gut zu­ gänglich. Lediglich die Schwingen des aufgebauten Frontladers können da etwas in die Quere kommen. Da der Traktor eine Rahmenkonstruktion auf­ weist, braucht es für die Konsolenab­ stützung keine Verstrebung auf die Hinterachse. Noch manches pfiffige De­ tail verstärkt den Eindruck vom wohl durchdachten Konzept. Nicht von unge­ fähr stammen alle Baugruppen, ohne Dreipunkthydraulik, aber inklusive Motor, aus dem japanischen Konzern selbst. Für den Kubota M9540 rechnet Paul Spahni mit rund 400 Betriebsstunden im Jahr. Er kommt nebst dem Renault Celtis als leichter Traktor vor allem bei Pflege­ arbeiten zum Einsatz. So hat dieser auch eine entsprechend schmale Bereifung, 300/85R42 hinten und 250/85R28

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n Traktortest vorne, erhalten. Die Radspur von 1,5 m ist auf die Fahrgassenbreite im Getreide und auf den doppelten Reihenabstand in Kartoffeln abgestimmt. Auch am Pflug sowie mit Kreiselegge und Sämaschine kommt der Grünland zum Einsatz, doch braucht es den Japaner auf dem Betrieb Spahni vor allem und sehr oft für den Frontladereinsatz. Diesbezüglich hat Paul Spahni verschiedene Arbeitswerkzeuge, unter ihnen als wichtigstes die Rund­ und Quaderballenzange, dazugekauft. An­ dere kann er dank genormter Kupp­ lungspunkte für die Mechanik und Hyd­ raulik bei Arbeitskollegen ausleihen. Beim Manövrieren beeindruckt der re­ kordverdächtige Radeinschlag der Vor­ derräder. Er erinnert einen an den Radeinschlag bei den damals legendären Vevey­Traktoren und wird dank einer speziellen Vorderachskonstruktion mit «doppeltem Kegelantrieb» ermöglicht. Die Fahrzeugstabilität beim Handling von Siloballen und andern schweren Lasten sichert Paul Spahni durch die Montage von Doppelrädern an der Hinterachse.

Lehrling Manuel Amstutz: «Ich schätze am Traktor, dass er sehr wendig und sehr praktisch eingerichtet ist, doch ist die Anhängelast für einen 95­PS­Traktor zu gering.» (Foto: Brigitte Hurni)

Gute Figur macht der Traktor auch am Traktorheck. Dort findet man alles, was eine bewährte Technik mit Dreipunkt­ und Hydraulikanschlüssen sowie Anhän­ gerbremsventilen ausmacht. Für die Fernhydraulik stehen zwei bzw. optional drei Steuerventile zur Verfügung. Das Zapfwellengetriebe ist unabhängig vom Fahrantrieb elektrohydraulisch zuschalt­ bar und beschleunigt sich für ein sanftes Anlaufen selbstregulierend beim Antrieb einer schweren Maschine. In der subjektiven Empfindung rühmt Paul Spahni speziell die Kraftübertragung an der Zapfwelle, bemängelt aber eine gewisse Trägheit des Getriebes beim Einsatz als Zugtraktor. Für die meisten Arbeiten wählt der Betriebsleiter die schnelle H­Gruppe vor und legt zur ge­ wünschten Zapfwellendrehzahl den passenden Gang des Synchrongetriebes samt Lastschaltstufe ein. Eine bemer­ kenswerte Kubota­Eigenheit auf den M 8540 und 9540 ist die serienmässige Getriebefeststellbremse, die nebst der Handbremse den Traktor zuverlässig am Wegrollen hindert.

Kabine

Praktisches Detail: Abgewinkelte Anschlüsse erleichtern das Kuppeln der Hydraulik­ schläuche.

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Bombierte Verglasungen verleihen der Kabine ein grosszügiges Aussehen sowie eine gute Sicht auf den vorderen und auf den hinteren Anbauraum. Was den Komfort betrifft, schätzt Paul Spahni vor allem die besonders gut funktionierende Klima­ und Heizungsregulierung. Der Lufteinlass befindet sich dabei als eigen­

ständiges Detail auf der Unterseite des seitlich auskragenden Kabinendachs. Als klaren Nachteil muss man das Fehlen eines richtigen Beifahrersitzes beurteilen. Der Kindersitz im Traktor von Paul Spahni ist diesbezüglich ein Notbehelf, damit die Enkelkinder ab und zu auf dem Traktor mitfahren können.

Das passende Gespann Hinsichtlich Zugmaschine gibt Paul Spahni dem Renault Celtis, in ähnlicher Stärkeklasse wie der Kubota, den Vor­ rang. Wobei die wirklich schweren Transportarbeiten, vor allem beim Zu­ ckerrübentransport, ausgelagert sind. Zwar zieht auch der Kubota M9540 problemlos seine Ackerfurchen, doch wird er in erster Linie als wirtschaftliche Lösung beim Pflege­ und Frontladerein­ satz eingesetzt. In dieser Hinsicht macht Paul Spahni die wirklich sehr guten Erfahrungen. Zudem schätzt er an seinem Japaner vor allem auch die Fahrzeugausstattung mit betriebssicheren Baugruppen und wider­ standsfähigen Materialien für die Abde­ ckungen und für die Kabineninnenver­ kleidung. Zum guten Gesamteindruck gehört die Beobachtung, dass der Trak­ tor bis dato kein Tröpfchen Öl verloren hat. Dies zu erwähnen, ist Paul Spahni nach diesbezüglich eher negativen Er­ fahrungen noch besonders wichtig. n


Traktortest n

Steve Juillerat mit seinen Kindern Jessy und Ryan ist von der Funktionalität der Kubota­M­ Serie überzeugt. (Fotos: Gaël Monnerat)

Praxisstimme 2 Bemerkenswerte Wendigkeit und Hydraulik Steve Juillerat bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater ein 44-HektarBetrieb in Sornetan (Berner Jura), dem eine mechanische Werkstatt angegliedert ist. Die nicht landwirtschaftliche Tätigkeit umfasst Dienste für GEA Farm Technologies und den Reifenhandel sowie den Handel mit Wald- und Gartenbaumaschinen. Die Werkstatt Juillerat vertritt die Marken Pöttinger und Kubota.

Gaël Monnerat

Die Adolf Bachmann AG bot Steve Juille­ rat die Vertretung für die Kubota­Trakto­ ren an. Er sagte zu, zunächst aus Neu­ gierde. Aber schon bald war der junge Landmaschinenmechaniker von den Fahrzeugen in Orange begeistert.

Funktionelle Kabine Hier wurde ein Traktor entwickelt, der einzig und allein auf Funktionalität aus­ gerichtet ist. Der Fahrer hat aus der Ka­ bine ein offenes Sichtfeld nach vorne und hinten. Wohl macht das Äussere des Fahrzeugs mit den Kunststoffverschalun­ gen nicht den gepflegten Eindruck, den man von den grossen europäischen Marken her gewöhnt ist, doch das hand­ liche Steuerungssystem an der Konsole rechts überzeugt auf Anhieb. Die Kabi­ nen der Serie M sind schlicht, aber doch nicht spartanisch eingerichtet, mit Fede­ rung und mit einem pneumatischen Sitz für alle Modelle. Sie haben alle auch eine Klimaanlage, die das Arbeiten bei ge­ schlossenen Türen und Fenstern erlaubt. Deshalb begnügte man sich mit einem Gaszylinder für die Heckfensteröffnung.

Zu erwähnen ist allerdings das Fehlen von Verstauungsraum in der Kabine «UltraGrandCab», wo man auch einen Notizblock nicht unterbringen kann. Steve Juillerat bedauert ausserdem, dass der Traktor in der Standardausführung keinen Beifahrersitz anbietet.

Einfaches Schalten Trotz der bestehenden drei Bereiche wird die Arbeit im Betrieb von Steve Juillerat fast ausschliesslich in der mittleren Gruppe verrichtet, wo sechs Gänge und je ein Halbgang für eine Geschwindigkeit zwischen 2,5 und 9,6 km/h zur Verfü­ gung stehen. Den Schalthebel an der Konsole rechts hat man gut im Griff, nicht zuletzt dank seiner leicht diagona­ len Ausrichtung. Die Getriebegruppen werden mittels eines Hebels eingestellt, doch muss für den Wechsel jeweils das Fahrzeug anhalten. Wenn das Hydraulik­ system einmal auf Betriebstemperatur ist, gehen der Richtungswechsel sowie die Schaltung des Halbgangs recht sanft vor sich. Der Zapfwellenanschluss wird mit einem einfachen Knopf gesteuert. Damit kann Steve Juillerat sanft starten und anhalten. Der Drehzahlenregler 540 oder 540 Eco

befindet sich am Heck. Bei vielen ande­ ren Marken wird der Zapfwellenanschluss des Traktors beim Abstellen des Motors automatisch ausgeschaltet, bei Kubota bleibt er hingegen eingeschaltet. Aller­ dings kann in dieser Situation der Motor nicht in Betrieb gesetzt werden. Für die Grösse der Traktoren sind die erbrachten Leistungen des hydraulischen Systems eindrücklich. Zwar ist eine eingeschränk­ te Hubkraft deklariert, doch Steve Juille­ rat hatte damit nie Probleme, auch bei der Verwendung eines 3­scharigen Pflugs nicht.

Aussergewöhnliche Wendigkeit Stärke der Serie M ist zweifellos die Wendigkeit der Traktoren, denn sonst ist in den Standardausführungen selten ein Wenderadius von weniger als acht Me­ tern anzutreffen. Diese besondere Leis­ tung wird ermöglicht durch eine spezielle Vorderachskonstruktion mit «doppeltem Kegelantrieb», womit die Wendefähig­ keit gegenüber den gewöhnlichen Kar­ dangelenken deutlich verbessert wird. Die Motorhaube aus einem Stück lässt sich gegen oben weit öffnen und bietet so einen sehr guten Zugang zum Motor. Die Wärmetauscher (Kühler) lassen ebenfalls erkennen, dass der Hersteller einen praktischen Traktor entwickeln wollte. Alles ist eingerichtet für eine schnelle Reinigung. Hinzu kommen die Gitter zur Abtrennung von Grobpar­ tikeln. Die an der speziellen Vorderachse (mit sehr hoher Bodenfreiheit) befestigten Lenkzylinder sind auf der ganzen Länge des Kolbenlaufs mit einem Schutzblech geschützt.

