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Zehn Fragen an: Geri Thomann

Der 58-jährige Geri Thomann arbeitet an der Pädagogischen Hochschule Zürich als Leiter ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung und als Leiter Abteilung Weiterbildung und Beratung a.i. Die wichtigsten Stationen seines Aus- und Weiterbildungsweges: Ausbildung zum Heilpädagogen, Studium in Pädagogik und Psychologie, Promotion zu «Produktives Scheitern», Weiterbildung in Coaching, Supervision und Organisationsberatung. Kontakt: geri.thomann@phzh.ch

1. Was motiviert Sie dazu, in der Weiterbildung zu arbeiten? Erfahrene und neugierige Menschen mit ihren Geschichten zusammenzubringen und mit ihnen ein Stück weiteren gemeinsamen Weg unter die Füsse zu nehmen, das ist spannend und befriedigend. 2. Auf welchem Weg sind Sie zur Weiterbildung gekommen? Ich war lange Zeit schulischer Heilpädagoge in einem Integrationsprojekt und habe in diesem Rahmen erste Weiterbildungsveranstaltungen konzipiert und gehalten; ich bin über dieses Projekt in die Lehrerbildung geraten. Meine Neugierde veranlasste mich aber schnell dazu, in einen Kontext zu wechseln, in welchem möglichst viele berufliche, biografische und kulturelle Hintergründe massgebend waren. Mein wirklicher Start in die Weiterbildung war meine Anstellung als Ausbildungsleiter an der aeB Akademie für Erwachsenenbildung in Luzern. 3. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Im Moment führe ich mehrheitlich und bin auf Grund der zusätzlichen Interimsleitungsaufgabe wenig involviert in das operative Weiterbildungsgeschäft, lasse es mir aber nicht nehmen, meinen Lieblingsthemen nach wie vor im Rahmen von ausgewählten Veranstaltungen nachzugehen (Beratung, produktives Scheitern, laterales Führen). 4. Wie bilden Sie sich selber weiter? Ich lerne von den Ideen und Projekten meiner Mitarbeitenden, hin und wieder besuche ich Tagungen und Kongresse. Seit vielen Jahren tausche ich mich professionell in einer Intervisionsgruppe aus. Zudem versuche ich schreibend und lesend am Puls der Zeit zu bleiben.

5. Wie bringen Sie Ihr Arbeitsleben, Ihre eigene Weiterbildung, Ihr Sozialund Privatleben unter einen Hut? Im Moment ist das nicht ganz einfach, mein Hut muss ziemlich gross sein... 6. Wie und wo tanken Sie auf, erholen Sie sich? Ich reise gerne und höre täglich viel Musik (Jazz), gelegentlich mache ich auch selber Musik (Gitarre, Piano). Gespräche mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern sind mir wichtig. 7. Haben Sie in jüngster Zeit in Ihrem Fachbereich eine neue Methode oder ein Werkzeug erprobt oder etwas gelesen, gesehen, gehört, was Sie hier vorstellen möchten? Wir beschäftigen uns am ZHE im Moment mit Konzepten des «lateralen Führens». Wir möchten uns damit den Herausforderungen derjenigen annehmen, welche im Rahmen von Produkten oder Projekten nah an den Leistungsprozessen von Bildungsorganisationen Verantwortung übernehmen (Ausbildungsleitende, Qualitätsverantwortliche, Projektleitende etc). Diese Steuerung geschieht häufig nicht aus hierarchisch legitimierter Position, sondern «lateral». Die Balance zwischen Aufgaben, Funktionen und Kompetenzen ist in der Realität nicht immer im Lot, es werden spezifische Strategien und Kompetenzen benötigt, um solche Situationen in «Sandwich»-Positionen gut zu meistern (siehe Hinweis zur Buchveröffentlichung).

8. Welche Arbeitsfelder ausser der Weiterbildung können Sie sich für sich selbst vorstellen – und warum? Ich kann mir alle möglichen Arbeitsfelder vorstellen, in welchen gemeinsam Ideen entwickelt und umgesetzt werden, wo man improvisierend Neuland entdeckt, den Moment geniesst und dabei lachen kann. Gerne würde ich mehr schreiben und auch wieder vermehrt musizieren. 9. Welche Eigenschaften prägen Ihrer Meinung nach eine begabte Ausbilderin, einen talentierten Ausbilder? Neugier, Bereitschaft, sich in unbekannte Gewässer zu begeben, gutes Vermögen zuzuhören, aufzunehmen, zu vernetzen, Themen weiterzuspinnen, den Ball weiterzugeben, sich anstecken zu lassen, Gedanken bei ihrer Verfertigung schon zu formulieren, Anschlussmöglichkeiten zu gewährleisten, Improvisationstalent, Fähigkeit, gut zu starten und klar zu schliessen. 10. Was erwarten Sie vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung SVEB? Ich bin froh, dass der SVEB uns vertritt im politischen Kontext, lobbiert für die Sache der Weiterbildung, einsteht für Konzepte wie das Life Long Learning oder die validation des acquis, dass er den Blick über den nationalen Zaun wirft und Informationen bündelt und zur Verfügung stellt. Weiter so!

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