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Treiber und Trends

Die neue Qualität der Digitalisierung wird durch Fortschritte in drei Bereichen und deren Zusammenwirken getrieben.4 Erstens IT und Soft­ ware: Die Leistungsfähigkeit von Prozessoren wächst weiterhin exponentiell und erleichtert die Nutzung von Cloud-Technologien sowie mobilen Anwendungen. Lernende Algorithmen rechtfertigen mittlerweile die Bezeichnung „künstliche Intelligenz“ für Anwendungen wie Watson, AlphaGo oder Siri. Zweitens Robotik und Sensorik: Während Größe und Kosten von Systemen sinken, steigen ihre Anwendungsmöglichkeiten und ihre Bedienbarkeit, was sie auch für kleinere Betriebe und individuelle Fertigung interessant macht. Hinzu kommen neue Ferti­ gungstechniken wie additive Verfahren sowie die verbesserte Steuerung und Datensammlung durch neue Sensorik. Drittens und entscheidend die Vernetzung: Durch diese entstehen cyber-physische Systeme als Grundlage für die Industrie 4.0 , d. h. Netzwerke von kleinen Computern, die mit Sensoren und Aktoren ausgestattet sind, in Gegenstände, Geräte und Maschinenteile eingebaut werden und über das Internet miteinander kommunizieren können.5 Auf dieser Basis tauschen Anlagen, Maschinen und einzelne Werkstücke kontinuierlich große Mengen an Informationen aus und können Produktion, Lager und Logistik weitgehend selbst steuern. Big Data kann darüber hinaus auch neue Geschäftsmodelle und kundenorientierte Dienstleistungen (z. B. Prozess- und Absatzplanung, vorausschauende Instandhaltung) hervorbringen.6 DIE WIRTSCHAFT IM UMBRUCH Der Digitalisierungsgrad der einzelnen Branchen in Deutschland fällt sehr unterschiedlich aus. 7 Während sich der IKT- und Medienbereich in den vergangenen zwei Jahrzehnten in mehreren Schüben weitgehend digitalisiert und verändert hat, steht dieser Prozess in weiten Teilen des verarbeitenden Gewerbes erst noch bevor. 8 Während modernste Technologien bereits in der Hälfte der Betriebe in Deutschland Einzug gehalten haben, hat sich ein Drittel mit der Nutzung dieser Technologien noch nicht beschäftigt. 9 Branchenübergreifend ist die Frage künftiger Wettbewerbsfähigkeit auch daran gekoppelt, wie erfolgreich es den Unternehmen gelingt, den digitalen Wandel zu bewältigen. Beispiele dafür, wie dies gelingen kann, gibt es nicht nur im IKT-Bereich. Auch in anderen Branchen, wie dem Lebensmittelhandel, gibt es Firmen, die

4 BMAS-Experten-Workshop „Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Erwerbsformen“, http://www.arbeitenviernull.de/fileadmin/Downloads/Dokumentation_WS_3.pdf 5 Vgl. u. a. Spath 2013; Forschungsunion/acatech 2013. 6 BITKOM 2015. 7 BMWi 2015. 8 Vgl. auch Apt u. a. 2016. 9 Arntz u. a. 2016a.

---» Aus Sicht des Mittelstands

­werden die von der Digitalisierung ­verursachten Umwälzungen auf dem ­Arbeitsmarkt im Ergebnis zu mehr Wertschöpfung führen.

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Bundesverband mittelständische Wirtschaft

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Weißbuch Arbeiten 4.0 - Diskussionsentwurf  

Mit dem Weißbuch fasst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales seine Schlussfolgerungen aus dem im April 2015 gestarteten Dialogprozes...