Fazit Abgesehen von Details bei der Motor­ haube sowie in der Kabinenform hat der japanische Hersteller wenig in die äusse­ re Erscheinungsform investiert. Dafür wurde der Akzent auf die Funktionalität sowie auf die Pflegeleichtigkeit des Traktors gesetzt. Steve Juillerat: «Bei diesem Traktor steht die Mechanik im Vordergrund, das erleichtert die Arbeit: So ist der technische Bedarf für seinen Unterhalt auch nicht so gross.» Die grössten Trümpfe der Serie M bestehen klar in der Wendigkeit des Traktors sowie in der Leistungsfähigkeit der Hydrau­ lik. n

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n Maschinenmarkt

Seit der Herstellung der ersten Lemken­Pflüge 1780 hat die Technik Fortschritte gemacht, aber die Philosophie des Unternehmens ist unverändert geblieben: Ziel ist es, Gerätschaften für eine rationelle Bodenbearbeitung zu produzieren. (Foto: Gaël Monnerat)

Tradition und Technikeinsatz bei der Bodenbearbeitung Seit 370 Jahren und acht Generationen schreibt Lemken Geschichte im Pflugbau. Das Familienunternehmen im Ruhrgebiet wird in der 8. Generation von Nicola Lemken geleitet und gehört heutzutage zu den wichtigsten Herstellern der Bodenbearbeitungstechnik. Die Innovationskraft wurde an der letzten Agritechnica durch zwei Silbermedaillen gekrönt und der neue Lemken-Pflug Juwel zur «Maschine des Jahres» gekürt.

Gaël Monnerat

2009 war für Lemken ein ereignisreiches Jahr, geprägt durch zwei Silbermedaillen an der Agritechnica und die Inbetrieb­ nahme einer neuen Lackierstrasse, die den gesamten Herstellungsprozess um­ krempelte. Technik und die neue Fabri­ kationstechnik wurden der internationa­ len Presse vorgestellt. Über 100 Journalisten aus 20 Ländern waren zu zwei Besichtigungstagen eingeladen. Die Highlights des Anlasses: ein Rund­ gang durch das Werk in Alpen (Ruhrge­ biet) und die Vorführungen der neuen Gerätegenerationen im Feld.

Kathodische Tauchlackierung Fast zehn Millionen Euro hat Lemken in die neue Lackierstrasse mit «kathodi­ scher Tauchlackierung (KTL)» investiert.

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Dieses Verfahren erlaubt eine Stärke der Farbschicht auf 45 Mikr., was ungefähr dem halben Durchmesser eines Haares entspricht. Durch das Brennen der Farbe in einem Hochtemperaturofen ergibt sich nicht nur eine sehr gleichmässige Beschichtung, sondern auch eine hoch belastbare Oberfläche sowie lang anhal­ tender Korrosionsschutz. Vor dem ei­ gentlichen Farbbad passieren die Teile eine Strahlanlage und eine Vorbehand­ lungsphase inklusive Entfettung und Zink­Phosphatierung für eine verbesserte Haftung des Lacks. Abschliessend geht es in den 160 °C heissen Trockenofen und dann in die Kühlzone. Erst dann ist das ordnungsgemässe Lemken­Blau fertig. Aufgrund dieser neuen Lackie­ rungsmethode musste das Unternehmen seine Fertigungsabläufe ändern. Heute werden alle Werkstücke schon vor der Montage einzeln lackiert.

Ein Teil des Wärmebedarfs der neuen Anlage wird durch Erdwärme gedeckt. Ausserdem sorgt ein Wärmeverbundsys­ tem durch Wärmerückgewinnung für die Beheizung der Montagehalle und der Büroräume. Wenn höhere Temperaturen erforderlich sind, kommen zusätzlich Stützbrenner zum Einsatz. Dank dieses innovativen Verbundsystems kann Lem­ ken die CO2­Emissionen um rund 500 t pro Jahr senken.

Kristall Derzeit bringt Lemken den Flügelschar­ grubber Kristall auf den Markt, der mit den neu entwickelten Trimix­Scharen ausgerüstet ist. In zweireihiger Anordung ermöglichen diese eine bessere Einmi­ schung des organischen Materials bei der Stoppelbearbeitung. Durch ihre Gänsefussschare mit senkrecht gestellten Leitblechen erzielen sie mindestens ein


Maschinenmarkt n

Schälpflug Kristall ausgerüstet mit den neun Trimix­Scharen.

Alle Einstellungen der neuen Juwel­Pflüge können direkt von der Traktorkabine aus vorgenommen werden.

so gutes Mischergebnis wie dreibalkige Geräte. Hinzu kommt, dass sie leichter sind als Letztere und der Schwerpunkt näher am Traktor ist als bei dreibalkigen Geräten. Damit die Vorzüge der neuartigen geflü­ gelten Zinken voll genutzt werden kön­ nen, setzt man Trimix­Schare am besten für Arbeiten in 5 bis 18 cm Tiefe ein. Wie für alle Flügelschargrubber gilt auch für den Kristall: Je schneller man fährt, umso

Das QuickConnect­System macht das Ankoppeln von Feldspritzen zum Kinder­ spiel.

besser ist die Mischwirkung. Die optima­ le Geschwindigkeit ist immer auch ein Kompromiss zwischen optimaler Mi­ schungwirkung und Scharabnützung. Für den Kristall liegt diese zwischen 8 und 12 km/h. Um die Einsatzmöglichkeiten des Kristalls noch zu erhöhen, können die Schare zügig ausgetauscht werden, zum Beispiel durch schmale Schälkörper oder durch Gänsefussschare, mit denen in der Regel die dreibalkigen Starag­Grubber ausge­ rüstet werden. Während dieser Aus­ tausch bei grösseren Bearbeitungstiefen sinnvoll und kompatibel ist, gilt dies nicht in der umgekehrten Richtung. Der gerin­ gere Scharabstand würde zu Verstop­ fung führen und die Schare beschädigen. Diese wurden gegenüber herkömmli­ chen Grubbern verbessert, und zwar durch ein Schnellwechselsystem, das die werkzeuglose Anpassung der Schare an die individuellen Anforderungen erlaubt. Am besten eignet sich der Kristall für Landwirtschaftsbetriebe, die nicht über die erforderlichen Hubkräfte für dreibal­ kige Grubber verfügen und die ihre Ackerflächen nur oberflächlich bearbei­ ten. Der Kristall begnügt sich mit 75 bis 135 PS bei einer Arbeitsbreite von 3 m und 150 bis 270 PS bei 6 m Breite.

Juwel 8 Der Juwel 8 mit drei­ bis sieben Pflug­ scharen wurde anlässlich der letzten Agritechnica zur «Maschine des Jahres» gekürt. Es handelt sich um den ersten Pflug, der sich vollständig von der Kabine aus einstellen lässt: Vorderfurchbreite, Arbeitstiefe und Schnittbreite und Pflug­ neigung. Grosse Neuerungen hat der Anbaubock erfahren. Die Höhe dessel­ ben wurde so abgeändert, dass haupt­ sächlich die Unterlenker die Zugkraft übertragen. Die Weiterentwicklung wurde durch das neue Drehsystem Turn control ermög­ licht. Das System erleichtert die Pflugdre­ hung bei Fünf­ oder Sechsscharpflügen, vor allem, wenn auf dem Traktor der Hubweg eingeschränkt ist. Alle Juwel­Pflüge können mit den Dura­ Maxx­Pflugkörpern ausgestattet werden, deren Streichbleche weder Bohrungen noch Stanzungen oder Schweissnähte aufweisen. Dadurch wird laut Hersteller eine um bis zu 50 Prozent höhere Stand­ zeit erzielt. Die Streifenriester des neuen DuraMaxx­Körpers werden ohne Befes­

tigungsschrauben durch blosses Einha­ ken auf einem Träger fixiert. Damit lassen sich die Verschleissteile werkzeuglos und mehr als doppelt so schnell wechseln wie bei herkömmlichen geschraubten Körpern. Für ein optimales Arbeitsergeb­ nis auf besonders stark klebenden Böden können die DuraMaxx­Streifenriester jetzt auch mit solchen aus Kunststoff kombiniert werden. Trotzdem empfiehlt es sich, in zentralen Positionen Stahl zu verwenden, um den Verschleiss gering zu halten. n Aus dem Französischen von Brigitte Corboz

Zwei Silbermedaillen für Anbauspritzen Im Sektor Feldspritzen ist Lemken neu auf dem Markt. Feldspritzen kamen erst ins Sortiment, nachdem Lemken 2005 die Firmen Jacoby und RTS aufgekauft hatte. Die Agritech­ nica­Medaillen wurden für das Kupplungssystem QuickConnect und das Spritzgestänge VariExtend vegeben. Um den Überhang zu mindern, sind die Spritzen in der Regel so konzi­ piert, dass der Brühebehälter mög­ lichst nahe am Traktor positioniert ist. Dadurch wird das Ankoppeln oftmals schwierig. Die intelligente Mechanik von QuickConnect sorgt dafür, dass der Oberlenker automa­ tisch in der richtigen Position arre­ tiert wird. Die übrigen Schritte zum Anbau des Gerätes sind problemlos vom Traktorsitz aus zu erledigen. Alle Lemken­Feldspritzen sind mit dem inzwischen patentierten System serienmässig ausgerüstet. VariExtend Mit dem stufenlos verstellbaren Spritzgestänge VariExtend lässt sich praktisch jede gewünschte Arbeits­ breite durch paralleles Einschieben der drei Ausleger einstellen. Das System passt sich somit problemlos dem Feldrand an und geht auch Hindernissen wie zum Beispiel Strommasten aus dem Weg, ohne dabei die Fahrspur zu verlassen. Kombiniert mit einem GPS­Gerät ist es noch leichter, den Umriss der zu behandelnden Fläche genau einzu­ halten.

