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Musikszene «Auf dem Papier gibt es keinen Rassismus» Meng Tian ist Chinesin, Brandy Butler Afroamerikanerin. Beide sind Musikerinnen, beide leben in der Schweiz. Ein Gespräch über ihre Herkunftsländer, die Integration in der Schweiz und die Künstlerszene. VON MICHAEL GASSER (INTERVIEW) UND ANDREA GANZ (BILDER)

Meng Tian, Sie leben seit 1999 in der Schweiz, und Sie, Brandy Butler, seit 2003. Was hat Sie hierhergebracht? Meng Tian: Ich kam als Teenager mit meiner Familie in die Schweiz, weil mein Vater einen Job am Berner Inselspital angetreten hatte. Als ich China verliess, hatte ich noch keine eigene Meinung. Erwachsen wurde ich hier, in Zürich. Brandy Butler: Mit 20 schloss ich die Uni ab und wurde Primarlehrerin in Philadelphia. Ich stand damals am Beginn meiner Karriere als Musikerin. Drei Jahre später wollte ich ein Jahr Pause einlegen. Also suchte ich eine Stelle als Au-Pair in der Schweiz und landete bei einer Familie in Bonstetten im Kanton Zürich. Vermissen Sie Ihr früheres Zuhause? Brandy Butler: Ja, die Lockerheit der USA. Dort kann man mit den Leuten einfach plaudern, ohne dass sich etwas daraus ergeben muss. Ein nettes Gespräch in der U-Bahn muss nicht bedeuten, dass man zu besten Freunden wird. Meng Tian: Ich vermisse das Essen, vom Frühstück bis zum Nachtessen. Und die Menschen. In Beijing existiert eine sehr leidenschaftliche Gruppe von Musikern, Künstlern und Kunstschaffenden – sie haben ei-

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