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n Maschinenmarkt

In 25 Jahren entwickelte sich die Firma Joskin zum führenden Unternehmen der Gülletechnik und des Chassisbaus. (Fotos: Gaël Monnerat)

Joskin, Unternehmen auf Erfolgskurs Die belgische Marke Joskin wird in der Schweiz von Althaus AG, Ersigen BE, und Michel Baudet SA, Pansier FR, importiert. Bekannt geworden durch seine Druckfässer in der Gülletechnik, stellt Joskin heute Miststreuer, Kipper und Silierwagen sowie Anhänger für den Tiertransport her.

Gaël Monnerat

Das belgische Unternehmen mit nun­ mehr europäischer Reputation wurde 1968 von Victor Joskin gegründet. Aus­ gehend vom Lohnunternehmen entwi­ ckelten sich in den Werkstätten die Dienstleistungen über den Ersatzteil­ dienst zum Maschinenbau. 1974 kam der Import von Landmaschinen für Bel­ gien und eine Reparaturwerkstatt dazu. Das Lohnunternehmen wurde 1984 aufgegeben. Seither werden im Fami­

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lienunternehmen Joskin, in dem derzeit 650 Personen beschäftigt sind, Landma­ schinen entwickelt und gebaut. Seit dem 1984 die ersten Duckfässer die Fabrik verlassen haben, ist die ganze Gülleausbringtechnik unaufhaltsam ge­ wachsen. Mit einer Palette von über 100 Modellen in acht Serien kann das Unter­ nehmen für sich heute in Anspruch nehmen, in Europa erste Adresse in Sa­ chen Gülleausbringtechnik zu sein. Mitte der 80er­Jahre entwickelte Joskin die ersten Geräte mit Gülleinjektion und Schleppschlauchverteiler. Die Vorweg­

nahme einer Entwicklung, die in der Folge Standard wurde, trug viel zum Er­ folg des Unternehmens bei. Als 1986 in Holland die Verwendung von Systemen mit reduzierten Emissionen bei der Gül­ leausbringung gesetzlich vorgeschrieben wurde, hatte Joskin schon viele Erfah­ rungen gemacht. Im belgischen Souma­ gne (bei Liège) nahm die industrielle Fertigung seinen Anfang. Nunmehr sind Produktionsstandorte in Bourges (F) und in Polen dazugekommen. Im Jahr 1990 hat Joskin die Produktpa­ lette auf die allgemeine Transporttechnik


Maschinenmarkt n ausgedehnt. In Anbetracht der Erfahrung im Achsenbau lag dies nahe. Heute umfasst das Angebot von Joskin in der Transporttechnik drei Serien von Mul­ denkippern für Landwirtschaft und für den Kommunalbereich, zwei Silierwa­ gen, das Viehtransporterprogramm und bautechnische Transporte, zwei Silieran­ hänger, ein Programm von Viehtrans­ portwagen sowie Kombifahrzeuge und Miststreuer. Nach dem Erfolg im Bereich der Gülletransport­ und Ausbringtechnik mit mehr als 25 000 Fässern schickt sich Joskin jetzt an, in Europa Marktführer im landwirtschaftlichen Transportwesen zu werden. Dazu gehören Zwei­ und Drei­ achsanhänger. Für solche besteht in Belgien und in Frankreich nur eine gerin­ ge Nachfrage. Sie werden deshalb in Polen gebaut.

SiroKo Im letzten Jahr erweiterte Joskin das Mistzetterprogramm um die SiroKo­ Modelle. Mit ihrer robusten Konstruktion und den Dosierwalzen sind sie speziell im französischen Markt gefragt. SiroKo gibt es in vier Ausführungen zwischen 9 und 13 Tonnen Zuladung. Sie eignen sich für Traktorenleistung zwischen 60 und 150 PS und zeichnen sich dank langsam laufenden, vertikal gestellten Dosierwal­ zen und Load­sensing­Hydraulik durch relativ geringen Leistungsbedarf aus. Die grossen Räder 400R22.5 drehen leicht, insbesondere auf weichen oder gelo­ ckerten Böden und zum Beispiel nach einer Stoppelbearbeitung. Ausserdem haben alle SiroKo gefederte Deichseln mit verstärktem Kratzboden und einer Epoxy­Grundlackierung und Oberflä­ chenbehandlung. Der Kratzboden läuft durch Umstecken der Hydraulikanschlüs­ se in der ungekehrten Richtung. Die Beleuchtung sitzt in Nischen, die sich schliessen, wenn sich die Heckwand öffnet.

fünf doppelachsigen Modellen mit 8,4 bis 16 m3 Fassungsvermögen. Da fast das gesamte Zubehör firmenintern ent­ wickelt und im Werk Soumagne herge­ stellt wird, sind die Ersatzteile für alle Joskin­Geräte stets verfügbar. Zu jeder Maschine und jeder Fassvariante wird ausserdem eigens ein Katalog mit den jeweiligen kombinierbaren Teilen gelie­ fert sowie eine entsprechende Montage­ anleitung. Natürlich hat die dermassen erreichte Flexibilität ihren Preis. Da jede Maschine quasi «à la carte» angefertigt wird, fallen bedeutende Kosten an, und es kann lange Lieferfristen geben. Um diesem Umstand abzuhelfen, hat Joskin das WinPack entwickelt. Es besteht aus einem Programm von serienmässig her­ gestellten Maschinentypen, die auch ohne konkrete Bestellungen gefertigt werden können und dementsprechend kostengünstiger und zu kürzeren Fristen erhältlich sind. Die Auswahl bei den Optionen ist dann aber eingeschränkt. Das Programm der Güllefahrzeuge bein­ haltet noch vier weitere Serien. Sie heissen Komfort2, Cobra, Quadra und Euroliner. Die Komfort2­Modelle mit Fässern von 8,4 bis 16 m3 Fassungsver­ mögen sind mit einer frei pendelnden Achse ausgestattet und bieten einen höheren Fahrkomfort als die Modulo2­ Modelle. Wer ein kompaktes Einachser­ fass mit schmalem Fahrgestell und grossen Niederdruckreifen wünscht, ist mit der Serie Cobra (9 bis 13 m3 ) gut bedient. Für Lohnunternehmer und Grossbetriebe sind die Doppelachsfahr­ zeuge der Baureihe Quadras mit ihren 16 bis 20 m3 fassenden Fässern und die Dreiachser der Serie Euroliner gedacht. Letztere können auf ihrem leichten Uni­

Produktion in Soumagne (B), Bourges (F) und Trzcianka (PL): Die meisten Joskin­ Maschinen werden «à la carte» gefertigt.

versal­Chassis (Rohrbauweise) Fässer mit zwischen 16 und 26 m3 Volumen auf­ nehmen. Die Euroliner wurden speziell für grösstmögliche Transportleistung entwickelt.

Betimax Diese Serie besteht aus vier Viehtrans­ porter, die dank ihren – auf hydraulisch absenkbaren Achsen aufgebauten – Fahrgestellen und stabilen, verzinkten, rutsch­ und trittschallgedämpften Kästen ein tierfreundliches Verladen ermögli­ chen. Während die Modelle 5000 und 6000 auf einfachen Achsen laufen, sind die Modelle 7500 und 9000 mit Doppel­ achsen ausgestattet. Jeder Betimax­ Viehtransporter verfügt hinten über eine Doppelladetür mit unabhängigen Flügeln und vorne über eine Einstiegstüre sowie innen und aussen über Vorrichtungen zum Einhängen von Ab schran kun­ gen. n Aus dem Französischen von Brigitte Corboz

Modulo Die Miststreuer Modulo sind zum Inbe­ griff für die Joskin­Technik geworden. Sie verkaufen sich nebst den Güllefässern ausgezeichnet und werden mit Vorliebe in Betrieben mit starker Viehhaltung eingesetzt. Sie zeichnen sich aus durch ihr einfaches Konzept und die leichte Bedienbarkeit sowie durch den Preisvor­ teil und die Typenvielfalt. Die Serie Mo­ dulo besteht aus zehn einachsigen Basis­ modellen mit 2,5 bis 11 m3 Volumen und

Bei über 25 000 Einheiten kennt Joskin die Gülletechnik à fonds perdu.

Robuster Kuhtransporter Betimax.

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n SVLT

Die Ausgabe 8 / 2010 erscheint am 5. 8. 2010 Themen: LT extra

Kalkdüngung: Nutzen und Technik

Feldtechnik

Reifentechnik, Luftdruck, Luftdruckabsenkung Pflanzenschutz­Applikationstechnik: Teilbreitenschaltung, Düsentypen, Tropfengrösse Reduzierte Bodenbearbeitung und Direktsaat: Einflüsse auf die Sortenwahl

Unfallverhütung

Unfallverhütung in der Bergmechanisierung

Betriebswirtschaft

Überbetrieblicher Maschineneinsatz: Voraussetzung für den Erfolg

Berglandwirtschaft

Bergheuet: Mensch und Technik im Extremeinsatz

Impressum

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72. Jahrgang Herausgeber Schweizerischer Verband für Landtechnik (SVLT), Willi von Atzigen, Direktor Redaktion Ueli Zweifel: red@agrartechnik.ch Gaël Monnerat: g.monnerat@agrartechnik.ch Mitglieder- und Abodienste, Mutationen Postfach, 5223 Riniken Tel. 056 441 20 22, Fax 056 441 67 31 Internet: www.agrartechnik.ch Inserate Espace Media AG, Fachmedien Agrar Dammweg 9, Postfach, CH­3001 Bern Barbara Gusset, Tel. 031 330 30 17 Fax 031 330 30 57 E­Mail: inserate@agripub.ch, www.agripub.ch Anzeigenverkauf Roland Kirchhofer, Tel. 056 664 78 22 E­Mail: roland.kirchhofer@agripub.ch Daniel Sempach, Tel. 034 415 10 41 E­Mail: daniel.sempach@agripub.ch Daniel Banga, Tel. 031 330 37 54 E­Mail: daniel.banga@agripub.ch Anzeigentarif Es gilt Tarif 2010 Kombinationsrabatt: 25% bei gleichzeitigem Erscheinen in «Technique Agricole» Druck und Spedition Stämpfli Publikationen AG Wölflistrasse 1, 3001 Bern Produktionskoordination Roberto Bruno Erscheinungsweise 11­mal jährlich Abonnementspreise Inland: jährlich CHF 107.– (inkl. 2,3% MwSt.) SVLT­Mitglieder gratis. Ausland: CHF 133.–,  82.– Nr. 8 / 2010 erscheint am 5. August 2010 Anzeigenschluss: 16. Juli 2010


ART-Bericht 721

Praxisorientierte Empfehlungen für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen März 2010

Autorinnen und Autoren Andreas Gigon und Sabine Rocker, Pflanzenökologie und Naturschutzbiologie, Institut für Integrative Biologie ETH, Zürich andreas.gigon@env.ethz.ch sabine.rocker@env.ethz.ch Thomas Walter, ART thomas.walter@art.admin.ch Impressum Herausgeber: Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART Tänikon, CH-8356 Ettenhausen, Redaktion: Etel Keller, ART Die ART-Berichte/Rapports ART erscheinen in rund 20 Nummern pro Jahr. Jahresabonnement Fr. 60.–. Bestellung von Abonnements und Einzelnummern: ART, Bibliothek, 8356 Ettenhausen T +41 (0)52 368 31 31 F +41 (0)52 365 11 90 doku@art.admin.ch Downloads: www.agroscope.ch ISSN 1661-7568

Abb. 1: Skabiosen-Scheckenfalter (Foto: Albert Krebs, Agasul).

Seit den 1970er Jahren werden Streueriede nicht mehr wie früher üblich kleinflächig und zu verschiedenen Zeitpunkten im Herbst gemäht, sondern aus ökonomischen Gründen grossflächig und oft innerhalb weniger Tage mit grossen Maschinen. Viele Kleintiere, wie Käfer, Wanzen, Heuschrecken, Schmetterlingsraupen oder Spinnen, können so nicht mehr in un gemähte Refugien entweichen und überleben deshalb den Ernteprozess kaum. Durch das Fehlen von Überwinterungsmöglichkeiten in älteren Pflanzenhorsten, Stängeln und im Mulch entfallen für den Lebenszyklus zahlreicher Kleintierarten überlebenswichtige Strukturen. Solche Arten sind deshalb aus vielen Riedgebieten verschwunden oder sehr selten geworden. Dieser negativen Entwicklung kann mit Ried-Rotationsbrachen erfolgreich entgegengewirkt werden. Eine Ried-Rotationsbrache, kurz RiRoBra,

ist ein einige 100 Quadratmeter grosser, ungemähter beziehungsweise brach gelegter Riedstreifen (Altgrasstreifen, Mahdinsel). Dieser wird jährlich seitwärts verschoben und nach jeweils drei bis fünf Jahren wieder auf die Ausgangsposition zurückversetzt (Rotation). Nach dem Brachejahr wird der betreffende Streifen, wie das übrige Ried, im Spätsommer oder Herbst gemäht, samt Abtransport des Mähguts, der Streue. Ein RiRoBra-Set umfasst die gesamte Fläche, über die sich der Brachestreifen im Laufe einer vollständigen Rotation bewegt, also je nach deren Dauer eine Fläche von drei bis fünf nebeneinander liegenden Streifen. Der vorliegende ART-Bericht beschreibt detailliert 15 organisatorische und ökologische Empfehlungen für das Einrichten und die Bewirtschaftung von Ried-Rotationsbrachen sowie sieben häufige Fehler, die dabei entstehen können.

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n ART-Bericht 721 RiRoBra werden dann empfohlen, wenn für die gesamte Riedfläche, die aus mehreren Parzellen bestehen kann, Folgendes zutrifft: Erstens, wenn die gesamte Fläche innerhalb von weniger als zwei Wochen geschnitten wird. Zweitens, wenn Bereiche der Riedwiese von grösseren Refugien, wie beispielsweise Gebüsch- oder Waldrändern, weiter als 50 Meter entfernt sind; denn diese Bereiche sind dann für wenig mobile, jedoch Brache bevorzugende Tierarten nicht erreichbar. In mehr oder weniger kompakten und von Refugien umgebenen Riedinseln werden deshalb RiRoBra ab einer Hektare Riedfläche empfohlen. Bei kleineren Riedflächen ist das jährlich alternierende Belassen von ungemähten Teilbereichen sinnvoll. Als Breite für den Brachestreifen werden 10 Meter empfohlen, als Länge mindestens 35 bis 50 Meter. Die positive und negative Wirkung von RiRoBra auf Kleintiere, insbesondere Insekten und Spinnen, sowie Pflanzen sind anhand von Beispielen belegt. Negative Wirkungen treten nur in seltenen Fällen auf, denn RiRoBra und andere kurzzeitige Brachen nehmen nur kleine Flächen im sonst regelmässig gemähten Ried ein.

Hintergrund und Problemstellung Früher waren Streueriede in der Schweiz weit verbreitet. Der seit Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzende Rückgang der Einstreu- und Mistwirtschaft und die zunehmende Betriebsspezialisierung liessen das Interesse an der Bewirtschaftung dieser artenreichen Lebensräume stark schwinden (Mühlethaler 1994). Heute sind als Folge der Gewinnung von produktiverem Kulturland, aber auch infolge

Was sind Ried-Rotationsbrachen (RiRoBra) – was sind RiRoBra-Sets? Unter einer Ried-Rotationsbrache (RiRoBra) wird hier ein ungemähter oder auch brach gelegter Streifen von einigen 100 m2 in einem Ried verstanden (Abb. 3, 5 und 7). Dieser Streifen wird jährlich seitwärts verschoben und nach jeweils drei bis fünf Jahren auf die Ausgangsposition zurückversetzt (Abb. 2, rechts). Nach dem Brachejahr wird der betreffende Streifen jeweils wie das übrige Ried im Spätsommer oder Herbst gemäht, samt Abtransport des Mähguts, also der Streue. Dusej (2004) und andere Autoren sprechen auch von Wanderbrache; da der Brachestreifen aber in den hier vorgestellten Empfehlungen nicht nur «wandert», sondern nach drei bis fünf Jahren wieder auf die Ausgangsposition zurückkehrt, erachten die Autoren den Begriff Rotationsbrache als zutreffender. Wird der Brachestreifen von Jahr zu Jahr nur seitwärts hin und her verschoben, spricht man von Pendelbrache. Brachestreifen werden auch als Altgrasstreifen oder Mahdinseln bezeichnet. Ein RiRoBra-Set umfasst die gesamte Fläche, über die sich der Brachestreifen im Laufe einer vollständigen Rotation bewegt, also je nach deren Dauer eine Fläche von drei bis eventuell fünf nebeneinander liegenden Streifen.

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von Verbuschung und Wiederbewaldung nur wenige, zumeist isolierte Riedflächen verblieben. An Feuchtgebieten bestehen heute in der Schweiz nur noch etwa 10 Prozent jener Fläche, die noch vor 50 bis 100 Jahren vorhanden war (Grünig 1994). Am dramatischsten verlief dieser Wandel im Mittelland. Gegenwärtig sind Beeinträchtigungen der verbliebenen Streueriede auf die folgenden Faktoren zurückzuführen: veränderter Wasserhaushalt, unangepasste Bewirtschaftung (Verbrachung oder schleichende Nutzungsintensivierung), veränderte Nutzungsweise (Mähzeitpunkte, Einsatz schwerer Mähgeräte, schlagkräftigere und schnellere Mäh- und Erntetechnik), Nährstoffeinschwemmung und Nährstoffeintrag aus der Luft, Flächenzersplitterung, Isolation kleiner Restflächen sowie Erholungsnutzung. Aufgrund ihrer grossen Bedeutung für die Erhaltung von Arten und Lebensgemeinschaften sowie ihrer landschaftsökologischen Funktionen sind die meisten Streueriede heute rechtlich geschützt. Jährlich werden erhebliche Bewirtschaftungsbeiträge durch die öffentliche Hand ausgerichtet, um das Mähen der Streueriede weiterzuführen (Ökologischer Ausgleich 2004). Ziele sind die Erhaltung und Erhöhung der Artenvielfalt sowie der Schutz seltener oder bedrohter Arten und Gemeinschaften (Egloff 1994, Bressoud et al. 1997). Traditionell wurden Streueriede relativ kleinflächig zu verschiedenen Zeitpunkten im Spätsommer bis Herbst ge mäht, wobei in einzelnen Jahren auch kleinere Flächen ungemäht blieben (Abb. 2, links). Seit den 1970er Jahren werden Riedwiesen aus ökonomischen und arbeitstechnischen Gründen mehrheitlich gleichzeitig und grossflächig gemäht (Abb. 2 Mitte). Ausserdem wurde der Mähzeitpunkt meist nach vorne verschoben. Die Streuemahd

Ökosystem Streueriede Streueriede sind extensiv genutzte, auf feuchten bis nassen Böden gedeihende Grünlandökosysteme, deren Schnittgut traditionell als Einstreu für den Stall verwendet wird (Ellenberg 1996). Sie werden in der Regel nicht gedüngt und sind daher nährstoffarm. Als vorwiegend vom Menschen geschaffene Lebensräume benötigen Streueriede langfristige Nutzungs- beziehungsweise Pflegeeingriffe, damit ihre charakteristische Artenzusammensetzung und ökologischen Eigenschaften erhalten bleiben. Hierbei steht die Mahd im Herbst im Vordergrund. Diese stellt das Folgende sicher: Verhindert die Verbuschung, vermeidet die Bildung von Filzdecken aus Streue und hält die Nährstoffvorräte in der Lebensgemeinschaft auf einem niedrigen Niveau. Unter den Begriff Streueried fallen eine Reihe floristisch und strukturell unterschiedlicher Vegetationstypen wie Pfeifengraswiesen, Kopfbinsen- und Kleinseggenriede. Streueriede sind von grossem naturschützerischem Wert, da sie eine hohe Artenvielfalt (Biodiversität) an Pflanzen und Tieren aufweisen und für viele Kleinlebewesen unverzichtbare Lebensräume darstellen. Zudem leben viele gefährdete, seltene und attraktive Arten, auch jene, die auf Roten Listen sind, in diesen Lebensräumen.


ART-Bericht 721 n

Abb. 2: Schema der Bewirtschaftung eines rund einen Quadratkilometer grossen Feuchtgebiets. Links: Früher kleinflächig bewirtschaftet, zum Teil mit ungemähten Parzellen (dunkelgrün). Mitte: Heute grossflächig und mehr oder weniger gleichzeitig gemäht. Rechts: Heute grossflächig und mehr oder weniger gleichzeitig gemäht, aber mit zwei Ried-Rotationsbrache-Sets.

erfolgt heute oft schon im frühen September, da das Mähgut dann rascher und sicherer trocknet als im (Spät-) Herbst. Starre Mahdterminvorgaben (Mahd ab 1. September) trugen und tragen zur Vereinheitlichung der Nutzungsvielfalt in Streuerieden und damit zu einer Verarmung der Artenvielfalt bei. Bei der heute üblichen grossflächigen Mahd innerhalb einer kurzen Zeitspanne im Frühherbst treten bei Insekten, insbesondere Heuschrecken, Käfern und Raupen von Schmetterlingen sowie bei Spinnen hohe Individuenverluste auf, sofern keine ungemähten Refugien vorhanden und erreichbar sind, in welche die Tiere beim Ernteprozess ausweichen können. Nicht oder wenig mobile Arten und Entwicklungsstadien werden direkt durch die Mahd getötet oder mit dem Schnittgut weggeführt. Weiterhin verschwinden mit der Mahd für viele Kleintiere wichtige Nahrungs- und Eiablageressourcen, und das Mikroklima innerhalb des Bestandes verändert sich. Viele Kleintierarten sind zudem darauf angewiesen, dass Strukturen wie ungemähte ältere Pflanzenhorste, Stängel und Mulch für die Überwinterung zur Verfügung stehen. Brachestreifen innerhalb der Mahdbereiche (Abb. 2 rechts) können helfen, die Überlebenschancen für verschiedene, auch geschützte Insekten- und Spinnenarten zu verbessern. Jedoch führt ein mehrjähriger Verzicht auf die Mahd zu Änderungen der Pflanzengemeinschaften und der assoziierten Fauna, was aus Naturschutzsicht unerwünscht ist. Deshalb wird in der gegenwärtigen Wegleitung für die Nutzung von Streuerieden empfohlen, fünf bis zehn Prozent der Fläche als einjährige Nutzungsbrache über den Winter stehen zu lassen (LBL und SRVA 2004). Diese Empfehlung für die Umsetzung einer Turnusmahd in Streuerieden basieren weitgehend auf Einschätzungen von Experten und Rückschlüssen aus Habitatpräferenzen einzelner Tierarten; es besteht ein Mangel an praxisbezogenen Untersuchungen. Ried-Rotationsbrachen sind ein bereits in den 1970er Jahren vorgeschlagenes und erprobtes Bewirtschaftungssystem (Andres 1989–1994, Andres et al. 1987 und 1996, Bosshard et al. 1988). Dieses wurde zwischen 2001 und 2009 mit einem Forschungsprojekt, auf dem der vorliegende Bericht beruht, wissenschaftlich untersucht und verfeinert (Crameri und Buri 2003, Gigon und Rocker 2006, Hänni und Walss 2007, Hanafi 2005, Rocker in Vorb., Schmidt et al. 2008, Winteler 2001).

Ried-Rotationsbrachen schützen Fauna besser Mit Ried-Rotationsbrachen werden die charakteristischen Kleintiere und Pflanzen des Rieds gleichzeitig und besser erhalten als mit herkömmlichen Brachen. Aus faunistischer Sicht sind (einjährige) Brachestreifen positiv zu beurteilen. Für viele Insekten- und Spinnengruppen wären sogar mehrjährige Nutzungsbrachen (2–3 Jahre) günstig (Bräu und Nunner 2003, Cattin et al. 2003). Andererseits ist in produktiven Streuewiesen in Brachejahren mit erheblicher Streuefilzbildung sowie mittelfristig mit einer Selbstdüngung der Fläche durch das nicht abgemähte, abgestorbene Pflanzenmaterial zu rechnen (Ellenberg 1996). Da Streuewiesen auch zu einer meist unerwünschten Verhochstaudung, Verschilfung oder Verbuschung neigen, sollten sie grundsätzlich alljährlich gemäht werden (Pfadenhauer 1989, Quinger et al. 1995, Quinger 2003). Dies macht eine Verschiebung der aus faunistischer Sicht bedeutsamen Brachefläche notwendig, um beispielsweise geeignete Wachstumsbedingungen für seltene Orchideen und Enziane zu erhalten und auch das Überleben vieler typischer Ried-Kleintiere in den Lebensräumen zu sichern. Auf den RiRoBra-Flächen können sich in den auf das Brachejahr folgenden Mahdjahren jene Pflanzenarten erholen, die durch eine Brachlegung allenfalls beeinträchtigt würden. Andererseits verlieren die von einer Brachlegung begünstigten Pflanzenarten wiederum die Konkurrenzvorteile, die sie während der Brache erlangt haben. Die Brachestreifen sind im Verlauf der Jahre nebeneinander anzulegen, um den Tieren, welche Bracheflächen bevorzugen, Refugien in unmittelbarer Nähe anzubieten. Denn es ist davon auszugehen, dass es für viele Insekten und Spinnen, die auf Brachestrukturen besonderes stark angewiesen sind, schwierig ist, Distanzen zwischen Bracheflächen von mehr als 50 bis 100 m zu überwinden. In den Ried-Rotationsbrache-Sets verringern sich die zu überwindenden Distanzen im Vergleich zu jenen in herkömmlichen Brachen deutlich (siehe Abb. 2, 5 und 7). Die Ried-Rotationsbrachen zielen darauf ab, auf einer beschränkten Fläche die frühere, kleinflächige und zeitlich abgestufte Bewirtschaftung zu imitieren.

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Abb. 3: Ried-Rotationsbrache am Greifensee; vorderer Teil relativ trocken, hinterer Teil auf feuchtem Boden, nahe am See (Foto: Andreina Reutemann-Gerster).

Anlage und Bewirtschaftung 15 Empfehlungen Die im Folgenden zusammengestellten Empfehlungen richten sich an Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter sowie Naturschutzbeauftragte. Neben der Berücksichtigung dieser Empfehlungen sind für die Erhaltung der für Riede typischen Kleintier- und Blütenpflanzen-Arten unbedingt auch die Fehler zu vermeiden (Kapitel: «Häufige Fehler bei Brachestreifen in Rieden»). 1. Miteinander reden Im Allgemeinen sind die Landwirte gegenüber RiRoBra positiv eingestellt, wie die Umfrage von Zäch und Gigon (2007) zeigt. Wenn die Bewirtschaftenden den Wert des betreffenden Rieds und den Sinn von Rotationsbrachen erkennen, sind sie motiviert, diese erschwerte Bewirtschaftung auf sich zu nehmen. Feldbegehungen sowie Gespräche zwischen Naturschutzfachleuten und Bewirtschaftenden fördern das gegenseitige Verständnis. Die Anlage von RiRoBra-Sets ist von einer Naturschutz-Fachperson im Feld gemeinsam mit den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern vorzunehmen. Die Anlage sollte ausserhalb der Brutsaison der Vögel erfolgen, und die Flächenwahl muss begründet werden. Es ist auf die Erfahrungen der bewirtschaftenden Person zurückzugreifen. Sie weiss, wo Überschwemmungen, Verbuschung, Verunkrautung und Ähnliches die Bewirtschaftung erschweren. 2. Schutzziele aufeinander abstimmen Wie meist im Naturschutz, ist jede Fläche durch eine Fachperson einzeln zu begutachten; Erfahrungen aus einem Gebiet lassen sich nur beschränkt auf andere Gebiete übertragen. Gibt es für ein Gebiet verschiedene Naturschutzziele (z. B. Schutz früh- oder spätabsamender Pflanzen; Schutz von Kleingewässern für Libellen oder von grossflächigen Rieden für bestimmte Vogelarten), so sind diese Ziele aufeinander abzustimmen beziehungsweise Prioritäten zu setzen. 3. Rasch handeln und Restpopulationen stärken Mit der Einrichtung von Ried-Rotationsbrachen sollte nicht zugewartet werden, da Restpopulationen insbesondere von Tierarten, die auf Brachen als Refugien angewiesen 56

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sind, möglichst rasch gestärkt werden müssen. In grossflächig und gleichzeitig gemähten Rieden können Brachen bevorzugende Insekten und Spinnen innerhalb von wenigen Jahren lokal aussterben. Dies insbesondere dann, wenn die Riede in der Nähe kaum über Säume, Gebüsche und Ähnliches als Ausweichhabitate für die Kleintiere verfügen. Diesen Schluss legt der Vergleich nahe zwischen den von uns untersuchten, schon seit Jahrzehnten grossflächig und gleichzeitig gemähten Rieden bei Schmerikon (Bolliger et al. 1996) mit den eher kleinflächig bewirtschafteten Rieden am Greifensee und im Aargauer Reusstal. Die «Schmeriker Allmeind» weist markant weniger Kleintiere begünstigende Gebüsche, Wald und Saumstrukturen auf als die Riede im Reusstal. Entsprechend wurden hier (und am Greifensee) auch mehr überwinternde Insekten festgestellt als in der «Schmeriker Allmeind» (Abb. 4). Es muss ergänzt werden, dass für lokal ausgestorbene Kleintiere eine Wiedereinwanderung über grössere Distanzen, das heisst über viele hundert bis tausend Meter, nur sehr schwer möglich ist. Auch bei vielen Pflanzenarten sind eine Wiedereinwanderung über solche Distanzen und der Aufbau einer lebensfähigen Population in vielen Fällen kaum möglich. 4. Die Grösse der Riedfläche bestimmt den Nutzen einer RiRoBra Ried-Rotationsbrachen sind vor allem dann nötig, wenn das gesamte Ried gleichzeitig, das heisst innerhalb von zwei Wochen, gemäht wird. Die Grösse, ab welcher es sinnvoll ist, eine RiRoBra einzurichten, ist aufgrund der geringen Mobilität vieler Brache bevorzugender, seltener Kleintierarten zu bestimmen. Denn diese gehen beim Ernteprozess wohl zugrunde, weil sie eine Fluchtdistanz von mehr als 50 m mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht überwinden können. Die Einrichtung einer RiRoBra ist somit besonders wichtig, wenn der Abstand mindestens an einem Punkt im Ried – das auch aus mehreren Parzellen bestehen kann – zu einem grösseren Refugium wie einem Gebüsch oder Wald mehr als 50 m beträgt. Ist die Fläche des Riedes kompakt, also mehr oder weniger quadratisch oder kreisförmig, und hat es ringsherum Refugien für die Kleintiere, so ergibt dies eine Fläche von 100 x 100 m. Es ist also sinnvoll, ab der Ried-Grösse von einer Hektare eine RiRoBra einzurichten. Bei kleineren Riedflächen ist das jährlich alternierende Belassen von ungemähten Teilbereichen sinnvoll. Die Maximaldistanzen zwischen solchen Bracheflächen sollten 50 m nicht überschreiten. Bräu und Nunner (2003) empfehlen gerade in kleinflächigen Streuwiesen den Anteil überjährig genutzter Wiesen auf deutlich mehr als 20 Prozent zu erhöhen, damit die Populationen von mahdempfindlichen Arten erhalten bleiben (siehe aber Empfehlung 8). 5. RiRoBra-Sets brauchen minimale Fläche und Form Damit sich bei Ried-Rotationsbrachen Aufwand und «Biodiversitätsertrag» lohnen, beträgt die empfohlene Mindestfläche von Brachestreifen 500 m2; dies entspricht einer Breite von 10 bis 15 Meter und einer Länge von 50 beziehungsweise 35 Meter. Ideal ist ein Mehrfaches der Maschinenbreite. Das ergibt eine Fläche des gesamten RiRoBraSets von 15 Aren. Grössere Flächen beziehungsweise mehrere RiRoBra-Sets in einem Ried sind erwünscht!


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Abb. 4: Gefangene Käferindividuen pro Quadratmeter (Mittelwerte ± Standardfehler) in den Untersuchungsgebieten Greifensee (Greif), Reussebene (Reuss) und Schmerikon (Schme) im Jahr 2004.

In vielen Fällen dürfte es günstig sein, das RiRoBra-Set auf der gesamten Länge der betreffenden Parzelle anzulegen, mit Ausnahme eines jährlich gemähten Teils an den beiden Enden des Sets, um eine Durchfahrt für Bewirtschaftungsmaschinen zu gewährleisten. Entsprechend kann natürlich auch die gesamte Breite einer Bewirtschaftungsparzelle in genügend grosse Streifen eines RiRoBra-Sets eingeteilt werden. In Abbildung 5 ist das schematisch dargestellt. Falls eine Parzelle zu klein für die Errichtung eines RiRoBraSets ist, sollen benachbarte Parzellen mit einbezogen werden. Rotationsbrachen mit vier bis fünf Streifen und einem entsprechend langjährigen Zyklus erstrecken sich oft über mehrere Parzellen. Ungünstig dabei ist, dass die Distanz zwischen dem letzten und dem ersten Brachestreifen des Rotationszyklus sehr gross und somit für bestimmte Kleintiere kaum unüberwindbar wird. Ausserdem ist die Markierung der ausgeschiedenen Flächen relativ kompliziert.

8. Pflanzenbestand soll berücksichtigt werden Für die Beurteilung des Pflanzenbestandes und des Standorts ist der Beizug von Fachpersonen erforderlich. Im gesamten RiRoBra-Set sollen keine unerwünschten Arten wie die Kanadische und die Spätblühende Goldrute (Solidago canadensis und S. gigantea) und Bestände an verholzenden Arten wie Schwarzerle, Gewöhnlicher Kreuzdorn und Faulbaum vorkommen (vereinzelte Büsche sind tragbar, nicht zuletzt, da sie in der RiRoBra ja in zwei von drei Jahren gemäht werden). Ist die Anlage an solcher Stelle unumgänglich, so sind Goldruten und verholzende Arten vorher auszureissen beziehungsweise Letztere mit der Stockfräse oder in Extremfällen gezielt mit Herbiziden beziehungsweise Arboriziden zu entfernen (durch Fachperson). Kommen auf kahlen Stellen unerwünschte Arten auf, so sind diese zu entfernen und erwünschte Arten einzubringen. Am besten geeignet ist im Ried selbst gewonnenes Saatgut. Übermässige Verschilfung ist speziell zu behandeln (siehe Güsewell 2003, Valkama et al. 2008, Weber 2008).

6. Erreichbarkeit für die Bewirtschaftung Das ganze RiRoBra-Set muss mit Maschinen gut zu erreichen und zu bewirtschaften sein. Ist dies nicht der Fall, muss gegebenenfalls mit den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern der Nachbarparzellen eine Absprache erfolgen. Möglich wäre zum Beispiel eine neue Zufahrt, eine Brücke über einen Wassergraben oder das Entfernen von Gehölz. Es ist darauf zu achten, dass dabei nicht Bestände seltener Pflanzen- und Tierarten beeinträchtigt werden (Abklärung durch Fachperson; in der Regel nur mit Bewilligung der Naturschutzbehörden). 7. Lage im Gelände berücksichtigt Feuchtigkeit Die RiRoBra-Sets sollen immer entlang des Feuchtigkeitsgradienten angelegt werden, also vom Trockenen zum Nassen. Sie sollen sich also nicht nur in einer nassen Mulde, entlang eines Seeufers oder andererseits auf einer trockenen Kuppe befinden. Der Grund für diese empfohlene Ausrichtung der Brachefläche ist, dass Tiere und Pflanzen aller Feuchtigkeitsstufen des Riedes erhalten werden sollen. Hat es in einem Riedgebiet Platz für mehrere RiRoBraSets, so sollen diese in verschiedenen Pflanzengesellschaften platziert werden (Abb. 5).

Abb. 5: Schema eines Rieds mit drei Ried-RotationsbracheSets; oben ein See und rechts ein Wald. Gelb = Einjahresbrache. Rot = Parzellengrenzen. Alle weissen Flächen werden gemäht. Siehe auch Abbildungen 2 und 3. Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

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n ART-Bericht 721 den Boden. Dort begünstigen sie das Wachstum vielerorts unerwünschter, konkurrenzstarker Hochstauden (z. B. Spierstaude Filipendula ulmaria). In wenig wüchsigen Streueflächen, zum Beispiel in mageren Kopfbinsenrieden, ist zu prüfen, ob es sinnvoll ist, die Brachephase zwei Jahre andauern zu lassen. Davon könnten gemäss den Untersuchungen von Bräu und Nunner (2003) sowie Cattin et al. (2003) Kleintiere besonders stark profitieren, und die Bewirtschaftung würde vereinfacht.

Abb. 6: Wespenspinne (Foto: Mario Waldburger, ART). Im gesamten RiRoBra-Set sollen keine grossen Bestände (jeweils mehr als 50 blühende Exemplare) von Orchideen, aber auch keine kleineren Bestände von anderen durch Brache negativ beeinflussten, besonders gefährdeten Pflanzenarten vorkommen. 9. Markierung im Feld mit Pfählen Die Ecken des ganzen RiRoBra-Sets sind am einfachsten mit dicken hohen Pfählen dauerhaft zu markieren (10 Jahre und mehr). Diese bleiben auch zum Mähzeitpunkt in der oft gegen zwei Meter hohen Vegetation sichtbar. Im Boden vergrabene Metallstifte bieten eine zusätzliche Markiersicherheit. Sie lassen sich mit einem Metalldetektor wieder auffinden. Der jährlich vor der Mahd brach zu legende Streifen ist in den Ecken (und allenfalls alle 20 bis 25 m entlang der Längsseiten) mit zusätzlichen (hohen) Stäben zu markieren. Zwischen den Stäben auf den beiden Stirnseiten und allenfalls zwischen den Stäben in der Mitte der Längsseiten ist Vogelschreckband fest anzubinden. Nach der Mahd sind die Stäbe und das Vogelschreckband möglichst rasch zu entfernen, nicht zuletzt weil dieses leicht (ab)reisst und sich im Winter auch zersetzt. Die beschriebene Methode hat sich über mehrere Jahre hinweg bewährt. 10. Bewirtschaftung von RiRoBra Der Brachestreifen ist im Folgejahr gemäss den getroffenen Naturschutzvereinbarungen wie die Mähstreifen und das «normale», das RiRoBra-Set umgebende Ried mit den üblichen Maschinen zu mähen. Dieses Mähen des Brachestreifens geht im Allgemeinen «strenger», da es sich um zweijähriges Material handelt. Nach Möglichkeit sollte von aussen her gegen den neuen Brachestreifen hin gemäht werden. Mobile Organismen werden so besser in Richtung Brache getrieben, die ihnen als Refugium dient. Je höher die Mähhöhe, desto günstiger für die Kleintiere. Mähaufbereiter, also Maschinen, welche die Streue knicken oder quetschen, damit das Trocknen schneller vonstatten geht, sind absolut zu vermeiden. Sie vernichten sehr viele Kleintiere. Das Mähgut – auch jenes des vorjährigen Brachestreifens – ist wenn möglich zwei bis drei Tage an Ort und Stelle anzutrocknen, damit die Kleintiere in die neuen Brachestreifen wandern und die Pflanzen versamen können. Danach ist die Streue möglichst bald abzutransportieren und nicht über den Winter im Ried zu belassen. Denn liegen gelassene Streue zersetzt sich, und ihre Abbauprodukte, vor allem Stickstoffverbindungen, gelangen in 58

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Untersuchungen zeigen, dass der von den Naturschutzstellen für Streueflächen in tiefen Lagen gestattete Mähzeitpunkt ab 1. September für viele Pflanzen- und Tierarten zu früh ist (Bräu und Nunner 2003). 11. Ergänzende Brachestreifen entlang den Riedgräben und -strässlein Trotz des in Punkt 7 Gesagten kann es sinnvoll sein, entlang den Riedgräben und -strässlein als Ergänzung zu den unerlässlichen Ried-Rotationsbrachen weitere Brachestreifen anzulegen. Die Streifen sollten mindestens 3 m (besser 5 m) breit sein und von Jahr zu Jahr alternierend auf der einen oder der anderen Seite des Grabens bzw. Strässleins angelegt werden. Dies ermöglicht den Kleintieren (Insekten und Spinnen), der Beeinträchtigung durch das Mähen einigermassen auszuweichen. Im Betriebsablauf sollten solche Brachestreifen machbar sein, auch wenn die Gräben gereinigt werden. Als Mehrwert entlang den Strässlein können Spaziergänger auch nach dem Mähen des übrigen Riedes bis in den Spätherbst Blüten von Flockenblume, Labkraut, Abbisskraut und anderen Pflanzen samt den blütenbesuchenden Schmetterlingen und anderen Insekten beobachten. 12. Bewirtschaftungsbeiträge Selbstverständlich soll für die Bewirtschaftung von RiRoBra-Sets mindestens der gleiche Betrag bezahlt werden wie für Riede ohne RiRoBra (Ökologischer Ausgleich 2004 und Öko-Qualitätsverordnung, kantonale Beiträge). Da die Mahd und die Verwertung der zweijährigen Streue der Bracheflächen aufwändiger ist als jene der einjährigen (Zäch und Gigon 2007), sollten für die Bewirtschaftung von Bracheflächen möglichst höhere Beiträge ausbezahlt werden. 13. Infotafel fördert das Verständnis Brachestreifen sehen bis zum darauf folgenden Frühling oft «unordentlich» aus, was einzelne Spaziergängerinnen und Spaziergänger stören kann. Landschaftsästhetische Untersuchungen (Schüpbach et al. 2009) zeigten andererseits, dass Brachen im Winter der Schweizer Bevölkerung besser gefallen als geschnittene Streuwiesen. Führt in der Nähe der RiRoBra ein Weg vorbei, ist es in jedem Fall sinnvoll, eine Informationstafel aufzustellen. Diese soll über die Bedeutung der RiRoBra informieren, die Adresse und Telefonnummer einer Kontaktperson enthalten und auch die Bitte, die Fläche nicht zu betreten (Beispiel siehe Anhang 1).


ART-Bericht 721 n 14. Wiederkehrende Begutachtung und Anpassung Das RiRoBra-Set ist alle drei bis fünf Jahre von einer Fachperson zu begutachten; wenn nötig sind Anpassungen vorzunehmen.

stauden (Filipendula ulmaria), die über den Winter stehen bleiben, die Populationen des sehr seltenen Violetten Silberfalters (Brenthis ino). Solche gezielte Dauerbrachen bedürfen jedoch einer gründlichen Abklärung.

15. Weitere wissenschaftliche Untersuchen sind erforderlich Das hier Dargelegte beruht auf Untersuchungen von nur ein bis zwei Zyklen von Ried-Rotationsbrachen. Um deren Wirkung genauer zu erfassen, sind längerfristige Untersuchungen unerlässlich. Diese sollten auch die Wirkungen von RiRoBra auf Heuschrecken, Kleinsäuger und Vögel erfassen.

6. Bracheflächen nicht an Wuchsorten seltener Pflanzenarten Seltene Pflanzenarten mit spezifischen Standortbedürfnissen können infolge von Brache innerhalb weniger Jahre lokal aussterben oder reduziert werden. Dies nicht zuletzt mit negativen Konsequenzen auch für bestimmte Kleintiere, die auf die betreffenden Pflanzenarten angewiesen sind. So sind beispielsweise an Stellen mit vielen Orchideen keine RiRoBra einzurichten.

Häufige Fehler bei Brachestreifen in Rieden

7. Bracheflächen nicht an Stellen mit Hochstauden, Sträuchern oder Schilf Bracheflächen, die viel Hochstauden, Sträucher oder Schilf aufweisen und insbesondere invasive Neophyten wie die Kanadische und die Spätblühende Goldrute oder den Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum), können oft stark negative Auswirkungen auf die Riedvegetation und somit auch auf gefährdete Kleintiere haben. Die Beurteilung von Schilf im Ried muss differenziert erfolgen (durch Fachperson).

In vielen Riedgebieten gibt es Bracheflächen, in denen die soeben dargelegten Empfehlungen nicht eingehalten werden. Im Folgenden sind einige häufige Fehler zusammengestellt. Lösungen ergeben sich aus den Empfehlungen im vorangegangenen Kapitel. 1. Fehlende oder ungenügende Information Besteht die Absicht, eine RiRoBra einzurichten, so sind die Bewirtschafterin oder der Bewirtschafter, die Eigentümerin oder Eigentümer sowie die Naturschutzbehörde darüber in Kenntnis zu setzen. Damit können Missverständnisse vermieden werden, und auch eine allfällige Rechtsverletzung fällt weg. 2. Zu kleine Bracheflächen nützen kaum Um das Überleben von Bracheflächen bevorzugenden Insekten und Spinnen, die selten und gefährdetet sind, zu sichern, bedarf es zwingend minimaler Flächen von mindestens 500 m2. Flächen, die kleiner als 200 m2 sind, schützen diese Tiere kaum. 3. Weit über das Ried verstreute Bracheflächen nützen wenig Bracheflächen, die im Laufe der Jahre zufällig und über grössere Distanzen (> 50 m) über das Ried «wandern», sind für bestimmte gefährdete, Bracheflächen bevorzugende Kleintiere weniger nützlich als die vorgeschlagene Bewirtschaftung mit RiRoBra. Denn diese Organismen können die zwischen den Bracheflächen liegenden gemähten grossen Flächen nicht oder kaum überwinden.

Die verwendeten Untersuchungsflächen und Methoden Die Untersuchungen, auf welchen die obigen Empfehlungen beruhen, erfolgten hauptsächlich in neun im Herbst 2002 angelegten Rotationsbrache-Sets und den dazugehörenden, jährlich nach dem 1. September gemähten Vergleichsflächen in Streuwiesen am Südufer des Greifensees (ZH), in der Reussebene (AG) und bei Schmerikon (SG). Die Brachestreifen der RiRoBra waren 10 m breit und 30 bis 50 m lang, der Rotationszyklus betrug drei Jahre (Abb. 7). Weitere Untersuchungen wurden auf bereits seit 1987 laufenden Ried-Rotationsbrachen bei Schwerzenbach am Ostufer des Greifensees (ZH) durchgeführt. Die Brache-

4. Bracheflächen nicht nur in feuchten Mulden oder nur auf trockenen Kuppen Solche Brachen sind nur für feuchtigkeits- oder nur für trockenheitsliebende, auf Bracheflächen angewiesene Kleintiere nützlich. 5. Dauerbrachen sind meist ungünstig Dauerbrachen beispielsweise in bewirtschaftungsmässig ungeeigneten Parzellenecken können zu einer aus Sicht des Naturschutzes negativen Veränderung der Vegetation führen (z. B. Verhochstaudung), mit negativen Folgen auch für Kleintiere. Ganz lokal kann jedoch eine Verhochstaudung auch sinnvoll sein. So stärkt zum Beispiel die Förderung von Spier-

Abb. 7. Schema eines Ried-Rotationsbrache-Sets mit 3-jährigem Zyklus (links) und einer regelmässig gemähten Vergleichsfläche (rechts). Gelb = Brachefläche. Eingezeichnet sind auch die mit Zufallszahlen verteilten Dauerbeobachtungsflächen für Vegetationsaufnahmen und die Position der aufgestellten Emergenzfallen. Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

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n ART-Bericht 721 flächen erfasst, die jeweils in den zukünftigen Brachen sowie in den jährlich gemähten Vergleichsflächen der neun RiRoBra-Sets eingerichtet wurden (Abb. 7). Ausserdem wurden populationsbiologische, morphologische und phänologische Merkmale für einzelne Pflanzenarten erhoben. Die Namen der Pflanzenarten sind nach Lauber und Wagner (2007) angegeben.

Wirkungen von Brachen und insbesondere Ried-Rotationsbrachen auf Kleintiere und Pflanzen Abb. 8. Emergenzfalle à 50 x 50 cm; in der Kopfdose wurden Kleintiere gefangen (Foto: Sabine Rocker, ETH).

streifen waren hier 10 m breit und 60 m lang, der Rotationszyklus betrug fünf Jahre (siehe Bosshard et al. 1988). Als Zeigerorganismen für den Überwinterungserfolg wurden aufgrund ihrer spezifischen Lebensraumansprüche, ihrer Empfindlichkeit gegenüber strukturellen Veränderungen des Pflanzenbestandes und ihrer kleinen Raumnutzung Wanzen, Zikaden, bestimmte Käfergruppen und Spinnen ausgewählt. Bei der Erfassung dieser Tiergruppen wurden mehrere (halb)quantitative Fangmethoden kombiniert (Emergenzfallen in Abb. 8, Bodenfallen, Kescherfänge, gezielte Nachsuche). Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung von rund 65 000 Einzeldaten über Insekten und Spinnen. Die Vegetation und ihre Veränderungen wurden durch Aufnahmen aller Blüten- und Farnpflanzenarten in drei zufällig verteilten vier Quadratmeter grossen Dauerbeobachtungs-

Die folgenden Ausführungen basieren auf Erkenntnissen aus den Untersuchungen an Pflanzen, Insekten und Spinnen im Reusstal, am Greifensee und in der «Schmeriker Allmeind» (die entsprechenden Publikationen wurden bereits im Kapitel «Hintergrund und Problemstellung» zitiert) sowie aus der Literaturrecherche. Brachestreifen sind wichtige Überwinterungshabitate für Insekten und Spinnen In den Brachestreifen bestehen für zahlreiche Insektenund Spinnenarten, insbesondere für naturschutzfachlich bedeutende Arten, günstigere Überwinterungsbedingungen als in den gemähten Riedwiesen. Es überwintern deutlich mehr Arten der Roten Liste als in den gemähten Flächen. Bei den Wanzen und Zikaden trifft dies auch für die typischen Arten der Feuchtgebiete zu (Abb. 9). Als Rote Listen wurden für Wanzen und Zikaden jene für Bayern (Achtziger et al. 2004, Nickel 2004), für Spinnen jene für Deutschland (Platen et al. 1998) berücksichtigt. Die Bezeichnung der typischen Arten der Feuchtgebiete erfolgte nach Maurer und Hänggi (1990). Zum einen wer-

Abb. 9: Überwinternde Anzahl Wanzen, Zikaden und Spinnen in Ried-Rotationsbrachen (Säule links jeweils 100 %) im Verhältnis zur überwinternden Anzahl in gemähten Riedflächen (Säule jeweils rechts) im Aargauer Reusstal, am Greifensee und in der Schmeriker Allmeind. Zahlen über Säulen = effektive Anzahl/m2 x 100 Fangtage (total 9 Wiederholungen). 60

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ART-Bericht 721 n den Brachestreifen von mobilen Arten und Entwicklungsstadien im Herbst gezielt aufgesucht. So wurden ausgewachsene Individuen (Imagines) von Wanzenarten, die im Herbst für die Überwinterung in geeignete Habitatstrukturen wechseln, im Frühjahr und Frühsommer in den Brachestreifen in signifikant höheren Dichten erfasst als in gemähten Flächen. Dasselbe traf für Kurzflügelkäfer zu, die überwiegend als Imagines überwintern und dazu vorzugsweise Streuefilz, Gras- und Seggenhorste aufsuchen. Weiterhin finden auch im Larvenstadium oder als Imagines überwinternde Zikadenarten und Blattkäfer in den Brachen günstigere Bedingungen für die Überwinterung als in gemähten Riedflächen (für Einzelheiten zu diesen Daten siehe Rocker in Vorb.).

Abb. 10: Feldwespe (Foto: Mario Waldburger, ART). Brachestreifen bieten bereits im Frühjahr Pflanzenstängel Feldwespen (meist Polistes bischoffi) nutzen die abgestorbenen Pflanzenstängel in Brachestreifen gezielt (Abb. 10). So wurden bei den Beprobungen im Frühjahr zwischen zwei und sieben Waben pro 100 m2 in den Brachestreifen festgestellt; in den gemähten Flächen hatte es zu diesem Zeitpunkt keine Waben (Crameri und Buri 2003, Erhebung von A. Gigon 2008). Brachestreifen dienen als Refugien während und nach der Mahd Brachestreifen dienen zahlreichen Insekten- und Spinnenarten als Rückzugs- und Schonraum während und nach der Mahd. Mahd in der ersten Septemberhälfte trifft zahlreiche Kleintierarten, bevor sie ihre Eiablagephase / Entwicklung abgeschlossen haben. Mobile Tierarten wie Heuschrecken und Tagfalter können in erreichbare, ungemähte Riedflächen ausweichen, reproduzieren sich hier und nutzen vorhandene Nahrungsressourcen (pers. Beobachtungen). So weisen Brachestreifen nach der Mahd der umge-

benden Flächen noch ein Blütenangebot auf (z. B. des Abbisskrauts Succisa pratensis und der Schmalblättrigen Flockenblume Centaurea angustifolia), was für bestimmte Bestäuber, insbesondere auch Schmetterlinge, von Bedeutung ist. Ungemähte Riedbereiche stellen darüber hinaus Schonräume dar, in denen Entwicklungsstadien und Eiablagesubstrate nicht mit der Streue abgeführt werden. Beispielsweise bleiben Überwinterungskokons der Zebraspinne (Argiope bruennichi) und anderer Radnetzspinnen nur in ungemähten Flächen erhalten (Andres et al. 1996, Crameri und Buri 2003). Zählungen in Brachestreifen am Greifensee ergaben mittlere Dichten von 16 Kokons der Zebraspinne auf 100 m2. Aus diesen Kokons entwickeln sich dann die Jungtiere der nächsten Generation. Hautflügler (Wespen, Bienen) wurden bei unseren Beprobungen im Frühjahr in Brachestreifen in signifikant höheren Dichten

Abb. 11. Anzahl blühende Individuen des Kleinen Knabenkrautes (Orchis morio) im jährlich gemähten Vergleichsstreifen und in den umrandeten Streifen, die im Frühjahr 2003, 2004 oder im 2005 brach waren (pro 13,2 m2). Vor der Brache wurden in den betreffenden Streifen jeweils wesentlich mehr blühende Orchis gezählt. Probeflächen bei der Badanstalt Egg am Greifensee. Aufnahmen im Mai 2003, 2004 und 2005. Juni/Juli 2010 Schweizer Landtechnik

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n ART-Bericht 721

Abb. 12 (links): Kleines Knabenkraut (Fotos: Hans Sigg †). Abb. 13 (rechts): Sibirische Schwertlilie.

erfasst als in gemähten Riedflächen. Viele Arten dieser Tiergruppe entwickeln sich in oberirdischen Pflanzenteilen und wurden daher durch die Mahd im Herbst des Vorjahres generell negativ betroffen. Brachestreifen generell positiv für Tagfalter Dusej (2004) legte aufgrund seiner Untersuchungen von 1999 bis 2002 im Aargauer Reusstal dar, dass in Rieden mit (verschieden grossen) Wanderbrachen – was weitgehend den RiRoBra entspricht – die Anzahl Arten und Individuen an Tagfaltern grösser ist als in Rieden ohne Wanderbrachen. Bei den fast ausschliesslich in Riedwiesen anzutreffenden Arten Kleiner Moorbläuling (Maculinea alcon), Skabiosenscheckenfalter (Euphydryas aurinia; Abb. 1) und Violetter Silberfalter (Brenthis ino) war durchschnittlich eine Zunahme von über 200 Prozent festzustellen.

Generelle Auswirkungen auf die Vegetation In den insgesamt 400 Vegetationsaufnahmen wurden während der Brachephase zwei bis zehn Pflanzenarten weniger festgestellt als in den jährlich gemähten Kontrollstreifen mit ihren 25 bis 40 Arten pro 12 m2. Wurden die Brachestreifen in den folgenden Jahren rotationsgemäss erneut gemäht, so konnten in ihnen wieder die gleichen Anzahlen von Pflanzenarten und -individuen festgestellt werden wie in den jährlich gemähten Kontrollstreifen. Die Arten «verschwanden» während der Brachephase also nicht, sondern entwickelten sich nicht oder nur so wenig, dass sie nicht festgestellt werden konnten. Positiv an den Brachestreifen ist, dass es in ihnen auch nach der Mahd der umgebenden Flächen oft noch viele Blüten hat, zum Beispiel die Schmalblättrige Flockenblume Centaurea angustifolia und das Abbisskraut Succisa pratensis, 62

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was für bestimmte Bestäuber, insbesondere auch Schmetterlinge, von Bedeutung ist. Brachen fördern vorübergehend Sträucher und nährstoffzeigende Pflanzenarten zu Ungunsten von Orchideen Unsere Untersuchungen belegen, dass Sträucher, Schilf und nährstoffzeigende Hochstauden in den Brachestreifen leicht zunahmen. In den darauf folgenden zwei Mahdjahren nahmen sie jedoch wieder ab. Diese stark beschattenden und naturschützerisch unerwünschten Arten stellen also in der RiRoBra wohl kein schwerwiegendes Problem dar. Dies ist aber durch weitergehende Untersuchungen zu prüfen. Brachestreifen bringen bestimmte Orchideen-Arten zum Verschwinden. Das Kleine Knabenkraut (Orchis morio, Abb. 12) zeigte in den Brachestreifen der Ried-Rotationsbrache jeweils eine starke Verminderung des Blühens, die auch in den nachfolgenden «normalen» Mahdjahren weiterbestand (Abb. 11). Die Beeinträchtigung durch die Brachephase kann O. morio also auch während der folgenden zwei Mahdjahre nicht wieder ausgleichen. Dies bedeutet, dass Bracheflächen nicht an Stellen angelegt werden sollen, an denen Bestände des relativ seltenen (und geschützten) Kleinen Knabenkrautes vorhanden sind (siehe auch Fischer 2003). Analoges gilt wohl auch für die weiteren in Rieden vorkommenden Orchideen-Arten wie das SumpfKnabenkraut (Orchis palustris; siehe Marti 1992), die Langspornige Handwurz (Gynmadenia conopsea) und die Sommer-Wendelähre (Spiranthes aestivalis). Die einheimische Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica; Abb. 13) zeigte hingegen in Wachstum und Blühen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den RiRoBra-Flächen und den jährlich gemähten Kontrollflächen.


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